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27. April 2018

Only the Brave [No Way Out: Gegen die Flammen]

Act like we’ve done it before.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Beratungsunternehmen Gallup mit dem „Engagement Index“ eine Studie, nach der 85 Prozent der Arbeitnehmer kaum eine Bindung zu ihrem Arbeitsgeber haben. Die Folge ist Dienst nach Vorschrift. Buchstäblich Feuer und Flamme für seinen Job sein und dabei Dienst nach Vorschrift verrichten – das schließt sich nicht aus, wie die Waldbrandbekämpfer in Joseph Kosinskis Only the Brave deutlich machen. In Deutschland kommt das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama unter dem Titel No Way Out in die Kinos. Mit dem bilingualen Zusatz „Gegen die Flammen“, um wohl die Verwechslungsgefahr mit dem gleichnamigen Spionage-Thriller von Roger Donaldson aus dem Jahr 1987 zu minimieren.

Kosinski erzählt in seinem dritten Film nach den Sci-Fi-Ausflügen Tron: Legacy und Oblivion von Feuerwehrmann Eric Marsh (Josh Brolin) und seinen Bemühungen, seinen Trupp als Spezialeinheit für Waldbrandbekämpfung – in den USA “Hotshots” genannt – zertifiziert zu bekommen. Als Neuling im Team stößt der drogensüchtige Taugenichts Brendan McDonough (Miles Teller) zum Team, der nach einem One-Night-Stand mit Kindesfolge seine Tochter finanziell unterstützen will.  Gemeinsam mit Duane Steinbrink (Jeff Bridges), dem Chef der lokalen Feuerwehr und Marshs Vorgesetztem, hadern die designierten Waldbrandbekämpfer mit dem Tribut, den sie ihrem Job zollen, während das Familienleben daheim darunter zu leiden droht.

Die Geschichte von Marsh und seinem Team der Granite Mountain Hotshots nahm am 30. Juni 2013 ein tragisches Ende, als fast die gesamte Einheit beim Yarnell Hill Waldbrand ums Leben kam. Das seiner Zeit insgesamt zwölf Tage währende Feuer zerstörte eine Fläche von 34 km2 und das Leben von 19 der Hotshots aus Prescott, Arizona – womit es der tödlichste Waldbrand für Feuerwehrleute in 90 Jahren war. Vom Aufbau und der Struktur her erinnert Only the Brave somit an die jüngeren Werke eines Peter Berg, der in Filmen wie Patriot’s Day, Deepwater Horizon oder Lone Survivor zuletzt gerne reale Tragödien um menschliche Helden inszenierte. Ein Gespür für dieses Genre, das Sci-Fi-Mann Kosinski noch nicht ganz zu besitzen scheint.

Only the Brave erstreckt sich über einen Zeitraum von acht Jahren, ohne dass dies dem Zuschauer wirklich bewusst würde. Das narrative Konstrukt macht dabei durchaus für sich Sinn, wenn wir Marsh sowie seine Männer um Jesse Steed (James Badge Dale) und Christopher MacKenzie (Taylor Kitsch) erstmals im Jahr 2005 begegnen, wo sie noch als Aufräum-Trupp für richtige Hotshots tätig sind. Was folgt, ist in gewisser Weise eine Underdog-Story, die sich jedoch nicht mit vermeintlichen Widrigkeiten für die Feuerwehrleute aufhält. Wie wenig Fleisch die Geschichte im Kern am Knochen hat, zeigt sich schon dadurch, dass Kosinski sie mit allerlei Nebenhandlungen unterfüttert, die für den Verlauf der eigentlichen Geschichte nicht von Relevanz sind.

So ist eines der wiederkehrenden Motive das der Familie und der Opfer, die sie für den Job der Männer zu bringen hat. Man muss seinen Gatten eben mit dem Feuer teilen, weist da eine unterbeschäftigte Andie MacDowell als Marvel Steinbrink ihr Gegenüber Amanda Marsh (Jennifer Connelly) hin. Letztere will eigentlich Kinder, auch wenn ihr Mann von Beginn an deutlich gemacht haben will, dass er sich nicht nach welchen sehnt. Ein emotionales Drama, das sich auch in der intendierten Katharsis von Brendan McDonough widerspiegelt. Wie es mit dem (Familien-)Leben anderer Männer wie dem Familienvater Steed oder auch MacKenzie aussieht, lässt Only the Brave außen vor. Womöglich, um nicht zu viele Bälle gleichzeitig zu jonglieren.

Nicht jede Entscheidung lässt sich hierbei aber gänzlich nachvollziehen. So ist Amanda zu einem Zeitpunkt in einen Autounfall verwickelt und Brendan wird irgendwann während der Arbeit von einer Klapperschlange gebissen. Beide Ereignisse führen nicht wirklich irgendwo hin, legen kein narratives oder charakterliches Fundament. Sie bieten im besten Fall einen kurzen Einblick in den aktuellen Familienstatus der betroffenen Figuren. In der Folge blähen sie den Film, der eigentlich nur auf die dramatische Entwicklung des Yarne Hill Fires hinarbeitet, aber unnötig auf über zwei Stunden auf. Jener Brand, der damals mit der höchsten Gefahrenstufe als Großschadensbrand und als Naturkatastrophe eingestuft wurde, geht unterdessen etwas unter.

Manche Elemente und Metaphern funktionieren sehr gut, zum Beispiel wenn Amanda auf ihrer Farm ein geplagtes Pferd mit Vorgeschichte aufnimmt, während Eric zur selben Zeit Brendan eine neue Chance bietet. Andere Szenen, wie ein in Brand stehender Bär als bebilderte Anekdote, fallen wiederum eher unglücklich aus. Das Ensemble gibt sich immerhin bemüht, von Brolin und Teller über Connelly bis hin zu Hintergrunddarstellern wie Geoff Stults und Ben Hardy. Wäre nur die Handlung etwas runder und packender, die in ihrer jetzigen Form wenig mehr beim Publikum hängen bleibt als der Plot des fiktiven und thematisch ähnlichen Films “Smoke Jumpers” aus der fünften Staffel von HBOs Meta-Hollywood-Serie Entourage.

“Sooner or later, the fire… she’s gonna come a-knocking”, prognostiziert Eric Marsh da an einer Stelle im Film, der durchaus mitunter in Klischeegefilde abdriftet. Kosinski kommt so nicht umhin, nach einem erfolgreich bekämpften Brand eine Krankenschwester schmachtend seufzen zu lassen, wie heldenhaft die Granite Mountain Hotshots seien. Ebenso heldenhaft darf Brendan später wie ein VIP in die lokale Bar eintreten, aus der er zu Beginn noch von den Türstehern gewaltsam entfernt werden musste. Etwas mehr Tiefgang hätte Only the Brave in solchen Momenten nicht geschadet. “What can I live with and what can I die without?”, stellt Duane Steinbrink einmal in den Raum. Eine Antwort auf die Frage liefert der Film aber leider nicht.

Der Zuschauer müsse die Verletzlichkeit der Figur spüren, die den Kern ihres Dilemmas bildet. “Like an onion. Without a core, there’s no layers”, weist Regisseur Verner Vollstedt (Stellan Skarsgård) in der Entourage-Folge Playing With Fire am Set von “Smoke Jumpers” seinen Star Vincent Chase (Adrian Grenier) hin. Ähnlich wie dieser Film liefert Only the Brave auf der einen Seite zwar Brand-Spektakel, dreht sich jedoch im Kern um Menschen mit verschiedenen Ebenen. Und ähnlich wie Verner im „Dienst nach Vorschrift“ von Vincent Chase vermag man als Zuschauer dies in Kosinskis Film nicht ausreichend in Handlung und Charakteren zu erkennen. Selbst wenn die sie spielenden Darsteller für ihren Job Feuer und Flamme sind.

5.5/10

11. Oktober 2015

Sicario

The Fourth of July on steroids.

Unter Präsident Nixon avancierte der Drogenmissbrauch in den USA im Jahr 1971 zum „Staatsfeind Nummer Eins“, im Jahr darauf investierte seine Regierung bereits 600 Millionen Dollar (Inflationsbereinigt also zirka 3,5 Milliarden Dollar). Eine Summe, die seither auf gut 50 Milliarden für das laufende Jahr angehoben wurde. Fast so hoch wird der Umsatz geschätzt, den die mexikanischen Drogenkartelle jährlich mit ihrem Drogenhandel einnehmen. Denkt man an die Präsenz des Drogenkriegs in Mexiko, der gut 90 Prozent der Drogen in den USA besorgt, in den Werken aus Hollywood, fällt einem wohl höchstens Steven Soderberghs Traffic ein. Eine Rolle, die diesem ab sofort Denis Villeneuves Thriller Sicario streitig machen dürfte.

In diesem wird FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) für eine Sondereinheit von Matt Graver (Josh Brolin) angefragt, der als Berater für das Verteidigungsministeriums im Drogenkrieg fungiert. Sie begleitet Graver und dessen Kollegen Alejandro (Benicio del Toro) zu einem vermeintlichen Einsatz in El Paso, der sie tatsächlich auf die andere Seite der Grenze nach Juárez führt. Dort sollen sie einen der Männer des führenden Kartells in die USA überführen. Komplikationen unterwegs wecken in Kate erste Zweifel an der Legalität des Unterfangens, während der Einsatz selbst Graver und Co. auf eine heiße Fährte führt: ein Tunnel zwischen beiden Ländern, den das Kartell für seinen Drogenschmuggel nutzt. Aber heiligt der Zweck die Mittel?

Das gesamte Ausmaß des Drogenkriegs reißt Denis Villeneuve in seinem jüngsten Werk nicht mal im Ansatz an. Ein FBI-Einsatz zu Beginn, der einige Gräuel zu Tage fördert, dient für Macer als Motivation für Gravers Mission. Sein Interesse an der FBI-Agentin, deren Rechtsraum sich nur auf eine Seite der Grenze beschränkt, wird erst im Verlauf des Schlussaktes vollends klar. Die Kernhandlung von Sicario ist derweil relativ simpel gehalten, mit dem Tunnel als Bindeglied und zugleich Zugang zum größten Widersacher der Regierungsvertreter im Film. Viel mehr als von der Geschichte oder ihren Figuren lebt Sicario von seiner Atmosphäre und Intensität. Genauer gesagt von seiner Anspannung, die er mit Beginn evoziert und bis zum Ende hält.

Villeneuve schafft – mit herausragender Mithilfe seines Komponisten Jóhann Jóhannsson – über die zweistündige Laufzeit eine bedrohliche Atmosphäre, in der man das Gefühl hat, es könnte in jeder Sekunde zu allem Möglichen kommen. Und selbst wenn bisweilen, wie im Verlauf des ersten Akts, die Kamera derart offensichtlich platziert wird, dass die folgende Ereignisse vorhersehbar sind, nimmt dies Sicario wenig von seiner nüchternen Rauheit. Dieser Tonfall, dieses von den meisten Figuren zelebrierte Kalkül, ist der eigentliche Star des Films, der so manche Nachlässigkeit in der Ausarbeitung der Handlung oder in der Figurenzeichnung – Macer und Co. kommen nie wirklich über den Status als menschliche Schachfiguren hinaus – ausgleicht.

Hinzu kommt, dass etwaige Szenen für die mexikanische Nebenfigur Silvio (Maximiliano Hernández) aufgewandt werden, die diese Aufmerksamkeit wie sich herausstellen soll nur bedingt, falls überhaupt, verdient. Diese wie auch die ein oder andere weitere Szene hätte Villeneuve vielleicht opfern sollen, um dafür die Wirkung des finalen „Twists“ – falls man diesen überhaupt so nennen kann – etwas mehr zur Geltung zu bringen. Nicht zuletzt, da Sicario ähnlich wie Villeneuves Prisoners einen Tick länger gerät als er unbedingt hätte sein müssen. Auch etwas mehr Einbettung ins größere Ganze des Drogenkriegs und sein Ausmaß hätte nicht geschadet und dem Film sich hierfür fraglos Gelegenheiten geboten, darunter auch in Bezug auf Silvio.

Ungeachtet dessen untermauert Villeneuve sein vielversprechendes Talent, mit dem er bereits Prisoners und den exzellenten Enemy inszenierte. Ein intensiv-packender Thriller, in dem das Schicksal seiner Figuren sich zu jedem Zeitpunkt ändern kann – etwas, das sich auch nicht über jeden Kinobeitrag sagen lässt. Vielleicht inhaltlich etwas weniger kommentierend zum Drogenkrieg wie Soderberghs thematisch dichterer – zugleich jedoch auch mehr belehrender – Traffic, gehört Sicario dennoch zu den positiveren Kinoerlebnissen des Filmjahres 2015. Was ihm an Handlung abgeht, macht er mit Stimmung wieder weg. Vielleicht ja der Auftakt zu mehr Filmen zum Thema Krieg gegen die Drogen – inhaltlich wäre das durchaus gerechtfertigt.

7.5/10

24. September 2015

Everest

Sit down, man. Acclimatize.

Das Einmalige ist preislos – sollte man meinen. In Steven Spielbergs Jurassic Park erkannte die Filmfigur des Anwalts mit dem Dino-Park ein lukratives Geschäft. “We can charge anything we want, 2,000 a day, 10,000 a day, and people will pay it”, frohlockt Donald Gennaro. Für Park-Gründer John Hammond ein No-Go. Jeder habe das Recht, an diesem einmaligen Erlebnis zu partizipieren, findet Hammond. Quasi eine Mischung aus beiden Ansichten vertrat wohl der Bergsteiger Rob Hall, der mit zu den ersten seiner Zunft gehörte, die kommerziell geführte Besteigungen anboten. In diesem Fall am Mount Everest, mit 8.848 Metern der höchste Berg der Erde. Seinen Gipfel zu erreichen ist kein leichtes Unterfangen – vor allem für Nicht-Profis.

Regisseur Baltasar Kormákur widmet sich in Everest nun jenem Everest-Unglück vom 10./11. Mai 1996, als zwei geführten Gruppen gemeinsam den Gipfelsturm in Angriff nahmen. Am Ende sollten acht der 33 Personen ihr Leben auf dem Berg lassen, nachdem zeitliche Verzögerungen und ein Sturm die Pläne der Expeditionsleiter kreuzten. Der Film fokussiert sich dabei auf den bereits erwähnten Rob Hall (Jason Clarke), der in Kathmandu auf seine Klienten wartet, ehe diese in den 40 Tagen bis zur Gipfelbesteigung an die Bedingungen akklimatisiert werden. Zu Halls Gruppe gehören dabei neben dem Journalisten Jon Krakauer (Michael Kelly) auch der Pathologe Beck Weathers (Josh Brolin) sowie der Postbote Doug Hansen (John Hawkes).

Für Hansen war es ein erneuter Anlauf, den Gipfel des Everest zu erreichen, nachdem ihn Hall in der Vergangenheit bereits zu einer Umkehr gezwungen hatte. Währenddessen bereiten Hall einerseits die Schwangerschaft seiner Frau Jan (Keira Knightley) Sorgen, für deren Entbindung er wieder zurück in seiner Heimat Neuseeland sein möchte, aber auch die Vielzahl an geführten Expeditionen, die an seinem eigenen designierten Termin (10. Mai) zum Gipfel wollen. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, legt Hall seine Führung mit der seines Konkurrenten Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) zusammen. Doch bereits im Verlaufe des Aufstiegs zwischen den verschiedenen Basiscamps zeichnen sich Spannungen und Problemfelder ab.

Das in – weitestgehend verschenktem – 3D gedrehte Abenteuer-Drama teilt sich von seiner Dramaturgie in zwei Hälften auf: die zum Aufstieg führende und die den Abstieg begleitende. Zwar nimmt Rob Hall dabei die Rolle der Hauptfigur ein, doch angesichts der Vielzahl von Figuren – Emily Watson spielt Halls Basiscamp-Leiterin und Elizabeth Debicki dessen Arzt, Sam Worthington einen befreundeten Bergsteiger – gerät Everest mehr zu einem Ensemblefilm. Dies gereicht ihm durchaus zum Vorteil, selbst wenn in dessen Folge vielschichtige Figuren wie Krakauer oder Fischer und ihre Motive fraglos weniger beleuchtet werden, als vielleicht möglich gewesen wäre. Nur: Everest will keine persönliche, sondern eine kollektive Geschichte erzählen.

Es ist also nicht zwingend von Bedeutung, welche der vielen vermummten Personen nun wer ist oder wo genau sich jede einzelne von ihnen gerade am Gipfel befindet. Eine räumliche Aufteilung der entscheidenden Figuren wird auch aufgrund von klarer Farbunterlegung deutlich, weiß man, wer und wo Hall, Hansen, Fischer und Weathers sind. Besonders wenn der Sturm den Everest erreicht, steigert sich Kormákurs Film nochmals, überlässt der Regisseur jegliche narrative Dramaturgie ganz den unglücklichen Ereignissen von 1996. Obschon man Everest vorwerfen kann, dass er viele Umstände ziemlich subtil interpretiert und erklärt, der Film jedoch bereits die Vorfälle von damals auf zwei Stunden komprimiert und Figurenmomente kürzt.

Die Dosierung der vielen Hollywood-Stars – Robin Wright taucht auch noch in einer Nebenrolle als Weathers’ Ehefrau auf – beherrscht Kormákur gekonnt. Der Umstand, dass Christian Bale, der ursprünglich Hall spielen sollte, ausschied und der Film somit charakterlich dezentralisiert wurde, avanciert zum Qualitätsmerkmal. Wer generell dem Subgenre mit solchen Filmen wie Touching the Void nicht abgeneigt ist, der wird auch bei Everest auf seine Kosten kommen. Wobei angesichts der wahren Begebenheiten – wie so oft – auch eine Dokumentation nicht verkehrt gewesen wäre. Dort hätte man auch die Kritik an der Kommerzialisierung der Everest-Besteigung verstärken können. Denn nur weil etwas da ist, muss es nicht jeder gleich besteigen.

7/10

16. August 2011

The Tillman Story

I’m Pat-fucking-Tillman.

Kriegshelden finden immer dann nützliche Verwendung, wenn es mit der Moral daheim nicht so gut bestellt ist. Und wer kein Kriegsheld ist, wird eben zu einem gemacht. Wie im Fall von Pat Tillman Jr., dem Poster-Boy der US-Armee, der seine NFL-Karriere fürs Vaterland aufgab und dies mit dem Leben bezahlte. Amir Bar-Lev arbeitete die Hintergründe der Geschehnisse auf – und welche Rolle die US-Regierung bei Tillmans Tod spielte. Einen Menschen wie es Pat Tillman Jr.  war, könnte man nicht backen, selbst wenn man wollte. Ein stählerner Kerl von 1,80 Meter, strammer Oberkörper, tough, risikofreudig. Ein Outdoor-Typ, gutaussehend, sympathisch, freundlich, intelligent und fürsorglich. Pat lernte seine Frau Mary im Alter von vier Jahren kennen, seit der Schule waren sie ein Paar, heirateten mit 25.

Für seine jüngeren Brüder war Pat ein Idol, jemand, zu dem sie aufblicken konnten. Für das Football-Team der Arizona Cardinals ein unverzichtbarer Defensivspieler, der besser dotierte Angebote von Konkurrenten ausschlug. Kurzum: Pat Tillman war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Das wurde den Amerikanern spätestens bewusst, als der NFL-Spieler nach den Attentaten des 11. September 2001 einen Vertrag über 3,6 Millionen Dollar ablehnte und sich stattdessen mit Bruder Kevin im Juni 2002 zur Armee meldete. Er war „eine Person der Öffentlichkeit, die sich nicht scheute, offen ihre Meinung zu sagen“, verrät uns Schauspieler Josh Brolin, der in The Tillman Story den Erzähler gibt. Aber warum er entschloss, in den Krieg zu ziehen, bleibt ein Geheimnis. Wie auch fast der Umstand seines Todes.

Am 22. April 2004 starb Pat Tillman während eines neuerlichen Einsatzes in Afghanistan. „Zerfetzt in einem Sturm von Hunderten Kugeln“, berichtete Uwe Schmitt ein halbes Jahr später für Die Welt. Seine Rangers-Einheit sei angegriffen worden, hieß es, und Tillman wäre so tapfer gewesen, dass Amerika seinem berühmtesten Soldaten anschließend nicht nur das Purple Heart verlieh, sondern sogar den Silver Star, die dritthöchste Auszeichnung, die ein Soldat erhalten kann. Dass es Tillmans Kameraden waren, die ihn erschossen, kam erst fünf Wochen später heraus. Der Ex-Soldat Stan Goff, mit langjähriger Erfahrung (u.a. in Nicaragua), beschreibt die Stimmung unter den jungen Soldaten der US-Armee als “locker room atmosphere”. 19-Jährige wollen nicht nachdenken, sie wollen ihre Grenzen ausreizen.

Und selbst als die Army Rangers wussten, dass sie es mit ihren eigenen Leuten zu tun hatten, beendeten sie nicht ihr Feuer auf ebendiese. „Ich war aufgeregt“, begründete einer von ihnen, ein anderer gab zu Protokoll: „Ich wollte einfach weiter im Gefecht bleiben.“ Dass ihnen einer ihrer Kameraden zurief, er sei “Pat-fucking-Tillman”, störte sie dabei nicht weiter. Für die Bush-Regierung war ein toter Tillman genauso gut wie ein lebendiger – wenn nicht gar besser. Sein Tod müsste nur richtig instrumentalisiert werden. Für Vaterland und Ehre sei der Football-Star gestorben. Für die Freiheit des amerikanischen Volkes. Tillman wurde in der Folge von der Armee zum Kriegs-, von den Medien und der Nation zum Volksheld deklariert. „Jeder wollte ein Stück von ihm haben“, erinnert sich sein jüngster Bruder Richard.

„Würden die irgendwas über meinen Sohn wissen, hätten sie nicht getan, was sie getan haben“, klagt Tillmans Mutter. Ein Einzelfall war dies jedoch nicht. Bereits ein Jahr vor Tillmans Tod hatte die Armee eine Rettungsmission für Private First Class Jessica Lynch organisiert, die von irakischen Truppen entführt worden war. Die Rettungsmission wurde jedoch so lange hinausgezögert, bis eine Kamera vor Ort war, die das Ganze für die heimische Bevölkerung aufzeichnen konnte. „Es musste zu einer Moralität werden“, urteilt Ex-Soldat Stan Goff. Nur widerstrebend gestand die Regierung die Vertuschung von Tillmans Tod durch den Eigenbeschuss ein, jahrelang versuchte unterdessen Tillmans Familie vergeblich, die wahren Schuldigen in Regierungskreisen zur Verantwortung zu ziehen.

Amir Bar-Lev arbeitet die Geschehnisse um Tillman chronologisch auf und bewahrt so die natürliche Dramaturgie der Geschichte. Immer mehr Details der Vorfälle kommen ans Tageslicht, Archivmaterial wechselt zu Talking Heads der Familie und Kameraden, während das heroische Bild von Tillman immer gewaltiger wird. Er selbst war Agnostiker, aber religiösen Menschen gegenüber aufgeschlossen und plante, 2004 den Demokraten John Kerry zu wählen, nachdem er während eines Einsatzes im Irak den dortigen Krieg als illegal bezeichnet hatte. Wie ein medizinischer Bericht festhielt, wurde Tillman angeblich drei Mal aus nächster Nähe in den Kopf getroffen. Seine Familie berichtet, dass er sich bei seinem nächsten Heimaturlaub mit dem erklärten Kriegsgegner und Philosophen Noam Chomsky treffen wollte.

Zum Glück spart sich The Tillman Story Verschwörungstheorien, die auf einen vorsätzlichen Mord am Poster-Boy schließen, um dessen kritische Stimme zum Schweigen zu bringen. Auch wenn sich Bar-Lev am Ende nicht ganz eines klassischen Verschwörungsdiagramms (bis zum erwarteten Kingpin) verwehren kann. Ansonsten ist The Tillman Story ein packender, spannender, teils schockierender und zugleich bewegender Film über eine starke Familie geworden, die nur die Wahrheit über den Tod ihres Sohnes erfahren wollte und damit schon zu viel von ihrer Regierung verlangte. Zugleich gelang Bar-Lev ein entblößendes Dokument über den verlogenen Charakter dieser Regierung und die gefährliche Natur vieler US-Soldaten, die für sie im Nahen Osten kämpfen. Klar ist: Pat Tillman war ein Kriegsheld. Nur fiel er nicht den Taliban zum Opfer, sondern seiner Regierung.

9/10

24. Februar 2011

True Grit

You give out very little sugar with your pronouncements.

Wie viele große Hollywood-Stars war auch Marion Robert Morrison, besser bekannt unter seinem Bühnennamen John Wayne, eine ambivalente Figur. Mit problematischen Äußerungen über US-amerikanische Ureinwohner, Afroamerikaner und Sozialismus machte sich Wayne nicht nur Freunde (so hatte Josef Stalin einst ein Attentat auf ihn geplant). Dennoch galt Wayne vor allem als Patriot und wurde verständlicherweise zur US-Ikone. Seinen einzigen Oscar erhielt er dabei für seine Rolle in True Grit. Dass dieser nun ein Remake erfährt, das nicht als Leichenfledderei anmutet, verdankt man sicherlich den Umständen. Zuvorderst ist True Grit weniger ein Remake denn eine weitere Adaption des gleichnamigen Romans von Charles Portis.

Seit dem Oscar-Erfolg von No Country For Old Men gelten sie als die Unfehlbaren. Auch der jüngste Western der Coens ist wieder für unzählige Academy Awards nominiert und zugleich der erfolgreichste Film ihrer Karriere. Die Coen-Brüder Ethan und Joel orientierten sich in ihrer Version von True Grit mehr an der Vorlage als dies bei der Wayne-Verfilmung auf der Agenda stand, ohne es jedoch zu versäumen, John Wayne entsprechend Reverenz zu erweisen. So folgt auf den Duke in der Hauptrolle nur konsequent der Dude. Nach seinem Oscar als bester Hauptdarsteller in Crazy Heart kann Jeff Bridges, ohnehin mit einem Sympathienimbus ausgestattet, kaum Respektlosigkeit gegenüber der Rolle vorgeworfen werden.

Im Gegenteil, schnallt er sich doch sogar jene Augenklappe um, die der einäugige Held in Portis’ Roman vermissen lässt. Sowieso rückt Waynes True Grit in weite Ferne, bedenkt man, dass den Coens nicht nur der finanziell einträglichste Western seit Kevin Costners Dances With Wolves gelang, sondern – mit einem Einspielergebnis jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke sowie zehn Oscarnominierungen – zugleich ihre bisher erfolgreichste Arbeit. Gewohnt schwarzhumorig erzählen sie in True Grit die Geschichte der 14-jährigen Mattie Ross (Hailee Steinfeld), die den versoffenen, einäugigen US-Marshal Rooster Cogburn (Jeff Bridges) für 50 Dollar anheuert, um Tom Chaney (Josh Brolin), den Mörder ihres Vaters, zu überführen.

Auf ihre Suche nach Chaney erfahren sie zusätzliche Unterstützung durch den Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon). Obschon sich auch hier wieder viele stilistische Merkmale der Brüder finden lassen – von den schrulligen Figuren wie Cogburn und LaBoeuf bis hin zu schnellzüngigen Tischdialogen –, leidet True Grit zugleich an den damit oft Hand in Hand gehenden narrativen Unausgewogenheiten. Die eigentliche Handlung wirkt bisweilen sehr konstruiert, und die Coens versäumten es, sie inhaltlich kohärenter oder zumindest glaubwürdiger zu gestalten. So trabt Mattie in einer charakterbildenden Szene mit ihrem Pony durch einen Fluss, während zuvor Cogburn und LaBoeuf für dessen Überquerung eigens einer Fähre bedurften.

Auch die Einleitung zur finalen Klimax erinnert stark an Deus ex machina. Wie so oft bleiben dem Zuschauer die Charaktere emotional weitestgehend unnahbar. Bridges’ versoffener Marshal wirkt in der Tat so, als ob der Dude einen auf Duke macht, wohingegen Damons selbstüberzeugter LaBoeuf in seiner karikierten Art wie ein Spiegelbild seiner Role aus The Informant! wirkt. Über beide Figuren lässt sich allenfalls schmunzeln, über ihre Katharsis im Finale dagegen weniger. Klare Identifikationsfigur soll und muss daher die von Hailee Steinfeld (sehr überzeugend) gespielte Mattie sein, deren Vendetta angesichts ihres Alters und der bereitwilligen Vernachlässigung von Seiten ihrer Mutter allerdings etwas leicht befremdlich anmutet.

Dass die Coens zudem interessante Figuren wie Brolins Chaney oder einen Lucky Ned Pepper (Barry Pepper) in ihrer Eindimensionalität vergammeln lassen, ist da umso bedauerlicher. Von technischer Seite ist True Grit jedoch wie alle Coen-Filme über jeden Zweifel erhaben. Zeigte sich bereits in Andrew Dominiks phantastischem The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford, dass die verwahrlosten Weiten des Wilden Westens eine metaphorisch dichte und atmosphärisch stimmige Kulisse abgeben, wird dies von Roger Deakins’ kalten Bildern nochmals untermauert. Carter Burwells Komposition zählt, auch wenn sie manch humoristischen Aspekt konterkariert, ebenfalls zu den gelungensten Eigenschaften dieses Films.

Wären die Werke der Brüder von inhaltlicher Seite stets ebenso gekonnt in Szene gesetzt wie dies bei Kamera, Licht, Schnitt und Musik der Fall ist, hätte auch das Publikum mehr davon. „Joel und Ethan Coen stehen für erstklassiges amerikanisches Independent-Kino“, hat Dieter Kosslick über den diesjährigen Berlinale-Eröffnungsfilm verlautet. Mit Independent-Kino haben die Coens  seit Intolerable Cruelty aber wenig zu tun, kosteten ihre letzten fünf Filme im Schnitt doch fast 40 Millionen Dollar. Allerdings zeigt Kosslicks Äußerung sehr gut, dass die Coens seit No Country For Old Men als “larger than life” verklärt werden. Letztlich ist True Grit eine solide Western-Komödie, erstklassig inszeniert, aber mit manch narrativem Fauxpas.

6/10

1. Dezember 2010

You Will Meet a Tall Dark Stranger

Life was full of sound and fury - and in the end, signified nothing.

Seinem Macbeth legte Shakespeare das Urteil in den Mund, dass das Leben eine Geschichte sei, „von einem Idioten erzählt, voller Schall und Raserei, ohne Bedeutung“. Wenn man so will, nahm sich Woody Allen für seinen 41. Spielfilm in 44 Jahren jenes Shakespeare-Zitates an und verfilmte es sehr selbstironisch. Sein You Will Meet a Tall Dark Stranger ist eine Geschichte über das Leben und über die Liebe, voller Schall und Raserei, letztlich jedoch ohne Bedeutung. Es ist eine klassische allensche Geschichte, die der 75-jährige Auteur dem Publikum präsentiert. Aufgemacht wie immer mit weißem Windsor Elongated auf schwarzem Hintergrund, präsentiert der New Yorker sein Darstellerensemble in alphabethischer Reihenfolge. Und wie so oft, sind illustre Namen darunter, wie Naomi Watts, Anthony Hopkins, Josh Brolin und Antonio Banderas.

Es geht um zerrüttete Ehen, sei es die von Alfie (Anthony Hopkins) und seiner Frau Helena (Gemma Jones), die sich nach 40 Jahren scheiden lassen, oder die ihrer Tochter Sally (Naomi Watts) mit ihrem Mann Roy (Josh Brolin), einem gescheiterten Schriftsteller. Während sich Alfie nicht so alt fühlt, wie er ist, und deswegen eine neue Ehe mit der halb so alten Prostituierten Charmaine (Lucy Punch) eingeht, will Roy dem Kindeswunsch von Sally nicht nachkommen und verliert sich stattdessen in voyeuristischen Blicken ins gegenüberliegende Schlafzimmer der Nachbarin Dia (Freido Pinto). Auch Sally entwickelt Gefühle für jemand anders, namentlich ihren Chef und Galeriebesitzer Greg (Antonio Banderas), der ebenfalls unter seiner zerrütteten Ehe leidet. Helena gibt sich derweil ganz den Prophezeiungen der Wahrsagerin Cristal hin.

Im Folgenden wechselt der Film nun die Perspektiven der vier Familienmitglieder, wobei es ihm gelingt, allen gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken. Angefangen mit Alfie, einem klassischen Fall von (später) Midlife Crisis. Während sich Helena so alt fühlt, wie sie ist, strebt Alfie die gegensätzliche Richtung an. Der Scheidung folgen Besuche im Fitness-Center, Sonnenstudio, Zahnbleichung und ein Sportauto. Da versteht es sich von selbst, dass das Ganze in der Beziehung zu einer jüngeren Frau enden muss, die so alt wie seine Tochter ist. Das verbindet Alfie in gewisser Weise mit anderen allenschen Figuren wie zuletzt Larry Davids Boris in Whatever Works, nur dass in diesen Fällen immerhin ein gewisses Maß Gegenliebe vorhanden war. Vermutlich weil Alfie nicht vom selbstironischen Witz der allenschen Intellektuellenfigur beseelt ist.

Was ihn wie seine übrigen Familienmitglieder eint, ist die Angst vor dem Alleinsein. Speziell Helena befällt diese, weshalb sie die vermeintliche Scharlatanin Cristal aufsucht. Deren Prophezeiungen wirken sich im Laufe des Filmes vor allem für Roy und Sally noch negativ aus, wobei gerade Sally jenen Hokuspokus anfangs unterstützt. Dagegen sind Nebenfiguren wie die Musikstudentin Dia weitaus charakterloser. Von ihr erfährt man letztlich nur, dass ihr Verlobter beim Auswärtigen Amt in Brüssel arbeitet und deshalb die meiste Zeit abwesend ist. Wieso sich daraufhin Gefühle - ausgerechnet - für Roy entwickeln, bleibt ein Rätsel und vermutlich eher Mittel zum Zweck. Ähnlich verhält es sich mit Antonio Banderas’ Galeriebesitzer Greg, der scheinbar mit Sally in einer Szene nur deswegen flirtet, damit diese sich wiederum in romantische Gefühle verrennen kann.

Obschon Tall Dark Stranger wie die meisten Filme von Allen nur rund 90 Minuten dauert, ist sein jüngstes Werk zugleich eines seiner Langatmigsten. Nach zuletzt Whatever Works und Vicky Cristina Barcelona, verschlägt es den Auteur erneut nach London. Hierbei ähnelt die Atmosphäre am ehesten Cassandra’s Dream, auch wenn die Thematik der klassischen allenschen Komödie entspricht. Vielleicht liegt es am unterkühlten und etwas bieder wirkenden London, dass die vierfache Liebes- und Lebenskrise nicht richtig in Fahrt kommt. Eventuell ist dies jedoch auch auf die zumeist unsympathischen Figuren zurückzuführen. So erfährt man von Roy zwar, dass er erst nach seinem Medizinstudium Schriftsteller wurde (anfangs sogar ein Vielversprechender), aber was ihn genau von der Medizin zur Literatur trieb, bleibt im Dunklen.

Bei seiner Ehefrau ist es dasselbe. Zwar verfügt sie über ein Kunststudium, scheint aber beruflich dennoch in einer Sackgasse zu stecken (Roy deutet in einer Szene an, dass sie zuvor bereits aus drei anderen Jobs ausgestiegen ist). Egal ob der bemitleidenswert jüngliche Alfie, die extrem naive Helena, der hoffnungslose Roy oder die verloren wirkende Sally - sie alle werden zwar gut gespielt und interpretiert (Lucy Punch setzt neben Gemma Jones besondere Akzente), vermögen jedoch selten zu greifbaren Figuren zu avancieren, deren Verhalten nachvollziehbar ist oder mitreißen kann. Dass Allen seine Geschichte dabei offensichtlich als shakespearesches Stück anlegt (oft untermalt von bardischer Musik, die jedoch eher nervt) - und somit in gewissen Sinne der Tradition seiner Filme wie Mighty Aphrodite folgt -, hilft ebenfalls wenig.

Von seinen Londoner Werken ist dies klar sein schwächster Beitrag, der jedoch immerhin runder daherkommt als sein jüngster Ausflug zurück in den Big Apple. Zwar zeichnen den Film zahlreiche allensche Merkmale aus, doch ein wirklich stimmiges Ergebnis will in diesem Fall am Ende nicht dabei herauskommen. Dass es schlussendlich zu einem etwas absurden Ende kommt (auch wenn Allen an sich weiterhin dem shakespeareschen Einfluss folgt), wirkt ebenfalls reichlich bitter-süß. Insgesamt entschuldigt den Film auch nicht die eingangs angesprochene unterstellende Prämisse, dass es sich bei You Will Meet a Tall Dark Stranger um eine selbstironische Adaption von Shakespeares Macbeth-Zitat handelt. Denn auch wenn Woody Allen hier einen bedeutungslosen Film über Schall und Raserei inszeniert, macht das ebenjenen Film deshalb noch nicht zu einem Guten.

6.5/10

20. Februar 2009

Milk

A homosexual with power... that's scary.

Letztes Jahr wurde in Kalifornien dem Antrag 8 stattgegeben, der es Homosexuellen untersagt, gleichgeschlechtliche Ehen einzugehen. Schon 2003 hatte der damalige US-Präsident George W. Bush klargemacht, dass seiner Ansicht nach die Ehe für Mann und Frau vorbehalten sei. Dabei sind gleichgeschlechtliche Ehen heutzutage in vielen aufgeklärten Ländern wie Deutschland oder Kanada Alltag, doch in Amerika ticken die Uhren der größtenteils konservativen Gesellschaft eben anders. Dabei wurde dreißig Jahre zuvor ein kleiner Sieg errungen, gegen einen ähnlich kontroversen Antrag. Dieser, namentlich Antrag 6, sah die Entfernung aller Homosexuellen und deren Unterstützer aus dem Schulwesen vor. Denn homosexuelle Lehrkräfte erzeugen homosexuelle Schülerinnen und Schüler – so die Befürchtung einiger Erzkonservativer wie John Briggs oder Anita Bryant. Der Antrag wurde in Kalifornien abgelehnt, doch der vermeintliche Fortschritt erfuhr dreißig Jahre später einen bitteren Rückschlag.

Eine der zentralen Figuren in der damaligen Bürgerbewegung war der homosexuelle Stadtrat Harvey Milk. Oder besser gesagt, der erste sich öffentlich zur Homosexualität bekennende städtische Beamte. Nach mehreren Versuchen Mitte der siebziger Jahre gelang es Milk schließlich 1977 ins Amt eines Stadtrates gewählt zu werden. Allerdings wurde der damals 48-Jährige nach nur elf Monaten im Amt von seinem ehemaligen Kollegen Dan White erschossen. White, der zuvor von seinem Amt zurückgetreten war und dieses wenige Tage später wieder rückgängig machen wollte, erschoss am 27. November 1978 nicht nur Harvey Milk, sondern auch seinen Vorgesetzten und San Franciscos Bürgermeister George Moscone. Für Aufsehen sorgte schließlich Whites Verurteilung, in welcher er die Todesstrafe umschiffte, basierend auf der Verteidigung, er habe einen Zuckerschock durch Fast Food erlitten und dieser hätte in einer Depression gemündet. Urteile, wie sie nur in Amerika zu Stande kommen. Rob Epstein würdigte dem Leben von Harvey Milk 1984 mit The Times of Harvey Milk ein dokumentarisches Denkmal und wurde dafür mit einem Academy Award ausgezeichnet. Nun, fünfzehn Jahre später, ist Milk, ein Spielfilm von Gus Van Sant, ebenfalls bei den Academy Awards vertreten.

Die Verfilmung von Harvey Milks Aufstieg endete wie so viele Hollywood Produktionen in der Entwicklungshölle. Zu einem Zeitpunkt war Oliver Stone daran interessiert das Projekt zu übernehmen, dann wanderte es von den homosexuellen Regisseuren Bryan Singer zu Gus Van Sant. Dieser wollte den Film zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit verschiedenen Darstellern in der Rolle von Milk umsetzen. Darunter waren Robin Williams, Richard Gere und Daniel Day-Lewis. Schließlich ging der Part an Charakterdarsteller Sean Penn und die Nebenrolle von Dan White wurde an Josh Brolin übergeben, der Matt Damon ersetzte, weil dieser aus zeitlichen Gründen unabkömmlich war. Mit einem ziemlich bescheidenen Budget von 15 Millionen Dollar wurde Milk an zahlreichen realen Schauplätzen gedreht, darunter der berühmten Castro Street in San Francisco und in Milks damaliger Wohnung. Mit Nominierungen in acht Kategorien blickt Gus Van Sants Rückkehr zu kommerziellen Pfaden nach Indie-Dramen wie Elephant und Paranoid Park hoffnungsvoll zur Verleihungen des prestigeträchtigsten Preises des Jahres.

Van Sant platziert Harvey Milk (Sean Penn) als den Erzähler seiner eigenen Geschichte, indem er den Film durch Milks Aufzeichnung seines Testamentes, neun Tage vor seiner Ermordung, ein- und ausleiten lässt. Über dieses Stilmittel, welches gemeinsam mit der Darstellung des Vorabends von Milks Tod fast schon Züge einer Kassandra einnimmt, lässt sich sicherlich streiten. Wirklich nötig war dieser narrative Faden nicht und oftmals wirkt er im Erzählfluss etwas störend. Ohnehin ist Van Sant der ganze Einstieg in seinen 13. Film (seine beiden Beiträge zu zwei Episodenfilmen nicht mitgezählt) eher misslungen. Von der ersten Einstellung des Kennenlernens von Milk und seinem Lebenspartner Scott (James Franco) wechselt das Bild anschließend direkt in eine neue Lebensphase des gebürtigen New Yorkers. Mit langen Haaren und wildem Bart machen sich die beiden Männer auf nach San Francisco, klar im Hippie-Wahn aber ohne den Weg dahin zu reflektieren.

Anschließend kaufen sich die beiden ihr eigenes Geschäft und es ist durchaus charmant, wenn der Regisseur sie vor diesem schmusend ablichtet, während in der Innenscheibe des designierten Kameraladens ein Schild mit der Aufschrift „Yes, we’re open“ hängt. Doch das Vorspulen durch Milks prä-politische Phase geht weiter. Die Diskriminierungen gegen Homosexuelle nehmen zu und finden schließlich auch ein Todesopfer. Auch hier weiß Van Sant durch eine nahezu brillant eingefangene Szene von Milk und einem Polizeisprecher in der Reflektion einer Trillerpfeife (die eigentlich zum Schutz der Homosexuellen gedacht war) zu gefallen. Drehbuchautor Dustin Lance Black versucht überdeutlich in wenigen Szenen das Vorleben Milks zu zeigen, doch wirken diese Augenblicke stark überhastet und lassen die Motivationen und Intentionen der Figuren nicht immer deutlich werden. Ein Einstieg direkt bei der ersten Kandidierung unter Bezugnahme auf die vorangegangenen Ereignisse in Dialogform wäre wahrscheinlich empfehlenswerter gewesen.

Auch bei der Interpretation von Milks Tod tritt Van Sant in das eine oder andere Fettnäpfchen. Der prophetische Besuch der unheilsvollen Oper Tosca am Vorabend seiner Ermordung und Verbindung mit Milks letztem Moment vor seinem Tod ist derartig kitschig, dass es schon beinahe widerlich ist. Dabei wäre auch diese Schwäche wie die anderen sehr leicht abwendbar gewesen und wären dem Film zu Gute gekommen. Denn in den neunzig Minuten zwischen Einleitung und Schluss ist Milk ein geradliniges und mitreißendes Biopic. Milks unermüdlicher Kampf zu der erstrebten politischen Position und sein Effekt auf seine Umgebung werden anschaulich portraitiert. Auf der Strecke bleiben dafür dann jedoch sein eigenes Innenleben, seine Zweifel und seine emotional schwachen Momente, insbesondere jedoch eine genauere Beleuchtung prinzipiell aller Nebenfiguren. Hat Scott zu einem Zeitpunkt keine Lust mehr auf Harvey politische Agenda, taucht er plötzlich wieder bei einem Treffen auf, sitzt in der Mitte, quasi als wäre er nie abwesend gewesen.

Mit der Kameraarbeit von Harris Savides war ich selbst nicht immer zufrieden. Ich hätte mir ruhigere Bilder und mehr Totalen gewünscht, anstatt dass Milk quasi in jeder Einstellung den Mittelpunkt stellte (selbst wenn der Film Milk heißt und sich auf diese Figur konzentriert). Dagegen wusste Danny Elfmans Score meinen Geschmack zu treffen, da er sich sehr harmonisch mit den Bildern funktioniert und weit weniger aufdringlich ist wie in manch anderen Filmen des letzten Jahres (z.B. Changeling). Ein großes Lob gebührt auch dem Darstellerensemble, selbst wenn ich – perfide wie ich bin – Damon in der Rolle von White gegenüber dem robusteren Brolin für geeigneter gehalten hätte. Die Nebendarsteller von Franco über Diego Luna bis hin zu Emile Hirsch machen ihre Sache, wie auch Brolin, gut. Doch gegen die Sean Penn-Show haben auch sie keine Chance. Seine nasale Stimme ist zwar nicht in jeder Szene mein Fall, aber man muss eingestehen, dass Penn hier oftmals eine starke Darbietung liefert, die sich über viele seiner durchschnittlichen (so auch Mystic River) hebt.

Letztlich ist Milk ein gutes Biopic, mit einem starken Mittelteil aber unzureichenden Außenstücken. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass Van Sants Film gerade für Amerika ein wichtiger und bedeutender Film sein dürfte. Speziell dahingehend, dass er im selben Jahr erschienen ist, wie dem Antrag 8 zugestimmt wurde. Erschreckend, wie wenig weit es die Gleichberechtigung Homosexueller in den USA innerhalb von dreißig Jahren geschafft hat und wie nötig man auch heute noch einen Mann wie Harvey Milk hätte.

8/10

14. Februar 2009

Kurz und Knackig: For Your Consideration?

The Visitor – Es gibt sie noch, die kleinen aber feinen, stets unscheinbaren, Dramen. Da zelebriert Thomas McCarthy in seinem zweiten Spielfilm einen gebrochenen College-Professor (Richard Jenkins), der durch ein unerwartetes Ereignis wieder lernt, das Leben zu schätzen. McCarthy nimmt sich all die Zeit, die er braucht, um die bizarre Freundschaft zwischen Vale, dem Professor, und Tarek (Haaz Sleiman), einem illegalen Einwanderer, zu erzählen. Als roter Faden dient hierbei die Musik (per se), die den Film ein-, wie ausleitet- und zugleich den Initiator für die Männerfreundschaft bildet. Äußerst gelungen vollzieht The Visitor dann die Kehrtwende zum Post-9/11-Drama. Als der Syrier Tarek ohne nachvollziehbare Gründe in der New Yorker U-Bahn verhaftet, interniert und letztlich abgeschoben wird. „You can’t treat people like that“, schreit Vale zu einem Zeitpunkt einen der Wärter und damit quasi das amerikanische System an. Ein System, dass schon lange nicht mehr richtig funktioniert. Somit fungiert McCarthys Film als Rückbesinnung, dass nicht alles (oder jeder) Fremde unbedingt schlecht sein muss und dass das Leben nicht verharrt, sondern stets weiter geht. Getragen wird das Ganze dann praktisch allein von Richard Jenkins, der eine formidable Leistung abliefert. Ein wenig mehr Tiefe in das Innenleben der Figuren hätte dem Drehbuch dann allerdings auch nicht geschadet. Dennoch ein guter Film: 7/10.
  Frozen River – Ein weiteres Indie-Werk entstammt der Feder von Courtney Hunt, die mit Frozen River ihr Drehbuch- und Regiedebüt gibt. Ihre Geschichte von einer White Trash Mutter, die aus Geldnöten gemeinsam mit einer Mohawk-Kriminellen illegale Einwanderer über einen gefrorenen Fluss schmuggelt. Hier prallen nicht nur zwei Kulturen aufeinander, sondern hier wird auf die Vielschichtigkeit der sozialen Zwiebel deutlich. Das Resultat ähnelt dann doch sehr McCarthys The Visitor, denn der Film wird fast ausschließlich von Hauptdarstellerin Melissa Leo getragen – die nebenbei bemerkt eine grandiose Leistung abliefert -, knabbert jedoch ebenfalls an seiner bisweilen fehlenden Tiefe. Die Umstände aller Figuren werden nicht immer deutlich, beziehungsweise hätten noch deutlicher gemacht werden können. Warum haut zum Beispiel der Ehemann ab und inwieweit ist die Familie jetzt von den Schulden geplagt? Misty Uphams Lila bleibt als Mohawk-Frau auch erschreckend unterrepräsentiert in ihrer Charakterausarbeitung. Hier wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen. Für ein Debütprojekt ist der Film allerdings durchaus beachtlich. Weshalb Quentin Tarantino ihn als „Thriller“ klassifiziert, wird mir selbst zwar nicht klar, da ihm die meiste Zeit doch die Spannung abgeht und er diese auch nicht wirklich versucht zu erzeugen. Trotz allem ein recht nett photographierter Film mit mitreißender Handlung und einer exzellent aufspielenden Hauptdarstellerin: 7.5/10.
  Encounters at the End of the World – Ja mei, in der Antarktis leben schon echt interessante Menschen. Vom Flughafen holt einen ein Banker ab, in der Wissenschaftskolonie fährt ein Philosoph Bagger und im Restaurant wird die Eiscreme von einem Filmemacher zubereitet. Wie abgefahren! Findet Werner Herzog, wenn er aus dem Off mit seinem deutschen Akzent Sätze säuselt wie: „Antarctica is not the moon, although sometimes it feels like it”. Muss er ja wissen, der Werner, wie sich der Mond anfühlt. Warum er extra ans Ende der Welt für seine Begegnungen gefahren ist, bleibt unklar. An der Eckkneipe in Wanne-Eickel hätte man sicherlich auch tolle Geschichten hören können. Besonders enttäuscht ist man dann, wenn sich herausstellt, dass der Überlebenstrainer früher nicht schon Präsident von einem Schwellenland war, sondern tatsächlich als solcher ausgebildet wurde. Viele der menschlichen Begegnungen von Herzog sind dann ziemlich belanglos und uninteressant. Einfach Jedermann-Menschen, denen man auch in der Bahn begegnen kann, wenn man denn scharf drauf ist. Hin und wieder dürfen dann einige Experten zu Wort kommen, unter ihnen ein Gletscherspezialist. In diesen Momenten ist Encounters at the End of the World schließlich auch unterhaltsam. Wenn man den wissenschaftlichen Aspekt in den Vordergrund geschoben hätte, wäre dies dem Film zum Vorteil gereicht. Denn so rutscht er oftmals doch etwas ins Lächerliche ab, wenn ein Linguist (der übrigens als Botaniker arbeitet) ernsthaft behauptet in sechzig Jahren wären neunzig Prozent der Sprachen ausgestorben oder sich drei Forscher aufs Eis legen, um den Seehundgesängen zu lauschen. Die Szene wirkt, als hätte man die Blue Man Group ins Ewige Eis verfrachtet. Zu Beginn meint Herzog, er sei nicht in die Antarktis gekommen, um Pinguine zu filmen – vielmehr beschäftigen ihn Fragen wie „Warum reitet der Affe nicht auf einer Antilope in den Sonnenuntergang?“. In der Mitte des Filmes fängt der Deutsche dann aber doch Pinguine ein. Es ist die beste Szene des Filmes, denn als sich ein Clan von Pinguinen aufteilt, bleibt ein einzelner zurück und watschelt schließlich gen Gebirge. Dieses ist fünf Kilometer entfernt, der Pinguin wird mit Sicherheit sterben. Zwar fragt Herzog einen nebenstehenden Pinguinexperten, warum dieser so handelt (bzw. behauptet Herzog, dass er ihn gefragt hätte), doch eine Antwort erhält man nicht. Die einzigen wertvollen „Begegnungen“ sind daher die, welche Herzog mit der Natur macht. Neben dem Pinguin sind speziell die Unterwasseraufnahmen Gold wert (auch wenn die musikalische Untermalung einmal nahelegt, dass Herzog sich zu oft Ghost in the Shell angesehen hat). Davon hätte man ruhig mehr einfangen können. Und wenn am Ende eingeblendet wird, dass diese Dokumentation Filmkritiker Roger Ebert gewidmet sei, ergibt sich von selbst, wieso Ebert dem Ganzen dann die volle Punktzahl gegeben hat. Hätte er ihn lieber mal mir gewidmet: 5.5/10.
  Happy-Go-Lucky – En-ra-ha! Aber hallo. Letztes Jahr sorgte Mike Leighs Gute-Laune Film ja für ordenlich Zunder. Sally Hawkins gewann für ihre sympathische Darstellung der optimistischen Poppy sogar den Silbernen Bären auf der Berlinale. Und man muss zugeben, dass einen die erste halbe Stunde richtig aufheitert. Diese Poppy, mit ihrer freundlich-nervigen Art. So Menschen gibt es ja nicht oft, die fortweg strahlen, es wären sie Jokers Lachgas zum Opfer gefallen. Selbst der rassistische Fahrlehrer (herrlich: Eddie Marsan) kann da kein Wässerchen trüben. Dumm nur, dass das alles nach einer Stunde irgendwie beginnt auszuleiern und uninteressant zu werden. So nett und süß das auch ist, aber irgendwann geht’s einem dann leider am Arsch vorbei. Oder ist zuviel des Guten. Wie man es dreht oder wendet, das Resultat bleibt das Gleiche. Zudem ist die Botschaft auch etwas missglückt, denn obschon Poppy so herzensgut ist, reagiert ihre Umwelt doch sehr brüsk auf sie. Das ist man aus Hollywood irgendwie anders gewöhnt. Lache und die Welt lacht mit dir. So war das doch, dachte ich. Und eigentlich funktioniert das auch im echten Leben. Wenn man freundlich ist, wird man meist auch freundlich behandelt. Egal. Mein erster Film von Mike Leigh lässt mich jetzt zwar nicht begeistert in die Videothek stürmen, um den Rest seiner Filmographie zu studieren, aber ist im Grunde doch ganz nett. Durchaus. Ein Gute-Laune-Film, denn man am besten auch schaut, wenn man selbst welche hat. Sonst geht sie einem nur auf die Nerven, diese grinsende Trulla: 6.5/10.
 
Bolt – Hier muss ich Abbitte leisten … let’s put a pin there. Nach dem Trailer war ich damals nicht sonderlich angetan, aber wie es scheint muss man Disneys Animation Bolt in ihrem Kontext sehen. Die ersten zehn Minuten sind zum Totlachen, köstlich wie hier mit den Genreklischees gespielt wird. Dann denke ich mir: Hach, wenigstens das, bevor nachher das auf Homeward Bound-Getrimme alles kaputt macht. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Hier passt eigentlich fast alles, die Animation ist gelungen, die musikalische Untermalung sehr stimmig und John Travolta als Hund (look who’s talking, now) ein echter Gewinn - bitte nur noch Sprechrollen, Mr. Travolta. Die Story vom Filmhund, der in der realen Welt ohne seine Superkräfte (was er jedoch nicht weiß) versucht seine Besitzerin Penny zu retten, weiß zu unterhalten. Die vielen kleinen Referenzen zu X-Men, Finding Nemo, The Truman Show und Co. sind weniger Störfaktor als liebevolle Ergänzung zu einer ohnehin schon liebevollen Geschichte. Bedauerlich, dass der Film dennoch kaum eine Chance haben dürfte, bei den Academy Awards. Dafür scheint Wall•E ähnlich wie Heath Ledger schon viel zu sehr gebucht zu sein. Mit jener Arthouse-Mentalität des Pixar kann Byron Howards und Chris Williams’ Film zwar nicht mithalten – will er jedoch auch überhaupt nicht. Dafür ist der Unterhaltungsfaktor hier sehr viel höher als in Andrew Stantons redundantem (Wall•Eeeeee – Evaaaaa) Stück. Bisweilen jagt eine Pointe die nächste und auch die Sidekicks wie Rhino oder die Tauben (alle von ihnen) funktionieren prächtig. Für mich persönlich ist Bolt somit der amüsanteste der letztjährigen Animationsfilme, dem ich im Grunde auch den Sieg nächste Woche wünschen würde. Schon allein wegen solchen Dialogen: „What’s this red liquid coming from my paw?“ (Bolt) – „It’s called blood, hero!“ (Mittens) – „Do I need it?“ (Bolt). Einfach nur absolut ridonkulous: 8/10.
  The Duchess – Langsam wird’s echt mal Zeit, dass sich amnesty international einschaltet. So geht das doch nicht weiter, irgendwer muss Keira Knightley mal was zu essen geben. Wie hat es das EMPIRE Magazin in seiner Januar-Ausgabe so schön bezeichnet: Miss Knightley stand kurz davor, als Schrägstrich in Frost/Nixon besetzt zu werden. Hinzu kommt noch, dass sie unabhängig von ihrem Untergewicht (Knightley ist so dick wie einer der Arme von Herzogin Georgiana allein) gänzlich fehlbesetzt scheint und sah selten bubenhafter aus als in The Duchess. Dafür scheint sie einfach nicht geschaffen, in diesem Quasi-Remake von Sofia Coppolas Marie Antoinette – abzüglich der MTV-Elemente. Als Modeikone ihrer Zeit leidet sie unter der unerfüllten Ehe zu ihrem Gatten (einziger Lichtblick: Ralph Fiennes). Aus der unglücklichen Ehe entspinnt sich kurz darauf eine menage a trois, die sich schließlich zur Vierecksbeziehung wird (Haley Atwell und Dominic Cooper vervollständigen das Bild). Das ganze entspinnt sich um das klassische Streitthema der Primogenitur und der Affärenlandschaft im verruchten Mittelalter. Kennt man ja schon zur Genüge, weshalb einen Saul Dipps Film nicht wirklich zu fesseln weiß. Oder zu unterhalten. Ein Kostümfilm wie er im Buche steht, angereichert mit teilweise so dämlichen Szenen, dass man nicht umhin kann zu lachen und musikalischer Untermalung, die einen dazu anregt, sich zur Rettung Omas Stricknadeln in die Ohren zu rammen. Nee, nee, das war wohl nix, da schau ich doch lieber The Other Boleyn Girl, da ist wenigstens der Intrigenfaktor sehr viel höher und damit auch das Unterhaltungspotential. Und jetzt gebt doch der Keira bitte mal was zu Essen. Das ist ja nicht mit anzusehen: 2/10.

Entre les murs – Mit dem Cannes Festival ist es im Grunde wie mit jeder anderen Preisauszeichnungsveranstaltung auch: es gewinnt nicht immer der Film, der verdient hat zu gewinnen. Und manchmal tut er’s doch. Letztes Jahr ging die Palme d’Or an Laurent Cantets Entre les murs, die Verfilmung des gleichnamigen Romans des Literaten François Bégaudeau von 2006. Bégaudeau übernahm auch die Hauptrolle des liberalen Lehres Monsieur Marin, der jeden Tag in seine demoralisierte Klasse muss. Und auch die Schülerschaft in Frankreichs Beitrag für den Fremdsprachenoscar besteht aus Laiendarstellern, doch merkt man dem gesamten Ensemble seine Herkunft keineswegs an. Im Gegenteil, die darstellerischen Leistungen wirken sehr authentisch, wie ohnehin der gesamte Film von einer offensichtlichen Authentizität durchzogen ist. Dennoch ist Cantets Film irgendwie kein richtiger Film, sondern wirkt vielmehr wie eine wieder aufgefrischte Erinnerung an die eigene Schulzeit. Da gibt es Querulanten in der Klasse wie Esmeralda (Esmeralda Ouertani) oder Souleymane (Franck Keïta), bockige Arbeitsverweigerer wie Khoumba (Rachel Régulier) oder fleißige, allerdings sozial benachteiligte Schüler wie Wei (Wei Huang). Archetypen, wie sie jeder aus seiner eigenen Schulzeit kennt und während der Filmbetrachtung gleichermaßen im Kopf in Erinnerung ruft. Da die Thematik des Filmes so sehr aus dem Leben gegriffen ist, mutet dieser mitunter doch eher wie eine Art Dokumentarfilm an, denn ein ausgeklügeltes Drama. Innerhalb der Spanne eines Schuljahres versucht Bégaudeau die wenige vorhandene Bereitschaft der Jugendlichen sich am Unterricht zu beteiligen, aufzuzeigen. Da wissen Schüler nicht, was „Österreicherin“ heißt oder wie die erste Person Singular des Imperfekt Indikativ von „wachsen“ lautet. Erfreulicherweise ist Entre les murs frei von jeglichem amerikanischem anbiedernden Schulpathos a la Dangerous Minds oder Freedom Writers, wo die Lehrkraft überhöht dargestellt und als Retter der jungen Seelen verkauft wird. Exemplarisch hierfür die finale Szene des Filmes, wenn Marin die Klasse fragt, was sie dieses Jahr gelernt haben beziehungsweise was ihnen Spaß gemacht hat. Sein eigenes Fach, Französisch, wird nicht genannt. Eine Schülerin kommt nach dem Unterricht sogar auf ihn zu und gesteht betrübt, dass sie gar nichts gelernt hat. In diesem Sinne verfügt der Filme eigentlich über keine wirkliche Geschichte mit Anfang und Ende oder seine Hauptfigur über eine Katharsis. „Das ist mein viertes Jahr“, erläutert Marin zu Beginn bei der Vorstellung der neuen Lehrer. Er hat sich arrangiert mit der Schule und der Schülerschaft. Daher spiegelt der Film letztlich nur den Alltag wieder, der sich für Marin auch fortsetzen wird, wenn der Abspann für den Zuschauer schon läuft: 8/10.
 
Revanche – Tamara (Irina Potapenko) ist eine Prostituierte in Wien. Und sie ist hübsch. Sehr hübsch. Findet auch ihr Zuhälter, weswegen er Tamara in eine eigene kleine Wohnung stecken und zur Edel-Hure umfunktionieren will. Die Ukrainerin will darüber nachdenken, hat sich innerlich jedoch schon dagegen entschieden. Als einer ihrer Freier sie zusammenschlägt – nachdem er den Zuhälter für dieses Privileg bezahlt hat – schreitet Tamaras heimlicher Freund und Puff-Aushilfe Alex (Johannes Krisch) ein. Kurzerhand fliehen die beiden. Doch ihr schönes neues Leben auf Ibiza können sie erst wahr machen, wenn Alex’ Tamaras Schulden abbezahlt hat. Daher geht er auf eine Dorfbank, um Geld abzuheben. Allerdings nicht auf die gewöhnliche Art und Weise. Wie es der Zufall so will, macht der Streifenpolizist Robert (Andreas Lust) eine Routinekontrolle. Gerade bei Tamara, die im Fluchtwagen wartet. Als Alex kommt, muss schnell geflüchtet werden. Robert feuert einen Schuss auf die Reifen ab, trifft allerdings Tamara. Das Ereignis nimmt beide Männer mit. Als Alex, der bei seinem altersschwachen Großvater auf der Farm mithilft, erfährt, dass Robert die Straße weiter rauf lebt, beginnt er einen Plan zur Revanche zu schmieden. Götz Spielmann erzählt sein Drama über Liebe, Lust und Tod in stillen und größtenteils ruhigen Bildern. Selbst der Banküberfall geht praktisch friedlich von Statten und allein die Szene, in der Alex Tamara zu Hilfe kommt, weist eine eruptive Gewalt auf. Stattdessen alles schön gemach, nach alter österreichischer Tradition. Obschon sich die Handlung primär auf Alex konzentriert und mit Abstrichen noch auf Roberts Frau Susanne (Ursula Strauss), mit welcher Alex später eine Affäre eingeht, vernachlässigt Spielmann auch Roberts Innenleben nicht. In zwei, drei Einstellungen kehrt er dessen emotionalen Schmerz nach Außen, führt dem Publikum die Mitgenommenheit des Polizisten vor, der aufgrund seiner Labilität später sogar vom Dienst freigestellt wird. Damit klarkommen muss auch Susanne, die mit dem Kummer ihres Mannes nicht wirklich etwas anzufangen weiß. Dass sie sich schließlich Alex zuwendet hat einen Grund, der zum Ende hin auch erfüllt wird. Besonders stark ist die Szene, in der Susanne gegenüber der Frau eines Kollegen ihres Mannes, die schwanger ist, von ihrer eigenen Fehlgeburt erzählt. Wie Strauss kurz zusammenbricht, das Gesicht fallen lässt und sich doch sofort wieder fängt, das ist großartiges Schauspiel. Die Besetzung erweist sich als Geschenk, alle Figuren wurden punktgenau gecasted. In Verbindung mit der besonnen Regie, die sich oft voller Hingabe ihren Charakteren widmet, ist Revanche eine großartige Charakterstudie. Abseits von der etwas pathetischen Art eines Reservation Road gelingt es Spielmann die Geschichte auf ihre Essenz zu reduzieren. In dem Moment, als Alex erfährt dass Robert die Straße runter wohnt, rechnet der Zuschauer mit jener Eskalation, die im Genre den Sehgewohnheiten entspricht. Wie Spielmann mit dieser Situation umgeht und sie letztlich auflöst – sowohl im Großen wie im Kleinen – ist beeindruckend. Berücksichtigt man seine Konkurrenz, ist Revanche wahrscheinlich der stärkste Vertreter der diesjährigen Fremsprachenkategorie der Academy Awards. Dass er gewinnt – hinsichtlich der prätentiösen Heuchelei eines Waltz With Bashir und dem Vorjahresgewinn der Österreicher -, ist unwahrscheinlich. Aber auch losgelöst von dieser ohnehin nichtssagenden Preisverleihung, ist Spielmanns Film zu den gelungensten des Jahres zu zählen. Schon allein dank der Tatsache, dass ein österreichischer Film auf internationalem Niveau spielen kann. Ob es dem großen Bruder Deutschland gelingen wird, einen ähnlich starken Film dieses Jahr aufzubieten, ist zu bezweifeln: 8.5/10.
 
P.S.: W. – Oliver Stones Letzter spielt zwar keine Rolle für die Oscarverleihung dieses Jahr, aber den gibt’s einfach als Gratis-Geschenk oben drauf, weil ich sonst nicht wüsste wohin und mir das Ganze doch ein, zwei Zeilen wert ist. Amerikaner tougher Kritiker holt also zum Rundumschlag aus, jetzt, wo sich die Amtsperiode von George W. Bush dem Ende geneigt hat. Viele fragte sich: ist das jetzt Komödie, Satire, Drama oder einfach nur Scheiße? Ich selbst empfand den Film als Komödie. In den ersten Minuten. Da war er auch echt lustig, einfach weil er so authentisch war. Schließlich ist Bush so eine dämliche Person, dass man ihn nur lustig finden kann. Der Brüller – und die einzige Konstante in W. – ist aber sowieso Thandiwe Newton als Condoleezza Rice. Die Grimassen. Die Grimassen! Zum Totlachen, gerade weil Newtons Figur quasi für die Tonne ist, weil belanglos. Mein Favorit: Teufelchen Dick Cheney (Richard Dreyfuss) und Engelchen Colin Powell (toll: Jeffrey Wright) streiten darum, ob man grundlos den Irak angreifen soll. Condoleezza nickt brav und lächelt. Hätte nur noch gefehlt, dass Brolin sagt: „Honey, get us guys some beer, would ya?“. Aber back on track. Zumindest so halb. Nach einer Dreiviertelstunde wird W. dann etwas langweilig und ein Blick auf die Laufzeit (zwei Stunden!) zwingt mich zum Aufstöhnen. Irgendwie interessiert mich das Leben des Bush-Clans oder der Kampf zwischen Vater (James Cromwell) und Sohn nicht so richtig. Ohnehin liegt der Fokus des Films oft so, dass es wirkt, als wollte Stone Mitleid mit der Vollpflaume erzeugen. Not in my house. Seinen negativen Höhepunkt erhält dann das Engelchen und Teufelchen Szenario. Das erinnert mich grad an Fettes Brot: „Und während sich der Engel und der Teufel anschrein, entscheide ich mich für Ja, Nein, ich mein: Jein“. Das ist mir zu viel Beweihräucherung für Powell. Und der ganze Film ist mir zu wenig bissig, zu wenig demaskierend. Zu tolerant. Praktisch irgendwie Stones Antwort auf Helge Schneiders Mein Führer. Eine der böswilligsten Figuren der Zeitgeschichte als Loser dargestellt. Nee nee. Das Tragische ist, ich glaube mit Stone ist es allmählich echt vorbei. Pinkville geb ich ihm noch, aber danach mach ich langsam mal die Lichter aus: 4/10.

P.P.S.: Der Baader Meinhof Komplex – Dazu will ich keine großen Worte verlieren, alleine wegen der peinlichen Klausel zu den Pressevorführungen. Uli Edels und Bernd Eichingers Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung ist all das, was ich am deutschen Film verabscheue. Effekthascherei, überspielte Darsteller, punktlose Geschichten. Ein grauenhafter Film, wenn auch von technischer Seite bisweilen solide inszeniert. Allerdings letztlich nur ein zusammenhangloses Konglomerat aus historischen Photos, die Edel schick nachstellt mit seinem Who’s Who des deutschen Films. Da sind sich auch Jan Josef Liefers und Hannah Herzsprung (bei der hat mir echt das Herz geblutet, dass sie sich für so einen Rotz hergibt) sich nicht zu Schade Nebenrollen zu übernehmen. Schade, so muss man den grausigen Moritz Bleibtreu die meiste Zeit ertragen. Immerhin wird Alexandra Maria Lara relativ früh abgeknallt und was alle am Spiel der Gedeck fanden, erschließt sich mir auch nicht. Der größte Loser ist aber Bruno Ganz, dessen Figur dank Edels einseitiger Inszenierung (und teilweise Glorifizierung der Täter) im Grunde überflüssig da belanglos ist. Eine Schande, dass so was für den Oscar nominiert wird, selbst wenn da ohnehin dieses Jahr nicht grad berauschende Filme vertreten sind. Fehlt nur noch, dass er den Preis auch gewinnt. Dann lach ich mich ins Fäustchen: 3/10.

29. Februar 2008

No Country for Old Men

There’s a lot of bad luck out there. You hang around long enough and you’ll come in for your share of it.
(No Country for Old Men, p. 234)

Was soll man groß zu einem Film schreiben, den die halbe Bloggersphäre bereits rezensiert hat und dessen grober Inhalt bzw. Terror seiner Figur Anton Chigurh auch den meisten schon bekannt sind? Braucht man zu einem solchen Film überhaupt noch eine weitere Kritik? Und wenn ja, wie fängt man diese an? Vielleicht mit einem Satz, wie er paradoxer nicht sein könnte: „Hübsch ist Javier Bardem gewiss nicht“. Was ein Satz, optimal um mit jemanden in ein Gespräch zu geraten, am besten noch zu No Country For Old Men, dem aktuellen Film mit Bardem. Javier Bardem ist nicht hübsch, findet zumindest Stern-Redakteurin Christine Kruttschnitt, wie sich in der aktuellen zehnten Ausgabe des Magazins nachlesen lässt. Hübsch ist Javier Bardem gewiss nicht, allein sein „Zinken“, wie die gute Frau Kruttschnitt Bardems Riechorgan tituliert. Trotzdem verdammt sie ihn zum „Sexsymbol“, wohl weil er Spanier und daher Latino ist – Latinos müssen Sexsymbole sein, auch wenn sie nicht hübsch sind. Nicht nur Bardem bekommt sein Fett weg in Kruttschnitts Bericht, auch Johnny Depp wird von ihr charakterisiert als Mann der „drollige Irre spielt“. Da hat scheinbar jemand Pirates of the Caribbean gesehen, jemand der bei Daniel Day-Lewis sieht, dass dieser in seinen Rollen seine „Seele“ offen legt, wie man in seinen soziopathischen Figuren in Gangs of New York und There Will Be Blood sehen kann. Bardem ist nicht hübsch – Kruttschnitt wiederholt dies selbst mehrfach in ihrem Artikel, man möge mir meine Redundanz also verzeihen – und die Autorin wird nicht müde zu verraten, wer denn nun eigentlich ihrer Meinung nach hübsch sei. Kruttschnitt blickt ihren eigenen Worten nach sehnsuchtsvoll nach Australien und stößt ein „Russell!“ (Crowe, Anm. d. Red) aus, während ich mich allmählich frage, wie so jemand Redakteurin werden konnte, wie so jemand überhaupt in Printmedien schreiben darf.

Wer noch nichts über den Inhalt des Filmes weiß, dem sei nunmehr folgende Einleitung gegeben: der pensionierte Vietnamkriegsveteran und leidenschaftliche Jäger Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet in der texanischen Einöde mehrere leerstehende Pickups und dazugehörige Leichen. Nebst einer Menge mexikanischen Heroins stößt er auch auf einen Handkoffer voller Millionen von Dollar. Sein Schicksal kommen sehend, steckt er das Geld dennoch ein und muss alsbald um sein Leben fürchten und seine Frau Carla Jean (Kelly MacDonald) zu ihrer Mutter nach Odessa schicken. Einer der vielen Männer die hinter Llewelyn her sind ist Anton Chigurh (Javier Bardem – im übrigen nicht sonderlich hübsch, hab ich gelesen), ein psychopathischer Auftragskiller. Auf der Spur von Chigurh befindet sich der zuständige Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der hinter dessen Leichen aufräumen darf, während mit Carson Wells (Woody Harrelson) ein weiterer Auftragskiller angeheuert wird, der Chirgurh ausschalten soll. Während Moss mit nach einem blutigen Aufeinandertreffen mit Chigurh nach Mexiko flieht, versucht Bell bei Carla Jean auf Informationen zu stoßen, die ihm helfen könnten Llewelyn vor seinem unausweichlichen Schicksal zu retten, während Chigurh die Schlinge um alle Beteiligten etwas enger zieht. Immer dabei sein Bolzenschussgerät und seine Münzen, dies alles in einem Land, das wahrlich kein Land mehr ist für alte Männer, ein Land voller Gewalt und Drogen.

Zurück zu Frau Kruttschnitt, die, nachdem sie eine halbe Seite lang über Bardems Aussehen geurteilt hat, schließlich noch in zwei Sätzen ihre Meinung zu No Country for Old Men kundtut, dabei in dem Satz kulminiert, dass „die halsbrecherische Flucht vor einem Hund“ schon alleine „das Eintrittsgeld lohnt“ und dem Film dann doch nur vier von fünf Sternen vergibt. Ob Brolins Flucht vor einem Hund – welche an sich nicht einmal eine solche ist, da er vielmehr vor den Mexikanern mit den Schrottflinten flieht – tatsächlich das Eintrittsgeld wert ist, das sei den Mann-flieht-vor-Hund-Filmfetischisten überlassen. Es finden sich jedoch auch sonst kaum schlechte Worte, über das neueste Werk von Joel Coen und seinem Bruder Ethan Coen, die vergangene Woche mit drei Oscars (bzw. eigentlich sechs) ausgezeichnet wurden. Manch ein Blogger beschreibt den Film, als „das sehnlich erhoffte Meisterwerk“, ein anderer hingegen meint er „ist schlichtweg perfekt“ und „hebt sich (…) bisweilen meilenweit von seinen Kollegen ab“. Förmlich überschlagen sich die Lobpreisungen für die Adaption von Pulitzerpreisträger Cormac McCarthys 2005 erschienenem Western-Thriller des gleichen Namens, auch wenn mancher einer der begeisterten Blogger eine „recht lose Verfilmung“ gesehen haben will. Dabei haben sich die Coens ziemlich exakt an McCarthys Vorlage gehalten, neben ganzen Dialogen auch die Chronologie des Romans übernommen, dabei gut zweieinhalb Seiten pro Minute auf Zelluloid gebannt.

Erstaunlich, dass der in Rhode Island geborene US-Autor sein Werk im typischen texanischen Slang geschrieben hat, dabei ein überaus dialoglastiges und mitunter nichtssagendes Werk erschaffend, welches doch versucht ein Statement abzugeben über ein Land, eine Generation, eine Zeit. Kein Land für alte Männer, geschrieben von einem solchen alten Mann, hierbei einen anderen alten Mann, Sheriff Ed Tom Bell, als Erzähler inthronisierend. Seine Sätze wirken oft ärmlich konstruiert, durch die unglaubliche vielfache Verwendung des Bindegliedes „und“ zusammengehalten. Dabei gelingt es McCarthy eine starke, umklammernde Atmosphäre zu schaffen, Llewelyn auf seiner Flucht und Chirgurh auf seiner Jagd begleitend. Jedes Kapitel wird eingeführt durch die Gedankenspielereien von Sheriff Bell, die sich meist überhaupt nicht mit dem Fall Moss/Chigurh beschäftigen, sondern mit dem Verfall der Sitten und Bells Privatleben. Seine Geschichte lebt vor allem von dem trockenen Humor von Llewelyn Moss (“The point is there aint no point.“, p. 227) und der Kaltblütigkeit von Chigurh, Bell selbst spielt kaum eine bis gar keine Rolle, ist lediglich der alte Mann im falschen Land, die persona rationalis der Geschichte mit der sich der Zuschauer verbunden fühlen kann. In einer Szene, im Film wie im Buch, referiert Bell einen Zeitungsartikel über ein Pärchen, dass Rentner umbrachte und erst überführt werden konnte, als eines der Opfer mit Hundehalsband vom Grundstück floh. Aus reiner Ungläubigkeit muss Bell hier lachen, wie wohl die meisten rationalen Menschen verzweifelt mit dem Kopf schütteln mögen und sich fragen, wo das mit unserer Gesellschaft eigentlich noch hinführen soll.

Sein lediglich 306 Seiten langer Roman – ohnehin mit sehr großzügigem Zeilenabstand und Schriftgröße gedruckt – bricht dann schließlich in seinen letzten vierzig Seiten ein, als McCarthy seine eigentliche Geschichte erzählt hat und nur noch vor sich hin schwadroniert. Man entfernt sich von der Handlung und Bell fokussiert die Geschichte auf sich selbst, ein zusammenhangloses Geheimnis seiner Vergangenheit entlüftend. Ein überdurchschnittlicher Roman wird hier von seinem Autor gegen die Wand gefahren und gerade diese Facette, die der Vorlage das Genick bricht, wird von den Coens glücklicherweise ausgelassen. Bells philosophische Auswüchse werden auf ein Minimum reduziert, seine Vergangenheit und sein Privatleben bleiben im Grunde unangetastet. Der Fehler den die beiden Brüder allerdings begehen, ist die Dialogen der Geschichte zu kürzen. Die Geschichte, die eigentlich von ihren Dialogen lebt (Herzstück ist dabei der Dialog zwischen Llewelyn und einem weiblichen Tramper, deren Figur im Film ganz fehlt), wird hier im Grunde massakriert. Die großartigen Gespräche von Llewelyn mit seiner Frau, Carson Wells und dem weiblichen Tramper, zwischen Ed Tom Bell und seinem Deputy oder zwischen ihm und Carla Jean, all diese wunderbaren Dialoge – die im Endeffekt keinen Inhalt haben und doch durch ihre Inhaltslosigkeit einen solchen versprühen – sind im Film auf ein Mindestmaß, auf ihre Essenz komprimiert. Die Coens begrenzen die Dialoge auf den Inhalt, den sie eigentlich erfüllen und schreiten zur nächsten Szene fort.

Dies führt dazu, dass das, was in der Vorlage das Herz der Geschichte war (auch wenn es mit der Geschichte selbst nichts zu tun hatte, diese jedoch zusammenhielt), dem Film völlig abgeht. Was die Coens erschaffen haben, ist ein technisch perfekt gemachter Film, um wieder auf ein Zitat eines Bloggerkollegen zurückzugreifen, No Country for Old Men ist „wie zwei Stunden in einem Filmwissenschaftsseminar zu sitzen“. Licht, Kamera, die Einstellungen, Ausleuchtung, alles stimmt, man könnte nicht wirklich etwas kritisieren – auch das Fehlen jeglicher Musik bemerkt man nicht wirklich, da sie eigentlich nicht notwendig ist. Was dem Film schließlich fehlt, ist eine Seele und dies liegt nicht an Anton Chigurh oder der Brutalität der Geschichte, sondern daran, dass man die Geschichte des Filmes leblos erzählt, ohne Emotion, ohne Hingabe. Viel wichtiger scheint dem Regisseur-Autoren-Produzenten-Brüderpaar die visuelle Umsetzung gewesen zu sein, die reine Formalität von McCarthys Geschichte adaptierend und ebenjene essenziellen Dialoge auslassend. Da jene wie angesprochen das Herz der Geschichte sind, fehlt dem Film der Coens eben dieses Herz. Er ist kalt, leb- und lieblos, berührt einen nicht und wird einem nach einer gewissen Zeit schnurzegal. Die Figuren erhalten keine Tiefe, so wie man Carson Wells einbaut, braucht man ihn eigentlich auch gar nicht einbauen, seine Charakterisierung, die sich vor allem im finalen Dialog mit Chigurh findet, wird hier von den Coens umgeändert, ähnlich wie es später in der Szene mit Carla Jean der Fall sein wird. Durch das Umschreiben beider Figuren geht auch ein wichtiger Hinweis zum Verständnis von Chigurhs Person verloren.

Vergleicht man No Country for Old Men mit den früheren Filmen der Coens, so fällt einem merkbar auf, dass ihnen bei ihrem letzten Werk die Liebe gefehlt zu haben scheint, zu dem, was sie da erschaffen haben. Dagegen ist gerade Fargo eine Liebeserklärung an seine Figuren und seine Geschichte, wie es auch bei Barton Fink, The Big Lebowski oder selbst dem grausigen Ladykillers-Remake der Fall war. No Country for Old Men ist einfach nur ein Film, nicht mehr und nicht weniger, es gelingt zu keinem Zeitpunkt eine wirkliche Beziehung zu seinen Charakteren aufzubauen. Die Oscarverleihung der letzte Woche reflektierend lässt sich sagen, dass es eigentlich nur einen Oscargewinner als Besten Film geben konnte und das war der Film der Coens. Schließlich wählt die Academy seit Jahren traditionell den überbewertesten Film zum Preisträger, sodass in der Tat nur There Will Be Blood noch ernsthafte Konkurrenz war. Wie es im Jahr zuvor der Fall war, durften die Coens ihren lang verdienten Oscar als beste Regisseure für einen durchschnittlichen Film entgegennehmen und die Ironie setzt sich auch bei der Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch fort, welches wie selbstverständlich nicht an die gelungeneren Atonement oder Le scaphandre et le papillon ging. Hübsch ist Javier Bardem gewiss nicht, eine Aussage, die wirklich falscher nicht sein könnte. Bardem ist ohne Frage hübsch und er ist ohne Frage ein guter und überzeugender Schauspieler, reflektiert man seine Leistung in No Country for Old Men, ist es ein kleiner Skandal, dass der überzeugendere Casey Affleck für seine Leistung in The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford übergangen wurde. Aber was ist man von der Academy schon anderes gewohnt? Und mit den Lieblingsworten von Sheriff Ed Tom Bell aus McCarthys Roman endend: “That’s that to that“.

6.5/10

12. Februar 2008

In the Valley of Elah

And Saul and the men of Israel were gathered together,
and pitched by the valley of Elah,
and set the battle in array against the Philistines.

(1. Samuel 17,2)

Zwei große Volksstämme versammeln sich im Jahr 1000 vor Christi am Tal von Elah. Auf der einen Seite die Philister, auf der anderen die Israeliten um ihren König Saul. Unter den Philistern forderte ein Krieger namens Goliat aus Got, etwa 2,78 Meter groß, fortan 40 Tage lang einen der israeliten zum Zweikampf heraus. Der Gewinner würde den Krieg der zwei Parteien entscheiden – kein unüblicher Usus in der Antike. Eines Tages bot sich der Knecht David, von Gott zum König auserkoren, aufgrund der blasphemischen Äußerungen Goliats Saul als ebendieser Kämpfer an. Ohne Rüstung und lediglich mit fünf Steinen bewaffnet schritt der Knabe David hinunter in das Tal von Elah und bezwang den Philister Goliat mit einem Schleuderwurf in die Stirn. Im Namen seines Gottes war David ausgezogen, um einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner auszufechten.

Kriegsveteran Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) erhält einen morgendlichen Anruf, der sich nach dem Aufenthaltsort seines Sohnes Mike, ebenfalls Soldat, erkundigt. Mike sei zurück in den Staaten, aber unauffindbar. Hank begibt sich nunmehr selbst auf die Suche nach seinem Sohn und verabschiedet sich von Gattin Joan (Susan Sarandon). In Mikes Militärstation findet er dessen Mobiltelefon und auf diesem einige Videodateien aus dem Irakkrieg. Um die Militärpolizei zu umgehen, nimmt Hank die Hilfe der örtlichen Ermittlerin Emily Sanders (Charlize Theron) in Anspruch. Da finden sich verbrannte Körperteile an einer Straßenkreuzung und es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Mikes Überreste handelt. Doch Hank gibt nicht auf und will herausfinden, wer seinen Sohn umgebracht hat und wieso. Armee Lieutenant Kirklander (Jason Patric) tut dabei alles um die Arbeit von Emily zu sabotieren, während Hank auf ein Geheimnis um seinen Sohn stößt.

Vor zwei Jahren erhielt Paul Haggis bei den Academy Awards für sein Regiedebüt Crash die Auszeichnung als Bester Film und für das Beste Originaldrehbuch. In seinem zweiten Film wird sich der Kanadier keineswegs untreu, inszeniert vielmehr mit einem noch bescheideneren Budget von lediglich fünf Millionen Dollar. Darsteller Tommy Lee Jones sieht sich dank In the Valley of Elah nun seiner dritten Nominierung gegenüber, obwohl Haggis ursprünglich seinen Freund Clint Eastwood vorgesehen hatte. Der half Haggis wiederum, das Projekt ins Rollen zu bringen, da es sonst wohl wegen seines brisanten Themas keinen Produktionsstart erhalten hätte. Dies scheint sich gelohnt zu haben, denn es gelang dem Film allein in Amerika seine Kosten wieder einzuspielen, im Ausland brachte er bisher sogar das Doppelte ein, während In the Valley of Elah in Deutschland am 6. März starten wird.

Inspiriert wurde Haggis zu seinem Film von dem Playboy-Artikel Death and Dishonor, im Jahr 2004 geschrieben von Journalist Mark Boal. Er erzählt darin die wahre Geschichte des US-Soldaten Richard Davies, der 2003 aus dem Irakkrieg heimkehrte und umgebracht wurde. Sein Vater, der Kriegsveteran Lanny Davies, begann eigene Ermittlungen und bildete somit die Schablone für den von Haggis dargestellten Hank Deerfield. Haggis verband diese Geschichte mit einer weiteren und erschuf die Grundlage für sein Drama In the Valley of Elah, das man wohl als Antikriegsfilm bezeichnen könnte, ohne dem Film seinen Pathos und Patriotismus absprechen zu wollen. Denn Hank ist Patriot durch und durch und hält sogar auf seinem Weg zu seinem Sohn an der örtlichen Schule, weil dort der Hausmeister aus El Salvador versehentlich das Star Spangled Banner kopfüber gehisst hat.

Zudem ist Hank Militär durch und durch, was seine sporadische Bekleidung aus weißem Hemd über weißem T-Shirt beweist, ebenso wie sein pedantisches Bettbezug- und Schuhputzritual. Auch Hanks Söhne sind (oder waren) Militärs, was innerhalb der Familie – sprich: seiner Frau Joan – für Missstimmung sorgt. Denn nun ist nicht nur ihr ältester Sohn David verstorben, sondern auch ihr jüngster Sohn und letztgebliebenes Kind. Die Schuld daran gibt sie ihrem Mann, der seine Gattin in seine Ermittlungen und Informationen nicht einbezieht, diese ihr sogar vorenthält und praktisch als kurz vor der Pension stehendes Ein-Mann-Kommando fungiert. Dies muss auch die ermittelnde Polizistin Emily erfahren, die es in ihrer Behörde durch sexistische Anfeindungen der Kollegen eigentlich schon schwer genug hat, aber als Mutter um die Ängste über die eigenen Kinder weiß.

Während seiner Ermittlungen muss Hank dabei nicht nur feststellen, dass er seinen Sohn nicht so gut gekannt hat, wie er immer dachte und dessen Geheimnisse, zusammen mit denen der amerikanischen Regierung, wie die Verschwörung um Mikes Tod führen zu einer Erschütterung von Hanks Wertesystem. Die allein erziehende Emily, von ihrem Job genervt, merkt durch Hanks Pedanterie was es heißt zu ermitteln und erhält gegen Ende des Filmes noch mal eine eindringliche Lektion erteilt, ebenso wie ihre ganze Behörde. Der Titel von Haggis’ Werk ist dabei nicht ohne Hintersinn gewählt, denn auch in seinem Film wird ein Kampf thematisiert, den zu gewinnen eigentlich unmöglich ist. Die US-Soldaten stellen hierbei ebenjene unerfahrenen jungen Kämpfer dar, die sich gegen einen übermächtigen Gegner stellen müssen, in einem Krieg, der im Namen Gottes geführt wird.

Doch die Soldaten sehen sich nicht nur dem Schlachtfeld im Irak gegenüber, sondern auch einem zweiten und emotionalen Schlachtfeld, welches in ihren Köpfen beheimatet ist und in dem sie ganz alleine kämpfen müssen. Dass man erwartet, diese jungen Männer und Frauen, die sich im Irak im Prinzip für nichts wirklich verantworten müssen, anschließend wieder problemlos in die amerikanische Gesellschaft einzugliedern, ist ein utopischer Gedanke der Regierung. Denn was am Ende in der Nacht als Mike ermordet wird geschah, hängt mit dem Krieg zusammen und ist sowohl eine etwas profane Lösung und dann doch auch wieder irgendwie nicht. Zumindest ist es eine solche und Haggis lässt das Publikum lange um Unklaren, ob es nun tatsächlich eine Auflösung des Mordfalles oder ein Filmende a la Michael Hanekes Caché gibt. Sprich: Ein Ende, das einerseits viel zeigt und letztlich doch nichts ausdrückt.

Was etwas bitter aufstößt, ist eine Tatsache, die ironischer oder vielleicht auch gewollter Weise von einer der Figuren selbst angesprochen wird: Es handelt sich um Hanks ermittlerisches Gespür, ehemaliger Militärpolizist hin oder her. Wenn Hanks nachts im Dunkeln zum Tatort fährt und innerhalb von zwei Minuten das Mordszenario entwirft, das der Polizei entgangen war, dann denkt man sich nur das, was ihm Emily später vorwirft: Dass es schade ist, dass Hank die letzten 30 Jahre nicht zig Mordfälle gelöst hat. Hank hangelt sich in bester Columbo-Manier von einem Hinweis zum nächsten. Eine nächtliche Fast-Food-Rechnung wird subtrahiert und auf drei Verdächtige umgemünzt, auch mit Farben scheint die Polizei in New Mexico ihre Probleme zu haben. Dies wirkt unglaubwürdig, überhastet, zu sehr gewollt, neben Hank haben alle anderen Figuren keinen Platz und wirken inkompetent.

Die schauspielerischen Leistungen der Beteiligten sind dabei über allen Zweifel erhaben, besonders Jason Patric weiß zu gefallen. Man fragt sich jedoch, ob ein James Franco oder Josh Brolin in ihren kurzen Auftritten nicht etwas verschenkt sind, ebenso Susan Sarandon. Eingefangen und untermalt werden Haggis ruhige Bilder einer Suche nach seinem Sohn von Roger Deakins und Mark Isham und das es sich letzten Endes doch um einen Antikriegsfilm handelt, zeigt Haggis’ letzte und sehr schön geratene, wenn auch pathetische, Einstellung. Wie zuvor in Crash kratzt Haggis jedoch leider nur an der Oberfläche und opfert eine interessante Thematik seiner Familientragödie und wiederum diese entsprechend stark zu thematisieren. Betrachtet man aber seinen Rahmen, ist In the Valley of Elah ein durchaus gelungener Film mit einer der besten Finaleinstellungen der letzten Jahre.

7.5/10