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18. September 2013

Riddick

One down... Three down. You see where I’m going with this?

Im Falle des Sprichwortes „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ kommt einem vermutlich nicht direkt Marc Sinclair aka Vin Diesel in den Kopf. Als einer der vielversprechendsten Action-Stars ins 21. Jahrhundert gestartet, landete Diesel bald wieder auf dem Boden der Tatsachen. Inzwischen verbrachte er die letzten vier Jahre damit, „Dominic Toretto“ und damit seine erfolgreichste Filmfigur zu sein. Die jüngste Fast & Furious-Trilogie spielte weltweit über 1,7 Milliarden Dollar ein und verhalf Diesel, zugleich Produzent der Reihe, zu einem stattlichen Vermögen. Neben Dominic Toretto besonn sich Diesel dieses Jahr auch auf seine Rolle als Richard B. Riddick – jene Figur, die ihm vor 13 Jahren zum Durchbruch verhalf.

David Twohys Pitch Black machte Diesel bekannt, als ein lässig-cooler vermeintlicher Soziopath mit einer Schwäche für Altruismus. Und obschon die Fortsetzung The Chronicles of Riddick 2004 nicht wie erwartet von Erfolg gekrönt war, führte die nicht abebbende Faszination für Diesels Antihelden dazu, dass dieser nun nach fast einem Jahrzehnt in Riddick, einem nach ihm selbst benannten Sequel, wieder auf der Bildfläche erscheint. Wie in den Vorgängern strandet Riddick (Vin Diesel) erneut auf einem tödlichen Planeten, wo seine Überlebensqualitäten gefragt sind. Von den Necromongern um Vaako (Karl Urban) verraten, alarmiert Riddick einige Kopfgeldjäger, um mit ihrem Schiff entkommen zu können.

Daraufhin entwickelt sich fortan ein Abzählreimschema, wenn sich erst Riddick und danach die indigenen Kreaturen der Kopfgeldjäger annehmen. Die wiederum teilen sich auf in die Gruppe um Santana (Jordi Mollà) und Diaz (Dave Bautista), die primär auf die Belohnung aus sind, und in die Gruppe um Boss Johns (Matt Nable) und Dahl (Katee Sackhoff), die sich von Riddick Antworten darauf versprechen, was vor zehn Jahren mit Boss Johns’ Sohn in den Ereignissen in Pitch Black passiert ist. Für Riddick selbst ist dies einerlei, bringt den Furyaner doch nicht einmal ein nahender Sturm und die damit verbundene buchstäbliche Überschwemmung mit tausenden unter der Erde lebender Monstrositäten wirklich außer Fassung.

Insofern folgt Riddick also über weite Strecken seinen beiden Vorgängern, insbesondere dem Original. Ähnlich wie in diesen wird die Handlung von einer Erzählstimme der Figur eingeleitet, was bereits im zweiten Teil eher deplatziert wirkte und hier noch verkrampfter daherkommt. Verbrachte Chronicles nur einen Teil seiner Laufzeit auf dem Planeten Crematoria und schickte sich ansonsten eher als Weltraumtravestie à la Dune an, verortet sich der dritte Film nun erneut fest auf einer unwirtlichen Oberfläche. Und wenn Riddick sich im ersten Akt nahezu allein erst einmal zurechtfinden muss, dann ist dies ebenso gelungen wie seine späteren Spielereien mit den etwaigen Kopfgeldjägern auf Leben und – allen voran – Tod.

Die Figur scheint stets unter Kontrolle, selbst in Szenen, in denen sie sie nicht besitzt. Das macht den Reiz von Riddick aus und ihn so sehenswert. Problematisch fallen dagegen die Dialoge des Drehbuchs aus. Oft abgedroschen und lächerlich – was aber auch an der Synchronisation liegen kann – schaden sie dem Film mehr als sie ihm helfen. Würde halb so viel gebabbelt, wäre das Ganze gleich viel ansprechender. Das Ende wirkt ebenfalls nicht sonderlich rund und eher antiklimatisch, da hat man sich als Zuschauer gerade nach dem zweiten Akt mehr versprochen. Auch Sackhoffs vermeintliche lesbische Figur und etwaige daraus folgernde Anspielungen von Riddick, Santana und Co. verursachen primär Scham.

David Twohys dritter Riddick-Streich macht sich also sein Leben sehr viel schwerer als nötig gewesen wäre, ist die Action ansonsten doch imposant, die Figuren interessant und die visuellen Effekte überzeugend. Gerade die ersten 20 Minuten zeigen dabei, dass es für einen guten Riddick-Film eigentlich nur des Charakters selbst bedarf. So erreicht Riddick zwar nicht wirklich die Klasse von Pitch Black oder The Chronicles of Riddick, speziell für Fans des Furyaners ist der dritte Ausflug von Diesels Durchbruchsrolle aber allemal eine Sichtung wert. Der Amerikaner wiederum hat weitere Filme mit Riddick nicht ausgeschlossen und somit verinnerlicht, dass es sich für Schuster durchaus lohnen kann, bei ihren Leisten zu bleiben.

6/10

13. November 2012

Dredd 3D

Ma-Ma is not the law... I am the law.

Für hartgesottene Comic-Fans ist das Filmjahr 1995 wohl nicht existent. Zu grausam dürften die Erinnerungen an Joel Schumachers Batman Forever und Danny Cannons Judge Dredd sein. Extrem campy Comicverfilmungen populärer Figuren. Schrill, schräg und völlig überdreht. So erhielt der faschistische Straßenrichter Judge Dredd Rob Schneider als Sidekick und ging seiner Arbeit ohne Helm (!) in einer Versace-Uniform nach. Über den Film wurde bald (und gänzlich zu Unrecht) der Deckmantel des Schweigens gehüllt. Dabei hat Cannons Film durchaus einiges mit den Comics gemein, ist zuvorderst aber eine trashige Adaption mit viel Sinn für Selbstironie.

Angesichts der Renaissance des Comic-Genres war es absehbar, dass auch Judge Dredd nochmals durch Mega City One streifen würde. Alex Garland nahm sich der Figur an und versprach den Fanboys einen Fanboy-Ansatz. Allen voran, dass Dredd seinen Helm aufbehält. Und so verfolgt das Publikum in Dredd nun das Kinn von Karl Urban, wie es sich in eine Handlung begibt, die durch das vorherige Release des thematisch nicht unähnlichen The Raid bereits altbacken daherkommt. Im Grunde sind beide Filme jedoch nur Langversionen jener legendären Single-Take-Kampfszene aus Revenge of the Warrior. Und auch wenn Dredd das Rad nicht neu erfindet, macht er Spaß.

Das liegt jedoch weniger an dem nun bierernsten Ansatz der Figur, die Urban so rudimentär wie möglich – oder nötig – spielt. Das Szenario selbst macht Laune. Dredd ist weniger eine Comic- denn Videospielverfilmung, in der es für den Protagonisten gilt, von einem Set-Piece zum nächsten zu gelangen. Oder konkreter: von einem Level zum nächsten. Das Endresultat ist dann zwar weniger actionreich als man angesichts der Prämisse erwarten würde, die Welle an Gegnern ebbt immer mal wieder zum Luftholen ab, und auch einige Ansätze werden nicht vollends zu Ende verfolgt, aber Fans wie Nicht-Fans der 2000-AD-Figur werden hier gleichermaßen gut unterhalten.

Man kommt aber nicht umhin, aufgrund des Potenzials mehrfach die Blaupausen einer etwas besseren Adaption zu sehen. So wird die den Film einleitende Szenedroge Slo-Mo, mit der das Gehirn seine Umwelt in Zeitlupengeschwindigkeit wahrnimmt, unzureichend eingesetzt. Zwar nutzt Regisseur Pete Travis das Gimmick, um während einer Razzia-Szene zwischen der Realität und Slo-Mo hin- und herzuwechseln, aber richtig zu Ende gedacht werden auch diese Szenen nie. Im Gegenteil, eine der wenigen Slo-Mo-Szenen zeigt uns lediglich die Antagonisten beim Baden. Und mit seiner Antagonistin Ma-Ma bewegt sich der Film ebenfalls auf dünnem Eis.

Von Lena Headey zwar überzeugend gespielt, ist auch ihre Figur nicht konsequent genug ausgearbeitet. Ihr Hintergrund will nicht so ganz erklären, wie sie sich einen ganzen Wohnkomplex – der in der Welt von Dredd quasi ein ganzes Stadtviertel einnimmt – unter den Nagel gerissen hat. Auch die Beweggründe für den entfachten Krieg gegen Dredd geraten reichlich schwammig und unausgegoren. Letztlich handelt es sich hierbei zuvorderst aber um einen Action-Film, in dem die Charaktere weniger ausgereift sein müssen als wiederum in einem Charakter-Drama. Und die Handlung, so simpel sie ist, überzeugt vermutlich gerade wegen ihrer Einfachheit.

Das Ensemble spielt seinen Part, die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle ordnet sich der Idee des Films und seiner Szenerie unter, und die Musik trägt ebenfalls ihren Teil zum gelingenden Ganzen bei. Somit kann das Ergebnis als gut erachtet werden, wenn auch im direkten Vergleich Judge Dredd durch seine verspielte Unernsthaftigkeit gegenüber Dredd der etwas vergnüglichere Film ist. Ohne dass Pete Travis’ Adaption dabei jedoch – auch dank ihrer Kurzweiligkeit – weniger unterhaltsam wäre. So wie so, am Ende ist es jedenfalls erfreulich, Judge Dredd wieder in Mega City One zu sehen – mit oder ohne Helm. Die Fanboys jedenfalls werden sich an diesem Detail freuen.

7/10

22. August 2009

The Chronicles of Riddick - Director’s Cut

Now what would be the odds of that?

In der Besprechung zu Pitch Black wurde es bereits angesprochen: zu Beginn des Jahrzehnts galt Vin Diesel als der legitime Nachfolger von Arnold Schwarzenegger im Actiongenre. Nachdem er durch die Rolle des Richard B. Riddick zu erstem Ruhm gelangt war, gelang es ihm in den darauf folgenden beiden Jahren mit The Fast and the Furious und xXx jeweils die 200-Millionen-Dollar-Marke zu sprengen. Als dem New Yorker Fortsetzungsangebote zu allen drei Filmreihen vorlagen, entschied sich der ehemalige Türsteher gegen 2 Fast 2 Furious und xXx: State of the Union. Die Entscheidung für The Chronicles of Riddick – und zugegeben, die interessanteste der drei Figuren rund um Riddick, Dominic Toretto und Xander Cage – sollte ihm die nächsten Jahre einen Strich durch die Rechnung machen. Finanziell gesehen war der Auftakt einer potentiellen Trilogie ein Flop und Diesel konnte sich erst dieses Jahr mit Fast and Furious (seinem bisher erfolgreichsten Film) rehabilitieren. Dabei hatte Regisseur David Twohy alles richtig gemacht und sich gar nicht erst an einer stumpfen Orientierung an dem Vorgänger – wie es im Grunde alle Fortsetzungen tun – versucht. Keine Rückkehr zu Hades, kein neuerliches Bekämpfen von geflügelten Monstern im Dunkeln. Stattdessen der Auftakt einer Saga, der im Director’s Cut weitaus besser ist als ihr Ruf.

Die Brücke zwischen den beiden Filmen schlägt Peter Cheungs Animations-Kurzfilm Dark Fury. Dieser ist inhaltlich etwas mau (Riddick, Imam und Jack werden von einem Kopfgeldjäger-Schiff aufgesammelt und Riddick muss sich erwehren, nicht zum Kunstobjekt zu verkommen), widerspricht sich manches mit dem in Chronicles Geäußerten. Während hier der Imam (Keith David) Riddick vorwirft, Jack fünf Jahre zuvor allein gelassen zu haben, äußert der Muslim zum Ende von Dark Fury indirekt den Wunsch, dass Riddick doch die Jugendliche zum Wohle ihrer eigenen Beziehung lieber allein lassen soll. Weshalb sich die Waise, die vor Pitch Black schon auf sich allein gestellt gut klar kam, nun nicht behaupten können sollte, bleibt Twohy schuldig zu erklären. Immerhin schlägt der Kurzfilm die Brücke zur Anwesenheit von Toombs (Nick Chinlund) im Film, der zu Beginn mit seiner Kopfgeldjäger-Crew auf UV-6 Riddick endlich aufgespürt zu haben scheint, nachdem dieser ihm in Dark Fury noch entwischt war. Die Verkündung, dass sein Kopfgeld auf Helion Prime ausgesetzt wurde, treibt Riddick (Vin Diesel) zu seinem alten Bekannten, den Imam, nach New Mecca. Damit gerät er jedoch mitten in eine intergalaktische Invasion der Necromonger um ihren Anführer Lord Marshal (Colm Feore) und eine Prophezeiung, die auch Riddicks Herkunft als Furyaner miteinbezieht.

Animationskurzfilm Dark Fury als Bindeglied zwischen den Teilen (oben)...
...und eine kleine Referenz an Pitch Black: Slam City (unten).
Eigentlich erzählt Twohy mit The Chronicles of Riddick zwei Geschichten in einer. Auf der einen Seite bildet die Prophezeiung um Riddick und den Lord Marshal die Prämisse des Films, der sich der Regisseur im ersten und dritten Akt widmet. Auf der anderen Seite schiebt er jedoch in die Mitte der Handlung einen Subplot um Riddicks Ausbruch aus der Gefängnisanstalt von Crematoria. Jener Ausflug ist es, der am ehesten in der Tradition zu Pitch Black steht, muss doch erneut Jack, die jetzt Kyra (Alexa Davalos) heißt, beschützt und viel gerannt werden. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich empfehlenswerter gewesen, wenn sich Twohy auf eine der beiden Handlungsstränge beschränkt bzw. dem der Flucht von Crematoria den Vorzug gegeben hätte. Hier erschafft Twohy eine stringente kleine Geschichte, die sogar etwas von Riddicks großartigem Ausbruchsflair zu erschaffen weiß, die ihm in Pitch Black so vorausgeeilt war. Zudem präsentiert sich Jack hier als weitaus tougherer Sidekick und mit Toombs hat man einen charmant-diabolischen Gegenspieler. Des Weiteren haben die Macher sogar eine liebevolle kleine Referenz an ihr Pitch Black: Slam City-Segment eingebaut. Dass sich Twohy hier freizügig bei Genrekollegen wie Stuart Gordons Fortress oder Martin Campbells No Escape bedient, fällt ebenfalls auf. Ohnehin wird sein ganzer Film von einer Vielzahl an Versatzstücken anderer Filme oder Geschichten durchzogen.

Während die Crematoria-Sequenz sich als Ausbruchs-Story versteht und durch den zynischen Humor zwischen Riddick und Toombs sowie Kyra auszeichnet, schlägt die Haupthandlung um die necromongische Invasion eine andere Richtung ein. Die Prophezeiung an den Lord Marshal, selbst nach einem Besuch im Parallel-Universum Underverse „half alive and half something else“, dass ein furyanischer Krieger seinen Untergang bringen würde, erinnert stark an die vieldeutigen Orakelsprüche von Delphi. Denn letztlich ist es allein die Prophezeiung, die den Lord Marshal überhaupt auf die Idee bringt, Furya zu zerstören. Des Weiteren erinnert die Passage um den potentiellen Umstürzler und den präventiven Knaben- bzw. Völkermord an das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums und Herodes’ Mordversuch am König der Juden. Die Gestaltung der Necromonger selbst ähnelt zumindest indirekt jener der Harkonnen aus David Lynchs Dune und selbst eine Hommage an die Fernsehserie Roswell findet sich wieder (wenn auch nur im Director’s Cut). Derweil stellt die Darstellung von Kommandant Vaaku (Karl Urban) und seiner Gemahlin (Thandiwe Newton) eine mehr als offensichtliche Anspielung an Shakespeares Drama Macbeth dar. Von seiner machtgeilen Frau angetrieben, plant Vaaku etwas widerwillig den „Königsmord“ am Lord Marshal. Dank des Necromonger-Mottos („You keep what you kill“) würde er so der neue Herrscher.

Bedenkt man wie vielfältig sich Twohy im Potpourri der Filmgeschichte bedient, wirkt sein fertiges Resultat erstaunlich kohärent. Sicherlich, Figuren wie der Elementalin Aereon (Judi Dench) hätte es als Ersatz-Orakel nicht unbedingt bedurft und auch das Auftreten des Imam ist wohl eher Verbindung zum Vorgänger (die Twohy speziell im ersten Akt noch durch Riddicks Erzählstimme zu Beginn und einige übernommene Zitate erreicht), als von inhaltlicher Bedeutung. Wie angesprochen hätte es The Chronicles of Riddick noch etwas stimmiger gemacht, wenn man sich auf eine der beiden Handlungsstränge gesondert konzentriert hätte. Einige störende Merkmale sind jedoch vorhanden. So werden die Figuren von Lord Marshal – speziell seine Vergangenheit, aber generell seine ganze Motivation und die Ursprünge der Necromonger – oder dem Reiniger (Linus Roache) nicht sonderlich ausführlich dargestellt, was zwar auch auf Aereon zutrifft, allerdings nicht sonderlich schade ist. Auch die klimatische Entscheidung, Kyra einen Opfertod sterben zu lassen, passt nicht wirklich zum „Karma“ der Filmreihe, wobei hier die potentielle Handlung im Underverse in den geplanten Fortsetzungen eine Revidierung bringen könnte. In welche Richtung sich die beiden angekündigten Sequels, an denen Twohy bisher noch schreibt, bewegen, ist bei einer Reihe, die sich lediglich nach den Chroniken einer Figur ausrichtet, nicht absehbar.

Resümierend kann gesagt werden, dass Diesels Entscheidung seiner Zeit wohl gut getroffen war. Denn der Anti-Held Riddick, den Twohy selbst als „bad guy“ und Aereon als „another kind of evil“ bezeichnet, bietet sicherlich am meisten Potential von Diesels damaligen Figuren. Zwar will die Erzählstimme zu Beginn nicht so gut funktionieren wie in Pitch Black, aber die Coolness wohnt dem Charakter weiterhin unbestreitbar inne. Da die Tapetum-Sicht dieses Mal von keiner besonderen Bedeutung ist, wirkt sie gerade im finalen Kampf, aber auch in den New-Mecca-Szenen wenn Riddick seine Sonnenbrille nicht aufhaut eher befremdlich. Davalos schlägt sich gut als abgehärtete Kyra, wobei der Alterswandel etwas radikal erscheint und die Abwesenheit von Griffiths umso bedauerlicher. Dench ist nicht mehr als eine namentliche Aufwertung und die Necromonger selbst (Feore, Urban, Newton) schlagen sich relativ ordentlich. Sie leiden zwar allesamt unter der geringen Aufmerksamkeit für ihre Figuren, wissen jedoch hier und da ihre Akzente zu setzen. Die Effekte sind wie schon im Vorgänger solide und erfüllen ihren Zweck, schön ist die mehrfache Einarbeitung des Pitch Black-Themes von Graeme Revell, das auch hier wieder an das von Brad Fiedels zu The Terminator erinnert. Insgesamt geht die Entscheidung den kultigen Riddick in eine neues, anderes Abenteuer zu platzieren sicherlich auf und The Chronicles of Riddick weiß über die meiste Zeit zu gefallen. Eventuell war der Schock der neuen Umwelt seiner Zeit doch etwas zu groß, insofern Twohy für die Fortsetzungen nicht wieder FSK-Kürzungen vornehmen muss, ist den kommenden Nachfolgern jedoch erwartungsvoll entgegen zu blicken.

7/10

6. Mai 2009

Star Trek

Space is disease and danger wrapped in darkness and silence.

Anfang der 1960er Jahre proklamierte John F. Kennedy die bemannte Raumfahrt innerhalb des nächsten Jahrzehnts. 1966 hieß es dann schon in Gene Roddenberrys Science Fiction Serie Star Trek, dass der Weltraum unendliche Weiten beherberge. Die deutsche Übersetzung unterschlägt dabei etwas jenes entdeckerischen Charakters der englischen Formulierung “final frontier”. Drei Staffeln lang tobten sich Captain Kirk und Co. im Weltall aus, ehe es zehn Jahre dauern würde, bevor die zum Kulturgut gewordene Serie ihren Weg auf die Kinoleinwänden finden sollte. Während man Star Trek: The Motion Picture immer etwas mit gemischten Gefühlen begegnet, gilt sein direkter Nachfolger The Wrath of Khan als Höhepunkt der Kinoreihe.

Vor 13 Jahren übernahm in First Contact die nächste Generation um Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) in ihrem ersten Solo-Abenteuer den Staffelstab, nur um nach zwei weiteren Abenteuern mit Nemesis ziemlich unrühmlich das Zeitliche zu segnen. Nun, sieben Jahre später, versucht Paramount einen Neustart. Und wo startet es sich besser, als am Anfang? An Bord holte sich das Studio das Dream Team um J.J. Abrams und Damon Lindelof. Abrams, für den Star Trek erst die zweite Regiearbeit ist, setzte sein Abenteuer rund um das Raumschiff Enterprise bei den Ursprüngen der Charaktere der Originalserie an. Und dies buchstäblich, beginnen Lindelof und Abrams den Film doch mit der Geburt ebenjenes Mannes, der zur Legende werden sollte.

Eingeleitet wird Star Trek mit der Ankunft von Pro- und Antagonist. Das Publikum wird Zeuge von der Bösartigkeit des Romulaners Nero (Eric Bana), als Captain George Kirk in seinem zwölfminütigen Kommando der U.S.S. Kelvin sein Leben für das von 800 Überlebenden opfert. Unter ihnen auch sein während der Flucht geborener Sohn, James Tiberius. Abrams gibt bereits mit dieser Einführung das neue Motto der nächsten Generation vor, indem er sich auf das bezieht, was er wohl am besten beherrscht. Die actionreiche Schlacht ist auch der Beginn einer Interpretation der Reihe, die offensichtlich neue Wege beschreiten will. So verkommen die Romulaner zu einem Volk tätowierter Glatzen mit ziemlich cholerischem Gemüt.

Nicht die einzige Neuerung, die die Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman (zuvor verantwortlich für Transformers) für das neueste Abenteuer parat halten. Obschon Abrams jedem Crew-Mitglied im Filmverlauf (oder hauptsächlich in der ersten Hälfte) entsprechend seine Aufmerksamkeit widmet, gibt der Beginn klar die später einschlagende Richtung vor. Einblicke in die Jugendjahre von Kirk und Spock offenbaren den beiden Männern innewohnenden rebellischen Geist. Während der Halbwaise Kirk zu Klängen der Beastie Boys in einem Oldtimer-Wagen seines Stiefvaters durch die Wüste brettert, wird der junge Spock wegen seiner menschlichen Mutter in seiner vulkanischen Schule von den anderen Mitschülern drangsaliert.

Das Mobbing gegenüber Spock wird sich auch später durch den vulkanischen Rat zeigen, womit die Entscheidung des Sohnes von Sarek (Ben Cross), sich in die Raumfahrtakademie der Föderation einzuschreiben, begründet wird. Den Jugendjahren der übrigen Crewmitglieder wird sich nicht näher gewidmet. In wenigen Minuten wird anschließend in aller Kürze Kirks (Chris Pine) Entscheidung, ebenfalls der Akademie beizutreten, erläutert, ehe Abrams direkt an das Ende der Ausbildung springt. Ein stärkerer Fokus auf jene Zeit hätte dem Film sicherlich gut getan. So beschränken sich die Macher darauf, als Überleitung der Charaktereinführung und des eigentlichen Abenteuers lediglich Kirks Erfolg im Kobayashi-Maru-Test anzuführen.

Damit sind die Formalien abgehandelt und Star Trek begibt sich schließlich auf die nächste Stufe. Hinsichtlich Kirks Vita scheinbar eine nichtkanonische, wobei sich generell die Frage stellt, inwieweit Abrams Film sich durch Neros Zeitreise überhaupt in den ursprünglichen Kanon eingliedern lässt oder einen neuen lostritt. Mit etwas Nachhelfen landen dann schließlich fast alle Crew-Mitglieder an Bord der Enterprise, die zu Beginn noch von Captain Pike (Bruce Greenwood) kommandiert wird. Es ist dieser Ausklang der ersten Hälfte, in dem sich Sulu (John Cho), Chekov (Anton Yelchin) und McCoy (Karl Urban) etwas in den Vordergrund spielen dürfen. Dies nimmt später bedauerlicherweise gerade bei diesen drei Figuren aber enorm ab.

Derweil fungiert Uhura (Zoë Saldana) vornehmlich als Spocks Liebesaffäre, wobei das Rumgeknutsche der Zwei teils etwas befremdlich wirkt. Von dem emotionslosen Spock (Zachary Quinto) von einst bleibt ohnehin nicht viel übrig beziehungsweise betont der Vulkanier erstaunlich oft seine Beziehung zur Erde und ihrer Bevölkerung. Desto überraschender, dass Abrams Spock und Kirk als zwei Männer präsentiert, die sich auf Anhieb nicht leiden können und auch im Verlaufe der Geschichte mehrfach – teils rabiat – aneinander geraten. Somit wird deutlich, dass sich die Freundschaft der beiden erst noch entwickeln muss, was sich vermutlich auch dadurch erklärt, dass Orci und Kurtzman mit Star Trek ohnehin eine alternative Realität inszenieren.

Betrachtet man die Handlung des Filmes könnte dies ein gelungener, weil viel Freiheit offerierender, Schachzug gewesen sein. Allerdings nur, wenn man in der Fortsetzung, die für 2011 geplant ist, nicht direkt auf die Ereignisse im Vorgänger eingehen wird. Denn wie immer mit Filmen, die Zeitreisen zum Inhalt haben, leidet die Handlung unter jenem Paradoxon. In diesem Falle unter Neros Rachefeldzug gegen die Föderation. Seine Ursache findet dies in der nicht verhinderten Zerstörung seines Heimatplaneten Romulus. Neros Plan sieht vor, die betreffenden Schuldigen, sprich alle Planeten der Föderation, dasselbe Schicksal erleiden zu lassen. Hier begründet sich der Status des Films, letztlich nicht mehr als ein bloßes Theorem zu sein.

Unwahrscheinlich, dass die Romulaner in Kenntnis ihrer Zerstörung dies zulassen würden. Sieht man von den Widersprüchen dieser Prämisse einmal ab, verirrt sich Abrams Film auch abseits des Geschehens in einige offene Fragen. So dient beispielsweise der Bohrer von Neros Schiff Narada einzig und allein einer zusätzlichen Actionszene um Kirk und Sulu. Schließlich könnte Nero seine Zerstörung des betreffenden Planeten auch ohne dieses Werkzeug vollziehen. Allerdings bliebe der Enterprise anschließend nicht mehr die Möglichkeit, diese Tat zu verhindern. Und inwiefern es möglich ist, sich auf ein mit Warp-Geschwindigkeit fliegendes Raumschiff zu beamen, will einem bei Sichtung des Filmes auch nicht unbedingt klar werden.

Im Vergleich zu früheren Filmen wie The Voyage Home, The Undiscovered Country oder Insurrection verzichtet das Reboot auf eine Symbiose aus Politik und Philosophie. Stattdessen rückt 90 Minuten lang die Action in den Vordergrund, was Star Trek zu einer wilden Achterbahnfahrt macht, die nur kurz Luft zum Atmen schnappen lässt. Damit folgt Abrams im Grunde der Richtung der TNG-Beiträge, die sich eher durch ihre Action und Spannung auszeichneten. Von den Filmen der Original-Crew hingegen wird mal mehr, mal weniger plakativ der Humor übernommen. Dem Vorhaben, zu erläutern, was die Crew-Mitglieder bewegte, den Weg einzuschlagen, den sie eingeschlagen haben, wird die Geschichte jedoch nicht gerecht.

Außer über Spock und Kirk erhält das Publikum keine Motivation, und selbst bei ihnen wirken ihre Beweggründe im Nachhinein relativ banal und profan. Von Nero gar nicht erst zu sprechen. Der Bösewicht bleibt die meiste Zeit des Filmes über relativ blass und erhält keine sonderliche Tiefe. Nicht einmal in seinem zentralen Monolog gegenüber Pike in der Mitte des Filmes. Damit ordnet sich Banas Figur eher in die Reihen eines Shinzon oder Ru'afo ein und vermag nie das Charisma von Khan oder jenes ersten, von Mark Lenard in Balance of Terror gespielten, romulanischen Kommandanten zu erreichen. Und da die Enterprise ohnehin nicht sonderlich im Mittelpunkt steht, steht und fällt Star Trek letztlich mit seinem Schauspielerensemble.

Dieses vermag durchaus zu überzeugen, selbst wenn einige Darsteller nicht über den Status der Nebenrolle hinauskommen. Besonders Urban und Yelchin geraten sympathisch, während Cho nach seiner Actionszene im Hintergrund verschwindet. Saldana gibt eine sexy Interpretation von Uhura, deren Kompetenz nicht zurücksteckt. Entgegen erster Zweifel überzeugen auch Pine und Quinto in den zentralen Hauptrollen, selbst wenn sie bisweilen ins Overacting abdriften. Eine wirkliche Enttäuschung stellt neben Bana im Grunde nur Pegg dar, der bis auf wenige Ausnahmen die von James Doohan vererbte Rolle des Scotty nie auszufüllen weiß. Ohnehin wirkt seine Einbindung in die Geschichte äußert gezwungen und wenig harmonisch.

Prinzipiell überzeugen die Darsteller aber, gerade Urban adaptiert genüsslich den Sprachjargon von DeForest Kelley. Auch Nimoys Anwesenheit wirkt gelungener als Shatners in Generations und fällt letztlich umfangreicher aus als gedacht. Insgesamt ist Star Trek ein annehmbarer und erfolgreicher Neustart, der vielversprechende Schauspieler einführt und speziell mit Action nicht geizt. Zwar bleibt sich Abrams in seinem Stil treu und verfolgt damit die Linie, die er mit Mission: Impossible III begonnen hat, doch lässt sich hoffen, dass in zukünftigen Abenteuern auch die Handlung stärker in den Fokus rückt. Selbiges gilt für die Nebenfiguren um McCoy und Chekov, die hinsichtlich der Aufmerksamkeit doch etwas zu kurz gekommen sind.

7/10

3. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Two Towers

The Two Towers (1954)

Ursprünglich besteht The Lord of the Rings wie bereits beim ersten Band erwähnt, aus sechs Büchern, welche später wegen der Papierknappheit des Zweiten Weltkrieges in drei Bänden erschienen, von welchen der zweite durch die Herausgeber den Namen Die Zwei Türme erhielt. Tolkien selbst äußerte sich, dass dies wohl der beste Titel ist, den man hätte wählen können, auch wenn sich der Titel nicht ausschließlich auf die meist gewählten Orthanc und Barad-dûr begrenzen lässt. Theoretisch müsste es sich vielmehr um den Orthanc und den Minas Morgul handeln – für die Verfilmung spielt dies jedoch keine Rolle, da hier der Minas Morgul nicht vorkommt. Die von Tolkien vergebenen Titel für die einzelnen Bücher lauteten für das dritte Buch, welches sich ausschließlich mit der nach Westen aufgesprengten Gruppe der Gefährten beschäftigt, Der Verrat von Isengard. Das vierte Buch, welches sich Frodos Reise mit Sam nach Mordor widmet, erhielt den Namen Die Reise der Ringträger. Da es sich um den Mittelteil eines Epos handelt, beginnen und enden die beiden Bücher abrupt, ohne ihre Charaktere erneut vorzustellen (wie es Mrs. Rowling immer bei ihren Büchern pflegte). Bestand das erste Buch noch aus einer verhältnismäßig ruhigen Einführung und das zweite Buch mit ersten ernsten Zügen, erhält der Krieg nunmehr Einzug in Mittelerde.

Im dritten Buch (Der Verrat von Isengard) findet Aragorn zuerst den sterbenden Boromir und erfährt, dass die Uruk-hai Merry und Pippin entführt haben. Schweren Herzens überlasst er Frodo und Sam sich selbst und setzt mit Legolas und Gimli zur Verfolgung an. In Rohan treffen sie schließlich nicht nur auf den tapferen Marschall Éomer, sondern können sich im Fangorn Wald auch der Sicherheit ihrer beiden Freunde sicher sein. Im Fangorn gibt es auch ein Wiedersehen der besonderen Art, denn Gandalf wurde nach seinem Sturz in die Schatten Morias wiedergeboren und führt die drei Freunde nunmehr nach Edoras. Dort ziehen sie mit König Theoden und dessen Neffen Éomer zur Schlacht gegen Sarumans Armee nach Helms Klamm. Während Merry und Pippin auf den Ent Baumbart treffen und mit ihm und seinem Volk den Angriff auf Isengard starten, organisiert Gandalf mit Erkenbrand, dem Herrn der Westfold Rohans, ein Heer und als der Kampf um Helms Klamm zu scheitern drohte, kann der Sieg doch noch errungen werden. In Isengard treffen die Gefährten wieder aufeinander und nach einem letzten Gegenüber mit Saruman ziehen sich Gandalf und die anderen zurück. Doch Pippin wagt einen Blick in Sarumans Palantir und verschafft somit Sauron das Wissen über die Anwesenheit eines Hobbits in Rohan. Während Theoden und die anderen ihre Männer sammeln, macht sich Gandalf mit Pippin auf den Weg nach Minas Tirith.

Im vierten Buch (Die Reise der Ringträger) treffen Frodo und Sam in den Emyn Muil auf ihren Verfolger Gollum. Da sie selbst sich des Weges unsicher sind, zwingen sie Gollum sie zum Schwarzen Tor zu führen. Während der erschöpfenden Reise durch die Totensümpfe nähern sich Frodo und Gollum etwas an, Frodo beginnt die Worte Gandalfs zu verstehen und empfindet Mitleid für Gollum. In das Gute in ihm glaubend, greift er auf seinen früheren Namen Sméagol zurück. Am Schwarzen Tor angekommen sehen sich die Hobbits ihrer Hoffnungslosigkeit gegenüber, lassen sich von Sméagol jedoch zur Nutzung eines geheimen Pfades am Minas Morgul überreden. In den Wäldern Ithiliens werden sie jedoch von Faramir, Gondors Kapitän und Bruder Boromirs, überwältigt. Als dieser erkennt, welche Aufgabe Frodo vollbringen muss, lässt er ihn mit frischem Proviant ausgestattet wieder auf freien Fuß. Am Minas Morgul angekommen sehen die Hobbits wie Sauron seine Armee nach Osgiliath schickt. Im letzten Stück des Pfades Cirith Ungol lässt Gollum die Hobbits in eine Falle laufen – Frodo wird scheinbar von der Riesenspinne Kankra ermordet. Sam, der zuerst die Reise alleine beenden will, flüchtet im Angesicht nahender Orks wieder an die Seite seines Herren, und indem er sich den Ring überstreift, wird auch er zum Ringträger. Die Orks offenbaren dem heimlich lauschenden Sam schließlich ein Geheimnis: Frodo lebt!

Da ich für die Zusammenfassung gerade aufgrund der Namen (Totensümpfe, Kankra) in die deutsche Übersetzung blicken musste, fiel mir fast die Kinnlade herunter, hatte ich doch erfolgreich vergessen, wie lieblos Wolfang Kreges Übersetzung ist. Egal, durch Tolkiens Teilung des Geschehens weiß man als Leser zuerst lange nicht, wie es um Frodo steht und dessen Reise verläuft. Etwas bitter aufstoßen tut dabei sicherlich Gandalfs Wiedergeburt, nachdem man ihn im zweiten Buch für tot geglaubt hat. Doch die Worte Elronds sollen sich bewähren und nicht nur Aragorn, Merry und die anderen sollen in Baumbart, Theoden und Éomer neuen Freunde auf ihrem Pfad finden, sondern auch Frodo mit Faramir in Ithilien. Die Handlung wird düsterer, Krieg liegt auf den Männern des Westens und Frodo beginnt unter dem Gewicht des Ringes erste Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Das Auge Mordors richtet sich nunmehr auf Gondor und Minas Tirith und es ist an Gandalf und den Anderen, Frodo noch mehr Zeit zu verschaffen. Doch hierfür muss Sam Frodo erstmal auf dem Turm am Cirith Ungol befreien, ehe er nach Lugbúrz überführt wird. Und auch Gollum befindet sich weiterhin auf freiem Fuss – klimatisch lässt Tolkien seine Geschichte in der Schwebe stehen.


The Two Towers – Special Extented Edition (2002)

My business is with Isengard tonight, with rock and stone.

Am nettesten zu lesen sind die verschiedenen Casting-Debatten rund um den Herr der Ringe, denn nachdem Stuart Townsend als zu jung für Aragorn angesehen wurde, fasste Peter Jackson Russell Crowe ins Auge, was sicherlich auch eine ansehnliche Wahl gewesen ware. Éowyn und Faramir sollten eigentlich von dem damaligen Paar Uma Thurman und Ethan Hawke gespielt werden, Orlando Bloom selbst hatte ursprünglich für die Rolle Faramirs vorgesprochen und Theoden-Darsteller Bernhard Hill war zuerst für die Rolle von Gandalf vorgesehen gewesen. Am Ende kam alles doch ganz anders und die Rollen von den Geschwistern Éomer und Éowyn, sowie Faramirs gingen an die bis dahin weitgehend unbekannten Schauspieler Karl Urban, Miranda Otto und David Wenham. Ansonsten lässt es sich Jackson jedoch nicht nehmen, erneut Hugo Weaving als Elrond und Cate Blanchett als Galadriel auftreten zu lassen, zusammen mit vielen weiteren moralischen Vergewaltigungen von Tolkiens Figuren. Alles selbstverständlich immer nur im Dienste der Spannungserzeugung, denn die Vorlage von Tolkien ist spannungstechnisch solche eine Schlaftablette, dass man sich fragt, wieso es überhaupt zu einer Verfilmung gekommen ist.

Vorab aber erstmal die erneut gelungensten Punkte. Howard Shore ist für The Two Towers ein weitaus besserer Score gelungen als bei Fellowhship, bzw. ein ebenso guter und Jackson hat diesmal darauf verzichtet jede einzelne Szene mit Musik zu unterlegen. Es wurde ihm scheinbar von jemandem zugetragen, dass dies nicht unbedingt notwendig ist und so sind es besonders die Szenen mit Frodo, Sam und Gollum, welche oft einfach für sich stehen, ganz ohne theatralisches Gedudel. Wie jedoch bereits im ersten Teil gebührt das größte Lob Alan Lee und John Howe, die eine phantastische Kulisse erschaffen. Die Unebenheiten und Kälte der Emyn Muil werden abgelöst von den perfekt inszenierten Totensümpfen – auch Rohan, Ithilien und der Fangorn Wald sehen so aus, wie man sich dies nach Tolkiens Vorlage vorstellen könnte. Lee und Howe beweisen auch ein Auge für die kleinen Details, wie die simbelmynë. Hier wurde wieder Tolkiens Mittelerde tatkräftig ins Leben gerufen und der alte Mann wäre ohne Zweifel stolz darauf gewesen oder wahrscheinlich glatt selbst nach Neuseeland gezogen, wenn er das zu Lebzeiten alles geahnt hätte. Dass die Academy hierfür keine Auszeichnungen springen ließ und diese stattdessen an Chicago ging, bleibt wie so viele Entscheidungen der Academy einfach nur unverständlich.

Jackson selbst erzählt die Geschichte der Bücher 3 und 4 nicht chronologisch, sondern vermischt sie nach Belieben, dabei den Anschein aufrecht erhaltend, dass was man sieht simultan abläuft. Der Film knüpft an Gandalfs Kampf gegen den Balrog an, um schließlich zu Frodo und Sam in den Emyn Muil umzuschwenken. Nachdem diese Gollum gezähmt haben, geht es nach Rohan zu den übrigen Gefährten. Hier wird man gleich mit einer neuen Figur konfrontiert, welche den Zuschauer noch den Rest des Filmes über begleiten wird: Gimli der Pausenclown. Ganze sechs lächerliche Szenen wird Jackson seinem Publikum mit diesem comic relief schenken, sei es ein Gimli der stolpert, am Hof des Königs rülpst (!), Späßchen mit Fangorn und seinen Gefährten Aragorn und Legolas treibt. Könnte Tolkien das sehen, er würde sich im Grab umdrehen. Gimli, der stellvertretend für das ganze Geschlecht der Zwerge steht, wird von Jackson lediglich als Spaßmacher für das Publikum inszeniert – das ist schon irgendwie traurig und wird höchstens noch abgelöst, wenn Orlando Bloom auf einem Schild durch die Schlacht von Helms Klamm surft und nebenher Orks erschießt (und weil das ganze so toll war, darf Bloom im dritten Teil noch mal surfen, aber dazu an gegeben Ort mehr) oder wenn Gandalf in Meduseld an Theoden einen Exorzismus erster Güte praktiziert.

Selbstverständlich gibt es kleinere Änderungen gegenüber der Buchvorlage und diese fallen auch nicht weiter ins Gewicht. Die Verfolgung Gollums ist den Hobbits erst nicht sonderlich bewusst und der von Theoden verbannte Éomer hält ein ganzes Heer und schenkt drei Fremden bereitwillig zwei Pferde. Frodo verfällt viel zu stark dem Ring und Gandalfs Wiedergeburt wird nicht sonderlich erklärt, will sagen der Fakt, dass er zur Rasse der Ainu gehört und daher im Vergleich zu Menschen eine Art göttliches Wesen ist. Sméagol ist die durch und durch gute Seite von Gollum, die keinerlei Interesse am Ring zeigt und Frodo lügt Faramir in Bezug auf Gollum an. Überhaupt ist in Gondor bekannt gewesen, dass der Eine Ring gefunden wurde (daher hat Boromir im ersten Teil auch so überrascht reagiert!), Erkenbrand wird aus dem Skript gestrichen und durch Éomer ersetzt, Haldir und die Waldelfen kommen, um in Helms Klamm zu sterben. Jeder spricht die Sätze des anderen, Aragorn die von Theoden und Theoden die von Aragorn. Dies alles…ist gar nicht weiter schlimm! Auch nicht dass Theoden und sein Volk von Wargs angegriffen werden und Aragorn vermeintlich stirbt (oh mein Gott! Wer hat denn das tatsächlich gelaubt?). Änderungen der Handlung, Änderungen der Satzstruktur, alles gestattet und nicht weiter schlimm.
Es sind die Änderungen der Charaktere die Schmerzen, derartig schwere Änderungen, dass man sie nur noch als Vergewaltigungen bezeichnen kann. Im Film verbünden sich Saruman und Sauron gegen den Rest der Welt - kein Wort davon, dass Saruman den Ring für sich alleine will. Wenn beide verbündet sind bleibt unverständlich, wieso Sauron Saruman nicht ein paar Nazgûl, Oliphanten oder Haradrim nach Helms Klamm schickt. Dies wird besser verständlich, wenn man bedenkt, dass beide nicht mehr miteinander verbündet, sondern Konkurrenten um den Ring geworden sind. Zudem werden die meisten Charaktere als schwächlich dargestellt. Theoden, König von Rohan, bekommt Muffensausen und flieht mit seinem Volk nach Helms Klamm, einer Burg, die sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand steht. Welcher König würde eine so dämliche Entscheidung treffen? Im Buch ist es Theodens Entscheidung gegen Saruman zu ziehen und zwar ohne Frauen und Kinder, deren Anwesenheit bei Jackson nicht wirklich klar wird. Und Baumbart, das älteste Wesen von Mittelerde, hat keinerlei Ahnung was in seinem Wald vor sich geht und muss von Merry und Pippin dazu überlistet werden, das Ausmaß von Sarumans Verhalten zu sehen und in den Krieg zu ziehen. Fraglich woher die beiden Hobbits über das Ausmaß des Weißen Zauberers Bescheid wissen, aber dies ist nur eines von vielen Logiklöchern, in das Jackson fällt.

Die Szene mit dem Warg-Angriff und Aragorns „Tod“ bringen die Handlung kein Stück voran und erfüllen eigentlich überhaupt keinen Zweck. Die Inszenierung des Liebesdreiecks Aragorn-Arwen-Éowyn ist auch nur für das Kinopublikum gewählt, spielt diese (sexuelle) Liebe im Roman doch gar keine Rolle. Genauer gesagt – und bereits angesprochen – ist Arwen die wohl unwichtigste Figur im ganzen Herr der Ringe Universum, wobei man ihr da vielleicht auch Unrecht tut. Doch die Bedeutung die sie hat und die in Appendix A zu finden ist, wird sie bei Jackson nicht gerecht, der diesen Erzählstrang eigenständig umändert. Da Arwen, logischerweise, keinen Zweck erfüllt, kann sie nur als Liebesobjekt inszeniert werden, welchem dann sogar noch Eigenraum zugestanden wird. Sich erst für Aragorn entscheidend, reichen zwei Sätze ihres Vaters aus, dass sie Mittelerde verlassen will, ehe sie dann doch nochmals kehrt macht. In dieser Hinsicht spielt auch die allwissende Cate Blanchett in einer nichts sagenden Szene eine Rolle. Die Frage warum die Elfen bei Helms Klamm zur Unterstützung kommen, wird ebenfalls nicht beantwortet und der daraus erhoffte Klimax erschließt sich einem nicht, wirft lediglich die Frage auf, wie die Elfen so schnell bei Helms Klamm sein konnten und woher sie wussten wo sie hin sollten.

Andere drastische Entscheidungen, natürlich für den Klimax, trifft Jackson bezüglich Frodo. Dieser wird scheinbar durch den Ring so geschwächt, dass er sich von Gollum mehr und mehr gegen Sam ausspielen lässt – was im letzten Teil zu einer weiteren grotesken Szene führen soll. Im Buch streiten sich Frodo und Sam zu keiner Zeit, zu sehr spielt hier auch das Lehnverhältnis zwischen beiden eine Rolle, welches im Film jedoch nicht angesprochen wird. Getoppt wird dies alles durch den Auftritt von Faramir und den Zug nach Osgiliath, der keinerlei Sinn macht (auch nicht in Bezug auf Spannungsaufbau). Entweder hat Jackson die Figur und den Umstand von Faramir nicht verstanden oder er hat keinen Wert darauf gelegt. Die Bedeutung dessen, dass eigentlich Faramir zu Elrond geschickt werden sollte und Boromir seines Ehrgeizes wegen dieser Entscheidung zuvorkam, offenbart sich hier nicht. Faramir wird genauso machtgeil dargestellt wie sein Bruder und trifft erst in Osgiliath seine richtige Entscheidung, als er Frodo Auge in Auge mit einem Nazgûl sieht. Ein weiteres Spannungselement, welches Jackson in ein Logikloch stößt, denn wenn der Ringgeist Frodo, bzw. auch nur einen Hobbit in Osgiliath sieht, hätte Sauron dem ganzen Gebiet sicherlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Frodo, Faramir, Baumbart und Theoden werden für das Kinopublikum und dessen Spannungserwartungen verweichlicht und moralisch korrumpiert, die Empathie der ganzen Handlung liegt auf den Kampfszenen. Über hundert Seiten strich Jackson aus den beiden Büchern und stopfte den Anfang des dritten noch an das Ende des ersten Filmes, während die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches in den dritten Film hinüber wandern - schließlich musste Platz geschafft werden für die wichtige Liv Tyler Szene. Gab es auch im ersten Teil manche Streichungen und verfilmte Jackson dort drei Seiten pro Minute, folgt der zweite Teil nunmehr eher der Vorlage. Das vierte Buch wird mit zwei Seiten pro Minute verfilmt (wobei der Kampf gegen Kankra der….Spannung – natürlich – wegen in den dritten Teil fällt), während Jackson das dritte Buch fast mit einer Seite pro Minute in Szene setzt. Höhepunkt des ganzen ist dann die Schlacht von Helms Klamm, für welche sich der Neuseeländer sogar zwei Minuten für jede einzelne Seite nimmt und somit den Kampf ganz klar in den Vordergrund stellt, während er bei Tolkien eine weniger wichtige Rolle spielt. Die zweite Verfilmung von Peter Jackson hat weniger mit Tolkiens Vorlage zu tun, als es noch beim ersten Teil der Fall war und erzählt eher eine Handlung, die auf dem Werk des Briten grob basiert, als dessen Vision seiner Geschichte. Was bleibt ist opulent in Szene gesetztes Effektgewitter ohne dem Tiefgang der Vorlage dabei gerecht zu werden.

6.5/10