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6. September 2015

This Is the End [Das ist das Ende]

Hermione just stole all of our shit. And Jay suggested that we rape her.

Unverhofft kommt oft, heißt es so schön. Das sollte vermutlich für nichts mehr gelten als für das Ende aller Tage, auch als Armageddon bekannt. Und wie sich zeigt, gibt es wider Erwarten scheinbar keinen schlechteren Ort, um auf die biblische Entrückung zu hoffen, als eine Hollywood-Party zu besuchen. So zumindest lassen es einen Evan Goldberg und Seth Rogen in ihrem Regiedebüt This Is the End glauben, in dem sie ihren eigenen Freundeskreis die Apokalypse erleben lassen. Viel dramatischer als der Weltuntergang vor der eigenen Haustür entwickelt sich die Offenbarung, die sich innen statt draußen abspielt. Es sind die emotionalen Fassaden, die bröckeln, wenn sich eine Handvoll Freunde offen die Meinung sagt.

Beste Freunde seit gemeinsamen Undeclared-Tagen fürchtet Jay Baruchel im Film um seine Freundschaft zu Kollege Seth Rogen, der inzwischen seine Bromance mit Freaks-and-Geeks-Kollege James Franco intensiviert. Seine Clique rund um Jonah Hill versucht zwar alles, um Baruchel in ihre Mitte aufzunehmen, doch so wirklich will der nicht in deren Kreis passen. Craig Robinson und Emma Watson halten ihn sogleich für einen Hipster, der sich zu schade ist, die Toilette zu besuchen, nur weil Michael Cera auf Kokain dort gerade einen flotten Dreier verlebt. Als dann auch noch die Welt untergeht, sieht sich Baruchel eingesperrt mit Rogens Clique in Francos Haus. Dort wartet die Gruppe auf ihre Rettung, immerhin sind sie Hollywood-Stars.

Der Humor von This Is the End, so die Idee, zeugt von übersteigerten Darstellungen der öffentlichen Meinung der Stars. Oder, wie im Falle von Michael Cera, von deren totaler Verkehrung. So gibt Jonah Hill (“from Moneyball”) einen Schleimscheißer, James Franco inszeniert sein Bild als prätentiöser Seth-Rogen-Fan und Danny McBride gibt ein Arschloch vom Dienst, wie er es schon in The Pineapple Express oder Eastbound & Down perfektioniert hat. Das ist zwar ein interessantes und vielversprechendes Konzept, wird allerdings im Film von Goldberg und Rogen nicht konsequent zu Ende gedacht. Auch, weil der Meta-Gedanke im Laufe des zweiten Akts dann letztlich einem konventionellen dramatischen Verlauf geopfert wird.

Mit Beginn der Apokalypse beginnt zugleich das schleichende Ende des sich gegenseitig Aufziehens, in dem allenfalls James Franco eine Ausnahme darstellt. Speziell Craig Robinson verkommt zu einer eindimensionalen Figur, die mehr den Status des Token Black Guy einnimmt, anstatt dass Robinsons Persona als Sprungbrett für Sarkasmus oder Zynismus dient. Der Humor des Films, so scheint es, generiert sich zuvorderst daraus, dass Stars als sie selbst angesprochen werden, statt mit einem Charakternamen. Da taumelt Paul Rudd mit Schampusflasche einer Besucherin in den Schädel und Emma Watson verschwindet zuerst von Francos Party, um dann später kurz zurückzukommen, ohne dass der Film etwas mit ihr anzufangen wüsste.

Wenn ein vollgedröhnter Michael Cera den Hintern vom Rihanna begrabscht und diese ihm eine scheuert, ist das durchaus amüsante physical comedy, verpufft aber im Grunde genauso wie die wenig gehaltvollen Momente mit Stars wie Jason Segel, Kevin Hart oder Aziz Ansari. Es wäre This Is the End vielleicht mehr geholfen gewesen, wenn man Cera mit in die Gruppe eingeschlossen hätte und McBride als Antagonisten ersetzen lassen, statt dass Letzterer einfach eine Widersacher-Rolle aus seinen Filmen in die Realität übernimmt. Auch eine vertiefte weibliche Figur hätte hier nicht geschadet, um den Humor zu (ver-)stärken, beispielsweise mit Aubrey Plaza oder Linda Cardellini, um die Freaks and Geeks-Referenz weiterzutreiben.

Der weitere Filmverlauf beschränkt sich dann auf Goldbergs und Rogens aus Superbad übernommene Faszination mit Penissen, die Dämonen und Satan geschenkt werden, ohne dass sie einen Sinn ergeben, und dem Gedanken, wenn man sich für jemand opfert, wird man entrückt – selbst wenn es eine kalkulierte Selbstopferung ist, im Wissen, aus ihr resultiert die gewünschte Entrückung (Hollywoods Idee von Altruismus). Womöglich wäre This Is the End eine rundere Sache als verlängerter SNL Digital Short beziehungsweise in den Händen vom The Lonely Island-Team geworden, zumindest ein kompetenter Regisseur wie Adam McKay hätte jedoch geholfen. Am Ende gilt für den Film daher dasselbe wie für Aziz Ansari in ihm: “It’s too late for you.”

5/10

1. August 2015

Filmtagebuch: Juli 2015

ALIVE [ÜBERLEBEN!]
(USA/CDN 1993, Frank Marshall)

7.5/10

AN HONEST LIAR
(USA/CDN/E/I 2014, Tyler Measom/Justin Weinstein)
5/10

ANT-MAN
(USA 2015, Peyton Reed)
6.5/10

BOUNCE
(USA 2000, Don Roos)
6/10

COMMUNITY – SEASON 4
(USA 2013, Tristram Shapeero u.a.)
7/10

COMMUNITY – SEASON 5
(USA 2014, Tristram Shapeero u.a.)
7.5/10

COMMUNITY – SEASON 6
(USA 2015, Rob Schrab u.a.)
7/10

DAWN OF THE DEAD
(USA/CDN/J/F 2004, Zack Synder)
4/10

FAULTS
(USA 2014, Riley Stearns)
3/10

FRANCES HA
(USA 2012, Noah Baumbach)
8.5/10

GREY’S ANATOMY – SEASON 1
(USA 2005, Peter Horton u.a.)
7/10

GREENBERG
(USA 2010, Noah Baumbach)
6.5/10

HIGH FIDELITY
(USA/UK 2000, Stephen Frears)
5.5/10

INDECENT PROPOSAL [EIN UNMORALISCHES ANGEBOT]
(USA 1993, Adrian Lyne)

5.5/10

THE INTERVIEW
(USA 2014, Evan Goldberg/Seth Rogen)
6/10

JUMPER
(USA/CDN 2008, Doug Liman)
5.5/10

KICKING AND SCREAMING
(USA 1995, Noah Baumbach)
6/10

KNIGHT OF CUPS
(USA 2015, Terrence Malick)
7/10

PINEAPPLE EXPRESS [ANANAS EXPRESS]
(USA 2008, David Gordon Green)

5.5/10

PROMETHEUS
(USA/UK 2012, Ridley Scott)
4/10

QUEEN OF THE DESERT
(USA/MA 2015, Werner Herzog)
6.5/10

SLOW WEST
(UK/NZ 2015, John Maclean)
3.5/10

SOURCE CODE
(USA/CDN 2011, Duncan Jones)
6/10

THE TERMINATOR
(USA/UK 1984, James Cameron)
8/10

TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY [DIRECTOR’S CUT]
(USA/F 1991, James Cameron)

6.5/10

TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES
(USA/D/UK 2003, Jonathan Mostow)
1/10

TERMINATOR SALVATION [TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG]
(USA/D/UK/I 2009, McG)

2.5/10

THIS IS THE END
(USA 2013, Evan Goldberg/Seth Rogen)
5/10

TOKYO TRIBE
(J 2014, Sono Sion)
6/10

WAYWARD PINES
(USA 2015, Zal Batmanglij/Tim Hunter u.a.)
7/10

WHILE WE’RE YOUNG [GEFÜHLT MITTE ZWANZIG]
(USA 2014, Noah Baumbach)

7/10

Hannibal Lecter-Series


MANHUNTER [BLUTMOND]
(USA 1986, Michael Mann)

6/10

THE SILENCE OF THE LAMBS [DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER]
(USA 1991, Jonathan Demme)

6.5/10

HANNIBAL
(USA/UK 2001, Ridley Scott)
3/10

RED DRAGON [ROTER DRACHE]
(USA/D 2002, Brett Ratner)

3.5/10

HANNIBAL RISING
(UK/F/I/CZ, Peter Webber)
5.5/10

HANNIBAL – SEASON 1
(USA 2013, David Slade/Guillermo Navarro u.a.)
6/10

HANNIBAL – SEASON 2
(USA 2014, Michael Rymer u.a.)
5.5/10

18. Oktober 2010

Classic Scene: Superbad - "People don't forget."

DIE SZENERIE: In drei Wochen feiern die Außenseiter Seth (Jonah Hill) und Evan (Michael Cera) ihren High-School-Abschluss. Um nicht als Jungfrauen aufs College zu gehen, versuchen sie auf Teufel komm raus ihre Unschuld zu verlieren. Die Chance dazu bietet sich, als Seths Schwarm Jules eine Party gibt. Da Evans und Seths Kumpel Fogell am selben Tag einen falschen Führerschein bekommen soll, lässt sich Seth dazu überreden, für die gesamte Party Alkohol zu besorgen. Sofort sucht er Evan während dessen Sportunterricht auf, um ihn über die Ereignisse und den geplanten Verlauf des Abends zu informieren.

EXT. SCHOOL FIELD - DAY

Evan is standing alone amidst the rest of his gym class as they play soccer.

GYM TEACHER: Go to the ball, guys. Evan, get into the game.

Evan tries to put in some effort and claps his hands encouragingly.

EVAN: Kick it over to me.

The class pass him without paying him any attention. Seth is jogging towards Evan.

GYM TEACHER: Seth! Get off the field!

Seth stops right in front of Evan, panting.

EVAN: Dude, get out of here. They’re gonna make me run laps again.

SETH (out of breath, worked up): Dude, just fucking listen, okay? Jules and her stupid fucking friend came up to me and they asked me to buy her alcohol. But not just her, for her whole party. You know what that means? By some divine miracle, we were paired up and she actually thought of me. Thought of me enough to decide I was the guy she would trust with the whole fun-ness of her party. She wants to fuck me. She wants my dick in or around her mouth.

Seth is still panting.

EVAN: Did you ever think that maybe she’s just using you to get her alcohol? She doesn’t want your dick.

SETH: Yes. Of course I thought of that. That’s like the first thing that came to my mind. Just listen.

INT. FOODS AND NUITRITION ROOM (FLASHBACK)

The same scene as before with Seth and Jules in class.

JULES: My older brother always says, like, the nastiest shit. Like he called my “hymen” until I was 12. (pauses) Seth, I wanna blow you.

EXT. SCHOOL FIELD - PRESENT

EVAN: She didn’t say that. Come on.

SETH: Ah, she didn’t say the second part, but the first one - She’s got an older brother. And she could have asked him but she asked me. She looked me in the eyes and said: “Seth, mama’s making a pubie salad. And I need some Seth’s Own dressing.” She’s D.T.F. She’s down to fuck, man. P in vagi. She wants to…”

Seth looks behind his back where a pass is played in the soccer game. He intervenes and kicks the ball aside.

SETH (cont.): …fuck, man. Tonight is the night that fucking is an actual possibility.

EVAN: You just sound like an idiot. You’re not gonna be able to sleep with her, man.

SETH: No. Dude, I know I talk a lot of shit, okay? But she’s gonna be at the party and she’s gonna be drunk. And she likes me at least a little. Enough to get with me. At the very least, I’ll make out with her. Two weeks, handjob. Month, blowjob. Whatever, whatever. And then I make her my girlfriend. And I’ve got, like, two solid months of sex. By the time college rolls around I’ll be like the Iron Chef of pounding vag.

Evan looks at the progress of the game.

EVAN: Can we talk about this later?

The soccer ball rolls towards them. They both watch as it rolls by.

CLASSMATE: What the hell, Evan? We’re down two points.

Evan has his hands in his pockets, making no movement whatsoever.

EVAN: Fucking calm down, Greg. It’s soccer. It’s soccer.

GREG: Fuck you, man.

SETH: Hey, Greg, why don’t you go piss your pants again?

GREG: That was, like, eight years ago, asshole.

Greg turns around and joins the game again.

SETH (shouts after him): People don’t forget.

Seth turns to Evan.

SETH (cont.): Do you wanna hear the best part? Becca. You do the same thing with her. When you guys are shitfaced at the party, you get with her. This is our last party as high school people. I’ve fully ignored my hate for Becca in coming up with this plan. I’m flexing nuts. Just fucking come with me on this voyage and just stop being a pussy for once and we can fucking fuck some girls already.

EVAN: I should buy Becca alcohol?

SETH: Yeah, man, it’ll be pimp. That way you know she’ll be drunk. You know when you hear girls say: “Ah, I was so shitfaced last night. I shouldn’t have fucked that guy.” We could be that mistake!

Evan ponders the issue.

EVAN: Have you talked to Fogell?

SETH: All right, you talk to Becca. I’ll talk to that retard, Fogell. Don’t worry.

Seth turns to leave the field finally.

GYM TEACHER (O.S.): Seth, get off the field!

The ball rolls over to Seth.

SETH: Goal.

He kicks the ball off the field and then runs away.

GYM TEACHER (O.S.): You’re getting that.

SETH (O.S.): No, I’m not!

29. Juli 2009

Fanboys

Nobody calls Han Solo a bitch!

Fanboy. Die Internetrecherche ergibt unterschiedliche Treffer, die letztlich aber alle in dieselbe Richtung gehen und sich wie folgt erklären lassen: jemand, der enthusiastisch/blind einem – in diesem Fall – Film bzw. einer Filmreihe folgt. Quasi ein Fan über alle Maße. Jemand, der sich lautstarke Diskussionen mit Freunden hingibt, die sich um Nebensächlichkeiten drehen. Menschen, die sich am helllichten Tag einer Massenschlägerei mit Anhängern einer konkurrierenden Filmreihe hingeben. Oder auch Personen, die Petitionen einreichen, um fiktive Elemente eines Filmes ins das reale Leben übernehmen zu lassen. Seit dem Jahr 2001 geben zum Beispiel zahlreiche Menschen im britischen Commonwealth bei Befragungen ihre Religion als Jediismus an. Es handelt sich um … Fanboys! Anhänger von George Lucas’ Schöpfung Star Wars und seinen beiden Fortsetzungen der Ursprungstrilogie. Ende des vergangenen Jahrhunderts spielte für diese Menschen ein potentieller Weltuntergang am Milennium keine Rolle. Für sie zählte nur ein Datum: der 19. Mai 1999. Star Wars kehrte zurück. Star Wars kehrte, auf eine Art und Weise, nach Hause.

Nun drehte Kyle Newman mit Fanboys einen Film von Fanboys über Fanboys für Fanboys. Die Geschichte einer Gruppe von vier Kumpels, die eines Abends beschlossen quer durch Amerika zu George Lucas’ Skywalker Ranch zu fahren, um einen Rohschnitt von The Phantom Menace zu sehen, sollte eigentlich bereits letztes Jahr im Kino laufen. Wäre da nicht Harvey Weinstein gewesen. Der personifizierte und auf Erden wandelnde Teufel wollte den Film nach Testvorführungen umschneiden lassen und ihn seiner Ausgangslage berauben. Denn ausschlaggebend für Erics (Sam Huntington), Hutchs (Dan Fogler) und Windows (Jay Baruchel) Roadtrip ist die Krebserkrankung – und der bevorstehende Tod – von ihrem Kumpel Linus (Chris Marquette). Dieser wird die Premiere von Episode I nicht mehr erleben, weshalb sich Eric, der zuletzt vor drei Jahren mit seinem ehemaligen besten Freund Linus Kontakt hatte, zu der wahnwitzigen Aktion überreden lässt. Doch wer will schon über Krebs lachen, dachte sich Weinstein. Wie er sich bereits zuvor dachte, dass wohl kaum jemand den ursprünglichen GrindHouse-Film von Tarantino und Rodriguez sehen wollte. Fanboys wurde umgeschnitten, boykottiert und kommt nun letztlich in seiner originalen Fassung in die Kinos. Jene Fassung, die sogar von Lucas’ – selbst nicht weniger diabolisch, wenn es um Geldscheffelei geht – abgesegnet wurde.

Allerdings sollte man sich nichts vormachen. Fanboys erzählt im Grunde keine wirkliche Geschichte, verfügt eigentlich nicht mal über ein richtiges Drehbuch. Ähnlich wie Kevin Smiths Jay & Silent Bob Strike Back ist Fanboys primär eine Ansammlung von Szenen und Sequenzen, die sich zuvorderst an die Fans richten. Dies fängt hier bereits damit an, dass das Logo der Weinstein Company mit Lichtschwerter-Sound untermalt wird. Oder sich auch sonst durch den ganzen Film hindurch – dank Lucas – Soundeffekte der Sci-Fi-Oper finden. Sei es R2D2s Geschrei oder die Jubelarien eines Tusken Raiders. Wer sich im Star-Wars-Universum auskennt, dem wird hier ob der vielen liebevollen Einbindungen das Herz aufgehen. Denn von etwaigen Darstellungen der Serie (Fisher, Williams, Park) bis hin zu Ewoks und Seitenhieben auf Jar Jar Binks haben sich die Autoren Ernest Cline und Adam F. Goldberg weiß Gott nicht lumpen lassen. Und mit den Referenzen an Star Wars allein hört es nicht auf, quillt Fanboys vor nerdigen Anspielungen doch nur so über. Egal ob RoboCop, Judgment Day oder zahlreiche Marvel-Comis – wer selbst Nerd ist findet sich hier wieder und amüsiert sich an den dutzenden Seitenhieben, Querverweisen und Hommagen. Dabei nutzt Fanboys den Moment sogar, um eine andere Filmreihe unverhohlen zu bitchslappen.

Als großer Konkurrent wird Star Trek aufgebaut und dieses auch genüsslich durch den Kakao gezogen ("Captain Picard is not gay. He's British." - "Come on. 'Make it so!'"). Dummerweise müssen sich Newman und Co. zu Schulde kommen lassen, dass sie den zu Beginn noch gelungenen Gag durch erneutes Aufbringen zu Beginn des dritten Aktes leider etwas totreiten. Hier macht sich auch die zu lang – und vielfältig – geratene Präsenz von Seth Rogen bemerkbar, der momentan wohl aus keiner US-Komödie wegzudenken ist. Dabei ist er letztlich nur einer von vielen Prominenten, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Von Shooter McGavin über James T. Kirk bis hin zu den Lagerarbeitern aus The Office, um es dem Trailer entsprechend auszudrücken. Von diesen zahlreichen Cameos sind nüchtern betrachtet jedoch nur die wenigsten wirklich gelungen. Zumindest hinsichtlich ihrer Einbindung in das ziemlich dünne Handlungsgerüst. Während dies bei Danny Trejo oder Danny R. McBride noch halbwegs funktioniert, wirken die durch Nachdrehs eingefügten Kevin Smith und Jason Mewes (obschon das Smith-Fan-Herz etwas schneller schlägt) deutlich fehl am Platz. Im Nachhinein sind aber auch sie wie der Rest des Filmes nichts als eine einzige nerdige Anspielung, die man nicht zu hinterfragen hat.

So ist Fanboys, wie es der Titel bereits verrät, zuvorderst ein Film für Fans von Star Wars. Diese werden auch gnädig über die nicht wirkliche vorhandene Handlung hinwegsehen, wie auch über die etwas plumpen und altbackenen Gags. Denn dafür sind einem als Fanboy die Fanboys (und –girls, Kristen Bell soll nicht außen vor bleiben) auf der Leinwand viel zu sympathisch. Ihr Enthusiasmus hinsichtlich The Phantom Menace (erst zum Schluss zeichnet sich die prophetische Befürchtung ab, der Film könnte eine Enttäuschung darstellen) und all die Widrigkeiten, die sie auf dem Weg dorthin auf sich nehmen müssen. Wie bei TV-Serien wie Chuck oder The Big Bang Theory lacht der Nerd am liebsten über sich selbst. Schon alleine, weil er sich wiedererkennt. Man lacht über Verweise auf den Flux-Kompensator oder wenn Hutch sich plötzlich mit den Worten „Snikt!“ in den Kampf stürzt. Hier mag der ein oder andere Zuschauer – speziell das jüngere Publikum – sicher verdutzt dreinblicken, doch was wissen die schon? Welche Filmreihe eignet sich denn heute noch zum Fanboytum? Saw ganz sicher nicht, am ehesten noch Lord of the Rings. Doch glücklicherweise hat Kevin Smith bereits in An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder vor Augen geführt, weshalb es dennoch nur die eine, die unvergleiche Trilogie gibt. Und mit ihr diese einzigartige Filmreihe. Star Wars ist die Heimat des Fanboytums. Und Fanboys, ja, Fanboys ist letztlich dann auch irgendwie, wie nach Hause kommen.

8/10 – erschienen bei Wicked-Vision

24. April 2009

Zack and Miri Make a Porno

Lester the Molester Cockenschtuff.

Was macht eigentlich Bob Weinstein? Gibt es Bob Weinstein überhaupt? Oder ist das so ein verkappter Donald Kaufman? Weil man immer nur von seinem diabolischen Bruder Harvey hört oder liest. Eben jener Harvey ist unter anderem ein Förderer von Quentin T. und Kevin S. aus New Jersey. Mit jenem Kevin S., dessen Name die Redaktion als Kevin Smith enthüllen möchte, traf sich der böse Harvey mal zu Mittag. Smith pitchte Harvey seine Idee eines Filmes Zack and Miri Make a Porno. Harvey erwiderte, dass der Film von ihm produziert würde, dabei hatte Smith ihm nichts über das Projekt mitgeteilt, außer dessen Titel. Im Nachhinein muss man sagen: das erklärt einiges. Sicherlich schreibt Smith nicht die intelligentesten Drehbücher in der Industrie, ohne Frage sind seine Charaktere redundante Abziehbilder von Klischees. Das mag man Smith alles vorhalten und nichtsdestotrotz bin ich ein sehr großer Fan dieses Mannes. Mir gefällt sogar Jersey Girl, den alle verdammen. Mich hatte die Idee von Zack and Miri Make a Porno nicht unbedingt umgehauen (obschon ich zum Trailer den Satz verfasste: „In meinen Augen kann Smith generell sehr wenig falsch machen“.). Manchmal irrt man sich eben.

Da sind sie nun, die beiden Slacker namens Miri (Elizabeth Banks) und Zack (Seth Rogen), die sich seit der ersten Klasse der Grundschule kennen – zwanzig Jahre um genau zu sein – und zusammen in einer WG leben. Oder treffender gesagt: überleben. Das Geld reicht hinten und vorne nicht, der Stapel mit den unbezahlten Rechnungen vegetiert vor sich hin. Es gibt bessere Voraussetzungen zu einem Klassentreffen zu fahren, auf welchem man offensichtlich deplatziert wirkt. Nicht nur ist der Schwarm vergangener Jahre (unglaublich schlecht: Brandon Routh) plötzlich schwul, sondern ein Handyvideo von Miris Unterwäsche kursiert auch bereits durchs Netz. Doch das ist erst die Spitze des Eisberges, denn – oh Wunder – zu Hause angekommen, wird Wasser und Strom abgeschaltet. Was machen, ja, das ist die große Frage. Und weil Brandon (Justin Long), der Freund von Miris Schwarm Bobby, im Pornogeschäft ist, kommt Zack die rettende Idee. Einfach selber einen Porno drehen, in welchem Miri und er gemeinsam Sex haben. Schließlich vögelt Miri eh alles was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und für Männer ist Sex nun mal einfach nur Sex.

Was Smith hier dann als „Drehbuch“ vom Stapel lässt, ist gelinde gesagt recht enttäuschend. Erst wird minutenlang an einem möglichen Titel für den Porno rumgespielt (was bereits nach dem fünften Titel ausgelutscht wirkt), um dann in einer der folgenden Szenen das „Filmstudio“ einreißen zu lassen, gerade als man drehen wollte. „Oh, wie sollen Zack und Miri nun den Porno drehen?“, soll man sich wohl fragen, wohl wissend, dass sie ihn drehen werden. Als kleine Referenz an seine eigene Karriere verlegt Smith das Prozedere nun an den Arbeitsplatz von Zack. Schließlich musste er selbst damals für Clerks. auch an seinem Arbeitsplatz mit Freunden drehen. Man fragt sich dann aber doch, wann Zack und Miri eigentlich Schlafen, wenn sie bis Sonnenaufgang an ihrem Porno drehen, um anschließend zur Arbeit zu gehen. Hier wirkt alles viel zu sehr wie Mittel zum Zweck und der Übergang vom ersten zum zweiten Akt ist mehr als harsch. Die einzelnen Szenen des Pornos werden kurz gedreht, die emotionale Spannungsschraube natürlich hinsichtlich des sexuellen Aktes von Zack und Miri angedreht und zwischendurch bezahlen die Freunde alle überfälligen Rechnungen, damit es dem Pärchen auch nicht allzu schlecht geht.

Nun ist es schon alleine im Genre begründet, dass Zack und Miri zusammen kommen. Und wie immer, wenn man bestimmten Genrekonventionen folgt, geht es nicht darum was man sagt, sondern wie man es sagt. Da kennen sie sich seit zwanzig Jahren, der Zack und die Miri, haben sich des Öfteren nackt gesehen, aber nie sexuelles Interesse aneinander gezeigt. Bis sich ihre Lippen eben zum ersten Mal berühren. Und schon kribbelts im Bauch und die Schmetterlinge rasen wie Flugzeuge umher. Ja, nee, is klar – komm, hör mir doch auf. Das kauft niemand den Figuren ab und das ist schlampiges Schreiben von Smiths Seiten aus. Wo der Regisseur, Autor, Produzent und Cutter in Personalunion sich bei Chasing Amy bzw. Jersey Girl noch ausgiebig Zeit gelassen hat, um den Weg von Freundschaft zu Beziehung der Figuren Holden und Alyssa bzw. Ollie und Maya glaubhaft zu verkörpern, berühren sich hier zwei Lippen und sofort entbrennt eine nicht geahnte Leidenschaft. Dies wirkt gerade deswegen heuchlerisch, weil die Figuren vorab noch ausdiskutieren, dass sie sich mehrfach nackt gesehen haben und seit der Grundschule kennen. Hinsichtlich der Tatsache, dass Miri scheinbar eh niemanden von der Bettkante stößt, wirkt die plötzliche Eifersuch vor den geplanten Sexszenen doch mehr als befremdlich.

Wie dilettantisch Smith hier sein Drehbuch hingerotzt hat, merkt man dann besonders im Finale. Nach der kurzen Klimax folgt schließlich nochmals das große Tabula Rasa innerhalb von zehn Minuten. Da ist es bittere Ironie, wenn Delaney (Craig Robinson) zu Zack meint, dass ihr Film keine Handlung (oder ein Ende) habe. Hat Zack and Miri Make a Porno schließlich ebenfalls nicht bzw. gerade soviel, dass man sie in einem Bloodhound Gang Video hätte erzählen können. Das kennt man von Smith nicht nur eigentlich besser, das kann man von ihm auch besser erwarten. So verwundert es dann doch, wenn seine achte Regiearbeit das mit Abstand schlechteste Werk innerhalb seiner ansonsten recht ansehnlichen Filmographie ist. Der Film verfügt weder über den Charme eines Chasing Amy, noch über den Witz eines Jay & Silent Bob Strike Back, den versuchten Zynismus eines Dogma oder die Wärme eines Jersey Girl. Das ist über weite Strecken zu lieb- und leblos und zugleich größtenteils ohne Sinn und Verstand zusammengeschustert. Die Dialoge sind flach, die Charaktere extrem eindimensional und die Entwicklung der Handlung wie angesprochen nicht wirklich vorhanden.

Exemplarisch für das Versagen des Filmes steht seine Besetzung. Seth Rogen und Elizabeth Banks entwickeln keine rechte Chemie, wirken stets wie zwei Schauspieler, die bezahlt wurden, um sich als Freunde auszugeben. Vielleicht wäre dem Film mehr geholfen, hätte Smith die Hauptrollen mit Jason Lee und Joey Lauren Adams besetzt. Unterboten wird die Besetzung von Rogen und Banks nur noch von der Darstellung Longs und Rouths. Das ist speziell bei Letzterem mehr als peinlich anzusehen, wie der Superman-Schauspieler versucht eine Rolle zu verkörpern, für die er überhaupt kein Talent mitbringt (und das ist bei einer derart simplen Figur, mehr als erschreckend). Ein Gewinn stellen lediglich die Smith-Zöglinge Jeff Anderson und Jason Mewes dar, auch wenn gerade die letzten beiden bedauerlicherweise viel zu kurz kommen. Letztlich ist es zu empfehlen, über Zack and Miri Make a Porno den Deckmantel des Schweigens zu hüllen. Nun ist Smiths letzter Film bei Weitem nicht das Gelbe vom Ei, weiß aber doch bisweilen mit dem Witz des Regisseurs aufzuwarten (allein wie Zack allmählich herausfindet, welcher Arbeit Brandon nachgeht oder er den Streit des Schwulenpärchens bewertet). Dennoch beweist der Film einmal mehr, dass Smith kein wirkliches Händchen dafür zu besitzen scheint, Hollywood-Schauspieler an Stelle seiner Freunde zu inszenieren. Somit ist sein Film zwar noch Durchschnitt, lässt aber für Cop Out - seine erste Studioarbeit - nichts Gutes ahnen.

5/10

20. Oktober 2008

Pineapple Express

Fuck the po-lice!

Vor drei Jahren veröffentlichte Der Spiegel eine Studie, der zufolge jeder Fünfte Europäer zwischen 15 und 34 Jahren Cannabis konsumiere. Die meisten Menschen könnten auch in ihrem Freundeskreis eine oder mehr Personen aufzählen, die bereits einmal oder immer noch Haschisch rauchen. Weltweit bekannt ist die Handhabung in den Niederlanden, wo Marihuana inzwischen legalisiert wurde und in Coffee Shops frei zugänglich ist. Konservative Kreise verteufeln Haschisch, indem sie den Benutzern nachsagen, dass sie durch den Konsum verblöden würden. Dass Drogen sowohl berauschend als auch sucht gefährdend und lebensbedrohlich sein können hat kaum ein Film besser gezeigt als Darren Aronofskys Requiem for a Dream. Doch verteufelt werden meist nur die so genannten „harten Drogen“ wie Heroin, Crack und dergleichen. Gerade in den USA ist Cannabis eher eine lieb gewonnene Droge, speziell bei Heranwachsenden. Kiffer als sympathische Cliquen-Maskottchen finden sich in so Filmen wie Fast Times at Ridgemont High in der Person von Sean „Spicolli“ Penn oder auch in Tony Scotts True Romance durch den von Brad Pitt dargestellten Floyd. Letzterer diente dem neuen US-Komödien Guru Judd Apatow auch als Inspiration für seine aktuelle Produktion Pineapple Express, deren Drehbuch von Seth Rogen und Evan Goldberg stammt. Dasselbe Team also, welches bereits Superbad zu einem Hit hat werden lassen und auch mit ihrem neuen Werk konnten sie an ihre Erfolgsquote anknüpfen. Das britische EMPIRE Magazin hat Pineapple Express zu einem der Knüller des Sommers erklärt, waren es schließlich Rogen, Goldberg und Apatow, die Ansatzweise The Dark Knight zu gefährden vermochten. Letztlich war der Actionklamauk jedoch der Beweis, dass Amerikaner immer noch gerne über ihre kiffenden Slacker zu lachen vermögen und so befindet sich auch Hauptdarsteller Rogen weiterhin auf dem aufsteigenden Ast.

Regisseur David Gordon Green, der sich bisher durch namhaft besetzte Independent-Filme auszeichnen konnte, lässt seine Kiffermär durchaus charmant beginnen. In Schwarzweiß startet Pineapple Express wie ein guter alter Krimi, schlägt jedoch schon früh absurde Bahnen ein. Anfang der Dreißiger untersuchte die Regierung die Auswirkungen von Marihuana in der Person eines ihrer Soldaten (Bill Hader) am Menschen. Die Folgen waren katastrophal. Wirres Gerede und antiautoritäres Verhalten – diese Droge musste für illegal erklärt werden. Mehr als siebzig Jahre später knüpft die Handlung nun an und hat in den Folgenden zwei Stunden im Grunde überhaupt nichts mehr mit jenem schwarzweißen Prolog zu tun. Eddy Grants „Electric Avenue“ dröhnt aus den Boxen, nicht nur denen des Kinos, sondern auch aus Dales Autoboxen. Dale (Seth Rogen) ist ein sympathischer Kiffer, der seinen Job aus sprichwörtlich vollen Zügen genießt. Er überstellt gerichtliche Vorladungen und um all den Anfeindungen zu begegnen, zieht er hin und wieder einen durch. „We gonna rock down to Electric Avenue and then we'll take it higher” ist das Motto in Dales Leben. Doch es ist kein sorgenfreies Leben, denn Dales High School Freundin Angie (Amber Heard) versteht sich zu gut mit ihren gleichaltrigen Klassenkameraden. Zumindest nach Dales Geschmack. Und sein potentieller Nebenbuhler kann immerhin Jeff Goldblum nachmachen, was hat Dale da schon dagegen zu setzen. „Fuck Jeff Goldblum, man!“, wird Dale von seinem Dealer Saul (James Franco) eingeschworen. Zwar kennen sich beide erst seit zwei Monaten, doch die Freundschaft zwischen ihnen ist stark und innig. Jedenfalls wenn es nach Saul geht. Und deswegen bietet er Dale auch bereitwillig eine Kostprobe seines neuesten Produktes an. Der Ananas Express haut richtig rein und wird beiden anschließend noch gehörig Ärger verursachen. Als Dale zufällig einen Drogenmord beobachtet, können die Täter (Gary Cole, Rosie Perez) ihn und Saul anhand des Ananas Express identifizieren. Eine wilde Flucht-Verfolgung-Flucht nimmt ihren Lauf.

Grundsätzlich war die Idee, die hinter Pineapple Express steckt die, das es eine bekiffte Variante von Midnight Run sein sollte. Und per se hält Greens Film auch das was er verspricht. Gerade die erste Viertelstunde konzentriert sich stark darauf Dale und Saul als zwei strunzdoofe Klischeekiffer zu etablieren, wenn sie sich auf der Couch bei zwei gleichzeitig laufenden Fernsehern über sinnloses Zeug ereifern. Dass dies ziemlich schnell eintönig wird ergibt sich von selbst. Zudem sind die Dialoge der beiden über die meiste Zeit hinweg auch nicht besonders wort- und geistreich, sodass einem das Lachen in vielen Situationen schwer fällt. Doch hin und wieder gelingt es Rogen und Goldberg durchaus einen genialen Einzeiler raus zuhauen („Prepare to suck the cock of karma!“), die enttäuschenderweise rar gesät sind. Man merkt es dem Skript somit sehr wohl an, dass Rogen es bereits vor einigen Jahren geschrieben hat, denn im Gegensatz zu seinem Superbad verliert sich Pineapple Express unglaublich oft in seinen Nebenschauplätzen, dreht sich im Kreis und streckt sich dadurch. Am deutlichsten wird dies durch die Figur von Dales Freundin Angie und deren Familie. Jenes Handlungselement ist so überflüssig, dass nicht einmal Amber Heard darüber hinweg zu täuschen vermag. Unverständlich weshalb Rogen hier gut und gerne 15 Minuten für die Exposition einer Szene aufwendet, die im Kontext des Geschehens absolut belanglos ist und sich in einem Klischeeausspruch („You’re as high as a fucking kite“) verliert. Ähnliches gilt für das Finale des Filmes, der weitaus besser in eine Laufzeit von 90 Minuten gepasst hätte und den man ab einem gewissen Zeitpunkt anfangen muss zu ertragen anstatt ihn zu genießen. Denn nicht nur der Film selbst hätte gekürzt werden müssen, sondern auch die meisten Szenen sind viel zu langatmig und langweilen insbesondere durch ihren unlustigen Charakter. Eine Schlägerei zwischen drei Kiffern mag wohl nur dann wahrhaft lustig sein, wenn man selbst in jenem Augenblick bekifft ist.

Gut möglich dass man auch nur dann vollends seinen Spaß an Pineapple Express hat, wenn man selbst gerade bekifft oder am Kiffen ist. Doch zur Überraschung des Zuschauers stellen beide Figuren schon bald das Kiffen ein, wenn der eigentliche Actionanteil des Filmes losgeht. Dass sich an der Intelligenz der beiden Protagonisten trotz Cannabis-Mangels nichts großartig ändert, spricht dabei im Grunde für die konservative Einstellung des verdummenden Rauschmittels. Und so wirklich will die gezeigte Action dann auch nicht mit dem komödiantischen Teil konform gehen. Was sich in Shane Blacks Kiss Kiss Bang Bang zu einem wahnwitzigen Cocktail vermischte geht in Pineapple Express nicht auf. Viel zu unglaubwürdig ist das Szenario hier aufgebaut, was sich perfekt in den beiden Killern Budlofsky (Kevin Corrigan) und Matheson (Craig Robinson) manifestiert. Gut möglich dass man den beiden aufgrund ihrer Beteiligung an den Comedy-Formaten Grounded for Life und The Office nicht so recht die unbarmherzigen Killer abkauft, doch passen sie somit perfekt ins Bild. Denn dass Saul und Red (Danny McBride) die Drogendealer Nummer 3 und 2 in Los Angeles sind, will bei deren Geisteszustand auch nicht wirklich einleuchten. Hier ist es auch nicht hilfreich, dass Pineapple Express sich selbst nicht ernst und andere Genrevertreter hoch nehmen will. Dazu fehlt es Greens Film im Gegensatz zu einem Hot Fuzz viel zu sehr an unaufgesetzter Lockerheit, die entgegen der Erwartungen nicht von den beiden Kiffern versprüht wird. Zu Ideenlos, zu lang ist das ganze Theater, die Anspielungen auf das Genre verpuffen ins Nichts. Vielleicht funktionieren die Kifferkomödien nur in den USA, so richtig überzeugen will Pineapple Express jedenfalls nicht. Ganz im Gegensatz zum Soundtrack, für welchen Rogen auch Musikgröße Huey Lewis and the News gewinnen konnte, um den stimmigen Abspannsong zu komponieren. Dass der Song besser ist als der vorangegangene Film dürfte kaum überraschen.

5.5/10

1. Juli 2008

Kung Fu Panda

There is no charge for awesomeness.

Unter Panda-Diplomatie versteht man, wenn China sich versucht dem Westen anzubiedern und ihm dabei einen oder mehr Pandabären schenkt. Die vom Aussterben bedrohten Tiere stellen somit eine Kostbarkeit dar und auch Helmut Kohl nahm 1980 zwei Pandabären als Geschenk an, die anschließend im Berliner Zoo versauern durften. Der perverse Drang des Menschen, anderen Lebewesen (einschließlich sich selbst) die Freiheit zu nehmen, wird natürlich von Hollywood selten bis nie angeprangert. Im Gegenteil, dürfte DreamWorks neuestes animiertes Abenteuer für begeisterte Anstürme in den Zoos sorgen. Das bedeutet noch mal extra Stress für die armen Tiere, die ihrer Würde vom Menschen lange Zeit beraubt wurden. Da ist es fast schon Zynismus, dass DreamWorks zuletzt mit Madagascar die Rückkehr von Zoo-Tieren in ihre natürliche Umgebung darstellte. Diese fanden sich in freier Wildbahn schließlich gar nicht mehr zurecht, sodass man ihre Gefangenschaft den Kindern als grotesken Euphemismus verkaufen konnte.

Welches kleine Kind wird nach dem neuesten digitalen Hit Kung Fu Panda nicht auch mal einen echten Panda im Zoo sehen wollen? Und wenn der Zoo (noch) keinen Panda hat, muss man sich eben einen besorgen. An potentiellen Lieferanten dürfte es nicht fehlen. So löblich es auch ist, dass man den Kleinen anhand digitaler Abenteuer die Tierwelt näher bringen will, einen Gefallen tut man ebenjener Tierwelt damit ganz gewiss nicht. Wieso man nicht wie Disney jahrelang Abenteuer mit Fokus auf die menschlichen Protagonisten erschaffen konnte, bleibt zu hinterfragen, seine Produktionskosten von 130 Millionen Dollar hatte der Film jedenfalls bereits in der ersten Woche wieder eingespielt – einer Fortsetzung steht damit praktisch nichts im Wege. Da Madagascar 2 bereits in den Startlöchern steht, ist sogar ein Sequel zu befürchten, DreamWorks wirkt im Grunde geradezu abhängig von den Fortsetzungen seiner Filme, was die Shrek-Reihe am eindrucksvollsten zeigt.

Seit 1993 liefen die Planungen für Kung Fu Panda, doch erst 2004 begann man mit der Produktion. Das Ergebnis lässt sich nun vier Jahre später in den Kinos begutachten und eingeläutet wird der Film auch mit einer sehr kunstvollen Zeichnung des DreamWorks Logos. Die Freude währt jedoch nur kurz und man befindet sich bereits in der digitalen Welt des Studios, der animierten Version des alten China. Wenn Shrek nicht wäre, könnte man meinen es wäre der Zeichenstil des Studios, dass alles etwas kantiger aussieht, als normal. Die Figurenzeichnung erinnert stark an Madagascar und trifft vielleicht den Geschmack von manchem. An die Detailverliebtheit eines Pixar-Films reicht es jedoch dennoch nicht heran. Sehr humoristisch wird die Titelfigur, Panda Po, dem Publikum vorgestellt. In einer Traumsequenz erfährt man sogleich, Po ist Kung Fu Fan, ja, ein riesiger Kung Fu Fan, der nichts lieber möchte, als selber Kung Fu zu können. Aber Po ist lediglich der Sohn eines Nudelverkäufers. Just an diesem Tag wird jedoch der heilsbringende Drachenkrieger ausgewählt, der gegen den finstren Tai Lung antreten soll.

Kung Fu Meister Shifu macht sich Hoffnungen, dass einer seiner Schüler diese Ehre erhält, nach einem tollpatschigen Missgeschick wird jedoch Po zum „Auserwählten“ erkoren. Sehr zum Unmut von Tigress, Shifus vielversprechendster Schülerin. Da eigentlich so niemand Vertrauen in Po hat – nicht mal er selbst – blicken alle etwas verdattert in die Zukunft, während sich dem eingesperrten Tai Lung die Chance zum Ausbruch bietet. Gerade an den beiden Riesenkatzen, der Tigerin Tigress und dem Schneeleoparden Tai Lung, sieht man die lieblos wirkende Animation von DreamWorks. Wo bei Pixar Haar für Haar mühevoll am Computer projiziert wird, erinnern die beiden kämpfenden Katzen ständig an den plumpen Alex aus Madagascar. Ihre grellen Augen tragen die ihren Teil zu bei. Die Nebencharaktere wie Viper oder Monkey zeugen auch nicht von besonderer Liebe zum Detail, was vielleicht auch nicht so nötig ist, da die Nebenfiguren hier wirklich nicht mehr sind als Nebenfiguren.

Wenn der Film schon Kung Fu Panda heißt, darf man wohl auch Kung Fu erwarten und hier wird der Zuschauer auch nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, die gesamte zweite Hälfte des Filmes besteht nur noch aus Kämpfen. Pausenlos. Ein großes Manko des Filmes, der prinzipiell eigentlich gar keine Handlung zu erzählen hat (auch wenn die Macher das strikt behaupten). Von den Wuxia-Hits Wo hu cang long und Co inspiriert setzten die Regisseure Mark Osborne und John Stevenson alles auf die Karte „Hau-drauf“. Minutenlanges Puff-Puff wird jedoch mit der Dauer langweilig, vor allem da es im Grunde gar nichts mit der Geschichte zu tun hat beziehungsweise sehr viel „cooler“ dargestellt wird, wie es für Kinder vielleicht angedacht ist. Aber um Kinderschutz schert man sich heutzutage ohnehin nicht mehr viel, wenn in Schulaufführungen von Siebtklässlern „Lollipop“ von Lil’ Wayne gespielt wird und ähnliche Songtexte einem um die Mittagszeit im Saturn um die Ohren geknallt werden. Dafür werden dann Filme wie Iron Man oder The Happening beschnitten, die deutsche Unterhaltungsindustrie gibt sich selbst der Lächerlichkeit preis.

Natürlich sind animierte Tiere immer eher als Unterhaltungsform zu sehen und auch Willie E. Coyote ist ja nie wirklich etwas passiert, wenn er denn die Schlucht hinuntergefallen ist. Man darf aber davon ausgehen, dass das erste, was die Kinder zu Hause machen werden, das Nachahmen des Filmes sein dürfte. Dass man bei DreamWorks gute dreißig Minuten am Stück auf den Kampf-Faktor setzt, zeugt schließlich auch davon, dass man nur so glaubt die Kleinen noch für den Film begeistern zu können. Bei einer einfachen Geschichte wie Sleeping Beauty würden die Armen wohl wegratzen. Dabei sind die Kämpfe ansehnlich choreographiert, keine Frage, nur verdrängen sie die ohnehin schon kränkelnde Handlung, für die anschließend kaum noch Platz ist und was noch viel schlimmer ist, durch die im Finale die eigentliche Botschaft des Filmes irgendwie unter geht. Was wie und warum jetzt Po gelernt hat, spielt kaum eine Rolle, denn der Kampf gegen Tai Lung steht an. Bei den Charakterhintergründen hätte man auch ein versöhnliches Ende wählen können, immerhin ist dies ein Kinderfilm, da verkommt es noch nicht zum Kitsch, wenn man ein Happy End präsentiert. Stattdessen wird jedoch alles auf den Gewaltfaktor gelegt, kein Erbarmen, kein Mitleid, kein Vergeben.

Für die Kinder dürfte der Film natürlich trotzdem funktionieren, wahrscheinlich sogar gerade deswegen und neben der zu großzügig eingesetzten Kampf-Thematik kommen auch viele amüsante Momente nicht zu kurz. Po selbst allen voran ist natürlich ein absolut sympathischer Charakter und der Film durchaus das eine oder andere Mal zum Schmunzeln. Vorab sei erwähnt, dass die Bewertung sich auf die englische Version bezieht, die der deutschen Variante weitaus überlegen ist. Schon allein wegen Jack Black als Po ist diese besser, als die deutsche Version. Bedenkt man, dass man Po extra nach Blacks Vorbild geschaffen hat, verkommt es zum Unsinn hier Hape Kerkeling als Synchronstimme zu engagieren. Warum man hier nicht Tobias Meister genommen hat will sich mir nicht erschließen. Auch Gottfried John (Shifu) als Ersatz für Dustin Hoffman kann nur leidlich überzeugen, Thomas Fritsch (Tai Lung) hingegen wirkt nach seiner Beteiligung an den Ice Age-Filmen als Riesenkatze ausgelutscht, aber kann sich dennoch beweisen.

Wer die Chance hat, den Film in seiner Originalfassung zu sehen, der sollte sie wahrnehmen, die Atmosphäre gewinnt dadurch nur. Ein anderes Problem ist die Verwendung des Denglisch, der Film ist für eine entsprechende Generation gemacht, natürlich, weshalb man aber in einer deutschen Version von „Dad“ spricht, will sich mir (weiterhin) nicht erschließen. Gegen „chillen“ und „flexen“ lässt sich ja kaum noch was sagen, zudem passt es sich der jeweiligen Szene an, aber diese „Dad“'s wollen mir einfach noch nicht runtergehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kung Fu Panda ein solider Spaß für die Kleinen sein dürfte, der Score von Hans Zimmer jedenfalls ist zum Träumen. Man sollte sich aber auch eingestehen, dass wenn man einen Pixar zur Hand hat, getrost auf ein DreamWorks-Vehikel verzichten kann. Auf unterhaltsame, spannende und intelligente digitale Filme haben die Leute von Pixar einfach das Monopol, da helfen auch dritte oder vierte Aufgüsse vom grünen Oger oder vier streunenden Zoo-Tieren nichts.

6/10

24. September 2007

Superbad

McLovin in da fuckin’ house!

Der amerikanische Filmkritiker Sean Burns von Philadelphia Weekly behauptete, dass 2007 das Jahr sei, in welchem Seth Rogen und Judd Apatow die Filmkomödie gerettet haben. Zurückführen lässt sich dieses Statement auf Apatow’s im Juni gestarteten Knocked Up, der in den USA ein ebenso großer sleeper hit war, wie der zwei Monate später gestartete Superbad. Nicht nur zementierten beide Filme den durch The 40-Year-Old Virgin neu errungenen Comedy-Status von Apatow, sondern sie verhalfen sowohl Seth Rogen zum Durchbruch, als auch den beiden Hauptdarstellern Jonah Hill und Michael Cera. Dass Superbad die erfolgreichste High-School-Komödie aller Zeiten ist, passt da irgendwie ins Bild.

Die Teenager Seth (Jonah Hill), Evan (Michael Cera) und Fogell (Christopher Mintz-Plasse) sind das, was man im Allgemeinen als Nerds bezeichnet. Keiner von ihnen sieht sonderlich gut aus und hinzu kommt, dass sie bei ihren Mitschülern und besonders Mitschülerinnen nicht unbedingt beliebt sind. Hinzu kommt, dass sie in drei Wochen ihren Schulabschluss machen und noch immer nicht ihre Unschuld verloren haben. Aber was noch viel schlimmer ist: Seth und Evan sind Freunde seit Kindestagen und werden in wenigen Monaten durch den Besuch unterschiedlicher Universitäten getrennt. Da kommt es gerade recht, dass Seth auf die Party der kessen Jules (Emma Stone) eingeladen wird.

Als Ausgleich soll er den Alkohol für die Party besorgen, schließlich erhält Fogell am selben Tag (s)einen gefälschten Ausweis. Und da auch Evans Schwarm Becca (Martha MacIsaac) sich für die Party angekündigt hat, lautet Seths Plan, die Damen so abzufüllen, dass sie sich zu allen Schandtaten bereit erklären (“We could be that mistake!”). Erste Probleme treten auf, als Fogells Ausweis ihn zu einem 25-jährigen Hawaiianer namens „McLovin“ deklariert. Als er dann beim Alkoholeinkauf von den durchgeknallten Streifenpolizisten Slater (Bill Hader) und Michaels (Seth Rogen) abgeführt, während Seth und Evan andere Mittel finden müssen, um an Alkohol zu kommen, nimmt der Abend ungeahnte Entwicklungen.

Das Drehbuch zum Film schrieben Nebendarsteller Seth Rogen und sein Jugendfreund Evan Goldberg mit 13 Jahren. Die autobiographischen Elemente schlagen sich in den der zentralen Figuren nieder, die nach Rogen, Goldberg und ihrem Freund Sam Fogell benannt wurden. Und wer kann sich nicht an ein derartiges „Party“-Erlebnis erinnern, das Evan in der Pause Becca euphemistisch vorschwärmt? Wenn auch nicht alle, so kommen einem viele Momente des Films sehr vertraut vor. Schließlich dreht sich die Pubertät, beziehungsweise deren Endphase insbesondere um Partys, Alkohol und Sex - meist in Verbindung miteinander. Den Kern von Superbad bildet jedoch die Freundschaft von Seth und Evan.

Während die sich anbahnende Trennung der beiden zu emotionalen Ausbrüchen führt und damit dem Film eine gewisse charakterliche Tiefe verleiht, konzentriert sich Fogells nächtlicher Patrouillenausflug mit Slater und Michaels darauf, Brachialhumor zu zelebrieren. Rogen und SNL-Mitglied Hader spielen die beiden Anti-Bullen, die im Dienst trinken und bei roten Ampeln das Blaulicht aktivieren, mit soviel Hingabe und Spaß, dass sie den drei Jungdarstellern bisweilen sogar die Schau stehlen. Eine nette Ergänzung, aber aufgrund fehlender Präsenz unterfordert, stellt Emma Stone dar, die Jahre später durch ihre eigene High-School-Komödie Easy A ebenfalls vollends den Durchbruch in Hollywood schaffen sollte.

Während Mottolas Debütfilm zwar dem klassischen Ein-Tages-Szenario á la American Graffiti oder Dazed and Confused folgt, konterkariert sein Soundtrack etwas den klassischen Gentrebeitrag. Weniger auf Kontemporärmusik ausgelegt, als sich für peppigen Funk und Soul entscheidend, spiegelt die Musik mehr die Stimmung des Filmes wider, als die Zeit, in der er spielt. Löblich ist ebenso die sehr zur Schau gestellte und durchaus auch homoerotisch konnotierte Freundschaft der beiden Hauptfiguren, wie man sie eher selten in der Branche findet. Dementsprechend ist es für Seth weitaus tragischer, in Zukunft von Evan getrennt zu sein, als möglicherweise als Jungfrau aufs College zu gehen.

In seiner Summe ist Superbad nicht nur eine grandiose High School Komödie, mit unvergesslichen Figuren, sowie viel Charme und Herz, sondern auch zu recht die gelungenste Komödie des Filmjahres 2007. Der einzige Vorwurf, den man dem Drehbuch von Rogen und Goldberg machen kann, ist die fast zweistündige Laufzeit, die speziell während Evans und Seths Ausflug zu Marks (Kevin Corrigan) Hausparty ein paar Längen aufweist, wie man auch Exposition und Epilog hätte straffen können. Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau, machen die Beteiligten doch die meiste Zeit alles richtig. Vielleicht haben Rogen und Apatow 2007 nicht die Filmkomödie gerettet, aber immerhin die Filmkomödie 2007.

9.5/10

13. August 2007

Knocked Up

Isn't it weird how chairs exist even when you're not sitting on them?

Diesen Sommer kommen, bzw. kamen, drei Pärchenkomödien heraus: License to Wed (mit Mandy Moore und Robin Williams), The Ex (mit Zach Braff) - einst Fast Track genannt - und dieses kleine Schmankerl, Knocked Up von Judd Apatow, dem Regisseur von Jungfrau (40), männlich, sucht. License to Wed kann man getrost den Hasen geben und ob The Exin Deutschland überhaupt ins Kino kommt kann ich an dieser Stelle nicht mal sagen. Knocked Up wurde jedenfalls bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gelobt, teilweise sogar vergöttert. Eine der intelligentesten Komödien seit Jahren und eine der Top-Komödien der letzten zwanzig Jahre, usw. Neben den Kritiken stimmte hierbei sogar das Einspielergebnis, welches in den USA bereits das fünffache seiner Kosten eingespielt hat und international demnächst veröffentlicht wird. Nicht schlecht also, dieser Film - könnte man meinen (und keine Angst, ich werde ihn in den folgenden Absätzen auch nicht runtermachen).

Knocked Up erzählt die Liebesgeschichte von dem kiffenden Arbeitslosen Ben (Seth Rogen) und der karrierebewussten Moderatorin Alison (Katherine Heigl). Diese lernen sich bei Alkohol in einem Club kennen, sind so besoffen, dass sie miteinander Sex haben und als sie sich acht Wochen später wiedersehen, eröffnet Alison Ben dass sie schwanger ist. Wäre das nicht schon schlimm genug, ist sie es eben auch noch von Ben, der erfolglos mit seinen vier Freunden versucht eine Internetseite zu erstellen, die aufführt in welchen Filman man an welcher Stelle Schauspielerinnen nackt sehen kann. Als sich beide entschließen das Kind zu bekommen, müssen sie sich nicht nur mit der Schwangerschaft auseinandersetzen, sondern auch mit den gegenseitigen Persönlichkeiten.

Soviel zur Geschichte und es sollte klar sein, dass am Ende natürlich alles gut wird. Wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre. Es geht also nicht darum was passiert, sondern wie es passiert. Dies geschieht in den meisten Fällen äußerst witzig (auch wenn in der deutschen Sprachfassung einiges an Witz verloren geht) und es ist erfrischend zu sehen, dass besonders in der Wortwahl kein Rückzieher wegen des PG-13 Ratings gemacht wurde und der Film dementsprechend R-Rated (in Deutschland nur FSK 12) ist. In Knocked Up wird geflucht und geschimpft das sich die Balken biegen und das ist auch gut so, denn gegen wir es zu, Fluchen gehört zum Alltag einfach dazu. Der kruden Erziehungspolitik der Amerikaner muss jedoch vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis von Alison's Schwester und ihrem Mann (Leslie Mann und Paul Rudd köstlich wie immer) ein Dorn im Auge gewesen sein, denn hier wird locker flockig von vorehelichem Sex, sowie Mord und Totschlag gefaselt. Einfach aufrichtig ehrlich!

Die Moral von zwei völlig verschiedenen Menschen, die durch Alkohol zusammengeführt werden und schließlich als glückliche Familie enden ist natürlich in unserer heutigen Zeit bei einer Scheidungsrate von 50% beinah als hahnebüchern anzusehen, aber wer will auch schon eine Liebeskomödie sehen die böse endet? Da ist sicherlich auch viel Klischee mit dabei, aber diese entsprechen auch größtenteils den Tatsachen. Wie der Film jedoch zeigt, leben wir aber nicht in einer perfekten Welt in der alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Das fängt Knocked Up in der Tat sehr gut ein und kann sich neben dieser Schwangerschaftsthematik in einem kleinen Nebenplot Seitenhiebe auf die Fernsehindustrie und ihre Ideale (ich sage nur "straffen") nicht verkneifen. Dies wird dann noch mit vielen kleinen Cameos (u.a. Steve Carell, Eva Mendes, James Franco und Harold Ramis) unterstützt - wieso jedoch ausgerechnet Britney Spears' "Toxic" auf dem Soundtrack landete bleibt mir ein Rätsel.

Weswegen ich dann aber doch nicht ganz in den Chor der Jubelstürme einstimmen will, ist, dass Knocked Up gelegentlich im Sand verläuft, die Witze, die allesamt lustig und gut sind, bilden den roten Faden durch den Film, der einen in seinen ruhigen Momenten jedoch fast zu verlieren scheint. Vielleicht liegt dies auch nur daran, dass ich ein Mann bin und mich das Thema der bevorstehenden Schwangerschaft nicht genug interessiert (oder zu arg abschreckt), aber nach ein, zwei Minuten wartet man wirklich sprichwörtlich auf den nächsten Witz, um wieder ebenjenes Aha-Moment zu haben. Dies ist nicht weiter schlimm und hindert den Film auch nicht daran, ein nahezu perfektes Date-Movie zu sein, macht ihn aber in meinen Augen auch nicht zu dem von den Medien erhobenen Top-20-Komödien Gipfelstürmer. Ich hatte mich sehr unterhalten gefühlt und Katherine Heigl tut dabei ihr übriges (auch wenn mir vorher in Grey's noch nie aufgefallen ist, wie groß ihre Brüste eigentlich sind).

7.5/10