22. August 2008

Better Off Dead...

Dying when you're not really sick is really sick.

Mitte der Neunziger gab es das Kaiserslauterner HipHop-Duo Down Low. Deren Song „Johnny B“ lässt sich von seinem Rhythmus her sehr gut auf John Cusack umdichten (wobei dies zugegebenermaßen auf viele Schauspieler zutrifft): „Johnny C., look what you used to be, just open your eyes, and listen to me“. Oh ja, was hat John Cusack in den Goldenen Achtzigern nicht gerockt, der König der Teenage Comedy. Neben Klassikern wie The Sure Thing fand man Johnny C auch in Rob Reiners Stand By Me, John Hughes' Sixteen Candles und unvergesslich in Cameron Crowes Say Anything. Mit neunzehn Jahren folgte schließlich 1985 sein Durchbruch. Nicht nur dank The Sure Thing, sondern auch mit Better Off Dead… (dt. Lanny dreht auf) konnte Cusack sich in das Gedächtnis seiner Zeit brennen. Der Film von Savage Steve Holland – mit welchem Cusack ein Jahr darauf One Crazy Summer drehen sollte – beschäftigt sich dabei mit einem zentralen Aspekt des coming-of-age-Genre: der teen angst. Was unter anderem Grundlage für Serien wie Dawson’s Creek wurde, tritt hier für den Zuschauer nicht sonderlich offensichtlich in den Vordergrund, ist aber unterschwellig jederzeit vorhanden und der innere Antrieb des Films.

Wenn Hollands Film eine Handlung hat, dann ist es wohl der Versuch von Lane (John Cusack) seine Ex-Freundin Beth (Amanda Wyss) zurück zu erobern. Diese macht mit Lane wegen des Schul-Ski-Kapitäns Roy Stalin (was ein Name) Schluss. Lane sieht nun seine einzige Chance Punkte wett zu machen, indem er den berüchtigten K-12 Hügel hinunterfährt. Doch diese Teufelspiste konnte bisher nur eine Person bändigen: Stalin. Da sich diese Handlung – wie zu erwarten ist – schlecht über 80 Minuten dehnen lässt, wird zugleich noch der Klischee-Konkurrenz love interest eingebaut. Gegenüber von Lane wohnt die französische Austauschstudentin Monique (Diane Franklin), die sofort Feuer und Flamme für unseren Helden ist. Die restlichen Lücken füllt Holland mit typischen Szenen aus achtziger Jahre High School Filmen. Lustigerweise spielt hier Vincent Schiavelli wieder einmal einen Lehrer, wie er es auch ein Jahr später in Amy Heckerlings Kultfilm Fast Times at Ridgemont High tun würde. Zu guter letzt gibt es dann auch noch den durchgeknallten, alles koksenden und für die eigentliche Geschichte vollkommen unerheblichen Charles de Mar (Curtis Armstrong), sowie den Kult gewordenen running gag mit dem zwölfjährigen Zeitungsjungen Johnny („I want my two dollars“).

Dass ist jedoch alles nur Scharade, bloße Oberfläche, die Spitze des Eisberges. In Wahrheit ist Better Off Dead… ein subtiles Meisterwerk über Teenagerängste. Gut, das war etwas übertrieben, aber man muss in Hollands Film durchaus zwischen den Zeilen lesen. Ihr bloßes Aussehen hält Beth und Lane in ihrer Beziehung. Als Beth die Chance hat „sozial aufzusteigen“, einen populäreren, attraktiveren Klassenkameraden (Stalin) zu daten, nutzt sie diese Chance sofort. Konsequenterweise bricht für den Schüler damit eine Welt zusammen. Einziger Ausweg aus seinem emotionalen Dilemma ist Selbstmord, welchen er mehrfach versucht zu inszenieren, ohne ihn – zumindest selbst – ernsthaft durchzuziehen. Vielmehr sind Lanes Selbstmordversuche Ausdruck seiner Depression. Mit dem Verlust seiner Freundin scheint für ihn ein Verlust seines Lebens einher zu gehen. Die süße französische Nachbarin bemerkt er erst, als sie ihn sprichwörtlich auf die Bretter fliegen lässt. Dabei dient Monique nicht nur als rebound girl, sondern auch als Katalysator für Lanes pessimistisches Weltbild. Dieses manifestiert sich praktisch in seinem untauglichen Camero, der vor dem Haus unter einer Plane versteckt liegt. Mit der Restaurierung seines Wunschautos aktiviert Lane praktisch sein Selbstbewusstsein, den Glauben an sich selbst.

Aus heutiger Sicht betrachtet hat Hollands Film ein ungemein gemächliches Tempo. Solche Filme werden heute gar nicht mehr gedreht, da sie nicht mehr funktionieren würden. Die verschiedenen kleinen humoristischen Aspekte von Lanes verschrobener Familie werden ebenso gelegentlich eingestreut, wie de Mars Kokssucht. Für sich genommen sind Lanes stummer aber brillanter kleiner Bruder, der Zwist des Vaters mit Johnny dem Zeitungsboten und die absurden Kochkünste von Mrs. Murphy allerdings durchaus amüsant. Die wirklichen genialen Momente findet man im Film jedoch wie eine Tankstelle auf der Autobahn. Leider sind die Durststrecken, die Pausen des Filmes, dazwischen zu eintönig. Dies ist generell ein Kritikpunkt an Komödien aus den Achtzigern, ebenso wie ein eher flaches Finale, aber bei Better Off Dead… noch mal etwas mehr der Fall, als bei anderen Genrevertretern. Letztlich sind wohl der Kultfaktor zum einen und Johnny C. zum anderen die beiden Hauptgründe, sich den Film anzusehen. Und wirklich misslungen ist er ja nun auch nicht.

6/10

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