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25. August 2009

Haven

It’s just a pebble at a fucking window.

Seiner Zeit wurde Haven in der Kurzzusammenfassung der IMDb als Drama über zwei Briten angekündigt, die auf einer karibischen Insel Geld unterschlagen, während ein Fischer (gespielt von Orlando Bloom) dafür sorgt, dass das Chaos losbricht. Auf den ersten Blick erschien Frank E. Flowers’ Debütfilm im 18. oder wenn man so will auch 19. Jahrhundert angesiedelt zu sein. Zwei britische Handelsleute, die auf eine der Kolonialinseln das Königreich bestehlen und ein Seemann, der zum Szenario dazu stößt. Interessant klang das, was das Publikum 2005 in den Kinos erwarten sollte. Nur dass Haven nie in den deutschen Kinos lief und ohnehin eine weitaus andere Geschichte zu erzählen wusste, wie man nach der Kurzzusammenfassung von 2004 gemeint hätte. Nichts mit Kolonialreichen, britischen Handelsleuten und einem irrwitzigen Szenario um Orlando Bloom. Zumindest nicht so, wie es impliziert worden war. Stattdessen eine Art Episodenfilm, laut DVD-Hülle von den Produzenten (d.h. Bob Yari) von Crash. Aber immerhin spielte Orlando Bloom, der damals mit Return of the King und The Curse of the Black Pearl im Vorjahr den Höhepunkt seiner Karriere erreicht hatte, immer noch einen Fischer.

Haven erzählt nunmehr zwei eigenständige Geschichte, die jedoch parallel ablaufen und sich bisweilen auch kreuzen. Der erste Handlungsstrang dreht sich um die Finanzsituation auf den Cayman Islands. Die Banken, die bisher jedem Kunden Steuerfreiheit versprochen haben, schließen und werden Opfer von Ermittlungen. Dass ist zum einen schlecht für die Kunden, aber auch für deren Broker, wie Mr. Allen (Stephen Dillane). Um sich selbst vor einer Gefängnisstrafe zu bewahren, verkauft er einen seiner Kunden und Partner, Carl Ridley (Bill Paxton), an das FBI. Ridley verdankt es seiner Affäre mit Mr. Allens Sekretärin (Joy Bryant), dass diese ihn in Miami per Fax vor der Hausdurchsuchung vorwarnt. Mit einer Million Dollar Handgeld flieht der Amerikaner gemeinsam mit seiner Tochter Pippa (Agnes Bruckner) auf die Cayman Islands. Dort soll ihm Allen weiterhelfen. Dieser wittert jetzt seine Chance, mit Ridleys Geld selbst abzuhauen. Währenddessen versucht Pippa mit dem Einheimischen Fritz (Victor Rasuk) den Schock der Flucht zu verdauen, wobei dieser seine Schuld beim lokalen Untergrundboss dadurch abarbeiten will, dass er diesem von Ridleys Vermögen erzählt. Obschon es ein zusammenhängender Erzählstrang ist, verlaufen die Handlungen um Ridley und Allen, sowie Pippa und Fritz separat, sodass man im Grunde auch von insgesamt drei Geschichten sprechen könnte.

Des Weiteren erzählt Flowers eine Liebesgeschichte im Stile von Shakespeares Romeo and Juliet. Der Fischer Shy (Orlando Bloom) und die wohlhabende Andrea (Zoe Saldana) sind verliebt, doch wird die Romanze aufgrund des Klassenunterschieds nicht von Andreas Bruder Hammer (Anthony Mackie) gebilligt. Als dieser Shy eines Morgens im Zimmer seiner Schwester erwischt, inszeniert Andreas Vater (Robert Wisdom) um ihres Rufes willen ein Szenario der Vergewaltigung. Wutentbrannt entsinnt Hammer auf Rache und lässt sich zu einer unüberlegten Tat hinreißen, die sowohl sein Leben, als auch das von Andrea und Shy für immer verändern soll. Im Gegensatz zur restlichen Handlung spielen sich diese Ereignisse vier Monate früher ab, wobei jenes Segment der Vergangenheit in die Mitte des Filmes zwischen die gegenwärtigen Geschehnisse rund um Shy und Hammer eingeordnet ist. Das Bindeglied zwischen der Liebesgeschichte von Shy und Andrea sowie der Gierfabel um Pippa, Fritz, Ridley und Allen stellt der Gangster Richie Rich (Razaaq Adoti) dar, der selbst jedoch keine besonders wichtige Rolle spielt. Und im direkten Vergleich ist es die, wenn auch ziemlich konstruierte, dramatische Romanze zwischen Shy und Andrea, die dem Film seine Seele verleiht.

Es wird kurz eingeschoben, dass Shys Vater von Gangstern ermordet wurde, und der Junge wegen dieses Traumas seinen Spitznamen erhalten hat. Nur ist Shy im Grunde nicht wirklich schüchtern, redet munter mit seinem Vorgesetzten, Andreas Vater, seinen Arbeitskollegen und ist auch mit den „Angestellten“ von Richie Rich bekannt. Genauso erhält man nie eine Antwort auf die Frage, warum Shy eigentlich nicht wie seine Altersgenossen zur Schule geht, wo doch seine Mutter (Caroline Godall) sogar als eine der Lehrerinnen unterrichtet. Oder wieso Shy, der auf den Caymans geboren wurde und aufwuchs, im Gegensatz zu seinem besten Freund Kimo (Mpho Koaho) keinen einheimischen Slang beherrscht, sondern sich stets mit britischem Englisch durchschlägt. Sieht man einmal davon ab, dass er Kimo unentwegt mit „dawg“ anspricht, was vielleicht zur Figur, nicht aber zu Blooms Darstellung passen will. So verkommt der Engländer im Grunde zum bloßen hübschen Gesicht, das allerdings jegliche Authentizität der Rolle vermissen lässt. Wie auch schon in Elizabethtown konstatiert, bleibt Bloom weiterhin den Nachweis schuldig, dass er sich innerhalb der Branche zu Recht als „Schauspieler“ bezeichnet, weist er doch wenig mehr Talent als Shia LaBeouf und Co. auf. So ist seine Besetzung am ehesten noch hinsichtlich des Aufmerksamkeitsfaktors nachvollziehbar, der Haven nach Blooms Erfolgen zu Beginn des Jahrzehnts zuteil wurde.

Dabei bleibt Flowers, selbst gebürtiger Kaimaner, generell einige Erklärungen in seinem Debütfilm (dem seither auch kein Zweiter folgen sollte) schuldig. Zum Beispiel wieso Andreas Vater ihr eine Vergewaltigung andichten möchte und weshalb diese – immerhin ist er der angesehene und Shy der nichtswürdige Bürger – dem jungen Fischer nicht angelastet wurde? Oder weshalb sich Andrea nach dem Vorfall zwischen Hammer und Shy dazu entschließt, drogenabhängig zu werden und sich zu prostituieren? Und warum Ridley selbst auf den Cayman Islands scheinbar noch im Ermittlungsgebiet des Federal Bureau of Investigation ist? Bedenkt man, dass es sich im übergeordneten Sinn um einen Episodenfilm handelt, wäre eventuell eine größere Schnittstelle als Richie Richs Geburtstagsparty sinnvoller gewesen. Ohnehin ist gerade die Pippa-Fritz-Nebenhandlung für das große Ganze eher weniger wichtig, selbst wenn ihre Bekanntschaft ausschlaggebend für das Fortführen des Plots um Allen und Ridley sein mag. Grundsätzlich lässt den Zuschauer jedoch sowohl das Schicksal von Ridley (und Pippa) als auch das von Allen relativ kalt. Ähnlich verhält es sich mit Fritz, der als charmanter thug zwar halbwegs sympathisch rüberkommt, aber nicht genug, als dass man um sein Wohl besorgt wäre. So ist, wie bereits angedeutet, die tragische Affäre zwischen Shy und Andrea der Leim, der Haven zusammenhält.

Hätte sich Flowers auf diesen Erzählstrang fokussiert und ihn besser ausgearbeitet, wäre der Film sicherlich etwas runder geworden. Denn die Musik ist relativ stimmig und die Bilder passend gewählt, erwecken sie doch ein träumerisch-schönes Gefühl von den Kaimaninseln. Abgesehen von Bloom kann das übrige Ensemble relativ überzeugen. Sei es Bruckner, Rasuk, Paxton, Dillane, Saldana oder Mackie – sie spielen ihre Parts gemäß ihrer Anwesenheit und Einstellung glaubwürdig. Während das Finale der Ridley-Handlung nachvollziehbar erscheint, reiht sich die Geschichte um Shy und Andrea erneut in die Ansammlung der offenen Fragen ein. Hinsichtlich des Zeitfensters ließ sich vielleicht nicht mehr erzählen, als letztlich erzählt wird, was aber nur einen Grund mehr darstellt, wieso sich Flowers ausschließlich auf die Romanze und ihre Konsequenzen hätte konzentrieren sollen. Im Nachhinein ist Haven ein netter, annehmbarer Film, der eigentlich in Ordnung geht, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt wirklich spektakulär zu sein. Es bleibt eine Mutmaßung, doch eventuell wäre ein Drehbuch, wie es dereinst der IMDb-Eintrag vor fünf Jahren zumindest implizierte (ein abenteuerliches Spektakel in der Kolonialzeit), reiz- und eindrucksvoller gewesen, als es Flowers’ Debüt im Nachhinein wurde. Nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für seine seither leere Vita.

6.5/10

20. August 2008

Elizabethtown

If it wasn't this... it'd be something else.

Wann verkommt ein Misserfolg oder Reinfall zu einem Fiasko? Drew Baylor (Orlando Bloom) entwirft Schuhe für Phil DeVoss (Alec Baldwin) und dessen Firma Mercury Schuhe. Als einer seiner Entwürfe zu einem finanziellen Reinfall wird, muss Mercury eine Rückholaktion starten und einen finanziellen Verlust von 972 Millionen Dollar hinnehmen. Entgegen seiner eigenen Beteuerung ist sich Drew seiner Entlassung durchaus bewusst. Er verliert für seine Firma nicht nur fast eine Milliarde Dollar, sondern schließlich auch seinen Job und seine Freundin Ellen (Jessica Biel). Noch am selben Abend macht sich der junge Mann auf in seine Wohnung und baut seinen Hometrainer zur Suizidmaschine um. Bevor er sich jedoch das Leben nehmen kann erhält er die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Somit zum Mann der Familie verkommen, schickt ihn seine Mutter Hollie (Susan Sarandon) in die Heimatstadt seines Vaters nach Elizabethtown, Kentucky. Dort soll Drew den Leichnam seines Vaters nach Hause überführen. Während Drew seine Suizidpläne so lange auf Eis legt, lernt er im Flugzeug nach Louisville die extrovertierte Flugbegleiterin Claire (Kirsten Dunst) kennen – eine wahrhaft schicksalhafte Begegnung. Durch seinen Job jahrelang vom Familienleben abgehalten, trifft Drew in Elizabethtown auf seinen Cousin Jesse (Paul Schneider) und andere entfernte Familienmitglieder. Über seine Verwandtschaft beginnt Drew seinen Vater aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrzunehmen. Zwischen den Vorbereitungen für die Beerdigung beziehungsweise Einäscherung hilft ihm außerdem Claire dabei, sein eigenes Leben und seinen Misserfolg ebenfalls aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Elizabethtown erzählt die coming-of-age Geschichte von Drew Baylor, Regisseur und Autor Cameron Crowe wiederum präsentiert dem Zuschauer eine Geschichte über Akzeptanz, Selbstfindung und Hakuna Matata.

Für die pop-kulturelle Landschaft hat Regisseur und Autor Cameron Crowe innerhalb eines Jahrzehnts ungemein viel beigetragen. Noch heute ist Lloyd Doblers Liebesbotschaft aus den Boxen eines Ghetto-Blasters in Say Anything Kulturgut in Amerika. Auch mit seinen drei folgenden Filmen Singles (1992), Jerry Maguire (1996) und Almost Famous (2000) konnte Crowe seinen Ruhm Stück für Stück vergrößern. Für sein Drehbuch zu Almost Famous erhielt er dann letztlich einen Academy Award. Doch sein Höhenflug sollte noch im selben Jahr einen Abbruch erleiden. Zwar war Vanilla Sky sein zweiterfolgreichster Film, doch kam sein Alejandro Amenábar-Remake nicht sonderlich gut an. Nach vier Jahren Pause meldete Crowe sich schließlich 2005 mit Elizabethtown zurück – und fiel erneut auf die Schnauze. Weltweit konnte der Film gerade so seine Kosten wieder einspielen, bei den Kritikern und den Fans fiel der Film weitestgehend durch. Dabei hatte er das Projekt extra verzögert, da es Hauptdarsteller Orlando Bloom und seiner Leinwandpartnerin Kirsten Dunst auf den Leib geschrieben wurde. Als Bloom jedoch aufgrund der Dreharbeiten zu Kingdom of Heaven nicht zur Verfügung stand, wurde über Ashton Kutcher und Seann William Scott nachgedacht. Auch Dunst passte der Film nicht in ihren Terminkalender, wollte sie doch in M. Night Shyamalans The Village mitspielen. Am Ende kam alles doch ganz anders und Crowe konnte seinen Wunschcast vor der Kamera versammeln. Damit hat er sich allerdings keinen Gefallen getan, zumindest halbwegs nicht. Dennoch weiß Elizabethtown besonders gegen Ende den typischen Croweschen Charma aufzuweisen, der bereits seine vorherigen vier Filme durchzogen hat. In jenen Momenten, wenn Susan Sarandon zu „Moon River“ auf der Bühne einen Solotanz anstimmt, macht Crowe erfolgreich seinen desaströsen Vanilla Sky vergessen. Leider fehlt dem Film über weite Strecken jedoch dieser Charme.

Am meisten krankt Elizabethtown an Orlando Bloom als Hauptdarsteller, im Gegensatz zu Kingdom of Heaven muss er hier einen Film alleine durch sein Schauspiel tragen und kann sich nicht hinter Action- und Kampfsequenzen verstecken. Pathetische Reden wie im Scott-Vehikel oder angespanntes Schauen wie in den LotR-Teilen mag man dem Engländer noch zutrauen, hier scheitert er jedoch kläglich. Die Figur von Drew ist nicht unähnlich der von Jerry Maguire, die großartig von Tom Cruise portraitiert wurde. Ein Mann, der am Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist, ohne Job und ohne Freundin. Hinzu kommen aber in Elizabethtown noch der Suizidwunsch und der Tod des Vaters – eine ungemein große Palette an Gefühlen. Diese kauft man Bloom zu keinem Zeitpunkt ab, er wirkt hier in seiner ersten „großen“ Rolle gänzlich überfordert und kann lediglich in der Flugzeug-Szene, in welcher er auf Claire trifft, überzeugen. Dass Bloom mit ernsthaftem Schauspiel jedoch relativ wenig zu tun hat, kann lässt sich besonders in der Autofahrtszene nach Elizabethtown sehen. Richtiggehend leit tut einem dann dieser untalentierte Schönling, wenn er gestresst auf sein Lenkrad schlägt. Die Gefühle von Drew, seien es innere Leere, Depression, Euphorie oder dergleichen, kann Bloom jedoch kaum, zumindest jedoch unzureichend, auf die Leinwand bannen. Da Drew aber fast in jeder Szene enthalten ist, steht und fällt der Film mit seinem Darsteller. Für manche mag es ungläubig klingen, aber vielleicht wäre Seann William Scott hier durchaus die bessere Wahl gewesen. Dass es Kutcher nicht viel besser konnte, bewies er im selben Jahr mit A Lot Like Love.

Dagegen weiß Kirsten Dunst weitaus besser zu gefallen, auch wenn sie einen ähnlichen Charakter bereits vier Jahre zuvor in Crazy/Beautiful gespielt hat. Dunst liegen solche schrägen und verspielten Figuren durchaus, auch wenn sich in der Hotelszene ihre Schwächen offenbart. Auch hier hätte man gerne die „andere Wahl“, Bryce Dallas Howard gesehen, doch schadet Dunst dem Film sehr viel weniger wie es ihr Kollege Bloom tut. Paul Schneider hingegen etabliert sich inzwischen dank seiner Nebenrollen (Lars, Jesse James) als aufstrebender Charakterdarsteller, der zum nächsten William H. Macy aufsteigen könnte. Während Baldwin und Biel nur ein kleines Zubrot sind, kann Susan Sarandon aufgrund ihrer wenigen Szenen nicht viel zum Film beitragen. Sie und Filmtochter Judy Greer sind praktisch nicht existent, wissen aber in ihren kurzen Auftritten stets zu überzeugen. Ganz alleine Schuld daran, dass Elizabethtown hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist Bloom jedoch nicht. Crowe, ganz unüblich von ihm, erschreckt durch eine mitunter inkohärente Geschichte. Drews Schuh ist ein Misserfolg, wieso jedoch genau erfährt man nicht. Das ursprüngliche Skript sah sogar vor, dass der Schuh später ein Erfolg werden würde. Nett sind die Anspielungen auf Nike und deren Gründer Phil Knight, fraglich bleibt jedoch, wieso ein einzelner Mitarbeiter in der Lage ist, einer Schuhfirma eine Milliarde Dollar Verlust zu bescheren. Zudem verlaufen viele Ansätze im Sand: der Konflikt ob Drews Vater nun beerdigt oder eingeäschert wird, wieso er unbedingt einen blauen Anzug tragen muss und was es eigentlich mit der Animosität zwischen Hollie und Bill Banyon (Bruce McGill), einem Freund ihres Mannes, auf sich hat. Sehr viel stärker hätte Crowe auch auf die Beziehung der Baylors in Elizabethtown zu Drews Vater eingehen können beziehungsweise auf die zuletzt starke Entfremdung von Drew zu seinem Vater. Hier reißt Crowe vieles an, verfolgt jedoch keinen Handlungsstrang ausreichend.

Hierzu zählt auch Drews Wunsch sich umzubringen. Die erste Intention und der geniale Bau seiner Suizidmaschine kauft man Bloom nie wirklich ab. Auch wenn er seine Pläne nochmals gegenüber Claire bekräftigt, muss man vor Unglaubwürdigkeit der Figur fast Lachen. Dabei hätte man aus der Geschichte durchaus mehr machen können, wären da nicht die Schwachpunkte im Drehbuch und das miese Spiel von Bloom. Aber wie bereits angesprochen hat Elizabethtown auch seine Croweschen Momente, allen voran die obligatorische Flughafenszene und insbesondere einen großartigen Soundtrack. Dieser kommt vor allem in den finalen zehn Minuten zum Tragen, die den eigentlichen Höhepunkt des Filmes darstellen. Hätte sich Crowe ausschließlich auf Drews Selbstfindungstrip beschränkt, angeschlossen an die Beerdigung, wäre der Film vielleicht besser geworden. Dies sind die starken Szenen, die durch schöne Landschaftsaufnahmen und noch schönerer Musik bestechen. Sein Ende findet der Film schließlich in einer sehr akzeptablen Szene, die gelungener ist als das im Drehbuch geplante. Allein wegen einiger Hänger im Skript und Blooms Spiel sollte man – besonders als Cameron Crowe Fan – seinen letzten Film aber nicht verdammen. Wer geduldig ist, wird mit einigen Croweschen Momenten belohnt, mit liebevoll ausgesuchten Drehorten und der besten Straßenkarte aller Zeiten. Bedenkt man Vanilla Sky, so ist Elizabethtown ein Schritt in die richtige Richtung für Wunderkind Crowe.

6.5/10

14. August 2008

Troy [Director’s Cut]

Do you know what’s waiting beyond that beach? Immortality! Take it! It’s yours!

Mit Geschichte nimmt man es in Hollywood nicht so genau, meist ist sie eher Mittel zum Zweck. Daher sollte man bezüglich einer Arbeit in Römischer Geschichte lieber nicht Gladiator ansehen und wer etwas über die Kreuzzüge und Tempelritter erfahren will, einen Bogen um Kingdom of Heaven machen. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass ausschließlich Ridley Scott den wahren Geschehnissen den Allerwertesten zuwendet, wie sehr man die Geschichte zum eigenen Vorteil verändern kann, bewiesen auch die Deutschen zuletzt mit Der Rote Baron. Ohnehin ist Geschichte eher ein Schul-Staubfänger und wie Mathematik ein Pflichtfach. Es lässt sich aber trotzdem nicht abstreiten, dass unsere Geschichte einen Nährboden für Filme darstellt, gerade weil sie interessant ist. Die Schlacht der Griechen an den Thermopylen gegen das persische Heer Xerxes’ verlief natürlich etwas anders, als man es von Zack Snyder in 300 erzählt bekommt, aber das wahre Ereignis (Spartanerkönig Leonidas opfert sich und 298 Spartaner, um den versammelten Griechen mehr Zeit gegen die Perser zu verschaffen) findet Einzug in den Film.

Doch je weiter die Geschichtsschreibung sich von Christi Geburt entfernt, desto verstärkt muss man geschilderte Ereignisse als Legende, denn als historische Begebenheit ansehen. Eine solche Legende findet sich unter anderem bei Homer. In seiner Ilias schilderte er in 24 Gesängen rund 50 Tage während des Trojanischen Krieges. Ob dieser tatsächlich stattgefunden hat, kann heute nicht eindeutig geklärt werden. Dass er so stattfand, wie ihn Homer schildert, ist zu bezweifeln. Denn bei ihm sind die Menschen nur Spielbälle für die Gelüste der Götter. Ein freier Wille existiert nicht, Hellenen und Trojaner verkommen zu Marionetten. Die griechische Kultur verfügte über etliche Götter, von solchen zur Jagd (Athene) bis hin zu den des Weines (Bacchus). Nun sind diese sehr eigen, selbstverliebt und streitsüchtig. Ihre Zwiste tragen sie nicht selbst aus, sondern lassen Menschen dies tun. Sie wählen eine Partei aus und lassen diese gegen die des Konkurrenten antreten. So stehen auf Seiten der Trojaner Aphrodite, Göttin der Schönheit, sowie ihr Bruder Apollon, den die Trojaner verehren. Für die Griechen sind derweil Athene und Ares, Gott des Krieges. Sie greifen in Abstimmung mit Göttervater Zeus in das Kriegsgeschehen ein und entscheiden dieses.

Nun ist Mono- und Polytheismus jedermanns eigene Sache, ein Grund jedoch mehr für den deutschen Regisseur Wolfgang Petersen, in seiner Adaption des Trojanischen Krieges auf das Auftreten der Götter zu verzichten. Für 180 Millionen Dollar engagierte Petersen eine namhaftes Ensemble um Brad Pitt, dennoch wurde Troy bei Erscheinen kritisiert, darunter von Fachgelehrten wegen des Verzichts der Götter. Immerhin gelang es Troy, fast das Dreifache seiner Kosten einzuspielen, sodass er zumindest kein Flop wurde. Im letzten Jahr brachte Petersen dann einen Director’s Cut heraus. Diese erweiterte Fassung ist um 30 Minuten Filmmaterial ergänzt, von Schlachtszenen bis zu nackten Tatsachen einer Diane Krüger. Für Wolfgang Petersen selbst ist diese über drei Stunden lange Fassung jetzt stimmiger als der Kinoschnitt, was sich nur bestätigen lässt. Wer die Kinofassung gut fand oder generell auf Monumentalfilme abfährt, kommt an Troy nicht vorbei. Für Fans der Ilias dagegen dürfte der Film womöglich eher abschreckend sein, da er etwaige Kürzungen und Änderungen an der Vorlage vornimmt. In einem Satz: der Director’s Cut von Troy bietet mehr Gewalt, mehr Blut und mehr Brüste.

Während Homer sich in der Ilias eher auf die Sicht der Griechen beschränkt, degradiert Petersen im Film Agamemnon (Brian Cox) und Co. zu den Bösewichtern. Die Helden sind die Trojaner, allen voran Prinz und Heerführer Hektor (Eric Bana). Auch die Darstellung seines Todes gerät weitaus ehren- und heldenhafter als bei Homer. Auch wenn sich über dessen Schreibstil dahingehend streiten lässt, da verschiedene Figuren mal heldenhaft und mal feige agieren. Auf welcher Seite Petersen und Drehbuchautor David Benioff stehen, wird spätestens beim Einfall von Agamemnons Truppen in Troja klar. Hier ergreift der Director’s Cut vollends Partei: Frauen werden vergewaltigt und Kinder ermordet. Mit Homer hat das nun gar nichts mehr zu tun, endet dessen Ilias doch mit Hektors Begräbnis. Dagegen versucht Troy die Geschichte zu Ende zu erzählen, mit Anfang und Ende. Der Legende nach begann der Trojanische Krieg mit der Entführung von Helena (Diane Krüger) durch Paris (Orlando Bloom). Beide beginnen eine Affäre und mit dieser letztlich auch der Krieg zwischen Athen und Troja. Dabei war die Helenas Entführung nur der Auslöser des Krieges, nicht aber seine Ursache. Der Film fängt zum Glück ein, dass Agamemnon die Entführung seiner Schwägerin sehr recht kommt. Ganz Griechenland steht unter seinem Joch – außer Sparta, der große Konkurrent jenseits des Meeres. Wann, wenn nicht jetzt, scheint sich Agamemnon zu denken. Und zieht bereitwillig in den Krieg.

Dieser Tatsache ist sich auch Hektor sehr wohl bewusst, weshalb er sich und sein Volk bereitwillig ihrem Schicksal ergibt. Dabei ist nicht gesagt, dass Petersen die Götter tatsächlich aus seinem Film ausschloss, denn nur weil man sie nicht sehen kann, muss dies keineswegs bedeuten, sie wären nicht da. So machen die Szenen zwischen Helena und Paris im Schlafgemach oder zwischen Paris und Hektor auf dem Schiff ebenso Andeutungen wie der finale Konflikt zwischen Paris und Achilles. Auch in Wolfgang Petersens Film sind die Menschen lediglich Bauern auf einem riesigen Schachbrett, ihre Handlungen lassen sich nicht durch sie kontrollieren, ihr Schicksal scheint vorherbestimmt. Am ehesten sind sich wohl Hektor und sein Kontrahent Achilles (Brad Pitt) dieser Tatsache bewusst. Beide erahnen, dass es für sie kein Entrinnen aus diesem Krieg gibt und beide ergeben sich ihrem Schicksal. Aber beide aus unterschiedlichen Beweggründen – ein großes Attribut von Troy, dessen finale Einstellung dies kongenial unterstreicht.

Während Hektor in den Krieg zog, um für sein Land und dessen Volk zu kämpfen, suchte Achilles nur den Ruhm. Benioff hebt dies brillant hervor, indem er Odysseus (Sean Bean) Achilles auf diese Weise zur Kriegsteilnahme bewegt. Der größte Krieg, den die Welt je gesehen hat – und Achilles war nicht dabei? Der größte Kämpfer aller Zeiten? “They will write stories about your victories in thousands of years! And the world will remember your name”, verspricht Odysseus. Das sieht auch Achilles ein. Obschon er es dank seiner Mutter besser weiß, er sucht den Krieg, braucht ihn. Achilles wollte unsterblich werden und es ist ihm gelungen. Noch 3000 Jahre später würde man seine Geschichte erzählen, diese filmisch würdigen. Seinen Platz muss er sich allerdings mit Hektor teilen, einem Sterblichen, der ihm in Fragen des Ruhmes in nichts nachsteht. Umso passender hat Benioff die letzten Worte des Filmes, von Odysseus gesprochen, gewählt: “Let them say I lived in the time of Hector, tamer of horses. Let them say I lived in the time of Achilles.”

Auffällig ist in Troy natürlich der Einsatz der visuellen Effekte, die Reise der tausend griechischen Schiffe ist ebenso imposant wie die Erschaffung Trojas. Ergänzt werden die Effekte von exzellenten Ausstattungen und Kostümen, besser lässt sich ein Monumentalepos von technischer Seite kaum gestalten. Die Choreographie des Angriffes von Achilles auf den Tempel Apollons ist meisterlich und ungemein flüssig. Da stört es auch nicht groß, dass die gesamte Sequenz ob ihres Inhalts lachhaft ist. Achilles nimmt alleine mit 50 Mann den besetzten Strand der Trojaner ein? Egal, Benioff und Petersen versuchen Achilles’ Status gerecht zu werden. In der Ilias ist er allein für Sieg oder Niederlage der Griechen verantwortlich. Sein Entschluss dem Geschehen fernzubleiben sorgt fast für die Zerschlagung von Agamemnons Truppen. Auch dies fängt Troy ein, so wie die Ursache für Achilles’ Entscheidung. Streitfaktor ist Briseis (Rose Byrne), die Agamemnon für sich beansprucht, obschon sie Achilles „gehört“. Der Film macht hier eine Abänderung, wo Briseis bei Homer eine Sklavin ist, heben sie Petersen und Benioff zur Cousine von Hektor und Paris empor. Sinn und Zweck soll wohl eine Dramatisierung sein, die jedoch eigentlich völlig unnötig war.

Ohnehin folgt der Film eher filmischen Konventionen, entwickelt eine Parteilichkeit und versucht sich an einem Happy End, das den Schilderungen der Legende widerspricht. Das kann man Petersen sicher zum Vorwurf machen, aber wann wurde schon eine historische Begebenheit authentisch wiedergegeben? Wahrscheinlich ist die Ilias in ihrer Form unverfilmbar, da sie im neunten Jahr des Trojanischen Krieges beginnt und nicht mal bis zu seinem Ende andauert. Ein Großteil der Handlung dreht sich um die Streitereien der Götter und der andere Teil um den Konflikt zwischen Achilles und Agamemnon. Das Publikum ist verwöhnt und nicht gewöhnt, dass eine Geschichte einen schlechten Ausgang haben könnte. Bedenkt man das enorme Budget des Filmes, wäre die authentische Erzählung vielleicht sogar ein finanzieller Selbstmord gewesen. Viele Figuren sterben der Legende nach nicht, andere sterben nicht so wie geschildert, wieder andere tauchen gar nicht auf, was ob ihres Schicksals nicht unbedingt die schlechteste Entscheidung war. Benioff und Petersen wollten bestimmt nicht versuchen, so nah wie möglich den wahren Ereignissen Tribut zu zollen, sondern sie nahmen sich einer Legende an, um ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Letztlich basiert Troy bloß auf der Ilias und stellt keine Verfilmung von ihr dar. Das was der Film sein möchte, gelingt ihm zu sein. Ein Schlachten-Epos, garniert mit Helden, gepfeffert mit einem Schuss Romantik. Besonderes Schmankerl sind die kleinen Referenzen zu Homers Odyssee und Vergils Aeneis, die Benioff in sein Skript eingebaut hat. Auch wenn diese Szenen wahrscheinlich lediglich für Historiker besonders interessant und amüsant gerät. Neben den Effekten, Kostümen, der Ausstattung und dem pathetischen Score von James Horner wird der Film allerdings auch von seinem Schauspiel-Ensemble getragen. Von Brad Pitt über Eric Bana bis hin zu Orlando Bloom, Saffron Burrows und Julie Christie ist Troy durchweg namhaft besetzt. Zwar verdient keiner der Darsteller eine Auszeichnung für sein oder ihr Schauspiel, am ehesten vielleicht noch Altmeister Peter O’Toole. Eric Bana ist kein großer Charakterdarsteller, aber die Figur von Hektor weiß er einzufangen. Orlando Bloom hingegen muss einen Schönling spielen und bewerkstelligt dies – mit geringen Abstrichen – auch zufriedenstellend.

Die alten Theaterhaudegen Brian Cox und Brendan Gleeson haben mit ihren Rollen derweil keine Probleme und sichtlich Spaß, Diane Krüger kann sich als Lustobjekt nicht sonderlich hervortun. Star des Films ist Brad Pitt und obschon er über schauspielerisches Talent verfügt, scheitert er an der Eindimensionalität der Figur. Achilles ist im Grunde ein leerer Körper, ihm fehlt die Emotionalität. Er kennt keine Gnade und kein Erbarmen. Zwar lernt er das nach der Schleifung von Hektor, doch ändert dies wenig an seinem Charakter. Pitt hat große Probleme mit seiner Figur, vielleicht unterforderte sie ihn oder ihm fehlte die rechte Herangehensweise. Außer einer langen Mähne und einem gestählten Körper kann er wenig bieten. Doch dies spielt in Troy keine Rolle, es geht um Kämpfe, Schlachten, Auseinandersetzungen. Dies steht im Vordergrund und dies bekommt das Publikum serviert. Die Kirsche auf das Sahnehäubschen ist dabei schlussendlich der Dialogreichtum von Benioff, der seinen Figuren teils herrliche Einzeiler (“Get up, Prince of Troy! I won't let a stone rob me of my glory!”) und Dialoge in den Mund legt.

8/10

10. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Return of the King

The Return of the King (1955)

Der Abschluss einer großen Trilogie, die so nie eine sein wollte, fand sich ein Jahr nach Erscheinen des ersten Teiles mit The Return of the King. Wie bereits zuvor wurden zwei Büchern von den Herausgebern zu einem Band zusammengefasst und erhielten den übergreifenden Titel, mit dem Autor J.R.R. Tolkien zu Lebzeiten nie viel anfangen konnte. Viel zu viel vorweg würde der Titel nehmen und deswegen hätte er lieber Einzeltitel für die jeweiligen Bücher vergeben, wie es auch bei den anderen vier der Fall gewesen war. Doch Hand aufs Herz, eine wirkliche Überraschung dürfte die Auflösung von Tolkiens Buch nicht gewesen sein. Sowohl Aragorns Krönung als auch die Zerstörung des Ringes zeichneten sich bereits bei der Einführung der Thematik ab. An sein sechstes Buch knüpften die Herausgeber dann noch fünf Appendixe an, welche sich nicht nur mit Tolkiens erfundener Sprache, sondern auch Dynastien und Vorgeschichten aus Mittelerde beschäftigen. Ursprünglich hätte es der Autor gerne gesehen, wenn die sechs Bücher des Herrn der Ringe gemeinsam mit den Appendixen und dem Silmarilion herausgegeben worden wären - diese Idee ließ sich jedoch, wie bereits beim zweiten Teil angesprochen, aufgrund der Papierknappheit der Nachkriegszeit nicht verwirklichen. Wie dem auch sei, mit The Return of the King geht eine der größten Fantasy-Geschichten aller Zeiten in ihr krönendes Ende.

Das fünfte Buch (The War of the Ring) knüpft wieder ausschließlich an die Geschehnisse im Westen rund um Gandalf und Aragorn an. Da Pippin in den Palantir geblickt hat, macht sich Gandalf mit ihm auf die Reise nach Minas Tirith, welches bereits seine Verbündeten durch die Leuchtfeuer um Hilfe gerufen hat. Währenddessen rufen König Theoden und sein Neffe Éomer die Männer Rohans zur Musterung und Aragorn macht sich gemeinsam mit Legolas, Gimli und den neu dazu gestoßenen Dúnedain auf den Weg durch den Pfad der Toten, um ein vor langer Zeit gebrochenes Versprechen wieder einzulösen. In Minas Tirith schickt Denethor, der Verwalter Gondors, mit liebloser Sturheit seinen Sohn Faramir in Schlacht um Schlacht, als er erfährt, dass dieser den Einen Ring nach Mordor hat passieren lassen. Die Stadt selbst sieht sich der Belagerung Mordors ausgesetzt und hofft auf das rechtzeitige Eintreffen der Rohirrim. Seinen eigenen Palantir benutzend sieht Denethor die mächtige Armee des Ostens und stürzt schließlich in den Wahnsinn, als Faramir von einer Suizidmission schwer verwundet heimkehrt. Während Gandalf Faramirs Ermordung verhindert, wird auf den Feldern von Pelennor nach dem Eintreffen der Rohirrim und Aragorns, der eine Seeflotte der Korsaren gekapert hat, die Zerstörung Minas Tiriths verhindert. Obschon Theoden fällt, gelingt es Merry und Éowyn den Anführer der Nazgûl und Hexenkönig von Angmar zu töten. In den Heilenden Häusern kann Aragorn das Leben von Faramir, Éowyn und Merry retten und reitet schließlich mit den verbliebenen Truppen zum Schwarzen Tor, um das Auge Saurons von Frodo im eigenen Land abzulenken.

Nachdem man Frodos Schicksal im Turm Cirith Ungols am Ende des vierten Buches in der Schwebe gelassen hat, knüpft das sechste Buch (The End of the Third Age) an Sams Rettungsaktion an. Es gelingt ihm Frodo zu befreien, auch wenn die Schergen Mordors nun über zwei Spione informiert sind. Gemeinsam - und erneut mit Gollum auf ihren Fersen -, schlagen sie sich schließlich mit knappen Wasservorräten zum Schicksalsberg durch, an welchem sich Gollum schließlich in einer offenen Attacke zu erkennen gibt. Es gelingt Sam Frodo Zeit zu verschaffen, um den Vulkan zu betreten, doch Frodo reißt den Ring am Ende an sich. Durch Abbeißen von Frodos Finger fällt der Ring jedoch wieder in den Besitz Gollums – doch fordert dies seinen tödlichen Tribut als er dabei ungeschickt stürzt und der Ring schließlich vernichtet wird. Saurons Macht zerfällt und Mittelerde, sowie Gondors Armee vor dem Schwarzen Tor, sind gerettet. In den folgenden Feierlichkeiten wird Aragorn vor den Stadttoren zum König von Gondor erklärt und heiratet schließlich Arwen Undómiel in der Stadt seiner Väter. Éomer wird König von Rohan und Faramir zum Prinzen von Ithilien erhoben und zugleich mit Éowyn verlobt. Im Auenland angekommen müssen die Hobbits jedoch nochmals zu den Waffen greifen, da sich Saruman dort eingenistet hat. Am Ende finden alle jedoch ihr friedliches Ende und Frodo verlässt mit Bilbo, Elrond, Galadriel und Gandalf schließlich an den Grauen Anwanden Mittelerde für immer.

Tolkien fasste sich in seinen beiden letzten Büchern verhältnismäßig knapp und scheint seiner eigenen Geschichte letzten Endes wohl etwas überdrüssig geworden zu sein. Die letzten Kapitel beschäftigen sich ausschließlich mit dem Ende des Dritten Zeitalters und den Veränderungen die es mit sich brachte. Etwas sauer stößt das Finale auf, wenn Sauron auf zwei westliche Spione in seinem Land nicht sonderlich zu reagieren scheint, Aragorn hin oder her. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, wenn Sam Gorbag doch getötet hätte und der Alarm nicht losgegangen wäre. Eine besondere Stellung nimmt schließlich die Säuberung des Auenlandes ein, zeigt sie, dass auch vor der beschaulichen Heimat der Hobbits der Krieg um Mittelerde nicht Halt gemacht hat und bildet zugleich sozial-politische Kritik von Tolkien am Nachkriegsengland der 1920er Jahre. Tolkien gelang mit seinem Buch eine brillant gestaltete Welt voller liebevoller Details, von unsagbarer Schönheit und großen Idealen. Ein würdiges Ende des Dritten Zeitalters bildet das Ende einer der bestgeschriebensten Sagen des 20. Jahrhunderts über eine Geschichte von Pathos, Liebe, Freundschaft und Loyalität, sowie das Kämpfen für den Frieden, der in den richtigen Händen kein Trugschluss sein muss. In über eintausend Seiten schuf ein einzelner Mann eine ganze Welt, allein durch die Kraft seiner Gedanken.


The Return of the King - Special Extended Edition (2003)

So we come to it in the end, the great battle of our time.

Dank der Arwen- und Galadriel Szenen, sowie dem unheimlich wichtigen Pseudo-Tod von Aragorn, war in der zweiten Verfilmung kein Platz mehr gewesen für die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches, sodass die ausgelassenen 105 Seiten einfach in den dritten Teil einflossen. Eingeleitet wird The Return of the King von einer Rückblende über die Wandlung von Sméagol zu Gollum, wie sie Gandalf Frodo gegenüber im ersten Band geschildert hat. Ursprünglich war diese Rückblende für den zweiten Teil vorgesehen und bei der Begegnung der Hobbits mit Gollum in den Emyn Muil angedacht. Dort hätte sie auch sehr viel besser hingepasst, als dies zu Beginn des dritten Teils der Fall ist. Jackson knüpft dann bei den Hobbits und ihrer Flucht aus Osgiliath an und lässt sie die Wanderung zum Scheideweg unternehmen. Jedoch nur kurz, ehe er sich der versprengten Gefährten und ihrem Ritt nach Isengart widmet. Wie bereits im zweiten Teil, sprengt Jackson den jeweils eigenständigen Erzählstrang und erzählt seine Version des Herrn der Ringe parallel. Seine Absicht die Geschichte chronologisch nebeneinander zu erzählen misslingt ihm dabei jedoch ein ums andere Mal und die ständigen Schnitte von einem Ort zum anderen stören vermehrt den Erzählfluss. Da das Gespräch mit Saruman – welches in der Kinofassung entfällt - ziemlich beschnitten ist, macht die Reise von Gandalf und Co. nach Isengart keinen wirklichen Sinn - wie es noch bei den meisten anderen von Jacksons eigenwilligen Änderungen sein wird.

Nachdem Pippin in den Palantir schaut, reitet Gandalf mit ihm nach Minas Tirith, sieht unterwegs aber weder einen Nazgûl, noch die erleuchteten Leuchtfeuer. Das findet seine Ursache in der nächsten charakterlichen Vergewaltigung, denn Gondor ruft keineswegs seine Verbündeten zur Hilfe. Denethor wird als stur und starrsinnig gezeigt, der von der ersten Szene an jeden Bezug zur Realität verloren hat. Ohne jeglichen Respekt inszeniert Jackson den Verwalter von Gondor und lässt das ganze am Ende schließlich in einer grotesken Fress-Szene und einem lächerlichen Tod enden (mit Gandalf als Mörder). Auch der Zusammenhang zwischen Denethor und dem Palantir wird nicht erläutert und dessen Existenz später in einer Szene mit Aragorn einfach dem Publikum präsentiert. Peter Jacksons Lieblingsausrede dürfte wieder die Spannungserzeugung gewesen sein, wobei sich nicht erschließen lässt, inwiefern es Spannung erzeugt, wenn Theoden und Denethor als sture Böcke dargestellt werden, die von Gandalf und Pippin ausgetrickst werden müssen. Zudem eröffnet Jacksons eigenwillige Änderung der Handlung ein Logikloch, welches er einfach ignoriert. Die Frage warum Denethor Gandalf nicht aus der Stadt schmeißt, nachdem dieser das Leuchtfeuer entfacht, beantwortet er nicht.

Ein weiterer und viel schwerwiegenderer Fehler ist Jackson dabei gleich zu Beginn unterlaufen, denn in seiner Version - siehe den Bericht zum zweiten Teil - waren Saruman und Sauron ja verbündet miteinander und Saruman weiß von Frodos Mission den Ring in Mordor zu zerstören. Da Saruman bei Jackson jedoch das Schoßhündchen von Sauron ist, müsste dieser von Frodo und dessen Mission ebenfalls Bescheid wissen, spätestens als Isengart fällt, dürfte ihm der weiße Zauberer dies mitgeteilt haben. In Jacksons Filmversion hätte Frodo niemals die Schicksalsklüfte betreten können und der Film dürfte gar kein gutes Ende haben. Aber auch dieses Problem ignoriert der Neuseeländer einfach. Während Gandalf in Minas Tirith Schalten und Walten kann wie es ihm passt, bekommt Aragorn bei der Musterung der Rohirrim Besuch von keinem geringeren als Elrond selbst. Dieser überreicht Aragorn stolz Andúril und entscheidet somit dessen Schicksal. Der zögerliche Aragorn Jacksons entscheidet sich also fünf vor zwölf, dass er König von Mittelerde werden will. So einem König folgt man bereitwillig in die Schlacht, das versteht sich von selbst. In der Vorlage hat Aragorn seine Entscheidung bereits in Bruchtal getroffen und dort die Schmiedung Andúrils selbst in Auftrag gegeben. Die Bedeutung seiner Entscheidung und somit seine Charaktereigenschaft geht in der Filmversion total verloren. Zufälligerweise kampieren Aragorn und Konsorten in derselben Nacht auch vor dem Pfad der Toten, über den Legolas im übrigen sehr viel mehr weiß, wie der Erbe Isildurs, obschon er unerschrocken diesen Pass betritt.

Munter weiter im fröhlichen Uminterpretieren geht es auf dem Pfad von Cirith Ungol. Dort treibt Gollum sein Unwesen und spielt die „garsstigen Hobbitses“ geschickt gegeneinander aus, sodass nach einer kleinen Intrige Frodo seinen Sam verstößt, mit den tollen Worten „Geh heim!“, was tausende Meilen vom Auenland nur noch lächerlich wirkt. Wenn man sich fragt, was das ganze soll, da Frodo im Buch zu keinem Zeitpunkt ernsthaften Streit mit Sam hat, dann klatscht einem Jackson sicherlich erneut die Spannung um die Ohren. Spannung Spannung, Spannung – man kann sich kaum in den Sitzen halten, wenn Sam die Treppen runtertrottet, denn jeder dürfte davon ausgehen, dass der jetzt einfach nach Hause spaziert (so wie jeder im zweiten Teil dachte, dass Aragorn tot gewesen ist). Wem Jackson hier was vormachen will, wird nicht ganz klar, idiotisch ist die Szene allemal. Auch das Frodo von Kankra nicht in den Nacken, sondern durch sein Mithrilhemd hindurch gestochen wird (!) ist wieder Jacksonscher Schwachsinn sondergleichen. Folglich wird Sam in Jacksons Version auch nicht zum Ringträger, allgemein wird dessen Rolle in der Filmtrilogie sträflichst unter den Teppich gekehrt. Dass Sam Gorbag laufen lässt und dieser mit dem Kettenhemd entkommen kann, wird im Film (in welchem Sam zum Super-Sam mutiert und einen Ork nach dem anderen fällt, nachdem er Kankra im offenen Kampf gestellt hat) auch nicht klargestellt. Anschließend wird die Reise der beiden Hobbits durch Mordor auf ein Minimum begrenzt, bevor es dann zum Klimax kommt.

Derweil bereitet Jackson sein Herzstück des Filmes vor, welches wie zuvor in The Two Towers natürlich wieder aus der Schlachtszene besteht. Auch wenn der Sturm der Rohirrim in der im Film gezeigten Form keinen Sinn macht, ist dies dennoch die stärkste Szene, untermalt mit großartiger pathetischer Musik und schönen goldbraunen Tönen. Bevor es dann wieder einen surfenden Legolas zu sehen gibt (diesmal auf einem mûmakil und immer schön mitzählend „neunzehn!“, „zwanzig!, „einundzwanzig!“), wird erstmal Éowyn als alles niedermähende Kampfamazone gezeigt, nachdem sie zuvor unerkannt bis nach Gondor geritten ist. Die Schlacht entscheiden tut Aragorn dann praktisch im Alleingang, dank seiner Armee der Toten (welche sich im Buch beim Angriff auf die Korsaren verabschieden). Wenn man sich die Armee der Toten so ansieht, fragt man sich schon, wieso Jackson überhaupt die Rohirrim einbaut, denn eigentlich hätte Elrond Aragorn auch direkt in den Pfad der Toten schicken können, wenn diese wie ein Putzkommando alles ausmerzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Doch wer bei Jackson nach Logik fragt, erhält nur Schweigen.

Dass The Return of the King dreimal so viele Effekte hat, wie es noch bei Fellowship der Fall gewesen ist, merkt man dem Film deutlich an, denn die meisten Effekte sind nunmehr zu offensichtlich und blättern ab, wirken weniger bis gar nicht glaubhaft. Wieso Jackson so viele Szenen mit Aragorn und Éowyn dazu erfindet und dann in einer einzelnen Szene die Liebesgeschichte zwischen ihr und Faramir abhandelt, ist auch unverständlich. Aragorns heilende Hände und die Bedeutung von ihnen wird in der Szene mit den Heilenden Häusern ebenfalls unterschlagen. Warum Jackson solche Erinnerungsfetzen einbaut, wenn er sie nicht erläutert oder weiter verfolgt, ist unverständlich. Aragorn reitet jedenfalls zum Schwarzen Tor und die Geschichte nimmt ihren Lauf und mündet in Jacksons fünffacher Überblendung und einem 45minütigen Finale, welches sich problemlos in die schlechtesten Filmenden aller Zeiten einreiht. Dass der Film eigentlich auch The Return of Gimli Pausenclown heißen könnte, der sich weiterhin fröhlich durch Mittelerde rülpst oder der letzte Teil von Jackson sexistisch und aufs Äußerste gewaltverherrlichend inszeniert wurde, geht dabei fast unter. Platz für seine geliebte Cate Blanchett findet sich jedoch ebenso wie für Liv Tyler, die wie in jedem Teil mindestens einmal sagen darf, dass sie sich für ein sterbliches Leben entschieden hat. Warum am Ende Arwen jedoch mit dem Schicksal des Ringes verbunden wird, das bleibt wie der gesamte Film Peter Jacksons Geheimnis.

Viel wurde gestrichen, manches verändert. Sätze wechseln ihre Träger und neben Prinz Imrahil tauchen auch Elronds Söhne und die Dúnedain nicht in der Handlung auf. Der Ritt durch den Drúadan-Wald entfällt, ebenso wie der Heimmarsch der Gefährten und die Säuberung des Auenlandes. Falsch oder schlimm ist das nicht, lieber gar kein Prinz Imrahil, als dass Jackson nachher wieder seinen Charakter umdeutet. Die Ausstattung und Umgebung kann diesmal nicht so sehr punkten wie in den beiden Vorgängern, da die meiste Handlung entweder in Minas Tirith, Mordor oder in Schlachten spielt, welche hauptsächlich von digitalen Effekten dominiert werden. Auch Howard Shore kann nicht ganz an die Klasse des zweiten Teiles anknüpfen. Kritisch beäugt werden darf auch der Schnitt zwischen den beiden Discs, der wie bereits im zweiten Teil deutlich misslungen ist (obschon sich viele Gelegenheiten angeboten haben, zumindest bessere, als während einem gesprochenen Satz zu schneiden). Aus Jux und Dollerei drehte Jackson nach seinem Oscargewinn auch noch eine Szene nach, die er von Spielbergs Indiana Jones and the Temple of Doom geklaut hat. Dass The Return of the King elf Oscars bekommen hat, unter anderem für den besten Film und die beste Regie, verwundert bei der Academy nicht weiter, die meistens den misslungensten Film zum Film des Jahres erklärt, sowie die inkompetentesten Regisseur (s. Scorsese für The Departed oder dieses Jahr wahrscheinlich Scott für American Gangster).

Warum Peter Jackson die scheinbar so dröge Geschichte Tolkiens (anders lassen sich seine Spannungs-Vergewaltigungen des Stoffes nicht erklären) verfilmt hat, wird er vermutlich selber nicht wissen. Ist sein erster Teil noch verhältnismäßig gelungen, gibt er sich mit dem dritten Teil der Lächerlichkeit preis. Seine Veränderungen der Handlung sorgen allesamt für tiefe Löcher in der Handlungslogik, seine Spannungserzeugungen verpuffen alle so sehr (Gollums Pseudo-Tod - wieso muss in jedem Teil jemand scheinbar sterben? - oder Frodos Gehampel im Auge Saurons), dass man nur noch ein krampfhaftes Lachen hervorpressen kann. Das meiste Augenmerk richtet Jackson wieder auf seine Schlacht, für die a drei Seiten in vier Minuten erklärt, während der Verlauf des sechsten Buches mit zwei Seiten pro Minute auskommen muss. Ohne Respekt vor Tolkiens Figuren und Verständnis für die Handlung inszeniert Jackson ein Effektgewitter, das erneut zu keinem Zeitpunkt den Tiefgang der literarischen meisterlichen Vorlage erreicht und nichts weiter ist, als großes, stupides Mainstreamkino, welches für wahre Fans des Buches nur Versatzstücke bietet.

3.5/10

3. Januar 2008

Vorlage vs. Film: The Two Towers

The Two Towers (1954)

Ursprünglich besteht The Lord of the Rings wie bereits beim ersten Band erwähnt, aus sechs Büchern, welche später wegen der Papierknappheit des Zweiten Weltkrieges in drei Bänden erschienen, von welchen der zweite durch die Herausgeber den Namen Die Zwei Türme erhielt. Tolkien selbst äußerte sich, dass dies wohl der beste Titel ist, den man hätte wählen können, auch wenn sich der Titel nicht ausschließlich auf die meist gewählten Orthanc und Barad-dûr begrenzen lässt. Theoretisch müsste es sich vielmehr um den Orthanc und den Minas Morgul handeln – für die Verfilmung spielt dies jedoch keine Rolle, da hier der Minas Morgul nicht vorkommt. Die von Tolkien vergebenen Titel für die einzelnen Bücher lauteten für das dritte Buch, welches sich ausschließlich mit der nach Westen aufgesprengten Gruppe der Gefährten beschäftigt, Der Verrat von Isengard. Das vierte Buch, welches sich Frodos Reise mit Sam nach Mordor widmet, erhielt den Namen Die Reise der Ringträger. Da es sich um den Mittelteil eines Epos handelt, beginnen und enden die beiden Bücher abrupt, ohne ihre Charaktere erneut vorzustellen (wie es Mrs. Rowling immer bei ihren Büchern pflegte). Bestand das erste Buch noch aus einer verhältnismäßig ruhigen Einführung und das zweite Buch mit ersten ernsten Zügen, erhält der Krieg nunmehr Einzug in Mittelerde.

Im dritten Buch (Der Verrat von Isengard) findet Aragorn zuerst den sterbenden Boromir und erfährt, dass die Uruk-hai Merry und Pippin entführt haben. Schweren Herzens überlasst er Frodo und Sam sich selbst und setzt mit Legolas und Gimli zur Verfolgung an. In Rohan treffen sie schließlich nicht nur auf den tapferen Marschall Éomer, sondern können sich im Fangorn Wald auch der Sicherheit ihrer beiden Freunde sicher sein. Im Fangorn gibt es auch ein Wiedersehen der besonderen Art, denn Gandalf wurde nach seinem Sturz in die Schatten Morias wiedergeboren und führt die drei Freunde nunmehr nach Edoras. Dort ziehen sie mit König Theoden und dessen Neffen Éomer zur Schlacht gegen Sarumans Armee nach Helms Klamm. Während Merry und Pippin auf den Ent Baumbart treffen und mit ihm und seinem Volk den Angriff auf Isengard starten, organisiert Gandalf mit Erkenbrand, dem Herrn der Westfold Rohans, ein Heer und als der Kampf um Helms Klamm zu scheitern drohte, kann der Sieg doch noch errungen werden. In Isengard treffen die Gefährten wieder aufeinander und nach einem letzten Gegenüber mit Saruman ziehen sich Gandalf und die anderen zurück. Doch Pippin wagt einen Blick in Sarumans Palantir und verschafft somit Sauron das Wissen über die Anwesenheit eines Hobbits in Rohan. Während Theoden und die anderen ihre Männer sammeln, macht sich Gandalf mit Pippin auf den Weg nach Minas Tirith.

Im vierten Buch (Die Reise der Ringträger) treffen Frodo und Sam in den Emyn Muil auf ihren Verfolger Gollum. Da sie selbst sich des Weges unsicher sind, zwingen sie Gollum sie zum Schwarzen Tor zu führen. Während der erschöpfenden Reise durch die Totensümpfe nähern sich Frodo und Gollum etwas an, Frodo beginnt die Worte Gandalfs zu verstehen und empfindet Mitleid für Gollum. In das Gute in ihm glaubend, greift er auf seinen früheren Namen Sméagol zurück. Am Schwarzen Tor angekommen sehen sich die Hobbits ihrer Hoffnungslosigkeit gegenüber, lassen sich von Sméagol jedoch zur Nutzung eines geheimen Pfades am Minas Morgul überreden. In den Wäldern Ithiliens werden sie jedoch von Faramir, Gondors Kapitän und Bruder Boromirs, überwältigt. Als dieser erkennt, welche Aufgabe Frodo vollbringen muss, lässt er ihn mit frischem Proviant ausgestattet wieder auf freien Fuß. Am Minas Morgul angekommen sehen die Hobbits wie Sauron seine Armee nach Osgiliath schickt. Im letzten Stück des Pfades Cirith Ungol lässt Gollum die Hobbits in eine Falle laufen – Frodo wird scheinbar von der Riesenspinne Kankra ermordet. Sam, der zuerst die Reise alleine beenden will, flüchtet im Angesicht nahender Orks wieder an die Seite seines Herren, und indem er sich den Ring überstreift, wird auch er zum Ringträger. Die Orks offenbaren dem heimlich lauschenden Sam schließlich ein Geheimnis: Frodo lebt!

Da ich für die Zusammenfassung gerade aufgrund der Namen (Totensümpfe, Kankra) in die deutsche Übersetzung blicken musste, fiel mir fast die Kinnlade herunter, hatte ich doch erfolgreich vergessen, wie lieblos Wolfang Kreges Übersetzung ist. Egal, durch Tolkiens Teilung des Geschehens weiß man als Leser zuerst lange nicht, wie es um Frodo steht und dessen Reise verläuft. Etwas bitter aufstoßen tut dabei sicherlich Gandalfs Wiedergeburt, nachdem man ihn im zweiten Buch für tot geglaubt hat. Doch die Worte Elronds sollen sich bewähren und nicht nur Aragorn, Merry und die anderen sollen in Baumbart, Theoden und Éomer neuen Freunde auf ihrem Pfad finden, sondern auch Frodo mit Faramir in Ithilien. Die Handlung wird düsterer, Krieg liegt auf den Männern des Westens und Frodo beginnt unter dem Gewicht des Ringes erste Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Das Auge Mordors richtet sich nunmehr auf Gondor und Minas Tirith und es ist an Gandalf und den Anderen, Frodo noch mehr Zeit zu verschaffen. Doch hierfür muss Sam Frodo erstmal auf dem Turm am Cirith Ungol befreien, ehe er nach Lugbúrz überführt wird. Und auch Gollum befindet sich weiterhin auf freiem Fuss – klimatisch lässt Tolkien seine Geschichte in der Schwebe stehen.


The Two Towers – Special Extented Edition (2002)

My business is with Isengard tonight, with rock and stone.

Am nettesten zu lesen sind die verschiedenen Casting-Debatten rund um den Herr der Ringe, denn nachdem Stuart Townsend als zu jung für Aragorn angesehen wurde, fasste Peter Jackson Russell Crowe ins Auge, was sicherlich auch eine ansehnliche Wahl gewesen ware. Éowyn und Faramir sollten eigentlich von dem damaligen Paar Uma Thurman und Ethan Hawke gespielt werden, Orlando Bloom selbst hatte ursprünglich für die Rolle Faramirs vorgesprochen und Theoden-Darsteller Bernhard Hill war zuerst für die Rolle von Gandalf vorgesehen gewesen. Am Ende kam alles doch ganz anders und die Rollen von den Geschwistern Éomer und Éowyn, sowie Faramirs gingen an die bis dahin weitgehend unbekannten Schauspieler Karl Urban, Miranda Otto und David Wenham. Ansonsten lässt es sich Jackson jedoch nicht nehmen, erneut Hugo Weaving als Elrond und Cate Blanchett als Galadriel auftreten zu lassen, zusammen mit vielen weiteren moralischen Vergewaltigungen von Tolkiens Figuren. Alles selbstverständlich immer nur im Dienste der Spannungserzeugung, denn die Vorlage von Tolkien ist spannungstechnisch solche eine Schlaftablette, dass man sich fragt, wieso es überhaupt zu einer Verfilmung gekommen ist.

Vorab aber erstmal die erneut gelungensten Punkte. Howard Shore ist für The Two Towers ein weitaus besserer Score gelungen als bei Fellowhship, bzw. ein ebenso guter und Jackson hat diesmal darauf verzichtet jede einzelne Szene mit Musik zu unterlegen. Es wurde ihm scheinbar von jemandem zugetragen, dass dies nicht unbedingt notwendig ist und so sind es besonders die Szenen mit Frodo, Sam und Gollum, welche oft einfach für sich stehen, ganz ohne theatralisches Gedudel. Wie jedoch bereits im ersten Teil gebührt das größte Lob Alan Lee und John Howe, die eine phantastische Kulisse erschaffen. Die Unebenheiten und Kälte der Emyn Muil werden abgelöst von den perfekt inszenierten Totensümpfen – auch Rohan, Ithilien und der Fangorn Wald sehen so aus, wie man sich dies nach Tolkiens Vorlage vorstellen könnte. Lee und Howe beweisen auch ein Auge für die kleinen Details, wie die simbelmynë. Hier wurde wieder Tolkiens Mittelerde tatkräftig ins Leben gerufen und der alte Mann wäre ohne Zweifel stolz darauf gewesen oder wahrscheinlich glatt selbst nach Neuseeland gezogen, wenn er das zu Lebzeiten alles geahnt hätte. Dass die Academy hierfür keine Auszeichnungen springen ließ und diese stattdessen an Chicago ging, bleibt wie so viele Entscheidungen der Academy einfach nur unverständlich.

Jackson selbst erzählt die Geschichte der Bücher 3 und 4 nicht chronologisch, sondern vermischt sie nach Belieben, dabei den Anschein aufrecht erhaltend, dass was man sieht simultan abläuft. Der Film knüpft an Gandalfs Kampf gegen den Balrog an, um schließlich zu Frodo und Sam in den Emyn Muil umzuschwenken. Nachdem diese Gollum gezähmt haben, geht es nach Rohan zu den übrigen Gefährten. Hier wird man gleich mit einer neuen Figur konfrontiert, welche den Zuschauer noch den Rest des Filmes über begleiten wird: Gimli der Pausenclown. Ganze sechs lächerliche Szenen wird Jackson seinem Publikum mit diesem comic relief schenken, sei es ein Gimli der stolpert, am Hof des Königs rülpst (!), Späßchen mit Fangorn und seinen Gefährten Aragorn und Legolas treibt. Könnte Tolkien das sehen, er würde sich im Grab umdrehen. Gimli, der stellvertretend für das ganze Geschlecht der Zwerge steht, wird von Jackson lediglich als Spaßmacher für das Publikum inszeniert – das ist schon irgendwie traurig und wird höchstens noch abgelöst, wenn Orlando Bloom auf einem Schild durch die Schlacht von Helms Klamm surft und nebenher Orks erschießt (und weil das ganze so toll war, darf Bloom im dritten Teil noch mal surfen, aber dazu an gegeben Ort mehr) oder wenn Gandalf in Meduseld an Theoden einen Exorzismus erster Güte praktiziert.

Selbstverständlich gibt es kleinere Änderungen gegenüber der Buchvorlage und diese fallen auch nicht weiter ins Gewicht. Die Verfolgung Gollums ist den Hobbits erst nicht sonderlich bewusst und der von Theoden verbannte Éomer hält ein ganzes Heer und schenkt drei Fremden bereitwillig zwei Pferde. Frodo verfällt viel zu stark dem Ring und Gandalfs Wiedergeburt wird nicht sonderlich erklärt, will sagen der Fakt, dass er zur Rasse der Ainu gehört und daher im Vergleich zu Menschen eine Art göttliches Wesen ist. Sméagol ist die durch und durch gute Seite von Gollum, die keinerlei Interesse am Ring zeigt und Frodo lügt Faramir in Bezug auf Gollum an. Überhaupt ist in Gondor bekannt gewesen, dass der Eine Ring gefunden wurde (daher hat Boromir im ersten Teil auch so überrascht reagiert!), Erkenbrand wird aus dem Skript gestrichen und durch Éomer ersetzt, Haldir und die Waldelfen kommen, um in Helms Klamm zu sterben. Jeder spricht die Sätze des anderen, Aragorn die von Theoden und Theoden die von Aragorn. Dies alles…ist gar nicht weiter schlimm! Auch nicht dass Theoden und sein Volk von Wargs angegriffen werden und Aragorn vermeintlich stirbt (oh mein Gott! Wer hat denn das tatsächlich gelaubt?). Änderungen der Handlung, Änderungen der Satzstruktur, alles gestattet und nicht weiter schlimm.
Es sind die Änderungen der Charaktere die Schmerzen, derartig schwere Änderungen, dass man sie nur noch als Vergewaltigungen bezeichnen kann. Im Film verbünden sich Saruman und Sauron gegen den Rest der Welt - kein Wort davon, dass Saruman den Ring für sich alleine will. Wenn beide verbündet sind bleibt unverständlich, wieso Sauron Saruman nicht ein paar Nazgûl, Oliphanten oder Haradrim nach Helms Klamm schickt. Dies wird besser verständlich, wenn man bedenkt, dass beide nicht mehr miteinander verbündet, sondern Konkurrenten um den Ring geworden sind. Zudem werden die meisten Charaktere als schwächlich dargestellt. Theoden, König von Rohan, bekommt Muffensausen und flieht mit seinem Volk nach Helms Klamm, einer Burg, die sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand steht. Welcher König würde eine so dämliche Entscheidung treffen? Im Buch ist es Theodens Entscheidung gegen Saruman zu ziehen und zwar ohne Frauen und Kinder, deren Anwesenheit bei Jackson nicht wirklich klar wird. Und Baumbart, das älteste Wesen von Mittelerde, hat keinerlei Ahnung was in seinem Wald vor sich geht und muss von Merry und Pippin dazu überlistet werden, das Ausmaß von Sarumans Verhalten zu sehen und in den Krieg zu ziehen. Fraglich woher die beiden Hobbits über das Ausmaß des Weißen Zauberers Bescheid wissen, aber dies ist nur eines von vielen Logiklöchern, in das Jackson fällt.

Die Szene mit dem Warg-Angriff und Aragorns „Tod“ bringen die Handlung kein Stück voran und erfüllen eigentlich überhaupt keinen Zweck. Die Inszenierung des Liebesdreiecks Aragorn-Arwen-Éowyn ist auch nur für das Kinopublikum gewählt, spielt diese (sexuelle) Liebe im Roman doch gar keine Rolle. Genauer gesagt – und bereits angesprochen – ist Arwen die wohl unwichtigste Figur im ganzen Herr der Ringe Universum, wobei man ihr da vielleicht auch Unrecht tut. Doch die Bedeutung die sie hat und die in Appendix A zu finden ist, wird sie bei Jackson nicht gerecht, der diesen Erzählstrang eigenständig umändert. Da Arwen, logischerweise, keinen Zweck erfüllt, kann sie nur als Liebesobjekt inszeniert werden, welchem dann sogar noch Eigenraum zugestanden wird. Sich erst für Aragorn entscheidend, reichen zwei Sätze ihres Vaters aus, dass sie Mittelerde verlassen will, ehe sie dann doch nochmals kehrt macht. In dieser Hinsicht spielt auch die allwissende Cate Blanchett in einer nichts sagenden Szene eine Rolle. Die Frage warum die Elfen bei Helms Klamm zur Unterstützung kommen, wird ebenfalls nicht beantwortet und der daraus erhoffte Klimax erschließt sich einem nicht, wirft lediglich die Frage auf, wie die Elfen so schnell bei Helms Klamm sein konnten und woher sie wussten wo sie hin sollten.

Andere drastische Entscheidungen, natürlich für den Klimax, trifft Jackson bezüglich Frodo. Dieser wird scheinbar durch den Ring so geschwächt, dass er sich von Gollum mehr und mehr gegen Sam ausspielen lässt – was im letzten Teil zu einer weiteren grotesken Szene führen soll. Im Buch streiten sich Frodo und Sam zu keiner Zeit, zu sehr spielt hier auch das Lehnverhältnis zwischen beiden eine Rolle, welches im Film jedoch nicht angesprochen wird. Getoppt wird dies alles durch den Auftritt von Faramir und den Zug nach Osgiliath, der keinerlei Sinn macht (auch nicht in Bezug auf Spannungsaufbau). Entweder hat Jackson die Figur und den Umstand von Faramir nicht verstanden oder er hat keinen Wert darauf gelegt. Die Bedeutung dessen, dass eigentlich Faramir zu Elrond geschickt werden sollte und Boromir seines Ehrgeizes wegen dieser Entscheidung zuvorkam, offenbart sich hier nicht. Faramir wird genauso machtgeil dargestellt wie sein Bruder und trifft erst in Osgiliath seine richtige Entscheidung, als er Frodo Auge in Auge mit einem Nazgûl sieht. Ein weiteres Spannungselement, welches Jackson in ein Logikloch stößt, denn wenn der Ringgeist Frodo, bzw. auch nur einen Hobbit in Osgiliath sieht, hätte Sauron dem ganzen Gebiet sicherlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Frodo, Faramir, Baumbart und Theoden werden für das Kinopublikum und dessen Spannungserwartungen verweichlicht und moralisch korrumpiert, die Empathie der ganzen Handlung liegt auf den Kampfszenen. Über hundert Seiten strich Jackson aus den beiden Büchern und stopfte den Anfang des dritten noch an das Ende des ersten Filmes, während die letzten Kapitel des dritten und vierten Buches in den dritten Film hinüber wandern - schließlich musste Platz geschafft werden für die wichtige Liv Tyler Szene. Gab es auch im ersten Teil manche Streichungen und verfilmte Jackson dort drei Seiten pro Minute, folgt der zweite Teil nunmehr eher der Vorlage. Das vierte Buch wird mit zwei Seiten pro Minute verfilmt (wobei der Kampf gegen Kankra der….Spannung – natürlich – wegen in den dritten Teil fällt), während Jackson das dritte Buch fast mit einer Seite pro Minute in Szene setzt. Höhepunkt des ganzen ist dann die Schlacht von Helms Klamm, für welche sich der Neuseeländer sogar zwei Minuten für jede einzelne Seite nimmt und somit den Kampf ganz klar in den Vordergrund stellt, während er bei Tolkien eine weniger wichtige Rolle spielt. Die zweite Verfilmung von Peter Jackson hat weniger mit Tolkiens Vorlage zu tun, als es noch beim ersten Teil der Fall war und erzählt eher eine Handlung, die auf dem Werk des Briten grob basiert, als dessen Vision seiner Geschichte. Was bleibt ist opulent in Szene gesetztes Effektgewitter ohne dem Tiefgang der Vorlage dabei gerecht zu werden.

6.5/10

16. Dezember 2007

Vorlage vs. Film: The Fellowship of the Ring

The Fellowship of the Ring (1954)

The Fellowship of the Ring, der Kürze halber ab hier nur noch Fellowship genannt, bildet das Expose zu J. R. R. Tolkiens Chronik von The Lord of the Rings, dem Buch aller Bücher. Hierbei ist insbesondere das erste Buch als allmähliche Hinführung zur Geschichte zu verstehen und Tolkien nimmt sich - die seinem Verständnis nach – gebührende Zeit das nahen des dunklen Zeitalters einzuläuten. Zwischen dem Beginn des ersten Buches und seinem Ende vergehen über zwanzig Jahre in Mittelerde, in welchen absolut gar nichts passiert. Eingeläutet wird die Handlung mit dem 111. Geburtstag von Bilbo Baggins, dem Helden aus Tolkiens erstem Roman The Hobbit, sowie seinen Planungen seines Wegzuges aus dem Auenland. Doch nicht nur seine Heimat, sondern auch seinen Großneffen Frodo lässt Bilbo zurück und setzt ihn als alleinigen Erben seines Hab und Gut ein. Zu diesem gehört auch Bilbos mysteriöser Ring, welchen er einst vor vielen Jahren dem Geschöpf Gollum abnehmen konnte und der seinen Träger unsichtbar macht. Gut zwanzig Jahre vergehen, als Frodo Besuch seines und Bilbos alten Freundes Gandalf dem Zauberer erhält.

Dieser offenbart Frodo dass es sich bei seinem Ring nicht nur um einen der zwanzig großen Ringe handelt, sondern gar um den Ring Saurons, des dunklen Herrschers von Mordor. Frodo ist nicht mehr sicher im Auenland und soll den Ring vorerst nach Bruchtal bringen, während Gandalf weitere Nachforschungen anstrebt. Doch Frodo ziert sich sein geliebtes Auenland zu verlassen und als er sich endlich entschließt, stellt er fest, dass ihm seine besten Freunde Meriadoc Brandybuck und sein Cousin Peregrin Tuck, sowie sein Gärtner Sam Gamgee auf seinem schweren Weg beistehen wollen. Und ihre Abreise beginnt nicht zu früh, da bereits schwarze Reiter durch das Auenland kreuzen, unheilvolle Untertanen Saurons, auf der Suche nach Frodo und dem Ring. Nachdem Frodo und die anderen Unterschlupf in der Stadt Bree suchen, stoßen sie auf allesamt neugieriges Gesindel, sowie auf den ominösen Streicher, welcher sich schließlich als Aragorn und Freund Gandalfs zu erkennen gibt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Bruchtal, werden aber auf der Wetterspitze von den Nazgûl, den Ringgeistern, angegriffen, Frodo dabei schwer verwundet.

Das zweite Buch schildert die Rettung nach Bruchtal und Frodos Überleben. Auch auf Gandalf treffen die Hobbits in Bruchtal wieder, welcher allen Beteiligten offenbart, dass der Vorsitzende der Zauberer, Saruman der Weiße, von der guten Seite abgefallen ist. Er sucht ebenso wie Sauron die Macht des einen Ringes, um die freien Völker Mittelerdes zu unterjochen. Auf einer Ratssitzung von Elrond debattieren alle Beteiligten unter Beisatz von Elfen, Menschen und Zwergen, wie mit dem Ring zu verfahren sein. Der einzige Ausweg scheint die Zerstörung des Ringes an dem Ort zu sein, wo er erschaffen wurde: Mordor. Frodo stellt sich dieser Prüfung zur Verfügung und erhält von Elrond mit Gandalf, Aragorn, Sam, Merry, Pippin, sowie dem Gondorianer Boromir, Elf Legolas und Zwerg Gimli neun Gefährten, welche ihn zumindest bis zur Gedenkstätte der Emyn Muil begleiten sollen. Die Gefährten brechen auf, doch Aragorns Plan über den Gebirgspass Caradhras in den Osten zu marschieren schlägt fehl. Widerstrebend folgt die Gemeinschaft Gandalf die Höhlen Morias, wo sie in der unterirdischen Zwergenstadt Khazad-Dûm auf eine Horde Orks und einen Feuerdämon treffen.

Als Gandalf seinen Freunden die Flucht ermöglicht, zahlt er mit seinem Tod Tribut, Aragorn kann die anderen sicher in die Wälder Loriéns retten. Dort werden sie nach Caras Galadhon, dem Sitz der Waldelfen Celeborn und Galadriel geführt. Unsicher wie der weitere Verlauf der Mission vonstatten gehen soll versucht Boromir die Gruppe davon zu überzeugen, dass zuerst Minas Tirith aufgesucht werden soll. Derweil verstehen Frodo und Sam die Bedeutung ihrer Aufgabe besser, als sie ein nächtliches Gespräch mit Galadriel führen. Die Gefährten werden zu Boot in den Fluss Anduin geleitet, auf welchem sie schließlich die Argonath passieren und die Emyn Muil erreichen. Während es weiterhin unklar ist, wohin die Reise weitergehen soll, will Boromir Frodo den Ring als Waffe Gondors abspenstig machen. Als Frodo erkennt, dass der Ring die Gemeinschaft zerstören wird und es an ihm ist, diese Aufgabe zu bestreiten, verlässt er seine Freunde und macht sich alleine auf den Weg nach Mordor, als ihn gerade noch Sam abfangen kann. Gemeinsam überschreiten sie die Gewässer Richtung Osten.

Tolkien erzählt in seinen ersten beiden von sechs Büchern, die beide mit rund 250 Seiten gleich lang sind, eine Geschichte voller Ungewissheit. Dazu nimmt er sich stets Zeit, die Figuren hadern stets mit ihren Entscheidungen und diskutieren diese aus. Während Boromir den Ring gegen den Feind einsetzen will, widerstrebt diese Idee Elrond und Gandalf. Doch wie genau verfahren werden soll weiß niemand und als Gandalf aufgrund seiner eigenen Fehlentscheidung sein Leben lassen muss, obliegt es an Aragorn den Weg zu wählen. Am Ende trifft Frodo, wie zuvor bei der Ratsversammlung, die Entscheidung selbst. Treu an seiner Seite dabei stets sein Vasall Sam. Beide erkennen, dass der einzige Weg zu einem friedlichen Zusammenleben in Mittelerde nur erreicht werden kann, wenn das Instrument des Bösen seine Kraft genommen wird. Mit seinen ersten beiden Büchern gelang Tolkien dabei ein Klassiker der Literatur und Meilenstein für das Fantasy-Genre. Seine Geschichte, die sich selber aus Mythen wie dem Ring des Gyges zusammensetzte, erzählt von Krieg und Frieden, von Gut und Böse – will dabei keine Analogie zu den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges sein und ist es am Ende doch.

The Fellowship of the Ring - Extended Edition (2001)

Some things that should not have been forgotten…were lost.

Der Neuseeländer Peter Jackson offeriert viele kleinere Abwandlungen zur Buchvorlage, zum Beispiel wenn Gandalf zu Beginn für die Hobbitkinder ein Feuerwerk veranstaltet oder die Liebesgeschichte zwischen Sam und Rosa. Diese Szenen und Abänderungen dienen mit anderen dem Ziele der komödiantischen Unterhaltung. Wenn Gandalf (Ian McKellen) Bilbo besucht und sich in der kleinen Höhle ständig den Kopf stößt, ist dies nicht Teil der Geschichte, da er Bilbo seit über fünfzig Jahren besucht und mit dessen Höhle sicher bestens vertraut ist. Weshalb die Liebesgeschichte um Sam eingebaut worden ist, lässt sich für das Publikum nicht nachvollziehen, die einzige plausible Erklärung wäre den homoerotischen Charakter zwischen seiner Figur und Frodo (Elijah Wood) zu entschärfen (wobei jener vom Regisseur gewollt scheint). Die ersten beiden Bücher mit einer Länge von knapp fünfhundert Seiten werden in drei Stunden gut komprimiert, bedenkt man dass eine Minute etwa drei Seiten zusammenfasst und langatmige Teile um den Alten Wald und Tom Bombadil wegen ihrer Unerheblichkeit ausgespart werden.

Die meisten Abwandlungen zum ersten Buch fallen nicht weiter ins Gewicht und stellen meistens Ergänzungen für das Publikum dar, bebilderte Schilderungen oder nicht geschilderte Hintergründe. Die Erschaffung der Uruk-hai oder die vorausgehende Abholzung der Fangorn-Bäume werden ebenso wenig geschildert, wie die Auseinandersetzung von Saruman und Gandalf oder dessen Nachforschungen in Minas Tirith. Es sind lediglich Bilder zu Ereignissen, welche dem Leser nebenbei geschildert werden, sind daher an sich willkommene Ergänzung und unterstützen das visuelle Erlebnis. In opulenten Bildern präsentiert Jackson ein atemberaubendes Bild von Mittelerde, wie es Tolkien kaum besser hätte schildern können. Die gewählten Landschaften in Neuseeland passen dabei wie die Faust aufs Auge, seien es nun die Wetterspitze, Bruchtal, Caras Galadhon oder die Emyn Muil. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail wurden hier sagenhafte Schauplätze ausgewählt, die einen als Teil Mittelerdes empfinden lassen. Unterstützt wird dies von den tollen Kostümen und der gelungenen musikalischen Untermalung.

Ebenjener Score von Howard Shore ist großartig komponiert und fügt sich nahtlos mit den Landschaften zu einem homogenen Bild. Das einzige Problem hierbei ist, dass Jackson zu viel Verwendung davon macht. Es gibt kaum eine Einstellung, die nicht musikalisch untermalt wurde, was bei einem Film von drei Stunden Länge nach einer Weile gehörig auf die Nerven gehen kann. In den ruhigen Momenten, den entscheidungsträchtigen klatscht Jackson Musik drunter dass es trieft, von den vielen Liedern, welche in der Vorlage auftauchen hört man aber zu keinem Zeitpunkt eins (dabei singen außer Gandalf alle Charaktere einmal ein Lied). Ins Auge fallen auch die vielen kleinen Änderungen, wenn Handlungen und Aussprüche die Träger wechseln, mehr Gewichtung auf die Liebesgeschichte zwischen Aragorn und Arwen fällt und Aragorn und Legolas sich scheinbar bekannt sind. Solche Abwandlungen sind nicht weiter schlimm, auch nicht die vielen dramaturgischen Kniffe von Jackson um die Geschichte dem Mainstream-Publikum näher zu bringen, Wenn sich die Anwesenden bei der Ratsversammlung plötzlich anschreien und Frodo den Weg des Ringes wählt da er das Antlitz des Bösen erblickt, ist dies ebenso vertretbar wie die Treppen in Khazad-Dûm. Es lässt sich lediglich fragen, warum er nicht einfach auf die von Tolkien geschilderten dramatischen Untertöne wie den nächtlichen Angriff der Wargs zurückgegriffen hat.

Durch seine Zufügung eigener Szenen fällt Jackson mitunter in einige Logiklöcher, zumindest verwundert es, wieso Gandalf nach seinem Kampf mit Saruman (Christopher Lee) in Bruchtal wieder seinen Zauberstab hat oder dass die Orks in Khazad-Dûm innerhalb von einer Minute die Gefährten angreifen. Natürlich muss er die Geschichte schneller machen, als die eine Woche, welche Frodo und die anderen in Moria verbringen, aber dies hätte man auch besser lösen können. Dinge wie die emotionsschwangere Musik, der am Ende einsetzende Pathos oder die oftmals komischen Szenen sind wie die dramatischen Einschübe Abnickungen an das Mainstream-Publikum, welches mit dem Film angesprochen werden sollte. Bei einem dermaßen teuren Projekt lässt sich dies auch nachvollziehen, wenn gerade die gute Kundschaft angesprochen und somit die eigene Investition geschützt wird. Insofern - auch wenn es beim Fan teilweise sauer aufstößt - lassen sich die angesprochenen Bemängelungen vertreten und rechtfertigen. Besonders Viggo Mortensen als Aragorn und Sean Bean als Boromir wissen nicht nur zu gefallen, sondern auch zu überzeugen, während Ian McKellen ein ums andere Mal negativ als Gandalf aufzufallen weiß.

Hauptkritikpunkt in dieser, wie in den anderen beiden Verfilmungen (wobei es dort noch schlimmer ist), sind die charakterlichen Veränderungen, die Jackson vorgenommen hat. In meinen Augen ein Kardinalsdelikt. Figuren wie Tom Bombadil oder Glorfindel wegzulassen ist in Ordnung, die Handlung zu komprimieren und zu ergänzen auch, aber die Darstellung des Charakters der Figuren sollte dem der Vorlage entsprechen. Dass die im Buch auf einer Seite auftauchende Figur von Arwen (Liv Tyler) im Film als elfenhafte Amazone dargestellt wird ist geradezu lächerlich. Liebesgeschichte hin oder her, aber da fragt man sich schon, was das soll, da der Film beim Publikum sicherlich genauso gut angekommen wäre, hätte man sie auf das reduziert was sie ist. Auch die Darstellung der Hobbits, wie auf der Wetterspitze, als naives, tölpelhaftes und schwächliches Volk schmerzt ebenso, wie die Inszenierung von Galadriel (Cate Blanchett), die völlig fehl am Platze ist, wenn sie als allwissendes Orakel sich bedrohlich präsentiert, sodass ihr vielmehr ein hexenhafter Charakter verliehen wird. Andere Dinge, wie die blinde Hörigkeit Frodos gegenüber Gandalf, dessen Fehlentscheidungen oder Aragorns zögerliches Verhalten werden überhaupt nicht thematisiert, obwohl sie für das Schicksal der Figuren entscheidend sind.

Am schlimmsten überwiegt jedoch die Zeichnung von Boromir, von Jackson als Judas skizziert. Galadriel riecht den Braten sofort, teilt dies Frodo mit und dieser ergibt sich schließlich am Fuße Amon Hens seinem Schicksal, dieses vorausahnend wie ein Jesus im Garten Gethsemane. Dass dabei bei der finalen Verabschiedung aus Lothlorién Boromir als einziger nicht gezeigt wird, wie er ein Geschenk von den Elfen bekommt stellt eine absurde Analogie zum letzten Abendmahl dar. Ebenso wie er es im zweiten Teil mit Faramir tut, scheint Jackson entweder die Bedeutung der beiden nicht verstanden zu haben oder dies dem Blockbuster-Charakter opfern zu wollen. Er versucht dies zwar in der Extended Version des zweiten Teiles in einer neu eingefügten Szene wieder gut zu machen, was die Darstellung Boromirs jedoch nicht besser macht. Hier wird er als Verräter von langer Hand gezeigt, der bereits seinem späteren Opfer bekannt war, während Tolkien ihn erst am scheinbaren Ende seiner Reise in eine Verzweiflungstat stürzen lässt. Die Einfügung des Anfanges des dritten Buches ans Ende des zweiten dient dann wieder dramaturgischen Zwecken, die eigentlich nicht notwendig gewesen wären. Am Ende bleibt The Fellowship of the Ring in seiner erweiterten Fassung abgesehen von der freigiebigen Verwendung der Musik und der Änderungen an den Charakteren eine großartige Adaption eines unverfilmbaren Romans.

8/10

8. November 2007

Pirates of the Carribean: At World's End

I wash my hands of this weirdness.

Raue Zeiten brechen an, Piraten werden in Reihen aufgestellt und gehängt, erbarmungslos, Stück für Stück. Selbst vor Kindern macht das Grauen keinen Halt, einem unsicheren Blick wird mit einem Fass ausgeholfen. Da stimmt ein Knabe das Lied der Piraten an, kurz darauf stimmen die anderen in den Sing-Sang ein – der unsichere Leutnant meldet es Lord Beckett (Tom Hollander), doch diesem ringt es nur ein müdes Lächeln ab. Er hat sein Ziel erreicht, durch den Sing-Sang im Auge der Auslöschung geht eine Warnung über Silbermünzen an alle Piraten aus, nunmehr sind sie vorgewarnt. Währenddessen suchen Captain Barbossa (Geoffrey Rush) und die junge Elizabeth Swann (Keira Knightley) in Singapur den Piraten Sao Feng (Chow Yun-Fat) auf, um ihn davon zu überzeugen, ihnen ein Schiff und eine Crew zu überlassen. Das Treffen wird von den Männern der East India Trading Company unterbrochen, die Beteiligten können gerade noch so fliehen. Das Ziel ist jedoch erreicht, Sao Feng überlässt Barbossa, Miss Swann und dem wagemutigen Will Turner (Orlando Bloom) ein Schiff samt Crew. Nun steht der Suche nach Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) in Davy Jones’ Locker unter der Führung der mysteriösen Tia Dalma (Naomi Harris) nichts mehr im Wege – außer das Ende der Welt.

Inzwischen weiß man, dass Jerry Bruckheimer vor rein gar nichts halt macht, sei es ein Kinderspielzeug oder eine Freizeitparkattraktion – alles wird gnadenlos verfilmt, für das höhere Ziel und dies ist Mr. Bruckheimers Bankkonto. War der erste Teil, welcher als einziger Teil konzipiert war, noch sehr innovativ und unterhaltsam geraten, mit einer erfolgreichen Wiederbelebung eines totgeglaubten Genres, stoßen die beiden gemeinsam verfilmten Fortsetzungen etwas bitter auf. Bereits dem zweiten Teil wurde von den Kritikern seine Überlänge und fehlende Logik vorgehalten und auch der dritte Teil konnte den intellektuellen Kreis nicht begeistern. Der mit 300 Millionen Dollar teuerste Film aller Zeiten (bisher) hält bei Rotten Tomatoes eine Wertung von 45%, beim Publikum kommt er – wie bei IMDb – mit etwa 7 von 10 Punkten noch recht gut weg, was auch ein weltweites Einspiel von fast einer Milliarde Dollar (was sich durch den Verkauf der DVD noch verbessern sollte) bestätigt. Meistens sind es eben die schlechten Filme, welche das Geld einspielen und die guten Filme, welche keine Berücksichtigung finden. Auch in der Bloggersphäre wurde dem dritten Teil der Piratensaga kein gutes Urteil beschenkt, weshalb ich einen Kinobesuch ausfallen ließ und dies nunmehr auf DVD nachhole.

Das Budget wird sich hauptsächlich auf die Ausstattung, die Kostüme, die Maske und allen voran die Visuellen Effekte verteilt haben, aus dem einfachen Grund, dass man es dem Film ansieht. Hier lässt sich auch keine Kritik finden, das Ambiente im Film stimmt, die Effekte beeindrucken genauso wie die allgemeine Optik und in diesen Kategorien kann sich PotC auch Hoffnungen machen, bei den nächstjährigen Academy Awards Berücksichtigung zu erfahren. Das Hauptmanko des Filmes ist ganz klar seine Handlung, bzw. das nicht vorhanden Sein einer solchen Handlung. Was die Figuren hier machen, und es sind ausnahmslos alle Figuren zu nennen, hat in den meisten Fällen weder Hand noch Fuß und schon gar keinen Sinn. Knochengerüst Knightley’s Charakter Miss Swann nagt scheinbar an ihrer Tat aus dem zweiten Teil Jack Sparrow ins Jenseits befördert zu haben und redet nicht mehr mit ihrem geliebten Will Turner – der Zusammenhang hierbei erschließt sich jedoch nicht. Ist der gute Jack jedoch erst wieder in der Obhut seiner Crew, gilt Elizabeths Groll ganz der East India Trading Company. Orlando Bloom hingegen ist als Will Turner primär an dem Schicksal seines Vaters interessiert, welchen er aus den Fängen von Davy Jones (Bill Nighy) befreien will. Hierzu muss er Lord Beckett jedoch die Black Pearl ausliefern und daher verfolgt Will eigentlich seine eigenen Interessen. Captain Barbossa und Jack Sparrow streiten sich den Film hindurch darüber wer das Kommando über die Pearl hat – zugegebenermaßen relativ lustig über einen Längenvergleich ihrer Fernrohre.

Jeder Charakter hat somit seine eigene Agenda und versucht sein persönliches Ziel gemeinsam zu erreichen – mehr oder weniger. Das Motto lautet hierbei: jeder betrügt jeden. In einer Szene verlangt Beckett von Sparrow den Treffpunkt aller Piraten im Austausch für seine Freiheit. Zu diesem Zweck erhält Sparrow seinen magischen Kompass zurück, welchen er später Will übergibt, als dieser versucht Beckett über Sparrows Aufenthaltsort zu informieren und Will übergibt den Kompass schließlich wieder Beckett, um damit den Treffpunkt der Piraten ausfindig zu machen. Verstanden? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, denn Sinn ergibt es sowieso keinen. Im Laufe des Films ist jede Figur mindestens einmal mit jeder anderen überein gekommen, um sie dann zu hintergehen und mit einer anderen Figur eine andere Übereinkunft zu treffen. Das wiederholt sich die guten ersten neunzig Minuten und die Handlung dreht sich nicht nur im Kreis, sondern wiederholt sich und die Summe aus dem zweiten Teil. Anschließend ergötzt sich der Film in der letzten Stunde an seinen eigenen Effekten in einer nach fünf Minuten eintönigen Seeschlacht, welche der Gipfel einer weiteren Sinnlosigkeit ist. Neunzig Minuten lang geht es den Figuren darum, eine Allianz aller Piraten (darunter Keith Richards als Sparrow Senior) zu bewirken und die übermächtige East India Trading Company im offenen Gefecht zu besiegen. Nach neunzig Minuten wurde dies auf profane Art bewerkstelligt, doch anstatt dies nun umzusetzen fechten Sparrow und Co. dies privat mit Davy Jones und seinen Männern aus, während alle anderen zusehen. Da fragt man sich, wieso vorher überhaupt das große Tam-Tam drum getrieben wurde.

Als Trilogie lässt sich diese Trilogie ohnehin nicht titulieren, da die beiden Fortsetzungen inhaltlich keinen Zusammenhang mit dem ersten Teil aufweisen. Mehr als Charaktereinführung ist der erste Teil somit nicht und Regisseur Gore Verbinski lässt im Finale noch einmal alle Figuren aus dem ersten Teil ihre Aufwartung machen. Eine klare Linie hat die Trilogie dabei nicht, spielt Davy Jones und der Flying Dutchman im ersten Teil schließlich keinerlei, in den Fortsetzungen jedoch eine erhebliche Rolle. Dass man die Dreharbeiten an den Fortsetzungen begann, ohne ein fertiges Drehbuch vorweisen zu können, merkt man während des Filmes und besonders an seinem Ende. Der zweite Teil und die Mehrheit des dritten Teils arbeiten gezielt auf die finale Schlacht hin, dies erklärt das sich im Kreis bewegen und die unnötigen Wiederholungen. Die finale Auflösung wirkt dann dem Franchiseprodukt absolut entgegen und ist wohl eine der schlechtmöglichsten Lösungen, arbeitet auch den Erwartungen des Zuschauers bei einem vorhersehbaren Produkt entgegen.

Hier gäben sich die Macher der Lächerlichkeit preis und bieten als Konklusion keinerlei Entwicklung zum Beginn des ersten Teils. Die Fortsetzungen sind eine Offenbarung dafür, dass eine Fortsetzung nie im Raume stand und man die Kuh nur melken wollte, so lange sie noch Milch gab, bzw. gibt. Jeder Teil ist nach dem Prinzip Höher-Schneller-Weiter aufgebaut, mehr Effekte, mehr Jack Sparrow (sprichwörtlich) und dazu noch Chinas größten Kinostar in einer Nebenrolle (auch wenn dieses Ziel dadurch etwas verfehlt wurde, da die chinesischen Zensoren die Hälfte von Chow Yun-Fats screentime rausschnitten). Eine wirkliche Geschichte hatten die Macher nicht zu erzählen und abgesehen von einigen Lachern ist Pirates of the Carribean ziemlich erschöpfen geraten, ähnlich wie die Matrix-Trilogie. Jerry Bruckheimer scheint dies keinen Abbruch zu tun, und der Zuschauer kann sich somit darauf freuen, in den nächsten Jahren vielleicht auch noch die Kinoversion von Spitz Pass Auf zu begutachten, Regie Michael Bay, Hauptrolle Nicholas Cage.

4.5/10