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23. Juni 2017

Wonder Woman

It’s wonderful. You should be very proud.

Sie zählt zum Triumvirat der Helden von DC Comics und hat doch gegenüber ihren zwei männlichen Kollegen lange das Nachsehen gehabt. Wo es der 1938 ins Leben gerufene Superman auf bislang sieben Filme und drei Fernsehserien bringt, erhielt der ein Jahr später erschaffene Batman derweil acht Filme und eine Fernsehserie. Letztere hatte 1975 auch Wonder Woman bekommen, damals dargestellt von Lynda Carter. Doch ihren ersten Kinofilm verdiente sie sich erst jetzt, im Zuge des DC Extended Universe (DCEU), mit dem Warner Bros. sich gegenüber Disney und Marvel behaupten will. Eine lange Zeit für jene Figur, die ihr geistiger Schöpfer William Moulton Marston im Jahr 1941 als ein Symbol für die emanzipierte Frau erdachte.

In Patty Jenkins’ Wonder Woman muss sich die Amazonen-Prinzessin Diana (Gal Gadot) nur bedingt emanzipieren, leben auf ihrer geheimnisvollen Insel Themyscira schließlich nur Frauen wie ihre Mutter, Königin Hippolyta (Connie Nielsen). Quasi als weibliches Pendant zu den Spartanern trainiert Generalin Antiope (Robin Wright) die Amazonen für eine mögliche Rückkehr des einst von Zeus verstoßenen Kriegsgottes Ares. Den sieht Diana hinter jenem großen Krieg, der 1918 in Europa tobt, als der US-Spion Steve Trevor (Chris Pine) auf der Flucht vor den Deutschen unerwartet auf Themyscira landet. Er will die britische Armee vor einem Angriff mit neuem Gas warnen, welches der deutsche General Ludendorff (Danny Huston) in Auftrag gegeben hat.

Um die Figur einzuführen, bedient sich Warner Bros. somit ähnlich wie Marvel mit Captain America – der wie Wonder Woman 1941 sein Comic-Debüt feierte – einer zeitlichen Verortung in ein prägendes Kriegsgeschehen des 20. Jahrhunderts. Der Gegner ist dabei derselbe, wenn auch der Krieg ein anderer sein mag. Im Grunde geht es für Wonder Woman jedoch weniger darum, den Deutschen Einhalt zu gebieten, als vielmehr den Krieg an sich zu beenden. Für Steve unmittelbar diesen, die Welt umfassenden Konflikt, für Diana derweil das Konzept als solches. Sie sieht einerseits die Menschen korrumpiert von Ares, will andererseits zugleich aber auch der Amazonen-Bestimmung nachkommen, dem Kriegsgott ein finales Ende zu bereiten.

Ironischerweise sehen sie dabei beide Welten, die von Steve und die von Hippolyta, außen vor. Im London von 1918 sollen Frauen hübsche Staffage sein, in Kostüme gezwängt und sich als Sekretärin verdingend. Für Entrüstung sorgen hier Dianas Auftritte unter ihrem Alter Ego “Diana Prince”, wenn sie in Anwesenheit der männlichen Militärs das Wort ergreift oder sich gegen ihre Bekleidung auflehnt. Ebenso behütet wurde sie jedoch auch von ihrer Mutter aufgezogen, fernab der üblichen Ausbildung der Amazonen. Erst nach rebellischem Trotz, den Diana als selbstbestimmendes Element den ganzen Film hindurch zelebriert, wird ihr eine harte Ausbildung zuteil. Diana muss sich insofern  in der Welt der Männer wie der Amazonen behaupten.

Allerdings ist Wonder Woman, ungeachtet allem vorgelebten und der Figur zu Grunde liegenden Feminismus, weniger ein Film über die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft, sondern dreht sich im Kern um Sinn und Unsinn des Krieges. Diana zeigt keinerlei Bestrebung, das Bild der Frau zu korrigieren und Vorbild zu sein. Wenig überraschend wäre es zum Beispiel gewesen, wenn ihr couragiertes Auftreten eine oder mehrere Frauenfiguren animiert hätte, den Kampf an der Front aktiv zu unterstützen. Stattdessen geht es Diana um den Krieg als solchen und all den Schmerz und Kummer, den dieser mit sich bringt. Gerade im Kontrast zu den vermeintlich schönen Momenten des Lebens, denen sie begegnet oder Steve ihr berichtet.

Konzepten wie Ehe steht sie dabei skeptisch gegenüber, zeigt sich aber zugleich angetan von der Idee einer Familie. Gar entzückt ist sie beim ersten Erleben von Eiscreme oder Schneefall, der mit Musik, Tanz und Gelächter einen harten Tag an der Front versöhnlich abschließt. Dieser Mut zur Zuversicht in aller Trostlosigkeit des Krieges ist auch einer der Aspekte, die Wonder Woman von den humorlosen Affären der bisherigen DCEU-Filme von Zack Snyder wie Man of Steel oder Batman V Superman: Dawn of Justice abhebt. Patty Jenkins versteht es, ihre Geschichte mit solchen losgelösten Szenen, in denen die Charaktere sie selbst sein dürfen, aufzulockern, ohne dass deswegen der Ernst der (Kriegs-)Lage geschmälert wird.

Wo sich Superman in Man of Steel als “Jesus from Outer Space” mit dem Elan für die Menschheit opferte wie jemand, der wegen eines Formfehlers seine ganze Steuererklärung kurz vor Abgabe neu machen muss, legt Gal Gadots Diana Idealismus an den Tag. Aus voller Überzeugung stürzt sie sich in die buchstäblichen Grabenkämpfe, für das Wohl der Zivilbevölkerung zum einen sowie dem der Menschheit allgemein zum anderen. Dabei guckt sie zwar auch mal grimmig, aber wechselt stets wieder ins Kecke über, ohne wie Batman und Superman in deren Mash-up-Film im Dauer-Emo-Modus durch die Landschaft zu Grummeln. Auch visuell ist Wonder Woman dabei hoffnungsvoller als die DCEU-Kollegen – trotz des trübseligeren Settings.

Entsprechend fügen sich auch die Oneliner besser in die Handlung ein, die sich primär aus dem “fish out of water”-Element Dianas in Steves Welt – oder dem von Steve in Dianas Welt – speisen. Da wundert sich die Amazone über die Kampfunverträglichkeit von Damenkostümen oder der Ehe-Voraussetzung zum gemeinsamen Schlafen der Geschlechter. Wonder Woman erreicht zwar nicht die eher aufs Brachiale ausgelegte Humorlastigkeit der jüngeren Marvel-Filme à la Guardians of the Galaxy oder Ant-Man, erschafft jedoch ein gutes Gleichgewicht aus emotionalem Kriegs-Drama und unbeschwerter Romantik-Komödie. Das Ganze gewürzt mit knackigen Slow-Motion-Actionszenen in jedem der drei Akte des Films.

Die Action ist dabei solide von Patty Jenkins inszeniert, auch wenn offen bleibt, wieso nur Diana mit Armreifen ausgestattet ist, die Gewehrkugeln abwehren oder weshalb die deutschen Soldaten ihr Maschinengewehrfeuer stets auf Brusthöhe halten, anstatt auf die Körperteile zu zielen, die Diana mit den Armreifen nicht gleichzeitig abdecken kann. Die finale Konfrontation ufert wie es in Comic-Filmen der Fall ist etwas zu sehr ins Zerstörerische aus, generell sind die Kampfmomente aber sehenswert, abwechslungsreich und fordernder für Diana als bei manch anderen Superhelden. Auch wenn Wonder Woman oft etwas unnötig anderen Filme wie Captain America oder Saving Private Ryan Referenz erweist, statt originärer aufzutreten.

Ärgerlich ist in Wonder Woman eher das, was er vom Comicfilm-Genre abgreift. Die narrative Klammer der Erzählung, die diese in das größere Ganze des DCEU einbettet, die etwas zu sehr in theatralischen Bombast entgleitende Klimax, die nur sporadisch ausgearbeiteten Antagonisten mit Ares, Ludendorff und dessen Wissenschaftlerin Dr. Maru (unterfordert: Elena Anaya). Hinzu kommt ein vermeintlicher Twist um Dianas Charakter, der vermutlich der Dramaturgie dienen soll, allerdings für den Verlauf der Geschichte nicht wirklich von Belang ist, dieser im Prinzip von der Logik her wiederum vielmehr sogar leicht widerspricht. All das vermag jedoch das cineastische Vergnügen, das Wonder Woman auslöst, kaum zu schmälern.

Dessen Gelingen verdankt sich zuvorderst dem charismatischen und authentischen Spiel von Gal Gadot. Passend dazu schlägt sich auch Chris Pine wacker, genauso wie der immerzu überzeugende David Thewlis. Das übrige Ensemble um Robin Wright, Connie Nielsen, Danny Huston sowie Ewen Bremner, Lucy Davis, Saïd Taghmaoui und Eugene Brave Rock macht derweil das Beste aus seinen eher ein- als dreidimensionalen Rollen. Generell wäre es für einen für seinen Feminismus gepriesenen Film schön gewesen, auch abseits des Themyscira-Settings mehr Frauen-Figuren zu integrieren. Eben vielleicht wie in dem oben angerissenen Beispiel eines Mädchens oder jungen Frau, die von Diana inspiriert zu deren Gruppe dazustößt.

Inwiefern eine Verfilmung der vor 76 Jahren in All Star Comics ins Leben gerufenen Figur möglich ist, war angesichts solcher Gimmicks wie Wahrheits-Lassos im Vorfeld unklar. Und zögerte vielleicht auch deswegen eine Adaption einer der populärsten Comic-Figuren lange hinaus. So traten manche Homogenitätsprobleme der antik angehauchten Wonder Woman in den Justice League-Animationsfilmen schon zutage. Patty Jenkins’ Adaption, die sich verschiedener Vorlagen, von Golden Age- bis New 52-Ära, bedient, funktioniert dennoch weitestgehend mit ihren fantastischen Elementen in einer pseudo-realen Welt Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Ergebnis ist nicht nur der klar beste DCEU-Film, sondern einer der besten des Jahres generell.

7/10

24. September 2015

Everest

Sit down, man. Acclimatize.

Das Einmalige ist preislos – sollte man meinen. In Steven Spielbergs Jurassic Park erkannte die Filmfigur des Anwalts mit dem Dino-Park ein lukratives Geschäft. “We can charge anything we want, 2,000 a day, 10,000 a day, and people will pay it”, frohlockt Donald Gennaro. Für Park-Gründer John Hammond ein No-Go. Jeder habe das Recht, an diesem einmaligen Erlebnis zu partizipieren, findet Hammond. Quasi eine Mischung aus beiden Ansichten vertrat wohl der Bergsteiger Rob Hall, der mit zu den ersten seiner Zunft gehörte, die kommerziell geführte Besteigungen anboten. In diesem Fall am Mount Everest, mit 8.848 Metern der höchste Berg der Erde. Seinen Gipfel zu erreichen ist kein leichtes Unterfangen – vor allem für Nicht-Profis.

Regisseur Baltasar Kormákur widmet sich in Everest nun jenem Everest-Unglück vom 10./11. Mai 1996, als zwei geführten Gruppen gemeinsam den Gipfelsturm in Angriff nahmen. Am Ende sollten acht der 33 Personen ihr Leben auf dem Berg lassen, nachdem zeitliche Verzögerungen und ein Sturm die Pläne der Expeditionsleiter kreuzten. Der Film fokussiert sich dabei auf den bereits erwähnten Rob Hall (Jason Clarke), der in Kathmandu auf seine Klienten wartet, ehe diese in den 40 Tagen bis zur Gipfelbesteigung an die Bedingungen akklimatisiert werden. Zu Halls Gruppe gehören dabei neben dem Journalisten Jon Krakauer (Michael Kelly) auch der Pathologe Beck Weathers (Josh Brolin) sowie der Postbote Doug Hansen (John Hawkes).

Für Hansen war es ein erneuter Anlauf, den Gipfel des Everest zu erreichen, nachdem ihn Hall in der Vergangenheit bereits zu einer Umkehr gezwungen hatte. Währenddessen bereiten Hall einerseits die Schwangerschaft seiner Frau Jan (Keira Knightley) Sorgen, für deren Entbindung er wieder zurück in seiner Heimat Neuseeland sein möchte, aber auch die Vielzahl an geführten Expeditionen, die an seinem eigenen designierten Termin (10. Mai) zum Gipfel wollen. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, legt Hall seine Führung mit der seines Konkurrenten Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) zusammen. Doch bereits im Verlaufe des Aufstiegs zwischen den verschiedenen Basiscamps zeichnen sich Spannungen und Problemfelder ab.

Das in – weitestgehend verschenktem – 3D gedrehte Abenteuer-Drama teilt sich von seiner Dramaturgie in zwei Hälften auf: die zum Aufstieg führende und die den Abstieg begleitende. Zwar nimmt Rob Hall dabei die Rolle der Hauptfigur ein, doch angesichts der Vielzahl von Figuren – Emily Watson spielt Halls Basiscamp-Leiterin und Elizabeth Debicki dessen Arzt, Sam Worthington einen befreundeten Bergsteiger – gerät Everest mehr zu einem Ensemblefilm. Dies gereicht ihm durchaus zum Vorteil, selbst wenn in dessen Folge vielschichtige Figuren wie Krakauer oder Fischer und ihre Motive fraglos weniger beleuchtet werden, als vielleicht möglich gewesen wäre. Nur: Everest will keine persönliche, sondern eine kollektive Geschichte erzählen.

Es ist also nicht zwingend von Bedeutung, welche der vielen vermummten Personen nun wer ist oder wo genau sich jede einzelne von ihnen gerade am Gipfel befindet. Eine räumliche Aufteilung der entscheidenden Figuren wird auch aufgrund von klarer Farbunterlegung deutlich, weiß man, wer und wo Hall, Hansen, Fischer und Weathers sind. Besonders wenn der Sturm den Everest erreicht, steigert sich Kormákurs Film nochmals, überlässt der Regisseur jegliche narrative Dramaturgie ganz den unglücklichen Ereignissen von 1996. Obschon man Everest vorwerfen kann, dass er viele Umstände ziemlich subtil interpretiert und erklärt, der Film jedoch bereits die Vorfälle von damals auf zwei Stunden komprimiert und Figurenmomente kürzt.

Die Dosierung der vielen Hollywood-Stars – Robin Wright taucht auch noch in einer Nebenrolle als Weathers’ Ehefrau auf – beherrscht Kormákur gekonnt. Der Umstand, dass Christian Bale, der ursprünglich Hall spielen sollte, ausschied und der Film somit charakterlich dezentralisiert wurde, avanciert zum Qualitätsmerkmal. Wer generell dem Subgenre mit solchen Filmen wie Touching the Void nicht abgeneigt ist, der wird auch bei Everest auf seine Kosten kommen. Wobei angesichts der wahren Begebenheiten – wie so oft – auch eine Dokumentation nicht verkehrt gewesen wäre. Dort hätte man auch die Kritik an der Kommerzialisierung der Everest-Besteigung verstärken können. Denn nur weil etwas da ist, muss es nicht jeder gleich besteigen.

7/10

23. April 2011

1 Movie 1 Definition: The Princess Bride

INCONCEIVABLE /ɪnkənˈsiːvəb(ə)l/ adjective: not capable of being imagined or grasped mentally; unbelievable.

OXFORD DICTIONARY
 Copyright © 2011

16. Juni 2010

Unbreakable

They say this one has a surprise ending.

Für Viele sind Comics lediglich Bilderheftchen. Entfernte Verwandte von Romanen, denen man keine allzu große Beachtung schenkt. Comic-Leser werden dabei oft als Nerds verschrien, als dicke bebrillte Loser. Dabei ist die Comic-Gemeinde eine große Gemeinde. Und zugleich auch eine Mächtige. Bei all den Superhelden-Filmen dieser Tage gehört es zum guten Ton für Hollywood, sich im Sommer bei der größten Comic-Messe „Comic-Con“ zu zeigen. Auch James Camerons Avatar begann dort seinen Siegeszug. Welchen Wert Comics haben, zeigte sich auch Ende Januar diesen Jahres. Die 27. Ausgabe der Detective Comics von 1939, die das erste Auftreten von Batman beinhaltete, wurde damals für $1,075,000 verkauft. Laut M. Night Shyamalans Unbreakable, seinem zweiten Spielfilm, werden jährlich in den USA fast 63 Millionen Comics verkauft. Mit seinem persönlichen Lieblingsfilm setzte Shyamalan diesem Submedium im Jahr 2000 selbst ein Denkmal.

Ursprünglich sollte Unbreakable in drei Teile aufgeschlüsselt werden. Nachdem ganz klassisch der Ursprung des Helden erklärt würde, sollte dieser sich erst mit einigen gewöhnlichen Kriminellen auseinandersetzen, um im Finale seiner Nemesis zu begegnen. Eine traditionelle Prozedur, wie sie beispielsweise in Sam Raimis Spider-Man zu finden ist. "Two roads diverged in a wood, and I / I took the one less traveled by / And that has made all the difference", endet Robert Frosts berühmtes Gedicht The Road Not Taken. Zeilen, die in gewisser Weise auch auf Shyamalans Entscheidung bezüglich Unbreakable münzbar wären. Statt dem klassischen Superhelden-Aufbau folgend, entschied er sich für eine reine Origin-Story, die erst in ihrem Finale beginnt, in den zweiten Teil abzudriften. Eine Entscheidung, wie man sie selten in Comic-Verfilmungen trifft und die letztlich "all the difference" für Shyamalans Comic-Verfilmung, die auf keinem Comic basiert, ausmacht.

Sein Film will sich nicht auf Schauwerte verlassen, ist vielmehr Charakterstudie einer - oder wenn man so möchte, zweier - gebrochenen Figur. David Dunn (Bruce Willis) wacht jeden Morgen mit einer ihm unbekannten Traurigkeit auf. Eine Traurigkeit, unter der wohl seine Ehe zu seiner High-School-Liebe Audrey (Robin Wright Penn) gelitten hat. Die Ehe wird gegenwärtig eher sporadisch aufrecht erhalten, dem einzigen Sohn, Joseph, zuliebe. Nachts legt sich David in dessen Bett, bis Joseph eingeschlafen ist, wie lange dem noch so ist, dürfte fraglich sein. Zu Beginn des Filmes kommt David nämlich aus New York zurück nach Philadelphia. Im Big Apple hatte er ein Bewerbungsgespräch für eine Sicherheitsfirma, vermutlich ein finanzieller Aufstieg für den Sicherheitsangestellten im örtlichen Baseball-Stadion. Nun ereignet sich zu Beginn jedoch etwas, mit dem David nicht gerechnet hat. Sein Zug verunglückt, alle Passagiere an Bord sterben. Alle außer David.

Während David das Ereignis bei Seite schiebt, erregt es die Aufmerksamkeit des Comic-Atelier-Betreibers Elijah Price (Samuel Jackson). Wie viele Tage er in seinem Leben krank gewesen sei, fragt dieser David und schickt den Familienvater damit auf eine sein Leben verändernde Reise. Weder sein Vorgesetzter noch seine Frau können sich daran erinnern, dass David jemals krank gewesen sei. Angetrieben von der Überzeugung seines Sohnes, beginnt David daraufhin seine Grenzen auszuloten. Er stemmt dasselbe Gewicht, wie zu Schulzeiten. Und noch zwanzig Pfund mehr. Am Ende wird die vollständige Anzahl der Gewichte noch mit Farbeimern erweitert. David kämpft zwar jedes Mal mit dem Gewicht, aber er stemmt es. Zwar überzeugt ihn das selbst noch nicht, dafür allerdings Joseph. In einer dramatischen Szene will der Sohn dann auch den Vater zur Einsicht bringen, indem er droht, diesen mit seinem Revolver anzuschießen. Schließlich würden die Kugeln einfach abprallen.

Es ist der Glaube eines Anderen, oftmals eines Kindes, der den Helden im Comic umzustimmen vermag. So wie der Held ab einem gewissen Zeitpunkt seinen Pflichten den Rücken kehrt, weil er sich nach einem normalen und gewöhnlichen Leben sehnt. David hat erfolgreich seine Vergangenheit verdrängt. Erst eine alte Lehrerin weist ihn auf seinen beinahe tödlichen Schwimmunfall als Schüler hin, der David seine Aquaphobie beschert hat. Ein Autounfall sorgt dann schließlich dafür, dass er mit seiner Freundin zusammenbleiben kann, die am Ende seine Frau wurde. Eine geopferte Football-Karriere um der Liebe willen. Eine Liebe, die nun am Abgrund steht. "You were giving up a part of yourself when you gave up football", erkennt Elijah, als er David das zusammengesetzte Puzzle präsentiert. Die letzte Erinnerungslücke, die David kurz darauf selbst schließt, als er sich an jenen Autounfall erinnert. "What am I supposed to do?", fragt er Elijah schließlich.

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits siebzig der rund hundert Minuten von Unbreakable vorbei. Es war eine ausführliche und gemächliche Genesis, die David bis zu diesem Zeitpunkt durchschritten hat. "You can’t let bad things happen to good people, right?", hatte ihn Joseph einige Szenen zuvor gefragt. Elijah selbst konstatierte bereits gegen Ende des ersten Aktes. "You could have been one of ten thousand things... but in the end, you chose to protect people." Shyamalan vereint hier gelungen und glaubwürdig Origin- wie im gewissen Sinne auch Comeback-Story miteinander, wenn David nicht nur seine Kräfte (wieder-)entdeckt sondern auch zu seinen vermeintlichen Pflichten zurückkehrt (man erinnere sich an das Spider-Man-Mantra: "With great power comes great responsibility"). David ergibt sich nunmehr quasi seinem vermeintlich vorherbestimmten Schicksal und greift mit seinem Besuch am Bahnhof Elijahs späteren Worten "It has begun" voraus.

Dementsprechend ist seine erste Mission, die David quasi im Cape in Angriff nimmt (sein Arbeitsregenmantel, passenderweise mit dem Schriftzug „Security“, dient als Tarnung), eine wie zu erwarten Problematische. Sich orientierend an Filmen wie Richard Donners Superman stellt im Finale nicht so sehr die Nemesis ein Hindernis für den Helden dar, sondern seine natürliche Schwäche, im Fall von David das Wasser. Im Gegensatz zu Supermans Kryptonit ist es bei David allerdings weniger natürlicher Schwachpunkt als vielmehr psychologisches Trauma. Entgegen Elijahs Glauben und entsprechend der Erinnerung von Davids Lehrerin - bzw. der durch die Schüler tradierten Legende - würde auch Wasser David nichts anhaben können. Die Geburt des Helden ist dann in Unbreakable nicht nur das Ende einer Origin-Story, sondern kulminiert im Finale dann schließlich auch zum Abschluss einer zweiten Ursprungsgeschichte.

Shyamalan ist bekannt geworden durch seine finalen Plottwists, die bereits in South Park durch die Folge Imagionationland parodiert wurden ("That’s not an idea, that’s a twist"). Bedenkt man, dass die Wendung des Films jedoch bereits nach 29 Minuten durch das zweite Aufeinandertreffen von David und Elijah vorausgedeutet wird, spielt die finale Auflösung für die Harmonie von Unbreakable eine eher untergeordnete Rolle. Es ist im Gegenteil ein entsprechend harmonisches Ende unter die bis dato erfolgte Entwicklung zweier Figuren. "Now that we know who you are … I know who I am", schließt Elijah quasi den Film ab, indem er sich durch die Erschaffung des Helden als dessen Gegenspieler definiert. Da Shymalan die Auflösung durchaus auch als Twist integrieren wollte, leidet Elijahs eigene Origin-Story ein wenig, die lediglich sein Hadern mit seiner Glasknochenkrankheit und seine dadurch entstandene Liebe zu Comics schildert.

Leider bewahrheitet sich Elijahs Ausspruch "It has begun" nicht für Unbreakable selbst. Entgegen früherer Versuche aller Beteiligten, versandete eine Fortsetzung, der mit der finalen Texttafel im Film jedoch auch so ein befriedigendes Ende gesetzt wurde. Ohne Makel ist Shyamalans zweiter und nach The Sixth Sense und Signs bestrezipierter Film jedoch nicht. Gerade zu Beginn wartet Eduardo Serras Kameraarbeit mit oft diffusen Einstellungen auf, am besten zu beobachten in der wechselnden Bewegung hinter zwei Sitzen, während eines Dialogs von David. Auch die kriselnde Beziehung zu Audrey wirkt ob ihrer plumpen Integration eher als Mittel zum Zweck, dient hier doch die von Elijah angesprochene Leere durch die Entscheidung für die Liebe als nahezu alleiniger Auslöser. Zudem ist wie erwähnt die schwache Ausarbeitung von Elijah ein vernachlässigtes Merkmal, stellt Shyamalan hier unnötiger Weise den Twist für das Publikum über den Twist für David.

Grundsätzlich ist Unbreakable allerdings eine über weite Strecken gelungene Liebeserklärung an das Medium „Comic“, durchzogen mit vielen kleinen Details und Anekdoten. Ein Film, der wie eingangs angesprochen ohne große Schauwerte auskommt. Vom tragischen Zugunglück präsentiert Shyamalan lediglich Nachrichtenaufnahmen als top shot. Das Finale verkommt zu einem stillen Zweikampf, an dessen Ende David sein Gegenüber erdrosselt. Die effektreichste Szene dagegen ist jener Sturz, den Elijah bei der Verfolgung seiner These auf den Treppen zur U-Bahn erlebt, wenn die Tonspur mit brechendem Glas und seinem gequälten Schrei erfüllt wird. Obschon also Unbreakable keinen perfekten Film darstellt, der trotz seines Fokus’ auf die Figuren diese dennoch nicht genügend in Anbetracht der Geschichte ausarbeitet, ist Shyamalan eine mehr als gerechte Würdigung dieses Genres und Mediums gelungen.

7/10

12. November 2009

Forrest Gump

Are you stupid or somethin’?

Die Academy Awards sind eine oft missverstandene Veranstaltung. Die meisten oder zumindest viele Menschen glauben wahrscheinlich, dass hier wie bei der Olympiade der Beste jedes Jahr gekürt wird. Der beste Film, der beste Regisseur und so weiter. Dabei geht es bei den Oscars nicht darum, den Besten auszuzeichnen, sondern Denjenigen, der der Mehrheit der Academy inklusive Mitgliedern wie Michael Bay am besten gefallen hat. Ein kleiner aber feiner Unterschied, der im Laufe der Jahre dazu führt, dass Filme wie Rocky (gegen Taxi Driver und All the President’s Men), Chicago (gegen The Pianist), Shakespeare in Love (gegen The Thin Red Line) oder The Departed (gegen Letters from Iwo Jima) ausgezeichnet werden. Wobei auch dies natürlich im Auge des Betrachters liegt. Jedenfalls machen Oscarnominierungen noch lange keinen guten Film aus. Gerade in ihrer Höhe (s. The Return of the King) sind sie eher trügerisch. In die Kategorie dieser fragwürdigen Oscargewinner gehört auch Robert Zemeckis’ Forrest Gump von 1994. Bei 13 Nominierungen erhielt der Film sechs Auszeichnungen, davon in vier der Kardinalskategorien.

Heutzutage ist Forrest Gump aufgrund seiner visuellen Effekte, die den Protagonisten in Archivmaterial mit historischen Persönlichkeiten wie John Lennon oder John F. Kennedy und dessen Nachfolger integrieren, sowie Zitaten wie “Life is like a box of chocolates“ in Erinnerung geblieben. Die Adaption von Winston Grooms Roman aus den Achtzigern erzählt von rund drei Jahrzehnten aus dem Leben von Forrest Gump (Tom Hanks). Benannt nach seinem Vorfahren und Ku-Klux-Klan-Gründer Nathan Bedford Forrest hat Forrest ein Problem: er ist anders. Speziell. Nicht normal. Will man ihm zumindest einreden, da er nur einen Intelligenzquotienten von 75 hat und damit exakt fünf Punkte zuwenig, um als „normal“ zu gelten. Fünf Punkte hier oder da, denkt sich seine Mutter (Sally Field) und schläft kurzerhand mit dem Schulpsychologen, um Forrest (s)eine Schulbildung zu ermöglichen. Der Anfang einer beeindruckenden Karriere, wie man sie wohl nur als vermeintlich Minderbemittelter ausleben kann. Auch Homer Simpsons „Feind“ Frank Grimes würde drei Jahre später in Homer’s Enemy bestaunen, was der glatzköpfige Springfeldianer erreichen konnte.

Auf einer Parkbank in Savannah, Georgia sitzend, resümiert Forrest schließlich über sein bisheriges Leben. Die Zuhörer wechseln sich ab, ehe eine ältere Dame ganz fasziniert sogar Bus um Bus vorbeifahren lässt, um Forrests Geschichte zu Ende zu hören. Es ist eine Geschichte über seine große Liebe Jenny (Robin Wright Penn), die er im Kindesalter an seinem ersten Schultag kennen gelernt hat. Sein bester Freund bzw. sein einziger Freund damals in Greenbow, Alabama. Die Wege von Forrest und Jenny führen sie von der Grundschule in die High School, von dort aufs College, wo sie sich schließlich verlaufen und nur gelegentlich wieder kreuzen. „And just like that…she was gone“ wird zum geflügelten Satz in Forrests Wortschatz werden. So sehr Forrest Gump eine Liebesgeschichte ist, so ist versucht es auch eine Geschichte über Amerika zu sein. Immer wieder verwebt der Film historische Ereignisse oder Persönlichkeiten mit dem Leben von Forrest. Sei es Elvis Presley, der einst kurz bei den Gumps lebte und seinen einzigartigen Tanzstil von dem Jungen mit den Beinschienen lernte. Oder Forrests Ausflüge nach Washington D.C., wo er nicht weniger als drei US-Präsidenten im Oval Office besuchen würde.

Die visuelle Einbettung von Hanks in die Archivbilder ist in der Tat einer der Trümpfe des Filmes. Egal ob er als Vorlagengeber für John Lennon fungiert oder Präsident Johnson seinen Allerwertesten entgegenstreckt. Natürlich sind all diese Verknüpfungen unglaublich konstruiert, vielleicht noch am deutlichsten, wenn Forrest einen Dreijährigen-Marathon beginnt und nebenbei Symbole wie „Shit Happens“ und den „Have a nice day“-Smiley initiiert. Nichts im Film, was nicht reines Mittel zum Zweck ist, dabei stets bloßes comic relief ohne jeglichen inhaltlichen Bezug. Dies ist zu Beginn noch amüsant, wenn Forrest dabei ist, wenn zum ersten Mal Afroamerikaner in ein College gelassen werden, wirkt aber spätestens dann verbraucht, wenn er ebenjenes Smiley-Symbol unwissentlich kreiert. Abseits der Liebesgeschichte findet sich also eigentlich keinerlei Substanz, was den Film nicht nur zu einer ausufernden Laufzeit bringt, sondern ihn auch letztlich ab einem gewissen Zeitpunkt redundant werden lässt.

Ein viel größeres Problem liegt jedoch in dem extensiven Konservatismus, den der Film an den Tag legt. Exemplarisch werden zwei Lebenswege am Beispiel von Forrest und Jenny präsentiert. Während Forrest quasi von Erfolg zu Erfolg eilt – sein Shrimp-Unternehmen sowie seine Beteiligung an Apple Computer machen ihn zum Millionär -, dabei stets von naiver Unschuld geschlagen, stagniert Jenny in all ihren Stationen des Lebens. Fraglos ist Forrest sympathisch, das liegt schon in der Natur der Sache. Harmlos wie eine Fliege ist er, der Junge, der Football spielte, danach sein Land in Vietnam verteidigte, seine gesamte Einheit rettete, der großen Nation China den Arsch beim Ping Pong versohlte und dabei all die Zeit schön die Finger von Sex, Drugs und Rock ’n Roll ließ. Ganz im Gegensatz zum white trash girl Jenny, die vom Vater misshandelt wurde und wohl deshalb eine destruktive Persönlichkeit entwickelte. Sie sucht sich stets die falschen Partner aus, prostituiert sich, nimmt Drogen und wird zur politischen Aktivistin, als sie sich mit den anderen 68ern der Hippie-Bewegung anschließt. Kein Wunder, dass die Zeitschrift National Review Forrest Gump zum viertkonservativsten Film aller Zeiten gewählt hat.

Noch trauriger ist jedoch, dass Zemeckis’ Film so gnadenlos inhaltsleer ist, selbst wenn ständig etwas passiert. Eigentlich erhält das Publikum nie eine Erklärung, für das, was es sieht. Wer war eigentlich Forrests Vater und was ist aus ihm geworden? Selbiges gilt für Jennys angebliche Schwestern, die Drehbuchautor Eric Roth an einem Punkt erwähnt, während er Jenny dann alleine zu ihrer Großmutter schickt, nachdem der Vater in den Knast kam. Wieso und wovor rennt Jenny stets davon? Oder andersherum: Warum kommt sie plötzlich eines Tages wieder zu Forrest nach Greenbow, lehnt dann seinen Heiratsantrag ab, hat aber Sex mit ihm und verschwindet erneut? Warum beginnt Forrest am Tag darauf ziellos zu rennen? Immerhin hat er Jenny nicht das erste Mal verloren. Und viel wichtiger: Wenn Jenny am Ende aufgrund ihres Lebensstils an HIV leidet und letztlich auch daran stirbt, wie kommt es, dass Forrest und Forrest, Jr. nicht an dem Virus leiden? Selbst wenn sie sich das Virus erst nach der Trennung von Forrest zuzog, ist zumindest die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Forrest, Jr. (Haley Joel Osment) das HI-Virus in sich trägt.

Selbst die beiden Audiokommentare liefern keine Erklärungen, keinen Inhalt. Der Film enttäuscht hier doch immens, wenn er sich nur auf die Liebesgeschichte stützen kann, der er nicht einmal gerecht wird. “And that’s all I have to say about that“, schließt Forrest oft eine seiner Erzählungen ab. Nach fast zweieinhalb Stunden ist man als Zuschauer jedoch keiner der Figuren auch nur ansatzweise näher gekommen. Weder dem suizidalen Lieutenant Dan (Gary Sinise), noch Forrest und erst recht nicht Jenny. Dabei ist auch nicht alles schlecht, was Roth und Zemeckis hier „verbrochen“ haben. Die Liebesgeschichte hat durchaus Potential und schöpft dieses in einigen Fällen auch entsprechend aus. Gerade die letzte Viertelstunde ist dabei ausgesprochen gelungen. Dagegen dient die andere Hälfte des Filmes mittels der chronologischen Folge amerikanischer Geschichte ausschließlich der humoristischen Auflockerung. Dies funktioniert mitunter sehr gut, manchmal wiederum aber auch gar nicht.

Ohnehin ist Forrest Gump ein Film, der primär von seinem brillanten Hauptdarsteller getragen wird. Was Hanks hier schauspielerisch darbietet ist ganz großes Kino. Allein die Szene, in der er von Forrest, Jr. erfährt und diese Emotionen und Ängste ausschließlich mit seinen Augen spielt, rechtfertigt schon seine Nominierung. Sein Oscar ist am Ende vielleicht der einzig verdiente, bedenkt man dass der Film sich gegen die weitaus gelungeneren The Shawshank Redemption und Pulp Fiction, Regisseur Robert Zemeckis wiederum gegen Kollegen wie Krzysztof Kieslowski durchgesetzt hat. Im Gegensatz dazu wurde Komponist Alan Silvestri, dessen wunderschöner Soundtrack neben Hanks der zweite Star ist, zwar nominiert, aber nicht ausgezeichnet. Im Nachhinein ist Forrest Gump ein zwiespältiges Erlebnis. Ähnlich wie A Beautiful Mind hat man hier keinen wirklich guten Film, aber einen, der dennoch seine (vor allem bewegende) Momente hat. In diesen besten Momenten präsentiert Zemeckis ein bezauberndes Märchen, das so unschuldig wie seine Hauptfigur ist. Aber all der aufgesetzte Konservatismus und die offensichtliche Inhaltsleere trüben am Ende das Bild von Forrest Gump als guten und gelungenen Film.

5.5/10

13. Juni 2009

State of Play

Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber für gewöhnliche kommen US-Remakes nie an ihr ausländisches Original heran. Umso erfreulicher, dass Andrew Macdonald eine nahezu perfekte Adaption gelungen ist. Denn sein namhaft besetzter Thriller (u.a. drei OscarpreisträgerInnen) befreit Paul Abbotts Vorlage von all ihren unsäglichen Nebenplots. Denn durch die Straffung der Handlung um gut 60 Prozent, weiß State of Play sogar zu fesseln. Ungemein gelungen ist auch die Einbindung der aktuellen Medienkrise in das Szenario. Wieso, weshalb und warum dies alles so ist, wie ich es hier vom Berg schreie, kann man beim MANIFEST nachlesen.

8/10