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16. August 2009

Kurz & Knackig: US-Serien - Teil II

Parks and Recreation - Season One

Would you say that you are enjoying yourself?

Was kann man groß zu Greg Daniels neuer Show Parks and Recreation sagen? Es ist doch etwas verwunderlich, dass Daniels mit keinem eigenständigen Konzept aufzuwarten weiß. Denn im Kern ist seine neue Sitcom nichts anderes als eine Neuinterpretation von Ricky Gervais’ The Office. Im mockumentary style wird ein exzentrischer Mensch in hoher Position verfolgt, unterlegt mit Interviews von der betreffenden Person selbst, sowie deren MitarbeiterInnen. Die Ähnlichkeiten zwischen Michael Scott und Leslie Knope (Amy Poehler) sind nicht von der Hand zu weisen. Mit Tom Haverford (Aziz Ansari) findet sich dann auch ein Mitarbeiter, der wie Jim Halpert gerne mal zu Streichen aufgelegt ist. Auch wenn Tom in seinem Humor sehr viel bösartiger ist. Leslie Knope ist Vize-Direktorin des Stadtplanungsamtes von Pawnee. Als der Lebensgefährte von Krankenschwester Ann (Rashida Jones) in eine offene Baustelle fällt, setzt sich Leslie zum Ziel, diese in einen Park zu verwandeln. Architektonische Unterstützung verspricht sie sich von ihrem ehemaligen One-Night-Stand und Frauenheld Marc (Paul Schneider), der zugleich im Stadtbauamt tätig ist.

Genauso wie The Office lief die erste Staffel von Parks and Recreation in ihrer ersten Ausführung lediglich sechs Folgen. Ein wirkliches Urteil will sich hier schwer fällen lassen. Der Humor der Show ist ohne Frage charmant, wenn auch etwas weniger auf Fremdschämen fokussiert, wie im Office-Original. Poehlers Leslie ist etwas anstrengender als Carrels Michael Scott, scheint allerdings auch etwas auffassungsschneller zu sein. Die Nebenfiguren sind durchweg sympathisch, allen voran natürlich sexy Rashida Jones. Heimlicher Star ist jedoch Leslies phlegmatischer Vorgesetzter, Ron Swanson (Nick Offerman), für den Bürokratie darin besteht, am besten gar nichts zu machen. Die gelungenste Folge markiert The Reporter, während sich die Serie sonst auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau bewegt. Im Gegensatz zu The Office kann man jedoch mit dem Pärchen der Show, Jones’ Ann und Chris Pratts Andy, nicht wirklich mitfühlen. Dafür werden die Beiden als Paar zu selten fokussiert. Die Reaktionen auf die Show, die sich primär um Leslies ekelhaften Optimismus dreht, waren verhalten. Nichtsdestotrotz wurde sie von NBC für eine zweite Staffel verlängert. Grundsätzlich empfand ich Parks and Recreation somit als gelungen, auch wenn Daniels mehr eigenständige Kreativität gut getan hätte. Wird im Herbst weiterverfolgt.

7.5/10

Southland - Season One

Things aren’t always what they seem.

Bedenkt man, dass Polizisten in Amerika nicht gerade den besten Ruf haben – schon gar nicht die in Los Angeles -, verwundert es doch, dass die Amerikaner sich ihre Cop-Serien nicht nehmen lassen (s. unten auch The Unusuals). Eine Expertin auf dem Gebiet scheint Ann Biderman zu sein, die für ihre Arbeit an NYPD Blue mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Nach zwölf Jahren Abstinenz seit ihrem Drehbuch zu Smilla’s Sense of Snow kehrt Biderman nun ins Business zurück. Ihr erstes Fernsehdrama Southland folgt der Arbeit und dem Privatleben von sechs Polizeibeamten des LAPD. Die Serie orientiert sich hierbei einerlei an Genrebeiträgen wie Colors und Training Day, andererseits aber auch den Reality-TV-Serien wie dem in den USA beliebten Cops-Format. Dies äußerst sich nicht nur in dem semi-dokumentarischen Stil der Handkamera und den ausgebleichten Bildern, sondern auch in der Tatsache, dass Schimpfwörter zensiert werden. Die Handlung selbst folgt einerseits den Straßenpolizisten John Cooper (Michael Cudlitz) und dem Anfänger Ben Sherman (Ben McKenzie), andererseits den Ermittlern Nate Moretta (Kevin Alejandro) und Sammy Bryant (Shawn Hatosy) vom Morddezernat sowie ihren Kollegen Lydia Adams (Regina King) und Russell Clarke (Tom Everett Scott).

Neben einigen Nebenfiguren, wie dem von C. Thomas Howell dargestellten Officer Dewey, fokussiert sich die Serie primär auf diese sechs Cops. Während nicht zwingend stets alle sechs in einer Episode auftauchen müssen, kommt es jedoch des Öfteren vor, dass sich ihre Wege innerhalb einer Episode kreuzen. Grundsätzlich am Überzeugendsten agiert hier die Pilotfolge Unknown Trouble, an die lediglich See a Woman heranzureichen vermag. Die anderen Folgen sind an sich durchschnittlich. Wobei dies dadurch geschuldet ist, dass auch Southland zu jenen Serien zählt, deren Qualität abhängig ist, von dem Fall, der in der jeweiligen Episode behandelt wird. Ein roter Faden findet sich hier abgesehen von Janila, einer Jugendlichen, die als Zeugin gegen eine Latinobande fungieren soll, nicht. Die Serie weiß daher zuvorderst wegen ihrer sympathischen Figuren, allen voran der idealistische Sherman, zu gefallen. Die Darstellung des LAPD wirkt dann, bedenkt man die Geschichte des Dezernats, mitunter recht verblendend. Dennoch kann man Bidermans Serie eine gewisse grundsätzliche Qualität nicht absprechen. Ansätze für die bereits bestätigte zweite Staffel sind vorhanden. So zum Beispiel das Schicksal von Janila oder wieso Sherman ein Polizist wurde (seine Figur wirkt grob einem Mike Lowry aus Bad Boys entlehnt). Auch wenn Southland im Kern etwas zäh zu konsumieren ist, wird die zweite Staffel von mir wohl weiterverfolgt.

7/10

The Unusuals

You don’t deserve to wear a mustache.

Eigentlich paradox, dass es derart viele Cop-Serien gibt, wo Polizeibeamte in den USA ja nicht gerade sonderlich populär sind (s. Anm. oben) . Wahrscheinlich schauen die Amis Cops lieber bei der Arbeit zu, als selbst mit ihnen konfrontiert zu werden. Was The Unusuals jetzt im Vergleich zu Southland oder dergleichen unterscheiden soll, erklärte Produzent ABC über eine Pressemitteilung. „Like a modern-day M*A*S*H“, meint der Sender und setzte dadurch die Meßlatte ziemlich hoch. Vorausgreifend lässt sich sagen, dass die Cop-Serie nicht wirklich irgendwie mit M*A*S*H vergleich bar ist, selbst wenn mitunter einige Szenen durchaus dem Humor der Kriegssatire gerecht werden. Viel eher lässt sich The Unusuals tatsächlich mit seinem Pendant Southland vergleichen. Auch hier finden sich mehrere Cops, denen meist einzeln Paarweise gefolgt wird, auch wenn sich ihre Fälle oft überschneiden. Dies erklärt sich auch dadurch, da sie alle aus demselben Dezernat stammen. Dabei sind es die Charaktere, die herausstechen. Sei es der narzisstische Solo-Ermittler Eddie Alvarez (Kai Lennox), der von sich selbst in der dritten Person spricht, oder der übervorsichtige Leo Banks (Harold Perrineau), der zur Sicherheit stets seine kugelsichere Weste trägt.

Was die Serie allerdings vermissen lässt, ist ein roter Faden. Zwar beginnt sie mit der Versetzung von Casey Shraeger (Amber Tamblyn), die ihren neuen Partner Jason Walsh (Jeremy Renner) ausspitzeln soll, doch läuft dies eher nebenbei. Auch die anderen Figuren, wie Henry Cole (Joshua Close) oder Eric Delahoy (Adam Goldberg) haben ihre kleinen Süppchen zu kochen (letzterer ist sich sicher, einen Gehirntumor zu haben, aber zu feige zum Arzt zu gehen). Somit verkommt The Unusuals zur case-of-the-week-Serie, die lediglich in 42 wirklich ihr Potential abrufen kann, auch wenn Boreland Day und The Tape Delay ebenfalls zu den besseren Folgen zählen. Generell lässt sich sagen, dass die Serie stets dann punktet, wenn sie tatsächlich die konventionelle Schiene verlässt und sich mehr an M*A*S*H und ähnlichen Satiren orientiert. Seltsam ist auch, dass hier ebenfalls wie in Southland mittels Tamblyns Figur das Mike-Lowry-Syndrom auftaucht. Reiche Menschen die als Cops lieber wenig Geld verdienen scheinen zum Genreklischee zu verkommen. Wenig überraschend wurde The Unusuals nicht für eine zweite Staffel erneuert. Schade ist das nicht unbedingt.

6.5/10

Dirty Sexy Money - Season Two

Now it’s family night.

„Raum für die 2. Staffel ist vorhanden“, schrieb ich vor mehr als einem Jahr bezüglich der ersten Staffel von Dirty Sexy Money. Die Serie schwankte zwischen humoriger Persiflage auf die Schönen und Reichen und einem spannenden Drama-Format, das sich mit dem Tod eines abwesenden Protagonisten beschäftigte. Dass durch den Autorenstreik damals die ursprünglich doppelt so vielen Episoden auf zehn Folgen beschränkt wurden und im Dezember des vergangenen Jahres die Ausstrahlung der zweiten Staffel diesmal ausgesetzt wurde, ehe nunmehr ein halbes Jahr später die verbliebenen drei Episoden (eine wurde gar ganz gestrichen) ausgestrahlt wurden, spricht wohl Bände über die Resonanz von Dirty Sexy Money. Dass das Konzept für keine dritte Staffel verlängert wurde, ergibt sich da von selbst. Inhaltlich entfernte sich DSM nochmals vom Vorjahr. Der Mord an Dutch spielt nur noch eine untergeordnete bzw. kaum noch existente Rolle. Stattdessen müssen sich Tripp Darling (Donald Sutherland) und sein Anwalt Nick George (Peter Krause) hautsächlich mit ihrem Konkurrenten Simon Elder (Blair Underwood) auseinandersetzen. Währenddessen hat Nick mit seiner Ehe zu kämpfen und auch die anderen Figuren, von Patrick (William Baldwin) bis hin zu Brian (Glenn Fitzgerald), haben mit ihrem Liebesleben zu kämpfen. Im Vergleich zur ersten Staffel verliert die Serie dieses Mal noch mehr ihre (überhaupt vorhandene?) Prämisse aus dem Blick.

Ensemble-Ergänzungen wie Nola (Lucy Liu) fallen da aufgrund ihrer konstruierten Einbindung mit gleich mehreren Figuren etwas unter den Tisch, während Samaire Armstrongs Charakter der Juliet gleich ganz gestrichen (und von den anderen Figuren auch nicht mehr erwähnt) wird. Simon Elder ist nun das große Thema, erst als finanzielle, dann als Karens (Natalie Zea) Liebhaber auch als interne Bedrohung. Das ist in der ersten Hälfte der zweiten Staffel – die ohnehin erstaunlich gut ist, allgemein, aber insbesondere im Vergleich zur zweiten Hälfte – noch eher das Thema, als in der weitestgehend themenlosen anderen Hälfte. Etwas plump gerät es dann mit dem – zugegeben, ungeplanten – Serienfinale, wenn auf einmal wieder die Frage nach Dutch George aufkommt. Eigentlich kann sich Dirty Sexy Money nicht entscheiden, was genau es sein will. Sicherlich manche Szenen sind komisch, was dieses Mal eher an Fitzgerald liegt, als an Seth Gabels Jeremy oder einer anderen Figur. Dennoch leidet die Serie nun unter ihrer Einbindung von Genreklischees (wer schläft mit wem und wieso und sowieso, am Ende schließt sich der Kreis). Das Staffel- und Serienfinale The Bad Guy ist dabei besonders enttäuschend, wobei auch die vorzeitige Klimax The Organ Donar recht schwach ist. Überzeugen können speziell The Family Lawyer und The Injured Party. Alles in allem verschenkt Craig Wright mit seiner neuen Serie gehörig Potential, weshalb es nicht schade ist, dass diese nun ihr Ende findet.

7/10

Better Off Ted - Season One

I’m Batman. And Robin.

Inzwischen wirkt der amerikanische Serienmarkt auf mich wie ein riesiges Buffet. Unglaubliche viele leckere Sachen, manche optisch ansprechender, als sie es wohl sind und dafür einige Geheimtipps, die irgendwo hinter einer Bowle oder ähnlichem etwas verdeckt werden. Wie bei einem Buffet kann man aber nicht alles Essen, schon allein logistisch nicht und auch nicht hinsichtlich der eigenen Verdauung. „Leichtere“ Kost wie die 20-Minuten-Sitcoms haben es da von Natur aus einfacher. Und hier hat auch die humorvollere Variante meist die Nase vor eher „dramatischer“ Konkurrenz (z.B. Nurse Jackie) vorn. Mit Better Off Ted kam im vergangenen Jahr eine Serie heraus, die irgendwie weder Fisch noch Fleisch ist. Erst liefen die Quoten nicht entsprechend und die letzten Folgen wurden nur stotternd veröffentlicht, dann allerdings erhielt man doch grünes Licht für eine zweite Staffel. Die Show selbst ist dabei ungemein originell und spritzig, das kann man ihr nicht absprechen. Allerdings verliert sie sich bisweilen und speziell in der zweiten Hälfte immer öfter in ihrer monotonen Spitzfindigkeit. Das stagniert, bewegt sich eher zäh vorwärts und entwickelt zu langsam, am besten verdeutlicht an der zarten Büro-Romanze zwischen Abteilungsleiter Ted (Jay Harrington) und seiner Angestellten Lina (Andrea Anders). Somit präsentiert sich Better Off Ted über 13 Folgen lang mit Stoff, der im Grunde in der Hälfte der Episoden ausreichend hätte erzählt werden können.

Beide arbeiten nun bei der Firma Veridian Dynamics, einer Entwicklungsfirma für allerlei industriellen Quatsch wie kuhfleischfreies Fleisch, einer dritten Hand oder ganz einfach nur Jabberwocky („You do know about Jabberwocky, don’t you?“). Das Team wird komplettiert durch Teds Vorgesetzte, Veronica (Portia de Rossi), sowie den beiden Wissenschaftlern Phil (Jonathan Slavin) und Lem (Malcolm Barrett). Die Serie bezieht ihren Humor allen voran aus Veronicas unterkühlter Art mit ihren Untergebenen umzugehen, sowie bisweilen auch aus dem charmanten Trio Ted, Phil und Lem. Der einzige rote Faden der Show ist Teds und Lindas gegenseitiges Interesse aneinander, welchem Ted jedoch aus abwechselnden Gründen (zuerst sein Motto nur eine Büro-Affäre zu haben, dann seine Tochter Rose, die er alleine erzieht) nicht nachgeben möchte. Dabei besticht Victor Frescos Sitcom durch ihre teils brillanten Dialoge und ihre mitunter beeindruckende Situationskomik. Wie in so vielen Fällen (The Big Bang Theory/Sheldon, How I Met Your Mother/Barney) lebt Better Off Ted allerdings mit der großartigen Portia de Rossi zuvorderst von einer kultigen Figur. Während die erste Hälfte der Staffel mit Through Rose-Colored HAZMAT Suits und allen voran Racial Sensitivity zu beeindrucken weiß, baut die zweite Hälfte jedoch stark ab. Dies liegt auch daran, dass statt sich weiterhin neu zu erfinden, auf vorherigen – wie gesagt: stagnierenden – Entwicklungen herumgeritten wird (und dabei hab ich nicht einmal mitbekommen, wie Phil seinen kryonischen Schock überwunden hat). Dennoch ist die Serie so charmant, dass sie im Herbst weitergeschaut wird.

7.5/10

18. Juni 2009

The Truman Show

How’s it going to end?

Wir leben in einer perversen Welt. Einer Welt, in der ein Fußballspieler für eine Summe verscherbelt wird, die sich im Grunde bereits in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt einer Republik wie Kiribati setzen lässt. Und in der Reality-Shows mit Paris Hilton und Sarah Connor den Markt füllen. Da ist es nur schwacher Trost, dass unsere Gesellschaft noch nicht ganz das Niveau von The Truman Show erreicht hat. Ungerechtfertigter Weise war Peter Weirs satirisches Meisterwerk seiner Zeit bei den Oscars außen vorgestanden. Der brillante Hauptdarsteller Jim Carrey war erst gar nicht berücksichtigt worden. Bei einer Konkurrenz wie Shakespeare in Love und Roberto Benigni im Grunde ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht wirkte das von Andrew Niccol beschworene Szenario Ende der Neunziger einfach noch zu phantastisch, als dass man Niccols vorausschauendes Genie entsprechend würdigen konnte. Und genial ist an The Truman Show viel, womöglich alles.

An einem Tag wie jedem anderen macht sich Truman Burbank (Jim Carrey) auf zur Arbeit, als plötzlich eine Beleuchtung vom Himmel fällt. Ein verdutzter Truman denkt sich nicht viel dabei und schon im Wagen werden im Radio die Geschehnisse plausibel erklärt. Kurz noch an den Kiosk, wo die Zeitung tituliert, dass Seahaven der Wohnsitz Nummer Eins der USA sei und eine Modezeitschrift für die Frau gekauft. Eine kurze Begegnung mit den Zwillingen Ron und Don neben einer Werbereklame bringt Truman dann ins Büro. Hier gibt er sich seinen eigenen Träumen hin. Es sind noch 41 Tage bis zu seinem 30. Geburtstag, doch Truman hat Seahaven noch nie verlassen. Der Wunsch nach Fiji zu fliegen wird sowohl von Gattin Meryl (Laura Linney) als auch vom besten Freund Marlon (Noah Emmerich) abgetan. Wieso irgendwo anders leben, wo man es in Seahaven doch so schön hat? Aber nichts ist mehr wie es war für Truman. Spätestens dann nicht, als er seinen für tot geglaubten Vater mitten auf der Straße wiedersieht. Als dieser kurz darauf abgeführt wird, häufen sich für Truman die Verdachtsmomente.

Die Brillanz des hier Gezeigten verdankt sich dem beißend satirischen Unterton, den Regisseur Peter Weir nachträglich von Niccol in dessen Skript, das zuerst als Thriller konzipiert war, einbettete. Das Konzept der Truman Show ist derart gelungen, dass sich Fernsehproduzenten wie Rupert Mordoch oder Aaron Spelling wohl in den Arsch gebissen haben, etwas derartiges noch nicht umgesetzt zu haben. Denn seit beinahe 30 Jahren läuft sie nun, die Truman Show, und das 24 Stunden täglich. “We found many viewers leave him on all night for comfort”, gesteht Christof (Ed Harris), der Regisseur und Schöpfer der Show. Christof stellt gleich zwei Anspielungen dar: einerseits ist er der Schöpfer jener Welt, die Truman nicht anders kennt, und nimmt quasi eine Gott-ähnliche Stellung ein. Dies wird besonders deutlich, als er sich kurz vor Trumans Freiheit per Mikrofon zuschalten lässt und seiner „Schöpfung“ mit den Worten begegnet: “I am the creator“. Andererseits kann Christof auch als Anspielung auf den Künstler Christo angesehen werden, als Verhüller der Wahrheit oder eines ganzen Lebens.

Ohnehin lässt sich The Truman Show exzellent als Beispiel für die Genesis lesen. “The world, the place you live in, is the sick place”, rechtfertigt sich Christof gegenüber Sylvia (Natasha McElhone), einer Gastdarstellerin der Show und Trumans große Liebe. Und in der Tat lebt Truman in einer Art Utopia, einer Welt ohne Gewalt, Kriminalität und Armut. Somit ein Hort des Friedens und für sich genommen ein Garten Eden. Es ist Trumans finale Erkenntnis, die ihm den Verbleib in Eden verwehrt und ihn in die Realität wechseln lässt. Somit stellt Weirs Film ein Exempel für den menschlichen freien Willens dar. War Truman krank, kümmerte sich der Schöpfer um ihn. Drohte Gefahr, wie als Truman unachtsam vor einen Bus läuft, kann Christof einschreiten und seine behütende Hand ausstrecken. Es ist also Trumans (unbewusstes) Opfern seiner Freiheit, die ihm den Schutz seines Schöpfers beschert. Zugleich ist Weirs Film aber auch ein Aufwerfen existentialistischer Fragen nach der Grenze der Realität, wie sie Ende der neunziger Jahre zahlreich (The Matrix, The 13th Floor, Dark City) aufgeworfen wurden.

“We accept the reality of the world with which we are presented”, erklärt Christof die Verblendung von Truman. Und wie fasste es Jim Jarmusch nicht zuletzt in The Limits of Control zusammen: “Sometimes the reflection is far more present than the thing being reflected.” So wie seine Leidensgenossen Douglas Hall in The 13th Floor und John Murdoch in Dark City muss Truman seine Fassade buchstäblich bröckeln sehen. Perfekt dabei Carreys Mimik, als er die Studiokulisse rammt und das Ausmaß seines Käfigs begreift. Dass Menschen über The Real World und Big Brother ihre Privatsphäre freiwillig opfern, ist dabei gegenwärtig nur der Auftakt. Schließlich hadern jene Projekte an dem Selbstinszenierungsdrang der Protagonisten. “You were real. That's what made you so good to watch”, nennt Christof seiner Schöpfung den Grund für den Erfolg. Insofern stellt The Truman Show nur den nächsten großen Schritt dar, den die Unterhaltungsbranche auf ihrer Quotenjagd bewältigen muss. Ein ähnliches Bild beschwörten einige Jahre später auch Matt Stone und Trey Parker in ihrer South Park-Folge Cancelled, welche die Erde als Reality-Show von Aliens für Aliens repräsentiert.

Zum Schreien sind bereits die Vermarktungsansätze, die sich in den gegenwärtigen Medien finden. Allen voran das Product Placement, das gerade von Meryl-Darstellerin Hannah Gill (Laury Linney) propagiert wird. Ähnliches findet sich heute in jedem gewöhnlichen Blockbuster, von Casino Royale bis hin zu The Day the Earth Stood Still. Immer wird der Moment genutzt, um ein Produkt n die Kamera zu halten und seine Vorzüge zu loben. So hat es die Truman Show geschafft, sich allein durch Product Placement zu vermarkten. Von dem Sog, den das Progamm auf die Weltbevölkerung zu haben scheint – Weir beschränkt sich auf wenige Beispiele – ganz zu schweigen. Daher kann The Truman Show auf drei Ebenen betrachtet werden, sei es ein satirisches Zerrbild von Medienethik oder die biblischen oder existentialistischen Ansätze. Zu verdanken ist dies Andrew Niccols pointierten Drehbuch. Phänomenal allein die Versuche, Truman von seinen Fluchtgedanken abzubringen. Wo sonst findet man ein Reisebüro, dass vor Terroristen auf Flügen warnt (ganze drei Jahre vor 9/11) oder einen Blitzeinschlag mit den Worten propagiert: “It could happen to you!“

Jedoch bedauert man, dass Niccol stets nur an der Oberfläche der Dinge bleibt. Schade, dass Trumans Umwelt nie wirklich thematisiert wird. Schließlich arbeiten seine Mutter (Holland Taylor) und auch sein bester Freund Marlon bereits über 20 Jahre mit ihm zusammen. Gerade bei Letzterem wäre ein tieferer Fokus interessant gewesen, besonders wenn man eine geschnittene Szene betrachtet, denn zwischen Marlon-Darsteller Louis, der seit er sieben Jahre alt ist in der Show spielt, und Hannah besteht zumindest in Weirs Film soviel Unterschied nicht. Welche emotionalen Bindungen da zwischen den Schauspielern und Truman entstanden sein müssen, will uns Niccol nicht verraten. Genauso bleibt die juristische Besonderheit, dass ein Unternehmen ein Kind adoptieren kann (und anschließend mit diesem umspringen kann, wie es beliebt), unerklärt und im Nachhinein nur Mittel zum Zweck. Allerdings hätte wohl ein näherer Einblick nicht nur die Laufzeit gesprengt, sondern auch die grundsätzliche Stringenz und Harmonie des thematischen Hauptfadens unterbrochen.

Rückblickend ist es ein meisterlicher Schachzug, die ernste und grundsätzlich tragische Rolle des Truman an Jim Carrey zu geben. Der kommt zwar nicht umhin, gelegentlich in sein übliches Muster zu verfallen, doch ist es Carrey, der dem Film letztlich seinen Stempel aufdrückt. Sowohl Linney als auch Emmerich wissen ihre Nebenparts überzeugend auszufüllen, in kleinen Rollen lassen sich hier bereits Peter Krause und Paul Giamatti bewundern. Für Ed Harris, der erst fünf Tage vor Christofs erster Szene zur Besetzung stieß, sollte sich sein gefälliges Spiel mit einem Golden Globe und einer Oscarnominierung auszahlen. Nicht minder beeindruckend geraten die großartige Kameraarbeit von Peter Biziou sowie die musikalische Untermalung von Burkhard von Dallwitz (allein „Truman Sleeps“ ist wahrlich ein Traum). Trotz einiger weniger zufriedenstellender Dinge ist The Truman Show dennoch ein Meisterwerk seines Genres. Sowohl Satire als auch Drama, zugleich unterhaltsames Medium und Kritik an Unterhaltungsmedien. Ein Film, der noch einige Jahre trotz seines Alters aktuell sein wird.

10/10

30. März 2008

Dirty Sexy Money – Season One

Everybody in this family gets away with everything but me.

Das neue Serienphänomen dürfte im Grunde jedem bekannt sein, der sich etwas mit dem amerikanischen Serienmarkt auseinandersetzt. Hier gibt es im Grunde mehr Angebot, als es die eigene Nachfrage decken könnte und gestandene SchauspielerInnen und Regisseure sind sich nicht mehr zu schade, fürs Fernsehen zu arbeiten. Ganz im Gegenteil eigentlich. Hierbei sind dennoch wichtige Regeln einzuhalten, das ungeschriebene Gesetz des amerikanischen Fernsehens sieht zum einen vor, dass es der Mehrzahl der Serienstars nicht gelingt sich im Kino durchzusetzen (Ausnahme: George Clooney) und dass diese Serienstars meist wieder in anderen Serien landen. Prominente Beispiele sind Courtney Cox (Friends/Dirt), Matthew Fox (Party of Five/Lost) oder Calista Flockheart (Ally McBeal/Brothers & Sisters). Aber man sollte auch nicht einfach einen Kinostar in das Fernsehgeschäft werfen, da auch dies meist scheitert und deswegen durch die berühmten Cameos umgangen wird. Fernsehen und Kino sind somit zwei Medien, die sich gegenseitig bedienen, aber dennoch ein eigenes Leben, unabhängig voneinander führen. Daher agieren Regisseure meist auch nur als Paten, anstatt eine Serie ganz und vollständig zu begleiten, wie es früher bei Joe Dante (Eerie, Indiana) zum Beispiel, der Fall war. Ein Jack Bender (Lost, Alias) ist eine gestandene Seriengröße, der auf der Kinoleinwand bisher nicht in Erscheinung trat. Bryan Singer hingegen stand bereits Pate für den Ärzte-Hit House M.D. und fungiert auch bei Dirty Sexy Money als Produzent. Der Schöpfer der Serie ist jedoch Craig Wright, der sich zuvor bereits durch seine Mitarbeit an Six Feet Under, Lost oder Brothers & Sisters auszeichnen konnte. Wright erschuf eine spritzige, mitunter zynische Serie rund um die Serienetablierten Peter Krause und Samaire Armstrong, gewürzt mit ehemaligen Kinogrößen wie Donald Sutherland und William Baldwin. 

Der New Yorker Anwalt Nick George (Peter Krause) lebt zufrieden mit seiner Frau und Tochter, ist sozial engagiert und im Grunde wunschlos glücklich. Da erreicht ihn die Mitteilung dass sein Vater Dutch, mit dem Nick vor einigen Jahren gebrochen hatte, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Bei der Beerdigung trifft Nick auf die Familie Darling, eine von New Yorks reichsten Familien. Dutch arbeitete für die Darlings als Familienanwalt, was seine gesamte Zeit beansprucht und zur Vernachlässigung von Nick geführt hatte. Nun ist Dutch tot und Familienoberhaupt Tripp (Donald Sutherland) bemüht sich darum, Nick als Anwalt zu gewinnen. Dieser lehnt aus einem ersten Impuls heraus ab, hat er doch an seinem eigenen Vater gesehen, wie sich die Arbeit für die Darlings auf das eigene Familienleben auswirkt. Schließlich folgt er aber der Verlockung des Geldes, denn Tripp sichert Nick zehn Millionen Dollar zu, die dieser karitativen Zwecken spenden kann – eine Chance, die dieser nicht ablehnen kann und will. Ehe er sich versieht, ist er mitten drin im Alltagswahnsinn einer Upper-Class-Familie und muss sich schneller als ihm lieb ist Tag aus Tag ein um die kleinen und großen Wünsche der fünf Darling-Sprößlinge kümmern. Neben den Partywünschen und finanziellen Super-GAUs der Society-Zwillinge Jeremy und Juliet (Samaire Armstrong) darf sich Nick noch um die Affäre des Ältesten und Senators Patrick (William Baldwin) mit einem Transvestiten und das uneheliche Kind von Pfarrer Brian kümmern. Und schließlich ist da noch Karen (Natalie Zea), ehemalige Liebe von Nick, die diesem immer noch hinterher trauert und für Spannungen zwischen diesem und seiner Frau führt. Für Nick primär wichtig ist jedoch herauszufinden, wie sein Vater gestorben ist und wer hinter seinem Tod steckt – ist es Tripp gewesen, ein anderes Familienmitglied oder der ominöse Milliardär Simon Elder (Blair Underwood)?

Es erschließt sich dem Zuschauer bereits in der Pilotfolge von selbst, dass die Darlings ein Abziehbild der US-Milliardärsfamilie Hilton sind, allen voran natürlich Juliet Darling, Party-Blondchen mit Hündchen im Schlepptau. Der Humor der Serie findet sich im Zusammenspiel des rationalen und bodenständigen Nick mit den oberflächlichen und naiven Darlings, running gag hierbei die Einspeicherung verschiedener Klingeltöne für die eigenen Darlings von Nicks Sekretärin (z.B. Hochzeitsmusik bei Karen). Durch die erste Staffel hindurch ziehen sich die kleinen Familiengeheimnisse, jeder der Darlings hat das eine oder andere zu verbergen und Nick wie sein Vater Dutch spielen hierbei eine größere Rolle, wie zu Beginn der Serie offenbart wird. Die Hauptprämisse der Serie war ursprünglich die Aufklärung von Dutchs Tod durch Nicks Arbeit bei den Darlings, doch bereits in der Mitte der ersten Staffel scheint dieses Thema vorerst abgehakt und sich dem Zwist von Tripp und Simon Elder zuzuwenden. Es wird natürlich impliziert, dass beide Themen zusammenhängen, auch wenn sich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau erschließt. Den hervorragenden Eindruck zu Beginn konnte die Serie dann nicht durchweg bestätigen, problematisch hier wahrscheinlich, dass die ursprünglichen zweiundzwanzig Episoden durch den Autorenstreik unterbrochen wurden, weshalb die erste Staffel nunmehr lediglich aus zehn Episoden ohne rechten Klimax besteht.

Als Dramaserie getarnt hält sich das Drama im Grunde in Grenzen, doch auch als Comedyserie lässt sich DSM schwerlich beschreiben, eher schon als Mischung aus beiden, doch vordergründig ein herzliches semi-sozialkritisches Bild einer superreichen Familie. Gerade die Zwillinge offenbaren immer wieder ihre Realitätsferne, wissen überhaupt nicht mit Geld umzugehen und sich unter normalen Menschen „normal“ zu verhalten. In den letzten fünf Episoden kochen die Emotionen zwischen allen Figuren allmählich hoch und die berüchtigte Figur des Simon Elder erhält mit Underwood ein erstaunlich charismatisches Gesicht. Wright beweist auch mit DSM sein Talent für unterschwelligen Humor, der sich nicht offen anbiedert, den er schon in Six Feet Under und Brothers & Sisters einbringen konnte. Krause spielt die Rolle des Familienvaters und Anwaltes überzeugend, ohne sich großartig auszuzeichnen. Die Figuren verlieren sich etwas in ihrer eigenen Oberflächlichkeit, absorbieren das Spiel ihrer Darsteller, sodass allein Armstrong und Sutherland durch ihr Schauspiel insofern herausragen. Nichtsdestotrotz überzeugen auch alle anderen Schauspieler in ihren Rollen, die einzelnen Episoden sind nicht unbedingt spannend, aber in den meisten Fällen durchaus unterhaltsam, auch wenn sie hin und wieder etwas redundant wirken. Der Charme der Serie liegt wohl wirklich in der liebevollen Anbiederung eines High Society Familie wie es die Hiltons sind, mit all ihren Fehlern und Makeln. Diese Welt sieht der Zuschauer aus den Augen der einzigen Figur, mit der er sich identifizieren kann: Nick. Dessen Verhalten erschließt sich einem nicht immer, besonders das Verhältnis zu seinem Vater Dutch wurde bisher unzureichend dargestellt, was die beiden Männer auseinander trieb bedarf noch etwas mehr Tiefgründigkeit – Raum für die 2. Staffel ist vorhanden.

7/10