7. Juli 2008

Youth Without Youth

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Er erschuf sich in den siebziger Jahren ein Denkmal, welches noch heute erstrahlt. Seine beiden The Godfather-Teile von 1972 und 1974, sowie sein Apocalypse Now von 1979 sind Meisterwerke der Filmgeschichte und begründeten den Namen von Francis Ford Coppola. In den Achtzigern dann begann sein Abstieg, mit Filmen wie Peggy Sue Got Married oder Gardens of Stone konnte Coppola nicht überzeugen, trotz seines Abschlusses der Godfather-Trilogie und der Adaption von Bram Stoker’s Dracula bleiben einem die katastrophalen Jack und The Rainmaker doch eher im Gedächtnis. Da verwundert es auch nicht, dass der gute Mann seit elf Jahren nicht mehr hinter der Kamera aktiv war. Viele werden sich gedacht haben, dass dies auch besser so sei, doch 2008 wollte die Regiegröße seine Kritiker eines besseren belehren. In Europa drehte er seine Mircea Eliade-Adaption Youth Without Youth, für die Deutschen besonders interessant wegen Alexandra Maria Laras erstem Ausflug in das internationale Kino und einer Nebenrolle für Bruno „Adolf Hitler“ Ganz. Den Hauptpart besetzte Coppola mit dem britischen Charakterdarsteller Tim Roth und auch sein Rainmaker-Darsteller Matt Damon war sich für eine bedeutungslose Gastrolle nicht zu schade. Für wenig Geld versuchte sich Coppola nun als Arthouse-Regisseur, was auch sein aktuelles Projekt Tetro bezeugt. Dabei hat sein respektive Eliades Youth Without Youth starke Anleihen von Science Fiction, die nicht immer gelungen mit der restlichen Handlung verwoben werden. Auch in der Wahl seiner Darsteller scheint sich Coppola keinen Gefallen getan zu haben, die hauptsächlich negative Resonanz auf sein Comeback sprechen hier praktisch Bände. Zugegeben ist sein Werk äußerst zwiespältig, die Geschichte will mehr sein, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Wirklich erschließen, lässt sie sich aber dennoch nicht, vor allem, da ein Bruch in der Mitte des Filmes auftritt.

Der rumänische Wissenschaftler Dominic Matei (Tim Roth) reist nach Bukarest, um seinen erfolglosen Leben ein Ende zu bereiten. All seine Ziele konnte er nicht erreichen, selbst seine große Liebe Laura (Alexandra Maria Lara) kam ihm abhanden. Doch bevor Dominic sich umbringen kann, wird er von einem Blitz getroffen. Im Krankenhaus beeindruckt seine schnelle Regeneration den dortigen Professor Stanciulescu (Bruno Ganz). Nicht nur ist Dominic am Leben, sondern seine siebzig Lebensjahre sind wie weggeblasen, ein Mann Ende Dreißig liegt im Krankenbett. Mit frischem Haar und frischen Zähnen ausgestattet, wird das lebende Wunder Dominic bald zum Interessensobjekt der Nationalsozialisten. Hitler selbst beauftragt seinen Adjutanten Rudolf (André Hennicke) sich des Falles anzunehmen. Dieser setzt eine mysteriöse, aber auch laszive Frau (Alexandra Pirici) auf Dominic an, um den sich die Schlinge enger zieht. Damit lässt sich die erste Hälfte des Filmes beschreiben, ein mysteriöses Drama mit übersinnlicher Konnotation. In der Mitte des Filmes, gut nach einer Stunde, setzt ein Bruch ein und die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, gerade zu dem Zeitpunkt, wo man eigentlich den Abspann erwarten würde. Stattdessen geht Coppola in die zweite Runde und präsentiert eine Liebesgeschichte zwischen Dominic und der jungen Veronika (Alexandra Maria Lara), die ebenfalls übernatürliche Elemente besitzt. Ein wirklicher Zusammenhang zwischen beiden Geschichten – abgesehen von Dominic als männlichen Hauptprotagonisten – lässt sich jedoch nicht erkennen. Mit seiner gefühlten Laufzeit von drei Stunden tat sich Coppola mit dem Bruch der Geschichte keinen Gefallen, eben da die erste Geschichte praktisch ad acta gelegt wird. Beide Handlungsstränge für sich genommen würden sicherlich eher eigenständig funktionieren, als hier zusammengenommen, nicht nur weil sie beide sehr unverständlich sind, sondern eben einem eigenen Faden folgen.

The Rainmaker lässt grüßen: Matt Damon in seinem nichtssagenden Cameo

Technisch gesehen erfüllt der Film fraglos den Zweck, den Coppola haben wollte. Minimalistisch sind viele Einstellungen, sehr ruhig mit der HD-Kamera eingefangen. Die Geschichte wiederum, ist durchaus philosophisch, wenn nicht sogar ausschließlich philosophisch. Punkte die in Eliades Geschichte angesprochen werden, sind das Bewusstsein, Identität und viele andere Gesichtspunkte. Vorab gesagt, mögen diese Umsetzungen in Roman oder Film anregend sein, sogar schlüssig, in eine stringente Handlung passen sie jedoch nicht so ganz. Ein alter Mann wird jung, das Leben steht ihm nochmals offen, aber die Nazis wollen sein Geheimnis erfahren. In diesem Teil der Geschichte finden sich viele amüsante Momente, von Swastika-Strapsen bis hin zu Bruno Ganz, der hier oftmals wie seine Hitler-Figur aus Der Untergang nur ohne die dazugehörige Behaarung wirkt. Ein erster Blick auf Frau Lara offenbart, dass sie – wie eigentlich alle deutschen Schauspieler – mit internationalem Schauspiel überfordert ist. Das mag vielleicht reichen, für eine Slapstick-Komödie wie Wo ist Fred?, aber in einem ernstzunehmenden Drama offenbaren sich hier die Welten zwischen deutschem Schauspiel und dem der restlichen Welt. Gut möglich, dass für Coppola ihre rumänische Herkunft ausschlaggebend war, um sie zu besetzen. Ganz selbst spielt die Rolle zwar überzeugend, muss sich jedoch wie erwähnt den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Auftreten viel zu sehr an Der Untergang erinnert. Hennicke wiederum weiß den Klischee-Nazi (die Indiana Jones-Teile lassen grüßen) mit der nötigen Lächerlichkeit zu spielen, das gesamte Ensemble jedoch, einschließlich Roth, weiß die meiste Zeit nicht wirklich zu überzeugen oder war mit der Handlung überfordert.

Das Problem, oder sagen wir mein Problem, mit dem Film manifestiert sich in der Figur von Matt Damon. Sie taucht auf, deutet etwas an, erscheint anschließend nie wieder. Wozu wurde sie von Coppola installiert? Und überhaupt, warum unterscheiden sich die beiden Teile des Films so enorm? Endet die erste Hälfte in einer Szene, welche die Geburtsstunde eines neuen Superhelden a la Captain America erwarten lässt, verkommt die zweite Hälfte zu einem sozial-linguistischen Drama, getragen vom overacting der lieben Frau Lara. Auch hier möchten Coppola und Eliade wieder viele philosophische Denkanstöße liefern und interpretieren kann man immer viel. Dominics Liebe zu zwei Frauen oder ein und derselben Frau scheitert an seiner Arbeit und seine Arbeit scheitert letztlich an seiner Liebe. Einer der Aspekte, die man aus Coppolas Film extrahieren kann. Nur strengt dies an, den Film zu verstehen oder zumindest verstehen zu wollen, strengt enorm an. Die Unterhaltungskomponente des Filmes geht dabei verloren, wird der Intellektualität geopfert, insofern der einzelne Zuschauer diese ausmachen kann. Sicherlich ist es löblich, dass Coppola hier versucht einen Arthouse-Film zu machen, den man auf seine Art und Weise bestimmt als gelungen erachten kann, doch für die Masse der Zuschauer ist sein Film nicht wirklich erträglich. Für viele dürfte Youth Without Youth eine Frage von Lieben oder Hassen sein, zumindest finden sich zahlreiche User bei IMDb, die den Film in ihr Herz geschlossen haben, während eine Vielzahl an Kritikern an Coppolas Werk keinen Gefallen finden konnten. Vielleicht handelt es sich auch lediglich um einen Film, der mit jeder neuerlichen Sichtung dazu gewinnt oder der nur dann greift, wenn man mit Eliades Denkansätzen bekannt ist. Für sich genommen ist er jedenfalls zu komplex, zu langatmig, zu zwiespältig, um den durchschnittlichen Kinogänger für sich begeistern zu können. Wer jedoch an Herausforderungen wachsen will, darf gerne einen Blick riskieren.

4/10

Kommentare:

  1. Das ist so ein Phänomen, daß nicht nur bei Coppola zu beobachten ist. Lucas, Spielberg, Scorsese, Romero, Carpenter und so weiter und so fort. Alle wichtigen New Hollywood Regisseure hatten ihren Höhepunkt Mitte der 80er spätestens aber Anfang der 90er erreicht oder überschritten. Frag mich aber nicht wieso.

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  2. @tumulder

    Das sind doch alles Regieveterane der ALten Schule, eine andere Generation also. Die Filmemacher von heute (Burton, Fincher, Tarantino, Aronofsky etc.) sind mit deren Blockbustern aufgewachsen. Da ist es nur schwer mitzuhalten mit den neuen Möglichkeiten, vielleicht sogar den anderen Idealen oder dem anders gestimmten Publikum.

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  3. @kaiser
    Ob ein Film gut ist oder nicht hängt ja nicht von der Gunst des Publikums ab. Es geht ja auch nicht ums Mithalten. Ich glaube es fehlt den alten Männern einfach an Visionen;)

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  4. "Ob ein Film gut ist oder nicht hängt ja nicht von der Gunst des Publikums ab."

    Wie kommst du jetzt darauf? Das hab ich doch gar nicht behauptet.

    "Es geht ja auch nicht ums Mithalten."

    Letztlich schon. ;)

    "Ich glaube es fehlt den alten Männern einfach an Visionen"

    Inwiefern?

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  5. Naja, immerhin wollten und haben sie das Kino der alten Schule verändert. Nur haben sie verpaßt ihr Kino weiterzuentwickeln. Was spricht dagegen auch mit 50 oder 60 noch richtungsweisende Filme zu machen? Wenn ich Coppolas Dracula nehme denke ich, daß er damals vielleicht recht aktuell erschien, heute aber so altbacken daherkommt wie nur irgendetwas. Und das liegt nicht an der Hommage an die Romantik. Da wirkt ja selbst Murnaus Nosferatu zeitloser.

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  6. Nehmt euch ein Zimmer ihr Zwei :P

    P.S.: Lucas' EPISODE III rulet die Scheiße fett!

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  7. @tumulder

    Ich glaube, wir meinen im Endeffekt dasselbe, reden nur etwas aneinander vorbei ;)

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  8. Oh, tschuldigung für die Gotteslästerung. Und gleich kommt noch der andere Fanboy;)

    @kaiser
    Bestimmt:D

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  9. Oh, tschuldigung für die Gotteslästerung. Und gleich kommt noch der andere Fanboy;)

    Bitte nicht mit dem vergleichen, der hält PHANTOM MENACE ja für ein unterschätztes Meisterwerk. Aber ROTS ist nicht mit PHANTOM oder ATTACK zu vergleichen, schau dir den endlich mal an ;)

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  10. Habe ich doch schon längst. Geht in Ordnung, es fehlt aber immer noch der Han;)

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  11. Pfff, ich finde bestimmt nicht, dass E I ein verkanntes Meisterwerk ist.

    Ihr seid alle widerlich.

    ;)

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