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1. Februar 2015

Filmtagebuch: Januar 2015

THE AMAZING SPIDER-MAN
(USA 2012, Marc Webb)
5.5/10

THE AMAZING SPIDER-MAN 2
(USA 2014, Marc Webb)
5/10

ART AND CRAFT
(USA 2014, Sam Cullman/Jennifer Grausman/Mark Becker)
5.5/10

BATMAN: UNDER THE RED HOOD
(USA 2010, Brandon Vietti)
7/10

THE BEACH
(USA/UK 2000, Danny Boyle)
6/10

THE BOX
(USA 2009, Richard Kelly)
4/10

BROKEDOWN PALACE
(USA 1999, Jonathan Kaplan)
4.5/10

THE DEFIANT ONES [FLUCHT IN KETTEN]
(USA 1958, Stanley Kramer)

7.5/10

FRIDAY NIGHT LIGHTS – SEASON 1
(USA 2006/07, Jeffrey Reiner u.a.)
7/10

FRIDAY NIGHT LIGHTS – SEASON 2
(USA 2007/08, Jeffrey Reiner u.a.)
6/10

FRIENDS – SEASON 6
(USA 1999/2000, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

FRIENDS – SEASON 7
(USA 2000/2001, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

FRIENDS – SEASON 8
(USA 2001/2002, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

GRUDGE MATCH [ZWEI VOM ALTEN SCHLAG]
(USA 2013, Peter Segal)

5/10

THE IMMIGRANT
(USA 2013, James Gray)
6/10

JACKASS: THE MOVIE
(USA 2002, Jeff Tremaine)
5.5/10

JUMANJI
(USA 1995, Joe Johnston)
5.5/10

JUSTICE LEAGUE: CRISIS ON TWO EARTHS
(USA 2010, Sam Liu/Lauren Montgomery)
6/10

JUSTICE LEAGUE: THE FLASHPOINT PARADOX
(USA 2013, Jay Oliva)
6/10

JUSTICE LEAGUE: THRONE OF ATLANTIS
(USA 2015, Ethan Spaulding)
5.5/10

JUSTICE LEAGUE: WAR
(USA 2014, Jay Oliva)
5.5/10

LAGGIES
(USA 2014, Lynn Shelton)
4.5/10

LOVE IS STRANGE
(USA/F/BR/GR 2014, Ira Sachs)
5.5/10

NEED FOR SPEED
(USA/RP/IRL/UK 2014, Scott Waugh)
3/10

THE OMEN
(USA/UK 1976, Richard Donner)
4/10

PARDÉ [CLOSED CURTAIN]
(IR 2013, Jafar Panahi/Kambuzia Partovi)

3/10

RETURN TO PARADISE [FÜR DAS LEBEN EINES FREUNDES]
(USA 1998, Joseph Ruben)

6.5/10

SPIDER-MAN
(USA 2002, Sam Raimi)
7.5/10

TROPIC THUNDER
(USA/UK/D 2008, Ben Stiller)
6.5/10

VIRUNGA
(UK/CG 2014, Orlando von Einsiedel)
5.5/10

Retrospektive: Top Five 2008


SWEENEY TODD: THE DEMON BARBER OF FLEET STREET
(UK/USA 2007, Tim Burton)
8/10

SOUTHLAND TALES
(USA/F/D 2006, Richard Kelly)
8.5/10

IN BRUGES [BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?]
(UK/USA 2008, Martin McDonagh)

8.5/10

INTO THE WILD
(USA 2007, Sean Penn)
8.5/10

LE SCAPHANDRE ET LE PAPILLON [SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE]
(F/USA 2007, Julian Schnabel)

9.5/10

20. November 2008

How to Lose Friends & Alienate People

I got cock on my hand.

Was haben die beiden nicht jahrelang das britische Komödienfach geruled. Die Rede ist von Hugh Grant und Colin Firth, den beiden Charmebolzen aus England. Nett anzusehen, aber meist eher in den Bereich der Softies zu zählen, welche die Frauen für sich gewinnen. Doch wenn Grant und Firth Softies sind, dann ist Simon Pegg wohl Vernel, sprich extrasanft. Zwar haben auch die anderen beiden keinen Waschbrettbauch vorzuweisen, doch immerhin haben sie durch ihr Gesicht einen Pluspunkt bei den Frauen. Was nun nicht heißen soll, dass Pegg als „hässlich“ anzusehen ist, doch punktet der Komiker aus Gloucester wohl eher durch seinen Humor, denn sein Aussehen. Insidern der Filmszene dürfte er seit einigen Jahren ein Begriff sein, zu verdanken der Sitcom Spaced aus der Feder von Edgar Wright. Ebenjener Regisseur verhalf 2004 dann nicht nur sich selbst, sondern auch Pegg zu internationalem Ruhm, als sie mit der Zombie-Zote Shaun of the Dead auf sich aufmerksam machten.

Mit der Action-Persiflage Hot Fuzz legte man anschließend noch einmal nach und seither war Pegg vollends in die A-Liga der Comedians aufgestiegen. Zwar war seine Run, Fatboy, Run-Klamotte unter der Regie von Kumpel David Schwimmer nicht so erfolgreich wie die Kollaborationen mit Wright, doch änderte dies nichts an der Nachfrage für Pegg. Im nächsten Jahr gibt er den liebenswerten Schiffstechniker unter J.J. Abrams Neustart des Star Trek-Franchises und übernimmt dadurch zum zweiten Mal nach Mission: Impossible III eine Nebenrolle in einem Blockbuster. Zuvor ist er jedoch noch als tölpelhafter Journalist in Robert B. Weides Adaption von Toby Youngs Memoiren How to Lose Friends & Alienate People zu sehen. Bereits 2004 war Pegg für eine Bühnenadaption vorgesehen, musste jedoch aufgrund seiner Shaun-Beteiligung absagen. Vier Jahre später hat es nun also geklappt und mit einer namhaften Besetzung versuchte sich Curb Your Enthusiasm-Regisseur Weide an Youngs Erinnerungen an seine fünfjährige Leidenszeit im amerikanischen Vanity Fair Magazin.

Sidney Young (Simon Pegg) hat es nicht leicht, dabei will er doch nur für sein Magazin auf VIP-Partys. Da er jedoch nur eine kleine Nummer ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit getürkten Mittel eine kleine Sau als Schweinchen Babe auszugeben. Der Trick misslingt, doch Sidney schafft es dennoch auf die Party, wird dort jedoch letztlich von Clint Eastwood aus der Tür befördert. Sein Einfallsreichtum animiert immerhin „Sharp“-Chefredakteur Clayton Harding (Jeff Bridges) ihm eine Stelle in New York anzubieten. Zu sehr erinnert Sidney den Chef an seine eigene Vergangenheit. Doch in New York findet sich Sidney zuerst äußert schlecht zurecht. In einer Bar gerät er mit der Schriftstellerin Alison (Kirsten Dunst) aneinander, die sich am Tag darauf als seine neue Arbeitskollegin entpuppt. Auch mit seinem vorgesetzten Redakteur Maddox (Danny Huston) will Sidney nicht so richtig warm werden.

Ohnehin entpuppt sich die erste Tür der Promiwelt als ziemliche Ansammlung arroganter Persönlichkeiten. Sei es die Publizistin Eleanor (Gillian Anderson) oder ihr narzisstischer Protege, der aufstrebende Regisseur Vincent LePak (Max Minghella). Einziger Lichtblick schient die viel versprechende Schauspielerin Sophie Maes (Megan Fox) zu sein, die gerade mit einem Film über das Leben von Mutter Theresas großer Liebe den Durchbruch schafft. Nach vier Monaten hat Sidney allerdings immer noch keinen selbständigen Artikel verfassen dürfen und den Regeln der Branche will er sich einfach nicht beugen. Während er mit Alison in eine immer innigere Freundschaft rutscht, muss sich Sidney allmählich entscheiden, was er in seinem Leben wirklich will. Und was er bereit ist, dafür aufzugeben.

Toby Young veröffentlichte 2001 seine Memoiren unter dem Titel How to Lose Friends & Alienate People und machte dem zweiten Zusatz jenes Titels während der Dreharbeiten zu Weides Film alle Ehren. Scheinbar hielt Young sich am Set auf und trat an die Schauspieler, namentlich Kirsten Dunst, heran, um mit ihnen über ihre Rollen zu sprechen. Als es den Darstellern zu lästig wurde, ließ Weide den Schriftsteller vom Set entfernen. Ein Elefant im Porzellanladen ist auch der gute Sidney. Sei dies an seinem ersten Abend in New York, wenn er statt früh Schlafen zu gehen noch eine Transsexuelle mit nach Hause bringt oder wenn er ebenjene Transsexuelle seinem Vorgesetzten gegenüber in ein Meeting schickt.

Hierin finden sich nur einige der Fauxpas des guten Sidney, der nebenbei auch noch die Tochter des Verlagschefs bespuckt oder den Hund von Sophie Maes tötet. In jenen Momenten rutscht Weides Film bedauerlicherweise in die Gefilde einer Farrellykomödie hinab. Kruder Humor, wie er auch schon in Run, Fatboy, Run aufgetreten war. Dabei weiß How to Lose Friends & Alienate People durchaus mit einigen großartigen Szenen aufzuwarten, speziell dann, wenn Sidney und Alison gemeinsam auf der Leinwand zu sehen sind. Was leider viel zu kurz kommt ist eine gewisse Bissigkeit gegenüber der High Society beziehungsweise jenem Magazin, für das Sidney arbeitet. Hier wäre eine kritischere Herangehensweise a la The Devil Wears Prada wünschenswerter gewesen.

Dabei steht und fällt der Film natürlich mit der Figur des Sidney, der hier durchaus gelungen von Pegg dargestellt wird. Großartig wie nebenbei kleine Details über seine Persönlichkeit eingeführt werden. Dass er beispielsweise über einen Master of Arts in Philosophie verfügt, Vinylplatten CDs gegenüber bevorzugt oder wie er begründet, weshalb Con Air der beste Film aller Zeiten ist. Trotz all seiner Makel bleibt Sidney somit eine durchweg liebenswerte und sympathische Figur. Einzig und allein für die Exposition der offensichtlichen Liebesgeschichte zwischen ihm und Alison hätte Weide mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Dass sich beide ineinander verlieben lässt sich von Beginn an erahnen, umso wichtiger wäre das „wie“ gewesen. Doch jenes „wie“ wirkt wenig authentisch, quasi nebenbei, aber ohne dass es wirklich Nahrung erfahren hätte. Eventuell liegt dies lediglich am Schnitt und der Aussparung einiger Szenen, oder aber man hat es versäumt dies genauer im Drehbuch einzuarbeiten.

Auch der plötzliche Aufstieg des Briten wirkt reichlich überhastet, wie auch generell seine ursprüngliche Berufung in den Big Apple nicht sonderlich nachvollziehbar erscheint. So ist How to Lose Friends & Alienate People nichts weiter als eine durchschnittliche US-Komödie ohne besondere Schauwerte. Die absehbare Geschichte plätschert vor sich hin, bietet hin und wieder zwar durchaus amüsante Momente, weiß aber ihren eigenen Handlungsbogen wenig glaubhaft zu verkaufen. Scheinbar fühlt sich Pegg ohne seine beiden Partner Wright und Nick Frost nicht sonderlich wohl. So spielte Weides Film in den USA gerade einmal ein Drittel des Einspiels von Run, Fatboy, Run ein und damit nur ein Sechstel von Shaun of the Dead. Vielleicht verheißt dies ja positive Nachrichten für seine nächsten beiden Projekte Paul und The World Ends – beide an der Seite von seinem kongenialen Partner Frost und letzterer unter der Regie von Wright.

6/10

29. September 2008

Spider-Man 3

Where do these guys come from?

Ein neues Phänomen erreichte in Hollywood 2007 seinen Höhepunkt: Fortsetzungen. Sie boomen wie nie und markieren neben Remakes die einträglichste Rubrik des aktuellen Kinos. Die Arbeit wird klein gehalten, man verwertet bekannte Geschichten und schlachtet andere Themen genüsslich aus. Gerade die dritten Teile hatten es dem vergangenen Jahr angetan, denn neben Shrek the Third, Ocean’s Thirteen und Rush Hour 3 warteten auch die Abschlüsse der Pirates of the Carribean- und Spider-Man-Trilogien auf. Letztgenannte Filme konnten sich erfolgsmäßig von der übrigen Masse absetzen. Den Rekord des teuersten Films aller Zeiten durfte Spider-Man 3 nach dem Start von Pirates of the Carribean: At World’s End an diesen abgeben. Auch finanziell war das letzte Piratenabenteuer noch eine Spur erfolgreicher als der Spinnenmann.

An den Top 10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten scheiterte der Film mit Platz 11 nur knapp, immerhin lief er in den USA erfolgreicher als Jack Sparrow und Konsorten. Dabei stört es Sony relativ wenig, dass Spider-Man 3 einen Schlussstrich unter eine stringente Trilogie setzte, die Planungen für einen vierten Teil, der alsbald in die Kinos kommen soll, laufen bereits. Fraglich ist bisher noch, ob Sam Raimi wieder Regie und Tobey Maguire erneut die Hauptrolle spielen wird. Beide machen ein potentielles Engagement von dem Entscheid des anderen abhängig, ebenso wie Kirsten Dunst. Möglich – und im Grunde zum Scheitern verurteilt – wäre eine Neubelebung der Reihe, mit neuem Regisseur und Darstellern. Sehr wahrscheinlich, dass sich Sony dadurch selbst ins Knie schießt. Auch eine Fortsetzung der bisherigen Story ist wohl kritisch.

Im Vergleich zu den Vorgängern haben sich die Dinge für Peter Parker (Tobey Maguire) gewandelt. New York City liebt ihn und verleiht ihm nach der Rettung von Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard) sogar den Schlüssel zur Stadt. Auch in Liebesdingen kann sich Peter nicht beklagen, führt er doch eine zufriedene und glückliche Beziehung mit seiner Jugendliebe MJ (Kirsten Dunst). Lediglich die zerrüttete Freundschaft zu Harry (James Franco) bereit ihm Kopfzerbrechen, während sich dieser insgeheim auf die finale Konfrontation mit Spider-Man vorbereitet. Während es für Peter bestens läuft, hat MJ mit Problemen zu kämpfen. Als Peter und Tante Mae (Rosemary Harris) dann erfahren, dass Onkel Bens wahrer Mörder, der Bankräuber Flint Marko (Thomas Haden Church), auf der Flucht ist, kocht in Peter wieder der scho in Spider-Man aufgetretene Wunsch nach Rache.

Nachdem Marko zu Beginn dann durch einen Unfall genetisch verändert und zum Sandman mutiert ist, sucht Peter später den Konflikt. Bei seiner Vergeltungssucht verletzt er dann nicht nur MJ, sondern auch seinen direkten Konkurrenten beim Daily Bugle, Eddie Brock Jr. (Topher Grace). Schuld an Peters Verhalten ist dabei ein außerirdischer Symbiont, der Besitz von ihm ergriffen hat. Für Peter gilt es nunmehr, sich auf seinen wahren Charakter zu besinnen und seine Gefühle unter Kontrolle zu kriegen. Eine Katharsis muss zu Ende gebracht werden, die in Spider-Man begonnen wurde. Gekonnt verknüpft Regisseur Sam Raimi hierbei die Handlung mit den Ereignissen aus den vorangegangen Teilen, sehr schön auch in der Eröffnungssequenz bebildert. Somit ist Spider-Man 3 letztlich ein würdiger Abschluss der Comic-Trilogie in allen Belangen.

Die Hauptthemen des Films sind Rache und Vergebung, die alle Figuren motivieren. Peter reitet sich in einen Rachedurst hinein, als er erfährt, dass Marko der eigentliche Mörder seines Onkels ist. Er stößt MJ von sich und verliert sich vollkommen in seiner Vergeltung. Nachdem er Marko vermeintlich getötet hat, stößt er bei seiner Tante zu seiner Überraschung nicht auf Dankbarkeit, sondern Abscheu. Sein Verhalten provoziert wiederum Rache beim Sandman, der zuvor keinerlei Aggressionen gegen Spider-Man hegte (“I don’t want to hurt you. Leave now.”). Diese Aggressionen leiten den Sandman letztlich zu Venom, der durch Eddie Brock Jr. gesteuert ebenfalls auf Rache aus ist. Brock ist ein schmieriger Charakter, der beim Anblick seiner Freundin, Gwen Stacy, in Lebensgefahr nichts Besseres zu tun hat, als Fotos für die Zeitung zu schießen.

Somit gehört Brock folglich zu der Sorte Mensch, die immer auf den kürzesten Weg zum erwünschten Ziel kommen möchte und sich dabei auch nicht scheut, fragwürdige Abkürzungen zu nehmen. Durch den Symbionten wird sich Peter also einen Feind schaffen, indem er Brock vor der gesamten Stadt demütigt. Auch Harry strebt es nach Rache, er will Spider-Man für den Tod seines Vaters aus dem ersten Teil büßen lassen, den er dem allseits beliebten Spinnenmann zu Unrecht angelastet hat. Nicht von ungefähr sind es dabei ausschließlich die männlichen Charaktere, denen es nach Rache gelüstet, während das weibliche Ensemble die Tugend der Vergebung propagiert. MJ muss Peter vergeben und diesen wiederum selbst dazu bringen, Flint Marko zu vergeben. Diese Lektion wird er auch außerdem noch von seiner Tante Mae lernen.

Im Trilogie-Abschluss macht Raimi vieles richtig und manches falsch. Die grundsätzliche Stimmung ist gut eingefangen, ein Comic-Flair spürbar. Die Action-Szenen (abgesehen vielleicht vom Finale) sind gut choreografiert und gebührend umgesetzt. Die Musik von Christopher Young kommt meist zwar nicht an den Score von Danny Elfman heran (es fehlt das Mystische), aber das Thema zu Flint Marko ist ausgesprochen gelungen. Nach der Zweitsichtung auf DVD hatte ich dem Film nochmals einen halben Punkt mehr zugesprochen, dem ich ihm bei der jetzigen Drittsichtung wieder abziehe. Zwar ist Spider-Man 3 weitaus lustiger und selbstironischer als es der erste Teil war, doch an den Humor von Spider-Man 2 kommt er dann doch nicht heran. Herausragend ist dennoch die Portraitierung des Evil Peter – herrlich selbstgefällig, arrogant und überheblich auf einmal.

Allein sein Walk-Down in den Straßen New Yorks mit Händeklatschen und Fingerpistole ist grandios, aber auch sonst sind viele Einstellungen amüsant geraten. Interessant ist der Aspekt von Raimi, einen Helden zu zeigen, der negative Eigenschaften trägt, im Gegensatz zum Antagonisten, der scheinbar aus löblichen Beweggründen agiert. Entgegen der allgemeinen Meinung fand ich den Film nicht zu schwülstig, sondern sehr glaubhaft und emotionsgeladen. Gefühle werden verletzt, Beziehungen stehen in Gefahr. Der Kameraschwenk in wunderschön romantischen Pastellfarben erinnert an King Kong und führt zu einem dramatischen Ende aller Konflikte. Entgegen anderer Trilogie-Abschlüsse (Pirates of the Carribean, Matrix) fährt Raimi den Karren nicht gegen die Wand, sondern bringt seine Handlung zu einem gelungen und würdigen Ende.

Dennoch hätte der Film weitaus besser sein können, denn vieles ist zu redundant ausgefallen. Wie in den Vorgänger muss MJ im Finale wieder von Spider-Man gerettet werden, sie wird entführt und als Falle ausgelobt. Das Ganze wurde schon im zweiten Teil eintönig und ist es hier erst recht. Dem hätte man zuvorkommen können, wenn man – wie ich an anderer Stelle schon mal erwähnt hatte – im ersten Teil auf MJ verzichtet und Gwen Stacy in den Mittelpunkt gerückt hätte. Es ist durchaus schön, diese nun endlich zu sehen und sie wird auch fantastisch von der attraktiven Bryce Dallas Howard dargestellt, nur wirkt sie etwas verschenkt. So wie sehr viel im Grunde verschenkt wird, denn Spider-Man 3 krankt an seinen drei Bösewichtern. Denn hatte es Spider-Man in den Vorgänger immer jeweils mit nur einem Gegner zu tun, so sind es dieses Mal derer drei.

Diese treten jedoch nicht parallel, sondern immer abwechselnd auf, sodass man gerne mal die anderen beiden vergisst, wenn sie 20 Minuten lang nicht im Bild sind. Frühzeitig legten sich Raimi und Tobey Maguire auf die Anwesenheit des Sandman fest. Dabei ist dieser eine ziemlich langweilige Figur und wurde vom Regisseur nur deswegen ausgewählt, weil seine Umsetzung eine Herausforderung darstellte. Und die Umsetzung ist auch gelungen, der Sandman wurde großartig animiert. So großartig, dass für Venom scheinbar nicht mehr genug Geld vorhanden war. Dass es Venom überhaupt in den Film geschafft hat, verdankt sich Produzent Avi Arad, der Raimi dazu aufforderte, den Fan-Liebling in den letzten Teil der Reihe mit einzubeziehen. Der Film wird Venom jedoch nicht gerecht, insbesondere nicht in dessen Animation und Darstellung durch Topher Grace.

Im Grunde stellt er nur einen Sidekick für Sandman dar, welcher der eigentliche Antagonist ist, da er Peters Rache-Thema vorantreibt. Eines sporadischen Venom hätte der Film dann nicht bedurft, die Figur ist verschenkt. Auch der Sandman, als liebender Vater, der nur das Beste für seine kranke Tochter wollte, ist ein kleiner Störfaktor. Besser wäre gewesen, man sich auf einen Hauptbösewicht beschränkt, dazu noch die Auseinandersetzung mit dem New Goblin. Wobei es fraglich ist, ob man Harry überhaupt ein Pseudonym geben muss, da er die Stadtbevölkerung gar nicht angreift. Die Handlung kann den drei Strängen jedenfalls nicht immer folgen, man fühlt sich bisweilen gehetzt, die finale Exposition kommt ebenfalls ziemlich überhastet. Auch die Einbindung der New Yorker ins Finale – inklusive Star Spangled Banner – beißt sich.

Meistens erweckt Spider-Man 3 den Eindruck, als habe man zwei Filme in einem erzählen wollen. So erklärt sich auch MJs Verhalten gegenüber Peter. Dennoch funktioniert der Film überaus gut, ich stufe ihn daher hinter dem zweiten Teil als den Besten der Trilogie ein. Entlohnen dürfte den Fan alleine der Cameo von Bruce Campbell, der seine Leistung aus dem Vorgänger erneut zu toppen weiß. Manches Logikloch im Skript findet sich dennoch, man hätte den Film durchaus anders und somit etwas plausibler erklären können. Wie ein anderes Ende für Spider-Man 3 hätte aussehen können, zeigt ein äußerst amüsanter und animierter Internet-Spoof. Dennoch war der dritte Teil ohne Frage ein Höhepunkt des vergangenen Kinojahres und zählt zu den gelungen Comicverfilmungen in einem Genrepool, der zurzeit keinen Beckenrand zu kennen scheint.

8/10

20. August 2008

Elizabethtown

If it wasn't this... it'd be something else.

Wann verkommt ein Misserfolg oder Reinfall zu einem Fiasko? Drew Baylor (Orlando Bloom) entwirft Schuhe für Phil DeVoss (Alec Baldwin) und dessen Firma Mercury Schuhe. Als einer seiner Entwürfe zu einem finanziellen Reinfall wird, muss Mercury eine Rückholaktion starten und einen finanziellen Verlust von 972 Millionen Dollar hinnehmen. Entgegen seiner eigenen Beteuerung ist sich Drew seiner Entlassung durchaus bewusst. Er verliert für seine Firma nicht nur fast eine Milliarde Dollar, sondern schließlich auch seinen Job und seine Freundin Ellen (Jessica Biel). Noch am selben Abend macht sich der junge Mann auf in seine Wohnung und baut seinen Hometrainer zur Suizidmaschine um. Bevor er sich jedoch das Leben nehmen kann erhält er die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Somit zum Mann der Familie verkommen, schickt ihn seine Mutter Hollie (Susan Sarandon) in die Heimatstadt seines Vaters nach Elizabethtown, Kentucky. Dort soll Drew den Leichnam seines Vaters nach Hause überführen. Während Drew seine Suizidpläne so lange auf Eis legt, lernt er im Flugzeug nach Louisville die extrovertierte Flugbegleiterin Claire (Kirsten Dunst) kennen – eine wahrhaft schicksalhafte Begegnung. Durch seinen Job jahrelang vom Familienleben abgehalten, trifft Drew in Elizabethtown auf seinen Cousin Jesse (Paul Schneider) und andere entfernte Familienmitglieder. Über seine Verwandtschaft beginnt Drew seinen Vater aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrzunehmen. Zwischen den Vorbereitungen für die Beerdigung beziehungsweise Einäscherung hilft ihm außerdem Claire dabei, sein eigenes Leben und seinen Misserfolg ebenfalls aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Elizabethtown erzählt die coming-of-age Geschichte von Drew Baylor, Regisseur und Autor Cameron Crowe wiederum präsentiert dem Zuschauer eine Geschichte über Akzeptanz, Selbstfindung und Hakuna Matata.

Für die pop-kulturelle Landschaft hat Regisseur und Autor Cameron Crowe innerhalb eines Jahrzehnts ungemein viel beigetragen. Noch heute ist Lloyd Doblers Liebesbotschaft aus den Boxen eines Ghetto-Blasters in Say Anything Kulturgut in Amerika. Auch mit seinen drei folgenden Filmen Singles (1992), Jerry Maguire (1996) und Almost Famous (2000) konnte Crowe seinen Ruhm Stück für Stück vergrößern. Für sein Drehbuch zu Almost Famous erhielt er dann letztlich einen Academy Award. Doch sein Höhenflug sollte noch im selben Jahr einen Abbruch erleiden. Zwar war Vanilla Sky sein zweiterfolgreichster Film, doch kam sein Alejandro Amenábar-Remake nicht sonderlich gut an. Nach vier Jahren Pause meldete Crowe sich schließlich 2005 mit Elizabethtown zurück – und fiel erneut auf die Schnauze. Weltweit konnte der Film gerade so seine Kosten wieder einspielen, bei den Kritikern und den Fans fiel der Film weitestgehend durch. Dabei hatte er das Projekt extra verzögert, da es Hauptdarsteller Orlando Bloom und seiner Leinwandpartnerin Kirsten Dunst auf den Leib geschrieben wurde. Als Bloom jedoch aufgrund der Dreharbeiten zu Kingdom of Heaven nicht zur Verfügung stand, wurde über Ashton Kutcher und Seann William Scott nachgedacht. Auch Dunst passte der Film nicht in ihren Terminkalender, wollte sie doch in M. Night Shyamalans The Village mitspielen. Am Ende kam alles doch ganz anders und Crowe konnte seinen Wunschcast vor der Kamera versammeln. Damit hat er sich allerdings keinen Gefallen getan, zumindest halbwegs nicht. Dennoch weiß Elizabethtown besonders gegen Ende den typischen Croweschen Charma aufzuweisen, der bereits seine vorherigen vier Filme durchzogen hat. In jenen Momenten, wenn Susan Sarandon zu „Moon River“ auf der Bühne einen Solotanz anstimmt, macht Crowe erfolgreich seinen desaströsen Vanilla Sky vergessen. Leider fehlt dem Film über weite Strecken jedoch dieser Charme.

Am meisten krankt Elizabethtown an Orlando Bloom als Hauptdarsteller, im Gegensatz zu Kingdom of Heaven muss er hier einen Film alleine durch sein Schauspiel tragen und kann sich nicht hinter Action- und Kampfsequenzen verstecken. Pathetische Reden wie im Scott-Vehikel oder angespanntes Schauen wie in den LotR-Teilen mag man dem Engländer noch zutrauen, hier scheitert er jedoch kläglich. Die Figur von Drew ist nicht unähnlich der von Jerry Maguire, die großartig von Tom Cruise portraitiert wurde. Ein Mann, der am Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist, ohne Job und ohne Freundin. Hinzu kommen aber in Elizabethtown noch der Suizidwunsch und der Tod des Vaters – eine ungemein große Palette an Gefühlen. Diese kauft man Bloom zu keinem Zeitpunkt ab, er wirkt hier in seiner ersten „großen“ Rolle gänzlich überfordert und kann lediglich in der Flugzeug-Szene, in welcher er auf Claire trifft, überzeugen. Dass Bloom mit ernsthaftem Schauspiel jedoch relativ wenig zu tun hat, kann lässt sich besonders in der Autofahrtszene nach Elizabethtown sehen. Richtiggehend leit tut einem dann dieser untalentierte Schönling, wenn er gestresst auf sein Lenkrad schlägt. Die Gefühle von Drew, seien es innere Leere, Depression, Euphorie oder dergleichen, kann Bloom jedoch kaum, zumindest jedoch unzureichend, auf die Leinwand bannen. Da Drew aber fast in jeder Szene enthalten ist, steht und fällt der Film mit seinem Darsteller. Für manche mag es ungläubig klingen, aber vielleicht wäre Seann William Scott hier durchaus die bessere Wahl gewesen. Dass es Kutcher nicht viel besser konnte, bewies er im selben Jahr mit A Lot Like Love.

Dagegen weiß Kirsten Dunst weitaus besser zu gefallen, auch wenn sie einen ähnlichen Charakter bereits vier Jahre zuvor in Crazy/Beautiful gespielt hat. Dunst liegen solche schrägen und verspielten Figuren durchaus, auch wenn sich in der Hotelszene ihre Schwächen offenbart. Auch hier hätte man gerne die „andere Wahl“, Bryce Dallas Howard gesehen, doch schadet Dunst dem Film sehr viel weniger wie es ihr Kollege Bloom tut. Paul Schneider hingegen etabliert sich inzwischen dank seiner Nebenrollen (Lars, Jesse James) als aufstrebender Charakterdarsteller, der zum nächsten William H. Macy aufsteigen könnte. Während Baldwin und Biel nur ein kleines Zubrot sind, kann Susan Sarandon aufgrund ihrer wenigen Szenen nicht viel zum Film beitragen. Sie und Filmtochter Judy Greer sind praktisch nicht existent, wissen aber in ihren kurzen Auftritten stets zu überzeugen. Ganz alleine Schuld daran, dass Elizabethtown hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist Bloom jedoch nicht. Crowe, ganz unüblich von ihm, erschreckt durch eine mitunter inkohärente Geschichte. Drews Schuh ist ein Misserfolg, wieso jedoch genau erfährt man nicht. Das ursprüngliche Skript sah sogar vor, dass der Schuh später ein Erfolg werden würde. Nett sind die Anspielungen auf Nike und deren Gründer Phil Knight, fraglich bleibt jedoch, wieso ein einzelner Mitarbeiter in der Lage ist, einer Schuhfirma eine Milliarde Dollar Verlust zu bescheren. Zudem verlaufen viele Ansätze im Sand: der Konflikt ob Drews Vater nun beerdigt oder eingeäschert wird, wieso er unbedingt einen blauen Anzug tragen muss und was es eigentlich mit der Animosität zwischen Hollie und Bill Banyon (Bruce McGill), einem Freund ihres Mannes, auf sich hat. Sehr viel stärker hätte Crowe auch auf die Beziehung der Baylors in Elizabethtown zu Drews Vater eingehen können beziehungsweise auf die zuletzt starke Entfremdung von Drew zu seinem Vater. Hier reißt Crowe vieles an, verfolgt jedoch keinen Handlungsstrang ausreichend.

Hierzu zählt auch Drews Wunsch sich umzubringen. Die erste Intention und der geniale Bau seiner Suizidmaschine kauft man Bloom nie wirklich ab. Auch wenn er seine Pläne nochmals gegenüber Claire bekräftigt, muss man vor Unglaubwürdigkeit der Figur fast Lachen. Dabei hätte man aus der Geschichte durchaus mehr machen können, wären da nicht die Schwachpunkte im Drehbuch und das miese Spiel von Bloom. Aber wie bereits angesprochen hat Elizabethtown auch seine Croweschen Momente, allen voran die obligatorische Flughafenszene und insbesondere einen großartigen Soundtrack. Dieser kommt vor allem in den finalen zehn Minuten zum Tragen, die den eigentlichen Höhepunkt des Filmes darstellen. Hätte sich Crowe ausschließlich auf Drews Selbstfindungstrip beschränkt, angeschlossen an die Beerdigung, wäre der Film vielleicht besser geworden. Dies sind die starken Szenen, die durch schöne Landschaftsaufnahmen und noch schönerer Musik bestechen. Sein Ende findet der Film schließlich in einer sehr akzeptablen Szene, die gelungener ist als das im Drehbuch geplante. Allein wegen einiger Hänger im Skript und Blooms Spiel sollte man – besonders als Cameron Crowe Fan – seinen letzten Film aber nicht verdammen. Wer geduldig ist, wird mit einigen Croweschen Momenten belohnt, mit liebevoll ausgesuchten Drehorten und der besten Straßenkarte aller Zeiten. Bedenkt man Vanilla Sky, so ist Elizabethtown ein Schritt in die richtige Richtung für Wunderkind Crowe.

6.5/10

1. August 2008

Wag the Dog

This is nothing. Piece of cake, walk in the park. This is nothing.

„I did not have sexual relations with that woman”, sprach US-Präsident Bill Clinton 1998 an sein Volk - und gab später reumütig seine Affäre mit der Sekretärin des Oval Office zu. Eine heikle Angelegenheit war dies zu der damaligen Zeit, es gab anschließend sogar zu einem Amtsenthebungsverfahren, nach welchem Clinton jedoch im Amt bleiben konnte. Um von der Lewinsky-Affäre abzulenken, soll Clinton einen Militärschlag gegen den Irak (Operation Desert Fox) initiiert haben. Das Ironische hierbei ist die Tatsache, dass diese Ereignisse ein Jahr zuvor in einem Hollywood-Film erschienen waren, fünf Jahre zuvor in einem Roman. In Wag the Dog wird dem Präsidenten - der während des gesamten Filmes hindurch gesichtslos bleibt - eine sexuelle Affäre mit einer minderjährigen Schülerin nachgewiesen. Dummerweise geschieht das alles elf Tage vor seiner Wiederwahl, weshalb der gegnerische Kandidat, Senator Neal (Craig T. Nelson), Hoffnung wittert.

Um von dem Sexskandal abzulenken, wird Imageberater Conrad Brean (Robert De Niro) engagiert, der gemeinsam mit Winifred Ames (Anne Heche), der Beraterin des Präsidenten, versuchen soll die Wahl zu retten. Kurzerhand erfindet Brean eine kriegerische Auseinandersetzung mit Albanien, für deren mediale Inszenierung er den erfolgreichen Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) engagiert. In den kommenden elf Tagen versucht die Truppe durch gefälschte Kriegsberichte, pathetische Musik und gestelzte Helden die Blicke des amerikanischen Volkes von einer minderjährigen Schülerin hin zu der Terrorzelle Albanien zu lenken. Doch können Brean und Co. damit neben dem Volk auch Senator Neal und CIA-Agent Young (William H. Macy) an der Nase herumführen? Und was findet der psychisch-labile Häftling Schumann (Woody Harrelson) eigentlich davon, zum Kriegshelden „Old Shoe“ abgestempelt zu werden? Die Antworten präsentiert Oscarpreisträger Barry Levinson.

Den Roman American Hero verfasste Autor Larry Beinhart 1993 und befasste sich in diesem mit George H. W. Bush und seiner Vermutung, dass dieser die Operation Desert Storm nur initiierte, um seine Wiederwahl zu sichern. Dass es sich beim 2. Golfkrieg nur leidlich um einen „echten“ Krieg gehandelt habe, argumentiert auch Jean Baudrillard in seinem Buch The Gulf War Did Not Take Place. Baudrillard führt darin an, dass im Golfkrieg weniger amerikanische Soldaten gestorben waren, als rein statistisch der Fall gewesen wäre, wenn sie alle zu Hause geblieben und bei Autounfällen umgekommen wären. Welche Farce dieser Krieg in der Tat war, dokumentierte Oscarpreisträger Sam Mendes 2005 mit seinem Film Jarhead, in welchem Scharfschütze Swoff ganze vier Tage im Kriegseinsatz war und dabei keine einzige Kugel abgefeuert hatte. Unabhängig davon, ob man den Zweiten Golfkrieg als echten Krieg sehen möchte oder nicht, ist unbestritten, dass Kriege und ihre Abläufe in heutiger Zeit von den Medien mitbestimmt werden. Offensichtlich wurde dies erst wieder im Dritten Golfkrieg, von welchem dem amerikanischen Volk nur die Bilder gezeigt wurden, die vorher vom Militär und der Regierung abgesegnet wurden. Dass ein Krieg jedoch gar nicht stattfindet, obschon angekündigt, ist in Zeiten von Google und YouTube äußerst unwahrscheinlich. Anfang der Neunziger waren Google und YouTube jedoch noch nicht präsent und das Geschehen, welches Levinson in Wag the Dog skizziert, ist in seiner Form so absurd, dass es schon wieder wahr sein könnte. Zumindest in der damaligen Zeit. Ein Krieg gegen ein kleines Volk, irgendwo im Niemandsland, von dem keiner weiß wie es heißt und wo es liegt. Glaubhaft möglich ist dies natürlich in den USA, wo man auch gerne mal Austria und Australia verwechselt. 

Winifred Ames: Why Albania?
Conrad Brean: Why not?
Winifred Ames: What have they done to us?
Conrad Brean: What have they done for us? What do you know about them?
Winifred Ames: Nothing.
Conrad Brean: See? They keep to themselves. Shifty. Untrustable. 

Innerhalb weniger Stunden entscheidet sich Brean für den fiktiven Krieg gegen Albanien. Ein Land, das dem Durchschnittsamerikaner nicht bekannt sein dürfte, scheinbar in Hollywood jedoch gerne als Antagonist herhalten muss (z.B. in der Simpsons-Folge The Crepes of Wrath). Albaner sind verschlagen und ihnen kann nicht getraut werden - ohnehin, was hat Albanien je für die USA getan? Ein vom Hass getriebenes Land, welches den Amerikanern ihre Freiheit neidet. Daher wird versucht eine nukleare Kofferbombe über die kanadische Grenze in die Vereinigten Staaten zu schleusen. Wird deswegen der B3-Bomber zum Einsatz kommen? Was für ein B3-Bomber überhaupt? Wenn Brean erst einmal mit seinem perfiden Plan in Fahrt kommt, ist die zynische Stärke des Filmes kaum noch zu stoppen. Es ist kein perfekter Plan, aber Brean hat lieber heute einen guten Plan, als morgen einen perfekten. Wie er schließlich seinen Krieg inszeniert, ist beeindruckend einfach. Ein paar „Journalisten“ stellen bei der Pressekonferenz die richtigen Fragen, ein Lied wird aufgenommen, künstlich gealtert und in die dreißiger Jahre Abteilung der Kongressbibliothek verfrachtet.

Bilder und Videos werden den Medien zugespielt, die genau das beinhalten, was Brean den Zuschauern zeigen möchte. Nicht von ungefähr halten sich seit jeher die Gerüchte, die Mondlandung von Neil Armstrong wäre tatsächlich im Studio nachgedreht worden. Ähnliche Kommentare gibt Brean auch in Bezug auf den Zweiten Golfkrieg von sich. Doch Brean ist kein medialer Fachmann, weshalb er den Filmproduzent Motss aufsucht. Motss weiß war er will, weiß wie er das Bewusstsein der Bevölkerung auf sich ziehen kann. Das Trauma muss offensichtlich, der Beschützerinstinkt der USA geweckt werden. Eine Schauspielerin (Kirsten Dunst) wird engagiert eine albanische Flüchtige zu spielen. Inklusive Kätzchen auf dem Arm. Dieses ist in Wirklichkeit eine Tüte Chips, der Hintergrund ein Bluescreen, die Effekte aus dem Computer. Genau wie beim letzten Schwarzenegger-Film, erklärt Motss stolz.

Entstanden ist Wag the Dog in der Drehpause der Michael Crichton-Adaption Sphere. Levinson versammelte sich mit dem dortigen Hauptdarsteller Dustin Hoffman, der gemeinsam mit Robert De Niro in dieser Satire nicht nur umsonst, sondern auch als Produzent auftrat. Beide Kinolegenden gemeinsam vor der Kamera zu sehen macht ungemein Spaß, ihre jeweiligen Figuren – der manische Motss und der grimmige Brean – werden von den Altstars mit entsprechend glaubhaftem Leben gefüllt. Levinsons Regie ist solide, jedoch weit entfernt von Vollkommenheit. Hier ein dilettantischer Zoom, dort eine unglückliche Einstellung – scheinbar war der Regisseur nicht so geistig anwesend wie seine Darsteller. Diese werden kongenial komplettiert von Anne Heche, Woody Harrelson, William H. Macy und Denis Leary. In einer Gastrolle ist zudem Folks-Star Willie Nelson zu sehen, die Musik zum Film stammt dagegen von Kultmusiker Mark Knopfler. Der Leim, der den Film zusammenhält, ist jedoch sein grandioses Drehbuch, welches vor intelligent-witzigen Dialogen respektive Monologen nur so platzt.

Beispielsweise wenn Brean CIA-Agent Young erklärt, dass ohne seinen fiktiven Krieg Young überhaupt keinen Job hätte („When there’s no threat...what good are you?“). Frei von Mängeln ist der Film, abgesehen von Levinsons Regie, aber nicht. Die Auslandspresse wird außen vor gelassen, die Glaubwürdigkeit des Krieges beim Volk selbst beziehungsweise einer anderen Partei als den Initiatoren wird nicht hinterfragt. Diese Einseitigkeit schadet dem Film etwas, vor allem da er sich als politische Satire durchaus ernst nimmt. Das lässt sich an seiner finalen Einstellung erkennen, die durch ihre Zweideutigkeit nicht klar zu interpretieren ist. Ein neuer Schachzug der Regierung oder hat man sich unbewusst ein Monster geschaffen? Levinson lässt diesen Moment so stehen und für das Publikum zur Interpretation. Wer wedelt am Ende mit wem? Der Hund mit dem Schwanz oder doch der Schwanz mit dem Hund? Mit Wag the Dog ist Levinson jedenfalls eine großartige Satire gelungen, vermutlich sein gelungenstes Werk.

9/10

20. Juli 2008

Spider-Man 2

I believe there’s a hero in all of us.

Vielleicht wurde hier noch geschnitten, dort etwas editiert. Das Marketing rollte auf jeden Fall bereits in vollen Zügen und die Stimmung scheint gut. Ein Mann setzt seinen Namen unter einen Filmvertrag, Sam Raimi erklärt sich bereit, eine Fortsetzung zu Spider-Man zu drehen. Das alles gut einen Monat, bevor Spider-Man in den Kinos anlaufen und ein triumphaler Erfolg werden sollte. Die Produzenten von Sony engagierten Alfred Gough und Miles Millar (Shanghai Noon/Knights) für das Skript. Dieses sollte drei Gegner für Spider-Man vorsehen, letztlich verblieb man dann bei Doctor Octopus als alleinigen Antagonisten. Als Spider-Man mit einem Einspiel von 115 Millionen Dollar am Startwochenende  einen neuen Rekord aufstellte, gewährte Sony für das Sequel ein Budget von 200 Millionen Dollar, eine fast 50-prozentige Anhebung. Wenige Wochen später wurde aus dem Autoren-Duo ein Trio, als David Koepp die beiden unterstützte.

Innerhalb von zwei Monaten war das erste Drehbuch fertig und Michael Chabon wurde wieder engagiert, um es umzuschreiben. Letztlich pickten Regisseur Raimi und Drehbuchautor Alvin Sargent, der bereits für den ersten Teil engagiert wurde, sich das raus, was ihnen gefiel und Sargent machte sich an die endgültige Fassung. Die Dreharbeiten begannen allerdings bereits vor der Fertigstellung des finalen Skripts. Das Projekt stand voller Tatendrang und grenzenlosem Optimismus. Ende des Jahres 2002 verletzt sich Hauptdarsteller Tobey Maguire dann während der Dreharbeiten zu Seabiscuit am Rücken. Zu verdanken hatte er dies seiner Rolle als Jockey. Kurzerhand trat Sony an Jake Gyllenhaal heran, der ehemalige Kinderschauspieler war dank Donnie Darko zum Geheimtipp der Branche aufgestiegen. Zudem war er damals mit Hauptdarstellerin Kirsten Dunst liiert und verfügte somit über die nötige Chemie.

Doch der gute Stern stand über Spider-Man 2, denn Tobey Maguire erholte sich und konnte seine Rolle wiederaufnehmen, die ihm ein Gehalt von 17 Millionen bescherte und damit in die Champions League der Hollywood-Schauspieler katapultierte. Seine Rückenprobleme wussten Raimi und die Crew dabei gezielt auf die Schippe zu nehmen und verarbeiteten Referenzen in den Film, wenn Peter Parker in einer Hommage an The Matrix von einem Dach springt mit den Worten “I’m back! I’m back”, nur um mehrere Stockwerke tief zu fallen und zu Fuß davonzuschleichen, dabei murmelnd: “My back. My back”. Ein Wortwitz, der in der deutschen Synchronisation verloren geht. Die Rekorde, die Spider-Man aufgestellt hatte, konnte seine Fortsetzung locker brechen, selbst wenn er insgesamt finanziell das Nachsehen hatte. Sowohl in Nordamerika als auch weltweit gesehen, liegt die Fortsetzung vom Einspielergebnis hinter dem ersten Teil.

Dabei wurde der Film von Fans wie Kritikern besser bewertet als sein Vorgänger. So hat er bessere Bewertungen in der IMDb, wie auch bei Rotten Tomatoes. Die Besetzung blieb dieselbe, denn da mit Doc Ock lediglich eine neue Figur hinzukam, musste auch nur diese Rolle neu besetzt werden. Waren Stars wie Robert De Niro oder Charakterdarsteller wie Chris Cooper im Gespräch, so wurde es am Ende Alfred Molina, den Raimis Ehefrau in Frida besonders überzeugend fand. Eine wahrhaft gelungene Entscheidung, denn Molina haucht seiner Figur äußerst überzeugend Leben ein und hatte – wie die Special Features zeigen – sichtlich Spaß am Set. Neben dem finanziellen Erfolg und dem nunmehr feststehenden Star-Status von Maguire und Dunst durfte sich der Film auch bei den Academy Awards im Jahr darauf feiern lassen, bei welchen er mit dem Oscar für die Besten Visuellen Effekte ausgezeichnet wurde.

Die visuellen Effekte sind stark an den Matrix-Sequels orientiert, wirkt der animierte Spider-Man oft ebenso unnatürlich wie der digitalisierte Neo. Doch dies springt einem nur zu Beginn wirklich negativ ins Auge, bald schon fügen sich die Effekte besser ein und spätestens bei der Bahn-Szene überzeugt der Film restlos. Kein Wunder, arbeitetn doch 200 Leute an ihnen und verschlangen 50 Millionen Dollar des Budgets. Hilfreich beim Spider-Man-Feeling für die Zuschauer war die Einführung der so genannten Spydercam, die unter anderem an einem Seil befestigt fünfzig Stockwerke fallend filmen konnte. Eben jene Kamerafahrten sorgen für gehörige Stimmung und lassen einen richtig teilhaben an Peter Parkers nächtlichen Ausflügen. Für die sorgen auch Raimis vielfache Remineszensen an die Comic-Serie. Besonderen Einfluss auf die Handlung hatte dabei Spider-Man No More (#50), der Raimi sogar teils eins-zu-eins beeinflusste.

Aber es findet sich auch eine Referenz zur Animations-Folge The Terrible Triumph of Dr. Octopus. Zusätzlich verwies Raimi neben The Matrix auch auf Superman und seinen eigenen The Evil Dead sowie dessen Fortsetzung The Evil Dead II. Ergänzt werden diese Szenen dann von zwei Cameos durch Evil Dead II-Mitautor Scott Spiegel und den obligatorischen Bruce Campbell. Letzterer wird im übrigen mit jedem Spider-Man-Teil amüsanter, egal ob hier als Platzanweiser in MJs Theater oder in Spider-Man 3 als liebenswürdiger und planloser Maitre d’. Wie es sich für eine ordentliche Marvel-Verfilmung gehört, darf auch der Auftritt von Schöpfer Stan Lee nicht fehlen. Zudem wartet für alle Fans von Lost, denen er bei Hulk entgangen ist, auch hier in einer kurzen Nebenrolle wieder Daniel Dae-Kim auf. Und wer weniger ein Fan von Lost, dafür aber von Death Proof ist, der darf sich dafür in gleich zwei Szenen auf Vanessa Ferlito freuen.

Ist Peter Parker im ersten Teil noch seiner Verantwortung gefolgt, so erlebt er in der Fortsetzung die Schattenseiten seines Helden-Daseins. Um sie zu schützen, hat er sich von MJ los gesagt, doch packt ihn die Eifersucht, als diese sich mit John Jameson verlobt und der arme Peter das auch noch fotografieren muss. Die Beziehung zu Harry ist ebenfalls leicht erschüttert, da dieser von Peter die Identität Spider-Mans verlangt. Auch hier kommt es zur Klimax, in derselben Szene wie der MJ-Moment. Zeit für die Universität hat Peter kaum noch, seinen Nebenjob verliert er, das Leben seiner geliebten Tante Mae (Rosemary Harris) läuft an ihm vorbei. Das Spider-Man-Dasein beansprucht Peters ganze Zeit und dies auf Kosten seines Privatlebens. Kein Wunder, beginnt Peter mit seinem Schicksal zu hadern. Schließlich sagt er sich los vom Heldentum, stattdessen beginnt er ein ganz normales Leben, in welchem er glücklich mit MJ sein kann.

Hier baut Raimi starke Referenzen zum zweiten Superman-Abenteuer ein, in welchem auch der stählerne Mann seinen „Job“ an den Nagel hing. Mit der Zeit lernt Peter jedoch die Konsequenzen von Spider-Mans Abwesenheit. Sargent wickelt seine Katharsis in einen Dialog mit Tante Mae ein, der zwar etwas gelackt daherkommt, aber praktisch notwendig ist. Die Geschichte wird vorangetrieben, Peter hat eine Entscheidung getroffen und ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Menschen brauchen Identifikationsfiguren und Helden, Peter nimmt diese Rolle ein, letztlich gewinnt er sogar noch MJ. Was kann er sich mehr wünschen? Im Abschluss der Trilogie scheint Spider-Man zu Beginn dann auf seinem Höhepunkt, mit Paraden, T-Shirts und allerlei anderem Gedöns. Wie Peter hier jedoch im zweiten Teil hadert, ist ausgesprochen gelungen von Raimi in Szene gesetzt und kongenial von Maguire in die Kamera gespielt.

Dabei präsentiert Raimi viele der Zutaten, die bereits den Vorgänger so schmackhaft machten. Verschiedene Elemente (brennendes Haus, Peter bringt Müll raus) werden direkt übernommen, allen voran das Ende. Hier tritt genau das ein, was Peter eigentlich vermeiden wollte: MJ wird vom Bösewicht entführt. Das Finale selbst, obschon nicht sonderlich actionreich, darf als gelungen angesehen werden, allein wegen Peters Demaskierung und Octavius’ Läuterung. Das hier der erste Teil grüßen lässt, hätte man durchaus vermeiden können, wenn man im ersten Teil einfach auf Gwen Stacy gesetzt hätte. Dann hätte man die Redundanz von „Mary Jane wird entführt“ vermeiden können. Spider-Man 2 überwiegt jedoch an positiven Aspekten, darunter wie immer Danny Elfmans Score. Scheinbar kam es jedoch zur Spaltung zwischen Elfman und Raimi, zumindest wurden viele Stücke von Christopher Young im Anschluss nachkomponiert.

Auch die Action weiß zu überzeugen, allen voran die zwischen Spider-Man und Doc Ock auf der Bahn. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fallen auch nicht mehr die negativen Aspekte des digitalen Spider-Man auf. Was den zweiten Teil jedoch so gelungen macht, ist sein Humor, der den ersten Teil übertrifft. Neben der „Rücken“-Szene ist beispielsweise auch die Fahrstuhlszene ein Reißer für sich und weiß, wie der Großteil des Films, zu unterhalten. Mit seiner Fortsetzung ist Raimi somit eine merkliche Steigerung zu Spider-Man gelungen, dessen Dialoge im Vergleich zu diesem Teil weitaus gestelzter wirkten. Mit dem dritten Teil ist Raimi damit eine der gelungensten, da stimmigsten, Trilogien in der Filmgeschichte gelungen, in welcher der erste Teil mal nicht so hohe Erwartungen schuf, dass die Fortsetzungen diesen nicht gerecht werden konnten. Spider-Man 2 ist jedenfalls eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten.

9/10

8. Juni 2008

Spider-Man

With great power comes great responsibility.

In den 1960ern sollte Marvel zu seinem heutigen Ruhm aufsteigen, indem es in diesem Jahrzehnt seine berühmten und beliebten Charaktere wie den Hulk, die X-Men oder Spider-Man erschuf. Während Namor (1939) und Captain America (1941) zu den Pionieren der Marvel-Comichelden zählten, hatte Spider-Man seinen ersten Auftritt erst 1962. Seitdem hat es die von Stan Lee und Steven Ditko erschaffene Figur im Grunde zum Liebling des erfolgreichen Studios geschafft, was ihrem Charakter zu verdanken sein dürfte, der sicherlich näher an seiner Leserschaft ist als es bei anderen Superhelden der Fall. Inzwischen wird Spider-Man von Marvel selbst als Maskottchen verwendet und eine Identifikation der Firma mit der Figur ist eingetreten. Über zwei Dutzend verschiedene Serien um den Spinnenmann gibt es inzwischen, hunderte von Ausgaben beschäftigten sich in den vergangenen 46 Jahren mit den Abenteuern von Peter Parker.

Hierzu kommen noch fast zwei Dutzend TV-Animationsserien, am bekanntesten dürfte die Figur jedoch aufgrund ihrer Kino-Trilogie sein. Wurden die Neunziger praktisch von den Batman-Verfilmungen beherrscht, war es um die anderen Comichelden ruhig. Nachdem das Genre mit dem trashigen Batman & Robin gegen die Wand gefahren wurde und der Markt gesättigt schien, wagte man um das Millennium einen Neubeginn. Allen voran ist es Blade (1998) und insbesondere X-Men (2000) zu verdanken, dass die Kinoindustrie nun vom Superhelden-Genre dominiert wird. Kaum ein Jahr, in dem nicht irgendein maskierter Rächer durch die Städte streift. Dieses Jahr schaffte es Iron Man in die Kinos, folgen werden ihm noch The Incredible Hulk, Hellboy 2: The Golden Army und The Dark Knight. Für das kommende Jahr dürfen sich die Fans neben Alan Moores Watchmen auch auf Will Eisners The Spirit und X-Men Origins: Wolverine freuen.

25 Jahre lang hatte man sich an einem Spider-Man-Film versucht, ehe die Planungen in den Neunzigern ihr Endstadium erreichten. James Cameron schrieb ein Drehbuch, welches Doc Ock als Bösewicht vorsah und auf Mary Jane gänzlich verzichtete, stattdessen Flash und Gwen Stacy stärker in die Handlung einband. Cameron selbst war als Regisseur für die Verfilmung überhaupt nicht vorgesehen, stattdessen bemühte man sich im Tim Burton, Tony Scott, Roland Emmerich und David Fincher. Letzterem sagte das Drehbuch nicht zu, welches dann von David Koepp überarbeitet wurde, dessen Skript zum vierten Indiana Jones-Film für Gesprächsstoff sorgte. Koepp übernahm viele Elemente von Cameron, allerdings zur Unzufriedenheit der Macher. Zwar wird Koepp als alleiniger Autor von Spider-Man geführt, sein Skript überarbeiteten aber noch Scott Rosenberg (Con Air) und anschließend von Alvin Sargent (Ordinary People).

Sargent sollte die Dialoge etwas aufpolieren, was einem bei wie ein Witz vorkommen muss, da grade die Dialoge zu den großen Mängeln des Films zählen. Für die Hauptrollen von Peter Parker und Mary Jane Watson waren unter anderem Leonardo Di Caprio und Alicia Witt vorgesehen, doch sollte alles anders kommen. Der im Horror beheimtatete Sam Raimi, der bereits mit Darkman eine Comicverfilmung vorweisen konnte, wurde als Regisseur an Bord geholt und entschied sich nach Sichtung von The Cider House Rules für den aufstrebenden Tobey Maguire als Peter Parker. An seiner Seite wurde die recht unbekannte Kirsten Dunst gecastet und der Part von Norman Osborne, den Nicolas Cage und John Malkovich aus Zeitgründen ablehnten, wanderte zu Willem Dafoe. Für 130 Millionen Dollar entstand Spider-Man schließlich 40 Jahre nach seiner Geburt und avancierte zum ertragreichsten Film des Jahres in den USA.

Wie angesprochen liegen die Sympathien für Peter Parker wohl an seinem Charakter, ist er doch kein Milliardär (Bruce Wayne, Tony Stark) oder Erwachsener (Die Fantastischen Vier, X-Men), sondern ein Teenager und Schüler. Mit seiner Brille und seinem Interesse an  Naturwissenschaften ist er der Inbegriff eines Nerds und bedient damit ohne Frage seine Zielgruppe. Sportskanonen und Kiffer dürften kaum den Massenanteil der Comic-Leserschaft stellen, wer sich die Nerdhaftigkeit des Klientels vor Augen führen möchte, darf gerne zu der jährlichen Abhaltung von Comic Con fahren und die Fans des Franchise beobachten. Vollwaise Peter Parker (Tobey Maguire) verpasst jeden Morgen den Schulbus, in diesem will keiner neben ihm sitzen und er liebt logischerweise das Mädchen von nebenan: MJ (Kirsten Dunst). Diese geht jedoch, wie es der Zufall so will, mit dem größten Trottel der Schule aus: Football-Spieler Flash.

Paradoxerweise ist Peters einziger Freund der Milliardärssohn Harry Osborne (James Franco). Nachdem Raimi seinen Helden als Average Joe etabliert hat, kann er zu dessen Metamorphose schreiten. Ein Schulausflug wirkt sich fatal aus, nachdem Peter von einer mutierten Spinne gebissen wird. Hier bediente sich Koepp scheinbar von seinem Drehbuch zu Jurassic Park, wenn die verschiedenen Spinnengenome einen DNS-Strang komplettieren. Die Spinnengene verbinden sich also mit Parkers DNS und lassen ihn zur menschlichen Spinne verkommen oder anders gesagt (Bruce Campbells Cameo lässt grüßen): zum “amazing spider-man”. Entgegen der Comic-Reihe erzeugt Parker das Spinnennetzgewebe selbst, sprich organisch, anstatt es chemisch herzustellen. Raimi zufolge sollte dies die Glaubwürdigkeit des Charakters stärken, Fans dürfen davon halten was sie wollen. Parkers Metamorphose ist jedenfalls eingeleitet.

Raimi serviert dem Publikum seinen Helden mit einer gehörigen Portion Witz, die fast schon an die Gagdichte des dritten Teiles heranreicht. Amüsant sind vor allem Parkers erste Versuche das Spinnengewebe zu erzeugen, die zu Referenzen von Superman (“up, up and away!”) und Captain Marvel (“shazam!”) verkommen. Anschließend wird sich auch nicht lange mit der Entwicklung der Kräfte aufgehalten, der kathartische Moment von Onkel Bens Tod wirft Parker quasi ins kalte Wasser, in welchem er sich anschließend bewährt. Die Handlungsebene von Onkel Ben wird speziell im Trilogieabschluss erneut aufgegriffen, auch sein verklärtes Motto, dass mit großer Macht große Verantwortung einhergeht. Entgegen den Planungen von Maguire wird nun an einer neuen Spider-Man-Trilogie gearbeitet, mit frischen jungen Gesichtern, da Dunst und Raimi ihr Engagement von Maguires Entscheidung abhängig machten.

Während Peter Parker und im Grunde auch Harry Osborn näher durchleuchtet werden, gerät MJ etwas ins Hintertreffen. Alles was der Zuschauer erfährt, ist ihr zerrüttetes Elternhaus und ihre Leidenschaft fürs Theater. Wieso sie Gefühle für Flash und Harry entwickelt, erfährt man ebenso wenig, wie ihre endgültige Entscheidung zugunsten von Peter. Fraglich, weshalb man nicht – die Trilogie stand ja fest – im ersten Teil Gwen Stacy anstelle von MJ eingebaut hat, anstatt dies nachträglich im dritten Teil zu tun. Gerade da die Filmhandlung zu einem Großteil ohnehin auf der Ausgabe The Night Gwen Stacy Died basiert, was auch den Abschied des Charakters mit einbezogen hätte. Womöglich wollte Raimi seinen Film aber nicht mit gleich zwei traumatischen Erlebnissen für seinen Helden überfrachten. Problematisch bleibt dennoch, dass Dunst fehlbesetzt wirkt und in dem Triumvirat der Männer unterzugehen scheint.

Dass es sich bei den Superhelden um Außenseiter handelt, merkt man spätestens an den Namen Tim Burton und Danny Elfman, die jedesmal bei Projekten aufkommen (Batman, Superman, Spider-Man, X-Men). Gerade Elfman steuert gerne die Musik fürs Genre bei, stammen außer den Burton-Batman-Filmen doch auch der Soundtrack zu Spider-Man oder Hulk von ihm. Seine Töne, wenn Spider-Man sich durch die Straßen Manhattans schwingt, passen perfekt zur Figur und vermischen Sinnliches mit Übersinnlichem. Maguire geht dabei in seiner Rolle sehr gut auf, hadert jedoch mit den ernsten Momenten. Den Schultölper Peter Parker jedoch spielt er mit einer überzeugenden Leichtigkeit, die seine lange Verankerung im Filmgeschäft durch Rollen wie in The Wonder Boys oder Eerie, Indiana sicherlich zu fördern wusste. Als Peter aber einen Fehler macht, wird dies das Leben seines geliebten Onkel Ben kosten.

Die Konstellation Rache-Tod bildet in Spider-Man 3 den Startpunkt der Handlung. Zudem wird hier am Ende die Rahmenhandlung für einen neuen Antagonisten gebaut, obschon eine Internetparodie die Schwäche des Drehbuches offen zulegen scheint. Dieses hat ohnehin an vielen Punkten Probleme, die Handlung voran zu treiben, was X-Men sehr viel besser gelang (wobei dieser ebenfalls Schwächen besaß). Das gespiegelte Schizophrenie-Gespräch fand sich Ende 2002 auch in The Two Towers wieder, wobei es dort weit weniger lächerlich wirkte, als es hier bei Osborn der Fall ist. Ganz bitter ist jedoch, dass Koepp die Klimax des Finales aus Batman Forever klaut (Chase und Robin hier, MJ und Gondel mit Kindern da). Koepp scheint insgesamt kein Talent für gute Drehbücher zu haben, was seine bisherigen Arbeiten (Snake Eyes, Secret Window, War of the Worlds) bis auf wenige Ausnahmen bestätigen können.

Ein Superhelden-Film ist kein Superhelden-Film, wenn er nicht mit Actionszenen und den dazu nötigen Effekten aufwarten kann. Hier unterliegt Spider-Man derselben Schwäche wie The Matrix Reloaded, bieten beide einen Helden, der aus dem PC stammt und auch entsprechend aussieht. Wie es richtig geht, zeigte Bryan Singer zwei Jahre zuvor in X-Men, auch wenn dort mancher Effekt noch etwas unbeholfen wirkte. Wirklich negativ fällt der animierte Spider-Man zwar nicht auf, dennoch überzeugen die Effekte in Teil 2 mehr. Das Problem dürfte hier daran liegen, dass durch die Kostümierung von Maguire gänzlich nichts zu sehen ist und somit keinerlei Notwendigkeit für eine nähere Darstellung besteht (im Gegensatz zu X-Men, wo die Identitäten nicht durch Kostüme geschützt werden müssen). Die Mankos des ersten Spider-Man sind neben dem teils holprigen Drehbuch und den schwachen Dialogen somit die Action.

Die mehrfache Konfrontation des Green Goblin mit Spider-Man verliert mehr und mehr an Tempo, vor allem da eine direkte Konfrontation nicht wirklich auftritt. Gelungen ist natürlich die Tatsache, dass der Goblin Spider-Man von seinen Idealen überzeugen will, dennoch verliert die Geschichte mit jedem Aufeinandertreffen an Intensität. Die Actionszenen selbst sind dabei noch ziemlich spärlich und reichen in keinster Weise an den furiosen zweiten Teil heran. Als Origin-Story geht Spider-Man in Ordnung, da sie schwer zu inszenieren war, bedenkt man die aufwendigen Szenen durch Manhattan, die wenig bis gar keine Zentrierung von Kämpfen möglich machen. Raimi ist für seine Arbeit ein Lob auszusprechen, allgemein ist seine Trilogie durchaus gelungen. Spider-Man ist ein gutes Beispiel für einen Film mit einer gelungenen Helden-Exposition, an der sich ein Iron Man hätte orientieren können.

7.5/10

14. April 2007

Marie Antoinette

It’s not too much, is it?

Wieder Mal behandelt diese Rezension einen Film, den das regionale Kino nicht in seinem Programm hatte und der daher auf DVD nachgeholt werden muss. Obschon ich weder von Sofia Coppolas The Virgin Suicides noch ihrem hochgelobten Lost in Translation sonderlich angetan war, barg der nett geschnittene Trailer zu Marie Antoinette etwas Verlockendes – was folglich den Ausschlag zur Sichtung gab. Inhaltlich dreht sich Coppolas dritter Spielfilm dann wenig überaschend auch um die Regentin Marie-Antoinette, angefangen von ihrer Überführung aus Österreich nach Frankreich. Dort sollte sie im Dienste der Friedensbeziehungen zwischen Frankreich und Österreich den Thronfolger Louis XVI. ehelichen.

Scheint ihr die französische Hofwelt zu Beginn noch fremd, passt sich die junge Frau schnell den neuen Gepflogenheiten an. Und das ist im Grunde auch alles, was Coppola aus der Historie übernimmt. Die Rolle der 14-jährigen Marie-Antoinette fällt im Film dann der zehn Jahre ältere Kirsten Dunst zu, während Coppolas Cousin Jason Schwartzman (Rushmore) den Part ihres 15-jährigen Gatten Louis erhielt. In weiteren Rollen treten auch noch Steve Coogan (A Cock and Bull Story), Rip Torn (Men in Black), sowie die vergnügliche Rose Byrne (Troy) und die kurzweilige, aber gute Asia Argento (xXx) auf. Gemäß dem Filmtitel ist dies jedoch die Show von Marie Antoinette und damit Kirsten Dunst.

Anzumerken ist, dass Marie Antoinette in technischer Hinsicht nahezu perfekt gerät. Die Szenen sind wunderbar ausgeleuchtet, egal ob im Palast von Versailles oder in seinen Gärten. Zuträglich war hier sicherlich, dass es Coppola gestattet wurde, als erste Filmproduktion überhaupt in den Räumen des Schlosses zu drehen. Auch Maske und Kostüme enttäuschen erwartungsgemäß nicht, werden vielmehr geradezu zelebriert, während die untypische, kontemporäre Musikuntermalung von The Strokes über Air bis hin zu Bow Wow Wow und The Cure dem Film etwas Besonderes verleiht. Dabei wirkt sie nie deplaziert, verleiht Coppolas Werk vielmehr eine erfrischende Note im Vergleich zu Genrekollegen wie Barry Lyndon.

Das Schloss selbst wird dabei so oft wie möglich in seiner vollen Größe wiedergegeben, ebenso wird dem riesigen Garten Tribut gezollt. Die Botschaft des im Luxus verlorenen Mädchens wird hier allerdings ein wenig überstrapaziert, denn viel zu ausgiebig gibt sie sich ihren Aufnahmen hin. So folgt man Dunst gerne auch in zwei verschiedenen Szenen mit der Kamera die 20 Sekunden, die sie zum Treppensteigen braucht. Generell ist der Film mit seinen zwei Stunden viel zu lang, vor allem wenn man bedenkt, dass Coppola keine wirkliche Geschichte zu erzählen hat. Zu Beginn des Films geht eine junge, unsichere Maria Antonia an der Grenze Österreichs zu Frankreich symbolisch durch ein Zelt. Lost in Transition.

Auf französischer Seite tritt sie dann als Marie Antoinette, zukünftige Königin Frankreichs, heraus. Dass nicht viel von ihr erwartet wird, außer einen Thronfolger zu gebären und sie ansonsten gegen die Hofetikette rebelliert und ihren Alltag mit Futtern und Shoppen bestreitet, mag ja historisch belegt sein. Dennoch hätte sich Coppola im Klaren sein müssen, dass dies keine zwei Stunden füllt. Ihr Porträt einer vom Luxus und ihrer Position überwältigten Teenagerin – nach Antonia Frasers Biographie von 2001 – vermisst dabei charakterliche Einblicke und Realismus (Coppola transportiert das Bild eines modernen Teens in eine Zeit, in der die Lebenserwartung 35 Jahre betrug und Kinder früher reiften als heute).

Wer aber ein dümmliches Blondchen mit seinem Hündchen im Arm durch ihr luxuriöses Leben spazieren sehen will, schaut wohl eher eine Sendung über IT-Girl Paris Hilton, und nicht einen Film über Marie-Antoinette. Auch wenn Sofia Coppola zu Anfang noch den Druck darstellt, der auf der Thronfolgerin lastet, weil ihr Mann keinen Verkehr mit ihr haben will, verliert sie sich dann anschließend leider in eine pompöse Ausgabe von The Fabulous Life of Marie Antoinette. Da wirkt dann schließlich auch das Ende deplatziert und falsch gewählt. So visuell überzeugend Marie Antoinette auch ausfällt, so flach gerät der Film inhaltlich und biografisch. Mit dem Soundtrack zum Film fährt man also besser als mit diesem selbst.

5.5/10