Posts mit dem Label Emmy Rossum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Emmy Rossum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. April 2011

Kurz & Knackig: US-Serien Teil V

Community - Season One

Had I not already cried at the sunrise this morning I would be weeping right now.

Manchmal begegnet man Serien, die nicht wirklich gut sind, die einem aber doch ans Herz wachsen. Primär wegen ihrer Figuren, bisweilen auch, weil das Format seiner eigenen Prämisse in ein, zwei Szenen exzellent gerecht wird. So gibt es Licht und Schatten im Kritikerliebling 30 Rock, wusste die Spionage-Komödie Chuck im ersten Jahr irgendwie doch zu gefallen und ließ einen über die Jahre hinweg am Ball halten oder vermochte Arrested Development hier und da zu beweisen, warum sie für viele als die beste Sitcom im Fernsehen galt. Ähnlich verhält sich das alles auch bei Dan Harmons College-Serie Community - sympathische Figuren, teilweise geniale Szenen, aber in ihrer Summe eine unterdurchschnittliche Serie.

Die Prämisse der Sitcom ist schnell erzählt. Anwalt Jeff (Joel McHale) wird sein Abschluss aberkannt, weshalb er diesen an einem Community College nachholt. Weil er das Blondchen Britta (Gillian Jacobs) heiß findet, bietet er ihr Spanischnachhilfe an, während Britta jedoch noch fünf weitere Mitglieder des gemeinsamen Spanischkurses zu dem Lernkreis einlädt. Eine kunterbunte Truppe, von den High School Abgängern Annie (Alison Brie) und Troy (Donald Glover) über den palästinensisch-amerikanischen Abed (Danny Pudi), bis hin zur alleinerziehende Shirley (Yvette Nicole Brown) und Gasthörer Pierce (Chevy Chase). Fortan freundet sich die Gruppe an, obschon dies nur bedingt wirklich nachvollziehbar ist.

So erscheint Pierce als sexuell belästigender Rassist und Abed ist eine wandelnde Film- und Serienenzyklopädie ohne echte Sozialkompetenz. Passenderweise, Sitcom hin oder her, wird auch nie thematisiert (nicht mal humoristisch, davor hatte Harmon dann wohl Angst), dass sich hier mit Abed ein Palästinenser und mit Annie eine Jüdin anfreunden. Auch sonst fragt man sich, ob die Charaktere eigentlich nichts besseres zu tun haben, als miteinander abzuhängen beziehungsweise wie sich zum Beispiel Jeff finanziell über Wasser hält, wo er ja nun nicht mehr praktizieren kann. Stattdessen verkommt die Serie zur Sozialschmelztiegel-Comedy, die sogar ein Mal von Jack Black, Owen Wilson und Tony Hale unterstützt wird.

Das Niveau der Folgen ist fast durchgängig unterdurchschnittlich, lediglich Modern Warfare brennt ein Feuerwerk der Sonderklasse ab, wenn unter anderem Die Hard, Lat sau san taam und 28 Days Later reminisziert wird. Filmzitate gibt es ohnehin en masse, von Good Will Hunting in English as a Second Language bis hin zu The Breakfast Club in Communication Studies. Grundsätzlich hat Community Potential, sei es durch Donald Glover, den heimlichen Star der Serie, Ken Jeongs Señor Chang oder das absurd-hässliche College-Maskottchen. All das hilft der Serie zwar qualitativ nicht sonderlich weiter, verleiht ihr jedoch einen gewissen Charme. Weshalb einem Community ans Herz wächst, auch wenn sie nicht besonders gut ist.

6.5/10

Luther - Season One

One coffee doesn’t make us friends.

Was macht ein Schauspieler eigentlich, wenn er Zeit seines Lebens nur mit einer Rolle in Verbindung gebracht wird? Dieser lange Schatten, den er nie ausfüllen kann. Egal ob Sean „James Bond“ Connery, Elijah „Frodo“ Wood oder Tobey „Spider-Man“ Maguire. Wer an sie denkt, denkt zugleich an ihre große Rolle. Auch, weil nichts nachkommt, kein Charakter, der sie ablöst. Und wenn, reiht er sich nur daneben, wie im Falle von Harrison Ford, der für die einen eher „Han Solo“ und für die anderen mehr „Indiana Jones“ ist. Und wenn man Idris Elba begegnet, dann kommt man nicht umhin, an Stringer Bell zu denken, jene charismatische Figur aus The Wire. Und daran wird auch seine neue Serie, Luther, nichts ändern.

John Luther (Idris Elba) ist Chefermittler des Londoner Morddezernats und in dieser Funktion “influenced by both Sherlock Holmes and Columbo”, so Serienschöpfer Neil Cross. Daher weiß Luther kaum am Tatort auch bereits, wie der Hase läuft und es dauert stets weniger als die Hälfte der Sendezeit, ehe der Tatverdächtige bereits am Start ist. Aber Luther ist nicht irgendwer, sondern menschlich. Weswegen er einen Frauenmörder auch einst in seinen vermeintlichen Tod stürzen ließ, statt ihn zu retten. Nach psychischem Kurzschluss arbeitet er ab Episode 1 wieder, aber die Ehe mit Zoe (Indira Varma) ist dennoch am Arsch. Und dann ist da noch Soziopathin Alice (Ruth Wilson), die einen Narren an Luther gefressen hat.

Die Figuren in Luther sind Abziehbilder aus dem Ermittlerserien-Paniniheft (immerhin ist Luther kein Alkoholiker). Die absurde „Freundschaft“ zwischen Elbas Figur und der grandios fehlbesetzten Wilson als Hannibal Lecter mit Titten funktioniert bezeichnenderweise zu keinem einzigen Zeitpunkt und wenn Alice plötzlich Zoe bedroht und Luther mit großen Augen hilflos daneben steht, wünscht man sich mehr als ein Mal Stringer her, damit er dieser Hanswurst in den Arsch tritt. Luther ist in den meisten Fällen einfach nur enttäuschend lächerlich in dem, was die Serie versucht zu erzählen. Episode 2 ist hier noch am erträglichsten ausgefallen und das trotz (!) des peinlichen, aus Bond-Filmen entlehntem, Finale.

Es ist eine Schande, dass Idris Elba (der bei diesem Desaster auch noch als Produzent fungiert) zwischen coolen Rollen wie RocknRolla und The Losers zu Charakterschrott wie Obsessed und Luther hin- und hergereicht wird. Die Serie, die sich zum Ende hin in einem sichtlich bemühten, aber vollkommen realitätsfernen Twist versucht, ist in ihrem blitzgescheiten und auf einen kantigen Charakter zugeschnittenen Ermittlungsformat wohl allenfalls (oder: besonders) etwas für Fans von Serien wie House M.D. und Damages als deren Zwitter sich Luther auch mehr als offensichtlich anbiedert. Und obschon die Serie wahnwitziger Weise in eine zweite Staffel zu gehen scheint, wird Idris Elba auch weiterhin Stringer Bell bleiben.

4/10

Life Unexpected - Season Two

We’re all gonna be okay.

Vielleicht mit das größte Problem von Liz Tigelaars Life Unexpected fand sich in ihrer ersten Staffel in der Figur von Lux (Brittany Robertson). Ein Pflegekind, das mit 16 Jahren statt emanzipiert zu werden, in die Obhut seiner natürlichen Eltern kommt - und diese zum ersten Mal trifft. Robertsons Rolle leidet am Nerviges-Kind-Syndrom, was auch nicht dadurch entschuldigt wurde, dass die Serie auf dem Teenie-Sender The CW ausgestrahlt wurde. Altkluge Ratschläge an ihre Eltern Baze (Kristoffer Polaha) und Cate (Shiri Appleby) verfügten immer keinen Hintergrund und wirkten stets sehr egoistisch. Teenager eben. Leider ändert sich das in der zweiten Staffel nicht, obschon diese manches richtig zu machen versucht.

Denn jede der Figuren bekommt ein eigenes Päckchen zu schultern, womit diese zumindest beschäftigt sind. Versuchen Cate und Ryan (Kerr Smith) ihre Ehe zusammen zu halten, beginnt Baze eine Beziehung mit Emma (Emma Caulfield), seiner Vorgesetzten, und Lux wiederum eine Affäre mit ihrem Englischlehrer Eric (Shaun Sipos). Das ist zwar alles an sich interessant und wird später noch durch einen alten Missbrauchsskandal von einem von Lux’ Pflegevätern komplettiert, die gesamte Staffel vermögen jedoch auch diese sehr simpel gehaltenen und sich zugleich ähnlichen Handlungsstränge nicht zu tragen. Was besonders deswegen anstrengend ist, weil Lux besonders anstrengend ist. Teenager eben.

Aber wahrscheinlich empfindet man das einfach so, wenn man alterstechnisch näher an Cate denn Lux ist, das Besserwisserische Verhalten von Letzterer angesichts ihrer fraglosen moralischen Disposition gereicht Life Unexpected jedenfalls nicht zum Vorteil. Auch die übrigen Figuren verlieren sich etwas in ihrem redundanten Profil (wie viele Knüppel kann man Cates und Ryans Beziehung eigentlich zwischen die Beine werfen?). Erfrischend dramatisch wird es da erst, wenn Lux plötzlich gegen ihren ehemaligen Pflegevater aussagen muss, weshalb Thanks Ungiven und Stand Taken gegen Ende der Staffel auch die überzeugendsten Episoden eines zweiten Jahres voller Durchschnittlichkeit ausmachen.

Grundsätzlich hätte sich die Serie sogar zum Vorjahr gesteigert, wäre da nicht dieses grausige Serienfinale in Affair Remembered. In den letzten Minuten schlägt Tigelaar einen Salto Mortale - mit verheerendem Ausgang. Wie die Figuren hier in Zuschauererwartungen gepresst werden, hat durchaus etwas von charakterlicher Vergewaltigung und läuft im Grunde auch dem zuwider, was sich insbesondere die zweite Staffel erarbeitet hat. Hier erhielt ein Ende mit Schrecken den Vorzug vor dem Schrecken ohne Ende, ohne dass davon irgendwer profitiert hätte. Letztlich war Life Unexpected eine Serie, die nie so recht wusste, wo sie eigentlich hin wollte, aber stets vorgab, ihren Weg zu kennen. Wie Teenager eben.

7/10

Southland - Season Three

Sometimes doing the right thing is the wrong thing.

Es entspricht der US-amerikanischen Mentalität, dass man aufsteht, wenn man hinfällt. So gesehen ist Southland eine durch und durch amerikanische Serie, die sich auch von jährlichen Einstellungen nicht kleinkriegen lässt. Bereits zum zweiten Mal kehrte die Cop-Show nun zurück, nachdem ihr Sender wenig Verwendung für sie fand. Aber alles hat einen Preis und für Southland lautet er: eine Budgetkürzung um mehr als 30 Prozent, weshalb die einen Darsteller ein geringeres Gehalt erhielten und andere gleich ganz aus der Serie geschrieben wurden. Der Lohn waren mehr oder weniger konstante zwei Millionen Zuschauer (nur 20 Prozent der Zuschauer der Pilot-Folge) und zehn gelungene Folgen.

Im Gegensatz zur zweiten Staffel Life Unexpected laufen hier drei Handlungsstränge relativ problemlos über die gesamte Zeit, unabhängig davon, dass sie stagnieren. Sherman (Ben McKenzie) ist in seinem dritten und letzten Ausbildungsjahr und kämpft immer noch gegen Coopers (Michael Cudlitz) Schmerzmittelabhängigkeit, während es Adams’ stete Hauptaufgabe ist, mit ihrem Partner, in diesem Fall der Chicana Josie Ochoa (Jenny Gago), klar zu kommen. Die größte Dynamik erhält die Figur von Sammy (Shawn Hatosy), der eine persönliche Vendetta gegen die Chicano-Gangs beginnt, nachdem diese während einer nächtlichen Kontrollfahrt seinen Partner Moretta (Kevin Alejandro) ermordet haben.

Abgesehen davon ändert sich in Southland nicht viel - schon gar nicht, dass auch im dritten Jahr die beste Folge, hier: Let It Snow, den Auftakt bildet. Zwar will einem nicht alles immer koscher erscheinen, angesichts dessen, was man präsentiert bekommt, wirkt es jedoch nachvollziehbar. Zum Beispiel, dass Sherman weiterhin loyal-schweigend mit Cooper seine Runden dreht, was ob seiner immer wieder gezeigten Unerfahrenheit und der Tatsache, dass Cooper sein Ausbilder ist, verständlich erscheint. Auch die eher ertragene, denn gelebte Beziehung zwischen Adams und Ochoa kommt letztlich auf einen gemeinsamen Nenner. Die Intensität der Sammy-Bryant-Storyline weiß jedoch keine von ihnen zu erzeugen.

Im Gegensatz zu anderen Serien handelt es sich hierbei nicht um ein Format, das jede Staffel ein bestimmtes Thema abarbeitet, weshalb Southland relativ leger ein- wie aussteigen kann. Durch die verstärkte Emotionalität rückt dabei Hatosy in den Mittelpunkt der Show und überflügelt die etwas zurücksteckenden King und McKenzie in der Zuschauergunst. Grundsätzlich ist Southland eine mehr als solide Serie, die das liefert, was man erwartet - nicht mehr und nicht weniger. Und dem Schicksal der ersten und zweiten Staffel zum Trotz, scheint es ganz so, als würde die Serie dieses Jahr die angedrohte Einstellung vermeiden. Weshalb nichts dagegen spricht, im Herbst wieder auf Streife zu gehen.

7.5/10

Shameless - Season One

Fucking Gallaghers.

In Zeiten, in denen Hollywood nahezu jedem europäischen Film (bevorzugt aus Schweden oder Frankreich) ein Remake verleiht, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, verwundert es auch nicht, dass selbst Fernsehserien in das heimische TV-Haifischbecken geworfen werden. Beliebter Zulieferer sind hierbei die Briten, von denen bereits erfolgreich The Office, aber auch Being Human, sowie weniger gelungen Serien wie Cold Feet eingekauft wurden. Das jüngste Adoptivkind ist nunmehr der BAFTA-Gewinner Shameless, eine vor sieben Jahren von Paul Abbott (State of Play) geschaffene Serie über den Alkoholiker und Versicherungsbetrüger Frank Gallagher, sowie seine sozial vernachlässigten sechs Problemkinder.

Im Vergleich mit Frank (William H. Macy) erscheint Al Bundy als Mustervater und selbst die Flodders haben es schwer, mit der Asozialität der Gallaghers mitzuhalten. Während Frank seine Sozialhilfe in der Eckkneipe versäuft, ist es die älteste Tochter Fiona (Emmy Rossum), die seit der Flucht der Mutter vor knapp zwei Jahren den Haushalt schmeißt. Eher widerwillig lässt sie Steve (Justin Chatwin), Autodieb aus gutem Hause, hinter ihre Barrikaden blicken, während ihre Geschwister wie der homosexuelle Ian, der eine Affäre mit seinem muslimischen Vorgesetzten unterhält, eigene Probleme haben. Die Großmutter sitzt derweil wegen fahrlässiger Tötung zweier Studenten bei einem Meth-Lab-Unfall im Knast.

Das Familienleben der Gallaghers ist Chaos pur, die Kinder unterschiedlich anstrengend und dementsprechend auch die Sympathien verteilt. Lip (Jeremy Allen White), das Familiengenie, funktioniert neben Justin Chatwin noch am ehesten als Identifikationsfigur, während gerade Carl, der Zweitjüngste, eher verstört. Die Serie selbst ist nach einem einfachen Schema aufgebaut: Franks Egoismus gefährdet das Familienüberleben und Emmy Rossum ist wie Shanola Hampton und Laura Slade Wiggins vertraglich verpflichtet, mindestens jede zweite Folge ihre Titten in die Kamera zu halten. Die eigentlichen Geschichten sind in ihrer Absurdität meist etwas over the top geraten, aber dies auf durchschnittlichem Niveau.

Neben der Pilot-Folge überzeugt It’s Time to Kill the Turtle am meisten, grundsätzlich leidet die US-Adaption jedoch darunter, dass sie ihr UK-Pendant einfach nacherzählt und es somit im Gegensatz zu The Office versäumt, etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Sinn und Zweck des Ganzen ist also in Frage gestellt, Shameless für Kenner des Originals daher eher ein frisch aufgewärmter alter Hut in neuem Gewand. Spannend wird es vielmehr in der zweiten Staffel und ob Showtime hier weiterhin konsequent dem Original treu bleibt. Ob der Sender sein US-Remake ebenso lang am Leben halten kann, wie das britische Original (das in das neunte Jahr geht) bleibt trotz bisheriger guter Quoten allerdings fraglich.

7/10

No Ordinary Family - Season One

Everything is not what it seems.

In Hollywood herrscht Ideenarmut und Kreativitätsdürre. Da erhält Spider-Man kein Jahrzehnt nach seinem Debüt bereits ein Reboot und sogar Batman soll ein derartiges erfahren, ehe überhaupt die Dreharbeiten zu dessen Trilogieabschluss begonnen haben. Wen wundert es da, dass selbst im Fernsehen alte Stoffe wiederverwertet werden, ehe sich der Staub beginnt auf sie zu legen? Im Falle von No Ordinary Family stellt sich dies in einer Realfilmversion von Pixars The Incredibles dar. Hier wird eine Kleinfamilie mit Superkräften ausgestattet, was es der Serie von Jon Harmon Feldman und Greg Berlanti gewährt, sogar ganze Subplots aus dem Animationsfilm zu entnehmen und für eigene Zwecke zu recyclen.

Nachdem ihr Flugzeug in Südamerika bei einem Familienausflug abstürzt, stellt die Familie rund um Polizeizeichner Jim Powell (Michael Chiklis) und Biochemikerin Stephanie (Julie Benz) fest, dass ihre DNS verändert wurde und sie Superkräfte entwickelt haben. Jim ist superstark und unverwundbar, Stephanie superschnell, Tochter Daphne (Kay Panabaker) ist telepatisch und Sohn JJ (Jimmy Bennett) hat ein Supergehirn. Speziell für Vater Jim sind die neuen Kräfte nun eine Chance, endlich zu dem Mann zu werden, der er immer sein wollte. Gemeinsam mit Staatsanwalt George (Romany Malco) bekämpft er nachts das Verbrechen, während Stephanie mit Assistentin Katie (Autumn Reeser) die Superkräfte-DNS untersucht.

Bösewichte gibt es dann auch noch, wie Stephanies Boss (Stephen Collins), der Kriminelle mit einem Substitut der Superkräfte ausstattet, sodass altbekannte Comic-Figuren wie Wolverine in neuer Form (hier: Eric Balfour) aufleben. In seiner Rezitationswut, speziell durch Autumn Reesers hottest nerd alive, ist die Serie besonders für Comic-Fans ein gelungenes Unterfangen. Während sich die erste Hälfte der Entdeckung der Kräfte widmet, ist die zweite Hälfte mit mehr dramaturgischen Verknüpfungen ausgestattet. Qualitativ hat dies allerdings kaum einen Einfluss, bewegt sich die Serie doch meist auf einem durchschnittlichen Niveau, mit No Ordinary Powell und dem Finale No Ordinary Beginning als Höhepunkten.

So amüsant es auch ist, wenn JJ seine Kräfte im sportlichen Wettkampf messen will und Daphne wiederum die Aufmerksamkeit von Jungs gewinnt, wenn Jim Verbrechen bekämpfen will und es Stephanie untersagt, so zeugen die Anleihen an The Incredibles (bis hin zum glatzköpfigen afroamerikanischen Sidekick) von Hollywoods Krux. Dass No Ordinary Family im Laufe der Staffel die Hälfte ihrer Quoten einbüßte und damit wohl eingestellt wird (Chiklis und Benz haben schon neue Serienverträge), ist eventuell die Konsequenz der Repetition Hollywoods. Dass die Serie Ansätze besitzt, no ordinary drama show zu sein, hat sie im Staffelfinale gezeigt. Weshalb ABC gut beraten wäre, ihr eine zweite Chance zu geben.

7.5/10

11. November 2007

Mystic River

Things lookin’ any better on the Sprite?

Drei Jungen spielen Straßenhockey, da verschlägt Dave den Ball und er rollt in einen Gulli hinunter – das Spiel der drei ist beendet. Jimmy schlägt vor ein Auto zu knacken und es um den Block zu fahren, Sean ist jedoch dagegen. Stattdessen wollen die drei ihre Namen in frischen Zement schreiben, werden aber durch das Eintreffen zweier Zivilpolizisten dabei unterbrochen. Der Polizist fragt wo die Jungs wohnen, Dave ist der einzige, der nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Seine Autorität ausnutzend zwingt der Polizist Dave auf seine Rückbank, Jimmy und Sean schauen zu wie ihr Freund Dave eskortiert wird. In kurzen Schnitten wird nun offenbart, dass es sich nicht um Polizisten, sondern Pädophile gehandelt hat, welche Dave in einem Keller missbrauchten, ehe es im gelang zu fliehen. Mehrere Jahre später sieht man nunmehr einen sichtlich verstörten Dave (Tim Robbins) mit seinem Sohn an ebenjener Strasse vorbeilaufen, an der eins seine eigene Jugend zerstört wurde. Dave ist mit Celeste (Marcia Gay Harden) verheiratet, einer Cousine von Annabeth (Laura Linney), der Frau von Jimmy (Sean Penn). Dieser ist seiner kriminellen Natur anheim gefallen, beweist sich jedoch als liebevoller Vater seiner drei Töchter. Als seine älteste eines Nachts ermordet wird tritt Sean (Kevin Bacon), nunmehr Kriminalbeamter im Staatsdienst, auf und muss gemeinsam mit seinem Partner Whitey (Laurence Fishburne) Dave als Tatverdächtigen untersuchen.

Die Geschichte von Mystic River basiert auf einem Roman von Dennis Lehane und wurde für die Kinoleinwand von dem Oscarpreisträger Brian Helgeland (L.A. Confidential) adaptiert. Im Jahr 2003 wurde Clint Eastwoods Film für sechs Oscar nominiert, neben dem besten Film, dem besten adaptierten Drehbuch, der besten Nebendarstellerin (Marcia Gay Harden) und der besten Regie konnte er in den Kategorien bester Haupt- (Penn) und Nebendarsteller (Robbins) auch zwei Preise entgegennehmen. Mit einem tollen und perfekt aufspielenden Schauspielerensemble erzählt Eastwood seine Geschichte über Rache und Sühne in den Arbeitervierteln von Boston vor allem durch die Verwendung von Kamerakränen. In fast jeder Szene verwendet er eine solche Kamerafahrt, am liebsten für die Übergänge zwischen den Szenen. Zwar nett anzusehen, jedoch ziemlich überflüssig. Seinen eigenen Angaben nach wusste Eastwood sofort als er das Buch von Lehane (dessen weiterer Roman Gone Baby Gone dieses Jahr von Ben Affleck inszeniert worden ist) gelesen hatte, dass dies sein nächster Regiestoff werden sollte und konnte hierfür viele Stars bis in die Nebenrollen (Emmy Rossum, Eli Wallach) gewinnen. Mit seiner Einleitung schafft der Film ein Paradebeispiel für einen Vorfall, welcher selbst Autor Lehane widerfahren ist: Kinder, steigt nicht zu fremden Männern ins Auto! Nur weil sich jemand als Polizist ausgibt, heißt dies nicht, dass er einer ist. Und wie Jimmy und Sean dem Auto hinterher blicken, offenbart dies ihre zukünftige Einstellung und Karriere. Jimmy, der designierte Autoknacker, scheint sein Vertrauen in das Gesetz verloren zu haben und nun nach seinen eigenen Richtlinien zu leben, während Sean den Polizeiberuf wählte, um gerade solches Unrecht nicht mehr auftreten zu lassen. Dave dagegen lebt gefangen in seiner eigenen Welt voller Angst.

An zwei Abenden sollen sich die Schicksale aller Charaktere treffen und das Leben von allen verändern. Jimmys Tochter will mit ihrem Freund nach Las Vegas ausbüchsen und feiert ein letztes Mal mit ihren Freundinnen, kommt danach jedoch nicht mehr lebend nach Hause. Am selben Abend hat Dave sie noch gesehen und kehrte anschließend verletzt und blutüberströmt nach Hause, erklärt seiner Frau jedoch, dass er einem Überfall entkommen ist. Jimmy, von Schmerz verzerrt, will das Gesetz in die eigenen Hände nehmen und beordert seine Jungs nach Beweismaterial zu suchen. Auch Sean und sein Partner Whitey untersuchen den Fall, möglichst bevor Jimmy etwas Dummes tun kann. Während Sean den Freund der Toten verdächtigt, hat Whitey sein Augenmerk auf Dave gerichtet, auch Celeste hegt allmählich Verdachtsmomente gegen ihren Mann und so nimmt die Geschichte langsam einen dunklen Verlauf, hinüber ins Misstrauen. Dass alle drei Freunde hierbei im Laufe des Filmes von sich behaupten, nicht miteinander befreundet zu sein, spricht für ebenjenen Tag, an welchem nicht nur Daves Unschuld, sondern die Unschuld aller drei geraubt wurde und die Bande zwischen ihnen zerstört hat.

Daves Schicksal wird schließlich zweimal in einander gegenübergestellten Szenen bestimmt, denn zweimal steigt er zu zwei Männern ins Auto ein, die ihm nichts Gutes wollen. Verraten und verkauft ist Dave, dessen wahres Ich damals in Keller gestorben zu sein scheint. Keiner will ihm glauben, manches spricht gegen ihn, z. B. Blut in seinem Kofferraum. Seltsam ist jedoch, dass die forensische Abteilung keine DNA-Untersuchung an dem Blut vornehmen kann, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Katies (Emmy Rossum) Blut handelt. Dies hätte Dave mit Sicherheit entlastet, auf diese Idee kommt jedoch keine der Figuren. Die Tatwaffe wird gefunden und zu einem gewissen Ray Harris zugeordnet, ebenjener Ray Harris, der Jimmy einst verraten und danach scheinbar seine Familie, seinen Sohn Brandon, verlassen hat, welcher nun mit Katie zusammen war. Auch dieses Indiz bleibt ohne wirkliche Berücksichtigung. Genauso wie der Notruf am Tatabend, den sich die ermittelnden Polizisten erst Tage später anhören! Schlampiger kann man wohl nicht arbeiten und allgemein plätschert die Geschichte nur so vor sich hin, dreht sich im Kreis, macht keinen Sinn und stagniert. Hier hat man Dave als Tatverdächtigen, mit Blut im Kofferraum, welches man jedoch nicht untersuchen will. Die Tatwaffe wird mit jemanden aus Jimmys Vergangenheit in Verbindung gebracht – Pustekuchen, warum groß ermitteln. Dehane schreibt seine Geschichte so, dass kein anderer Ausweg übrig bleibt, als der, welchen er schließlich in seiner Geschichte offeriert. Dabei ignoriert er alle logischen Lösungen für das von ihm gestellte Problem.

So gut die Schauspieler und Schauspielerinnen auch spielen, das Ambiente, die Optik stimmt – so sehr hadert Mystic River mit seiner inkonsequenten und schlechten Handlung. Die Charaktere verhalten sich unnatürlich, sehen nur dass, was sie sehen wollen und lassen ins Auge fallendes Beweismaterial einfach außer Acht. Dave wird dabei als klassisches Sexualopfer inszeniert und ist damit für Whitey schon im Vorfeld vorverurteilt. Die finale Auflösung ist dabei in ihrer Aussage nicht nur absolut unwahrscheinlich, da sich alles auf die reinsten Zufälle – oder absurdes Schicksal – beruft, sondern auch vollkommen profan, billig, armselig. Wie die Figuren am Ende nicht nur mit dem Verlauf der Handlung, sondern auch mit sich selbst umgehen, ist logische Konsequenz aus den ganzen anderen unlogischen Handlungen durch den Film hinweg. Nach dem Motto „nach mir die Sinflut“ widmet sich alles wieder den alten Gepflogenheiten, auf ebenjener Strasse, in der einst ihre Freundschaft und ihre Kindheit jäh beendet wurden. Mystic River will vieles sein, was er nicht ist, spannend, gewichtig – was am Ende bleibt, ist ein technisch gut gemachter, sehr gut gespielter, durchschnittlicher und überbewerteter Krimi, mit einer äußerst schwachen Story und Nebenhandlungen (Seans Frau), die irrelevant für die Handlung und langweilig sind. Das beste am Film sind in der Tat die Darstellungen von Penn und Robbins – der Rest ist Schweigen.

5.5/10