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1. Juli 2015

Filmtagebuch: Juni 2015

AFTER EARTH
(USA 2013, M. Night Shyamalan)
4.5/10

BANDE DE FILLES [GIRLHOOD]
(F 2014, Céline Sciamma)

6/10

CLOVERFIELD
(USA 2008, Matt Reeves)
2.5/10

THE COBBLER [COBBLER: DER SCHUHMAGIER]
(USA 2014, Thomas McCarthy)

4/10

COMMUNITY – SEASON 1
(USA 2009/10, Anthony Russo/Joe Russo)
7.5/10

COMMUNITY – SEASON 2
(USA 2010/11, Joe Russo u.a.)
7.5/10

COMMUNITY – SEASON 3
(USA 2011/12, Tristram Shapeero u.a.)
7.5/10

THE DICTATOR [DER DIKTATOR]
(USA 2012, Larry Charles)

1/10

ERIN BROCKOVICH
(USA 2000, Steven Soderbergh)
7/10

FEHÉR ISTEN [UNDERDOG]
(H/D/S 2014, Kornél Mundruczó)

4/10

FRIED GREEN TOMATOES [GRÜNE TOMATEN]
(USA 1991, Jon Avnet)

6.5/10

GAME OF THRONES – SEASON 5
(USA 2015, Miguel Sapochnik u.a.)
7/10

HOJE EU QUERO VOLTAR SOZINHO [HEUTE GEHE ICH ALLEIN NACH HAUSE]
(BR 2014, Daniel Ribeiro)

6.5/10

HOT GIRLS WANTED
(USA 2015, Jill Bauer/Ronna Gradus)
5/10

KINGSMAN: THE SECRET SERVICE
(UK 2014, Matthew Vaughn)
1.5/10

JURASSIC PARK
(USA 1993, Steven Spielberg)
8.5/10

JURASSIC WORLD
(USA 2015, Colin Trevorrow)
5.5/10

LILO & STITCH
(USA 2002, Dean DeBlois/Chris Sanders)
8/10

LILTING
(UK 2014, Hong Khaou)
6/10

LOUIE – SEASON 1
(USA 2010, Louis C.K.)
7/10

MANGLEHORN
(USA 2014, David Gordon Green)
6/10

A NIGHT AT THE ROXBURY
(USA 1998, John Fortenberry)
6/10

NOTHING TO LOSE [NIX ZU VERLIEREN]
(USA 1997, Steve Oedekerk)

5.5/10

RED ARMY
(USA/RUS 2014, Gabe Polsky)
6/10

ROMY AND MICHELE’S HIGH SCHOOL REUNION
(USA 1997, David Mirkin)
5/10

SAFETY NOT GUARANTEED
(USA 2012, Colin Trevorrow)
6.5/10

SAW
(USA/AUS 2004, James Wan)
2/10

SWITCHBACK
(USA 1997, Jeb Stuart)
7/10

TALLADEGA NIGHTS: THE BALLAD OF RICKY BOBBY
[RICKY BOBBY – KÖNIG DER RENNFAHRER]
(USA 2006, Adam McKay)

6/10

TANGLED [RAPUNZEL – NEU VERFÖHNT]
(USA 2010, Nathan Greno/Byron Howard)

8/10

TOP FIVE
(USA 2014, Chris Rock)
4.5/10

VEEP – SEASON 4
(USA 2015, Becky Martin u.a.)
7.5/10

7. Januar 2014

Filmtagebuch: Dezember 2013

5 BROKEN CAMERAS
(PSE/IL/F/NL 2011, Emad Burnat/Guy Davidi)
7/10

ALADDIN
(USA 1989, Ron Clements/John Musker)
8/10

ALAN PARTRIDGE: ALPHA PAPA
(UK/F 2013, Declan Lowney)
8.5/10

LOS AMANTES PASAJEROS [FLIEGENDE LIEBENDE]
(E 2013, Pedro Almodóvar)

7/10

BASKET CASE
(USA 1982, Frank Henenlotter)
2.5/10

BLICK IN DEN ABGRUND
(A/D 2013, Barbara Eder)
4.5/10

THE CENTRAL PARK FIVE
(USA 2012, Ken Burns/Sarah Burns/David McMahon)
7.5/10

THE COMPANY YOU KEEP
(USA 2012, Robert Redford)
5/10

THE COUNSELOR
(USA/UK 2013, Ridley Scott)
7/10

DIRTY WARS
(USA/AFG/EAK/YAR/IRQ/SP 2013, Rick Rowley)
6/10

DRINKING BUDDIES
(USA 2013, Joe Swanberg)
6.5/10

DUPĂ DEALURI [JENSEITS DER HÜGEL]
(RO/F/B 2012, Cristian Mungiu)

3.5/10

ELYSIUM
(USA 2013, Neill Blomkamp)
5.5/10

EXIT MARRAKECH
(D 2013, Caroline Link)
6/10

LA GRANDE BELLEZZA [LA GRANDE BELLEZZA - DIE GROSSE SCHÖNHEIT]
(I/F 2013, Paolo Sorrentino)

8/10

THE GREAT GATSBY (3D)
(USA 2013, Baz Luhrmann)

8/10

GROWN UPS 2 [KINDSKÖPFE 2]
(USA 2013, Dennis Dugan)

6/10

HOME ALONE
(USA 1990, Chris Columbus)
10/10

HOME ALONE 2: LOST IN NEW YORK
(USA 1992, Chris Columbus)
8.5/10

HORS SATAN
(F 2011, Bruno Dumont)
3.5/10

L’INCONNU DU LAC [DER FREMDE AM SEE]
(F 2013, Alain Guiraudie)
6.5/10

INSIDE LLEWYN DAVIS
(USA/F 2013, Ethan Coen/Joel Coen)
6/10

THE KINGS OF SUMMER
(USA 2013, Jordan Vogt-Roberts)
1.5/10

KISEKI [I WISH]
(J 2011, Koreeda Hirokazu)

6/10

LEMALE ET HA’HALAL [AN IHRER STELLE]
(IL 2012, Rama Burshtein)

6/10

LIKE SOMEONE IN LOVE
(F/J 2012, Abbas Kiarostami)
5.5/10

LINCOLN
(USA 2012, Steven Spielberg)
5.5/10

THE LION KING [DER KÖNIG DER LÖWEN]
(USA 1994, Roger Allers/Rob Minkoff)

10/10

THE LITTLE MERMAID [ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU]
(USA 1989, Ron Clements/John Musker)

10/10

THE LONE RANGER
(USA 2013, Gore Verbinski)
8/10

MANQANA, ROMELIC KVELAFERS GAAQROBS
[THE MACHINE WHICH MAKES EVERYTHING DISAPPEAR]
(GE 2013, Tinatin Gurchiani)

6/10

McCULLIN
(UK 2012, David Morris/Jacqui Morris)
7/10

MINASAN, SAYONARA [SEE YOU TOMORROW, EVERYONE]
(J 2013, Nakamura Yoshihiro)

6.5/10

MUD
(USA 2012, Jeff Nichols)
8/10

MUSEUM HOURS
(A/USA 2012, Jem Cohen)
6/10

LA NOCHE DE ENFRENTE [NIGHT ACROSS THE STREET]
(RCH/F 2012, Raúl Ruiz)

4/10

ŌKAMI KODOMO NO AME TO YUKI [AME UND YUKI. DIE WOLFSKINDER]
(J 2012, Hosoda Mamoru)

7/10

O SOM AO REDOR [NEIGHBORING SOUNDS]
(BR 2012, Kleber Mendonça Filho)

6/10

À PERDRE LA RAISON [OUR CHILDREN]
(B/L/F/CH 2012, Joachim Lafosse)

6/10

A PLACE AT THE TABLE
(USA 2012, Kristi Jacobson/Lori Silverbush)
5/10

POZITIA COPILULUI [MUTTER & SOHN]
(RO 2013, Calin Peter Netzer)

5/10

PROMISED LAND
(USA/UAE 2012, Gus Van Sant)
6/10

REWIND THIS!
(USA 2013, Josh Johnson)
5.5/10

LES SALAUDS [LES SALAUDS - DRECKSKERLE]
(F/D 2013, Claire Denis)

6/10

THE SELFISH GIANT
(UK 2013, Clio Barnard)
7.5/10

SPRING BREAKERS
(USA 2012, Harmony Korine)
10/10

STOKER
(USA/UK 2013, Park Chan-wook)
9/10

SONS OF ANARCHY - SEASON 6
(USA 2013, Paris Barclay u.a.)
7/10

SOUTH PARK - SEASON 17
(USA 2013, Trey Parker)
7/10

THE SPECTACULAR NOW
(USA 2013, James Ponsoldt)
7/10

TCHOUPITOULAS
(USA 2012, Bill Ross IV/Turner Ross)
8/10

TO THE WONDER
(USA 2012, Terrence Malick)
6.5/10

THE UNSPEAKABLE ACT
(USA 2012, Dan Sallitt)
5.5/10

UPSTREAM COLOR
(USA 2013, Shane Carruth)
7/10

WHITE HOUSE DOWN
(USA 2013, Roland Emmerich)
5.5/10

LA VIE D’ADÈLE - CHAPITRES 1 & 2 [BLAU IST EINE WARME FARBE]
(F/B/E 2013, Abdellatif Kechiche)

7.5/10

VILLAGE AT THE END OF THE WORLD
(DK/UK/KN 2012, Sarah Gavron/David Katznelson)
6.5/10

THE WAY, WAY BACK [GANZ WEIT HINTEN]
(USA 2013, Nat Faxon/Jim Rash)

5.5/10

WHAT RICHARD DID
(IRL 2012, Lenny Abrahamson)
6.5/10

YI DAI ZONG SHI [THE GRANDMASTER]
(HK/CN 2013, Wong Kar-wei )

6/10

14. Dezember 2013

Aladdin

Do you trust me?

Heutzutage wäre ein Film wie Aladdin vermutlich undenkbar und dies nicht nur, weil sich in Disney ein US-Studio eines orientalischen Volkmärchens annahm. Schließlich gelang es dem Zeichentrickfilm 1992 nach sieben Wochen über die Weihnachtszeit doch noch auf Platz 1 in den Kinocharts zu klettern und dabei eine 65-prozentige Steigerung gegenüber seinem Startwochenende hinzulegen. Am Ende sollte Aladdin eine halbe Milliarde Dollar einspielen und zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten avancieren – zumindest bis zur Ankunft von The Lion King zwei Jahre später. Nicht von ungefähr spricht man daher vom damaligen Zeitraum Ende der 80er bis zum Ende der 90er von der Disney Renaissance.

Dabei ist Aladdin im Vergleich zu seinen Vorgängern The Little Mermaid und Beauty and the Beast durchaus anders strukturiert. Angefangen mit seiner Einführung, in der dem Zuschauer das Volksmärchen von „Aladin und die Wunderlampe“ als Geschichte in der Geschichte erzählt wird. Irgendwann habe sich diese in Agrabah, “city of mysteries”, ereignet. Speziell zu Beginn bleibt Disney der Vorlage noch verhältnismäßig treu, wenn Aladdin als auserwählter “diamond in the rough” eine verwunschene Höhle betreten muss, um dort eine Öllampe inklusive Dschinn für einen Zauberer zu besorgen. Dieser wird von Jafar, Großwesir des Sultans, verkörpert – uns vorgestellt als “a dark man with a dark purpose”.

Der Kampf um die Öllampe und die Mächte des Dschinn wird fortan eingebettet in eine klassische Romanze. Während “street rat” Aladdin sich nach dem Reichtum und Luxus des Palastlebens sehnt, fühlt sich dort Prinzessin Jasmine wiederum wie in einem Käfig eingesperrt. Weil ihr Vater, der Sultan, sie dem Gesetz nach bald verheiraten muss, sucht die Tochter kurz darauf das Weite. Die Wege der Figuren kreuzen sich und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Mit der Macht des Dschinni und seinen drei Wünschen strebt Aladdin an, mittels Reichtum und in Person von Prinz Ali das Herz von Jasmine und die Akzeptanz des Sultans zu gewinnen. In seiner Summe erzählt Disney somit eine Geschichte von Freiheit.

Aladdin glaubt im Reichtum frei zu sein von seinem Leben in der Gosse, Jasmine wiederum will frei von ihrem Reichtum sein und den Pflichten, die dieser mit sich bringt. Für Dschinni ist das Freiheitsthema derweil ein eher buchstäbliches, ist er doch ein Gefangener der Lampe und der Gier seines jeweiligen Besitzers. In gewissem Sinne sind selbst Figuren wie Jafar, Iago und der Sultan in ihrer Situation Gefangene. Hier findet sich ein Motiv, das auch in anderen Filmen der Disney Renaissance zutage tritt, von Simba oder Scar über das Biest bis hin zu Arielle. Speziell die Antagonisten dieser Filme sind oft Figuren, die meist im wahrsten Sinne des Wortes von den Herrschern (Triton, Mufasa, der Sultan) in den Schatten gestellt werden.

Auch zwischen Jasmine und Arielle finden sich Parallelen, sind beide doch Prinzessinnen, die aus ihrem Palastalltag ausbrechen, um in eine Welt einzutauchen, in der sie nach Hofprotokoll nichts verloren haben. Dies mag womöglich auch daran liegen, dass in beiden Filmen John Musker und Ron Clements Regie geführt haben. Generell überrascht Aladdin durch seine Referenzen ans Mouse House, die seither wohl nur Pixar ähnlich exorbitant betreibt. Hierin unterscheidet sich der Film am deutlichsten von seinen Vorgängern, scheint er doch primär durch die Figur des Dschinni und dessen popkulturelle Anspielungen zu Jack Nicholson oder Arsenio Hall eine Art vierdimensionales Konstrukt zu sein. Jenseits von Zeit und Raum.

Überraschend sind derartige Verweise nicht nur, weil Figuren wie Aladdin mit ihnen nichts anzufangen wissen sollten, sondern dies auch für die eigentliche Zielgruppe des Films gilt. Wie viele Kinder erkennen wohl Ed Sullivan oder Rodney Dangerfield in den Darstellungen von Dschinni? Mit Cameos von Pinocchio oder Krabbe Sebastian und Hommagen wie zu Raiders of the Lost Ark oder The Return of the Jedi tanzt Aladdin sichtlich aus der Reihe des Disney-Pantheons – dem Spaß tut dies jedoch keinen Abbruch. Dennoch vermag der Film nicht vollends in die Sphären von The Little Mermaid oder The Lion King vorzudringen – eben auch, weil ein Großteil des Humors vom Dschinni-Material Robin Williams’ abhängt.

Dass der Komiker nicht jedermanns Sache ist, dürfte unbestritten sein. Ohnehin fällt im Film manches Mal der Humor etwas flach, Sprüche wie des Sultans entlarvende Versicherung “I’m an excellent judge of character” sind fast die Seltenheit. Ebenfalls auffallend ist die nicht immer vollends gelungene Integration von CGI-Elementen in die sonst von Hand gezeichnete Animation. Als Nostalgiker, der mit Aladdin aufgewachsen ist, dürfte man zudem wie in den übrigen Disney-Filmen das nunmehr auf Blu-ray bereinigte Filmkorn vermissen. Und selbst Alan Menkens Lieder wollen nicht ganz so überzeugen wie in den Filmen zuvor und wirken hier zudem ungeschickter platziert, was den Film eher als Musical wirken lässt.

Ein vergnüglicher Spaß ist er jedoch allemal und umso beeindruckender, da eine US-Umsetzung eines orientalischen Volksmärchens wohl in dieser Form in der Post-9/11-Ära kaum mehr vorstellbar ist. Der Erfolg von Aladdin brachte dann nicht nur DTV-Fortsetzungen mit sich, sondern auch eine Serie auf dem Disney Channel. Ähnliches würde auch späteren Disney-Werken wie The Lion King oder Hercules bevorstehen. In Disneys Ehrgeiz multikulturelle Geschichten – Pocahontas und Mulan würden noch auf The Lion King folgen – zu erzählen, ist Aladdin jedenfalls ein überzeugend-unterhaltsamer Ausflug in den orientalischen Raum. Selbst wenn er nicht ganz so gut gealtert ist wie manch andere Disney-Filme.

8/10

13. Mai 2011

Tangled

They just can’t get my nose right!

Obschon Pixar inzwischen das Monopol auf Zeichentrick-Meisterwerke inne hat, verbindet man diese seit jeher zu recht mit den Walt Disney Studios. Diese begannen ihren Siegeszug 1937 mit der Premiere von Snow White and the Seven Dwarfs, dem ersten Animationsfilm überhaupt nach einem Märchen der Gebrüder Grimm. Die Adaption von Märchen jeglicher Art, sei es aus dem zentraleuropäischen (Beauty and the Beast), skandinavischen (The Little Mermaid) oder arabischen (Aladdin) Raum, markierte speziell in den erfolgreichen neunziger Jahren das Erfolgsrezept des Studios. Umso passender also, dass Tangled, der 50. Animationsfilm aus dem Hause Disney, seine Herkunft erneut in einem grimm’schen Märchen findet.

Die grimm’sche Geschichte von Rapunzel und ihrem langen Haar, von den Brüdern 1812 niedergeschrieben, stammt ursprünglich aus Frankreich, wo sie 1698 festgehalten wurde. Disneys Adaption ist erwartungsgemäß sehr viel zeitgenössischer und freier geraten. In Tangled ist Rapunzel (Mandy Moore) eine in einem abgelegenen Turm gefangen gehaltene Prinzessin, deren Haar das Leben ihrer Entführerin, der alten Gothel (Donna Murphy), künstlich verlängert. Als der im Königreich gesuchte Dieb Flynn (Zachary Levi) auf der Flucht den Turm findet und erklimmt, verheddert er sich sprichwörtlich in Rapunzels Leben (daher der englische Filmtitel). Gemeinsam verlassen sie den Turm und beginnen ein großes Abenteuer.

Da Rapunzel nichts von ihrer eigentlichen Herkunft und Entführung weiß und sie den Turm in Abwesenheit von Gothel auch nur einen Tag verlassen will, um eine Prozession zu sehen, die ihre leiblichen Eltern jährlich vornehmen, gerät Tangled etwas komplexer als dies noch vor siebzig Jahren der Fall bei Disney gewesen sein mag. Grundsätzlich folgt der Film von seinem Aufbau her dem klassischen Prinzip des Studios (der Road Trip als Event, siehe auch The Princess and the Frog), in seiner Umsetzung ähnelt das Ganze jedoch weniger dem warmherzigen Humor von Disney und Pixar, sondern erinnert an den zotigen Schenkelklopfercharme solcher DreamWorks-Filme wie zum Beispiel Shrek 2 oder auch Over the Hedge.

Die beiden Regisseure Byron Howard und Nathan Greno, zuvor verantwortlich für den höchst vergnüglichen Bolt, punkten durch sympathische Figuren und pointierten Humor. Seien es die Augen- und Kopfbewegungen von Chamäleon Pascal oder der stolze Hengst Maximus, beide zählen zu den gewohnt exzellenten tierischen Sidekicks von Disney. Hinzu kommt der leicht narzisstische Flynn und die selbstbestimmte Rapunzel, die mit langem Haar und großen, grünen Augen nicht nur optisch junge Wildheit versprüht, sondern die mit Zachary Levi und Mandy Moore auch sehr gelungene Synchronstimmen erhielten. Speziell Levi weiß dank Chuck gekonnt durch Nuancen in der Stimme Humor zu erzeugen.

Tangled besitzt ausreichend Tempo in seiner Handlung, mehr als genug herzhaften Humor und Songs von Alan Menken, die bisweilen an The Little Mermaid erinnern (zum Beispiel „Mother Knows Best“), ohne jedoch derart im Gedächtnis hängen zu bleiben. Besonders weiß ein Maß an Selbstironie zu gefallen, dass in seiner fast schon „Vierte Wand“-artigkeit eher ungewöhnlich für einen Kinderfilm ist. Hier machen zudem auch die tertiären Figuren wie die Gebrüder Stabbington (Ron Perlman) Spaß, während der Film dank seiner hohen Farbenfreude zumindest den Eindruck erweckt, dass sich das 3D im Kino gelohnt haben könnte. Die Animation kann jedenfalls überzeugen - was sie angesichts ihrer Kosten auch sollte.

Denn diese belaufen sich in Höhe von 260 Millionen Dollar und machen Tangled nicht nur zum teuersten Animationsfilm aller Zeiten, sondern zugleich - Inflation nicht einberechnet - zum zweitteuersten Film, der je produziert wurde. Umso notwendiger schien daher der 3D-Effekt, um auf jeden Fall die Kosten wieder einzuspielen (in diesem Fall sogar mehr als das Doppelte). Nach dem etwas flachen, wenn auch sympathischen The Princess and the Frog übertrifft Disney erfreulicher Weise die Qualität von Bolt, der vor drei Jahren der erste wirklich gelungene Beitrag des Studios seit Lilo & Stitch war. Insofern ist Tangled nicht nur ein exzellenter Film, sondern auch ein mehr als würdiger 50. Beitrag aus dem Hause Disney.

8.5/10

12. März 2010

Océans

Qu'est l'océan?

Am 24. Februar dieses Jahres wurde im Freizeitpark SeaWorld in Orlando, Florida die Tiertrainerin Dawn Brancheau von dem Großen Schwertwal Tilikum getötet. Schockiert seien die Betreiber gewesen. Schockiert, dass ein Säugetier, das seit Jahren auf engstem Raum wie ein Sklave gehalten wird, sich gewehrt hat. Tilikum hat im Laufe der letzten Jahrzehnte bereits zwei andere Menschen getötet, nichtsdestotrotz möchte SeaWorld an dem Wal als Zuchttier festhalten. „The show must go on“, besang Freddie Mercury einst jenes Motto der Unterhaltungsbranche, das bis heute Gültigkeit besitzt. Für Moral und Ethik ist kein Platz. Die Menschen wollen unterhalten werden, wollen diese süßen Säugetiere durch Reifen springen sehen. Welche Konsequenzen dies für die Tiere hat - Louie Psihoyos zeigte diese unter anderem in seiner letztjährigen Dokumentation The Cove auf -, ist dem Mensch dabei egal. Die Perversität, die seine Tierparks, Zoos und Zirkusse mit sich bringen, wird ignoriert.

Dabei zeigen Dokumentationen wie Earth, La marche de l’empereur oder Le peuple migrateur, dass man Kindern und Jugendlichen durchaus Tiere präsentieren kann, ohne diese auf engem Raum einzupferchen und sie ihrer Freiheit zu berauben. Im Gegenteil, Dokumentationen wie diese oder Jacques Perrins und Jacques Cluzauds jüngster Film, Océans, zeigen nicht nur Tiere hautnah, sondern in ihrer natürlichen Umgebung und dadurch unter ganz anderen, da authentischen Bedingungen. Exemplarisch an den meist gekrümmten Rückenflossen von Delfinen und Großen Schwertwalen in Gefangenschaft, zeigt Océans Dutzende dieser Säugetiere, ohne dass auch nur ein Einziges eine solche herabhängende Rückenflosse aufweist. Näher an die betreffenden Meeressäuger, Kraken und Krebse werden Menschen wohl nie kommen, wie man sie in diesem Film dazu einlädt. In einem Zoo schon gleich drei Mal nicht. Doch der Mensch glaubt und akzeptiert nur das, was er in seinen Händen halten kann.

Aber die beiden französischen Co-Regisseure bemühen sich erst gar nicht wie Genrekollegen a la Home, dem Publikum seine Fehler vorzuhalten. Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, keine mahnenden Worte. Erst zum Schluss richtet der Film seinen Blick auf den Schaden der Menschen. Man sieht Bilder aus den Küstenregionen, zugemüllte Meeresböden, Seehunde, die an Einkaufswägen vorbeischwimmen und auftauchen, um am Horizont ein Szenario ähnlich dem Industriegebiet aus Ridley Scotts Blade Runner zu erblicken. Perrin, der mit seinem Enkel durch eine Museumshalle spaziert, zeigt dann einige präparierte Lebewesen, die der Menschheit bereits zum Opfer gefallen sind („Desparu“). Es gibt sie nicht mehr, wir haben sie ausgerottet. Aber die Franzosen enden nicht mit diesen Bildern, sondern flüchten wieder in die blau-dunkle Schönheit der Meerestiefen. Die kurzweilige Etablierung der hässlichen Fratze menschlicher Küstenverschmutzung, konträr zu den wunderschönen Bildern der Ozeane, erinnert dabei bisweilen an Hayao Miyazakis Gake no ue no Ponyo.

Ähnlich wie bereits in ihrer Debütdokumentation Le peuple migrateur verzichteten die Regisseure auf eine ausufernde Erzählstimme. Diese wird in Océans zwar durch Jacques Perrin selbst gelegentlich aktiv, nur um sich dann jedoch in Redundanzen zu verlieren oder nichts sonderlich Informatives beizutragen. Es stünde dem Film daher besser zu Gesicht, hätte Perrin ganz darauf verzichtet sich aus dem Off einzumischen, funktionieren die Bilder schließlich auch so nahezu perfekt. Ein weiterer Fehler unterläuft den Franzosen dann, wenn mancher Szenenwechsel zu hart geraten ist. Blickt der Seehund soeben noch auf einen Horizont voller Fabrikkamine, die ihr Gift gen Himmel schicken, versetzt einen der abrupte Schnitt plötzlich in das Becken eines Eisberges. Ähnlich hart wechseln Perrin und Cluzaud auch an ein paar anderen Stellen die Szenerie. Hier wäre ein stimmigeres Abgleiten wünschenswert gewesen, denn dass die Regisseure dazu in der Lage sind, beweisen sie zu Beginn, wenn von den Sternen gelungen in das Meer gewechselt wird.

Wie zu erwarten war, beschenkt Océans den Zuschauer mit eindrucksvollen Bildern. Vier Jahre lang drehten Perrin und Cluzaud für fast fünfzig Millionen Euro auf der ganzen Welt. Von Schwertwal-Jagden über dösende Seehunde bis hin zu einem Krabben-Inferno ist dann auch alles dabei, was das Herz begehrt. So schwimmt ein Mal ein Mantelrochen hinter der Kamera ins Bild, so eingefangen, dass er Erinnerungen an Gene Roddenberrys Raumschiff Enterprise weckt. In einer anderen Szene wird ein Fischschwarm, der sich auf beeindruckende Weise wie eine Einheit bewegt, gleich von allen Seiten angegriffen. Aus dem Himmel stürzen sich Dutzende Vögel ins Wasser, zusätzlich greifen sowohl Haie als auch Delfine die Fische an. Später schaufelt sich eine Krabbe eine Höhle, sodass es aussieht, als würde sie den Müll raus tragen, ehe es zu Handgreiflichkeiten mit tödlichem Ausgang für einen anderen Gliederfüßer kommt. Das bereits erwähnte Krabbeninferno erinnert von seiner Exposition zudem wohl nicht von ungefähr an den Schlachtaufmarsch aus Braveheart.

Auch die Soundeffekte verdienen ein Lob. Egal ob am Meeresboden gesaugt, geschmatzt oder sich fortbewegt wird, Perrin und Cluzaud sind bemüht, dem Ganzen einen einerseits authentischen anderseits humoristischen Touch zu verleihen. Ergänzt werden diese Effekte dann von der ebenfalls gelungenen musikalischen Untermalung, die im Gegensatz zu Le peuple migrateur dieses Mal keine Variation von einem bereits vorhandenen Filmsoundtrack darstellt, sondern vom französischen Komponisten Bruno Coulais stammt. Sieht man also von den Schwachpunkten der Szenenwechsel und der Erzählstimme ab, ist hier eine audiovisuell beeindruckende Dokumentation gelungen, die zwar nicht immer neue Bilder bereithält, aber dennoch faszinieren kann. So zeigt Océans, dass es sehr gut möglich ist, direkt in einem Delfinschwarm mit dabei zu sein, ohne dass die Säugetiere dabei ihre Freiheit oder ihr Leben aufgeben müssen. Und dass die Show somit auch - endlich - enden könnte. Denn wie heißt es zum Schluss: „Die Erde gehört uns nicht. Wir müssen sie mit anderen teilen“.

8/10