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8. September 2017

Twin Peaks: The Return

When you get there, you will already be there.

Der Duden beschreibt Nostalgie als Rückwendung zu einer vergangenen, in der Vorstellung verklärten Zeit. Sie ist zur Zeit wieder in Mode, die Nostalgie – speziell die 1980er Jahre, die als Schablone für filmische Produkte wie Stranger Things, das It-Remake oder Steven Spielbergs kommenden Ready Player One dienen. Auch die Erinnerung an 80er-TV-Shows wie 21 Jump Street und Baywatch wurde zuletzt im Kino gepflegt und die sind dabei keinesfalls die Ausnahme von der Regel. Revival ist das magische Wort der Fernsehlandschaft im Moment, so gab es nach acht Jahren die Rückkehr von Prison Break, 14 Jahre hatten The X Files geruht und auf Netflix herrscht nach 21 Jahren plötzlich wieder Leben in der Bude des Fuller House.

Ebenfalls ein Revival, wenn auch eines der etwas ungewollt stringenteren Form, ist Twin Peaks: The Return. Anfang der 1990er Jahre veränderte die Serie von David Lynch und Mark Frost mit der Aufklärung des mysteriösen Todesfalls um Teenager Laura Palmer das Fernsehen. Vor den Insel-Rätseln von Lost und den ungelösten X-Akten des FBI war es Twin Peaks, das auf sehr ungewöhnlich-gewöhnliche Art mit verschiedenen Genre-Konventionen spielte und seine Grenzen auslotete. Kulminierend in einem wahnwitzigen Serienfinale und dem atmosphärisch ähnlichen Prequel-Film Twin Peaks: Fire Walk With Me. Zu dem Zeitpunkt als Twin Peaks endete, war zwar aufgelöst, wer Laura Palmer getötet hatte. Doch viele andere Fragen blieben zugleich.

“I’ll see you again in 25 years”, hatte sich Laura (Sheryl Lee) damals in Episode Twenty-Nine von FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) im Red Room der Black Lodge verabschiedet. Und nun, quasi exakt jene 25 Jahre später, knüpfen David Lynch und Mark Frost in Part 1 von Twin Peaks: The Return an jenen Abschied an. Konzipiert als beinahe 18-stündiger Film, der in 18 Teilen erzählt wird, hat das Revival allenfalls oberflächlich und in Facetten etwas mit Twin Peaks gemein. Zwar nimmt es direkt Bezug auf das Serienfinale und Fire Walk With Me, zuvorderst ordnet sich The Return aber eher in Lynchs jüngere Filmografie ein: Quasi als experimentelles serielles Erzählen im Stile seiner Werke wie Mulholland Drive oder Lost Highway.

Twin Peaks: The Return ist eine Verquickung dieser beiden Lynch-Welten. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen der Figuren aus der Serie und dem Film – nicht alle von ihnen verlaufen glücklich. Genauso wie nicht jede Figur zwingend einen Platz im Revival hat, egal ob sie neu zum Ensemble dazu stößt oder von Anfang an dabei war. So leitet Norma (Peggy Lipton) weiter ihr Double-R-Diner, wo Shelly (Mädchen Amick) ebenfalls weiter den Kaffee ausschenkt und Kuchen serviert. Während Erstere sporadisch ihre Romanze mit Big Ed (Everett McGill) weiterspinnen darf, verliert sich Letztere primär in einem weitestgehend unbedeutenden Nebenplot um ihre Tochter Becky (Amanda Seyfried), die dieselben Fehler macht, wie ihre Mutter einst.

Viele der früheren Twin Peaks-Figuren tauchen hierbei in derartigen Handlungssträngen auf, so auch James (James Marshall) als schmachtend Verliebter oder Dr. Jacoby (Russ Tamblyn), der sich in einer amüsanten Alex-Jones-Persiflage im Internet als “Dr. Amp” über die Regierung und den Ist-Zustand generell aufregt. “We all live in the mud”, erklärt Jacoby in einem Werbeclip, der dazu dient, von ihm mit Goldfarbe besprühte Schaufeln zu verkaufen. “Shovel your way out of the shit!”, ermuntert er seine Zuschauer. Und spricht unwissentlich durchaus in gewisser Weise über die Thematik, die Twin Peaks: The Return über weite Strecken innewohnt. Zumindest für Agent Cooper gilt diese Aufforderung, sich aus einem Ärgernis befreien zu müssen.

Dale Cooper steckt weiter in der Black Lodge fest – zumindest bis MIKE (Al Strobel) ihm einen Weg aufzeigt, den Red Room zu verlassen. “Is it future? Or is it past?”, wird Cooper von dem Einarmigen in Part 2 gefragt. Die Zeit steht still in der Black Lodge, auch wenn dies nicht ohne Folgen bleibt. Zwar gelingt Cooper bereits in Part 2 die Flucht aus dem verfluchten Ort, doch seine Rückkehr – nicht nur nach Twin Peaks, sondern zu seiner eigenen, alten Identität – wird beinahe die gesamte Laufzeit des Revivals in Anspruch nehmen. Eine Odyssee der absurd-redundanten Irrelevanz gewissermaßen, als Agent Cooper schließlich den Platz und das Leben eines weiteren von BOB fabrizierten Doppelgängers von sich in Las Vegas beansprucht.

Die Passagen rund um Dougie Jones (Kyle MacLachlan) entsprechen dem ins Extreme verschobenen komödiantischen Stilmittel der Repetition wie sie sich in Family Guy oder auch den Komödien von Will Ferrell oft findet. Als Versicherungsvertreter befindet sich Cooper fortan den Großteil der Serie im Dauerzustand einer katatonischen Apathie. In dieser ist er weder zu motorischen Bewegungen noch verbalem Austausch fähig – seine Liebe zum Kaffee behält er jedoch. Der Humor liegt dabei einerseits in MacLachlans perfekter Darbietung, unter anderem als Spielautomaten-Rain Man Mr. Jackpots (“Hello-oooooo”), aber auch in der unglaublichen Akzeptanz seiner sozialen Umwelt wie Gattin Janey-E (Naomi Watts) ob seines Zustands.

Immer wieder beobachten wir Ereignisse oder treffen Figuren, von denen zuerst unklar ist, ob sie von irgendeiner Relevanz sind – oder es noch sein werden. Sei es Ashley Judd als neue Assistentin Beverly von Ben Horne (Richard Beymer) in dessen Great Northern Hotel und ihr pflegebedürftiger Ehemann, Balthazar Getty als Drogendealer Red mit Hang zu Zaubertricks oder Charlyne Yi als junge Frau, die eines Abends im Roadhouse plötzlich von Panik befallen wird. Wiederholt wird von einer Figur namens Billy gesprochen, ohne dass wir diese jemals sehen oder erklärt bekommen, welche Bedeutung ihr zukommt. “I feel like I’m somewhere else”, entfährt es da Audrey Horne (Sherilyn Fenn) in Part 13. Und so geht es wohl vielen.

In vereinzelten, verstörten Äußerungen teilten Zuschauer online mit, dies sei nicht ihr Twin Peaks aus den 1990er Jahren. Die Rückwendung in die verklärte Zeit misslingt – natürlich weil Lynch und Frost sie auch nicht bemühen. Stellenweise versuchen sie sich am Entmystifizieren des Mythos’ der Serie, verfolgen dies aber in der Regel nicht weiter. So widmet sich nahezu der ganze Part 8 in einer kongenialen Inszenierung der Entstehung von BOB (Frank Silva) und der Rolle von Laura. Eingestreut in Atomwaffen-Tests im New Mexico von 1945, überwechselnd ins Jahr 1956, wenn am selben Ort Froschkäfer aus Wüsteneiern schlüpfen und ölige Holzfäller aus der anderen Dimension mordend eine lokale Radiostation aufsuchen.

Ähnlich skurril war zuvor schon Coopers Flucht in die Wirklichkeit in Part 3 inszeniert worden. In Schwarzweiß gehaltener Optik, oft visuell und auditiv verzerrt, lebt Lynch hier seinen Avantgardismus aus. Evoziert Frühwerke wie Eraserhead und schert sich sichtlich keinen Deut darum, Antworten zu liefern oder selbst da, wo er sie beginnt, auch abzuschließen. “This is the water, and this is the well”, verkündet der Holzfäller in der Radiostation in Part 8 kryptisch. “Drink full, and descend.” – Trinkt dich voll und steig hinab in die Untiefen des Twin Peaks-Universums, könnte er genauso gut zum Zuschauer sprechen. So wie Sarah Palmer (Grace Zabriskie) später in Part 14, als sie einen aufdringlichen Bar-Gast fragt: “Do you really wanna fuck with this?”

Eine Frage, die sich auch viele Figuren in Twin Peaks stellen könnten, sei es Audreys soziopathischer Sohn Richard Horne (Eamon Farren), der wie sein Großvater im lokalen Drogengeschäft involviert ist, oder auch das FBI-Duo um Gordon Cole (David Lynch) und Albert (Miguel Ferrer). Aufgerüttelt durch mysteriöse Mordfälle in New York und dem scheinbaren Auftauchen der kopflosen Leiche von Major Briggs sowie von Coopers bösem Doppelgänger (Kyle MacLachlan) in South Dakota beginnen sie mit der jungen Agentin Tammy (Chrysta Bell) die Ermittlungen in einem neuen “Blue Rose”-Fall. Zu diesem stößt wenig später auch Diane dazu, die nach zahlreichen Cooper-Referenzen dank Lynch-Muse Laura Dern nach 25 Jahren ein Gesicht erhält.

Ihre eigenen Ermittlungen verfolgen die Beamten in Twin Peaks um Hawk (Michael Horse), Andy (Harry Goaz) und Lucy (Kimmy Robertson). Mit Sheriff Frank Truman (Robert Forster), Bruder des an Krebs erkrankten Harry, rollen sie den Fall um Laura Palmer und Dale Cooper wieder auf. Unterstützt von Bobby Briggs (Dana Ashbrook), der, wie es der Zufall so will, inzwischen selbst für das Sheriff’s Department arbeitet. Twin Peaks: The Return jongliert weitestgehend überaus geschickt all diese Handlungsstränge, die nur peripher im Zusammenhang zueinander stehen. Sei es, wenn Tim Roth und Jennifer Jason Leigh ein Tarantino-eskes Auftragskiller-Duo mimen oder Robert Knepper und Jim Belushi gutmütige Casino-Gangster-Brüder.

Über allem schwebt natürlich dennoch die Frage nach dem Warum und Wieso dieser Welt. “Our world is a magical smoke screen”, hatte die Log Lady (Catherine E. Coulson) in Episode Twenty-Seven gesagt. Aufgrund des Ablebens der Darstellerin in 2015 – nicht der einzige Verlust im Ensemble, so verstarb Miguel Ferrer Anfang des Jahres – kommuniziert diese im Revival ausschließlich mit Hawk per Telefon. Ist aber kryptisch wie eh und je. “Now the circle is almost complete”, teilt sie Hawk in Part 10 mit. Die zeitliche Einordnung der Ereignisse ist von Bedeutung, nun, 25 Jahre später. Weshalb auch immer. “If we’re not at the right place at exactly the right time, we won’t find our way in”, wusste schon Cooper in Episode Twenty-Eight.

Twin Peaks: The Return gebiert sich hier stellenweise als vorherbestimmtes Schicksal in Lost-Manier. Wo Ereignisse der Gegenwart lange in der Vergangenheit bereits vorausgedeutet und Figuren wie Wachmann Freddie (Jake Wardle) in Position gebracht wurden. Wenn wir dann erleben, wie Phillip Jeffries über Judy spricht, erscheint es so, als würden Lynch und Frost uns Antworten geben, stattdessen werfen sie aber eher neue Fragen auf. Im Kern geht es in den beiden finalen Part 17 und Part 18 dann erneut darum, dass Agent Cooper irgendwie – und: irgendwann – doch noch Laura Palmer retten kann. Denn wie die Log Lady in Part 15 in einer Selbstreferenz gegenüber Hawk deutlich macht: der Tod sei “just a change, not an end”.

Was die Zuschauer mit dem Revival tatsächlich sehen, bleibt offen. Lynch macht hier wie schon in Fire Walk With Me Andeutungen, es könnte sich nur um einen (Fieber-)Traum handeln. “We live inside a dream!”, hatte Phillip Jeffries (David Bowie) im Prequel-Film behauptet. Eine Vermutung, die Gordon Cole in einem Traum von Monica Bellucci bestätigt zu werden scheint. “We are like the dreamer who dreams and then lives inside the dream”, teilt die italienische Schauspielerin dem FBI-Direktor darin mit. Und stellt die entscheidende Frage: “But who is the dreamer?” Ob Traum oder Realität, die Welt von Twin Peaks meint es so oder so mit vielen ihrer Figuren nicht allzu gut. Wenn auch stets mit einer gewissen Prise schwarzem Humor.

“Things can happen!”, erregt sich da Sarah Palmer in Part 12 im Supermarkt. “Something happened to me!” Damit steht sie natürlich nicht allein, auch mit Dale Cooper und Audrey Horne geschah etwas, das sie veränderte. Genauso wie mit Diane. Echtes Glück blieb nur wenigen Charakteren vorbehalten, allen voran Andy und Lucy mit ihrem Sohn Wally “Brando” (Michael Cera) oder – wenn auch spät – Norma und Big Ed. Für viele andere wartet dagegen nur der Tod oder der Weg hin zu diesem, deutlich am Krebstod vieler der Darsteller wie Catherine E. Coulson und Miguel Ferrer vor der Ausstrahlung. Es bleibt nur die Hoffnung, dass diese Traurigkeit nicht von zu langer Dauer ist. “One day the sadness will end”, sagte die Log Lady in Episode Three.

Wie bereits in den ersten beiden Staffeln haben David Lynch und Mark Frost mit diesem ungewöhnlichen Revival erneut die Grenzen des Fernsehens ausgelotet. Voller abstrakt-genialer Momente wie in Part 3 oder Part 8, kulminierend in einem starken kryptisch-mystischen Finale rund um Part 15, Part 16 sowie dem brillanten Ausklang in Part 18. Wer sich von Twin Peaks: The Return eine nostalgische Rückbesinnung zu den Anfängen der Serie erhoffte, muss jedoch genauso enttäuscht werden wie diejenigen, die nach ultimativen Antworten auf offene Fragen lechzten.“Is there an answer? Of course there is”, verriet allerdings schon in Episode Thirteen die Log Lady. “As a wise person said with a smile: ‘The answer is within the question.’”

9/10

21. Februar 2010

Heroes - Volume Five (Redemption)

Defeat the dark side, we will.

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum dient im Grunde der Orientierung, bis wann ein Produkt in vollem Umfang noch verwendbar ist. Ist jenes Verfallsdatum überschritten, wird es kritisch. In Anbetracht von Heroes ließe sich wohl sagen, dass die Serie bereits in ihrem zweiten Band ihre Haltbarkeit überschritten hat, allerspätestens jedoch mit ihrem dritten Handlungsgerüst. Das vierte Abenteuer im vergangenen Jahr dümpelte dann bereits auf teilweise ungenießbarem Niveau vor sich hin und auch wenn Tim Krings Schöpfung sich im fünften Band, der passend Redemption getauft wurde, wieder etwas rehabilitieren kann, gelingt es der Serie nicht, an alte Stärken anzuknüpfen. Die Probleme von Heroes, die seit Jahren vorhanden sind, wurden auch in diesem Band wieder offensichtlich. Ein Held ist nur so gut, wie sein Bösewicht. Das wusste bereits M. Night Shyamalan in Unbreakable zu konstatieren. Bei Tim Kring ist es scheinbar (immer noch) nicht angekommen.

So funktionierte Sylar (Zachary Quinto) im ersten Band mit der nuklearen Bedrohung für New York City noch sehr gut, wohingegen Arthur (Robert Foster) und Nathan Petrelli (Adrian Pasdar) in den vergangenen beiden Handlungssträngen weit weniger Profil hatten. Wurden die Heroes in Fugitives noch gejagt, erhielten sie am Ende des Bandes ihre Freiheit zurück. Wie der Name schon sagt, handelt Redemption nun davon, dass sich viele der Figuren auf gewisse Weise reinwaschen. Sei es Noah Bennett (Jack Coleman) oder allen voran Sylar selbst. Als antagonistisches Element wird dieses Mal Robert Knepper als Kirmesleiter Samuel eingeführt, dessen Agenda - die Auslöschung der Menschen für die Herrschaft der Speziellen, wenn auch in kleinem Rahmen - an Col. Stryker aus Bryan Singers X2 erinnert. Hinsichtlich des Twists in der Finalepisode Brave New World scheinen sich Kring und seine Autoren auch weiterhin nicht zu schade, frei von ihren filmischen Comic-Kollegen zu klauen.

So gut Knepper als zweitrangige Bedrohung in Prison Break auch funktioniert hat, ist seine Figur des Samuel einfach viel zu schwach ausgearbeitet, als dass sie wirklich über ein Dutzend Episoden als Gegenspieler dienen könnte. Es verwundert daher nicht, dass die Samuel-Handlung bereits nach einigen Folgen eintönig und redundant wird. Eine mysteriöse Tätowierung zu Beginn mit den Schlüsselfiguren Sylar, Peter (Milo Ventimiglia) und Claire (Hayden Panettiere) ist in Anbetracht der Umstände reichlich ungenügend ausgearbeitet beziehungsweise ins Geschehen integriert. Ohnehin verwischen die Schauplätze viel zu sehr, wenn Hiro (Masi Oka) einerseits wieder Raum und Zeit mehrfach hinter sich lässt, aber andererseits wie seine Kollegen andauernd miteinander in verschiedenen Subplots in Kontakt gerät. Handlungsstränge wie Hiros Mission, Charlie (Jayma Mays) zu retten, werden dabei nach Belieben aufgegriffen, fallen gelassen und schließlich mehr schlecht als recht zu einem vermeintlichen Ende geführt.

Gerade die Vernachlässigung zahlreicher Figuren schmerzt ungemein. Tauchte Micah im vierten Band nach zwei Jahren wieder auf, spielt er hier keine Rolle mehr. Tracy Strauss (Ali Larter) und Mohinder (Sendhil Ramamurthy) fungieren als Werkzeuge, die gelegentlich benutzt werden, ehe sie wieder in der Schublade verschwinden. Das Prozedere macht auch vor neuen Charakteren wie Edgar (Ray Park) keinen Halt. Dies hat zur Folge, dass der fünfte Band zugleich überfrachtet und leer wirkt. Wäre die Bedrohung besser ausgearbeitet und die Figurenzahl etwas reduziert, dafür jedoch mit Tiefe versehen, ließen sich einige Längen in der Handlung ausmerzen. Warum zum Beispiel nicht einfach mal einen Band lang auf Mohinder und Matt Parkman (Greg Grunberg) verzichten? So spart man sich wie die Kollegen bei Lost hinsichtlich Emilie de Ravins Rolle Claire eine sinnlose Einbindung und schafft sich Raum, um später wieder an diese Figur anzuknüpfen.

Grundsätzlich ist der Start in das neue Kapitel im Vergleich zum Finale des Vorjahres vielversprechend von Statten gegangen. Die zweite Episode Ink ragt dabei aus dem 18-Episoden-Handlungsgerüst quasi einsam und verlassen als beste Folge heraus. Neben Ray Park geben sich auch Ernie Hudson und Louise Fletcher in Gastauftritten die Ehre, Madeline Zimas Nebenfigur als Claires lesbische Mitbewohnerin wird auf dem Weg zum Finale dabei ebenso inhaltlich geopfert, wie Edgar und Co. So unausgegoren Redemption auch geworden ist, stellt der fünfte Band immerhin eine Steigerung zum katastrophalen Vierten dar. Scheinbar fand man noch eine genießbare Stelle zwischen all dem Schimmel, auch wenn sie nicht wirklich satt gemacht hat. Ob es zu einem sechsten Band kommt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sicher. Bedenkt man den Iron Man-Cliffhanger in Brave New World, wollen Kring und Co. wohl erstmal Iron Man 2 abwarten, bevor sie neue „Ideen“ für ihre nächste Geschichte entdecken. Anstatt an einem abgenagten Knochen zu lutschen, wäre es allerdings ratsamer, sich etwas Neues zu Gemüte zu führen.

7/10

24. Mai 2009

Prison Break - Season Four

Be the change you want to see in the world.

Man hat sicherlich ein Problem, wenn man wie Paul Scheuring eine Serie Prison Break nennt und ebenjenen Gefängnisausbruch an das Ende der ersten Staffel setzt. Folglich muss die Serie in den kommenden Staffeln ihre Prämisse verlieren bzw. ändern. Man kann nu natürlich argumentieren, dass die Verfolgung durch die Company die beiden Brüder Michael Scofield (Wentworth Miller) und Lincoln Burrows (Dominic Purcell) auch irgendwie in ein „Gefängnis“ versetzt (schließlich sind sie im eigentlichen Sinne nicht „frei“), aus welchem sie ausbrechen müssen. Nichtsdestotrotz ging man in der dritten Staffel aber auf Nummer sicher und verfrachtete einige der Fox River Eight im panamesischen Sona erneut in ein Gefängnis. Doch Prison Break kam nicht umhin, bereits frühzeitig Qualität einzubüßen. Bereits die zweite Staffel, die im Kern nichts anderes als eine TV-Variante von The Fugitive war, baute stark gegenüber dem klaustrophobischen und herausragenden Serienstart in Staffel Eins ab. Es war der von William Fichtner exzellent portraitierten Figur des Agent Mahone geschuldet, dass die Serie im Stande war, ein gewisses Niveau aufrecht zu erhalten.

Mit der dritten Staffel verlor sich die Qualität jedoch nochmals. Nun war es Michael, der eine Gefängnisstrafe antrat, und Lincoln, der seinen Bruder befreien musste. Und da Sarah Wayne Callies aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mehr Dr. Sara Tancredi spielen wollte, wurde die Figur kurzerhand umgebracht. Dies führte nach erfolgreicher Flucht aus Sona dazu, dass Michael nun eine einsame Mission beging, um sich an Gretchen (Jodi Lyn O’Keefe) und der Company zu rächen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass Prison Break für eine vierte und finale Staffel verlängert würde. Fox merkte, dass die Geschichte an ihrem Ende angelangt war, dass das ewige Katz und Maus Spiel mit der Company redundant wurde und abgeschlossen werden musste. Die Serie war in der Zuschauergunst um gut zwanzig Plätze runtergerutscht, weder die Quoten noch die präsentierte Handlung wollte stimmen. Wie schlecht es um die Serie wirklich bestellt war, merkte man dann an der vierten Staffel, die im Vergleich zu ihrem Vorgänger drei Millionen Zuschauer einbüßte und sich zuvorderst durch ihr mangelhaftes Drehbuch auszeichnete.

Was die Autoren in der Auftaktfolge Scylla auf das Publikum loslassen, das hat die Welt noch nicht gesehen. Kurzerhand wird innerhalb der ersten fünf Minuten Whistler (Chris Vance) erschossen, nur damit Gretchen gegenüber Michael enthüllt, dass Sara (Sarah Wayne Callies) doch noch lebt. Lincoln hatte nämlich letztes Jahr nicht richtig hingeschaut, stellt sich heraus, und dabei glatt Saras abgetrennten Kopf mit dem einer unbekannten Frau verwechselt. So einfach kann amerikanisches Fernsehen manchmal sein. Für derartige Lapsūs erhält Scylla schon mal die Niedrigstwertung. Inhaltlich bietet die Folge den Auftakt der Prämisse für die erste Hälfte der vierten Staffel. Michael, Lincoln, Mahone, Sara, Sucre (Amaury Nolasco) und Bellick (Wade Williams) sollen für den Agenten Don Self (Michael Rapaport) des Heimatschutzes das Computersystem Scylla der Company stehlen. Da jenes System allerdings aus sechs Schlüsseln besteht, müssen diese erst der Reihe nach kopiert werden. Währenddessen schickt General Krantz (Leon Russom) seinen Auftragskiller Wyatt (Cress Williams) hinter der Truppe her.

Es ist jene Klimax der ersten Hälfte, die tatsächlich Klasse entwickelt und durch ihren Spannungsaufbau an die Hochzeit der ersten Staffel erinnert. Neben Five the Hard Way wissen vor allem Quiet Riot und Selfless zu überzeugen und trumpfen durch ihre nahezu perfekte Komposition auf. Es gelingt Scylla zu entschlüsseln, nur offenbart schon die verbliebene Zahl an Episoden, dass die Geschichte an diesem Punkt noch lange nicht zu Ende erzählt ist. In einer Nebenhandlung wird Michael ein vererbtes Aneurysma angehängt, sodass sein Fortleben von den Ärzten der Company abhängig ist. Self stellt sich als Verräter heraus, der Scylla an den Meistbietenden verkaufen will. Nun obliegt es Lincoln, Mahone und Co. Scylla zurück zu erobern. Als Michael und Sara die Flucht gelingt, geraten die Brüder auf unterschiedliche Seiten, die nochmals aufgespaltet werden, als mit Christina (Kathleen Quinlan) ihre Mutter als gewichtige Drahtzieherin der Company und Scylla die Bühne betritt. In den kommenden Episoden werden die Teams neu verteilt und eine neue Form der Redundanz eingeführt.

Weil der General die Liebsten von Lincoln, Self und Mahone bedroht, versuchen diese Scylla für die Company wiederzuerlangen. T-Bag (Robert Knepper) hilft als Handlanger des General gleich mit, während Michael und Sara die Company zum Sturz bringen wollen und Christina, ähnlich wie Self zuvor, an den Meistbietenden zu verkaufen strebt. Im Zuge dieser Schnitzeljagd fällt Scylla mal der einen und dann wieder der anderen Gruppe in die Hände. Die gesamte Schose, die sich über mehrere Folgen bis ins Finale zieht, ist nicht nur langweilig, sondern auch ermüdend. Hier zeigen die Autoren eindrucksvoll, dass sie im Grunde nichts zu erzählen haben und lediglich das Ende der Serie hinauszögern wollen. Es verwundert auch nicht, dass durchweg alle Folgen dieses Schauspiels ein unterdurchschnittliches Niveau haben, von denen ich jetzt keine explizit loben könnte. Eigentlich handelt es sich hierbei um nichts anderes als das Vorspiel zum Finale, welches – man verzichtete dankenswerterweise auf zwei weitere Episoden – in einer Doppelfolge daherkommt. Während Rate of Exchange noch relativ solide daherkommt, ist es mit Killing Your Number dann das Serienfinale, das neben Scylla zu den schlechtesten Folgen der Seriengeschichte zählt.

Aus unerfindlichen Gründen werden hier neben dem zuvor lange abwesenden Sucre auch andere Figuren ins Finale geschrieben, die nicht wirklich etwas mit der Geschichte zu tun haben und nichts als Nostalgie hervorrufen sollen. Die große Auflösung der Ereignisse ist dann auch nicht sonderlich aufregend gestaltet, eher im Gegenteil. Großartig ist die letzte Partei, die sich schließlich Scylla bemächtigt. So etwas habe ich zuvor im Fernsehen auch noch nie gesehen. Für die finale Einstellung wollte Scheuring Prison Break wohl mit einem Knall untergehen lassen. Dabei war diese Entscheidung nicht nur unnötig, sondern auch unstimmig und wenig harmonisch zum bisherigen Serienverlauf. Ingesamt ist die vierte Staffel ein unwürdiger Abschluss für die Serie, nur noch getoppt von der finalen Folge, die nicht nur ein armseliges Resultat für die Serie selbst ist, sondern auch für die vierte Staffel an sich. Die schauspielerischen Leistungen sind meistens okay, da kann man nicht meckern. Wobei an Fichtner und Knepper schwer eine der anderen Personen herankommt, bedenkt man dass Callies, Miller und Purcell die meiste Zeit mit demselben Gesichtsausdruck durch die Handlung laufen. Wie man nach den obigen Worten schließen kann, hält sich auch die Spannung – abgesehen von der Klimax der ersten Hälfte – in Grenzen. Im Nachhinein kann man froh sein, dass Prison Break nun zu Ende gegangen ist. Es ist kein ruhmvoller Abschluss, aber ein Abschluss.

6.5/10

9. März 2008

Prison Break - Season Three

You're exactly where you belong.

Über den amerikanischen Autorenstreik wurde an dieser Stelle immer dann geschrieben, wenn es um Serien ging. Diese sind ohne Frage die großen Opfer des Streikes, alles auf Kosten der Zuschauer. Die meisten Serien gehen mit weniger Folgen in ihre Staffeln, als von den Sendern geordert. Die ursprüngliche Staffel sowohl von Prison Break wie auch von Heroes sollte vierundzwanzig Episoden betragen, wurde jetzt jedoch nach der Hälfte eingestellt und kehrt erst im Herbst zurück. Andere Serien wie Lost oder The Office gehen ebenfalls mit verminderten Folgen im April weiter, wieder andere Serien wie 24 oder auch Entourage werden nach hinten verschoben. Leidtragende sind die Zuschauer, denn durch die Komprimierung der Handlungsstränge leidet das Gesamtbild der Serie, ziemlich gut zu sehen bei Heroes, dessen Exposition zu einem größeren Ganzen schließlich das Ganze bildete und inhaltliche Schwächen aufzeigte. Natürlich sollten die amerikanischen Autoren besser an und durch ihre Arbeit verdienen, die Schuld an der Geschichte soll nicht ihnen angelastet werden, viel eher die Studios sind verantwortlich für die Misere. Schließlich kam der Autorenstreik nicht aus dem Blauen, man wusste wann und man ahnte dass es kein Kinderspiel werden würde. Warum man dann über zwanzig Episoden ordert, grenzt an Idiotie, schließlich kann man sich nur mit gewissen Fähigkeiten in Hollywood behaupten.

Eine Serie die wie erwähnt darunter zu leiden hatte, ist Prison Break. Das Gefängnisdrama, welches besonders durch seine erste Staffel überzeugen konnte, war ursprünglich nie als Langzeit-Serie gedacht, bereits in der zweiten Staffel wurde schließlich ein „The Fugitive“-Szenario kreiert, das man der anfänglichen Prämisse nicht mehr viel zu tun hatte. Da ist es nur logisch, dass Prison Break in der dritten Staffel back to the roots ging, nach der Flucht in Panama landete Hälfte der Protagonisten erneut im Gefängnis. Sona heißt die Einrichtung, die von allen Wärtern verlassen wurde, welche das Gefängnis umzäunt haben und die Verwaltung dessen an den inhaftierten Drogenbaron Lechero (Robert Wisdom) abgegeben. Nach Sona transferiert wurden neben Michael (Wentworth Miller), Mahone (William Fichtner) und T-Bag (Robert Knepper) auch Bellick. Alle versuchen sich im Gefängnis, wo eigene Gesetze gelten, zu etablieren, während in den Straßen Panamas Lincoln (Dominic Purcell) nach Sara sucht und Sucre (Amaury Nolasco) zurück zu seiner Freundin will. Plötzlich tritt die von der Firma geschickte mysteriöse Susan (Jodi Lyn O’Keefe) auf, entführt Sara und L.J. und erpresst die Brüder einen Häftling aus Sona auszubrechen. Hierbei handelt es sich um Whistler (Chris Vance), der im Untergrund lebt und dessen Freundin Sofia (Danay Garcia) Lincoln bei der Planung des Ausbruchs von draußen hilft. Doch das Vertrauen zwischen allen Beteiligten ist äußerst gering, Opfer lassen sich nicht vermeiden und die Zeit für Michael den Ausbruch zu vollziehen läuft ihm allmählich davon.

Man merkte Schöpfer Paul Scheuring und seinen Schreibern um Nick Santora an, dass sie nicht mehr so genau wussten, was sie da nun eigentlich erzählen wollen. Die nähere Betrachtung der ominösen Firma war in der Form wohl nie geplant, sollte lediglich als das hintergründige Böse in der ersten Staffel fungieren. Die erste Hälfte der dritten Staffel funktioniert deswegen, weil sie redundant ist, weil sie sich auf die ursprüngliche Prämisse der ersten Staffel beruft. Der tolle Blick auf Sona im zweiten Staffelfinale wird dabei bereits im Staffelpilot wieder entkräftet, es ist kein Höllenhaus, hier gibt es Regeln und Ordnungen an die sich jeder zu halten hat. In der siebten Folge – Photo Finish – darf man dann sogar ganz schlampiges Schreiben begutachten, wie hier mit einem Serientod umgegangen wird, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Das hätte man ebenso besser klären können, wie die Wende in der zweiten Hälfte der dritten Staffel. Hier wird nicht nur die erste Staffel wiederholt, sondern sogar die erste Hälfte der dritten Staffel selbst. Die Handlung dreht sich im Kreis, kommt keinen Meter vorwärts und bedient sich wieder und wieder desselben Schemas. Figuren wie Bellick, T-Bag und Sucre sind für die Erzählung der Geschichte nutzlos und überflüssig, erfüllen nicht den Zweck eines C-Note in der vorherigen Staffel.

In einem Interview bestätigte Dominic Purcell dass die Serie für eine vierte Staffel zurückkehren wird, der Cliffhanger der dritten Staffel deutete so etwas natürlich an. Wenn sich Scheuring und die Produzenten einen Gefallen tun wollen, dann beenden sie die Geschichte rund um Michael Scofield und Lincoln Burrows mit dieser kommenden Staffel und empfehlenswert wäre im Stil eines Dexter oder The Sopranos auch eine Begrenzung und Konzentration auf zwölf bzw. dreizehn Folgen. Ansonsten sieht man wieder die Gefahr der Redundanz, auch wenn die Tonart sich nun wieder eher in die „Fugitive“-Richtung bewegt, mit Abstrichen, denn Sona bleibt auch am Ende nicht leer. An die Frische und die Brillanz der Pilotstaffel konnte bereits der Nachfolger nicht mehr anknüpfen, und selbst mit diesem kann diese Staffel nicht mehr mithalten, zu redundant und nichts sagend ist das alles. Schauspielerisch liefert William Fichtner eine One-Man-Show ab, der Wentworth Miller und Chris Vance versuchen bestmöglich zu folgen. Hier hat Purcell – ohnehin kein sonderlich talentierter Schauspieler – das nachsehen, seine Szenen sind ohne Belang und ohne Esprit. Da ist es als positivste Nachricht zu werten, dass Fichtner auch in der vierten Staffel seine Rolle wieder aufnehmen wird – auch wenn seine Motivation hierfür bisher nicht ausreichend dargestellt wurde. Vielleicht weiß Scheuring dann noch mit besserem Casting als dieses Mal aufzuwarten, denn neue Figuren sind nunmehr unabdingbar.

7/10

16. August 2007

Prison Break - Season Two

If we lose ourselves, we lose everything.

Wenn ein Konzept ursprünglich auf eine 14-teilige Miniserie angelegt war, überrascht es, wenn die betroffene Serie daraufhin nicht nur zu einer durchschnittlichen Staffel erweitert wird, sondern sogar noch eine Fortsetzung erhält. Nach dem Gefängnisausbruch im Finale der ersten Staffel sind nun Michael Scofield (Wentworth Miller), sein Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) und die übrigen Häftlinge nicht mehr Gefangene eines Gefängnis, sodass der Titel Prison Break für die Serie eigentlich schon gar nicht mehr zutreffend ist. Doch Paul Scheuring weiß dem Titel dennoch gerecht zu werden, wenn er das existierende Gefängnis in ein Bildliches überträgt. Denn die ominöse Firma hat es weiterhin auf die Brüder abgesehen und setzt neben Secret Service Agent Paul Kellerman (Paul Adelstein) auch den FBI-Ermittler Alex Mahone (William Fichtner auf sie an. Mahone hat selbst – sprichwörtlich – einige Leichen im Keller und wird von der Firma erpresst, gegen Scofield, Burrows und die anderen Flüchtigen (von der Presse „Fox River Eight“ getauft) vorzugehen. Dass es der Firma dabei darauf ankommt, Tote und keine Gefangene zu machen, muss Mahone eins ums andere Mal seine Kreativität spielen lassen, während er ungewollt immer tiefer mit in die Vendetta der Brüder hineingezogen wird.

Allerdings gibt bereits die zweite Staffel jenen Ton vor, der die Serie auch in ihren kommenden beiden Staffeln begleiten sollte. Zu Beginn wird sich der Einfachheit halber Veronica (Robin Tunney) entledigt, wie man in der dritten Staffel auch Sara (Sarah Wayne Callies) und in der vierten Whistler (Chris Vance) aus dem Weg räumte. Immerhin entfällt damit eine der Nebenhandlungen, die sicherlich den hier dargebotenen Raum sprengen würden. Denn mit dem Gefängnisausbruch verliert sich auch die Erzählstruktur von Prison Break, das anschließend mehreren Figuren gleichzeitig folgt – selbst wenn diese ein ums andere Mal wieder aufeinanderprallen. Dabei bleibt nicht viel Zeit für die Schicksale von Abruzzi (Peter Stormare) und David Apolskis (Lane Garrison) und selbst für Patoshik (Silas Weir Mitchell) findet sich nicht viel Platz. Stattdessen gilt es für Sucre (Amaury Nolasco) und C-Note (Rockmond Dunbar) zu ihren Liebsten zurückzukehren, während sich T-Bag (Robert Knepper) zu Beginn der Staffel damit rumschlägt, seine abgetrennte Hand wieder an seinen Arm zu transplantieren. Es ist mit Manhunt die Auftakt- und Anschlussfolge, die zu den beiden gelungeneren Folgen der zweiten Staffel zählt. Hier verteilen sich die Gefangenen und Michael lernt allmählich sein neuen Gegenüber Mahone und dessen Intelligenz kennen.

Eines der großen Probleme der zweiten Staffel ist dann auch die Tatsache, dass sich die Serie unterschiedlichen Erzählsträngen widmet. Einerseits die Spur der Brüder, die mal gemeinsam mit ihrem Vater die Firma ausradieren wollen, bevor sie sich wieder Lincolns Sohn und seiner Befreiung widmen. Und während Sucre und C-Note nach ihren Lebenspartnerinnen suchen, schneien sie hin und wieder auch mal rein, wenn es etwas zu erledigen gibt. Im ersten Drittel handelt es sich hierbei um die fünf Millionen Dollar, die Westmoreland (Muse Watson) seiner Seit in Utah versteckt hat. Die Umstände der Autoren wollen es, dass eigentlich jeder der Fox River Eight seine Fühler Richtung Utah ausstreckt und sich schließlich in jener Garage einfindet, in der das Geld versteckt ist. Dieses bildet auch den Auslöser für eine weitere Nebenhandlung, die den gefeuerten Brad Bellick (Wade Williams) zurück ins Geschehen katapultiert, während sich Kellerman zuerst primär mit Sara Tancredi auseinandersetzen muss. Bedenkt man, dass mit dem Firmenangestellten Mr. Kim (Reggie Lee) eine weitere Partei hinzu stößt, werden dem Publikum mitunter bis zu zehn verschiedene Handlungsstränge parallel präsentiert. Zwar besteht hierbei keine Gefahr, dass man den Überblick verliert, doch wirkt es störend, wenn alle paar Minuten an einen anderen Ort gesprungen wird, um C-Note Medikamente oder Patushik Ketchup stehlen zu sehen. Ein stärkerer Fokus auf die Brüder wäre hier sicherlich eher von Vorteil gewesen.

Neben dem Ausbruch zu Beginn weiß daher eigentlich ausschließlich die Bemühung an die fünf Millionen zu gelangen wirklich zu fesseln und zu unterhalten. Mit Map 1213 findet sich dann auch die Einführung in diese Nebenhandlung und zugleich neben Manhunt die einzig wirklich überzeugende Folge – ohne jedoch das Niveau der ersten Staffel zu erreichen. Der Qualitätsabfall macht sich recht bemerkbar und findet seine Ursache wohl darin, dass die Handlung der Serie nun aus dem engen Raum des Gefängnis’ hinaus in die Weite der USA getragen wird. Ähnlich wie bei Die Hard verträgt sich die Dezentralisierung der Geschichte nicht sonderlich mit dem Konzept des Produkts. Waren Michaels Geistesblitze im Gefängnis aufgrund der Blauphasen noch ansatzweise nachvollziehbar, so sind seine unentwegten spontanen Lösungen (z.B. die Flucht vor Bellick, die Rettung von Sucre im Fluss) etwas arg konstruiert. Ohnehin dreht sich die Serie bereits hier relativ im Kreis, wenn Michael und Linc nicht weniger als dreimal (!) in den Händen ihrer Verfolger landen – und dennoch jedes Mal mit heiler Haut davonkommen. Hinzu kommt hier dann auch noch Mahones Gespür, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – wenn auch stets nur die obligatorische eine Minute zu spät. Die Faszination Prison Break im Mikrokosmos der ersten Staffel will sich folglich nicht auf en Makrokosmos der zweiten übertragen lassen. Ortswechsel von Chicago nach Utah, zurück nach Chicago und schließlich Panama tragen hierzu ihr übriges bei.
Die meisten Folgen der zweiten Staffel bewegen sich somit in einem durchschnittlichen Bereich, ohne jedoch wirklich herauszuragen (die beiden genannten Episoden bilden die Ausnahme). Gerade die zweite Hälfte der Staffel ist ziemlich enttäuschend und weiß nicht einmal im Staffelfinale Sona zu gefallen. Auch die darstellerischen Leistungen fallen stark ab. Miller durchschreitet die gesamte Staffel mit mehr oder weniger ein und demselben Gesichtsausdruck, wohingegen sich Purcell meist auf das Aufplustern beschränkt. In Panama versuchen sich beide schließlich im schlechten Schauspiel gegenseitig zu überbieten. Auch Wayne Callies, Dunbar und Co. können nicht wirklich überzeugen. Am ehesten vermag dies noch Robert Knepper zu gelingen. In einer fast schon anderen Liga dagegen spielt Fichtner, der den komplexen FBI-Mann sehr vielschichtig gibt (selbst wenn auch er nicht vor overacting gefeit ist). Ingesamt betrachtet ist die zweite Staffel dennoch ein Rückschritt und letztlich nur der Auftakt für den Niedergang von Prison Break, der sich noch über die folgenden zwei Jahre hatte ziehen sollen. Die Handlung wirkt zu konstruiert - der Colonel plant hier bereits frühzeitig Michaels Inhaftierung in Sona, wobei, die dritte Staffel zeigt es, auch hier keine wirkliche Handlung vorhanden ist - und durch die Aufspaltung auf die verschiedenen Charaktere nicht sonderlich spannend. Dass es besser gewesen wäre, Prison Break beim Miniserien-Format zu belassen, war spätestens jetzt definitiv.

7/10

9. August 2007

Prison Break - Season One

You have a habit of answering a question with a question.

In den Lichtspielhäusern balgen sich die Remakes, Reboots und Sequels von Filmen, die sich in der Vergangenheit gut verkauft haben. Warum groß Innovation zeigen, wenn es auch so einfach geht? Dagegen strotzte der amerikanische TV-Markt in den vergangenen Jahren nur so vor Kreativität. Eine Vielzahl an frischen und spritzigen Serien erblickte das Licht der Welt und auch Hollywood hatte die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen begonnen für sich zu entdecken. Hierbei fungieren die betroffenen Regisseure nicht nur als ausführende Produzenten, sondern bequemen sich meist sogar, bei der jeweiligen Pilotfolge ihrer Serie hinter der Kamera Platz zu nehmen. Einer der Ersten war McG, dessen The O.C. es schaffte Mischa Barton ins Rampenlicht der Paparazzi zu befördern. Auch Bryan Singer (House, M.D.) und Jon Turteltaub (Jericho) ließen sich ein Engagement nicht entgehen. Mit Prison Break gelang es schließlich Serienschöpfer Paul Scheuring Rush-Hour-Regisseur Brett Ratner als Produzent und Partner zu gewinnen. Nach vier Jahren ging die Serie 2009 zu Ende. So gut wie die erste Staffel sollte sie dabei nie wieder werden.

War die Serie zu Beginn als 14-teilige Miniserie geplant, uferte das Ganze schließlich auf eine erste Staffel mit 22 Folgen und der Verlängerung zu einer zweiten Staffel aus. Bedenkt man die inhaltsschwache dritte und vierte Staffel wohl nicht die klügste Entscheidung. Auch wenn die innerstrukturelle Redundanz in der ersten Staffel noch nicht allzu störend ist. Dafür ist die Geschichte rund um Michael Scofield (Wentworth Miller) noch zu neuwertig. Dieser lässt sich nach einem inszenierten Banküberfall für fünf Jahre in das Fox River Gefängnis im Umland von Chicago einliefern, wo sein älterer Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) innerhalb der nächsten drei Wochen wegen Mordes hingerichtet werden soll. Dazu soll es selbstverständlich nicht kommen, verrät doch der Titel der Serie bereits deren Prämisse. Scofield, studierter Ingenieurstechniker, lässt sich verdeckt die Blaupausen von Fox River und einige andere Hinweise auf seinen Torso tätowieren. Diese sollen den Weg aus dem Gefängnis bereiten, doch für die eigentliche Flucht selbst bedarf Scofield, der ob seines Status den Spitznamen „Fish“ erhält, der Unterstützung des inhaftierten Mafiapaten John Abruzzi (Peter Stormare). Und da es sich in einer Zwei-Mann-Zelle schlecht anonym buddeln lässt, ist auch Scofields „Mitbewohner“ Fernando Sucre (Amaury Nolasco) mit von der Partie.

Nun kann man sich denken, dass in einem Gefängnis erstens alles anders kommt und zweitens als man denkt. Aus den geplanten vier Häftlingen werden alsbald mehr, da nach und nach zum einen die Deckung der Gruppe aufliegt oder in anderen Fällen Schulden von Scofield getilgt werden müssen. So muss sich die Gruppe peu a peu mit dem pädophilen Kinderschänder T-Bag (Robert Knepper) oder dem Ex-Militär C-Note (Rockmond Dunbar) herumschlagen. Während beide Teil des Teams werden, weil sie den Fluchtplan entdecken, springt der alte Westmoreland (Muse Watson) auf den Zug, weil er als Bankräuber D.B. Cooper über ein vergrabenes Millionenvermögen verfügt. Eher ungewollt bezieht Scofield auch den Neuankömmling Tweener (Lane Garrison) mit ein, als dieser ihm einen Gefallen tut. Im Verlauf der Staffel läuft jedoch selten etwas wirklich nach Plan, was zum einen den internen wie auch den externen Kräften geschuldet ist. Gefängnisaufseher Bellick (Wade Williams) hat es auf Scofield abgesehen, wohingegen sich Lincolns Ex-Freundin und Michaels Anwältin Veronica Donovan (Robin Tunney) sowie Lincolns Sohn LJ (Marshall Allman) gegen jene Männer wehren müssen, die Lincoln von vorneherein über eine Verschwörung nach Fox River gebracht haben. Gemeinsam mit einer ominösen Company versucht Secret Service Agent Paul Kellerman (Paul Adelstein) alles dafür zu tun, dass Burrows wie geplant exekutiert wird.

Die erste Staffel gliedert sich nunmehr – abgesehen davon, dass es zwei Handlungsstränge gibt – in zwei Hälften. In der ersten versucht Scofield seinem ursprünglichen Plan zu folgen, welcher jedoch aufgrund unerwarteter Änderung abgeblasen werden muss. Hier ordnen sich die Verhältnisse schließlich neu und es wird ein Plan B als Marschroute ausgerufen. Wie man sich bei der gegebenen Prämisse und 22 Folgen denken mag, wirkt vieles in Prison Break recht konstruiert. Seien es die Pläne von Michael und ihre Umsetzung oder die Verzögerungen, die die Klimax einer jeden Episode darstellen. Stets droht die Flucht vor der Aufdeckung, sei es gegenüber einem weiteren Häftling oder Bellick selbst. Hierbei zieht die Gefängnishandlung fast ausschließlich die Spannung auf sich. Die ständigen Exkurse zu Veronica, LJ und ihrem Unterstützer Nick (Frank Grillo) bzw. Kellerman und Co. wirken bisweilen recht lästig, schon allein weil die Spannungsintensität der Scofield-Handlung unterbrochen wird. Es versteht sich von selbst, dass auch in Veronicas Ermittlungen mehr als ein Detail sehr konstruiert wirken. Glücklicherweise hat man es sich gespart, jenen Nachforschungen eine Solo-Folge zu spendieren, selbst wenn einige ähnliche Ausflüge wie Brother’s Keeper in dasselbe Fettnäpfchen treten. In jener Episode wird die Vorgeschichte aller Figuren erläutert, die nochmals die Klimax der allgemeinen Konstruiertheit darstellt.

Abgesehen von jener Folge und mit Abstrichen auch der ihr nachfolgenden J-Cat weiß die erste Staffel allerdings durch ein konstant gutes Niveau zu überzeugen. Leider finden sich im Vergleich zu anderen Serien hier keine perfekten Episoden, selbst wenn eine handvoll an Folgen sich herausragend präsentieren. Hierzu zählt natürlich mit Pilot die Auftaktfolge der Serie, aber auch Riots, Drills and the Devil – Part I sowie die Flucht-Folge Tonight stechen heraus. Mit Old Man Out und End of the Tunnel hat man in der Mitte der Staffel sogar zwei besonders gelungene Folgen direkt nacheinander platziert. Generell gefallen stets die Episoden am besten, die im speziellen Maße die Spannung anzudrehen wissen. Neben dem Voranschreiten der Flucht sind es auch die Szenen zwischen Scofield und der Gefängnisärztin Dr. Sara Tancredi (Sarah Wayne Callies), die von Unterhaltung sind. Die Funktionstüchtigkeit jener Einstellungen verdankt sich auch der hervorragenden Chemie zwischen Miller und Callies, die die sich anbahnende Romanze überzeugend zu transferieren wissen. Ohnehin weiß Paul Scheuring hinsichtlich seiner Besetzung den Geschmack der Zuschauer zu treffen. Da sowohl Miller, als auch Purcell, Nolasco und Garrison nicht von Hässlichkeit geschlagen sind, dürfte die Serie ebenso für Frauen von Interesse sein. Dagegen präsentiert sich neben Callies später auch noch die australische Sängerin Holly Valance in einer Gastrolle.

Allgemein kann das Casting als geglückt bezeichnet werden. Miller gibt das Genie Scofield sehr kalkuliert und berechenbar. Ein Gutmensch wie er im Buche steht. Purcell dagegen passt nahezu perfekt als bulliger Burrows, der zwischen Resignation und Zorn hin und her schwebt. Auch die übrigen Darsteller füllen ihre Parts gut aus, sei es Nolasco als comic relief, Stormare als Abruzzi, ein Mafiosi der immer sympathischere Züge gewinnt und allem voran Knepper in seiner Paraderolle als Widerling Theodor Bagwell. Von allen Vorgeschichten in Brother’s Keeper ist es sicherlich die von T-Bag, die einen am härtesten trifft (und halbwegs plausibel daherkommt). Nach der zweiten Sichtung wirkt die Serie – was auch an der Kenntnis des restlichen Verlaufs liegen kann – weniger imposant als noch nach ihrer einstigen Aufnahme. Stringenzfehler in der Handlung werden offensichtlicher und wirken im Vergleich zur ersten Sichtung nun durchaus etwas störend. Daher können die Kommentare von dem eigentlichen Text etwas abweichen, da dieser inzwischen überarbeitet wurde. Aber selbst wenn Prison Break etwas eingebüßt hat, zählt die erste Staffel der Serie doch zu den Highlights des Fernsehjahres 2005 und kann sich auch sonst im Vergleich zu anderen Pilotstaffeln geglückter Serien sehen lassen. Abschließend kann jedoch festgestellt werden, dass so sehr der Fernsehmarkt sich auch innovativ zeigt, viele der Serien in ihren kommenden Staffeln (z.B. Heroes) stark abbauen. Vielleicht gilt es hier aber auch lediglich die Spreu vom Weizen zu trennen. An der Stärke der Auftaktstaffel von Prison Break ändert dies dennoch nichts.

8.5/10