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1. August 2012

Filmtagebuch: Juli 2012

BAND OF BROTHERS
(USA 2001, David Frankel/Mikael Salomon u.a.)
6/10

HIGHWATER
(USA 2009, Dana Brown)
5/10

THE HUNTER
(AUS 2011, Daniel Nettheim)
5.5/10

INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM
(USA 1984, Steven Spielberg)
7.5/10

INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE
(USA 1989, Steven Spielberg)
8.5/10

JURASSIC PARK
(USA 1993, Steven Spielberg)
8.5/10

LAKE OF FIRE
(USA 2006, Tony Kaye)
7/10

MAGIC MIKE
(USA 2012, Steven Soderbergh)
6/10

OZ - SEASON 1
(USA 1997, Darnell Martin u.a.)
8/10

OZ - SEASON 2
(USA 1998, Jean de Segonzac u.a.)
7.5/10

OZ - SEASON 3
(USA 1999, Nick Gomez u.a.)
7.5/10

OZ - SEASON 4
(USA 2001, Adam Bernstein u.a.)
7.5/10

OZ - SEASON 5
(USA 2002, Alex Zakrzewski/Adam Bernstein u.a.)
7.5/10

OZ - SEASON 6
(USA 2003, Adam Bernstein u.a.)
7.5/10

RAIDERS OF THE LOST ARK
(USA 1981, Steven Spielberg)
8.5/10

RAMPART
(USA 2011, Oren Moverman)
6/10

SAFE HOUSE
(USA/ZA 2012, Daniel Espinosa)
4.5/10

SCHLÄFER
(D/A 2005, Benjamin Heisenberg)
5.5/10

SEDMIKRÁSKY [TAUSENDSCHÖNCHEN]
(CZ 1966, Vera Chytilová)
7.5/10

SOLDIERS OF FORTUNE
(USA 2012, Maxim Korostyshevsky)
6/10

YOUNG ADULT
(USA 2011, Jason Reitman)
6.5/10

23. Juli 2009

Uncharted: Drake's Fortune

Oh crap.

Seit Steven Spielberg und George Lucas die Archäologie zu etwas gemacht haben, dass auch für Jugendliche „cool“ wirken kann, findet sich in zahlreichen Abenteuerfilmen Züge von Indiana Jones. Wobei auch zuvor schon in Clive Cusslers Romanreihe um seinen Abenteurer Dirk Pitt Schatzsuchen en vogue war. Umso gewichtiger der Erfolg rund um Dr. Jones, der sicherlich eher als Pitt Nachahmer in Jerry Bruckheimers National Treasure oder Tomb Raider von Core Design gefunden hat. Inzwischen hat es Lara Croft seit 1996 auf acht Konsolenabenteuer gebracht und zumindest mitgeholfen, Angelina Jolie als das Sexsymbol der Jahrtausendwende zu etablieren. Vor zwei Jahren erschien dann Uncharted: Drake’s Fortune von Naughty Dog, die damit erstmals in die Sphären der PlayStation 3 vordrangen. Von IGN wurde Uncharted sowohl als bestes Actiongame des Jahres ausgezeichnet, als auch für seine Handlung, seine Grafik und seine musikalische Untermalung. Letztlich wurde das Game von IGN zum Spiel des Jahres gekürt und es verwundert nicht, dass Columbia Pictures momentan bereits an einer Kinoverfilmung arbeitet, die 2011 erscheinen soll.

Und in der Tat ist die Story des Spiels nicht sonderlich originell, selbst wenn sie sich teuer verkauft. Die Handlung setzt ein, als Schatzsucher Nathan Drake gemeinsam mit Elena Fisher, Moderatorin einer Archäologie-Fernsehsendung, nach Bergung eines Sarkophags von Drakes vermeintlichem Vorfahren, dem Forscher Sir Francis Drake, von Piraten angegriffen wird. Nachdem die beiden von Drakes Mentor und Partner Sully gerettet werden, sondern sich die Männer bei der erstbesten Gelegenheit von Elena ab. Auf der Suche nach der sagenumwobenen Stadt El Dorado macht Drake kurz darauf im südamerikanischen Dschungel die Bekanntschaft mit Roman, einem von Sullys Gläubigern. Als Sully von diesem erschossen wird, kann Drake gerade noch mit Elena – die plötzlich dazu stößt – fliehen. Im Folgenden versuchen die beiden vor Roman und seinen Handlangern an jenen Schatz von El Dorado zu kommen, der unweigerlich mit dem Schicksal mit Sir Francis Drake, und damit auch mit Nathan selbst, zusammenhängt. Auf den verschiedenen Stationen zu Luft und zu Wasser trifft Drake anschließend auch das eine oder andere bekannte Gesicht wieder.

Auf Einordnungsbasis geht Uncharted sicherlich nochmals ein Stück weiter in den phantastischen Bereich, als zum Beispiel National Treasure. Auch die Tatsache, dass Drake es im Grunde – wenn auch indirekt – mit Nazis „aufnehmen“ muss, stellt eine Analogie zu Spielbergs Jones-Reihe dar. Wie angedeutet ist die Handlung zufriedenstellend, wenn sie aber durchaus mehr als einen kleinen Hänger hat. Doch immerhin ist es ein Abenteuer-Actioner für eine Spielkonsole, weswegen die Geschichte eigentlich nur den Rahmen für das Szenario vorgeben sollte. Die obligatorischen Rätsel für einen Schatzsucherabenteuer sind dann erwartungsgemäß nicht sonderlich tough ausgefallen, sondern lassen sich im Gegenteil innerhalb weniger Sekunden entsprechend lösen. Ohnehin erweckt Uncharted oft den Eindruck, primär ein Third-Person-Shooter sein zu wollen, bedenkt man dass man sich eigentlich unentwegt durch das Geschehen schießen muss. Allerdings geht diese Variante die meiste Zeit durchaus auf, selbst wenn man sich bei einem Abenteuerspiel rund um einen Schatzsucher wünschen würde, mehr Parcourszenen präsentiert zu bekommen. Denn bisweilen muss man wirklich Welle um Welle an Söldner ausharren, die man aufgrund von Munitionsmangel meist sehr gekonnt auszuschalten hat.

Für die eigentliche Erzählung der Geschichte sind die Figuren von Elena und Sully nicht wirklich von Belang. Erstere hilft zwar in manchen Situationen mit Feuerkraft aus, aber eigentlich wäre weder sie noch Sully für den Fortgang der Handlung notwendig. Damit stellen sie sogar weniger als Sidekicks dar, bedenkt man, dass ihre Anwesenheit eher dem Faktor geschuldet ist, Drake durch Interaktion menschlicher und sympathischer zu gestalten. Ein Schema das in der Tat auch aufgeht, doch so sehr der Rahmen von Uncharted auch dank Figuren wie Roman oder Eddy auf Hollywood getrimmt ist, fehlt es Drakes Helfern an essentieller Unterstützung, um sie für das Spiel selbst bedeutsamer zu machen. So sind ihre Beziehungen eher eine Form des comic relief, erhält Drake schließlich speziell in den Gesprächen mit seinen Partnern sein persönliches Profil. Der Charakter der Figur ist sichtlich an dem lockeren Abenteurer angelegt, wobei hier fast mehr Malcolm Reynolds aus Joss Whedons Firefly durchdringt, als Indiana Jones oder Dirk Pitt. Dafür fehlt Drake etwas die Kompetenz, die sich eigentlich ausschließlich aus dem Tagebuch seines Vorfahren speist. Nichtsdestotrotz geht die Rechnung von Naughty Dog aber auf, denn Drake ist fraglos eine sympathische Figur, was schon allein durch seinen herrlichen Standardsatz „Oh crap“ (eine Hellboy-Referenz?) zum Ausdruck kommt.

Das Gameplay selbst ist relativ einfach zu bedienen, selbst wenn es mitunter etwas stört, wenn Drake sich an Abgründen, die er zu hangeln hat, automatisch beim Überschreiten festhält, während er bei normalen Abgründen wie ein Lemming herunterstürzt. Die Third-Person-Shooter Elemente hängen vom Talent des Spielers ab, wobei es sichtlich schwerer ist aus der Hüfte heraus (ungezielt) zu schießen, als mit Anvisieren. Das Werfen von Handgranaten ist zudem zumindest auf weite Distanz eher Ratespiel, da Drake sich soweit nach hinten beugt, dass das Ziel aus dem Blickfeld gerät. Ein besonderes Lob verdient sich die zweite Jet-Ski-Sequenz, die nicht nur ob ihres Aufbaus zu gefallen weiß (Wassergefälle gegen die Strömung hochfahren), sondern auch durch die graphische Umsetzung des Flusses. Die Grafik selbst ist in der Tat ziemlich ansehnlich, beispielsweise wird Drakes Hemd in der Tat nass, wenn er durch einen Wasserfall läuft. Schade ist es aber, dass keine Möglichkeit zu tauchen und somit für Unterwasserszenen gegeben ist, wobei dies eher ein Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Uncharted: Drake’s Fortune ist ein kurzweiliges, charmantes Spiel im besten Stile eines Indiana Jones and the Emperor’s Tomb, mit netten Hindernissen und schönen Kulissen. Ob es die Verfilmung vermag, besser als die National Treasure- und Lara Croft-Filme zu sein, bleibt hinsichtlich der noch offenen Besetzung von Ensemble und Regie abzuwarten. Im Herbst erscheint jedenfalls Uncharted 2: Among Thieves und stellt somit wohl den Auftakt, für eine neue Spielreihe.

7.5/10

28. November 2008

South Park - Season Twelve

I’m so startled.

Wenn sich die Jahre neigen, bauen Serien für gewöhnlich stark ab. Bestes Beispiel ist Matt Groenings The Simpsons, die mit jedem Jahr schwerer zu ertragen sind und schon vor etwa sieben Jahren begonnen haben an Qualität einzubüßen. Ein Gegenbeispiel ist dagegen South Park, die Serie aus der Feder von Trey Parker und Matt Stone. Vor elf Jahren erblickte sie das Licht der Welt und begründete Comedy Central als tragfähigen Sender. Und auch in ihrer zwölften Staffel hat die Serie nichts von ihrer Kreativität und Spritzigkeit verloren. Ihren Ursprung fand South Park dabei bereits 1992, als Parker und Stone in der Kurzfilmanimation Jesus vs. Frosty bereits die Kultfiguren Cartman und Kenny eingebaut hatten. Drei Jahre später sah der FOX-Vorsitzende Brian Graden den Kurzfilm und beauftragte das Duo einen weiteren Film zu drehen. Mit Jesus vs. Santa hatte man sich bereits stark an jenem Schema orientiert, welches später den Charme der Serie ausmachen sollte. Deren erste Sendung, Cartman Gets an Anal Probe, wurde schließlich am 13. August 1997 ausgestrahlt und ist inzwischen ein Klassiker innerhalb des South Park-Universums. Nachdem die ersten vier Staffeln zu einem Großteil noch mit ausgeschnittener Pappmasche gefilmt wurden, hat die Serie heutzutage einen gewöhnlichen Zeichenstil als Grundlage. Ihre Inspiration für die Pappmasche-Elemente zogen Parker und Stone aus Monty Pythons Flying Circus, einer Serie von der die beiden Komiker bekennende Fans sind. Was South Park jedoch besonders auszeichnet, ist sein soziokultureller Charakter beziehungsweise seine Stellung als kritisierendes Organ von verschiedenen, meist aktuellen, amerikanischen Themenkomplexen. Seien es Fragen der Religion oder Sexualität, sowie politische Entscheidungen und Entwicklungen im pop-medialen Bereich, alles findet Einzug in die Handlungen der Kleinstadt in Nevada und werden auf teils provozierende, stets jedoch humoristische Art und Weise konterkariert.

In die zwölfte Staffel finden verschiedene Aspekte des Kalenderjahres 2008 Einzug. Zum einen die Entwicklung von Britney Spears, die Veröffentlichung von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, aber auch die Wahl von Barack Obama zum 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Aber auch mit anderer Kritik spart die Staffel nicht aus. Gleich zu Beginn behandelt Tonsil Trouble die Vernachlässigung von AIDS in unsere Gesellschaft. Wie üblich verliert man den Blick für etwas, das an Aktualität nachlässt. Sei es BSE oder eben HIV, sprich AIDS. In Breast Cancer Show Ever dagegen beschäftigen sich Parker und Stone ausführlich mit Brustkrebs und rufen damit den Jugendlichen die medizinischen Gefahren in unserer Gesellschaft ins Gedächtnis. Mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen sich die Folgen Elementary School Musical, welches den momentanen Hype rund um Disneys High School Musical aufgreift, und The Ungroundable, das den aufkeimenden „Vampir“-Kult bei Jugendlichen portraitiert (und sicherlich Nahrung in Stephenie Meyers Twilight findet). In Over Logging wird dagegen die Abhängigkeit der Menschheit vom Internet parodiert, wenn sich die Bevölkerung in Flüchtlingcamps um den letzten Internetanschluss prügelt. Nachdem im letzten Jahr mit Imaginationland ein Dreiteiler gedreht wurde, antworten die Macher mit der Pandemic-Doppelfolge auf den Hype rund um Wackelkamerafilme wie Cloverfield und Blair Witch Project. Eine der besonders starken Folgen beschäftigt sich jedoch ausführlich mit der Boulevard-Verfolgung von Britney Spears. In Britney’s New Look gibt es die „Britney Watch“-Nachrichtenunterbrechung und allerlei Verweie auf die Probleme der Popsängerin. Brillant halten Parker und Stone hier der Medienlandschaft ihres Landes den Spiegel vor. Die Schuldzuweisung nicht nur an die Medien, sondern auch deren Konsumenten ist fraglos mehr als gerechtfertigt.

Während Cartman in The China Probrem die Invasion der Chinesen fürchtet, dreht sich die Folge eigentlich um einen ganz anderen Aspekt: die Vergewaltigung von Indiana Jones. „Aliens don’t belong in an ‚Indiana Jones’ movie“, schluchzen die Jungs da die Meinung vieler Indy-Fans weltweit in die Kamera. So gelungen die Verschiebung des Franchises in die fünfziger Jahre auch sein mochte, mit den Außerirdischen kann man durchaus seine Probleme haben. Auf die Idee, George Lucas und Steven Spielberg deswegen zu verklagen, kann man jedoch nur in „South Park“ kommen. Zum Brüllen, will sagen Quieken, sind dann auch die Phantasiesequenzen, wenn Lucas und Spielberg Indy in etwaigen Filmreferenzen (The Accused, Deliverance) vergewaltigen. Dass Parker und Stone durchaus ihre Probleme mit ihren beiden Kollegen haben, machten sie bereits in Free Hat (Staffel 6) deutlich. Auch in Folgen wie Super Fun Time (Ferris Bueller’s Day Off, Die Hard), About Last Night… (Ocean’s Eleven/Twelve/Thirteen) und Eek, a Penis! (Stand and Deliver) finden Referenzen an andere Filme gebührend Einzug. Am offensichtlichsten ist dies jedoch in Major Boobage der Fall – ohnehin der besten Folge der Staffel. Hier verbeugen sich Parker und Stone nicht nur inhaltlich, sondern auch graphisch vor dem Kultfilm Heavy Metal – allerdings nicht, ohne erneut Kritik amerikanischen Fernsehsystem zu nehmend. Die mit Brüsten vollgepflasterte Landschaft ist grandios und ein intelligenter Seitenhieb gegen die Regel, keine nackten Brüste zu zeigen – allerdings nur wenn sie am weiblichen Körper „befestigt“ sind.

Die schwächeren Folgen wie Canada On Strike (trotz phantastischem Running Gag) oder Elementary School Musical wissen zwar durchaus die eine oder andere gelungene Szene zu präsentieren, können aber als Ganzes weit weniger unterhalten, wie es beispielsweise Britney’s New Look oder Super Fun Time zu gelingen vermag. Doch in seiner Gesamtheit ist die zwölfte Staffel wieder als ausgesprochen gelungen anzusehen, bewegt sie sich doch auf einem hohen Level und wird all jenen Aspekten der Serie gerecht, die diese seit Anbeginn ausgezeichnet haben. Dass hier auch Raum ist, um Cartman gelegentlich etwas humaner zu gestalten, nur um ihn kurz darauf wieder zum asozialen Arschloch zu deklassieren, beweist die Klasse der Serie. Schön ist ebenfalls zu sehen, dass man zu gegebenem Zeitpunkt Nebenfiguren wie Craig, Wendy oder den Goth-Kindern gebührend Aufmerksamkeit zur Entfaltung schenkt. Es versteh sich von selbst, dass die Show wieder einmal viel Angriffsfläche für Kritiker bietet. Allein der spielerische Umgang mit AIDS in der Auftaktfolge ist ein klassischer Ausgangspunkt für eine Kontroverse. Man sollte jedoch bei South Park nie den Fehler machen, nicht hinter die Kulisse zu blicken und das Geschehene stets aus retrospektiv zu betrachten. Diese Fähigkeiten, über zwölf Jahre hinweg nicht nur stets die mehr als nötige Kritik am System aufrecht zu erhalten, sondern zugleich noch eine extrem amüsante und unterhaltsame Serie zu erschaffen, nötigt enormen Respekt ab. Allerdings kommt die Show nun auch in ein problematisches Alter, denn schon die Simpsons mussten ab der zwölften Staffel stark an Frische einbüßen. Immerhin schreiben sich Parker und Stone mit lediglich 14 Episoden pro Jahr nicht tot, was viel Hoffnung für den kommenden Sommer schürt, wenn die Erfolgsserie in ihre 13. Auskopplung geht.

8/10 - erschienen bei Wicked-Vision

23. Mai 2008

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Dasvidanja, Dr. Jones.

Wenn man sich etwas mit Raiders of the Lost Ark beschäftigt, dann erfährt man, dass laut Produzent George Lucas niemand in Hollywood das Drehbuch verfilmen wollte, dass es von allen Studios abgelehnt wurde. Gleichzeitig aber wurde scheinbar ein Fünf-Filme-Vertrag abgeschlossen für die Indiana-Jones-Reihe – es versteht sich von selbst, dass man bei Zweifeln an einem Filmprojekt immer gleich dafür sorgt, wenn schon dann richtig unterzugehen. Lucas behauptet auch allen ernstes, dass Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull aussieht, es wäre es drei und nicht zwanzig Jahre nach Indiana Jones and the Last Crusade gedreht worden. Frank Marshall erdreistet sich zu der Aussage, dass CGI im vierten Abenteuer des Archäologen nur dort angewendet wurde, wo sie nötig gewesen sei. Wer den Film gesehen hat, kann sich nur auf den Arm genommen fühlen, von solcherlei Aussagen. Regisseur Steven Spielberg selbst kam auf die Idee zu einem neuen Abenteuer, als ihn sein Sohn vor wenigen Jahren auf die verbleibenden beiden Teile ansprach.

Angeblich wurde – wie man jetzt behauptet – seit neunzehn Jahren versucht, an einem Drehbuch zu schreiben. Vor zwei Jahren soll Hauptdarsteller Harrison Ford gemeint haben, wenn der Film bis 2008 nicht zu Stande kommt, werde er ihn überhaupt nicht mehr drehen. Dies hat dann scheinbar dazu geführt, dass Spielberg händeringend nach einem Drehbuch gesucht haben soll. Dennoch soll bereits 2002 M. Night Shyamalan mit einem Drehbuchentwurf beauftragt worden sein, nach ihm auch Oscarpreisträger Stephen Gaghan und im selben Jahr schließlich auch Frank Darabont. Dessen Skript – welches Indys Vater und Bruder einbezog, die von Sean Connery und Kevin Costner hätten gespielt werden soll – wurde von Spielberg geliebt und von Lucas verabscheut. Letzten Endes schrieb Spielberg-Spezi David Koepp (War of the Worlds, The Lost World) das Drehbuch und nahm ein bisschen was aus all den vorherigen Entwürfen auf.

Man merkt schon, hier sagt jeder etwas anderes und wie es Mulder immer so schön formulierte: die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Von jemandem wie George Lucas kann man sie zumindest nicht erfahren, der Mann hat sich jeglichen Respekt mit der DVD-Veröffentlichung der Star-Wars-Trilogie verspielt. Seine Intention an einem vierten Indiana Jones-Abenteuer dürfte, wie immer bei ihm, die reine Geldmacherei gewesen sein. Was Spielberg zu diesem Projekt trieb, liegt auch auf der Hand: die Karriere von seinem Zieh-Sohn Shia LaBeouf muss weiter angekurbelt werden. Da reicht es nicht aus ihn in sämtlichen DreamWorks-Produktionen unterzubringen und vor Kingdom of the Crystal Skull noch eben den Teaser zu dessen neuem Film Eagle Eye zu schneiden. Zudem gab der Oscarpreisträger kund, dass der Film lediglich ein Zugeständnis an die Fans sei. Der einzige, dem das Projekt wirklich etwas zu bedeuten schien, scheint Ford gewesen zu sein und man merkt ihm seinen Spaß, seine Motivation und seinen Elan in jeder einzelnen Minute an. Indiana Jones geht auf die 60 zu, aber Ford sorgt dafür, dass man es der Figur in keiner Sekunde anmerkt.

Das ist der mit Abstand größte Verdienst, den man Kingdom zusprechen kann, denn er geht in jeder Einstellung ehrenvoll mit seiner Figur um und feiert diese. Kaum zwei Tage in den Kinos sorgte das neueste (und letzte?) Abenteuer des amerikanischen Archäologen für eine Spaltung der Fans. Die einen finden ihn gut, exzellent, genauso wie die Trilogie – die anderen sind enttäuscht. Vom Drehbuch, von Spielberg, vom Gesamtpaket. Bei Rotten Tomatoes hält Kingdom eine Wertung von 78% und nimmt damit den letzten Platz in der Tetralogie ein (hinter Temple of Doom mit 86%). Bei IMDb (7.5/10) und Metacritic (5.2/10) sieht das ganze noch schlechter aus – Tendenz nach unten. Vierhundert Millionen Dollar muss der Film einspielen, damit Paramount kein Verlustgeschäft macht – so wie die Schlangen an den Kinos aussahen, dürfte er diese Summe fast am ersten Wochenende einspielt haben. In den USA spielte er zumindest am verlängerten Memorial Day Wochenende 150 Millionen Dollar ein – beinahe seine Produktionskosten.

Hatte Raiders noch 20 Millionen Dollar gekostet, kam Spielberg bei Kingdom nicht unter 185 Millionen Dollar aus. Hauptgrund dürften die Actionszenen und allen voran die digitalen Effekte von ILM gewesen sein. Herhalten musste das Geld für animierte Tiere, die keinerlei Zweck erfüllen, Matte Paintings und Comichafte Elemente. Dabei hätte man gerade letztere sehr viel gelungener auf herkömmlich Weise erzeugen können. Der vierte Teil hat an demselben Problem wie Planet Terror zu knabbern, er ist besser als er sein sollte. Da die Indiana-Jones-Reihe eine verklärte B-Movie-Hommage ist, sind die digitalen Effekte (Stichwort: Indy schaut mit dem Rücken zum Publikum auf …) viel zu bombastisch und groß geraten. Sie hätten sich sehr leicht auch mit Miniaturmodellen erreichen lassen und damit wäre auch der Charme der Serie erhalten geblieben. Vielleicht befürchtete Lucas auch lediglich, dass das gegenwärtige Kinopublikum das Interesse an altmodischen Filmen verlieren würde, wo ja bereits Schwarzweiß-Filme inzwischen verpönt sind.

Über die Matte Paintings lässt sich streiten, sie stören nicht wirklich, verleihen dem Film jedoch im Vergleich zur Trilogie, die gewollt staubig und dreckig daherkam einen neuen, praktisch innovativen Ton (und grenzt sich damit von den ersten drei Teilen hab). Gerade deshalb wird auch die Lucas'sche Bemerkung zum Aussehen des Filmes (siehe oben) ad absurdum geführt. Eventuell ist dieser Look aber auch beabsichtigt, um explizit den vierten Teil von der Trilogie abzugrenzen, somit ein Zeichen, dass er als eigenständiger Film funktionieren möchte, losgelöst von seinem Setting in den dreißiger Jahren. Dahingehend würde sich dann auch der Einsatz von CGI-Tierchen inklusive Animatronics erklären, wenn ein digitales Erdmännchen zu Beginn des Filmes die Loslösung von der nationalsozialistischen Gefahr bedeutet. Die Affen später verstehen sich zum einen als Referenz zum Äffchen aus Raiders, als auch im Kontext ihrer Szene als Hommage an die Tarzan-Abenteuer der vierziger und fünfziger Jahre, die den Schauspielern Johnny Weissmüller, Lex Barker und Gordon Scott damals zu Ruhm verhalfen. Ein Punkt, der viel zur Akzeptanz des neuen Abenteuers beizutragen hat.

Um was geht es eigentlich im vierten Teil? Indy hat zu Beginn des Filmes Probleme mit den Sowjets, die ihn extra aus Mexiko geholt haben, weil sie Informationen bedürfen. Eingeführt wird die Szenerie wie es sich gehört mit dem Paramount-Hügel-Übergang und Spielberg führt Indy wieder zuerst mit dessen Schatten ein. Der Zeitsprung in die Fünfziger zuvor ist ebenfalls gelungen, jetzt wird die Antagonistin eingeführt: Colonel Dr. Irina Spalko (Cate Blanchett). Erahnte man in den Trailerbildern, dass Blanchett ihre Spalko mit dümmlicher Frisur zur Witzfigur abstempelt, wird sie das Publikum in den kommenden zwei Stunden vom Gegenteil überzeugen. Spalko ist ein ernst zu nehmender Gegner, neben Mola Ram wahrscheinlich der gefährlichste, mit dem es Indy bisher zu tun hatte. Blanchett spielt die Figur frei beschwingt, ihr russischer Akzent überzeugt ebenso wie sie selbst (und wird auch schön von Arianne Borbach, die synchronisierte Zweitsichtung lässt grüßen, transferiert). Wirkt Ford zu Beginn des Filmes so alt wie er im wahren Leben ist, wird er mit jeder fortschreitenden Einstellung jünger und mehr zu Indy. Man merkt, hier steckt sein Herzblut drin. Ford spielt nicht Indy, nein, er ist Indy. Im Gegensatz zur Trilogie ist das Artefakt zu Beginn kein MacGuffin, sondern hängt mit dem finalen Artefakt respektive der Filmhandlung zusammen.

Die Einleitung ist jedenfalls der stimmigste Teil des Filmes, ähnelt am meisten der Trilogie und macht perfekt Laune. Hieran knüpft sich eine Hommage an das Kino der fünfziger Jahre, welches die Gefahr des Kalten Krieges und die darauf resultierende Angst vor Nuklearwaffen (Godzilla, Them!) geschickt zu rezitieren weiß. Wer Fan der Sitcom Scrubs ist, darf sich auf einen Cameo der besonderen Art freuen: Fords The Fugitive-Genosse Neil Flynn taucht im Film auf. Entgegen von Thomas-Nero Wolff wird er aber von Michael Iwannek (u.a. Matthew Perry) gesprochen – was dem Spaß jedoch keinen Abbruch bereitet. Bevor weiter auf den Film eingegangen wird lässt sich noch sagen, dass obschon natürlich die Originalfassung vorzuziehen wäre, die Synchronisation eine gute Arbeit geleistet hat. Von Borbach bis zu Wolfgang Pampel (Ford) und David Turba (LaBeouf), sie alle leisten verhältnismäßig gute Arbeit, auch wenn man den Stimmen ihre durch die Aufnahmestudios verliehene Sterilität anmerkt.

Spielberg knüpft eiligst an die nächste Referenz an. Was als fragwürdige Einführung der Figur von Mutt Williams (Shia LaBeouf) erscheint, ist per se gesehen fast logisch. 1953 erschien The Wild One, Elvis beherrscht die Musikcharts, da ist es nur verständlich, dass ein Jungspund wie Mutt sich an diesen beiden Charakteren orientiert und modelliert. Dass es sich bei LaBeouf um keinen guten Schauspieler handelt, lässt sich allein an der Tatsache ablesen, dass er 90% seiner Rollen inzwischen Papa Spielberg zu verdanken hat. Dabei darf man ihn nicht mit seiner Figur Mutt Williams verwechseln, die durchaus besser gelungen ist, als es LaBeoufs Schauspiel erwarten lässt. Er weiß jedoch im Vergleich zu Transformers und Disturbia weitaus besser zu überzeugen, dennoch wäre ein Joseph Gordon-Levitt die bessere Wahl gewesen, von einem Kevin Costner als kleinem Bruder ganz zu schweigen. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass der Transfer in die fünfziger Jahre mehr als gelungen ist, die Stimmung, der Look, das Verhalten, alles fügt sich zu einem größeren Ganzen zusammen und funktioniert. Die heraufbeschworene Gefahr des Kommunismus scheint allgegenwärtig, macht selbst in Indys obligatorischer Ruhephase am Marshall College nicht halt.

Hier unterläuft Spielberg ein kleiner Fauxpas, wenn er Jim Broadbent in einer verschandelten Rolle als Marcus Brody Verschnitt für den bedauerlicherweise verstorbenen Denholm Elliott auflaufen lässt. Noch unverständlicher ist lediglich, weshalb beide Figuren sich in der synchronisierten Version Siezen, obschon sie selbst erklärte, jahrelange Freunde sind. Die nächste „Actionszene“ wartet auf, Spielberg schraubt das Tempo hoch in seinem neuesten Film, die Momente am Marshall College selbst verweisen wiederum mehrfach auf frühere Ereignisse der Trilogie. Wie immer wird Indy auf die Suche nach einem Artefakt geschickt, für das er sich selbst kaum interessiert. War es die eigene Regierung, ein Dorfoberhaupt oder ein ominöser Finanzier, von selbst war Indy nie der Auslöser. Am ehesten spiegelt Kingdom hier noch Crusade wieder, geht es doch weniger um das Artefakt, als vielmehr um eine Rettungsaktion, welche wiederum mit ebenjenem Artefakt verbunden ist.

Das Artefakt selbst jedoch, ist wie gesagt das Problem des Filmes, zumindest wird es die Durchschiffung von Skylla und Charybdis für das Publikum werden. Wer unbeschadet durchgelangt, wird an dem Film seinen Narren fressen können. Vielleicht hat man sich mit der gewählten Thematik keinen Gefallen getan, auch wenn diese nicht sonderlich unglaubwürdiger wie die vorangegangenen Teile scheinen mag. Kingdom selbst ist hier lediglich Kind seiner Zeit: der Fünfziger. Der Trailer offenbart es bereits teilweise, die Ereignisse von Roswell im Jahre 1947 spielen eine Rolle im Film, und zwar grundsätzlich. In den fünfziger Jahren kamen in Hollywood erstmals Filme über Fliegende Untertassen und Außerirdische in die Kinos. Dazu zählt neben der ersten Adaption von H.G. Wells The War of the Worlds auch The Day the Earth Stood Still oder Earth vs. the Flying Saucers. Im Jahrzehnt von Sputnik 1 befürchteten die Menschen eine Invasion aus dem All und würde Kingdom nicht 2008, sondern 1958 in die Kinos kommen, wäre seine Handlung nichts Besonderes gewesen. Dies ist der Schlüssel zur Erkenntnis des gesamten Filmes, eine Erkenntnis, welche sich mir offen gestanden bei der ersten Sichtung nicht erschließen wollte.

Doch man kann von einem Indiana Jones Ende der fünfziger Jahre nicht dasselbe erwarten wie von einem Indiana Jones am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine andere Zeit, eine andere Ära, andere Ängste, andere Umstände. Auch das Dr. Jones mehrfach und fast ausschließlich körperliche Unterstützung von Jungspund Mutt erhält, sollte man nicht verdammen. Der gute Professor geht auf die Sechzig zu, Spielberg huldigt den alten Indy oft, aber nicht ständig. Gerade diese Szenen sind im Grunde glaubwürdig und das Ende lässt zumindest hoffen, dass den Fans ein Indy-Franchise ohne Indy erspart bleibt. Der Film selbst hat ein etwas schwächeres Drehbuch, wie die Trilogie-Teile, unnötige Figuren wie Ray Winstone, Jim Broadbent und John Hurt, ist in der Mitte etwas zu rührselig, besitzt zu viel digitalen Schnick-Schnack und das Ende ist wie beschrieben grenzwertig, gewinnt jedoch vielleicht bei mehrmaligem Sehen dazu. Der Rest ist total Indy, die Ochiophobie, der Patriotismus, der Charme, der Zynismus, die Action, das Abenteuer. Mit dem vierten Film verhält es sich wie bei mancher Geburt: es ist zwar nicht unbedingt ein Wunschkind, doch „lieben“ tut man es dennoch. Ein durchaus würdiger Teil der Reihe. Nun ist aber auch gut.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

[Edit: Der Text wurde nach der Zweitsichtung zum größten Teil geändert, daher weichen die Kommentare vom Inhalt der Review stark ab]

17. Mai 2008

Indiana Jones and the Last Crusade

You call *this* archaeology?

Fünf Jahre waren seit Indiana Jones and the Temple of Doom vergangen, ehe sich Produzent George Lucas und Regisseur Steven Spielberg an den Abschluss ihrer Indiana Jones-Trilogie machten, der bisher einzigen Trilogie in Spielbergs Sujet. Spielberg selbst, der Indiana Jones and the Last Crusade als seinen Lieblings-Teil der Reihe bezeichnet, erklärte er habe den Film nur aus einer Trilogie-Verpflichtung gegenüber Lucas gemacht und weil der Vorgängerfilm so schlecht aufgenommen wurde. Die Basishandlung stammte wiederum von Lucas selbst, der Indy dieses Mal in ein Spukhaus sperren wollte. Eine Idee, die bei Spielberg, der 1982 erst Tobe Hoopers Poltergeist herausgebracht hatte, aber auf Ablehnung stieß.

Stattdessen sollte sich der Plot um das heiligste christliche Artefakt, das bereits Ziel der Kreuzzüge gewesen war, drehen: den Heiligen Gral. Zur Aufwertung dieser Idee baute Spielberg dann noch die Vater-und-Sohn-Subhandlung ein, die im Endeffekt das Hauptaugenmerk auf sich zog. Das typische Spielbergsche Thema vom abwesenden Vater würde somit den Kern des Films ausmachen und letzten Endes eine ganz eigene Referenz zum Ursprung der Serie darstellen. Obschon Gregory Peck als Vater von Indiana Jones im Gespräch war, wurde er schließlich durch Sean Connery ersetzt, der als Original-Bond ironischerweise dadurch den Vater des als US-amerikanischen Bond-Verschnitt gedachten Indy spielen durfte.

Spielberg, der immer schon einen Bond-Film inszenieren wollte, hatte nun die Chance, mit James Bond persönlich zu drehen. Noch ironischer wird die ganze Szenerie, wenn man sich das Ensemble der Nebendarsteller ansieht, die ebenfalls in Bond-Abenteuern aufgetaucht sind: Alison Doody (A View to a Kill), John Rhys-Davies (The Living Daylights) und Julian Glover (For Your Eyes Only) die namhaftesten. Über weite Strecken bedient sich der Film an seinen beiden Vorgängern: das heilige Artefakt einer der großen Religionen (Judentum, Hinduismus, Christentum), das Thema des abwesenden Vaters (Marion, Short Round, Indy), massig Parasiten (Schlangen, Käfer, Ratten) und verschiedene Verfolgungsjagden.

Darunter die bondsche Verfolgung in den Kanälen von Venedig, die ihr Ende an einem (Schiffs-)Propeller finden wird oder die Verfolgungsjagd in motorisierten Gefährten, die in einem der legendärsten Stuntszenen endet, mit einem Sprung vom Pferd auf einen Panzer. Zudem beinhaltet Indiana Jones and the Last Crusade Hinweise zu Raiders of the Lost Ark (Indy und die Bundeslade in der Gruft in Venedig) oder zum Privatleben der Macher (Indy verweist in seiner Klasse auf Dr. Tyrees Philosophieunterricht, den Harrison Ford einst besucht hat). Sean Connery selbst wird am Ende des Films von Donovan (Julian Glover) mit einer Walther PKK angeschossen, der Waffe, die er selbst als Bond jahrelang im Halfter trug.

Auch der Ton des dritten Abenteuers von jedermanns liebsten Archäologen macht deutlich, dass das gesamte Projekt mehr Elemente einer Spaßveranstaltung hatte, schließlich dient Henry Jones Sr. (Sean Connery) doch in diesem Teil als der Inbegriff des comic relief. Das langgezogene „Indy“-Gekreische der Schauspielerinnen Karen Allen und Kate Capshaw aus den Vorgängern wird diesmal abgelöst von Indys eigenem genervten “Dad”, mit welchem er versucht, seinen Vater in die Gänge zu kriegen. Getrübt wurden die Dreharbeiten lediglich von dem gesundheitlichen Zustand Denholm Elliotts, der seiner Zeit mit AIDS diagnostiziert wurde und während der Dreharbeiten verstärkt an Schmerzen litt.

Auch seine Figur, Marcus Brody, dient der humoristischen Erleichterung und markiert neben Sallah (John Rhys-Davies) eine weitere Figur aus Raiders of the Lost Ark, die ihre Rückkehr im dritten Teil feiern darf. Dieser stellt zugleich den letzten Film dar, den Kameramann Douglas Slocombe gedreht hat – Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull wird von Spielberg-Spezi Janusz Kaminski fotografiert. Mit seinen ganzen Verfolgungsjagdszenen (die Bootsszene in Venedig, die Panzerszene in Hatay) ist der dritte Teil actionreicher als seine beiden Vorgänger, wegen der Einbeziehung von Henry Jones zudem humorvoller und dank Alison Doody ist er auch der erotischste Teil der Indy-Reihe.

Da verwundert es nicht, dass das Budget von Indiana Jones and the Last Crusade mehr als doppelt so hoch war – 48 Millionen Dollar – als es noch bei Raiders of the Lost Ark der Fall gewesen ist. Doch die Rechnung ging auf, denn mit rund 475 Millionen Dollar spielte der dritte Teil nicht nur am meisten von allen drei Abenteuern ein, sondern er avancierte auch zum ertragreichsten Film des Kinojahres 1989 und wurde wie die beiden Vorgänger mit dem Oscar für die besten Spezialeffekte ausgezeichnet (nebst zwei weiteren Nominierungen). Spielberg selbst hatte seiner Zeit Anfragen für Rain Man und Big verstreichen lassen und es letztlich wohl seinen Kritikern mit dem Indy-Abschluss noch einmal zeigen können.

So wird der Film auch im Internet als zweitstärkster der Reihe eingeschätzt. Mit dem neu geschaffenen PG-13-Rating ist er der einzige Film der Reihe, der kein PG-Rating bekommen hat und weist sogar eine technische Neuerung auf. Die Todesszene von Donovan beanspruchte eine ganze Woche Drehzeit und zählte zu den ersten ausschließlich digital gefilmten Szenen der Filmgeschichte. Inhaltlich gesehen macht die Szene zwar keinerlei Sinn, denn nur ein vollkommener Idiot würde einen mit Gold verkleideten Becher als den Heiligen Gral Jesu Christi ansehen, doch man muss zugeben, dass die Szene technisch sicherlich auf höchstem Niveau gemacht wurde und bis heute Pop-Kultur-Parodien findet.

Neben den Stuntszenen kann sich also auch die Ausstattung, sprichwörtlich, sehen lassen. Eigentlicher Höhepunkt des dritten Teils ist jedoch fast schon seine Einleitung, die dem Publikum einen jungen Indiana Jones (River Phoenix) beschert und ein Tribut von Spielberg an seine eigene Pfadfinderzeit darstellt. Hier wird bereits das gespaltene Verhältnis von Indy zu seinem Vater gezeigt, der sich in seine Gralstudien verliert und seinen Sohn quasi im Stich lässt, als er dem korrupten System begegnet. Stattdessen wird sich Indy als Vorbild ausgerechnet sein „feindliches“ Gegenüber wählen, von dem er den charakteristischen Fedora-Hut als Belohnung für seinen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit erhält.

Dies stellt eine Honorierung und Anerkennung von seiner Leistung dar, welcher der erwachsene Indy (Harrison Ford) im Verlaufe von Indiana Jones and the Last Crusade mehrfach hinterher rennen wird, ohne sie von seinem Vater zu erhalten (siehe die Befreiungsszene oder die Flucht im Zweisitzer). Ford selbst hatte die Idee als sein jüngeres Pendant den aufstrebenden Jungstar River Phoenix zu besetzen, da hier die äußerliche Ähnlichkeit – laut Ford – frappierend wäre. Beide arbeiteten bereits unter Peter Weir an The Mosquito Coast zusammen und daher verwundert es auch nicht, dass Phoenix sein Schauspiel weniger an der Figur von Indiana Jones anlegte, sondern vielmehr sein Idol Harrison Ford beobachtete.

In die spannende Eröffnungssequenz findet auch Indys Ophiophobie erneut Einzug, sowie seine Affinität zur Peitsche. Mit dieser erklärt man zugleich Indys Narbe am Kinn, welche sich Hauptdarsteller Ford bei einem Autounfall im Alter von 20 Jahren geholt hatte. Diese Eröffnungsszene, die allein von Phoenix’ Präsenz getragen wird, ist stimmungs- und schwungvoll, amüsant und detailverliebt, und gerade aus diesem Grund das frühe Highlight dieses Films. Spielberg inszeniert dann alllerdings einen absolut unnötigen Übergang mit einem Zeitsprung ins Jahr 1938, um das Schicksal des Coronado-Kreuzes zu erklären, welches dem Publikum in der Szene zuvor als MacGuffin fraglos egal gewesen sein dürfte.

Dies führt dann soweit, dass sich Indiana Jones als unsterblicher Held auf offenem Ozean in die Fluten stürzt und logischerweise irgendwie schließlich nach Hause gerät. Die gesamte Coronado-Auflösung könnte somit überflüssiger nicht sein und man hätte zweifelsohne einen einfacheren Übergang wählen können, um die Brücke von Damals zu Heute zu schlagen. Von allen Teilen ist Indiana Jones and the Last Crusade sicherlich der religiöseste, was besonders dadurch interessant ist, da sowohl Lucas als auch Spielberg Anhänger des jüdischen Glaubens sind und sich dennoch geradezu penetrant auf Jesus Christus als Erlöser stürzen, wenn für Indiana Jones das Finale schließlich zur Glaubensfrage verkommt.

Der Gral selbst spielt als Artefakt jedoch wie angesprochen nur eine untergeordnete Rolle, er steht vielmehr symbolisch für die Anerkennung, die Indy sich von seinem Vater wünscht, die er jedoch nie erhalten hat. Sean Connery, der seinerzeit erst 58 Jahre alt war (und damit nur 12 Jahre älter als Ford), aber einen etwa 75-Jährigen spielen musste, bringt diese Entfremdung zum eigenen Sohn sehr gut rüber. Bestes Beispiel dürfte die Szene mit der Ming-Vase sein, um die sich der Professor mehr sorgt, als um das Wohlbefinden seines Sohnes. Als Indy im Zeppelin schließlich die Chance erhält, mit seinem Vater ein persönliches Gespräch zu führen, weiß er selbst nicht, worüber die beiden Männer reden sollen.

Indys Begeisterung für die Archäologie kommt dabei nicht von ungefähr, sondern orientiert sich an seinem Vater, selbst wenn er sein äußeres Erscheinungsbild nach einem Grabräuber modelliert. Im Finale muss Indy wie immer lernen, das Artefakt loszulassen. Von der Stimmung her ist Indiana Jones and the Last Crusade ein typisches Jones-Abenteuer, doch die häufige Redundanz der Szenen stören letztlich den Handlungsfluss, sodass Teil 3 nicht en par mit dem ersten Film ist. Es bleibt zwar abzuwarten, wie viele Indy-Elemente im vierten Abenteuer nächste Woche auftauchen, die Thematik des abwesenden Vaters (Mutt) ist jedoch auf jeden Fall vorhanden und wird von Spielberg erneut übernommen werden.

8.5/10

9. Mai 2008

Indiana Jones and the Temple of Doom

Hey, lady, you call him Dr. Jones!

Fortsetzungen sind gerade in unserer heutigen Zeit inzwischen zum Übel verkommen. Jeder Film, der einen respektablen Gewinn erwirtschaftet, wird inzwischen zum Franchise. Früher war das alles besser, auch im Falle von Steven Spielberg. Mit E.T. – The Extra-Terrestrial endgültig zur Legende aufgestiegen, markierte Indiana Jones and the Temple of Doom die erste Fortsetzung einer seiner Filmreihen, zu der sich im Folgejahrzehnt The Lost World: Jurassic Park gesellen würde. Drei Jahre nach seinem Erfolg mit Raiders of the Lost Ark, dem erfolgreichsten Film von 1981 und mit acht Oscarnominierungen bedacht, inszenierte er also diese Fortsetzung, die ursprünglich “Temple of Death” hieß.

Allgemein gilt Temple of Doom, der immerhin erneut den Oscar für die besten Spezialeffekte ergatterte, als der schlechteste Teil der Trilogie. In der IMDb hält er eine Bewertung von 7.6/10, bei Rotten Tomatoes sogar starke 85%. Mit einem weltweiten Einspiel von rund 333 Millionen Dollar landete das zweite Abenteuer von Indiana Jones hinter Ghostbusters und Beverly Hills Cop auf dem dritten Platz des Kinojahres 1984. Da Spielberg und Produzent George Lucas jeweils privat eine Scheidung durchgegangen waren, wollten sie die Stimmung für ihren Nachfolger düsterer gestalten. Ihr Ergebnis landete auf der schwarzen Liste des indischen Films und revolutionierte zugleich das US-amerikanische Kino-Rating.

Da Lawrence Kasdan unabkömmlich war, übernahmen Willard Huyck und Gloria Katz das Drehbuch, nachdem sie zuvor bereits für George Lucas American Graffti geschrieben hatten. Privat große Liebhaber des indischen Subkontinents, schienen sie die perfekte Wahl für die in Indien beheimatete Geschichte von Temple of Doom zu sein. In Indien selbst fand der Film weniger Anklang, wurde aus den Kinosälen verbannt und gilt auch heute noch als rassistisch. Der Auslöser war die Darstellung der Hindus im Film sowie die Verwendung des Titels Maharadscha. Und angesichts der Handlung von Huycks und Katz’ Drehbuch, kann man selbst als abendländischer Mensch den Ärger und Missmut der Inder nachvollziehen.

Weil der dem Kali-Kult angehörige Okkult-Priester Mola Ram (Amrish Puri) einem Bergdorf einen heiligen Stein entwendet und deren Kinder versklavt, wird Indiana Jones (Harrison Ford) von den Dorfbewohnern um Hilfe gebeten. Was folgt sind Kali-Okkultismen, Voodoo-Puppen und ein Maharadscha-Dinner der ekelerregenden Sorte, wenn neben lebenden Schlangen auch Käfer und Affenhirne verspeist werden. Ob dies nun eher Mittel zum Zweck, Xenophobie oder tatsächlich Rassismus war, muss der Zuschauer selbst entscheiden. In der Tat sind es Darstellungen, die eher dem Mystizismus der Geschichte zuträglich sind und dem Spannungsaufbau sowie dem hier verstärkt innewohnenden Humor dienen.

Letzterer ist es, der diesen zweiten Teil zumindest im ersten Akt von Raiders of the Lost Ark entrückt. Wo auch dieser bisweilen Humoristisches einstreute, heben die beiden Nebenfiguren von Short Round (Jonathan Ke Quan) und Willie (Kate Capshaw) in Temple of Doom den comic relief auf eine neue Ebene. Beide Figuren bringen etwas Naivität in die Handlung, wobei Short Round speziell in der zweiten Filmhälfte seinen Wert für Indiana Jones unter Beweis stellt. Spielbergs Ehefrau Capshaw wiederum – die er laut dem Making Of Harrison Ford als einzige Wahl vorstellte und dieser angeblich sofort zustimmte, obschon ursprünglich Sharon Stone für die Rolle vorgesehen war – ist wenig mehr als die damsel in distress.

Mit Beginn des zweiten Aktes nimmt Spielberg den Humor allerdings zurück und der Film wird düsterer. Spätestens mit der Minensequenz nimmt dann allerdings auch das komische Element wieder an Fahrt auf. Kritisch gerät jedoch der Aspekt, dass Spielberg dem Düsteren nur bedingt nachgeht. So sind die versklavten Kinder für Spielberg nur Mittel zum Zweck und im angesichts ihrer Rettung plötzlich stark genug, ihre Unterdrücker zu überwinden. Auch der Kali-Kult als Ursache für Indys und des Maharadschas Verklärtheit wirkt mehr wie ein Gimmick denn wie ein narrativ ausgearbeitetes Spannungselement. Dass in beiden Fällen der Vorwurf des Rassismus fällt, macht die Angelegenheit nicht besser.

Zudem knabbert der Film an ähnlichen Problemen wie bereits sein Vorgänger (und auch sein Nachfolger): Er verfügt schlicht über zu viele Set-Pieces. Vom Club Obi-Wan über die Verfolgungsjagd zum Flugplatz, die Schlauchbootrettung, der Tunnel in Willies Zimmer, Indys Involvierung in die Kali-Zeremonie, der Kampf mit dem Vormann, die Minenflucht und das Finale auf der Brücke lassen einander teils verpuffen. Viele Köche verderben den Brei und Spielberg verliert sich teils zu sehr in seiner Abenteuerlastigkeit (so stürzt das Schlauchboot gleich zwei Mal und trotzt dabei den Gesetzen der Physik). Würde der Film weniger Set-Pieces präsentieren und diese mehr zelebrieren hätte er vermutlich mehr davon.

Nichtsdestotrotz sind sie allesamt natürlich durchweg überzeugend inszeniert, den Logiklücken zum Trotz. Und zumindest ist die Trilogie dahingehend konsistent, dass alle drei Filme über dieselben Qualitäten und Makel verfügen. Im Übrigen ist Temple of Doom, der 1935 spielt, wenn man es ganz genau nimmt kein Sequel, sondern ein Prequel zu Raiders of the Lost Ark. Da der Film im Vergleich zum Vorgänger auch wie erwähnt düsterer geriet, sollte er zuerst ein R-Rating statt ein PG-Rating erhalten. Da Spielberg dies jedoch als zu hart empfand, schlug er der Zensurbehörde einen Kompromiss vor. Und so markierten Temple of Doom und Gremlins 1984 die ersten Filme, die ein PG-13-Rating erhielten.

In seiner Summe ist Spielbergs erste Fortsetzung eines seiner Filme – und die damit einhergehende Entstehung eines Franchises – zwar nicht ganz so überzeugend geraten wie das dazugehörige Original, allerdings bewegt sich der Film auch in eine etwas andere Richtung. Dass Indiana Jones and the Temple of Doom dabei zeitweise von der Abenteuerkomödie zum düsteren Okkult-Film avanciert, zeichnet ihn im Nachhinein ebenso aus wie seine gelungene Integration solcher comic relief-Charaktere wie Willie und Short Round. Gerade bei Letzterem ist es schade, dass ihn Spielberg für die späteren Teile nicht wiederverwertet hat. Ansonsten gilt für den zweiten Indy-Teil durchaus zurecht Willies Mantra: “Anything Goes!”

7.5/10

1. Mai 2008

Raiders of the Lost Ark

It’s not the years, it’s the mileage.

Das Kennedy Center benennt ihn als den erfolgreichsten Regisseur unserer Zeit und beschreibt ihn als einen Regisseur, der die Zuschauer amüsiert und erstaunt, sie zum Lachen und zum Weinen bringt. Das TIME Magazin nannte ihn die einflussreichste Person seiner Generation Ende des 20. Jahrhunderts. Die Rede ist von Steven Spielberg, dem Mainstream-Regisseur schlechthin, der es sogar schafft aus dem Holocaust einen Blockbuster zu machen. Als 28-Jähriger lieferte er mit The Sugarland Express seinen ersten Kinofilm ab und gelangte ein Jahr später mit Jaws bereits zu Ruhm. Es folgte 1977 in Close Encounters of the Third Kind seine erste Auseinandersetzung mit einem seiner Lieblingsthemen, ehe er sich 1979 zum ersten Mal einem anderen Lieblingsthema widmete: dem Zweiten Weltkrieg. Doch seine Satire 1941 enttäuschte die Erwartungen der Produzenten, sodass Spielbergs nächstes Projekt, das ihm endgültig die Herzen der Zuschauer sichern würde, in eine unklare Zukunft blickte.

Produzent George Lucas hatte große Probleme ein Studio als Finanzier für den neuen Film zu gewinnen, seiner Aussage nach wurde das Skript von allen abgelehnt, ehe Paramount gewonnen werden konnte. Was ursprünglich als Low-Budget-Produktion geplant war, verdreifachte seine Kosten zu der endgültigen Summe von 20 Millionen Dollar, welche in ihrer Summe von Paramount getragen wurden. Zudem sicherte Lucas sich 40 Prozent des Filmgewinns, ein ungewöhnlicher Deal, der dem bärtigen Mann zusammen mit seinem Star Wars-Franchise einen ungemeinen Reichtum sichern sollte. Spielbergs und Lucas’ Film, Raiders of the Lost Ark, avancierte problemlos zum ertragsreichsten Film des Jahres 1981, mit einem weltweiten Einspiel von 384 Millionen Dollar. Allein 60 Prozent spielte der Film in den Vereinigten Staaten ein, was ebenfalls ungewöhnlich ist und ihn zu einem durch und durch US-amerikanischen Produkt macht. Ein US-amerikanischer Held für das US-amerikanische Volk.

Das American Film Institute platziert Raiders of the Lost Ark auf Platz 60 der 100 besten Filme des 20. Jahrhunderts, die Academy ehrte ihn 1982 mit acht Oscarnominierungen, darunter auch als bester Film und für die beste Regie. Am Ende gewann er vier der Trophäen, für Ausstattung, Ton, Effekte und Schnitt. In der IMDb hält er eine 8.7 Bewertung und ist damit aktuell der 27. bestbewertete Film, bei Rotten Tomatoes erhielt er sogar 94%. Entertainment Weekly wählte die Figur des Indiana Jones zum drittbesten Actionhelden, lediglich von Ellen Ripley und John McClane übertroffen. Vielmehr als die beiden ist Indiana Jones jedoch zu einer Kultfigur aufgestiegen, die ihre Anfänge bereits 1973 hat. Denn Lucas schrieb neben Star Wars eine andere Adaption berühmter Kurzgeschichten aus den 1930er Jahren: einen Abenteuerhelden namens Indiana Smith. Pate für den Vornamen seines Helden stand Lucas’ eigener Hund, eine Anekdote, die es in Indiana Jones and the Last Crusade schaffte.

Im Frühsommer 1977 erholte sich Lucas gemeinsam mit Spielberg auf der hawaiischen Insel Maui und erzählte seinem Freund, der schon immer einen Bond-Film inszenieren wollte, erstmals von seiner Idee eines abenteuerlustigen Archäologen. Das Element des Playboys, welches Lucas in Anlehnung an Bond vorgesehen hatte, fiel allerdings auf Wunsch von Spielberg und Drehbuchautor Lawrence Kasdan weg. Der Regisseur war es dann auch, der Lucas darauf hinwies, dass der Nachname „Smith“ nicht zur Figur passt, die daraufhin in „Jones“ umbenannt wurde. Ironischerweise sollte sich die Bond-Serie in den 1980ern selbst an Indiana Jones orientieren, nachdem man schon in Moonraker versucht hatte, auf den Star Wars-Zug aufzuspringen. Bis heute hat die Indiana Jones-Trilogie weltweit über 1,2 Milliarden US-Dollar eingespielt und fand 2008 fast 20 Jahre später eine nicht wirklich ruhmreiche Fortführung zur Quadrologie, deren vierter Teil problemlos über 700 Millionen US-Dollar einspielte.

Die Anfangssequenz, wie in allen Teilen ein nahtloser Übergang des Paramount-Emblems in die Szenerie, beginnt in einem südamerikanischen Dschungel und zeigt uns Indiana Jones (Harrison Ford) zuerst nur von hinten. Unerschrocken schreitet er voran und lässt seine eigentlichen indigenen Führer stückweise hinter sich, bis am Ende nur noch einer von ihnen (Alfred Molina in seiner ersten Rolle) übrig ist. Gemeinsam mit Jones betritt er eine Höhle voller Trickfallen, die bereits einen Kollegen das Leben kostete, von unserem Helden jedoch ausfindig gemacht werden. Der Auftakt ist teils eine direkte Übernahme des Donald-Duck-Abenteuers The Prize of Pizarro, welches seine Schatten auch in die zwei Fortsetzungen geworfen hat. Berühmt geworden ist hierbei die Flucht vor der riesigen Steinkugel, wie die Auftaktszene allgemein weitaus erinnerungswürdiger und gelungener als das Filmende geraten ist. Im Prolog treffen wir nicht nur erstmalig den Helden, sondern auch den Antagonisten des Films.

Der französische Archäologe Belloq (Paul Freeman) ist im Grunde nur die Karikatur eines Archäologen, wie Spielberg vermehrt in seinem Film veranschaulichen wird. Inkompetent wie Belloq ist, wird er in jeder einzelnen Szene auf Indys Hilfe angewiesen sein, um das zu bekommen, was ihm eigentlich vorschwebt. Seine scheinbare Skrupellosigkeit wird lediglich in den Szenen mit Marion in Frage gestellt, am eindrucksvollsten bei Arnold Tohts (Ronald Lacey) Auftritt in Ägypten. Die Anfangsszene wiederum zeigt auch einen typischen Zug der Jones-Serie, nämlich ein Artefakt, für das der smarte Archäologe sein Leben aufs Spiel setzen wird, ohne dieses am Ende seines Abenteuers mit nach Hause nehmen zu dürfen. Sei es hier der goldene Schädel und die Bundeslade, die mystischen Steine im zweiten oder der Heilige Gral im dritten Teil – alle diese Artefakte, muss Indy nach kurzen Besitz letzten Endes aufgeben und charakterisiert dadurch dennoch einen Sieg selbst in der Niederlage.

Letzteres verstärkt sich auch deshalb, da diese finalen Momente auch immer Jones’ Gegner beinhalten, die im Gegensatz zu ihm nicht von den Objekten lassen wollen und schließlich durch sie ihr Verderben finden. Am deutlichsten wird dies in der Klimax des dritten Teils zu sehen sein und auch das Ende des vierten Teils rund um Cate Blanchetts Agentin Spalko dürfte dies beinhalten – zumindest wenn Spielberg seinem Franchise treu bleibt. Nunmehr hat er seinen Helden installiert, das Publikum weiß, dass Jones ein tougher Kerl ist. Veranschaulicht auch an der Referenz der Macher zu den klassischen Geschichten der 1930er und 1940er, wenn Jones auf seiner gesamten Flucht, inklusive Sprung ins Wasser, seinen Hut nicht verlieren wird. Nach der starken Einleitung präsentiert Spielberg das zweite Gesicht seiner Figur, quasi ihre eigentliche Tarnung, die Clark-Kent-Essenz dieses Superman. Als Dr. Jones unterrichtet der eben zur Schau gestellte Held ein Klassenzimmer bebrillt und im Anzug.

Irritierte ihn gerade nicht einmal eine Horde mordlüsterner Eingeborener, gerät er nun ins Stocken als ihm eine seiner Studentinnen auf einfallsreiche Weise ihre Gefühle gesteht. Jones ist ein Kind im Körper eines Mannes, das zwar durchaus ein Interesse an Frauen hat, wie die drei Teile jedoch zeigen werden zu diesen aber ein mitunter zwiespältiges Verhältnis besitzt. Jetzt bringt Spielberg das Artefakt ins Spiel, als die US-Regierung Indy auf die Suche nach der Bundeslade schickt, einem Heiligtum des Judentums, verloren geglaubt und nun von den Nazis für den Endsieg gesucht. Die Geschichte spielt 1936 und die Nürnberger Gesetze wurden zwar ein Jahr zuvor verabschiedet, das Münchener Abkommen ist aber noch zwei Jahre entfernt und der Holocaust zu diesem Zeitpunkt höchstens eine Idee. Dennoch geben die Nazis die universellen Bösewichte, personifiziert in einer einzelnen Figur, die einen mehr als bezeichnenden – jedoch ungenannten – Namen erhielt: Arnold Toht.

Angeblich hatte Klaus Kinski die Rolle abgelehnt, die auf Jahre das Filmbild der Nazis bestimmen sollte: das Bild eines skrupellosen, unbarmherzigen Sadisten. Arnold Toht wird gemeinsam mit der weiblichen Hauptfigur Marion Ravenwood (Karen Allen) in die Handlung eingeführt und Spielberg geht bereits hier ungalant mit Toht um, wenn er ihn ins Lächerliche abdriften lässt. Und nicht nur hier, legt Toht den ganzen Film hindurch seinen schwarzen Mantel nicht ab, weshalb er sich im Filmfinale in brütender Hitze entsprechend den Schweiß von der Stirn wischt. Trotz seines Nazi-Status’ ist Toht jedoch nicht der Hauptantagonist, vielmehr ist es durchweg Belloq, der mit allen Mitteln an die Bundeslade gelangen möchte. Ein Merkmal, dass sich im dritten Teil wiederholen wird, der ohnehin ein Spiegel von Raiders of the Lost Ark ist. Indy befindet sich jeweils in einem Wettstreit mit Nazis um ein Artefakt, mit denen er sich unentwegt beharkt, aber mal um mal einen Schritt voraus ist.

Als Parallele zum Antagonisten-Trio stellt Spielberg Indy und Marion den ägyptischen Gräber Sallah (John Rhys-Davies) an die Seite. Dieser sollte eigentlich von Danny De Vito gespielt werden, der aufgrund seines Engagements in der Serie Taxi unabkömmlich war. Ähnlich verhielt es sich bei Tom Selleck, der nur wegen Magnum, P.I. nicht zu Indy wurde, aber ohnehin nicht Spielbergs erste Wahl war. Dies war Harrison Ford, der erst drei Wochen vor Drehbeginn zum Team stieß und von Lucas vorab abgelehnt worden war, um nicht nach Star Wars und American Graffiti sein Robert De Niro zu werden. Die Szenen in Kairo, wo Indy und Sallah die Bundeslade finden, wurden amüsanterweise in Tunesien gedreht, am selben Set, das zuvor für Lucas’ Wüstenplaneten Tatooine in Star Wars herhielt. Es sind auch die Kairo-Szenen, mündend in Indys Flugfeldprügelei und seiner rasanten Verfolgungsjagd, die den eigentlichen Höhepunkt des Films bilden, an den das Ende nicht mehr anzuknüpfen vermag.

Raiders of the Lost Ark ist ein im Grunde perfekter Abenteuerfilm, der über seine gesamte Dauer zu gefallen weiß, bisweilen erstaunt, oft genug amüsiert und somit die Eigenschaften erfüllt, die ihm das Kennedy Center zuschreibt. Ein selbstironischer Held, wenn auch ein absolut US-amerikanischer, der mit Peitsche, Lederjacke und Hut die Kontinente bereist und sich mit höheren Mächten anlegt. Das alles im Gewand eines B-Movies, das schließlich doch kein B-Movie mehr wurde. Im Gegenteil, wurden die Effekte von Lucas’ Trickschmiede ILM sogar ausgezeichnet und starteten ein Franchise, dessen vermeintlicher Abschluss ein Achtfaches des einstigen Budgets einspielten. Ein Spaßfilm, dessen Drehbuch zu Recht nicht für den Oscar nominiert wurde, wobei dies auch sicher nie die Intention der Macher war. Bestückt mit vielen Referenzen zu Casablanca, Citizen Kane und vielen anderen Klassikern war Raiders of the Lost Ark zugleich der Vorbote eines weiteren als Meisterwerk erachteten Films.

Denn in den Drehpausen des Films schrieb Spielberg gemeinsam mit Harrison Fords damaliger Ehefrau Melissa Matheson das Drehbuch zu E.T. – The Extra-Terrestrial, der ihm ein Jahr später eine weitere Nominierung als bester Regisseur einbringen würde. Das einzige, was an Raiders of the Lost Ark etwas zu missfallen weiß, ist zum einen die Vielzahl an Set Pieces und die darauf resultierende Überlänge und zum anderen das Filmende selbst, das Spielberg quasi vor Ort entwirft, ohne näher auf dessen Mysterien einzugehen. Um was es sich bei den Geistern der Bundeslade handelt, wieso sie feindlich gesinnt sind und warum bloßes Augenverschließen vor ihnen schützt – all das erläutert wird nicht erläutert und erzeugt somit kaum Spannung. Stattdessen liefern nette Effekte einen gewissen Gore-Faktor. Hätten sich Spielberg, Lucas und Kasdan hier noch etwas kreativer gezeigt, wäre Raiders of the Lost Ark perfekt geworden. Aber auch so zählt er zu den unsterblichen Meisterwerken des Kinos.

10/10