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23. April 2016

Event Horizon

Where we’re going, we won’t need eyes to see.

Es war John F. Kennedy, der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts das New Frontier vom Westen der USA in das Weltall hinein verlagerte. Nur dort könnten und würden noch unentdeckte Welten auf die Menschheit warten und Überraschungen sowie neue Reichtümer bereithalten. Doch was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst. So war es schon immer. Insofern kann das Weltall – welches ohnehin über eine menschenfeindliche Umgebung verfügt – nur als potentielle Gefahr gesehen werden. Sei es eine tödliche außerirdische Rasse oder einfach nur der blanke Wahnsinn. Innerhalb dieses Kanons ist Paul W.S. Andersons Event Horizon eher ein Schwarzes Schaf. Von den Kritikern gebrandmarkt, von den Fans geliebt.

Der gesamte Film ist dabei gespickt mit verschiedenen Genreübergreifenden Filmreferenzen, angefangen mit der bildlichen Überleitung vom Paramount Logo in die eigentliche Handlung wie man es aus der Indiana Jones-Reihe kennt. Dies setzt sich im Laufe des Films dann fort, wenn Querverweise zu 2001: A Space Odyssey, Alien oder Vertigo eingebaut werden. Am offensichtlichsten ist Paul W.S. Andersons zweiter Kinofilm jedoch eine Weltraumvariante von Stanley Kubricks The Shining – etwas, das der Film jedoch auch zu keinem Punkt bestreitet. Neben einer Blutwelle finden sich zum Beispiel auch Elemente wie die tote Frau im Bad oder der Wahnsinn eines Mannes durch seine besessene Umgebung in Event Horizon wieder.

Aber auch außerhalb der Referenzen spielt Anderson viel mit Symbolik. Man nehme allein die Form der „Event Horizon“, die der eines Kreuzes entspricht. Oder die Szene, in welcher Kathleen Quinlans Figur ihrem kranken Sohn in einen Gang folgt, der die Kontur eines Sarges hat. Grandios auch Andersons mehrfach angewendete Pupilleneinstellung, wo Pupille und Antrieb der „Event Horizon“ miteinander verschmelzen. Die Effekte überzeugen, selbst wenn ihre Künstlichkeit gerade in der Blu-Ray ziemlich deutlich wird. Hinsichtlich eines Budgets von gut 70 Millionen Dollar erstaunt dies doch etwas, bedenkt man, dass ein Film wie X-Men, der drei Jahre später erschien, bei einem ähnlichen Budget sehr viel überzeugender aussieht.

Bereits zu Beginn wird eine Verbindung zwischen dem Schiff und seinem Konstrukteur, Dr. Weir (Sam Neill), hergestellt. Dies setzt sich in der Figur von Miller (Laurence Fishburne) fort, dessen Äußerungen (“This place is a tomb”) ähnlich wie Justins (“Looks like a meat grinder”) die bevorstehenden Ereignisse vorwegnehmen. Was es genau mit der „Event Horizon“ auf sich hat, bleibt unklar, außer, dass sie über ein künstliches Schwarzes Loch in eine andere Dimension, in der Chaos herrscht, reiste. “The most destructive force in the universe... and you’ve created one?”, fragt Starck (Joely Richardson) verstört. Hier schlägt Anderson die Brücke zu Oppenheimer und Colt, deren Erfindungen nicht minder zum Tod von Menschen geführt haben.

Da mag man es dem Film verzeihen, wenn er hin und wieder etwas aus der Bahn gerät. Sei es die  etwas konstruiert wirkende „liberate me/liberate tuteme“-Szene oder der Aspekt, dass das Schiff seiner Crew ihre Sünden vorhält, nachdem es in einer Welt des Chaos’ abgetaucht war. Die Atmosphäre stimmt dennoch, die „Event Horizon“ ist düster, kalt und mit Blut und Eingeweiden besudelt. Ein dämonisches Schiff, hinterlegt von den unentwegt tobenden Stürmen des Saturns. Die Spannung steigt mit der Öffnung des Antriebes und Justins Unfall. Zwar ist der Wandel von Weir nicht wirklich überraschend, aber sieht man sich Danny Boyles Sunshine an, doch nachdrücklich. Gegen Ende geht der Handlung allerdings etwas die Luft raus.

Das große Finale wirkt abgekupfert und die finale Einstellung orientiert sich wieder am stilbildenden Horror-Kino. Mit seinen großen Vorbildern von Kubrick und Scott kann sich Anderson mit Event Horizon zwar nicht messen, aber ein Meistwerk wollte sein Film sicher auch nie sein. Den Kultstatus, welchen der Film nach seiner DVD-Veröffentlichung erfuhr, wird er da schon eher gerecht. Zwar sind die Effekte teilweise stark künstlich, doch ordnen sie sich der Handlung unter. Von dem Schauspielerensemble stechen wenig überraschend speziell Fishburne und Neill heraus, die beide sehr engagiert bei der Sache sind. Insgesamt ist Event Horizon ein liebenswerter kleiner Horrorfilm, den man in sein Herz schließt, auch wenn er seine Fehler hat.

7/10

24. Mai 2009

Prison Break - Season Four

Be the change you want to see in the world.

Man hat sicherlich ein Problem, wenn man wie Paul Scheuring eine Serie Prison Break nennt und ebenjenen Gefängnisausbruch an das Ende der ersten Staffel setzt. Folglich muss die Serie in den kommenden Staffeln ihre Prämisse verlieren bzw. ändern. Man kann nu natürlich argumentieren, dass die Verfolgung durch die Company die beiden Brüder Michael Scofield (Wentworth Miller) und Lincoln Burrows (Dominic Purcell) auch irgendwie in ein „Gefängnis“ versetzt (schließlich sind sie im eigentlichen Sinne nicht „frei“), aus welchem sie ausbrechen müssen. Nichtsdestotrotz ging man in der dritten Staffel aber auf Nummer sicher und verfrachtete einige der Fox River Eight im panamesischen Sona erneut in ein Gefängnis. Doch Prison Break kam nicht umhin, bereits frühzeitig Qualität einzubüßen. Bereits die zweite Staffel, die im Kern nichts anderes als eine TV-Variante von The Fugitive war, baute stark gegenüber dem klaustrophobischen und herausragenden Serienstart in Staffel Eins ab. Es war der von William Fichtner exzellent portraitierten Figur des Agent Mahone geschuldet, dass die Serie im Stande war, ein gewisses Niveau aufrecht zu erhalten.

Mit der dritten Staffel verlor sich die Qualität jedoch nochmals. Nun war es Michael, der eine Gefängnisstrafe antrat, und Lincoln, der seinen Bruder befreien musste. Und da Sarah Wayne Callies aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mehr Dr. Sara Tancredi spielen wollte, wurde die Figur kurzerhand umgebracht. Dies führte nach erfolgreicher Flucht aus Sona dazu, dass Michael nun eine einsame Mission beging, um sich an Gretchen (Jodi Lyn O’Keefe) und der Company zu rächen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass Prison Break für eine vierte und finale Staffel verlängert würde. Fox merkte, dass die Geschichte an ihrem Ende angelangt war, dass das ewige Katz und Maus Spiel mit der Company redundant wurde und abgeschlossen werden musste. Die Serie war in der Zuschauergunst um gut zwanzig Plätze runtergerutscht, weder die Quoten noch die präsentierte Handlung wollte stimmen. Wie schlecht es um die Serie wirklich bestellt war, merkte man dann an der vierten Staffel, die im Vergleich zu ihrem Vorgänger drei Millionen Zuschauer einbüßte und sich zuvorderst durch ihr mangelhaftes Drehbuch auszeichnete.

Was die Autoren in der Auftaktfolge Scylla auf das Publikum loslassen, das hat die Welt noch nicht gesehen. Kurzerhand wird innerhalb der ersten fünf Minuten Whistler (Chris Vance) erschossen, nur damit Gretchen gegenüber Michael enthüllt, dass Sara (Sarah Wayne Callies) doch noch lebt. Lincoln hatte nämlich letztes Jahr nicht richtig hingeschaut, stellt sich heraus, und dabei glatt Saras abgetrennten Kopf mit dem einer unbekannten Frau verwechselt. So einfach kann amerikanisches Fernsehen manchmal sein. Für derartige Lapsūs erhält Scylla schon mal die Niedrigstwertung. Inhaltlich bietet die Folge den Auftakt der Prämisse für die erste Hälfte der vierten Staffel. Michael, Lincoln, Mahone, Sara, Sucre (Amaury Nolasco) und Bellick (Wade Williams) sollen für den Agenten Don Self (Michael Rapaport) des Heimatschutzes das Computersystem Scylla der Company stehlen. Da jenes System allerdings aus sechs Schlüsseln besteht, müssen diese erst der Reihe nach kopiert werden. Währenddessen schickt General Krantz (Leon Russom) seinen Auftragskiller Wyatt (Cress Williams) hinter der Truppe her.

Es ist jene Klimax der ersten Hälfte, die tatsächlich Klasse entwickelt und durch ihren Spannungsaufbau an die Hochzeit der ersten Staffel erinnert. Neben Five the Hard Way wissen vor allem Quiet Riot und Selfless zu überzeugen und trumpfen durch ihre nahezu perfekte Komposition auf. Es gelingt Scylla zu entschlüsseln, nur offenbart schon die verbliebene Zahl an Episoden, dass die Geschichte an diesem Punkt noch lange nicht zu Ende erzählt ist. In einer Nebenhandlung wird Michael ein vererbtes Aneurysma angehängt, sodass sein Fortleben von den Ärzten der Company abhängig ist. Self stellt sich als Verräter heraus, der Scylla an den Meistbietenden verkaufen will. Nun obliegt es Lincoln, Mahone und Co. Scylla zurück zu erobern. Als Michael und Sara die Flucht gelingt, geraten die Brüder auf unterschiedliche Seiten, die nochmals aufgespaltet werden, als mit Christina (Kathleen Quinlan) ihre Mutter als gewichtige Drahtzieherin der Company und Scylla die Bühne betritt. In den kommenden Episoden werden die Teams neu verteilt und eine neue Form der Redundanz eingeführt.

Weil der General die Liebsten von Lincoln, Self und Mahone bedroht, versuchen diese Scylla für die Company wiederzuerlangen. T-Bag (Robert Knepper) hilft als Handlanger des General gleich mit, während Michael und Sara die Company zum Sturz bringen wollen und Christina, ähnlich wie Self zuvor, an den Meistbietenden zu verkaufen strebt. Im Zuge dieser Schnitzeljagd fällt Scylla mal der einen und dann wieder der anderen Gruppe in die Hände. Die gesamte Schose, die sich über mehrere Folgen bis ins Finale zieht, ist nicht nur langweilig, sondern auch ermüdend. Hier zeigen die Autoren eindrucksvoll, dass sie im Grunde nichts zu erzählen haben und lediglich das Ende der Serie hinauszögern wollen. Es verwundert auch nicht, dass durchweg alle Folgen dieses Schauspiels ein unterdurchschnittliches Niveau haben, von denen ich jetzt keine explizit loben könnte. Eigentlich handelt es sich hierbei um nichts anderes als das Vorspiel zum Finale, welches – man verzichtete dankenswerterweise auf zwei weitere Episoden – in einer Doppelfolge daherkommt. Während Rate of Exchange noch relativ solide daherkommt, ist es mit Killing Your Number dann das Serienfinale, das neben Scylla zu den schlechtesten Folgen der Seriengeschichte zählt.

Aus unerfindlichen Gründen werden hier neben dem zuvor lange abwesenden Sucre auch andere Figuren ins Finale geschrieben, die nicht wirklich etwas mit der Geschichte zu tun haben und nichts als Nostalgie hervorrufen sollen. Die große Auflösung der Ereignisse ist dann auch nicht sonderlich aufregend gestaltet, eher im Gegenteil. Großartig ist die letzte Partei, die sich schließlich Scylla bemächtigt. So etwas habe ich zuvor im Fernsehen auch noch nie gesehen. Für die finale Einstellung wollte Scheuring Prison Break wohl mit einem Knall untergehen lassen. Dabei war diese Entscheidung nicht nur unnötig, sondern auch unstimmig und wenig harmonisch zum bisherigen Serienverlauf. Ingesamt ist die vierte Staffel ein unwürdiger Abschluss für die Serie, nur noch getoppt von der finalen Folge, die nicht nur ein armseliges Resultat für die Serie selbst ist, sondern auch für die vierte Staffel an sich. Die schauspielerischen Leistungen sind meistens okay, da kann man nicht meckern. Wobei an Fichtner und Knepper schwer eine der anderen Personen herankommt, bedenkt man dass Callies, Miller und Purcell die meiste Zeit mit demselben Gesichtsausdruck durch die Handlung laufen. Wie man nach den obigen Worten schließen kann, hält sich auch die Spannung – abgesehen von der Klimax der ersten Hälfte – in Grenzen. Im Nachhinein kann man froh sein, dass Prison Break nun zu Ende gegangen ist. Es ist kein ruhmvoller Abschluss, aber ein Abschluss.

6.5/10