Posts mit dem Label Ryan Gosling werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ryan Gosling werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10. November 2017

La La Land

How about: all for you and none for me?

Es gibt drei bemerkenswerte Szenen in Damien Chazelles Debütfilm Whiplash, in denen die Hauptfigur, ein Musiker, eine Kinoangestellte zu einem Date einlädt, mit ihr auf dieses Date geht und anschließend die Beziehung mit ihr beendet, weil sie sich auf ihre Musik fokussieren will. Ein Subplot im minimalsten Sinne, mit dem ausschließlichen Hintersinn, dem Publikum eine Figur zu zeigen, die etwas erhält, das sie für ihre Ziele opfern kann. Nicht, dass es dieses Opfers gebraucht hätte, um die Motivation des Charakters zu verstehen, geschweige denn, dass die geopferte Beziehung zuvor irgendeine Relevanz gehabt hätte, so flüchtig wie sie skizziert wurde. Es wundert nicht, dass Chazelle dasselbe Schema in seinem Folgefilm La La Land erneut fährt.

Die Hälfte des Films ist beinahe rum, als die aufstrebende Schauspielerin Mia (Emma Stone) plötzlich einen Freund an die Seite gestellt bekommt, den die Handlung zuvor weder gezeigt noch referiert hat. Während eines Dinners mit dem Freund sagt sich Mia von diesem los, weil sie eigentlich zeitgleich eine Verabredung mit dem aufstrebenden Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) hat, zu dem sie eilt, um mit ihm eine Romanze zu beginnen. Sinn und Zweck des Deux-ex-machina-Freundes von Mia ist erneut, dem Publikum zu veranschaulichen, wie ernst es der Figur mit etwas ist, was auch zuvor bereits deutlich geworden war. Es ist absehbar, dass Damien Chazelle auch in seinem nächsten Film wohl wieder eine ähnliche Szene integrieren wird.

La La Land ist ein Musical voller Misstöne – sowohl narrativ, als auch was seine Musik angeht. Beginnend mit einer relevanzlosen Eröffnungsnummer, die zwar auf das Thema der aufstrebenden Stars in Los Angeles verweist, allerdings mit völlig falschem Kontext. Passend, dass in der Szenerie des Autostaus die zwei Hauptfiguren anwesend sind, aber an dieser nicht teilnehmen. Statt die Szene zum späteren Zeitpunkt einzuführen und auf einen der Charaktere zu fokussieren, ist sie so deplatziert und verschenkt. Gibt aber den Ton an, für die folgenden katastrophalen Musikstücke von Justin Hurwitz. Ein Musical ist letztlich nur so gut wie seine Lieder – und die von La La Land hat man bereits vergessen, bevor sie überhaupt beginnen.

Das liegt zum einen daran, dass die Textzeilen nicht atmen können, da sie einerseits zu schnell vorgetragen und andererseits von der Musik übertönt werden. In Musicals wie West Side Story erhalten die Song-Passagen entsprechend Raum zur Entfaltung, die Musik begleitet den Text. In La La Land verkommt alles zu einem unübersichtlichen Einerlei, exemplarisch zum Ende einer Hausparty, in der sich die Kamera irgendwann in den Pool stürzt. Ähnlich verhält es sich mit den Tanzpassagen, die in anderen Musical-Filmen Aussagekraft besitzen, während sie bei Chazelle lediglich Beiwerk sind im Zerrbild dessen, was vom Regisseur als Musical begriffen wird. Wo der Film bei Musik und Tanz versagt, trifft dies auch auf die Handlung zu.

Sie mag keinen Jazz, verrät Mia später. Folgt eingangs in einer Szene aber doch den Piano-Klängen von Sebastian. Beide Figuren begegnen sich nur kurz, erinnern sich natürlich sofort Monate danach aneinander, als sie sich zufällig wieder sehen. Mia will Schauspielerin sein, wandert jedoch von einem erfolglosen Casting zum nächsten. Die dienen wohl der humorvollen Auflockerung in ihrer desinteressierten Ignoranz der Figur, besitzen aber wie alles im Film keine wirkliche Botschaft, da sich die Handlung diesem Thema nicht widmen mag. Ein gelungenes Gegenbeispiel lieferte dieses Jahr eine Casting-Szene in der Netflix-Serie GLOW, die etwas aussagte und zugleich Humor besaß. Beide Dinge müssen sich also nicht zwingend ausschließen.

Sebastian scheitert ebenso in der Verwirklichung seines Traums, befindet sich im Verlauf des Films allerdings ausschließlich in verschiedenen Stadien der Untreue zu seinen Idealen. Egal ob er Weihnachtslieder in einem Restaurant spielt oder in der Jazz-Pop-Band eines Bekannten (John Legend). La La Land will von diesen Träumern in der Traumfabrik Hollywood erzählen, dies macht schon der Autostau zu Beginn klar. Am Ende erreichen beide Figuren ihre Träume, wie sie dies geschafft haben, ist bei Sebastian letztlich noch unklarer als bei Mia. Letztere inszeniert ein eigenes Theaterstück – ein Misserfolg, der dann als Basis für Erfolg dient, indem er ihr ein Casting beschert, das ihre Karriere zum Weltruhm ebnen soll (wie auch immer).

Bezeichnend ist, dass die entscheidende Szene in dem persönlichen Stück nicht zu sehen ist. Beim Casting soll Mia dafür eine Geschichte erzählen. Chazelle nutzt dies, um zu einem der vergessenswerten Liedern von Hurwitz zu schneiden, ehe eine 0815-Überblende wieder die zwei Hauptfiguren auf die Leinwand zaubert. In der durchschnittlichen High-School-Komödie She’s All That gibt es eine ähnliche Szene, in der die Figur von Freddie Prinze Jr. während einer Performance-Show auf die Bühne muss – nur nutzt der Film dies für einen gelungenen Einblick in den Charakter der Figur, der ihre Werte zur Schau stellt. Ähnlich dürfte die Szene in Mias Stück funktioniert haben, der Film zeigt sie dem Zuschauer allerdings nur leider nicht.

Es fehlt dem Film an einem konsistenten Ton, eine verspielte Planetarium-Tanzszene als müde Hommage an Rebel Without a Cause verkommt zum Selbstzweck, trifft im Verlauf dann auf konventionellen Rom-Com-Humor bei Musikproben zwischen den Figuren von Ryan Gosling und John Legend. La La Land wird von Chazelle als kruder Mix aus West Side Story und Crazy Stupid Love inszeniert, konstant lediglich in seiner Uninspiriertheit, die sich von der Mise en Scène über die durch sich selbst ertränkte Musik bis hin zu den blassen Darstellerleistungen niederschlägt. Es fällt mir nicht nur schwer, dem Film positive Aspekte abzugewinnen, es ist vielmehr schlichtweg nicht möglich, da ihm jedem guten Willen zum Trotz keine solchen innewohnen.

Der Hype um den Film, kulminierend in so abstrusen wie folgerichtigen 14 Oscar-Nominierungen, ist selbsterklärend in Zeiten, wo Transformers-Filme immerzu die Milliarden-Dollar-Grenze sprengen und Disney sowie Marvel mit ihren Star Wars- und Superhelden-Werken stets dieselbe Geschichte erzählen und mit jedem Serieneintrag aufs Neue für ihre vermeintliche Originalität gelobt werden. “They worship everything and they value nothing”, kommentiert es La La Land an einer Stelle passend selbst. Das Positive ist, dass der Film bereits jetzt zum Jahresende nahezu vergessen ist. Und in Zukunft noch weniger eine Rolle in der Kinogeschichte spielten wird. Ein Opfer ohne Relevanz also – damit kennt sich Damien Chazelle ja aus.

0/10

25. Juli 2013

Only God Forgives

One night in Bangkok makes a hard man humble.
(Murray Head, One Night in Bangkok)

Dänemarks Filmemacher machen es sich nicht leicht. Ein Lars von Trier flog 2011 bei den Filmfestspielen in Cannes wegen scheinbarer Nazi-Äußerungen hinaus und sein Landsmann Nicolas Winding Refn polarisiert durch Penetrationswünsche nicht nur die Gemüter der Fünf Filmfreunde. Hassen oder nicht hassen – das ist hier die Frage. Zumindest bei Winding Refn erklärt sich die Abneigung mancher vermeintlicher elitärer Filmkritiker durch dessen kühlen Vorjahres-Noir Drive. In seinem neuen Film vereint sich der Däne wieder mit Ryan Gosling, der kurzfristig Luke Evans ersetzte, und liefert seinen Hatern frisches Futter. Und in der Tat fällt Only God Forgives leider weniger penetrierend als penetrant aus.

Erzählt wird darin die Geschichte des ruhigen Julian (Ryan Gosling), der mit seinem älteren Bruder Billy (Tom Burke) in Bangkok einen Boxclub als Tarnung für Drogengeschäfte leitet. Als Billy ein junges Mädchen vergewaltigt und ermordet, ruft dies den pensionierten Polizisten Chang (Vithaya Pansringarm) auf den Plan. Er lässt an dem Amerikaner Rache verüben und zieht damit den Zorn von Billys Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) auf sich. Weil Julian die Angelegenheit als erledigt betrachtet, engagiert die Matriarchin Auftragskiller für Chang. Doch das Attentat misslingt und fortan verfängt sich Julian immer mehr in der von der Mutter entfachten Gewaltspirale, welcher er sich nicht zu entziehen vermag.

Im Gegensatz zu sich selbst sind die Protagonisten von Nicolas Winding Refn keine Männer großer Worte. Oder großer Taten. Goslings schick gekleideter Krimineller wirkt sogar derart apathisch, dass er sich nicht einmal am sexuellen Akt mit der Prostituierten Mai (Rhatha Phongam) beteiligen will. Es langt ihm, sie bei der Selbstbefriedigung zu beobachten, später führt sie dann doch mal seine Hand zwischen ihren Schritt. Der Tod des Bruders wird akzeptiert als Julian von dessen Umständen erfährt. Die stoische Gefühlskälte der Hauptfigur blättert erst, nachdem mit seiner egomanischen Mutter Julians familiäre Vergangenheit den Zoll in Bangkok durchschreitet. Die Tragödie der ödipalen Figur setzt sich damit fort.

Allerdings erfahren wir über die Charaktere wenig bis nichts. Weder wieso Billy, scheinbar mit Intention, sein Verbrechen verübt, noch warum die Bangkoker Polizei anstatt Kriminelle vor ein Gericht zu stellen, sie in Selbstjustiz von einem ehemaligen Kollegen als “Angel of Vengeance” hinrichten lässt. Immerhin mangelt es soweit es den Film betrifft nicht an Geständigkeit der Täter noch an potentiellen Zeugen. Nachvollziehbar ist das Geschehen in Only God Forgives somit nicht, zu spärlich fallen sowohl die Handlung als auch die Figuren aus. Bei diesen bleibt Hauptprotagonist Julian ebenso blass wie unerhebliche Charaktere à la Mai – sie scheinen allesamt, inklusive Crystal und Chang, gefangen in der Eindimensionalität.

Stattdessen verliert sich Winding Refn in seiner blau-violett schimmernden Neonwelt, die mit Elternbeziehungen – in einem vergessenswerten Subplot sehen wir Chang als alleinerziehenden Vater einer Tochter – aufgeladen scheint, die allerdings über weite Stücke dem Schnitt zum Opfer fielen (?). Die gelegentlichen Gewaltexzesse Changs, die man beim besten Willen nicht als brutal bezeichnen kann, wollen ebenso wenig ein stimmiges Ganzes mit Julians subtilem Ödipuskomplex ergeben, wie die mehrfach eingestreuten Gesangspassagen des Racheengels sowie anderer Figuren. Wo Drive in seiner Verbindung von Atmosphäre mit simpler Handlung und Charakteren reüssierte, verliert sich Only God Forgives in Prätention.

Dies wiederum bringt ihn auf eine Wellenlänge mit Valhalla Rising, auf den der Film an sich direkt hätte folgen sollen, ehe Gosling Drive vorziehen wollte. Dass Winding Refn die Helden aller drei Filme als ein und dieselbe Person erachtet, vermag sich wohl nur ihm zu erschließen. Mit Drive eint Only God Forgives jedenfalls nur Ryan Gosling und der stumm-stoische Protagonist, der Film selbst wirkt eher wie ein in Neonfarben getauchtes Nachbeben für jene Vikinger-Sülze, die der Regisseur vor drei Jahren fabriziert hat. In welche Richtung er sich mit dem kommenden I Walk with the Dead bewegen wird, ist offen. Sollte der Däne sich aber erneut in Prätention verlieren, vergibt ihm dies vermutlich tatsächlich nur noch Gott.

4/10

11. Januar 2012

Drive

Be a human being, and a real hero.
(“A Real Hero”, College feat. Electric Youth)


Trailer und Titel eines Films können irreführend sein und müssen nicht immer wiedergeben, was zu erwarten ist. So ist Roman Polanskis The Pianist kein Musikfilm über einen Klavierspieler, sondern eine Überlebensgeschichte im Zweiten Weltkrieg. Und Nicolas Winding Refns jüngster Film heißt zwar Drive, aber deswegen spielt sich die Handlung nicht ständig im Auto ab. Dennoch ist das Fahren ein zentraler Punkt in der Adaption des Romans von James Sallis. Schließlich geht es für den namenlosen Helden (Ryan Gosling) darum, ständig in Bewegung zu bleiben. Fährt er am Tag für Filme die Stuntwagen, verdingt er sich nachts für ein Fünf-Minuten-Fenster als Fluchtwagenfahrer.

Wer nun Auto-Szenen à la The Fast & the Furious erhofft, ist fehl am Platz. Goslings “Driver” geht kalkuliert vor, hört den Polizeifunk ab und nützt neben seiner PS-Stärke auch die Lichtverhältnisse aus. Dass dies nicht weniger Spannung verspricht, wird eindrucksvoll zu Beginn unter Beweis gestellt. Zugleich wird etabliert, dass Driver im Wechsel von Bewegung und Halt lebt. So auch als er in ein neues Gebäude zieht und dort in Irene (Carey Mulligan) eine hübsche Nachbarin kennenlernt. Deren Mann (Oscar Isaac) ist zur Zeit im Gefängnis, weshalb Driver ihr und ihrem Sohn Benicio aushilft . Jäh unterbrochen wird die Romanze, als Irenes Mann Bewährung erhält.

Unterdessen lässt sich der Werkstattbesitzer Shannon (Bryan Cranston), bei dem Driver tagsüber angestellt ist, auf ein Geschäft mit den Gangstern Bernie (Albert Brooks) und Nino (Ron Perlman) ein. Gut 300.000 Dollar investieren sie in ein Stockcar, welches Driver mit seinem Talent bei Rennen steuern und den Beteiligten Millionen so bescheren soll. Als Irenes Mann jedoch alte Rechnungen zu begleichen hat, die ihr Leben und das von Benicio bedrohen, hilft Goslings Protagonist aus Zuneigung zu den beiden mit seinem Können aus. Nichtsahnend, dass seine beiden Welten anschließend mit weitreichenden Konsequenzen miteinander zu verschmelzen beginnen.

Wie die meisten namenlosen Helden einer Geschichte ist auch Driver ein Einzelgänger – und wie meist einer, der plötzlich seine eigenen Interessen hintanstellt. Während ihn zu Shannon ein väterliches Verhältnis verbindet, scheinen ihm Irene und Benicio das Leben zu bieten, das er immer wollte, aber nie leben konnte. Mit stillen Blicken zelebriert Refn die Romanze der beiden jungen Leute, von denen Irenes Motivation sicherlich stärker hervorsticht als die von Driver. Dieser baut eine Beziehung zu Benicio auf und wirkt in seiner ruhigen Art als merklicher Gegenpol zu ihrem Mann, den das Publikum zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kennengelernt hat.

Auch hier spielen sich viele Szenen der Annährung in der unmittelbaren Nähe eines Autos oder aber beim Fahren ab. Es ist Irenes kaputter Wagen, der sie erstmals zusammenbringt, und es sind die Fahrten in Drivers Wagen, die sowohl sein Leben als auch das von Irenes Familie verändern werden. Im Vordergrund stehen jedoch die Charaktere, die sich in einer gemächlich entwickelnden Handlung nicht so sehr einander annähern als aneinander gewöhnen. Weshalb die Szenen zwischen Gosling und Mulligan mehr von warmen Blicken denn flirtenden Dialogen bestimmt sind. Das strapaziert zwar die Nerven des Publikums, allerdings auf durchaus positive Art.

Den Wechsel zwischen ruhigem, fast schon unterkühltem Drama und überfallartiger Action beherrscht Refn in Drive nämlich perfekt. Repräsentativ steht eine Aufzugszene, die mit einem romantischen, in Slow-Motion gedrehten Kuss beginnt und dann in eine Gewaltexplosion mündet. Dieses Wechselspiel zwischen Ruhe und Sturm ist charakteristisch für den Film. Besonders effektiv sind die Action-Szenen, da sie kurz und heftig geraten und meist so schnell vorbei sind, wie sie begonnen haben. Merklich kommt hier der Independent-Charakter von Drive zum Ausdruck, der ursprünglich als Action-Blockbuster von Neil Marshall mit Hugh Jackman gedacht war.

Die eruptionsartige Action trägt ihren Teil zur intensiven Spannung bei, nicht minder jedoch die von Refn ruhig erzählte Charakterentwicklung. Hinzu kommt dann das charmante 80er-Flair, das nicht nur durch die pinken Credits (die Schriftart mutet wie ein Crossover aus Risky Business und Cocktail an) und die generelle Atmosphäre zum Tragen kommt, sondern auch durch die Musik. Fast durchweg Elektropop-lastig präsentiert sich der Soundtrack von Cliff Martinez, kongenial ergänzt durch Stücke wie “Nightcall” von Kavinsky & Lovefoxx oder “A Real Hero” von College (feat. Electric Youth), der treffliche Lyrics bezüglich Goslings Figur in sich trägt.

Kritikpunkte bietet Drive nur in seinen teils arg naiv angelegten Figuren, was sich möglicherweise dadurch entschuldigt, dass Refn den Film als Märchen interpretiert. Dennoch wirkt insbesonders Irene extrem passiv, während Gosling einmal antizipierend, dann wieder überrascht (re-)agiert. Ähnliches ließe sich auch über Figuren wie Nino und Shannon sagen. Nichtsdestotrotz ist Refn ein ganz großer Wurf und einer der Filme des Jahres 2012 gelungen. Auch wenn Drive letztlich weniger Auto-Action beinhaltet, als Titel und Trailer vermuten lassen. Was in den USA eine Zuschauerin zu einer Gerichtsklage wegen Irreführung führte. Manche Leute haben wirklich ein Rad ab.

8.5/10

22. Dezember 2008

Half Nelson

I'm part of the machine. But if I'm part of it, then so are you.

Dieses Jahr hat Ryan Gosling in seiner Karriere einen enormen Sprung getan. Der ehemalige Hauptdarsteller der Fernseh-Spinoff-Serie Young Hercules, der in den letzten Jahren als Nebendarsteller der Krimis Murder by Numbers und Fracture war, gewann dieses Jahr die Presse für sich. Sowohl in Lars and the Real Girl als auch in Half Nelson überzeugte Gosling in Charakterrollen. Für seine Portraitierung des High School Geschichtslehrers Daniel Dunne erhielt Gosling letztes Jahr schließlich eine Oscarnominierung als Bester Hauptdarsteller. Wahrscheinlich nicht die letzte für den gebürtigen Kanadier, der Brad Pitt in dem AIDS-Drama The Dallas Buyer’s Club ersetzt hat. Half Nelson ist sein Film und sein Film durch und durch. Als drogenabhängiger Geschichts- und Sportlehrer versucht er seinen hauptsächlich afroamerikanischen Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Wechselwirkungen näher zu bringen. Ein Wechsel findet immer dann statt, erklärt Dunne in einer Szene, wenn zwei gegensätzliche Kräfte aufeinandertreffen. Als gelernter Historiker sei gesagt, dass dies sicherlich eine Begriffsdefinition in ihrer Kurzfassung ist. Mit seiner individuellen Art eckt Dunne jedoch an. Mehrfach weist ihn die Schulleiterin darauf hin, gefälligst dem Lehrplan zu folgen und den Kindern die Bürgerrechte anhand der Schulbücher beizubringen. Dabei ist Dunnes Art zu unterrichten die offensichtlich aufnehmbarere für die Jugendlichen. Dadurch ist Dunne selbst eine oppositionelle Kraft innerhalb der Maschinerie, der er selbst angehört.

Regisseur Ryan Fleck inszeniert seinen Dan Dunne als durchaus pflichtbewussten Junkie und opfert für dieses Porträt ein großes Maß an Glaubwürdigkeit. Denn vor oder während der Schule nimmt Dunne keine Drogen zu sich. Zwar leidet er unter seinem Drogenkonsum und versucht diesen durch Augentropfen und Kaffee zu verschleiern, dennoch würde ich ihm nicht im Traum einfallen, während der Unterrichtszeit high zu sein. Dafür wartet er nach dem Basketballspiel seiner Mannschaft ab, bis alle Mädchen aus der Umkleide verschwunden sind, um dort eine Crackpfeife zu rauchen. Hier beginnt nun der Wandel, den der Film selbst beschreitet. Drey (Shareeka Epps), eine von Dunnes Schülerinnen, erwischt den völlig breiten Lehrer auf der Toilette. Nachdem er von seinem Trip runtergekommen ist, fährt der Lehrer die Schülerin nach Hause. Zuerst gehen sich beide die nächsten Tage aus dem Weg, dann beginnt jedoch zögerlich eine Freundschaft zwischen ihnen zu entstehen. Durch Drey versucht sich Dunne selbst etwas zu beweisen. Das Mädchen ist sozial stark vernachlässigt, der Vater ist abwesend und vernachlässigt seine Pflichten, die Mutter übernimmt Extraschichten, um ihrer Tochter aus dem Weg zu gehen. Da ihr älterer Bruder Mike im Gefängnis sitzt weil er für den Nachbarschaftsdealer Frank (Anthony Mackie) Drogen verkauft hat, fühlt sich dieser verantwortlich nach der Jugendlichen zu sehen.

Drey und Dunne sind nun zwei gegensätzliche Kräfte, die aufeinander prallen und einen Wandel vollziehen. Beide alleine wissen sich nicht aus ihrem Dilemma zu helfen. An einem Abend ordert Dunne gemeinsam mit wildfremden Leuten Kokain in ein Motelzimmer. Es ist schließlich Drey, die ihm auf Geheiß von Frank die Drogen ausliefert. Für beide ihr augenblicklicher Tiefpunkt. Dank der Aufmerksamkeit, die Drey von ihrem Lehrer entgegengebracht wird, fühlt diese sich lebendiger und Dunne wiederum glaubt durch seine Beziehung zu dem Problemkind eine Seele aus dem Fegefeuer der Straße retten zu können. Fleck erklärt seinem Publikum nicht, was Dunne dazu bewog mit den Drogen anzufangen, die dessen ganzes Leben ausmachen. Er lebt in einer spartanischen Wohnung, die nur das nötigste beinhaltet. Wenn er nicht in der Schule ist, ist er high. Als er eines Tages seinen Kater füttern will, merkt er, dass dieser bereits verhungert ist. Diese beiden Welten wollen nicht wirklich zusammen passen und hier scheitert Half Nelson am meisten. Ein Mann, der verpeilt seine Katze zu füttern, aber jeden Tag nüchtern zur Arbeit erscheint. Es wäre hier in der Tat hilfreicher gewesen zu erfahren, was Dunne eigentlich zu seinem Drogenkonsum gebracht hat. Als eine Ex-Freundin auftaucht geht er dieser ebenso aus dem Weg, wie er allen anderen Menschen in seinem Leben aus dem Weg geht. Abgesehen von Drey, für die er bald extreme Beschützerinstinkte entwickelt.

Somit spricht es für sich, wenn jeder anderweitige soziale Kontakt, seien es Bekanntschaften in der Bar, ein Besuch bei den Eltern oder eine sexuelle Affäre mit einer Kollegin stets nur im Drogenrausch für Dunne möglich sind. Einzig mit Drey kommt er ohne Drogen aus und es sind zu einem Großteil die Szenen mit Dunne, die Drey lächeln lassen. Man muss Fleck loben, dass er die Beziehung zwischen Dunne und Drey nie pädophile Züge annehmen lässt. Letztlich sind es zwei Menschen, die aufgrund ihres sozialen Umfeldes einander bedürfen. Abgesehen von einer Szene filmte Fleck Half Nelson dabei ausschließlich mit einer Steadycam, deren Bilder bisweilen einen semidokumentarischen Stil erzeugen. Aufgrund seiner Thematik des makelbehafteten Lehrers hebt sich der Film von Genrevertretern wie Dangerous Minds oder 187 gelungen ab, ohne vollends glaubwürdig zu sein. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern Gosling, Epps und Mackie stimmt, sowohl untereinander, als auch in der Gruppe. Speziell Gosling und Epps heben sich hierbei hervor und wissen den Film auf ihren Schultern zu tragen.

8/10

19. Februar 2008

Lars and the Real Girl

What would Jesus do?

Außenseiter. Jeder kennt sie und die meisten wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Denn Außenseiter sind meistens verschroben, eigenartig, seltsam. Eben nicht normal und niemand will mit jemanden gesehen werden, der nicht normal ist, denn dann wird gleich die eigene Normalität hinterfragt. Am häufigsten werden Außenseiter in High School Filmen inszeniert, die nerdigen Brillenträger oder Dickerchen, die im Sportunterricht immer als letzte gewählt werden und in der Umkleide vom Quarterback eins mit dem Handtuch hinten drauf kriegen. Und wer kannte an seiner eigenen Schule nicht auch einen solchen Außenseiter, jemand den man nie in seiner Gruppe haben wollte. Einfach weil er komisch, weil er anders war. Eben nicht normal, nicht so wie man selbst. Doch auch nach der Schulzeit spielt Konformität noch eine große Rolle, bloß nicht aus der Reihe tanzen, nicht auffallen, sich anpassen. Gerade diese erwachsenen Außenseiter sind meist kein Thema für große Filme, wenn sie nicht den pubertären Spielereien einer Teenie-Komödie dienen. Paul Thomas Anderson portraitierte Adam Sandler als einen solchen Außenseiter in Punch-Drunk Love. Darin spielte Sandler einen schüchternen, verklemmten Verkäufer, welcher nicht sonderlich gut mit Frauenbekanntschaften auskam. In der deutschen The Office-Adaption Stromberg wurde eine solche Figur von Bjarne Mädel verkörpert, dem Mobbing-Opfer seiner Büroabteilung. Diese Figuren leben von ihrer Umgebung isoliert, fallen durch ihre äußerliche Erscheinung auf und sind sexuell an sich abstinent. Sie leben in ihrer eigenen Welt und dienen als Lachnummer für den konformen Rest der sich selbst als normal erachtet.

Lars (Ryan Gosling) lebt ein unscheinbares Leben in einer Garage. Den Einladungen seiner im Haus nebenan lebenden Schwägerin Karin (Emily Mortimer) weicht er geschickt aus und zu seinem Bruder Gus (Paul Schneider) hat er auch ein unterkühltes Verhältnis. Im Geschäft und der Kirche ist er höflich und zuvorkommend, auf private Fragen oder gar Avancen seiner schrulligen Arbeitskollegin Margo (Kelli Garner) geht er jedoch nicht ein. Lars steht morgens auf, fährt zur Arbeit und von dort wieder zurück nach Hause. Er hat so wenig zwischenmenschliche Kontakte wie nötig. Durch seinen Arbeitskollegen wurde Lars jedoch auf eine Homepage aufmerksam gemacht, die lebensechte Sexpuppen vertreibt, deren Aussehen man selbst bestimmen kann und die sogar mit fiktiver Vorgeschichte geliefert werden. Sechs Wochen später trifft eine solche Puppe bei Lars ein und schlagartig ändert sich sein Leben. Er holt seinen schönsten Pullover heraus, kämmt sich die Haare und eröffnet seinem Bruder und seiner Schwägerin, dass er Frauenbesuch hat, was bei den beiden für ekstatische Euphorie sorgt. Beim Abendessen stellen sie dann schockiert fest, dass Lars neue Freundin Bianca, halb Dänin halb Brasilianerin, nicht nur im Rollstuhl sitzt, sondern nicht einmal echt ist. Da Lars sie jedoch wie eine reale Person behandelt, bringen sie ihn am nächsten Tag zur Allgemeinärztin und Psychologin der Stadt. Diese rät nicht nur Karin und Gus, sondern allen Einwohnern das Spiel um Bianca einfach mitzuspielen, bis sich Lars selbständig von seiner Illusion zu lösen bereit ist. Lars, der sich nun erstmalig in sein soziales Umfeld zu integrieren bereit ist, sieht bald dass seine Freundin mehr Zeit mit den anderen Bewohnern verbringt, als mit ihm.

Mit Lars and the Real Girl ist Nancy Oliver eine großartige Geschichte über Einsamkeit, Liebe und Akzeptanz gelungen, die sehr viel mehr das Herz berührt als dass sie die Lachmuskeln anregt. Oliver, die einige Drehbücher für die tiefsinnig-humoristische HBO Serie Six Feet Under verfasst hat, stieß im Internet selbst eines Tages auf die Homepage der RealGirls, zu denen auch die im Film dargestellte Bianca gehört. Anstatt dies in eine debile konforme Komödie zu verpacken, schuf sie stattdessen eine tiefsinnige emotionale Geschichte. Produzent Sidney Kimmel, der gerne mal Independentfilme unterstützt gehört der größte Respekt gezollt, diese Geschichte tatsächlich auf die Beine gestellt zu haben. Als Regisseur gewann er den mehrfach ausgezeichneten Werbefilmer Craig Gillespie, der unter anderem für die Limonaden Mountain Dew und Pepsi (mit Justin Timberlake in der Hauptrolle) TV-Spots gedreht hat. Als weitere Produzenten kamen John Cameron an Bord, der mehrfach mit den Coen-Brüdern produzierte, aber auch Schauspieler und Regisseur Peter Berg unterstütze das Projekt, wie auch William Horberg der hinter Filmen wie Death at a Funeral und The Quiet American steht. Als Schauspieler konnten neben dem mehrfach nominierten Ryan Gosling auch solche bekannte Namen wie Emily Mortimer (Match Point), Patricia Clarkson (Dogville) und Paul Schneider (The Assassination of Jesse James) gewonnen werden, die allesamt perfekt harmonieren und den Film zu einem großartig gespielten Erlebnis machen.

Dass Lars so ist wie er ist, entspricht keinem Zufall, sondern hängt mit seiner Kindheit zusammen. Die Mutter starb bei seiner Geburt und durch ihren Tod wurde die Familie auseinander gerissen. Sein älterer Bruder Gus büchste irgendwann von zu Hause aus und der Vater lebte nach dem Tod seiner Frau mit gebrochenem Herzen weiter. So kam es, dass Lars von Haus aus nie wirklich Zuwendung oder Liebe verspürt hat, alles was er von seiner Mutter besitzt ist ein himmelsblauer Schal, den sie ihm genäht hat und den er immer bei sich trägt. Wer in einer isolierten und apathischen Umgebung aufwächst kann an sich auch nur isoliert und apathisch werden. So schlägt sich die fehlende Zuwendung und Nähe seiner Kindheit irgendwie selbstverständlich in Lars Haphtephobie nieder. Er trägt mehrere Kleider übereinander um vor Berührungen anderer Menschen, die er wie ein Brennen empfindet, gefeit zu sein. Wenn er dann nach einiger Zeit seiner Kollegen Margo die nackte Hand zum Schütteln entgegenreicht, besitzt dies eine unaussprechliche Ausdrucksstärke. Selbst Bianca berührt Lars nur äußerst selten und der eigentliche Sinn, den sie erfüllen sollte, tritt bei Lars überhaupt nicht auf. Zu Bett gebracht wird sie von Gus und schlafen tut sie im ehemaligen Zimmer von Lars’ Mutter, sodass alles Sexuelle zwischen den Beiden entfällt und der Kuss zwischen ihnen am Ende sinnbildhaft für diese Beziehung steht. Während des ganzen Filmes ist sich Gus immer sehr wohl bewusst, was Lars eigentlich wirklich fehlt bzw. gefehlt hat und wie sehr ihn dies auch selbst belastet. Durch Lars’ Umstände ist Gus gezwungen mehr Zeit mit seinem Bruder zu verbringen, als er es vorher je tat und durch diese gemeinsam verbrachte Zeit gelingt es ihm schließlich sich selbst zu vergeben.

Der Umstand das Lars Bianca wie eine reale Person behandelt sorgt für die Einwohner im Film zuerst für dasselbe Unverständnis und Amüsement wie bei den Kinozuschauern. Dabei zeigt Gillespie in seinem Film sehr bald, dass nicht wirklich etwas Belustigendes an Lars’ Verhalten ist. Jeder Mensch hat seine Spinnereien oder Illusionen und während manche eine Sexpuppe als real erachten, ziehen andere ihren Katzen Kleider an, hängen an ihren Actionfiguren oder Kuscheltieren, führen Selbstgespräche, lassen ihre Kinder in dem Stadion ihres Lieblingsfußballvereins taufen oder hoffen darauf, dass sie ein vor zweitausend Jahren ermordeter jüdischer Zimmermann eines Tages erretten wird. Jeder Mensch hat folglich seine Illusionen und es macht wenig Sinn sich über die einen mehr lustig zu machen,als über die anderen. Während des Filmes mag man sich die Frage stellen, was so abwegig an Lars’ Verhalten sein soll. Dieselben kleinen Gespräche führt jeder auch mit seinen realen Partnern, was unterscheidet Lars’ Beziehung zu Bianca so sehr von Gus’ Beziehung zu Karin? Oliver portraitiert in ihrem Drehbuch gekonnt wie durch Lars und Bianca allen anderen Einwohner der Stadt ein sozialer Spiegel vorgehalten wird. Lars behandelt seine künstliche Freundin zuvorkommend, freundlich, höflich und gerade durch sein Verhalten zu Bianca beeinflusst er auch das Verhalten der anderen zu Bianca. Natürlich spielen diese das Spiel nur aus Liebe zu Lars mit, aber in ihren Begegnungen mit der Puppe entwickeln sich auch alle anderen Einwohner – allen voran Gus – menschlich weiter.

Ohne Frage ist Lars and the Real Girl witzig, wenn Lars eine Blume wegwirft als er Margo gegenübersteht oder mit Bianca in irgendwelchen sozialen Szenen verwickelt wird. Es ist aber vor allem ein sehr bewegender und emotionaler Film, exzellent bebildert, sodass Lars nie wirklich ins Lächerliche gezogen wird. Wenn er plötzlich beginnen muss seine Freundin mit anderen zu teilen, so ist dies ebenso toll dargestellt wie die Tatsache, dass sich Lars erst durch Bianca traut am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Bianca wird von allen deswegen akzeptiert, weil Lars von ihnen akzeptiert wird und spätestens an diesem Punkt verlässt der Film dann die Konventionen durchschnittlicher Kinofilme. Natürlich wird man nirgends eine solche Stadt finden, die einen der Einwohner umsorgt, der eine Beziehung mit einer Sexpuppe führt. Der Grund hierfür liegt aber an uns, den Einwohnern, den Zuschauern, dem Publikum. Wer würde so etwas schon akzeptieren? Den Außenseiter, der nicht normal ist, weil er nicht wie wir ist. Gus steht stellvertretend für alle anderen, wenn die erste Frage die ihm in den Kopf schießt lautet: was werden die anderen von uns denken? Konformität, von jeher der Fluch des Menschen. Was werden die andern von uns denken, wenn wir in einem jüdischen Geschäft einkaufen?, wird man sich 1934 in Deutschland gedacht haben. Was wird man von uns denken, wenn die Nachbarn herausfinden, dass das eigene Kind, der Kumpel, der Mannschaftskamerad womöglich homosexuell ist? Was wird man von uns denken, wenn der eigene Bruder eine Beziehung mit einer Puppe eingeht und zum ersten Mal in seinem Leben glücklich ist und sich angenommen und geliebt fühlt?

Oliver und Gillespie zaubern in schönen Bildern und toller musikalischer Untermalung eine superbe kleine Moralfabel auf die Leinwand, die sich weniger damit beschäftigt, dass sich Lars an die Allgemeinheit, sondern vielmehr die Allgemeinheit an Lars anpassen soll. Das dies auf der Leinwand so hervorragend funktioniert, ist zu einem Großteil natürlich Ryan Gosling zu verdanken, der hier wieder einmal beweisen kann, weshalb er zu den aufstrebenden jungen Charakterdarstellern unserer Zeit gehört. Verdient waren die Golden Globe Nominierungen für Gosling und Oliver allemal und es liegt wohl allein an der starken Konkurrenz dieses Jahr, dass es Gosling zu keiner Oscarnomierung gebracht hat. Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass Lars and the Real Girl ein unglaublich mutiger Film ist, da er von den wenigsten entsprechend aufgenommen wird. Mutig ist es, einen solchen Film tatsächlich zum Finanzieren zu bekommen und ihn auf so magische und berührende Weise schließlich zu inszenieren. Dass die gesamte Crew des Filmes am Set die Sexpuppe Bianca tatsächlich wie eine reale Person behandelt hat, ist bei Betrachtung des Filmes nicht weiter verwunderlich und steht stellvertretend für das Herz dass diese Geschichte besitzt. Einziger Wemutstropfen ist die Tatsache, dass man den plötzlichen Wandel, welchen die Figur von Lars erlebt, nicht ohne weiteres nachvollziehen kann. Die fehlende Liebe ist das eine, weshalb er jedoch mit 27 Jahren anfängt eine Sexpuppe im Internet zu bestellen und sie wie eine reale Person zu behandeln ist das andere. Hier hätte man sich noch etwas mehr Ausarbeitung des Charakters gewünscht. Lars and the Real Girl zählt fraglos zu den besten Filmen dieses Kinojahres und sicherlich nicht zu denen, die jeder gesehen haben sollte, denn um den Film wirklich zu verstehen, muss man sich auf ihn einlassen. Dann behandelt man hinterher vielleicht auch den einen oder anderen Außenseiter in seiner Umgebung mit etwas mehr Respekt.

8.5/10