INCONCEIVABLE /ɪnkənˈsiːvəb(ə)l/ adjective: not capable of being imagined or grasped mentally; unbelievable.
OXFORD DICTIONARY
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23. April 2011
21. Dezember 2010
The X Files - Season Nine
Your lack of imagination saved our lives.
Es ist die vorletzte Folge einer Serie, die seit 1993 im amerikanischen Fernsehen lief und dabei dieses zwar nicht revolutioniert aber durchaus beeinflusst hat. „I’ve been working this unit for nine years now“, erzählt Special Agent Dana Scully (Gillian Anderson), „I’ve investigated nearly 200 cases“. Serienschöpfer Chris Carter und seine Produzenten rund um Vince Gilligan präsentieren in Sunshine Days diesen schönen Moment eines seriellen Kurzrückblicks, der sehr viel harmonischer und gelungener ausfällt, als das anschließende Serienfinale The Truth. Neun Jahre und 202 Folgen war es her, seit Dana Scully an die Seite von Special Agent Fox „Spooky“ Mulder (David Duchovny) versetzt wurde. Neun Jahre mit Höhen (die Staffeln 1, 2 und 6) und in Form der achten und neunten Staffeln auch Tiefen. In der siebten Staffel überschritt The X Files ihren Zenit und erfand sich nicht neu - zumindest nicht früh genug. Zu spät merkte man, dass man nichts mehr zu erzählen hatte oder sich etwas Neues einfallen ließ.
Das neunte Jahr ist eine Mulder-freie Zone. Abgesehen von fragmentarischen Bildern ist Duchovny weitestgehend abwesend, übernahm er zwar in William die Regie, blieb jedoch als Darsteller bis zum Serienfinale fern. Nothing Important Happened Today führt sein selbst auferlegtes Exil ein, da die Supersoldaten um Knowle Rohrer (Adam Baldwin) hinter ihm her seien. Und dabei bleibt es auch für die restlichen 18 Episoden, zumindest insofern sie nicht mythologischer Natur sind. Scully hingegen fokussiert sich auf die Erziehung ihres Sohnes William und ihrer neuen Aufgabe als medizinische Ausbilderin in Quantico. So sind es zuvorderst Special Agent John Doggett (Robert Patrick) und seine Partnerin Special Agent Monica Reyes (Annabeth Gish), inzwischen offiziell mit den X-Akten betraut, die sich mit Rohrer und Co. herumschlagen dürfen. Untergraben werden ihre Bemühungen innerhalb des Bureau von Deputy Director Alvin Kersh (James Pickens Jr.) und Assistant Director Brad Follmer (Cary Elwes), dem Ex-Freund von Monica Reyes.
Der Wechsel von der sechsjährigen Alien-Invasion und dem dazugehörigen Syndikat zu den Supersoldaten ist unsauberer und wenig nachvollziehbar. Denn dass das Syndikat nicht nur aus der Handvoll Männer besteht, die am Ende von One Son eliminiert wurden, sah man im Kinofilm. So gab sich bereits die siebte Staffel in allerlei Mulder-Wirren ziemlich planlos, ehe im Vorjahr die Supersoldaten peu a peu eingeführt wurden. Dass diese trotz allen Charmes von Adam Baldwin nur leidlich als Antagonisten funktionieren, zeigt sich in der Doppelepisode zum Auftakt. Auch in den weiteren Folgen, Trust No 1 sowie dem traditionellen Mittelstück Provenance/Providence und William, zeigt sich wie in den Jahren zuvor die Schwäche der mythologischen Handlungsstränge. Denn auch William kann wie die Supersoldaten keine Faszination ausüben, da seine Bedeutung selbst in William nie genügend erörtert wird (wieso muss Mulder zum Beispiel fliehen, während William in D.C. bleiben kann?).
Den Fehler, den Carter mit The X Files begangen hat, war die frühe Auflösung der Syndikatshandlung beziehungsweise die Fortführung der Geschichte nach jener Auflösung. Die Serie hätte einen Trennungsstrich gebraucht, ein neues Gesicht - nicht nur im Ensemble. Denn die Monster-of-the-Week-Episoden können immer noch überzeugen, wenn auch mal mehr und mal weniger. Es sind Folgen wie Lord of the Flies, die ob ihrer pop-kulturellen Anspielung (Teenager verfallen dem Jackass-Hype) und ihrer Besetzung (in diesem Fall: Aaron Paul, Jane Lynch, Samaire Armstrong und Erick Avari) gefallen. Dass sie nicht immer genauso funktionieren wie ihre früheren Pendants, liegt zum einen an ihrer unsauberen Ausarbeitung, aber natürlich auch an der Paarung Doggett-Reyes, die weniger Charme besitzen als ihre Vorgänger. Dies trifft hauptsächlich auf Annabeth Gish zu, deren Figur selbst in einer Folge wie Audrey Pauley wenig bis gar keine Sympathien erzeugt, was einem ihr Schicksal hier wie auch in Scary Monsters relativ egal macht.
Hinzu kommt noch, dass nun, da Mulder zum einen weg und zum anderen inzwischen als Partner Scullys etabliert ist, die Charaktere von Patrick und Gish in dieselbe Schablone gepresst werden. So thematisieren Folgen wie Audrey Pauley, Release und Sunshine Days die romantischen Gefühle zwischen den Beiden, derer sich speziell Doggett verwehrt. In Anbetracht der Tatsache, wie viel Zeit sich für die Mulder-Scully-Beziehung genommen wurde, kein sonderlich kluger Schritt, die neunte Staffel wie die Vorherigen aufzuziehen nur mit anderen Hauptfiguren. Dass Anderson diese in Geschichten wie Dæmonicus oder Improbable auch weiterhin an die Hand nehmen muss, zeugt umso mehr davon, dass es The X Files versäumt hat, sich in eine neue, Mulder- und Scully-freie Richtung zu entwickeln. So wirkt auch der Abschluss des Doggett’schen Traumas um dessen ermordeten Sohn in Release nicht minder gezwungen wie es bei Mulder und seiner Schwester in Closure der Fall gewesen ist.
Aber obschon aufgrund der diese Staffel auftretenden DTV-Qualität (besonders an den Effekten scheint man, wie in Scary Monsters zu sehen ist, gespart zu haben), des unglaublich hässlichen neuen Intros und der Vielzahl an unterdurchschnittlichen Folgen, versagt die neunte Staffel nicht vollständig. Mit Lord of the Flies oder Audrey Pauley gibt es Lichtblicke, zu denen auch Episoden wie John Doe, Sunshine Days oder Scary Monsters zählen. Speziell die Letztgenannte gefällt durch ihre kluge Einbindung von Doggetts Charakter sowie der Rückkehr von Special Agent Leyla Harrison (Jolie Jenkins), der lebenden X-Akten-Fibel. Gerade die Figur von Harrison ist ein gutes Beispiel für das verschenkte Potential, welches eine Neuerfindung der Serie hätte mit sich bringen können. Dennoch ist die Rückkehr von Jenkins wie auch ein letzter (erneuter) Auftritt von Terry O’Quinn nicht minder schön, wie ohnehin zumindest versucht wurde, in jeglicher Hinsicht mit einem reinen Gewissen abzutreten.
So kriegen die Lone Gunmen eine Einzelverabschiedung in Jump the Shark und eine letztmalige Integration neben X (Steven Williams), Marita Covarrubias (Lauren Holden), Gibson Praise (Jeff Gulka), C.G.B. Spender (William B. Davis) und Alex Krycek (Nicholas Lea) im Serienfinale The Truth. Dass sich dieses lediglich wie eine Best-Of-Clipshow anfühlt, fällt da kaum ins Gewicht. Die Stärken der neunten Staffel liegen ohnehin in der weiterführenden Tradition, ein Gespür für zukünftige „Losties“ zu haben (neben O’Quinn sind auch Alan Dale, Zuleikha Robinson und Michael Emerson von der Partie), sowie mit bekannten Gesichtern als Gaststars aufzuwarten. Cary Elwes ist dabei mit sechs Folgen fast schon Ensemblemitglied, während neben Lucy Lawless und James Remar besonders David Faustino (Sunshine Days) und Burt Reynolds Freude bereiten. Gerade Reynolds, dessen Auftritt als Gott in Improbable ein Vergnügen ist, umso passender, da es sich hierbei auch um die beste Episode der neunten Staffel handelt.
Sie braucht sich vor ihrer Konkurrenz der früheren Jahrgänge nicht zu scheuen und bildet zusammen mit 4-D den Höhepunkt dieser letzten Staffel. Mit The Truth hieß es schließlich Abschied nehmen von Figuren und Schauspielern, die einen neun Jahre lang - und auch darüber hinaus - begleitet haben. Die man hat hadern und zweifeln, ihre Skepsis aufgeben, Hoffnung gewinnen und ineinander verlieben sehen. Es gab nicht auf alle Fragen eine Antwort, auch nicht im die neun Jahre rekapitulierenden Serienfinale. Was aus Armin Müller-Stahl und den genetischen Bienen in Tunesien wurde, wie Mulder je über das schwarze Öl und seine neurologische Alien-Krankheit hinweg kam, was Mulder und Scully während ihrer Obduktionen wirklich durchstehen mussten und welche Wege Figuren wie Alan Dales Toothpick Man oder Jeff Gulkas Gibson Praise nun nehmen würden - die Wahrheit hierauf, so würde es Mulder wohl sagen, liegt weiterhin irgendwo da draußen.
7/10
14. Oktober 2010
The X Files - Season Eight
This is not happening.
Wenn eine Sportmannschaft über Jahre zusammenspielt, tritt gelegentlich etwas ein, was man als Sättigungseffekt bezeichnet. Nicht von ungefähr werden in manchen Fällen dann die Trainer wie Socken gewechselt, um jeweils auf ihre Art das Beste aus den Spielern zu kitzeln, oder stattdessen eine gesunde Fluktuation an Spielermaterial betrieben. Sieben Jahre hieß das dynamische Duo auf dem Mystery-Sektor Mulder und Scully. Stets ging es darum, die Verschwörung eines Syndikats aufzudecken, welches insgeheim mit Außerirdischen an einer bevorstehenden Kolonialisierung arbeitete. Mit jener Verschwörung hatte es sich dann in der Mitte der sechsten Staffel erledigt. The X Files drohte fortan allmählich in einer Spirale zu enden, die sich nach unten bewegt. Und da Hauptdarsteller David Duchovny ohnehin sein Glück im Spiel der Großen versuchen wollte, schien Fluktuation auch für Chris Carter des Rätsels Lösung zu sein. Ein Schema, das mit Abstrichen auch aufging.
Im vorangegangenen Staffelfinale wurde Special Agent Fox Mulder (David Duchovny) nun selbst von Außerirdischen entführt, was der achten Staffel ihre Prämisse verleiht. Im Staffelauftakt wird Agent John Doggett (Robert Patrick) von Deputy Director Kersh (James Pickens, Jr.) mit der Suche nach Mulder beauftragt. Die Spur scheint zu Gibson Praise zu führen, weshalb sich auch Dana Scully (Gillian Anderson) und Assistant Director Skinner (Mitch Pileggi) auf die Reise machen. Der Doppel-Auftakt mit Within/Without setzt dann zugleich auch erstmal ein Ende unter die Suche nach Mulder. Doggett wird den X-Akten zugeteilt, die bis zur Mitte der Staffel wie gewohnt fortgesetzt werden, ehe es zu Mulders spektakulärer Rückkehr nicht nur aus dem Weltall, sondern auch dem Reich der Toten kommt. Die Serie bleibt sich dabei in ihrer Staffelachse treu, drehen sich doch auch hier Anfang, Mittelteil und Ende um reine Serienmythologie.
Und wie so oft wollen sie nur leidlich überzeugen. Ist der Auftakt noch eine gelungene Form, um Doggett ins kalte Wasser zu schmeißen, wirkt die Mulder-Trilogie (This Is Not Happening/Deadalive/Three Words) reichlich unausgegoren. Das Doppel-Finale aus Essence und Existence, zu dem im Grunde thematisch auch die zwölfte Episode Per Manum zu zählen wäre, dreht sich dagegen um Scullys Baby und seine mögliche Verbindung zu den Außerirdischen. In allen drei Fällen bekommen die Zuschauer solide Unterhaltung, die allerdings zu sehr in die Länge gezogen wird und dadurch Redundanzen entwickelt. Man merkt es der Serie inzwischen an, dass zumindest in mythologischer Hinsicht allmählich die Ideen für eine Inanspruchnahme von Mulder und Scully rar werden. Immerhin wurden inzwischen auch etliche Felder für die Beiden abgegrast.
Da nervt es auch, wenn die Macher weiterhin versuchen, in der Beziehung der beiden Agenten um den heißen Brei zu reden. Zwar ist Mulder in der ersten Hälfte der Staffel nicht anwesend, dennoch zeigen Within (Scully verbringt die Nacht in Mulders Bett) oder Per Manum (es wird impliziert, dass Mulder der Samenspender für Scullys Baby ist), dass sich ihre Beziehung intensiviert hat. Dies setzt sich auch nach Mulders Rückkehr fort, wenn beide in Empedocles mal wieder ihr Eifersuchtsspiel - hier allerdings humoristisch - fortführen, wie Mulder ohnehin erstaunlich oft in Scullys Wohnung vorzufinden ist. Im Staffelfinale Existence bescheren Carter und Co. dann schließlich das, was sich der Fan schon seit Jahren gewünscht hat: Mulder und Scully küssen sich. Die Schlussszene suggeriert ebenfalls, was aus unerfindlichen Gründen nie vollends bestätigt wurde: Dass William in der Tat Mulders Sohn ist.
Im Grunde also alles irgendwie beim Alten, aber dennoch gefällt die achte Staffel gerade wegen ihrer Frischzellen-Kur. Wie nach sieben Jahren zu erwarten war, werden nun die Rollen vertauscht. Scully ist die Gläubige, Doggett der Skeptiker. Der männliche Wechsel geht erstaunlich sauber und unproblematisch von Statten. Man akzeptiert Doggett sofort, was auch an Patricks sympathischem Spiel liegen dürfte. Zwar bleibt er eigentlich die gesamte Staffel hindurch weiterhin stets skeptisch, allerdings bleibt sich auch Scully ihrer zurückhaltenden Art weitestgehend treu (wie in der grandiosen Schlusseinstellung aus Alone zu sehen ist). Etwas verhaltener reagiert man da bezüglich Annabeth Gishs Figur der Monica Reyes, die sich zwar offener, aber deswegen nicht unbedingt entsprechend naiv gibt. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Serie nun über vier, wenn man Skinner mitzählt: fünf, Darsteller verfügt, die aus keiner ethnischen Minderheit stammen.
Bei einer Episodenzahl von 21 und acht Folgen, die sich mit Mulders Obduktion oder Scullys Baby beschäftigen, bleibt nicht mehr viel Raum für die obligatorischen Monster-of-the-Week-Geschichten. Diese drehen sich um Fledermaus-, Reptil- oder unzerstörbare Metallmänner (man merkt die Redundanz), kleinwüchsige indische Parasiten, Geister von toten Kindern, Reinkarnationssektierern oder übernatürliche Serienmörder. Für kreative Ideen blieb nicht viel Raum, weshalb die meisten Folgen auch lediglich auf einem durchschnittlichen Niveau spielen. Es scheint der neuen Partnerkonstellation geschuldet, dass sich die selbstironischen Episoden dieses Mal in Grenzen halten. Lediglich Alone vermag leichte Anflüge davon zu versprühen, allerdings ist hier auch Mulder wieder mit an Bord. Wirkliche Höhepunkte wollen sich nicht finden lassen, hervorstechen können lediglich Redrum (eine Folge in der Tradition von Monday), The Gift und die Auftaktfolge Within.
Bereits in der siebten Staffel wurden die Gastauftritte aus finanziellen Gründen auf ein Mindestmaß reduziert. So muss man in dieser Staffel durchweg auf William B. Davis - der zu diesem Zeitpunkt noch als verstorben gilt, was er jedoch schon mal tat - und Lauren Holden verzichten. Letztere wird, wenn man so will, durch Adam Baldwin als Knowle Rohrer ersetzt, der diese Rolle in drei Episoden repräsentiert. Nicholas Lea ist das einzige bekannte Gesicht, dass auch in diesem Jahr für drei Folgen zurückkehrt. Wirkliche Gastdarsteller gibt es nicht, allenfalls Deep Roy (Badlaa), Grant Heslov (Via Negativa), sowie Danny Trejo und Joe Morton (beide Redrum) lassen sich wohl als solche bezeichnen. Ansonsten entdeckt das geschulte Serienauge in Ken Jenkins (Medusa) und Wade Williams (Salvage) alte Vertraute. Zusätzlich setzt sich die „Tradition“ fort, mit Michael Bowen (Surekill) und M.C. Gainey (Vienen) erneut zwei (spätere) Losties zu engagieren.
Ähnlich wie Scrubs fast ein Jahrzehnt später, stellt im Grunde bereits die achte Staffel von The X Files deren Ende dar. In Alone findet sich die letzte Monster-of-the-Week-Folge mit Involvierung von Mulder, der anschließend nur noch in mythologischen Episoden auftrat. In der neunten Staffel würde Duchovny wieder durch Abwesenheit glänzen, während Figuren wie Skinner und Reyes verstärkt in den Vordergrund gehoben wurden. Trotz eines späteren Kurzauftritts markierte das Staffelfinale auch den Abschied von Nicholas Leas Kultfigur des Alex Krycek. Insofern lässt sich also von der neunten und letzten Staffel nur bedingt wirklich noch von The X Files sprechen, begann die Serie in ihren letzten Episoden doch in gewisser Hinsicht eine neue Form anzunehmen. Im Vergleich zu schwächeren Staffeln wie insbesondere der Dritten baut die Serie im achten Jahr nochmals ein wenig ab. Stellte die siebte Staffel quasi die Todesmitteilung dar, repräsentiert ihr Nachfolger nun den Fall ins Koma.
7/10
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