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28. Mai 2013

Moulin Rouge!

A magnificent, opulent, tremendous, stupendous, gargantuan bedazzlement!

In diesem Jahr eröffnete Baz Luhrmanns Adaption von F. Scott Fitzgeralds The Great Gatsby die 66. Filmfestspiele von Cannes – eine Ehre, die ihm bereits 2001 mit Moulin Rouge! zu Teil geworden war. Mit jenem so pompösen wie bildgewaltigen Jukebox-Musical schloss der australische Regisseur zugleich seine “Red Curtain”-Trilogie ab, die er 1992 mit Strictly Ballroom begonnen und vier Jahre später mit William Shakespeare’s Romeo + Juliet fortgesetzt hatte. Dennoch eint Moulin Rouge! vermutlich fast mehr mit Luhrmanns fünftem und jüngstem Leinwandepos, nicht zuletzt dank des Glamours und der anachronistischen Gegenwartsmusik.

Sich bekannter Pop-Musik zu bedienen, um damit ein Musical zu füllen – so etwas hatte es zuvor bereits bei beispielsweise The Blues Brothers gegeben. Eine Liebesgeschichte um die letzte Jahrhundertwende mit David Bowie, Elton John und anderen zu unterlegen, sorgte allerdings 2001 für Aufsehen. Wie in The Great Gatsby dient die populäre Musik für Luhrmann in seinen historischen Filmen als Darstellungsmittel. Im Fall von Moulin Rouge! bringt sie zum Ausdruck, dass Hauptfigur Christian (Ewan McGregor), ein aufstrebender Autor, seiner damaligen Zeit voraus ist, indem er sich der Worte von Künstlern des 20. Jahrhunderts bedient.

McGregors Figur kommt 1899 nach Paris, um sich der Bohème-Bewegung anzuschließen. Entsprechend mietet er sich im Stadtteil Montmartre im Vergnügungsviertel Pigalle des 18. Arrondissements ein, gegenüber des berüchtigten Varietés Moulin Rouge. Seine Inspiration: die Liebe. Sein Problem: “I’ve never been in love”. Abhilfe verspricht das überraschende Auftreten von Henri de Toulouse-Lautrec (John Leguizamo) und seiner Theatergruppe aus dem oberen Stockwerk. Sie planen eine Bühnenshow namens “Spectacular Spectacular” (“It’s set in Switzerland”), die sie Harold Zidler (Jim Broadbent) anbieten wollen, dem Besitzer des Moulin Rouge.

Dieser wiederum plant seine beliebteste Kurtisane Satine (Nicole Kidman) an den Herzog von Monroth (Richard Roxburgh) abzugeben als Ausgleich für dessen finanzielle Unterstützung des Varietès. Am Abend kommt es in dem Etablissement dann jedoch zu einer Verwechslung als Satine während ihrer Performance Christian für den Herzog hält. Ein Gespräch in ihren privaten Gemächern später ist es nach Christians Darbietung von Elton Johns “Your Song” um die rothaarige Kurtisane geschehen. “I can’t fall in love with anybody”, seufzt Satine zwar noch, doch sie und Christian haben sich bereits ineinander verliebt – sehr zum Missfallen von Zidler.

“We’re creatures of the underworld”, erinnert er Satine. “We can’t afford to love.” Auch im Wissen, dass seine geliebte Kurtisane hoffnungslos an Tuberkulose erkrankt ist. Dennoch deckt er ihre junge Liebe, um die Finanzierung durch den Herzog nicht zu gefährden. Der bezahlt, im Glauben so Satines Herz zu erobern, derweil “Spectacular Spectacular”. Moulin Rouge! bedient sich für seine Geschichte bei Handlungselementen aus den Opern La Traviata und La Bohème sowie Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt. Daraus wurde laut Baz Luhrmanns Worten im Audiokommentar dann “this very classical, simple story of tragic love”.

Gerade Offenbachs Interpretation von „Orpheus und Eurydike“ durchzieht Moulin Rouge!. Wie Zidler selbst sagt, ordnet er sich und die Prostituierten des Moulin Rouge der Unterwelt zu. Aus jener muss Christian in der Rolle des Orpheus seine Eurydike befreien. “All my life you made me believe I was only worth what somebody would pay for me”, wirft Satine später Zidler vor. Wo sie der Herzog mit Geld zu kaufen versucht, schafft es Christian, sie mit Worten für sich zu gewinnen. “Love lifts us up where we belong”, behauptet er im bombastischen “Elephant Love Medley” und versichert Satine in diesem getreu den Beatles: “All you need is love”.

Im steten Wechsel zwischen Tragik und Komik zieht Luhrmann in seinem dritten Spielfilm dabei sein Melodrama auf. Bewusst folgen auf Szenen, die dem Zuschauer Satines Sterben in Erinnerung rufen, humorvolle Momente. “One hopes that it’s got that feeling of a Warner Bros. cartoon”, sagt der Regisseur im Audiokommentar. Wird der Humor im ersten Akt zuerst aus Toulouse und seinem Bohème-Clan gewonnen, wandert er im zweiten Akt über zur Täuschung des Herzogs (bis hin zu Broadbents und Roxburghs herrlich inszenierter Travestie-Darbietung von Madonnas “Like a Virgin”). Aber das Glück ist – wie könnte es anders sein – nur von kurzer Dauer.

Die Affäre fliegt auf, der Herzog droht Christian umzubringen und Satine wird ihres nahenden Todes gewahr. “Hurt him to save him”, rät ihr daraufhin Zidler. “The show must go on.” Über dem dritten und finalen Akt schwebt natürlich das Musical im Musical: “Spectacular Spectacular”. Die Bollywoodeske Nachinszenierung der vorangegangenen Filmhandlung ist dabei nicht minder pompös wie Luhrmanns eigene Revue, holt diese auf der Zielgeraden vom Ablauf her schließlich ein, um mit ihr zu einer einzigen großen Darbietung zu verschmelzen. Nur: Wo “Spectacular Spectacular” ein Happy End beschert ist, endet Moulin Rouge! tragisch.

Auch hierin gleicht die Geschichte von Satine und Christian der von Romeo und Julia oder von Gatsby und Daisy. Die Liebe der Figuren führt in den Tod. Was bleibt, ist das Drama. Insofern wäre The Great Gatsby wohl eher als Abschluss einer Trilogie zu Romeo + Juliet und Moulin Rouge! geeignet, ähnelt Strictly Ballroom in dem optimistischen Ende für die Liebenden mehr Australia. Dagegen bleibt in Luhrmanns übrigen drei Filmen nur, die Magie jener Liebe und ihren letztendlichen Niedergang als Chronik für folgende Generationen festzuhalten. “For never was a story of more woe than this”, wie der Prinz von Verona in „Romeo und Julia“ abschließend sagt.

Fraglos ist Moulin Rouge! im Speziellen wie ein Film von Baz Luhrmann allgemein nicht jedermanns Sache. Man muss es mögen, wie der Mann aus Oz Tragik und Komik verknüpft und dabei – bewusst – ins Theatralische abdriftet. Dazu kommen knallige Farben, Pomp und Glamour und dann noch The Police unterlegt zum mit bekanntesten Stück des britischen Barden oder eben ein Tango-Sting-Mashup von “Roxanne”. Angesichts all dessen, was Luhrmann und Co. hier jedoch auffahren, von den Kostümen über die Ausstattung, das Bühnenbild und die visuellen Effekte, ist es so erstaunlich wie beachtlich, dass der Film nur 50 Millionen Dollar kostete.

Dennoch steht und fällt dieser als Musical natürlich mit seinem Soundtrack. Wie Baz Luhrmann hier kongenial populäre Lieder einsetzt, sucht dann seinesgleichen. Angefangen mit David Bowies stimmigem “Nature Boy” über die Verwendung von Nirvana hin zur harmonischen Verschmelzung von Marilyn Monroes “Diamonds are a Girl’s Best Friend“ mit Madonnas “Material Girl” und kulminierend im “Elephant Love Medley”, das sich der Textzeilen eines Dutzend Lieder bedient. Eine superbe Song-Symbiose. Insofern ist Moulin Rouge! also nicht nur ein Musical zum Erleben und Anschmachten geworden, sondern allen voran eines zum Mitsingen.

Ein Fest für die Sinne, zweifelsohne Baz Luhrmanns Magnum opus und nicht weniger und nicht mehr als die Mutter aller modernen Film-Musicals. Die acht Oscarnominierungen seiner Zeit waren berechtigt, wenn auch Luhrmann selbst bei den Nominierungen überraschend Ridley Scott für dessen Inszenierung von Black Hawk Down in der Regie-Kategorie den Vortritt lassen musste. Das ändert allerdings nichts daran, dass Moulin Rouge! ein Film für die Ewigkeit geworden ist. Großes, glamouröses Kino. Oder wie es Harold Zidler nannte: “A magnificent, opulent, tremendous, stupendous, gargantuan bedazzlement, a sensual ravishment!”.

10/10

20. Dezember 2008

Australia

Would you like to hear a story?

Es ist eine harte und raue Welt, da unten im Down Under. Kein Wunder, hat Australien seinen Ursprung doch in einer Gefängniskolonie gefunden. Hier sind die tödlichsten und gefährlichsten Lebewesen der Erde beheimatet. Schlangen. Haie. Quallen. Menschen. Alle auf einem Kontinent vereint, sodass es nur natürlich ist, dass die englische Adelige Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) bei ihrer Ankunft als Fremdkörper herausragt. Ihres Mannes wegen ist sie hier, der eine Rinderfarm betreibt. Um den Verkauf jener Farm voran zu treiben, hat sich Lady Ashley auf den weiten Weg in die Kolonie gemacht. Dabei schreibt man das Jahr 1939 und der Krieg gegen Hitler steht vor der Tür. Das zarte englische Blümchen hat hier also nichts verloren, sind sich die Einheimischen sicher. „Sie wird in der Wüste verdorren“, meint Neil Fletcher (David Wenham) abschätzig, als er Lady Ashley zum ersten Mal begegnet. Fletcher ist ein Mann mit verräterischen Augen, der Verwalter von Faraway Downs, jener Farm im Besitz der Ashleys.

Während Fletcher zu Beginn von Australia noch eine kleine Nummer ist, nicht mehr als eine Randnotiz, stilisiert er sich im Laufe des Filmes immer mehr zum Hauptantagonisten heraus. Fletchers Familie arbeitet in der dritten Generation auf Faraway Downs, seine Loyalität liegt jedoch bei King Carney (Bryan Brown), dem Hauptkonkurrenten der Ashleys. Die britische Armee muss mit Rindfleisch versorgt werden und außer Faraway Downs muss Carney keine Konkurrenz fürchten. Um sein Monopol zu sichern hat er Fletcher die Hand seiner Tochter versprochen und diesem somit den Weg zu einem unermesslichen Erbe geebnet. Doch beide haben die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, denn erst einmal auf der Farm angekommen und mit den dortigen Schicksalen der Bewohner konfrontiert, beginnt sich Sarah schon bald gegen Carney und Fletcher zu stellen.

Alle Jahre dreht der Australier Baz Luhrmann mal einen Film und wenn er dies tut, kann man sich sicher sein nicht enttäuscht zu werden. Jahrelang hatte er um sein Australia-Projekt gekämpft, zuerst die Hauptrollen mit Nicole Kidman und Russell Crowe besetzt, ehe Crowe ausschied, weil er Gehaltseinbußen hinnehmen sollte. Da Luhrmann sein Heimatprojekt patriotisch halten wollte, fragte man bei Heath Ledger an, der jedoch zu Gunsten von The Dark Knight ebenfalls absagte. Und weil Mel Gibson wohl schon zu alt ist, entschied man sich letztlich für den neuen Sexiest Man Alive: Hugh Jackman. Jackman wiederum wurde von Kidman dazu überredet die Rolle anzunehmen, ohne wie sie das Drehbuch vorher gelesen zu haben. Dieses wurde unter anderem von Stuart Beattie und Ronald Harwood mitgeschrieben. Der Film markiert die dritte und letzte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Luhrmann und Hauptdarstellern Kidman. In einer Szene des Filmes erklärt Sarah, dass sie nicht im Stande ist Kinder zu gebären. Eine emotionale Szene für die Darstellerin, die selbst zwei Fehlgeburten erlitten hatte, ehe sie während der Dreharbeiten schwanger wurde. Bedauerlich, dass diese beiden australischen Größen nunmehr nicht wieder beruflich zusammen kommen werden.

Die erste Viertelstunde von Australia ist im Stile einer Komödie gehalten. Nach einer graphisch verspielten Einleitung ist es das Aufeinandertreffen der beiden Commonwealth-Kulturen, das zur Amüsierung beiträgt. Aus Zeitmangel schickt Sarahs Mann ihr einen seiner Mitarbeiter nach Darwin um sie abzuholen. Der für sie mysteriöse Drover (Hugh Jackman) ist in Darwin selbst ein bekanntes Gesicht. „Er scheint wohl verhindert zu sein“, stellt Sarah fest, als sie ihn vergebens in einer Bar aufsucht. Währenddessen prügelt Drover sich gerade vor jener Bar mit einem Rassisten. Nützliche Verwendung findet er dabei in Sarahs Gepäckstücken. Ihr Blick verrät, dass es bessere Wege gibt sich vorzustellen. Ohnehin will der Viehtreiber (engl. drover) ihr ja nur an die Wäsche, findet die Engländerin. Nicht mal wenn sie das letzte Stück Fleisch auf dem Kontinent wäre, winkt der raubeinige Australier ab. Die Szene wird entlastet durch das Auftauchen einer Herde Kängurus. „Ach, sind die süß“, meint Sarah. Endlich ein gemeinsamer Nenner, glaubt sie, niemand kann diese Säugetiere nicht süß finden. Doch Drover ist nicht niemand, Australien ist nicht irgendwo und nur weil beide Commonwealth-Länder dieselbe Königin haben, sind sie sich deswegen noch lange nicht ähnlich.

Auf der Farm angekommen stellt Sarah fest, dass ihr Mann ermordet wurde. Luhrmann wechselt den Ton seines Filmes, die humoristischen Elemente lassen nach. Stattdessen etabliert der Regisseur nunmehr das Thema eines Western. Die Rinder der Farm wurden gestohlen, die Ureinwohner werden misshandelt. Der kleine Mann muss sich gegen das große Industriemonopol durchsetzen. Experte Drover muss eine Bande von Amateuren um sich versammeln, damit er die 1.500 Rinder der Farm rechtzeitig nach Darwin eskortieren kann, ehe das Militär Carneys Vieh übernimmt. Später in Darwin wechselt Luhrmann dann erneut den Ton des Filmes, vom Western zum Liebesfilm. Die Funken glühen zwischen Sarah und Drover, ein scheinbares Heile-Welt-Szenario. Zu diesem Zeitpunkt hat Australia etwa die Hälfte seiner Laufzeit erreicht, doch Luhrmann lässt den Film noch lange nicht enden. Erneut wechselt er das Genre und inszeniert fortan ein Kriegsdrama bis schließlich der Abspann rollt. Australia ist ein Film und doch mehrere Filme, ist sowohl Kriegsdrama, wie Romanze, Komödie und Western. Das ist nicht zufällig, sondern beabsichtigt. Und es gelingt. Es gelingt, wenn der Regisseur mit Screwballelementen beginnt, um in einen aufreibenden Western zu wechseln, nur um schließlich eine Romanze zu zelebrieren.

Während des Filmes fragt Sarah den Aboriginejungen Nullah (Brandon Walters) ob sie ihm eine Geschichte erzählen soll. Kurz zuvor ist Nullahs Mutter gestorben, als sich beide vor der Obrigkeit verstecken mussten. Sie ist nicht die einzige Figur, die innerhalb des Filmes stirbt, und insbesondere nicht die einzige aus jener Gruppe von Menschen, die mit Sarah zu tun haben. Doch die Tode dieser einzelnen Personen zählen nichts in Luhrmanns Geschichte über Sarah, Drover und Nullah. Sie sind Randerscheinungen, so schnell vergessen wie geschehen. Es ist kein Charakterfilm, sondern eine Geschichte über eine Familie. Eine Familie von ungewöhnlicher Natur. Eine Geschichte von drei Menschen, die alle jemanden verloren haben und schließlich sich selbst ineinander finden. Man kann es Luhrmann lediglich zum Vorwurf machen, dass er seinen Film als Rassenfrage anbiedert, indem er auf die gestohlenen Generationen von Aboriginemischlingen wie Nullah verweist. Unter jenem Aspekt leitet er seinen Film ein und lässt ihn auch ausklingen. Doch auch die gestohlenen Generationen bleiben letztlich nur eine Randerscheinung in Australia und werden dem epischen Charakter der Geschichte untergeordnet.

Wie schon bereits bei William Shakespeare’s Romeo + Juliet und Moulin Rouge! beeindruckt Luhrmann mit einem visuellen Meisterwerk. Die Ausleuchtungen der Szenen sind sprichwörtlich episch und verleihen dem Geschehen oftmals etwas von einem Gemälde. Hinzu kommen beeindruckende Landschaftsaufnahmen von Mandy Walker, die der Schönheit des fünften Kontinents gerecht zu werden wissen. Die digitalen Effekte sind in diesem period piece nicht immer sauber, speziell beim Luftangriff der Japaner auf Darwin erkennt man dies, auch an anderen Stellen. Allerdings hat Luhrmann auch hier eine Absicht gehabt und verwendet die Effekte eher als Kulisse im Hintergrund als sie zentral in den Vordergrund zu stellen. Zudem gelingt es dem Regisseur die Laufzeit von über zweieinhalb Stunden wie im Fluge vergehen zu lassen. Kaum Langatmigkeit, hervorgerufen durch die fliegenden Genrewechsel wähnt man sich stets in einem neuen Umfeld, ohne zu lange in diesem zu verweilen und Langeweile aufkommen zu lassen. Zwar zitiert Luhrmann durchaus andere Filme, darunter auch Pearl Harbour, doch macht dies Australia stets charmant und ziemlich gelungen. Der Film erzeugt das Gefühl einem klassischen Epos beizuwohnen, wie man sie früher zu drehen pflegte. Hierzu passt dann auch das Finale des Filmes, welches ebenso wenig wie die restlichen Szenen zu irgendeinem Zeitpunkt droht in seinem Kitsch verloren zu gehen.

Hauptdarstellerin Nicole Kidman blüht in Australia auf, wie sie nur unter Regisseur Luhrmann aufblüht. Hierbei sieht man ihr an, dass gerade die komödiantische erste Viertelstunde ihr besonderes Vergnügen bereitet hat. Dass die Chemie zwischen ihr und Landsmann Hugh Jackman stimmt sieht man in den Liebesszenen. Beide schlagen sich wacker und gebührend in diesem umfangreichen und mitunter gewaltigen Film. Komplettiert wird das Bild dann von David Wenham, der einen außerordentlich charismatischen Gegenspieler abgibt. Zwar bleibt im Dunkeln, was ihn genau zu jener Person macht, die er darstellt, doch ist dies wie so vieles andere im Film nur eine Notiz am Rande die das Gesamtbild kaum zu trüben weiß. Ein Gewinn ist zudem der zwölfjährige Brandon Walters, der in der Rolle des Nullah sein Schauspieldebüt gibt. Der Film leidet jedoch speziell in den Szenen mit Nullah an seiner deutschen Synchronisation, wie generell Australia noch mal zusätzlich an Charme und Atmosphäre gewinnen dürfte, wenn man ihn in seiner australischen Originalfassung zu sehen bekommt. Kurz vor Jahresschluss zählt Luhrmanns Neuester durchaus zu den Gewinnern des Jahres und zeugt erneut von der Klasse des Australiers. Es ist somit hinzunehmen, dass der Regisseur nur alle Jahre dreht, solange dabei so gute Filme herauskommen, wie sie in seiner Filmographie zu finden sind.

8.5/10

10. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Return of the King

The Return of the King (1955)

Der Abschluss einer großen Trilogie, die so nie eine sein wollte, fand sich ein Jahr nach Erscheinen des ersten Teiles mit The Return of the King. Wie bereits zuvor wurden zwei Büchern von den Herausgebern zu einem Band zusammengefasst und erhielten den übergreifenden Titel, mit dem Autor J.R.R. Tolkien zu Lebzeiten nie viel anfangen konnte. Viel zu viel vorweg würde der Titel nehmen und deswegen hätte er lieber Einzeltitel für die jeweiligen Bücher vergeben, wie es auch bei den anderen vier der Fall gewesen war. Doch Hand aufs Herz, eine wirkliche Überraschung dürfte die Auflösung von Tolkiens Buch nicht gewesen sein. Sowohl Aragorns Krönung als auch die Zerstörung des Ringes zeichneten sich bereits bei der Einführung der Thematik ab. An sein sechstes Buch knüpften die Herausgeber dann noch fünf Appendixe an, welche sich nicht nur mit Tolkiens erfundener Sprache, sondern auch Dynastien und Vorgeschichten aus Mittelerde beschäftigen. Ursprünglich hätte es der Autor gerne gesehen, wenn die sechs Bücher des Herrn der Ringe gemeinsam mit den Appendixen und dem Silmarilion herausgegeben worden wären - diese Idee ließ sich jedoch, wie bereits beim zweiten Teil angesprochen, aufgrund der Papierknappheit der Nachkriegszeit nicht verwirklichen. Wie dem auch sei, mit The Return of the King geht eine der größten Fantasy-Geschichten aller Zeiten in ihr krönendes Ende.

Das fünfte Buch (The War of the Ring) knüpft wieder ausschließlich an die Geschehnisse im Westen rund um Gandalf und Aragorn an. Da Pippin in den Palantir geblickt hat, macht sich Gandalf mit ihm auf die Reise nach Minas Tirith, welches bereits seine Verbündeten durch die Leuchtfeuer um Hilfe gerufen hat. Währenddessen rufen König Theoden und sein Neffe Éomer die Männer Rohans zur Musterung und Aragorn macht sich gemeinsam mit Legolas, Gimli und den neu dazu gestoßenen Dúnedain auf den Weg durch den Pfad der Toten, um ein vor langer Zeit gebrochenes Versprechen wieder einzulösen. In Minas Tirith schickt Denethor, der Verwalter Gondors, mit liebloser Sturheit seinen Sohn Faramir in Schlacht um Schlacht, als er erfährt, dass dieser den Einen Ring nach Mordor hat passieren lassen. Die Stadt selbst sieht sich der Belagerung Mordors ausgesetzt und hofft auf das rechtzeitige Eintreffen der Rohirrim. Seinen eigenen Palantir benutzend sieht Denethor die mächtige Armee des Ostens und stürzt schließlich in den Wahnsinn, als Faramir von einer Suizidmission schwer verwundet heimkehrt. Während Gandalf Faramirs Ermordung verhindert, wird auf den Feldern von Pelennor nach dem Eintreffen der Rohirrim und Aragorns, der eine Seeflotte der Korsaren gekapert hat, die Zerstörung Minas Tiriths verhindert. Obschon Theoden fällt, gelingt es Merry und Éowyn den Anführer der Nazgûl und Hexenkönig von Angmar zu töten. In den Heilenden Häusern kann Aragorn das Leben von Faramir, Éowyn und Merry retten und reitet schließlich mit den verbliebenen Truppen zum Schwarzen Tor, um das Auge Saurons von Frodo im eigenen Land abzulenken.

Nachdem man Frodos Schicksal im Turm Cirith Ungols am Ende des vierten Buches in der Schwebe gelassen hat, knüpft das sechste Buch (The End of the Third Age) an Sams Rettungsaktion an. Es gelingt ihm Frodo zu befreien, auch wenn die Schergen Mordors nun über zwei Spione informiert sind. Gemeinsam - und erneut mit Gollum auf ihren Fersen -, schlagen sie sich schließlich mit knappen Wasservorräten zum Schicksalsberg durch, an welchem sich Gollum schließlich in einer offenen Attacke zu erkennen gibt. Es gelingt Sam Frodo Zeit zu verschaffen, um den Vulkan zu betreten, doch Frodo reißt den Ring am Ende an sich. Durch Abbeißen von Frodos Finger fällt der Ring jedoch wieder in den Besitz Gollums – doch fordert dies seinen tödlichen Tribut als er dabei ungeschickt stürzt und der Ring schließlich vernichtet wird. Saurons Macht zerfällt und Mittelerde, sowie Gondors Armee vor dem Schwarzen Tor, sind gerettet. In den folgenden Feierlichkeiten wird Aragorn vor den Stadttoren zum König von Gondor erklärt und heiratet schließlich Arwen Undómiel in der Stadt seiner Väter. Éomer wird König von Rohan und Faramir zum Prinzen von Ithilien erhoben und zugleich mit Éowyn verlobt. Im Auenland angekommen müssen die Hobbits jedoch nochmals zu den Waffen greifen, da sich Saruman dort eingenistet hat. Am Ende finden alle jedoch ihr friedliches Ende und Frodo verlässt mit Bilbo, Elrond, Galadriel und Gandalf schließlich an den Grauen Anwanden Mittelerde für immer.

Tolkien fasste sich in seinen beiden letzten Büchern verhältnismäßig knapp und scheint seiner eigenen Geschichte letzten Endes wohl etwas überdrüssig geworden zu sein. Die letzten Kapitel beschäftigen sich ausschließlich mit dem Ende des Dritten Zeitalters und den Veränderungen die es mit sich brachte. Etwas sauer stößt das Finale auf, wenn Sauron auf zwei westliche Spione in seinem Land nicht sonderlich zu reagieren scheint, Aragorn hin oder her. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, wenn Sam Gorbag doch getötet hätte und der Alarm nicht losgegangen wäre. Eine besondere Stellung nimmt schließlich die Säuberung des Auenlandes ein, zeigt sie, dass auch vor der beschaulichen Heimat der Hobbits der Krieg um Mittelerde nicht Halt gemacht hat und bildet zugleich sozial-politische Kritik von Tolkien am Nachkriegsengland der 1920er Jahre. Tolkien gelang mit seinem Buch eine brillant gestaltete Welt voller liebevoller Details, von unsagbarer Schönheit und großen Idealen. Ein würdiges Ende des Dritten Zeitalters bildet das Ende einer der bestgeschriebensten Sagen des 20. Jahrhunderts über eine Geschichte von Pathos, Liebe, Freundschaft und Loyalität, sowie das Kämpfen für den Frieden, der in den richtigen Händen kein Trugschluss sein muss. In über eintausend Seiten schuf ein einzelner Mann eine ganze Welt, allein durch die Kraft seiner Gedanken.


The Return of the King - Special Extended Edition (2003)

So we come to it in the end, the great battle of our time.

Dank der Arwen- und Galadriel Szenen, sowie dem unheimlich wichtigen Pseudo-Tod von Aragorn, war in der zweiten Verfilmung kein Platz mehr gewesen für die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches, sodass die ausgelassenen 105 Seiten einfach in den dritten Teil einflossen. Eingeleitet wird The Return of the King von einer Rückblende über die Wandlung von Sméagol zu Gollum, wie sie Gandalf Frodo gegenüber im ersten Band geschildert hat. Ursprünglich war diese Rückblende für den zweiten Teil vorgesehen und bei der Begegnung der Hobbits mit Gollum in den Emyn Muil angedacht. Dort hätte sie auch sehr viel besser hingepasst, als dies zu Beginn des dritten Teils der Fall ist. Jackson knüpft dann bei den Hobbits und ihrer Flucht aus Osgiliath an und lässt sie die Wanderung zum Scheideweg unternehmen. Jedoch nur kurz, ehe er sich der versprengten Gefährten und ihrem Ritt nach Isengart widmet. Wie bereits im zweiten Teil, sprengt Jackson den jeweils eigenständigen Erzählstrang und erzählt seine Version des Herrn der Ringe parallel. Seine Absicht die Geschichte chronologisch nebeneinander zu erzählen misslingt ihm dabei jedoch ein ums andere Mal und die ständigen Schnitte von einem Ort zum anderen stören vermehrt den Erzählfluss. Da das Gespräch mit Saruman – welches in der Kinofassung entfällt - ziemlich beschnitten ist, macht die Reise von Gandalf und Co. nach Isengart keinen wirklichen Sinn - wie es noch bei den meisten anderen von Jacksons eigenwilligen Änderungen sein wird.

Nachdem Pippin in den Palantir schaut, reitet Gandalf mit ihm nach Minas Tirith, sieht unterwegs aber weder einen Nazgûl, noch die erleuchteten Leuchtfeuer. Das findet seine Ursache in der nächsten charakterlichen Vergewaltigung, denn Gondor ruft keineswegs seine Verbündeten zur Hilfe. Denethor wird als stur und starrsinnig gezeigt, der von der ersten Szene an jeden Bezug zur Realität verloren hat. Ohne jeglichen Respekt inszeniert Jackson den Verwalter von Gondor und lässt das ganze am Ende schließlich in einer grotesken Fress-Szene und einem lächerlichen Tod enden (mit Gandalf als Mörder). Auch der Zusammenhang zwischen Denethor und dem Palantir wird nicht erläutert und dessen Existenz später in einer Szene mit Aragorn einfach dem Publikum präsentiert. Peter Jacksons Lieblingsausrede dürfte wieder die Spannungserzeugung gewesen sein, wobei sich nicht erschließen lässt, inwiefern es Spannung erzeugt, wenn Theoden und Denethor als sture Böcke dargestellt werden, die von Gandalf und Pippin ausgetrickst werden müssen. Zudem eröffnet Jacksons eigenwillige Änderung der Handlung ein Logikloch, welches er einfach ignoriert. Die Frage warum Denethor Gandalf nicht aus der Stadt schmeißt, nachdem dieser das Leuchtfeuer entfacht, beantwortet er nicht.

Ein weiterer und viel schwerwiegenderer Fehler ist Jackson dabei gleich zu Beginn unterlaufen, denn in seiner Version - siehe den Bericht zum zweiten Teil - waren Saruman und Sauron ja verbündet miteinander und Saruman weiß von Frodos Mission den Ring in Mordor zu zerstören. Da Saruman bei Jackson jedoch das Schoßhündchen von Sauron ist, müsste dieser von Frodo und dessen Mission ebenfalls Bescheid wissen, spätestens als Isengart fällt, dürfte ihm der weiße Zauberer dies mitgeteilt haben. In Jacksons Filmversion hätte Frodo niemals die Schicksalsklüfte betreten können und der Film dürfte gar kein gutes Ende haben. Aber auch dieses Problem ignoriert der Neuseeländer einfach. Während Gandalf in Minas Tirith Schalten und Walten kann wie es ihm passt, bekommt Aragorn bei der Musterung der Rohirrim Besuch von keinem geringeren als Elrond selbst. Dieser überreicht Aragorn stolz Andúril und entscheidet somit dessen Schicksal. Der zögerliche Aragorn Jacksons entscheidet sich also fünf vor zwölf, dass er König von Mittelerde werden will. So einem König folgt man bereitwillig in die Schlacht, das versteht sich von selbst. In der Vorlage hat Aragorn seine Entscheidung bereits in Bruchtal getroffen und dort die Schmiedung Andúrils selbst in Auftrag gegeben. Die Bedeutung seiner Entscheidung und somit seine Charaktereigenschaft geht in der Filmversion total verloren. Zufälligerweise kampieren Aragorn und Konsorten in derselben Nacht auch vor dem Pfad der Toten, über den Legolas im übrigen sehr viel mehr weiß, wie der Erbe Isildurs, obschon er unerschrocken diesen Pass betritt.

Munter weiter im fröhlichen Uminterpretieren geht es auf dem Pfad von Cirith Ungol. Dort treibt Gollum sein Unwesen und spielt die „garsstigen Hobbitses“ geschickt gegeneinander aus, sodass nach einer kleinen Intrige Frodo seinen Sam verstößt, mit den tollen Worten „Geh heim!“, was tausende Meilen vom Auenland nur noch lächerlich wirkt. Wenn man sich fragt, was das ganze soll, da Frodo im Buch zu keinem Zeitpunkt ernsthaften Streit mit Sam hat, dann klatscht einem Jackson sicherlich erneut die Spannung um die Ohren. Spannung Spannung, Spannung – man kann sich kaum in den Sitzen halten, wenn Sam die Treppen runtertrottet, denn jeder dürfte davon ausgehen, dass der jetzt einfach nach Hause spaziert (so wie jeder im zweiten Teil dachte, dass Aragorn tot gewesen ist). Wem Jackson hier was vormachen will, wird nicht ganz klar, idiotisch ist die Szene allemal. Auch das Frodo von Kankra nicht in den Nacken, sondern durch sein Mithrilhemd hindurch gestochen wird (!) ist wieder Jacksonscher Schwachsinn sondergleichen. Folglich wird Sam in Jacksons Version auch nicht zum Ringträger, allgemein wird dessen Rolle in der Filmtrilogie sträflichst unter den Teppich gekehrt. Dass Sam Gorbag laufen lässt und dieser mit dem Kettenhemd entkommen kann, wird im Film (in welchem Sam zum Super-Sam mutiert und einen Ork nach dem anderen fällt, nachdem er Kankra im offenen Kampf gestellt hat) auch nicht klargestellt. Anschließend wird die Reise der beiden Hobbits durch Mordor auf ein Minimum begrenzt, bevor es dann zum Klimax kommt.

Derweil bereitet Jackson sein Herzstück des Filmes vor, welches wie zuvor in The Two Towers natürlich wieder aus der Schlachtszene besteht. Auch wenn der Sturm der Rohirrim in der im Film gezeigten Form keinen Sinn macht, ist dies dennoch die stärkste Szene, untermalt mit großartiger pathetischer Musik und schönen goldbraunen Tönen. Bevor es dann wieder einen surfenden Legolas zu sehen gibt (diesmal auf einem mûmakil und immer schön mitzählend „neunzehn!“, „zwanzig!, „einundzwanzig!“), wird erstmal Éowyn als alles niedermähende Kampfamazone gezeigt, nachdem sie zuvor unerkannt bis nach Gondor geritten ist. Die Schlacht entscheiden tut Aragorn dann praktisch im Alleingang, dank seiner Armee der Toten (welche sich im Buch beim Angriff auf die Korsaren verabschieden). Wenn man sich die Armee der Toten so ansieht, fragt man sich schon, wieso Jackson überhaupt die Rohirrim einbaut, denn eigentlich hätte Elrond Aragorn auch direkt in den Pfad der Toten schicken können, wenn diese wie ein Putzkommando alles ausmerzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Doch wer bei Jackson nach Logik fragt, erhält nur Schweigen.

Dass The Return of the King dreimal so viele Effekte hat, wie es noch bei Fellowship der Fall gewesen ist, merkt man dem Film deutlich an, denn die meisten Effekte sind nunmehr zu offensichtlich und blättern ab, wirken weniger bis gar nicht glaubhaft. Wieso Jackson so viele Szenen mit Aragorn und Éowyn dazu erfindet und dann in einer einzelnen Szene die Liebesgeschichte zwischen ihr und Faramir abhandelt, ist auch unverständlich. Aragorns heilende Hände und die Bedeutung von ihnen wird in der Szene mit den Heilenden Häusern ebenfalls unterschlagen. Warum Jackson solche Erinnerungsfetzen einbaut, wenn er sie nicht erläutert oder weiter verfolgt, ist unverständlich. Aragorn reitet jedenfalls zum Schwarzen Tor und die Geschichte nimmt ihren Lauf und mündet in Jacksons fünffacher Überblendung und einem 45minütigen Finale, welches sich problemlos in die schlechtesten Filmenden aller Zeiten einreiht. Dass der Film eigentlich auch The Return of Gimli Pausenclown heißen könnte, der sich weiterhin fröhlich durch Mittelerde rülpst oder der letzte Teil von Jackson sexistisch und aufs Äußerste gewaltverherrlichend inszeniert wurde, geht dabei fast unter. Platz für seine geliebte Cate Blanchett findet sich jedoch ebenso wie für Liv Tyler, die wie in jedem Teil mindestens einmal sagen darf, dass sie sich für ein sterbliches Leben entschieden hat. Warum am Ende Arwen jedoch mit dem Schicksal des Ringes verbunden wird, das bleibt wie der gesamte Film Peter Jacksons Geheimnis.

Viel wurde gestrichen, manches verändert. Sätze wechseln ihre Träger und neben Prinz Imrahil tauchen auch Elronds Söhne und die Dúnedain nicht in der Handlung auf. Der Ritt durch den Drúadan-Wald entfällt, ebenso wie der Heimmarsch der Gefährten und die Säuberung des Auenlandes. Falsch oder schlimm ist das nicht, lieber gar kein Prinz Imrahil, als dass Jackson nachher wieder seinen Charakter umdeutet. Die Ausstattung und Umgebung kann diesmal nicht so sehr punkten wie in den beiden Vorgängern, da die meiste Handlung entweder in Minas Tirith, Mordor oder in Schlachten spielt, welche hauptsächlich von digitalen Effekten dominiert werden. Auch Howard Shore kann nicht ganz an die Klasse des zweiten Teiles anknüpfen. Kritisch beäugt werden darf auch der Schnitt zwischen den beiden Discs, der wie bereits im zweiten Teil deutlich misslungen ist (obschon sich viele Gelegenheiten angeboten haben, zumindest bessere, als während einem gesprochenen Satz zu schneiden). Aus Jux und Dollerei drehte Jackson nach seinem Oscargewinn auch noch eine Szene nach, die er von Spielbergs Indiana Jones and the Temple of Doom geklaut hat. Dass The Return of the King elf Oscars bekommen hat, unter anderem für den besten Film und die beste Regie, verwundert bei der Academy nicht weiter, die meistens den misslungensten Film zum Film des Jahres erklärt, sowie die inkompetentesten Regisseur (s. Scorsese für The Departed oder dieses Jahr wahrscheinlich Scott für American Gangster).

Warum Peter Jackson die scheinbar so dröge Geschichte Tolkiens (anders lassen sich seine Spannungs-Vergewaltigungen des Stoffes nicht erklären) verfilmt hat, wird er vermutlich selber nicht wissen. Ist sein erster Teil noch verhältnismäßig gelungen, gibt er sich mit dem dritten Teil der Lächerlichkeit preis. Seine Veränderungen der Handlung sorgen allesamt für tiefe Löcher in der Handlungslogik, seine Spannungserzeugungen verpuffen alle so sehr (Gollums Pseudo-Tod - wieso muss in jedem Teil jemand scheinbar sterben? - oder Frodos Gehampel im Auge Saurons), dass man nur noch ein krampfhaftes Lachen hervorpressen kann. Das meiste Augenmerk richtet Jackson wieder auf seine Schlacht, für die a drei Seiten in vier Minuten erklärt, während der Verlauf des sechsten Buches mit zwei Seiten pro Minute auskommen muss. Ohne Respekt vor Tolkiens Figuren und Verständnis für die Handlung inszeniert Jackson ein Effektgewitter, das erneut zu keinem Zeitpunkt den Tiefgang der literarischen meisterlichen Vorlage erreicht und nichts weiter ist, als großes, stupides Mainstreamkino, welches für wahre Fans des Buches nur Versatzstücke bietet.

3.5/10

3. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Two Towers

The Two Towers (1954)

Ursprünglich besteht The Lord of the Rings wie bereits beim ersten Band erwähnt, aus sechs Büchern, welche später wegen der Papierknappheit des Zweiten Weltkrieges in drei Bänden erschienen, von welchen der zweite durch die Herausgeber den Namen Die Zwei Türme erhielt. Tolkien selbst äußerte sich, dass dies wohl der beste Titel ist, den man hätte wählen können, auch wenn sich der Titel nicht ausschließlich auf die meist gewählten Orthanc und Barad-dûr begrenzen lässt. Theoretisch müsste es sich vielmehr um den Orthanc und den Minas Morgul handeln – für die Verfilmung spielt dies jedoch keine Rolle, da hier der Minas Morgul nicht vorkommt. Die von Tolkien vergebenen Titel für die einzelnen Bücher lauteten für das dritte Buch, welches sich ausschließlich mit der nach Westen aufgesprengten Gruppe der Gefährten beschäftigt, Der Verrat von Isengard. Das vierte Buch, welches sich Frodos Reise mit Sam nach Mordor widmet, erhielt den Namen Die Reise der Ringträger. Da es sich um den Mittelteil eines Epos handelt, beginnen und enden die beiden Bücher abrupt, ohne ihre Charaktere erneut vorzustellen (wie es Mrs. Rowling immer bei ihren Büchern pflegte). Bestand das erste Buch noch aus einer verhältnismäßig ruhigen Einführung und das zweite Buch mit ersten ernsten Zügen, erhält der Krieg nunmehr Einzug in Mittelerde.

Im dritten Buch (Der Verrat von Isengard) findet Aragorn zuerst den sterbenden Boromir und erfährt, dass die Uruk-hai Merry und Pippin entführt haben. Schweren Herzens überlasst er Frodo und Sam sich selbst und setzt mit Legolas und Gimli zur Verfolgung an. In Rohan treffen sie schließlich nicht nur auf den tapferen Marschall Éomer, sondern können sich im Fangorn Wald auch der Sicherheit ihrer beiden Freunde sicher sein. Im Fangorn gibt es auch ein Wiedersehen der besonderen Art, denn Gandalf wurde nach seinem Sturz in die Schatten Morias wiedergeboren und führt die drei Freunde nunmehr nach Edoras. Dort ziehen sie mit König Theoden und dessen Neffen Éomer zur Schlacht gegen Sarumans Armee nach Helms Klamm. Während Merry und Pippin auf den Ent Baumbart treffen und mit ihm und seinem Volk den Angriff auf Isengard starten, organisiert Gandalf mit Erkenbrand, dem Herrn der Westfold Rohans, ein Heer und als der Kampf um Helms Klamm zu scheitern drohte, kann der Sieg doch noch errungen werden. In Isengard treffen die Gefährten wieder aufeinander und nach einem letzten Gegenüber mit Saruman ziehen sich Gandalf und die anderen zurück. Doch Pippin wagt einen Blick in Sarumans Palantir und verschafft somit Sauron das Wissen über die Anwesenheit eines Hobbits in Rohan. Während Theoden und die anderen ihre Männer sammeln, macht sich Gandalf mit Pippin auf den Weg nach Minas Tirith.

Im vierten Buch (Die Reise der Ringträger) treffen Frodo und Sam in den Emyn Muil auf ihren Verfolger Gollum. Da sie selbst sich des Weges unsicher sind, zwingen sie Gollum sie zum Schwarzen Tor zu führen. Während der erschöpfenden Reise durch die Totensümpfe nähern sich Frodo und Gollum etwas an, Frodo beginnt die Worte Gandalfs zu verstehen und empfindet Mitleid für Gollum. In das Gute in ihm glaubend, greift er auf seinen früheren Namen Sméagol zurück. Am Schwarzen Tor angekommen sehen sich die Hobbits ihrer Hoffnungslosigkeit gegenüber, lassen sich von Sméagol jedoch zur Nutzung eines geheimen Pfades am Minas Morgul überreden. In den Wäldern Ithiliens werden sie jedoch von Faramir, Gondors Kapitän und Bruder Boromirs, überwältigt. Als dieser erkennt, welche Aufgabe Frodo vollbringen muss, lässt er ihn mit frischem Proviant ausgestattet wieder auf freien Fuß. Am Minas Morgul angekommen sehen die Hobbits wie Sauron seine Armee nach Osgiliath schickt. Im letzten Stück des Pfades Cirith Ungol lässt Gollum die Hobbits in eine Falle laufen – Frodo wird scheinbar von der Riesenspinne Kankra ermordet. Sam, der zuerst die Reise alleine beenden will, flüchtet im Angesicht nahender Orks wieder an die Seite seines Herren, und indem er sich den Ring überstreift, wird auch er zum Ringträger. Die Orks offenbaren dem heimlich lauschenden Sam schließlich ein Geheimnis: Frodo lebt!

Da ich für die Zusammenfassung gerade aufgrund der Namen (Totensümpfe, Kankra) in die deutsche Übersetzung blicken musste, fiel mir fast die Kinnlade herunter, hatte ich doch erfolgreich vergessen, wie lieblos Wolfang Kreges Übersetzung ist. Egal, durch Tolkiens Teilung des Geschehens weiß man als Leser zuerst lange nicht, wie es um Frodo steht und dessen Reise verläuft. Etwas bitter aufstoßen tut dabei sicherlich Gandalfs Wiedergeburt, nachdem man ihn im zweiten Buch für tot geglaubt hat. Doch die Worte Elronds sollen sich bewähren und nicht nur Aragorn, Merry und die anderen sollen in Baumbart, Theoden und Éomer neuen Freunde auf ihrem Pfad finden, sondern auch Frodo mit Faramir in Ithilien. Die Handlung wird düsterer, Krieg liegt auf den Männern des Westens und Frodo beginnt unter dem Gewicht des Ringes erste Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Das Auge Mordors richtet sich nunmehr auf Gondor und Minas Tirith und es ist an Gandalf und den Anderen, Frodo noch mehr Zeit zu verschaffen. Doch hierfür muss Sam Frodo erstmal auf dem Turm am Cirith Ungol befreien, ehe er nach Lugbúrz überführt wird. Und auch Gollum befindet sich weiterhin auf freiem Fuss – klimatisch lässt Tolkien seine Geschichte in der Schwebe stehen.


The Two Towers – Special Extented Edition (2002)

My business is with Isengard tonight, with rock and stone.

Am nettesten zu lesen sind die verschiedenen Casting-Debatten rund um den Herr der Ringe, denn nachdem Stuart Townsend als zu jung für Aragorn angesehen wurde, fasste Peter Jackson Russell Crowe ins Auge, was sicherlich auch eine ansehnliche Wahl gewesen ware. Éowyn und Faramir sollten eigentlich von dem damaligen Paar Uma Thurman und Ethan Hawke gespielt werden, Orlando Bloom selbst hatte ursprünglich für die Rolle Faramirs vorgesprochen und Theoden-Darsteller Bernhard Hill war zuerst für die Rolle von Gandalf vorgesehen gewesen. Am Ende kam alles doch ganz anders und die Rollen von den Geschwistern Éomer und Éowyn, sowie Faramirs gingen an die bis dahin weitgehend unbekannten Schauspieler Karl Urban, Miranda Otto und David Wenham. Ansonsten lässt es sich Jackson jedoch nicht nehmen, erneut Hugo Weaving als Elrond und Cate Blanchett als Galadriel auftreten zu lassen, zusammen mit vielen weiteren moralischen Vergewaltigungen von Tolkiens Figuren. Alles selbstverständlich immer nur im Dienste der Spannungserzeugung, denn die Vorlage von Tolkien ist spannungstechnisch solche eine Schlaftablette, dass man sich fragt, wieso es überhaupt zu einer Verfilmung gekommen ist.

Vorab aber erstmal die erneut gelungensten Punkte. Howard Shore ist für The Two Towers ein weitaus besserer Score gelungen als bei Fellowhship, bzw. ein ebenso guter und Jackson hat diesmal darauf verzichtet jede einzelne Szene mit Musik zu unterlegen. Es wurde ihm scheinbar von jemandem zugetragen, dass dies nicht unbedingt notwendig ist und so sind es besonders die Szenen mit Frodo, Sam und Gollum, welche oft einfach für sich stehen, ganz ohne theatralisches Gedudel. Wie jedoch bereits im ersten Teil gebührt das größte Lob Alan Lee und John Howe, die eine phantastische Kulisse erschaffen. Die Unebenheiten und Kälte der Emyn Muil werden abgelöst von den perfekt inszenierten Totensümpfen – auch Rohan, Ithilien und der Fangorn Wald sehen so aus, wie man sich dies nach Tolkiens Vorlage vorstellen könnte. Lee und Howe beweisen auch ein Auge für die kleinen Details, wie die simbelmynë. Hier wurde wieder Tolkiens Mittelerde tatkräftig ins Leben gerufen und der alte Mann wäre ohne Zweifel stolz darauf gewesen oder wahrscheinlich glatt selbst nach Neuseeland gezogen, wenn er das zu Lebzeiten alles geahnt hätte. Dass die Academy hierfür keine Auszeichnungen springen ließ und diese stattdessen an Chicago ging, bleibt wie so viele Entscheidungen der Academy einfach nur unverständlich.

Jackson selbst erzählt die Geschichte der Bücher 3 und 4 nicht chronologisch, sondern vermischt sie nach Belieben, dabei den Anschein aufrecht erhaltend, dass was man sieht simultan abläuft. Der Film knüpft an Gandalfs Kampf gegen den Balrog an, um schließlich zu Frodo und Sam in den Emyn Muil umzuschwenken. Nachdem diese Gollum gezähmt haben, geht es nach Rohan zu den übrigen Gefährten. Hier wird man gleich mit einer neuen Figur konfrontiert, welche den Zuschauer noch den Rest des Filmes über begleiten wird: Gimli der Pausenclown. Ganze sechs lächerliche Szenen wird Jackson seinem Publikum mit diesem comic relief schenken, sei es ein Gimli der stolpert, am Hof des Königs rülpst (!), Späßchen mit Fangorn und seinen Gefährten Aragorn und Legolas treibt. Könnte Tolkien das sehen, er würde sich im Grab umdrehen. Gimli, der stellvertretend für das ganze Geschlecht der Zwerge steht, wird von Jackson lediglich als Spaßmacher für das Publikum inszeniert – das ist schon irgendwie traurig und wird höchstens noch abgelöst, wenn Orlando Bloom auf einem Schild durch die Schlacht von Helms Klamm surft und nebenher Orks erschießt (und weil das ganze so toll war, darf Bloom im dritten Teil noch mal surfen, aber dazu an gegeben Ort mehr) oder wenn Gandalf in Meduseld an Theoden einen Exorzismus erster Güte praktiziert.

Selbstverständlich gibt es kleinere Änderungen gegenüber der Buchvorlage und diese fallen auch nicht weiter ins Gewicht. Die Verfolgung Gollums ist den Hobbits erst nicht sonderlich bewusst und der von Theoden verbannte Éomer hält ein ganzes Heer und schenkt drei Fremden bereitwillig zwei Pferde. Frodo verfällt viel zu stark dem Ring und Gandalfs Wiedergeburt wird nicht sonderlich erklärt, will sagen der Fakt, dass er zur Rasse der Ainu gehört und daher im Vergleich zu Menschen eine Art göttliches Wesen ist. Sméagol ist die durch und durch gute Seite von Gollum, die keinerlei Interesse am Ring zeigt und Frodo lügt Faramir in Bezug auf Gollum an. Überhaupt ist in Gondor bekannt gewesen, dass der Eine Ring gefunden wurde (daher hat Boromir im ersten Teil auch so überrascht reagiert!), Erkenbrand wird aus dem Skript gestrichen und durch Éomer ersetzt, Haldir und die Waldelfen kommen, um in Helms Klamm zu sterben. Jeder spricht die Sätze des anderen, Aragorn die von Theoden und Theoden die von Aragorn. Dies alles…ist gar nicht weiter schlimm! Auch nicht dass Theoden und sein Volk von Wargs angegriffen werden und Aragorn vermeintlich stirbt (oh mein Gott! Wer hat denn das tatsächlich gelaubt?). Änderungen der Handlung, Änderungen der Satzstruktur, alles gestattet und nicht weiter schlimm.
Es sind die Änderungen der Charaktere die Schmerzen, derartig schwere Änderungen, dass man sie nur noch als Vergewaltigungen bezeichnen kann. Im Film verbünden sich Saruman und Sauron gegen den Rest der Welt - kein Wort davon, dass Saruman den Ring für sich alleine will. Wenn beide verbündet sind bleibt unverständlich, wieso Sauron Saruman nicht ein paar Nazgûl, Oliphanten oder Haradrim nach Helms Klamm schickt. Dies wird besser verständlich, wenn man bedenkt, dass beide nicht mehr miteinander verbündet, sondern Konkurrenten um den Ring geworden sind. Zudem werden die meisten Charaktere als schwächlich dargestellt. Theoden, König von Rohan, bekommt Muffensausen und flieht mit seinem Volk nach Helms Klamm, einer Burg, die sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand steht. Welcher König würde eine so dämliche Entscheidung treffen? Im Buch ist es Theodens Entscheidung gegen Saruman zu ziehen und zwar ohne Frauen und Kinder, deren Anwesenheit bei Jackson nicht wirklich klar wird. Und Baumbart, das älteste Wesen von Mittelerde, hat keinerlei Ahnung was in seinem Wald vor sich geht und muss von Merry und Pippin dazu überlistet werden, das Ausmaß von Sarumans Verhalten zu sehen und in den Krieg zu ziehen. Fraglich woher die beiden Hobbits über das Ausmaß des Weißen Zauberers Bescheid wissen, aber dies ist nur eines von vielen Logiklöchern, in das Jackson fällt.

Die Szene mit dem Warg-Angriff und Aragorns „Tod“ bringen die Handlung kein Stück voran und erfüllen eigentlich überhaupt keinen Zweck. Die Inszenierung des Liebesdreiecks Aragorn-Arwen-Éowyn ist auch nur für das Kinopublikum gewählt, spielt diese (sexuelle) Liebe im Roman doch gar keine Rolle. Genauer gesagt – und bereits angesprochen – ist Arwen die wohl unwichtigste Figur im ganzen Herr der Ringe Universum, wobei man ihr da vielleicht auch Unrecht tut. Doch die Bedeutung die sie hat und die in Appendix A zu finden ist, wird sie bei Jackson nicht gerecht, der diesen Erzählstrang eigenständig umändert. Da Arwen, logischerweise, keinen Zweck erfüllt, kann sie nur als Liebesobjekt inszeniert werden, welchem dann sogar noch Eigenraum zugestanden wird. Sich erst für Aragorn entscheidend, reichen zwei Sätze ihres Vaters aus, dass sie Mittelerde verlassen will, ehe sie dann doch nochmals kehrt macht. In dieser Hinsicht spielt auch die allwissende Cate Blanchett in einer nichts sagenden Szene eine Rolle. Die Frage warum die Elfen bei Helms Klamm zur Unterstützung kommen, wird ebenfalls nicht beantwortet und der daraus erhoffte Klimax erschließt sich einem nicht, wirft lediglich die Frage auf, wie die Elfen so schnell bei Helms Klamm sein konnten und woher sie wussten wo sie hin sollten.

Andere drastische Entscheidungen, natürlich für den Klimax, trifft Jackson bezüglich Frodo. Dieser wird scheinbar durch den Ring so geschwächt, dass er sich von Gollum mehr und mehr gegen Sam ausspielen lässt – was im letzten Teil zu einer weiteren grotesken Szene führen soll. Im Buch streiten sich Frodo und Sam zu keiner Zeit, zu sehr spielt hier auch das Lehnverhältnis zwischen beiden eine Rolle, welches im Film jedoch nicht angesprochen wird. Getoppt wird dies alles durch den Auftritt von Faramir und den Zug nach Osgiliath, der keinerlei Sinn macht (auch nicht in Bezug auf Spannungsaufbau). Entweder hat Jackson die Figur und den Umstand von Faramir nicht verstanden oder er hat keinen Wert darauf gelegt. Die Bedeutung dessen, dass eigentlich Faramir zu Elrond geschickt werden sollte und Boromir seines Ehrgeizes wegen dieser Entscheidung zuvorkam, offenbart sich hier nicht. Faramir wird genauso machtgeil dargestellt wie sein Bruder und trifft erst in Osgiliath seine richtige Entscheidung, als er Frodo Auge in Auge mit einem Nazgûl sieht. Ein weiteres Spannungselement, welches Jackson in ein Logikloch stößt, denn wenn der Ringgeist Frodo, bzw. auch nur einen Hobbit in Osgiliath sieht, hätte Sauron dem ganzen Gebiet sicherlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Frodo, Faramir, Baumbart und Theoden werden für das Kinopublikum und dessen Spannungserwartungen verweichlicht und moralisch korrumpiert, die Empathie der ganzen Handlung liegt auf den Kampfszenen. Über hundert Seiten strich Jackson aus den beiden Büchern und stopfte den Anfang des dritten noch an das Ende des ersten Filmes, während die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches in den dritten Film hinüber wandern - schließlich musste Platz geschafft werden für die wichtige Liv Tyler Szene. Gab es auch im ersten Teil manche Streichungen und verfilmte Jackson dort drei Seiten pro Minute, folgt der zweite Teil nunmehr eher der Vorlage. Das vierte Buch wird mit zwei Seiten pro Minute verfilmt (wobei der Kampf gegen Kankra der….Spannung – natürlich – wegen in den dritten Teil fällt), während Jackson das dritte Buch fast mit einer Seite pro Minute in Szene setzt. Höhepunkt des ganzen ist dann die Schlacht von Helms Klamm, für welche sich der Neuseeländer sogar zwei Minuten für jede einzelne Seite nimmt und somit den Kampf ganz klar in den Vordergrund stellt, während er bei Tolkien eine weniger wichtige Rolle spielt. Die zweite Verfilmung von Peter Jackson hat weniger mit Tolkiens Vorlage zu tun, als es noch beim ersten Teil der Fall war und erzählt eher eine Handlung, die auf dem Werk des Briten grob basiert, als dessen Vision seiner Geschichte. Was bleibt ist opulent in Szene gesetztes Effektgewitter ohne dem Tiefgang der Vorlage dabei gerecht zu werden.

6.5/10

7. April 2007

300

Brave amateurs. They do their part.

Damals im Kino war ich ja sehr angetan von 300, die Action und die Optik hatten einen extrem hohen Unterhaltungswert. Im Zuge der Neustrukturierung meiner diesjährigen Top-5 habe ich alle Film der Liste einer zweiten Sichtung unterzogen und es gab in der Tat eine Neuordnung. Trotz allem ist 300 aber der unterhaltsame Slaher-Film geblieben, als den ich ihn in Erinnerung behalten hatte. Es zeigt sich, dass Zach Snyder doch mehr Talent besitzt, als man ihm vielleicht zuzutrauen bereit war, da mag man von Dawn of the Dead und 300 denken was man will, aber eine gewisse Vorfreude auf Watchmen weckt das ganze dann schon. Basierend auf den Comic von Frank Miller, welcher wiederum die historischen Ereignisse der Schlacht in den Thermopylen zur Grundlage seiner Erzählung hatte, bekommt hier der Zuschauer vor allem eines nicht: eine Lektion in Geschichte. Miller war seiner Zeit beeindruckt von dem Film The 300 Spartans (Der Löwe von Sparta) gewesen und hatte anschließend – da von Militärgeschichte begeistert – die Geschehnisse nachrecherchiert. Das macht jedoch weder den Comic noch den Film zu etwas von geschichtlicher Bedeutung, 300 ist kein Monumental-, sondern ein Fantasyfilm.

Tatsächlich wurden die spartanischen Jungen, wie in 300 dargestellt, von ihrem 7. Lebensjahr an militärisch erzogen, sprich alle Jungen waren wehrpflichtig. Leonidas selber war bei Ausbruch des Perserkrieges 481 jedoch schon über 50 Jahre alt gwesen und hatte in keiner Weise die Autorität gehabt, Xerxes oder dem Perserreich den Krieg zu erklären. Schon allein deshalb nicht, weil die Spartaner traditionell zwei Könige hatten, die jedoch mehr Feldherren wie Könige waren. Ebensowenig war Leonidas auf eigene Faust und vorab geplant zu den Thermopylen gezogen, sondern geschah dies im Zuge eines strategischen Feldzuges unter Mitwirkung des spartanischen Ältestenrates. Für Spartaner war es sicher nicht selbstverständlich freiwillig den Tod in der Schlacht zu suchen - die Entscheidung Leonidas' an den Thermopylen zurück zu bleiben, weckte gerade dadurch Bewunderung, da es im Prinzip ein Einzelfall war. Perserkönig Xerxes wird auch sicher nicht so ausgesehen haben, wie er im Film dargestellt wird (Schmuck behangen und haarlos), genauso wenig werden in den Perserreihen Mutanten und sonstige Kreaturen mitgekämpft haben (was sich von selbst verstehen dürfte). Der Einsatz von Granaten ist ein weiteres Beispiel für die Unernsthaftigkeit der Handlung

Neben der historischen Grundlage (300 Spartaner besetzten einen Pass und verteidigten diesen bis auf den Tod gegen Xerxes’ Perserarmee) erzählt 300 eine Geschichte voller Pathos: Perserkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) will das Hellenenreich erobern und rückt mit seinen Truppen vor. Der Spartanerkönig Leonidas (Gerard Butler) will sein Volk nicht der Sklaverei aussetzen und erklärt Xerxes den Krieg. Da er hierbei jedoch keine Unterstützung des Ältestenrates erfährt, zieht er auf eigene Faust mit 300 weiteren Spartanern gezielt zu den Thermopylen, um den Engpass ins Hellenenreich zu besetzen. Problemlos hält er drei Tage lang mit seinen Männern gegen eine Überzahl von Feinden stand, ehe der Verräter Ephialtes den Persern einen geheimen Pass in den Rücken von Leonidas’ Truppen offenbarte. Währenddessen versucht Königin Gorgo (Lena Headey) in Sparta den Ältestenrat zur Truppenunterstützung ihres Mannes zu bewegen und muss sich mit dem korrupten Theron (Dominic West) auseinandersetzen.

Was Zack Snyder mit 300 visuell gelungen ist, lässt sich einfach nur als atemberaubend beschreiben, die Bilder sind in so prächtige Farben getaucht, dass man wirklich nur staunen kann. Auch vom Ton und Schnitt her lässt es sich wohl kaum besser machen und jener Effekt wird besonders dadurch erreicht, dass Snyder den Film mit doppelter und teils sechsfacher Geschwindigkeit drehen ließ, um ihn anschließend in normaler Geschwindigkeit wieder abspielen zu lassen, was dann in den zeitlupeartigen Bilden resultierte. Die musikalische Untermalung von Tyler Bates ist wahrlich perfekt, auch wenn ihm Plagiatsvorwürfe gegenüber Elliott Goldenthal’s Score für Titus gemacht worden sind. Vom technischen Aspekt her kann man dem Film also keinen Vorwurf machen - aber das wurde bereits im Vorfeld überall gesagt.

Man darf jedoch keinesfalls vergessen, dass 300 vom Zuschauer nicht ernst genommen werden will, das zeigt Snyder ziemlich deutlich. Gerade deswegen lassen Miller und Snyder auch Dilios die Geschichte erzählen, um ihr gezielt einen subjektiven Charakter zu verleihen. Die Geschichte von Frank Miller und der Film von Snyder wollen keine historischen Fakten präsentierten und kein Monumentalepos sein - sondern Unterhaltung. Von der viel gehörten Kritik, dass in 300 ständig halbnackte Menschen zu sehen ist, muss ich Abstand nehmen. Die Spartaner waren für ihre spärliche Kleidung bekannt, sicherlich hatte damals kaum einer einen gestählten Waschbrettbauch, aber das ist ja auch Eigenheit des Films. 300 erzählt eine ihm eigene Geschichte (aus der subjektiven Sicht Dilios' an seine Mit-Spartaner gerichtet) und ist für mich durch und durch Fantasy. Der Kampf des Guten gegen das Böse, versinnbildlicht durch körperliche Missbildungen oder Mutanten jeglicher Art. Dazu das ständige Harooh! der Spartaner, das für ihre Gemeinschaftlichkeit steht. Zugegeben, Dilios' (David Wenham) pathetische Lobhudeleien aus dem Off hätten weniger sein können, aber was solls. Die Kampfszenen selber sind ein Genuss für das Auge (ohne jetzt Gewalt zu verherrlichen), aber absolut wunderschön anzusehen und glänzend choreographiert.

Was man eben nicht darf, ist diesen Film politisieren. Xerxes und seine Perser haben in meinen Augen nichts mit 1. dem damaligen Xerxes per se und 2. mit den heutigen Persern, bzw. Iranern zu tun. Miller hat einfach eine Schlacht von vielen in der Antike ausgeschlachtet, aufgrund ihrer historischen Bedeutung und ihrem Beitrag zum Ruhm der Spartaner (welcher 100 Jahre später vorbei sein würde). Snyder will nichts anderes als unterhalten, dies tut er durch die Videoclip-Ästhetik, die Hack&Slay Gewalt, die Waschbrettbäuche und Titten. 300 ist ein durchgestyltes B-Movie auf höchstem Niveau in meinen Augen und ich hatte mich seit langem nicht mehr so köstlich amüsiert im Kino wie bei diesem Film. Dabei ist 300 an sich ist nicht vergleichbar mit Sin City oder jedem besserem Monumentalfilm wie Ben Hur. Für sich gesehen ist er aber nahezu perfekt und ein Meisterwerk. Snyder schafft es sogar filmische Anekdoten an Klassiker wie Gladiator oder The Fellowship of the Ring zu liefern, besonders in der golumschen Figur des Verräters Ephialtes. Der Film leidet aber darunter, dass er gute 20 Minuten zu lang ist und sich durch die Einschübe von Königin Gorgo nur hinauszögert, was aufgrund der historischen Fakten und im Vergleich zum Comic absolut unnütz für die eigentliche Handlung war.

8/10