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15. Februar 2010

An Education

If you never do anything, you never become anyone.

Ein altes Sprichwort besagt: man lernt fürs Leben und nicht für die Schule. Seines Zeichens eine Umkehrung eines Zitats von Seneca dem Jüngeren, aber inzwischen zum geflügelten Wort verkommen. Und letztlich ist es ohnehin irrelevant, in welcher Reihenfolge man es liest, lernt man doch selbst fürs Leben, wenn man für die Schule lernt. Schließlich soll diese einen auf das (Berufs-)Leben vorbereiten. Aber mancher kennt es wohl aus seiner eigenen Jugendzeit, dass man sich mitunter fragt, wozu man eigentlich all diese Bücher liest und all diese Aufsätze schreibt. Besonders, wenn man in den sechziger Jahren als 16-Jährige auf einer reinen Mädchenschule war.

So wie Jenny (Carey Mulligan), der ihre Schulleiterin (Emma Thompson) erklärt, dass man es ohne Bildungsabschluss nicht weit bringt. Woraufhin Jenny entgegnet, dass dies auch nicht der Fall sei, wenn man einen habe. Speziell als Frau. In An Education präsentiert die dänische Regisseurin Lone Scherfig eine Episode aus dem Leben der britischen Journalistin Lynn Barber. Die hatte sich als Schülerin mit einem älteren Mann eingelassen, was sich letztlich negativ auf ihre Schullaufbahn auswirkte. Schriftsteller Nick Hornby adaptierte Barbers Autobiographie in dieses Drama mit humoristischem Unterton, in dem Mulligan den Part der becircten Schülerin übernimmt.

Jenny lechzt dabei weniger nach Bildung als nach dem Lebensstil der Boheme. Obschon ausgesprochen frankophil, muss Jenny auf Wunsch ihres Vaters (Alfredo Molina) Latein büffeln. Nur so kommt sie nach Oxford, nur so kann sie sich später selbst versorgen. Oder sie findet jemand, der dies für sie übernimmt. Und als der weitaus ältere David (Peter Sarsgaard) in ihr Leben tritt, scheint dieser Moment früher gekommen als selbst Jennys Vater erwartet hätte. Die Zuneigung Jennys zu David resultiert primär aus dessen freigeistigem Lebensstil. Mit seinen Freunden Danny (Dominic Cooper) und Helen (Rosamunde Pike) lebt er das Leben, das Jenny sich wünscht.

Sie besuchen klassische Konzerte, ersteigern Bilder von Edward Burne-Jones und machen Ausflüge nach Oxford oder Paris. Sie zelebrieren joie de vivre, wie Jenny es wohl nennen würde. Ihre Intelligenz und Kunstkenntnis sorgt dafür, dass die 16-Jährige innerhalb der Clique nicht untergeht. Bald schon interessiert sich auch Danny für sie, ist Helen doch eher ein Püppchen. Wie man sich denken kann, ist die Affäre zwischen David und Jenny keine ungefährdete. Weniger wegen des Altersunterschieds – den David gegen+ber Jennys Eltern stets dank Charme problemlos wett macht –, denn wegen der Leichen, die der adrette Lebemann in seinem Keller hat.

Es mag befremden, wie wenig sich Jennys Eltern gegen die Liaison mit David wehren, schließlich sind die Sechziger keine Epoche wie in Effi Briest oder Pride and Prejudice. Dennoch geht es Patriarch Jack (Alfred Molina) zuvorderst traditionell darum, dass seine Tochter später versorgt ist. Insofern kann die Beziehung der Liebenden auch ohne Einschränkungen gedeihen. Der Fokus von Scherfigs Film liegt weniger auf der Beziehung zwischen Jenny und David, als dem Mehrwert, den diese Romanze für Jenny bereithält. Zudem verbessern sich ihre (Latein-)Noten, entgegen der eigentlichen Vermutung, dass das Gegenteil der Fall sein müsste.

In An Education scheint das Leben also in der Tat der bessere Lehrmeister zu sein, wirkt es doch so, als könne Jenny alles haben. Schulerfolg und einen bohemehaften Lebensstil. Die Kostüme überzeugen und beschwören mit der Ausstattung und der Beleuchtung ein Gefühl der frühen Sechziger. Insofern mag der Film durchaus ein Period Piece sein, das dank Molina teils zur Komödie mutiert. Allerdings spult Scherfigs Film das Ende zu überhastet ab, was sich auch Hornbys  Drehbuch vorwerfen lässt, das die Geschichte zwar anders, aber nicht besser beendet. Dennoch bietet An Education in seiner Summe sehr gute Unterhaltung – auch dank des überzeugenden Ensembles.

8/10

20. Juli 2008

Spider-Man 2

I believe there’s a hero in all of us.

Vielleicht wurde hier noch geschnitten, dort etwas editiert. Das Marketing rollte auf jeden Fall bereits in vollen Zügen und die Stimmung scheint gut. Ein Mann setzt seinen Namen unter einen Filmvertrag, Sam Raimi erklärt sich bereit, eine Fortsetzung zu Spider-Man zu drehen. Das alles gut einen Monat, bevor Spider-Man in den Kinos anlaufen und ein triumphaler Erfolg werden sollte. Die Produzenten von Sony engagierten Alfred Gough und Miles Millar (Shanghai Noon/Knights) für das Skript. Dieses sollte drei Gegner für Spider-Man vorsehen, letztlich verblieb man dann bei Doctor Octopus als alleinigen Antagonisten. Als Spider-Man mit einem Einspiel von 115 Millionen Dollar am Startwochenende  einen neuen Rekord aufstellte, gewährte Sony für das Sequel ein Budget von 200 Millionen Dollar, eine fast 50-prozentige Anhebung. Wenige Wochen später wurde aus dem Autoren-Duo ein Trio, als David Koepp die beiden unterstützte.

Innerhalb von zwei Monaten war das erste Drehbuch fertig und Michael Chabon wurde wieder engagiert, um es umzuschreiben. Letztlich pickten Regisseur Raimi und Drehbuchautor Alvin Sargent, der bereits für den ersten Teil engagiert wurde, sich das raus, was ihnen gefiel und Sargent machte sich an die endgültige Fassung. Die Dreharbeiten begannen allerdings bereits vor der Fertigstellung des finalen Skripts. Das Projekt stand voller Tatendrang und grenzenlosem Optimismus. Ende des Jahres 2002 verletzt sich Hauptdarsteller Tobey Maguire dann während der Dreharbeiten zu Seabiscuit am Rücken. Zu verdanken hatte er dies seiner Rolle als Jockey. Kurzerhand trat Sony an Jake Gyllenhaal heran, der ehemalige Kinderschauspieler war dank Donnie Darko zum Geheimtipp der Branche aufgestiegen. Zudem war er damals mit Hauptdarstellerin Kirsten Dunst liiert und verfügte somit über die nötige Chemie.

Doch der gute Stern stand über Spider-Man 2, denn Tobey Maguire erholte sich und konnte seine Rolle wiederaufnehmen, die ihm ein Gehalt von 17 Millionen bescherte und damit in die Champions League der Hollywood-Schauspieler katapultierte. Seine Rückenprobleme wussten Raimi und die Crew dabei gezielt auf die Schippe zu nehmen und verarbeiteten Referenzen in den Film, wenn Peter Parker in einer Hommage an The Matrix von einem Dach springt mit den Worten “I’m back! I’m back”, nur um mehrere Stockwerke tief zu fallen und zu Fuß davonzuschleichen, dabei murmelnd: “My back. My back”. Ein Wortwitz, der in der deutschen Synchronisation verloren geht. Die Rekorde, die Spider-Man aufgestellt hatte, konnte seine Fortsetzung locker brechen, selbst wenn er insgesamt finanziell das Nachsehen hatte. Sowohl in Nordamerika als auch weltweit gesehen, liegt die Fortsetzung vom Einspielergebnis hinter dem ersten Teil.

Dabei wurde der Film von Fans wie Kritikern besser bewertet als sein Vorgänger. So hat er bessere Bewertungen in der IMDb, wie auch bei Rotten Tomatoes. Die Besetzung blieb dieselbe, denn da mit Doc Ock lediglich eine neue Figur hinzukam, musste auch nur diese Rolle neu besetzt werden. Waren Stars wie Robert De Niro oder Charakterdarsteller wie Chris Cooper im Gespräch, so wurde es am Ende Alfred Molina, den Raimis Ehefrau in Frida besonders überzeugend fand. Eine wahrhaft gelungene Entscheidung, denn Molina haucht seiner Figur äußerst überzeugend Leben ein und hatte – wie die Special Features zeigen – sichtlich Spaß am Set. Neben dem finanziellen Erfolg und dem nunmehr feststehenden Star-Status von Maguire und Dunst durfte sich der Film auch bei den Academy Awards im Jahr darauf feiern lassen, bei welchen er mit dem Oscar für die Besten Visuellen Effekte ausgezeichnet wurde.

Die visuellen Effekte sind stark an den Matrix-Sequels orientiert, wirkt der animierte Spider-Man oft ebenso unnatürlich wie der digitalisierte Neo. Doch dies springt einem nur zu Beginn wirklich negativ ins Auge, bald schon fügen sich die Effekte besser ein und spätestens bei der Bahn-Szene überzeugt der Film restlos. Kein Wunder, arbeitetn doch 200 Leute an ihnen und verschlangen 50 Millionen Dollar des Budgets. Hilfreich beim Spider-Man-Feeling für die Zuschauer war die Einführung der so genannten Spydercam, die unter anderem an einem Seil befestigt fünfzig Stockwerke fallend filmen konnte. Eben jene Kamerafahrten sorgen für gehörige Stimmung und lassen einen richtig teilhaben an Peter Parkers nächtlichen Ausflügen. Für die sorgen auch Raimis vielfache Remineszensen an die Comic-Serie. Besonderen Einfluss auf die Handlung hatte dabei Spider-Man No More (#50), der Raimi sogar teils eins-zu-eins beeinflusste.

Aber es findet sich auch eine Referenz zur Animations-Folge The Terrible Triumph of Dr. Octopus. Zusätzlich verwies Raimi neben The Matrix auch auf Superman und seinen eigenen The Evil Dead sowie dessen Fortsetzung The Evil Dead II. Ergänzt werden diese Szenen dann von zwei Cameos durch Evil Dead II-Mitautor Scott Spiegel und den obligatorischen Bruce Campbell. Letzterer wird im übrigen mit jedem Spider-Man-Teil amüsanter, egal ob hier als Platzanweiser in MJs Theater oder in Spider-Man 3 als liebenswürdiger und planloser Maitre d’. Wie es sich für eine ordentliche Marvel-Verfilmung gehört, darf auch der Auftritt von Schöpfer Stan Lee nicht fehlen. Zudem wartet für alle Fans von Lost, denen er bei Hulk entgangen ist, auch hier in einer kurzen Nebenrolle wieder Daniel Dae-Kim auf. Und wer weniger ein Fan von Lost, dafür aber von Death Proof ist, der darf sich dafür in gleich zwei Szenen auf Vanessa Ferlito freuen.

Ist Peter Parker im ersten Teil noch seiner Verantwortung gefolgt, so erlebt er in der Fortsetzung die Schattenseiten seines Helden-Daseins. Um sie zu schützen, hat er sich von MJ los gesagt, doch packt ihn die Eifersucht, als diese sich mit John Jameson verlobt und der arme Peter das auch noch fotografieren muss. Die Beziehung zu Harry ist ebenfalls leicht erschüttert, da dieser von Peter die Identität Spider-Mans verlangt. Auch hier kommt es zur Klimax, in derselben Szene wie der MJ-Moment. Zeit für die Universität hat Peter kaum noch, seinen Nebenjob verliert er, das Leben seiner geliebten Tante Mae (Rosemary Harris) läuft an ihm vorbei. Das Spider-Man-Dasein beansprucht Peters ganze Zeit und dies auf Kosten seines Privatlebens. Kein Wunder, beginnt Peter mit seinem Schicksal zu hadern. Schließlich sagt er sich los vom Heldentum, stattdessen beginnt er ein ganz normales Leben, in welchem er glücklich mit MJ sein kann.

Hier baut Raimi starke Referenzen zum zweiten Superman-Abenteuer ein, in welchem auch der stählerne Mann seinen „Job“ an den Nagel hing. Mit der Zeit lernt Peter jedoch die Konsequenzen von Spider-Mans Abwesenheit. Sargent wickelt seine Katharsis in einen Dialog mit Tante Mae ein, der zwar etwas gelackt daherkommt, aber praktisch notwendig ist. Die Geschichte wird vorangetrieben, Peter hat eine Entscheidung getroffen und ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Menschen brauchen Identifikationsfiguren und Helden, Peter nimmt diese Rolle ein, letztlich gewinnt er sogar noch MJ. Was kann er sich mehr wünschen? Im Abschluss der Trilogie scheint Spider-Man zu Beginn dann auf seinem Höhepunkt, mit Paraden, T-Shirts und allerlei anderem Gedöns. Wie Peter hier jedoch im zweiten Teil hadert, ist ausgesprochen gelungen von Raimi in Szene gesetzt und kongenial von Maguire in die Kamera gespielt.

Dabei präsentiert Raimi viele der Zutaten, die bereits den Vorgänger so schmackhaft machten. Verschiedene Elemente (brennendes Haus, Peter bringt Müll raus) werden direkt übernommen, allen voran das Ende. Hier tritt genau das ein, was Peter eigentlich vermeiden wollte: MJ wird vom Bösewicht entführt. Das Finale selbst, obschon nicht sonderlich actionreich, darf als gelungen angesehen werden, allein wegen Peters Demaskierung und Octavius’ Läuterung. Das hier der erste Teil grüßen lässt, hätte man durchaus vermeiden können, wenn man im ersten Teil einfach auf Gwen Stacy gesetzt hätte. Dann hätte man die Redundanz von „Mary Jane wird entführt“ vermeiden können. Spider-Man 2 überwiegt jedoch an positiven Aspekten, darunter wie immer Danny Elfmans Score. Scheinbar kam es jedoch zur Spaltung zwischen Elfman und Raimi, zumindest wurden viele Stücke von Christopher Young im Anschluss nachkomponiert.

Auch die Action weiß zu überzeugen, allen voran die zwischen Spider-Man und Doc Ock auf der Bahn. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fallen auch nicht mehr die negativen Aspekte des digitalen Spider-Man auf. Was den zweiten Teil jedoch so gelungen macht, ist sein Humor, der den ersten Teil übertrifft. Neben der „Rücken“-Szene ist beispielsweise auch die Fahrstuhlszene ein Reißer für sich und weiß, wie der Großteil des Films, zu unterhalten. Mit seiner Fortsetzung ist Raimi somit eine merkliche Steigerung zu Spider-Man gelungen, dessen Dialoge im Vergleich zu diesem Teil weitaus gestelzter wirkten. Mit dem dritten Teil ist Raimi damit eine der gelungensten, da stimmigsten, Trilogien in der Filmgeschichte gelungen, in welcher der erste Teil mal nicht so hohe Erwartungen schuf, dass die Fortsetzungen diesen nicht gerecht werden konnten. Spider-Man 2 ist jedenfalls eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten.

9/10

1. Mai 2008

Raiders of the Lost Ark

It’s not the years, it’s the mileage.

Das Kennedy Center benennt ihn als den erfolgreichsten Regisseur unserer Zeit und beschreibt ihn als einen Regisseur, der die Zuschauer amüsiert und erstaunt, sie zum Lachen und zum Weinen bringt. Das TIME Magazin nannte ihn die einflussreichste Person seiner Generation Ende des 20. Jahrhunderts. Die Rede ist von Steven Spielberg, dem Mainstream-Regisseur schlechthin, der es sogar schafft aus dem Holocaust einen Blockbuster zu machen. Als 28-Jähriger lieferte er mit The Sugarland Express seinen ersten Kinofilm ab und gelangte ein Jahr später mit Jaws bereits zu Ruhm. Es folgte 1977 in Close Encounters of the Third Kind seine erste Auseinandersetzung mit einem seiner Lieblingsthemen, ehe er sich 1979 zum ersten Mal einem anderen Lieblingsthema widmete: dem Zweiten Weltkrieg. Doch seine Satire 1941 enttäuschte die Erwartungen der Produzenten, sodass Spielbergs nächstes Projekt, das ihm endgültig die Herzen der Zuschauer sichern würde, in eine unklare Zukunft blickte.

Produzent George Lucas hatte große Probleme ein Studio als Finanzier für den neuen Film zu gewinnen, seiner Aussage nach wurde das Skript von allen abgelehnt, ehe Paramount gewonnen werden konnte. Was ursprünglich als Low-Budget-Produktion geplant war, verdreifachte seine Kosten zu der endgültigen Summe von 20 Millionen Dollar, welche in ihrer Summe von Paramount getragen wurden. Zudem sicherte Lucas sich 40 Prozent des Filmgewinns, ein ungewöhnlicher Deal, der dem bärtigen Mann zusammen mit seinem Star Wars-Franchise einen ungemeinen Reichtum sichern sollte. Spielbergs und Lucas’ Film, Raiders of the Lost Ark, avancierte problemlos zum ertragsreichsten Film des Jahres 1981, mit einem weltweiten Einspiel von 384 Millionen Dollar. Allein 60 Prozent spielte der Film in den Vereinigten Staaten ein, was ebenfalls ungewöhnlich ist und ihn zu einem durch und durch US-amerikanischen Produkt macht. Ein US-amerikanischer Held für das US-amerikanische Volk.

Das American Film Institute platziert Raiders of the Lost Ark auf Platz 60 der 100 besten Filme des 20. Jahrhunderts, die Academy ehrte ihn 1982 mit acht Oscarnominierungen, darunter auch als bester Film und für die beste Regie. Am Ende gewann er vier der Trophäen, für Ausstattung, Ton, Effekte und Schnitt. In der IMDb hält er eine 8.7 Bewertung und ist damit aktuell der 27. bestbewertete Film, bei Rotten Tomatoes erhielt er sogar 94%. Entertainment Weekly wählte die Figur des Indiana Jones zum drittbesten Actionhelden, lediglich von Ellen Ripley und John McClane übertroffen. Vielmehr als die beiden ist Indiana Jones jedoch zu einer Kultfigur aufgestiegen, die ihre Anfänge bereits 1973 hat. Denn Lucas schrieb neben Star Wars eine andere Adaption berühmter Kurzgeschichten aus den 1930er Jahren: einen Abenteuerhelden namens Indiana Smith. Pate für den Vornamen seines Helden stand Lucas’ eigener Hund, eine Anekdote, die es in Indiana Jones and the Last Crusade schaffte.

Im Frühsommer 1977 erholte sich Lucas gemeinsam mit Spielberg auf der hawaiischen Insel Maui und erzählte seinem Freund, der schon immer einen Bond-Film inszenieren wollte, erstmals von seiner Idee eines abenteuerlustigen Archäologen. Das Element des Playboys, welches Lucas in Anlehnung an Bond vorgesehen hatte, fiel allerdings auf Wunsch von Spielberg und Drehbuchautor Lawrence Kasdan weg. Der Regisseur war es dann auch, der Lucas darauf hinwies, dass der Nachname „Smith“ nicht zur Figur passt, die daraufhin in „Jones“ umbenannt wurde. Ironischerweise sollte sich die Bond-Serie in den 1980ern selbst an Indiana Jones orientieren, nachdem man schon in Moonraker versucht hatte, auf den Star Wars-Zug aufzuspringen. Bis heute hat die Indiana Jones-Trilogie weltweit über 1,2 Milliarden US-Dollar eingespielt und fand 2008 fast 20 Jahre später eine nicht wirklich ruhmreiche Fortführung zur Quadrologie, deren vierter Teil problemlos über 700 Millionen US-Dollar einspielte.

Die Anfangssequenz, wie in allen Teilen ein nahtloser Übergang des Paramount-Emblems in die Szenerie, beginnt in einem südamerikanischen Dschungel und zeigt uns Indiana Jones (Harrison Ford) zuerst nur von hinten. Unerschrocken schreitet er voran und lässt seine eigentlichen indigenen Führer stückweise hinter sich, bis am Ende nur noch einer von ihnen (Alfred Molina in seiner ersten Rolle) übrig ist. Gemeinsam mit Jones betritt er eine Höhle voller Trickfallen, die bereits einen Kollegen das Leben kostete, von unserem Helden jedoch ausfindig gemacht werden. Der Auftakt ist teils eine direkte Übernahme des Donald-Duck-Abenteuers The Prize of Pizarro, welches seine Schatten auch in die zwei Fortsetzungen geworfen hat. Berühmt geworden ist hierbei die Flucht vor der riesigen Steinkugel, wie die Auftaktszene allgemein weitaus erinnerungswürdiger und gelungener als das Filmende geraten ist. Im Prolog treffen wir nicht nur erstmalig den Helden, sondern auch den Antagonisten des Films.

Der französische Archäologe Belloq (Paul Freeman) ist im Grunde nur die Karikatur eines Archäologen, wie Spielberg vermehrt in seinem Film veranschaulichen wird. Inkompetent wie Belloq ist, wird er in jeder einzelnen Szene auf Indys Hilfe angewiesen sein, um das zu bekommen, was ihm eigentlich vorschwebt. Seine scheinbare Skrupellosigkeit wird lediglich in den Szenen mit Marion in Frage gestellt, am eindrucksvollsten bei Arnold Tohts (Ronald Lacey) Auftritt in Ägypten. Die Anfangsszene wiederum zeigt auch einen typischen Zug der Jones-Serie, nämlich ein Artefakt, für das der smarte Archäologe sein Leben aufs Spiel setzen wird, ohne dieses am Ende seines Abenteuers mit nach Hause nehmen zu dürfen. Sei es hier der goldene Schädel und die Bundeslade, die mystischen Steine im zweiten oder der Heilige Gral im dritten Teil – alle diese Artefakte, muss Indy nach kurzen Besitz letzten Endes aufgeben und charakterisiert dadurch dennoch einen Sieg selbst in der Niederlage.

Letzteres verstärkt sich auch deshalb, da diese finalen Momente auch immer Jones’ Gegner beinhalten, die im Gegensatz zu ihm nicht von den Objekten lassen wollen und schließlich durch sie ihr Verderben finden. Am deutlichsten wird dies in der Klimax des dritten Teils zu sehen sein und auch das Ende des vierten Teils rund um Cate Blanchetts Agentin Spalko dürfte dies beinhalten – zumindest wenn Spielberg seinem Franchise treu bleibt. Nunmehr hat er seinen Helden installiert, das Publikum weiß, dass Jones ein tougher Kerl ist. Veranschaulicht auch an der Referenz der Macher zu den klassischen Geschichten der 1930er und 1940er, wenn Jones auf seiner gesamten Flucht, inklusive Sprung ins Wasser, seinen Hut nicht verlieren wird. Nach der starken Einleitung präsentiert Spielberg das zweite Gesicht seiner Figur, quasi ihre eigentliche Tarnung, die Clark-Kent-Essenz dieses Superman. Als Dr. Jones unterrichtet der eben zur Schau gestellte Held ein Klassenzimmer bebrillt und im Anzug.

Irritierte ihn gerade nicht einmal eine Horde mordlüsterner Eingeborener, gerät er nun ins Stocken als ihm eine seiner Studentinnen auf einfallsreiche Weise ihre Gefühle gesteht. Jones ist ein Kind im Körper eines Mannes, das zwar durchaus ein Interesse an Frauen hat, wie die drei Teile jedoch zeigen werden zu diesen aber ein mitunter zwiespältiges Verhältnis besitzt. Jetzt bringt Spielberg das Artefakt ins Spiel, als die US-Regierung Indy auf die Suche nach der Bundeslade schickt, einem Heiligtum des Judentums, verloren geglaubt und nun von den Nazis für den Endsieg gesucht. Die Geschichte spielt 1936 und die Nürnberger Gesetze wurden zwar ein Jahr zuvor verabschiedet, das Münchener Abkommen ist aber noch zwei Jahre entfernt und der Holocaust zu diesem Zeitpunkt höchstens eine Idee. Dennoch geben die Nazis die universellen Bösewichte, personifiziert in einer einzelnen Figur, die einen mehr als bezeichnenden – jedoch ungenannten – Namen erhielt: Arnold Toht.

Angeblich hatte Klaus Kinski die Rolle abgelehnt, die auf Jahre das Filmbild der Nazis bestimmen sollte: das Bild eines skrupellosen, unbarmherzigen Sadisten. Arnold Toht wird gemeinsam mit der weiblichen Hauptfigur Marion Ravenwood (Karen Allen) in die Handlung eingeführt und Spielberg geht bereits hier ungalant mit Toht um, wenn er ihn ins Lächerliche abdriften lässt. Und nicht nur hier, legt Toht den ganzen Film hindurch seinen schwarzen Mantel nicht ab, weshalb er sich im Filmfinale in brütender Hitze entsprechend den Schweiß von der Stirn wischt. Trotz seines Nazi-Status’ ist Toht jedoch nicht der Hauptantagonist, vielmehr ist es durchweg Belloq, der mit allen Mitteln an die Bundeslade gelangen möchte. Ein Merkmal, dass sich im dritten Teil wiederholen wird, der ohnehin ein Spiegel von Raiders of the Lost Ark ist. Indy befindet sich jeweils in einem Wettstreit mit Nazis um ein Artefakt, mit denen er sich unentwegt beharkt, aber mal um mal einen Schritt voraus ist.

Als Parallele zum Antagonisten-Trio stellt Spielberg Indy und Marion den ägyptischen Gräber Sallah (John Rhys-Davies) an die Seite. Dieser sollte eigentlich von Danny De Vito gespielt werden, der aufgrund seines Engagements in der Serie Taxi unabkömmlich war. Ähnlich verhielt es sich bei Tom Selleck, der nur wegen Magnum, P.I. nicht zu Indy wurde, aber ohnehin nicht Spielbergs erste Wahl war. Dies war Harrison Ford, der erst drei Wochen vor Drehbeginn zum Team stieß und von Lucas vorab abgelehnt worden war, um nicht nach Star Wars und American Graffiti sein Robert De Niro zu werden. Die Szenen in Kairo, wo Indy und Sallah die Bundeslade finden, wurden amüsanterweise in Tunesien gedreht, am selben Set, das zuvor für Lucas’ Wüstenplaneten Tatooine in Star Wars herhielt. Es sind auch die Kairo-Szenen, mündend in Indys Flugfeldprügelei und seiner rasanten Verfolgungsjagd, die den eigentlichen Höhepunkt des Films bilden, an den das Ende nicht mehr anzuknüpfen vermag.

Raiders of the Lost Ark ist ein im Grunde perfekter Abenteuerfilm, der über seine gesamte Dauer zu gefallen weiß, bisweilen erstaunt, oft genug amüsiert und somit die Eigenschaften erfüllt, die ihm das Kennedy Center zuschreibt. Ein selbstironischer Held, wenn auch ein absolut US-amerikanischer, der mit Peitsche, Lederjacke und Hut die Kontinente bereist und sich mit höheren Mächten anlegt. Das alles im Gewand eines B-Movies, das schließlich doch kein B-Movie mehr wurde. Im Gegenteil, wurden die Effekte von Lucas’ Trickschmiede ILM sogar ausgezeichnet und starteten ein Franchise, dessen vermeintlicher Abschluss ein Achtfaches des einstigen Budgets einspielten. Ein Spaßfilm, dessen Drehbuch zu Recht nicht für den Oscar nominiert wurde, wobei dies auch sicher nie die Intention der Macher war. Bestückt mit vielen Referenzen zu Casablanca, Citizen Kane und vielen anderen Klassikern war Raiders of the Lost Ark zugleich der Vorbote eines weiteren als Meisterwerk erachteten Films.

Denn in den Drehpausen des Films schrieb Spielberg gemeinsam mit Harrison Fords damaliger Ehefrau Melissa Matheson das Drehbuch zu E.T. – The Extra-Terrestrial, der ihm ein Jahr später eine weitere Nominierung als bester Regisseur einbringen würde. Das einzige, was an Raiders of the Lost Ark etwas zu missfallen weiß, ist zum einen die Vielzahl an Set Pieces und die darauf resultierende Überlänge und zum anderen das Filmende selbst, das Spielberg quasi vor Ort entwirft, ohne näher auf dessen Mysterien einzugehen. Um was es sich bei den Geistern der Bundeslade handelt, wieso sie feindlich gesinnt sind und warum bloßes Augenverschließen vor ihnen schützt – all das erläutert wird nicht erläutert und erzeugt somit kaum Spannung. Stattdessen liefern nette Effekte einen gewissen Gore-Faktor. Hätten sich Spielberg, Lucas und Kasdan hier noch etwas kreativer gezeigt, wäre Raiders of the Lost Ark perfekt geworden. Aber auch so zählt er zu den unsterblichen Meisterwerken des Kinos.

10/10