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18. Mai 2018

Gandhi

I thought you’d be bigger.

So viele bekannte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte es gibt, so wenige haben die Geschichte davon wirklich geprägt. Mohandas Gandhi zählte nicht dazu, war er nicht nur ein essentieller Bestandteil für die Unabhängigkeit von (Britisch-)Indien im Jahr 1947, sondern mit seiner friedvollen Satyagraha-Bewegung als Form des nichtkooperativen zivilen Ungehorsams zugleich Inspiration für andere historische Personen wie Reverend Dr. Martin Luther King Jr., Nelson Mandela, den Dalai Lama und Barack Obama. Ein Charakter, wie geschaffen für eine epische Filmbiografie, auch wenn es einige Jahre dauern sollte, ehe Regisseur Richard Attenborough schließlich im Jahr 1982 endlich mit Gandhi sein filmisches Denkmal in die Kinos bringen konnte.

Der Lohn waren stolze acht Oscars, darunter als Bester Film sowie verdientermaßen für Ben Kingsley, der in die großen Fußstapfen des Mannes, der sich später den Zunamen „Mahatma“ verdiente, trat. Wie viele klassische Biopics beginnt Gandhi seine Geschichte dabei am Ende und läutet den Film mit dem tödlichen Attentat auf Mohandas Gandhis (Ben Kingsley) Leben am 30. Januar 1948 ein. Die eigentliche Erzählung steigt kurz darauf 55 Jahre zuvor ein, als Gandhi während einer Zugreise im südafrikanischen Pietermaritzburg aufgrund seiner Hautfarbe der ersten Klasse und letztlich des Zuges verwiesen wird. Die erste Begegnung mit einer Diskriminierung der indischen Bevölkerung, die den Stein zum Anstoß für sein Handeln gibt.

Vor Ort schließt sich Gandhi mit dem Indischen Nationalkongress zusammen, protestiert gegen unterdrückende Gesetze und legt sich mit dem Regierungsapparat an. Ein Einsatz für sein Volk, der sich bei seiner viele Jahre später erfolgenden Rückkehr 1914 nach Indien bezahlt macht. Die Partei um ihre Mitglieder wie Jawaharlar Nehru (Roshan Seth) schickt Gandhi auf eine Reise durch das Land, um ein Gefühl für das Anliegen der Bevölkerung zu gewinnen. “You will see what needs to be said. What we need to hear”, kriegt der damals 45-jährige Heimkehrer mit auf den Weg. Gandhi soll zu diesem Zeitpunkt bereits Swaraj, die Selbstverwaltung der Inder, angestrebt haben – auch wenn Attenborough das nicht betont.

Über seine Laufzeit von mehr als drei Stunden hinweg geriert sich Gandhi dabei im Kern als eine Art „Best of“ auf dem Weg zu dieser Selbstverwaltung. Neben den ersten aktivistischen Bemühungen in Südafrika und der Reise-Montage durch Indien hangelt sich Attenborough neben den etwaigen Inhaftierungen Gandhis über das Massaker von Amritsar in 1919 hin zum berühmten Salzmarsch in 1930 und letztlich der Unabhängigkeit Indiens im Verbund mit den Unruhen zwischen hinduistischer und arabischer Bevölkerung, die in der Gründung Pakistans gipfeln. Hierbei fällt der Film – was vermutlich nur konsequent ist – mitunter etwas zu hagiografisch aus, mit wenig Raum für Kritik an der Heiligen-Legende von Mahatma Gandhi.

Attenborough zeichnet das Bild der politischen Figur und nicht des Menschen Gandhi. In dessen Persönlichkeit erhalten wir nur wenig Einblick, seine Familie um die vier Kinder spart der Film beispielsweise nahezu ganz aus. Dabei hatte Gandhi gerade zu seinem ältesten Sohn Haribal ein schwieriges Verhältnis, aber auch positive Auswirkungen auf seine Enkel wie Ramchandra Gandhi, Arun Gandhi oder dessen Schwester Ela Gandhi, die allesamt ebenfalls als Aktivisten auftraten und -treten. Genauso drängt der Film bisweilen Gandhis Frau Kasturba (Rohini Hattangadi) und ihre Beziehung in den Hintergrund, trotz der streckenweise turbulenten Ehe, welche die beiden mit 13 Jahren zwangsverheirateten Liebenden ihr Leben lang einte.

Für Richard Attenborough war Gandhi ein Passions-Projekt, dessen Umsetzung ihn viele Jahre kostete. Dies mag entschuldigen, wieso sich der Film nicht allzu sehr für Kritik an seiner Figur interessiert, insofern der britische Regisseur überhaupt bereit gewesen wäre, diese einzugestehen. Im Fokus steht das Erreichen der Unabhängigkeit mittels Ahimsa, dem hinduistischen Prinzip der Gewaltlosigkeit, der sich Gandhis Satyagraha verschreibt. “Through our pain we will make them see their injustice”, lautete seine Botschaft, angelehnt an das christliche Hinhalten der anderen Backe (Mt 5, 39). Inwieweit diese als universell angesehen werden kann und nicht vielleicht eher ein Ideal ist, bleibt bei Attenborough außen vor.

So war Gandhi seiner Zeit der Ansicht, die Juden hätten im Holocaust den Märtyrertod sterben sollen, um damit auf die Ungerechtigkeit ihrer Täter hinzuweisen. Und schrieb selbst Hitler, um an ihn zu appellieren. Im Fall der Nazis mag man dies als naiv erachten, für die Methoden von Gandhi in Südafrika und Indien sowie in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung eines Dr. King waren sie durchaus zielführend. “Why should we not walk on the pavement like other men?”, fragt ein junger Gandhi da eingangs in Südafrika – und findet darin die Geburt jenes Mannes, von dem sie später sagen würden: “He bows to all and despises none.” Auf seine Weise zeichnet Attenborough jenes Heiligenbild von Gandhi, das dieser anstrebte.

Der Film gerät dabei trotz etwaiger Auslassungen wie Gandhis Rolle im 2. Burenkrieg oder seines Studiums in England eine Spur zu lang. Da mag es etwas irritieren, dass die Handlung zusätzlich durch Auftritte von Figuren wie der Fotografin Margaret Bourke-White (Candice Bergen) oder dem (fiktiven) Journalisten Vince Walker (Martin Sheen) aufgebläht wird, die der Film prinzipiell nicht nötig hätte. Außer, das zum Großteil aus Indern bestehende Ensemble mit ein paar bekannten weißen Gesichtern aufzupeppen. Obwohl wir von diesen mit britischen Charakteren wie dem Pfarrer Charles F. Andrews (Ian Charleson) oder Brigade-General Reginald Dyer (Edward Fox), jenem „Schlächter von Amritsar“, eigentlich doch ausreichend sehen.

Aus heutiger Sicht lassen sich in Gandhi zudem einige Parallelen zu anderen historischen Ereignissen erkennen. “Without a paper, a journal of some kind, you cannot unite a community”, hatte Gandhi in Südafrika einst die Rolle einer Zeitung für das Anliegen der Inder vor Ort hervorgehoben. In gewisser Weise mag man in der Bedeutung von Social-Media-Diensten wie Twitter für den Arabischen Frühling von 2010 eine ähnliche Funktion von Medien sehen. Auch Ähnlichkeiten zu Jesus Christus, der wie Gandhi – sowie später auch Nelson Mandela – für seinen friedvollen, aber grundsätzlich revolutionären, Einsatz einer unterdrückten Bevölkerungsschicht inhaftiert wurde, sind neben dessen Satyagraha-Ansatz praktisch offensichtlich erkenntlich.

In seiner Summe bietet Gandhi somit einen guten, wenn auch nicht umfassenden (oder absolut authentischen) Einblick in das Schaffen Gandhis. Auch wenn wir der Person selbst nicht wirklich näher kommen. Gekonnt von Richard Attenborough inszeniert und überzeugend vom Ensemble gespielt, funktioniert der Film vor allem aufgrund des aufopferungsvollen und starken Spiels von Ben Kingsley, der ganz in seiner Rolle verschwindet. „Ich weiß, daß ich einen schwierigen Weg vor mir habe. Ich muss mich selbst zur Null machen“, diktierte der inhaftierte Gandhi 1924 seinem Vertrauten Charles F. Andrews als seine Autobiografie. Jene Demut war es, die Mohandas Gandhi auszeichnete und andere große Persönlichkeiten später inspirieren würde.

8/10

7. Mai 2016

The Jungle Book (3D)

Am I in the right monkey temple?

Geht es um das Thema „zwischen zwei Kulturen“, dann verweist das Internet meist auf junge Deutsche, die einen türkischstämmigen Hintergrund haben. Zwar hier geboren und aufgewachsen, aber dennoch stark mit ihrer türkischen Herkunft verhaftet. Und zugleich mögliche Brückenbauer zwischen beiden Welten. Ein Kind zwischen zwei Kulturen ist seit jeher auch Mogli (Neel Sethi), ein Waisenjunge, der einst von Panther Baghira (Ben Kingsley) im Dschungel in die Obhut des Wolfsrudels um Akela (Giancarlo Esposito) und Raksha (Lupity Nyong’o) gegeben wurde. Wie ein Wolf soll sich Mogli da verhalten, doch sein menschlicher Charakter schlägt immer wieder durch. Seine Herkunft ist es dann, die ihm zum Verhängnis zu werden droht.

Während einer Dürreperiode kehrt Tiger Shir Khan (Idris Elba) in den Dschungel zurück – und hat es auf den Mensch in der tierischen Gesellschaft abgesehen. Er, der Neuling aus einer anderen, fremden Kultur, ist nicht gern gesehen im Tierreich. Sein Charakter befremdet selbst die Wölfe, mehr schlecht als recht gelingt seine Anpassung. Mit dem aggressiven Element Shir Khans muss sich nun der „Rechtsstaat“ um Akela auseinandersetzen. Sucht man die Konfrontation mit einem aufhetzerischen Gegner oder fügt man sich, und schickt Mogli zurück ins Land seiner Väter? Das Für und Wider dieser Frage klärt der Junge selbst, er will zwar bleiben, sieht aber, dass er nicht akzeptiert wird. Und soll nun von Baghira zurückeskortiert werden.

Genauso gut ließe sich gegenwärtig in Mogli also eine Art Flüchtling sehen. Der Unterkunft erfährt, aber nicht von jedem gerne gesehen ist. Manche haben es ihm gar aufs Leben abgesehen. Nun ist Jon Favreaus Adaption von The Jungle Book sicher kein Sozialkommentar auf die Flüchtlingskrise, sondern zuvorderst eine „Live Action“- respektive CGI-Verfilmung basierend auf Disneys klassischer Zeichentrickadaption des Werks von Rudyard Kipling. Parallelen sind aber durchaus erkennbar, sofern man solche ausmachen möchte. Mogli ist dabei fraglos ein Ausnahmefall. Er kennt nur den Dschungel und auch sonst keine Menschen. Für ihn existiert nur eine – seine – Heimat. Die Aussicht, in die Fremde zu ziehen, ist schwer nachvollziehbar.

Die Stationen, die Favreau in seinem Film nun abgrast, sind in etwa dieselben wie in der Disney-Version von 1967 – obschon in dieser Version die Konfrontation mit Shir Khan weitaus früher eingeführt wird. Als Ausgleich wird die Begegnung mit Schlange Kaa (Scarlett Johansson) auf einen kurzen Gastauftritt reduziert, dafür eine spätere Begegnung mit Affenkönig Louie (Christopher Walken) etwas bedrohlicher aufgeladen. Zwischendrin darf natürlich die Freundschaft mit Bär Balu (Bill Murray) nicht fehlen, die hier erst etwas aufblühen darf. Ein Nutznießer von Moglis Talenten möchte der faule Bär sein, einen wirklichen Ausgleich für dessen Leistung bietet ihm der verfressene Balu nicht. Außer eben, die Flucht vor seiner „Verantwortung“.

Zumindest lässt Balu den Jungen so sein wie er will. Ob dieser sich nun wie ein Wolf gebiert oder auf seine menschlichen Tricks zurückgreift. Erstmals wird Mogli schlicht akzeptiert, wie er ist. Ohne sich den Ansprüchen oder Vorstellungen anderer fügen zu müssen. An der Gefahr durch Shir Khan ändert das wenig. Den Tiger interessiert nicht, ob Mogli eingegliedert ist oder nicht. Er be- und verurteilt das Menschenkind ob seiner Vorurteile gegenüber dessen Rasse. Solche sind es auch, die Louie auf den Plan rufen. Ihn sehnt es nach der roten Blume – der Umschreibung der Tiere für das Feuer. Dessen will sich der Primat bemächtigen. “I want to be like you”, singt er da zwar. Will aber weniger Mensch sein, als lediglich über dessen Macht verfügen.

Seine Menschlichkeit spielte in der Zeichentrick-Version keine wirkliche Rolle, vielmehr ging es um Begegnungen Moglis im Dschungel. Wirkliche Gefahr wollte da nicht aufkommen, anders nun in der Motion-Capture-Version. Die schickt sich an, „düsterer“ zu sein – was The Jungle Book in dieser Variante sogar ganz gut zu Gesicht steht. Umso unpassender wirkt es dann, wenn Favreau doch zwei der bekannten Songs in die Handlung mit aufnimmt (was im Falle von Balus “Bare Necessities” zumindest noch halbwegs Sinn macht). Dieser Mogli ist vernarbt ob vergangener Erlebnisse, dies eher buchstäblich als sinnbildlich gesehen. Und um Todesfälle kommt diese Adaption auch nicht herum. Wodurch die Atmosphäre entsprechend aufgeladener gerät.

Was im ersten Trailer mit „real“ aussehenden und sprechenden Tieren noch ein Desaster erahnen ließ, funktioniert im fertigen Film dann überraschend gut. Selbst wenn die Effekte durchweg als solche erkennbar sind. Was die Synchronisation angeht, ist das Ergebnis schon durchwachsener. Wo Bill Murray, Idris Elba und Ben Kingsley überzeugen, wirkt Scarlett Johansson eher wie ein Fremdkörper und auch Christopher Walken mit seinem Godfather-mäßigen Louie wirkt eher befremdlich (wäre James Gandolfini nicht verstorben, wäre der Part wohl sowieso an ihn gegangen). Auch Neel Sethi trumpft nicht gerade mit Schauspieltalent auf, obschon man sich mit fortlaufender Filmdauer an ihn gewöhnt. Und Zeit dafür existiert genug.

Mit fast zwei Stunden gerät The Jungle Book gerade in seinem Schlussdrittel etwas langatmig. Wie auch das Finale leicht überladen wirkt, was wohl auch dem aktuellen Trend in Hollywood geschuldet ist. Die etwaigen Referenzen Favreaus von The Godfather über Apocalypse Now bis hin zu The Lion King und natürlich dem Original gefallen mal mehr, mal weniger. Das abgewandelte Ende wiederum fühlt sich angesichts der thematischen Tiefe dieser Neuverfilmung authentisch an. Logisch und konsequent ist, dass Mogli zum Ende als Kind zweier Kulturen die Brücke zwischen beiden schlagen darf. Sein Menschsein wird nicht mehr unterdrückt, sondern imitiert. Wenn sich dann sogar Balu auf einen Baum bemüht, ist die Integration vollendet.

7.5/10

28. April 2013

Iron Man 3

Heroes – there is no such thing.

Die perfekte Tagline für einen Film von Shane Black wäre wohl dem Kaiser entlehnt: „Ja ist denn heut scho Weihnachten?!“ Immerhin spielten bisher vier seiner sieben Drehbücher zur Festtagszeit im Dezember, von Lethal Weapon bis hin zu Kiss Kiss Bang Bang. Auch Kidnapping ist ein wiederkehrendes Motiv in seinen Geschichten, weshalb es also nicht überrascht, dass in Blacks zweitem Film als Regisseur, Iron Man 3, ein Kidnapping in der Weihnachtszeit integriert ist. Auch sonst ist der dritte Teil um den narzisstischen Helden Tony Stark spürbar eine Schöpfung seines Regisseurs, was sich nicht zuletzt an dem Humor dieser Comicverfilmung zeigt, der sich selbst in den dramatischsten Momenten nicht zurückhält.

Inhaltlich knüpft Iron Man 3 an die Ereignisse aus Avengers an. Einige Monate nach der Alien-Invasion in New York und seinem Nahtoderlebnis suchen Tony Stark (Robert Downey Jr.) verstärkt Panikattacken heim. Umso ungeschickter kommt ihm der wahnsinnige Terrorist Mandarin (Ben Kingsley), der Exekutionen und Bombenanschläge inszeniert, um eine Rechnung mit dem US-Präsidenten zu begleichen. Als es Stark zu blöd wird und er Mandarin vor laufenden Kameras zur Privatfehde reizt, löst der schwerreiche Playboy eine Ereigniskette aus, die nicht nur sein Leben und das seiner Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) gefährdet, sondern die ihren Ursprung wie sich zeigt in Starks eigener Vergangenheit hat.

Dabei bleibt auch der dritte Teil den Themen der Reihe treu, wenn mal wieder Tony Starks Sterblichkeit im Zentrum steht und es diese für unseren Helden zu akzeptieren gilt. Dies mag zwar nicht immer vollends nachvollziehbar sein, da Starks zynische Frohnatur am Ende von Avengers nicht den Eindruck machte, sonderlich von dem Erlebten mitgenommen zu sein. Allerdings etablierte bereits Iron Man 2, dass Stark im Angesicht des Todes durchaus bereit ist, seine Maske fallen zu lassen. Hinzu kommt, dass hier diejenigen Menschen die Konsequenzen für Starks Handeln tragen müssen, die ihm am nahesten stehen. Zum einen ist das natürlich Pepper, zum anderen sein Freund und Bodyguard Happy Hogan (Jon Favreau).

Beide bekommen dieses Mal weitaus mehr zu tun als in den Vorgängern. Gerade Paltrows Rolle gewinnt an Verantwortung und Bedeutung – nicht nur für Tony Stark. Aber auch Don Cheadle, der von War Machine zu Iron Patriot wird, darf – wenn auch erst im Finale – endlich präsenter sein. Es ist dabei so überraschend wie erfreulich, dass sowohl Iron Man als auch Iron Patriot hinter Tony Stark und Rhodey zurückstehen. Das wiederum verleiht Iron Man 3 auch aufgrund der Hautfarbe der beiden Charaktere eine kaum zu leugnende Ähnlichkeit zu anderen Filmen von Black wie Lethal Weapon und Last Boy Scout, auch wenn das Zusammenspiel der Figuren im Finale eher an Blacks Debüt Kiss Kiss Bang Bang erinnert.

An sich wäre der Filmtitel mit Tony Stark treffender gewählt als mit Iron Man 3, denn Downey Jr. verbringt fast den gesamten zweiten und dritten Akt außerhalb seines Anzugs, um sich unter anderem im verschneiten Tennessee mit einem Jungen auf die Suche nach Antworten zu machen. Denn nicht nur Mandarin ist auf der Bildfläche erschienen, auch Starks ehemaliger One-Night-Stand, Botanikerin Maya Hansen (Rebecca Hall), der von Stark ignorierte Wissenschaftler Aldrich Killian (Guy Pearce) und dessen Regenerations-Virus „Extremis“ sowie die von Extremis zu Supersoldaten umfunktionierten Veteranen rund um Eric Savin (James Badge Dale) verlangen die Aufmerksamkeit unseres Superhelden.

Sowohl die Darstellung von Pearce als Aldrich Killian als auch Ben Kingsleys Porträt des Mandarin sind dabei für Fans gewöhnungsbedürftig. Gerade der Mandarin erscheint als eine Art Phönix aus der Asche des Nichts, ein Terrorist der Marke Osama bin Laden, ohne Skrupel und ethische Moral. So hat es zumindest den Anschein, doch Black hat für Iron Mans Nemesis eine ganz besondere Rolle in diesem Trilogieabschluss vorgesehen. Pearce hingegen gibt einen eher gewöhnlichen Bösewicht, auch wenn sein verrückter Wissenschaftler alles andere als gewöhnlich ist. Rebecca Hall hingegen wirkt etwas brachliegend, ist ihre ambivalente Maya Hansen doch eine der blassesten und unausgereifsten Figuren.

Vollends stimmig gerät das Endergebnis also nicht. Wie bisher leiden die Marvel-Filme unter ihren schwachen Antagonisten. Zumindest kriegt es Iron Man in diesem Fall nicht erneut mit einem Bösewicht in einem Iron Man-ähnlichen Anzug zu tun, sein diesmaliger Gegenspieler und die Supersoldaten erreichen trotzdem ein ganz neues Level der Lächerlichkeit, speziell in einer mehr als absurden Szene. Ohnehin sind Supersoldaten nicht erst seit der finalen Staffel von X Files eine eher delikate Angelegenheit, allerdings sind sie in Iron Man 3 glücklicherweise nur Mittel zum Zweck. Die Handlung ist in diesem Fall zweitrangig, weshalb man sich auch nicht wundern sollte, dass S.H.I.E.L.D. durch Abwesenheit glänzt.

Dabei hätte man gedacht, Angriffe auf ein Avengers-Mitglied oder den US-Präsidenten würden Nick Fury veranlassen, zumindest Maria Hill auszusenden. Stattdessen ist Stark auf sich allein gestellt – mit hilfreicher Unterstützung seiner künstlichen Intelligenz JARVIS und Anzüge. Diese geraten nunmehr buchstäblich zu solchen, kann Stark doch nach Belieben aus ihnen schlüpfen (in einer Szene „parkt“ er einen außerhalb eines Bistros) oder Elemente von ihnen per Fernsteuerung überstreifen und lenken. Das Ganze garantiert speziell im ersten Akt einige Lacher im Publikum und ohnehin liegt der Fokus von Iron Man 3 nicht nur auf Starks Katharsis, sondern auch auf deren humorvoller Darbietung.

Blacks bissiger Witz kommt perfekt zum Tragen und kaum jemand eignet sich für den Vortrag von Blacks Zeilen besser als Downey Jr. Selbst der zweite Akt und Starks ausgiebige Interaktion mit einem zehnjährigen Jungen gerät so zum amüsanten Fest der Dialoge, aber auch die so namen- wie charakterlosen Handlanger im dritten Akt dürfen einige so grandios-authentische Sätze von sich geben, dass sie fast die vierte Wand durchbrechen. Somit verspricht Iron Man 3 trotz einiger Logik-Planstellen im Extremis-Handlungsstrang und der generellen Darstellungsschwäche der Antagonisten eine über weite Strecken höchst vergnügliche Action-Komödie, die nicht nur der bisher gelungenste Teil der Iron Man-Reihe ist, sondern sich auch wunderbar in das Œuvre von Shane Black einfügt.

6/10 – erschienen bei Wicked-Vision

10. September 2008

Transsiberian

If you kill off my demons my angels might die too.

Eine Matrjoschka ist eine berühmte russische Holzpuppe, die bunt bemalt ist und in sich selbst noch weitere Matrjoschka verschachtelt hat. Sie beherbergt somit mehr, als auf den ersten Blick offenbart wird und bei jedem genaueren Blick, stößt man auf eine neue Matrjoschka. Ohne Frage wäre Brad Andersons neuer Film Transsiberian gerne eine solche Matrjoschka. Aber nur weil der Film die eine oder andere Wendung nimmt, macht ihn das noch lange nicht zur einer. Mit Session 9 und The Machinist machte sich Anderson im Business einen Namen, wenn man es so sehen will. Dabei war das Eindrucksvollste an The Machinist noch Christian Bales Gewicht, konnte der Film mit seiner finalen Wendung doch wenig überraschen. Aber Andersons neuer Film beschreitet da ganz andere Wege, ist weniger ausgeklügelter Thriller und spannender Horror als vielmehr ein konventioneller Thriller mit Kaltem Krieg-Flair, der ohne Probleme Ende der achtziger oder Anfang der neunziger Jahre stammen könnte. Mit namhafter Besetzung wird hier ein Drogendrama erzählt, welches sich im Transsiberian-Zug von Peking nach Moskau abspielen soll. Hierbei spielen unterschiedliche menschliche Persönlichkeiten und den Wandel, den sie im Laufe ihres Lebens durchlaufen (können) eine entscheidende Rolle. Als kleiner Nebendarsteller funktioniert dabei der kammerspielartige Raum jenes Zuges, in dem sich viel der Handlung abspielt und die Protagonisten auf enger Fläche zusammen zwängt.

Die Richtung des Filmes gibt Anderson dabei gleich zu Beginn vor. Der russische Ermittler Grinko (Ben Kingsley) fahndet nach gestohlenem Kokain und macht sich auf den Weg zu einer Konferenz. In der folgenden Stunde wird man Grinko nicht mehr zu Gesicht bekommen, er ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als ein Erzähler, der die Drogen im Film als Objekt etabliert. Stattdessen dreht sich Transsiberian um die Ehe von Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer). Beide trieb Roys Kirche auf Missionarsarbeit nach Beijing, nun treten sie die Heimreise an. Dass die Ehe auf wackeligen Beinen steht, zeigt Anderson in einer Sexszene, die deshalb nicht zu Stande kommt, weil Jessie unbedingt verhüten will. Der nicht vorhandene Kinderwunsch als Skylla ihrer Persönlichkeit. Die Spannungen werden erst gelockert, als sie in ihrer Kabine Zuwachs durch das Backpacker-Pärchen Carlos (Eduardo Noriega) und Abby (Kate Mara) erhalten. Doch beide scheinen ein Geheimnis mit sich zu Tragen, ein Geheimnis, in welchem Jessie schneller als sie sich versieht selbst Teil wird. Anderson wählt hier Emily Mortimers Figur der Jessie als zentrale Protagonisten seines Filmes, die im Fokus des Geschehens steckt. Jessie selbst ist eine ambivalente Figur, ehemals wild und ziellos und nunmehr durch ihre Liebe zu Roy quasi gezähmt. Bei diesem „Geständnis“ verwundert es einen umso mehr, dass gerade der gläubige Kirchengänger Roy, der sich so sehr für Eisenbahnen interessiert, dass er seinen Zug verpasst, mit jener wilden Jessie zusammen gerät. Denn im Grunde wirkt für jemanden von Jessies Persönlichkeit gerade Carlos weitaus anziehender und passender. Ziellos im Leben, die Heimat auf dem Rücken. Ab einem gewissen Zeitpunkt verliert Anderson daher Roy und Abby aus den Augen, um sich stattdessen auf die anderen beiden Figuren zu konzentrieren.

Jene sind es auch, die der Geschichte ihre entscheidende Wendung geben. Bis es soweit ist zeichnet Anderson in Transsiberian jedoch den Clash der Kulturen. Während Roy und Jessie bei ihrem Abschied von ihren westlichen Mit-Missionaren freundlich behandelt werden, begegnet ihnen im transsiberischen Zug allerlei Animosität. Die Zugbegleiterinnen reagieren wiederholt barsch und ausfallend, die Polizisten wiederum nicht weniger aggressiv. Ein durchaus xenophobes Bild, welches Anderson hier zeichnet und noch mit Anekdoten eines französischen Passagiers garniert, dem die Zollbehörde zwei Zehen amputierte, ehe er sich bereit erklärte eine größere Summe als „Lösegeld“ zu bezahlen. Russland als Land der unmoralischen Zustände. Damit der Eindruck noch verstärkt wird erzählt später auch Grinko noch den einen oder anderen Schwank. Es sei besser in Dunkelheit zu leben als im Licht zu sterben und die UdSSR war ja sowieso am besten. Transsiberian ist daher ein Film für das westliche Publikum, dem hier in fremden Territorium ruhig etwas mulmig werden darf. Enge Zugräume, unfreundliches Personal und die Aussicht sich seine Grenzüberschreitung erkaufen zu müssen. Einfluss hat das insbesondere auf Jessie, während der extrovertierte Roy die Situation so nimmt, wie sie kommt. Schließlich muss man immer den Donut im Auge behalten und nicht sein Loch. Always look on the bright side of life.

So vereinbart Anderson viele kleine Facetten in seinem neuen Film. Einen Hauch Der Fremde im Zug hier, eine Prise Express in die Hölle da, gepfeffert mit etwas Hostel – von allem ist ein bisschen was dabei. Obschon Transsiberian in einem Zug spielt nimmt die Handlung nie wirklich Fahrt auf, legt kaum einen Zahn zu. Sie rollt vorwärts, stetig aber sicher. Der Weg, den sie beschreitet, ist mitunter etwas holprig, so zum Beispiel am Wendepunkt der Geschichte in der Mitte des Filmes, aber bleibt geerdet. Das Tückische an Andersons Neuem ist, dass er spektakulär unspektakulär ist. Über die Wahl der Besetzung darf man sich streiten, so nimmt man Harrelson den braven Ehemann gerade zu Beginn nicht wirklich ab, zu sehr beißt sich das mit seiner Filmographie. Auch für Mortimer scheint ihre Rolle gelegentlich eine Nummer zu groß zu sein, während Noriega herrlich schmierig auftreten darf. Dagegen können sich Mara und Kingsley nicht sonderlich hervortun, während Deutschlandexport Thomas Kretschmann bis auf wenige Sätze (und die sind in Russisch) lediglich böse schauen darf. Die Geschichte, welche der Film zu erzählen versucht, hat zwar Hand und Fuß und ist dabei nicht einmal unbedingt unglaubwürdig. Doch fehlt ihr viel zu sehr die Spannung, eine gewisse Beschleunigung. Große Sprünge sollte man sich vom neuesten Werk Brad Andersons also nicht erwarten, denn wirklich gut ist er nicht. Wirklich schlecht jedoch ebenfalls nicht und hier liegt fast schon die Krux des Ganzen. Transsiberian ist ein durchschnittlicher Thriller, der es seinem Publikum schwer macht, überhaupt eine gesonderte Emotion hinterher zu fühlen, weshalb er unterm Strich gesehen wieder selbst wie ein Zug ist. Man schenkt ihm kurz Aufmerksamkeit, aber aus den Augen ist aus dem Sinn.

6/10 - erschienen bei Wicked-Vision

21. September 2007

Artificial Intelligence

He who is without “sim”, cast the first stone.

Gegen Ende der 1980er Jahre hatte Regisseur Stanley Kubrick eine Vision für eines seiner vielen Film-Projekte, basierend auf der Kurzgeschichte Super-Toys Last All Summer Long von Brian Aldiss. Obschon Aldiss und Kubrick bis Mitte der 1990er hinein an einer Realisierung des Projektes arbeiteten, schieden sie aufgrund kreativer Differenzen schließlich auseinander. Stattdessen arbeitete Kubrick mit dem britischen SF-Autor Ian Watson an einer filmischen Umsetzung der Handlung. Nachdem Kubrick an die 200 Skizzen und Zeichnungen für das Storyboard Design ausgearbeitet hatte, bekam er immer mehr den Eindruck, dass die Handlung viel eher zu seinem Freund Steven Spielberg passen würde, denn ihm selbst. Diesen holte er während der Entwicklung an Bord und legte ihm den Film nahe, obschon er wiederum Kubrick als passenderen Regisseur empfand. Als Kubrick jedoch 1999 unerwartet verstarb, nahm sich Spielberg erneut des Projektes an und verwirklichte es bereits zwei Jahre später. Als Produktion von Stanley Kubrick geführt, stellte Spielberg mehrfach klar, dass Artificial Intelligence eine Hommage an Kubrick sei.

Monica (Frances O’Connor) und ihr Mann Henry (Sam Robards) haben ihren Sohn Martin an eine unheilbare Krankheit verloren, die Ärzte eine Genesung aufgegeben. Da gelingt in Henrys Firma Cybertronics eine Revolution, als deren Leiter, Prof. Hobby (William Hurt), einen Androiden herstellt, der Liebe empfinden kann. Dieser Android erhielt das äußere Erscheinungsbild von Hobbys eigenem verstorbenem Sohn David (Haley Joel Osment) und wird Henry als Prototyp anvertraut. Als Monica ihn programmiert und allmählich eine tiefe Zuneigung zu ihm empfindet, geschieht das Unerwartete: Martin erfährt eine Heilung. In David einen Rivalen sehend, provoziert Martin diesen immer wieder, bis er ihn in eine Situation manövriert, in der David nicht mehr tragbar ist. Anstatt diesen jedoch zu Cybertronics zur Verschrottung zu bringen, setzt ihn Monica im Wald aus. David setzt alles daran, Monicas Liebe wiederzugewinnen und macht sich auf die Suche nach der Blauen Fee, die ihn in einen echten Jungen verwandeln soll. Auf seiner Odyssee trifft er den Sex-Androiden Gigolo Joe (Jude Law), der ihn auf seiner gefährlichen Reise begleitet.

Im Grunde ist Artificial Intelligence eine futuristische Variante von Carlo Collodis Pinocchio: ein künstlicher, gefertigter Junge, der zum richtigen, lebendigen Junge werden will. Dies war Kubricks Idee und hatte unter anderem zum Bruch mit Aldiss geführt. Mitunter wirkt die Geschichte von Spielberg, der hier zum ersten Mal seit Poltergeist selbst am Drehbuch schrieb (wobei er die Vorlage von Kubrick verwendete), als wäre sie von Philip K. Dick. Schließlich wird die Frage thematisiert, was einen Menschen menschlich macht. Mit David wurde ein Android gebaut, der (programmierte) Liebe empfinden kann und dennoch wird er vom Menschen verstoßen. Speziell die Szene der Flesh Fair, einem überdrehten und gladiatorenhaften Jahrmarkt, zeigt diese humane Angst vor der Vermenschlichung der Androiden. Deren Besitzer Lord Johnson Johnson (Brendan Gleeson) ist zwar fasziniert von David, setzt ihn jedoch trotzdem dem Showprogramm aus. Die gewaltgeile Menge bringt es dann allerdings doch nicht fertig, diesen jungenhaften Roboter zu vernichten, obschon er seinen mechanischen Gefährten primär äußerlich nicht unähnlich ist.

Szenen wie diese sind überaus düster, selbst wenn sie Spielbergs typische Handschrift tragen. Glauben will man es ihm aber nicht, wenn er behauptet, die düsteren Szenen stammen von ihm selber und die Kitschigen von Kubrick. Der gesamte Handlungsverlauf schreit stets „Spielberg“, weshalb Kubrick wohl mit dem Projekt an Spielberg herangetreten war. Zwar baut Spielberg viele kubriksche Elemente wie die Ausleuchtung der Szenen oder die Darstellung des Menschen als gewaltgeiles Tier ein, wie ein Film des Altmeisters selbst wirkt das Resultat dennoch bei weitem nicht. Stattdessen erinnert Artificial Intelligence durch und durch an Spielbergs Filmografie und nicht an die von Kubrick. Dieser warme und durchweg sympathische Charakter von David, ohne jeglichen Makel, öffnet die Herzen der Zuschauer und lässt sie mit ihm und seinen Schicksal mitfiebern. Ein Attribut, wie es auf eigentlich keinen Kubrick-Film zutrifft. Auch wenn Artificial Intelligence als Märchen gedacht ist, lässt sich der Film nicht in die Kubrick-Schablone pressen. Denn dafür ist er von seinen Farben zu bunt, zu kräftig und nicht zuletzt zu kitschig.

Für sein Projekt konnte Spielberg besonders in den Nebenrollen Stars gewinnen, neben Jude Law wurden auch die Stimmen von Ben Kingsley, Meryl Streep, Chris Rock und Robin Williams integriert. Für die Musik war John Williams verantwortlich, was wiederum ein Beispiel dafür ist, wie die kubriksche Verkleidung nicht authentisch wirkt. Denn sogar für Spielbergs Standard gerät die Musik extrem kitschig und aufgesetzt. Selbst als Spielberg-Film funktioniert Artificial Intelligence somit nicht, wirkt er doch wie eine Mischung aus E.T. und Minority Report. Besonders seine Familienmoral stößt dabei verstärkt bitter auf, was aber auch an der Schauspielerei von Osment liegen kann. Davids Gequengel nach der Blauen Fee und der Liebe zu Monica geht einem nämlich spätestens in der Mitte des Filmes tierisch auf den Keks. Hierbei sind die besonders vorstechenden Elemente von Spielberg natürlich das Kind als Held im Zentrum des Geschehens, sowie satte und kräftige Farben. Alles wirkt ziemlich gekünstelt, dabei lässt sich kaum Kritik an den Effekten finden, die in der Tat dem typisch spielbergschen Standards entsprechen.

Besonderes Highlight des Films ist Teddy, das filmische Beispiel eines Supertoys, der nicht nur knuffig aussieht, sondern auch eine goldige Stimme hat. Paradoxerweise ist Teddy auch die einzige rational denkende Figur in der gesamten Handlung. Sein katastrophales Ende findet Artificial Intelligence schließlich in seinem grotesk-absurden Finale. Sollte der Film so tatsächlich Kubricks Idee gewesen sein, wäre es die Schlechteste gewesen, die er je gehabt hatte. Aber hätte Kubrick den Film inszeniert, wäre er fraglos anders geworden. Vielleicht nicht zwingend unbedingt viel besser, aber sicherlich interessanter. So bleibt Artificial Intelligence der reine Versuch eines großen Regisseurs, die Idee eines anderen großen (größeren?) Regisseurs auf dessen Art und Weise zu verfilmen. Dabei ist das Ergebnis zu sehr Spielberg, um irgendwelche von Kubricks Elementen effektiv zu tragen und funktioniert nicht als Symbiose dieser beiden Männer, welche von ihrer Erzählstruktur so verschieden sind wie Feuer und Wasser. Am Ende ist das Resultat nicht mehr als ein gut gestylter, aber durchschnittlicher Film.

5.5/10

27. August 2007

The Last Legion

Who can we count on?

Da geht man einmal nicht in die Sneak und dann wird man gleich bestraft, denn letzte Woche lief Pixar’s Ratatouille. Und wenn man in die Sneak geht, dann ist man dummerweise auch meistens bestraft. Auf wen kann man sich noch verlassen? Eigentlich auf niemand mehr, das ist die bittere Wahrheit. Da kommt ein Mann wie Dino De Laurentiis, der unter anderem für Serpico und Dune verantwortlich ist, und produziert mit Harvey Weinstein einen Film. Das klingt ja erstmal nicht schlecht. Dann stoßen Schauspieler wie Colin Firth, Oscarpreisträger Ben Kingsley, Kevin McKidd (Rome), Peter Mullan und Alexander Siddig hinzu. Schließlich wird das Budget auf 67 Millionen Dollar angehoben. Klingt alles irgendwie nicht schlecht. Umso erstaunlicher ist eigentlich das Endprodukt anzusehen, dass so unfassbar schlecht ist, dass man es sogar scheiße nennen darf. Da fragt man sich schon wer so einen Scheiß überhaupt schreibt und wer so einen Scheiß überhaupt produziert und wer sich bereit erklärt in so einem Scheiß dann tatsächlich mitzuspielen.

Die letzten beiden Punkte wurden ja bereits erklärt, aber wer schreibt so einen Mist? Es sind die Gebrüder Butterworth, genauer gesagt Jez und Tom Butterworth. Die haben sich zuvor mit dem Drehbuch zu Birthday Girl ausgezeichnet, in welchem immerhin Nicole Kidman die Hauptrolle spielt (und der zu seiner Verteidigung auch kein völliger Murks ist). Was die beiden aber mit The Last Legion abgeliefert haben, dafür werden sie ganz sicher für den Razzie Award nominiert werden. Das ist eine absolut dämliche Geschichte mit noch dämlicheren Dialogen. Regie bei dem ganzen führt dann auch noch ein relativ unbekannter Regisseur, denn Doug Lefler hat sich vorher nur mit dem Direct-to-DVD Dragonheart 2 und einigen Xena- und Hercules-Folgen auszeichnen können. Diese Herkunft merkt man dann dem Film auch an, besonders in den Amazonen-Kampfszenen von Aishwarya Rai.

Der Plot: Man schreibt das Jahr 460 und der kleine Knirps Romulus Augustulus wird zum römischen Kaiser gekrönt. Aber das passt dem Gotenführer Odoaker (Mullan) mal gar nicht in den Kram und ehe die Römer wissen was Sache ist, sind auch schon ziemlich alle tot und Odoaker sitzt auf dem Thron. Seine rechte Hand Wulfila (McKidd) meint dann auch, dass man den Knirps besser mal die Radieschen von unten ansehen lässt, aber dessen Lehrmeister Ambrosinus (Kingsley) schreitet an dieser Stelle ein und überzeugt Odoaker, dass es doch besser sei Romulus als Faustpfand zu behalten und so werden beide auf die Insel Capri verbannt. Von dieser wollen sie dann Romulus’ Leibwache Aurelius (Firth) – der zuvor als Leibwache gnadenlos versagt hat – und seine vier Kumpels, sowie die Hindukusch-Amazone Mira (Rai) befreien, um Zuflucht bei der „letzten Legion“ in Britannien zu finden.

Ein Historienschinken also, den man im Trailer bereits mit der Tatsache spoilert, dass es um das Schwert Excalibur geht und dem dann zufügt, dass niemand weiß wie diese Sage begann. Bis heute natürlich, denn The Last Legion klärt uns da mal flugs in einer Stunde und fünfzig Minuten auf. Da lernt selbst ein Geschichtsstudent wie ich, dass der kleine Romulus nicht wie seit Jahrhunderten gelehrt im Jahr 476 zum Kaiser gekrönt wurde, sondern sogar schon 460! Schau mal einer an, wenn ich das in meiner Zwischenprüfung bereits gewusst hätte. Das ist aber nur der kleinste geschichtliche Fauxpas und ich könnte hier noch Stunden weiter schreiben, wenn ich alle aufzählen wollte. Aber interessant ist es dann schon, wie Aurelius in James Bond Manier und mit seinen fünf Freunden mal eben eine Bergfestung in Capri einnimmt. Ebenjene Festung, die er von Rom aus geschwind in sechs Tagen erreicht hat. Und anschließend, nachdem der Knirps und das übermächtige Schwert (welches unser tapferer Kerl mal eben mit einer Hand die ganze Zeit durch die Gegend trägt) aus der Festung entkommen sind, machen sich unsere Gefährten auf den Weg nach Britannien. Ähem, zu Pferd natürlich, wobei, die Alpen überschreiten sie zu Fuß. Von Capri aus. Nach Britannien. Ich wiederhole mich gerne noch mal: zu Pferd reiten sie zu den Alpen, welche sie dann zu Fuß überschreiten und dann reiten sie weiter zur französischen Küste usw.

Wer denkt, dass ist schon, nennen wir es: erstaunlich, der sei gewarnt. Denn der gute Wulfi pirscht der Truppe natürlich hinterher, Schritt für Schritt, zu Pferd und zu Fuß. Da bleiben mir eigentlich die Worte weg. Dazu dann noch die Superamazone Aishwarya Rai, die in jeder Szene ihre enormen Brüste zur Schau stellt. Nachdem die Inder so einen Stress geschoben haben, dass der gute Richard Gere irgendeine Inderin auf die Wange küsst, kann ich mir nicht vorstellen, dass die so was gut heißen. Zuviel verrate ich wohl auch nicht, wenn die Amazone und die Pfeife von Leibwache eine sexuelle Spannung aufbauen, die gegen Ende ihre Entfaltung findet. Wie diese aufgebaut wird braucht sich mit ihrer Lächerlichkeit nicht vor dem Rest des Filmes zu verstecken. Neben muskelbepackten afrikanischen Römern, superstarken großräumig ausgestatteten Amazonen und einem kleinen Kaiser, dessen rechter Arm so stark ist, dass er ihn oft trainiert haben muss (da winkt der Zaunpfahl) gibt’s auch noch einen britischen Sido-Verschnitt zu sehen, der wirkt als hätte man mal eben Sabretooth von den X-Men mit dem Phantom der Oper gekreuzt. Lächerlich, lächerlicher, The Last Legion.

Bollywood mag ich sowieso nicht, von daher ist mir die gute Aishwarya Rai auch egal, genauso wie Colin Firth und im Prinzip auch Peter Mullan. Um John Hannah und Alexander Siddig tut es mir dann doch irgendwie leid und wieso Kevin McKidd sich hier bereit erklärt hat die Seiten zu wechseln, wo er doch den tapferen Römer in einer Fernsehserie gespielt hat, die weitaus teurer war als dieser Film (!)…bleibt wohl sein Geheimnis. Rupert Friend kann man immerhin zu gute halten, dass er jeden Abend mit Keira Knightley ins Bett kriechen darf (welche mit King Arthur auch nur einen minimal besseren Arthus-Scheiß abgeliefert hat). Bleibt nur noch Ben Kingsley und der Mann ist ein Wunder an sich, denn dass er immer noch einen Film findet, der schlechter wie sein vorheriger ist, da kann ich nur sagen: Hut ab! Schließlich bleibt einem nur übrig sich zu fragen, ob es auch irgendwas Positives über den Film zu sagen gibt. Irgendwas. Wenn auch nur ein bitze bisschen. Und ja, das Setting und die Ausstattung sind wirklich gut und auch gelungen. Capri, Britannien, da sind dann doch teilweise schöne Bilder darunter. Dafür gibt’s dann auch eineinhalb Punkte von mir. Mehr wäre aber eine Beleidigung.

1.5/10