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27. Februar 2016

The X Files – Season Ten

Yeah, this is how I like my Mulder.

Es ist immer schön, alte liebgewonnene Gesichter nach einer gewissen Zeit mal wieder zu sehen. So wie im Falle von Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson), zwei FBI-Agenten, die paranormale Fälle ermittelten. Neun Jahre lang hielt sich The X Files im Fernsehen, in über 200 Episoden ermittelten Mulder und Scully kuriose, mysteriöse und absurde Fälle sowie eine Alien-Verschwörung, die bis in die höchsten Reihen reichte. Vor 14 Jahren war dann Schluss – zumindest im TV. Sechs Jahre später sollte mit I Want to Believe ein zweiter Ausflug ins Kino folgen, ehe die X-Akten für eine zehnte Staffel und Mini-Revival dieses Jahr erneut geöffnet wurden.

Zu verdanken ist dies auch dem Online-Streamingdienst Netflix, wo scheinbar eine rege Nachfrage nach den alten Staffeln der Serie herrschte und sich eine potentielle Mini-Staffel gut vermarkten ließe. Für sechs Folgen kehrten Duchovny und Anderson also zurück, als Verschwörungsfanatiker und TV-Moderator Tad O’Malley (Joel McHale) den Kontakt zu Mulder und Scully sucht. Ein junges Mädchen namens Sveta (Annet Mahendru) verfüge über Alien-DNS – mit dem alten Mythologieköder der Serie werden deren Titelfiguren zurück ins Geschehen gelockt. Allerdings mit einem Twist, der wohl die Figuren um Mulder mehr erschüttert, als den Zuschauer.

Ein Drittel des Show-Revivals – die Auftaktfolge und das Staffelfinale My Struggle – befassen sich mit der Alien-Mythologie der Serie. Die übrigen vier Folgen sind wiederum tonalisch unterschiedliche Varianten der Monster-of-the-Week-Episoden. Insofern ist die zehnte Mini-Staffel quasi eine Art Best of von dem, was The X Files neun Jahre lang ausgemacht hat. Die Idee von Serienschöpfer Chris Carter scheint gewesen zu sein, von allem etwas bieten zu wollen. Dabei stehen die beiden My Struggle-Episoden für sich und werden quasi nicht in den übrigen Folgen thematisiert. Die wiederum funktionieren ebenfalls in sich geschlossen, ohne aufeinander aufzubauen.

Relativ nüchtern-sachlich gibt sich Founder’s Mutation über zwei Geschwister mit übersinnlichen Kräften, seriös-verspielt kommt wiederum Home Again daher. Hier jagt Mulder ein Müllmonster und Kunstprodukt, während Scullys Mutter im Koma liegt. Home Again greift zusätzlich zu den Mythologiefolgen das Thema von William auf, jenem Sohn der beiden Agenten, den diese zur Adoption freigaben. Anfangs einen ernsten Hintergrund (islamischer Terroranschlag in den USA) hat zwar die Episode Babylon, dennoch gerät sie im Verlauf immer absurder, wenn Mulder sich auf einen Drogentrip begibt, um mit einem komatösen Attentäter auf der Astralebene zu kommunizieren.

Humorvoll ist Babylon auch, da mit den Agenten Miller (Robbie Amell) und Einstein (Lauren Ambrose) zwei junge Doppelgänger von Mulder und Scully diesen hier sowie in My Struggle II an die Seite gestellt werden. Es ist jener Funke von Lächerlichkeit, der Babylon zu einem der Highlights der zehnten Staffel macht. Selbiges, nur noch etwas absurder und ironischer, trifft auch auf Mulder und Scully Meet the Were-Monster zu, eine von Darin Morgan geschriebene Folge in bester Tradition seiner früher geschriebenen Beiträge wie Small Potatoes oder der Kultepisode Bad Blood. Hier untersuchen Mulder und Scully tödliche Angriffe einer scheinbaren Werwolf-Echse (Rhys Darby).

Im Schnitt 9,5 Millionen Zuschauer verfolgten die neuen Fälle dabei auf dem Sender Fox – und damit mehr als aktuell dessen Formate Gotham, Bones oder The Simpsons. Die Ministaffel von The X Files macht viel richtig (so die Rückkehr zum klassischen Intro und weg vom hässlichen des neunten Jahres) – aber nicht alles. Zumindest mich überzeugten die Mythologiefolgen wie auch in vergangenen Staffeln nur leidlich. Die Luft ist raus, entsprechend nötig war der eingeführte Twist. Nur gerät auch dieser relativ egal. Umso bedauerlicher, dass My Struggle II mit sich überstürzenden Ereignissen und abstrusen Verläufen viel Klasse des bisherigen Revivals kaputt macht.

Unterhaltsamer geraten dagegen speziell die mit Humor injizierten Monster-of-the-Week-Folgen, die – I Want to Believe nicht berücksichtigt – Mulder letztmals in der achten Staffel bearbeitete. Ans Absurde glauben wollen ist zum Beispiel sein Problem in der herausragenden Were-Monster-Episode, die zugleich neben Spaß auch einen fast schon Trainspotting-artigen Blick auf unser Leben wirft. “I'm just looking for some kind of internal logic”, klagt Mulder da bezeichnend sein Leid. Leicht Meta wird es auch, wenn Ambroses Agent Einstein ihren Partner fragt: “You think anyone takes the X Files seriously? That's why they got them stuck down in that basement office.”

Die Zusammenstellung der Staffel bringt es naturgemäß mit sich, dass nicht jeder vollends glücklich mit ihr werden könnte. Wem humorvolle Folgen stets missfielen, wird sich an Mulder and Scully Meet the Were-Monster ebenso stören wie an Babylon. Grundsätzlich stimmt jedoch die Chemie zwischen Duchovny und Scully, auch wenn unklar ist, wieso sie nach den Ereignissen von I Want to Believe nun scheinbar erneut getrennt sind. Dass das Finale in einem Cliffhanger endet, ist sicherlich der Tatsache geschuldet, sich die Tür für eine weitere Mini-Staffel offenzuhalten. Manchmal ist es aber auch tatsächlich besser, alte Bekanntschaften alte Bekanntschaften sein zu lassen.

7/10

18. Juli 2015

Die Top 5: Community

Cool. Cool, cool, cool.

Ted Turner sagte mal: “Just because your ratings are bigger doesn’t mean you’re better.” Und das ist wohl war – auch im Falle von Dan Harmons Sitcom Community. Jene Show über eine Volkshochschule, die wie so viele Shows jährlich um ihr Überleben kämpfte. Ähnlich wie bei Parks and Recreation war die Verlängerung um eine weitere Staffel eine jährliche Hängepartie, während die Einschaltquote sank und sank. Von 2009 bis 2015 lief Community, davon die ersten fünf Staffeln auf NBC, ehe der Sender die Serie einstellte. Aufgrund ihres Kultfaktors und treuen Fangemeinde nahm sich Yahoo der Show an und schenkte ihr 13 weitere Folgen. Der Wunsch von Harmon und der Fans (“Six seasons and a movie”) lebt somit weiter.

Seinen Anfang nahm alles in der Tatsache, dass Anwalt Jeff (Joel McHale) seinen Bachelor-Titel am Greendale Community College nachholen will. Dort macht er der Kommilitonin und politischen Aktivistin Britta (Gillian Jacobs) schöne Augen, was dann wider Willen in einer Spanisch-Lerngruppe endet. Zu dieser gehören der TV- und Filmfan Abed (Danny Pudi), der infantile High School Footballer Troy (Donald Glover), die religiöse Mutter Shirley (Yvette Nicole Brown), der alte Firmenerbe Pierce (Chevy Chase) und der Kontrollfreak Annie (Alison Brie). Aus Fremden wurden im Laufe der Zeit Freunde, die sich ihrem schrulligen Rektor, Dean Pelton (Jim Rash), und ihres wahnsinnigen Lehrers Señor Chang (Ken Jeong) erwehren müssen.

Insgesamt 110 Episoden regierte der Wahnsinn in Greendale – auch hinter den Kulissen. So musste Schöpfer Dan Harmon im vierten Jahr gehen und die Autoren David Guarascio sowie Moses Port gaben die Showrunner, ehe Harmon in Staffel 5 zurückkehrte. Dafür verließen Chase und Glover die Serie, genauso Brown im letzten Jahr. Der Community-Formel tat dies nur bedingt einen Abbruch, Harmon verstand es gekonnt, mal mit Jonathan Banks in Season 5, dann wieder mit Paget Brewster und Keith David in Season 6 der Gruppe neues Leben einzuhauchen. Solange Community in Greendale spielte, schien alles im Lot zu sein. Das College und seine inhärente Inkompetenz war der eigentliche Star in der Serie als solcher.

Was die Serie stets auszeichnete, waren ihre pop-kulturellen Anspielungen und ihre kreative Bereitwilligkeit für Konzeptepisoden – beides in der Regel von Danny Pudis Figur ausgehend. Exemplarische Episoden waren hier die Weihnachts- und Halloween-Folgen, aber auch jene Paintball-Geschichten, die der Show zu Fernsehruhm verhalfen. Community scheute sich nicht, eine ganze Folge in Claymation oder 2D-Animation zu erzählen, oder sich ganz und gar einem Kind gleich ihrer gespielten Realität hinzugeben. Hierin lag mit die enorme Kreativität der Serie begründet, die wie keine Zweite die Grenzen des Machbaren im Fernsehen auslotetet – und dabei zumeist reüssierte. Auch wenn sie dies selten konsequent durchzuhalten vermochte.

Honorable Mention: A Fistful of Paintballs (Season 2, Episode 23/Joe Russo)
Was die Show außergewöhnlich machte lobte ich seinerzeit schon in der ersten und zweiten Staffel. Jede Folge besaß zumindest ein, zwei tolle Momente – aber nur wenige waren durchgehend überdurchschnittlich. Am überzeugendsten geriet dabei die fünfte Staffel, womöglich auch deshalb, weil Harmon hier nur halb so viele Episoden zur Verfügung standen wie in den ersten drei Jahren. Somit bot sich weniger Gelegenheit, sich zu verlieren und das vorhandene Material kam gebündelter und kompakter daher. Der Serie half das wenig, mit durchschnittlich nur noch drei Millionen Zuschauern zog NBC die Reißleine – Community verabschiedete sich somit wie Parks and Recreation auf dem Höhepunkt aus dem Fernsehen (und ging ins Internet).

Auch dort funktionierte die Serie zumindest in ihren ersten und finalen Folgen weiterhin. Nicht zuletzt wegen ihrer Darsteller und deren unvergleichbarer Hingabe zu ihren Figuren und dem Konzept der Show. Insbesondere Danny Pudi, Alison Brie, Ken Jeong und Jim Rash lieferten oft schauspielerische Parforceritte ab, die ihresgleichen suchten (man denke nur an VCR Maintenance and Educational Publishing). Insofern geht der Kultfaktor von Community in Ordnung und wünscht man der Serie ihren filmischen Abschluss als letztes Hurra. Bis dahin bleibt mir nur auf die aus meiner Sicht fünf gelungensten Episoden der vergangenen sechs Jahre zurückzublicken, die mir den größten Unterhaltungswert boten:


5. Cooperative Calligraphy (Season 2, Episode 8/Joe Russo): Steht hier stellvertretend für all jene Episoden, die keine Konzeptfolgen darstellen. Als einer von Annies Kugelschreibern verschwindet, sieht sich die Gruppe gezwungen, buchstäblich blank zu ziehen, da der vermeintliche Dieb sich nicht zu erkennen geben möchte. Dabei wollen alle viel lieber zu einer Welpen-Parade. Communitys erste Bottle-Episode fördert dabei nicht nur die individuellen Charaktere der Gruppe exzellent zutage, angefangen von Annies Kontrollwahn, sondern auch verborgene persönliche Geheimnisse.

4. Geothermal Escapism (Season 5, Episode 5/Joe Russo): Der Abschied von Troy steht bevor und Abed schenkt seinem besten Freund eine Runde Hot Lava, die natürlich wieder ganz Greendale ins verspielte Chaos stürzt. Die Folge überzeugt dabei zum einen fraglos als eine Bewältigungstherapie für Abed sowie Brittas penetrantes – aber erfolgreiches – Psychologisieren, zuvorderst aber natürlich wegen der zahlreichen postapokalyptischen Referenzen à la Mad Max und Waterworld: von Changs Hook-zitierenden Locker Boys bis hin zu dem Angriff der Chair Walker auf Shirley Island.

3. Pillows and Blankets (Season 3, Episode 14/Tristram Shapeero): Als sie sich nicht einigen können, ob sie eine Kissen- oder Deckenburg bauen sollen, befeuert von John Goodmans manipulativem Vice Dean Laybourne, eskaliert der Disput zwischen Troy und Abed schließlich in eine ganz Greendale ergreifende Kissenschlacht, die in bester Manier einer PBS-Dokumentation – sogar mit Keith David als Erzählstimme – daherkommt. Gespickt mit vielen tollen Ideen wie Britta als inkompetente Kriegsfotografin, Pierce als Kissen-Doomsday-Device oder auch den diabolischen Changlorious Basterds.

2. App Development and Condiments (Season 5, Episode 8/Rob Schrab): Wie so oft ist es auch hier ein kleiner Umstand, der große Auswirkungen hat. Die Social App MeowMeowBeenz führt zu einer dystopischen Kastenbildung in Greendale, die Jeff Anreiz bietet, sich von einer 1 zur 5 hochzuschleimen, ehe er sich dann doch in einem Ego-Konkurrenzkampf mit Shirley verliert. Britta akzeptiert derweil ihre Rolle als Mustard Face Savior und Mother of Ones und startet eine Revolution, die Jeff aber schnell im Keim erstickt, weil es immerhin Samstag ist. Das Koogler-Tag bildet den krönenden Abschluss.

1. Modern Warfare (Season 1, Episode 23/Justin Lin): Wenn es um Konzept-Folgen geht, geht in Community nichts über Paintball (wie die Show selbst in der soliden Season-6-Paintball-Folge Modern Espionage bemerkt). Allesamt sehenswerte Episoden, in denen der Wahnsinn in Greendale Blüten trägt und das Ensemble sich voll ins Konzept reinhängt, ist dieser Auftakt, in dem Dean Pelton fataler Weise Erstregistrierung als Paintball-Preis auslobt, der Auftakt zu farblichem Chaos. Der Höhepunkt ist dabei die Hommage an John Woos Hard Boiled, wenn Señor Chang im Lernraum Britta und Jeff konfrontiert.

6. September 2014

Blended [Urlaubsreif]

We used to have gas. But now we’re out.

Im Ausland – und vermutlich auch in den USA – ist Adam Sandler ein Phänomen. Ein Kassenmagnet, und das mit eher bescheidenen Filmen. Zotig geht es bei Sandler oft zu, Pointen müssen die Witze dabei nicht zwingend haben. Product Placement ist willkommen und wird durch Furz-, Kotz- und Pisswitze ergänzt. Sandlers letzte zehn Film spielten insgesamt eine Milliarde Dollar Gewinn ein und dennoch gilt sein Jüngster, Blended (bei uns: Urlaubsreif), als Flop. Sogar als Beginn von Sandlers Kassenära-Ende. Was verwundert. Der Film lief in den USA zwar für Sandlers Verhältnisse wenig erfolgreich (startete dabei aber zur selben Zeit wie X-Men: Days of Future Past und Godzilla), spielte aber dennoch das Dreifache seiner Kosten ein.

Erzählt wird die Geschichte der jeweils allein erziehenden Jim (Adam Sandler) und Lauren (Drew Barrymore), die sich bei einem Blind Date treffen und bald wieder getrennte Wege gehen. Da Jims Chef und Laurens Kollegin, ein Paar, sich trennen, kaufen beide ohne es zu wissen günstig deren geplatzte Afrika-Reise. Dort müssen Jim und seine drei Töchter sowie Lauren und ihre zwei Söhne nun wider Willen dasselbe Zimmer und dieselben Aktivitäten teilen. Hierbei schafft es Lauren, die Mädchen über den Tod ihrer Mutter hinwegzutrösten und Jim es, die Jungs bei den richtigen Hörnern zu packen. Und obendrein merken beide Elternteile, dass sie vielleicht doch mehr gemein haben, als sie bei ihrer ersten Begegnung dachten.

Man muss nun kein Sandlerologe sein, um zu wissen wie Blended verläuft. Das Rom-Com-Gesetz behält Gültigkeit. Was Blended aber von anderen Sandler-Werken – der Film ähnelt dabei eher Just Go With It und Click statt Grown Ups oder Jack & Jill – unterscheidet beziehungsweise auszeichnet, ist neben dem moderaten Budget (es ist Sandlers günstigster Film seit 15 Jahren) vor allem die immer wieder eingestreuten emotionalen Momente. In die Karten spielt dem Film dabei die Darstellung von Jim als Witwer und die Rolle, in der er sich dadurch wiederfindet. Die älteste Teenager-Tochter Hilary (Bella Thorne) wird als Tomboy erzogen, “Larry” gerufen und zur Sportmaschine erzogen, wo sie doch gerade ihre Weiblichkeit entdeckt.

Die Zweitjüngste Tochter heißt schlicht Espn (Emma Fuhrmann) nach Jims Lieblingssender und dann ist da noch Lou (Alyvia Alyn Lind). Alle drei teilen sich denselben Jungenhaarschnitt, den sie Jims Friseur verdanken, der schon Opa und Uropa bediente. Während die aufgeweckte Lou nach einer Mutterfigur lechzt, kann sich Espn noch nicht von der alten lösen und behält diese als unsichtbaren Begleiter. Probleme, wie sie Lauren nicht kennt. Sie hadert mit ihrem für die Babysitterin schwärmenden Ältesten Brendan (Braxton Beckham) und ihren ADHS-Jüngling Tyler (Kyle Red Silverstein). Ihr Ex-Mann Mark (schmierig wie immer: Joel McHale) ist ihr keine große Hilfe und vernachlässigt den Nachwuchs, wo sich ihm eine Möglichkeit bietet.

Auf ihrer Afrikareise dürfen beide Elternteile, die sicher nicht von ungefähr das gegensätzliche Geschlecht gegenüber ihren Kindern haben, ihre Stärken beim Nachwuchs des anderen ausleben. Jim gibt väterliche Ratschläge, zu denen Mark nicht im Stande ist, und Lauren steht mütterlich zur Seite, was der eigentlichen Erzeugerin verwehrt blieb. Hierbei berühren insbesondere die Szenen zwischen den Frauen, was auch daran liegen mag, dass hier ein Todesfall kaschiert werden muss. Blended reibt einem diese emotionalen Momente nicht aufdringlich ins Gesicht, sondern streut sie immer mal wieder in die einzelnen Sequenzen ein, die prinzipiell auf Lacher gebürstet sind. Und dies mit weitaus mehr Pointen als sonst bei Sandler-Filmen üblich.

Ebenfalls unüblich ist, dass selbst comic relief-Nebenfiguren eine emotionale Katharsis durchlaufen dürfen. In der Tat geht der Film trotz seiner Karikierung erstaunlich aufrichtig mit einem von Kevin Nealon und Jessica Lowe gespielten Pärchen um (alter Mann und junger Feger), mit denen sich Jim, Lauren & Co. den Esstisch teilen müssen. Sonderliche Tiefe bleibt da zwar bei den Hotelangestellten wie Mfana (Abdoulaye N’Gom) und Nickens (Terry Crew) aus, dennoch sorgen diese mit Running Gags ebenfalls für liebenswerte Augenblicke (“They’re blending over there!”). Das Ganze, man muss es für einen Sandler-Film vermutlich nochmals betonen, ohne Pipi-Kaka-Witze, die man sonst von dem New Yorker Comedian gewöhnt ist.

Dem Film spielt dabei in die Karten, dass er gut besetzt ist. So überzeugen die Kinderdarsteller, vom vermeintlich hässlichen Schwan Bella Thorne bis zum “Heartbreaker” Alyvia Alyn Lind. Selbst Gastauftritte von Shaquille O’Neill fallen nicht aus der Rolle und die Chemie zwischen Barrymore und Sandler stimmt nach zwei Filmen (The Wedding Singer, 50 First Dates) ohnehin. Hier macht es sich bezahlt, dass Sandler für den Regieposten statt auf Dennis Dugan wieder auf Frank Coraci (The Wedding Singer, Click) gesetzt hat. Entsprechend stehen Emotionen vor Zoten – was dem Film fraglos zum Vorteil gereicht. Dass Blended, wie so viele Sandler-Werke, etwas zu lang gerät (ohne dabei Längen zu haben), ist verzeihenswert.

Insofern ist es bedauerlich, dass der Film aufgrund seiner Konkurrenz unter seinen Möglichkeiten lief – speziell in seiner Heimat (Blended spielte, für einen Sandler-Film ungewöhnlich, fast doppelt so viel im Ausland ein). Ein Flop ist der Film dank seines sparsamen Budgets aber keineswegs und von seiner Inszenierung her vielmehr sogar ein Schritt in die richtige Richtung. So anarchisch-vergnüglich Werke wie That’s My Boy auch sind. Unterm Strich bleibt eine unterschätzte Sommerkomödie, die zugleich die Lachmuskeln bewegt wie auf die Tränendrüse drückt. Und angesichts eines bislang erschreckend schwachen Kinojahres kann und muss sogar konstatiert werden, dass Blended zu den besten Filmen des Jahres zu zählen ist.

7.5/10

24. April 2014

Community - Season Five

Did you all hit your heads on each other’s heads?

Über die Serienlandschaft ist auf diesem Blog schon vielfach geschrieben worden. Über Darsteller, die durch ihre Serie zu Ruhm gelangten und ihr irgendwann den Rücken kehrten. Oder Shows, die Jahr um Jahr trotz Kritikerlob um eine nächste Staffel bangen mussten. Und natürlich solche, die Potential hatten, es aber nie vollends nutzten. Dies alles trifft im Grunde auch auf Community zu und dennoch ist die NBC-Sitcom eine Ausnahme für sich. Eine Show, die all das falsch machte, was so viele Serien falsch machen. Die aber zugleich genug Esprit, Witz und Originalität besitzt, um diesen Malus wieder auszugleichen. Da passt es also, dass dies auch auf die jüngste, fünfte und voraussichtlich vorletzte Staffel zutrifft.

In dieser kehrt Serienschöpfer Dan Harmon als Showrunner zurück, nachdem er nach Querelen zum vierten Jahr ausgestiegen war. Dies wiederum führte bei Fans zu Begeisterungsstürmen, sollte nun, so der Prophet wieder im Lande, zu alter Klasse führen. Dabei war die vierte Staffel nicht merklich schlechter als die drei zuvor gewesen. Harmon musste dafür mit einigen Altlasten kämpfen, allen voran Chevy Chase. Dessen Figur starb kurzerhand, auch andere Relikte des Vorjahres wie Brittas (Gillian Jacobs) und Troys (Donald Glover) Beziehung wurden so weit möglich negiert. Zugleich musste auf Glovers Abschied hingearbeitet werden, der die Serie nach fünf Folgen verließ. Alles auf neu – irgendwie.

Jeff (Joel McHale), eigentlich bereits Absolvent, kommt nun – natürlich wider Willen – als Jura-Dozent zurück nach Greendale. Die Schule selbst, so der MacGuffin im weiteren Verlauf, muss vor der Schließung gerettet werden. Ein Fall für Annie (Alison Brie) und Konsorten, den alten Studienraum zu bestuhlen. Und während Abed (Danny Pudi) sich in seine Meta-Ebene verabschiedet, Chang (Ken Jeong) in seinen Alltagswahsinn und Dean Pelton (Jim Rash) in seine Jeff-Sehnsucht, ist Shirley (Yvette Nicole Brown) einfach nur dabei statt mittendrin und teilt sich dieses Schicksal irgendwie mit Prof. Hickey (Jonathan Banks), der Pierce als grumpy old white man in Greendale ersetzt. Öfters mal was Neues.

Was unspektakulär klingt – und es tatsächlich auch ist – unterhält abseits seiner generischen Strukturen aufgrund einiger durchaus gelungener Auswüchse. Beispielsweise wenn Donald Glover in einem Meta-Kommentar seinen eigenen Serienausstieg hochnimmt oder die Serie sich ganz ihrer Verspieltheit hingibt. Zwar bringt dies Gedankenspiele wie in Geothermal Escapism oder Advanced Advanced Dungeons and Dragons mit sich, die in Community zur Genüge ausgelatscht wurden, aber eben auch kongeniale Episoden wie Basic Intergluteal Numismatics (eine aufs Banalste heruntergebrochene Serienkiller-Persiflage) und allen voran die brillante Folge App Development and Condiments (eine Sci-Fi-Social Media-Satire).

Dann, wenn Community folglich Community sein darf und die Figuren sich ganz im Unsinn der Szenerie verlieren, zeigt sich ihre Klasse. Sei es, wenn sich Abed mit Annie in einem fiktiven Cowboy-Rate-Spiel verliert, mit ihr und Dean Pelton auf Schatzsuche geht oder sich in einer Runde Dungeons and Dragons an gollumschen Dialogszenen versucht. Auch Ken Jeongs überspitztes Spiel ist in dieser Show bestens aufgehoben, egal ob er glaubt, eine Maske zu tragen oder sich unsicher ist, ob ein Hausmeister, Theaterpublikum oder er selbst ein Geist ist. Momente wie dieser trösten sogar über das Loch hinweg, dass der kindliche-naive Troy (Communitys Antwort auf Parks and Recreations’ genialen Chris Pratt) hinterließ.

Leider kocht Dan Harmon dann doch zu oft Altbekanntes auf, egal ob romantische Untertöne zwischen Jeff und Britta respektive Annie oder psychologische Bewältigungstherapie mittels Animationseskapismus (was in Staffel 2 Abed’s Uncontrollable Christmas ist hier G.I. Jeff). Auch Abeds Meta-Momente wie in Basic Story können mitunter zu viel des Guten werden und mit Figuren wie Shirley oder Duncan weiß Community schlichtweg außer Stereotype nichts anzufangen. Trotz dessen, dass die Serie nie vollends ihr Potential nutzt – wie es vergleichsweise Better Off Ted tat –, ist ihr Mut zum Unformelhaften, Verrückten und Kreativen lobenswert. Und das ist in der gegenwärtigen Serienlandschaft viel wert.

7.5/10

9. April 2011

Kurz & Knackig: US-Serien Teil V

Community - Season One

Had I not already cried at the sunrise this morning I would be weeping right now.

Manchmal begegnet man Serien, die nicht wirklich gut sind, die einem aber doch ans Herz wachsen. Primär wegen ihrer Figuren, bisweilen auch, weil das Format seiner eigenen Prämisse in ein, zwei Szenen exzellent gerecht wird. So gibt es Licht und Schatten im Kritikerliebling 30 Rock, wusste die Spionage-Komödie Chuck im ersten Jahr irgendwie doch zu gefallen und ließ einen über die Jahre hinweg am Ball halten oder vermochte Arrested Development hier und da zu beweisen, warum sie für viele als die beste Sitcom im Fernsehen galt. Ähnlich verhält sich das alles auch bei Dan Harmons College-Serie Community - sympathische Figuren, teilweise geniale Szenen, aber in ihrer Summe eine unterdurchschnittliche Serie.

Die Prämisse der Sitcom ist schnell erzählt. Anwalt Jeff (Joel McHale) wird sein Abschluss aberkannt, weshalb er diesen an einem Community College nachholt. Weil er das Blondchen Britta (Gillian Jacobs) heiß findet, bietet er ihr Spanischnachhilfe an, während Britta jedoch noch fünf weitere Mitglieder des gemeinsamen Spanischkurses zu dem Lernkreis einlädt. Eine kunterbunte Truppe, von den High School Abgängern Annie (Alison Brie) und Troy (Donald Glover) über den palästinensisch-amerikanischen Abed (Danny Pudi), bis hin zur alleinerziehende Shirley (Yvette Nicole Brown) und Gasthörer Pierce (Chevy Chase). Fortan freundet sich die Gruppe an, obschon dies nur bedingt wirklich nachvollziehbar ist.

So erscheint Pierce als sexuell belästigender Rassist und Abed ist eine wandelnde Film- und Serienenzyklopädie ohne echte Sozialkompetenz. Passenderweise, Sitcom hin oder her, wird auch nie thematisiert (nicht mal humoristisch, davor hatte Harmon dann wohl Angst), dass sich hier mit Abed ein Palästinenser und mit Annie eine Jüdin anfreunden. Auch sonst fragt man sich, ob die Charaktere eigentlich nichts besseres zu tun haben, als miteinander abzuhängen beziehungsweise wie sich zum Beispiel Jeff finanziell über Wasser hält, wo er ja nun nicht mehr praktizieren kann. Stattdessen verkommt die Serie zur Sozialschmelztiegel-Comedy, die sogar ein Mal von Jack Black, Owen Wilson und Tony Hale unterstützt wird.

Das Niveau der Folgen ist fast durchgängig unterdurchschnittlich, lediglich Modern Warfare brennt ein Feuerwerk der Sonderklasse ab, wenn unter anderem Die Hard, Lat sau san taam und 28 Days Later reminisziert wird. Filmzitate gibt es ohnehin en masse, von Good Will Hunting in English as a Second Language bis hin zu The Breakfast Club in Communication Studies. Grundsätzlich hat Community Potential, sei es durch Donald Glover, den heimlichen Star der Serie, Ken Jeongs Señor Chang oder das absurd-hässliche College-Maskottchen. All das hilft der Serie zwar qualitativ nicht sonderlich weiter, verleiht ihr jedoch einen gewissen Charme. Weshalb einem Community ans Herz wächst, auch wenn sie nicht besonders gut ist.

6.5/10

Luther - Season One

One coffee doesn’t make us friends.

Was macht ein Schauspieler eigentlich, wenn er Zeit seines Lebens nur mit einer Rolle in Verbindung gebracht wird? Dieser lange Schatten, den er nie ausfüllen kann. Egal ob Sean „James Bond“ Connery, Elijah „Frodo“ Wood oder Tobey „Spider-Man“ Maguire. Wer an sie denkt, denkt zugleich an ihre große Rolle. Auch, weil nichts nachkommt, kein Charakter, der sie ablöst. Und wenn, reiht er sich nur daneben, wie im Falle von Harrison Ford, der für die einen eher „Han Solo“ und für die anderen mehr „Indiana Jones“ ist. Und wenn man Idris Elba begegnet, dann kommt man nicht umhin, an Stringer Bell zu denken, jene charismatische Figur aus The Wire. Und daran wird auch seine neue Serie, Luther, nichts ändern.

John Luther (Idris Elba) ist Chefermittler des Londoner Morddezernats und in dieser Funktion “influenced by both Sherlock Holmes and Columbo”, so Serienschöpfer Neil Cross. Daher weiß Luther kaum am Tatort auch bereits, wie der Hase läuft und es dauert stets weniger als die Hälfte der Sendezeit, ehe der Tatverdächtige bereits am Start ist. Aber Luther ist nicht irgendwer, sondern menschlich. Weswegen er einen Frauenmörder auch einst in seinen vermeintlichen Tod stürzen ließ, statt ihn zu retten. Nach psychischem Kurzschluss arbeitet er ab Episode 1 wieder, aber die Ehe mit Zoe (Indira Varma) ist dennoch am Arsch. Und dann ist da noch Soziopathin Alice (Ruth Wilson), die einen Narren an Luther gefressen hat.

Die Figuren in Luther sind Abziehbilder aus dem Ermittlerserien-Paniniheft (immerhin ist Luther kein Alkoholiker). Die absurde „Freundschaft“ zwischen Elbas Figur und der grandios fehlbesetzten Wilson als Hannibal Lecter mit Titten funktioniert bezeichnenderweise zu keinem einzigen Zeitpunkt und wenn Alice plötzlich Zoe bedroht und Luther mit großen Augen hilflos daneben steht, wünscht man sich mehr als ein Mal Stringer her, damit er dieser Hanswurst in den Arsch tritt. Luther ist in den meisten Fällen einfach nur enttäuschend lächerlich in dem, was die Serie versucht zu erzählen. Episode 2 ist hier noch am erträglichsten ausgefallen und das trotz (!) des peinlichen, aus Bond-Filmen entlehntem, Finale.

Es ist eine Schande, dass Idris Elba (der bei diesem Desaster auch noch als Produzent fungiert) zwischen coolen Rollen wie RocknRolla und The Losers zu Charakterschrott wie Obsessed und Luther hin- und hergereicht wird. Die Serie, die sich zum Ende hin in einem sichtlich bemühten, aber vollkommen realitätsfernen Twist versucht, ist in ihrem blitzgescheiten und auf einen kantigen Charakter zugeschnittenen Ermittlungsformat wohl allenfalls (oder: besonders) etwas für Fans von Serien wie House M.D. und Damages als deren Zwitter sich Luther auch mehr als offensichtlich anbiedert. Und obschon die Serie wahnwitziger Weise in eine zweite Staffel zu gehen scheint, wird Idris Elba auch weiterhin Stringer Bell bleiben.

4/10

Life Unexpected - Season Two

We’re all gonna be okay.

Vielleicht mit das größte Problem von Liz Tigelaars Life Unexpected fand sich in ihrer ersten Staffel in der Figur von Lux (Brittany Robertson). Ein Pflegekind, das mit 16 Jahren statt emanzipiert zu werden, in die Obhut seiner natürlichen Eltern kommt - und diese zum ersten Mal trifft. Robertsons Rolle leidet am Nerviges-Kind-Syndrom, was auch nicht dadurch entschuldigt wurde, dass die Serie auf dem Teenie-Sender The CW ausgestrahlt wurde. Altkluge Ratschläge an ihre Eltern Baze (Kristoffer Polaha) und Cate (Shiri Appleby) verfügten immer keinen Hintergrund und wirkten stets sehr egoistisch. Teenager eben. Leider ändert sich das in der zweiten Staffel nicht, obschon diese manches richtig zu machen versucht.

Denn jede der Figuren bekommt ein eigenes Päckchen zu schultern, womit diese zumindest beschäftigt sind. Versuchen Cate und Ryan (Kerr Smith) ihre Ehe zusammen zu halten, beginnt Baze eine Beziehung mit Emma (Emma Caulfield), seiner Vorgesetzten, und Lux wiederum eine Affäre mit ihrem Englischlehrer Eric (Shaun Sipos). Das ist zwar alles an sich interessant und wird später noch durch einen alten Missbrauchsskandal von einem von Lux’ Pflegevätern komplettiert, die gesamte Staffel vermögen jedoch auch diese sehr simpel gehaltenen und sich zugleich ähnlichen Handlungsstränge nicht zu tragen. Was besonders deswegen anstrengend ist, weil Lux besonders anstrengend ist. Teenager eben.

Aber wahrscheinlich empfindet man das einfach so, wenn man alterstechnisch näher an Cate denn Lux ist, das Besserwisserische Verhalten von Letzterer angesichts ihrer fraglosen moralischen Disposition gereicht Life Unexpected jedenfalls nicht zum Vorteil. Auch die übrigen Figuren verlieren sich etwas in ihrem redundanten Profil (wie viele Knüppel kann man Cates und Ryans Beziehung eigentlich zwischen die Beine werfen?). Erfrischend dramatisch wird es da erst, wenn Lux plötzlich gegen ihren ehemaligen Pflegevater aussagen muss, weshalb Thanks Ungiven und Stand Taken gegen Ende der Staffel auch die überzeugendsten Episoden eines zweiten Jahres voller Durchschnittlichkeit ausmachen.

Grundsätzlich hätte sich die Serie sogar zum Vorjahr gesteigert, wäre da nicht dieses grausige Serienfinale in Affair Remembered. In den letzten Minuten schlägt Tigelaar einen Salto Mortale - mit verheerendem Ausgang. Wie die Figuren hier in Zuschauererwartungen gepresst werden, hat durchaus etwas von charakterlicher Vergewaltigung und läuft im Grunde auch dem zuwider, was sich insbesondere die zweite Staffel erarbeitet hat. Hier erhielt ein Ende mit Schrecken den Vorzug vor dem Schrecken ohne Ende, ohne dass davon irgendwer profitiert hätte. Letztlich war Life Unexpected eine Serie, die nie so recht wusste, wo sie eigentlich hin wollte, aber stets vorgab, ihren Weg zu kennen. Wie Teenager eben.

7/10

Southland - Season Three

Sometimes doing the right thing is the wrong thing.

Es entspricht der US-amerikanischen Mentalität, dass man aufsteht, wenn man hinfällt. So gesehen ist Southland eine durch und durch amerikanische Serie, die sich auch von jährlichen Einstellungen nicht kleinkriegen lässt. Bereits zum zweiten Mal kehrte die Cop-Show nun zurück, nachdem ihr Sender wenig Verwendung für sie fand. Aber alles hat einen Preis und für Southland lautet er: eine Budgetkürzung um mehr als 30 Prozent, weshalb die einen Darsteller ein geringeres Gehalt erhielten und andere gleich ganz aus der Serie geschrieben wurden. Der Lohn waren mehr oder weniger konstante zwei Millionen Zuschauer (nur 20 Prozent der Zuschauer der Pilot-Folge) und zehn gelungene Folgen.

Im Gegensatz zur zweiten Staffel Life Unexpected laufen hier drei Handlungsstränge relativ problemlos über die gesamte Zeit, unabhängig davon, dass sie stagnieren. Sherman (Ben McKenzie) ist in seinem dritten und letzten Ausbildungsjahr und kämpft immer noch gegen Coopers (Michael Cudlitz) Schmerzmittelabhängigkeit, während es Adams’ stete Hauptaufgabe ist, mit ihrem Partner, in diesem Fall der Chicana Josie Ochoa (Jenny Gago), klar zu kommen. Die größte Dynamik erhält die Figur von Sammy (Shawn Hatosy), der eine persönliche Vendetta gegen die Chicano-Gangs beginnt, nachdem diese während einer nächtlichen Kontrollfahrt seinen Partner Moretta (Kevin Alejandro) ermordet haben.

Abgesehen davon ändert sich in Southland nicht viel - schon gar nicht, dass auch im dritten Jahr die beste Folge, hier: Let It Snow, den Auftakt bildet. Zwar will einem nicht alles immer koscher erscheinen, angesichts dessen, was man präsentiert bekommt, wirkt es jedoch nachvollziehbar. Zum Beispiel, dass Sherman weiterhin loyal-schweigend mit Cooper seine Runden dreht, was ob seiner immer wieder gezeigten Unerfahrenheit und der Tatsache, dass Cooper sein Ausbilder ist, verständlich erscheint. Auch die eher ertragene, denn gelebte Beziehung zwischen Adams und Ochoa kommt letztlich auf einen gemeinsamen Nenner. Die Intensität der Sammy-Bryant-Storyline weiß jedoch keine von ihnen zu erzeugen.

Im Gegensatz zu anderen Serien handelt es sich hierbei nicht um ein Format, das jede Staffel ein bestimmtes Thema abarbeitet, weshalb Southland relativ leger ein- wie aussteigen kann. Durch die verstärkte Emotionalität rückt dabei Hatosy in den Mittelpunkt der Show und überflügelt die etwas zurücksteckenden King und McKenzie in der Zuschauergunst. Grundsätzlich ist Southland eine mehr als solide Serie, die das liefert, was man erwartet - nicht mehr und nicht weniger. Und dem Schicksal der ersten und zweiten Staffel zum Trotz, scheint es ganz so, als würde die Serie dieses Jahr die angedrohte Einstellung vermeiden. Weshalb nichts dagegen spricht, im Herbst wieder auf Streife zu gehen.

7.5/10

Shameless - Season One

Fucking Gallaghers.

In Zeiten, in denen Hollywood nahezu jedem europäischen Film (bevorzugt aus Schweden oder Frankreich) ein Remake verleiht, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, verwundert es auch nicht, dass selbst Fernsehserien in das heimische TV-Haifischbecken geworfen werden. Beliebter Zulieferer sind hierbei die Briten, von denen bereits erfolgreich The Office, aber auch Being Human, sowie weniger gelungen Serien wie Cold Feet eingekauft wurden. Das jüngste Adoptivkind ist nunmehr der BAFTA-Gewinner Shameless, eine vor sieben Jahren von Paul Abbott (State of Play) geschaffene Serie über den Alkoholiker und Versicherungsbetrüger Frank Gallagher, sowie seine sozial vernachlässigten sechs Problemkinder.

Im Vergleich mit Frank (William H. Macy) erscheint Al Bundy als Mustervater und selbst die Flodders haben es schwer, mit der Asozialität der Gallaghers mitzuhalten. Während Frank seine Sozialhilfe in der Eckkneipe versäuft, ist es die älteste Tochter Fiona (Emmy Rossum), die seit der Flucht der Mutter vor knapp zwei Jahren den Haushalt schmeißt. Eher widerwillig lässt sie Steve (Justin Chatwin), Autodieb aus gutem Hause, hinter ihre Barrikaden blicken, während ihre Geschwister wie der homosexuelle Ian, der eine Affäre mit seinem muslimischen Vorgesetzten unterhält, eigene Probleme haben. Die Großmutter sitzt derweil wegen fahrlässiger Tötung zweier Studenten bei einem Meth-Lab-Unfall im Knast.

Das Familienleben der Gallaghers ist Chaos pur, die Kinder unterschiedlich anstrengend und dementsprechend auch die Sympathien verteilt. Lip (Jeremy Allen White), das Familiengenie, funktioniert neben Justin Chatwin noch am ehesten als Identifikationsfigur, während gerade Carl, der Zweitjüngste, eher verstört. Die Serie selbst ist nach einem einfachen Schema aufgebaut: Franks Egoismus gefährdet das Familienüberleben und Emmy Rossum ist wie Shanola Hampton und Laura Slade Wiggins vertraglich verpflichtet, mindestens jede zweite Folge ihre Titten in die Kamera zu halten. Die eigentlichen Geschichten sind in ihrer Absurdität meist etwas over the top geraten, aber dies auf durchschnittlichem Niveau.

Neben der Pilot-Folge überzeugt It’s Time to Kill the Turtle am meisten, grundsätzlich leidet die US-Adaption jedoch darunter, dass sie ihr UK-Pendant einfach nacherzählt und es somit im Gegensatz zu The Office versäumt, etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Sinn und Zweck des Ganzen ist also in Frage gestellt, Shameless für Kenner des Originals daher eher ein frisch aufgewärmter alter Hut in neuem Gewand. Spannend wird es vielmehr in der zweiten Staffel und ob Showtime hier weiterhin konsequent dem Original treu bleibt. Ob der Sender sein US-Remake ebenso lang am Leben halten kann, wie das britische Original (das in das neunte Jahr geht) bleibt trotz bisheriger guter Quoten allerdings fraglich.

7/10

No Ordinary Family - Season One

Everything is not what it seems.

In Hollywood herrscht Ideenarmut und Kreativitätsdürre. Da erhält Spider-Man kein Jahrzehnt nach seinem Debüt bereits ein Reboot und sogar Batman soll ein derartiges erfahren, ehe überhaupt die Dreharbeiten zu dessen Trilogieabschluss begonnen haben. Wen wundert es da, dass selbst im Fernsehen alte Stoffe wiederverwertet werden, ehe sich der Staub beginnt auf sie zu legen? Im Falle von No Ordinary Family stellt sich dies in einer Realfilmversion von Pixars The Incredibles dar. Hier wird eine Kleinfamilie mit Superkräften ausgestattet, was es der Serie von Jon Harmon Feldman und Greg Berlanti gewährt, sogar ganze Subplots aus dem Animationsfilm zu entnehmen und für eigene Zwecke zu recyclen.

Nachdem ihr Flugzeug in Südamerika bei einem Familienausflug abstürzt, stellt die Familie rund um Polizeizeichner Jim Powell (Michael Chiklis) und Biochemikerin Stephanie (Julie Benz) fest, dass ihre DNS verändert wurde und sie Superkräfte entwickelt haben. Jim ist superstark und unverwundbar, Stephanie superschnell, Tochter Daphne (Kay Panabaker) ist telepatisch und Sohn JJ (Jimmy Bennett) hat ein Supergehirn. Speziell für Vater Jim sind die neuen Kräfte nun eine Chance, endlich zu dem Mann zu werden, der er immer sein wollte. Gemeinsam mit Staatsanwalt George (Romany Malco) bekämpft er nachts das Verbrechen, während Stephanie mit Assistentin Katie (Autumn Reeser) die Superkräfte-DNS untersucht.

Bösewichte gibt es dann auch noch, wie Stephanies Boss (Stephen Collins), der Kriminelle mit einem Substitut der Superkräfte ausstattet, sodass altbekannte Comic-Figuren wie Wolverine in neuer Form (hier: Eric Balfour) aufleben. In seiner Rezitationswut, speziell durch Autumn Reesers hottest nerd alive, ist die Serie besonders für Comic-Fans ein gelungenes Unterfangen. Während sich die erste Hälfte der Entdeckung der Kräfte widmet, ist die zweite Hälfte mit mehr dramaturgischen Verknüpfungen ausgestattet. Qualitativ hat dies allerdings kaum einen Einfluss, bewegt sich die Serie doch meist auf einem durchschnittlichen Niveau, mit No Ordinary Powell und dem Finale No Ordinary Beginning als Höhepunkten.

So amüsant es auch ist, wenn JJ seine Kräfte im sportlichen Wettkampf messen will und Daphne wiederum die Aufmerksamkeit von Jungs gewinnt, wenn Jim Verbrechen bekämpfen will und es Stephanie untersagt, so zeugen die Anleihen an The Incredibles (bis hin zum glatzköpfigen afroamerikanischen Sidekick) von Hollywoods Krux. Dass No Ordinary Family im Laufe der Staffel die Hälfte ihrer Quoten einbüßte und damit wohl eingestellt wird (Chiklis und Benz haben schon neue Serienverträge), ist eventuell die Konsequenz der Repetition Hollywoods. Dass die Serie Ansätze besitzt, no ordinary drama show zu sein, hat sie im Staffelfinale gezeigt. Weshalb ABC gut beraten wäre, ihr eine zweite Chance zu geben.

7.5/10