13. August 2007

Knocked Up

Isn't it weird how chairs exist even when you're not sitting on them?

Diesen Sommer kommen, bzw. kamen, drei Pärchenkomödien heraus: License to Wed (mit Mandy Moore und Robin Williams), The Ex (mit Zach Braff) - einst Fast Track genannt - und dieses kleine Schmankerl, Knocked Up von Judd Apatow, dem Regisseur von Jungfrau (40), männlich, sucht. License to Wed kann man getrost den Hasen geben und ob The Exin Deutschland überhaupt ins Kino kommt kann ich an dieser Stelle nicht mal sagen. Knocked Up wurde jedenfalls bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gelobt, teilweise sogar vergöttert. Eine der intelligentesten Komödien seit Jahren und eine der Top-Komödien der letzten zwanzig Jahre, usw. Neben den Kritiken stimmte hierbei sogar das Einspielergebnis, welches in den USA bereits das fünffache seiner Kosten eingespielt hat und international demnächst veröffentlicht wird. Nicht schlecht also, dieser Film - könnte man meinen (und keine Angst, ich werde ihn in den folgenden Absätzen auch nicht runtermachen).

Knocked Up erzählt die Liebesgeschichte von dem kiffenden Arbeitslosen Ben (Seth Rogen) und der karrierebewussten Moderatorin Alison (Katherine Heigl). Diese lernen sich bei Alkohol in einem Club kennen, sind so besoffen, dass sie miteinander Sex haben und als sie sich acht Wochen später wiedersehen, eröffnet Alison Ben dass sie schwanger ist. Wäre das nicht schon schlimm genug, ist sie es eben auch noch von Ben, der erfolglos mit seinen vier Freunden versucht eine Internetseite zu erstellen, die aufführt in welchen Filman man an welcher Stelle Schauspielerinnen nackt sehen kann. Als sich beide entschließen das Kind zu bekommen, müssen sie sich nicht nur mit der Schwangerschaft auseinandersetzen, sondern auch mit den gegenseitigen Persönlichkeiten.

Soviel zur Geschichte und es sollte klar sein, dass am Ende natürlich alles gut wird. Wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre. Es geht also nicht darum was passiert, sondern wie es passiert. Dies geschieht in den meisten Fällen äußerst witzig (auch wenn in der deutschen Sprachfassung einiges an Witz verloren geht) und es ist erfrischend zu sehen, dass besonders in der Wortwahl kein Rückzieher wegen des PG-13 Ratings gemacht wurde und der Film dementsprechend R-Rated (in Deutschland nur FSK 12) ist. In Knocked Up wird geflucht und geschimpft das sich die Balken biegen und das ist auch gut so, denn gegen wir es zu, Fluchen gehört zum Alltag einfach dazu. Der kruden Erziehungspolitik der Amerikaner muss jedoch vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis von Alison's Schwester und ihrem Mann (Leslie Mann und Paul Rudd köstlich wie immer) ein Dorn im Auge gewesen sein, denn hier wird locker flockig von vorehelichem Sex, sowie Mord und Totschlag gefaselt. Einfach aufrichtig ehrlich!

Die Moral von zwei völlig verschiedenen Menschen, die durch Alkohol zusammengeführt werden und schließlich als glückliche Familie enden ist natürlich in unserer heutigen Zeit bei einer Scheidungsrate von 50% beinah als hahnebüchern anzusehen, aber wer will auch schon eine Liebeskomödie sehen die böse endet? Da ist sicherlich auch viel Klischee mit dabei, aber diese entsprechen auch größtenteils den Tatsachen. Wie der Film jedoch zeigt, leben wir aber nicht in einer perfekten Welt in der alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Das fängt Knocked Up in der Tat sehr gut ein und kann sich neben dieser Schwangerschaftsthematik in einem kleinen Nebenplot Seitenhiebe auf die Fernsehindustrie und ihre Ideale (ich sage nur "straffen") nicht verkneifen. Dies wird dann noch mit vielen kleinen Cameos (u.a. Steve Carell, Eva Mendes, James Franco und Harold Ramis) unterstützt - wieso jedoch ausgerechnet Britney Spears' "Toxic" auf dem Soundtrack landete bleibt mir ein Rätsel.

Weswegen ich dann aber doch nicht ganz in den Chor der Jubelstürme einstimmen will, ist, dass Knocked Up gelegentlich im Sand verläuft, die Witze, die allesamt lustig und gut sind, bilden den roten Faden durch den Film, der einen in seinen ruhigen Momenten jedoch fast zu verlieren scheint. Vielleicht liegt dies auch nur daran, dass ich ein Mann bin und mich das Thema der bevorstehenden Schwangerschaft nicht genug interessiert (oder zu arg abschreckt), aber nach ein, zwei Minuten wartet man wirklich sprichwörtlich auf den nächsten Witz, um wieder ebenjenes Aha-Moment zu haben. Dies ist nicht weiter schlimm und hindert den Film auch nicht daran, ein nahezu perfektes Date-Movie zu sein, macht ihn aber in meinen Augen auch nicht zu dem von den Medien erhobenen Top-20-Komödien Gipfelstürmer. Ich hatte mich sehr unterhalten gefühlt und Katherine Heigl tut dabei ihr übriges (auch wenn mir vorher in Grey's noch nie aufgefallen ist, wie groß ihre Brüste eigentlich sind).

7.5/10

Kommentare:

  1. Naja, ich kenn den Trailer und das hat mir fürs Erste gereicht. Das riecht mir zu sehr nach erzieherischem Moral-Kino. Ich hab zwar nichts prinzipiell gegen eine diskret untergebrachte Moral, aber wenn mir das im Trailer schon zu dick aufgetragen rüberkommt, lass ich da erstmal die Finger von...

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  2. Gestern gesehen und insgesamt doch positiv überrascht. Das "Male-Bonding" zwischen Ben und Pete war von der Idee sehr überzeugend, musste aber leider aus dramaturgischen Gründen übertrieben werden.

    Furchtbar fand ich allerdings die hysterischen Frauenfiguren. Da hoffe ich, dass du mit deiner Meinung Unrecht hast und sich nicht alle Frauen problemlos mit diesen Ego-Weibern identifzieren können. Ich halte die Darstellung solcher Klischee-Damen für viel frauenfeindlicher als aktiv frauenfeindliches Verhalten durch Figuren in einem Film (wink: Deadwood). Während das eine nämlich eine geschichtlich begründbare und durchaus realistische Darstellung ist, wird in Knocked Up dem weiblichen Publikum suggeriert, es sei normal, so neurotisch zu handeln...

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  3. Ich hab da auf Frauenbekanntschaften aus meinem Bekanntenkreis geschlossen ;) Natürlich sind nicht alle Frauen so, aber Leslie Bibb wird meistens in solche Rollen gecasted und sie trägt sie m.E. auch immer sehr gut.

    Im Vergleich zu SUPERBAD sicher der schwächere Film, vor allem da er etwas lang geraten ist. Trotzdem eine der Top-Komödien des Jahres in meinen Augen.

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