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27. Dezember 2009

Bright Star

A thing of beauty is a joy for ever.
(John Keats, Endymion)

Kritiken können vernichtend sein. Das merkt jeder, der im Auge der Öffentlichkeit steht. Egal ob Politiker, Restaurantkoch oder Filmemacher. Mitunter werden auch negative Kritiken zu Künstlern und Werken abgegeben, die den Wert ihres Kritikobjektes einfach nicht einschätzen können oder konnten. Weil jenes Werk seiner Zeit voraus war oder weil die Zeit erst später eine Zuordnung erfuhr. So wurde Endymion, ein Gedichtband des englischen Dichters John Keats (1795-1821) bei seiner Veröffentlichung 1818 von einigen Kritikern als „Schwärmerei“ abgetan. Und das war noch höflich ausgedrückt, wenn andere es gar als „unbeirrbar sabbernden Schwachsinn“ titulierten. Keats wurde somit zu Lebzeiten nicht sonderlich geschätzt und als er 1821 wie seine beiden Brüder an Tuberkulose starb, war er im Glauben geblieben, als Dichter versagt zu haben. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der Romantik.

Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion machte sich mit Bright Star daran, dem britischen Poeten ein filmisches Denkmal zu setzen. Beziehungsweise weniger ihm, als seiner Liebe zu Fanny Brawne - dem sprichwörtlichen Mädchen von nebenan. Im Sommer 1818 bewohnten John Keats (Ben Whishaw) und Fanny Brawne (Abbie Cornish) jeweils eine Wohnhaushälfte von Wentworth Place in Hampstead, nördlich von London. Der mittellose Keats war hierbei Gast seines Freundes und Förderers Charles Armitage Brown (Paul Schneider), wurden seine Gedichte doch nur von seinen Freunden und Bekannten geschätzt. Bright Star, benannt nach einem von Keats’ letzten Gedichten, widmet sich nun zwei Stunden lang der langsam entspinnenden und bis zu Keats’ Tode währenden Liebe zwischen ihm und Fanny. Eine Liebe, die eher argwöhnisch von ihrer Mutter (Kerry Fox) und Brown betrachtet wird. Wo Letzterer in Fanny eine Ablenkung für Keats’ lyrische Ergüsse sieht, will Fannys Mutter ihre Tochter nicht an einen Mann ohne Einkommen abgeben.

Dabei baut die Geschichte keine wirklichen Schranken für die junge Liebe. Im Gegenteil, Keats ist gern gesehener Gast im Hause Brawne und versteht sich mit allen Familienmitgliedern blendend. Er wird als Künstler wahrgenommen und auch mit gebührendem Respekt behandelt. Aber wie will sich ein Dichter, der sich nicht einmal selbst versorgen kann, um eine Frau und Kinder kümmern? Was selbst heute bisweilen noch ein Problem darstellt, war Anfang des 19. Jahrhunderts erst Recht ein solches. Als Keats dann auch noch krank wird, verschlechtern sich die Aussichten mehr und mehr. Campion widmet sich in ihrem neunten Spielfilm ausführlich diesem Auf und Ab in der Beziehung zwischen Keats und Fanny. Mit viel Liebe zum Detail lässt die Neuseeländerin die Liebe langsam wie eine Blume aufblühen, wenn Fanny plötzlich realisiert, dass sie sich in Keats verliebt hat. Hier platziert sie Szenen, die besonders authentisch die emotionalen Wogen und Stadien einer derart jungen Romanze einfangen.

Als Keats ihr lange und verliebte Briefe von seinem Sommerdomizil schreibt, fangen Fannys Geschwister Schmetterlinge für sie, die schließlich ihr blasses Schlafzimmer aufhellen. Nachdem von Keats ein anderes Mal jedoch nur ein paar Zeilen eintreffen, erfragt ihre kleine Schwester bei der Mutter ein Küchenmesser. Auf Nachfrage erfährt diese, dass ihre älteste Tochter sich damit die Pulsadern aufschneiden will. Bildhaft sind inzwischen auch die Schmetterlinge verstorben, die wie Relikte einer besseren Zeit schließlich vom Boden aufgekehrt werden müssen. Die große Stärke von Bright Star ist, dass Campion nicht versucht, diese Liebe zu verkitschen. Alles was der Zuschauer sieht, dürfte er selbst in seiner Jugend und Pubertät wohl mehr oder weniger ähnlich erlebt haben. Wenn jedes Wort des oder der Liebsten wie ein Sonnenstrahl im kalten Winter aufgesogen wird und Campion beim Eintreffen des ersten und lang erwarteten Briefes Cornish diesen an ihr Herz gepresst die Treppen hoch tragen lässt.

Die Liebe dieser zwei Figuren fühlt sich nicht authentisch an, weil es diese Liebe vor 190 Jahren tatsächlich gegeben hat, sondern weil Campion sie glaubhaft auf die Leinwand bannt. Hinzu kommt dann noch, dass die Chemie zwischen Whishaw und Cornish in nahezu jeder Szene stimmt. Eingebettet in die Szenerie dieses period pieces wird man schließlich als Zuschauer von der blassen Schönheit dieses Filmes verzaubert. Sechzehn Jahre nach ihrem Meisterwerk The Piano schafft Campion es, sich wieder zurück zu melden und einen neuen Akzent zu setzen. Ihre Hingabe zu diesem Projekt merkt man schon allein daran, dass sie sich nicht gescheut hat, für die Schlusseinstellung des Filmes, die nur wenige Sekunden dauert, tatsächlich nach Rom zu fliegen, um dort vor Ort zu drehen. Somit ist Bright Star ein Film der von Hingabe handelt und auch mit solcher umgesetzt wurde. Gebührend ausgeleitet mit dem Abspann, unter den Campion nicht wie sonst üblich Musik gelegt hat, sondern Whishaw aus dem Off eines von Keats’ Gedichten aufsagt.

Dabei ist Bright Star aber nicht nur Herzschmerz, sondern weiß auch an den nötigen Stellen durch kleine humoristische Auflockerungen zu gefallen. Zudem fängt Campion auch äußerst gelungen die Atmosphäre der damaligen Zeit ein. Gedichte bestimmten den Alltag und bildeten die Unterhaltung, kanalisierten den Weltschmerz jener Epoche. Zwar umreißt Campion auch durchaus das Schaffen von Keats, doch spielt sich dies eher im Hintergrund der Geschichte ab. Vordergründig ist ihr Film ein cineastisches Sonett auf die Liebe und in seiner Art und Form ein Liebesfilm, wie man ihn schöner in den letzten Jahren wohl kaum zu Gesicht bekommen hat. Nach Flops wie In the Cut meldet sich Campion - eine von drei Frauen, die für ihre Regiearbeit mit einer Oscarnominierung bedacht wurden - eindrucksvoll zurück und knüpft in gewisser Hinsicht da an, wo sie vor 16 Jahren mit The Piano aufgehört hat. In einer Szene des Filmes meint Keats, wenn die Muse den Dichter nicht von selbst findet, wäre es besser, sie finde ihn gar nicht. Insofern ist es erfreulich, dass Jane Campion scheinbar wieder von ihrer Muse gefunden wurde.

8.5/10

20. August 2008

Elizabethtown

If it wasn't this... it'd be something else.

Wann verkommt ein Misserfolg oder Reinfall zu einem Fiasko? Drew Baylor (Orlando Bloom) entwirft Schuhe für Phil DeVoss (Alec Baldwin) und dessen Firma Mercury Schuhe. Als einer seiner Entwürfe zu einem finanziellen Reinfall wird, muss Mercury eine Rückholaktion starten und einen finanziellen Verlust von 972 Millionen Dollar hinnehmen. Entgegen seiner eigenen Beteuerung ist sich Drew seiner Entlassung durchaus bewusst. Er verliert für seine Firma nicht nur fast eine Milliarde Dollar, sondern schließlich auch seinen Job und seine Freundin Ellen (Jessica Biel). Noch am selben Abend macht sich der junge Mann auf in seine Wohnung und baut seinen Hometrainer zur Suizidmaschine um. Bevor er sich jedoch das Leben nehmen kann erhält er die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Somit zum Mann der Familie verkommen, schickt ihn seine Mutter Hollie (Susan Sarandon) in die Heimatstadt seines Vaters nach Elizabethtown, Kentucky. Dort soll Drew den Leichnam seines Vaters nach Hause überführen. Während Drew seine Suizidpläne so lange auf Eis legt, lernt er im Flugzeug nach Louisville die extrovertierte Flugbegleiterin Claire (Kirsten Dunst) kennen – eine wahrhaft schicksalhafte Begegnung. Durch seinen Job jahrelang vom Familienleben abgehalten, trifft Drew in Elizabethtown auf seinen Cousin Jesse (Paul Schneider) und andere entfernte Familienmitglieder. Über seine Verwandtschaft beginnt Drew seinen Vater aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrzunehmen. Zwischen den Vorbereitungen für die Beerdigung beziehungsweise Einäscherung hilft ihm außerdem Claire dabei, sein eigenes Leben und seinen Misserfolg ebenfalls aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Elizabethtown erzählt die coming-of-age Geschichte von Drew Baylor, Regisseur und Autor Cameron Crowe wiederum präsentiert dem Zuschauer eine Geschichte über Akzeptanz, Selbstfindung und Hakuna Matata.

Für die pop-kulturelle Landschaft hat Regisseur und Autor Cameron Crowe innerhalb eines Jahrzehnts ungemein viel beigetragen. Noch heute ist Lloyd Doblers Liebesbotschaft aus den Boxen eines Ghetto-Blasters in Say Anything Kulturgut in Amerika. Auch mit seinen drei folgenden Filmen Singles (1992), Jerry Maguire (1996) und Almost Famous (2000) konnte Crowe seinen Ruhm Stück für Stück vergrößern. Für sein Drehbuch zu Almost Famous erhielt er dann letztlich einen Academy Award. Doch sein Höhenflug sollte noch im selben Jahr einen Abbruch erleiden. Zwar war Vanilla Sky sein zweiterfolgreichster Film, doch kam sein Alejandro Amenábar-Remake nicht sonderlich gut an. Nach vier Jahren Pause meldete Crowe sich schließlich 2005 mit Elizabethtown zurück – und fiel erneut auf die Schnauze. Weltweit konnte der Film gerade so seine Kosten wieder einspielen, bei den Kritikern und den Fans fiel der Film weitestgehend durch. Dabei hatte er das Projekt extra verzögert, da es Hauptdarsteller Orlando Bloom und seiner Leinwandpartnerin Kirsten Dunst auf den Leib geschrieben wurde. Als Bloom jedoch aufgrund der Dreharbeiten zu Kingdom of Heaven nicht zur Verfügung stand, wurde über Ashton Kutcher und Seann William Scott nachgedacht. Auch Dunst passte der Film nicht in ihren Terminkalender, wollte sie doch in M. Night Shyamalans The Village mitspielen. Am Ende kam alles doch ganz anders und Crowe konnte seinen Wunschcast vor der Kamera versammeln. Damit hat er sich allerdings keinen Gefallen getan, zumindest halbwegs nicht. Dennoch weiß Elizabethtown besonders gegen Ende den typischen Croweschen Charma aufzuweisen, der bereits seine vorherigen vier Filme durchzogen hat. In jenen Momenten, wenn Susan Sarandon zu „Moon River“ auf der Bühne einen Solotanz anstimmt, macht Crowe erfolgreich seinen desaströsen Vanilla Sky vergessen. Leider fehlt dem Film über weite Strecken jedoch dieser Charme.

Am meisten krankt Elizabethtown an Orlando Bloom als Hauptdarsteller, im Gegensatz zu Kingdom of Heaven muss er hier einen Film alleine durch sein Schauspiel tragen und kann sich nicht hinter Action- und Kampfsequenzen verstecken. Pathetische Reden wie im Scott-Vehikel oder angespanntes Schauen wie in den LotR-Teilen mag man dem Engländer noch zutrauen, hier scheitert er jedoch kläglich. Die Figur von Drew ist nicht unähnlich der von Jerry Maguire, die großartig von Tom Cruise portraitiert wurde. Ein Mann, der am Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist, ohne Job und ohne Freundin. Hinzu kommen aber in Elizabethtown noch der Suizidwunsch und der Tod des Vaters – eine ungemein große Palette an Gefühlen. Diese kauft man Bloom zu keinem Zeitpunkt ab, er wirkt hier in seiner ersten „großen“ Rolle gänzlich überfordert und kann lediglich in der Flugzeug-Szene, in welcher er auf Claire trifft, überzeugen. Dass Bloom mit ernsthaftem Schauspiel jedoch relativ wenig zu tun hat, kann lässt sich besonders in der Autofahrtszene nach Elizabethtown sehen. Richtiggehend leit tut einem dann dieser untalentierte Schönling, wenn er gestresst auf sein Lenkrad schlägt. Die Gefühle von Drew, seien es innere Leere, Depression, Euphorie oder dergleichen, kann Bloom jedoch kaum, zumindest jedoch unzureichend, auf die Leinwand bannen. Da Drew aber fast in jeder Szene enthalten ist, steht und fällt der Film mit seinem Darsteller. Für manche mag es ungläubig klingen, aber vielleicht wäre Seann William Scott hier durchaus die bessere Wahl gewesen. Dass es Kutcher nicht viel besser konnte, bewies er im selben Jahr mit A Lot Like Love.

Dagegen weiß Kirsten Dunst weitaus besser zu gefallen, auch wenn sie einen ähnlichen Charakter bereits vier Jahre zuvor in Crazy/Beautiful gespielt hat. Dunst liegen solche schrägen und verspielten Figuren durchaus, auch wenn sich in der Hotelszene ihre Schwächen offenbart. Auch hier hätte man gerne die „andere Wahl“, Bryce Dallas Howard gesehen, doch schadet Dunst dem Film sehr viel weniger wie es ihr Kollege Bloom tut. Paul Schneider hingegen etabliert sich inzwischen dank seiner Nebenrollen (Lars, Jesse James) als aufstrebender Charakterdarsteller, der zum nächsten William H. Macy aufsteigen könnte. Während Baldwin und Biel nur ein kleines Zubrot sind, kann Susan Sarandon aufgrund ihrer wenigen Szenen nicht viel zum Film beitragen. Sie und Filmtochter Judy Greer sind praktisch nicht existent, wissen aber in ihren kurzen Auftritten stets zu überzeugen. Ganz alleine Schuld daran, dass Elizabethtown hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist Bloom jedoch nicht. Crowe, ganz unüblich von ihm, erschreckt durch eine mitunter inkohärente Geschichte. Drews Schuh ist ein Misserfolg, wieso jedoch genau erfährt man nicht. Das ursprüngliche Skript sah sogar vor, dass der Schuh später ein Erfolg werden würde. Nett sind die Anspielungen auf Nike und deren Gründer Phil Knight, fraglich bleibt jedoch, wieso ein einzelner Mitarbeiter in der Lage ist, einer Schuhfirma eine Milliarde Dollar Verlust zu bescheren. Zudem verlaufen viele Ansätze im Sand: der Konflikt ob Drews Vater nun beerdigt oder eingeäschert wird, wieso er unbedingt einen blauen Anzug tragen muss und was es eigentlich mit der Animosität zwischen Hollie und Bill Banyon (Bruce McGill), einem Freund ihres Mannes, auf sich hat. Sehr viel stärker hätte Crowe auch auf die Beziehung der Baylors in Elizabethtown zu Drews Vater eingehen können beziehungsweise auf die zuletzt starke Entfremdung von Drew zu seinem Vater. Hier reißt Crowe vieles an, verfolgt jedoch keinen Handlungsstrang ausreichend.

Hierzu zählt auch Drews Wunsch sich umzubringen. Die erste Intention und der geniale Bau seiner Suizidmaschine kauft man Bloom nie wirklich ab. Auch wenn er seine Pläne nochmals gegenüber Claire bekräftigt, muss man vor Unglaubwürdigkeit der Figur fast Lachen. Dabei hätte man aus der Geschichte durchaus mehr machen können, wären da nicht die Schwachpunkte im Drehbuch und das miese Spiel von Bloom. Aber wie bereits angesprochen hat Elizabethtown auch seine Croweschen Momente, allen voran die obligatorische Flughafenszene und insbesondere einen großartigen Soundtrack. Dieser kommt vor allem in den finalen zehn Minuten zum Tragen, die den eigentlichen Höhepunkt des Filmes darstellen. Hätte sich Crowe ausschließlich auf Drews Selbstfindungstrip beschränkt, angeschlossen an die Beerdigung, wäre der Film vielleicht besser geworden. Dies sind die starken Szenen, die durch schöne Landschaftsaufnahmen und noch schönerer Musik bestechen. Sein Ende findet der Film schließlich in einer sehr akzeptablen Szene, die gelungener ist als das im Drehbuch geplante. Allein wegen einiger Hänger im Skript und Blooms Spiel sollte man – besonders als Cameron Crowe Fan – seinen letzten Film aber nicht verdammen. Wer geduldig ist, wird mit einigen Croweschen Momenten belohnt, mit liebevoll ausgesuchten Drehorten und der besten Straßenkarte aller Zeiten. Bedenkt man Vanilla Sky, so ist Elizabethtown ein Schritt in die richtige Richtung für Wunderkind Crowe.

6.5/10

19. Februar 2008

Lars and the Real Girl

What would Jesus do?

Außenseiter. Jeder kennt sie und die meisten wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Denn Außenseiter sind meistens verschroben, eigenartig, seltsam. Eben nicht normal und niemand will mit jemanden gesehen werden, der nicht normal ist, denn dann wird gleich die eigene Normalität hinterfragt. Am häufigsten werden Außenseiter in High School Filmen inszeniert, die nerdigen Brillenträger oder Dickerchen, die im Sportunterricht immer als letzte gewählt werden und in der Umkleide vom Quarterback eins mit dem Handtuch hinten drauf kriegen. Und wer kannte an seiner eigenen Schule nicht auch einen solchen Außenseiter, jemand den man nie in seiner Gruppe haben wollte. Einfach weil er komisch, weil er anders war. Eben nicht normal, nicht so wie man selbst. Doch auch nach der Schulzeit spielt Konformität noch eine große Rolle, bloß nicht aus der Reihe tanzen, nicht auffallen, sich anpassen. Gerade diese erwachsenen Außenseiter sind meist kein Thema für große Filme, wenn sie nicht den pubertären Spielereien einer Teenie-Komödie dienen. Paul Thomas Anderson portraitierte Adam Sandler als einen solchen Außenseiter in Punch-Drunk Love. Darin spielte Sandler einen schüchternen, verklemmten Verkäufer, welcher nicht sonderlich gut mit Frauenbekanntschaften auskam. In der deutschen The Office-Adaption Stromberg wurde eine solche Figur von Bjarne Mädel verkörpert, dem Mobbing-Opfer seiner Büroabteilung. Diese Figuren leben von ihrer Umgebung isoliert, fallen durch ihre äußerliche Erscheinung auf und sind sexuell an sich abstinent. Sie leben in ihrer eigenen Welt und dienen als Lachnummer für den konformen Rest der sich selbst als normal erachtet.

Lars (Ryan Gosling) lebt ein unscheinbares Leben in einer Garage. Den Einladungen seiner im Haus nebenan lebenden Schwägerin Karin (Emily Mortimer) weicht er geschickt aus und zu seinem Bruder Gus (Paul Schneider) hat er auch ein unterkühltes Verhältnis. Im Geschäft und der Kirche ist er höflich und zuvorkommend, auf private Fragen oder gar Avancen seiner schrulligen Arbeitskollegin Margo (Kelli Garner) geht er jedoch nicht ein. Lars steht morgens auf, fährt zur Arbeit und von dort wieder zurück nach Hause. Er hat so wenig zwischenmenschliche Kontakte wie nötig. Durch seinen Arbeitskollegen wurde Lars jedoch auf eine Homepage aufmerksam gemacht, die lebensechte Sexpuppen vertreibt, deren Aussehen man selbst bestimmen kann und die sogar mit fiktiver Vorgeschichte geliefert werden. Sechs Wochen später trifft eine solche Puppe bei Lars ein und schlagartig ändert sich sein Leben. Er holt seinen schönsten Pullover heraus, kämmt sich die Haare und eröffnet seinem Bruder und seiner Schwägerin, dass er Frauenbesuch hat, was bei den beiden für ekstatische Euphorie sorgt. Beim Abendessen stellen sie dann schockiert fest, dass Lars neue Freundin Bianca, halb Dänin halb Brasilianerin, nicht nur im Rollstuhl sitzt, sondern nicht einmal echt ist. Da Lars sie jedoch wie eine reale Person behandelt, bringen sie ihn am nächsten Tag zur Allgemeinärztin und Psychologin der Stadt. Diese rät nicht nur Karin und Gus, sondern allen Einwohnern das Spiel um Bianca einfach mitzuspielen, bis sich Lars selbständig von seiner Illusion zu lösen bereit ist. Lars, der sich nun erstmalig in sein soziales Umfeld zu integrieren bereit ist, sieht bald dass seine Freundin mehr Zeit mit den anderen Bewohnern verbringt, als mit ihm.

Mit Lars and the Real Girl ist Nancy Oliver eine großartige Geschichte über Einsamkeit, Liebe und Akzeptanz gelungen, die sehr viel mehr das Herz berührt als dass sie die Lachmuskeln anregt. Oliver, die einige Drehbücher für die tiefsinnig-humoristische HBO Serie Six Feet Under verfasst hat, stieß im Internet selbst eines Tages auf die Homepage der RealGirls, zu denen auch die im Film dargestellte Bianca gehört. Anstatt dies in eine debile konforme Komödie zu verpacken, schuf sie stattdessen eine tiefsinnige emotionale Geschichte. Produzent Sidney Kimmel, der gerne mal Independentfilme unterstützt gehört der größte Respekt gezollt, diese Geschichte tatsächlich auf die Beine gestellt zu haben. Als Regisseur gewann er den mehrfach ausgezeichneten Werbefilmer Craig Gillespie, der unter anderem für die Limonaden Mountain Dew und Pepsi (mit Justin Timberlake in der Hauptrolle) TV-Spots gedreht hat. Als weitere Produzenten kamen John Cameron an Bord, der mehrfach mit den Coen-Brüdern produzierte, aber auch Schauspieler und Regisseur Peter Berg unterstütze das Projekt, wie auch William Horberg der hinter Filmen wie Death at a Funeral und The Quiet American steht. Als Schauspieler konnten neben dem mehrfach nominierten Ryan Gosling auch solche bekannte Namen wie Emily Mortimer (Match Point), Patricia Clarkson (Dogville) und Paul Schneider (The Assassination of Jesse James) gewonnen werden, die allesamt perfekt harmonieren und den Film zu einem großartig gespielten Erlebnis machen.

Dass Lars so ist wie er ist, entspricht keinem Zufall, sondern hängt mit seiner Kindheit zusammen. Die Mutter starb bei seiner Geburt und durch ihren Tod wurde die Familie auseinander gerissen. Sein älterer Bruder Gus büchste irgendwann von zu Hause aus und der Vater lebte nach dem Tod seiner Frau mit gebrochenem Herzen weiter. So kam es, dass Lars von Haus aus nie wirklich Zuwendung oder Liebe verspürt hat, alles was er von seiner Mutter besitzt ist ein himmelsblauer Schal, den sie ihm genäht hat und den er immer bei sich trägt. Wer in einer isolierten und apathischen Umgebung aufwächst kann an sich auch nur isoliert und apathisch werden. So schlägt sich die fehlende Zuwendung und Nähe seiner Kindheit irgendwie selbstverständlich in Lars Haphtephobie nieder. Er trägt mehrere Kleider übereinander um vor Berührungen anderer Menschen, die er wie ein Brennen empfindet, gefeit zu sein. Wenn er dann nach einiger Zeit seiner Kollegen Margo die nackte Hand zum Schütteln entgegenreicht, besitzt dies eine unaussprechliche Ausdrucksstärke. Selbst Bianca berührt Lars nur äußerst selten und der eigentliche Sinn, den sie erfüllen sollte, tritt bei Lars überhaupt nicht auf. Zu Bett gebracht wird sie von Gus und schlafen tut sie im ehemaligen Zimmer von Lars’ Mutter, sodass alles Sexuelle zwischen den Beiden entfällt und der Kuss zwischen ihnen am Ende sinnbildhaft für diese Beziehung steht. Während des ganzen Filmes ist sich Gus immer sehr wohl bewusst, was Lars eigentlich wirklich fehlt bzw. gefehlt hat und wie sehr ihn dies auch selbst belastet. Durch Lars’ Umstände ist Gus gezwungen mehr Zeit mit seinem Bruder zu verbringen, als er es vorher je tat und durch diese gemeinsam verbrachte Zeit gelingt es ihm schließlich sich selbst zu vergeben.

Der Umstand das Lars Bianca wie eine reale Person behandelt sorgt für die Einwohner im Film zuerst für dasselbe Unverständnis und Amüsement wie bei den Kinozuschauern. Dabei zeigt Gillespie in seinem Film sehr bald, dass nicht wirklich etwas Belustigendes an Lars’ Verhalten ist. Jeder Mensch hat seine Spinnereien oder Illusionen und während manche eine Sexpuppe als real erachten, ziehen andere ihren Katzen Kleider an, hängen an ihren Actionfiguren oder Kuscheltieren, führen Selbstgespräche, lassen ihre Kinder in dem Stadion ihres Lieblingsfußballvereins taufen oder hoffen darauf, dass sie ein vor zweitausend Jahren ermordeter jüdischer Zimmermann eines Tages erretten wird. Jeder Mensch hat folglich seine Illusionen und es macht wenig Sinn sich über die einen mehr lustig zu machen,als über die anderen. Während des Filmes mag man sich die Frage stellen, was so abwegig an Lars’ Verhalten sein soll. Dieselben kleinen Gespräche führt jeder auch mit seinen realen Partnern, was unterscheidet Lars’ Beziehung zu Bianca so sehr von Gus’ Beziehung zu Karin? Oliver portraitiert in ihrem Drehbuch gekonnt wie durch Lars und Bianca allen anderen Einwohner der Stadt ein sozialer Spiegel vorgehalten wird. Lars behandelt seine künstliche Freundin zuvorkommend, freundlich, höflich und gerade durch sein Verhalten zu Bianca beeinflusst er auch das Verhalten der anderen zu Bianca. Natürlich spielen diese das Spiel nur aus Liebe zu Lars mit, aber in ihren Begegnungen mit der Puppe entwickeln sich auch alle anderen Einwohner – allen voran Gus – menschlich weiter.

Ohne Frage ist Lars and the Real Girl witzig, wenn Lars eine Blume wegwirft als er Margo gegenübersteht oder mit Bianca in irgendwelchen sozialen Szenen verwickelt wird. Es ist aber vor allem ein sehr bewegender und emotionaler Film, exzellent bebildert, sodass Lars nie wirklich ins Lächerliche gezogen wird. Wenn er plötzlich beginnen muss seine Freundin mit anderen zu teilen, so ist dies ebenso toll dargestellt wie die Tatsache, dass sich Lars erst durch Bianca traut am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Bianca wird von allen deswegen akzeptiert, weil Lars von ihnen akzeptiert wird und spätestens an diesem Punkt verlässt der Film dann die Konventionen durchschnittlicher Kinofilme. Natürlich wird man nirgends eine solche Stadt finden, die einen der Einwohner umsorgt, der eine Beziehung mit einer Sexpuppe führt. Der Grund hierfür liegt aber an uns, den Einwohnern, den Zuschauern, dem Publikum. Wer würde so etwas schon akzeptieren? Den Außenseiter, der nicht normal ist, weil er nicht wie wir ist. Gus steht stellvertretend für alle anderen, wenn die erste Frage die ihm in den Kopf schießt lautet: was werden die anderen von uns denken? Konformität, von jeher der Fluch des Menschen. Was werden die andern von uns denken, wenn wir in einem jüdischen Geschäft einkaufen?, wird man sich 1934 in Deutschland gedacht haben. Was wird man von uns denken, wenn die Nachbarn herausfinden, dass das eigene Kind, der Kumpel, der Mannschaftskamerad womöglich homosexuell ist? Was wird man von uns denken, wenn der eigene Bruder eine Beziehung mit einer Puppe eingeht und zum ersten Mal in seinem Leben glücklich ist und sich angenommen und geliebt fühlt?

Oliver und Gillespie zaubern in schönen Bildern und toller musikalischer Untermalung eine superbe kleine Moralfabel auf die Leinwand, die sich weniger damit beschäftigt, dass sich Lars an die Allgemeinheit, sondern vielmehr die Allgemeinheit an Lars anpassen soll. Das dies auf der Leinwand so hervorragend funktioniert, ist zu einem Großteil natürlich Ryan Gosling zu verdanken, der hier wieder einmal beweisen kann, weshalb er zu den aufstrebenden jungen Charakterdarstellern unserer Zeit gehört. Verdient waren die Golden Globe Nominierungen für Gosling und Oliver allemal und es liegt wohl allein an der starken Konkurrenz dieses Jahr, dass es Gosling zu keiner Oscarnomierung gebracht hat. Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass Lars and the Real Girl ein unglaublich mutiger Film ist, da er von den wenigsten entsprechend aufgenommen wird. Mutig ist es, einen solchen Film tatsächlich zum Finanzieren zu bekommen und ihn auf so magische und berührende Weise schließlich zu inszenieren. Dass die gesamte Crew des Filmes am Set die Sexpuppe Bianca tatsächlich wie eine reale Person behandelt hat, ist bei Betrachtung des Filmes nicht weiter verwunderlich und steht stellvertretend für das Herz dass diese Geschichte besitzt. Einziger Wemutstropfen ist die Tatsache, dass man den plötzlichen Wandel, welchen die Figur von Lars erlebt, nicht ohne weiteres nachvollziehen kann. Die fehlende Liebe ist das eine, weshalb er jedoch mit 27 Jahren anfängt eine Sexpuppe im Internet zu bestellen und sie wie eine reale Person zu behandeln ist das andere. Hier hätte man sich noch etwas mehr Ausarbeitung des Charakters gewünscht. Lars and the Real Girl zählt fraglos zu den besten Filmen dieses Kinojahres und sicherlich nicht zu denen, die jeder gesehen haben sollte, denn um den Film wirklich zu verstehen, muss man sich auf ihn einlassen. Dann behandelt man hinterher vielleicht auch den einen oder anderen Außenseiter in seiner Umgebung mit etwas mehr Respekt.

8.5/10

8. Dezember 2007

The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford

Don’t that picture look dusty?

Die USA sind ein Land, das von seinen Helden lebt und solche braucht. Einer dieser Helden ist Jesse James. Und wie so oft vermischen sich Kriminalität und Ruhm zu Heldentum, etwas das Oliver Stone und Quentin Tarantino in Natural Born Killers thematisierten. Man könnte nun darüber streiten, ob – und wenn ja, inwiefern – Jesse James ein Held war. Was sicher ist: Er war ein Dieb und ein Mörder. Aber mit solchen Dingen waren die Leute bereits im so genannten Wilden Westen etwas gnädiger. Schon zu Lebzeiten wurde James in den Jesse James Stories als ein Robin Hood jenes Wilden Westens dargestellt, was erklären mag, wieso bisher bereits 19 Kinofilme über seine Leben und Schaffen produziert wurden.

In die Rolle des Desperados schlüpfte nach Jesse James’ eigenem Sohn, Robert Duvall und Colin Farrell nun Brad Pitt, der außerdem neben Sir Ridley Scott mit seiner Produktionsfirma Plan B als Finanzier fungierte. Für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ron Hansen aus dem Jahr 1983 holten die beiden Hollywoodgrößen nach jahrelanger Abstinenz den neuseeländischen Regisseur Andrew Dominik an Bord, der sich sieben Jahre zuvor nur mit Chopper auszeichnen konnte. Für die Rolle des Robert Ford kam dann neben Shia LaBeouf noch Casey Affleck in Frage, der seltsamerweise aufgrund seines Alters den Zuschlag gegenüber LaBeouf erhielt, obschon der näher an den 19 Jahren von Fords Figur war.

Mit einem Budget von 30 Millionen Dollar wollte Dominik einen dunklen Western à la Terence Malick inszenieren, das Studio hingegen wünschte sich etwas mehr Action in Richtung von Clint Eastwood. Mehrere Versionen des Films, darunter eine dreistündige Fassung, wurden von Scott und Pitt begutachtet, ehe man sich für diese 160 Minuten lange Kinoversion entschied. Dabei gelang es dem Film weltweit lediglich 15 Millionen Dollar einzuspielen, davon lediglich 20 Prozent in den USA. Erfolgreicher lief es für die Darsteller Brad Pitt und Casey Affleck, von denen Ersterer bei den Filmfestspielen in Venedig als Bester Hauptdarsteller prämiert wurde und Letzterer als bester Nebendarsteller vom National Board of Review.

Die Handlung beginnt 1879 im Mittleren Westen der USA: Bankräuber Jesse James (Brad Pitt) und sein Bruder Frank (Sam Shepard) planen den Überfall auf einen Zug in Missouri. Hierfür haben sie kleinere Ganoven aus der Umgebung rekrutiert, darunter auch die Brüder Charley (Sam Rockwell) und Bob Ford (Casey Affleck). Doch die Zeiten der James Bande sind vorüber, die meisten Mitglieder inzwischen entweder tot oder im Gefängnis. Während Frank sich auf sein Altenteil zurückzieht, wird Jesse immer paranoider und sieht in jedem seiner ehemaligen Partner eine Gefahr auf sein Wohl und Leben. Die Ford Brüder warten derweil darauf, dass Jesse wieder an sie herantritt und für einen neuen Überfall einplant.

Wichtig ist dies die Aufnahme in die Gang und das damit einhergehende Vertrauen besonders für Bob, der immerhin von Kindesbeinen an ein großer Fan von Jesse ist und alle Geschichten über diesen verschlungen und gesammelt hat. Dies führt dazu, dass er nicht nur von seinem Bruder und dessen Freunden, sondern viel schlimmer noch sogar von Jesse selbst geneckt wird. Bob, der an der fehlenden Aufmerksamkeit und dem mangelnden Respekt leidet, inszeniert daraufhin eine Ergreifung durch die Polizei und lässt sich von dieser als Spitzel engagieren. Als Jesse schließlich ihn und seinen Bruder für einen bevorstehenden Banküberfall zu sich holt, spitzt sich die Lage zu und Bob sieht sich in der Zwickmühle.

Etwas entgegen dem klassischen Western-Film stellt Pitt seinen Helden in manchen Szenen mit dickem Pelzmantel, Melone und Zigarre wie einen Gangster-Rapper des 19. Jahrhunderts da, was er gerne mit wildem Geschrei zu verstärken sucht. Dadurch mag womöglich versucht werden, einen Mann darzustellen, der bereits zu Lebzeit zum Mythos verklärt wurde. Zur Legende unter der Bevölkerung und zum Staatsfeind der Regierung. Ein Terrorist, ein Guerilla. Dies zwingt ihn zu einem Leben der Unscheinbarkeit, immer wieder ziehen er und seine Frau Zee (Mary-Louise Parker) mit den Kindern von Ort zu Ort, natürlich stets unter falschem Namen. Entsprechend weiß nicht einmal sein Sohn, wie sein Vater heißt.

Doch sein Status als US-Staatsfeind führt dazu, dass Jesse unter seinen ehemaligen Partnern ständig Verschwörungen wittert. Dies dürfte der Grund sein, weshalb er sich für Bob und Charley Ford entscheidet, denn auch wenn er ständig selber den jungen Bob nervt, so weiß er doch, dass dieser ein riesiger Fan von ihm ist und scheint von ihm keine unbedingte Gefahr zu verspüren. Doch die Fords tragen eigene Geheimnisse mit sich, die sie bei Jesse in Misskredit bringen könnten, weswegen sie merklich nervös sind, als sie von dem Outlow rekrutiert werden. Dem depressiven Paranoiker entgeht natürlich nicht die Nervosität der Fords, was Dominik in seinem dritten Akt in einem wahren Nervendrama kulminieren lässt.

Bei The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford handelt es sich weniger um einen klassischen Western als um ein Porträt. Und zwar sowohl von Jesse James als auch von Bob Ford. In vielen ruhigen, teils elegischen Einstellungen zeigt Dominik dem Publikum die Einsamkeit und Isolation von James in seinem eigenem Ruhm. Kameramann Roger Deakins präsentiert dabei umwerfende Landschaftsaufnahmen und großartige Licht- und Bildkompositionen. Auch die Musik von Nick Cave und Warren Ellis unterstützt diese Bilder äußert gelungen, wobei hier vor allem das Theme des Filmes herausragt, welches zugleich eine unglaubliche Belanglosigkeit, aber auch ergreifende Melancholie ausdrückt.

Beides zusammen gipfelt in einer der besten Szenen des Jahres, wenn die James Gang des Nachts einen durch den Wald fahrenden Zug zum Überfallen stoppt. Der Film nimmt sich grundsätzlich viel Zeit, nicht nur um seine Charaktere auszuarbeiten, sondern auch um das Psychospiel zwischen James und den Fords auszureizen. Damit gehört The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford zu jener Art von Filmen, auf die man sich bewusst einlassen muss und darf keine spröde Unterhaltung erwarten. Das Ende hätte sicherlich kürzer geraten können und allgemein ist der Film mitunter etwas langatmig, weiß aber dennoch über die gesamte Laufzeit durch seine poetische Schönheit zu fesseln.

8.5/10