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1. Juni 2015

Filmtagebuch: Mai 2015

8MM
(USA 1999, Joel Schumacher)
6/10

AT FIRST SIGHT [AUF DEN ERSTEN BLICK]
(USA 1999, Irwin Winkler)

5.5/10

THE BIG DOLL HOUSE
(USA/RP 1971, Jack Hill)
6/10

BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA
(USA 1986, John Carpenter)
6/10

BLOODLINE – SEASON 1
(USA 2015, Johan Renck/Ed Bianchi u.a.)
7/10

BROOKLYN NINE-NINE – SEASON 2
(USA 2014/15, Dean Holland u.a.)
7.5/10

THE CABIN IN THE WOODS
(USA 2012, Drew Goddard)
3.5/10

CAGED HEAT
(USA 1974, Jonathan Demme)
5/10

DARK BLUE
(USA/UK/D 2002, Ron Shelton)
5.5/10

DEAR WHITE PEOPLE
(USA 2014, Justin Simien/Adriana Serrano)
3.5/10

THE DUKE OF BURGUNDY
(USA 2014, Peter Strickland)
4/10

THE EMPEROR’S NEW GROOVE [EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA]
(USA 2000, Mark Dindal)

6.5/10

ESCAPE FROM L.A. [FLUCHT AUS L.A.]
(USA 1996, John Carpenter)

4.5/10

ESCAPE FROM NEW YORK [DIE KLAPPERSCHLANGE]
(USA/UK 1981, John Carpenter)

7.5/10

EX MACHINA
(UK 2015, Alex Garland)
5.5/10

THE GUEST
(USA/UK 2014, Adam Wingard)
9/10

A HISTORY OF VIOLENCE
(USA/D/CDN 2005, David Cronenberg)
7/10

THE INVISIBLE WAR
(USA 2012, Kirby Dick)
7.5/10

IT FOLLOWS
(USA 2014, David Robert Mitchell)
5.5/10

JOHN WICK
(USA 2014, Chad Stahelski/David Leitch)
7/10

JUSTICE LEAUGUE: DOOM
(USA 2012, Lauren Montgomery)
4.5/10

MAGGIE
(USA/CH 2015, Henry Hobson)
7.5/10

THE NEWSROOM – SEASON 3
(USA 2014, Anthony Hemingway/Alan Poul u.a.)
7/10

PANIC ROOM
(USA 2002, David Fincher)
4/10

THE RING
(USA/J 2002, Gore Verbinski)
5.5/10

THE RING 2
(USA 2005, Hideo Nakata)
4/10

SPRING
(USA 2014, Justin Benson/Aaron Moorhead)
5.5/10

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES
(USA/HK 1990, Steve Barron)
7.5/10

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES
(USA 2014, Jonathan Liebesman)
4/10

THE THING [DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT]
(USA 1982, John Carpenter)

8/10

THE THIN RED LINE [DER SCHMALE GRAT]
(USA 1998, Terrence Malick)

8.5/10

TURTLE POWER: THE DEFINITIVE HISTORY
OF THE TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

(USA 2014, Randall Lobb)
5.5/10

WATERWORLD
(USA 1995, Kevin Reynolds)
7/10

X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST [X-MEN: ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT]
(USA/UK 2014, Bryan Singer)

6.5/10

Retrospektive: Mad Max


MAD MAX
(AUS 1979, George Miller)
7/10

MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR
[MAD MAX 2 – DER VOLLSTRECKER]
(AUS 1981, George Miller)
6/10

MAD MAX BEYOND THUNDERDOME
[MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL]
(AUS 1985, George Miller/George Ogilvie)
7.5/10

MAD MAX: FURY ROAD
(AUS/USA 2015, George Miller)
3/10

6. April 2015

Furious 7 [aka Fast & Furious 7]

Do whatever it is you do.

Wer wissen will, wie weit das Fast&Furious-Franchise seit 2001 gekommen ist, muss nur in den Abspann schauen. Keine sieben Minuten betrug jener von Rob Cohens The Fast and the Furious seinerzeit. Und das auch nur, weil sich der Film damals Zeit ließ. Kein Vergleich zu James Wans Furious 7, der beinahe Lord of the Ring’sche Ausmaße annimmt – und wen wundert’s, selbst Weta liefert inzwischen die Effekte. Produzent Neal H. Moritz hätte sich vor 14 Jahren wohl selbst nicht träumen lassen, dass aus seinem Quasi-Point-Break-Remake mal ein Billion-Dollar-Franchise entwachsen würde. Mit Budgets der Größenordnung von Skyfall und Avengers: Age of Ultron. Und einem Starteinspiel, rund doppelt so hoch wie das Budget des Vorgängers.

Insofern übertrumpft Furious 7 nochmals Fast & Furious 6, der bereits Fast Five in den Schatten stellte. Jene jüngsten drei Teile, die einer bis dahin eher milde belächelten und an den Kinokassen nur bedingt beachteten Filmreihe plötzlich ihren Stempel aufdrückten. Schlicht, weil man sich von Schlichtheit verabschiedete und dem Eskapismus mehr und mehr frönte. Der Erfolg der Reihe spiegelt sich daher auch in der Konzeption der Filme wider. Getreu dem Motto: The bigger, the better. Was folgerichtig in Fast Five eine ganze Reihe neu ausrichtete – nachdem Fast & Furious schon mit einigen Elementen hierzu spielte –, drückt seither verstärkt aufs Gaspedal. Und lässt dabei (leider) einige vergangene Vorzüge verstärkt im Rückspiegel zurück.

Inzwischen wird The Fast and the Furious eher müde belächelt, dabei ist das Original – zumindest für mich – neben Fast Five der beste Teil der Reihe. Ein Abklatsch von Point Break, sicher. Aber viel mehr wollte der Film auch nie sein. Und steht in einer Reihe mit Werken wie Drop Zone oder Terminal Velocity – zweitklassiges Actionkino um Extremsportler. Der Film verbarg das nicht und drehte sich dennoch um Werte wie Vertrauen, Loyalität, Freundschaft und Familie. Es ging letztlich um eine Handvoll Figuren und ihre Interaktion – die schnellen Autos waren Mittel zum Zweck. Ein Element, das naturgemäß in 2 Fast 2 Furious eher in den Hintergrund rückte, das aber durch die Integration von Tyrese Gibson abgeschwächt bewahrt wurde.

Das familiäre Element ist es, dass die Reihe seit Teil 5 ununterbrochen propagiert. So auch in Furious 7, indem die Bedrohung dieser Familie zum zentralen Thema wird. “The sins of London followed us back home”, sagt Vin Diesels Dominic Toretto in einer Szene mit Verweis auf Fast & Furious 6. Der Bruder des Antagonisten aus jenem Film sinnt nun nach Rache – und dient im Nachhinein als Bindeglied für The Fast and the Furious: Tokyo Drift und dem Franchise. War Fast Five im Kern ein reiner Heist-Film und Teil 6 schon eine Art Spy-Thriller, geht es nun ums reine Überleben. Jason Statham bleibt als Bösewicht dabei so blass wie seine Vorgänger, ist aber schon allein dadurch ernst zu nehmen, da er Dwayne Johnson ins Krankenhaus schickt.

Obschon inzwischen alle Figuren Multimillionäre sind (siehe Fast Five), heißt es für sie getreu Shakespeares Henry V: “Once more unto the breach, dear friends, once more.“ Und auch weil sie die Gejagten sind, will sie Kurt Russell in einer Nebenrolle als Regierungsstrippenzieher Mr. Nobody zu den Jägern machen. Schlichtweg damit der Film etwas zu erzählen hat. Hackerin Ramsey (Nathalie Emmanuel) hat ein Überwachungsprogramm entwickelt, nun müssen Dom und seine Crew um Freundin Letty (Michelle Rodriguez), Familienvater Brian (Paul Walker), Lebemann Roman (Tyrese Gibson) und Tech-Guy Tej (Ludacris) jene Hackerin aus Feindeshand befreien, das Programm sichern und sich zugleich Stathams Bösewicht vom Leib halten.

Auch das wiederum ist nur ein Vorwand, um jenen Vehikel-Eskapismus zu zelebrieren, der die Reihe spätestens nach Teil 5 ausmacht. Zugleich funktionieren das Franchise und seine Figuren gerade dann am besten, wenn sie in hanebüchenen Actionszenen wie ein Rad ins andere greifen müssen. Egal ob man mit Autos aus Flugzeugen schanzt oder von einem Hochhaus ins andere. Der Wahnsinn als Programm eint “Fast & Furious” dabei mit der Mission: Impossible-Reihe, nicht nur, da das Set Piece des zweiten Akts in Abu Dhabi spielt. Und in der Tat sind die Ähnlichkeiten hier ziemlich evident, wenn Diesel den Cruise, Walker den Renner (Wortwitz unbeabsichtigt) und Ludacris den Pegg gibt. James Wan reüssiert dabei genauso wie Brad Bird.

Über allem steht jedoch das Familienthema, gerade in den Beziehungen zwischen Dom und Letty (die weiterhin an Amnesie leidet) sowie Brian und Mia (Jordana Brewster). Selbst Johnsons Agenten-Hüne Hobbs kriegt eine altkluge Tochter ans Krankenbett geschrieben – eine Beziehung, die weitaus ausgefeilter wirkt als die zwischen Stathams Deckard Shaw und seinem kleinen Bruder. Beide Figuren, Diesels und Stathams, sind durch ihren Familieninstinkt motiviert – leider geht der Film nicht sonderlich darauf ein. Vielmehr verkommt Statham lediglich zu einem roten Faden, der Furious 7 einen Vorwand für seine Handlung geben soll. Dass der Film in Djimon Hounsou und Tony Jaa weitere blasse Gegenspieler einführt, hilft auch nicht.

Genauso thematisiert die Reihe nur unzureichend, welche Folgen der Lebensstil der Figuren auf die so hoch gehaltene Familie hat. Jesse starb bereits in Teil 1, Letty vermeintlich in Teil 4, Vince in Teil 5 und Han (zumindest für das Publikum) sowie Giselle schließlich in Teil 6. Da ist es einerseits so unsinnig wie zugleich nachvollziehbar, dass Mia stets ihren Mann mit ihrem Bruder ins Gefecht schickt. Selbst wenn (oder vielleicht weil) gerade das eigene Zuhause in die Luft gesprengt wurde. In gewisser Weise macht es sich der Film in seiner Handlung unnötig schwer, was womöglich aber auch bloß der Tatsache geschuldet ist, da man den Tod von Paul Walker während der Dreharbeiten berücksichtigend einarbeiten musste.

Grundsätzlich macht Furious 7 über den Großteil seiner Dauer durchaus Spaß, auch wenn der erst gegen Ende des ersten Akts einsetzt, indem die eigentliche Handlung rund um den MacGuffin startet (obschon auch Stathams Rache ein solcher ist). Beide zentralen und schon in den Trailern angeteaserten Action Set Pieces sind innovativ und ansprechend inszeniert. Wie schon in Mission: Impossible – Ghost Protocol bewährt sich Abu Dhabi als visuell unverbrauchte Location – und gefällt schon allein deswegen mehr als das Finale in Los Angeles. Auch wenn der Film wohl hier mehr als anderswo nach Musikvideo aussieht. Die ersten zwei Drittel seiner Laufzeit funktioniert Furious 7 relativ gut – und dann gerät der Motor ins Stottern.

Nicht nur, weil der Film sich letztlich eingesteht, dass die fast 90 Minuten Handlung zuvor wenig Bedeutung hatten, sondern weil Wan und Co. hier den Blockbuster-Fehler machen, zu glauben, man muss immer mehr bieten als der Vorgänger. Was Furious 7 in seinen finalen 30 Minuten vom Stapel lässt, ist eine Krawallorgie, die innerhalb des Films selbst – sicherlich ironisch gewollt – als “vehicular warfare” bezeichnet wird. Bei allem Wahnwitz aus Fast Five und selbst der unendlichen Landebahn in Fast & Furious 6 spottet dieser wirre Mix aus Live Free or Die Hard und GTA V nahezu jeder Beschreibung. Wo sich die früheren Teile fürs Finale meist zurückzogen, reiht sich Furious 7 ein neben solche Filme wie The Avengers und Man of Steel.

Kein Wunder also, dass Dominic, Hobbs und Co. in den Kritiken selbst als Universals ganz eigenes Superhelden-Franchise tituliert werden. Und wer weiß, vielleicht ist dies auch die einzige Art und Weise, wie sich die Reihe an den Kinokassen mit dem Marvel- und DC-Gehabe behaupten kann. Grundsätzlich machen jedoch hier, wie auch bei den Kollegen, die Figuren den Film aus. Man muss Letztere nicht vermeintlich ins Jenseits gleiten oder Gebäude zusammenstürzen lassen, um Spannung oder Gefühle zu erzeugen. Wie es wenn schon nicht richtig dann zumindest besser geht, beweist Furious 7 in seiner überaus emotionalen und zutiefst berührenden Schlussszene, die sich mehr von Paul Walker als seiner Figur verabschiedet, sogleich selbst.

So ist der Film in seiner Summe sicher konsequent weitergedacht, vermag dabei aber nicht alle seine alten Eigenschaften mitzutragen. Vielleicht auch nur, weil alte Figuren wie Vince, Han und Giselle nicht mehr vorhanden sind. Zugleich macht sich Furious 7 aber auch keine Mühe, selbst jemanden wie Sean Boswell (Lucas Black) bis auf einen Cameo zu integrieren. Ganz seinen ursprünglichen Charme hat sich der siebte Teil also nicht bewahrt, was umso deutlicher ist, wenn der Film zum Abschluss nochmal die Vergangenheit Revue passieren lässt (ähnlich wie im Opening zu Teil 6, aber mit Fokus auf Paul Walker). Auch in dieser Bilderschau sieht man, wie weit das Franchise in 14 Jahren gekommen ist. So weit, wie es die meisten erst gar nicht schaffen.

6/10

30. Oktober 2008

The Fox and the Hound

And we'll always be friends forever. Won't we?

Er war einer der Zeichner von Walt Disney und hat speziell in den Siebzigern für das Studio an Filmen wie Robin Hood und The Rescuers gearbeitet. Doch Ende der siebziger Jahre hatte Don Bluth genug, vielmehr wollte er sein eigenes Animationsstudio gründen und tat dies letztlich auch. Hierbei warb Bluth elf Zeichner seines vorigen Arbeitgebers ab (17% der Angestellten), sodass Disney gezwungen war neue und unerfahrene Zeichner einzustellen. Zu diesen neuen und jungen Zeichnern zählten neben den späteren Disney Regisseuren Ron Clements und John Musker (The Little Mermaid, Aladdin) auch Tim Burton und der zweifache Oscarpreisträger Brad Bird (Ratatouille, The Incredibles). Die jungen Zeichner und Gestalter propagierten für The Fox and the Hound, einer Geschichte die auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Pratt Mannix aus dem Jahr 1967 basierte, letztlich einen konservativen Zeichenstil.

Der Film ist weniger wild, wie man es aus den Zeiten von Bluth (z.B. The Rescuers) gewohnt war. Vielmehr wird dem Publikum hier eine meist ruhige, in klassischen Bildern gehaltene Moralgeschichte erzählt. Die konservative Stimmung des Filmes wird auch durch die Musik noch mal untermalt. Durch die Abwanderung der Zeichner wurde die Produktion ein Jahr lang hinausgezögert, letztlich war der Film ein Symbol für einen Neubeginn. Nicht nur die neuen, ehrgeizigen Zeichner waren an Bord, sondern The Fox and the Hound verwendete auch als letzter Disney-Film die Abblende „The End“. Anschließend wurden die Credits nicht mehr zu Beginn gezeigt, sondern in einem Abspann, ein klassisches „The End“ sollte keine Disney-Geschichte mehr erfahren. Wenn auch nicht perfekt, so wird dieser Film aus dem Jahr 1981 von vielen doch sträflich unterschätzt, besitzt er doch im Gegensatz zu anderen Disney-Filmen eine klare sozialkritische Botschaft.

Der Film wird durch eine Analogie zu Bambi eingeleitet. Ein Jäger verfolgt eine Füchsin und ihr Junges. Während die Füchsin ihr Junges absetzt, sieht sie kurz darauf ihrem Tod entgegen. Das Junge ist zum Waisenkind geworden und die großmütterliche Eule Big Mamma nimmt sich des Kleinen an. Mit Hilfe ihrer gefiederten Freunde Dinky und Boomer kann sie die gutmütige Witwe Tweed auf das Fuchsjunge aufmerksam machen. Diese benennt das Junge wegen seines Kleinkindstatus (engl. toddler) „Tod“ und zieht es fortan auf. Auch der benachbarte Jäger Amos hat Zuwachs bekommen. Zu seinem in die Jahre gekommenen Jagdhund Chief hat er sich den Spürhundwelpen Copper (gesprochen von Corey Feldman) zugelegt. Während Tods alltäglicher Eskapaden treibt ihn die Langweile ein wenig über die Grenzen von Witwe Tweeds Grundstück hinaus. Die natürlichen Feinde Tod und Copper begegnen sich – sind sich ihrer gesellschaftlich vorgegebenen Abneigungen nicht bewusst. Vielmehr freunden sie sich an und verbringen ihre Freizeit miteinander.

Doch der Jäger und Chief dürfen davon nichts erfahren und als Tod eines Tages aus Versehen auf das Grundstück des Jägers wandert, ist dessen Bild von dem Fuchsjungen vorgefertigt. Fortan ist Tod auf dem Radar des Jägers und vom alten Chief. Die Jahreszeiten wechseln und der Jäger nimmt Copper über den Winter mit zur Ausbildung als Jagdhund. Nachdem Copper (gesprochen von Kurt Russell) im Frühjahr zurückkehrt, ist er erwachsen geworden und so auch Tod. Während dieser seinen Freund besucht, beginnt eine Hetzjagd unter der Führung von Chief. Als Copper seinen Freund findet, lässt er ihn von der Angel, doch durch einen Unfall wird Chief schwer verletzt. Copper schwört Rache und so auch der Jäger. Witwe Tweed sieht keine andere Möglichkeit, als Tod in einem Naturschutzgebiet auszusetzen. Dort lernt er die reizende Füchsin Vixey kennen, ist vor den Rachegelüsten des Jägers aber nicht in Sicherheit.

Die erste Hälfte des Filmes ist ein einziger Schmusefaktor. Wie oft der Fall kann man Tierjungen relativ schlecht widerstehen und wenn Copper anfängt zu reden und Tod beginnt zu schauen, dann ist man bereits mitten drin in der Geschichte. Vordergründig spielt hier jedoch die Sozialkritik eine Rolle. Tod und Copper stehen für die unbefleckte Jugend, die keinerlei Animositäten hegt – schon gar nicht gegen einander. Beide sind frei von den Vorurteilen, die in der Gesellschaft verankert sind. Der Fuchs, der gewiefte Dieb und Räuber, immer hinter den Hühnern her. Aus dem Zusammenhang gerissen unterläuft auch der Jäger diesem Vorurteil, als er aufgescheuchte Hühner und Tod zusammen sieht. Doch Tod ist kein gewöhnlicher Fuchs, hegt keinerlei Interesse an den Hühnern.

Ebenso wenig wie Copper unbedingt Gefallen an der Jagd auf Tiere findet. Für ihn ist es vielmehr ein Spiel, eine Herausforderung. Er spürt etwas auf und jault wenn er es gefunden hat. Die Konsequenzen seines Handelns sind ihm dabei nicht bewusst, ihm wird nicht erklärt, dass hierbei andere Tiere sterben müssen. Für Copper ist die Freundschaft zu Tod etwas Universelles, erst im Erwachsenenalter wird ihm die Gefahr, in der Tod schwebt, klar. Als sein Mentor Chief zu Schaden kommt, fällt jedoch auch Copper in das Muster der Vorurteile. Was genau geschah wird nicht thematisiert, hierzu hat Tod auch keine Gelegenheit sich zu erklären. Am Ende stehen sich die beiden Freunde als Feinde gegenüber und ihre Freundschaft scheint vorbei.

Die einzig reine Figur in The Fox and the Hound ist im Grunde Tod beziehungsweise auch die beiden mütterlichen Figuren Big Mamma und Witwe Tweed. Als hauszahmer Fuchs lebt Tod zugegeben in unnatürlichen Verhältnissen. Diese bewirken seinen Charakter, der vollkommen vorurteilsfrei ist. Zu keinem Zeitpunkt hat Tod etwas Böses im Sinn und obschon er ihm nach dem Leben trachtete, ist es letztlich Tod, der seinen Freund Copper nicht im Stich lässt und ihm zu Hilfe eilt. Die Ursachen finden sich hier wohl in den Erziehern, wie es auch im wahren Leben der Fall ist. Menschen werden nicht mit Vorurteilen geboren, sondern diese werden ihnen beigebracht. Rassismus als Erziehung. Der vorurteilsfreie Copper entwickelt nach dem Unfall von Chief selbst Vorurteile, ausgelöst durch seine beiden Bezugspersonen Jäger und Chief. Die Umgebung in der Tod lebt, von Witwe Tweed über Big Mamma bis hin zu Vixey und dem Stachelschwein, ist vorurteilsfrei. Eine Welt in der ein Miteinander und kein Nebeneinander herrscht. Hass und andere negative Gefühle werden in dieser Welt von außen herein getragen.

Die Freundschaft zwischen Fuchs und Jagdhund scheint untolerierbar, keine Brücke zwischen den beiden Parteien möglich. Dass es möglich ist, zeigt Disney in vielen seiner Filme, die ohnehin meist Parallelen aufweisen. Jäger und Beute als Freunde, dass kennt man auch aus The Lion King oder Jungle Book. In letzterem findet sich auch die Thematik der gefiederten Freunde und Helfer, die ebenfalls Einzug in Dumbo, Finding Nemo oder The Little Mermaid erhalten haben. Der Humor von The Fox and the Hound ist ebenfalls klassisch, kommt hier noch ohne popkulturelle Referenzen aus, welche in heutigen Animationsfilmen unabdingbar sind, um das Publikum noch zu amüsieren. Doch der Film leidet teilweise an seiner redundanten Erzählstruktur, verläuft sich gelegentlich und hat denselben Fehler, wie andere Werke. Der Konflikt zwischen den Parteien wird nicht hinterfragt. Ähnlich wie Simba sieht man Tod nie Beute machen. Zu verzeihen ist es jedoch dieser unschuldigen Disney-Welt. Spätestens wenn Tod uns einen Blick zuwirft oder Copper etwas sagt. Kein Meisterwerk, aber ein Klassiker.

8/10

17. Juli 2007

Death Proof

Shots first, questions later!

Wenn sich zwei der talentiertesten und kultigsten Regisseure unserer Generation zusammentun, um ein Double Feature ins Kino zu bringen, jubelt der Filmfan. In der Tradition des Grindhouse, das zur Ertragsstreigerung zwei trashige B-Movies zum Preis von einem zeigte (sogar Kubricks The Killing lief einst im Grindhouse), wollten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino jeweils einen Film beisteuern und als Hommage an dieses drehen, um beide Filme anschließend als Double-Feature ins Kino zu bringen. Inklusive Fake-Trailer zu weiteren Grindhouse-Filmen, gedreht von den neuen Söhnen des Horrors wie Eli Roth und Rob Zombie. Dabei liegt die Betonung aber auf wollten, denn wenn Dinge zu schön scheinen, um wahr zu sein, sind sie es meist nicht.

Das Budget von GrindHouse lag bei 53 Millionen Dollar, produziert wurde er von Tarantinos langjährigen Partnern, Bob und Harvey Weinstein. Enttäuschenderweise spielte GrindHouse am Startwochenende in den USA nicht einmal 12 Millionen Dollar ein – was angesichts des Ostertermins aber auch nicht allzu verwunderlich ist für einen R-Rated-Film. Tarantino war zwar enttäuscht, bezeichnete sich jedoch als stolz über seinen vermeintlichen Flop. Ganz anders dagegen Harvey Weinstein. Der sah sein Geld den Bach runter gehen und weil Produzenten keine Filmschaffenden, sondern Geschäftsleute sind, versuchte sich der gierigere Weinstein an Schadensbegrenzung. Vielleicht sollten er es George Lucas machen und ein und denselben Film alle paar Jahre re-digitalisiert neu veröffentlichen.

Das Schema des “Zwei Filme zum Preis von einem“ kam in den USA allerdings nicht wirklich an. Mancher verließ das Kino bereits nach Rodriguez’ Segment Planet Terror, unwissend, das Tarantinos Death Proof folgte. Harvey Weinstein sah jedenfalls sein teures Geld davon fließen, weshalb er nun außerhalb der USA GrindHouse getrennt vertreibt, dafür in erweiterten Fassungen. Seiner Begründung nach können Europäer ohnehin nichts mit der Tradition des Grindhouse-Kinos anfangen, wieso ihnen folglich die Mühe machen. Gesagt, getan und nun startet Planet Terror gut zwei Monate nach Death Proof in unseren Kinos. Statt 2 für 1 also alles wie gehabt. Ganz schön dreist eigentlich, dass man nun den doppelten Preis für ein Produkt zahlen muss, wie von den Produzenten zuvor angekündigt.

Death Proof handelt von Stuntman Mike (Kurt Russell), der in seiner Freizeit junge, scharfe Mädels kalt macht. Hierbei hat er sich als Opfer DJane Jungle Julia (Sydney Potier) und deren Freundinnen Arlene (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd) ausgesucht. Nach einem Abend in der Kneipe sucht er sie schließlich mit seinem todsicheren Chevy Nova heim – nur damit sich die Handlung in der zweiten Hälfte des Filmes nochmals wiederholen kann. Dort nimmt es Stuntman Mike mit den etwas robusteren Mädels Abernathy (Rosario Dawson), Kim (Tracie Thoms) und Zoë (Zoë Bell) auf. Während vieler tiefsinniger Frauengespräche bietet Tarantino auch jede Menge Kunstblut und obschon beide Teile seines Filmes identisch wirken, sind sie prinzipiell dann doch grundverschieden.

Das der Film Tarantino Spaß gemacht hat, macht sich bemerkbar. Er zitiert sich gerne selbst, referiert des Öfteren Vanishing Point und Bullitt, stellt für eine Barszene seine private Jukebox zur Verfügung und ergötzt sich an seinen Frauendialogen. Jungle Julia und/oder Abernathy treffen sich beide mit ihren Freundinnen zu einem großen und ausführlichen Plausch zu Tisch, doch während die einen unbekümmert über Männer und Flirten tratschen, offenbart sich bei zweiter Gruppe die toughere Natur der Damen – mal abgesehen von Lee (Mary Elizabeth Winstead), die dafür das eye candy des Filmes bildet. So nett und ausgefeilt Tarantinos Dialoge auch sind – sie sind zu lang. Denn an sich führen sie nirgendwo wirklich hin und entwickeln zudem nicht einmal die dargebotenen Charaktere weiter.

Die Tonmängel und Farbfehler sind natürlich nett mitzuerleben und schön eingebaut für das richtiges Flair, welches durch Tarantinos exzellente (und erstmalige) Kameraführung unterstützt wird. Auch die Musikauswahl ist wie immer über jeden Zweifel erhaben, für einen echten Grindhouse-Film ist allerdings doch zu unkonsequent durchgezogen. Denn nur weil Death Proof sich mitunter Stilblüten des Grindhouse bedient, macht das den Film noch lange nicht zu Grindhouse. Einen guten Film auf schlecht zu trimmen, damit er den Anspruch erfüllt so schlecht zu sein, dass er schon wieder gut ist, funktioniert hier dank Tarantinos gekonnte Inszenierung nicht. Und auch die überbordende Länge spricht dafür, dass Death Proof in seiner ursprünglichen GrindHouse-Fassung sicherlich runder daherkommt.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision