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2. Mai 2013

Filmtagebuch: April 2013

IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO [ZWEI GLORREICHE HALUNKEN]
(I/S/D 1966, Sergio Leone)
8/10

C’ERA UNA VOLTA IL WEST [SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD]
(I/USA 1968, Sergio Leone)
10/10

DARK SHADOWS
(USA 2012, Tim Burton)
3.5/10

DIE HARD [STIRB LANGSAM]
(USA 1988, John McTiernan)

9/10

ENEMY MINE
(USA 1985, Wolfgang Petersen)
6/10

LE GRAND SOIR [DER TAG WIRD KOMMEN]
(F/B/D 2012, Gustave de Kervern/Benoît Delépine)
1.5/10

IRON MAN
(USA 2007, Jon Favreau)
5.5/10

IRON MAN 2
(USA 2009, Jon Favreau)
4/10

IRON MAN 3
(USA 2013, Shane Black)
6/10

JACK REACHER
(USA 2012, Christopher McQuarrie)
5/10

JONAS
(D 2011, Robert Wilde)
5.5/10

LÉON
(USA 1994, Luc Besson)
9/10

MEET JOE BLACK [RENDEZVOUS MIT JOE BLACK]
(USA 1998, Martin Brest)

8.5/10

PASSION
(F/D 2012, Brian De Palma)
5.5/10

PER QUALCHE DOLLARO IN PIÙ [FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR]
(I/S/D 1965, Sergio Leone)

7.5/10

PER UN PUGNO DI DOLLARI [FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR]
(I/S/D 1964, Sergio Leone)

7/10

PLANÈTE OCÉAN
(F 2012,Yann Arthus-Bertrand/Michael Pitiot)
7.5/10

QUANTUM OF SOLACE [JAMES BOND 007 - EIN QUANTUM TROST]
(UK/USA 2008, Marc Forster)
4/10

RED EYE
(USA 2005, Wes Craven)
4/10

THE SHIELD - SEASON 1
(USA 2002, Clark Johnson u.a.)
7.5/10

THE SHIELD - SEASON 2
(USA 2003, Scott Brazil u.a.)
7/10

THE SHIELD - SEASON 3
(USA 2004, Scott Brazil u.a.)
7.5/10

THE SHIELD - SEASON 4
(USA 2005, Scott Brazil u.a.)
7/10

SIDE BY SIDE
(USA 2012, Chris Kenneally)
7/10

SKYFALL [JAMES BOND 007 - SKYFALL]
(UK/USA 2012, Sam Mendes)

4.5/10

STARLET
(USA 2013, Sean Baker)
6.5/10

STOKER
(USA/UK 2013, Park Chan-wook)
8.5/10

THE TERMINATOR
(UK/USA 1984, James Cameron)
8.5/10

TOMCATS
(USA 2001, Gregory Poirier)
2.5/10

1. Juli 2010

1 Movie 1 Definition: Invictus

INSPIRATION/ɪnspɪˈreɪʃ(ə)n/n.: [mass noun] the process of being mentally stimulated to do or feel something, especially to do something creative: the quality of being inspired: [count noun] a person or thing that inspires: divine influence, especially that supposed to have led to the writing of the Bible. Also: a sudden brilliant or timely idea. Also: [mass noun] the drawing in of breath: inhalation.

OXFORD DICTIONARY
Copyright © 2010

21. Januar 2009

Changeling

Never start a fight, but always finish it.

Sein Name beherrscht wie fast kein anderer die Landschaft der Auszeichnungen in Hollywood des aktuellen Jahrzehnts. In den letzten fünf Jahren war Clint Eastwood sieben Mal für einen Academy Award nominiert. Zweimal konnte er die Trophäe mit nach Hause nehmen, wo er bereits zwei Exemplare für seinen Western-Abgesang Unforgiven stehen hat. Mit Filmen wie Mystic River, Million Dollar Baby und Letters from Iwo Jima hat sich Eastwood, der raubeinige Schauspieler des vergangenen Jahrhunderts, einen Namen als ernstzunehmender Drama-Regisseur gemacht. Und wie es den Anschein hat, macht er mit Changeling gerade da weiter, wo er zuletzt aufgehört hat. Dabei ist das period piece nur einer von zwei Eastwood-Filmen, die in den nächsten Wochen im Kino laufen. Während er sich in Gran Torino eher vom Darstellerdrama entfernt, beginnen die Vorbereitungen für The Human Factor, in welchem er sich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle der großen Persönlichkeit Nelson Mandela widmen möchte.

In Changeling wird die wahre Geschichte von Christine Collins (Angelina Jolie) erzählt. Diese lebte 1928 gemeinsam mit ihrem Sohn Walter in Los Angeles. Als Collins an einem Wochenende unerwartet arbeiten musste, lässt sie Walter allein zu Hause. Bei ihrer Heimkehr abends ist der Junge verschwunden und kein Anzeichen seines Verbleibs zu finden. Es vergehen mehrere Monate, die Collins in Ungewissheit verbringen muss. Nach beinahe einem halben Jahr meldet sich die Polizei in Person von Captain Jones (Jeffrey Donovan) bei ihr. Man habe ihren Sohn gefunden. Das erste Wiedersehen am Bahnhof verläuft suboptimal. Zwar ist sich Collins sicher, dass der Junge, den man ihr präsentierte, nicht ihr Sohn ist. Aus gutem Willen lässt sie sich für den Pressekonvoi jedoch lächelnd ablichten. Doch die Gewissheit nimmt zu, dass es sich bei dem Jungen nicht um ihren Sohn Walter handelt. Für Jones hingegen ist der Fall abgeschlossen. Ein Junge wurde vermisst und ein vermisster Junge wurde zurückgebracht. Gemeinsam mit dem Radioprediger Gustav Briegleb (John Malkovich) beginnt Collins einen Sysyphos-Kampf gegen die Polizei Los Angeles’.

Während die Mitte des Filmes relativ ruhig daherkommt, zeichnen sich besonders Anfang und Ende des Filmes durch die unsägliche Komposition von Clint Eastwood aus. Speziell die Inszenierung von Christine Collins Heimkehr exemplifiziert das Manko des Filmes. Zu übertrieben pathetischer Musik bildet sich auf dem Gesicht Jolies bereits die Gewissheit ab, ehe sie überhaupt durch die Haustür geschritten ist. Anschließend präsentiert Eastwood ein elterliches Unverständnis, dass die Polizei Vermisstenmeldungen erst nach 24 Stunden aufnimmt. Zu keinem Zeitpunkt wird während des Filmes jedoch das Handeln von Collins an jenem Tag hinterfragt. Wieso hat sie ihren Sohn alleine zu Hause gelassen? Zwar erwähnt sie Walter gegenüber, dass die Nachbarn nach ihm sehen werden, doch als sie nach Hause gelangt und ihren Sohn nicht vorfindet, kommt ihr nicht der Gedanke, zuerst zu eben jenen Nachbarn zu gehen. Vielmehr rennt sie die Nachbarschaft rauf und runter.

Es gibt mehrere Gründe, aufgrund derer Changeling nicht funktioniert. Zum einen die viel zu pathetische und überzogene Musikuntermalung des Regisseurs selbst, zum anderen auch die Fehlbesetzung seiner Figuren. Unter anderem Reese Witherspoone und Hilary Swank hatten sich für den Part von Christine Collins beworben. Den Zuschlag erteilte Eastwood schließlich Jolie, weil sie seiner Ansicht so aussah, als hätte sie aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammen können. So kommt es, dass Angelina Jolie die meiste Zeit über nicht nur mit mehr Schminke als Alice Cooper durch die Gegend stolziert, sondern oft auch gnadenlos überspielt. Nicht weniger deplatziert wirkt John Malkovich in der Rolle des nach Recht strebenden Presbyteriers. Auch hier war es eine oberflächliche Entscheidung des Regisseurs, der Malkovich gegen den Strich besetzen wollte. Lediglich Donovan und Amy Ryan in einer Nebenrolle wissen zu überzeugen, die meiste Zeit hindurch gehört die Aufmerksamkeit jedoch Newcomer Jason Butler Harner in der Rolle von Gordon Northcott.

Eastwood versucht das Experiment, in seinem neuesten Film nicht nur ein Familiendrama zu erzählen, sondern zugleich auf einer Nebenspur einen Serienmörder-Thriller abzuspielen. Im Laufe des Filmes bedient sich Drehbuchautor J. Michael Straczynski immer mehr der Details der Wineville Hühnerstall Morde. Die Vermischung der beiden Handlungen gereicht Changeling jedoch keineswegs zum Vorteil. Stattdessen wird der Film unnötig in die Länge gezogen und ist unter dem Strich gesehen gut eine Stunde zu lang geworden. Es wäre empfehlenswert gewesen, wenn sich Eastwood und Straczynski entweder auf Collins oder aber auf Northcott beschränkt hätten. Die Geschichten von beiden zusammen verkommen zu einem spannungsarmen, langatmigen und überzogenen Drama, welches zu keinen Zeitpunkt Zug oder Atmosphäre entwickeln will. Sein Potential schöpft die Geschichte somit prinzipiell nie wirklich aus und ist insgesamt nicht mehr als ein überkandideltes period piece.

5.5/10

7. Dezember 2007

Flags of Our Fathers & Letters from Iwo Jima

Ohne Frage stammte das ambitionierteste Filmprojekte dieses Jahres von Clint Eastwood und seiner back-to-back Verfilmung der Ereignisse der Schlacht von Iwo Jima vom Februar/März 1945. Dass sich Mr. Eastwood auch der japanischen Seite annahm und diese schließlich so inszenierte, wie er es getan hat, zeichnet ihn zweifellos aus und macht die Academy Award Nominierung verdient. Die Idee zum Film stammte aus dem Jahr 2000 als der Sohn eines der amerikanischen Flaggenhissers, James Bradley, ein Buch über die Ereignisse um ebenjene Flaggenhissung und der Schlacht um Iwo Jima veröffentlichte. Clint Eastwood wollte sich die Rechte sicher, aber wie so oft hatte sich Steven Spielberg zuerst darauf gestürzt. Spielberg wies William Broyles Jr. (Jarhead, Cast Away) an Bradleys Buch in eine entsprechende Filmvorlage umzusetzen, war dann aber im Nachhinein mit dem Ergebnis unzufrieden und wollte den Film zurückstellen, als er 2004 mit Clint Eastwood sprach und diesem am Ende doch die Regie überließ, jedoch als Produzent mit an Bord blieb. Das Drehbuch von Boyles Jr. wurde daraufhin vom neuen Autoren-Wunderkind Paul Haggis überarbeitet.

Der japanische Gesichtspunkt, ursprünglich Red Sun, Black Sand betitelt, entstammt einem Buch über die Briefe des kommandierenden Generaly Kuribayashi und einer Kriegshistorie von Kumiko Kakehashi. Während die Idee zum Teil auch von Paul Haggis stammt, zeichnet sich die bis dato unbekannte Iris Yamashita für das Drehbuch verantwortlich. Mit einem Budget das mit fünfzehn Millionen Dollar nur ein Drittel des von Flags ausmachte, gelang Eastwood ein beeindruckender Film, der ebenfalls wie Flags in sehr grauen und ausgebleichten Bildern daherkommt und zu Recht für vier Academy Awards nominiert worden ist. Das die Dreharbeiten in Kalifornien stattfanden merkt man dem Film nicht an und ist sicher auch Ursache für sein geringes Budget. Es ist, wenn man bedenkt dass Eastwood den Film in japanischer Sprache drehte, beachtlich, dass Letters dennoch in Amerika dreizehn Millionen Dollar einspielen konnte, auch wenn er selbstverständlich in Japan – wo er fünf Wochen auf Platz Eins stand – sehr viel erfolgreicher war. Dies erklärt sich wohl auch in der Besetzung der zweiten Hauptrolle mit dem Mitglied der Boygroup Arashi, Kazunari Ninomiya, während die erste Hauptrolle vom Export-Japaner Ken Watanabe ausgefüllt wird.

Flags of Our Fathers (2006)

No sense being a hero if you don’t look like one.

Mitten im Kriegsgeschehen trifft das Publikum zum ersten Mal auf John „Doc“ Bradley (Ryan Phillippe), Sanitäter eines US-Marine Corps in der Schlacht um den Hügel Suribachi auf der japanischen Insel Iwo Jima. Ein kurzer Erinnerungsfetzen eines alten Mannes, wie sich kurz darauf herausstellt, aber die Erinnerung ebbt nicht an und kehrt zurück in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Bradley und seine Kameraden rund um den amerikanischen Ureinwohner Ira Hayes (Adam Beach) und Rene Gagnon (Jesse Bradford) machen sich bereit um den Strand von Iwo Jima einzunehmen. Am fünften Tag der Schlacht gelingt es schließlich einigen Soldaten von Bradleys Einheit Suribachi einzunehmen und im patriotischen Geiste hissen die fünf Männer schließlich eine amerikanische Flagge. Da diese Flagge jedoch als Andenken zurück nach Washington sollte, wurden Bradley, Hayes, Gagnon und drei weitere Männer ihres Korps angewiesen eine zweite Flagge zu heißen. Diese Hissung wurde von Joe Rosenthal photographiert und markierte schließlich in den USA eine riesige Propagandawelle für Kriegsspenden, zu deren Zweck Bradley und seine beiden überlebenden Kameraden in die Heimat abberufen werden.

In ausgebleichten grauen Bildern konzentriert sich Eastwood in seinem Film auf ein Kapitel in Bradleys Buch – was ihm hinterher von vielen Menschen vorgeworfen wurde. Das Augenmerk setzt der Altstar dabei weniger auf die Schlacht und ihren Ausgang per se, als auf die Wirkung welche die Flaggenhissung auf das Leben der drei überlebenden Soldaten hatte. Insbesondere Hayes hatte es widerstrebt, für etwas als Held bezeichnet zu werden, was er nicht geleistet hat. Während der Schönling Gagnon in Rosenthals Bild (s)ein Ticket nach Hause sah und die Situation ausnutzen wollte, zerstörte das Photo sozusagen Hayes Leben. Bradley wird dabei als das Herz der Gruppe dargestellt, als Leim der alles zusammenhält. Während ihre Freunde und Kameraden in Japan starben und noch sterben, lassen sich die Drei breitschlagen durch das Photo Geld für den Krieg zu sammeln, damit dieser weitergehen kann und ihre Freunde nicht umsonst gestorben sind. Wirklich ändern tut sich jedoch nichts in dem Leben der drei, für Hayes und Gagnon soll es später sogar schlechter laufen, als sie es sich dachten, während insbesondere Hayes und Bradley immer wieder von Erinnerungen aus Iwo Jima heimgesucht werden, welche auch das Publikum zurück zu den wahren Ereignissen führen.

Hier liegt einer der Schwachpunkte des Filmes: die Rückblenden. Laut Haggis’ Aussage ließ sich das Buch nicht ohne sie und die daraus resultierende unlineare Struktur verfilmen, Eastwood setzt sie jedoch so ein, dass es mitunter störend wirkt. Dreißig Sekunden in Iwo Jima folgen zwei Minuten in den USA und daraufhin wieder eine Minute in Iwo Jima und dann wieder die USA. Hier wäre es besser gewesen, wenn er den Film in größeren, mindestens zehn Minuten langen Schritten erzählt hätte, da es durch seine kurzen Momente und das Kriegsgetümmel schwer fällt die verschiedenen Charaktere, vor allem Iggy und Franklin auseinander zu halten. Auch die finalen fünfzehn Minuten mit Ausblick auf den Lebensweg der Figuren sind schließlich zu langatmig geraten. Den Höhepunkt des Films markiert sicherlich die Szene um den Austausch der Flaggen, welcher von einer besonderen inneren Ruhe getragen zu werden scheint. Auch die Szenen um das Ableben von Mike Strank (Barry Pepper) oder Hank Hansen (Paul Walker) sind außerordentlich gut geraten, sodass sich sagen lässt, dass Flags of out Fathers dort am besten ist, wo die Handlung auf Iwo Jima spielt. Denn gerade von Pepper (der hier in seinem dritten Kriegsfilm spielt), Walker oder auch Robert Patrick hätte man generell noch gerne mehr gesehen.

Es dreht sich also alles um das Photo von Rosenthal, welches in der Heimat als Hoffnungsschimmer und Siegeszeichen wahrgenommen wird und für das stellvertretend mit Bradley, Hayes und Gagnon die einzigen drei Überlebenden zu Helden stilisiert werden. Als herauskommt, dass es gar nicht diese sechs waren, sondern andere fünf, welche für die Hissung verantwortlich sind, ist der Propagandazug bereits im Rollen. Kriege sind kostspielig und müssen unter allen Umständen gewonnen werden – zu diesem Zweck soll Rosenthals Photo dienen und selbst Präsident Truman erwartet von den drei Soldaten nichts anderes, als dass sie ihre Rollen spielen. Diese spielen zwar mit, damit das Leben ihrer gefallenen Kameraden nicht umsonst vergeudet wurde, übersehen aber dass eine Verlängerung des Krieges das Leben weiterer Kameraden kosten wird. Wie sehr ein einzelnes Photo den Verlauf eines Krieges beeinflussen kann ist dabei erstaunlich inszeniert und sicherlich eine Sichtung wert – den Status als Meisterwerk verdient sich Eastwoods Film dann aber nicht, auch wenn es einer der besseren Kriegsfilme ist.

7/10


Letters from Iwo Jima (2006)

See you on the other side.

Japanische Archäologen stoßen bei Ausgrabungen in Iwo Jima auf eine Tasche voller Briefe. Es handelt sich um Briefe der japanischen Soldaten, welche die Insel im Februar und März 1945 gegen die USA verteidigt haben. Einer dieser Soldaten ist der junge Bäcker Saigo (Kazunari Ninomiya), welcher lieber heute wie morgen den Amerikanern die Insel überlassen und zurück zu seiner schwangeren Frau kehren würde. Aber die Ankunft des neuen Generals Kuribayashi (Ken Watanabe) macht ihm wieder Hoffnung, da er sich als Freund und Vorbild seiner Soldaten erweist. Bei seinen Leutnants dagegen stößt er auf Widerspruch, da er den Strand nicht verteidigen und stattdessen die umliegenden Hügel mit Tunneln aushöhlen will. Als Kuribayashi die Nachricht erhält, dass weder die Luftwaffe noch die Marine die Verteidigung von Iwo Jima unterstützen werden, erkennt er, dass es sich um seine Suizidmission handelt und versucht dennoch die Verteidigung der Insel so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Als die Amerikaner schließlich eintreffen, spaltet sich Kuribayashis Truppe in zwei Lager, während die einen wie Leutnant Ito den ehrenvollen Tod suchen, bilden Kuribayashi und seine Anhänger um Saigo und Baron Nishi eine letzte Verteidigungsfront.

Wieso die Deutschen glaubten den Film synchronisieren zu müssen, bleibt wohl mal wieder im Unklaren, es ist jedoch selbstverständlich zu empfehlen Letters in der Originalsprache mit Untertiteln anzusehen. Wie bei allen asiatischen Filmen schon allein deswegen, weil die Sprache sehr viel wohlklingender und gewichtiger ist. Sehr schön in Szene gesetzt wird hierbei die Insel Iwo Jimo – auch wenn unklar bleibt, was alles wirklich Iwo Jima ist, und was nachgestellt – bedingt durch die wie bei Flags sehr ausgebleichten Bilder. Die erste Hälfte der Handlung, welcher der Vorbereitung auf die Invasion dient, ist dabei ausgesprochen ruhig geraten und dient der Charaktereinführung. Diese ist gegenüber Flags sehr viel besser und ausgearbeiteter, weshalb einem die Figuren recht schnell ans Herzen wachsen, insbesondere natürlich der schusselige Saigo, der in der Tat an der Front total fehl platziert zu sein scheint. Dass gerade Saigo ein fiktiver Charakter ist, macht das ganze dann auch sehr viel verständlicher. Überaschenderweise – auch wenn es einen rassistischen Unterton hat – fällt es einem bei Letters sehr viel leichter die Charaktere auseinander zu halten, als bei seinem amerikanischen Pendant, obschon Asiaten für das ungeschulte Auge alle „gleich“ auszusehen pflegen. Die Besetzung einer wichtigen Figur wie Saigo mit einem Popstar klappt hierbei vielleicht auch nur deswegen besser als in den USA z.B. mit Justin Timberlake, weil die Band Arishi in Europa (und Amerika) ziemlich unbekannt ist. Trotz allem macht Ninomiya seine Sache durchaus gut.

Kritisch beäugt wurde die Darstellung japanischer Kultur, welche sich in Letters natürlich vor allem durch den gewählten Freitod vieler Charaktere widerspiegelt. Wenn auch Klischee dürfte dies für den Zweiten Weltkrieg sicher noch der Fall gewesen sein, besonders dann, wenn der eigene Tod wie im Fall der Iwo Jima Soldaten mit großer Wahrscheinlichkeit sicher gewesen zu sein scheint und man den „ehrenvolleren“ Ausweg wählen wollte. Unmut zog auch die Gestapo-Darstellung der Kempeitai nach sich, deren Vertreter der Soldat Shimizu (Ryo Kase) darstellt. Dies mündet auch in den großen Kritikpunkt von Letters, der ähnlich wie in Flags zu Tage tritt: die Rückblenden. Diese sind in Letters absolut unnötig und bringen die Handlung in keinem Fall weiter, was ihre Einfügung ziemlich unverständlich macht. Die Kritik an den Kempeitai (Shimizu) oder der ehrenvolle Tod für Vaterland und Kaiser (Saigo), sowie die Tatsache, dass man auch manchmal gegen einen Freund kämpfen muss (Kuribayashi) führen nirgendwo hin und sind unerheblich. Gerade wenn man sie weggelassen hätte, wäre die Geschichte dadurch aufgewertet worden und hätte die aussichtlose Isolation der Männer auf Iwo Jima noch verstärkt.

Neben den Rückblenden bildet eine zweite Szene den großen Kritikpunkt und zwar die Darstellung der verschiedenen Militärkulturellen. Als der xenophile Baron Nishi einen verwundeten amerikanischen Soldaten pflegen lässt wird demgegenüber eine Szene gestellt, in der zwei japanische Kriegsgefangene von den Marines kaltblütig erschossen werden. Was das genau sollte fragt man sich umsonst, vor allem wenn man bedenkt, dass eine solche Handlung immer situations-, bzw. charaktergebunden ist. Denn Leutnant Ito hätte fraglos anders gehandelt, als es Nishi getan hat. Diese Szenen, sowie die Rückblenden und die unnötige Ein- und Ausleitung über die Archäologen sind also die Schwachpunkte des Filmes, der trotz allem ein kleines poetisches Meistwerk ist und es ohne Zweifel mehr verdient gehabt hätte der beste Film 2007 zu sein, als dieses billige amerikanische Remake eines anderen asiatischen Meisterwerks. Auch in dem Œuvre von Mr. Eastwood nimmt Letters eine vorrangige Stellung ein und gehört zu den Filmen, die man in diesem Jahr gesehen haben sollte, da der Film nicht nur für sich genommen bemerkenswert ist, sondern dies noch von der Tatsache verstärkt wird, dass es sich um einen Film mit amerikanischer Intention handelt.

8.5/10

11. November 2007

Mystic River

Things lookin’ any better on the Sprite?

Drei Jungen spielen Straßenhockey, da verschlägt Dave den Ball und er rollt in einen Gulli hinunter – das Spiel der drei ist beendet. Jimmy schlägt vor ein Auto zu knacken und es um den Block zu fahren, Sean ist jedoch dagegen. Stattdessen wollen die drei ihre Namen in frischen Zement schreiben, werden aber durch das Eintreffen zweier Zivilpolizisten dabei unterbrochen. Der Polizist fragt wo die Jungs wohnen, Dave ist der einzige, der nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Seine Autorität ausnutzend zwingt der Polizist Dave auf seine Rückbank, Jimmy und Sean schauen zu wie ihr Freund Dave eskortiert wird. In kurzen Schnitten wird nun offenbart, dass es sich nicht um Polizisten, sondern Pädophile gehandelt hat, welche Dave in einem Keller missbrauchten, ehe es im gelang zu fliehen. Mehrere Jahre später sieht man nunmehr einen sichtlich verstörten Dave (Tim Robbins) mit seinem Sohn an ebenjener Strasse vorbeilaufen, an der eins seine eigene Jugend zerstört wurde. Dave ist mit Celeste (Marcia Gay Harden) verheiratet, einer Cousine von Annabeth (Laura Linney), der Frau von Jimmy (Sean Penn). Dieser ist seiner kriminellen Natur anheim gefallen, beweist sich jedoch als liebevoller Vater seiner drei Töchter. Als seine älteste eines Nachts ermordet wird tritt Sean (Kevin Bacon), nunmehr Kriminalbeamter im Staatsdienst, auf und muss gemeinsam mit seinem Partner Whitey (Laurence Fishburne) Dave als Tatverdächtigen untersuchen.

Die Geschichte von Mystic River basiert auf einem Roman von Dennis Lehane und wurde für die Kinoleinwand von dem Oscarpreisträger Brian Helgeland (L.A. Confidential) adaptiert. Im Jahr 2003 wurde Clint Eastwoods Film für sechs Oscar nominiert, neben dem besten Film, dem besten adaptierten Drehbuch, der besten Nebendarstellerin (Marcia Gay Harden) und der besten Regie konnte er in den Kategorien bester Haupt- (Penn) und Nebendarsteller (Robbins) auch zwei Preise entgegennehmen. Mit einem tollen und perfekt aufspielenden Schauspielerensemble erzählt Eastwood seine Geschichte über Rache und Sühne in den Arbeitervierteln von Boston vor allem durch die Verwendung von Kamerakränen. In fast jeder Szene verwendet er eine solche Kamerafahrt, am liebsten für die Übergänge zwischen den Szenen. Zwar nett anzusehen, jedoch ziemlich überflüssig. Seinen eigenen Angaben nach wusste Eastwood sofort als er das Buch von Lehane (dessen weiterer Roman Gone Baby Gone dieses Jahr von Ben Affleck inszeniert worden ist) gelesen hatte, dass dies sein nächster Regiestoff werden sollte und konnte hierfür viele Stars bis in die Nebenrollen (Emmy Rossum, Eli Wallach) gewinnen. Mit seiner Einleitung schafft der Film ein Paradebeispiel für einen Vorfall, welcher selbst Autor Lehane widerfahren ist: Kinder, steigt nicht zu fremden Männern ins Auto! Nur weil sich jemand als Polizist ausgibt, heißt dies nicht, dass er einer ist. Und wie Jimmy und Sean dem Auto hinterher blicken, offenbart dies ihre zukünftige Einstellung und Karriere. Jimmy, der designierte Autoknacker, scheint sein Vertrauen in das Gesetz verloren zu haben und nun nach seinen eigenen Richtlinien zu leben, während Sean den Polizeiberuf wählte, um gerade solches Unrecht nicht mehr auftreten zu lassen. Dave dagegen lebt gefangen in seiner eigenen Welt voller Angst.

An zwei Abenden sollen sich die Schicksale aller Charaktere treffen und das Leben von allen verändern. Jimmys Tochter will mit ihrem Freund nach Las Vegas ausbüchsen und feiert ein letztes Mal mit ihren Freundinnen, kommt danach jedoch nicht mehr lebend nach Hause. Am selben Abend hat Dave sie noch gesehen und kehrte anschließend verletzt und blutüberströmt nach Hause, erklärt seiner Frau jedoch, dass er einem Überfall entkommen ist. Jimmy, von Schmerz verzerrt, will das Gesetz in die eigenen Hände nehmen und beordert seine Jungs nach Beweismaterial zu suchen. Auch Sean und sein Partner Whitey untersuchen den Fall, möglichst bevor Jimmy etwas Dummes tun kann. Während Sean den Freund der Toten verdächtigt, hat Whitey sein Augenmerk auf Dave gerichtet, auch Celeste hegt allmählich Verdachtsmomente gegen ihren Mann und so nimmt die Geschichte langsam einen dunklen Verlauf, hinüber ins Misstrauen. Dass alle drei Freunde hierbei im Laufe des Filmes von sich behaupten, nicht miteinander befreundet zu sein, spricht für ebenjenen Tag, an welchem nicht nur Daves Unschuld, sondern die Unschuld aller drei geraubt wurde und die Bande zwischen ihnen zerstört hat.

Daves Schicksal wird schließlich zweimal in einander gegenübergestellten Szenen bestimmt, denn zweimal steigt er zu zwei Männern ins Auto ein, die ihm nichts Gutes wollen. Verraten und verkauft ist Dave, dessen wahres Ich damals in Keller gestorben zu sein scheint. Keiner will ihm glauben, manches spricht gegen ihn, z. B. Blut in seinem Kofferraum. Seltsam ist jedoch, dass die forensische Abteilung keine DNA-Untersuchung an dem Blut vornehmen kann, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Katies (Emmy Rossum) Blut handelt. Dies hätte Dave mit Sicherheit entlastet, auf diese Idee kommt jedoch keine der Figuren. Die Tatwaffe wird gefunden und zu einem gewissen Ray Harris zugeordnet, ebenjener Ray Harris, der Jimmy einst verraten und danach scheinbar seine Familie, seinen Sohn Brandon, verlassen hat, welcher nun mit Katie zusammen war. Auch dieses Indiz bleibt ohne wirkliche Berücksichtigung. Genauso wie der Notruf am Tatabend, den sich die ermittelnden Polizisten erst Tage später anhören! Schlampiger kann man wohl nicht arbeiten und allgemein plätschert die Geschichte nur so vor sich hin, dreht sich im Kreis, macht keinen Sinn und stagniert. Hier hat man Dave als Tatverdächtigen, mit Blut im Kofferraum, welches man jedoch nicht untersuchen will. Die Tatwaffe wird mit jemanden aus Jimmys Vergangenheit in Verbindung gebracht – Pustekuchen, warum groß ermitteln. Dehane schreibt seine Geschichte so, dass kein anderer Ausweg übrig bleibt, als der, welchen er schließlich in seiner Geschichte offeriert. Dabei ignoriert er alle logischen Lösungen für das von ihm gestellte Problem.

So gut die Schauspieler und Schauspielerinnen auch spielen, das Ambiente, die Optik stimmt – so sehr hadert Mystic River mit seiner inkonsequenten und schlechten Handlung. Die Charaktere verhalten sich unnatürlich, sehen nur dass, was sie sehen wollen und lassen ins Auge fallendes Beweismaterial einfach außer Acht. Dave wird dabei als klassisches Sexualopfer inszeniert und ist damit für Whitey schon im Vorfeld vorverurteilt. Die finale Auflösung ist dabei in ihrer Aussage nicht nur absolut unwahrscheinlich, da sich alles auf die reinsten Zufälle – oder absurdes Schicksal – beruft, sondern auch vollkommen profan, billig, armselig. Wie die Figuren am Ende nicht nur mit dem Verlauf der Handlung, sondern auch mit sich selbst umgehen, ist logische Konsequenz aus den ganzen anderen unlogischen Handlungen durch den Film hinweg. Nach dem Motto „nach mir die Sinflut“ widmet sich alles wieder den alten Gepflogenheiten, auf ebenjener Strasse, in der einst ihre Freundschaft und ihre Kindheit jäh beendet wurden. Mystic River will vieles sein, was er nicht ist, spannend, gewichtig – was am Ende bleibt, ist ein technisch gut gemachter, sehr gut gespielter, durchschnittlicher und überbewerteter Krimi, mit einer äußerst schwachen Story und Nebenhandlungen (Seans Frau), die irrelevant für die Handlung und langweilig sind. Das beste am Film sind in der Tat die Darstellungen von Penn und Robbins – der Rest ist Schweigen.

5.5/10