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18. Juli 2015

Die Top 5: Community

Cool. Cool, cool, cool.

Ted Turner sagte mal: “Just because your ratings are bigger doesn’t mean you’re better.” Und das ist wohl war – auch im Falle von Dan Harmons Sitcom Community. Jene Show über eine Volkshochschule, die wie so viele Shows jährlich um ihr Überleben kämpfte. Ähnlich wie bei Parks and Recreation war die Verlängerung um eine weitere Staffel eine jährliche Hängepartie, während die Einschaltquote sank und sank. Von 2009 bis 2015 lief Community, davon die ersten fünf Staffeln auf NBC, ehe der Sender die Serie einstellte. Aufgrund ihres Kultfaktors und treuen Fangemeinde nahm sich Yahoo der Show an und schenkte ihr 13 weitere Folgen. Der Wunsch von Harmon und der Fans (“Six seasons and a movie”) lebt somit weiter.

Seinen Anfang nahm alles in der Tatsache, dass Anwalt Jeff (Joel McHale) seinen Bachelor-Titel am Greendale Community College nachholen will. Dort macht er der Kommilitonin und politischen Aktivistin Britta (Gillian Jacobs) schöne Augen, was dann wider Willen in einer Spanisch-Lerngruppe endet. Zu dieser gehören der TV- und Filmfan Abed (Danny Pudi), der infantile High School Footballer Troy (Donald Glover), die religiöse Mutter Shirley (Yvette Nicole Brown), der alte Firmenerbe Pierce (Chevy Chase) und der Kontrollfreak Annie (Alison Brie). Aus Fremden wurden im Laufe der Zeit Freunde, die sich ihrem schrulligen Rektor, Dean Pelton (Jim Rash), und ihres wahnsinnigen Lehrers Señor Chang (Ken Jeong) erwehren müssen.

Insgesamt 110 Episoden regierte der Wahnsinn in Greendale – auch hinter den Kulissen. So musste Schöpfer Dan Harmon im vierten Jahr gehen und die Autoren David Guarascio sowie Moses Port gaben die Showrunner, ehe Harmon in Staffel 5 zurückkehrte. Dafür verließen Chase und Glover die Serie, genauso Brown im letzten Jahr. Der Community-Formel tat dies nur bedingt einen Abbruch, Harmon verstand es gekonnt, mal mit Jonathan Banks in Season 5, dann wieder mit Paget Brewster und Keith David in Season 6 der Gruppe neues Leben einzuhauchen. Solange Community in Greendale spielte, schien alles im Lot zu sein. Das College und seine inhärente Inkompetenz war der eigentliche Star in der Serie als solcher.

Was die Serie stets auszeichnete, waren ihre pop-kulturellen Anspielungen und ihre kreative Bereitwilligkeit für Konzeptepisoden – beides in der Regel von Danny Pudis Figur ausgehend. Exemplarische Episoden waren hier die Weihnachts- und Halloween-Folgen, aber auch jene Paintball-Geschichten, die der Show zu Fernsehruhm verhalfen. Community scheute sich nicht, eine ganze Folge in Claymation oder 2D-Animation zu erzählen, oder sich ganz und gar einem Kind gleich ihrer gespielten Realität hinzugeben. Hierin lag mit die enorme Kreativität der Serie begründet, die wie keine Zweite die Grenzen des Machbaren im Fernsehen auslotetet – und dabei zumeist reüssierte. Auch wenn sie dies selten konsequent durchzuhalten vermochte.

Honorable Mention: A Fistful of Paintballs (Season 2, Episode 23/Joe Russo)
Was die Show außergewöhnlich machte lobte ich seinerzeit schon in der ersten und zweiten Staffel. Jede Folge besaß zumindest ein, zwei tolle Momente – aber nur wenige waren durchgehend überdurchschnittlich. Am überzeugendsten geriet dabei die fünfte Staffel, womöglich auch deshalb, weil Harmon hier nur halb so viele Episoden zur Verfügung standen wie in den ersten drei Jahren. Somit bot sich weniger Gelegenheit, sich zu verlieren und das vorhandene Material kam gebündelter und kompakter daher. Der Serie half das wenig, mit durchschnittlich nur noch drei Millionen Zuschauern zog NBC die Reißleine – Community verabschiedete sich somit wie Parks and Recreation auf dem Höhepunkt aus dem Fernsehen (und ging ins Internet).

Auch dort funktionierte die Serie zumindest in ihren ersten und finalen Folgen weiterhin. Nicht zuletzt wegen ihrer Darsteller und deren unvergleichbarer Hingabe zu ihren Figuren und dem Konzept der Show. Insbesondere Danny Pudi, Alison Brie, Ken Jeong und Jim Rash lieferten oft schauspielerische Parforceritte ab, die ihresgleichen suchten (man denke nur an VCR Maintenance and Educational Publishing). Insofern geht der Kultfaktor von Community in Ordnung und wünscht man der Serie ihren filmischen Abschluss als letztes Hurra. Bis dahin bleibt mir nur auf die aus meiner Sicht fünf gelungensten Episoden der vergangenen sechs Jahre zurückzublicken, die mir den größten Unterhaltungswert boten:


5. Cooperative Calligraphy (Season 2, Episode 8/Joe Russo): Steht hier stellvertretend für all jene Episoden, die keine Konzeptfolgen darstellen. Als einer von Annies Kugelschreibern verschwindet, sieht sich die Gruppe gezwungen, buchstäblich blank zu ziehen, da der vermeintliche Dieb sich nicht zu erkennen geben möchte. Dabei wollen alle viel lieber zu einer Welpen-Parade. Communitys erste Bottle-Episode fördert dabei nicht nur die individuellen Charaktere der Gruppe exzellent zutage, angefangen von Annies Kontrollwahn, sondern auch verborgene persönliche Geheimnisse.

4. Geothermal Escapism (Season 5, Episode 5/Joe Russo): Der Abschied von Troy steht bevor und Abed schenkt seinem besten Freund eine Runde Hot Lava, die natürlich wieder ganz Greendale ins verspielte Chaos stürzt. Die Folge überzeugt dabei zum einen fraglos als eine Bewältigungstherapie für Abed sowie Brittas penetrantes – aber erfolgreiches – Psychologisieren, zuvorderst aber natürlich wegen der zahlreichen postapokalyptischen Referenzen à la Mad Max und Waterworld: von Changs Hook-zitierenden Locker Boys bis hin zu dem Angriff der Chair Walker auf Shirley Island.

3. Pillows and Blankets (Season 3, Episode 14/Tristram Shapeero): Als sie sich nicht einigen können, ob sie eine Kissen- oder Deckenburg bauen sollen, befeuert von John Goodmans manipulativem Vice Dean Laybourne, eskaliert der Disput zwischen Troy und Abed schließlich in eine ganz Greendale ergreifende Kissenschlacht, die in bester Manier einer PBS-Dokumentation – sogar mit Keith David als Erzählstimme – daherkommt. Gespickt mit vielen tollen Ideen wie Britta als inkompetente Kriegsfotografin, Pierce als Kissen-Doomsday-Device oder auch den diabolischen Changlorious Basterds.

2. App Development and Condiments (Season 5, Episode 8/Rob Schrab): Wie so oft ist es auch hier ein kleiner Umstand, der große Auswirkungen hat. Die Social App MeowMeowBeenz führt zu einer dystopischen Kastenbildung in Greendale, die Jeff Anreiz bietet, sich von einer 1 zur 5 hochzuschleimen, ehe er sich dann doch in einem Ego-Konkurrenzkampf mit Shirley verliert. Britta akzeptiert derweil ihre Rolle als Mustard Face Savior und Mother of Ones und startet eine Revolution, die Jeff aber schnell im Keim erstickt, weil es immerhin Samstag ist. Das Koogler-Tag bildet den krönenden Abschluss.

1. Modern Warfare (Season 1, Episode 23/Justin Lin): Wenn es um Konzept-Folgen geht, geht in Community nichts über Paintball (wie die Show selbst in der soliden Season-6-Paintball-Folge Modern Espionage bemerkt). Allesamt sehenswerte Episoden, in denen der Wahnsinn in Greendale Blüten trägt und das Ensemble sich voll ins Konzept reinhängt, ist dieser Auftakt, in dem Dean Pelton fataler Weise Erstregistrierung als Paintball-Preis auslobt, der Auftakt zu farblichem Chaos. Der Höhepunkt ist dabei die Hommage an John Woos Hard Boiled, wenn Señor Chang im Lernraum Britta und Jeff konfrontiert.

24. April 2014

Community - Season Five

Did you all hit your heads on each other’s heads?

Über die Serienlandschaft ist auf diesem Blog schon vielfach geschrieben worden. Über Darsteller, die durch ihre Serie zu Ruhm gelangten und ihr irgendwann den Rücken kehrten. Oder Shows, die Jahr um Jahr trotz Kritikerlob um eine nächste Staffel bangen mussten. Und natürlich solche, die Potential hatten, es aber nie vollends nutzten. Dies alles trifft im Grunde auch auf Community zu und dennoch ist die NBC-Sitcom eine Ausnahme für sich. Eine Show, die all das falsch machte, was so viele Serien falsch machen. Die aber zugleich genug Esprit, Witz und Originalität besitzt, um diesen Malus wieder auszugleichen. Da passt es also, dass dies auch auf die jüngste, fünfte und voraussichtlich vorletzte Staffel zutrifft.

In dieser kehrt Serienschöpfer Dan Harmon als Showrunner zurück, nachdem er nach Querelen zum vierten Jahr ausgestiegen war. Dies wiederum führte bei Fans zu Begeisterungsstürmen, sollte nun, so der Prophet wieder im Lande, zu alter Klasse führen. Dabei war die vierte Staffel nicht merklich schlechter als die drei zuvor gewesen. Harmon musste dafür mit einigen Altlasten kämpfen, allen voran Chevy Chase. Dessen Figur starb kurzerhand, auch andere Relikte des Vorjahres wie Brittas (Gillian Jacobs) und Troys (Donald Glover) Beziehung wurden so weit möglich negiert. Zugleich musste auf Glovers Abschied hingearbeitet werden, der die Serie nach fünf Folgen verließ. Alles auf neu – irgendwie.

Jeff (Joel McHale), eigentlich bereits Absolvent, kommt nun – natürlich wider Willen – als Jura-Dozent zurück nach Greendale. Die Schule selbst, so der MacGuffin im weiteren Verlauf, muss vor der Schließung gerettet werden. Ein Fall für Annie (Alison Brie) und Konsorten, den alten Studienraum zu bestuhlen. Und während Abed (Danny Pudi) sich in seine Meta-Ebene verabschiedet, Chang (Ken Jeong) in seinen Alltagswahsinn und Dean Pelton (Jim Rash) in seine Jeff-Sehnsucht, ist Shirley (Yvette Nicole Brown) einfach nur dabei statt mittendrin und teilt sich dieses Schicksal irgendwie mit Prof. Hickey (Jonathan Banks), der Pierce als grumpy old white man in Greendale ersetzt. Öfters mal was Neues.

Was unspektakulär klingt – und es tatsächlich auch ist – unterhält abseits seiner generischen Strukturen aufgrund einiger durchaus gelungener Auswüchse. Beispielsweise wenn Donald Glover in einem Meta-Kommentar seinen eigenen Serienausstieg hochnimmt oder die Serie sich ganz ihrer Verspieltheit hingibt. Zwar bringt dies Gedankenspiele wie in Geothermal Escapism oder Advanced Advanced Dungeons and Dragons mit sich, die in Community zur Genüge ausgelatscht wurden, aber eben auch kongeniale Episoden wie Basic Intergluteal Numismatics (eine aufs Banalste heruntergebrochene Serienkiller-Persiflage) und allen voran die brillante Folge App Development and Condiments (eine Sci-Fi-Social Media-Satire).

Dann, wenn Community folglich Community sein darf und die Figuren sich ganz im Unsinn der Szenerie verlieren, zeigt sich ihre Klasse. Sei es, wenn sich Abed mit Annie in einem fiktiven Cowboy-Rate-Spiel verliert, mit ihr und Dean Pelton auf Schatzsuche geht oder sich in einer Runde Dungeons and Dragons an gollumschen Dialogszenen versucht. Auch Ken Jeongs überspitztes Spiel ist in dieser Show bestens aufgehoben, egal ob er glaubt, eine Maske zu tragen oder sich unsicher ist, ob ein Hausmeister, Theaterpublikum oder er selbst ein Geist ist. Momente wie dieser trösten sogar über das Loch hinweg, dass der kindliche-naive Troy (Communitys Antwort auf Parks and Recreations’ genialen Chris Pratt) hinterließ.

Leider kocht Dan Harmon dann doch zu oft Altbekanntes auf, egal ob romantische Untertöne zwischen Jeff und Britta respektive Annie oder psychologische Bewältigungstherapie mittels Animationseskapismus (was in Staffel 2 Abed’s Uncontrollable Christmas ist hier G.I. Jeff). Auch Abeds Meta-Momente wie in Basic Story können mitunter zu viel des Guten werden und mit Figuren wie Shirley oder Duncan weiß Community schlichtweg außer Stereotype nichts anzufangen. Trotz dessen, dass die Serie nie vollends ihr Potential nutzt – wie es vergleichsweise Better Off Ted tat –, ist ihr Mut zum Unformelhaften, Verrückten und Kreativen lobenswert. Und das ist in der gegenwärtigen Serienlandschaft viel wert.

7.5/10

1. September 2010

The Goods: Live Hard, Sell Hard

Why wouldn’t you google it? I just told you to google it.

Es gibt zwei Sorten von Menschen auf diesem Planeten. Diejenigen, die kaufen und ihre Gegenüber, die verkaufen. Don „The Goods“ Ready (Jeremy Piven) zählt zu der letzteren Gruppe beziehungsweise einer ganz speziellen Gruppe. Um es mit Dons Visitenkarte auszudrücken: „I Move Cars, Motherfucker“. Don und seine 3-Mann-Crew (Ving Rhames, David Koechner, Kathryn Hahn) sind Branchen-Söldner, denen man quasi das A-Team-Intro auf den Leib schreiben könnte. They survive as salesmen of fortune. If you have a problem, if no one else can help, and if you can find them, maybe you can hire the Goods. Gefunden wird Don zu Beginn von Ben Selleck (James Brolin), Besitzer eines Autohandels in Familienbesitz, dessen Verkaufszahlen schleppend sind. Sein Team besteht aus naiven Koreanern (Ken Jeong), die sich Bankräubergut andrehen lassen, oder Weltkriegsveteranen, die den Kunden mehr das Gefühl geben, Feind denn König zu sein. Don und Co. haben nun ein langes Wochenende Zeit, 211 Autos an den Mann zu bringen.

Mit The Goods: Live Hard, Sell Hard feiert Neal Brennan, Autor für die Chappelle’s Show und Funny or Die Presents… sein Kinodebüt als Regisseur. Und gerade letztere Show war hierfür verantwortlich, ist The Goods doch ein Film, der unter der Fuchtel von Adam McKay und Will Ferrell entstand. Was zugleich die Zusammenstellung des Darstellerensembles erklärt. Da finden sich Ken Jeong wieder und Kathryn Hahn, die zuvor mit McKay und Ferrell Step Brothers gedreht haben, während David Koechner und Ed Helms beispielsweise ebenfalls in Funny or Die Presents… involviert waren. Und Piven kennt Ferrell ohnehin seit Old School sehr gut, sodass an sich nur Brolin, Rhames und Alan Thicke hier wirklich Neuland betreten. In Nebenrollen tauchen dann noch Craig Robinson und Will Ferrell selbst auf - eine große Küche mit komödiantischem Potential also. Aber viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei, woran es bei The Goods jedoch hapert, ist so etwas wie eine Linie, in diesem filmischen Gänge-Menü. Dass es an einer solchen fehlt, merkt man speziell zum Schluss.

Aber man sollte sich nichts vormachen. The Goods will zu keinem Zeitpunkt ein guter Film sein, er schreit vielmehr aus allen Poren „direct-to-dvd“. Daran ändert auch das namhafte Ensemble wenig. Die Figuren sind eindimensionale Schablonen, durchsichtig wie fettiges Papier und ohnehin abgesehen von Don ohne irgendetwas wie zum Beispiel mit einem Hintergrund ausgestattet (immerhin glaubt Ving Rhames’ Jibby, dass er seit anderthalb Jahren seine Haustür offen gelassen hat). Ben Sellecks Autoladen ist ein Familienunternehmen, was jedoch eine reine Worthülse ist, da er auch einfach der Besitzer sein könnte (es sei denn, er hätte den Laden von seinem Vater geerbt, was jedoch nicht angedeutet wird). Wieso The Goods überhaupt versucht, derartige Handlungselemente zu integrieren, wo sie im Gegensatz zu Sellecks zehnjährigem Sohn, der im Körper eines Erwachsenen steckt (und somit sexuelle Gelüste bei Kathryn Hahns Babs weckt), nicht mal zu Gags weiterverarbeitet werden. Die fehlgeleitete Katharsis von Don setzt dem Ganzen dann die Krone auf.

Es handelt sich hierbei also um keinen guten Film - die Geschichte ist krude, die meisten Gags sind flach und die Charaktere in ihrer Summe fast schon Schimären. So ist Dons love interest deshalb mit einem Ekel wie Ed Helms Paxton zusammen, weil dies - siehe auch Hot Rod - das Genre so vorsieht. Dennoch ist Brennans Film nicht zwingend unlustig, nur weil er nicht besonders gut ist. Dass durchaus gelacht werden kann, obschon viele Szenen mehr wie eine Verschwendung von Geld und Zeit wirken (hier ist Dons Plädoyer fürs Rauchen in Flugzeugen an vorderster Stelle zu nennen), ist dabei die herausragende Eigenschaft von The Goods. Beispielsweise der „Hate Crime“-Gag mit Jeong - der diesen weitaus überzeugender spielt, als seine Figuren in The Hangover oder Role Models -, der von amerikanischen Asiaten als rassistisch erachtet wurde (was bei einem Film wie The Goods jedoch völlig deplatziert wirkt). Auch der running gag mit Craig Robinsons DJ Request („Nobody tells DJ Request what to play”) ist herrlich behämmert.

Man findet somit vereinzelt Lacher, die durchaus langanhaltend sind und letztlich die Sichtung des Filmes auch irgendwie rechtfertigen. Dabei sind es die kleineren Gags, die zünden. Also weniger Will Ferrells Auftritt als Ursache für das oft geflüsterte „’Querque“, sondern eher Pivens Filmreferenz an The Silence of the Lambs („Put the lotion in the basket“) - die ohnehin immer punktet. Obschon hier nahezu jeder jeden kennt, hätte man sich eine bessere Chemie zwischen den Darstellern gewünscht (scheinbar fällt es echten Freunden schwerer, Freunde zu spielen, als Unbekannten, wie schon Grown Ups untermauerte). Schauspielerisch ergibt sich auch kaum Möglichkeit, dass jemand sich in den Vordergrund spielt, angesichts seiner Präsenz am ehesten noch Piven. Doch der zeigt wieder, dass sein Ari Gold in Entourage sein Meisterstück ist - eine Figur mit mehr Ecken und Kanten als Don „The Goods“ Ready sie hier gewährt bekommt. Unterm Strich ist The Goods: Live Hard, Sell Hard ein Film, der vieles falsch macht und dennoch kein Reinfall ist.

5.5/10

17. Dezember 2009

Role Models

The Get Out of Jail Free Card: Is that real?

Glaubt man Wikipedia, gibt es seit über einem Jahrhundert bereits in den Vereinigten Staaten von Amerika die soziale Hilfsorganisation Big Brothers Big Sisters. Hierbei kümmern sich Erwachsene um (oftmals) elternlose Kinder und dienen ihnen als Mentoren auf ihrem weiteren Lebensweg. Das System dürfte wohl auf unterschiedliche Art funktionieren, unter anderem sicherlich auch, wenn ein Problemkind von einem Erwachsenen betreut wird, der in seiner eigenen Jugend mit denselben Widrigkeiten zu kämpfen hatte. Somit bilden die großen Brüder und Schwestern eine Vorbildfunktion für die Jugendlichen, die zu einer Abkehr von Drogen und Schulabbruch führen kann oder soll. Die meisten Nicht-Amerikanern dürfte das Programm des „Big Brother“ durch die Simpsons-Folge Brother from the Same Planet bekannt sein, in der Bart aufgrund von Homers Vernachlässigung in die freizeitliche Obhut des perfekten Tom gebracht wird. Das filmische Schema, einen Slacker als chaotisches Vorbild zu präsentieren, war in Hollywood nun schon in Beiträgen wie Big Daddy abgehandelt worden. Nichtsdestotrotz versprach der Trailer und die Besetzung von Role Models, wenn schon nichts Neues, dann doch einige gelungene Momente aufwarten zu können.

Die beiden Hauptfiguren Danny (Paul Rudd) und Wheeler (Seann William Scott) könnten dabei eigentlich unterschiedlicher nicht sein. Danny hasst nicht nur seinen Job als Promoter der Energy-Drink-Kette Minotaur („Taste the beast!“), sondern auch zahlreiche andere Dinge. Zum Beispiel die Coffee-Shop-Verkäuferin die ihm einen Kaffee venti statt groß verkaufen will oder Menschen die Abkürzungen wie ASAP oder FYI verwenden. Seinen rettenden Anker scheint er dabei in seiner langjährigen Freundin Beth (Elizabeth Banks) gefunden zu haben, da sie dieselben Dinge hasst, wie Danny. Doch auch Beth geht seine negative Denkweise allmählich auf die Nerven. Umso überraschender, dass seinen Arbeitskollegen Wheeler dies relativ wenig stört. Als sprichwörtliches Party Animal liebt Wheeler nicht nur seinen Job im Minotaurus-Kostüm, sondern auch die Frauen lieben ihn…im Minotaurus-Kostüm. So wirkt es durch den ganzen Film hindurch eher so, als ob Danny mit Wheeler abhängt, weil er eben da ist und weniger, weil er es will. Als jedoch Beth einen unromantischen Heiratsantrag von Danny ablehnt und dieser bei einer der Promotion-Kurse an einer High School ausflippt, sieht er sich gemeinsam mit Wheeler plötzlich mehreren Gesetzesverstößen und potentiellen dreißig Jahren Gefängnis gegenüber. Der einzige Ausweg scheinen 150 Sozialstunden im Sturdy-Wings-Programm von Gayle (Jane Lynch) zu sein.

Im Folgenden teilt sich Role Models dann in die zwei notwendigen Hälften, die für die Katharsis aller beteiligten Figuren notwenig sind. Nachdem die Paarung erfolgt, Danny kriegt den Fantasy-Nerd Augie (Christopher Mintz-Plasse) und Wheeler den vulgären Ronnie (Bobb’e J. Thompson), müssen sich die Parteien erstmal beschnuppern und ablehnen können, bevor dann im dritten Akt des Filmes die große Akzeptanz und Versöhnung von Statten geht. Um das Schiff auf Kurs zu halten, gibt es dann gelegentlich zusammen geschmissene Szenen mit Rudd und Scott, damit das Publikum auch etwas von seinen Hauptdarstellern im Team hat. Generell ist hierbei den Aktivitäten von Wheeler und Ronnie der Vorzug zu geben, da beide etwas besser harmonieren, bedenkt man, dass sie ähnliche Interessen haben („I like your take on boobies“) und sich daher eher ein gemeinsamer Nenner findet. Zudem ist Ronnie einfach eine Figur mit sehr viel mehr freiwillig komischen Charakter („Fuck you, Miss Daisy“), während Mintz-Plasse die Michael-Cera-Schiene des liebenswerten Losers zu fahren scheint. Doch Augies Faszination fürs mittelalterliche Rollenspiel wirkt automatisch auch für den Zuschauer – oder den Teil der Zuschauer, die nicht selbst auch eine Affinität für Mittelalter-Rollenspiele haben – sehr befremdlich.

Ein Problem, an dem Role Models zu knabbern hat, ist die gegenwärtige „Vetternwirtschaft“ im Comedy-Genre. Kaum noch ein Film, in dem nicht ein oder zwei Frat-Packler auftauchen (zu denen inzwischen auch die neue Generation rund um Rogen und Co. zu zählen scheint) und in Nebenrollen Kumpels von früheren Arbeiten auftauchen. So auch hier, indem Regisseur David Wain gleich vier Schauspieler besetzt hat, die er bereits in seinem Kultfilm Wet Hot American Summer inszenierte. Hinzu kommen dann Schauspieler wie Jane Lynch oder Ken Jeong, die in allerlei Frat-Pack-Filmen in Nebenrollen auftauchen. Da fällt Jorma Taccones Cameo gar nicht weiter auf. Grundsätzlich wäre das nicht allzu kritisch zu sehen, doch wenn man im fertigen Film die Nebenrolle von Lynch derart ausbaut, ohne dass diese die Leinwandzeit durch entsprechenden Humor auszufüllen weiß, leidet der Film darunter. Was in The 40 Year Old Virgin in einer wahrhaftigen Nebenrolle noch funktionierte, misslingt nunmehr in ausgedehnter Form wegen Lynchs kaum vorhandenem Humor. Selbiges trifft auch auf die erweiterte Präsenz von Jeong zu, was besonders in einer der gekürzten Szenen nochmals überdeutlich wird. Umso bezeichnender, wenn dann hierfür die Rolle von Banks beschnitten wird, die hinter Lynch und auch Jeong zurückfällt.

Aus moralischer Sicht erfindet Wains Film natürlich das Rad nicht neu. Wheeler muss lernen, für etwas in seinem Leben – wenn schon nicht für dieses selbst – Verantwortung zu übernehmen. Bedenkt man jedoch, dass die Vorfälle zu Beginn im Grunde nicht seine, sondern Dannys Schuld sind, fokussiert sich auch der Gedanke der Katharsis eher auf Rudds Figur. Für Danny gilt es, nicht alles derart pessimistisch zu sehen und wieder Spaß am Leben zu entwickeln. Das wird dann nur bedingt wirklich transferiert, denn weder der eine Wandel, noch der andere wirken schon aufgrund der schwachen Prämisse besonders authentisch. Was alles nicht bedeuten soll, dass Role Models keinen Spaß bereiten würde, denn dafür sind sowohl Rudd als auch Scott zu erfahren, als dass nicht mehrere treffsichere Gags zu landen wüssten. Es ist daher eigentlich ausschließlich ihnen zu verdanken, dass der Film nicht in seinen überlangen Nebenfigurauswälzungen verloren geht. Mintz-Plasse gibt den nerdigen Loser wie schon in Superbad ziemlich gelungen, doch leidet die Figur unter ihrem eigenen Karma. Thompson hingegen merkt man an, dass der Junge Spaß gehabt haben muss, auf dem Set unentwegt zu fluchen und Scott zu ohrfeigen. Letztlich ist Wains Auftragsarbeit nichts Überragendes und nicht einmal etwas besonders gutes, weiß sich aber durch seine Hauptdarsteller weitestgehend über Wasser zu halten.

6/10

13. August 2007

Knocked Up

Isn't it weird how chairs exist even when you're not sitting on them?

Diesen Sommer kommen, bzw. kamen, drei Pärchenkomödien heraus: License to Wed (mit Mandy Moore und Robin Williams), The Ex (mit Zach Braff) - einst Fast Track genannt - und dieses kleine Schmankerl, Knocked Up von Judd Apatow, dem Regisseur von Jungfrau (40), männlich, sucht. License to Wed kann man getrost den Hasen geben und ob The Exin Deutschland überhaupt ins Kino kommt kann ich an dieser Stelle nicht mal sagen. Knocked Up wurde jedenfalls bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gelobt, teilweise sogar vergöttert. Eine der intelligentesten Komödien seit Jahren und eine der Top-Komödien der letzten zwanzig Jahre, usw. Neben den Kritiken stimmte hierbei sogar das Einspielergebnis, welches in den USA bereits das fünffache seiner Kosten eingespielt hat und international demnächst veröffentlicht wird. Nicht schlecht also, dieser Film - könnte man meinen (und keine Angst, ich werde ihn in den folgenden Absätzen auch nicht runtermachen).

Knocked Up erzählt die Liebesgeschichte von dem kiffenden Arbeitslosen Ben (Seth Rogen) und der karrierebewussten Moderatorin Alison (Katherine Heigl). Diese lernen sich bei Alkohol in einem Club kennen, sind so besoffen, dass sie miteinander Sex haben und als sie sich acht Wochen später wiedersehen, eröffnet Alison Ben dass sie schwanger ist. Wäre das nicht schon schlimm genug, ist sie es eben auch noch von Ben, der erfolglos mit seinen vier Freunden versucht eine Internetseite zu erstellen, die aufführt in welchen Filman man an welcher Stelle Schauspielerinnen nackt sehen kann. Als sich beide entschließen das Kind zu bekommen, müssen sie sich nicht nur mit der Schwangerschaft auseinandersetzen, sondern auch mit den gegenseitigen Persönlichkeiten.

Soviel zur Geschichte und es sollte klar sein, dass am Ende natürlich alles gut wird. Wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre. Es geht also nicht darum was passiert, sondern wie es passiert. Dies geschieht in den meisten Fällen äußerst witzig (auch wenn in der deutschen Sprachfassung einiges an Witz verloren geht) und es ist erfrischend zu sehen, dass besonders in der Wortwahl kein Rückzieher wegen des PG-13 Ratings gemacht wurde und der Film dementsprechend R-Rated (in Deutschland nur FSK 12) ist. In Knocked Up wird geflucht und geschimpft das sich die Balken biegen und das ist auch gut so, denn gegen wir es zu, Fluchen gehört zum Alltag einfach dazu. Der kruden Erziehungspolitik der Amerikaner muss jedoch vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis von Alison's Schwester und ihrem Mann (Leslie Mann und Paul Rudd köstlich wie immer) ein Dorn im Auge gewesen sein, denn hier wird locker flockig von vorehelichem Sex, sowie Mord und Totschlag gefaselt. Einfach aufrichtig ehrlich!

Die Moral von zwei völlig verschiedenen Menschen, die durch Alkohol zusammengeführt werden und schließlich als glückliche Familie enden ist natürlich in unserer heutigen Zeit bei einer Scheidungsrate von 50% beinah als hahnebüchern anzusehen, aber wer will auch schon eine Liebeskomödie sehen die böse endet? Da ist sicherlich auch viel Klischee mit dabei, aber diese entsprechen auch größtenteils den Tatsachen. Wie der Film jedoch zeigt, leben wir aber nicht in einer perfekten Welt in der alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Das fängt Knocked Up in der Tat sehr gut ein und kann sich neben dieser Schwangerschaftsthematik in einem kleinen Nebenplot Seitenhiebe auf die Fernsehindustrie und ihre Ideale (ich sage nur "straffen") nicht verkneifen. Dies wird dann noch mit vielen kleinen Cameos (u.a. Steve Carell, Eva Mendes, James Franco und Harold Ramis) unterstützt - wieso jedoch ausgerechnet Britney Spears' "Toxic" auf dem Soundtrack landete bleibt mir ein Rätsel.

Weswegen ich dann aber doch nicht ganz in den Chor der Jubelstürme einstimmen will, ist, dass Knocked Up gelegentlich im Sand verläuft, die Witze, die allesamt lustig und gut sind, bilden den roten Faden durch den Film, der einen in seinen ruhigen Momenten jedoch fast zu verlieren scheint. Vielleicht liegt dies auch nur daran, dass ich ein Mann bin und mich das Thema der bevorstehenden Schwangerschaft nicht genug interessiert (oder zu arg abschreckt), aber nach ein, zwei Minuten wartet man wirklich sprichwörtlich auf den nächsten Witz, um wieder ebenjenes Aha-Moment zu haben. Dies ist nicht weiter schlimm und hindert den Film auch nicht daran, ein nahezu perfektes Date-Movie zu sein, macht ihn aber in meinen Augen auch nicht zu dem von den Medien erhobenen Top-20-Komödien Gipfelstürmer. Ich hatte mich sehr unterhalten gefühlt und Katherine Heigl tut dabei ihr übriges (auch wenn mir vorher in Grey's noch nie aufgefallen ist, wie groß ihre Brüste eigentlich sind).

7.5/10