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15. Juli 2009

The Last Kiss

It’s sparkling.

Über Männer und Torschlusspanik gibt es unzählige Bücher, Lieder oder Filme. Die meisten Menschen arbeiten darauf hin, dass sie eines Tages den Partner fürs Leben finden. Mit dem sich ein Haus und eine Familie gründen und eine emotionale Geborgenheit erzeugen lässt. Und irgendwann beginnt man(n) zu realisieren, was man dafür aufgegeben hat oder musste. Der Entschluss eine Entscheidung für den Rest seines Lebens zu treffen fällt vielen Männern (laut Klischee) nicht leicht. ”I've been thinking about my life lately, and everything feels pretty planned out. There's no more surprises”, resümiert Michael (Zach Braff) über seine augenblickliche Lage.

In The Last Kiss hat er alles, was er sich im Kindesalter gewünscht hat. Einen tollen Job als Architekt, ein schickes und abgeschieden gelegenes Haus, ein nettes Auto, eine hübsche und intelligente Freundin in Jenna (Jacinda Barrett), sowie eine Gruppe von guten Freunden, mit denen er teilweise sogar seit der Vorschule bereits befreundet ist. Was sich ihm nun eröffnet, ist ein Paradoxon. Obschon er alles hat, was er sich wünschen kann, wirkt er nicht glücklich. Und sei es nur, weil dadurch, dass er alles hat, ihm keine Wünsche mehr offen stehen. Nichts, was ihn noch erwarten würde oder das er sich erfüllen könnte. Keine Überraschungen mehr.

Man merkt es Michael zu Beginn des Filmes bereits an, dass er allem Anschein nach eine Fassade aufrecht zu erhalten versucht. Ein umher wandernder Blick führt zu einer schuldigen Abwendung von einem Reklame-Model und am Esstisch der designierten Schwiegereltern wirkt er irgendwie deplatziert, als Jennas Mutter Anna (Blythe Danner) ihm lobend wie einen Hund tätschelt, nachdem sie und ihr Mann Stephen (Tom Wilkinson) erfahren, dass das junge Paar sein erstes Kind erwartet. Später wird Anna es dann wiederum ihrem Mann zum Vorwurf machen, dass er sie nicht so begehrenswert ansieht, wie Michael es bei Jenna tut.

Was hinsichtlich seiner Einführung in die Geschichte Bände spricht für die Beziehung zwischen Anna und Stephen. Ohnehin ist Tony Goldwyns The Last Kiss, eine Adaption des italienischen Filmes L’ultimo bacio von Gabriele Muccino, eine Darstellung von offensichtlich gescheiterten Beziehungen. Kein Paar wirkt wirklich glücklich und selbst Mark, einer der Freunde, der kurz vor seiner Hochzeit steht, schaut sich gierig satt an zwei Stripperinnen, die an seinem Junggesellenabschied auftreten. Die Ehe wird von Drehbuchautor Paul Haggis hier weniger wie ein Hort der Geborgenheit skizziert, sondern eher als ein emotionales Gefängnis.

Genauso wie die Beziehung zwischen Anna und Stephen eingeschlafen ist, verhält es sich auch mit ihren Ebenbildern aus Michaels Freundeskreis. Izzy (Michael Weston) wurde gerade von seiner Langzeitfreundin sitzen gelassen und Chris (Casey Affleck) hat sich nach der Geburt seines Sohnes von seiner Frau (Lauren Lee Smith) auseinandergelebt. Um wenigstens etwas Ruhe zu kriegen, verbarrikadiert er sich im Bad, wenn er nicht absichtlich länger in der Arbeit bleibt, um dem Trubel zu Hause aus dem Weg zu gehen. Es ist dann Womanizer Kenny (Eric Christian Olsen), der am glücklichsten wirkt, da er scheinbar keine Beziehung führt.

Als ihm seine Affäre ihre Eltern vorstellen will, ergreift er panisch die Flucht. “Everyone I know is having a crisis“, stellt Kim (Rachel Bilson) auf Marks Hochzeit dann fest. Als Studentin und Single hat sie ihr ganzes Leben noch vor sich. Es gibt keine festen Pläne und keine Bestimmungen für sie. Wehmütig blickt Michael auf seine Zeit an der Universität zurück und gibt zugleich zu, schon damals viel zu ernst gewesen zu sein. Kim personifestiert für ihn nun die Möglichkeit, eine - oder mehrere - Optionen im Leben offen stehen zu haben. Und Kim selbst stellt eine Überraschung in seinem eigenen Leben dar. Etwas, das er nicht geplant hatte.

Trotz der Tatsache, dass Zach Braffs Michael als moralisches Arschloch präsentiert wird, der seine scheinst perfekte und zudem schwangere Freundin betrügt, kommt man nicht umhin, seine Handlungen nachvollziehen zu können. Schon alleine deshalb, da jemand wie Kim sich ungeniert für ihn interessiert, was eine Spiegelung im alternativen Ende des Filmes findet, wenn Jenna dasselbe widerfährt. “Life is pretty much in the grays for the most part and if you insist always on black and white... you are going to be very unhappy”, rekapituliert Anna für ihre Tochter am Ende des Films, als diese von Michaels Affäre mit Kim erfährt.

Es ist ein deprimierend-depressives Bild, welches Haggis und Goldwyn in The Last Kiss von der Institution Ehe und Beziehungen im Allgemeinen zeichnen. Und wahrscheinlich ist es ein authentisches Bild von der heutigen Gesellschaft. Nicht so sehr, weil - wie Kim meint - die Ehe in Zeiten erfunden wurde, als die Lebenserwartung nicht allzu hoch (und somit die Ehe an sich nicht sonderlich lang) war, sondern es eine Frage der Einstellung und Bereitschaft von Menschen zu sein scheint. Was man dem Film nun vorwerfen kann, ist die Darstellung der Beziehungen in ihren Endzügen, ohne die Erklärung für den Auslöser des Krankheitsverlaufs.

Wieso ist die Beziehung von Anna und Stephen eingerostet? Wann haben sich Chris und Lisa auseinandergelebt? The Last Kiss beantwortet diese Fragen nicht und gibt auch keine Lösungsvorschläge vor. Außer, dass man sich mit den Grauzonen (die hier als Affären der Partner dargestellt werden) anfreunden muss. Hoffnungsvoll wirkt das nicht, aber bei einer Scheidungsrate von 40 Prozent allein in den USA im vergangenen Jahr wohl der einzige Ausblick für den polygamen Menschen in der Institution Ehe. Kongeniel ergänzt bei der Erzählung von Michaels Geschichte werden Goldwyns Bilder dann von Zach Braffs Musikkompilation zum Film.

“A simple mistake starts the hardest time/I promise I'll do anything you ask...this time” singen Snow Patrol zu Beginn vorausschauend in ihrem Lied Chocolate, während eine Parallelmontage der gescheiterten Beziehungen von Imogen Heaps Hide and Seek mit den Worten “Where are we? What the hell is going on?“ unterlegt wird. Noch treffender fasst schließlich Coldplays Warning Sign die Ereignisse zusammen, wenn Chris Martin Sätze singt wie “I started looking and the bubble burst“ oder “I'm tired, I should not have let you go“. Wie zuvor in seinem Debütfilm Garden State beweist Braff sein Händchen für Ausdrucksstarke alternative Musik.

Dass es Goldwyn und Haggis schaffen, neben der Beziehung von Jenna und Michael auch die der anderen Pärchen ausreichend informativ zu beleuchten, ohne dass dies den Erzählfluss der eigentlichen Haupthandlung stört, ist wahrscheinlich ihr größter Verdienst. Zudem ist ihnen eine glaubhafte Besetzung der Figuren gelungen, wobei allerdings die beiden Leads - Zach Braff und Rachel Bilson - im Vergleich zum Rest etwas abfallen. Ein Sonderlob gebührt dabei Jacinda Barrett, die ihre schauspielerischen Ursprünge in eine der Ausgaben von MTV’s The Real World hat, was hinsichtlich ihres vortrefflichen Spiels überrascht.

Auch die Entscheidung für das offene Ende (das zumindest uneindeutiger ausfällt wie das alternative Ende) fügt sich zur restlichen Stimmung des Filmes, der inhaltlich für Hollywood-Verhältnisse sehr inkonsequent ist. Vermutlich einer der Gründe, weshalb dem Film an den Kassen kein Erfolg beschert war. Als Gesamtkonstrukt gefällt The Last Kiss dabei weniger wegen seiner philosophischen Ansätze über Beziehungen, denn aufgrund seines Versuchs, eine Momentaufnahme einer zerfahrenen Beziehung sein zu wollen. Somit ist auch der Film selbst am Ende nicht schwarz oder weiß, sondern grau. Und damit authentisch, was nicht auf viele Filme zutrifft.

8.5/10

13. August 2007

Knocked Up

Isn't it weird how chairs exist even when you're not sitting on them?

Diesen Sommer kommen, bzw. kamen, drei Pärchenkomödien heraus: License to Wed (mit Mandy Moore und Robin Williams), The Ex (mit Zach Braff) - einst Fast Track genannt - und dieses kleine Schmankerl, Knocked Up von Judd Apatow, dem Regisseur von Jungfrau (40), männlich, sucht. License to Wed kann man getrost den Hasen geben und ob The Exin Deutschland überhaupt ins Kino kommt kann ich an dieser Stelle nicht mal sagen. Knocked Up wurde jedenfalls bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gelobt, teilweise sogar vergöttert. Eine der intelligentesten Komödien seit Jahren und eine der Top-Komödien der letzten zwanzig Jahre, usw. Neben den Kritiken stimmte hierbei sogar das Einspielergebnis, welches in den USA bereits das fünffache seiner Kosten eingespielt hat und international demnächst veröffentlicht wird. Nicht schlecht also, dieser Film - könnte man meinen (und keine Angst, ich werde ihn in den folgenden Absätzen auch nicht runtermachen).

Knocked Up erzählt die Liebesgeschichte von dem kiffenden Arbeitslosen Ben (Seth Rogen) und der karrierebewussten Moderatorin Alison (Katherine Heigl). Diese lernen sich bei Alkohol in einem Club kennen, sind so besoffen, dass sie miteinander Sex haben und als sie sich acht Wochen später wiedersehen, eröffnet Alison Ben dass sie schwanger ist. Wäre das nicht schon schlimm genug, ist sie es eben auch noch von Ben, der erfolglos mit seinen vier Freunden versucht eine Internetseite zu erstellen, die aufführt in welchen Filman man an welcher Stelle Schauspielerinnen nackt sehen kann. Als sich beide entschließen das Kind zu bekommen, müssen sie sich nicht nur mit der Schwangerschaft auseinandersetzen, sondern auch mit den gegenseitigen Persönlichkeiten.

Soviel zur Geschichte und es sollte klar sein, dass am Ende natürlich alles gut wird. Wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre. Es geht also nicht darum was passiert, sondern wie es passiert. Dies geschieht in den meisten Fällen äußerst witzig (auch wenn in der deutschen Sprachfassung einiges an Witz verloren geht) und es ist erfrischend zu sehen, dass besonders in der Wortwahl kein Rückzieher wegen des PG-13 Ratings gemacht wurde und der Film dementsprechend R-Rated (in Deutschland nur FSK 12) ist. In Knocked Up wird geflucht und geschimpft das sich die Balken biegen und das ist auch gut so, denn gegen wir es zu, Fluchen gehört zum Alltag einfach dazu. Der kruden Erziehungspolitik der Amerikaner muss jedoch vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis von Alison's Schwester und ihrem Mann (Leslie Mann und Paul Rudd köstlich wie immer) ein Dorn im Auge gewesen sein, denn hier wird locker flockig von vorehelichem Sex, sowie Mord und Totschlag gefaselt. Einfach aufrichtig ehrlich!

Die Moral von zwei völlig verschiedenen Menschen, die durch Alkohol zusammengeführt werden und schließlich als glückliche Familie enden ist natürlich in unserer heutigen Zeit bei einer Scheidungsrate von 50% beinah als hahnebüchern anzusehen, aber wer will auch schon eine Liebeskomödie sehen die böse endet? Da ist sicherlich auch viel Klischee mit dabei, aber diese entsprechen auch größtenteils den Tatsachen. Wie der Film jedoch zeigt, leben wir aber nicht in einer perfekten Welt in der alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Das fängt Knocked Up in der Tat sehr gut ein und kann sich neben dieser Schwangerschaftsthematik in einem kleinen Nebenplot Seitenhiebe auf die Fernsehindustrie und ihre Ideale (ich sage nur "straffen") nicht verkneifen. Dies wird dann noch mit vielen kleinen Cameos (u.a. Steve Carell, Eva Mendes, James Franco und Harold Ramis) unterstützt - wieso jedoch ausgerechnet Britney Spears' "Toxic" auf dem Soundtrack landete bleibt mir ein Rätsel.

Weswegen ich dann aber doch nicht ganz in den Chor der Jubelstürme einstimmen will, ist, dass Knocked Up gelegentlich im Sand verläuft, die Witze, die allesamt lustig und gut sind, bilden den roten Faden durch den Film, der einen in seinen ruhigen Momenten jedoch fast zu verlieren scheint. Vielleicht liegt dies auch nur daran, dass ich ein Mann bin und mich das Thema der bevorstehenden Schwangerschaft nicht genug interessiert (oder zu arg abschreckt), aber nach ein, zwei Minuten wartet man wirklich sprichwörtlich auf den nächsten Witz, um wieder ebenjenes Aha-Moment zu haben. Dies ist nicht weiter schlimm und hindert den Film auch nicht daran, ein nahezu perfektes Date-Movie zu sein, macht ihn aber in meinen Augen auch nicht zu dem von den Medien erhobenen Top-20-Komödien Gipfelstürmer. Ich hatte mich sehr unterhalten gefühlt und Katherine Heigl tut dabei ihr übriges (auch wenn mir vorher in Grey's noch nie aufgefallen ist, wie groß ihre Brüste eigentlich sind).

7.5/10