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1. April 2013

Filmtagebuch: März 2013

THE BAD LIEUTENANT: PORT OF CALL - NEW ORLEANS
(USA 2009, Werner Herzog)
6.5/10

BEETLEJUICE
(USA 1988, Tim Burton)
7.5/10

THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI
(USA/UK 1957, David Lean)
9/10

THE CABLE GUY
(USA 1996, Ben Stiller)
5.5/10

CHILLERAMA
(USA 2011, Adam Green u.a.)
8/10

DOCTOR ZHIVAGO
(USA/I 1965, David Lean)
6.5/10

DUMB AND DUMBER
(USA 1994, Peter Farrelly)
8.5/10

FUN WITH DICK AND JANE
(USA 2005, Dean Parisot)
4/10

THE GATEKEEPERS [TÖTE ZUERST]
(IL/D/F/B 2012, Dror Moreh)
7/10

IN BRUGES [BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?]
(UK/USA 2008, Martin McDonagh)
8/10

JACK AND JILL
(USA 2011, Dennis Dugan)
3.5/10

KNOWING
(USA/UK/AUS 2009, Alex Proyas)
2.5/10

LAWRENCE OF ARABIA
(UK 1962, David Lean)
9/10

THE LOVED ONES
(AUS 2009, Sean Byrne)
3/10

EL ORFANATO [DAS WAISENHAUS]
(E/MEX 2007, Juan Antonio Bayona)
2/10

POLICE ACADEMY
(USA 1984, Hugh Wilson)
5/10

REALITY BITES
(USA 1994, Ben Stiller)
5.5/10

DE ROUILLE ET D’OS [DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN]
(F/B 2012, Jacques Audiard)
7/10

SMASHED
(USA 2012, James Ponsoldt)
4.5/10

THIS IS SPINAL TAP
(USA 1984, Rob Reiner)
8/10

TMNT [TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES]
(HK/USA 2007, Kevin Munroe)

6.5/10

TROPIC THUNDER
(USA/UK/D 2008, Ben Stiller)
5.5/10

VERONICA MARS - SEASON 1
(USA 2004/05, Nick Marck u.a.)
7/10

VERONICA MARS - SEASON 2
(USA 2005/06, John Kretchmer u.a.)
6/10

VERONICA MARS - SEASON 3
(USA 2006/07, John Kretchmer u.a.)
5.5/10

THE WALKING DEAD - SEASON 3
(USA 2012/13, Greg Nicotero u.a.)
7/10

WAR HORSE [GEFÄHRTEN]
(USA 2011, Steven Spielberg)

5/10

WHEN THE WIND BLOWS [WENN DER WIND WEHT]
(UK 1986, Jimmy T. Murakami)

5.5/10

WHO FRAMED ROGER RABBIT
(USA 1988, Robert Zemeckis)
8.5/10

Werkschau: Judd Apatow


THE 40-YEAR OLD VIRGIN [UNRATED VERSION]
(USA 2005, Judd Apatow)

4.5/10

KNOCKED UP [UNRATED VERSION]
(USA 2007, Judd Apatow)

5/10

FUNNY PEOPLE
(USA 2009, Judd Apatow)
6.5/10

THIS IS 40 [UNRATED VERSION]
(USA 2012, Judd Apatow)

6.5/10

Werkschau: The Coens


BLOOD SIMPLE. [DIRECTOR’S CUT]
(USA 1984, Joel Coen)

8/10

RAISING ARIZONA
(USA 1987, Joel Coen)
6/10

MILLER’S CROSSING
(USA 1990, Joel Coen)
8/10

BARTON FINK
(USA/UK 1991, Joel Coen)
7/10

THE HUDSUCKER PROXY
(UK/D/USA 1994, Joel Coen)
7.5/10

FARGO
(USA/UK 1996, Joel Coen)
8/10

THE BIG LEBOWSKI
(USA/UK 1998, Joel Coen)
10/10

O BROTHER, WHERE ART THOU?
(UK/F/USA 2000, Joel Coen)
5.5/10

THE MAN WHO WASN’T THERE
(USA/UK 2001, Joel Coen)
6/10

INTOLERABLE CRUELTY
(USA 2003, Joel Coen)
5.5/10

THE LADYKILLERS
(USA 2004, Ethan Coen/Joel Coen)
7/10

NO COUNTRY FOR OLD MEN
(USA 2007, Ethan Coen/Joel Coen)
7/10

BURN AFTER READING
(USA/UK/F 2008, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

A SERIOUS MAN
(USA/UK/F 2009, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

TRUE GRIT
(USA 2010, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

8. Mai 2010

I Love You Phillip Morris

Or you can suck his cock. Your choice.

In Superbad ließ Drehbuchautor Seth Rogen sein auf ihm selbst basierendes Alter Ego Seth (Jonah Hill) einen Penis-Fetisch durchleben. Der gesamte Abspann des Filmes besteht aus amüsanten Penis-Sketchen in unterschiedlichen Posen und Filmzitaten. Es ist ein ebensolcher Penis-Sketch, der in Glenn Ficarras und John Requas Tragödie I Love You Phillip Morris dem Helden letztlich zur Krux wird. Über Monate hinweg manipulierte Steven Russell (Jim Carrey) die Bilanzen seiner Firma, um letztlich durch einen unachtsamen Penis-Sketch auf einer der Bilanzen seines Betrugs überführt zu werden. Der Film basiert auf dem Leben von Steven Jay Russell, der mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde (unter anderem wegen Versicherungsbetrugs) und nicht minder mehrfach aus dem Gefängnis ausbrach. Dank der Brillanz seiner Ausbrüche trägt er die Spitznamen „Houdini“ und „King Con“. Doch der Film von Ficarra und Requa ist keine Gaunerkomödie, sondern eine Liebestragödie.

Steven Russell führte ein normales amerikanisches Leben. Verheiratet mit der überzeugten Christin Debbie (Leslie Mann) ging er sonntäglich in die Kirche, half bei der örtlichen Polizei aus und erzog seine Tochter in aller Liebe. Was Stevens Familie und Freunde nicht ahnten: Steven ist homosexuell, war es schon als Kind (ein junger Steven erblickt in einer Rückblende eine penisförmige Wolke). Einen Autounfall später akzeptiert Steven seine sexuelle Orientierung auch und lebt sie fortan öffentlich aus. Ein zu Beginn eingeführter Subplot um seine Adoptionsherkunft verliert sich spätestens hier dann auch völlig aus den Augen (seine Integration wirkt zwar nicht störend, verkommt jedoch zu einer Belanglosigkeit). Frau und Kind also zurückgelassen zieht Steven nach Florida und frönt mit seinem Liebhaber Jimmy (Rodrigo Santoro) einen luxuriösen Lebensstil. Denn wer schwul ist, hat einen hohen Lebensstandard, erklärt Steven dem Publikum aus dem Off. Mit gefälschten Kreditkarten und Identitäten hält der Lebemann sein Glück aufrecht.

All dies ist letztlich ein umfangreicher Prolog für die eigentliche Geschichte, die erst beginnt, als Steven eines Tages schließlich im Gefängnis landet. I Love You Phillip Morris zeigt hier bereits auf, was später zur Gewohnheit wird: Russells Gaunereien spielen eine untergeordnete Rolle. Ficarra und Requa begrenzen die Integration von Russells Tricks auf ein Minimum. Was angesichts seiner genialen Gefängnisausbrüche (z.B. färbte er seine Gefängniskluft mit geklauten Farbstiften in das Grün der Ärzteuniform und spazierte einfach aus dem Gefängnistrakt) im dritten Akt etwas bedauerlich ist, da die Summe seiner zahlreichen Ausbrüche einem Best-Of gleich in einer Montage „verschenkt“ wird. Aber es handelt sich nicht um eine Gaunerkomödie. „This is a love story“, bezeichnet der wirkliche Steven Russell seine Geschichte. Dabei ist es weniger eine Liebesgeschichte als eine Geschichte über die Liebe. Denn im Nachhinein werden alle von Stevens Handlungen durch Liebe bestimmt.

Dies beginnt bereits mit seiner Ehe zu Debbie, die Steven aus Liebe aufrecht erhielt, selbst wenn er sich homosexuellen Affären hingab. Entgegen möglichen Eindrücken (und einigen etwas platten, aber dennoch charmanten Witzen) spielt Stevens Homosexualität dabei eine untergeordnete Rolle. Seine Liebe zu Jimmy ist nicht mehr eine Liebe zu einem Mann wie es eine Liebe zu einem Partner ist. Um Stevens eigene Äußerung, dass Schwulsein teuer sei, einen Riegel vorzuschieben, integrieren Ficarra und Requa wenig später noch einen Dialog zwischen Debbie und Jimmy, in welchem Erstere Letzteren fragt, ob Kleptomanie und Homosexualität Hand in Hand gehen. „What the fuck are you talking about?“, lautet die folgerichtige Antwort. Im Grunde ließen sich Stevens Liebhaber auch durch Liebhaberinnen ersetzen. Mit welcher Unverklemmtheit I Love You Phillip Morris zu Werke geht, ist erfrischend. So lassen sich auch etwas lahme Oralsex-Szenen leichter verzeihen.

Der Titelgebende Phillip Morris (Ewan McGregor) findet sich dann in einem von Stevens Gefängnisinsassen. „It was lust at first sight“, blickt der echte Steven auf ihre erste Begegnung zurück. McGregor unterspielt den naiven Schönling mit einer exzellenten Leistung, die weit über seinen anderen Nebenrollen dieses Jahres (The Ghost Writer und The Men Who Stare at Goats) steht. Der blonde Phillip Morris ersetzt die klassische Blondine, die stets auf die falschen Kerle hereinfällt und somit nur ausgenutzt wird. Auch mit seiner Hausfrauen-Mentalität nimmt I Love You Phillip Morris somit durchaus das klassische Rollenbild auf, mit dem Unterschied, es mit homosexuellen Figuren zu besetzen. In gewissem Sinne wird Morris jedoch mit (zu) wenig Tiefe versehen, sodass er selbst durchweg das reine love interest und in dieser Funktion der MacGuffin des Filmes bleibt. Im Vordergrund steht unentwegt, welche Wege Steven beschreitet, um sich selbst und seinem Freund einen teueren Lebensstil zu verschaffen.

Ficarras und Requas Film ist dabei keineswegs perfekt, die Erzählfolge von hinten heraus ist ebenso unnötig, wie Stevens Adoptionsherkunft und Suche nach seiner Geburtsmutter. Auch einige Elemente rund um die Beziehung zu Jimmy fallen etwas zu langatmig aus. Der große Vorzug von I Love You Phillip Morris ist jedoch, dass der Film dennoch stimmig ausfällt, auch in seinen redundanten Momenten (Steven und Phillip in trauter Zellen-Zweisamkeit) nie langweilt (Stichwort: „My word is my motherfuckin' bond“). Zudem wird die homosexuelle Rollenbesetzung als selbstverständlich erachtet und daher bis auf wenige Ausnahmen nicht in den Vordergrund gerückt. Dies alles verleiht ihm einen erstaunlich reifen Ton, bedenkt man seinen Ursprung aus den erschreckend verklemmten Vereinigten Staaten. Es wäre wünschenswert, wenn in diesem Falle der Film von der Realität eingeholt werden würde. Schließlich zeigte bereits Superbad, dass ein Penis-Fetisch nicht zwingend „schwul“ sein muss.

8/10

13. August 2007

Knocked Up

Isn't it weird how chairs exist even when you're not sitting on them?

Diesen Sommer kommen, bzw. kamen, drei Pärchenkomödien heraus: License to Wed (mit Mandy Moore und Robin Williams), The Ex (mit Zach Braff) - einst Fast Track genannt - und dieses kleine Schmankerl, Knocked Up von Judd Apatow, dem Regisseur von Jungfrau (40), männlich, sucht. License to Wed kann man getrost den Hasen geben und ob The Exin Deutschland überhaupt ins Kino kommt kann ich an dieser Stelle nicht mal sagen. Knocked Up wurde jedenfalls bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gelobt, teilweise sogar vergöttert. Eine der intelligentesten Komödien seit Jahren und eine der Top-Komödien der letzten zwanzig Jahre, usw. Neben den Kritiken stimmte hierbei sogar das Einspielergebnis, welches in den USA bereits das fünffache seiner Kosten eingespielt hat und international demnächst veröffentlicht wird. Nicht schlecht also, dieser Film - könnte man meinen (und keine Angst, ich werde ihn in den folgenden Absätzen auch nicht runtermachen).

Knocked Up erzählt die Liebesgeschichte von dem kiffenden Arbeitslosen Ben (Seth Rogen) und der karrierebewussten Moderatorin Alison (Katherine Heigl). Diese lernen sich bei Alkohol in einem Club kennen, sind so besoffen, dass sie miteinander Sex haben und als sie sich acht Wochen später wiedersehen, eröffnet Alison Ben dass sie schwanger ist. Wäre das nicht schon schlimm genug, ist sie es eben auch noch von Ben, der erfolglos mit seinen vier Freunden versucht eine Internetseite zu erstellen, die aufführt in welchen Filman man an welcher Stelle Schauspielerinnen nackt sehen kann. Als sich beide entschließen das Kind zu bekommen, müssen sie sich nicht nur mit der Schwangerschaft auseinandersetzen, sondern auch mit den gegenseitigen Persönlichkeiten.

Soviel zur Geschichte und es sollte klar sein, dass am Ende natürlich alles gut wird. Wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre. Es geht also nicht darum was passiert, sondern wie es passiert. Dies geschieht in den meisten Fällen äußerst witzig (auch wenn in der deutschen Sprachfassung einiges an Witz verloren geht) und es ist erfrischend zu sehen, dass besonders in der Wortwahl kein Rückzieher wegen des PG-13 Ratings gemacht wurde und der Film dementsprechend R-Rated (in Deutschland nur FSK 12) ist. In Knocked Up wird geflucht und geschimpft das sich die Balken biegen und das ist auch gut so, denn gegen wir es zu, Fluchen gehört zum Alltag einfach dazu. Der kruden Erziehungspolitik der Amerikaner muss jedoch vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis von Alison's Schwester und ihrem Mann (Leslie Mann und Paul Rudd köstlich wie immer) ein Dorn im Auge gewesen sein, denn hier wird locker flockig von vorehelichem Sex, sowie Mord und Totschlag gefaselt. Einfach aufrichtig ehrlich!

Die Moral von zwei völlig verschiedenen Menschen, die durch Alkohol zusammengeführt werden und schließlich als glückliche Familie enden ist natürlich in unserer heutigen Zeit bei einer Scheidungsrate von 50% beinah als hahnebüchern anzusehen, aber wer will auch schon eine Liebeskomödie sehen die böse endet? Da ist sicherlich auch viel Klischee mit dabei, aber diese entsprechen auch größtenteils den Tatsachen. Wie der Film jedoch zeigt, leben wir aber nicht in einer perfekten Welt in der alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Das fängt Knocked Up in der Tat sehr gut ein und kann sich neben dieser Schwangerschaftsthematik in einem kleinen Nebenplot Seitenhiebe auf die Fernsehindustrie und ihre Ideale (ich sage nur "straffen") nicht verkneifen. Dies wird dann noch mit vielen kleinen Cameos (u.a. Steve Carell, Eva Mendes, James Franco und Harold Ramis) unterstützt - wieso jedoch ausgerechnet Britney Spears' "Toxic" auf dem Soundtrack landete bleibt mir ein Rätsel.

Weswegen ich dann aber doch nicht ganz in den Chor der Jubelstürme einstimmen will, ist, dass Knocked Up gelegentlich im Sand verläuft, die Witze, die allesamt lustig und gut sind, bilden den roten Faden durch den Film, der einen in seinen ruhigen Momenten jedoch fast zu verlieren scheint. Vielleicht liegt dies auch nur daran, dass ich ein Mann bin und mich das Thema der bevorstehenden Schwangerschaft nicht genug interessiert (oder zu arg abschreckt), aber nach ein, zwei Minuten wartet man wirklich sprichwörtlich auf den nächsten Witz, um wieder ebenjenes Aha-Moment zu haben. Dies ist nicht weiter schlimm und hindert den Film auch nicht daran, ein nahezu perfektes Date-Movie zu sein, macht ihn aber in meinen Augen auch nicht zu dem von den Medien erhobenen Top-20-Komödien Gipfelstürmer. Ich hatte mich sehr unterhalten gefühlt und Katherine Heigl tut dabei ihr übriges (auch wenn mir vorher in Grey's noch nie aufgefallen ist, wie groß ihre Brüste eigentlich sind).

7.5/10