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13. Juli 2009

Killshot

Nach 26 Jahren die Wiedervereinigung von Diane Lane und Mickey Rourke auf der Leinwand. Damit hat man auch schon das Positivste aus John Maddens Killshot, einer Elmore-Leonard-Adaption, herausgegriffen. Ein grenzenlos overacting betreibender Joseph Gordon-Levitt, die Nippel der Lane und Rourke als amerikanischer Ureinwohner sind gar nichts im Vergleich zu Hossein Aminis unfassbar dümmlichen Drehbuch. Was hier aufgeboten wird, zieht einem schier gar die Schuhe aus. Nicht jede Leonard-Adaption kann scheinbar so gut werden wie Jackie Brown. Aber immerhin hätten Madden und Co. ja versuchen können, einen weniger miesen Film zu Stande zu bringen. Etwas mehr Gekeife biete ich in der ausführlichen Besprechung beim MANIFEST.

3/10

17. Februar 2009

The Wrestler

It didn’t feel like a mistake to me.

Jeder Mensch hat Dinge, die seine Jugend und Kindheit nicht nur aus- sondern ganz speziell machen. Ein altbekanntes Klischee ist die Faszination von Mädchen für Pferde und Puppen, während sich die Jungs für Dinosaurier und Autos interessieren. Ein entscheidender Faktor dürfte für jene Jungs auch eine Sportart sein, die im Grunde nicht wirklich eine solche ist. Wrestling dient weniger dem sportlichen Wettkampf, sondern zuvorderst der Unterhaltung. Ein Showkampf, vollkommen inszeniert und doch von den Fans frenetisch gefeiert. Und ihren Zweck haben diese Männer durchaus erfüllt, wenn auch Jahrzehnte später noch Namen wie Hulk Hogan, Bret ‘Hitman’ Hart, ‘Macho Man’ Randy Savage, Yokozuna, The Undertaker, Lex Luger, Mr. Perfect und all die anderen im Gedächtnis nun erwachsener Männer verankert sind. Doch welchen Preis dieser Beruf hat, bleibt unter Verschluss und wird vom Publikum kaum wahrgenommen.

Wrestling hat seinen Ursprung als Jahrmarktsattraktion des 19. Jahrhunderts, heute ist es ein Massen- und Merchandise-Unternehmen. Bis zu 400 Millionen Dollar setzt World Wrestling Entertainment (WWE) dadurch um. Die Akteure kümmern die WWE allerdings wenig. Keine Form von Rente oder Krankenversicherung gibt es für die professionellen Catcher. Der Job fordert seinen Tribut, auf die eine oder andere Art. Der bekannte Wrestler Owen Hart, Bruder des berühmteren Bret ‘Hitman’ Hart, starb 1999, als er von einem Gerüst in den Ring hinein sprang. In den letzten zehn Jahren verstarben 65 Wrestler durch jahrelange Anwendung von Steroiden, fast 40% von ihnen erlagen einem Herzinfarkt. Was die Zuschauer amüsiert, verlangt mehr körperliche Kraft, als das Publikum einzustehen bereit ist. Darren Aronofsky setzt diesem Sport nun im Allgemeinen und jenen Sportlern per se mit The Wrestler ein Denkmal.

In seinem vierten Kinofilm zelebriert Aronofsky einen solchen Kinderhelden. Zu rockig unterlegter Musik und in einem dementsprechend gestyltem Vorspann feiert er seinen Hauptprotagonisten Randy ‘The Ram’ Robinson (Mickey Rourke) und dessen legendären Kampf gegen Nemesis The Ajatollah. Nachdem der Vorspann zu Ende ist beginnt dann der eigentliche Film oder besser gesagt: die Demontage. Der Bildschirm ist schwarz, ein verschleimtes Husten bricht die Stille. Da sitzt er nun, der Held der Geschichte, auf einem Klappstuhl, den Rücken zur Kamera gewandt. Es ist offensichtlich, er ist fertig mit sich, mit der Welt. Randy ist müde und alt. Oder Randy ist müde, weil er alt ist. Es spielt keine Rolle. Er lässt sich bezahlen und schlürft mit seinem Trolli aus einer Schulsporthalle. Seine Winterjacke ist an mehreren Stellen mit Tapeband gekittet, im Radio läuft derweil Don't Know What You Got (Till It's Gone) von Cinderella.

Randy, der einst ‘The Ram’ war, hat den Absprung nicht geschafft. Vielmehr ist er ein Gefangener seiner Nostalgie. Von einem Kollegen lässt er sich mit Steroiden versorgen. Die Aufzählung aller Produkte erinnert in ihrer Ausführlichkeit an Raoul Dukes Drogenkollektion aus Fear and Loathing in Las Vegas. Um den Körper zurück in die achtziger Jahre zu katapultieren, werden dann noch die langen Haare blondiert und die Haut im Solarium gebräunt. In seinem Auto steht eine Live Action Figur von ihm selbst, zu Hause hat er sich extra einen alten Nintendo angeschafft, um damit sein einziges Spiel zocken zu können: ein Wrestling-Spiel. Gelegentlich kann er einen der Nachbarsjungen dazu bringen, sich zu ihm zu gesellen und dann spielen beide als ‘The Ram’ und The Ajatollah gegeneinander. Doch das alles sind nur Requisiten für Randys Show. Privat zeigt uns Aronofsky ihn dann mit Lesebrille, Hörgeräten und Arthritis.

Den Einschnitt bildet ein Herzinfarkt, den Randy nach einem Kampf erleidet. Nun nimmt ihm Aronofsky auch das Letzte, das ihm geblieben ist: seine Identität. “I don’t wanna be alone”, erklärt Randy gegenüber Stripperin Cassidy (Marisa Tomei). Sie ist so etwas wie seine Lebensgefährtin, bezahlt er sie doch hin und wieder, damit sie ihm zuhört, wenn er von seinem Leben berichtet. Cassidy, die eigentlich Pam heißt und für sich und ihren Sohn einen Lebenswandel anstrebt, ist Randys scheinbar einziger sozialer Kontakt abseits seiner Wrestling-Gemeinde. Zwar hat er in Stephanie (Evan Rachel Wood) eine Tochter, doch ist der Kontakt seit Jahren abgebrochen. Jetzt, wo Randy alleine und ohne sein Hobby ist, versucht er in den Alltag zurück zu finden. Es folgen zaghafte Versuche, eine Art Familiengerüst mit Pam und Stephanie aufzubauen, sowie die Akzeptanz eines undankbaren Jobs als Fleischwarenverkäufer.

“The only place where I can get hurt is out there”, resümiert Randy am Ende bezüglich der Realität. Die Akzeptanz seiner Fans ist zuverlässig, da sie darauf basiert, dass Randy so ist, wie er ist. Gegen die Ablehnung von Pam und Stephanie kann er sich nicht schützen. In diesen Momenten, wenn Randy zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt, erinnert er ein wenig an Baby Jane Hudson oder Norma Desmond. Ein naiver Ex-Star, dazu verdammt, in seiner Erinnerung weiterzuleben. Eine gescheiterte Existenz, die nie gelernt hat, sich in die Realität einzugliedern. Etwas, das man nicht unbedingt in dieser Vollständigkeit von Hauptdarsteller Mickey Rourke sagen kann, der sich hier auf gewisse Weise selbst spielt. Rourkes Spiel beeindruckt, weniger wegen seiner Klasse, sondern weil man den Star der Achtziger so (gut) wohl noch nie hat spielen sehen. Seine überzeugende Darstellung wird ergänzt durch Tomei und Wood.

Formal hebt sich Aronofskys neuer Film deutlich von seinen Vorgängern ab. Keine visuellen Spielereien, keinerlei Effekte jeglicher Art. Im Gegenteil, für sein quasi Biopic von Randy ‘The Ram’ wechselte der Regisseur seinen Stammkameramann Matthew Libatique aus und ersetzte ihn durch Maryse Alberti, sonst eher Dokumentarfilmerin. So wirkt The Wrestler bisweilen aufgrund seiner blassen Bilder selbst wie ein Dokumentarporträt, wenn die Kamera als Verfolger die meiste Zeit den Rücken von Randy einfängt und diesen somit auf seinen Lebenswegen begleitet. Jener Lebensweg ist dabei nicht speziell innovativ oder auf das Wrestler-Milieu zugemünzt. Eine ähnliche Geschichte hat man in dieser oder ähnlicher Form schon gefühlte 20 Mal – besser und schlechter - gesehen und der Bezug zum Wrestling ließe sich hierbei natürlich auch durch Football oder andere aufreibende Sportarten ersetzen.

Bisweilen vermisst man dann die Seele des Films, der teils etwas steril wirkt. Zu persönlich für eine Dokumentation, zu unpersönlich als mitfühlendes Drama. Deshalb ist keineswegs schlecht, im Gegenteil. Angefangen vom Vorspann bis hin zum Finale, das durch Guns N’ Roses Sweet Child O’ Mine eingeleitet wird, erreicht der Film seinen Höhepunkt in jener Einstellung, in der Randy unter frenetischem Jubel durch die Gänge spaziert und sich letztlich darauf vorbereitet, seinen Job in der Fleischwarenabteilung anzutreten. Ohne The Wrestler schlechter reden zu wollen als er ist, bedeutet er dennoch einen leichten Rückschritt für Aronofsky, der hier seine kreative Individualität aufzugeben scheint, indem sein neuester Film sich in die Reihe der Indie-Dramen einreiht. Dass The Wrestler jedoch zu einem sehr guten Indie-Drama geworden ist, zeichnet dann letztlich aber doch wieder die Klasse von Darren Aronofsky aus.

8.5/10 – erschienen bei Wicked-Vision

30. September 2007

Die Top 5: The Hire

Whatever you do, don't get to close, never meet their eyes.

Im Jahr 2000 entschied BMW aufgrund einer Studie, welche besagte dass ihre Hauptabnehmer verheiratete Männer mittleren Alters mit Internetbezug seien, dass sie gerade dieses Medium, auf diese Zielgruppe ausgerichtet, für ihre Werbung verwenden wollten. Jim McDowell, nordamerikanischer Marketingvizepräsident von BMW kam schließlich auf die Idee von Kurzfilmen, welche sich um die Automobile des bayrischen Herstellers drehen sollten. Und wie bereits Sir Richard Attenborough in Jurassic Park sagt: es wurden keine Kosten gescheut. Fallon Worldwide, BWMs Werbeagentur, wurde mit dem Projekt beauftragt, als Produzent konnte David Fincher gewonnen werden. Wenn sich jemand fragt, was Hollywoodstar Clive Owen eigentlich vor dem Jahr 2002 gemacht hat...richtig - Werbung für BMW.

Insgesamt entstanden so acht Kurzfilme von sieben bis acht Minuten Lauflänge, alle mit Clive Owen in der Hauptrolle als unbenannter mysteriöser "Driver" und alle mit einem BMW Modell als Spielzeug. Hier dürfte Luc Besson seine Idee für The Transporter mit Jason Statham gewonnen haben, welcher 2002 entstand. Was die acht Kurzfilme unterschied war die Handlung und ihre Regisseure, die international angesehen waren. So ließen sich Legenden wie John Frankenheimer oder Ang Lee nicht lumpen, ihren Beitrag zum Projekt zu leisten. Genauso wenig wie es bei den Darstellern der Fall ist, zu sehen sind Oscarpreisträger wie Forest Whitaker und F. Murray Abraham, aber auch Stars wie Madonna, Gary Oldman oder Ray Liotta haben Auftritte.

In seiner Episode Chosen ließ es Ang Lee sich nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb auf sein damals in Planung stehendes Projekt Hulk (2003) abzugeben.

Ursprünglich waren nur fünf Folgen geplant, da BMW aber einen Anstieg von 12% bei den Verkaufszahlen für 2001 feststellte, entschied man sich die Serie mit drei weiteren Folgen zu erweitern. Schließlich sprangen für die drei Folgen der inoffiziellen zweiten Staffel die Scott Brüder Tony und Ridley als Produzenten ein, ersterer von beiden führte schließlich sogar Regie bei einem der Werbespots. Dies markiert auch eine Änderung des Grundtons der Werbefilme, war die erste Staffel von ihrem Charakter her eher ernst (z.B. Alejandro Gonzáles Iñárritus Powder Keg), kamen die drei Folgen der Zusatzstaffel knallbunt und actionreich daher. Obschon verschiedene DVD-Versionen der Serie für BMW-Kunden zugänglich gemacht wurden, verschwand die Serie im Herbst 2005 von der Homepage des Konzerns.

Das besondere, bzw. besonders schöne an The Hire ist, dass alle Episoden den jeweiligen Touch und die Hand ihrer Regisseure tragen, obwohl sie von verschiedenen Autoren, unter anderem Andrew Kevin Walker, stammen. Besonders auffällig ist dies bei Tony Scotts Beat The Devil, dass stark an Domino erinnert, oder auch bei Joe Carnahan's Ticker und Guy Ritchie's Star. Dabei haben die Geschichten mal mehr (Ticker) und mal weniger (Chosen) Handlung. Hierbei handelt es sich in der Tat um hochklassige Werbespots mit den teilweise besten Regisseuren unserer Zeit und den dazugehörigen Stars der Filmbranche. An sich ist The Hire folglich interessanter für Filmfans, als für Autonarren, denn irgendwie spielen die jeweilgen BMW-Typen immer eine untergeordnete Rolle. Ansehen lassen sich die Folgen auf YouTube, die Titel sind jeweils verlinkt.


5. Hostage (Regie: John Woo): Der "Driver" muss nach einer missglückten Geldübergabe versuchen das Leben der Geisel zu retten. Furiose Action, wie man sie von dem Asiaten gewöhnt ist.

4. Ambush (Regie: John Frankenheimer): Der "Driver" gerät in einen Hinterhalt, sein Passagier ist scheinbar im Besitz wertvoller Diamanten. Fortan inszeniert Frankenheimer eine Verfolgungsjagd a la Ronin.

3. Ticker (Regie: Joe Carnahan): Sein heutiger Auftrag (Don Cheadle) beschert dem "Driver" einen Helikopter und MG-Feuer. Alles hängt davon ab, dass Staatsagenten (Ray Liotta, Robert Patrick, Dennis Haysbert) einen mysertiösen Koffer rechtzeitig erhalten.

2. Beat The Devil (Regie: Tony Scott): Der "Driver" holt Soul-Legende James Brown ab und fährt diesen zu Luzifer (Gary Oldman) höchstpersönlich, damit Brown diesen und dessen Fahrer (Danny Trejo) zu einem Rennen um Brown's Seele herausfordern kann. Scott at his best - True Romance meets Domino!

1. The Follow (Regie: Wong Kar-Wai): Von einem Hollywood-Produzenten (Forest Whitaker) erhält der "Driver" die Mission die Ehefrau (Adriana Lima) seines Hauptdarstellers (Mickey Rourke) zu beschatten. Mit unglaublich schöner Musik untermalt liefert Wong Kar Wai den poetischsten der Werbespots ab.

8. September 2007

Domino

Nobody messes with the WB!

Wenn Tony Scott reklamiert, dass sein Film auf wahren Begebenheiten beruht und dann hinzufügt, dass es eigentlich eher fast wahre Begebenheiten sind, dann dürfte im Prinzip schon alles über den Film gesagt sein. Scott, der immer im Schatten seines erfolgreicheren und berühmteren Bruders Ridley steht und stand, entwickelte in Domino zusammen mit Richard Kelly (Donnie Darko) eine Geschichte, welche sich an Eckdaten des ehemaligen Models und Kopfgeldjägerin Domino Harvey, Tochter des Schauspielers Laurence Harvey (The Manchurian Candidate), orientiert. Mit extrem viel Action gewürzt wurde das ganze dann in Scotts typischen Schnitten in Videoclipästhetik (ähnlich wie in Man on Fire) verpackt, die ohne Zweifel Geschmackssache ist. Ebenso wie die Unterlegung durch Musik von Xzibit und der 2 Live Crew. Und ehrlich gesagt braucht man auch die Kinoatmosphäre, um diesen Film richtig „genießen“ zu können.

Erzählt wird also die fast wahre Geschichte der Domino Harvey, welche gegen Ende des Films dann auch erklärt (welcher narrativ aus ihrer Perspektive erzählt wird), dass sie es dem Publikum überlasst, zu entscheiden, was sie jetzt von der Geschichte glauben wollen und was nicht. Domino (Keira Knightley) war ein schwieriges Kind, gewaltverliebt folgt die den Modelfußstapfen ihrer Mutter, doch besucht schließlich ein Kopfgeldjägerseminar. Dort trifft sie auf Ed (Mickey Rourke) und Choco (Edgar Ramirez), welche bald nicht nur ihre Partner, sondern auch ihre Freunde sein werden. Domino’s Arbeit sorgt für so viel Aufsehen, dass sie nicht nur zum Kopfgeldjäger des Jahres gewählt wird, sondern auch von Warner Bros. und dessen Produzent Mark Heiss (Christopher Walken) eine eigene Fernsehshow bekommt. Als Domino und ihre Jungs vier Geldtransportdiebe einfangen sollen, verzwickt sich die Situation jedoch erheblich.

Von entscheidender Bedeutung wird auch noch Domino und Ed’s Chef Claremont (Delroy Lindo) und seine Geliebte Lateesha, bzw. deren Tochter und Enkelin sein, zusammen mit einem Fluchtwagenfahrer, einem afghanischen Sprengstoffspezialisten, dem FBI und einem Mafiapaten. Da muss man bei Scotts schnellen Schnitten schon aufpassen, um der Handlung auch folgen zu können. Wobei man sich nichts vormachen sollte, denn eine eigentliche Handlung wird in Domino nicht erzählt, dazu ist der Film viel zu sehr over the top. Aber wie erwähnt hangelt er sich an wahren Begebenheiten von Miss Harvey entlang. Diese ist natürlich die Tochter von Laurence Harvey und ihre Mutter heiratete nach dessen Tod tatsächlich Peter Morton, Mitbegründer der Hard Rock Café-Kette. Domino flog aufgrund von Schlägereien von vier Schulen Ob sie tatsächlich als Model gearbeitet hatte, konnte komischerweise nicht nachgewiesen werden, aber sie besuchte in der Tat ein Kopfgeldjägerseminar, bei welchem sie Ed kennen lernte. Am 27. Juni 2005 wurde Domino Harvey dann tot aufgefunden, Ursache war eine Überdosis Drogen.

Sehr verstörend können die schnellen Schnitte mit überlappenden Farben in der Tat wirken, dazu spult Scott die Handlung auch gerne mal zurück und lässt sie wieder und wieder laufen. Das gefällt natürlich nicht jedem und entspricht als Gesamtwerk sicherlich dem style over substance, besonders die Mescalin-Szene ist ziemlich verquer (aber es gibt mal wieder die Brüste von Miss Knightley zu sehen). Der Film hat nicht nur wegen seinem Finale eine Ähnlichkeit mit Scott’s früherem Werk True Romance und wer seine Werke kennt (bsp. Déjá Vu), der sollte von ihm auch nicht zuviel erwarten. Scott steht auf Action, Waffen und Schnitte, was ihn in eine Kategorie mit meinem Erzfeind Michael Bay bringt, obschon es ihm gelingt mich immer besser zu unterhalten als dieser. Ein besonderes Highlight sind hierbei die filmischen Verweise auf Laurence Harvey oder Frank Sinatra, bzw. ihre gemeinsame Verbindung The Manchurian Candidate, die hin und wieder im Film Einzug finden.

Genauso wie zahlreiche Verweise auf Beverly Hills 90210, was noch getopt wird von einem Nebenrollenauftritt durch Ian Ziering und Brian Austin Green. Immer wenn die beiden in Szenen auftauchen kann man sicher sein, dass etwas lustiges passiert und daher gebührt ganz großes Lob nicht nur Scott und Kelly, welche sie eingebunden haben, sondern vor allem den beiden selbst, dass sie mit so viel Selbstironie sich am Film beteiligt haben. Das einzige, was das ganze (abgesehen von seiner hahnebüchenen Story) trübt, ist die Besetzung von Keira Knightley als Domino. Knightley ist ohne Frage hübsch und oft auch ziemlich scharf, aber die toughe Kopfgeldjägerin und ihre Wutausbrüche kauft man ihr in keiner einzigen Sekunde hab. Dafür ist Miss Knightley zu sehr Püppchen und findet sich besser in Filmen wie Pride & Prejudice oder Atonement ein. Hier wären Juliette Lewis oder Lori Petty sicherlich eine sehr viel bessere Wahl gewesen, aber sei’s drum. Wer sich im Klaren ist, worauf er sich bei einem Tony Scott Film einlässt und wer auf (sinnlose) Action und markige Sprüche (Heut ist ein guter Tag zum Sterben!) steht, der ist bei Domino an der richtigen Adresse angelangt, alle anderen werden wohl eher gegen eine Wand laufen.

8.5/10