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19. März 2016

The Perfect Storm

Gloucester. They’re always from Gloucester.

Liest man heutzutage über Wolfgang Petersens The Perfect Storm – oder schlicht: Der Sturm –, werden meist zumindest die Effekte (sogar Oscar-nominiert) gelobt. Dabei gehört der Film nicht gerade zu den Filmen, deren Effekte die Zeit überdauern. Nun, anderthalb Jahrzehnte später, wirken sie wenig eindrucksvoll. Was sich leider über viel von The Perfect Storm sagen lässt. Petersens Rückkehr auf hohe See nach seinem Erfolg Das Boot beruht dabei auf dem fiktionalisierten gleichnamigen Buch von Sebastian Junger (Restrepo) nach einem wahren Vorfall, der sich im Herbst 1991 im Atlantik ereignet hat. Eine Geschichte also wie gemacht fürs Kino, sollte man zumindest meinen. Was aber natürlich noch keineswegs ein Selbstläufer ist.

Die Handlung spielt in Gloucester, Massachusetts, und dreht sich um die Crew der Andrea Gail, ein lokales Schwertfischfängerboot von Kapitän Billy Tyne (George Clooney). Mit einem moderaten Fang zurückkehrend und kurz vor dem Ende der Fangsaison stehend, wirken die Aussichten um Tyne und seine Männer wenig rosig. Weshalb der erfahrene Seebär eine erneute Ausfahrt beschließt, für einen letzten großen Fang. In der Folge verlässt die Andrea Gail immer weiter ihre üblichen Gewässer und entfernt sich über 900 Kilometer von ihrer Heimatküste. Was dann zum Problem wird, als nicht nur ein, sondern gleich zwei Stürme am Horizont erscheinen – und sich zum perfekten Sturm zusammenschließen. Mittendrin dabei: die Andrea Gail.

Besonders eindrucksvoll gerät der Beginn von The Perfect Storm, der sich Zeit für ökonomische Zustände und wirtschaftliche Zusammenhänge nimmt. Exemplarisch vorgeführt an der Auszahlungsszene nach dem letzten Fang, in der Mark Wahlbergs Fischeranfänger Bobby reklamiert, nur $2,221 rauszubekommen. Bei 21.000 Pfund Fisch mit $3.50 pro Pfund sei der Ertrag $73,000, rechnet ihm Bootsbesitzer Brown (Michael Ironside) vor. Abzüglich $35,000 für Köder, Benzin und Co. blieben rund $38,000 übrig, von denen Brown als Besitzer die Hälfte kriege. Der Kapitän erhalte doppelten Anteil, die vier Crew-Mitglieder einen vollen Anteil und Bobby als Anfänger 75 Prozent des vollen Anteils. “What it is is what it is”, so Brown lapidar.

Es sind harte Zeiten für Fischer, gerade dann, wenn man keine Beute macht. “You’re on a cold streak”, wirft Brown seinem Kapitän vor. Und droht an, diesen zu ersetzen. Tyne wiederum ist verzweifelt ob der Bestände vor der Küste. Er will jenseits der üblichen Gefilde fischen. “Don’t you think about it”, ist sich Brown des Risikos bewusst. Den Druck auf sich selbst gibt Tyne an seine Crew weiter, als er ihnen eröffnet, zwei Tage nach ihrer Ankunft wieder auf See fahren zu wollen. “You boys don’t want your site, a replacement’s a phone call away.” Wie er haben auch seine Männer keine echte Wahl. “We need the money”, stellt Bobby gegenüber Lebensgefährtin Christina (Diane Lane) klar. Schulden müssen abgebaut, Scheidungsanwälte bezahlt werden.

Sie alle kämpfen um ihre Existenz, müssen Scheidungsanwälte oder wie im Falle von Murphy (John C. Reilly) Alimente für ihre Kinder zahlen. Mehr schlecht als recht schlägt sich auch Sully (William Fichtner) durch, weshalb er widerwillig auf der Andrea Gail anheuert, trotz Animositäten mit Murphy. Eine halbe Stunde lang lässt Petersen sein Publikum diese Figuren atmen, von Bugsys (John Hawkes) verzweifelten Versuchen, während des kurzen Landaufenthalts irgendwie Sex zu haben, bis hin zur Spiegelung dessen, was dieses Leben für eine Familie bedeuten kann in den Figuren von Murphy und Bobby. Auch Tyne selbst musste familiäre Opfer bringen, ist jedoch generell merklich mehr in den Wellengängen und der salzigen Luft Zuhause.

Wir kennen nun den Großteil der Figuren – Allen Paynes Alfred Pierre als Ausnahme –, sind bereit, an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen. Umso bedauerlicher, dass Petersen nun verstärkt Kurs auf die Kitsch-Küste nimmt. Nach der starken ersten halben Stunde wird der Zuschauer mit einem schnulzigen Voice-over von Christina gen See verabschiedet, wo Bobby und Tyne ein 0815-Expositions-Gespräch beginnen. Ironischerweise wird The Perfect Storm, je weiter er sich von der Küste Massachusetts entfernt, umso flacher. Gebeutelt von misslungenen Fängen und steigendem Frust an Bord der Andrea Gail zieht es das Schiff immer mehr nach Osten. Und Petersen – oder genau genommen Junger – wartet mit zwei Subplots als Füllmittel auf.

Während die Handlung der Andrea Gail zu diesem Zeitpunkt weitestgehend entschleunigt ist, braut weiter südlich Richtung Bermuda bereits der Sturm auf. In seinem Zentrum ein Segelboot mit drei Figuren (Bob Gunton, Karen Allen, Cherry Jones) in Seenot. Eine Truppe Rettungsschwimmer (u.a. Dash Mihok) macht sich auf den Weg, um die Segler zu retten. Das Problem ist, dass diese Figuren im Gegensatz zu den Mitgliedern der Andrea Gail keinerlei Einführung erhalten haben. Von den meisten erfahren wir nicht einmal die Namen. Unklar bleibt, wieso sich der Zuschauer um diesen anonymen Haufen scheren soll. Und auch das Hin- und Herschneiden zwischen Haupt- und Nebenplot gereicht – auch tonlich – keinem von beiden zum Vorteil.

Für die Einordnung der Situation wird zudem noch Christopher McDonalds Meteorologe eingeblendet (der sogar die Trailerträchtige Zeile “It would be… the perfect storm” murmeln darf) und auf Mary Elizabeth Mastrantonios Kapitänskollegin von Tyne geschnitten. Viel Exposition für einen Sturm, dessen Ausmaße für den Zuschauer ohnehin nicht wirklich zu begreifen sind. Wozu sie also ausführlich erläutern? Vergleichsweise machte Ridley Scott mit seinem Bootsdrama White Squall weitaus mehr mit sehr viel weniger. Auch was die Effekte und Dramaturgie angeht. Im Dunkel des Sturms und der Doppelung der Bilder der Andrea Gail und der Rettungsspringer verliert der Zuschauer bisweilen den Überblick, wo und bei wem er gerade ist.

“The fog is just lifting. Throw off your bowline, throw off your stern. You head out the south channel, past Rocky Neck, Tenpound Island, past Nile Pond, where I skated as a kid. Blow your airhorn and you throw a wave to the lighthouse keeper’s kid on Thatcher’s Island. Then the birds show up, the Blackbacks, Herring Gulls, Big Dump Ducks. The sun hits ya, you head north, open up to 12… steaming now… the guys are busy, you’re in charge. You know what? You’re a goddamn swordboat captain. Is there anything better in the world?”

Die Ursache liegt sicher auch in Jungers Vorlage, prinzipiell aber eher darin, dass The Perfect Storm ohne die Segler und Rettungsspringer weniger Drama bieten könnte. Mit den beiden Nebenhandlungen gerät der Film aber etwas unausgegoren, wenn einem die eine Hälfte der Figuren ans Herz wachsen und die andere nicht. Was nicht bedeutet, dass Clooney, Wahlberg und Co. große Schauspielkunst an den Tag legen. Gerade die Hauptdarsteller bleiben etwas blass, loben ließen sich noch am ehesten Reilly, Fichtner und Hawkes, die versuchen, aus wenig viel zu machen. Eindrucksvoller als das Ensemble ist da wohl – wie so oft der Fall – James Horners lebhafte Komposition, die Sehnsucht und Abenteuerdrang zugleich ausdrückt.

Streitbar gerät die dramaturgische Gestaltung des Schlussakts, wenn angetrieben von Tyne die Fischer ihren Fang über das Risiko des Sturms stellen, über den zumindest Tyne informiert ist. Clooneys sympathischer Person mag da über den sturen Wagemut seiner Figur hinwegtrösten, vollends überzeugen will das Finale von The Perfect Storm – auch mit seinen Schnitten zu Gloucester und den dortigen Figuren – aber nicht. Das Ergebnis ist somit durchwachsen, treibt der Film doch nach einem wirklich starken Anfang im Verlauf mehr und mehr vor sich hin. Sechs Jahre später sollte Wolfgang Petersen mit Poseidon nochmals ein See-Drama inszenieren. Und mit diesem wiederum  seine Hollywood-Karriere bis heute versenken.

5.5/10

24. Mai 2009

Prison Break - Season Four

Be the change you want to see in the world.

Man hat sicherlich ein Problem, wenn man wie Paul Scheuring eine Serie Prison Break nennt und ebenjenen Gefängnisausbruch an das Ende der ersten Staffel setzt. Folglich muss die Serie in den kommenden Staffeln ihre Prämisse verlieren bzw. ändern. Man kann nu natürlich argumentieren, dass die Verfolgung durch die Company die beiden Brüder Michael Scofield (Wentworth Miller) und Lincoln Burrows (Dominic Purcell) auch irgendwie in ein „Gefängnis“ versetzt (schließlich sind sie im eigentlichen Sinne nicht „frei“), aus welchem sie ausbrechen müssen. Nichtsdestotrotz ging man in der dritten Staffel aber auf Nummer sicher und verfrachtete einige der Fox River Eight im panamesischen Sona erneut in ein Gefängnis. Doch Prison Break kam nicht umhin, bereits frühzeitig Qualität einzubüßen. Bereits die zweite Staffel, die im Kern nichts anderes als eine TV-Variante von The Fugitive war, baute stark gegenüber dem klaustrophobischen und herausragenden Serienstart in Staffel Eins ab. Es war der von William Fichtner exzellent portraitierten Figur des Agent Mahone geschuldet, dass die Serie im Stande war, ein gewisses Niveau aufrecht zu erhalten.

Mit der dritten Staffel verlor sich die Qualität jedoch nochmals. Nun war es Michael, der eine Gefängnisstrafe antrat, und Lincoln, der seinen Bruder befreien musste. Und da Sarah Wayne Callies aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mehr Dr. Sara Tancredi spielen wollte, wurde die Figur kurzerhand umgebracht. Dies führte nach erfolgreicher Flucht aus Sona dazu, dass Michael nun eine einsame Mission beging, um sich an Gretchen (Jodi Lyn O’Keefe) und der Company zu rächen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass Prison Break für eine vierte und finale Staffel verlängert würde. Fox merkte, dass die Geschichte an ihrem Ende angelangt war, dass das ewige Katz und Maus Spiel mit der Company redundant wurde und abgeschlossen werden musste. Die Serie war in der Zuschauergunst um gut zwanzig Plätze runtergerutscht, weder die Quoten noch die präsentierte Handlung wollte stimmen. Wie schlecht es um die Serie wirklich bestellt war, merkte man dann an der vierten Staffel, die im Vergleich zu ihrem Vorgänger drei Millionen Zuschauer einbüßte und sich zuvorderst durch ihr mangelhaftes Drehbuch auszeichnete.

Was die Autoren in der Auftaktfolge Scylla auf das Publikum loslassen, das hat die Welt noch nicht gesehen. Kurzerhand wird innerhalb der ersten fünf Minuten Whistler (Chris Vance) erschossen, nur damit Gretchen gegenüber Michael enthüllt, dass Sara (Sarah Wayne Callies) doch noch lebt. Lincoln hatte nämlich letztes Jahr nicht richtig hingeschaut, stellt sich heraus, und dabei glatt Saras abgetrennten Kopf mit dem einer unbekannten Frau verwechselt. So einfach kann amerikanisches Fernsehen manchmal sein. Für derartige Lapsūs erhält Scylla schon mal die Niedrigstwertung. Inhaltlich bietet die Folge den Auftakt der Prämisse für die erste Hälfte der vierten Staffel. Michael, Lincoln, Mahone, Sara, Sucre (Amaury Nolasco) und Bellick (Wade Williams) sollen für den Agenten Don Self (Michael Rapaport) des Heimatschutzes das Computersystem Scylla der Company stehlen. Da jenes System allerdings aus sechs Schlüsseln besteht, müssen diese erst der Reihe nach kopiert werden. Währenddessen schickt General Krantz (Leon Russom) seinen Auftragskiller Wyatt (Cress Williams) hinter der Truppe her.

Es ist jene Klimax der ersten Hälfte, die tatsächlich Klasse entwickelt und durch ihren Spannungsaufbau an die Hochzeit der ersten Staffel erinnert. Neben Five the Hard Way wissen vor allem Quiet Riot und Selfless zu überzeugen und trumpfen durch ihre nahezu perfekte Komposition auf. Es gelingt Scylla zu entschlüsseln, nur offenbart schon die verbliebene Zahl an Episoden, dass die Geschichte an diesem Punkt noch lange nicht zu Ende erzählt ist. In einer Nebenhandlung wird Michael ein vererbtes Aneurysma angehängt, sodass sein Fortleben von den Ärzten der Company abhängig ist. Self stellt sich als Verräter heraus, der Scylla an den Meistbietenden verkaufen will. Nun obliegt es Lincoln, Mahone und Co. Scylla zurück zu erobern. Als Michael und Sara die Flucht gelingt, geraten die Brüder auf unterschiedliche Seiten, die nochmals aufgespaltet werden, als mit Christina (Kathleen Quinlan) ihre Mutter als gewichtige Drahtzieherin der Company und Scylla die Bühne betritt. In den kommenden Episoden werden die Teams neu verteilt und eine neue Form der Redundanz eingeführt.

Weil der General die Liebsten von Lincoln, Self und Mahone bedroht, versuchen diese Scylla für die Company wiederzuerlangen. T-Bag (Robert Knepper) hilft als Handlanger des General gleich mit, während Michael und Sara die Company zum Sturz bringen wollen und Christina, ähnlich wie Self zuvor, an den Meistbietenden zu verkaufen strebt. Im Zuge dieser Schnitzeljagd fällt Scylla mal der einen und dann wieder der anderen Gruppe in die Hände. Die gesamte Schose, die sich über mehrere Folgen bis ins Finale zieht, ist nicht nur langweilig, sondern auch ermüdend. Hier zeigen die Autoren eindrucksvoll, dass sie im Grunde nichts zu erzählen haben und lediglich das Ende der Serie hinauszögern wollen. Es verwundert auch nicht, dass durchweg alle Folgen dieses Schauspiels ein unterdurchschnittliches Niveau haben, von denen ich jetzt keine explizit loben könnte. Eigentlich handelt es sich hierbei um nichts anderes als das Vorspiel zum Finale, welches – man verzichtete dankenswerterweise auf zwei weitere Episoden – in einer Doppelfolge daherkommt. Während Rate of Exchange noch relativ solide daherkommt, ist es mit Killing Your Number dann das Serienfinale, das neben Scylla zu den schlechtesten Folgen der Seriengeschichte zählt.

Aus unerfindlichen Gründen werden hier neben dem zuvor lange abwesenden Sucre auch andere Figuren ins Finale geschrieben, die nicht wirklich etwas mit der Geschichte zu tun haben und nichts als Nostalgie hervorrufen sollen. Die große Auflösung der Ereignisse ist dann auch nicht sonderlich aufregend gestaltet, eher im Gegenteil. Großartig ist die letzte Partei, die sich schließlich Scylla bemächtigt. So etwas habe ich zuvor im Fernsehen auch noch nie gesehen. Für die finale Einstellung wollte Scheuring Prison Break wohl mit einem Knall untergehen lassen. Dabei war diese Entscheidung nicht nur unnötig, sondern auch unstimmig und wenig harmonisch zum bisherigen Serienverlauf. Ingesamt ist die vierte Staffel ein unwürdiger Abschluss für die Serie, nur noch getoppt von der finalen Folge, die nicht nur ein armseliges Resultat für die Serie selbst ist, sondern auch für die vierte Staffel an sich. Die schauspielerischen Leistungen sind meistens okay, da kann man nicht meckern. Wobei an Fichtner und Knepper schwer eine der anderen Personen herankommt, bedenkt man dass Callies, Miller und Purcell die meiste Zeit mit demselben Gesichtsausdruck durch die Handlung laufen. Wie man nach den obigen Worten schließen kann, hält sich auch die Spannung – abgesehen von der Klimax der ersten Hälfte – in Grenzen. Im Nachhinein kann man froh sein, dass Prison Break nun zu Ende gegangen ist. Es ist kein ruhmvoller Abschluss, aber ein Abschluss.

6.5/10

9. März 2008

Prison Break - Season Three

You're exactly where you belong.

Über den amerikanischen Autorenstreik wurde an dieser Stelle immer dann geschrieben, wenn es um Serien ging. Diese sind ohne Frage die großen Opfer des Streikes, alles auf Kosten der Zuschauer. Die meisten Serien gehen mit weniger Folgen in ihre Staffeln, als von den Sendern geordert. Die ursprüngliche Staffel sowohl von Prison Break wie auch von Heroes sollte vierundzwanzig Episoden betragen, wurde jetzt jedoch nach der Hälfte eingestellt und kehrt erst im Herbst zurück. Andere Serien wie Lost oder The Office gehen ebenfalls mit verminderten Folgen im April weiter, wieder andere Serien wie 24 oder auch Entourage werden nach hinten verschoben. Leidtragende sind die Zuschauer, denn durch die Komprimierung der Handlungsstränge leidet das Gesamtbild der Serie, ziemlich gut zu sehen bei Heroes, dessen Exposition zu einem größeren Ganzen schließlich das Ganze bildete und inhaltliche Schwächen aufzeigte. Natürlich sollten die amerikanischen Autoren besser an und durch ihre Arbeit verdienen, die Schuld an der Geschichte soll nicht ihnen angelastet werden, viel eher die Studios sind verantwortlich für die Misere. Schließlich kam der Autorenstreik nicht aus dem Blauen, man wusste wann und man ahnte dass es kein Kinderspiel werden würde. Warum man dann über zwanzig Episoden ordert, grenzt an Idiotie, schließlich kann man sich nur mit gewissen Fähigkeiten in Hollywood behaupten.

Eine Serie die wie erwähnt darunter zu leiden hatte, ist Prison Break. Das Gefängnisdrama, welches besonders durch seine erste Staffel überzeugen konnte, war ursprünglich nie als Langzeit-Serie gedacht, bereits in der zweiten Staffel wurde schließlich ein „The Fugitive“-Szenario kreiert, das man der anfänglichen Prämisse nicht mehr viel zu tun hatte. Da ist es nur logisch, dass Prison Break in der dritten Staffel back to the roots ging, nach der Flucht in Panama landete Hälfte der Protagonisten erneut im Gefängnis. Sona heißt die Einrichtung, die von allen Wärtern verlassen wurde, welche das Gefängnis umzäunt haben und die Verwaltung dessen an den inhaftierten Drogenbaron Lechero (Robert Wisdom) abgegeben. Nach Sona transferiert wurden neben Michael (Wentworth Miller), Mahone (William Fichtner) und T-Bag (Robert Knepper) auch Bellick. Alle versuchen sich im Gefängnis, wo eigene Gesetze gelten, zu etablieren, während in den Straßen Panamas Lincoln (Dominic Purcell) nach Sara sucht und Sucre (Amaury Nolasco) zurück zu seiner Freundin will. Plötzlich tritt die von der Firma geschickte mysteriöse Susan (Jodi Lyn O’Keefe) auf, entführt Sara und L.J. und erpresst die Brüder einen Häftling aus Sona auszubrechen. Hierbei handelt es sich um Whistler (Chris Vance), der im Untergrund lebt und dessen Freundin Sofia (Danay Garcia) Lincoln bei der Planung des Ausbruchs von draußen hilft. Doch das Vertrauen zwischen allen Beteiligten ist äußerst gering, Opfer lassen sich nicht vermeiden und die Zeit für Michael den Ausbruch zu vollziehen läuft ihm allmählich davon.

Man merkte Schöpfer Paul Scheuring und seinen Schreibern um Nick Santora an, dass sie nicht mehr so genau wussten, was sie da nun eigentlich erzählen wollen. Die nähere Betrachtung der ominösen Firma war in der Form wohl nie geplant, sollte lediglich als das hintergründige Böse in der ersten Staffel fungieren. Die erste Hälfte der dritten Staffel funktioniert deswegen, weil sie redundant ist, weil sie sich auf die ursprüngliche Prämisse der ersten Staffel beruft. Der tolle Blick auf Sona im zweiten Staffelfinale wird dabei bereits im Staffelpilot wieder entkräftet, es ist kein Höllenhaus, hier gibt es Regeln und Ordnungen an die sich jeder zu halten hat. In der siebten Folge – Photo Finish – darf man dann sogar ganz schlampiges Schreiben begutachten, wie hier mit einem Serientod umgegangen wird, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Das hätte man ebenso besser klären können, wie die Wende in der zweiten Hälfte der dritten Staffel. Hier wird nicht nur die erste Staffel wiederholt, sondern sogar die erste Hälfte der dritten Staffel selbst. Die Handlung dreht sich im Kreis, kommt keinen Meter vorwärts und bedient sich wieder und wieder desselben Schemas. Figuren wie Bellick, T-Bag und Sucre sind für die Erzählung der Geschichte nutzlos und überflüssig, erfüllen nicht den Zweck eines C-Note in der vorherigen Staffel.

In einem Interview bestätigte Dominic Purcell dass die Serie für eine vierte Staffel zurückkehren wird, der Cliffhanger der dritten Staffel deutete so etwas natürlich an. Wenn sich Scheuring und die Produzenten einen Gefallen tun wollen, dann beenden sie die Geschichte rund um Michael Scofield und Lincoln Burrows mit dieser kommenden Staffel und empfehlenswert wäre im Stil eines Dexter oder The Sopranos auch eine Begrenzung und Konzentration auf zwölf bzw. dreizehn Folgen. Ansonsten sieht man wieder die Gefahr der Redundanz, auch wenn die Tonart sich nun wieder eher in die „Fugitive“-Richtung bewegt, mit Abstrichen, denn Sona bleibt auch am Ende nicht leer. An die Frische und die Brillanz der Pilotstaffel konnte bereits der Nachfolger nicht mehr anknüpfen, und selbst mit diesem kann diese Staffel nicht mehr mithalten, zu redundant und nichts sagend ist das alles. Schauspielerisch liefert William Fichtner eine One-Man-Show ab, der Wentworth Miller und Chris Vance versuchen bestmöglich zu folgen. Hier hat Purcell – ohnehin kein sonderlich talentierter Schauspieler – das nachsehen, seine Szenen sind ohne Belang und ohne Esprit. Da ist es als positivste Nachricht zu werten, dass Fichtner auch in der vierten Staffel seine Rolle wieder aufnehmen wird – auch wenn seine Motivation hierfür bisher nicht ausreichend dargestellt wurde. Vielleicht weiß Scheuring dann noch mit besserem Casting als dieses Mal aufzuwarten, denn neue Figuren sind nunmehr unabdingbar.

7/10

16. August 2007

Prison Break - Season Two

If we lose ourselves, we lose everything.

Wenn ein Konzept ursprünglich auf eine 14-teilige Miniserie angelegt war, überrascht es, wenn die betroffene Serie daraufhin nicht nur zu einer durchschnittlichen Staffel erweitert wird, sondern sogar noch eine Fortsetzung erhält. Nach dem Gefängnisausbruch im Finale der ersten Staffel sind nun Michael Scofield (Wentworth Miller), sein Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) und die übrigen Häftlinge nicht mehr Gefangene eines Gefängnis, sodass der Titel Prison Break für die Serie eigentlich schon gar nicht mehr zutreffend ist. Doch Paul Scheuring weiß dem Titel dennoch gerecht zu werden, wenn er das existierende Gefängnis in ein Bildliches überträgt. Denn die ominöse Firma hat es weiterhin auf die Brüder abgesehen und setzt neben Secret Service Agent Paul Kellerman (Paul Adelstein) auch den FBI-Ermittler Alex Mahone (William Fichtner auf sie an. Mahone hat selbst – sprichwörtlich – einige Leichen im Keller und wird von der Firma erpresst, gegen Scofield, Burrows und die anderen Flüchtigen (von der Presse „Fox River Eight“ getauft) vorzugehen. Dass es der Firma dabei darauf ankommt, Tote und keine Gefangene zu machen, muss Mahone eins ums andere Mal seine Kreativität spielen lassen, während er ungewollt immer tiefer mit in die Vendetta der Brüder hineingezogen wird.

Allerdings gibt bereits die zweite Staffel jenen Ton vor, der die Serie auch in ihren kommenden beiden Staffeln begleiten sollte. Zu Beginn wird sich der Einfachheit halber Veronica (Robin Tunney) entledigt, wie man in der dritten Staffel auch Sara (Sarah Wayne Callies) und in der vierten Whistler (Chris Vance) aus dem Weg räumte. Immerhin entfällt damit eine der Nebenhandlungen, die sicherlich den hier dargebotenen Raum sprengen würden. Denn mit dem Gefängnisausbruch verliert sich auch die Erzählstruktur von Prison Break, das anschließend mehreren Figuren gleichzeitig folgt – selbst wenn diese ein ums andere Mal wieder aufeinanderprallen. Dabei bleibt nicht viel Zeit für die Schicksale von Abruzzi (Peter Stormare) und David Apolskis (Lane Garrison) und selbst für Patoshik (Silas Weir Mitchell) findet sich nicht viel Platz. Stattdessen gilt es für Sucre (Amaury Nolasco) und C-Note (Rockmond Dunbar) zu ihren Liebsten zurückzukehren, während sich T-Bag (Robert Knepper) zu Beginn der Staffel damit rumschlägt, seine abgetrennte Hand wieder an seinen Arm zu transplantieren. Es ist mit Manhunt die Auftakt- und Anschlussfolge, die zu den beiden gelungeneren Folgen der zweiten Staffel zählt. Hier verteilen sich die Gefangenen und Michael lernt allmählich sein neuen Gegenüber Mahone und dessen Intelligenz kennen.

Eines der großen Probleme der zweiten Staffel ist dann auch die Tatsache, dass sich die Serie unterschiedlichen Erzählsträngen widmet. Einerseits die Spur der Brüder, die mal gemeinsam mit ihrem Vater die Firma ausradieren wollen, bevor sie sich wieder Lincolns Sohn und seiner Befreiung widmen. Und während Sucre und C-Note nach ihren Lebenspartnerinnen suchen, schneien sie hin und wieder auch mal rein, wenn es etwas zu erledigen gibt. Im ersten Drittel handelt es sich hierbei um die fünf Millionen Dollar, die Westmoreland (Muse Watson) seiner Seit in Utah versteckt hat. Die Umstände der Autoren wollen es, dass eigentlich jeder der Fox River Eight seine Fühler Richtung Utah ausstreckt und sich schließlich in jener Garage einfindet, in der das Geld versteckt ist. Dieses bildet auch den Auslöser für eine weitere Nebenhandlung, die den gefeuerten Brad Bellick (Wade Williams) zurück ins Geschehen katapultiert, während sich Kellerman zuerst primär mit Sara Tancredi auseinandersetzen muss. Bedenkt man, dass mit dem Firmenangestellten Mr. Kim (Reggie Lee) eine weitere Partei hinzu stößt, werden dem Publikum mitunter bis zu zehn verschiedene Handlungsstränge parallel präsentiert. Zwar besteht hierbei keine Gefahr, dass man den Überblick verliert, doch wirkt es störend, wenn alle paar Minuten an einen anderen Ort gesprungen wird, um C-Note Medikamente oder Patushik Ketchup stehlen zu sehen. Ein stärkerer Fokus auf die Brüder wäre hier sicherlich eher von Vorteil gewesen.

Neben dem Ausbruch zu Beginn weiß daher eigentlich ausschließlich die Bemühung an die fünf Millionen zu gelangen wirklich zu fesseln und zu unterhalten. Mit Map 1213 findet sich dann auch die Einführung in diese Nebenhandlung und zugleich neben Manhunt die einzig wirklich überzeugende Folge – ohne jedoch das Niveau der ersten Staffel zu erreichen. Der Qualitätsabfall macht sich recht bemerkbar und findet seine Ursache wohl darin, dass die Handlung der Serie nun aus dem engen Raum des Gefängnis’ hinaus in die Weite der USA getragen wird. Ähnlich wie bei Die Hard verträgt sich die Dezentralisierung der Geschichte nicht sonderlich mit dem Konzept des Produkts. Waren Michaels Geistesblitze im Gefängnis aufgrund der Blauphasen noch ansatzweise nachvollziehbar, so sind seine unentwegten spontanen Lösungen (z.B. die Flucht vor Bellick, die Rettung von Sucre im Fluss) etwas arg konstruiert. Ohnehin dreht sich die Serie bereits hier relativ im Kreis, wenn Michael und Linc nicht weniger als dreimal (!) in den Händen ihrer Verfolger landen – und dennoch jedes Mal mit heiler Haut davonkommen. Hinzu kommt hier dann auch noch Mahones Gespür, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – wenn auch stets nur die obligatorische eine Minute zu spät. Die Faszination Prison Break im Mikrokosmos der ersten Staffel will sich folglich nicht auf en Makrokosmos der zweiten übertragen lassen. Ortswechsel von Chicago nach Utah, zurück nach Chicago und schließlich Panama tragen hierzu ihr übriges bei.
Die meisten Folgen der zweiten Staffel bewegen sich somit in einem durchschnittlichen Bereich, ohne jedoch wirklich herauszuragen (die beiden genannten Episoden bilden die Ausnahme). Gerade die zweite Hälfte der Staffel ist ziemlich enttäuschend und weiß nicht einmal im Staffelfinale Sona zu gefallen. Auch die darstellerischen Leistungen fallen stark ab. Miller durchschreitet die gesamte Staffel mit mehr oder weniger ein und demselben Gesichtsausdruck, wohingegen sich Purcell meist auf das Aufplustern beschränkt. In Panama versuchen sich beide schließlich im schlechten Schauspiel gegenseitig zu überbieten. Auch Wayne Callies, Dunbar und Co. können nicht wirklich überzeugen. Am ehesten vermag dies noch Robert Knepper zu gelingen. In einer fast schon anderen Liga dagegen spielt Fichtner, der den komplexen FBI-Mann sehr vielschichtig gibt (selbst wenn auch er nicht vor overacting gefeit ist). Ingesamt betrachtet ist die zweite Staffel dennoch ein Rückschritt und letztlich nur der Auftakt für den Niedergang von Prison Break, der sich noch über die folgenden zwei Jahre hatte ziehen sollen. Die Handlung wirkt zu konstruiert - der Colonel plant hier bereits frühzeitig Michaels Inhaftierung in Sona, wobei, die dritte Staffel zeigt es, auch hier keine wirkliche Handlung vorhanden ist - und durch die Aufspaltung auf die verschiedenen Charaktere nicht sonderlich spannend. Dass es besser gewesen wäre, Prison Break beim Miniserien-Format zu belassen, war spätestens jetzt definitiv.

7/10