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2. Oktober 2012

Filmtagebuch: September 2012

21 JUMP STREET
(USA 2012, Phil Lord/Chris Miller)
6/10

50/50
(USA 2011, Jonathan Levine)
4/10

AMERICAN REUNION
(USA 2012, Jon Hurwitz/Hayden Schlossberg)
6/10

BATTLESHIP
(USA 2012, Peter Berg)
3/10

BEASTS OF THE SOUTHERN WILD
(USA 2012, Benh Zeitlin)
8.5/10

BREAKING BAD - SEASON 5: PART I
(USA 2012, Adam Bernstein u.a.)
8/10

THE CABIN IN THE WOODS
(USA 2011, Drew Goddard)
3/10

CHRONICLE [EXTENDED CUT]
(USA 2012, Josh Trank)
4/10

CRIMSON TIDE
(USA 1995, Tony Scott)
7.5/10

DAYS OF THUNDER
(USA 1990, Tony Scott)
7/10

EIN JAHR NACH MORGEN
(D 2012, Aelrun Goette)
0/10

HERR WICHMANN VON DER CDU
(D 2003, Andreas Dresen)
8.5/10

HERR WICHMANN AUS DER DRITTEN REIHE
(D 2012, Andreas Dresen)
7.5/10

HESHER
(USA 2010, Spencer Susser)
2.5/10

THE HUNGER GAMES
(USA 2012, Gary Ross)
5.5/10

INCIDENT AT LOCH NESS
(GB 2004, Zak Penn)
5.5/10

JIRO DREAMS OF SUSHI
(USA 2011, Dabid Gelb)
7.5/10

KRIEGERIN
(D 2011, David Wnendt)
1/10

THE ROOM
(USA 2003, Tommy Wiseau)
3/10

SNOWTOWN
(AUS 2011, Justin Kurzel)
1/10

DIE THOMANER
(D 2012, Günter Atteln/Paul Smaczny)
7.5/10

Werkschau: Roland Emmerich


DAS ARCHE NOAH PRINZIP
(D 1984, Roland Emmerich)
5/10

MOON 44
(D 1990, Roland Emmerich)
4.5/10

UNIVERSAL SOLDIER
(USA 1992, Roland Emmerich)
7/10

STARGATE [DIRECTOR’S CUT]
(USA/F 1994, Roland Emmerich)
6/10

INDEPENDENCE DAY [EXTENDED VERSION]
(USA 1996, Roland Emmerich)
5.5/10

GODZILLA
(USA 1998, Roland Emmerich)
7/10

THE PATRIOT [EXTENDED CUT]
(USA/D 2000, Roland Emmerich)
6.5/10

THE DAY AFTER TOMORROW
(USA 2004, Roland Emmerich)
6/10

10,000 BC
(USA/ZA 2008, Roland Emmerich)
3/10

2012
(USA 2009, Roland Emmerich)
5.5/10

ANONYMOUS
(GB/D 2011, Roland Emmerich)
6/10

21. September 2009

The Taking of Pelham 1 2 3

You do what you have to do. But we need milk.

Die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier gibt es nicht nur die Möglichkeit vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen, hier wird auch regelmäßig der Durchschnittsbürger zum Held des Tages. Da geht es nicht nur darum, dass Leben eines Einzelnen zu retten, sondern gleich eine ganze Stadt bzw. die Gesellschaft. Und am Ende eines harten und ereignisreichen Arbeitstages, der so ganz anders war, wie ein normaler Arbeitstag, ruht sich der Held nicht auf seinen Lorbeeren aus. Er nimmt nicht einmal den Dank entgegen, schließlich steht er über diesem. Ein ehrenhafter Held kämpft um der Sache Willen. Nach der Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel bringt er seiner Familie noch die Milch mit. Und was die Familie oder die Stadt oder der Staat braucht, dass weiß der amerikanische Held darzubieten. Die Befriedigung der Erwartungshaltung. In gewissem Sinne ist also auch Tony Scott ein amerikanischer Held – obschon er Engländer ist –, befriedigt auch er die ihm entgegengebrachte Erwartungshaltung.

Immerhin versucht sich der kleine Bruder von Ridley Scott mit The Taking of Pelham 1 2 3 erstmals in seiner Karriere an einem Remake. Dabei orientiert sich der Brite weniger an Morton Freedgoods Roman als an John Sargents filmischer Umsetzung, die ein Jahr nach dem Buch erschien. Damals lieferten sich Robert Shaw und Walther Matthau ein trocken-süffisantes Dialogduell über Funk, während Matthaus U-Bahn-Ermittler versuchte, dem ominösen Mr. Blue das Handwerk zu legen. Der spannende Siebziger-Thriller diente nicht nur Quentin Tarantino mit als Inspiration für Reservoir Dogs, sondern vereint Tony Scott nunmehr zum vierten Mal mit Denzel Washington (das fünfte Projekt, Unstoppable, ist bereits in Planung). Und wie sich von einem Tony-Scott-Film erwarten ließ, besticht seine Interpretation von Sargents Werk durch seine obligatorischen Kamerafahrten und seine gewöhnungsbedürftige Schnitttechnik. Diese lässt sich zugleich als Analyse des Filmes sehen, der schnelle Bildfolgen liefert, um dazwischen in ruhigen Phasen versucht Handlung zu portionieren. Sinnigerweise unterlegt mit Musik von Jay-Z und anderen audio-visuellen Eitelkeiten.

Der visuelle Stil des Regisseurs, der mitunter (Domino) zu gefallen weiß, wirkt etwas gewöhnungsbedürftig. Schließlich hat das Publikum es hier nicht mit einem um sich ballernden Ex-Model zu tun, The Taking of Pelham 1 2 3 kommt sehr authentisch daher. Eine vierköpfige Bande rund um den mysteriösen Ryder (John Travolta) entführt die New Yorker U-Bahn-Linie 123 Richtung Pelham. Es soll eine Lösegeld für die 18 Passagiere ausgehandelt werden. Finanzielle Abweichungen (das Lösegeld wird verzehnfacht) passen sich dem neuen Jahrhundert an. Nun gelangt die Kontaktaufnahme des Geiselnehmers mit der Obrigkeit jedoch nicht wie in Sargents Film an einen U-Bahn-Polizisten, sondern mit Walter Garber (Denzel Washington) an einen simplen Streckenkoordinator. Und damit zum Durchschnittsbürger. Jemand, der nichts mit Kriminellen zu tun hat, geschweige denn mit Gewalt. Dabei versucht Scotts Film weniger ein Psychospiel auf Augenhöhe der Protagonisten zu inszenieren, wie bei Sargent der Fall, sondern vielmehr eine Identifikation zwischen Held und Bösewicht herauszustellen.

Dies leitet sich bereits an den äußerlichen Ähnlichkeiten ab. Sowohl Ryder als auch Garber tragen kurze Haar und Bart, viel offensichtlicher jedoch jeder von beiden einen Ohrstecker. Ryder rechts, Garber links. Das Skript, für das Brian Helgeland mitschrieb und als einziger Autor benannt wird, versucht sich darin, beide Männer als Yin und Yang zu portraitieren. Zwei Männer im Staatsdienst, von diesem geschasst nachdem sie sich der Korruption schuldig gemacht haben. Die Ähnlichkeit bleibt dann natürlich auch nicht den Figuren vorenthalten und wie es stets so ist, äußert der Bösewicht die Prämisse: wir beide sind nicht so verschieden. Dabei sind Garbers Motive weitaus edler, als die seines Gegenspielers. Ryder selbst hat ebenfalls ein Motiv, dieses weicht jedoch von der Vorlage ab. Begnügte sich Robert Shaw vor 35 Jahren damit, eine Viertelmillion US-Dollar zu erbeuten, treib Travolta ein viel höheres Ziel an. Eines, das schließlich vom New Yorker Bürgermeister (James Gandolfini) gelüftet wird, dank einer – scheinbar – unbedachten Äußerung.

Mit diesem versuchten Twist von Helgeland bereitet sich der Film jedoch selbst unnötig Probleme. Vor allem lässt er seine Figuren in einem ziemlich schlechten Licht erscheinen. Ohnehin enthält das Drehbuch viele Wendungen und Details, die ob ihrer Sinnlosigkeit negativ herausstechen. So verkommt der Fakt, dass sich Ryder eine W-Lan-Empfang in der U-Bahn besorgen lässt, zum medialen Spektakel, wenn einer der Passagiere dadurch über seine Webcam die Geiselnahme der Freundin vorspielen kann. Diese leitet die Bilder flugs an ein Fernsehteam weiter, welches die Übertragung selbst dann noch fortsetzen darf, als Ryder beginnt Geiseln (live im Fernsehen) zu exekutieren. Ohnehin wirken die polizeilichen Ermittlungen – zumindest bis zu deren überraschenden Katharsis im Finale – ungemein dilettantisch, gelingt es der Polizei nicht mal die Straßenkreuzungen zu räumen als das Lösegeld zu den Entführern gebracht werden soll. Nicht weniger als drei Mal (!) kollidiert der Transport mit einem anderen Verkehrsteilnehmer, sodass es vielleicht auch eine selbstironische Anspielung darstellt, wenn Gandolfinis Figur hinterher fragt, warum man das Lösegeld nicht mit dem Hubschrauber transportiert hätte.

Während Washington seine Rolle des Normalbürgers zumindest in der ersten Hälfte sehr überzeugend gibt (auch wenn die Wandlung der Figur dann einen Genickbruch darstellt), wirkt Travolta von Beginn an eher lächerlich,als bedrohlich. Nie will man Ryder – im Gegensatz zum besonnenen Mr. Blue – abkaufen, dass er die Entführung als Coup geplant hat. Dafür ist er viel zu unbeherrscht und vulgär (vor allem hinsichtlich des Twists). Travolta selbst spult hier lediglich eine seiner zahlreichen Soziopathen-Darbietungen ab, somit ist Tony Scotts Interpretation eines gelungenen 70er Jahre Thrillers mit zwei exzellenten Hauptdarstellern schließlich nichts als ein hektisch abgespulter Analogieversuch zweier Männer, die einander offensichtlich ähnlich sind und dann aber doch wieder nicht. Dies weiß weit weniger spannend zu sein als die Streitigkeiten seiner Zeit zwischen Mr. Blue und Mr. Grey oder die Ermittlungen von Garber hinsichtlich der Täter des Raubüberfalls. Am Ende ist sich Tony Scott mit The Taking of Pelham 1 2 3 dann doch wieder treu geblieben.

4.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

30. September 2007

Die Top 5: The Hire

Whatever you do, don't get to close, never meet their eyes.

Im Jahr 2000 entschied BMW aufgrund einer Studie, welche besagte dass ihre Hauptabnehmer verheiratete Männer mittleren Alters mit Internetbezug seien, dass sie gerade dieses Medium, auf diese Zielgruppe ausgerichtet, für ihre Werbung verwenden wollten. Jim McDowell, nordamerikanischer Marketingvizepräsident von BMW kam schließlich auf die Idee von Kurzfilmen, welche sich um die Automobile des bayrischen Herstellers drehen sollten. Und wie bereits Sir Richard Attenborough in Jurassic Park sagt: es wurden keine Kosten gescheut. Fallon Worldwide, BWMs Werbeagentur, wurde mit dem Projekt beauftragt, als Produzent konnte David Fincher gewonnen werden. Wenn sich jemand fragt, was Hollywoodstar Clive Owen eigentlich vor dem Jahr 2002 gemacht hat...richtig - Werbung für BMW.

Insgesamt entstanden so acht Kurzfilme von sieben bis acht Minuten Lauflänge, alle mit Clive Owen in der Hauptrolle als unbenannter mysteriöser "Driver" und alle mit einem BMW Modell als Spielzeug. Hier dürfte Luc Besson seine Idee für The Transporter mit Jason Statham gewonnen haben, welcher 2002 entstand. Was die acht Kurzfilme unterschied war die Handlung und ihre Regisseure, die international angesehen waren. So ließen sich Legenden wie John Frankenheimer oder Ang Lee nicht lumpen, ihren Beitrag zum Projekt zu leisten. Genauso wenig wie es bei den Darstellern der Fall ist, zu sehen sind Oscarpreisträger wie Forest Whitaker und F. Murray Abraham, aber auch Stars wie Madonna, Gary Oldman oder Ray Liotta haben Auftritte.

In seiner Episode Chosen ließ es Ang Lee sich nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb auf sein damals in Planung stehendes Projekt Hulk (2003) abzugeben.

Ursprünglich waren nur fünf Folgen geplant, da BMW aber einen Anstieg von 12% bei den Verkaufszahlen für 2001 feststellte, entschied man sich die Serie mit drei weiteren Folgen zu erweitern. Schließlich sprangen für die drei Folgen der inoffiziellen zweiten Staffel die Scott Brüder Tony und Ridley als Produzenten ein, ersterer von beiden führte schließlich sogar Regie bei einem der Werbespots. Dies markiert auch eine Änderung des Grundtons der Werbefilme, war die erste Staffel von ihrem Charakter her eher ernst (z.B. Alejandro Gonzáles Iñárritus Powder Keg), kamen die drei Folgen der Zusatzstaffel knallbunt und actionreich daher. Obschon verschiedene DVD-Versionen der Serie für BMW-Kunden zugänglich gemacht wurden, verschwand die Serie im Herbst 2005 von der Homepage des Konzerns.

Das besondere, bzw. besonders schöne an The Hire ist, dass alle Episoden den jeweiligen Touch und die Hand ihrer Regisseure tragen, obwohl sie von verschiedenen Autoren, unter anderem Andrew Kevin Walker, stammen. Besonders auffällig ist dies bei Tony Scotts Beat The Devil, dass stark an Domino erinnert, oder auch bei Joe Carnahan's Ticker und Guy Ritchie's Star. Dabei haben die Geschichten mal mehr (Ticker) und mal weniger (Chosen) Handlung. Hierbei handelt es sich in der Tat um hochklassige Werbespots mit den teilweise besten Regisseuren unserer Zeit und den dazugehörigen Stars der Filmbranche. An sich ist The Hire folglich interessanter für Filmfans, als für Autonarren, denn irgendwie spielen die jeweilgen BMW-Typen immer eine untergeordnete Rolle. Ansehen lassen sich die Folgen auf YouTube, die Titel sind jeweils verlinkt.


5. Hostage (Regie: John Woo): Der "Driver" muss nach einer missglückten Geldübergabe versuchen das Leben der Geisel zu retten. Furiose Action, wie man sie von dem Asiaten gewöhnt ist.

4. Ambush (Regie: John Frankenheimer): Der "Driver" gerät in einen Hinterhalt, sein Passagier ist scheinbar im Besitz wertvoller Diamanten. Fortan inszeniert Frankenheimer eine Verfolgungsjagd a la Ronin.

3. Ticker (Regie: Joe Carnahan): Sein heutiger Auftrag (Don Cheadle) beschert dem "Driver" einen Helikopter und MG-Feuer. Alles hängt davon ab, dass Staatsagenten (Ray Liotta, Robert Patrick, Dennis Haysbert) einen mysertiösen Koffer rechtzeitig erhalten.

2. Beat The Devil (Regie: Tony Scott): Der "Driver" holt Soul-Legende James Brown ab und fährt diesen zu Luzifer (Gary Oldman) höchstpersönlich, damit Brown diesen und dessen Fahrer (Danny Trejo) zu einem Rennen um Brown's Seele herausfordern kann. Scott at his best - True Romance meets Domino!

1. The Follow (Regie: Wong Kar-Wai): Von einem Hollywood-Produzenten (Forest Whitaker) erhält der "Driver" die Mission die Ehefrau (Adriana Lima) seines Hauptdarstellers (Mickey Rourke) zu beschatten. Mit unglaublich schöner Musik untermalt liefert Wong Kar Wai den poetischsten der Werbespots ab.

24. September 2007

True Romance

I like you, Clarence. Always have. Always will.

Manchmal sieht man einen Film und obwohl man weiß von wem er ist, besteht dennoch kein Zweifel, dass selbst wenn man es nicht wüsste, man es dennoch erkennen würde. Wenn die Filme die Handschrift ihrer „Väter“ so sehr tragen, dass sie an sich von niemand anderem sein können, als ebenjener Person. In True Romance schreit jede Szene und jeder einzelne Satz „Tarantino!“, immer wieder „Tarantino!“ – daher verwundert es auch nicht, dass das Drehbuch tatsächlich von Tarantino stammt. Das Drehbuch schrieb Quentin Tarantino damals um seinen eigenen Film Reservoir Dogs zu finanzieren, welcher ein Jahr vor True Romance in die Kinos kam. Tarantino bekam damals das Mindestsalär von $50,000 ausbezahlt und ursprünglich bestand True Romance aus einem sehr viel längeren Skript, dessen andere Hälfte schließlich in den Film Natural Born Killers eingearbeitet wurde, der wenige Jahre später von Oliver Stone inszeniert worden ist. Es verwundert also nicht, wenn es zwischen True Romance und Reservoir Dogs Querverweise gibt.

Clarence (Christian Slater) ist ein Tunichtgut, der Comics verkauft, mit Elvis redet und an seinem Geburtstag ein Kung-Fu-Triple-Feature ansieht. Bei ebenjenem Sonny-Chiba-Triple-Feature lernt Clarence dann die Hure Alabama (Patricia Arquette) kennen, dabei ist Alabama eher ein Call-Girl als eine Hure. Obschon sie eigentlich nur für Clarence als Geburtstagsgeschenk engagiert wurde, verlieben sich beide unsterblich ineinander und heiraten am Morgen danach. Jetzt muss Clarence allerdings noch mit Alabamas Zuhälter Drexl (Gary Oldman) ein Wörtchen reden und ehe er sich versieht ist Drexl tot und Clarence hat dessen Kokain in Wert von einer halben Million Dollar bei sich. Ebenjenes Koks will er dann in Kalifornien verkaufen, während hinter ihm und seiner hübschen Frau fortan die sizilianische Mafia (Christopher Walken, James Gandolfini) her ist, die ihre Drogen wiederhaben will.

Ein Attribut das sicherlich auf True Romance – und auf viele andere Tony Scott Filme – zutrifft, ist: durchgeknallt. Clarence, dem Elvis nicht nur Mentor ist, sondern der mit diesem auch Sex haben würde, sollte dies je von ihm verlangt werden, lebt ebenso wie Alabama in seiner eigenen kleinen Welt, in der alles so ablaufen kann, wie er sich das vorstellt. Hier gibt es keine Regeln und manchmal auch keine Logik. Ein erstaunlicher Goof ist es daher, dass die Polizei zwar Clarence nicht des Mordes an Drexl verdächtigt, die Mafia ihn aber aufgrund seines Führerscheins in der Hand des Toten ausfindig macht. Solche Diskrepanzen nimmt man der Handlung jedoch nicht krumm, dafür ist sie viel zu liebenswürdig. Dies rührt insbesondere durch Hans Zimmers „Musica Poetica“ her, welches die einzige musikalische Untermalung darstellt und den meisten auf Terrence Malick’s Badlands bekannt sein dürfte (dieser war wiederum Tarantinos Inspiration zu Natural Born Killers). Ohnehin sind sowieso alle Charaktere hier sympathisch, selbst die unsympathischen wie der Killer Virgil (James Gandolfini), Cop Nicholson (Tom Sizemore) oder Produzent Lee (Saul Rubinek).

Dies ist auch ein weiterer Faktor, welcher den Film so kultig macht: sein Starensemble. Damals, als Christian Slater noch angesagt war, als man noch keine Ahnung hatte, wer Brad Pitt eigentlich ist. Da tauchen Stars wie Val Kilmer oder Christopher Walken in kleinen Nebenrollen auf, ebenso wie der leider verstorbene Chris Penn oder Samuel L. Jackson (auch wenn letzterer in der Mehrheit aller Hollywood-Filme mitspielt). Aber bereits hier lässt sich die erstaunliche Tendenz der Stars feststellen, auf Tarantinoschen Stoff abzufahren. Dieser wollte ursprünglich selber Regie führen, durfte jedoch nicht. Interessanterweise wollte auch Regisseur Tony Scott sowohl hier als auch bei Reservoir Dogs Regie führen, doch auch er durfte nicht. Eine entscheidende Abwandlung machte Scott jedoch insofern, als dass er Tarantinos unchronologische Erzählstruktur aufbrach und den Film linear erzählte, damit der Zuschauer weniger irritiert wäre. Vielleicht das gröbste Manko, denn dies hätte True Romance sicherlich noch einen Extratouch, bzw. einen tieferen Tarantino-Touch verliehen.

Mit den Jahren hat True Romance einige Abnutzungserscheinungen hinter sich und wirkt zu meinem eigenen Erstaunen relativ ruhig über weite Strecken, besonders zu Anfang, insofern ist er also doch weniger ein Action-, wie ein Liebesfilm und erinnert teilweise an David Lynch’s Wild At Heart. Besonders das Finale des Films (obschon von Tarantino geschrieben) trägt wieder die eindeutige Handschrift von Scott, der seine Affinität zu kräftigen Shoot-Outs auszuleben sucht, wie auch in Enemy of the State oder Domino zu sehen ist. Natürlich ist True Romance ohne Frage Kult, aber im Vergleich zu anderen Scott Filmen ist er erstaunlich ruhig und weißt nichts von seiner trashigen Seite wie in Domino auf, tendiert also doch sehr stark in Richtung Tarantino und dessen Dialoggeschwängerten Filmen. Ansonsten wird jedoch geballert und gevögelt was das Zeug hält, immer untermalt von Zimmers schönem Theme und untermalt von irgendeinem Hollywoodstar.

8.5/10

8. September 2007

Domino

Nobody messes with the WB!

Wenn Tony Scott reklamiert, dass sein Film auf wahren Begebenheiten beruht und dann hinzufügt, dass es eigentlich eher fast wahre Begebenheiten sind, dann dürfte im Prinzip schon alles über den Film gesagt sein. Scott, der immer im Schatten seines erfolgreicheren und berühmteren Bruders Ridley steht und stand, entwickelte in Domino zusammen mit Richard Kelly (Donnie Darko) eine Geschichte, welche sich an Eckdaten des ehemaligen Models und Kopfgeldjägerin Domino Harvey, Tochter des Schauspielers Laurence Harvey (The Manchurian Candidate), orientiert. Mit extrem viel Action gewürzt wurde das ganze dann in Scotts typischen Schnitten in Videoclipästhetik (ähnlich wie in Man on Fire) verpackt, die ohne Zweifel Geschmackssache ist. Ebenso wie die Unterlegung durch Musik von Xzibit und der 2 Live Crew. Und ehrlich gesagt braucht man auch die Kinoatmosphäre, um diesen Film richtig „genießen“ zu können.

Erzählt wird also die fast wahre Geschichte der Domino Harvey, welche gegen Ende des Films dann auch erklärt (welcher narrativ aus ihrer Perspektive erzählt wird), dass sie es dem Publikum überlasst, zu entscheiden, was sie jetzt von der Geschichte glauben wollen und was nicht. Domino (Keira Knightley) war ein schwieriges Kind, gewaltverliebt folgt die den Modelfußstapfen ihrer Mutter, doch besucht schließlich ein Kopfgeldjägerseminar. Dort trifft sie auf Ed (Mickey Rourke) und Choco (Edgar Ramirez), welche bald nicht nur ihre Partner, sondern auch ihre Freunde sein werden. Domino’s Arbeit sorgt für so viel Aufsehen, dass sie nicht nur zum Kopfgeldjäger des Jahres gewählt wird, sondern auch von Warner Bros. und dessen Produzent Mark Heiss (Christopher Walken) eine eigene Fernsehshow bekommt. Als Domino und ihre Jungs vier Geldtransportdiebe einfangen sollen, verzwickt sich die Situation jedoch erheblich.

Von entscheidender Bedeutung wird auch noch Domino und Ed’s Chef Claremont (Delroy Lindo) und seine Geliebte Lateesha, bzw. deren Tochter und Enkelin sein, zusammen mit einem Fluchtwagenfahrer, einem afghanischen Sprengstoffspezialisten, dem FBI und einem Mafiapaten. Da muss man bei Scotts schnellen Schnitten schon aufpassen, um der Handlung auch folgen zu können. Wobei man sich nichts vormachen sollte, denn eine eigentliche Handlung wird in Domino nicht erzählt, dazu ist der Film viel zu sehr over the top. Aber wie erwähnt hangelt er sich an wahren Begebenheiten von Miss Harvey entlang. Diese ist natürlich die Tochter von Laurence Harvey und ihre Mutter heiratete nach dessen Tod tatsächlich Peter Morton, Mitbegründer der Hard Rock Café-Kette. Domino flog aufgrund von Schlägereien von vier Schulen Ob sie tatsächlich als Model gearbeitet hatte, konnte komischerweise nicht nachgewiesen werden, aber sie besuchte in der Tat ein Kopfgeldjägerseminar, bei welchem sie Ed kennen lernte. Am 27. Juni 2005 wurde Domino Harvey dann tot aufgefunden, Ursache war eine Überdosis Drogen.

Sehr verstörend können die schnellen Schnitte mit überlappenden Farben in der Tat wirken, dazu spult Scott die Handlung auch gerne mal zurück und lässt sie wieder und wieder laufen. Das gefällt natürlich nicht jedem und entspricht als Gesamtwerk sicherlich dem style over substance, besonders die Mescalin-Szene ist ziemlich verquer (aber es gibt mal wieder die Brüste von Miss Knightley zu sehen). Der Film hat nicht nur wegen seinem Finale eine Ähnlichkeit mit Scott’s früherem Werk True Romance und wer seine Werke kennt (bsp. Déjá Vu), der sollte von ihm auch nicht zuviel erwarten. Scott steht auf Action, Waffen und Schnitte, was ihn in eine Kategorie mit meinem Erzfeind Michael Bay bringt, obschon es ihm gelingt mich immer besser zu unterhalten als dieser. Ein besonderes Highlight sind hierbei die filmischen Verweise auf Laurence Harvey oder Frank Sinatra, bzw. ihre gemeinsame Verbindung The Manchurian Candidate, die hin und wieder im Film Einzug finden.

Genauso wie zahlreiche Verweise auf Beverly Hills 90210, was noch getopt wird von einem Nebenrollenauftritt durch Ian Ziering und Brian Austin Green. Immer wenn die beiden in Szenen auftauchen kann man sicher sein, dass etwas lustiges passiert und daher gebührt ganz großes Lob nicht nur Scott und Kelly, welche sie eingebunden haben, sondern vor allem den beiden selbst, dass sie mit so viel Selbstironie sich am Film beteiligt haben. Das einzige, was das ganze (abgesehen von seiner hahnebüchenen Story) trübt, ist die Besetzung von Keira Knightley als Domino. Knightley ist ohne Frage hübsch und oft auch ziemlich scharf, aber die toughe Kopfgeldjägerin und ihre Wutausbrüche kauft man ihr in keiner einzigen Sekunde hab. Dafür ist Miss Knightley zu sehr Püppchen und findet sich besser in Filmen wie Pride & Prejudice oder Atonement ein. Hier wären Juliette Lewis oder Lori Petty sicherlich eine sehr viel bessere Wahl gewesen, aber sei’s drum. Wer sich im Klaren ist, worauf er sich bei einem Tony Scott Film einlässt und wer auf (sinnlose) Action und markige Sprüche (Heut ist ein guter Tag zum Sterben!) steht, der ist bei Domino an der richtigen Adresse angelangt, alle anderen werden wohl eher gegen eine Wand laufen.

8.5/10