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1. Dezember 2015

Filmtagebuch: November 2015

APPROACHING THE ELEPHANT
(USA 2014, Amanda Wilder)
6.5/10

BEST OF ENEMIES
(USA 2015, Robert Gordon/Morgan Neville)
7/10

BIG EYES
(USA/CDN 2014, Tim Burton)
4/10

THE END OF THE TOUR
(USA 2015, James Ponsoldt)
6/10

FRIDAY THE 13TH [FREITAG DER 13.]
(USA 2009, Marcus Nispel)

2.5/10

GAME OF THRONES – SEASON 3
(USA 2013, Daniel Minahan/David Nutter u.a.)
5.5/10

GIRLS GONE DEAD [BIKINI SPRING BREAK MASSAKER]
(USA 2012, Michael Hoffman Jr./Aaron T. Wells)
4.5/10

THE GREAT BRITISH BAKE OFF – SEASON 5
(UK 2014, Andy Devonshire)
7/10

GÜEROS
(MEX 2014, Alonso Ruiz Palacios)
6/10

JONGENS [BOYS]
(NL 2014, Mischa Kamp)

5.5/10

THE MAN FROM U.N.C.L.E. [CODENAME: U.N.C.L.E.]
(USA/UK 2015, Guy Ritchie)
5.5/10

MARVEL’S JESSICA JONES
(USA 2015, S. J. Clarkson u.a.)
3.5/10

MAGGIE
(USA 2015, Henry Hobson)
7.5/10

MASTERCHEF – SEASON 6
(USA 2015, Brian Smith)
7/10

MISTRESS AMERICA
(USA 2015, Noah Baumbach)
7.5/10

OMOIDE NO MĀNĪ [ERINNERUNGEN AN MARNIE]
(J 2014, Yonebayashi Hiromasa)

7.5/10

SPACEBALLS
(USA 1987, Mel Brooks)
6/10

TANGERINE
(USA 2015, Sean Baker)
6/10

VICTORIA
(D 2015, Sebastian Schipper)
6/10

YOUTH [EWIGE JUGEND]
(I/F/CH/UK 2015, Paolo Sorrentino)

6.5/10

Retrospektive: Star Wars


STAR WARS [KRIEG DER STERNE]
(USA 1977, George Lucas)

9.5/10

THE EMPIRE STRIKES BACK [DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK]
(USA 1980, Irvin Kershner)

9/10

THE RETURN OF THE JEDI [DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER]
(USA 1983, Richard Marquand)

8/10

STAR WARS – EPISODE I: THE PHANTOM MENACE
[STAR WARS – EPISODE I: DIE DUNKLE BEDROHUNG]
(USA 1999, George Lucas)

3/10

STAR WARS – EPISODE II: ATTACK OF THE CLONES
[STAR WARS – EPISODE II: ANGRIFF DER KLONKRIEGER]
(USA 2002, George Lucas)

3.5/10

STAR WARS – EPISODE III: THE REVENGE OF THE SITH
[STAR WARS – EPISODE III: DIE RACHE DER SITH]
(USA 2005, George Lucas)

2/10

10. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Return of the King

The Return of the King (1955)

Der Abschluss einer großen Trilogie, die so nie eine sein wollte, fand sich ein Jahr nach Erscheinen des ersten Teiles mit The Return of the King. Wie bereits zuvor wurden zwei Büchern von den Herausgebern zu einem Band zusammengefasst und erhielten den übergreifenden Titel, mit dem Autor J.R.R. Tolkien zu Lebzeiten nie viel anfangen konnte. Viel zu viel vorweg würde der Titel nehmen und deswegen hätte er lieber Einzeltitel für die jeweiligen Bücher vergeben, wie es auch bei den anderen vier der Fall gewesen war. Doch Hand aufs Herz, eine wirkliche Überraschung dürfte die Auflösung von Tolkiens Buch nicht gewesen sein. Sowohl Aragorns Krönung als auch die Zerstörung des Ringes zeichneten sich bereits bei der Einführung der Thematik ab. An sein sechstes Buch knüpften die Herausgeber dann noch fünf Appendixe an, welche sich nicht nur mit Tolkiens erfundener Sprache, sondern auch Dynastien und Vorgeschichten aus Mittelerde beschäftigen. Ursprünglich hätte es der Autor gerne gesehen, wenn die sechs Bücher des Herrn der Ringe gemeinsam mit den Appendixen und dem Silmarilion herausgegeben worden wären - diese Idee ließ sich jedoch, wie bereits beim zweiten Teil angesprochen, aufgrund der Papierknappheit der Nachkriegszeit nicht verwirklichen. Wie dem auch sei, mit The Return of the King geht eine der größten Fantasy-Geschichten aller Zeiten in ihr krönendes Ende.

Das fünfte Buch (The War of the Ring) knüpft wieder ausschließlich an die Geschehnisse im Westen rund um Gandalf und Aragorn an. Da Pippin in den Palantir geblickt hat, macht sich Gandalf mit ihm auf die Reise nach Minas Tirith, welches bereits seine Verbündeten durch die Leuchtfeuer um Hilfe gerufen hat. Währenddessen rufen König Theoden und sein Neffe Éomer die Männer Rohans zur Musterung und Aragorn macht sich gemeinsam mit Legolas, Gimli und den neu dazu gestoßenen Dúnedain auf den Weg durch den Pfad der Toten, um ein vor langer Zeit gebrochenes Versprechen wieder einzulösen. In Minas Tirith schickt Denethor, der Verwalter Gondors, mit liebloser Sturheit seinen Sohn Faramir in Schlacht um Schlacht, als er erfährt, dass dieser den Einen Ring nach Mordor hat passieren lassen. Die Stadt selbst sieht sich der Belagerung Mordors ausgesetzt und hofft auf das rechtzeitige Eintreffen der Rohirrim. Seinen eigenen Palantir benutzend sieht Denethor die mächtige Armee des Ostens und stürzt schließlich in den Wahnsinn, als Faramir von einer Suizidmission schwer verwundet heimkehrt. Während Gandalf Faramirs Ermordung verhindert, wird auf den Feldern von Pelennor nach dem Eintreffen der Rohirrim und Aragorns, der eine Seeflotte der Korsaren gekapert hat, die Zerstörung Minas Tiriths verhindert. Obschon Theoden fällt, gelingt es Merry und Éowyn den Anführer der Nazgûl und Hexenkönig von Angmar zu töten. In den Heilenden Häusern kann Aragorn das Leben von Faramir, Éowyn und Merry retten und reitet schließlich mit den verbliebenen Truppen zum Schwarzen Tor, um das Auge Saurons von Frodo im eigenen Land abzulenken.

Nachdem man Frodos Schicksal im Turm Cirith Ungols am Ende des vierten Buches in der Schwebe gelassen hat, knüpft das sechste Buch (The End of the Third Age) an Sams Rettungsaktion an. Es gelingt ihm Frodo zu befreien, auch wenn die Schergen Mordors nun über zwei Spione informiert sind. Gemeinsam - und erneut mit Gollum auf ihren Fersen -, schlagen sie sich schließlich mit knappen Wasservorräten zum Schicksalsberg durch, an welchem sich Gollum schließlich in einer offenen Attacke zu erkennen gibt. Es gelingt Sam Frodo Zeit zu verschaffen, um den Vulkan zu betreten, doch Frodo reißt den Ring am Ende an sich. Durch Abbeißen von Frodos Finger fällt der Ring jedoch wieder in den Besitz Gollums – doch fordert dies seinen tödlichen Tribut als er dabei ungeschickt stürzt und der Ring schließlich vernichtet wird. Saurons Macht zerfällt und Mittelerde, sowie Gondors Armee vor dem Schwarzen Tor, sind gerettet. In den folgenden Feierlichkeiten wird Aragorn vor den Stadttoren zum König von Gondor erklärt und heiratet schließlich Arwen Undómiel in der Stadt seiner Väter. Éomer wird König von Rohan und Faramir zum Prinzen von Ithilien erhoben und zugleich mit Éowyn verlobt. Im Auenland angekommen müssen die Hobbits jedoch nochmals zu den Waffen greifen, da sich Saruman dort eingenistet hat. Am Ende finden alle jedoch ihr friedliches Ende und Frodo verlässt mit Bilbo, Elrond, Galadriel und Gandalf schließlich an den Grauen Anwanden Mittelerde für immer.

Tolkien fasste sich in seinen beiden letzten Büchern verhältnismäßig knapp und scheint seiner eigenen Geschichte letzten Endes wohl etwas überdrüssig geworden zu sein. Die letzten Kapitel beschäftigen sich ausschließlich mit dem Ende des Dritten Zeitalters und den Veränderungen die es mit sich brachte. Etwas sauer stößt das Finale auf, wenn Sauron auf zwei westliche Spione in seinem Land nicht sonderlich zu reagieren scheint, Aragorn hin oder her. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, wenn Sam Gorbag doch getötet hätte und der Alarm nicht losgegangen wäre. Eine besondere Stellung nimmt schließlich die Säuberung des Auenlandes ein, zeigt sie, dass auch vor der beschaulichen Heimat der Hobbits der Krieg um Mittelerde nicht Halt gemacht hat und bildet zugleich sozial-politische Kritik von Tolkien am Nachkriegsengland der 1920er Jahre. Tolkien gelang mit seinem Buch eine brillant gestaltete Welt voller liebevoller Details, von unsagbarer Schönheit und großen Idealen. Ein würdiges Ende des Dritten Zeitalters bildet das Ende einer der bestgeschriebensten Sagen des 20. Jahrhunderts über eine Geschichte von Pathos, Liebe, Freundschaft und Loyalität, sowie das Kämpfen für den Frieden, der in den richtigen Händen kein Trugschluss sein muss. In über eintausend Seiten schuf ein einzelner Mann eine ganze Welt, allein durch die Kraft seiner Gedanken.


The Return of the King - Special Extended Edition (2003)

So we come to it in the end, the great battle of our time.

Dank der Arwen- und Galadriel Szenen, sowie dem unheimlich wichtigen Pseudo-Tod von Aragorn, war in der zweiten Verfilmung kein Platz mehr gewesen für die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches, sodass die ausgelassenen 105 Seiten einfach in den dritten Teil einflossen. Eingeleitet wird The Return of the King von einer Rückblende über die Wandlung von Sméagol zu Gollum, wie sie Gandalf Frodo gegenüber im ersten Band geschildert hat. Ursprünglich war diese Rückblende für den zweiten Teil vorgesehen und bei der Begegnung der Hobbits mit Gollum in den Emyn Muil angedacht. Dort hätte sie auch sehr viel besser hingepasst, als dies zu Beginn des dritten Teils der Fall ist. Jackson knüpft dann bei den Hobbits und ihrer Flucht aus Osgiliath an und lässt sie die Wanderung zum Scheideweg unternehmen. Jedoch nur kurz, ehe er sich der versprengten Gefährten und ihrem Ritt nach Isengart widmet. Wie bereits im zweiten Teil, sprengt Jackson den jeweils eigenständigen Erzählstrang und erzählt seine Version des Herrn der Ringe parallel. Seine Absicht die Geschichte chronologisch nebeneinander zu erzählen misslingt ihm dabei jedoch ein ums andere Mal und die ständigen Schnitte von einem Ort zum anderen stören vermehrt den Erzählfluss. Da das Gespräch mit Saruman – welches in der Kinofassung entfällt - ziemlich beschnitten ist, macht die Reise von Gandalf und Co. nach Isengart keinen wirklichen Sinn - wie es noch bei den meisten anderen von Jacksons eigenwilligen Änderungen sein wird.

Nachdem Pippin in den Palantir schaut, reitet Gandalf mit ihm nach Minas Tirith, sieht unterwegs aber weder einen Nazgûl, noch die erleuchteten Leuchtfeuer. Das findet seine Ursache in der nächsten charakterlichen Vergewaltigung, denn Gondor ruft keineswegs seine Verbündeten zur Hilfe. Denethor wird als stur und starrsinnig gezeigt, der von der ersten Szene an jeden Bezug zur Realität verloren hat. Ohne jeglichen Respekt inszeniert Jackson den Verwalter von Gondor und lässt das ganze am Ende schließlich in einer grotesken Fress-Szene und einem lächerlichen Tod enden (mit Gandalf als Mörder). Auch der Zusammenhang zwischen Denethor und dem Palantir wird nicht erläutert und dessen Existenz später in einer Szene mit Aragorn einfach dem Publikum präsentiert. Peter Jacksons Lieblingsausrede dürfte wieder die Spannungserzeugung gewesen sein, wobei sich nicht erschließen lässt, inwiefern es Spannung erzeugt, wenn Theoden und Denethor als sture Böcke dargestellt werden, die von Gandalf und Pippin ausgetrickst werden müssen. Zudem eröffnet Jacksons eigenwillige Änderung der Handlung ein Logikloch, welches er einfach ignoriert. Die Frage warum Denethor Gandalf nicht aus der Stadt schmeißt, nachdem dieser das Leuchtfeuer entfacht, beantwortet er nicht.

Ein weiterer und viel schwerwiegenderer Fehler ist Jackson dabei gleich zu Beginn unterlaufen, denn in seiner Version - siehe den Bericht zum zweiten Teil - waren Saruman und Sauron ja verbündet miteinander und Saruman weiß von Frodos Mission den Ring in Mordor zu zerstören. Da Saruman bei Jackson jedoch das Schoßhündchen von Sauron ist, müsste dieser von Frodo und dessen Mission ebenfalls Bescheid wissen, spätestens als Isengart fällt, dürfte ihm der weiße Zauberer dies mitgeteilt haben. In Jacksons Filmversion hätte Frodo niemals die Schicksalsklüfte betreten können und der Film dürfte gar kein gutes Ende haben. Aber auch dieses Problem ignoriert der Neuseeländer einfach. Während Gandalf in Minas Tirith Schalten und Walten kann wie es ihm passt, bekommt Aragorn bei der Musterung der Rohirrim Besuch von keinem geringeren als Elrond selbst. Dieser überreicht Aragorn stolz Andúril und entscheidet somit dessen Schicksal. Der zögerliche Aragorn Jacksons entscheidet sich also fünf vor zwölf, dass er König von Mittelerde werden will. So einem König folgt man bereitwillig in die Schlacht, das versteht sich von selbst. In der Vorlage hat Aragorn seine Entscheidung bereits in Bruchtal getroffen und dort die Schmiedung Andúrils selbst in Auftrag gegeben. Die Bedeutung seiner Entscheidung und somit seine Charaktereigenschaft geht in der Filmversion total verloren. Zufälligerweise kampieren Aragorn und Konsorten in derselben Nacht auch vor dem Pfad der Toten, über den Legolas im übrigen sehr viel mehr weiß, wie der Erbe Isildurs, obschon er unerschrocken diesen Pass betritt.

Munter weiter im fröhlichen Uminterpretieren geht es auf dem Pfad von Cirith Ungol. Dort treibt Gollum sein Unwesen und spielt die „garsstigen Hobbitses“ geschickt gegeneinander aus, sodass nach einer kleinen Intrige Frodo seinen Sam verstößt, mit den tollen Worten „Geh heim!“, was tausende Meilen vom Auenland nur noch lächerlich wirkt. Wenn man sich fragt, was das ganze soll, da Frodo im Buch zu keinem Zeitpunkt ernsthaften Streit mit Sam hat, dann klatscht einem Jackson sicherlich erneut die Spannung um die Ohren. Spannung Spannung, Spannung – man kann sich kaum in den Sitzen halten, wenn Sam die Treppen runtertrottet, denn jeder dürfte davon ausgehen, dass der jetzt einfach nach Hause spaziert (so wie jeder im zweiten Teil dachte, dass Aragorn tot gewesen ist). Wem Jackson hier was vormachen will, wird nicht ganz klar, idiotisch ist die Szene allemal. Auch das Frodo von Kankra nicht in den Nacken, sondern durch sein Mithrilhemd hindurch gestochen wird (!) ist wieder Jacksonscher Schwachsinn sondergleichen. Folglich wird Sam in Jacksons Version auch nicht zum Ringträger, allgemein wird dessen Rolle in der Filmtrilogie sträflichst unter den Teppich gekehrt. Dass Sam Gorbag laufen lässt und dieser mit dem Kettenhemd entkommen kann, wird im Film (in welchem Sam zum Super-Sam mutiert und einen Ork nach dem anderen fällt, nachdem er Kankra im offenen Kampf gestellt hat) auch nicht klargestellt. Anschließend wird die Reise der beiden Hobbits durch Mordor auf ein Minimum begrenzt, bevor es dann zum Klimax kommt.

Derweil bereitet Jackson sein Herzstück des Filmes vor, welches wie zuvor in The Two Towers natürlich wieder aus der Schlachtszene besteht. Auch wenn der Sturm der Rohirrim in der im Film gezeigten Form keinen Sinn macht, ist dies dennoch die stärkste Szene, untermalt mit großartiger pathetischer Musik und schönen goldbraunen Tönen. Bevor es dann wieder einen surfenden Legolas zu sehen gibt (diesmal auf einem mûmakil und immer schön mitzählend „neunzehn!“, „zwanzig!, „einundzwanzig!“), wird erstmal Éowyn als alles niedermähende Kampfamazone gezeigt, nachdem sie zuvor unerkannt bis nach Gondor geritten ist. Die Schlacht entscheiden tut Aragorn dann praktisch im Alleingang, dank seiner Armee der Toten (welche sich im Buch beim Angriff auf die Korsaren verabschieden). Wenn man sich die Armee der Toten so ansieht, fragt man sich schon, wieso Jackson überhaupt die Rohirrim einbaut, denn eigentlich hätte Elrond Aragorn auch direkt in den Pfad der Toten schicken können, wenn diese wie ein Putzkommando alles ausmerzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Doch wer bei Jackson nach Logik fragt, erhält nur Schweigen.

Dass The Return of the King dreimal so viele Effekte hat, wie es noch bei Fellowship der Fall gewesen ist, merkt man dem Film deutlich an, denn die meisten Effekte sind nunmehr zu offensichtlich und blättern ab, wirken weniger bis gar nicht glaubhaft. Wieso Jackson so viele Szenen mit Aragorn und Éowyn dazu erfindet und dann in einer einzelnen Szene die Liebesgeschichte zwischen ihr und Faramir abhandelt, ist auch unverständlich. Aragorns heilende Hände und die Bedeutung von ihnen wird in der Szene mit den Heilenden Häusern ebenfalls unterschlagen. Warum Jackson solche Erinnerungsfetzen einbaut, wenn er sie nicht erläutert oder weiter verfolgt, ist unverständlich. Aragorn reitet jedenfalls zum Schwarzen Tor und die Geschichte nimmt ihren Lauf und mündet in Jacksons fünffacher Überblendung und einem 45minütigen Finale, welches sich problemlos in die schlechtesten Filmenden aller Zeiten einreiht. Dass der Film eigentlich auch The Return of Gimli Pausenclown heißen könnte, der sich weiterhin fröhlich durch Mittelerde rülpst oder der letzte Teil von Jackson sexistisch und aufs Äußerste gewaltverherrlichend inszeniert wurde, geht dabei fast unter. Platz für seine geliebte Cate Blanchett findet sich jedoch ebenso wie für Liv Tyler, die wie in jedem Teil mindestens einmal sagen darf, dass sie sich für ein sterbliches Leben entschieden hat. Warum am Ende Arwen jedoch mit dem Schicksal des Ringes verbunden wird, das bleibt wie der gesamte Film Peter Jacksons Geheimnis.

Viel wurde gestrichen, manches verändert. Sätze wechseln ihre Träger und neben Prinz Imrahil tauchen auch Elronds Söhne und die Dúnedain nicht in der Handlung auf. Der Ritt durch den Drúadan-Wald entfällt, ebenso wie der Heimmarsch der Gefährten und die Säuberung des Auenlandes. Falsch oder schlimm ist das nicht, lieber gar kein Prinz Imrahil, als dass Jackson nachher wieder seinen Charakter umdeutet. Die Ausstattung und Umgebung kann diesmal nicht so sehr punkten wie in den beiden Vorgängern, da die meiste Handlung entweder in Minas Tirith, Mordor oder in Schlachten spielt, welche hauptsächlich von digitalen Effekten dominiert werden. Auch Howard Shore kann nicht ganz an die Klasse des zweiten Teiles anknüpfen. Kritisch beäugt werden darf auch der Schnitt zwischen den beiden Discs, der wie bereits im zweiten Teil deutlich misslungen ist (obschon sich viele Gelegenheiten angeboten haben, zumindest bessere, als während einem gesprochenen Satz zu schneiden). Aus Jux und Dollerei drehte Jackson nach seinem Oscargewinn auch noch eine Szene nach, die er von Spielbergs Indiana Jones and the Temple of Doom geklaut hat. Dass The Return of the King elf Oscars bekommen hat, unter anderem für den besten Film und die beste Regie, verwundert bei der Academy nicht weiter, die meistens den misslungensten Film zum Film des Jahres erklärt, sowie die inkompetentesten Regisseur (s. Scorsese für The Departed oder dieses Jahr wahrscheinlich Scott für American Gangster).

Warum Peter Jackson die scheinbar so dröge Geschichte Tolkiens (anders lassen sich seine Spannungs-Vergewaltigungen des Stoffes nicht erklären) verfilmt hat, wird er vermutlich selber nicht wissen. Ist sein erster Teil noch verhältnismäßig gelungen, gibt er sich mit dem dritten Teil der Lächerlichkeit preis. Seine Veränderungen der Handlung sorgen allesamt für tiefe Löcher in der Handlungslogik, seine Spannungserzeugungen verpuffen alle so sehr (Gollums Pseudo-Tod - wieso muss in jedem Teil jemand scheinbar sterben? - oder Frodos Gehampel im Auge Saurons), dass man nur noch ein krampfhaftes Lachen hervorpressen kann. Das meiste Augenmerk richtet Jackson wieder auf seine Schlacht, für die a drei Seiten in vier Minuten erklärt, während der Verlauf des sechsten Buches mit zwei Seiten pro Minute auskommen muss. Ohne Respekt vor Tolkiens Figuren und Verständnis für die Handlung inszeniert Jackson ein Effektgewitter, das erneut zu keinem Zeitpunkt den Tiefgang der literarischen meisterlichen Vorlage erreicht und nichts weiter ist, als großes, stupides Mainstreamkino, welches für wahre Fans des Buches nur Versatzstücke bietet.

3.5/10

3. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Two Towers

The Two Towers (1954)

Ursprünglich besteht The Lord of the Rings wie bereits beim ersten Band erwähnt, aus sechs Büchern, welche später wegen der Papierknappheit des Zweiten Weltkrieges in drei Bänden erschienen, von welchen der zweite durch die Herausgeber den Namen Die Zwei Türme erhielt. Tolkien selbst äußerte sich, dass dies wohl der beste Titel ist, den man hätte wählen können, auch wenn sich der Titel nicht ausschließlich auf die meist gewählten Orthanc und Barad-dûr begrenzen lässt. Theoretisch müsste es sich vielmehr um den Orthanc und den Minas Morgul handeln – für die Verfilmung spielt dies jedoch keine Rolle, da hier der Minas Morgul nicht vorkommt. Die von Tolkien vergebenen Titel für die einzelnen Bücher lauteten für das dritte Buch, welches sich ausschließlich mit der nach Westen aufgesprengten Gruppe der Gefährten beschäftigt, Der Verrat von Isengard. Das vierte Buch, welches sich Frodos Reise mit Sam nach Mordor widmet, erhielt den Namen Die Reise der Ringträger. Da es sich um den Mittelteil eines Epos handelt, beginnen und enden die beiden Bücher abrupt, ohne ihre Charaktere erneut vorzustellen (wie es Mrs. Rowling immer bei ihren Büchern pflegte). Bestand das erste Buch noch aus einer verhältnismäßig ruhigen Einführung und das zweite Buch mit ersten ernsten Zügen, erhält der Krieg nunmehr Einzug in Mittelerde.

Im dritten Buch (Der Verrat von Isengard) findet Aragorn zuerst den sterbenden Boromir und erfährt, dass die Uruk-hai Merry und Pippin entführt haben. Schweren Herzens überlasst er Frodo und Sam sich selbst und setzt mit Legolas und Gimli zur Verfolgung an. In Rohan treffen sie schließlich nicht nur auf den tapferen Marschall Éomer, sondern können sich im Fangorn Wald auch der Sicherheit ihrer beiden Freunde sicher sein. Im Fangorn gibt es auch ein Wiedersehen der besonderen Art, denn Gandalf wurde nach seinem Sturz in die Schatten Morias wiedergeboren und führt die drei Freunde nunmehr nach Edoras. Dort ziehen sie mit König Theoden und dessen Neffen Éomer zur Schlacht gegen Sarumans Armee nach Helms Klamm. Während Merry und Pippin auf den Ent Baumbart treffen und mit ihm und seinem Volk den Angriff auf Isengard starten, organisiert Gandalf mit Erkenbrand, dem Herrn der Westfold Rohans, ein Heer und als der Kampf um Helms Klamm zu scheitern drohte, kann der Sieg doch noch errungen werden. In Isengard treffen die Gefährten wieder aufeinander und nach einem letzten Gegenüber mit Saruman ziehen sich Gandalf und die anderen zurück. Doch Pippin wagt einen Blick in Sarumans Palantir und verschafft somit Sauron das Wissen über die Anwesenheit eines Hobbits in Rohan. Während Theoden und die anderen ihre Männer sammeln, macht sich Gandalf mit Pippin auf den Weg nach Minas Tirith.

Im vierten Buch (Die Reise der Ringträger) treffen Frodo und Sam in den Emyn Muil auf ihren Verfolger Gollum. Da sie selbst sich des Weges unsicher sind, zwingen sie Gollum sie zum Schwarzen Tor zu führen. Während der erschöpfenden Reise durch die Totensümpfe nähern sich Frodo und Gollum etwas an, Frodo beginnt die Worte Gandalfs zu verstehen und empfindet Mitleid für Gollum. In das Gute in ihm glaubend, greift er auf seinen früheren Namen Sméagol zurück. Am Schwarzen Tor angekommen sehen sich die Hobbits ihrer Hoffnungslosigkeit gegenüber, lassen sich von Sméagol jedoch zur Nutzung eines geheimen Pfades am Minas Morgul überreden. In den Wäldern Ithiliens werden sie jedoch von Faramir, Gondors Kapitän und Bruder Boromirs, überwältigt. Als dieser erkennt, welche Aufgabe Frodo vollbringen muss, lässt er ihn mit frischem Proviant ausgestattet wieder auf freien Fuß. Am Minas Morgul angekommen sehen die Hobbits wie Sauron seine Armee nach Osgiliath schickt. Im letzten Stück des Pfades Cirith Ungol lässt Gollum die Hobbits in eine Falle laufen – Frodo wird scheinbar von der Riesenspinne Kankra ermordet. Sam, der zuerst die Reise alleine beenden will, flüchtet im Angesicht nahender Orks wieder an die Seite seines Herren, und indem er sich den Ring überstreift, wird auch er zum Ringträger. Die Orks offenbaren dem heimlich lauschenden Sam schließlich ein Geheimnis: Frodo lebt!

Da ich für die Zusammenfassung gerade aufgrund der Namen (Totensümpfe, Kankra) in die deutsche Übersetzung blicken musste, fiel mir fast die Kinnlade herunter, hatte ich doch erfolgreich vergessen, wie lieblos Wolfang Kreges Übersetzung ist. Egal, durch Tolkiens Teilung des Geschehens weiß man als Leser zuerst lange nicht, wie es um Frodo steht und dessen Reise verläuft. Etwas bitter aufstoßen tut dabei sicherlich Gandalfs Wiedergeburt, nachdem man ihn im zweiten Buch für tot geglaubt hat. Doch die Worte Elronds sollen sich bewähren und nicht nur Aragorn, Merry und die anderen sollen in Baumbart, Theoden und Éomer neuen Freunde auf ihrem Pfad finden, sondern auch Frodo mit Faramir in Ithilien. Die Handlung wird düsterer, Krieg liegt auf den Männern des Westens und Frodo beginnt unter dem Gewicht des Ringes erste Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Das Auge Mordors richtet sich nunmehr auf Gondor und Minas Tirith und es ist an Gandalf und den Anderen, Frodo noch mehr Zeit zu verschaffen. Doch hierfür muss Sam Frodo erstmal auf dem Turm am Cirith Ungol befreien, ehe er nach Lugbúrz überführt wird. Und auch Gollum befindet sich weiterhin auf freiem Fuss – klimatisch lässt Tolkien seine Geschichte in der Schwebe stehen.


The Two Towers – Special Extented Edition (2002)

My business is with Isengard tonight, with rock and stone.

Am nettesten zu lesen sind die verschiedenen Casting-Debatten rund um den Herr der Ringe, denn nachdem Stuart Townsend als zu jung für Aragorn angesehen wurde, fasste Peter Jackson Russell Crowe ins Auge, was sicherlich auch eine ansehnliche Wahl gewesen ware. Éowyn und Faramir sollten eigentlich von dem damaligen Paar Uma Thurman und Ethan Hawke gespielt werden, Orlando Bloom selbst hatte ursprünglich für die Rolle Faramirs vorgesprochen und Theoden-Darsteller Bernhard Hill war zuerst für die Rolle von Gandalf vorgesehen gewesen. Am Ende kam alles doch ganz anders und die Rollen von den Geschwistern Éomer und Éowyn, sowie Faramirs gingen an die bis dahin weitgehend unbekannten Schauspieler Karl Urban, Miranda Otto und David Wenham. Ansonsten lässt es sich Jackson jedoch nicht nehmen, erneut Hugo Weaving als Elrond und Cate Blanchett als Galadriel auftreten zu lassen, zusammen mit vielen weiteren moralischen Vergewaltigungen von Tolkiens Figuren. Alles selbstverständlich immer nur im Dienste der Spannungserzeugung, denn die Vorlage von Tolkien ist spannungstechnisch solche eine Schlaftablette, dass man sich fragt, wieso es überhaupt zu einer Verfilmung gekommen ist.

Vorab aber erstmal die erneut gelungensten Punkte. Howard Shore ist für The Two Towers ein weitaus besserer Score gelungen als bei Fellowhship, bzw. ein ebenso guter und Jackson hat diesmal darauf verzichtet jede einzelne Szene mit Musik zu unterlegen. Es wurde ihm scheinbar von jemandem zugetragen, dass dies nicht unbedingt notwendig ist und so sind es besonders die Szenen mit Frodo, Sam und Gollum, welche oft einfach für sich stehen, ganz ohne theatralisches Gedudel. Wie jedoch bereits im ersten Teil gebührt das größte Lob Alan Lee und John Howe, die eine phantastische Kulisse erschaffen. Die Unebenheiten und Kälte der Emyn Muil werden abgelöst von den perfekt inszenierten Totensümpfen – auch Rohan, Ithilien und der Fangorn Wald sehen so aus, wie man sich dies nach Tolkiens Vorlage vorstellen könnte. Lee und Howe beweisen auch ein Auge für die kleinen Details, wie die simbelmynë. Hier wurde wieder Tolkiens Mittelerde tatkräftig ins Leben gerufen und der alte Mann wäre ohne Zweifel stolz darauf gewesen oder wahrscheinlich glatt selbst nach Neuseeland gezogen, wenn er das zu Lebzeiten alles geahnt hätte. Dass die Academy hierfür keine Auszeichnungen springen ließ und diese stattdessen an Chicago ging, bleibt wie so viele Entscheidungen der Academy einfach nur unverständlich.

Jackson selbst erzählt die Geschichte der Bücher 3 und 4 nicht chronologisch, sondern vermischt sie nach Belieben, dabei den Anschein aufrecht erhaltend, dass was man sieht simultan abläuft. Der Film knüpft an Gandalfs Kampf gegen den Balrog an, um schließlich zu Frodo und Sam in den Emyn Muil umzuschwenken. Nachdem diese Gollum gezähmt haben, geht es nach Rohan zu den übrigen Gefährten. Hier wird man gleich mit einer neuen Figur konfrontiert, welche den Zuschauer noch den Rest des Filmes über begleiten wird: Gimli der Pausenclown. Ganze sechs lächerliche Szenen wird Jackson seinem Publikum mit diesem comic relief schenken, sei es ein Gimli der stolpert, am Hof des Königs rülpst (!), Späßchen mit Fangorn und seinen Gefährten Aragorn und Legolas treibt. Könnte Tolkien das sehen, er würde sich im Grab umdrehen. Gimli, der stellvertretend für das ganze Geschlecht der Zwerge steht, wird von Jackson lediglich als Spaßmacher für das Publikum inszeniert – das ist schon irgendwie traurig und wird höchstens noch abgelöst, wenn Orlando Bloom auf einem Schild durch die Schlacht von Helms Klamm surft und nebenher Orks erschießt (und weil das ganze so toll war, darf Bloom im dritten Teil noch mal surfen, aber dazu an gegeben Ort mehr) oder wenn Gandalf in Meduseld an Theoden einen Exorzismus erster Güte praktiziert.

Selbstverständlich gibt es kleinere Änderungen gegenüber der Buchvorlage und diese fallen auch nicht weiter ins Gewicht. Die Verfolgung Gollums ist den Hobbits erst nicht sonderlich bewusst und der von Theoden verbannte Éomer hält ein ganzes Heer und schenkt drei Fremden bereitwillig zwei Pferde. Frodo verfällt viel zu stark dem Ring und Gandalfs Wiedergeburt wird nicht sonderlich erklärt, will sagen der Fakt, dass er zur Rasse der Ainu gehört und daher im Vergleich zu Menschen eine Art göttliches Wesen ist. Sméagol ist die durch und durch gute Seite von Gollum, die keinerlei Interesse am Ring zeigt und Frodo lügt Faramir in Bezug auf Gollum an. Überhaupt ist in Gondor bekannt gewesen, dass der Eine Ring gefunden wurde (daher hat Boromir im ersten Teil auch so überrascht reagiert!), Erkenbrand wird aus dem Skript gestrichen und durch Éomer ersetzt, Haldir und die Waldelfen kommen, um in Helms Klamm zu sterben. Jeder spricht die Sätze des anderen, Aragorn die von Theoden und Theoden die von Aragorn. Dies alles…ist gar nicht weiter schlimm! Auch nicht dass Theoden und sein Volk von Wargs angegriffen werden und Aragorn vermeintlich stirbt (oh mein Gott! Wer hat denn das tatsächlich gelaubt?). Änderungen der Handlung, Änderungen der Satzstruktur, alles gestattet und nicht weiter schlimm.
Es sind die Änderungen der Charaktere die Schmerzen, derartig schwere Änderungen, dass man sie nur noch als Vergewaltigungen bezeichnen kann. Im Film verbünden sich Saruman und Sauron gegen den Rest der Welt - kein Wort davon, dass Saruman den Ring für sich alleine will. Wenn beide verbündet sind bleibt unverständlich, wieso Sauron Saruman nicht ein paar Nazgûl, Oliphanten oder Haradrim nach Helms Klamm schickt. Dies wird besser verständlich, wenn man bedenkt, dass beide nicht mehr miteinander verbündet, sondern Konkurrenten um den Ring geworden sind. Zudem werden die meisten Charaktere als schwächlich dargestellt. Theoden, König von Rohan, bekommt Muffensausen und flieht mit seinem Volk nach Helms Klamm, einer Burg, die sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand steht. Welcher König würde eine so dämliche Entscheidung treffen? Im Buch ist es Theodens Entscheidung gegen Saruman zu ziehen und zwar ohne Frauen und Kinder, deren Anwesenheit bei Jackson nicht wirklich klar wird. Und Baumbart, das älteste Wesen von Mittelerde, hat keinerlei Ahnung was in seinem Wald vor sich geht und muss von Merry und Pippin dazu überlistet werden, das Ausmaß von Sarumans Verhalten zu sehen und in den Krieg zu ziehen. Fraglich woher die beiden Hobbits über das Ausmaß des Weißen Zauberers Bescheid wissen, aber dies ist nur eines von vielen Logiklöchern, in das Jackson fällt.

Die Szene mit dem Warg-Angriff und Aragorns „Tod“ bringen die Handlung kein Stück voran und erfüllen eigentlich überhaupt keinen Zweck. Die Inszenierung des Liebesdreiecks Aragorn-Arwen-Éowyn ist auch nur für das Kinopublikum gewählt, spielt diese (sexuelle) Liebe im Roman doch gar keine Rolle. Genauer gesagt – und bereits angesprochen – ist Arwen die wohl unwichtigste Figur im ganzen Herr der Ringe Universum, wobei man ihr da vielleicht auch Unrecht tut. Doch die Bedeutung die sie hat und die in Appendix A zu finden ist, wird sie bei Jackson nicht gerecht, der diesen Erzählstrang eigenständig umändert. Da Arwen, logischerweise, keinen Zweck erfüllt, kann sie nur als Liebesobjekt inszeniert werden, welchem dann sogar noch Eigenraum zugestanden wird. Sich erst für Aragorn entscheidend, reichen zwei Sätze ihres Vaters aus, dass sie Mittelerde verlassen will, ehe sie dann doch nochmals kehrt macht. In dieser Hinsicht spielt auch die allwissende Cate Blanchett in einer nichts sagenden Szene eine Rolle. Die Frage warum die Elfen bei Helms Klamm zur Unterstützung kommen, wird ebenfalls nicht beantwortet und der daraus erhoffte Klimax erschließt sich einem nicht, wirft lediglich die Frage auf, wie die Elfen so schnell bei Helms Klamm sein konnten und woher sie wussten wo sie hin sollten.

Andere drastische Entscheidungen, natürlich für den Klimax, trifft Jackson bezüglich Frodo. Dieser wird scheinbar durch den Ring so geschwächt, dass er sich von Gollum mehr und mehr gegen Sam ausspielen lässt – was im letzten Teil zu einer weiteren grotesken Szene führen soll. Im Buch streiten sich Frodo und Sam zu keiner Zeit, zu sehr spielt hier auch das Lehnverhältnis zwischen beiden eine Rolle, welches im Film jedoch nicht angesprochen wird. Getoppt wird dies alles durch den Auftritt von Faramir und den Zug nach Osgiliath, der keinerlei Sinn macht (auch nicht in Bezug auf Spannungsaufbau). Entweder hat Jackson die Figur und den Umstand von Faramir nicht verstanden oder er hat keinen Wert darauf gelegt. Die Bedeutung dessen, dass eigentlich Faramir zu Elrond geschickt werden sollte und Boromir seines Ehrgeizes wegen dieser Entscheidung zuvorkam, offenbart sich hier nicht. Faramir wird genauso machtgeil dargestellt wie sein Bruder und trifft erst in Osgiliath seine richtige Entscheidung, als er Frodo Auge in Auge mit einem Nazgûl sieht. Ein weiteres Spannungselement, welches Jackson in ein Logikloch stößt, denn wenn der Ringgeist Frodo, bzw. auch nur einen Hobbit in Osgiliath sieht, hätte Sauron dem ganzen Gebiet sicherlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Frodo, Faramir, Baumbart und Theoden werden für das Kinopublikum und dessen Spannungserwartungen verweichlicht und moralisch korrumpiert, die Empathie der ganzen Handlung liegt auf den Kampfszenen. Über hundert Seiten strich Jackson aus den beiden Büchern und stopfte den Anfang des dritten noch an das Ende des ersten Filmes, während die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches in den dritten Film hinüber wandern - schließlich musste Platz geschafft werden für die wichtige Liv Tyler Szene. Gab es auch im ersten Teil manche Streichungen und verfilmte Jackson dort drei Seiten pro Minute, folgt der zweite Teil nunmehr eher der Vorlage. Das vierte Buch wird mit zwei Seiten pro Minute verfilmt (wobei der Kampf gegen Kankra der….Spannung – natürlich – wegen in den dritten Teil fällt), während Jackson das dritte Buch fast mit einer Seite pro Minute in Szene setzt. Höhepunkt des ganzen ist dann die Schlacht von Helms Klamm, für welche sich der Neuseeländer sogar zwei Minuten für jede einzelne Seite nimmt und somit den Kampf ganz klar in den Vordergrund stellt, während er bei Tolkien eine weniger wichtige Rolle spielt. Die zweite Verfilmung von Peter Jackson hat weniger mit Tolkiens Vorlage zu tun, als es noch beim ersten Teil der Fall war und erzählt eher eine Handlung, die auf dem Werk des Briten grob basiert, als dessen Vision seiner Geschichte. Was bleibt ist opulent in Szene gesetztes Effektgewitter ohne dem Tiefgang der Vorlage dabei gerecht zu werden.

6.5/10

20. Dezember 2007

Eastern Promises

Sentimental value? Ah. I heard of that.

Wenn David Cronenberg einen Film dreht, dann handelt es sich dabei weder einfach nur um einen Film, noch um einen einfachen Film. Dabei sind Cronenbergs Filme der Masse eher unbekannt, vielleicht einmal von The Fly abgesehen. Dies dürfte bei Eastern Promises wohl anders werden, denn der Film hat relativ wenig bis gar nichts von Cronenbergs sonst so typischer Innovation und Kreativität was seine Charaktere und die Handlung betrifft. Stattdessen liefert er einen kalten, glatten Mafiathriller im Londoner Milieu, in welchem er sich mit seinem A History of Violence Hauptdarsteller Viggo Mortensen wiedervereint und diesem sogleich eine Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller in einem Drama beschert. Bei den Kritikern kam sein neuer Film überraschend gut an, wobei diese, wie auch bei seinem Kollegen David Lynch, ohnehin meistens allein durch die Bildgewalt auf seiner Seite stehen. Das Interessante ist jedoch, wie erwähnt, dass Eastern Promises irgendwie so ganz anders ist, wie die anderen Cronenberg-Filme. Die Figuren wirken aus dem Leben gegriffen, die Handlung könnte sich so tatsächlich ereignen und auch sonst bewegt sich so ziemlich alles im normalen Bereich. Die Titelwahl weiß dabei auf die Handlung anzuspielen und funktioniert im Grunde auch in seiner deutschen Entsprechung Tödliche Versprechen, wobei der Titel hier etwas arg das Geschehen vorweg nimmt. Im Übrigen sei vorab erwähnt, dass der Film im Original weniger "lächerlich" wirkt, wie das vielleicht bei der Synchronisation der Fall sein dürfte.

Eine junge schwangere Frau wird in die Notaufnahme gebracht, während die Hebamme Anna (Naomi Watts) das Neugeborene zur Welt bringen kann, stirbt die Mutter. Alles was Anna bei Tatiana, der Verstorbenen, findet, ist ein Tagebuch – allerdings in russischer Schrift. Anna, selber russischer Abstammung, sucht anhand einer Visitenkarte im Tagebuch das Restaurant Trans-Siberian auf. Dessen Besitzer Semyon (Armin Müller-Stahl) erinnert sich an keine Tatiana, schlägt Anna jedoch vor das Tagebuch für sie zu übersetzen. Was Anna nicht weiß, ist dass Semyon der Kopf der wor v zakone, der Russischen Mafia, ist und das Tatiana in ihrem Tagebuch über ein Geheimnis von Semyon und dessen Sohn Kirill (Vincent Cassel) gestoßen ist. Kirill wiederum hat gemeinsam mit seinem Fahrer Nikolai (Viggo Mortensen) einen anderen vor umgebracht und damit unbewusst einen kleinen Untergrundkrieg begonnen. Nikolai, an sich nur der Chauffeur von Kirill und dessen Mädchen für alles, sieht sich kurz darauf als Werkzeug von Semyon wieder und steht zwischen den Fronten von Anna, für die er Gefühle entwickelt und der Russischen Mafia.

Generell wäre von einem atmosphärisch dichten Thriller zu sprechen, wenn er sich nicht an manchen Stellen aus diesem Muster herausbewegen würde. Besonders ungeschickt sind die Szenen mit Ekrem, der lediglich eine Witzfigur darstellt und irgendwie nicht in das Bild zu passen scheint. Auch wenn dies sicherlich so gewollt ist, dass er als unschuldige Figur in dieses schmutzige Geschäft hineingezogen wird und am Ende den Tribut dafür zahlen muss. Auch die Figur seines Vaters Azim hätte man besser schreiben oder besetzen können, sie erhält durch Mina E. Mina jedenfalls keine gute Darstellung. Naomi Watts wirkt in ihrer Rolle als Anna etwas verschenkt, auch wenn sie diese problemlos darstellen kann. Da sie jedoch nicht wirklich herausfordernd ist, hätte man sicherlich auch eine schwächere Aktrice wie die im Gespräch gewesenen Kate Beckinsale oder Rachel McAdams wählen können, ohne dass dabei der Qualität des Filmes ein Abbruch getan worden wäre. Denn die Handlung gehört allein Viggo Mortensen, der die Leinwand mit seiner Interpretation von Nikolai beherrscht, dagegen kann nur noch Cassel ankommen, der in der Figur des Kirill wie zu Hause angekommen scheint. Dem guten Armin Müller-Stahl will man dagegen den Mafiaboss nicht so ganz abkaufen, wenn er mit seinem Altherrenlächeln daherkommt. Obschon er zu den besten seiner Klasse zählt, wäre ein Brian Cox an dieser Stelle vielleicht besser gewesen, da sich auch Stahls deutscher Akzent im Original fremd gegenüber den russischen Gewichtungen in Cassel und Mortensens Sprache anfühlt.

Während die Kameraarbeit von Peter Suschitzky, Cronenbergs Stammkameramann, solide ist, ohne wirkliche Höhen wie Tiefen, ist es die Musik von Oscarpreisträger und ebenfalls Stammkomponist Cronenbergs, Howard Shore, die an manchen Stellen, besonders gegen Ende hin, falsch gewählt zu sein scheint. Die musikalische Untermalung unterstützt nicht wirklich die Bilder, bzw. trifft nicht den entsprechenden Ton des auf der Leinwand gezeigten. Schwer vorstellbar, dass der Mann, der Mittelerde ein Gehör geliefert hat, hier versagt haben soll, doch scheint dem leider so. Dabei ist der Score nicht per se schlecht, er weiß durchaus zu gefallen. Aber allein die finale dramatische Szene zeugt von einer musikalischen Epik, die einem Doctor Shivago angehören möchte, hier aber nicht wirklich hinpasst. Hatte A History of Violence noch eher einen Cronenbergschen Charakter, so scheint dieser Eastern Promises völlig abzugehen, da der Film abgesehen von seinem Gore-Gehalt auch von einem F. Gary Gray hätte inszeniert werden können. Die Charaktere sind so, wie man sie aus Gangsterfilmen nun mal kennt. Der ruhige, nach außen freundliche Patriarch, der den alten Idealen nachtrauert und sein Sohn, ein Heißsporn, wild und draufgängerisch. Dasselbe Muster findet man bereits in Coppolas The Godfather. Dagegen steht dann wiederum Nikolai, der es pflegt zu betonen, dass er nur der Fahrer ist, der nach links, rechts oder geradeaus fährt – sich dennoch aber auch nicht zu schade ist, alles andere zu machen, was man von ihm verlangt, sei es die Verstümmelung einer Leiche oder Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten.

Anna wiederum, die gute Seele, ist selber russischer Abstammung, kann jedoch kein Russisch. Es dauert eine Weile, bis sie merkt mit wem sie sich überhaupt angelegt hat und dennoch zeigt sie anschließend keine Angst, sondern treibt das Spiel weiter und weiter. Hier weicht Cronenberg zur Abwechslung ab von seinem Portrait der realen Welt, denn Anna versteckt sich nicht, sondern sucht im Gegenteil die Konfrontation. In der Wirklichkeit hätte man sich als Mafiosi wohl Anna gleich zu Beginn entledigt, hier steht jedoch eine Beseitigung der unliebsamen Person zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Semyon wird nicht müde die gute Anna auf ihre russische Vergangenheit anzusprechen, wenn er sie immer mit ihrem Patronym Anna Ivanovna nennt. Ganz nach dem Motto „es bleibt in der Familie“ soll Anna ihm das Tagebuch geben und die Sache ist vergessen. Auch Nikolai weist sie daraufhin, dass sie sich von Menschen wie ihm fernhalten soll. Sie tut es jedoch nicht, geht allerdings auch nicht zur Polizei, will die Sache auf eigene Faust mit der Russischen Mafia klären. Das ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mutig, sondern dumm, an sich besonders dumm, wenn man bedenkt dass Anna selber russische Wurzeln hat und mit diesem Kulturkreis mehr vertraut ist, wie andere. Ebenso fragwürdig ist die Figur des Kirill, der als nichtsnutziger Säufer dargestellt wird, aber am Ende das Zünglein an der Waage ist. Für seinen Vater nicht gut genug, muss er von seinem Fahrer Nikolai geschützt werden. Dieser Vater-Sohn-Konflikt soll wohl letzten Endes das Finale des Filmes erklären, macht es aber nur noch unglaubwürdiger, als es für sich alleine genommen ist. Schließlich stammt Kirill aus diesem patriarchischen Lebensraum, wo Familie und Ehre alles bedeutet, wo man es nicht anders kennt. Kirill zeigt mehrfach, dass er sich dieses Lebensraumes und seiner Regeln bewusst ist und unterordnet. Warum er sich am Ende so entscheidet, wie er sich entscheidet beziehungsweise inwieweit sich das Schicksal von Nikolai hier einordnen lässt, lässt Cronenberg offen.

Star des Filmes und ihn problemlos alleine schulternd, ist aber Viggo Mortensen, welcher sich so intensiv auf seine Rolle vorbereitete, dass er durch seine Tätowierungen selbst nach Drehschluss beim Abendessen in einem russischen Lokal in London noch für einen Mafiosi gehalten wurde (wobei die Geschichte zwischen einem Lokal und einem Ehepaar, sowie einer Bar und zwei Jugendlichen wandelt). Wie dem auch sei, Mortensen geht – trotz etwas depperter Frisur – in seiner Rolle ganz auf, besonders natürlich in der viel gelobten Sauna-Szene, welche Filmkritikmogul Roger Ebert sogleich als Maßstab über Jahre hinweg charakterisiert. Dem kann man zwar nicht beipflichten, trotz allem ist es sicherlich die Cronenberg-Szene des Filmes schlechthin, falls nicht sogar die überhaupt einzige, die auch ebenso gut aus A History of Violence hätte stammen können. Sie bedient sich zwar einer kleinen Inkonsequenz, welche Cronenberg zwar plausibel zu rechtfertigen weiß, folgt aber dennoch einem typischen Gut-gegen-Böse-Klischee, wie die meisten solcher Filme, die gegen den Strom der Realität schwimmen. Die Szene hätte auch von eminent wichtiger Bedeutung für Nikolais Charakter sein können, doch auch hier greift Cronenberg lieber auf das Klischee zurück. Natürlich wird so von einer ungemeinen Härte getragen, wieso manch einer aber hier bereits einen mentalen Orgasmus erlebt, bleibt diesen Menschen vorbehalten. Das fließende Kunstblut wirkt unecht, die Szene selbst äußerst unwahrscheinlich und von ihrer Botschaft her auch im Kontext der Handlung etwas unnötig beziehungsweise zu ausführlich.

Für Fans von Cronenberg dürfte Eastern Promises daher sicherlich eine kleine Enttäuschung sein, da er nicht „abgedreht“ oder unkonventionell genug ist und sich zu sehr an den gängigen Genrekonventionen bedient. Hinterfragungen wie bei Naked Lunch oder eXistenZ sind hier nicht nötig, Cronenberg spielt nicht mit dem Verständnis des Zuschauers, sondern bietet ihm eine Handlung an, die von A bis Z durchstrukturiert ist. Und selbst dabei verwendet er dieselben Mittel, wie sie sich in zig anderen Filmen ebenfalls finden, ohne im Grunde eigene Wege zu gehen. Doch das ist scheinbar subjektiv, denn viele finden auch, dass Cronenberg die Genreklischees benutzt ohne diese zugleich zu bedienen. Hierfür könnte beispielsweise die Godfather-Referenz dienen, gänzlich rausreden kann man sich hier jedoch nicht. Seine Erklärung für die Verwendung von Linoleummessern anstelle von Pistolen klingt zwar plausibel und entspricht dem gängigen Muster, im wahren Leben hätte man sich jedoch der Pistolen bedient und das Ergebnis wäre ein anderes als im Film gewesen. Auch die Auflösung von Nikolais Motivation ist Klischee durch und durch – dabei hätte man einen viel persönlicheren und glaubwürdigeren Beweggrund wählen können. Am Ende ist Eastern Promises nicht mehr als ein etwas überdurchschnittlicher Gangsterfilm, der einem jedoch nach dem Kinobesuch nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Daran ändert auch nichts, dass Mortensen, Cassel und Watts den Film mit ihren Darstellungen alleine tragen. Die Geschichte selbst ist nicht wirklich innovativ, die Handlung regt nicht sonderlich zum Nachdenken an. All das, was einen Cronenberg-Film eigentlich ausmacht, feht Eastern Promises.

7.5/10

16. Dezember 2007

Vorlage vs. Film: The Fellowship of the Ring

The Fellowship of the Ring (1954)

The Fellowship of the Ring, der Kürze halber ab hier nur noch Fellowship genannt, bildet das Expose zu J. R. R. Tolkiens Chronik von The Lord of the Rings, dem Buch aller Bücher. Hierbei ist insbesondere das erste Buch als allmähliche Hinführung zur Geschichte zu verstehen und Tolkien nimmt sich - die seinem Verständnis nach – gebührende Zeit das nahen des dunklen Zeitalters einzuläuten. Zwischen dem Beginn des ersten Buches und seinem Ende vergehen über zwanzig Jahre in Mittelerde, in welchen absolut gar nichts passiert. Eingeläutet wird die Handlung mit dem 111. Geburtstag von Bilbo Baggins, dem Helden aus Tolkiens erstem Roman The Hobbit, sowie seinen Planungen seines Wegzuges aus dem Auenland. Doch nicht nur seine Heimat, sondern auch seinen Großneffen Frodo lässt Bilbo zurück und setzt ihn als alleinigen Erben seines Hab und Gut ein. Zu diesem gehört auch Bilbos mysteriöser Ring, welchen er einst vor vielen Jahren dem Geschöpf Gollum abnehmen konnte und der seinen Träger unsichtbar macht. Gut zwanzig Jahre vergehen, als Frodo Besuch seines und Bilbos alten Freundes Gandalf dem Zauberer erhält.

Dieser offenbart Frodo dass es sich bei seinem Ring nicht nur um einen der zwanzig großen Ringe handelt, sondern gar um den Ring Saurons, des dunklen Herrschers von Mordor. Frodo ist nicht mehr sicher im Auenland und soll den Ring vorerst nach Bruchtal bringen, während Gandalf weitere Nachforschungen anstrebt. Doch Frodo ziert sich sein geliebtes Auenland zu verlassen und als er sich endlich entschließt, stellt er fest, dass ihm seine besten Freunde Meriadoc Brandybuck und sein Cousin Peregrin Tuck, sowie sein Gärtner Sam Gamgee auf seinem schweren Weg beistehen wollen. Und ihre Abreise beginnt nicht zu früh, da bereits schwarze Reiter durch das Auenland kreuzen, unheilvolle Untertanen Saurons, auf der Suche nach Frodo und dem Ring. Nachdem Frodo und die anderen Unterschlupf in der Stadt Bree suchen, stoßen sie auf allesamt neugieriges Gesindel, sowie auf den ominösen Streicher, welcher sich schließlich als Aragorn und Freund Gandalfs zu erkennen gibt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Bruchtal, werden aber auf der Wetterspitze von den Nazgûl, den Ringgeistern, angegriffen, Frodo dabei schwer verwundet.

Das zweite Buch schildert die Rettung nach Bruchtal und Frodos Überleben. Auch auf Gandalf treffen die Hobbits in Bruchtal wieder, welcher allen Beteiligten offenbart, dass der Vorsitzende der Zauberer, Saruman der Weiße, von der guten Seite abgefallen ist. Er sucht ebenso wie Sauron die Macht des einen Ringes, um die freien Völker Mittelerdes zu unterjochen. Auf einer Ratssitzung von Elrond debattieren alle Beteiligten unter Beisatz von Elfen, Menschen und Zwergen, wie mit dem Ring zu verfahren sein. Der einzige Ausweg scheint die Zerstörung des Ringes an dem Ort zu sein, wo er erschaffen wurde: Mordor. Frodo stellt sich dieser Prüfung zur Verfügung und erhält von Elrond mit Gandalf, Aragorn, Sam, Merry, Pippin, sowie dem Gondorianer Boromir, Elf Legolas und Zwerg Gimli neun Gefährten, welche ihn zumindest bis zur Gedenkstätte der Emyn Muil begleiten sollen. Die Gefährten brechen auf, doch Aragorns Plan über den Gebirgspass Caradhras in den Osten zu marschieren schlägt fehl. Widerstrebend folgt die Gemeinschaft Gandalf die Höhlen Morias, wo sie in der unterirdischen Zwergenstadt Khazad-Dûm auf eine Horde Orks und einen Feuerdämon treffen.

Als Gandalf seinen Freunden die Flucht ermöglicht, zahlt er mit seinem Tod Tribut, Aragorn kann die anderen sicher in die Wälder Loriéns retten. Dort werden sie nach Caras Galadhon, dem Sitz der Waldelfen Celeborn und Galadriel geführt. Unsicher wie der weitere Verlauf der Mission vonstatten gehen soll versucht Boromir die Gruppe davon zu überzeugen, dass zuerst Minas Tirith aufgesucht werden soll. Derweil verstehen Frodo und Sam die Bedeutung ihrer Aufgabe besser, als sie ein nächtliches Gespräch mit Galadriel führen. Die Gefährten werden zu Boot in den Fluss Anduin geleitet, auf welchem sie schließlich die Argonath passieren und die Emyn Muil erreichen. Während es weiterhin unklar ist, wohin die Reise weitergehen soll, will Boromir Frodo den Ring als Waffe Gondors abspenstig machen. Als Frodo erkennt, dass der Ring die Gemeinschaft zerstören wird und es an ihm ist, diese Aufgabe zu bestreiten, verlässt er seine Freunde und macht sich alleine auf den Weg nach Mordor, als ihn gerade noch Sam abfangen kann. Gemeinsam überschreiten sie die Gewässer Richtung Osten.

Tolkien erzählt in seinen ersten beiden von sechs Büchern, die beide mit rund 250 Seiten gleich lang sind, eine Geschichte voller Ungewissheit. Dazu nimmt er sich stets Zeit, die Figuren hadern stets mit ihren Entscheidungen und diskutieren diese aus. Während Boromir den Ring gegen den Feind einsetzen will, widerstrebt diese Idee Elrond und Gandalf. Doch wie genau verfahren werden soll weiß niemand und als Gandalf aufgrund seiner eigenen Fehlentscheidung sein Leben lassen muss, obliegt es an Aragorn den Weg zu wählen. Am Ende trifft Frodo, wie zuvor bei der Ratsversammlung, die Entscheidung selbst. Treu an seiner Seite dabei stets sein Vasall Sam. Beide erkennen, dass der einzige Weg zu einem friedlichen Zusammenleben in Mittelerde nur erreicht werden kann, wenn das Instrument des Bösen seine Kraft genommen wird. Mit seinen ersten beiden Büchern gelang Tolkien dabei ein Klassiker der Literatur und Meilenstein für das Fantasy-Genre. Seine Geschichte, die sich selber aus Mythen wie dem Ring des Gyges zusammensetzte, erzählt von Krieg und Frieden, von Gut und Böse – will dabei keine Analogie zu den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges sein und ist es am Ende doch.

The Fellowship of the Ring - Extended Edition (2001)

Some things that should not have been forgotten…were lost.

Der Neuseeländer Peter Jackson offeriert viele kleinere Abwandlungen zur Buchvorlage, zum Beispiel wenn Gandalf zu Beginn für die Hobbitkinder ein Feuerwerk veranstaltet oder die Liebesgeschichte zwischen Sam und Rosa. Diese Szenen und Abänderungen dienen mit anderen dem Ziele der komödiantischen Unterhaltung. Wenn Gandalf (Ian McKellen) Bilbo besucht und sich in der kleinen Höhle ständig den Kopf stößt, ist dies nicht Teil der Geschichte, da er Bilbo seit über fünfzig Jahren besucht und mit dessen Höhle sicher bestens vertraut ist. Weshalb die Liebesgeschichte um Sam eingebaut worden ist, lässt sich für das Publikum nicht nachvollziehen, die einzige plausible Erklärung wäre den homoerotischen Charakter zwischen seiner Figur und Frodo (Elijah Wood) zu entschärfen (wobei jener vom Regisseur gewollt scheint). Die ersten beiden Bücher mit einer Länge von knapp fünfhundert Seiten werden in drei Stunden gut komprimiert, bedenkt man dass eine Minute etwa drei Seiten zusammenfasst und langatmige Teile um den Alten Wald und Tom Bombadil wegen ihrer Unerheblichkeit ausgespart werden.

Die meisten Abwandlungen zum ersten Buch fallen nicht weiter ins Gewicht und stellen meistens Ergänzungen für das Publikum dar, bebilderte Schilderungen oder nicht geschilderte Hintergründe. Die Erschaffung der Uruk-hai oder die vorausgehende Abholzung der Fangorn-Bäume werden ebenso wenig geschildert, wie die Auseinandersetzung von Saruman und Gandalf oder dessen Nachforschungen in Minas Tirith. Es sind lediglich Bilder zu Ereignissen, welche dem Leser nebenbei geschildert werden, sind daher an sich willkommene Ergänzung und unterstützen das visuelle Erlebnis. In opulenten Bildern präsentiert Jackson ein atemberaubendes Bild von Mittelerde, wie es Tolkien kaum besser hätte schildern können. Die gewählten Landschaften in Neuseeland passen dabei wie die Faust aufs Auge, seien es nun die Wetterspitze, Bruchtal, Caras Galadhon oder die Emyn Muil. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail wurden hier sagenhafte Schauplätze ausgewählt, die einen als Teil Mittelerdes empfinden lassen. Unterstützt wird dies von den tollen Kostümen und der gelungenen musikalischen Untermalung.

Ebenjener Score von Howard Shore ist großartig komponiert und fügt sich nahtlos mit den Landschaften zu einem homogenen Bild. Das einzige Problem hierbei ist, dass Jackson zu viel Verwendung davon macht. Es gibt kaum eine Einstellung, die nicht musikalisch untermalt wurde, was bei einem Film von drei Stunden Länge nach einer Weile gehörig auf die Nerven gehen kann. In den ruhigen Momenten, den entscheidungsträchtigen klatscht Jackson Musik drunter dass es trieft, von den vielen Liedern, welche in der Vorlage auftauchen hört man aber zu keinem Zeitpunkt eins (dabei singen außer Gandalf alle Charaktere einmal ein Lied). Ins Auge fallen auch die vielen kleinen Änderungen, wenn Handlungen und Aussprüche die Träger wechseln, mehr Gewichtung auf die Liebesgeschichte zwischen Aragorn und Arwen fällt und Aragorn und Legolas sich scheinbar bekannt sind. Solche Abwandlungen sind nicht weiter schlimm, auch nicht die vielen dramaturgischen Kniffe von Jackson um die Geschichte dem Mainstream-Publikum näher zu bringen, Wenn sich die Anwesenden bei der Ratsversammlung plötzlich anschreien und Frodo den Weg des Ringes wählt da er das Antlitz des Bösen erblickt, ist dies ebenso vertretbar wie die Treppen in Khazad-Dûm. Es lässt sich lediglich fragen, warum er nicht einfach auf die von Tolkien geschilderten dramatischen Untertöne wie den nächtlichen Angriff der Wargs zurückgegriffen hat.

Durch seine Zufügung eigener Szenen fällt Jackson mitunter in einige Logiklöcher, zumindest verwundert es, wieso Gandalf nach seinem Kampf mit Saruman (Christopher Lee) in Bruchtal wieder seinen Zauberstab hat oder dass die Orks in Khazad-Dûm innerhalb von einer Minute die Gefährten angreifen. Natürlich muss er die Geschichte schneller machen, als die eine Woche, welche Frodo und die anderen in Moria verbringen, aber dies hätte man auch besser lösen können. Dinge wie die emotionsschwangere Musik, der am Ende einsetzende Pathos oder die oftmals komischen Szenen sind wie die dramatischen Einschübe Abnickungen an das Mainstream-Publikum, welches mit dem Film angesprochen werden sollte. Bei einem dermaßen teuren Projekt lässt sich dies auch nachvollziehen, wenn gerade die gute Kundschaft angesprochen und somit die eigene Investition geschützt wird. Insofern - auch wenn es beim Fan teilweise sauer aufstößt - lassen sich die angesprochenen Bemängelungen vertreten und rechtfertigen. Besonders Viggo Mortensen als Aragorn und Sean Bean als Boromir wissen nicht nur zu gefallen, sondern auch zu überzeugen, während Ian McKellen ein ums andere Mal negativ als Gandalf aufzufallen weiß.

Hauptkritikpunkt in dieser, wie in den anderen beiden Verfilmungen (wobei es dort noch schlimmer ist), sind die charakterlichen Veränderungen, die Jackson vorgenommen hat. In meinen Augen ein Kardinalsdelikt. Figuren wie Tom Bombadil oder Glorfindel wegzulassen ist in Ordnung, die Handlung zu komprimieren und zu ergänzen auch, aber die Darstellung des Charakters der Figuren sollte dem der Vorlage entsprechen. Dass die im Buch auf einer Seite auftauchende Figur von Arwen (Liv Tyler) im Film als elfenhafte Amazone dargestellt wird ist geradezu lächerlich. Liebesgeschichte hin oder her, aber da fragt man sich schon, was das soll, da der Film beim Publikum sicherlich genauso gut angekommen wäre, hätte man sie auf das reduziert was sie ist. Auch die Darstellung der Hobbits, wie auf der Wetterspitze, als naives, tölpelhaftes und schwächliches Volk schmerzt ebenso, wie die Inszenierung von Galadriel (Cate Blanchett), die völlig fehl am Platze ist, wenn sie als allwissendes Orakel sich bedrohlich präsentiert, sodass ihr vielmehr ein hexenhafter Charakter verliehen wird. Andere Dinge, wie die blinde Hörigkeit Frodos gegenüber Gandalf, dessen Fehlentscheidungen oder Aragorns zögerliches Verhalten werden überhaupt nicht thematisiert, obwohl sie für das Schicksal der Figuren entscheidend sind.

Am schlimmsten überwiegt jedoch die Zeichnung von Boromir, von Jackson als Judas skizziert. Galadriel riecht den Braten sofort, teilt dies Frodo mit und dieser ergibt sich schließlich am Fuße Amon Hens seinem Schicksal, dieses vorausahnend wie ein Jesus im Garten Gethsemane. Dass dabei bei der finalen Verabschiedung aus Lothlorién Boromir als einziger nicht gezeigt wird, wie er ein Geschenk von den Elfen bekommt stellt eine absurde Analogie zum letzten Abendmahl dar. Ebenso wie er es im zweiten Teil mit Faramir tut, scheint Jackson entweder die Bedeutung der beiden nicht verstanden zu haben oder dies dem Blockbuster-Charakter opfern zu wollen. Er versucht dies zwar in der Extended Version des zweiten Teiles in einer neu eingefügten Szene wieder gut zu machen, was die Darstellung Boromirs jedoch nicht besser macht. Hier wird er als Verräter von langer Hand gezeigt, der bereits seinem späteren Opfer bekannt war, während Tolkien ihn erst am scheinbaren Ende seiner Reise in eine Verzweiflungstat stürzen lässt. Die Einfügung des Anfanges des dritten Buches ans Ende des zweiten dient dann wieder dramaturgischen Zwecken, die eigentlich nicht notwendig gewesen wären. Am Ende bleibt The Fellowship of the Ring in seiner erweiterten Fassung abgesehen von der freigiebigen Verwendung der Musik und der Änderungen an den Charakteren eine großartige Adaption eines unverfilmbaren Romans.

8/10

22. November 2007

Alatriste

Are you Germans or Spanish soldiers?

Wenn man früher mal den einen oder anderen „kleineren“ Film ansah, konnte man in Streifen wie G.I. Jane, A Perfect Murder oder Daylight den guten Viggo Mortensen in Nebenrollen begutachten. Ebenjenen Mann, der als Aragorn in The Lord of the Rings die Damenwelt begeisterte (und dies der Tatsache zu verdanken hat, dass Stuart Townsend als zu jung erachtet wurde). Doch der Ruhm von LotR gehörte der Geschichte und nicht den Darstellern, welche alle wieder in ihren „Versenkungen“ verschwanden. So auch der gute Viggo Mortensen, hier in einer spanischen Produktion zu bewundern. Dabei ist es nicht irgendeine spanische Produktion, sondern die teuerste spanische Produktion aller Zeiten, mit einem Budget von 24 Millionen Euro. Und Regisseur Augustin Diaz Yanes beschreibt es da ziemlich treffend, wenn er meint, dass diese Summe einer europäischen Super- und einer amerikanischen Schrott-Produktion entspricht. Dabei ist Alatriste eine gute Mischung aus beidem, da er weder Schrott, noch besonders super ist.

Im Jahre 1622 kämpft Diego Alatriste (Mortensen), welcher den Spitznamen Captain Alatriste trägt, seit seinem 13. Lebensjahr für das spanische Königreich, unter anderem auch in Flandern. Dort stirbt einer seiner Kameraden und Alatriste verspricht ihm, sich um dessen Sohn Inigo zu kümmern. Wieder in Madrid erhält Alatriste den Auftrag mit einem Kollegen zwei Männer aus England umzubringen, vor Vollzug der Tat entscheidet sich Alatriste dennoch um. Diese Entscheidung wird ihn den Rest seines Lebens begleiten und sein weiteres Schicksal bestimmen. So zum Beispiel auch seine Liebe zu der verheirateten Maria, welche nach dem Tod ihres Mannes zur Mätresse des Königs wird. Durch seine Integrität und sein Söldnertum gerät Alatriste jedoch wieder und wieder in die Machtspiele am spanischen Hof, in welche schließlich auch sein Zögling Inigo herein gezogen wird. So in etwa lässt sich die Handlung beschreiben, wobei das Wort „Handlung“ hier sehr groszügig gewählt wurde.

Der Film basiert auf der Romanreihe Las aventuras del Capitan Alatriste von Arturo Peres-Reverte, welche Ereignisse der spanischen Flandernkriege des 17. Jahrhunderts verarbeitet. Die Vermarktung des Filmes täuscht jedoch über manche Strecken, denn ein Abenteuerfilm ist hier nicht zu erwarten. Eher eine Dramageschichte über Machtküngelei im Madrid um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Hier wird betrogen und gemordet, so wie es grade recht scheint und mittendrin ist unser Held Alatriste, immer für einen Auftragsmord gut, aber dennoch chronisch pleite. Das hat man als Zuschauer alles schon mal gesehen, auch die unglückliche Liebesgeschichte mit der Mätresse des Königs von Spanien. Das schlimmste ist jedoch neben der visuellen Umsetzung – furchtbar zusammen geschnitten und teilweise grausige Kameraeinstellungen – dass die Handlung scheinbar nirgendwo hinführt. Da verwundert es auch nicht, dass spanischsprachige Stars wie Gael Garcia Bernal oder Leonor Watling Rollen in dem Film abgelehnt haben.

Mortensen scheint hier eine willkommene Gelegenheit gefunden zu haben, seine Spanischkenntnisse zu präsentierten, hat er schließlich seine halbe Kindheit in Argentinien verbracht. Seine Filmauswahl hat sich dabei jedoch nicht verbessert. Die Handlung von Alatriste vermag nicht zu fesseln, verwirrt mitunter und ist unüberzeugend präsentiert, obschon Ausstattung und Kostüme zu gefallen wissen. Aber es hilft nichts, wenn man mehrere Bücher versucht über einen Film aneinander zu reihen, da es unentwegt auffällt, dass das was gerade passiert, nicht wirklich etwas mit dem zu tun hat, was als nächstes passiert und auch für sich genommen nicht wirklich interessiert. Ein spanisches patriotisches Machwerk, welches jedoch auf inhaltlich wackeligem Fundament gebaut ist. Alles in allem eine eher belanglose Geschichte, was allerdings auch daran liegen mag, dass ich mit den falschen Erwartungen an den Film gegangen war. Wobei seine Direct-to-DVD Vermarktung auch ihren Teil spricht, Mortensen scheint jedenfalls nicht den Sprung in die A-Liga der Schauspieler geschafft zu haben und somit bleibt Orlando Bloom der einzige, welcher von LotR profitiert hat (wobei ich Bloom nicht unbedingt als Schauspieler bezeichnen würde).

3.5/10