14. September 2008

Shuttle

If you ever wanna see your family again, you better grow some balls.

Alles was sie wollten, war in einem Stück zu Hause anzukommen. So reißerisch beginnt der Trailer zu Shuttle, dem Regiedebüt von Edward Anderson und lässt zugleich vermuten, dass es im Film keine Selbstverständlichkeit werden wird, in einem Stück zu Hause anzukommen. Wenn zwei Freundinnen nach einem Wochenende in Mexiko vom LAX einfach nur nach Hause wollen, könnte das um zwei Uhr Nachts schon ein Problem werden. Oder nicht? So leer hat man den Flughafen von Los Angeles jedenfalls noch nie gesehen, auch nicht um zwei Uhr nachts. Dank strömendem Regen wollen die beiden Freundinnen Mel (Peyton List) und Jules (Cameron Goodman) sich mit einem Shuttlebus Downtown begeben. Nur sind jene Shuttles auch komischerweise rar gesät, den einen Bus, denn sie hatten, verlieren sie dann auch wieder. Ein anderer Fahrer (Tony Curran) bietet ihn an für die Hälfte des Geldes die gleiche Strecke zu fahren. Wie sich das für Opfer in Horrorfilmen gehört, fällt hier noch nicht der Groschen. Auch nicht als der Fahrer zwei andere Jugendliche abschmettern will, da seine Politik es nur sei drei Gäste mitzunehmen. Da sich die vier jungen Menschen jedoch zuvor bereits flüchtig kennengelernt haben, dürfen Seth (James Snyder) und Matt (Dave Power) doch noch mit in den Bus. Die Fahrt beginnt und endet schon bald in einem Umweg durch das Ghetto. Als dann auch noch ein Reifen platzt, geht der Horror los.

Anderson macht es sich einfach, indem er seinen Horror die meiste Zeit auf den Innenraum des Shuttlebuses beschränkt. Dass sich der Fahrer zum Antagonisten wandelt dürfte lediglich die Filmopfer überraschen. Was sich zuerst wie ein Raubüberfall anmutet, entpuppt sich dann jedoch als mehr. Der Fahrer hat eine Agenda, will sie seinen Opfern jedoch nicht verraten. Der verschüchterte Familienvater Andy (Cullen Douglas) glaubt jedenfalls, dass ihnen allen nichts passieren wird. Eine These, die er alleine teilt. Immer wieder bleibt der Bus stehen, während die Jugendlichen versuchen eine Fluchtmöglichkeit zu finden. Was wie eine willkürliche Fahrtroute wirkt, entpuppt sich im Nachhinein sehr viel geordneter, als es der Moment vermuten lässt. Interessanterweise findet in Shuttle eine gewisse Umkehr statt. Während der Licht durchflutete Innenraum des Shuttles den „Horror“ birgt, lauert außerhalb im Dunkel des Ghettos die eigentliche Freiheit. Doch die Chancen zur Flucht verpuffen alle, doch es gibt sie. Wie sich das gehört, für einen ordentlichen Horrorfilm. Anderson bedient hier alle Klischees des Genres und arbeitet dessen Konventionen systematisch ab. Stück für Stück. Da darf natürlich auch die klassische Szene nicht fehlen, in welcher das Opfer kurzzeitig die Kontrolle gewinnt und seinen Peiniger in Gewahrsam hat. Es muss hier natürlich an seiner Moralität scheitern. Wieso auch einen Soziopathen erschießen oder zumindest anschießen? Oder ihn aus dem Bus schmeißen? Oder überhaupt etwas tun, was nur halbwegs logisch wäre? Das wäre natürlich zu einfach, dann wäre der Film ja schon vorbei. Zudem liegt hier ja das Spannungsmoment. Opfer erhält die Überhand. Opfer verliert die Überhand. Und das ganze Spiel geht dann noch ein-, zweimal so weiter.

Beginnt Shuttle durchaus gut und ist in seiner ersten halben Stunde von einer gewissen Intensität geprägt, so beginnt der Film mit dem geplatzten Reifen im Ghetto selbst ins Straucheln zu geraten. Fortan gelingt ihm etwas, was selten ist im Filmgeschäft. Er wird kontinuierlich schlechter. Nicht auf einmal, sondern peu a peu, mit jeder Minute ein bisschen mehr. Der Spannungsaufbau lässt nach, was unter anderem dadurch geschuldet ist, da man merkt, dass insbesondere Mel strunzdoof ist und sich erahnen lässt, dass ihr Schicksal zu diesem Zeitpunkt bereits besiegelt ist. Und wenn man es mit so dummen Figuren zu tun hat, fällt es einem schwer wirklich mit ihnen mitzuleiden. Löblich, dass Anderson wie andere seiner Kollegen (z.B. Jonathan Levine in All the Boys Love Mandy Lane) versucht bei seinem ersten Kinofilm ja nichts falsch zu machen, indem er alles so macht, wie hunderte seiner Kollegen zuvor. Dann darf er jedoch auch nicht erwarten, dass sein Film wirklich gelingt. Denn leider geht Shuttle jegliche Innovation ab, hier finden sich keine eigenständigen neuen Ideen, nichts was man lobenswert auf Andersons Seite niederschlagen könnte. Ohnehin scheint das innovative Horrorkino in einer Ebbe zu liegen, da auch jene Wendungen, die Shuttle einschlägt, in dieser Form bereits haufenweise dagewesen sind. Man entlarvt Andersons Werk somit relativ früh, auch wenn das finale Motiv lange Zeit nicht wirklich absehbar ist – was es jedoch keine Spur kreativer macht. Dass es in den letzten Jahren an ideenreichen Horrorfilmen fehlt, merkt man auch an der neuen Welle des Gewaltkinos aus Frankreich, die sich jedes Jahr (À l’intérieur, Martyrs) versuchen in ihrer expliziten Brutalität nochmals zu überbieten.

Da Anderson durch seine Geschichte keinen Preis gewinnen kann, muss sein Film auf anderer Ebene punkten, doch auch im technischen Bereich beeindruckt der Newcomer durch Eindruckslosigkeit. Die Einstellungen, in denen er sich oft der Nahaufnahme bedarf, sind meist nicht unbedingt günstig gewählt um die Stimmung im Shuttlebus zu transferieren. Hier merkt man, dass der Amerikaner noch nicht viel Erfahrung hinter der Kamera hat. Dabei ist ihm seine Besetzung der Figuren immerhin relativ gut gelungen. Hier hebt sich besonders Cameron Goodman hervor, die sich im Laufe des Filmes vom klassischen blonden Dummchen doch relativ tough entwickelt. Zumindest ist sie sich der Situation mehr bewusst als ihre intellektuellere Freundin Mel, die jedoch von Peyton List entgegen den Schwächen der Figur überzeugend verkörpert wird. Selbiges gilt auch für Cullen Douglas und Tony Curran, die ihre etwas eindimensionalen Figuren mit ihrer schauspielerischen Erfahrung ohne Probleme zu beherrschen wissen. Herzstück von Shuttle soll dann seine Auflösung sein, die sich erst in den letzten zehn Minuten offenbart und sich letztlich in der finalen Einstellung preisgibt. Über dieses Motiv ließe sich natürlich auch streiten, da es in der gezeigten Form nicht unbedingt plausibel und weit weniger ein „Schlag in die Magengrube“ ist, wie es die Macher zuvor angekündigt haben. Doch zu diesem Zeitpunkt, nach über neunzig Minuten, ist man schon froh, dass dieser Film endlich sein Ende gefunden hat, und jede Person das bekommen hat, was sie ihrem Verhalten zuvor nach im Grunde auch verdient hat. Vielleicht gelingt es Anderson ja bei seinem zweiten Film ein bisschen kreativer zu sein.

3.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

The X Files - Season Two

Gentlemen, that was the phone call I never wanted to get.

Was war in der ersten Staffel von The X Files nicht alles passiert: FBI-Talent Fox Mulder (David Duchovny) erhält mir der skeptischen Dana Scully (Gillian Anderson) eine neue Partnerin, deren Aufgabe es war für die Oberen die Arbeit von Mulder zu protokollieren. Bereits hier drückte sich aus, dass man Mulder innerhalb des FBI als eine Bedrohung ansah, weshalb genau war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Die so genannten X-Akten behandelten paranormale Fälle, zumindest nach Mulders Auffassung. Für Scully hingegen schien es immer mehr darum zu gehen, das Paranormale an diesen Fällen zu widerlegen. Ironischerweise trat dann auch meist der Fall ein, dass Scully einen Schritt zu spät kam und im Gegensatz zu Mulder und dem Publikum nie wirklich die jeweiligen Aktivitäten sah. Umso erstaunlicher ist daher ihre intensive Loyalität, die sie begann gegenüber Mulder zu empfinden. Zudem präsentierte die erste Staffel sogleich das Schema der von Chris Carter entwickelten Serie: den Alien-Kanon und die „monster of the week“-Episoden. Letztere nehmen klar die Mehrheit für sich ein, während die Alien-Folgen durch die Staffeln hindurch verstreut sind. In den 25 Folgen der zweiten Staffel finden sich insgesamt sechs Folgen, die direkt mit der Invasion der Außerirdischen zu haben. Bezeichnend ist die Tatsache, dass oft dann, wenn eine kanonische Folge ausgestrahlt wird (Colony, Anasazi) neben Carter auch Hauptdarsteller Duchovny als Autor geführt wird. Dies ist insbesondere deswegen amüsant, da Duchovny selbst, im Gegensatz zu Kollegin Anderson, nicht an außerirdisches Leben glaubt.

Neben Scully als loyaler Partnerin machte Mulder zuvor auch die Bekanntschaft seines Regierungsinformanten Deep Throat. Eine zwiespältige Figur, die im Finale der ersten Staffel ihr Leben lassen musste. Die Auswirkungen von The Erlenmeyer Flask spiegeln sich sofort in Little Green Men wieder. Die X-Akten wurden geschlossen, Mulder und Scully somit getrennt. Doch Mulder lässt sich nicht unterkriegen und forscht auf eigene Kosten weiter. Sein Ausflug nach Südamerika wird nicht der einzige außerirdische Kontakt werden, den er in dieser Staffel hat. Als Frischfleisch für den Kanon werden auch drei neue Figuren eingeführt, allen voran wohl die wichtigste: der mysteriöse Mr. X (Steven Williams). Er dient quasi als Ersatz für Deep Throat, nur wirkt er noch bedrohlicher als dieser, noch mehr in seine eigene Agenda verwickelt. In der vierten Folge Sleepless wird Mulder ein neuer Partner zur Seite gestellt, eine essentielle Figur innerhalb von The X Files: Alex Krycek (Nicholas Lea). Wie sich bald herausstellt, ist Krycek der Informant des Syndikats und dient als dessen Allzweckwaffe, der sich auch nicht zu schade ist im Staffelfinale Anasazi Mulders Vater umzubringen. Die letzte bedeutsame Figur ist der außerirdische Kopfgeldjäger (Brian Thompson), der für das Interessenfeld der Aliens auftritt. Welche Ausmaße deren Auftreten auf der Erde hat, wird speziell in den Folgen Colony, End Game und Anasazi thematisiert. Gerade in letzterer stellt sich der Zusammenhang zwischen den Regierungen dieser Erde und den Außerirdischen erst einigermaßen heraus. Wobei hier eher noch vom Syndikat, als von den jeweiligen Regierungen zu sprechen wäre.

Suspect: I don’t answer any questions until I talked to my lawyer.
Mulder: Who’s your lawyer?
Suspect: I represent myself.

Die technische Seite der zweiten Staffel kommt nun weitaus glatter und sauberer daher, als dies noch bei der ersten Staffel der Fall gewesen war. Die Bilder wirken insgesamt professioneller da klarer. Obwohl es bereits das zweite Jahr der Serie ist, trifft Skinners (Mitch Pileggi) Aussage in einer der späteren Folgen durchaus zu: „This is just the beginning“. In der Tat beginnt The X Files erst jetzt richtig, vor allem hinsichtlich der kommenden Entwicklungen. Scullys Obduktion der Außerirdischen in Ascension, ihre Rückkehr und komatöser Zustand in One Breath, all das wird anschließend nicht mehr thematisiert, gar unter den Teppich gekehrt, in den späteren Staffeln jedoch wieder aufgegriffen. Auch Krycek wird sich als hartnäckiger Antagonist für Mulder immer wieder beweisen dürfen. Fehlen dürfen in diesem Zusammenhang auch nicht die Lone Gunmen, die Mulder hin und wieder mit ihrem Wissen auf die Sprünge zu helfen wissen. Dagegen halten sich die Gastauftritte dieses Mal eher bedeckt, neben Vincent Schiavelli (Better Off Dead…) und Nick Chinlund (Con Air) sind am namhaftesten wohl die beiden heutigen Serienstars und Emmy-Preisträger Tony Shalhoub (Monk) in Soft Light, sowie Terry O’Quinn (Lost) in Aubrey. Ironischerweise taucht O’Quinn innerhalb des X Files-Universum drei Mal auf, zwei Mal in der Serie und ein Mal im Kinofilm. Jedes Mal spielte er dabei eine andere Figur.

Auch in der zweiten Staffel kommen die humoristischen Aspekte nicht zu kurz (s. Dialog), gerade Mulder weiß mit einer gewissen Selbstironie aufzutreten. Jedoch zeichnet sich die Staffel auch durch Ernsthaftigkeit und Intensität aus. Skinner schlägt Mr. X, Mulder schlägt Skinner und Scully schießt auf Mulder – man erinnere sich: „This is just the beginning“. Neben den Gaststars gibt es wieder den einen oder anderen filmischen Verweis, beispielsweise auf The Omen oder in der Folge Fearful Symmetry zu Michael Crichtons Congo. Neben den Alien-Folgen sind es wieder die „monster of the week“-Episoden, die besonders gelungen sind. Mulder und Scully bekommen es nun mit Vampiren, Kannibalen, Satanisten, Wurmlöchern, Voodoo und bösen Zwillingen zu tun. Dabei sind die meisten Folgen durchweg überdurchschnittlich spannend und interessant aufgebaut, wohingegen Firewalker negativ heraus sticht. Die gesamte Folge ist im Grunde ein Abklatsch von Ice, nur dass sich die Handlung diesmal in einem Vulkangebiet abspielt. So dicht auf die erste Staffel folgend ist dass recht einfallslos. Als gelungenste Folgen betrachte ich selbst 3 und Død Kalm, gerade letztere zeichnet sich durch eine meisterliche Arbeit der Maskenbildner aus. Aber auch einige andere Folgen wie Colony, Humbug oder The Calusari sind nahezu perfekt. Es gelingt der zweiten Staffel somit inhaltlich gut an den Vorgänger anzuknüpfen. Die Charakterentwicklungen wissen dabei ebenso zu gefallen, wie allgemein die konstant gute Qualität der Folgen, die sich nur sehr selten ins Mittelmaß herablassen. Auch hier verspricht der cliffhanger des Staffelfinales wieder Lust auf die kommende Staffel.

8.5/10

12. September 2008

Dance of the Dead

But I don't know how to shoot a machete

Zombies. Sie gehören zu den liebsten übernatürlichen Gegenspielern im Horrorgenre und bei Wikipedia finden sich problemlos über dreihundert Filme, die sich mit ihnen beschäftigen. Als Urvater wird dabei gerne George A. Romero gesehen, der den Zombie, wie er in den letzten Jahrzehnten in Filmen auftrat durch seinen 1968 erschienenen Night of the Living Dead etablier hatte. Dabei finden sich Zombies schon weitaus länger im popkulturellen Bereich, so zum Beispiel in Plan 9 From Outer Space von Edward D. Wood Jr. oder in Werken von H.P. Lovecraft. Dass Zombies nicht nur zum Gruseln, sondern auch zum Lachen anregen können, beweisen dabei Komödien wie Fido oder Edgar Wrights Shaun of the Dead. Lange vor den beiden entstand in Ende der Neunziger die Drehbuchfassung zu Dance of the Dead von Gregg Bishop. Fast zehn Jahre lang konnte dieser den Film nun nicht umsetzen, ehe er dieses Jahr endlich auf Festivals zu sehen ist. Mit größtenteils Laiendarstellern aus der Umgebung drehte Bishop seine kleine aber feine Independent-Produktion, die sich vor einem Shaun of the Dead keinesfalls zu verstecken braucht. Mit ungemein viel Selbstironie und Lockerheit gelingt es Bishop stattdessen sein Publikum im Sturm zu nehmen, was neben dem überaus pointierten Drehbuch vor allem seinem sehr stimmig zusammengestellten Ensemble zu schulden ist.

Es naht der Abschlussball an der Coosa High School und wie das mit High School Filmen so ist, stellt der Abschlussball das größte bisherige Ereignis im Leben der Teenager dar. Und Dance of the Dead beginnt auch wie ein klassischer High School Film, präsentiert er doch all die Klischeehaften Figuren, die in ihr beheimatet sind. Zumindest fast alle. Da gibt es das Cheerleader Gwen (Carissa Capobianco) und den Nerd Steven (Chandler Darby), der auf sie steht. Es gibt mit Lindsey (Greyson Chadwick) den Kontrollfreak, der amüsanterweise mit Jimmy (Jared Kusnitz) liiert ist, einem notorischen Spaßmacher. Für Jimmy ist alles ein Witz, auch seine Beziehung zu Lindsey scheint er nicht sonderlich Ernst zu nehmen, ehe diese ihn für den Abschlussball sitzen lässt. Die Schule verfügt neben einem Sportlehrer mit Autoritätssucht (Mark Oliver) auch über die Geek-Gruppe des Sci-Fi-Clubs unter Leitung ihres Präsidenten Jules (Randy McDowell) oder den Schulrowdy Kyle (Justin Welborn), der mit jedem anderen Schüler schon mal schmerzliche Bekanntschaft gemacht hat. Kiffende Rockmusiker dürfen hier ebenso wenig fehlen wie terrorisierende Lehrer – nur einer fehlt: der Sportler. Ja, wo ist eigentlich der Sportler in Dance of the Dead? Dabei hätte er sich so gut eingefügt in das Geschehen, ein Charakter von muskulöser Statur, der sich als beliebtes Opfer oder in anderem Fall als Feigling hätte herausstellen können. Man vermisst ihn dann doch in diesem Potpourri der klassischsten Figuren, aber der Film funktioniert auch ohne ihn. Und als die Untoten anfangen aus ihren Gräber zu springen sind sie sowieso alle gleich, die Schülerinnen und Schüler der Coosa High School.

Bishop versucht seinen Film zu keinem Zeitpunkt zu verschleiern, das Budget merkt man ihm von seiner ersten Einstellung auf dem Friedhof direkt an. Es ist jedoch auch fraglos jener Independent-Status, der Dance of the Dead so gelungen macht und ihm jene Atmosphäre verleiht, die den Film ebenfalls zu diesem frühen Zeitpunkt bereits auf die Siegesspur verhilft. Auf sehr charmante Weise werden nicht nur die Zombies direkt in das Geschehen eingeführt, sondern sogar noch ein Auslöser für ihre Entstehung geliefert. Im Hintergrund sieht man ein riesiges Atomkraftwerk, welches ein Motiv für eine Fortsetzung bilden könnte, die jedoch weitaus schwieriger zu inszenieren wäre, als dieser Teil. Nachdem Bishop klar gemacht hat, dass die Zombies anwesend sind, wendet er sich dem konventionellen Stilmittel des High School Films zu. Nach und nach stellt er seine jeweiligen Figuren vor, in ihrer natürlichen Umgebung und ihrem Hauptcharakteristikum. Die Figuren sind nunmehr vorgestellt, haben eine Persönlichkeit bekommen und zugleich ihren Platz im Herzen des Zuschauer gefunden. Doch Bishop beschränkt sich hier nicht auf die bloße Exposition für die späteren dramatischen Ereignisse, sondern er hält seinen Film bereits hier mit seinem Humor als Leim zusammen. Im Zentrum steht dabei natürlich passenderweise der Schulclown Jimmy.

Wenn die Kacke erstmal am Dampfen ist, beschreitet der Film weitestgehend die vorgeschriebenen Wege. Da die meisten Menschen auf dem Schulball sein werden, dürften sich auch alle Zombies dort versammeln. Diese müssen aufgehalten werden und die Gruppe der Überlebenden beginnt ihre Mission. Hierbei zelebriert Bishop den Weg als Ziel, den er für seine jungen Schauspieler als coming-of-age-Story vorbereitet. Wenn sich Schulnerd und Schulrowdy gemeinsam verbarrikadieren und darüber hinwegsehen, dass der eine dem anderen einst den Arm gebrochen hat, da man froh ist, jetzt so jemand in den eigenen Reihen zu haben, darf das als gelungene Transformation angesehen werden. Wenn jener Schulrowdy nachher in den sauren Apfel beißen muss und im Angesicht seines Todes all seine Hänseleien bereut, ist das nur der konsequente Weg. Alles weiterhin nach Richtlinie Bishops. Die Figuren wachsen unter diesen dramatischen Zuständen, sie reifen und überwinden ihre Probleme und Konflikte. Doch Bishop verliert zu keinem Zeitpunkt die übergeordnete Komik aus den Augen und sei es nur ein Einzeiler oder eine bloße Bewegung. Der Humor steht in Dance of the Dead über allem und findet sich beinahe ausnahmslos in jeder Szene, verdankt sich dabei der schrägen Zusammenstellung der einzelnen Charaktere. Dass es dem Regisseur gelingt, hier jenen plumpen amerikanischen Humor aus American Pie und Konsorten zu umgehauen und stattdessen in die Richtung von Serien wie The Big Bang Theory einschlägt, weiß die Zombie-Zote auf ein überdurchschnittliches Niveau zu heben.

Neben seinen vielen liebenswerten Figuren und erstaunlich einfallsreichen Ideen weiß Bishops Film jedoch auch durch einen sehr stimmigen Soundtrack zu gefallen, ebenso wie durch seine rar gesäten Goreeffekte. Diese befinden sich natürlich auf niedrigem Niveau, was es ihnen jedoch umso leichter macht sich in den Kontext des übrigen Geschehens einzuordnen. Aber Dance of the Dead könnte nicht funktionieren, wenn der großartige Humor nicht wäre, der gerade durch seine absurden Züge (Vizepräsidentin des Schulballes streitet sich mit Präsident des Sci-Fi-Clubs um die Autorität aufgrund ihrer Titel) besonders viel Spaß macht. Dass Crossover aus Zombiefilm und High School Komödie geht hier voll auf und sorgt für ein Höchstmaß an Stimmung, besonders natürlich in der Gruppe. Mit welcher Leichtigkeit Bishop hier seine Geschichte inszeniert nötigt einem durchaus Respekt ab und lässt hoffen, dass man vom Amerikaner noch mal einen ähnlichen guten Film zu sehen kriegt. Der Humor bewegt sich dabei auf einem ähnlichen Niveau wie es im britischen Vertreter Shaun of the Dead der Fall ist, wobei sich beide Filme letztlich in ihrem Unterhaltungsfaktor nichts nehmen und Dance of the Dead ob seiner anarchischen Szenen fast der Vorzug zu geben wäre. Für Fans von Zombiekomödien ist Bishops letztes Werk daher ein Muss und kann auch als Komödie generell uneingeschränkt als kleiner Geheimtipp weitergereicht werden. Seinen Platz im Zombiefilmkanon dürfte er gefunden haben.

8/10 - erschienen bei Wicked-Vision

Repo! The Genetic Opera

Why oh why are my genetics such a bitch?

Ein Mann, dem seine Frau genommen wurde, von seinem großen Konkurrenten. Der voller Schmerz zum Spielball wurde und der mit ebenjenem Konkurrenten um das Schicksal seiner Tochter kämpft. Das war dieses Jahr der Inhalt von Tim Burtons düsterer Musicalmär Sweeney Todd, die auf dem Bühnenstück von Stephen Sondheim basierte. Ähnlich verhält es sich jedoch auch mit der Rock-Oper Repo! The Genetic Opera, die nun ebenfalls blutig eine Familientragödie zu erzählen versucht. Der neue Film von Darren Lynn Bousman, dem Regisseur von Saw II bis Saw IV, basiert auf einem gleichnamigen Kurzfilm von Bousman selbst, welchen dieser 2006 gedreht hat. Der Kurzfilm wiederum basierte auf einem jahrelang aufgeführten Bühnenstück. So schließt sich also der Kreis und Bousman begeht nach seinen eher durchschnittlichen Saw-Fortsetzungen einen etwas künstlerischen Pfad, wird in Repo! doch gänzlich auf Sprechrollen verzichtet. Denn immerhin handelt es sich um eine Oper und gesungen wird zur Genüge. Ebenso wie sein Kollege Burton schien sich Bousman hier eher auf die Darsteller denn ihr musikalisches Talent verlassen zu haben, da man besonders Paul Sorvino, aber auch einigen anderen ihre Schwierigkeiten mit den Musikstücken anmerkt. Da kommt es Alexa Vega und Co. sicherlich gelegen, dass es sich um keine Arien, sondern Rocksongs handelt, die weniger von den Stimmen der Sänger, denn ihrer Musik getragen werden.

Wenn man so möchte, bietet Repo! einige Kritikpunkte an unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Es ist eine düstere Zukunft, die Bousman präsentiert. Ein kollektives Organversagen droht die Menschheit auszulöschen. Doch wer das amerikanische Gesundheitswesen kennt, der weiß, dass auch in Krankenhäusern nur Bares wahres ist. Wer sich keine Transplantation leisten kann, ist zum Sterben verdammt. Diese Lücke wird nun von GeneCo geschlossen, der Firma des Industriellen Rotti Largo (Paul Sorvino). Er bietet den kranken Menschen preiswert Organe an, die sie in den kommenden Jahren wieder finanziell abstottern können. Sollte es ihnen jedoch nicht möglich sein ihre Schulden zu bezahlen, tritt der Repo Man auf den Plan, welcher GeneCos Organe wieder zurück in Firmenbesitz führt. Doch Largo selbst ist unheilbar an Krebs erkrankt, weshalb sich seine drei nichtsnutzigen Kinder, allen voran die operationsgeile Amber Sweet (Paris Hilton), auf sein Erbe stürzen wollen. Aber Largo hat einen anderen Plan, will vielmehr die 17-jährige Shilo (Alexa Vega) zur Erbin machen. Als Lockmittel verspricht er ihr eine Heilung gegen ihre Blutkrankheit, die ihr von ihrer Mutter vererbt wurde, die bei der Geburt starb. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn in Wirklichkeit verbindet Largo weitaus mehr mit Shilos Familie, hatten er und Shilos Vater Nathan (Anthony Head) doch einst in Marni dieselbe Frau geliebt. Einst war es Largo, der Marni vergiftete und Nathan durch seine Schuldgefühle letztlich dazu zwang für ihn als Repo Man zu arbeiten. Jetzt schließt sich ein Kreis und die Show kann beginnen.

Die Kulisse für Bousmans Repo!-Welt ist von digital billigen Effekten gezeichnet, die jedoch im trashigen Kontext des ganzen Filmes so gut wie gar nicht stören, sondern diesen sogar zusätzlich zu bedienen wissen. Eine Welt voller chirurgischer Eingriffe, wo kaum noch jemand ohne kosmetische Korrektur und neue Organe auskommt. Wer sich seine Leber tot trink kann einfach eine neue kaufen. Die Welt von heute schon morgen, wenn man es so sehen will. Bousman erlaubt sich hier einen gelungenen Seitenhieb auf die zeitgenössische amerikanische Kultur, in der Teenager sich bereits Brustvergrößerungen und Nasenoperationen unterziehen. Es kommt auf die inneren Werte an, das erklärt auch der Grabräuber (Terrance Zdunich), der jedoch eher auf die Organe von GeneCo anspielt, denn auf ethische Werte. Die unbekannte Stadt, die in Repo! die Kulisse bildet, ist immer in Nacht gehalten, Bousman lässt keine von Sonnen durchfluteten Bilder auf seiner Leinwand zu. Es ist dunkel und es ist düster – und niemand stört sich dran. Die Menschen sind zufrieden. Zufrieden mit ihren gekauften Organen, zufrieden mit ihrer Sucht nach dem Schmerzmittel Zydrate. Da verwundert es auch nicht, dass der Mobster und Großkriminelle Rotti Largo als Heilsgestalt gefeiert wird, als Retter der Gesellschaft.

Obschon sich Repo! The Genetic Opera als Filmoper preist, finden sich durch die eine oder andere nicht gesungene Zeile. Neben den hauptsächlichen gesungenen Dialogen und einigen rockigeren Songs darf aber auch Sarah Brightman als Blind Mag eine wahrhaftige Opernarie anstimmen. Nicht zuletzt ist sie es, die professionelle Musikerin, die als einzige wirklich und wahrhaftig durch ihre Stimme überzeugen kann. Allerdings schlagen sich auch Zdunich und Vega respektabel, wobei dies hier, wie auch in Sweeney Todd, eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Songs selbst sind zu einem Großteil durchaus gut geraten, wobei besonders Zydrate Anatomy und Chase the Morning hervorzuheben sind. Glücklicherweise begeht Bousman nicht den Fehler seinen Film auch nur zu einem Zeitpunkt besonders Ernst zu nehmen. Auf sehr selbstironische Weise trägt er stattdessen seine Geschichte vor, die sich immer wieder derselben Stilmittel bedient und neben diesen auch mit Largos kaltschnäuzigen weiblichen Bodyguards zu amüsieren weiß. Aus der ganzen Regie doch recht namenhafter Darsteller ragt dann nochmals Hotelerbin Paris Hilton heraus – allerdings negativ. Ihr Schauspiel ist grauenhaft schlecht, sodass ihre beste Szene im Film jene ist, in der ihr sprichwörtlich ihr Gesicht abhanden kommt. Generell ist Bousmans neuer Film jedoch im Vergleich zu seinen Saw-Vehikeln eine kleine „Meisterleistung“, weiß er doch neben seinem Unterhaltungsfaktor sogar einen Funken an Sozialkritik zu präsentieren. Sein trashiger Look und seine weitestgehend gelungenen Songs machen den Film dank der einen oder anderen Goreszene und der dramatischen Komposition im Stile William Shakespeares für jeden Horrorfan durchaus sehenswert. Wie viele Horroropern kann man sonst sehen?

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

11. September 2008

Outlander

You think you can frighten us with children stories?

Wer kennt sie nicht, die Geschichten der tapferen und blutrünstigen Wikinger? Bekannt durch Filme wie Die Wikinger mit Kirk Douglas und Tony Curtis oder durch die Comicstrips Hägar der Schreckliche oder Vickie und die starken Männer. Und wer kennt nicht die Story vom außerirdischen Jäger, die durch das Meisterwerk Predator Einzug in die Filmgeschichte genommen hat? Oder die Legenden von Drachen, die in Hollywood neben ihrem klassischen Kontext in Filmen wie Dragonheart oder individuell in Reign of Fire verarbeitet wurde? Was kann es also für einen Filmfan größeres geben, als die Verbindung all dieser Komponenten? Ein außerirdischer Jäger der mit Wikingern zusammen Drachen jagt. Das hört sich nicht nur nach Trash Galore an, das verspricht im Grunde bereits der Trailer. Und der kündigt auch an, dass Outlander von Produzent Barrie M. Osborne finanziert wurde und der ist immerhin verantwortlich für einen Film namens Lord of the Ring. Ich selbst kenne zwar weder einen Film mit solchem Namen, noch habe ich je von ihm gehört, gehe jedoch schwer davon aus, dass die Macher auf Peter Jacksons Tolkien-Adaption Lord of the Rings anspielen. Nun gut, es kann sich ja nicht jeder den Namen der kommerziell erfolgreichsten Filmtrilogie aller Zeiten merken. Oder vielleicht war es Absicht, wer weiß dass schon. Auf den Trailer sollte man jedoch nicht zu viel geben, denn den versprochenen Trash sucht man in Outlander anschließend vergeblich.

Ein außerirdisches Raumschiff stürzt auf der Erde ab, mit tödlichem Kargo. Das kennt man ja bereits aus Aliens vs. Predator: Requiem. Lediglich zwei Überlebende beherbergt das Schiff: den Soldaten/Jäger Kainan (James Caviezel) und das Ungeheuer Moorwen. Während Kainan den Flugschreiber einschaltet, damit er abgeholt werden kann, transferiert er seine Sprachkodierung auf die entsprechende Gegend und Epoche der Erde. Anfang des achten Jahrhunderts findet sich der Außerirdische in Norwegen wieder. Im Wikingerzeitalter. Mit jenen gerät Kainan dann auch recht schnell aneinander, wurde doch das Dorf eines benachbarten Clans gebrandschatzt. Weder der König Rothgar (John Hurt), noch dessen designierter Nachfolger Wulfric (Jack Huston) glauben dem „Outlander“ seine Story von der Drachenjagd. Schließlich gibt es keine Drachen. Dennoch jagen sie gemeinsam mit ihm jenes Monster, welches auch ihr eigenes Lager heimgesucht hat. Doch der Bär, den sie erledigen, täuscht lediglich die Wikinger. Kainan ist weiterhin auf der Lauer und erst als die Wikinger selbst dem Moorwen in die Augen blicken, glauben sie Kainans Geschichte. Nun sind sie Feuer und Flamme für die Ideen des Fremdlings, der schon bald einen Plan aufzuwarten hat. Dabei versteckt sich hinter Kainans Heimatwelt, den Moorwens und der Beziehung dieser beiden Geschöpfe eine sehr viel vielschichtigere Geschichte, als sich zuerst vermuten lässt. Diese ist weniger für Outlander selbst relevant, sondern an das (amerikanische) Publikum gerichtet und wartet in ihrem Kern mit einer politischen Botschaft auf.

Man sollte sich von Howard McCains Kinodebüt nicht täuschen lassen, all die Ähnlichkeiten zu Predator, Braveheart oder Highlander sind kaum vorhanden und wenn dann äußerst minimal. Verspricht der Trailer ein Nonsens-Trash-Vehikel, so ist der Film sehr viel stringenter als man geahnt hätte. Der Konflikt zwischen Rothgars und Gunnars (Ron Perlman) Volk wird kaum thematisiert und wird von der Ankunft des Moorwen in den Hintergrund gerückt. Viel bedeutsamer als die vordergründige Geschichte in Outlander ist dabei der Hintergrund der Rahmenhandlung. Kainans Volk ist technologisch überlegen, humanoid und geltungssüchtig. In einer Szene des Filmes, die man zu diesem Zeitpunkt als Katharsis der Figur empfindet – obschon sich später herausstellt, dass diese keine solche durchmacht -, erläutert Kainan dies gegenüber Freya (Sophia Myles), der Tochter Rothgars. Kainans Volk ist imperialistisch, bedient sich anderer Planeten um neuen Raum für das eigene Volk zu schaffen. So entdeckten sie auch den Planeten der Moorwens, welche anschließend weitestgehend durch Bomben vernichtet wurden, während die wenigen Überlebenden einzeln gejagt wurden. Ebenjenes Moorwen bildet dabei das letzte seiner Art, vernichtete das Camp von Kainan und tötete seine Frau und seinen Sohn.

Jene fünf Minuten sind klar eine Kritik an unserer eigenen Gesellschaft, die so viele Ähnlichkeiten mit Kainans besitzt. Wenn er seine Geschichte mit Tränen und Kummer in den Augen erzählt, merkt er selbst, dass sowohl sein Volk als auch er selbst den Moorwens Unrecht getan hat, dass sie es sind, die im Grunde die wahren Monster darstellen. Nun würde man meinen, dass eine Art Verzeihen oder Kommunikation zwischen Jäger und Gejagtem stattfindet, doch weit gefehlt. Hier verrät sich der Film selbst oder zumindest wird der Held der Geschichte als kaltblütig dargestellt. Der Sinn der Rückblende, die doch eine Einsicht beinhaltet, wird bei der Umkehr dieser nicht wirklich klar. Ebenso wenig wie andere Aspekte von Outlander Sinn ergeben. So erklärt Kainan, dass sein Volk einen Außenposten in unserem Sonnensystem hat. Da die Lebensbedingungen auf Kainans Welt nicht nur identisch mit derjenigen der Moorwens, sondern auch der unseren ist, fragt man sich, weshalb Kainans Volk sich nicht einfach der Erde bemächtigt. Immerhin befindet sich diese gerade in der Geburtsstunde des Mittelalters, knapp neunzig Jahre vor der Kaiserkrönung von Karl dem Großen. Es wäre ein leichtes gewesen, diese kümmerlichen Erdlinge auszulöschen. Zumindest einfach als gegen die Moorwens zu kämpfen. Eine Frage, welche der Film vernachlässigt nachzugehen, was den Kampf gegen die Moorwens nur noch unverständlicher macht und mit jenem nicht stattfindenden Charakterwandel des Protagonisten am meisten stört und im Grunde das Prinzip der ganzen Geschichte verrät.

Im Endeffekt nimmt sich Outlander also sehr viel ernster, als man erwartet hätte. Zu einem Großteil funktioniert der Film dennoch, obschon er gerade in seinem Finale sehr gestreckt ist und ihm insgesamt etwa fünfzehn Minuten weniger weitaus besser gereicht wären. So schadet ihm neben seiner Laufzeit vor allem die misslungene moralische Komponente. Dennoch funktioniert McCains Film über weite Strecken, zumindest besser wie andere Wikinger-Epen der neueren Zeit, zum Beispiel der desolate Pathfinder. Die Darsteller agieren überraschend gut, wobei insbesondere Jack Huston hervorzuheben ist, der seinem Wulfric überaus authentisch darstellt. Der größte Pluspunkt ist bei seinem Budget von nicht einmal fünfzig Millionen Dollar jedoch die Konzeption des Moorwen. Von welchem man zugegebenermaßen wenig in aller Deutlichkeit sieht und schon gar nicht seine Anatomie erklärt bekommt, dass von den Weta Studios für diesen Preis jedoch überaus gelungen digitalisiert und glaubwürdig in das natürliche Umfeld integriert wurde. Zu einem guten Film fehlt Outlander dann jedoch einiges, allen voran die bessere Umsetzung der angesprochenen Kritikpunkte. Im Vergleich zu anderen Vertretern der ähnlichen Genres ist McCains Debüt dann aber doch weitaus besser und stimmiger in Szene gesetzt. Überaus amüsant zudem die Tatsache dass Kainans Heimatsprache im Film Altnordisch ist, während die Wikinger/Altnorweger Englisch reden. Eine gewisse Treue wurde hier also beibehalten, da ein Sci-Fi-Abenteuer mit Untertiteln gerade dem amerikanischen Kinopublikum schwerlich zu verkaufen gewesen wäre.

5.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

10. September 2008

Afro Samurai

Nothing personal. It's just revenge.

Tief verwurzelt in der japanischen Kultur finden sich zwei Dinge: Samurai-Geschichten und Mangas. In Japan ist man fraglos stolz auf seine feudale Vergangenheit, welche den Berufszweig der Samurai, einer stolzen Kriegerkaste, hervorbrachte. Gerade die japanische Regielegende Akiro Kurosawa hatte jenen Samurai mit seinen Filmen wie Shichinin no samurai oder Yojimbo ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt und zugleich tiefe Eindrücke bei der westlichen Welt hinterlassen. Nicht umsonst dienen gerade diese beiden Filme noch heute für Remake-Versionen, passender Weise natürlich im Westerngenre verhaftet. Und auch ihre Mangas sind den Japanern lieb und teuer, was Produkte wie Ghost in the Shell, Akira, Gilgamesh oder Full Metal Alchemist beweisen. Was liegt da also ferner, als diese beiden Produkte miteinander zu verbinden und eine Manga-Serie über einen Samurai zu entwerfen? Im vergangen Jahr produzierte das Studio Gonzo fünf 25minütige Episoden einer ersten Staffel zu Afro Samurai, die nicht nur die Idee des feudalen Japans wiederbelebte, sondern sie auch noch in die Zukunft transferierte. In Verbindung mit anderen Elementen aus dem Science Fiction und Western Bereich zitiert Serienschöpfer Takashi Okazaki dabei die großen Werke von James Cameron (Terminator: Judgement Day) oder George Lucas (Star Wars), während sein Hauptprotagonist an den legendären Jimi Hendrix erinnert.

In Okazakis Dōjinshi-Manga dreht sich alles um zwei Stirnbänder. Das eine gehört der Nummer Eins, das andere der Nummer Zwei. Wer im Besitz des Nummer Eins Stirnbandes ist, verfügt über einen Gott-gleichen Status und ihm sind keine Grenzen aufgezeigt. Zudem kann er sein Stirnband lediglich an eine Person verlieren: die Person mit Stirnband Zwei. Nur er darf die Nummer Eins herausfordern, er selbst jedoch, darf von jedem herausgefordert werden. Somit ist das Leben der Nummer Zwei durchzogen von Gewalt und Mord, um sein eigenes Leben zu erhalten und sich selbst die Chance zu bewahren letztlich die Nummer Eins herauszufordern. Ebenjene Nummer Eins ist Rokutaro, ein schwarzer Samurai mit riesigem Afro. Zu Beginn des Filmes wird er von Justice, der Nummer Zwei, herausgefordert – und verliert. Das alles geschieht vor den Augen seines Sohnes, der später wegen seiner Frisur den Namen Afro erhalten soll und sich nichts anderes zum Ziel gesetzt hat, als das Stirnband seines Vaters von Justice (Ron Perlman) zurück zu holen und dessen Tod zu rächen. Durch langjähriges Training in einer Samuraischule freundet sich Afro mit Mitschüler Jinno sowie der kleinen Otsuro an. Doch persönliche Freundschaften bedeuten Afro nichts und stehen im nur im Weg auf seinem unbarmherzigen Pfad der Rache. Als Afro (Samuel L. Jackson) des Mordens überdrüssig ist, macht er sich auf den Weg zum Mount Shimu, um Justice herauszufordern. Auf dem Weg dorthin lauern aber nicht nur die tückischen Mönche The Empty Seven, sondern auch Afros Vergangenheit mit all ihrem geflossenen Blut.

Die Handlung von Afro Samurai ist viel verschachtelt und entfaltet sich langsam während seines Rachefeldzuges. Immer wieder wird die gegenwärtige Geschichte von Afros Rückblenden durchbrochen, erfährt der Zuschauer etwas mehr von seinem emotionslosem Hass und seine Gier nach dem Stirnband Nummer Zwei. Dieses futuristische, feudale Japan ist eine harte Welt, deren Look Okazaki düster und dunkel gestaltet. Einzig zu Beginn, unter Rokutaros „Herrschaft“ sieht man einen strahlenden Sonnenuntergang, doch die Zeiten sind seit Justice nun vorbei. Eine trostlose Gegend, deren einzige Wärme von Jinno und Otsuro ausstrahlt. Zwei reine Seelen, die sich des kleinen schwarzen Jungen an- und in ihre Familie aufnehmen. Doch Afro wird nie richtig warm mit dieser neuen Familie, kann er vielleicht auch gar nicht. Er ist seit jeher wortkarg und scheint in seinem Leben keinerlei Genuss zu finden. Alles ist durchzogen von seinem Wunsch nach Rache – dabei hatte sein Vater ihm diese mit seinem letzten Worten noch versucht auszureden. Welchen Preis Afro schließlich für seine Rache bezahlen wird oder welchen andere für seine Rache zahlen müssen, entblättert sich in jenen Rückblenden, welche die Geburt einer anderen Figur darstellen.

An dem Tag, als Afro das Stirnband Nummer Zwei gewann, kostete dies dutzende von Menschen das Leben, darunter auch einige von Afros Freunden. Dieses Ereignis und dieser Schmerz kulminierte dann in der Entstehung von Afros imaginären Freund Ninja Ninja (Samuel L. Jackson), der das komplette Gegenteil seiner selbst ist. Ninja Ninja fungiert als Afros wandelndes schlechtes Gewissen, eine konstante Erinnerung an jenen Tag und den Preis, den andere für seine Rache zahlen mussten. Dabei spricht der erwachsene Afro selten bis gar nicht und wenn, dann nur um Ninja Ninja zu sagen, er solle die Fresse halten. Denn Ninja Ninja redet ununterbrochen und gibt seinen Senf zu allem ab. Er ist Afros Sidekick ohne ihm von wirklichem Nutzen zu sein. Denn obschon er sich Ninja nennt, drückt er sich um jeden Kampf, versucht sogar Afros Selbstbewusstsein bei seinen Kämpfen zu unterminieren. Obschon seine Funktion als imaginärer Freund eine gewisse Rolle hat, hätte man auch sehr gut auf Ninja Ninja verzichten können und im Grunde auch sollen. Jacksons Slang kommt hier natürlich voll zum Tragen, nur ist Ninja eher nervig, als ein wirklicher comic relief. Sein ständiges Nölen und Jammern geht einem tierisch auf den Senkel, weshalb eine andere Manifestation als schlechtes Gewissen, eine stille und ruhige, die lediglich gelegentlich auftaucht, die bessere und stimmigere Wahl gewesen wäre.

Dabei ist Afro Samurai strukturiert aufgebaut, sodass in jeder Episode ein Kampf von Afro in den Fokus rückt. So hat er neben den Empty Seven und deren angeheuerten Auftragskillern unter anderem auch mit einem Androiden zu tun, der AfroDroid heißt und nach seinem eigenen Vorbildern entworfen wurde. Die visuell eindruckvollste Figur ist jedoch sicherlich der Cyborg Kuma, ein Samuraikämpfer mit einem Teddybär-Helm, der seine eigene Agenda verfolgt und mit Afro eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Während AfroDroid unverwechselbar an die Terminator-Maschinen James Camerons angelehnt ist (inklusive roten Augen), bildet Kuma eine Referenz zu Darth Vader, was man schon allein durch seine Ventilationsmaschine zu hören kriegt. Die vielen Figuren mit ihren jeweiligen Hintergrundgeschichten sind dabei ebenso gelungen in die Handlung verwoben, wie die Kämpfe selbst. Diese wurde weniger auf explizite Gewaltdarstellung geschnitten als vielmehr im Geiste eines Mangas. Die Bewegungen sind oft abgehakt und weniger fließend, was eine universelle Atmosphäre kreiert. Doch unabhängig von Afro Samurai, den anderen Figuren oder den Kämpfen selbst ist sicherlich die musikalische Komposition von Künstler RZA das Herz des Filmes. Die stimmungsvollen, selten aufdringlichen HipHop-Beats fügen sich ebenso passend in das Gesamtbild ein, wie es die Handys, Cyborgs und anderen technischen Spielereien in diese feudal-futuristische Welt tun. So ist Afro Samurai vielleicht nicht unbedingt der coolste Film der letzten Jahre, aber ohne Frage wohl der lässigste und für alle Fans von Mangas und/oder Samurai definitiv zu empfehlen.

7.5/10 – erschienen bei Wicked-Vision

Transsiberian

If you kill off my demons my angels might die too.

Eine Matrjoschka ist eine berühmte russische Holzpuppe, die bunt bemalt ist und in sich selbst noch weitere Matrjoschka verschachtelt hat. Sie beherbergt somit mehr, als auf den ersten Blick offenbart wird und bei jedem genaueren Blick, stößt man auf eine neue Matrjoschka. Ohne Frage wäre Brad Andersons neuer Film Transsiberian gerne eine solche Matrjoschka. Aber nur weil der Film die eine oder andere Wendung nimmt, macht ihn das noch lange nicht zur einer. Mit Session 9 und The Machinist machte sich Anderson im Business einen Namen, wenn man es so sehen will. Dabei war das Eindrucksvollste an The Machinist noch Christian Bales Gewicht, konnte der Film mit seiner finalen Wendung doch wenig überraschen. Aber Andersons neuer Film beschreitet da ganz andere Wege, ist weniger ausgeklügelter Thriller und spannender Horror als vielmehr ein konventioneller Thriller mit Kaltem Krieg-Flair, der ohne Probleme Ende der achtziger oder Anfang der neunziger Jahre stammen könnte. Mit namhafter Besetzung wird hier ein Drogendrama erzählt, welches sich im Transsiberian-Zug von Peking nach Moskau abspielen soll. Hierbei spielen unterschiedliche menschliche Persönlichkeiten und den Wandel, den sie im Laufe ihres Lebens durchlaufen (können) eine entscheidende Rolle. Als kleiner Nebendarsteller funktioniert dabei der kammerspielartige Raum jenes Zuges, in dem sich viel der Handlung abspielt und die Protagonisten auf enger Fläche zusammen zwängt.

Die Richtung des Filmes gibt Anderson dabei gleich zu Beginn vor. Der russische Ermittler Grinko (Ben Kingsley) fahndet nach gestohlenem Kokain und macht sich auf den Weg zu einer Konferenz. In der folgenden Stunde wird man Grinko nicht mehr zu Gesicht bekommen, er ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als ein Erzähler, der die Drogen im Film als Objekt etabliert. Stattdessen dreht sich Transsiberian um die Ehe von Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer). Beide trieb Roys Kirche auf Missionarsarbeit nach Beijing, nun treten sie die Heimreise an. Dass die Ehe auf wackeligen Beinen steht, zeigt Anderson in einer Sexszene, die deshalb nicht zu Stande kommt, weil Jessie unbedingt verhüten will. Der nicht vorhandene Kinderwunsch als Skylla ihrer Persönlichkeit. Die Spannungen werden erst gelockert, als sie in ihrer Kabine Zuwachs durch das Backpacker-Pärchen Carlos (Eduardo Noriega) und Abby (Kate Mara) erhalten. Doch beide scheinen ein Geheimnis mit sich zu Tragen, ein Geheimnis, in welchem Jessie schneller als sie sich versieht selbst Teil wird. Anderson wählt hier Emily Mortimers Figur der Jessie als zentrale Protagonisten seines Filmes, die im Fokus des Geschehens steckt. Jessie selbst ist eine ambivalente Figur, ehemals wild und ziellos und nunmehr durch ihre Liebe zu Roy quasi gezähmt. Bei diesem „Geständnis“ verwundert es einen umso mehr, dass gerade der gläubige Kirchengänger Roy, der sich so sehr für Eisenbahnen interessiert, dass er seinen Zug verpasst, mit jener wilden Jessie zusammen gerät. Denn im Grunde wirkt für jemanden von Jessies Persönlichkeit gerade Carlos weitaus anziehender und passender. Ziellos im Leben, die Heimat auf dem Rücken. Ab einem gewissen Zeitpunkt verliert Anderson daher Roy und Abby aus den Augen, um sich stattdessen auf die anderen beiden Figuren zu konzentrieren.

Jene sind es auch, die der Geschichte ihre entscheidende Wendung geben. Bis es soweit ist zeichnet Anderson in Transsiberian jedoch den Clash der Kulturen. Während Roy und Jessie bei ihrem Abschied von ihren westlichen Mit-Missionaren freundlich behandelt werden, begegnet ihnen im transsiberischen Zug allerlei Animosität. Die Zugbegleiterinnen reagieren wiederholt barsch und ausfallend, die Polizisten wiederum nicht weniger aggressiv. Ein durchaus xenophobes Bild, welches Anderson hier zeichnet und noch mit Anekdoten eines französischen Passagiers garniert, dem die Zollbehörde zwei Zehen amputierte, ehe er sich bereit erklärte eine größere Summe als „Lösegeld“ zu bezahlen. Russland als Land der unmoralischen Zustände. Damit der Eindruck noch verstärkt wird erzählt später auch Grinko noch den einen oder anderen Schwank. Es sei besser in Dunkelheit zu leben als im Licht zu sterben und die UdSSR war ja sowieso am besten. Transsiberian ist daher ein Film für das westliche Publikum, dem hier in fremden Territorium ruhig etwas mulmig werden darf. Enge Zugräume, unfreundliches Personal und die Aussicht sich seine Grenzüberschreitung erkaufen zu müssen. Einfluss hat das insbesondere auf Jessie, während der extrovertierte Roy die Situation so nimmt, wie sie kommt. Schließlich muss man immer den Donut im Auge behalten und nicht sein Loch. Always look on the bright side of life.

So vereinbart Anderson viele kleine Facetten in seinem neuen Film. Einen Hauch Der Fremde im Zug hier, eine Prise Express in die Hölle da, gepfeffert mit etwas Hostel – von allem ist ein bisschen was dabei. Obschon Transsiberian in einem Zug spielt nimmt die Handlung nie wirklich Fahrt auf, legt kaum einen Zahn zu. Sie rollt vorwärts, stetig aber sicher. Der Weg, den sie beschreitet, ist mitunter etwas holprig, so zum Beispiel am Wendepunkt der Geschichte in der Mitte des Filmes, aber bleibt geerdet. Das Tückische an Andersons Neuem ist, dass er spektakulär unspektakulär ist. Über die Wahl der Besetzung darf man sich streiten, so nimmt man Harrelson den braven Ehemann gerade zu Beginn nicht wirklich ab, zu sehr beißt sich das mit seiner Filmographie. Auch für Mortimer scheint ihre Rolle gelegentlich eine Nummer zu groß zu sein, während Noriega herrlich schmierig auftreten darf. Dagegen können sich Mara und Kingsley nicht sonderlich hervortun, während Deutschlandexport Thomas Kretschmann bis auf wenige Sätze (und die sind in Russisch) lediglich böse schauen darf. Die Geschichte, welche der Film zu erzählen versucht, hat zwar Hand und Fuß und ist dabei nicht einmal unbedingt unglaubwürdig. Doch fehlt ihr viel zu sehr die Spannung, eine gewisse Beschleunigung. Große Sprünge sollte man sich vom neuesten Werk Brad Andersons also nicht erwarten, denn wirklich gut ist er nicht. Wirklich schlecht jedoch ebenfalls nicht und hier liegt fast schon die Krux des Ganzen. Transsiberian ist ein durchschnittlicher Thriller, der es seinem Publikum schwer macht, überhaupt eine gesonderte Emotion hinterher zu fühlen, weshalb er unterm Strich gesehen wieder selbst wie ein Zug ist. Man schenkt ihm kurz Aufmerksamkeit, aber aus den Augen ist aus dem Sinn.

6/10 - erschienen bei Wicked-Vision

8. September 2008

The Strangers

Why are you doing this to us?

Der Horror lauert überall. Egal ob im Flugzeug, im Zug, auf der Autobahn oder Rastplätzen. Wo kann man noch sicher sein vor den Übergriffen soziopathischer Persönlichkeiten? Die eigenen vier Wände werden immer noch als die sicherste Umgebung für Menschen wahr genommen. Schließlich ist es das Zuhause, man kennt es und erhält dadurch ein Gefühl der Geborgenheit. Dass aber auch das eigene Haus nicht unbedingt Sicherheit verspricht, zeigen Mordfälle wie die der Manson Family unter anderem an Schauspielerin Sharon Tate in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969. Neben diesen Morden waren auch die Keddie Morde in Kabine 28 am 11. April 1981 eine Inspiration für den amerikanischen Überraschungshit The Strangers. Dieser verkauft sich im Trailer und seinem Prolog als scheinbare Reflektion eines authentischen Mordes, der am 11. Februar 2005 an James Hoyt und Kristen McKay verübt worden sein soll. Die Umstände seien bis heute nicht geklärt worden. Damit nimmt Autor und Regisseur Bryan Bertino seinem Film sogleich das Ende vorweg, besteht doch kein Zweifel, dass die beiden Protagonisten eine Überlebenschance haben werden. Das ist natürlich im Horror-Genre nicht unbedingt neu, aber immerhin bleibt es eine von zwei Möglichkeiten, die Bertino dem Publikum beraubt. Somit geht The Strangers jedes Mitfiebern mit seinen Figuren ab, ihr Ende ist vorherbestimmt. Fraglich bleibt wie sie sterben werden, die Umstände sind ja nicht bekannt. Oder waren es, denn Bertino macht sich auf, seinen fiktiven Mordfall nunmehr für die Kinozuschauer aufzurollen und vollends zu klären.

Es ist früh am 11. Februar 2005. Um 4 Uhr kehren James Hoyt (Scott Speedman) und Kristen McKay (Liv Tyler) von einer Hochzeitsfeier in das Sommerhaus der Hoyts zurück. Die Stimmung ist angespannt, das Paar gefrustet. Aus welchen Gründen offenbart sich in Rückblenden. Hoyt hatte die Hochzeit des gemeinsamen Freundes dazu benutzt seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen, welchen diesen jedoch abgelehnt hat. Die Beziehung wurde danach scheinbar aufgebrochen, zumindest ist die Stimmung zwischen beiden unterkühlt und Hoyt ruft einen Freund an, der ihn abholen soll. Unterbrochen wird die Szene von einem Klopfen an der Tür, ein junges Mädchen fragt nach einer gewissen Tamara. Als Hoyt ihr erklärt, dass ein solches Mädchen hier nicht wohnt, verschwindet sie schließlich. Während er noch mal losfährt, um McKay Zigaretten zu kaufen, wird diese erneut mehrfach von jenem Mädchen belästigt. Immer wieder klopft es an die Tür, immer lauter dröhnt das Klopfen. McKay kriegt verständlicherweise Angst, ruft Hoyt an, doch die Telefonleitung wird durchschnitten. Auch ihr Handy verschwindet – jemand ist im Haus. McKay verbarrikadiert sich solange bis Hoyt zu ihr stößt. Doch die Terrorisierung geht weiter und nimmt auch kein Ende, als sich Hoyt mit zwei Pumpguns bewaffnet. Viel mehr noch, jetzt beginnt der wahre Terror erst. Egal was das Pärchen tut, ihre Peiniger sind ihnen immer einen Schritt voraus, während sich langsam aber sich der Anbeginn des nächsten Tages nähert.

Neben den Morden wurde Bertinos Film noch von einem eigenen Erlebnis inspiriert. Als der Regisseur jung war klopfte es abends an die Tür und jemand fragte nach einer Person, die nicht da war. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass in leere Häuser der Nachbarschaft eingebrochen wurde. Doch in The Strangers geht Bertino noch einen Schritt weiter. Seine Fremden bestehen aus drei Personen, drei Jugendlichen mit Masken, zwei von ihnen Mädchen, einer ein Junge. Hoyt und McKay werden sie wiederholt fragen, was sie von ihnen wollen und wieso sie ihnen das antun. Schließlich werden sie eine Antwort erhalten: weil sie zu Hause waren. Eine eiskalte Lüge, impliziert diese Antwort doch, dass es sich um ein willkürliches Verbrechen handelt. Kann es jedoch gar nicht sein, viel zu strukturiert ist das ganze Verbrechen, nahezu perfekt organisiert. Das Spiel von Licht und Schatten hier der Inszenierung Bertinos zuzuschreiben wäre verfehlt. Die Täter stehen immer exakt richtig, sei es im Hausflur, in der Einfahrt oder im Wald. Sie stehen jedes Mal dann im Licht, wenn sie die anderen Filmfiguren nicht sehen können, lediglich der Zuschauer. Damit er weiß, dass sie da sind. Damit er ahnen kann, dass es gleich zur Sache geht. Doch willkürlich kann hier nichts sein, es ist ein gezielter Mord. Die Telefonleitung, der Zugang zum Haus, das Wissen, wann überhaupt jemand anwesend sein wird. Ein perfekt geplantes Verbrechen.

Gerade hier begeht der Film seinen größten Fehler. Denn das Motiv der Fremden soll gerade ihre Willkürlichkeit sein, hier findet sich das Statement des Filmes. Schaut her, nicht einmal Daheim seid ihr sicher, dass kann ich allen passieren. Doch das Verbrechen, so wie es Bertino in The Strangers skizziert, hat ein Motiv. Die Fremden haben nicht einfach irgendjemand getötet, sondern Hoyt und McKay. Ausgerechnet sie. Ausgerechnet an diesem Tag. Die Unglaubwürdigkeit der ganzen Szenerie zerstört die Atmosphäre des Filmes. Was in Michael Hanekes Funny Games funktioniert gelingt nur dann, wenn man sich derselben Prämisse hingibt, wie es Haneke tut. Drei Teenager, die noch nie zuvor ein Verbrechen begangen haben, hier einen brillant durchstrukturierten Mord ausüben zu lassen, kann nur scheitern. Da hilft es auch nichts, dass man sich den Konventionen des Genres hingibt, die vorsehen, dass die Opfer meist durch unfassbare Idiotie auftrumpfen. Schon ganz schön peinlich, wenn Liv Tyler außerhalb des Hauses keine fünf Meter weit rennen kann, ohne sich den Fuß zu verstauchen, während die Täter mit Masken (!) auf dem Kopf keinerlei Orientierungsprobleme haben. Nicht weniger peinlich die Tatsache, dass Hoyt im Besitz zweier geladener Pumpguns ist, und letztlich gegen drei Teenager verliert die keine Schusswaffen bei sich tragen. Die Dummheit der Protagonisten ist dabei weit weniger schlimm für den Film selbst, wie es einfach nur eintönig ist, wenn man sie zum Film per se noch dazu zählen möchte.

Immerhin bietet The Strangers einen Scott Speedman in Höchstform, der lediglich in Dark Blue ähnlich stark aufgespielt hat (was bei Filmen wie Underworld jedoch nicht sonderlich schwer ist). Viel gelobt wurde Liv Tyler, die weit mehr sei, als eine bloße Scream Queen. Im Großen und Ganzen ist sie das aber, eine Scream Queen, wie in ihren übrigen Filmen mal wieder frei von Talent. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Tatsache, dass man weiß, dass beide Figuren sterben werden, wenn man sich ihnen gegenüber jeglicher Sympathie verschließt. Oder es ist die meist langweilige Inszenierung des Regisseurs, dessen Schockmomente sich auf plötzliches ins Bild Huschen der maskierten Fremden beschränkt. Die ganze Entwicklung von Bertinos Film ist leidlich unterhaltsam, eher anstrengend. Dann hätte er doch mehr von jenen Fremden zeigen sollen, wie die Tyler in einem Interview erklärte, dass dies vorgesehen gewesen sei. Aber das möchte man sich wohl aufheben für die Fortsetzung, denn die Macher erhoffen sich eine neue Horror-Reihe ähnlich wie bei Saw. Scheinbar ist ihnen entgangen, dass jeder Saw-Film kontinuierlich an Qualität einbüßt, sodass sich eine Nachahmung hier nicht unbedingt empfehlen lässt. Aber wo der Rubel rollt, da rollt er und bei einem Budget von neun Millionen Dollar gelang es dem Film das Sechsfache seiner Kosten einzuspielen. Somit muss man dann wohl noch einen zweiten Teil über sich ergehen lassen, in dem wieder jemand zu Hause nicht sicher sein wird. Eventuell kann Bertino diesen Film ja auch Sicht der Fremden erzählen lassen, dann wird wenigstens Klarheit über die Willkürlichkeit ihres Verbrechens geschafft.

3.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

Acolytes

Chicks have zero curiosity.

Dass die Aussies in Sachen Horror der restlichen Welt in nichts nachstehen, haben sie 2005 mit Wolf Creek bewiesen. In Greg Mcleans Thriller verstrandeten einige Backpacker im australischen Outback, ehe sie auf ihre Peiniger trafen. Und Jon Hewitt macht mit seinem Acolytes der ausländischen Reisekultur auch nicht unbedingt einen Gefallen. Schließlich werden auch hier Backpacker Opfer eines Mörders. Aber das spielt nur eine Nebenrolle, viel mehr geht es um subversive Themen, zu denen unter anderem Rache und Eifersucht gehören. Es ist eine vielschichtige Geschichte, die Hewitt dem Publikum erzählt, die sich langsam entfaltet und eine interessante Wendung nimmt, obschon deren Resultat – wenn auch nicht für die Figuren selbst – vorhersehbar ist. Alles beginnt mit drei Freunden und einem Waldstück. Bereits in der seiner ersten Einstellung merkt man Mark (Sebastian Gregory) an, dass er Gefühle für Chasely (Hanna Mangan Lawrence) hegt. Allerdings ist da auch noch James (Joshua Payne), Chaselys Freund und Marks Kumpel. In ihren nachmittäglichen Streifzügen wirkt Mark dabei oft wie das fünfte Rad am Wagen, ereifern sich die anderen beiden doch in ihrer Sexualität, die Mark nur allzu gerne aus der nahen Ferne beobachtet. Ob sich hier bereits ein Indiz für das Ende des Filmes findet, bleibt dem Zuschauer nach dem Abspann selbst vorbehalten. Es wäre zwar nicht eindeutig, aber im Grunde nahe liegend. Was ebenfalls verwundert, ist die Beziehung der Drei untereinander. Erhält man zuerst den Eindruck, dass Mark eher von Chasely in den Freundeskreis gebracht wurde, ist es vielmehr James, den seine Vergangenheit mit Mark verbindet.

Was genau mit Mark und James geschah, eröffnet Acolytes erst langsam. Als Kinder wurden sie sexuell misshandelt von dem Twen Gary Parker (Michael Dorman). Das Dramatische hieran ist, dass Parker im selben Ort lebt, wie die beiden Schüler. Wenn er mit seiner schwarzen Corvette durch die Straßen brettert, bleibt vor allem Mark jedes Mal sichtlich das Herz stehen. Ein Schockerlebnis, welches die beiden nie losgelassen hat. Dieses Erlebnis, welches beide entweder enger zusammengeschweißt haben könnte oder aber für immer auseinander getrieben, ist hier ambivalent. Etwas verbindet Mark und James, das ist ersichtlich, aber dennoch unterscheiden sich die beiden. James ist oft harsch, nicht nur zu Mark, auch zu seiner Freundin Chasely. Was Parker ihm antat hat sichtliche Spuren hinterlassen. Der Raub ihrer Unschuld hat beide Jungen zu dem werden lassen, was sie heute sind und konditioniert wohl die Ereignisse, die sie in Hewitts Film auslösen werden. Später im Film wird Mark seinen ehemaligen Peiniger Parker fragen, warum er ihnen angetan hat, was er ihnen angetan hat. Es ist eine sehr emotionale Szene, vielleicht sogar die emotionalste Szene, da auch Parker so etwas wie Gefühle zeigt. Einen kurzen Augenblick lang flackert die Schuld in seinen Augen auf, das Wissen falsch gehandelt zu haben. Aber Parker hat seine Entscheidung längst gefällt, ist längst den falschen Pfad gegangen und kann scheinbar nicht mehr zurück zu seinem alten Leben. „Weil ich es konnte“, ist seine Antwort an Mark. Jenes betrunken machende Gefühl der Macht, die man einem Menschen in die Hände legen kann, hatte Parker damals zu dem gemacht, was er heute ist. Ein Mensch voller Hass, sicherlich auch auf sich selbst – aber nur irgendwo da drin, ganz tief.

Als Mark im Wald einen Mann (Joel Edgerton) etwas vergraben sieht, packt ihn und James die Neugier. Sie buddeln entgegen der Ansicht von Chasely das Loch wieder auf und entdecken die Leiche einer jungen Frau. Doch anstatt die Polizei zu rufen, vergraben sie die Leiche wieder. James hat es sich in den Kopf gesetzt den Mörder selbst zur Strecke zu bringen, schließlich ist es eine kleine Stadt und Mark hat das Fahrzeug des Täters identifizieren können. Auf ihrer Suche nach dem Wagen treffen die Jugendlichen auf Parker – eine schicksalsträchtige Begegnung oder vorgereift? Mark und James bietet sich eine glänzende Möglichkeit, die sie gegen besseren Wissens dennoch nutzen wollen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie den Mörder ausfindig gemacht und beginnen ihn zu erpressen. Sie halten still, wenn er dafür einen weiteren Mord begeht. Einen Mord an Gary Parker. Nun liegt die Wendung, die der Film nehmen wird, ziemlich offensichtlich da. Sie erschließt sich dem Publikum, jedoch nicht den beiden Figuren. Der Fehler, den sie gemacht haben ist offensichtlich und er ist tödlich. Irgendjemand wird und muss sterben. Dieses fehlgeleitete „Ich weiß was, das du nicht weißt“-Spiel geht wider Erwarten dann sogar auf, man nimmt den Figuren ihren Fehler nicht übel, obschon man selbst es besser weiß.

Hewitt lässt viel offen in seinem Film. Es ist unklar, ob Parker überhaupt vor Gericht gelandet ist für seine Taten. Das Verhalten einiger Männer vor einer Bar lässt dies jedoch nicht vermuten. Dennoch wundert es in dem Fall, wieso Chasely nichts von jenem Verbrechen wusste, da es in der Kleinstadt ein offenes Geheimnis ist. Auch Mark und James bleiben in ihrer Charakterisierung etwas blass. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie nur aufgrund ihrer gemeinsamen Erlebnisses noch miteinander befreundet sind. Dass dieses nicht spurlos an ihren vorbei gegangen ist, und an beiden unterschiedlich, skizziert Acolytes. Dessen Titel bezieht sich auf die Funktion des Akolyth, des kirchlichen Messdieners oder Gefolgsmannes und dient somit als Referenz zu Mark und James, die mit ihrem Mord an Parker in die Fußstapfen jenes Mörders aus dem Wald folgen wollen. Die oftmals ausgesprochen hellen Bilder erhalten ihren einzigen „Schock“-Effekt durch hohe, schrille Töne, die Hewitt gelegentlich zur Dramatisierung verwendet.

Man kann sich darüber streiten, ob sie ihren Zweck erfüllen, der Film selbst ist zumindest eher schon ein Drama, denn ein Thriller. Besonders ist zudem die Tatsache, dass Hewitt oft dem Mörder mit der Kamera direkt über die Schulter schaut, gerade als er entdeckt, dass ihm jemand auf die Schliche gekommen ist. Einen kurzen Moment lang spielt er mit dem Gedanken Suizid zu begehen, überlegt es sich dann jedoch anders. Über weite Strecken ist Acolytes ein gelungener Film, sehr solide inszeniert und mit einem funktionierenden Spannungsbogen versehen. Am Ende jedoch gleitet er dann etwas ab, der Verlauf, auf den Hewitt hingearbeitet zu haben scheint, überzeugt nicht. Die finale Auflösung ist zwar in gewissem Sinne überraschend, aber nicht innovativ. Hier hätte Hewitt durchaus noch etwas mehr herausholen können.

6.5/10- erschienen bei Wicked-Vision

7. September 2008

Mirrors

Objects in the mirror are closer than they appear.

Gefeiert hat man ihn, den Franzosen Alexandre Aja. Und nicht nur ihn, nein, auch seinen Film Haute tension, der sei ja so gewitzt und überhaupt mal wieder was Frisches im Horrorgenre. Damit zählte Aja gemeinsam mit Eli Roth zu der Nouvelle Vague jenes Genres, das in den letzten Jahren unzählige Filme hervorbrachte, die in dieselbe Richtung vorstießen. Sein zweites Werk, The Hills Have Eyes war dann schon etwas mehr an Hollywood orientiert, das Remake vom Kultregisseur Wes Craven. Aber immer noch für sich genommen speziell, keine Frage, Ajas Touch blieb erkennbar. Nun also Mirrors und wenn man es hart ausdrücken will, ist Aja nunmehr vollends zur „Mainstream-Hure“ verkommen. Sein neuer Horrorthriller reiht sich ein neben den vielen überschwemmenden Remakes asiatischer Filme. So ist Mirrors ein Remake des südkoreanischen Filmes Geoul sokeuro aus dem Jahr 2003 und unterscheidet sich im Grunde nur insofern von seinen Pendants The Grudge, The Ring und The Eye indem er nicht The Mirrors heißt und somit der Artikel fehlt. Das neue „Wunderkind“ Aja, welches sich inzwischen an konventioneller amerikanischer Horrorthriller-Kost verdingt und einen Film inszeniert, der sich nicht treffender beschreiben lässt, als wenn man anstelle von Vater Merrin in Jonathan Demmes Der Exorzist kurzerhand Jack Bauer platziert hätte.

Der Film beginnt mit einer Hetzjagd und einem Mann, der von seinem Spiegelbild ermordet wird. So hat es zumindest den Anschein. Und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt verstrickt Aja sich in Widersprüche. Während das Spiegelbild sich von rechts nach links die Kehle aufschlitzt, geschieht dies bei dem Mann vor dem Spiegel von links nach rechts, also parallel zum Spiegel. Mhm. Okay. Egal. Ist ja auch nur ein Vorspiel und im Grunde einer der kleinsten logischen Fehler in Ajas Film. Stattdessen jetzt die Reise des Helden. Ein fertiger Kerl, Ben Carson (Kiefer Sutherland), Alkoholiker und Tablettensüchtig. Also quasi wie Jack Bauer aus 24. Den Schmerz dieser Figur transferiert Aja allerdings nicht. Jemanden erschossen hat er, aber wen erfährt man nicht, auch nicht die Umstände und die Auswirkungen, die es auf Carson hatte. Und Auswirkungen hatte es, schließlich ist er Tablettenabhängig und von zu Hause ausgezogen, hat seinen Job quittiert und so weiter. Egal. Carson kriegt einen neuen Job als Nachtwächter einer runter gebrannten Gebäudes, welches voller Spiegel steht, die allesamt unversehrt sind. Den Job übernimmt Carson von Gary Lewis, das ist jener Kerl, der zu Beginn des Filmes gestorben ist. Und wie es sich so verhält mit Horrorthrillern, bald passieren mysteriöse Dinge. Geräusche, Handabdrücke und Gestalten – doch alle unreal, alles nur in den Spiegeln. Was hat es mit den Spiegeln auf sich und wieso fangen sie an Carson und seiner Familie Schaden zuzufügen? Ein großes, dunkles Geheimnis naht – zumindest erhofft man sich das.

Ohne Frage inszeniert Aja seinen Mirrors stylistisch überaus gelungen. Diese zwei Welten des hellen New York draußen und des düsteren Hauses voller Spiegel innen fängt der Franzose gelungen ein. Die Atmosphäre eines Kiefer Sutherland mit Taschenlampe und Knarre (kann der eigentlich auch noch ohne?) ist gespannt, besonders wenn hier und da die typischen, klassischen Schockelemente zum Tragen kommen. Immer mehr verliert sich Carson in der düsteren Welt jenes Hauses, das mehr als ein Geheimnis und eine Leiche in seinem Keller birgt. Schon bald ergreifen die Spiegel Besitz von Carson und bedrohen sein Leben. Doch nicht zum Spaß, nein, sie wollen etwas von ihm. „Esseker“ – ein ominöses Wort, scheinbar ein Name. „Rosebud“ war gestern, heute ist nur „Esseker“ entscheidend. Und zwar dalli, denn ehe Carson sich versieht, ist seine Schwester (Amy Smart) tot. Aber wie, hier darf Aja sich mal kurz austoben und Effekte vom Computer präsentieren. Das ganze wirkt zwar weniger gruselig als zum Schreien komisch, aber egal, für komische Auflockerung weiß Aja durchaus den ganzen Film hindurch zu sorgen (allein der Witz, dass Sutherland sagen darf, dass er trocken ist, regt zum Brüllen an – obschon es ein Insider ist).

Zuerst also Wachmann Gary Lewis, nun Wachmann Ben Carson. Da Carson nur für Nachts zuständig ist, patroulliert tagsüber der Kollege Sapelli. Den haben die Spiegel aber all die Jahre in Ruhe gelassen, keinen Piep von sich gegeben. Dabei wirken jene Spiegel ziemlich notgeil auf diese „Esseker“-Person. Komisch, durchaus. Vielleicht agieren die Spiegel aber auch nur nachts, wäre ja möglich, obschon sie auch tagsüber in Erscheinung getreten sind. Spielt aber auch keine Rolle, es geht schließlich um das große Ganze. Und das ist ein dunkles Geheimnis, wie alle diese Geschichten ein dunkles Geheimnis haben. Meistens hat es mit Kindern zu tun und damit liegt man grundsätzlich schon mal nicht falsch. Somit dreht sich in Mirrors alles um Carson Hetzjagd, ein Wettlauf gegen die Zeit. In klaren Bildern photographiert, mit namhafter Besetzung und dem einen oder anderen kleinen Goreeffekt. Aber dann doch viel zu sehr nach Schema, viel zu strukturiert und konventionell inszeniert. Kaum etwas Neues, nicht mal das Ende hat man in der Form nicht in den letzten Jahren zu Hauf gesehen. Sutherland spielt seine Jack-Bauer-Performance – außer der er wohl nichts beherrscht – konsterniert runter, Amy Smart verdingt sich mit Jason Flemyng in einer kurzen Nebenrolle und lediglich Paula Patton sticht, vordergründig durch ihr Aussehen, aus dem Ensemble heraus. Der Rest ist eine Anhäufung von Logikfehlern, einer Handlung, die so keinen Sinn ergibt und einem Ende, dass alles zuvor Dagewesene des Filmes nur noch mal zu toppen weiß.

Letztlich sind nicht nur die Spiegel böse oder sitzt alles böse nicht nur in Spiegeln, sondern in allem, was sich spiegelt. Also auch Wasser oder Türknaufe. Logischerweise würden hierzu auch Autolackierungen oder die menschliche Iris dazu gehören, nur verfolgt der Film dies nicht weiter. Auch nicht die Tatsache, dass es hier scheinbar Konventionen für das Spiegelböse gibt, die allerdings nur dann zum Tragen kommen, wenn es Aja in den Kram passt. Kurzum, die Story in Mirrors stimmt von vorne bis hinten nicht, ergibt zu keinem Zeitpunkt Sinn und verrät sich selbst in ihrer eigene Logik bereits nach wenigen Minuten. Viele Pfeiler der Handlung werden außen vor gelassen, nicht thematisiert, lediglich als Aufhänger bedient. Alles für den großen Showdown, für das schockierende Finale, welches sich letztlich in die Schwachpunkte des restlichen Filmes einreiht. Zugegeben, der Film fügt sich hier mit seiner Kompromisslosigkeit wieder in das Motto des Fantasy Filmfestes ein, aber dennoch ist das alles insgesamt zu wenig, um sowohl funktionieren als auch fesseln zu können. Zu belanglos und zu fehlerhaft verpackt Aja das, da hilft ihm auch seine gelungene Optik nicht mehr viel. So schön die Geschenkverpackung auch ist, wenn man am Ende nur ein paar Socken darin vorfindet, ist die Enttäuschung nur umso größer. Scheinbar hat der Franzose seins Innovativität bei der Einreise in die USA am Zoll gelassen, sein Remake jedenfalls reiht sich in neben die vielen anderen überflüssigen amerikanischen Remakes japanischer oder koreanischer Horrorfilme. Der große Seelenausverkauf geht jedoch schon weiter, als nächstes dreht Aja Piranha 3-D. Wenn wundert es, es ist ein Remake.

4/10 - erschienen bei Wicked-Vision

Sasori

I thought about letting you go.

In unserer heutigen Zeit legen wir viel Wert auf Qualitätssiegel. Schließlich ist nicht alles gut, manches Obst gespritzt, da muss man wissen, was man da eigentlich konsumiert. Da wundert es auch nicht, dass selbst Filme Prädikate wie „Wertvoll“ und „Besonders wertvoll“ erhalten. In abgestumpfter Form repräsentiert sich das auch in den vielen „Präsentationen“ einiger Regisseure. Zum Beispiel Quentin Tarantino, der dem Publikum vor einigen Jahren Eli Roths Hostel präsentierte. Ein Qualitätssiegel also. Wenn Tarantino das gut findet, dann muss es ja gut sein. Und dass Tarantino gerade die Filme besonders gut findet, die er in seinen eigenen „verwurstet“, liegt da auf der Hand. Gerade der asiatische Raum hat es dem ehemaligen Videothekenmitarbeiter angetan. So zum Beispiel auch Shunya Ito’s Sasori – Scorpion aus dem Jahr 1972, welches sowohl den Regisseur, als auch Hauptdarstellerin Meiko Kaji zu Ruhm verhelfen sollte. Der Film zog nicht nur Fortsetzungen nach sich, sondern erhielt auch neben vielen anderen Filmen eine Referenz in Tarantinos Kill Bill – Vol. 1. Nun ist es auch nichts Neues, dass die heutige Zeit von Remakes nur so strömt. Gerade Michael Bay lässt quasi jeden Horrorfilm der Siebziger und Achtziger noch mal drehen. Dass es die Asiaten auch nicht unbedingt besser wissen, zeigt nun Joe Ma mit seinem Remake Sasori.

Dabei unterscheidet sich die grundsätzliche Geschichte von Ma nicht großartig von Itos, erzählen beide Filme doch von dem Rachefeldzug Nami Matsushimas. Die eigentliche Handlung jedoch, ist im Remake gänzlich variiert worden. Nami (Miki Mizuno) wartet auf ihren Freund und Polizisten, der seinen Vater abholt. Da erhält sie Besuch von vier, sagen wir, Yakuza, die jenen Vater töten wollen. Um wenigstens das Leben ihres Freundes zu retten, tötet Nami dessen Tochter. Ein perfider Tausch wenn man es so will. Wieso der Vater umgebracht wird und von wem beziehungsweise weshalb, wird zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt, im Grunde auch nicht wirklich zum Schluss. Die Tat selbst eröffnet Nami nicht gegenüber der Polizei, sie landet im Frauengefängnis und wird von ihrem ehemaligen Freund verabscheut. Hier skizziert Ma nun den typischen Gefängnisfilm, von Gewalt unter Mithäftlingen, missbrauchenden Gefängnisdirektoren und der gewalttätigen Katharsis der Titelfigur. Nach dem Ramboschen Motto „Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden“ (welches so in etwa auch von einer Nebenfigur ausgesprochen wird), muss sich Nami nun beweisen. Will sie im Knast zu Grunde gehen, oder möchte sie grausame Rache üben, an all denen die ihr Unrecht getan haben? Die Wendung, die der Film hier nimmt, soll ihm letztlich sein Genick brechen und den Karren praktisch gegen die Wand fahren. Denn Ma erzählt die Geschichte nun in einem ganz anderen Genre weiter, als zuvor.

Die erste Hälfte des Filmes ist kaltherzig, düster und trostlos. Dementsprechend wirken auch die Bilder von Ma, welche die Atmosphäre entsprechend einfangen sollen. Die Hausszene mit dem Doppelmord zu Beginn ist der Auftakt für Namis Martyrium. Die Gefängnisszene selbst in einem leblosen Ocker Farbton gehalten und von Gewalt durchzogen. Die eingeschüchterte Nami gehört der Oberschicht an und wird somit logischerweise zum Spielball der Knastmutter Diyou. Der ersten Trachtprügel folgt die Nötigung durch den Gefängnisdirektor, die sich später noch mal wiederholen und stärkere Ausmaße annehmen soll. Es ist klar, dass dies keine Welt für Nami ist und von friedlich ihre Zeit absitzen kann überhaupt nicht die Rede sein. Sonst endet sie noch wie die Mitinsassin, an der man eine Lobotomie vornahm. Stattdessen trifft Nami eine Entscheidung, wie man sie aus Gefängnisfilmen kennt, da jenen Protagonisten ohnehin nur vier Möglichkeiten offen stehen. Entweder sie sträubt sich und findet ihren Tod, flieht, reißt die Macht an sich oder macht ihr eigenes Ding in ihrer eigenen Welt, wie Andy Dufresne in Stephen King’s Die Verurteilten. Nami entwickelt einen Plan, der auf den ersten Blick wenig Sinn ergibt und sie auch fast das Leben kostet. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man Sasori durchaus noch Ernst nehmen, war die Handlung doch die meiste Zeit über authentisch gewesen oder zumindest plausibel. Mit Namis Katharsis ändert Ma jedoch den gesamten Grundton des Filmes.

Man könnte sagen, dass Nami die Flucht aus dem Gefängnis gelingt, wobei nicht nachvollziehbar ist, inwiefern es sich hier um eine Flucht handelt. Die Katharsis wird vorangetrieben, ein mysteriöser Leichensammler trainiert Nami zur Kämpferin. Der Zeitraum, in welchem die erste Hälfte des Filmes spielt, wird später auf ein Jahr beziffert werden. Wie sich dieses Jahr aufteilt, bleibt unklar. Die zuvor von Ma verwendeten leblosen und teils apatischen Farben für seine Einstellungen weichen nun kräftigeren und später auch harten Farbtönen. Am kritischsten ist allerdings der Wandel im Ton des Filmes. Jetzt verlässt Sasori – der zugegebenermaßen auf einem Comic basiert – die Pfade der ersten, ernsten Hälfte und beginnt in eine diffuse, wahnwitzige Welt abzugleiten. Auf einmal stellt sich heraus, wer für den Doppelmord verantwortlich ist und wieso. Das wird dem Zuschauer so salopp beigebracht, dass es sich einer gewissen Lächerlichkeit nicht entbehrt. Das große Ganze des Filmes, das Motiv für seine Geschichte, wird einem nicht wirklich klar, was auch nicht weiter stören würde, hätte Ma es unterlassen es nun, so spät, überhaupt noch mal zu erwähnen. Namis Ex-Freund hat sich inzwischen einer Hypnotherapie unterzogen und sein altes Leben vergessen, doch Nami spürt ihn ebenso auf, wie alle anderen Drahtzieher ihrer geraubten Unschuld. Das Wie und das Was unterschlägt Ma und konzentriert sich stattdessen auf seinen wilden Ausflug in die Welt der Wuxia-Filme.

Wie sich nun herausstellt, besitzen Namis Gegenspieler übernatürliche Kräfte, von denen am Anfang des Filmes aber nichts zu sehen war. Das macht die Kämpfe beziehungsweise die Choreographie dieser nicht unbedingt besser, eher noch lächerlicher. Von den unzähligen logischen Fehlern, selbst in der eigenen Welt, in der Sasori spielt, gar nicht erst zu sprechen. Während die erste Hälfte ein zumindest oberflächlich ernst gemeintes Gefängnis- oder Yakuza-Drama gewesen war, verkommt die zweite Hälfte zum Action-Trash-Feuerwerk ohne inhaltliche Struktur. Die Kombination beider Hälften zu einem gemeinsamen Film ist schließlich fatal, da ohne Chemie. Entweder ein Drama-Thriller mit ernstem Ton oder aber ein überkandideltes Trashfeuerwerk – beides zusammen kann nicht funktionieren und wenn, dann Hand in Hand und nicht hintereinander. Hier scheitert Joe Ma, der eigentlich im Fach der romantischen Komödie beheimatet ist, grandios und auf ganzer Ebene. Getoppt wird Sasori nur noch von seiner musikalischen Untermalung, die wie aus einem schlechten Softpornofilm wirkt und sich mit den debilen Schreien von Knastmutter Diyou zu einem unsäglichen Stück Film kombiniert. Wenigstens die beiden Darstellerinnen Miki Mizuno und Emme Wong sind hübsch anzusehen und wissen etwas über diese fast zwei verlorenen Stunden hinwegzutrösten. Statt Mas Remake sollte man sich also besser an Park Chan-wooks Lady Vengeance oder Itos Sasori – Scorpion versuchen. Da würde sicher auch Quentin Tarantino zustimmen.

2/10 - erschienen bei Wicked-Vision

The Oxford Murders

Can we know the truth?

Mitunter wird er als „Störenfried des spanischen Kinos“ bezeichnet, einen Ruf, den er sich durch seine schwarzhumorigen Filme wie Perdita Durango oder 800 Bullets verdient hat. Álex de la Iglesia überrascht seine Fans dieses Jahr jedoch, versucht er sich doch an einer Geschichte, die sehr viel mehr Mainstream zu bieten hat, wie seine bisherigen Filme. Mit The Oxford Murders adaptiert de la Iglesia den gleichnamigen Roman des argentinischen Schriftstellers und Mathematikers Guillermo Martínez, der inzwischen in über 16 Sprachen übersetzt wurde. Die Geschichte erzählt von einem argentinischen Mathematikdoktoranten, der nach Oxford kommt, damit der renommierte Logikprofessor Arthur Seldom seine Arbeit betreut. Zuerst von diesem abgelehnt, arbeiten beide letztlich doch zusammen, um eine Serie von mysteriösen Mordfällen zu lösen, die sich um mathematische Symbole dreht. Erschienen ist der Roman vor fünf Jahren, für seine Verfilmung bemühte sich de la Iglesia lange Zeit um Gael Garcia Bernal als Doktorand und Sir Michael Caine in der Rolle des Arthur Seldom. Letztlich kam es dann doch anders, die Geschichte wurde umgeändert, aus dem argentinischen Doktoranden wurde ein amerikanischer und die Figur letztlich mit „Frodo“-Darsteller Elijah Wood besetzt. Den Logikprofessor gibt nun der alteingesessene John Hurt.

De la Iglesia beginnt seinen Krimi mit dem humoristischen Versuch des culture clash. Der adrette Martin (Elijah Wood) trifft in Oxford ein und bezieht ein Zimmer im Haus von Mrs. Eagleton (Anna Massey), die einst an der Dechiffrierung der deutschen Enigma-Maschine im Zweiten Weltkrieg beteiligt war. Für Martin nichts Neues, hat er sich doch blendend vorbereitet auf die Geschichte des Hauses und von Mrs. Eagleton. Einzig die etwas giftige Beziehung zwischen Mutter und Tochter Beth (Julie Cox) wirkt etwas befremdlich. Beide scheinen den jungen Amerikaner zu umgarnen und Martin gefällt sich sichtlich in der Rolle. Schrullig und schräg sind die beiden Eagleton-Damen, den Amerikaner Martin stört es nicht. Leidlich komisch ist diese Szene, ebenso wie alle anderen, die im Verlaufe des Filmes gelegentlich für einen comic relief sorgen sollen. Es ist scheinbar eine fremde Welt, jedoch nicht für Martin, sondern für das Publikum. Der pfiffige Mathematiker verklebt seinen Squash-Court, um die kürzesten Laufwege zu berechnen. Das törnt auch die Krankenschwester Lorna (Leonor Watling) an – was will man in so einer intelligenten Umgebung wie Oxford auch sonst attraktiv finden? Ehe er sich versieht steht Martin also zwischen zwei Frauen – nur bei Arthur Seldom blitzt er radikal ab. Es gibt keine Wahrheit, verkündet Seldom bei einer Vorlesung und beruft sich auf Wittgenstein. Martin versucht den Logikprofessor zu widerlegen, beruft sich auf die Fibonacci-Reihe, nach der sich die Natur orientiert. In seine Schranken gewiesen wird er schließlich von dem Versuch Krebs mit jener berühmten Folge zu erklären. Ohne es zu ahnen, hat Martin hier den Stein des Filmes ins Rollen gebracht.

Es folgt ein Mord an Mrs. Eagleton, der jedoch fast keiner wäre. Ein kleines Detail macht ihn erst dazu, wie auch den folgenden Mord. Beide Morde werden mit einem mathematischen Symbol in Verbindung gebracht und Seldom vermutet, dass der Killer ihn auf einer intellektuellen Ebene herausfordern will. Gemeinsam mit Martins Hilfe versucht er nun das nächste Symbol zu entschlüsseln, um dem drohenden nächsten Mord zuvorzukommen. Die Arbeiten der Pythagoreer, die Heisenbergsche Unschärferelation oder der Gödelsche Unvollständigkeitssatz – sie alle finden Einzug in die Geschichte von The Oxford Murders, der sich ohne Frage sehr bewusst auf den Spuren von Dan Browns Welterfolg Sakrileg bewegt. Ähnlich wie dieser versucht de la Iglesias Film weitaus intelligenter zu sein, als er tatsächlich ist. Ein Mathematikdoktorand, der das Idiotenrätsel nicht auf Anhieb durchschaut, eine Serienkillervorlage, die aus einem Kinderbuch stammt. Seine naive Kriminalgeschichte kaschiert der Film mit viel wissenschaftlichem Geschwätz über die Unvorhersehbarkeit der Zahl Null, Wittgensteins Suche nach dem Beweis der Existenz von Wahrheit und so weiter und so fort. Immerhin hinterher hechelnd finden sich Martin und Seldom, welche ihre Abneigung vergessen, da zusammen Kelloggs-Packungen entschlüsseln weitaus mehr Spaß macht. Der große Twist, den der Film am Ende bemüht, verpufft dann ganz und gar, zu unwichtig, zu einfallslos ist alles, was er zuvor präsentiert hat.

War bereits Ron Howards The Da Vinci Code gelingt es de la Iglesias Film selten wirkliche Spannung aufzubauen. Wer wen aus welchen Gründen umbringt lässt einen ziemlich kalt. Oft wirkt The Oxford Murders auch schlichtweg strukturiert, wobei dies ein Manko des Romans beziehungsweise des Puzzle-Krimi-Genres ist. Hier fügt sich auch Woods einseitiges Schauspiel ein, welches sich nicht großartig von all seinen anderen Darbietungen unterscheidet. Sein Talent hat er damals nach Das Zweite Gesicht wohl am Set vergessen, da helfen auch die laut Regisseur „schönsten Augen des Business“ nichts mehr. Lobend hervorheben darf man jedoch die Musik von Roque Baños, die zwar gelegentlich zu sehr nach ARD-Fernsehkrimi klingt, über die meiste Zeit aber treffend die Stimmung einfängt. Das Finale des Filmes ist dabei ebenso flach, wie die gesamte vorangegangene Handlung, in der gezeigten Form nicht unbedingt vorhersehbar, aber irgendwie auch nicht sonderlich überraschend. Letztlich bemüht der Film in seiner letzten Einstellung wieder die Rückkehr zum Anfang, zu Wittgestein und der Frage nach der Existenz der Wahrheit. Beeindrucken kann dies jedoch nicht, der ganze Film und seine Geschichte bleiben unter ihrem Niveau, fesseln das Publikum zu selten und verlaufen sich ein ums andere Mal im Sande. Vielleicht sollte sich der Spanier doch wieder seinen schwarzhumorigen Geschichten zuwenden, denn einen zweiten Ron Howard braucht die Welt ganz gewiss nicht.

5/10 - erschienen bei Wicked-Vision