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1. April 2013

Filmtagebuch: März 2013

THE BAD LIEUTENANT: PORT OF CALL - NEW ORLEANS
(USA 2009, Werner Herzog)
6.5/10

BEETLEJUICE
(USA 1988, Tim Burton)
7.5/10

THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI
(USA/UK 1957, David Lean)
9/10

THE CABLE GUY
(USA 1996, Ben Stiller)
5.5/10

CHILLERAMA
(USA 2011, Adam Green u.a.)
8/10

DOCTOR ZHIVAGO
(USA/I 1965, David Lean)
6.5/10

DUMB AND DUMBER
(USA 1994, Peter Farrelly)
8.5/10

FUN WITH DICK AND JANE
(USA 2005, Dean Parisot)
4/10

THE GATEKEEPERS [TÖTE ZUERST]
(IL/D/F/B 2012, Dror Moreh)
7/10

IN BRUGES [BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?]
(UK/USA 2008, Martin McDonagh)
8/10

JACK AND JILL
(USA 2011, Dennis Dugan)
3.5/10

KNOWING
(USA/UK/AUS 2009, Alex Proyas)
2.5/10

LAWRENCE OF ARABIA
(UK 1962, David Lean)
9/10

THE LOVED ONES
(AUS 2009, Sean Byrne)
3/10

EL ORFANATO [DAS WAISENHAUS]
(E/MEX 2007, Juan Antonio Bayona)
2/10

POLICE ACADEMY
(USA 1984, Hugh Wilson)
5/10

REALITY BITES
(USA 1994, Ben Stiller)
5.5/10

DE ROUILLE ET D’OS [DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN]
(F/B 2012, Jacques Audiard)
7/10

SMASHED
(USA 2012, James Ponsoldt)
4.5/10

THIS IS SPINAL TAP
(USA 1984, Rob Reiner)
8/10

TMNT [TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES]
(HK/USA 2007, Kevin Munroe)

6.5/10

TROPIC THUNDER
(USA/UK/D 2008, Ben Stiller)
5.5/10

VERONICA MARS - SEASON 1
(USA 2004/05, Nick Marck u.a.)
7/10

VERONICA MARS - SEASON 2
(USA 2005/06, John Kretchmer u.a.)
6/10

VERONICA MARS - SEASON 3
(USA 2006/07, John Kretchmer u.a.)
5.5/10

THE WALKING DEAD - SEASON 3
(USA 2012/13, Greg Nicotero u.a.)
7/10

WAR HORSE [GEFÄHRTEN]
(USA 2011, Steven Spielberg)

5/10

WHEN THE WIND BLOWS [WENN DER WIND WEHT]
(UK 1986, Jimmy T. Murakami)

5.5/10

WHO FRAMED ROGER RABBIT
(USA 1988, Robert Zemeckis)
8.5/10

Werkschau: Judd Apatow


THE 40-YEAR OLD VIRGIN [UNRATED VERSION]
(USA 2005, Judd Apatow)

4.5/10

KNOCKED UP [UNRATED VERSION]
(USA 2007, Judd Apatow)

5/10

FUNNY PEOPLE
(USA 2009, Judd Apatow)
6.5/10

THIS IS 40 [UNRATED VERSION]
(USA 2012, Judd Apatow)

6.5/10

Werkschau: The Coens


BLOOD SIMPLE. [DIRECTOR’S CUT]
(USA 1984, Joel Coen)

8/10

RAISING ARIZONA
(USA 1987, Joel Coen)
6/10

MILLER’S CROSSING
(USA 1990, Joel Coen)
8/10

BARTON FINK
(USA/UK 1991, Joel Coen)
7/10

THE HUDSUCKER PROXY
(UK/D/USA 1994, Joel Coen)
7.5/10

FARGO
(USA/UK 1996, Joel Coen)
8/10

THE BIG LEBOWSKI
(USA/UK 1998, Joel Coen)
10/10

O BROTHER, WHERE ART THOU?
(UK/F/USA 2000, Joel Coen)
5.5/10

THE MAN WHO WASN’T THERE
(USA/UK 2001, Joel Coen)
6/10

INTOLERABLE CRUELTY
(USA 2003, Joel Coen)
5.5/10

THE LADYKILLERS
(USA 2004, Ethan Coen/Joel Coen)
7/10

NO COUNTRY FOR OLD MEN
(USA 2007, Ethan Coen/Joel Coen)
7/10

BURN AFTER READING
(USA/UK/F 2008, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

A SERIOUS MAN
(USA/UK/F 2009, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

TRUE GRIT
(USA 2010, Ethan Coen/Joel Coen)
6.5/10

19. Mai 2010

Gossip Girl - Season Three

We can never be boring.

Das Problem von Serien mit jungen Charakteren ist, dass diese ab irgendeiner Staffel nicht mehr allzu jung sind. Es sei denn, sie gehören einer Animationsserie wie The Simpsons oder South Park an. In manchen Fällen, wie Malcolm in the Middle, endet eine Serie ab dem Zeitpunkt, wo ihr Protagonist aus seiner Umgebung gewachsen ist beziehungsweise an ein College wechselt. In anderen Fällen, wie Dawson’s Creek, kam eben der Berg zum Propheten, wenn der Prophet nicht zum Berg kommen konnte. Doch der Ortswechsel der letzten beiden Staffeln bekam der Serie, die sich um eben jenen Bach der Hauptfigur beziehungsweise deren Leben in Capeside drehte, nicht sonderlich gut. Auch wenn nach wenigen Folgen auch jene Figuren, die beruflich woanders ihr Glück suchten, wieder bei ihren Freunden landeten. Weshalb es natürlich einfacher war, im Falle von Gossip Girl alle Charaktere einfach da zu lassen, wo sie waren: in New York City. In gewissem Sinne also bleibt alles beim Alten.

Am Ende der zweiten Staffel war die Zeit an der High School vorbei. Und da ohnehin lediglich drei der Figuren nun überhaupt studieren - praktischerweise alle drei an der NYU -, ändert sich bis auf einiges Schulhof-Gehänsel und Gossip-Girl-Getwittere relativ wenig. Was nach zwei Jahren jedoch auch reichlich unkreativ ist. Obschon nur mit 22 Folgen ausgestattet, bedarf es in der dritten Staffel gleich mehrere Handlungsstränge, um das Feuer am Laufen zu halten. Da ist zum einen im ersten Drittel der verlorene, später tot geglaubte, Sohn von Rufus (Matthew Settle) und Lily (Kelly Rutherford), sowie einige Episoden darauf die tot geglaubte, dann verlorene, Mutter von Chuck (Ed Westwick). Beziehungsprobleme von Serena (Blake Lively) und Dan (Penn Badgley) dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die beiden bitchigsten Figuren, Blair (Leighton Meester) und Jenny (Taylor Momsen) dürfen … naja, rumbitchen und Nate (Chace Crawford) gibt es neben Vanessa (Jessica Szohr) selbstverständlich auch noch.

Die Charaktere von Gossip Girl waren noch nie Kinder von Traurigkeit, aber dieses Jahr fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Wenn Chuck und Blair dann das konstanteste Paar sind, drückt das bereits eine Menge über das unsinnige Paarungsverhalten finanziell abgesicherter Yuppie-Kids zur Paarungszeit aus. Gerade Serena, die neben Chuck und Nate zu den Figuren gehört, die auf eine höhere Bildung pfeifen, schläft sich tapfer durch die Betten der Upper Eastside. Grundsätzlich verknallt sie sich scheinbar in jeden Typen, mit dem sie mehr als fünf Worte wechselt, kommen doch neben Carter Baizen auch - mal wieder - Nate und zudem noch dessen Cousin Tripp zum Zuge. Dan hingegen darf sich zuerst mit Gastdarstellerin Hilary Duff vergnügen, dann kommt in einem flotten Dreier noch Vanessa dazu (die Ausgangsbasis des Dreiers ist reichlich unausgegoren), bevor diese dann Duff vollends ersetzt. Ganz so turbulent geht es bei Nate nicht zu und Jenny hat in der Hinsicht sowieso die Arschkarte der Serie.

Der Absatz deutet es an: die Serie wird allmählich redundant. Wenn wie früher bei Melrose Place irgendwann jeder mit jedem zwei Mal geschlafen hat, und man darauf verzichtet, neues Frischfleisch (sprichwörtlich) einzuführen, wird eine Hybris schnell erreicht. Wieso nicht eine Staffel lang mal überhaupt zumindest ein Paar ohne Probleme zusammenbleiben kann - jene konstante Inkonstanz ist die einzige Konstante -, ist ebenso bedauerlich, wie eine fehlende Weiterentwicklung der Figuren. Deutet sich diese zumindest bisweilen an, Chuck Bass lässt grüßen, ist Gossip Girl auf Strebsamste bemüht, schon kurz darauf wieder (und vor allem aus heiterem Himmel und ohne wirklichen Sinn) in alte Muster zu verfallen. Da ist Jenny mal das pubertäre Biest, das Drogen dealt, und anschließend wieder ein Liebe suchendes Heimchen. Hier streiten Rufus und Lily nur, um sich vor dem nächsten Streit ein, zwei Episoden zu vertragen. In einer Sitcom können sich die Figuren treu bleiben, in einer Drama-Serie darf aber gereift werden.

Insofern funktioniert Gossip Girl zwar immer noch seiner Prämisse gemäß bisweilen gut, ist jedoch schon im Vorjahr in die Durchschnittlichkeit abgerutscht und im Vergleich zur starken Debütstaffel nicht mehr wiederzuerkennen. Eine Abfolge von fünf bis sechs Mini-Handlungen über verlorene Söhne, Mütter und Liebhaber ersetzt eben keine wirkliche Handlung. Dabei ist die erste Hälfte der dritten Staffel sogar (oder: immerhin) besser geraten als die Zweite, und mit Enough About Eve, The Grandfather: Part II sowie They Shoot Humphreys, Don’t They? liefen drei der vier besten Folgen nahezu direkt hintereinander. In welche Richtung die vierte Staffel abdriftet, bleibt nach diesem Staffelfinale (First Tango, Then Paris) abzuwarten. Der erhoffte Schockeffekt wollte nicht so recht eintreten, vielmehr spielte man das letzte Blatt, das es noch zu spielen gab, in dem Wissen, sich jederzeit wieder zurück ins Spiel kaufen zu können. Somit mutiert Gossip Girls “You know you love me” immer mehr zu “You know you loved me”.

7/10

29. Juli 2009

Fanboys

Nobody calls Han Solo a bitch!

Fanboy. Die Internetrecherche ergibt unterschiedliche Treffer, die letztlich aber alle in dieselbe Richtung gehen und sich wie folgt erklären lassen: jemand, der enthusiastisch/blind einem – in diesem Fall – Film bzw. einer Filmreihe folgt. Quasi ein Fan über alle Maße. Jemand, der sich lautstarke Diskussionen mit Freunden hingibt, die sich um Nebensächlichkeiten drehen. Menschen, die sich am helllichten Tag einer Massenschlägerei mit Anhängern einer konkurrierenden Filmreihe hingeben. Oder auch Personen, die Petitionen einreichen, um fiktive Elemente eines Filmes ins das reale Leben übernehmen zu lassen. Seit dem Jahr 2001 geben zum Beispiel zahlreiche Menschen im britischen Commonwealth bei Befragungen ihre Religion als Jediismus an. Es handelt sich um … Fanboys! Anhänger von George Lucas’ Schöpfung Star Wars und seinen beiden Fortsetzungen der Ursprungstrilogie. Ende des vergangenen Jahrhunderts spielte für diese Menschen ein potentieller Weltuntergang am Milennium keine Rolle. Für sie zählte nur ein Datum: der 19. Mai 1999. Star Wars kehrte zurück. Star Wars kehrte, auf eine Art und Weise, nach Hause.

Nun drehte Kyle Newman mit Fanboys einen Film von Fanboys über Fanboys für Fanboys. Die Geschichte einer Gruppe von vier Kumpels, die eines Abends beschlossen quer durch Amerika zu George Lucas’ Skywalker Ranch zu fahren, um einen Rohschnitt von The Phantom Menace zu sehen, sollte eigentlich bereits letztes Jahr im Kino laufen. Wäre da nicht Harvey Weinstein gewesen. Der personifizierte und auf Erden wandelnde Teufel wollte den Film nach Testvorführungen umschneiden lassen und ihn seiner Ausgangslage berauben. Denn ausschlaggebend für Erics (Sam Huntington), Hutchs (Dan Fogler) und Windows (Jay Baruchel) Roadtrip ist die Krebserkrankung – und der bevorstehende Tod – von ihrem Kumpel Linus (Chris Marquette). Dieser wird die Premiere von Episode I nicht mehr erleben, weshalb sich Eric, der zuletzt vor drei Jahren mit seinem ehemaligen besten Freund Linus Kontakt hatte, zu der wahnwitzigen Aktion überreden lässt. Doch wer will schon über Krebs lachen, dachte sich Weinstein. Wie er sich bereits zuvor dachte, dass wohl kaum jemand den ursprünglichen GrindHouse-Film von Tarantino und Rodriguez sehen wollte. Fanboys wurde umgeschnitten, boykottiert und kommt nun letztlich in seiner originalen Fassung in die Kinos. Jene Fassung, die sogar von Lucas’ – selbst nicht weniger diabolisch, wenn es um Geldscheffelei geht – abgesegnet wurde.

Allerdings sollte man sich nichts vormachen. Fanboys erzählt im Grunde keine wirkliche Geschichte, verfügt eigentlich nicht mal über ein richtiges Drehbuch. Ähnlich wie Kevin Smiths Jay & Silent Bob Strike Back ist Fanboys primär eine Ansammlung von Szenen und Sequenzen, die sich zuvorderst an die Fans richten. Dies fängt hier bereits damit an, dass das Logo der Weinstein Company mit Lichtschwerter-Sound untermalt wird. Oder sich auch sonst durch den ganzen Film hindurch – dank Lucas – Soundeffekte der Sci-Fi-Oper finden. Sei es R2D2s Geschrei oder die Jubelarien eines Tusken Raiders. Wer sich im Star-Wars-Universum auskennt, dem wird hier ob der vielen liebevollen Einbindungen das Herz aufgehen. Denn von etwaigen Darstellungen der Serie (Fisher, Williams, Park) bis hin zu Ewoks und Seitenhieben auf Jar Jar Binks haben sich die Autoren Ernest Cline und Adam F. Goldberg weiß Gott nicht lumpen lassen. Und mit den Referenzen an Star Wars allein hört es nicht auf, quillt Fanboys vor nerdigen Anspielungen doch nur so über. Egal ob RoboCop, Judgment Day oder zahlreiche Marvel-Comis – wer selbst Nerd ist findet sich hier wieder und amüsiert sich an den dutzenden Seitenhieben, Querverweisen und Hommagen. Dabei nutzt Fanboys den Moment sogar, um eine andere Filmreihe unverhohlen zu bitchslappen.

Als großer Konkurrent wird Star Trek aufgebaut und dieses auch genüsslich durch den Kakao gezogen ("Captain Picard is not gay. He's British." - "Come on. 'Make it so!'"). Dummerweise müssen sich Newman und Co. zu Schulde kommen lassen, dass sie den zu Beginn noch gelungenen Gag durch erneutes Aufbringen zu Beginn des dritten Aktes leider etwas totreiten. Hier macht sich auch die zu lang – und vielfältig – geratene Präsenz von Seth Rogen bemerkbar, der momentan wohl aus keiner US-Komödie wegzudenken ist. Dabei ist er letztlich nur einer von vielen Prominenten, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Von Shooter McGavin über James T. Kirk bis hin zu den Lagerarbeitern aus The Office, um es dem Trailer entsprechend auszudrücken. Von diesen zahlreichen Cameos sind nüchtern betrachtet jedoch nur die wenigsten wirklich gelungen. Zumindest hinsichtlich ihrer Einbindung in das ziemlich dünne Handlungsgerüst. Während dies bei Danny Trejo oder Danny R. McBride noch halbwegs funktioniert, wirken die durch Nachdrehs eingefügten Kevin Smith und Jason Mewes (obschon das Smith-Fan-Herz etwas schneller schlägt) deutlich fehl am Platz. Im Nachhinein sind aber auch sie wie der Rest des Filmes nichts als eine einzige nerdige Anspielung, die man nicht zu hinterfragen hat.

So ist Fanboys, wie es der Titel bereits verrät, zuvorderst ein Film für Fans von Star Wars. Diese werden auch gnädig über die nicht wirkliche vorhandene Handlung hinwegsehen, wie auch über die etwas plumpen und altbackenen Gags. Denn dafür sind einem als Fanboy die Fanboys (und –girls, Kristen Bell soll nicht außen vor bleiben) auf der Leinwand viel zu sympathisch. Ihr Enthusiasmus hinsichtlich The Phantom Menace (erst zum Schluss zeichnet sich die prophetische Befürchtung ab, der Film könnte eine Enttäuschung darstellen) und all die Widrigkeiten, die sie auf dem Weg dorthin auf sich nehmen müssen. Wie bei TV-Serien wie Chuck oder The Big Bang Theory lacht der Nerd am liebsten über sich selbst. Schon alleine, weil er sich wiedererkennt. Man lacht über Verweise auf den Flux-Kompensator oder wenn Hutch sich plötzlich mit den Worten „Snikt!“ in den Kampf stürzt. Hier mag der ein oder andere Zuschauer – speziell das jüngere Publikum – sicher verdutzt dreinblicken, doch was wissen die schon? Welche Filmreihe eignet sich denn heute noch zum Fanboytum? Saw ganz sicher nicht, am ehesten noch Lord of the Rings. Doch glücklicherweise hat Kevin Smith bereits in An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder vor Augen geführt, weshalb es dennoch nur die eine, die unvergleiche Trilogie gibt. Und mit ihr diese einzigartige Filmreihe. Star Wars ist die Heimat des Fanboytums. Und Fanboys, ja, Fanboys ist letztlich dann auch irgendwie, wie nach Hause kommen.

8/10 – erschienen bei Wicked-Vision

26. Mai 2009

Gossip Girl - Season Two

Ain’t karma a bitch? We know Blair Waldorf is.

Letztes Jahr war die erste Staffel von Josh Schwartz’ neuer Serie, Gossip Girl, von mir zur Serie des Jahres gekürt worden. Hatte ich zuerst etwas Anlaufschwierigkeiten, nahm mich der Drama-Faktor der Show kurz darauf richtig an. Hier legt wahrlich jede/r jede/n aufs Kreuz – gerne auch mehrfach. Zwar war die Auflösung des großen Geheimnis’ von Serena van der Woodsen (Blake Lively) letztlich nicht wirklich spektakulär (sie glaubte einen Menschen auf dem Gewissen zu haben), aber im Grunde wurde die Startstaffel ohnehin von Blair Waldorf (Leighton Meester) getragen. Mit ihren Kabalen reihte sie sich ganz weit oben ein, in der Liste der intriganten Schlampen (vis a vis mit Heather Locklears Amanda aus Melrose Place). Ihre kleinen und großen Machenschaften – mal mit, mal ohne Chuck Bass (Ed Westwick) – ließen bisweilen die Kinnladen zu Boden knallen. Aber man weiß ja, die unschuldigsten Gesichter bergen die größten Teufel. Inhaltlich folgte Gossip Girl zuvorderst den Erlebnissen des mittelständischen Dan Humphrey (Penn Badgley), sowie seiner Schwester Jenny (Taylor Momsen) und dem gemeinsamen Vater (Matthew Settle).

Am Ende der ersten Staffel gab es nun jede Menge Drama. Serena ehemalige Freundin Georgina (Michelle Trachtenberg) trieb sich wie ein Keil zwischen das Paar, während auch Chuck und Blair ihr Glück nicht gegönnt sein wollte. Die zweite Staffel setzt nun in den letzten Wochen der Sommerferien an, wenn Serena und Nate (Chace Crawford) vorgeben, wieder zusammen zu sein, während Nate eigentlich eine Affäre mit einer verheirateten Frau (Mädchen Amick) unterhält. Währenddessen trumpft Jenny in der Modefirma von Blairs Mutter auf, Blair lernt einen charmanten britischen Adeligen kennen und Dan genießt sein Praktikum bei einer renommierten Zeitung. Doch wer Gossip Girl kennt, der weiß, dass sich die Charaktere nur dann wohl fühlen, wenn sie im gegenseitigen Elend baden können. Inhaltlich versucht die zweite Staffel dabei mehrere Erzählstränge zu stemmen. Sei es Blairs Affäre mit Marcus, Dans Recherchen hinsichtlich Chucks Kindheit oder der unerwartete Tod von Chucks Vater, sowie die On-Off-Beziehung zwischen Rufus und Lily (Kelly Rutherford). Ganz besonders delikat wird das Ganze dann, als Dan eine Liaison mit Serenas Lehrerin Ms Carr (Laura Breckenridge) beginnt, während Blairs Zukunft den Bach runter zu gehen scheint.

Während der ersten fünfzehn Episoden weiß die Drama-Serie gut zu unterhalten, baut jedoch im Vergleich zum Vorgänger bereits eine Spur ab. Mit Pret-a-Poor-J und Gone With the Will wollen auch lediglich zwei Folgen so richtig überzeugen, wobei es – traurigerweise – gerade die Storyline um Mädchen Amicks Figur ist, die der Serie zu Beginn großen Schaden zufügt. Das Intrigenmuster - welches frei von jeglicher Motivation ist - will nicht wirklich unterhalten, sondern langweilt mit der Zeit eher. Derartige Nebenhandlungen baute Gossip Girl in den vergangenen Monaten öfters auf. Hatte Dans Affäre mit Ms Carr noch ansatzweise einen Zweck, so waren Serenas Anbandlungen mit Aaron, Gabriel und Co. nur leidliches Balsam auf die Drama-Haut der Serie. Ohnehin verkommt Schwartz’ Schöpfung inzwischen zu einer kleinen Melrose Place-Kopie, von im wörtlichen Sinne praktisch jeder einmal mit jedem ins Bett steigen darf. Besonders für Chace Crawford hatte man dieses Jahr einiges im Peto, durfte sich sein Charakter im Laufe der 25 Folgen neben Mädchen Amicks Figur auch noch mit Jenny, Blair und Vanessa (Jessica Szohr) vergnügen. Die Liebesschwüre ändern sich hierbei schneller, als für gewöhnlich das Wetter im April. Dass dabei die ungewöhnlichsten Durchmischungen zu Stande kommen, macht die Sache nur noch abstruser.

Mit den finalen zehn Episoden bricht die Show dann grandios ein, wobei hier die Schüler-Lehrerin-Affäre noch das Beste ist. Teilweise nehmen die Handlungsbögen wie in You’ve Got Yale! desaströse Formen an, wenn sich Chucks Cousin während einer Opernpause auf die Damentoilette mit Lily van der Woodsen einsperrt, um diese dort zu vergewaltigen. Fast genauso schlecht, weil total überflüssig, ist die vorletzte Folge Valley Girls, die, wie schon in Grey’s Anatomy vor zwei Jahren gepflegt, das im Herbst startende Spin-Off der Serie rund um die Jugendjahre von Lily einführen sollte. Eigentlich sind die letzten zehn Folgen bis auf das Staffelfinale The Goodbye Gossip Girl eine Beleidigung für die Ereignisse der ersten Staffel, hatte diese doch ein außerordentliches Niveau an den Tag gelegt. Es sollte somit nicht verwundern, dass die Serie - selbst wenn die Zuschauerzahlen in den USA im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind - im zweiten Jahr stark nachlässt. Oder drastischer gesagt, kaum wieder zu erkennen ist.

Sinnbildlich für die Inhaltsfreiheit der letzten Staffel kann man Lilys und Rufus’ Beziehung nehmen. Stets führt die kleinste Auseinandersetzung dazu, dass sich Rufus von Lily abwendet, um ein, zwei Folgen später doch wieder von Hochzeit und Zusammenziehen zu sprechen. Das wiederholt sich dann selbstverständlich mehrfach, fast genauso oft, wie Chuck und Blair versuchen anzubandeln, aber scheinbar aufgrund ihrer inneren Verrottung nicht dazu fähig sind, zu ihren Gefühlen zu stehen. Da brauchen sich die Charaktere nicht wundern, wenn sie im Finale Gossip Girl (Kirsten Bell) in aller Öffentlichkeit ob ihrer Geheimnisse und Fehltritte bloßstellt. Im Nachhinein sind die einzigen besonderen Vorzüge der zweiten Staffel - allerdings ausschließlich in optischer Hinsicht - die Gastrollen von der umwerfenden Mädchen Amick und der ihr kaum nachstehenden Tamara Feldman. Über die Nachfolgerstaffel, die kaum ein Kandidat für den Titel der Serie des Jahres ist, hüllt man besser den Deckmantel des Schweigens. Immerhin suggeriert das Staffelfinale, dass einige der Figuren in ihrem Charakter gewachsen sind. Ob sich diese Charaktere festigen werden, wird man im Herbst sehen. Inwieweit sich die Serie hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Locations fortführen lässt - die fünfte Staffel von Dawson’s Creek lässt grüßen -, bleibt abzuwarten.

7/10

18. Dezember 2008

Heroes - Volume Three (Villains)

With gift comes opportunity.

Wenn eine Serie im letzten Jahr besonders unter dem Autorenstreik zu leiden hatte, dann ist das neben 24 wohl Tim Krings Heroes gewesen. Ursprünglich sollte die zweite Staffel aus zwei Bänden bestehen, doch mit dem Streik der Autoren im Herbst verzögerte sich alles so weit, dass man den dritten Band in die dritte Staffel schob. Diese besteht nun aus zwei Bänden, von denen der dritte zu Ende gegangen ist und in 6 Wochen der vierte startet. Kring versprach aus seinen Fehlern des Vorjahres zu lernen. Damals hatte er dem Publikum zwei vollkommen unnötige Nebenhandlungen mit Hiro (Masi Oka) und Sylar (Zachary Quinto) geschenkt, die abseits des normalen Geschehens stattfanden. Nach der brillanten ersten Staffel wirkte die zweite nicht nur unwahrscheinlich zäh, sondern auch uninspiriert. Zu wenig akut wurde die Gefahr durch die Epidemie dargestellt, fehlte dem Geschehen doch jene Tiefe und in gewissem Sinne auch Redundanz wie es bei der Explosion in der ersten Staffel der Fall war.

Grundsätzlich schlägt der dritte Band hier nun eine neue, andere, alte Richtung ein, ohne jedoch völlig frei von den Fehlern aus dem Vorjahr zu sein. Gelegentlich wird man das Gefühl nicht los, dass die Autoren etwas überfordert sind, was kreative Aus- und Charakter Einarbeitung betrifft. So wurden Figuren wie Monica (Dana Davis), West (Nicholas D’Agosto) oder Molly (Adair Tishler) scheinbar einfach aus der Serie geschrieben. Taucht Molly zu Beginn zwar noch auf, wird allerdings im Laufe des Bandes keine Erklärung gegeben, wo sich die Waise aufhält, während Matt (Greg Grunberg) und Mohinder (Sendhil Ramamurthy) abwesend sind. Auch auf Maya (Dania Ramirez) wird größtenteils verzichtet. Bei all dem Terz des Vorjahres ist dies sicherlich kritisch zu betrachten, bedenkt man dass diese aufgezwungenen Figuren einem wieder genommen werden, nachdem man sich an sie gewöhnt hat.

Im Staffelauftakt The Second Coming erfährt das Publikum wer auf Nathan (Adrian Pasdar) schoss, als dieser die Existenz der Mutanten aufdecken wollte. Peter (Milo Ventimiglia) aus der Zukunft hatte einen neuerlichen Besuch abgestattet. Diese Zukunft ist, wie so oft, im Arsch. Nachdem die Superhelden bekannt geworden sind, hatte sich die Menschheit gegen sie gewendet. X-Men lässt grüßen. Allerdings stirbt Nathan nicht, wie so oft. Während er eine Läuterung erfährt und mit neuen christlichen Idealen seinen Posten als Senator antreten möchte, wird Gegenwarts-Peter von Zukunfts-Peter in den Körper eines Gefangenen gepfercht. Auch für unsere anderen Helden werden einige Überraschungen parat gehalten. Sylar besucht Claire (Hayden Panettiere), um fortzuführen, was er im ersten Band begonnen hatte. Wie sich herausstellt ist Claire unsterblich und Sylar selbst hat eine weitere nützliche Fähigkeit dazu gewonnen.

Sein Schicksal wendet sich, als er seine vermeintlich echte Mutter trifft und schließlich sogar die Firma mit Noah (Jack Coleman) unterstützt. Allerdings braucht man sich dieses Jahr nicht großartig mit Allianzen beschäftigen, denn diese werden schneller gewechselt, als man schauen kann. Grundsätzlich geht es diesmal darum… die Welt zu retten. Dafür sind Peter und Hiro natürlich sofort Feuer und Flamme und machen sich beide auf getrennten Wegen auf die ominöse Formel zu zerstören, die Normalsterblichen eine genetische Mutation verleiht. Da der Band nun Villains heißt, bedarf es auch eines würdigen Gegners, für all unsere Helden, von denen jeder seine eigene Schlacht zu schlagen hat. Und um das Ganze etwas spannender und familiärer zu gestalten, erscheint Peters und Nathans Vater Arthur (Robert Forster) wieder auf der Bildfläche – als scheinbar omnipotenter Größenwahnsinniger.

Kring hat sich um einen packenden Band bemüht, das merkt man den Folgen durchaus mitunter an. Nur will die Handlungsprämisse nicht immer passen. Speziell die vielen Seitenwechsel gehen einem mit der Dauer auf die Nerven. Statt einen Judgement Day abzuziehen, wie man kurzzeitig erwarten würde, fällt Heroes doch wieder in alte Muster zurück. Dabei hätte ein guter Sylar durchaus Potential gehabt, wie in I Am Become Death
zu sehen war. Ohnehin ist Sylar inzwischen eine müßige Figur geworden, die sich charakterlich nicht wirklich weiterentwickelt. So tötet er seine Opfer beispielsweise immer noch, obschon er gelernt hat auch so an ihre Fähigkeiten zu gelangen. Da wirkt es im Bandfinale geradezu lächerlich, wenn sich Noah zum zigsten Male aufmacht, Sylar zu töten. Wo hier die Spannung bestehen soll, wenn eine Figur gejagt wird, die nicht sterben kann, wissen wohl nur die Autoren. Exemplarisch steht dieser Aspekt für die teilweise abwesende Kreativität der Serie. Auch die anderen Figuren, am prominentesten Claire und Peter, stagnieren enorm in ihrer Entwicklung. Ohnehin ist es fraglich, inwiefern es mit Charakteren wie Peter und Hiro im nächsten Band weitergehen soll.

Die Titulierung Villains ist zugleich ein starker Euphemismus, existiert im Grunde nur ein richtiger Bösewicht. Dass es sich hierbei um Arthur Petrelli handelt stößt etwas sauer auf, zum Teil auch dadurch, dass Robert Forster nicht so recht in die Rolle des Familienvaters passen will. Sowohl die Etablierung der Figur als auch ihre Platzierung innerhalb des Bandfinales Dual lassen zu wünschen übrig. Auch hier merkt man wie der Serie die Ideen zur Neige gehen und die ersten Eindrücke des vierten Bandes lassen hier nicht wirklich auf eine Besserung hoffen. Wie schon in der zweiten Staffel ist die Gefahr, in der sich die Welt befindet, kaum spürbar und schon gar nicht greifbar. Hier tut man sich mit diesen kurzen Bänden von etwas mehr als zehn Episoden keinen Gefallen. Gerade dann nicht, wenn man dramatische familiäre Strukturen wie Claire und Meredith (Jessalyn Gilsig) oder die Petrellis einbauen möchte. Unter der Quantität an Nebenhandlungen hat im Nachhinein die Qualität der einzelnen Folgen zu leiden. Es verwundert daher nicht, dass die Auftaktfolge The Second Coming die unterhaltsamste des Bandes geworden ist.

Hier sind die Helden konzentriert und nicht wie schon kurz darauf in alle Welt verstreut und mit ihren eigenen Problemen behaftet. Wenn das Publikum alle paar Minuten zwischen Hiro und Ando (James Kyson Lee) in Tokyo, Matt in Afrika, Sylar hier und Peter da wechseln muss, kann kein Handlungsstrang irgendwann seine nötige Tiefe erhalten. Hinzu kommt, dass die neuen Figuren weit weniger interessant sind, als es früher der Fall war. Pseudobösewichter wie Knox (Jamie Hector) oder Flint (Blake Shields) - letzterer ist übrigens auch Teil der großen Serienfamilie - sind langweilig und nicht mehr als Anhängsel. Ihre Kräfte zudem mehr als unspannend. Andere Charaktere wie Eric Doyle (kann Menschen zu Marionetten machen) oder Stephen Canfield (Gravitationsmanipulation) wären weitaus unterhaltsamer einzusetzen gewesen. Lediglich Daphne (Brea Grant) ist ein akzeptabler Neuzugang, sowohl vom Charakter als auch ihren Kräften her gesehen.

Nach einer kultigen ersten Staffel ist Heroes nunmehr im oberdurchschnittlichen Serienmittelfeld gelandet. Zwar sehe ich die Serie immer noch außerordentlich gerne, allerdings hat sie an derselben fehlenden Inspiration zu knabbern, wie es auch bei Prison Break der Fall geworden ist. Themen wie Mohinders fehlgeleitete Selbstinjektion und seine anschließende Tätigkeit für Pinehearst sind zu Beginn interessant, bald darauf jedoch schon anstrengend und müßig. Grundsätzlich lässt sich dies von allen anderen Themen dieses Bandes auch sagen. Besonders schade, dass selten wirklich Kapital aus der Serie geschlagen wird, sieht man hier doch Superhelden, die ihre Superkräfte kaum effektiv nutzen (bezeichnenderweise außer Sylar). Während das Finale des zweiten Bandes hier mal ein bisschen was wagte, ist das diesjährige Finale eine kleine Enttäuschung. Allgemein ist die zweite Hälfte des dritten Bandes schwächer als die erste. Lediglich Our Father knüpft von der Qualität an die ersten sieben Folgen an. 

Neben Robert Forster geben sich in Gastrollen auch wieder Ali Larter, George Takei, Malcom McDowell und Kristen Bell die Ehre. Außerdem sind in Cameos Seth Green und Breckin Meyer zu sehen. Von Villains selbst hatte ich mir sehr viel mehr versprochen und man hätte weiß Gott auch mehr daraus machen können. Eine ähnliche Zuversicht ist für den vierten Band Fugitives nicht vorhanden. Aufgrund seiner Dreharbeiten zum neuen Star Trek-Film scheint Quinto für diesen Band auszuscheiden, wie oben angesprochen ist unklar was aus Peter beziehungsweise speziell aus Hiro werden wird. Generell wäre es empfehlenswert, wenn nicht an jeder Ecke ein Verwandter der Petrelli-Familie auftauchen würde und sich zumindest ein paar der Charaktere ernsthaft weiterentwickeln. Ansonsten wir mit Heroes bald nicht mehr viel anzufangen sein, wie die zurückgehenden Quoten bereits drohend anzudeuten wissen.

8/10

11. Juni 2008

Forgetting Sarah Marshall

When life gives you lemons, just say ‘fuck the lemons’ and bail.

Das Rat Pack bestand seiner Zeit aus Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop die in den Sechzigern in Filmen wie Ocean’s Eleven zusammen gespielt haben. Als Anlehnung an dieses Rat Pack wurde Anfang des neuen Jahrtausends eine weitere Gruppierung benannt, das Frat Pack, bestehend aus Ben Stiller, Owen und Luke Wilson, Vince Vaughn, Will Ferrell und Jack Black, zudem mehr oder weniger auch Steve Carell und Paul Rudd. In seiner kompletten Besetzung lässt sich das Frat Pack in Anchorman: The Legend of Ron Burgundy begutachten. Involviert mit dieser Gruppe ist auch der Erfolgsproduzent Judd Apatow, der für Filme wie The Cable Guy oder Anchorman verantwortlich war. Apatow selbst hat wiederum ebenfalls eine kleine illustre Runde um sich herum aufgebaut, zu der neben seiner Mitproduzentin Shauna Robertson die Schauspieler Seth Rogen, Jonah Hill und Jason Segel gehören.

Ein besonderes Dream Team bildet er hierbei mit Seth Rogen, die beide nicht nur in den Serien Freaks and Geeks und Undeclared, sondern auch in The 40-Year Old Virgin, Knocked Up und Superbad zusammengearbeitet haben. Freaks and Geeks war auch die Serie, die Apatow mit Jason Segel zusammenführte und nun in Forgetting Sarah Marshall mündet, der Verfilmung von Segels Debütskript. Segel selbst ist inzwischen in der erfolgreichen Sitcom How I Met Your Mother tätig und Apatow begnügt sich vermehrt damit, die Karrieren seiner Freunde voran zu bringen. Nachdem er in Superbad bereits das Drehbuch von Seth Rogen verfilmt hat, folgt nun die Adaption von Jason Segels Skript, die Regie übertrug Apatow dem Neuling Nicholas Stoller, der einst mit ihm bei Undeclared gearbeitet hat. Nicht zu schade für kleine Gastrollen waren sich die Apatow-Spezis Jonah Hill, Paul Rudd und Bill Hader, der auch zur Apatow-Clique zählt.

Der Titel von Stollers Film ist alles andere als Programm, denn nachdem der TV-Star Sarah Marshall (Kristen Bell) mit dem Komponisten ihrer Serie, Paul Bretter (Jason Segel), Schluss macht, bricht diesem das Herz. Der Versuch, vor seiner Ex davon zu rennen, führt in nach Hawaii und dort sogleich wieder in die Arme von Sarah. Diese verbringt ihren Liebesurlaub mit dem britischen Rocker Aldous Snow (Russell Brand) in demselben Hotel wie Paul. Mitleid bekommt er von dessen Angestellten geschenkt, allen voran von Concierge Rachel (Mila Kunis). Wie die Geschichte nun verläuft, kann sich jeder denken. Der Film, der sich selbst als Mischung aus Liebes- und Desasterfilm propagiert, ist dabei jedoch sehr viel durchschnittlicher als er den Anschein erweckt. Den Zufall außen vor gelassen, dass Peter von allen Hawaii-Inseln auf derselben Urlaub macht wie Sarah (und noch dazu im selben Hotel), ist schon im Genre begründet.

Was folgt, ist ein Hin und Her, ein ständiges über den Weglaufen, Kummer, Gram, gelegentlich überschattet von arglosem Geflirte. Daher kann Forgetting Sarah Marshall lediglich durch seine Witze und Schauspieler überzeugen, ob er dies auch wirklich immer vermag, ist wieder eine andere Angelegenheit. Den meisten Menschen wird im Laufe ihres Lebens das Herz gebrochen, es ist ein Vorurteil, dass dies hauptsächlich bei den Damen zutrifft. Die Beziehung stagniert, einer der beiden Partner beginnt eine Affäre und irgendwann ist das Ultimative unausweichlich: eine Trennung muss her. In vielen Fällen kann eine solche Trennung auch wieder zu einer neuerlichen Beziehung führen, wie in Definitely, Maybe. Den Kummer, den Peter im Film darstellt, erscheint einem dann doch sehr überzogen, sicherlich auch speziell intensiviert. Dass das ganze jedoch nach dem zweiten Mal schon an Witz verliert, ergibt sich von selbst.

Segel hebt wie ein kleines Kind verschiedene Plot-Elemente auf, beginnt mit ihnen zu spielen und lässt sie achtlos fallen, als er ein anderes Objekt der Begierde findet. Zu den unnötigen Szenen gehört eigentlich alles, was sich nicht um Peter oder Sarah Marshall dreht. Sei es der stalkende Aldous Snow-Fan und Kellner Matthew (Jonah Hill) oder der geistig abwesende Surflehrer Chuck (Paul Rudd), auch bekannt unter seinem hawaiianischen Namen Kunu (was übersetzt so viel heißt wie „Chuck“). Am unnötigsten fällt jedoch ein frisch verheiratetes Ehepaar (Jack McBrayer aus 30 Rock und Maria Thayer) aus, welches sexuelle Startschwierigkeiten hat, da es über einen christlichen Hintergrund verfügt. Die Witze sind in Forgetting Sarah Marshall, wie sollte es bei einer Apatow-Produktion auch anders sein, zumeist sexuell motiviert und wirken speziell nach seinen vorherigen Film(produktion)en allmählich ausgelutscht – no pun intended.

Hinzu kommt noch, dass Segel schauspielerisch sehr begrenzt ist, zumindest jedoch mit seiner Figur überfordert. Rudd und Hill spielen ihre Figuren gewohnt gekonnt herunter, auch Kristen Bell weiß gemeinsam mit ihrer Kollegin Mila Kunis zu überzeugen. Kleine Perle ist der britische Stand-Up-Comedian Russell Brand, dessen reales Äußeres Vorlage für seine Filmfigur war. Amüsant und durchaus gelungen sind die Anspielungen auf die TV-Landschaft rund um den Hype der forensischen Serien wie Criminal Minds und CSI. Ein weiterer kleiner Pluspunkt ist die Musikauswahl des Soundtracks, gerade durch die beiden hawaiianischen Künstler Israel Kamakawiwo’ole und Daniel Ho, dessen Prince-Adaption von „Nothing Compare 2 U“ begeistert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Forgetting Sarah Marshall mit einer handvoll netter Ideen aufwartet, sich eigentlich aber nicht von einer durchschnittlichen Rom-Com unterscheidet.

6.5/10

17. Dezember 2007

Heroes - Volume Two (Generations)

It’s for the greater good.

Die Autoren von Tim Krings Superheldenserie Heroes hatten das durchaus geschickt gemacht, im Staffelfinale How to Stop an Exploding Man. Innerhalb weniger Minuten beförderte man das Schicksal der drei herausragenden und interessantesten Figuren in die Schwebe. Dass alle drei in der zweiten Staffel anschließend über weite Strecken ihr eigenes Süppchen kochen, auch wenn das nicht sonderlich gelungen ist, verschafft zwar ihren Darstellern mehr Raum, dehnt die Handlung jedoch über einen derartigen Raum (und Zeit), dass das große Ganze, welches die eigentliche Geschichte des zweiten Bandes Generations vorantreiben soll, zur Nebensächlichkeit verkommt. So hält die zweite Staffel von Krings Dramaserie zwar weitestgehend ihr Niveau, baut jedoch gleichzeitig ab.

Angefangen mit Hiro (Masi Oka), der bereits im Epilog des ersten Staffelfinales ins feudale Japan des 17. Jahrhunderts befördert wurde. Hier trifft er auf seinen Jugendhelden Takezo Kenzei (David Anders), der sich jedoch wenig heldenhaft aufführt. In der ersten Hälfte des zweiten Bandes muss Hiro dafür sorgen, dass sich die Geschichte so abspielt, wie sie ihm zugetragen wurde - was zu dem amüsanten Zeitparadoxon führt, dass Hiro selbst für die Geschichten sorgt, die ihm sein Vater (George Takei) als Kind erzählt hat. Die Japan-Episode wirkt jedoch unwahrscheinlich nutzlos, da beispielsweise Hiro trotz seines Erscheinungsbildes keine Probleme hat, sich in die 400 Jahre alte Kultur zu integrieren (was seinem filmischen Vorbild Marty McFly in Back to the Future Part III schon schwerer fiel).

Auch Peter (Milo Ventimiglia) befindet sich an einem anderen Ort, dessen Vorgeschichte erst gegen Ende in Four Months Ago erläutert wird. Ohne Gedächtnis wacht er in Südirland auf und versucht nur widerwillig seine Erinnerungen zurück zu erlangen. Die Amnesie führt zu dem netten Aspekt, dass Peter wieder peu a peu auf all seine Kräfte stößt, ohne sich über deren Existenz bewusst zu sein. Wie im Vorjahr ist es eine Warnung aus der Zukunft, dieses Mal von ihm selbst erlebt, die ihn auf den Pfad der Weltenrettung und somit auf Kurskorrektur zur Haupthandlung bringt. Von allen drei „verlorenen“ Protagonisten ist die Wiederfindung von Peter noch der interessanteste und unterhaltsamste Nebenkriegsschauplatz, da früh eine Verbindung zur eigentlichen Haupthandlung existiert.

Der Dritte im Bunde ist der tot geglaubte Sylar (Zachary Quinto), der in einer abgelegenen Hütte in Mexiko auf Anordnung der Company aufgepäppelt wird. Im wahrsten Sinne des Wortes kraftlos versucht sich Sylar anschließend wieder zurück in die USA und zu Suresh (Sendhil Ramamurthy) durchzuschlagen, erhofft er sich doch vom Genetiker Antworten auf seine fehlenden Kräfte. Unterwegs trifft Sylar auf das Zwillingspärchen Maya (Dania Ramirez) und Alejandro (Shalim Ortiz), die es ebenfalls zu Suresh in die USA zieht, damit Maya von ihrer tödlichen Mutation befreit wird. Vielleicht noch der leidigste Handlungsstrang, gehen einem doch alle drei Figuren (Sylar, Maya, Alejandro) mit der Zeit auf den Keks, sodass man auf diese Handlung gerne verzichtet hätte.

Denn für die eigentliche Geschichte spielt die Episode der „illegalen Immigranten“ keine wirkliche Rolle, was leider auch erneut auf Micah (Noah Gray-Cabey) und Niki (Ali Larter) zutrifft, deren Privatleben man sich ebenso widmen muss, wie dem von Claire (Hayden Panettiere) und Noah Bennet (Jack Coleman). Zwar sind die jeweils neu integrierten Figuren von Monica (Dana Davis) und West (Nicholas D’Agosto) für die Verdauung dieser wenig gehaltvollen Handlungsstränge von Vorteil - speziell durch die romantische Verknüpfung von Claire und West, sowie dessen Vergangenheit mit Bennet gewinnt das Szenario an Spannung -, letztlich jedoch sie wie auch die Helden, mit denen sie in Verbindung gebracht werden, für die eigentliche Geschichte recht bedeutungslos.

Selbst wenn Bennet über Umwege noch mit Suresh und dieser wiederum mit Parkman (Greg Grunberg) verbunden wird, scheitert die Erzählung des zweiten Bandes an der Tatsache, dass zum einen die beiden Sub-Handlungsstränge rund um das Shanti-Virus und die dahingehende Involvierung von Company-„Chef“ Bob (Stephen Tobolowsky) mit den Sünden der Vorgängergeneration wenig harmoniert und zum anderen die übrigen Handlungen (Claire, Sylar, Micah/Niki/Monica) für diese gar keine Rolle spielen. Des Weiteren stoßen einige halbgar ausgearbeitete oder ausgelassene (die crossmediale Verknüpfung mit nebenher laufenden Comics darf keine Entschuldigung sein) Charakterentscheidungen um einige der zentralen Figuren beim Zuschauer reichlich sauer auf.

So wird D.L. (Leonard Roberts) auf lächerliche Weise eliminiert, Parkmans Ehe mit einer Randbemerkung ausgelöscht (von seiner erstaunlichen Rettung von vier Kugeln, die aus nahester Entfernung direkt in seine Brust befördert wurden, ganz zu schweigen) und Nathan (Adrian Pasdar) ist plötzlich ein runtergekommener Penner, der seinen Posten als Kongressabgeordneter aufgegeben hat. Wenig überraschend, dass der Shanti Virus selbst eher als schwacher MacGuffin herhalten muss, will es sich einem doch nicht erschließen, warum eine Organisation einen Virus kreiert (und behält), der einmal losgelassen nahezu jedes Leben (und damit auch das eigene) terminiert. Selbst der 2006 aufgetretene Autorenstreik in den USA ist für diese Erzählfehler keine Ausrede.

Ansonsten werden die Rezepte des ersten Bandes neu aufgekocht, wenn von den neuen Figuren manche wie Monica („I was supposed to be somebody“) ihre Kräfte freudig annehmen, während andere wie Maya sie verfluchen. Sporadisch darf auch Niki wieder in alte Tugenden verfallen, wenn sich nach Jessicas Abwesenheit kurzzeitig eine neue Persönlichkeit manifestiert und Angela Petrelli (Cristine Rose) mit beispielloser Bereitschaft gewillt ist, ihren „Lieblingssohn“ Peter mal wieder im Finale zu opfern. Bedauerlich zudem, dass sich von den neuen Figuren, Kristen Bell gibt mit Elle die leicht soziopathische Tochter von Bob, im Grunde nur West wirklich harmonisch eingliedern will, obschon man die Besetzung zumindest in optischer Hinsicht erneut als gelungen bezeichnen darf.

Wie uninteressant die eigentliche Handlung ist, zeigt sich auch daran, dass die beiden „herausragenden“ Episoden, Four Months Later… und komplementär Four Months Ago, etwas losgelöst von dieser zu rezipieren sind. So ist der zweite Band mit seinen lediglich elf - und bisweilen extrem langatmigen - Folgen qualitativ an und für sich nicht wirklich schlecht, sondern durchaus noch leicht überdurchschnittlich. Im direkten Vergleich zum sehr viel spannenderen und vor allem stringenteren ersten Band jedoch als Enttäuschung anzusehen. Die Versprengung der vier Hauptfiguren Hiro, Peter, Claire und Sylar sprengt zugleich die Handlung und Harmonie von Heroes auf, sodass in diesem Falle weniger (Handlung, Figuren, Redundanzen) zweifelsohne mehr gewesen wäre.

7.5/10