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30. September 2015

Filmtagebuch: September 2015

AMY
(UK/USA 2015, Asif Kapadia)
8/10

BIG HERO 6 [BAYMAX – RIESIGES ROBOWABOHU]
(USA 2014, Don Hall/Chris Williams)

6/10

THE ’BURBS [MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN]
(USA 1989, Joe Dante)

8.5/10

CUTTHROAT KITCHEN – SEASON 1
(USA 2013, Steve Hyrniewicz)
7/10

ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY 
OF CANNON FILMS
(USA/UK/AUS/IS 2014, Mark Hartley)
5.5/10

ENTER THE VOID
(F/D/I/CDN 2009, Gaspar Noé)
5.5/10

EVEREST (3D)
(USA/UK/IS 2015, Baltasar Kormákur)

7/10

THE FIRM [DIE FIRMA]
(USA 1993, Sydney Pollack)

6/10

GAME OF THRONES – SEASON 1
(USA 2011, Brian Kirk/Daniel Minahan u.a.)
6.5/10

GRAVITY
(USA/UK 2013, Alfonso Cuarón)
6/10

GREMLINS
(USA 1984, Joe Dante)
8/10

GREMLINS 2: THE NEW BATCH
(USA 1990, Joe Dante)
8/10

INNERSPACE [DIE REISE INS ICH]
(USA 20, Joe Dante)

6/10

KING KONG
(USA/D/NZ 2005, Peter Jackson)
2.5/10

THE LOOK OF SILENCE
(USA/UK/RI u.a. 2014, Joshua Oppenheimer)
8/10

LOVE (3D)
(F/B 2015, Gaspar Noé)

6/10

LOVE & MERCY
(USA 2014, Bill Pohlad)
5.5/10

MASH
(USA 1970, Robert Altman)
6.5/10

M*A*S*H – SEASON 1
(USA 1972/73, William Wiard u.a.)
7/10

THE MARTIAN (3D)
(USA 2015, Ridley Scott)

7/10

MASTERS OF THE UNIVERSE
(USA 1987, Gary Goddard)
4/10

MUSARAÑAS [SHREW’S NEST]
(E/F 2014, Juanfer Andrés/Esteban Roel)

4/10

PAUL
(USA/UK 2011, Greg Mottola)
6.5/10

PLEMYA [THE TRIBE]
(NL/UA 2014, Miroslav Slaboshpitsky)

6/10

PRISON BREAK – SEASON 1
(USA 2005/06, Kevin Hooks/Bobby Roth u.a.)
7.5/10

THE SEARCH FOR GENERAL TSO
(USA/CN/RC 2014, Ian Cheney)
6/10

SENNA
(UK/USA/F/BR 2010, Asif Kapadia)
8.5/10

SHOW ME A HERO
(USA 2015, Paul Haggis)
5.5/10

SMALL SOLDIERS
(USA 1998, Joe Dante)
3.5/10

TERMINATOR GENISYS
(USA 2015, Alan Taylor)
3/10

TIN CUP
(USA 1996, Ron Shelton)
6.5/10

TRAINER!
(D 2013, Aljoscha Pause)
7.5/10

TURBO KID
(CDN/NZ 2015, François Simard/Anouk Whissell/Yoann-Karl Whissell)
3.5/10

Werkschau: Edgar Wright


SHAUN OF THE DEAD
(UK/USA/F 2004, Edgar Wright)
8/10

HOT FUZZ
(UK/USA/F 2007, Edgar Wright)
6/10

SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD
(USA/UK/CDN/J 2010, Edgar Wright)
5/10

THE WORLD’S END
(UK/USA/J 2013, Edgar Wright)
3.5/10

6. Mai 2009

Star Trek

Space is disease and danger wrapped in darkness and silence.

Anfang der 1960er Jahre proklamierte John F. Kennedy die bemannte Raumfahrt innerhalb des nächsten Jahrzehnts. 1966 hieß es dann schon in Gene Roddenberrys Science Fiction Serie Star Trek, dass der Weltraum unendliche Weiten beherberge. Die deutsche Übersetzung unterschlägt dabei etwas jenes entdeckerischen Charakters der englischen Formulierung “final frontier”. Drei Staffeln lang tobten sich Captain Kirk und Co. im Weltall aus, ehe es zehn Jahre dauern würde, bevor die zum Kulturgut gewordene Serie ihren Weg auf die Kinoleinwänden finden sollte. Während man Star Trek: The Motion Picture immer etwas mit gemischten Gefühlen begegnet, gilt sein direkter Nachfolger The Wrath of Khan als Höhepunkt der Kinoreihe.

Vor 13 Jahren übernahm in First Contact die nächste Generation um Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) in ihrem ersten Solo-Abenteuer den Staffelstab, nur um nach zwei weiteren Abenteuern mit Nemesis ziemlich unrühmlich das Zeitliche zu segnen. Nun, sieben Jahre später, versucht Paramount einen Neustart. Und wo startet es sich besser, als am Anfang? An Bord holte sich das Studio das Dream Team um J.J. Abrams und Damon Lindelof. Abrams, für den Star Trek erst die zweite Regiearbeit ist, setzte sein Abenteuer rund um das Raumschiff Enterprise bei den Ursprüngen der Charaktere der Originalserie an. Und dies buchstäblich, beginnen Lindelof und Abrams den Film doch mit der Geburt ebenjenes Mannes, der zur Legende werden sollte.

Eingeleitet wird Star Trek mit der Ankunft von Pro- und Antagonist. Das Publikum wird Zeuge von der Bösartigkeit des Romulaners Nero (Eric Bana), als Captain George Kirk in seinem zwölfminütigen Kommando der U.S.S. Kelvin sein Leben für das von 800 Überlebenden opfert. Unter ihnen auch sein während der Flucht geborener Sohn, James Tiberius. Abrams gibt bereits mit dieser Einführung das neue Motto der nächsten Generation vor, indem er sich auf das bezieht, was er wohl am besten beherrscht. Die actionreiche Schlacht ist auch der Beginn einer Interpretation der Reihe, die offensichtlich neue Wege beschreiten will. So verkommen die Romulaner zu einem Volk tätowierter Glatzen mit ziemlich cholerischem Gemüt.

Nicht die einzige Neuerung, die die Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman (zuvor verantwortlich für Transformers) für das neueste Abenteuer parat halten. Obschon Abrams jedem Crew-Mitglied im Filmverlauf (oder hauptsächlich in der ersten Hälfte) entsprechend seine Aufmerksamkeit widmet, gibt der Beginn klar die später einschlagende Richtung vor. Einblicke in die Jugendjahre von Kirk und Spock offenbaren den beiden Männern innewohnenden rebellischen Geist. Während der Halbwaise Kirk zu Klängen der Beastie Boys in einem Oldtimer-Wagen seines Stiefvaters durch die Wüste brettert, wird der junge Spock wegen seiner menschlichen Mutter in seiner vulkanischen Schule von den anderen Mitschülern drangsaliert.

Das Mobbing gegenüber Spock wird sich auch später durch den vulkanischen Rat zeigen, womit die Entscheidung des Sohnes von Sarek (Ben Cross), sich in die Raumfahrtakademie der Föderation einzuschreiben, begründet wird. Den Jugendjahren der übrigen Crewmitglieder wird sich nicht näher gewidmet. In wenigen Minuten wird anschließend in aller Kürze Kirks (Chris Pine) Entscheidung, ebenfalls der Akademie beizutreten, erläutert, ehe Abrams direkt an das Ende der Ausbildung springt. Ein stärkerer Fokus auf jene Zeit hätte dem Film sicherlich gut getan. So beschränken sich die Macher darauf, als Überleitung der Charaktereinführung und des eigentlichen Abenteuers lediglich Kirks Erfolg im Kobayashi-Maru-Test anzuführen.

Damit sind die Formalien abgehandelt und Star Trek begibt sich schließlich auf die nächste Stufe. Hinsichtlich Kirks Vita scheinbar eine nichtkanonische, wobei sich generell die Frage stellt, inwieweit Abrams Film sich durch Neros Zeitreise überhaupt in den ursprünglichen Kanon eingliedern lässt oder einen neuen lostritt. Mit etwas Nachhelfen landen dann schließlich fast alle Crew-Mitglieder an Bord der Enterprise, die zu Beginn noch von Captain Pike (Bruce Greenwood) kommandiert wird. Es ist dieser Ausklang der ersten Hälfte, in dem sich Sulu (John Cho), Chekov (Anton Yelchin) und McCoy (Karl Urban) etwas in den Vordergrund spielen dürfen. Dies nimmt später bedauerlicherweise gerade bei diesen drei Figuren aber enorm ab.

Derweil fungiert Uhura (Zoë Saldana) vornehmlich als Spocks Liebesaffäre, wobei das Rumgeknutsche der Zwei teils etwas befremdlich wirkt. Von dem emotionslosen Spock (Zachary Quinto) von einst bleibt ohnehin nicht viel übrig beziehungsweise betont der Vulkanier erstaunlich oft seine Beziehung zur Erde und ihrer Bevölkerung. Desto überraschender, dass Abrams Spock und Kirk als zwei Männer präsentiert, die sich auf Anhieb nicht leiden können und auch im Verlaufe der Geschichte mehrfach – teils rabiat – aneinander geraten. Somit wird deutlich, dass sich die Freundschaft der beiden erst noch entwickeln muss, was sich vermutlich auch dadurch erklärt, dass Orci und Kurtzman mit Star Trek ohnehin eine alternative Realität inszenieren.

Betrachtet man die Handlung des Filmes könnte dies ein gelungener, weil viel Freiheit offerierender, Schachzug gewesen sein. Allerdings nur, wenn man in der Fortsetzung, die für 2011 geplant ist, nicht direkt auf die Ereignisse im Vorgänger eingehen wird. Denn wie immer mit Filmen, die Zeitreisen zum Inhalt haben, leidet die Handlung unter jenem Paradoxon. In diesem Falle unter Neros Rachefeldzug gegen die Föderation. Seine Ursache findet dies in der nicht verhinderten Zerstörung seines Heimatplaneten Romulus. Neros Plan sieht vor, die betreffenden Schuldigen, sprich alle Planeten der Föderation, dasselbe Schicksal erleiden zu lassen. Hier begründet sich der Status des Films, letztlich nicht mehr als ein bloßes Theorem zu sein.

Unwahrscheinlich, dass die Romulaner in Kenntnis ihrer Zerstörung dies zulassen würden. Sieht man von den Widersprüchen dieser Prämisse einmal ab, verirrt sich Abrams Film auch abseits des Geschehens in einige offene Fragen. So dient beispielsweise der Bohrer von Neros Schiff Narada einzig und allein einer zusätzlichen Actionszene um Kirk und Sulu. Schließlich könnte Nero seine Zerstörung des betreffenden Planeten auch ohne dieses Werkzeug vollziehen. Allerdings bliebe der Enterprise anschließend nicht mehr die Möglichkeit, diese Tat zu verhindern. Und inwiefern es möglich ist, sich auf ein mit Warp-Geschwindigkeit fliegendes Raumschiff zu beamen, will einem bei Sichtung des Filmes auch nicht unbedingt klar werden.

Im Vergleich zu früheren Filmen wie The Voyage Home, The Undiscovered Country oder Insurrection verzichtet das Reboot auf eine Symbiose aus Politik und Philosophie. Stattdessen rückt 90 Minuten lang die Action in den Vordergrund, was Star Trek zu einer wilden Achterbahnfahrt macht, die nur kurz Luft zum Atmen schnappen lässt. Damit folgt Abrams im Grunde der Richtung der TNG-Beiträge, die sich eher durch ihre Action und Spannung auszeichneten. Von den Filmen der Original-Crew hingegen wird mal mehr, mal weniger plakativ der Humor übernommen. Dem Vorhaben, zu erläutern, was die Crew-Mitglieder bewegte, den Weg einzuschlagen, den sie eingeschlagen haben, wird die Geschichte jedoch nicht gerecht.

Außer über Spock und Kirk erhält das Publikum keine Motivation, und selbst bei ihnen wirken ihre Beweggründe im Nachhinein relativ banal und profan. Von Nero gar nicht erst zu sprechen. Der Bösewicht bleibt die meiste Zeit des Filmes über relativ blass und erhält keine sonderliche Tiefe. Nicht einmal in seinem zentralen Monolog gegenüber Pike in der Mitte des Filmes. Damit ordnet sich Banas Figur eher in die Reihen eines Shinzon oder Ru'afo ein und vermag nie das Charisma von Khan oder jenes ersten, von Mark Lenard in Balance of Terror gespielten, romulanischen Kommandanten zu erreichen. Und da die Enterprise ohnehin nicht sonderlich im Mittelpunkt steht, steht und fällt Star Trek letztlich mit seinem Schauspielerensemble.

Dieses vermag durchaus zu überzeugen, selbst wenn einige Darsteller nicht über den Status der Nebenrolle hinauskommen. Besonders Urban und Yelchin geraten sympathisch, während Cho nach seiner Actionszene im Hintergrund verschwindet. Saldana gibt eine sexy Interpretation von Uhura, deren Kompetenz nicht zurücksteckt. Entgegen erster Zweifel überzeugen auch Pine und Quinto in den zentralen Hauptrollen, selbst wenn sie bisweilen ins Overacting abdriften. Eine wirkliche Enttäuschung stellt neben Bana im Grunde nur Pegg dar, der bis auf wenige Ausnahmen die von James Doohan vererbte Rolle des Scotty nie auszufüllen weiß. Ohnehin wirkt seine Einbindung in die Geschichte äußert gezwungen und wenig harmonisch.

Prinzipiell überzeugen die Darsteller aber, gerade Urban adaptiert genüsslich den Sprachjargon von DeForest Kelley. Auch Nimoys Anwesenheit wirkt gelungener als Shatners in Generations und fällt letztlich umfangreicher aus als gedacht. Insgesamt ist Star Trek ein annehmbarer und erfolgreicher Neustart, der vielversprechende Schauspieler einführt und speziell mit Action nicht geizt. Zwar bleibt sich Abrams in seinem Stil treu und verfolgt damit die Linie, die er mit Mission: Impossible III begonnen hat, doch lässt sich hoffen, dass in zukünftigen Abenteuern auch die Handlung stärker in den Fokus rückt. Selbiges gilt für die Nebenfiguren um McCoy und Chekov, die hinsichtlich der Aufmerksamkeit doch etwas zu kurz gekommen sind.

7/10

20. November 2008

How to Lose Friends & Alienate People

I got cock on my hand.

Was haben die beiden nicht jahrelang das britische Komödienfach geruled. Die Rede ist von Hugh Grant und Colin Firth, den beiden Charmebolzen aus England. Nett anzusehen, aber meist eher in den Bereich der Softies zu zählen, welche die Frauen für sich gewinnen. Doch wenn Grant und Firth Softies sind, dann ist Simon Pegg wohl Vernel, sprich extrasanft. Zwar haben auch die anderen beiden keinen Waschbrettbauch vorzuweisen, doch immerhin haben sie durch ihr Gesicht einen Pluspunkt bei den Frauen. Was nun nicht heißen soll, dass Pegg als „hässlich“ anzusehen ist, doch punktet der Komiker aus Gloucester wohl eher durch seinen Humor, denn sein Aussehen. Insidern der Filmszene dürfte er seit einigen Jahren ein Begriff sein, zu verdanken der Sitcom Spaced aus der Feder von Edgar Wright. Ebenjener Regisseur verhalf 2004 dann nicht nur sich selbst, sondern auch Pegg zu internationalem Ruhm, als sie mit der Zombie-Zote Shaun of the Dead auf sich aufmerksam machten.

Mit der Action-Persiflage Hot Fuzz legte man anschließend noch einmal nach und seither war Pegg vollends in die A-Liga der Comedians aufgestiegen. Zwar war seine Run, Fatboy, Run-Klamotte unter der Regie von Kumpel David Schwimmer nicht so erfolgreich wie die Kollaborationen mit Wright, doch änderte dies nichts an der Nachfrage für Pegg. Im nächsten Jahr gibt er den liebenswerten Schiffstechniker unter J.J. Abrams Neustart des Star Trek-Franchises und übernimmt dadurch zum zweiten Mal nach Mission: Impossible III eine Nebenrolle in einem Blockbuster. Zuvor ist er jedoch noch als tölpelhafter Journalist in Robert B. Weides Adaption von Toby Youngs Memoiren How to Lose Friends & Alienate People zu sehen. Bereits 2004 war Pegg für eine Bühnenadaption vorgesehen, musste jedoch aufgrund seiner Shaun-Beteiligung absagen. Vier Jahre später hat es nun also geklappt und mit einer namhaften Besetzung versuchte sich Curb Your Enthusiasm-Regisseur Weide an Youngs Erinnerungen an seine fünfjährige Leidenszeit im amerikanischen Vanity Fair Magazin.

Sidney Young (Simon Pegg) hat es nicht leicht, dabei will er doch nur für sein Magazin auf VIP-Partys. Da er jedoch nur eine kleine Nummer ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit getürkten Mittel eine kleine Sau als Schweinchen Babe auszugeben. Der Trick misslingt, doch Sidney schafft es dennoch auf die Party, wird dort jedoch letztlich von Clint Eastwood aus der Tür befördert. Sein Einfallsreichtum animiert immerhin „Sharp“-Chefredakteur Clayton Harding (Jeff Bridges) ihm eine Stelle in New York anzubieten. Zu sehr erinnert Sidney den Chef an seine eigene Vergangenheit. Doch in New York findet sich Sidney zuerst äußert schlecht zurecht. In einer Bar gerät er mit der Schriftstellerin Alison (Kirsten Dunst) aneinander, die sich am Tag darauf als seine neue Arbeitskollegin entpuppt. Auch mit seinem vorgesetzten Redakteur Maddox (Danny Huston) will Sidney nicht so richtig warm werden.

Ohnehin entpuppt sich die erste Tür der Promiwelt als ziemliche Ansammlung arroganter Persönlichkeiten. Sei es die Publizistin Eleanor (Gillian Anderson) oder ihr narzisstischer Protege, der aufstrebende Regisseur Vincent LePak (Max Minghella). Einziger Lichtblick schient die viel versprechende Schauspielerin Sophie Maes (Megan Fox) zu sein, die gerade mit einem Film über das Leben von Mutter Theresas großer Liebe den Durchbruch schafft. Nach vier Monaten hat Sidney allerdings immer noch keinen selbständigen Artikel verfassen dürfen und den Regeln der Branche will er sich einfach nicht beugen. Während er mit Alison in eine immer innigere Freundschaft rutscht, muss sich Sidney allmählich entscheiden, was er in seinem Leben wirklich will. Und was er bereit ist, dafür aufzugeben.

Toby Young veröffentlichte 2001 seine Memoiren unter dem Titel How to Lose Friends & Alienate People und machte dem zweiten Zusatz jenes Titels während der Dreharbeiten zu Weides Film alle Ehren. Scheinbar hielt Young sich am Set auf und trat an die Schauspieler, namentlich Kirsten Dunst, heran, um mit ihnen über ihre Rollen zu sprechen. Als es den Darstellern zu lästig wurde, ließ Weide den Schriftsteller vom Set entfernen. Ein Elefant im Porzellanladen ist auch der gute Sidney. Sei dies an seinem ersten Abend in New York, wenn er statt früh Schlafen zu gehen noch eine Transsexuelle mit nach Hause bringt oder wenn er ebenjene Transsexuelle seinem Vorgesetzten gegenüber in ein Meeting schickt.

Hierin finden sich nur einige der Fauxpas des guten Sidney, der nebenbei auch noch die Tochter des Verlagschefs bespuckt oder den Hund von Sophie Maes tötet. In jenen Momenten rutscht Weides Film bedauerlicherweise in die Gefilde einer Farrellykomödie hinab. Kruder Humor, wie er auch schon in Run, Fatboy, Run aufgetreten war. Dabei weiß How to Lose Friends & Alienate People durchaus mit einigen großartigen Szenen aufzuwarten, speziell dann, wenn Sidney und Alison gemeinsam auf der Leinwand zu sehen sind. Was leider viel zu kurz kommt ist eine gewisse Bissigkeit gegenüber der High Society beziehungsweise jenem Magazin, für das Sidney arbeitet. Hier wäre eine kritischere Herangehensweise a la The Devil Wears Prada wünschenswerter gewesen.

Dabei steht und fällt der Film natürlich mit der Figur des Sidney, der hier durchaus gelungen von Pegg dargestellt wird. Großartig wie nebenbei kleine Details über seine Persönlichkeit eingeführt werden. Dass er beispielsweise über einen Master of Arts in Philosophie verfügt, Vinylplatten CDs gegenüber bevorzugt oder wie er begründet, weshalb Con Air der beste Film aller Zeiten ist. Trotz all seiner Makel bleibt Sidney somit eine durchweg liebenswerte und sympathische Figur. Einzig und allein für die Exposition der offensichtlichen Liebesgeschichte zwischen ihm und Alison hätte Weide mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Dass sich beide ineinander verlieben lässt sich von Beginn an erahnen, umso wichtiger wäre das „wie“ gewesen. Doch jenes „wie“ wirkt wenig authentisch, quasi nebenbei, aber ohne dass es wirklich Nahrung erfahren hätte. Eventuell liegt dies lediglich am Schnitt und der Aussparung einiger Szenen, oder aber man hat es versäumt dies genauer im Drehbuch einzuarbeiten.

Auch der plötzliche Aufstieg des Briten wirkt reichlich überhastet, wie auch generell seine ursprüngliche Berufung in den Big Apple nicht sonderlich nachvollziehbar erscheint. So ist How to Lose Friends & Alienate People nichts weiter als eine durchschnittliche US-Komödie ohne besondere Schauwerte. Die absehbare Geschichte plätschert vor sich hin, bietet hin und wieder zwar durchaus amüsante Momente, weiß aber ihren eigenen Handlungsbogen wenig glaubhaft zu verkaufen. Scheinbar fühlt sich Pegg ohne seine beiden Partner Wright und Nick Frost nicht sonderlich wohl. So spielte Weides Film in den USA gerade einmal ein Drittel des Einspiels von Run, Fatboy, Run ein und damit nur ein Sechstel von Shaun of the Dead. Vielleicht verheißt dies ja positive Nachrichten für seine nächsten beiden Projekte Paul und The World Ends – beide an der Seite von seinem kongenialen Partner Frost und letzterer unter der Regie von Wright.

6/10

13. August 2007

Hot Fuzz

Ever fired your gun in the air and yelled, 'Aaaaaaah'?

Hatte zwar nach meinem damaligen Sneakbesuch bereits einen Post verfasst, aber der war dann doch etwas spärlich. Die Wertung von 9/10 hat sich bei der zweiten Sichtung auf DVD auch noch mal geändert (oder doch nicht?), daher jetzt eine ausführlichere Analyse dieses Action-Gag-Feuerwerks von diesem Jahr. Das Erfolgsteam aus dem Überraschungshit Shaun of the Dead hat sich bei Hot Fuzz wieder zusammengetan: neben Regisseur Edgar Wright wären das Hauptdarsteller Simon Pegg und die Nebendarsteller Nick Frost, sowie Bill Nighy. Unterstützt wurden sie diesmal von Jim Broadbent und Alt-Bond Timothy Dalton, versteckt zu sehen sind in Cameos auch die Oscarpreisträger Cate Blanchett und Peter Jackson, welche aufgrund ihrer Begeisterung zu Shaun in diesem neuen Werk, das als Dirty-Harry-Persiflage angekündigt war, auftauchen wollten.

Als Vorbereitung sahen sich die beiden Autoren Wright und Pegg 138 Cop-Filme an, um ein Gespür für die Dialoge zu bekommen. Diese fertige Ausarbeitung des Drehbuchs dauerte dann auch 18 Monate und besonders Point Break und Bad Boys II scheinen es den beiden dabei angetan zu haben, denn beide Streifen werden nicht nur im Film zitiert, sondern auch mehrfach auf sie verwiesen und sogar von den Charakteren auf DVD gesehen. Des weitern dienten Klassiker wie The Good, the Bad, the Ugly, Chinatown, Taxi Driver, The Omen oder auch Crocodile Dundee neben vielen anderen als Vorlage und wurden persifliert in Fuzz eingebaut. Dies macht natürlich immer dann extra Spaß, wenn man das Original kennt und sich an den gegebenen Stellen amüsiert. Dennoch ist Fuzz nicht in eine Schublade mit Spoof-Movies wie Hot Shots oder Scary Movie zu sperren, denn er erzählt eine eigenständige stringente Handlung über fast zwei Stunden.

Nicholas Angel (Pegg) ist ein Cop aus Leidenschaft und übertrifft die Verhaftungsrate seiner Kollegen um stolze 400%. Aus diesem Grund wird er auch befördert und in die friedlichste Stadt des Landes versetzt, damit er seine Kollegen nicht mehr blaß aussehen lässt. In dem schönen Örtchen Sandford bekommt er den naiv-dusseligen Danny Butterman (Frost) als Partner aufs Auge gedrückt und muss sich fortan um entflohene Schwäne und Tempoüberschreitungen kümmern. Doch wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Toter her. In Nicholas' Fall sind es sogar zwei und diese bleiben nicht lange allein. Ein Serienkiller scheint sein Unwesen in Sandford zu treiben und auch wenn alle die Morde als bloße Unfälle abtun, hat Angel schon schnell einen Verdächtigen ausgemacht, als er selber zur Zielscheibe des Mörders wird. Etwas ist faul im Örtchen Sandford und wie das bei Verschwörungen so meistens ist, reichen diese ziemlich weit nach oben.

Ohne zuviel verraten zu wollen sind die finalen 30 Minuten von Hot Fuzz das unterhaltsamste, was ich diesen Kinosommer erlebt habe und die Gagdichte ist hierbei außerordentlich hoch. Das Problem bei Fuzz ist jedoch, dass es anderthalb Stunden dauert bis es richtig losgeht und zuvor dümpelt der Film in seiner mit 45 Minuten ohnehin zu langen Exposition gemächlich vor sich hin. Es handelt sich natürlich um Sandford und die Tristesse des Zuschauers ist auch nur die Tristesse von Angel, dennoch fragt man sich mit der Zeit, was das eigentlich soll, denn auch wenn Fuzz teilweise als Thriller daherkommt, ist er eben keiner und an den entsprechenden Stellen merkt man dies ziemlich deutlich. Für Lacher sorgt die meistens Nick Frost, so wie er es bereits in Shaun getan hat und die vielen Polizeiklischees in den Vordergrund zu rücken ist zwar amüsant, wirkt im Zusammenhang mit dem restlichen Verlauf jedoch wie Zuckerbrot und Peitsche. Da hätte man den einen oder anderen Gag aus dem Finale schon früher einbauen können.

Schauspielerisch überzeugt der Film und jeder geht in seinem Part auf, dazu kommt die gelungene Regie und der passende Soundtrack - hier findet sich kaum Kritik. Die Witze und Querverweise zu den Genre"kollegen" sind treffend und respektvoll, die Effekte gelungen und erstaunlich blutig. Wäre nicht der fade Beigeschmack der extrem langen Exposition, dann hätte Fuzz sicherlich seinen Platz behaupten können und vielleicht hat mit auch einfach nur das Kinofeeling gefehlt. Es fällt einem aber wahrscheinlich auch schwerer eine gelungene Actionkomödie auf die Beine zu stellen, wie dies bei einem Zombiefilm wie Shaun es war der Fall ist, da bieten Zombies doch eine einfachere "Angriffsfläche". Das Talent von Wright, Pegg und Frost ist jedoch unbestritten und es bleibt zu hoffen, dass ihr nächstes Projekt wieder alle drei zusammenführt. Hier wäre Wright jedoch von Horror abzuraten, denn von allen Fake-Trailern aus dem GrindHouse-Projekt war seiner ("Don't") der schlechteste. Hot Fuzz ist ebenso wie Shaun eine nette Unterhaltung und Sicherheitsfaktor für einen gelungenen DVD-Abend, zu einem Meisterwerk fehlt es ihm dann aber doch.

8/10