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9. April 2011

Kurz & Knackig: US-Serien Teil V

Community - Season One

Had I not already cried at the sunrise this morning I would be weeping right now.

Manchmal begegnet man Serien, die nicht wirklich gut sind, die einem aber doch ans Herz wachsen. Primär wegen ihrer Figuren, bisweilen auch, weil das Format seiner eigenen Prämisse in ein, zwei Szenen exzellent gerecht wird. So gibt es Licht und Schatten im Kritikerliebling 30 Rock, wusste die Spionage-Komödie Chuck im ersten Jahr irgendwie doch zu gefallen und ließ einen über die Jahre hinweg am Ball halten oder vermochte Arrested Development hier und da zu beweisen, warum sie für viele als die beste Sitcom im Fernsehen galt. Ähnlich verhält sich das alles auch bei Dan Harmons College-Serie Community - sympathische Figuren, teilweise geniale Szenen, aber in ihrer Summe eine unterdurchschnittliche Serie.

Die Prämisse der Sitcom ist schnell erzählt. Anwalt Jeff (Joel McHale) wird sein Abschluss aberkannt, weshalb er diesen an einem Community College nachholt. Weil er das Blondchen Britta (Gillian Jacobs) heiß findet, bietet er ihr Spanischnachhilfe an, während Britta jedoch noch fünf weitere Mitglieder des gemeinsamen Spanischkurses zu dem Lernkreis einlädt. Eine kunterbunte Truppe, von den High School Abgängern Annie (Alison Brie) und Troy (Donald Glover) über den palästinensisch-amerikanischen Abed (Danny Pudi), bis hin zur alleinerziehende Shirley (Yvette Nicole Brown) und Gasthörer Pierce (Chevy Chase). Fortan freundet sich die Gruppe an, obschon dies nur bedingt wirklich nachvollziehbar ist.

So erscheint Pierce als sexuell belästigender Rassist und Abed ist eine wandelnde Film- und Serienenzyklopädie ohne echte Sozialkompetenz. Passenderweise, Sitcom hin oder her, wird auch nie thematisiert (nicht mal humoristisch, davor hatte Harmon dann wohl Angst), dass sich hier mit Abed ein Palästinenser und mit Annie eine Jüdin anfreunden. Auch sonst fragt man sich, ob die Charaktere eigentlich nichts besseres zu tun haben, als miteinander abzuhängen beziehungsweise wie sich zum Beispiel Jeff finanziell über Wasser hält, wo er ja nun nicht mehr praktizieren kann. Stattdessen verkommt die Serie zur Sozialschmelztiegel-Comedy, die sogar ein Mal von Jack Black, Owen Wilson und Tony Hale unterstützt wird.

Das Niveau der Folgen ist fast durchgängig unterdurchschnittlich, lediglich Modern Warfare brennt ein Feuerwerk der Sonderklasse ab, wenn unter anderem Die Hard, Lat sau san taam und 28 Days Later reminisziert wird. Filmzitate gibt es ohnehin en masse, von Good Will Hunting in English as a Second Language bis hin zu The Breakfast Club in Communication Studies. Grundsätzlich hat Community Potential, sei es durch Donald Glover, den heimlichen Star der Serie, Ken Jeongs Señor Chang oder das absurd-hässliche College-Maskottchen. All das hilft der Serie zwar qualitativ nicht sonderlich weiter, verleiht ihr jedoch einen gewissen Charme. Weshalb einem Community ans Herz wächst, auch wenn sie nicht besonders gut ist.

6.5/10

Luther - Season One

One coffee doesn’t make us friends.

Was macht ein Schauspieler eigentlich, wenn er Zeit seines Lebens nur mit einer Rolle in Verbindung gebracht wird? Dieser lange Schatten, den er nie ausfüllen kann. Egal ob Sean „James Bond“ Connery, Elijah „Frodo“ Wood oder Tobey „Spider-Man“ Maguire. Wer an sie denkt, denkt zugleich an ihre große Rolle. Auch, weil nichts nachkommt, kein Charakter, der sie ablöst. Und wenn, reiht er sich nur daneben, wie im Falle von Harrison Ford, der für die einen eher „Han Solo“ und für die anderen mehr „Indiana Jones“ ist. Und wenn man Idris Elba begegnet, dann kommt man nicht umhin, an Stringer Bell zu denken, jene charismatische Figur aus The Wire. Und daran wird auch seine neue Serie, Luther, nichts ändern.

John Luther (Idris Elba) ist Chefermittler des Londoner Morddezernats und in dieser Funktion “influenced by both Sherlock Holmes and Columbo”, so Serienschöpfer Neil Cross. Daher weiß Luther kaum am Tatort auch bereits, wie der Hase läuft und es dauert stets weniger als die Hälfte der Sendezeit, ehe der Tatverdächtige bereits am Start ist. Aber Luther ist nicht irgendwer, sondern menschlich. Weswegen er einen Frauenmörder auch einst in seinen vermeintlichen Tod stürzen ließ, statt ihn zu retten. Nach psychischem Kurzschluss arbeitet er ab Episode 1 wieder, aber die Ehe mit Zoe (Indira Varma) ist dennoch am Arsch. Und dann ist da noch Soziopathin Alice (Ruth Wilson), die einen Narren an Luther gefressen hat.

Die Figuren in Luther sind Abziehbilder aus dem Ermittlerserien-Paniniheft (immerhin ist Luther kein Alkoholiker). Die absurde „Freundschaft“ zwischen Elbas Figur und der grandios fehlbesetzten Wilson als Hannibal Lecter mit Titten funktioniert bezeichnenderweise zu keinem einzigen Zeitpunkt und wenn Alice plötzlich Zoe bedroht und Luther mit großen Augen hilflos daneben steht, wünscht man sich mehr als ein Mal Stringer her, damit er dieser Hanswurst in den Arsch tritt. Luther ist in den meisten Fällen einfach nur enttäuschend lächerlich in dem, was die Serie versucht zu erzählen. Episode 2 ist hier noch am erträglichsten ausgefallen und das trotz (!) des peinlichen, aus Bond-Filmen entlehntem, Finale.

Es ist eine Schande, dass Idris Elba (der bei diesem Desaster auch noch als Produzent fungiert) zwischen coolen Rollen wie RocknRolla und The Losers zu Charakterschrott wie Obsessed und Luther hin- und hergereicht wird. Die Serie, die sich zum Ende hin in einem sichtlich bemühten, aber vollkommen realitätsfernen Twist versucht, ist in ihrem blitzgescheiten und auf einen kantigen Charakter zugeschnittenen Ermittlungsformat wohl allenfalls (oder: besonders) etwas für Fans von Serien wie House M.D. und Damages als deren Zwitter sich Luther auch mehr als offensichtlich anbiedert. Und obschon die Serie wahnwitziger Weise in eine zweite Staffel zu gehen scheint, wird Idris Elba auch weiterhin Stringer Bell bleiben.

4/10

Life Unexpected - Season Two

We’re all gonna be okay.

Vielleicht mit das größte Problem von Liz Tigelaars Life Unexpected fand sich in ihrer ersten Staffel in der Figur von Lux (Brittany Robertson). Ein Pflegekind, das mit 16 Jahren statt emanzipiert zu werden, in die Obhut seiner natürlichen Eltern kommt - und diese zum ersten Mal trifft. Robertsons Rolle leidet am Nerviges-Kind-Syndrom, was auch nicht dadurch entschuldigt wurde, dass die Serie auf dem Teenie-Sender The CW ausgestrahlt wurde. Altkluge Ratschläge an ihre Eltern Baze (Kristoffer Polaha) und Cate (Shiri Appleby) verfügten immer keinen Hintergrund und wirkten stets sehr egoistisch. Teenager eben. Leider ändert sich das in der zweiten Staffel nicht, obschon diese manches richtig zu machen versucht.

Denn jede der Figuren bekommt ein eigenes Päckchen zu schultern, womit diese zumindest beschäftigt sind. Versuchen Cate und Ryan (Kerr Smith) ihre Ehe zusammen zu halten, beginnt Baze eine Beziehung mit Emma (Emma Caulfield), seiner Vorgesetzten, und Lux wiederum eine Affäre mit ihrem Englischlehrer Eric (Shaun Sipos). Das ist zwar alles an sich interessant und wird später noch durch einen alten Missbrauchsskandal von einem von Lux’ Pflegevätern komplettiert, die gesamte Staffel vermögen jedoch auch diese sehr simpel gehaltenen und sich zugleich ähnlichen Handlungsstränge nicht zu tragen. Was besonders deswegen anstrengend ist, weil Lux besonders anstrengend ist. Teenager eben.

Aber wahrscheinlich empfindet man das einfach so, wenn man alterstechnisch näher an Cate denn Lux ist, das Besserwisserische Verhalten von Letzterer angesichts ihrer fraglosen moralischen Disposition gereicht Life Unexpected jedenfalls nicht zum Vorteil. Auch die übrigen Figuren verlieren sich etwas in ihrem redundanten Profil (wie viele Knüppel kann man Cates und Ryans Beziehung eigentlich zwischen die Beine werfen?). Erfrischend dramatisch wird es da erst, wenn Lux plötzlich gegen ihren ehemaligen Pflegevater aussagen muss, weshalb Thanks Ungiven und Stand Taken gegen Ende der Staffel auch die überzeugendsten Episoden eines zweiten Jahres voller Durchschnittlichkeit ausmachen.

Grundsätzlich hätte sich die Serie sogar zum Vorjahr gesteigert, wäre da nicht dieses grausige Serienfinale in Affair Remembered. In den letzten Minuten schlägt Tigelaar einen Salto Mortale - mit verheerendem Ausgang. Wie die Figuren hier in Zuschauererwartungen gepresst werden, hat durchaus etwas von charakterlicher Vergewaltigung und läuft im Grunde auch dem zuwider, was sich insbesondere die zweite Staffel erarbeitet hat. Hier erhielt ein Ende mit Schrecken den Vorzug vor dem Schrecken ohne Ende, ohne dass davon irgendwer profitiert hätte. Letztlich war Life Unexpected eine Serie, die nie so recht wusste, wo sie eigentlich hin wollte, aber stets vorgab, ihren Weg zu kennen. Wie Teenager eben.

7/10

Southland - Season Three

Sometimes doing the right thing is the wrong thing.

Es entspricht der US-amerikanischen Mentalität, dass man aufsteht, wenn man hinfällt. So gesehen ist Southland eine durch und durch amerikanische Serie, die sich auch von jährlichen Einstellungen nicht kleinkriegen lässt. Bereits zum zweiten Mal kehrte die Cop-Show nun zurück, nachdem ihr Sender wenig Verwendung für sie fand. Aber alles hat einen Preis und für Southland lautet er: eine Budgetkürzung um mehr als 30 Prozent, weshalb die einen Darsteller ein geringeres Gehalt erhielten und andere gleich ganz aus der Serie geschrieben wurden. Der Lohn waren mehr oder weniger konstante zwei Millionen Zuschauer (nur 20 Prozent der Zuschauer der Pilot-Folge) und zehn gelungene Folgen.

Im Gegensatz zur zweiten Staffel Life Unexpected laufen hier drei Handlungsstränge relativ problemlos über die gesamte Zeit, unabhängig davon, dass sie stagnieren. Sherman (Ben McKenzie) ist in seinem dritten und letzten Ausbildungsjahr und kämpft immer noch gegen Coopers (Michael Cudlitz) Schmerzmittelabhängigkeit, während es Adams’ stete Hauptaufgabe ist, mit ihrem Partner, in diesem Fall der Chicana Josie Ochoa (Jenny Gago), klar zu kommen. Die größte Dynamik erhält die Figur von Sammy (Shawn Hatosy), der eine persönliche Vendetta gegen die Chicano-Gangs beginnt, nachdem diese während einer nächtlichen Kontrollfahrt seinen Partner Moretta (Kevin Alejandro) ermordet haben.

Abgesehen davon ändert sich in Southland nicht viel - schon gar nicht, dass auch im dritten Jahr die beste Folge, hier: Let It Snow, den Auftakt bildet. Zwar will einem nicht alles immer koscher erscheinen, angesichts dessen, was man präsentiert bekommt, wirkt es jedoch nachvollziehbar. Zum Beispiel, dass Sherman weiterhin loyal-schweigend mit Cooper seine Runden dreht, was ob seiner immer wieder gezeigten Unerfahrenheit und der Tatsache, dass Cooper sein Ausbilder ist, verständlich erscheint. Auch die eher ertragene, denn gelebte Beziehung zwischen Adams und Ochoa kommt letztlich auf einen gemeinsamen Nenner. Die Intensität der Sammy-Bryant-Storyline weiß jedoch keine von ihnen zu erzeugen.

Im Gegensatz zu anderen Serien handelt es sich hierbei nicht um ein Format, das jede Staffel ein bestimmtes Thema abarbeitet, weshalb Southland relativ leger ein- wie aussteigen kann. Durch die verstärkte Emotionalität rückt dabei Hatosy in den Mittelpunkt der Show und überflügelt die etwas zurücksteckenden King und McKenzie in der Zuschauergunst. Grundsätzlich ist Southland eine mehr als solide Serie, die das liefert, was man erwartet - nicht mehr und nicht weniger. Und dem Schicksal der ersten und zweiten Staffel zum Trotz, scheint es ganz so, als würde die Serie dieses Jahr die angedrohte Einstellung vermeiden. Weshalb nichts dagegen spricht, im Herbst wieder auf Streife zu gehen.

7.5/10

Shameless - Season One

Fucking Gallaghers.

In Zeiten, in denen Hollywood nahezu jedem europäischen Film (bevorzugt aus Schweden oder Frankreich) ein Remake verleiht, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, verwundert es auch nicht, dass selbst Fernsehserien in das heimische TV-Haifischbecken geworfen werden. Beliebter Zulieferer sind hierbei die Briten, von denen bereits erfolgreich The Office, aber auch Being Human, sowie weniger gelungen Serien wie Cold Feet eingekauft wurden. Das jüngste Adoptivkind ist nunmehr der BAFTA-Gewinner Shameless, eine vor sieben Jahren von Paul Abbott (State of Play) geschaffene Serie über den Alkoholiker und Versicherungsbetrüger Frank Gallagher, sowie seine sozial vernachlässigten sechs Problemkinder.

Im Vergleich mit Frank (William H. Macy) erscheint Al Bundy als Mustervater und selbst die Flodders haben es schwer, mit der Asozialität der Gallaghers mitzuhalten. Während Frank seine Sozialhilfe in der Eckkneipe versäuft, ist es die älteste Tochter Fiona (Emmy Rossum), die seit der Flucht der Mutter vor knapp zwei Jahren den Haushalt schmeißt. Eher widerwillig lässt sie Steve (Justin Chatwin), Autodieb aus gutem Hause, hinter ihre Barrikaden blicken, während ihre Geschwister wie der homosexuelle Ian, der eine Affäre mit seinem muslimischen Vorgesetzten unterhält, eigene Probleme haben. Die Großmutter sitzt derweil wegen fahrlässiger Tötung zweier Studenten bei einem Meth-Lab-Unfall im Knast.

Das Familienleben der Gallaghers ist Chaos pur, die Kinder unterschiedlich anstrengend und dementsprechend auch die Sympathien verteilt. Lip (Jeremy Allen White), das Familiengenie, funktioniert neben Justin Chatwin noch am ehesten als Identifikationsfigur, während gerade Carl, der Zweitjüngste, eher verstört. Die Serie selbst ist nach einem einfachen Schema aufgebaut: Franks Egoismus gefährdet das Familienüberleben und Emmy Rossum ist wie Shanola Hampton und Laura Slade Wiggins vertraglich verpflichtet, mindestens jede zweite Folge ihre Titten in die Kamera zu halten. Die eigentlichen Geschichten sind in ihrer Absurdität meist etwas over the top geraten, aber dies auf durchschnittlichem Niveau.

Neben der Pilot-Folge überzeugt It’s Time to Kill the Turtle am meisten, grundsätzlich leidet die US-Adaption jedoch darunter, dass sie ihr UK-Pendant einfach nacherzählt und es somit im Gegensatz zu The Office versäumt, etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Sinn und Zweck des Ganzen ist also in Frage gestellt, Shameless für Kenner des Originals daher eher ein frisch aufgewärmter alter Hut in neuem Gewand. Spannend wird es vielmehr in der zweiten Staffel und ob Showtime hier weiterhin konsequent dem Original treu bleibt. Ob der Sender sein US-Remake ebenso lang am Leben halten kann, wie das britische Original (das in das neunte Jahr geht) bleibt trotz bisheriger guter Quoten allerdings fraglich.

7/10

No Ordinary Family - Season One

Everything is not what it seems.

In Hollywood herrscht Ideenarmut und Kreativitätsdürre. Da erhält Spider-Man kein Jahrzehnt nach seinem Debüt bereits ein Reboot und sogar Batman soll ein derartiges erfahren, ehe überhaupt die Dreharbeiten zu dessen Trilogieabschluss begonnen haben. Wen wundert es da, dass selbst im Fernsehen alte Stoffe wiederverwertet werden, ehe sich der Staub beginnt auf sie zu legen? Im Falle von No Ordinary Family stellt sich dies in einer Realfilmversion von Pixars The Incredibles dar. Hier wird eine Kleinfamilie mit Superkräften ausgestattet, was es der Serie von Jon Harmon Feldman und Greg Berlanti gewährt, sogar ganze Subplots aus dem Animationsfilm zu entnehmen und für eigene Zwecke zu recyclen.

Nachdem ihr Flugzeug in Südamerika bei einem Familienausflug abstürzt, stellt die Familie rund um Polizeizeichner Jim Powell (Michael Chiklis) und Biochemikerin Stephanie (Julie Benz) fest, dass ihre DNS verändert wurde und sie Superkräfte entwickelt haben. Jim ist superstark und unverwundbar, Stephanie superschnell, Tochter Daphne (Kay Panabaker) ist telepatisch und Sohn JJ (Jimmy Bennett) hat ein Supergehirn. Speziell für Vater Jim sind die neuen Kräfte nun eine Chance, endlich zu dem Mann zu werden, der er immer sein wollte. Gemeinsam mit Staatsanwalt George (Romany Malco) bekämpft er nachts das Verbrechen, während Stephanie mit Assistentin Katie (Autumn Reeser) die Superkräfte-DNS untersucht.

Bösewichte gibt es dann auch noch, wie Stephanies Boss (Stephen Collins), der Kriminelle mit einem Substitut der Superkräfte ausstattet, sodass altbekannte Comic-Figuren wie Wolverine in neuer Form (hier: Eric Balfour) aufleben. In seiner Rezitationswut, speziell durch Autumn Reesers hottest nerd alive, ist die Serie besonders für Comic-Fans ein gelungenes Unterfangen. Während sich die erste Hälfte der Entdeckung der Kräfte widmet, ist die zweite Hälfte mit mehr dramaturgischen Verknüpfungen ausgestattet. Qualitativ hat dies allerdings kaum einen Einfluss, bewegt sich die Serie doch meist auf einem durchschnittlichen Niveau, mit No Ordinary Powell und dem Finale No Ordinary Beginning als Höhepunkten.

So amüsant es auch ist, wenn JJ seine Kräfte im sportlichen Wettkampf messen will und Daphne wiederum die Aufmerksamkeit von Jungs gewinnt, wenn Jim Verbrechen bekämpfen will und es Stephanie untersagt, so zeugen die Anleihen an The Incredibles (bis hin zum glatzköpfigen afroamerikanischen Sidekick) von Hollywoods Krux. Dass No Ordinary Family im Laufe der Staffel die Hälfte ihrer Quoten einbüßte und damit wohl eingestellt wird (Chiklis und Benz haben schon neue Serienverträge), ist eventuell die Konsequenz der Repetition Hollywoods. Dass die Serie Ansätze besitzt, no ordinary drama show zu sein, hat sie im Staffelfinale gezeigt. Weshalb ABC gut beraten wäre, ihr eine zweite Chance zu geben.

7.5/10

15. Dezember 2009

Dexter - Season Four

Father of the freakin’ year.

Amüsanterweise startet in den USA diese Woche die neue Hugh-Grant-Komödie Did You Hear About the Morgans?. Ein Titel, der sich grundsätzlich auch auf die Titelfiguren der Showtime-Serie Dexter münzen ließe. Was Dexter (Michael C. Hall) und Deborah (Jennifer Carpenter) Morgan jede Staffel in Miami erleben, ist beachtlich. Dexter selbst verliebt sich in seine Tarn-Freundin Rita (Julie Benz), muss seinen eigenen Bruder umbringen, eine Stalkerin loswerden und sich mit einem mordgeilen Staatsanwalt auseinandersetzen. Und jetzt ist er auch noch Vater des kleinen Harrison geworden. Seine Adoptivschwester Deb erwischt es kaum besser. Vom Verlobten entführt und fast getötet, wird wiederum ihr nächster Freund entführt und fast getötet, ehe auch die große Liebe dieses Mal zwar nicht entführt, aber doch getötet wird. Nein, die Morgan-Geschwister haben kein leichtes Leben. Und auch das vierte Jahr, das sie mit dem Fernsehpublikum teilen, soll ihnen kaum ruhige Momente bescheren. Ganz im Gegenteil.

Harrison ist da und mit dem Baby auch all der Ärger, den ein Baby mit sich bringt. Dexter kriegt kaum noch Schlaf, seine Beruhigungsmorde leiden darunter. Als er eines Abends einem Mörder auflauert, schläft er vor Müdigkeit am Steuer ein. Ein anderes Mal verfällt er sogar während der Fahrt dem Sekundenschlaf. Da macht es die Sache auch nicht einfacher, dass in seiner neuen Nachbarschaft ein Randalierer sein Unwesen treibt. Deborah hingegen fühlt sich solange in ihrer Beziehung mit Anton (David Ramsey) wohl, bis ihr Ex, FBI-Agent Lundy (Keith Carradine), wieder in Miami auftaucht. Er bittet Dexter um dessen Hilfe bei der Suche nach dem Trinity-Mörder. Einen Serienkiller, der seit Jahrzehnten sein Unwesen treibt. Als die Ermittlungen gegen Trinity Lundy schließlich das Leben kosten und Dexter wiederum Trinitys Identität als die von Arthur Mitchell (John Lithgow) ausfindig macht, beginnt sich das eigentliche Handlungsgerüst erst in Bewegung zu setzen. „He’s like me“, stellt Dexter fest, als er Arthur zu seiner scheinbar glücklichen Familie verfolgt.

Fortan ist Dexter unentschlossen, ob er Arthur sofort töten soll oder nicht. Zwar ermuntert ihn Harry (James Remar) stets dazu, aber Arthur scheint so integriert in seine Familie, dass Dexter herausfinden will, wie man Serienmord und Familie unter einen Hut bekommt. Die nächtlichen Aktivitäten belasten jedoch die Ehe mit Rita und auch eine kleine Auseinandersetzung mit Quinn (Desmond Harrington) will nicht abebben. Als Deb schließlich mit knallhartem Ehrgeiz Lundys Ermittlungen übernimmt, sieht sich Dexter immer mehr in die Enge getrieben. Es beginnt wie jedes Jahr ein Spiel gegen die Zeit, welches sich jedoch erst in den finalen Folgen spannungsgeladen herauskristallisiert. Die ersten beiden Episoden der vierten Staffel sind hierbei doch etwas dröge geraten. Das neue Ambiente des dreifachen Familienvaters, der keine Zeit mehr findet, seinem dunklen Begleiter Aufmerksamkeit zu schenken, will hier noch nicht wirklich faszinieren. Die anfänglichen Morde sind einem irgendwie total egal und die offensichtliche Harmonie im Hause Morgan so befremdlich, dass man nicht recht bei der Sache ist.

Ähnlich verhalten sich die Folgen später, in denen Arthur und Dexter Zeit miteinander verbringen. Bisweilen ist dies überaus nett geraten, aber auch zu ausführlich. Ohnehin ist das Arthur-Dexter-Setting mehr ein Echo der Miguel-Geschichte des Vorjahres. So werden auch wieder absurd-komische Bilder heraufbeschworen, wie das Mordwaffen-Shopping in der dritten Staffel. Dieses Mal darf Dexter in Dex Takes a Holiday einen befreienden Mord in Harrisons Kinderzimmer verüben. Was ob der Umgebung und der Analogie zu seinem eigenen Leben reichlich perfide ist. Und zugleich das einzige Highlight der Folge bleibt. Die Macher nehmen sich in der Mitte der vierten Staffel viel zu viel Zeit für ihre Geschichte. Unglaubwürdig, dass Arthur nicht skeptisch wird, wenn Dexter Mal um Mal in seiner Einfahrt auftaucht und seine Ausreden kontinuierlich abstruser werden. Genauso wie die gesamte Trinity-Ermittlung von Deb, Quinn und Batista (David Zayas) zu langatmig ausfällt.

Wie schon in der letzten Staffel nimmt also erst das Finale richtig Tempo auf. In den letzten vier Folgen beginnt sich die Schlinge um Arthur zuzuziehen. Dexters Geduld ist am Ende und Dexter wandelt auf den Pfaden, die der Serie gut tun. Hungry Man und Lost Boys zählen neben dem Staffelfinale The Getaway zu den stärksten Episoden. Wobei sich The Getaway zu Schulden kommen lässt, dass sich wie schon in den vergangenen Jahren die Ereignisse plötzlich derart überschlagen, als hätten die Produzenten realisiert, dass man überraschenderweise schon in der letzten Folge angekommen ist und alles rasch zu Ende zu erzählen hat. Zudem wirkt die Schlusseinstellung reichlich harsch, da vollkommen unerwartet. Ein Bruch mit dem Rhythmus der Serie und ein gewagter, zugleich aber auch interessanter Wandel für die kommende Staffel. Grundsätzlich hätte es Dexter jedoch gut zu Gesicht gestanden, wenn man das Staffelfinale nicht schnell runtergespult hätte und stattdessen die Episoden in der Mitte ein bisschen flotter hätte voran schreiten lassen.

Oder sie einfach anders genutzt. In Slack Tide agiert Dexter beispielsweise so unachtsam, dass er einen unschuldigen Mann tötet als er ihn für einen Mörder hält. Zum ersten Mal hat Dexter somit extrem gegen Harry’s Code verstoßen, doch der Mord wird anschließend nicht weiter thematisiert. Keine Auseinandersetzung mit dem Monster in sich selbst. Keine Weiterführung der Analogie zwischen Dexter und Arthur, um die Dexter zu diesem Zeitpunkt sonst so bemüht ist. Stattdessen die Flucht in die Redundanz, wie schon im Vorjahr. Als Ganzes betrachtet zeigt die vierte Staffel durchaus ein neues Gesicht. Mit dem Familienvater Dexter – auch wenn seine Beziehung zu Harrison erstaunlich neutral ist -, der in Arthur eine Art älteres Alter Ego zu entdecken scheint. Für sich genommen funktionieren jedoch gerade die Folgen der ersten Hälfte bisweilen nur mittelprächtig und sorgen schließlich für die qualitative Trübung des Gesamtbildes dieser vierten Staffel. Ein leicht enttäuschendes Jahr mit den Morgans geht zu Ende und es bleibt abzuwarten, welche Wege Dexter in seiner fünften Staffel unter den neuen Voraussetzungen beschreiten wird.

7.5/10

16. Dezember 2008

Dexter - Season Three

Liar liar pants on fire.

Man könnte die Werbemaßnahmen von RTL 2 ja durchaus diskutieren. „Keine Angst, der will nur töten“ als Plakat an Bushaltestellen zu hängen ist sicherlich ein Eyecatcher, ob es ethisch vertretbar ist so um Zuschauer zu buhlen wäre eine andere Frage. Doch das wichtigste ist, der sympathischste Serienkiller (so wirbt Showtime um seine Figur) ist wieder zurück. Gerne würde ich jetzt schreiben „Zurück - und wie!“, aber dem wird die dritte Staffel dann doch nicht so gerecht. Gerade der Beginn ist relativ schleppend, dafür die finalen Folgen wieder sehr gelungen. Grund hierfür ist ohne Frage auch der Wandel, denn die Figur und ihre Serie jedes Jahr durchgehen. Am Anfang war der Mord und Dexter (Michael C. Hall) sah, dass er gut war. Und so tat es auch der Zuschauer. Ein Serienmörder, der andere Serienmörder jagt und umbringt. Das moralische Gewissen der Stadt Miami. Der Mann, der den Müll raus bringt. Dabei immer mit einem amüsanten, da gefühlskalten Einzeiler auf den Lippen.

Für Staffeln wie die Erste von Dexter wurden Begriffe wie „Kult“ erfunden. Eine in sich geschlossene Geschichte über zwei Serienmörder, die dennoch unwahrscheinlich viel Platz für ihre zahlreichen Nebenfiguren offen gelassen hatte. Ein mehr als stimmiges Ende und ein Einstieg wie man ihn sich nur wünschen konnte. Die Prämisse der zweiten Staffel war zwar mehr als gelungen – Dexter insgeheim als neues Ziel seiner Einheit -, aber verlor sich speziell durch die Beziehungen von Dexter mit Lila und Deb mit Lundy etwas. Der Jäger wurde zum Gejagten und das war der Staffel nicht allzu zuträglich. Denn das Dexter davon kommen würde, war von vorneherein absehbar. Nichtsdestotrotz fügte sich auch die zweite Staffel gut in den Kanon ein und spielte weiterhin in der ersten Liga mit. Die Prämisse für die dritte Staffel ist dagegen etwas schwächer, die Charakterentwicklungen dafür umso stärker.

Bei einer nächtlichen Streiftour will sich Dexter des Drogendealers Freebo entledigen. Doch er wird bei der Arbeit gestört, ein Streit geht in Freebos Haus vor und während der Dealer flüchten kann, tötet Dexter den anderen Kontrahenten in Notwehr. Wie sich herausstellt, handelt es sich hierbei um den jüngsten Bruder von Staatsanwalt Miguel Prado (Jimmy Smits). Während dieser zuerst misstrauisch gegenüber Dexter ist, nimmt die Beziehung der beiden kurz darauf eine neue Wendung. Prado ertappt Dexter dabei, als dieser das Kapitel Freebo beschließt. Als die Katze aus dem Sack ist, stellt Dexter fest, dass auch Miguel einen dunklen Begleiter hat. Langsam aber sich lässt der Blutforensiker den Staatsanwalt in seinen inneren Kreis und ernennt ihn schließlich auch zu seinem Trauzeugen, als er seiner langjährigen Freundin Rita (Julie Benz) einen Heiratsantrag macht. Da diese zudem schwanger ist, muss sich Dexter einer völlig neuen Verantwortung stellen.

Vorbild in mehrfacher Funktion, ein Vater für sein ungeborenes Kind und ein Ausbilder für Miguel. Währenddessen treibt ein neuer Serienmörder sein Unwesen. Er ist auf der Suche nach Freebo, nur ist dieser tot und außer Dexter und Miguel weiß niemand davon. Angel (David Zayas) und Deb (Jennifer Carpenter) ermitteln im „Skinner“-Fall, der seinen Opfern bei vollem Bewusstsein die Haut abzieht. Für Deb stellen sich ebenfalls neue Weichen, verliebt sie sich doch in den Polizeispitzel Anton (David Ramsey) und wird bezüglich einer Beförderung von den internen Ermittlern aufgefordert ihren neuen Partner Quinn (Desmond Harrington) auszuspionieren. Während Deb sich zwischen Karriere und Gefühlen entscheiden muss, beginn Dexter sich von Harrys (James Remar) Code zu lösen und individuelle Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die wie immer vielen Beteiligten das Leben kosten wird.

Zu Beginn des Staffelauftakts wähnt man sich in Our Father wieder in guten alten Zeiten. Dexter auf der Pirsch. Schnell macht die Staffel dann eine Wende. Mit der Einführung von Miguel Prado nimmt die Serie eine völlig andere Zweigung, als man sich zuerst gewünscht hat. Die ersten drei Folgen sind dann auch etwas holprig, da ungewohnt. Man weiß nicht wohin das führt, was man da sieht und auch retrospektiv dreht sich die Serie hier etwas zu stark im Kreis. Richtig losgehen kann es dafür dann, als Miguel Dexters Geheimnis lüftet. Seinen Höhepunkt erreicht die dritte Staffel in The Damage a Man Can Do, wenn Miguel und Dexter gemeinsames „murder shopping“ betreiben und der lateinamerikanische Staatsanwalt wie ein kleines Kind durch den Spielzeugladen streift, um die besten Mordinstrumente auszuwählen. Ein kleiner Magic Moment innerhalb der Serie. Schon bald verdichtete sich jedoch die Freundschaft der beiden und die wahren Karten werden auf den Tisch gelegt. Jimmy Smits ist hier eine Bereicherung für die Serie und verleiht seinem Charakter genau den Charme, den dieser bedarf, um innerhalb der Handlung funktionieren zu können. Wie in den beiden Vorgängerstaffeln findet Dexter also auch dieses Mal einen „Seelenverwandten“, mit dem es letztlich aber doch nicht so klappen möchte, wie alle Beteiligten sich das zuvor ausgemalt haben. Es ist jene Beziehung zwischen Dexter und Miguel, die das Kernstück und somit das Herz der diesjährigen Staffel ausmachen.

Der fortlaufende Serienmord, der als Aufhänger dient, ist jedoch der des Skinners. Da dieser nun weder mit Dexter verbunden ist oder dieser selbst, tangiert der Fall unseren Forensiker nur peripher. Umso mehr Spielraum für die zweite Mannschaft der Serie, angeführt von Jennifer Carpenter. Während man von Laguerta (Lauren Vélez) nicht allzu viel sieht, ist es in allen Aspekten Angel, der die Funktion von Doakes übernimmt. Sehr nett, dass man auch Masuka (C.S. Lee) nicht aus den Augen verloren hat und ihm einige herrliche Momente schenkt. Einziger Störfaktor dieser Truppe ist der Einbezug von Quinn, der nicht so richtig stimmig sein möchte. Intern wird gegen ihn ermittelt, doch was genau es damit auf sich hat und wie es endet wird zu den finalen Folgen hin nicht mehr weiter verfolgt. Bisweilen vermutet man auch nicht zu Unrecht dass hinter Quinn der Skinner steckt oder zumindest die gegen ihn erbrachten Anschuldigungen begründet sind. Löblich lediglich, dass man ihn nicht zu einem von Debs „Betthäschen“ hat verkommen lassen.

Die darstellerischen Leistungen überzeugen, wobei gerade Julie Benz darunter zu leiden hat, dass ihre Figur eine positive Entwicklung durchgemacht hat. Von der abgefuckten Rita zu Beginn der Serie ist nicht mehr viel übrig, insofern kann Benz hinsichtlich einer normalen, geerdeten Figur nicht mehr so hervorstechen, wie sie es in den vorherigen Staffeln getan hat. Abgesehen von den ersten drei Folgen ist lediglich Easy as Pie auf einem durchschnittlichen Level angesiedelt. Die übrigen Episoden sind sehr stimmig, bisweilen mit enorm viel Tiefe und Atmosphäre ausgestattet. Auf ihre Art und Weise stechen hier Si Se Puede, About Last Night und I Had a Dream hervor, die gemeinsam mit The Damage a Man Can Do in Kurzfassung die Beziehung und Entwicklung von Dexter und Miguel charakterisieren. Alles in allem ging die dritte Staffel wieder einen Schritt in die richtige Richtung, verbesserte sich gegenüber der zweiten und lässt auf die vierte Staffel nächsten September hoffen. Denn wie das Staffelfinale zeigte, könnte nächstes Jahr die Blutsbande mit Deb für Dexter eine ganz neue Richtung einschlagen.

8.5/10

24. September 2008

Roswell - Season One

How are you doing on the mating ritual?

Das Konzept ist nicht unbedingt genial aber dennoch erstaunlich gut umgesetzt. Außerirdische. Sie existieren nicht nur, nein, sie leben direkt unter uns! Und das nicht irgendwo, sondern ironischerweise direkt in Roswell, New Mexico. Hier soll am 8. Juli 1947 ein unbekanntes Flugobjekt, kurz UFO genannt, abgestürzt sein. Ein lebender Mythos, der in vielerlei Filme und Serien Einzug gefunden hat, unter anderem The X Files oder Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull. Der Vorfall in Roswell war die Geburtsstunde der UFOlogen, spaltete die Gesellschaft endgültig in das Lager der Gläubigen und Skeptiker. Für Roswell selbst kann dies im Grunde egal sein, die Stadt erfreut sich nunmehr bester Touristik. Doch was wäre wenn nun tatsächlich Außerirdische in Roswell abgestürzt sind? Und was wäre, wenn die mitten unter uns leben und keiner weiß etwas davon? Bis zu dem Tag, an dem sie sich outen.

Vor zehn Jahren verfasste Melinda Metz die Buchserie Roswell High. In jener Geschichte geht es um die drei Alien-Mensch-Hybriden Max, Isabel und Michael, die in Roswell, New Mexico zur Schule gehen und ein relativ sorgenfreies Leben führen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem die Kellnerin Liz angeschossen wird und Max ihr das Leben rettet. Anschließend werden auch zwei weitere Mitschüler in das Geheimnis eingeweiht und neben einer Sondereinheit des FBI ist auch der örtliche Sheriff Valenti auf die Teenager aufmerksam geworden. Und weil das alles nicht bereits genug ist, verlieben sich Max und Liz auch noch ineinander, was die Situation nicht nur allgemein verkompliziert, sondern auch hinsichtlich des Schicksals der Außerirdischen große Probleme bereitet. Soziale Themen wie teen angst, coming of age, erste Liebe und häuslicher Missbrauch finden Einzug in dieses Sci-Fi-Gewand einer Fernsehserie.

Bereits 1999 fand die Serie von Metz dann ihre Adaption im US-Fernsehen. Jason Katims trat als Schöpfer der Serie auf und ist eine von mehreren Antriebskräften der Serie gewesen. Zu diesen gehört auch Jonathan Frakes, der allein durch seine Star Trek-Vergangenheit mit dem Thema der Außerirdischen verwurzelt ist. Frakes trat nicht als Mitproduzent und dreimaliger Regisseur in der ersten Staffel auf, sondern spielte sich dabei auch zweimal selbst. Besonders viel Selbstironie bewies er dabei in der Folge The Convention, in der er wünscht mit demselben Respekt wie der Kollegen Shatner behandelt zu werden. Im Vergleich zur Buchserie verzichtete Katims in Roswell dann auf einige der Alien-Hybriden und konzentrierte sich vielmehr hauptsächlich auf die Gemeinschaft der Sechs (Max, Michael, Isabel, Liz, Maria, Alex). Als Antagonist existierte im Grunde einzig Sheriff Valenti (William Sadler), auch wenn mit den beiden FBI-Agenten Tupolsky (Julie Benz) und Pierce (David Conrad) gelegentlich andere Gegenspieler auftraten.

Essentiell für den Erfolg der Serie ist neben ihrem interessanten Grundkonzept auch die Besetzung des Schauspielensembles gewesen. Für die Rolle des Alien-Anführers Max Evans hatte damals der inzwischen verstorbene Heath Ledger vorgesprochen, doch ging die Rolle stattdessen an Jason Behr, der zuvor bereits in der zweiten Staffel von Dawson’s Creek zu sehen war. Andere Darsteller, wie Katherine Heigl, Shiri Appleby und Nick Wechsler, sprachen für alle möglichen Rollen vor, ehe sie ihren individuellen Figuren zugeordnet wurden. Während manche Darsteller wie Majandra Delfino oder Nick Wechsler inzwischen kaum noch in den Medien zu sehen sind, hat es besonders Katherine Heigl letztlich geschafft sich durchzusetzen und wurde im vergangen Jahr sogar für ihre Rolle in Grey’s Anatomy mit einem Emmy ausgezeichnet.

Ohne Umschweife beginnt Roswell bei seiner Geschichte. In der Pilot-Folge rettet Max Evans (Jason Behr) nach einer Schießerei im Crashdown Restaurant seiner Mitschülerin und dortigen Kellnerin Liz Parker (Shiri Appleby) das Leben. Das entgeht dieser natürlich nicht und auch nicht dem Sheriff. Mit jener Aktion ändert sich das Leben für eine Vielzahl von Beteiligten. Durch Valenti wird das FBI auf den Plan gerufen und Valenti selbst ist fortan hinter Max her. Eine Veränderung in seinem Verhalten findet erst in der Folge The Convention statt, als Max’ Leben durch einen Bekannten Valentis bedroht wird. Da Liz nun mal ein pubertierendes Mädchen ist, kann sie Max’ großes Geheimnis nicht lange vor ihrer besten Freundin Maria DeLuca (Majandra Delfino) geheim halten.

Dies sorgt für Spannungen unter den Alien-Mensch-Hybriden, insbesondere bei Michael Guerin (Brendan Fehr). Doch während es zwischen Max und Liz kurz darauf anfängt zu knistern, kann auch Michael den Reizen von Maria nicht widerstehen. Sehr zum Missfallen von Max’ Schwester Isabel (Katherine Heigl), die sich versucht den nerdigen Alex Whitman (Colin Hanks) vom Hals zu halten. Da Alex lange Zeit ebenfalls nicht eingeweiht wird, entstehen auch hier Spannungen zwischen ihm und Liz – nicht zu vergleichen jedoch mit der Neugier von Liz’ Ex-Freund Kyle (Nick Wechsler) und der ominösen neuen Schülerin Tess (Emilie de Ravin). In Roswell beginnen allmählich die Emotionen hochzukochen.

Die erste Staffel von Roswell ist nach verschiedenen Schemen durchstrukturiert. Das erste Drittel der Staffel wird von den Nachforschungen von Agent Tupolsky beherrscht, welche die Schule als Vertrauenslehrerin getarnt besucht. Damals relativ unbekannt erfreut sich nun das Dexter-Herz an Julie Benz als tougher Agentin in sieben Episoden. Eine Rolle die vollkommen anders wirkt, als ihr Part in Dexter. Damit ist die Benz neben Jonathan Frakes das einzig bekannte Gesicht, welches sich auf eine „Gastrolle“ einlässt in der ersten Staffel. Nachdem die Tupolsky aufgeflogen ist, beginnt das zweite Drittel der Staffel. Jenes wird bestimmt durch Valentis Nachforschungen, insbesondere aber von der Beziehung zwischen Max und Liz. Unter den Augen des FBI war es in den ersten Folgen nie ein Thema, ob oder dass die beiden zusammen kommen. Viel wichtiger war es, nicht aufzufliegen. Da die Tupolsky Roswell anschließend aber verlassen hat, fällt es gerade Max immer schwerer, seinen Gefühlen für Liz zu widerstehen.

Der erste Kuss folgt dann auch bald nach Tupolskys Abschied, in der darauf folgenden Episode Heat Wave. Doch sein Verantwortungsbewusstsein nötigt Max schon eine Folge später dazu mit Liz Schluss zu machen. Letztlich steht sie nur im Weg, planen die Außerirdischen, jedoch vor allem Michael, ihre Rückkehr zum Heimatplaneten. Max will sich hier keinen unnötigen emotionalen Ballast aufladen, ist er sich doch insgeheim bewusst, dass eine Beziehung zwischen ihren beiden Spezies nicht funktionieren kann. Die Kehrtwendung folgt dann mit der Einleitung ins letzte und beste Drittel der ersten Staffel. In Sexual Healing kommen nicht nur Max und Liz endlich zusammen, sondern die Dramatik der Serie beginnt sich jetzt auch für den finalen Höhepunkt zu entfalten.

Neben der Sci-Fi-Thematik spielen die romantischen Elemente, die mit den coming of age und teen angst Themen verwoben werden, eine entscheidende Rolle. Vor allem die Begegnung der beiden Spezies in den Beziehungen der Jugendlichen spielt sich fast schon auf einer Metaebene ab. Ausdrucksstark besonders die Beziehung von Max und Liz, erhalten ihre sexuellen Treffen durch die gegenseitigen Visionen, speziell die von Liz, eine enorm wichtige Bedeutung (auf humoristische Weise in Sexual Healing umgesetzt). Die pubertierende Phase der Figuren greift Roswell dabei sehr geschickt auf. Die Entfremdung zwischen Elternteil und Kind wird mehrfach angesprochen und macht im Grunde vor keiner  Figur Halt.

So freut sich gerade der Macho Kyle enorm auf das alljährliche Vater-Sohn-Camping, stellen diese zwei Tage doch die einzige, direkte Zeit mit seinem viel beschäftigten Erzeuger dar. Auch Liz’ Eltern fühlen ihre Tochter langsam aus ihren Finger gleiten. Früher wurde immer über alles gesprochen und jetzt beginnt das eigene Fleisch und Blut auf einmal Geheimnisse zu haben. Eine komplizierte Phase, die Katims gebührend zu würdigen weiß und nicht vernachlässigt, Alien-Thema hin oder her. Auch vor anderen, ernsten Themen macht die Serie keinen Halt. So dreht sich in Independence Day alles um den häuslichen Missbrauch von Michaels Adoptivvater. Der Konflikt, der zuvor bereits zwischen den Zeilen angesprochen wurde, kulminiert hier.

Eigentlich nimmt das coming of age in Roswell sogar einen sehr großen Raum ein, bedenkt man, dass über die Herkunft und Identität der Außerirdischen wenig in Erfahrung gebracht wird. In Folgen wie River Dog oder The Balance setzt sich die Gruppe mit den Weisheiten des alten amerikanischen Ureinwohners River Dog auseinander, der vor vierzig Jahren bereits Kontakt mit einem Außerirdischen namens Nasedo geknüpft hat. Besonders für Michael, der keine geordneten Familienverhältnisse besitzt, wird Nasedo nun zur vollkommenen Hoffnung, von der er sich Antworten und eine mögliche Rückkehr verspricht. Zur Mitte der Staffel hin beginnt auch Nasedo mit der Gruppe in Kontakt zu treten und outete sich letztlich in Tess, Lies and Videotape vollständig als Beschützer, während er in den finalen drei Episoden eine essentielle Rolle spielt. Auch die Ankunft von Tess in Roswell erschüttert die vorherigen Ereignisse, betritt die Handlung doch eine neue Ebene.

Das Schicksal der Gruppe wird schließlich in Four Square angedeutet und im Staffelfinale Destiny vollends enthüllt. Die Aliens stammen von dem Planeten Antar, welchen Max als König beherrscht. Aber sein Volk ist inzwischen einer Tyrannei ausgesetzt, weshalb man die Königsfamilie (Max, seine Frau Tess, seine Schwester Isabel und deren Mann Michael) geklont und auf die Erde geschickt hat. Jenes Staffelfinale bildet nun die dramatische Klimax. Hier betritt Roswell einen Pfad, den eine Fernsehserie äußerst selten begeht, wenn auch nicht auf eine dermaßen ungewöhnliche Weise wie in der japanischen Anime-Serie Gilgamesh geschehen. Was es genau mit der außerirdischen Komponente auf sich hat, wird in den anderen beiden Staffel noch zur Genüge erklärt. Als Ausgang für die erste Staffel ist diese Eröffnung durchaus ein akzeptables Ende.

Insgesamt ist Roswell eine überaus gelungene Serie, die gekonnt Elemente der ersten Liebe wie sie auch in Dawson’s Creek und anderen Serien zu finden sind mit einer interessanten, phantastischen Geschichte zu verbinden weiß. Dabei nimmt sich die Serie nicht allzu ernst und versucht sich oft in kleineren Auflockerungen für das Publikum. Schwachpunkte lassen sich jedoch nicht leugnen, und hierzu zählt speziell die Figur von Michael. Sein rebellisches Verhalten selbst gegenüber Max und Isabel ist durchaus verständlich und bisweilen auch gerechtfertigt. Allerdings wirkt dies durch seine Redundanz mehr als zäh nach über einem Dutzend Folgen. Auch werden Fragen aufgeworfen, die keine Antwort erfahren. Scheinbar war Michael schon immer so, was aber der „Vorprogrammierung“ in Destiny widerspricht. Auch wurde in Four Squares eröffnet, dass sich die drei Freunde bereits in der Raumkapsel begegnet sind, was den Geschehnissen aus The Balance zuwider läuft.

Die Figur des Michael wirkt also etwas flach ausgearbeitet, ebenso wie das Innenleben von Isabel nicht sonderlich ergründet wird. So überrascht es einen, wie sie sich plötzlich von einer Folge auf die andere mit Alex einlässt. Die schwächste Phase hat die Serie dann auch in ihrem zweiten Drittel, in welchem keine wirkliche Weiterentwicklung stattfindet, wenn Max und Liz in ihren Gefühlen hin und her schwanken. Dafür sind die finalen fünf Folgen sehr stringent und spannend miteinander verknüpft, sodass neben der Pilot-Folge auch die letzten drei Episoden Max to the Max, The White Room und Destiny keine Wünsche offenlassen und dabei von kaum weniger schlechten Episoden (Four Squares, Tess, Lies and Videotape, The Morning After) ergänzt werden. Jason Katims Roswell ist unterhaltsam, amüsant und mit einer packenden Grundstory versehen, sodass die erste Staffel der kurzlebigen Serie zu den Highlights der Seriengeschichte des letzten Jahrzehnts zu rechnen ist.

9/10

14. Februar 2008

Rambo

Rambo. Boom, boom.
(Gremlins 2: The New Batch)

Der Name ist Rambo, John J. Rambo. Ausgestattet mit der Lizenz zum Töten, merzte dieser Mann alles nieder, was sich ihm in den letzten 20 Jahren in den Weg stellte. Sozusagen. Denn seit zwei Jahrzehnten war Rambo eigentlich im Ruhestand, nachdem er 1988 in Afghanistan sein letztes Gefecht beendete, die Trilogie abschloss. Selbst in den Duden hatte er es anschließend geschafft, benannte man wild und ohne Rücksicht Agierende schließlich nicht „Terminatoren“ sondern „Rambos“. Nach drei Teilen in sechs Jahren nunmehr 20 Jahre Pause, ehe Amerikas Wild Boy zurück auf die Leinwand kehrt, ausgelöst durch Sylvester Stallones Nostalgie-Tour, mit der er durch Hollywood zieht. Reaktivierte er vor zwei Jahren seinen 60-jährigen Rocky Balboa, um ein letztes Mal in den Ring zu steigen (im Übrigen auch das Motto der vorangegangenen Teile), so darf nun noch mal John „The Animal“ Rambo über die Leinwand meucheln.

Logischerweise ist der nicht jünger geworden und Stallone gab unumwunden zu, sich mit Anabolika aufgeputscht zu haben, um seiner Paraderolle gerecht zu werden. Wer also schon immer mal Rambo auf Steroide sehen wollte, sollte sich schleunigst eine Kinokarte lösen. Dabei ist es jedoch so, dass ein Rambo heutzutage niemanden mehr schockt oder ins Kino lockt, wo Herren wie Eli Roth ungeniert ihre perversen Phantasien oder die des Publikums auf der Leinwand ausleben. Daher wurde von Stallone der Body Count seines vierten Abenteuers gehörig nach oben geschraubt. Nicht weniger als 236 Menschen lassen in Rambo ihr Leben, was exakt 2.59 Toten pro Minute entspricht. Dazu werden – auch wenn man es bei uns dank Zensur nicht sieht – Köpfe abgeschnitten, Kinder aufgespießt, Babys in Flammen geschmissen und sonst alles weggepustet, was über das Reisfeld huscht.

Die Einleitung inthronisiert das Setting: Schauplatz ist Birma, die eiserne Hand von Than Shwe. Und damit niemand etwas falsch versteht, zeigt Stallone dem Publikum, wer die birmanischen Militärputschisten sind. Kriegsgefangene werden durch ein Minenmeer gejagt, die Überlebenden zur allgemeinen Belustigung anschließend erschossen. Ganz schön fiese Kerle. Kein Zweifel darf bestehen, dass sie der Abgrund der Menschlichkeit sind. Nazis wären Schmusekätzchen dagegen. Nachdem Stallone das erstmal geklärt hat, wirft er seinen Köder aus. Christliche Missionare kommen nach Thailand und fragen, ob Rambo (Sylvester Stallone) sie in seinem Boot nach Birma bringt. Doch der lehnt ab, hält es für Selbstmord und raunt: “Fuck the world!“. Aber als die liebliche Missionarin Sarah (Julie Benz) noch mal nachsetzt, entsprechend dem Motto „Was juckt es dich, was wir machen?“, betört sie den guten John J. soweit, dass er einwillig.

Dann kommt, was kommen musste (und von Rambo vorhergesehen wurde): Die Missionare werden von den Birmanen geschnappt und in ihr Lager gebracht. Was tun?, denkt sich ihr US-Pastor, und heuert eine Handvoll Söldner an. Rambo soll auch sie den Fluss hinauf bringen. Doch wenn man will, dass etwas richtig gemacht wird, macht man es am besten selbst. Nachdem Rambo das den Söldnern anschaulich verklickert hat, machen sich alle gemeinsam auf, um Sarah und Co. zu befreien. Bezüglich Rambo (der bei uns John Rambo heißt, weil damals First Blood bereits als Rambo lief) spalten sich die Meinungen. Auf der einen Seite hat es euphorische und zum Teil einäugige Reviews, auf der anderen Seite dagegen die weniger guten Rezensionen der Kritiker, die nicht nur die Gewalt im Film verdammen. Dabei steht fest: Wer Rambo erwartet, bekommt auch Rambo. Den Fans der Reihe dürfte das wohl genügen.

All diejenigen, die mit der Rambo-Filmreihe wenig bis gar nichts anfangen können, werden vermutlich nicht verstehen, was da nun gerade auf der Leinwand passiert ist. Stallones Verortung der Handlung nach Birma dürfte in der Heimat wie Fiktion anmuten, bedenkt man, dass die meisten US-Amerikaner sich nicht einmal wirklich in Europa auskennen. Und was Stallone dann zeigt, lässt sich zweifellos als chauvinistisch bezeichnen. Und mitunter gerät dies äußerst wahnwitzig, wenn er die Birmanen wie die Berseker in ein Dorf einfallen lässt, wo sie auf der Stelle alles und jeden abstechen/verbrennen/vergewaltigen, den sie in die Finger kriegen, während ihre Kollegen zur gleichen Zeit das Dorf bombardieren. Komisch, dass man Häuser beschießt, in denen sich die eigenen Leute aufhalten. Aber nicht ganz so komisch, wie eine Plastikkobra, die während eines ganzen Dialogs ohne sich zu bewegen Stellung bewahrt.

Hier merkt man Stallone sein etwas mangelndes Talent für die Regie durchaus an. Zudem fragt man sich, wieso diese birmanische Militärjunta unter Bombenhagel die einheimischen Frauen vergewaltigen (muss), dann jedoch die weiße Christin Sarah tagelang in ihrem Lager unangetastet lässt? Oder warum jeder Mensch im Dorf niedergemetzelt wird, nicht aber die westlichen Missionare? Aber an sich ist dies auch egal, schließlich handelt es sich bloß um einen Action-Film, weshalb dieser weder intelligent oder schlüssig zu sein hat. Hatte First Blood noch eine gewisse politische Note (fehlender Respekt gegenüber den heimkehrenden Vietnam-Veteranen) geht Rambo jede tiefere Bedeutung ab. Rambo lebt in Thailand, will seine Ruhe haben und hält sich fern von jeder Gewalt. Zumindest solange, bis Missionare in die Scheiße geraten, sodass John J. schließlich erkennt, dass er nicht dagegen ankämpfen kann, was er ist.

Da Richad Crenna vor einigen Jahren verstorben ist, kann Rambo kein Col. Trautman mehr als Gewissen dienen, und so inszeniert Stallone einen ziemlich lächerlich wirkenden inneren Monolog, der die nachfolgende Handlung erklären soll. Nein, Rambo hat nicht getötet, weil es sein Land wollte, sondern weil er selbst es wollte. Manche Leben sind eben etwas wert, andere nicht – “live for nothing, or die for something”. Plakative Äußerungen, Militärfetisch – eigentlich hat man darauf gewartet, dazu noch ein grimmiges „Nur ein totes Schlitzauge ist ein gutes Schlitzauge“ zu hören, aber das spart Stallone sich dann glücklicherweise doch. Obschon Graham McTavishs Söldner Lewis eine ähnliche Äußerung von sich geben darf. Im Folgenden gibt es dann eine Rückkehr zur Bebilderung der bösen Birmanen (falls einige Zuschauer vergessen hatten, wie böse sie sind) und die beginnende Klimax von Rambo gegen den Rest der Welt.

Dass da im Dschungel eine ehemalige Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt, ist wahrscheinlich kein Zufall. Genausowenig, dass einer der Söldner eine Claymore-Miene im Rucksack trägt. Dabei ist ein großer Teil der nächtlichen Rettungsaktion weniger reine Action, als vielmehr in bester Splinter Cell-Manier gedreht. Dann folgt aber der Showdown und hier zeigen sich die Defizite in Stallones Regie, dabei hätte er angesichts seiner TV-Darsteller sicher auch einen talentierten TV-Regisseur für Rambo gewinnen können. Die Action ist dabei, klar, unnötig explizit dargestellt, zudem teils sinnlos und übertrieben. Um etwas Spaß kommt man aber nicht umhin, mag es das Testosteron sein oder das Geschehen, wenn Rambo Katz und Maus spielt, MG-Salven loslässt und alles vernichtet, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Was allerdings auf der großen Leinwand funktioniert, erweist sich auf DVD als langatmig und kurzweilig.

Im Gegensatz zu einem Bruce Willis springt und turnt Stallone dann auch nicht die ganze Zeit über die Leinwand, sodass er sich weniger lächerlich macht, als man es von einem aufgedunsenen Rambo erwarten könnte. Eine wirkliche Handlung hat Rambo trotzdem nicht, eine Botschaft schon drei Mal nicht. Alles was man für sein Geld bekommt, ist Action, Action und Action. Diese macht gelegentlich sogar Spaß, zugegeben, aber am Ende war der ganze Film dann irgendwie doch sehr unnötig. Dabei bekommt der Film von mir noch zwei extra Boni, den einen für die überaus gelungene und mitreißende Musik von Brian Tyler (allein wegen des Battle Adagio könnte man sich den Soundtrack zulegen) und einen dafür, dass Schoolboy-Darsteller Matthew Marsden an den jungen Michael Biehn erinnert. Und es gibt niemand cooleres als Michael Biehn – auch nicht nach über 20 Jahren.

5/10

17. Dezember 2007

Dexter - Season Two

This is so much better than a prison cell.

Langsam überschlägt sich alles, ich weiß, wenn man sich meinen Blog so ansieht, könnte man meinen, ich hab nix besseres zu tun als ständig irgendwelche Filme oder Serien zu schauen. Dem ist aber an sich nicht so, theoretisch hätte ich eine Menge zu tun – ich tue es einfach nicht, bzw. so sporadisch wie möglich. Außerdem ist da noch der falsche Ehrgeiz bzgl. des Jahresrückblicks, es wird also in der nächsten Woche noch fast täglich Berichte regnen, aber da die Semesterferien theoretisch schon eingeläutet und die Abschlussarbeit geschrieben ist…Zeit muss man ja auch irgendwie nutzen. Zum Beispiel mit Dexter, von dessen erster Staffel ich ja geradezu euphorisch geschwärmt hab. Demnächst läuft Dexter auch im deutschen Fernsehen, allerdings vorerst nur auf Premiere, ab Frühjahr 2008 kann man damit denke ich rechnen, auf Premiere dann wohl auch ungeschnitten und mit der Möglichkeit es in der OV zu hören – was ich ja generell jedem, der des Englischen mächtig ist, empfehle. Wenn ich ab und zu Montags in Lost reinschaue, läufts mir kalt den Rücken runter, wenn ich die Synchro dort höre, ähnlich bei Heroes auf RTL 2.

Gestern ging die zweite Staffel in den USA zu Ende und die positive Nachricht folgt zugleich, denn Showtimes hat eine dritte geordert. Wollen wir mal hoffen, dass die bis zum Sommer abgedreht ist, denn mit dem diesjährigen (und wohl bis ins nächste Jahr fortdauernden) Streik der Autoren, welcher wenns ganz dumm läuft fast direkt in den der Schauspielergewerkschaft im Sommer mündet, sehe ich schwarz für eine geordnete Serienlandschaft in den nächsten zwei Jahren. Schon jetzt sind The Office, Scrubs, Grey’s Anatomy, Heroes und Prison Break ins Stocken geraten, ob Lost überhaupt wie geplant gezeigt wird bleibt noch abzuwarten. Zum Glück konnte man sich da noch auf Dexter verlassen, der fertig abgedreht und geschrieben war und ohne großes Tramtram gezeigt wurde. Da bei oben genannten Serien erstmal Pustekuchen ist, wird gerade schon fleißig Dirty Sexy Money angegangen. Theoretisch ist mit Mad Men und/oder The Tudors auch noch Raum nach hinten offen. Da kann man schon mal dankend auf die Knie fallen und dem amerikanischen TV-Wesen danken – wenn sie jetzt nicht voll in den Streik geraten wären.

Gleich zu Beginn der zweiten Staffel muss Dexter (Michael C. Hall) eine unangenehme Überraschung erleben, als er dachte, dass alles nun seinen geordneten Lauf nehmen könnte. Taucher finden seine Leichendeponie im Meer und somit wird der Ice Truck Killer abgelöst vom Bay Harbour Butcher. Obwohl er nicht so ganz mit seinem neuen Spitznamen leben kann, fühlt sich Dexter in der Tat geschmeichelt, als ihn Presse und Bevölkerung zum Gaunerschreck erkoren. Dumm nur, dass nun seine eigene Abteilung, darunter seine Adoptivschwester Deborah (Jennifer Carpenter) gegen ihn ermittelt. Der auf ihm lastende Druck äußert sich schließlich auch in einer – nennen wir es – Mordblockade und als Dexters Freundin Rita (Julie Benz) ihm eine Drogensucht unterstellt, sucht Dexter eben ein Suchtprogramm auf. Dort erhält er die extrovertierte Lila (Jaime Murray) als Sponsor und lernt mit seiner Sucht besser umzugehen. Währenddessen droht der Konflikt zwischen Sergeant Doakes (Erik King) und Dexter allmählich zu eskalieren, als das FBI mit Agent Lundy (Keith Carradine) einen externen Ermittler auf den Bay Harbour Butcher ansetzt.

Die zweite Staffel, welche nicht wie die erste auf der Romanvorlage von Jeff Lindsay beruht - aber dennoch von diesem geschrieben wurde – spielt sich folglich ganz unter dem Motto „Vom Jäger zum Gejagten“ ab und ist damit große Bühne für ein packendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Dexter und Agent Lundy. Dass er dabei auch nicht mit Doakes, Rita und Lila klarkommen muss, scheint ihn in manchen Momenten zu über-, dann aber auch wieder herauszufordern. Dexter lernt seine „Sucht“ besser kennen und besser zu verstehen, somit lernt er auch sich selbst besser kennen und Dinge aus seiner Vergangenheit. Hierbei spielt immer noch der Mord an seiner Mutter eine große Rolle und auch die Funktion die sein Adoptivvater Harry (James Remar) in der ganzen Sache gespielt hat. Gegen Ende der Staffel sieht sich Dexter mit einem Problem konfrontiert, aus dem es nur eine falsche und eine richtige Entscheidung gibt – damit auch unweigerlich der Frage, wie er sich entscheiden wird.

Die zweite Staffel weiß insbesondere durch das Psychoduell zwischen Doakes und Dexter zu begeistern, welches sich gegen Ende ins unermessliche steigert. Gerade Erik King spielt hier seine Rolle einfach nur wunderbar, aber auch die neu dazu gestoßene Jaime Murray – deren Vater zwar auch Bill Murray heißt, aber nicht der Bill Murray ist – weiß nicht nur mit nackten Tatsachen zu begeistern. Da sich die Staffel schon von Anfang an mit Dexter als Tatverdächtigen beschäftigt, bzw. seinen Sabotagen der Ermittlungen, dreht sich die eine oder andere Folge schon mal etwas im Kreis. Dafür nimmt die Serie besonders in den finalen Episoden an Intensität zu, wenn sich die Lage mehr und mehr zuspitzt. Im Vergleich zum Finale der ersten Staffel ist die letzte Folge dann jedoch ein mittleres Desaster und enttäuscht total. Hier wurde eine so immense Spannung aufgebaut, welche schließlich nicht mehr gehalten werden konnte und die Serie am Ende (da wieder einzeln bewertet) sogar einen halben Punkt runterzieht. In der Hoffnung, dass dies in der dritten Staffel wieder besser gemacht wird, zählt Dexter dennoch zu dem besten, was man im Fernsehen finden kann.

8/10

7. September 2007

Dexter - Season One

I can kill a man, dismantle his body and be home in time for Letterman.

Dexter basiert auf dem Roman Darkly Dreaming Dexter von Jeff Lindsay aus dem Jahr 2004. Dieser Kriminalroman war - einige Abweichungen abgesehen - die Vorlage nicht nur zu dieser Serie, sondern auch zu den Nachfolgern Dearly Devoted Dexter und Dexter in the Dark (erscheint in den USA nächsten Monat). Im Gegensatz zur ersten Staffel, wird die zweite Staffel (die beinah zeitgleich mit dem dritten Roman ausgestrahlt wird) eine vom zweiten Roman unabhängige Geschichte erzählen. Autor und Creator der Serie ist James Manos Jr., welcher bereits zwei Dutzend Folgen von The Shield produziert und für sein Drehbuch zu The Sopranos („College“) einen Emmy gewonnen hat. Ähnlich wie The Sopranos wurde auch von Dexter für die erste und zweite Staffel nur überschaubare zwölf Folgen angefordert.

Dexter Morgan (Michael C. Hall) arbeit als Spezialist für Blutanalysen in der forensischen Abteilung des Morddezernats von Miami. Dabei hegt Dexter sprichwörtlich eine Affinität zu Blut und hat dabei sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn Dexter ist in seiner Freizeit ein Serienmörder, dies liegt im sozusagen…im Blut. Als Dreijähriger wurde Dexter in der Blutlache seiner Mutter gefunden und anschließend von dem Polizisten Harry Morgan (James Remar) adoptiert und aufgezogen. Jetzt, dreißig Jahre später, ist Harry tot und Dexter arbeitet gemeinsam mit seiner Adoptivschwester Debra (Jennifer Carpenter) für die Polizei von Miami, während er nachts die Fälle löst, für welche die Justiz kein Auge gehabt hat. Ganz nach dem Code seines Adoptivvaters, der als einziger sein mordlüsternes Geheimnis kannte, lebt Dexter seine Leidenschaft nämlich kanalisiert aus – an ebenjenen Vergewaltigern, Mördern und anderen, die der gerechten Strafe entgehen konnten. Bisher lief für Dexter alles glatt, bis zu dem Tag, an welchem er am Tatort eine Leiche ohne auch nur einen einzigen Tropfen Blut findet – stattdessen eine Einladung des Mörders zum Spielen.

Zu sagen Dexter ist eine normale oder durchschnittliche Serie wäre bei weitem untertrieben und auch wenn die Serie in Miami spielt hat sie nichts mit Miami Vice, Bad Boys oder CSI: Miami gemein. Kann man sich vorstellen, jede Woche einzuschalten, um mit Spannung einem Mann zuzuschauen, wie er ein Opfer findet und es tötet, geradezu hofft, dass er dies tut? Einem Serienmörder seine volle Sympathie entgegenzubringen? Sicherlich schwer vorstellbar und dennoch gelingt es Dexter in jedem einzelnen Moment. Dies würde ohne Frage niemanden mehr verwundern als Dexter selbst, der wie er selbst sagt, eine leere Hülle ist. Dexter kennt keine Emotionen, keine Trauer, keine Angst, keinen Hass und keine Liebe. Auch nicht zu seiner Freundin Rita (Julie Benz), die von ihrem Ex-Mann missbraucht worden ist. Genauer gesagt kommt dies Dexter gerade Recht, schließlich ist er von asexueller Natur und kann so den „Unannehmlichkeiten“ seiner Beziehung entgehen, aber dennoch ein normales Bürgerleben aufrechterhalten.

Wahrscheinlich funktioniert die Serie deshalb (so gut), da Dexter das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Er hat die Indizien, aber keine wirklichen Beweise, doch wenn er sich der Schuld seines Opfers gewiss ist, hat dieses eben ausgedient. Und jemand der Mörder und Vergewaltiger aus dem Weg räumt, der ist an sich ja eigentlich ein Held, der unseren Dank verdient, beispielsweise durch eine Parade. Nehmen wir an, Dexter wäre ein sadistischer Kinderschänder – würde man über solch einen Menschen eine Serie machen, bzw. würde man eine solche Serie schauen? Die menschliche Lust am Voyeurismus täte sicherlich ein paar Kandidaten finden, aber in diesem Fall wären dann kaum bis gar keine Sympathien vorhanden. Dabei unterscheidet sich Dexter nicht sonderlich von einem solchen Mörder, er ist im Prinzip nur ein „dressierter“ Mörder, der eben nach einem Code vorgeht, wobei es ihm prinzipiell trotz allem allein ums Morden geht. Einem solchen Mörder ohne Codex begegnet Dexter zu Beginn der Serie und ist fasziniert von ihm. Dies beruht scheinbar auf Gegenseitigkeit, denn sein mörderisches Pendant lädt Dexter zum Spielen ein, dabei ist es vielmehr als ein Spiel, doch das wird Dexter erst am Ende feststellen.

Hier ist in der Tat eine hervorragende Serie entstanden, die - betrachtet man ihre erste Staffel konklusiv - sogar als Meisterwerk anzusehen ist und die es in der Form vorher noch nicht gegeben hat. Die Auflösung ist zwar zuerst etwas kitschig, wird dann aber noch brillant zu Ende geführt und egalisiert sich dadurch schließlich. Die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel, die bereits im Internet zu sehen sind, versprechen im Gegensatz zur ersten Staffel einen eindringlicheren und persönlicheren Ton, nicht nur auf Dexter bezogen, sondern auch auf andere Figuren, beispielsweise Debra oder polizeiinterne Konkurrenzkämpfe. Mit seiner kühlen und zynischen Art hat sich Dexter – welcher gerne auch mal die vierte Wand durchbricht – zu einen der bemerkenswertesten Serien“helden“ gemeistert und wird durch den erprobten Michael C. Hall perfekt in Szene gesetzt, aber auch die anderen Darsteller um Erik King fügen sich bestens in ihre Figuren ein. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie an das Flair der ersten Staffel schafft ab Oktober anzuknüpfen, zu wünschen wäre es ihr jedenfalls.

10/10