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1. September 2015

Filmtagebuch: August 2015

’71
(UK 2014, Yann Demange)
6.5/10

BALLERS – SEASON 1
(USA 2015, Julian Farino u.a.)
6.5/10

BOBBY FISCHER AGAINST THE WORLD [ZUG UM ZUG IN DEN WAHNSINN]
(USA/UK 2011, Liz Garbus)

6/10

CAKE
(USA 2014, Daniel Barnz)
5.5/10

CAMP X-RAY
(USA 2014, Peter Sattler)
6/10

THE FARM: ANGOLA, USA
(USA 1998, Liz Garbus/Jonathan Stack)
5/10

GINGER SNAPS
(CDN 2000, John Fawcett)
4/10

GIRLHOOD
(USA 2003, Liz Garbus)
5.5/10

GREY’S ANATOMY – SEASON 2
(USA 2005/06, Peter Horton u.a.)
7/10

THE GUEST
(USA/UK 2014, Adam Wingard)
10/10

THE IMITATION GAME
(UK/USA 2014, Morten Tyldum)
4.5/10

LOVE, MARILYN
(USA/F 2012, Liz Garbus)
4.5/10

MAY
(USA 2002, Lucky McKee)
5/10

A MOST VIOLENT YEAR
(USA/UAE 2014, J.C. Chandor)
6/10

PIRANHA
(USA 1978, Joe Dante)
3.5/10

PIRANHA 3D
(USA 2010, Alexandre Aja)
5.5/10

PONTYPOOL
(CDN 2008, Bruce McDonald)
5.5/10

RESIDENT EVIL
(USA/UK/D/F 2002, Paul W.S. Anderson)
5/10

RESIDENT EVIL: APOCALYPSE
(USA/UK/D/F/CDN 2004, Alexander Witt)
4/10

RESIDENT EVIL: EXTINCTION
(USA/UK/D/F/AUS 2007, Russell Mulcahy)
3/10

RESIDENT EVIL: AFTERLIFE
(USA/D/F/CDN 2010, Paul W.S. Anderson)
3.5/10

RESIDENT EVIL: RETRIBUTION
(USA/D/F/CDN 2012, Paul W.S. Anderson)
1/10

SELMA
(USA/UK 2014, Ava DuVernay )
6/10

STILL ALICE
(USA/F 2014, Richard Glatzer/Wash Westmoreland)
6.5/10

TRUDNO BYT BOGOM [ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN]
(RUS 2013, Aleksey German)

3/10

TRUE DETECTIVE – SEASON 2
(USA 2015, Justin Lin/John Crowley u.a.)
6.5/10

WET HOT AMERICAN SUMMER
(USA 2001, David Wain)
9/10

WET HOT AMERICAN SUMMER: FIRST DAY OF CAMP
(USA 2015, David Wain)
7/10

WHAT HAPPENED, MISS SIMONE?
(USA 2015, Liz Garbus)
5/10

ZOMBEAVERS [ZOMBIBER]
(USA 2014, Jordan Rubin)

3/10

Retrospektive: Die Top Five 2012


DRIVE
(USA 2011, Nicolas Winding Refn)
8.5/10

THE IMPOSTER [DER BLENDER]
(UK 2011, Bart Layton)

8.5/10

AMOUR [LIEBE]
(F/D/A 2012, Michael Haneke)

8/10

BEASTS OF THE SOUTHERN WILD
(USA 2012, Benh Zeitlin)
8/10

THE INTERRUPTERS
(USA 2011, Steve James)
10/10

1. August 2015

Filmtagebuch: Juli 2015

ALIVE [ÜBERLEBEN!]
(USA/CDN 1993, Frank Marshall)

7.5/10

AN HONEST LIAR
(USA/CDN/E/I 2014, Tyler Measom/Justin Weinstein)
5/10

ANT-MAN
(USA 2015, Peyton Reed)
6.5/10

BOUNCE
(USA 2000, Don Roos)
6/10

COMMUNITY – SEASON 4
(USA 2013, Tristram Shapeero u.a.)
7/10

COMMUNITY – SEASON 5
(USA 2014, Tristram Shapeero u.a.)
7.5/10

COMMUNITY – SEASON 6
(USA 2015, Rob Schrab u.a.)
7/10

DAWN OF THE DEAD
(USA/CDN/J/F 2004, Zack Synder)
4/10

FAULTS
(USA 2014, Riley Stearns)
3/10

FRANCES HA
(USA 2012, Noah Baumbach)
8.5/10

GREY’S ANATOMY – SEASON 1
(USA 2005, Peter Horton u.a.)
7/10

GREENBERG
(USA 2010, Noah Baumbach)
6.5/10

HIGH FIDELITY
(USA/UK 2000, Stephen Frears)
5.5/10

INDECENT PROPOSAL [EIN UNMORALISCHES ANGEBOT]
(USA 1993, Adrian Lyne)

5.5/10

THE INTERVIEW
(USA 2014, Evan Goldberg/Seth Rogen)
6/10

JUMPER
(USA/CDN 2008, Doug Liman)
5.5/10

KICKING AND SCREAMING
(USA 1995, Noah Baumbach)
6/10

KNIGHT OF CUPS
(USA 2015, Terrence Malick)
7/10

PINEAPPLE EXPRESS [ANANAS EXPRESS]
(USA 2008, David Gordon Green)

5.5/10

PROMETHEUS
(USA/UK 2012, Ridley Scott)
4/10

QUEEN OF THE DESERT
(USA/MA 2015, Werner Herzog)
6.5/10

SLOW WEST
(UK/NZ 2015, John Maclean)
3.5/10

SOURCE CODE
(USA/CDN 2011, Duncan Jones)
6/10

THE TERMINATOR
(USA/UK 1984, James Cameron)
8/10

TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY [DIRECTOR’S CUT]
(USA/F 1991, James Cameron)

6.5/10

TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES
(USA/D/UK 2003, Jonathan Mostow)
1/10

TERMINATOR SALVATION [TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG]
(USA/D/UK/I 2009, McG)

2.5/10

THIS IS THE END
(USA 2013, Evan Goldberg/Seth Rogen)
5/10

TOKYO TRIBE
(J 2014, Sono Sion)
6/10

WAYWARD PINES
(USA 2015, Zal Batmanglij/Tim Hunter u.a.)
7/10

WHILE WE’RE YOUNG [GEFÜHLT MITTE ZWANZIG]
(USA 2014, Noah Baumbach)

7/10

Hannibal Lecter-Series


MANHUNTER [BLUTMOND]
(USA 1986, Michael Mann)

6/10

THE SILENCE OF THE LAMBS [DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER]
(USA 1991, Jonathan Demme)

6.5/10

HANNIBAL
(USA/UK 2001, Ridley Scott)
3/10

RED DRAGON [ROTER DRACHE]
(USA/D 2002, Brett Ratner)

3.5/10

HANNIBAL RISING
(UK/F/I/CZ, Peter Webber)
5.5/10

HANNIBAL – SEASON 1
(USA 2013, David Slade/Guillermo Navarro u.a.)
6/10

HANNIBAL – SEASON 2
(USA 2014, Michael Rymer u.a.)
5.5/10

27. Mai 2011

Kurz & Knackig: US-Serien Teil VI

Jean-Claude Van Damme: Behind Closed Doors

An action hero’s job is never done.

Es ist bezeichnend, dass Jean-Claude Van Dammes größter Filmerfolg des letzten Jahrzehnts der semi-biographische JCVD aus dem Jahr 2008 war. Dort spielte sich „The Muscles from Brussels“ nicht nur selbst, sondern als Verlierer. Als Gescheiterter, dessen Tochter sich für ihn schämt und der am Ende im Gefängnis landet. Das Resultat waren Lobeshymnen, für den Film wie auch für Van Damme selbst. Schonungslos offen war er und wurde belohnt. Das schien hängengeblieben zu sein, schickt sich Jean-Claude Van Damme: Behind Closed Doors doch nun an, wieder das zu sein: ein schonungsloses Porträt eines Schauspielers, dessen beste Zeit lange zurück liegt. Und der seither vor allem auch mit sich selbst kämpft.

In den acht Episoden der von Jason Flemyng kommentierten Serie fliegt Jean-Claude Van Damme zwischen seiner Wohnung in Vancouver, seiner Heimat Belgien, Werbeauftritten in Dubai und Hong Kong bis hin zu Filmsets in Rumänien und der Ukraine hin und her. Gelegentlich skypt er mit seiner Frau Gladys und berichtet ihr dann davon, wie viel er ihr verdankt - was er auch nicht müde wird, in Anwesenheit ihrer beiden Kinder Kristopher und Bianca zu wiederholen. Während JC sich für keinen Film-Cameo zu schade ist, muss er sich mit dem Berufsstress und -ruhm auseinander setzen, sowie müden Knochen und seiner Rückkehr in den Ring gegen Muay Thai Boxer Somluck Kamsing Ende des Jahres 2011.

Angesichts des Lobs zu JCVD scheint Van Damme in seiner von ihm selbst produzierten Miniserie zu viel zu wollen. Er weint angesichts des Zustands unseres Planeten, er weint angesichts der wenigen Zeit und Ruhe, die ihm und seinen vielen Hunden gewährt wird und er weint aus anderen Gründen. Jean-Claude Van Damme: Behind Closed Doors bewegt sich auf einem semi-authentischen Pfad, wo viel gespielt scheint (man achte auf manche Reaktionen von Familienmitgliedern), aber durchaus auch vieles real ist. So gibt JCVD (der stets Mützen und T-Shirts mit seinen Initialen trägt) in der besten Folge, Dubai, nicht nur begangene Fehler zu, sondern auch, dass er seine Haare färbt und ein mäßiger Schauspieler ist.

Die Filterung von Drama und Dokumentation fällt bisweilen schwer, wie auch eine klare Ordnung des Geschehens. So untermauert Van Damme zwar die Wichtigkeit des Kamsing-Kampfes (er will den - augenscheinlich nie verlorenen - Respekt seiner Kinder zurückgewinnen), trainiert jedoch so gut wie nie für diesen. Während die Überbetonung von Gladys’ Rolle etwas redundant und aufgesetzt gerät, wirkt zumindest die Zuneigung zu seinen Hunden authentisch. Die Serie selbst ist fraglos an die eigenen Fans gerichtet, die ihrem großen Idol der Achtziger etwas näher kommen, was allerdings nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Serie leider viel zu sehr (und viel zu schlecht), versucht, die Stärken von JCVD zu kopieren.

5.5/10

Community - Season Two

Just go with this.

Dass Fernsehen das neue Epizentrum qualitativer Unterhaltungserdbeben in den USA ist, lässt sich seit Jahren feststellen. Drama-Serien wie Breaking Bad oder Mad Men losen Jubelstürme aus, gefolgt von anderen Kritikerlieblingen wie Boardwalk Empire oder auch Community. Letztere erhielt nicht nur Lob von Seitens der britischen Empire, sondern auch metaphorisches Schulterklopfen der Jungs von Red Letter Media. Eine der wenigen kritischen Stimmen fand sich vor einem Monat auf diesem Blog, eingestehend, dass die Serie zwar unter ihren Möglichkeiten bleibt, aber Ansätze von Brillanz zeigt und wie ihre Figuren grundsätzlich sympathisch ist. Umso erfreulicher, dass sich Community im zweiten Jahr gesteigert hat.

Der Spanischkurs des Vorjahres wird eingetauscht durch eine Anthropologie-Klasse, nachdem die Sommerferien etwas die angespannte Stimmung zwischen Jeff (Joel McHale), Britta (Gillian Jacobs) und Annie (Alison Brie) gelüftet haben. Mit dem exzentrischen Verhalten von Pierce (Chevy Chase), sowie den anbiedernden Avancen von Chang (Ken Jeong), vom Dozenten zum Studenten degradiert, stehen der Gruppe - insbesondere Shirley (Yvette Nicole Brown) - ganz andere Probleme bevor. Für die Popkultur-Junkies Abed (Danny Pudi) und Troy (Donald Glover) eher Randaspekte in einem Jahr voller gebrochener Knochen, Nervenzusammenbrüche, ungeplanter Geburten…und natürlich Paintball.

Lange macht Community da weiter, wo sie aufgehört hat: auf unterdurchschnittlichem Niveau. Erst Conspiracy Theories and Interior Design, die zweitbeste Folge der zweiten Staffel, knüpft an den Anarcho-Charakter einiger Vorjahresfolgen an. Dennoch versprühte die erste Hälfte der jüngsten Staffel wenig Hoffnung, steigerte sich jedoch im Laufe des Jahres. Zum Problem werden wieder mal die bisweilen unverständlichen Figuren. Mal um Mal wird Pierce aus der Lerngruppe geworfen, Mal um Mal nimmt man ihn (aus Gründen, die weder der Zuschauer noch die Figuren kennen) wieder auf. Etwaige romantische Paarungen von Troy und Britta, Britta und Jeff oder Annie und Abed tragen hierzu ihr Übriges bei.

Immerhin lässt sich konstatieren, dass Dan Harmons Serie ihr Potential dieses Jahr gelungener ausschöpft. War das Highlight in der ersten Staffel die Paintball-Folge Modern Warfare, lässt man dieses Mal gleich eine Doppel-Paintball-Folge ausstrahlen. A Fistful of Paintballs (im Sergio-Leone-Stil) ist dabei erneut perfekte Unterhaltung, während das Staffelfinale For a Few Paintballs More (eine Star Wars-Hommage) die Bronzemedaille gewinnt. Zum heimlichen Star avanciert vermehrt Dean Pelton (Jim Rash), aber auch tertiäre Figuren wie Magnitude (“Pop pop!“) bereiten viel Vergnügen. Der Trend von Community zeigt also nach oben und hoffentlich gibt es auch im dritten Jahr wieder ein Paintball-Turnier.

7/10

The Vampire Diaries - Season Two

I’d be extra nice to me right now.

Im vergangenen Serienjahr war Kevin Williamsons Romanadaption The Vampire Diaries für den Teenie-Sender The CW die positive Überraschung gewesen. Ein stimmiges Mittelding zwischen dem nudistischen Trash eines True Blood und der reaktionären Blässe der Twilight-Filme. Die große Stärke der Serie war dabei das Dreiecksverhältnis seiner Titelfiguren, welches im Laufe der zweiten Staffel sogar durch einen „Neuzugang“ auf eine zweite Ebene projiziert wurde. Ohnehin wird der dramatische Faktor nochmals verstärkt, als sich zu der einstmalig kleinen Gruppe Eingeweihter immer mehr neue Gesichter gesellen, was gerade im letzten Drittel allmählich fast schon Ausmaße von Tabula Rasa anzunehmen beginnt.

Ehe nach den Vorfällen des Founder’s Day Ruhe einkehren kann in Mystic Falls, erscheint Elenas (Nina Dobrev) Doppelgängerin, Vampirin Katherine (Nina Dobrev), auf der Bildfläche. Jener Doppelgängerstatus ist es, der für Elena zum Damoklesschwert wird in der zweiten Staffel, soll sie doch einer rituellen Opferung dienen, die angeblich den jeweiligen Fluch von Vampiren und Werwölfen durchbricht. Grund genug für die Vampir-Brüder Stefan (Paul Wesley) und Damon (Ian Somerhalder), sich gemeinsam mit der inzwischen eingeweihten Hexe Bonnie (Katerina Graham), Elenas Bruder Jeremy (Steven R. McQueen) und Anderen gegen Urvampir Klaus zu stellen, der diesen Fluch zu brechen anstrebt. Soweit, so Blut gut.

Besonders in den Auftaktepisoden der zweiten Staffel knüpft Williamsons Serie an die Stärken des Vorjahres an. Durch den Zuwachs von Katherine ergibt sich ein zweifaches Dreiecksverhältnis mit Damon als doppeltem Verlierer. Der Mondstein-Fluch, den Urvampir Klaus sowie eine Handvoll Werwölfe brechen wollen, ist zwar ein interessantes Thema des zweiten Jahres, allerdings auch eines, das reichlich redundant ausfällt, wenn immer mehr Charaktere auf der Bildfläche erscheinen. Zugleich werden auch verstärkt Einwohner von Mystic Falls hinter den Vorhang gebeten, wenn im Laufe der Staffel Tyler (Michael Trevino), Matt (Zach Roerig) und Jenna (Sara Canning) die Wahrheit über ihre Stadt in Erfahrung bringen.

Das hat zur Folge, dass gerade das letzte Drittel rund um die ganzen eingeweihten Figuren und das inzwischen durchgekaute Klaus-Thema relativ beliebig erscheint und nur bedingt derart Spannung erzeugen kann, wie die Auftaktfolgen. Die überzeugendsten Episoden sind hier Masquerade und The House Guest, grundsätzlich wäre die zweite Staffel wohl runder geworden, hätte man auf bis zu sechs Folgen (zum Beispiel The Descent) verzichtet. Welche Wege The Vampire Diaries im dritten Jahr beschreiten wird, bleibt nach den Entwicklungen der finalen Folgen offen (New Moon und die dritte Staffel von True Blood lassen grüßen). Das die Serie sich, wenn auch minimal, zu steigern wusste, ist jedoch vielversprechend.

7.5/10

Chuck - Season Four

Come with me if you want to live.

Bisweilen gibt es auch noch Nova im Fernsehgeschäft. Beispielsweise Chuck, jene bei Bloggern extrem beliebte Agenten-Comedy-Serie von Josh Schwartz, die nach jeder Staffel um eine Erneuerung kämpfen musste - bis zu diesem Jahr. Kein in der Luft hängen, keine Fan-Petition. Dass Chuck im Herbst in ihr fünftes Jahr geht, gilt als sicher und dürfte bei Beteiligten wie Fans für Aufatmen gesorgt haben. Zugleich war Chuck auch ein gutes Beispiel dafür, dass sich manche Serien über die Jahre hinweg zu steigern verstehen. War die erste Staffel noch ganz charmant, allerdings nicht wirklich gut, gelang im zweiten und dritten Jahr jeweils ein Sprung nach vorne - um nun wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen.

Im vierten Jahr dreht sich alles um Chucks (Zachary Levi) verschollene Mutter (Linda Hamilton), die als Undercover-Agentin die Firma des Waffenhändlers Alexei Volkoff (Timothy Dalton) infiltriert hat. Hin und hergerissen zwischen der vermeintlichen Loyalität seiner Mutter muss Chuck auch mit einem Heiratsantrag an Sarah (Yvonne Strahovski) klarkommen, während Casey (Adam Baldwin) nicht nur Morgan (Joshua Gomez) als Schwiegersohn in spe ertragen muss, sondern sich auch innerhalb seines Teams als fünftes Rad am Wagen fühlt. Ellie (Sarah Lancaster) und Awesome (Ryan McPartlin) heißen derweil ihre Tochter willkommen und nehmen Forschungen von Ellies verstorbenem Vater auf.

Nachdem Chuck sich lange nicht sicher war, ob er das Intersect nun haben wollte oder nicht, bewegt sich Chuck dieses Jahr zumindest auf einem harmonischen Level der Akzeptanz des Agentendaseins. Hinzu kommen mit Hamilton und Dalton zwei Nebendarsteller, die das Ensemble in vielen Folgen erweitern und namhafte Gaststars wie Dolph Lundgren, Eric Roberts, Robert Englund, Robin Givens oder Ray Wise (also eher B-Stars, aber von diesen eine Menge). Das ist zwar abwechslungsreich, über die Dauer von 24 Folgen jedoch auch sehr anstrengend, da vor allem die Volkoff-Storyline, später ergänzt durch dessen Tochter (Lauren Cohen), über die gesamte Staffel hinweg kaum ihre Spannung aufrecht erhält.

Ohnehin verdeutlicht die Ablösung Volkoffs von Fulcrum, das selbst The Ring ersetzt hat, die Orientierungslosigkeit der Serie. So gesehen begeht Chuck im vierten Jahr einen Rückschritt zurück zur Qualität seiner Anfänge (lediglich die morbide Folge Chuck Versus the Fear of Death mit Summer Glau und Richard Chamberlain ragt positiv heraus), worüber auch die vielen Filmreferenzen (von Die Hard, über Terminator bis zu A New Hope) nicht hinweg täuschen. In Kombination mit dem schwachen Staffelfinale und seinem uninspirierten, aber Richtungsweisenden „Cliffhanger“ stehen der Serie schwere Zeiten bevor, die zumindest ich nach diesem Qualitäts- und Kreativitätsverlust wohl ab Herbst nicht mehr mit begleiten werde.

6.5/10

How I Met Your Mother - Season Six

Aw, man!

Das abschließende Urteil zur fünften Staffel von How I Met Your Mother lautete im vergangenen Jahr: Stagnation. Und die Frage, wie lange die Serie so noch weitermachen kann? Den Showrunner zufolge zumindest bis 2013. Das Spiel mit der Suche nach der Mutter wird also noch zwei Jahre (oder drei, die sechste Staffel mitgerechnet) weiter gespielt - obschon es bereits eintönig geworden ist, Ted Mosbys Kinder (mit einer ewig jungen Lyndsy Fonseca) zu Beginn einer Folge eine Geschichte zu erzählen, die mit deren Mutter eigentlich nichts zu tun hat. Dass sich dieses Friends-2.0 dennoch auch nach sechs Jahren noch nicht zu schade ist, seine schwache Prämisse weiterhin als Aufhänger zu nehmen, ist bezeichnend.

Als übergreifendes Thema dient dieses Jahr der Bau des neuen GNB-Gebäudes durch Ted (Josh Radnor) und dessen darauf aufbauende Auseinandersetzung mit der Aktivistin Zoey (Jennifer Morrison), die ein heruntergekommenes Gebäude, das hierzu abgerissen werden soll, zu retten anstrebt. Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) versuchen unterdessen an ihrer Kinderplanung zu arbeiten, während Robin (Cobie Smulders) allerlei Beziehungsprobleme hat und Barney (Neil Patrick Harris) nach langen Jahren endlich auf seinen leiblichen Vater (John Lithgow) trifft. Hinzu kommen gescheiterte Ehen, langjährige Flüche, Todesfälle in der Familie und eine alte kanadische Teenie-Fernsehserie.

Wenn eine Serie ihre beste Episode gleich zu Beginn verballert - in diesem Fall: Big Days -, dann lässt das (im Gegensatz zu Southland, wo dies Tradition ist) wenig Hoffnung für die verbleibenden Folgen zu. Und in der Tat sind die einzigen Episoden, die sich ebenfalls etwas abheben, Folgen mit eigenem Antrieb (Glitter/Blitzgiving), während sich besonders die GNB-Arcadia-Handlung, die von Anfang bis Ende die sechste Staffel durchzieht, als Fehlschuss entpuppt. How I Met Your Mother macht von Beginn an klar, dass es dieses Jahr um alles geht, außer darum, wie Ted seine Frau kennengelernt hat. Was wieder mal untermauert, dass die Serienprämisse schon lange keine Bedingung mehr für deren Bestehen ist.

Im Vergleich zum Vorjahr halten sich Gastdarsteller eher rar, von Nicole Scherzinger, Jorge Garcia, Kyle MacLachlan, Katy Perry, John Lithgow sowie (besonders nervig und untalentiert) Jennifer Morisson abgesehen. Wirklich an Fahrt gewinnt die sechste Staffel ebenfalls nicht, was besonders dann auffällt, wenn die Figuren davor zurückschrecken, sich weiterzuentwickeln (siehe Barney-Nora). Die Folge ist ein Einbruch der Serie von fast einem Punkt seit der vierten Staffel. Ein Trend, der nach unten zeigt, bedenkt man, dass die sechste die bisher uninteressanteste und schlechteste Staffel der New Yorker Freunde darstellt. Bei zwei offenen Staffeln geht das Finden der Mutter also noch bis 2013 weiter.

7/10

Breaking In - Season One

You just got Oz-ed…possible catchphrase.

Im nordamerikanischen Fernsehen sind Midseason Replacements oft eine Art Ersatzspieler, der seinen Einsatz erhält, wenn eine Stammkraft plötzlich nicht mehr zum Zuge kommt. Ein Lückenfüller also, der bisweilen, siehe The Office, auch zum festen Bestandteil eines Senders werden kann, wenn sich eine Fanbase einstellt. Besonders hip sind, wie am Beispiel The Office zu sehen, Workplace-Komödien, zu denen auch Parks and Recreation (siehe unten) oder Workaholics zählen. Mit Breaking In kam dieses Frühjahr eine weitere solche Serie hinzu, die aus der Feder von Adam F. Goldberg (Fanboys) und Seth Gordon (The King of Kong) stammt, und sich um eine Sicherheitsfirma voller schrulliger Figuren dreht.

Der Langzeit-Student und Hacker Cameron (Bret Harrison) wird nach Aufdeckung seiner Computervergehen an seiner Universität von “Oz“ Osbourne (Christian Slater) für dessen Sicherheitsfirma Contra Security angeworben. Dort stellt er seine Dienste wie die Einbrecherin Melanie (Odette Annable), der Tarnungsexperte Josh (Trevor Moore) und Techniktüftler Cash (Alphonso McAuly) der Sicherheitsüberprüfung von Firmen und anderlei Einrichtungen zur Verfügung. Kompliziert wird das Ganze jedoch, als Cameron sich Hals über Kopf in Melanie verliebt, diese aber bereits mit dem etwas naiven Dutch (Michael Rosenbaum) liiert ist und dieser letztlich sogar ebenfalls zum Angestellten von Oz avanciert.

Mit seiner Pilot-Folge legte Breaking In einen furiosen Start hin und verbreitete ein leichtes Versprechen, ein Nachfolger von Scrubs sein zu können. Allerdings vermochte nur White On White On White ebenso unterhaltsam auszufallen, was jedoch nichts daran ändert, dass Goldbergs und Gordons Serie eine der Überraschungen dieses Serienjahres ist. Die Figuren sind ob ihrer Schrulligkeit ausgesprochen liebenswürdig geraten, sei es Ultra-Nerd Cash (“Boom goes the dynamite!“) oder der über-Jock Dutch, der von Smallville-Lex Luthor Michael Rosenbaum mit viel Spaß am Spiel porträtiert wird. Der auf Oneliner reduzierte Christian Slater und die scharfe und talentierte Odette Annable komplettieren das Bild.

Harrison wiederum ist eine dankbare Identifikationsfigur in der schrägen Welt von Contra Security, die zudem von Alyssa Milano, Ted McGinley und Mike Tyson besucht wird. Besonders im Gedächtnis bleiben die kreativen Ideen der Autoren, die meist dem allwissenden und allgegenwärtigen Slater auf den Leib geschrieben werden. Dass sich dieser im Komödienfach (Kuffs und Heathers lassen grüßen) besser schlägt als beim Drama (siehe My Own Worst Enemy), zeigt sich eindrucksvoll. Nach sieben Folgen wurde die Serie jedoch von Fox nicht für eine zweite Staffel verlängert, allerdings lassen gegenwärtige Verhandlungen mit Sony Television darauf hoffen, dass Breaking In eine zweite Staffel erhält.

7.5/10

The Big Bang Theory - Season Four

If ifs and buts were candy and nuts, we’d all have a merry Christmas.

In den vergangen Monaten war Chuck Lorre zumindest indirekt in der Presse vertreten als „Verlierer“ und „Clown“ - so die Worte von Charlie Sheen. Dieser war Star von Amerikas erfolgreichster Fernsehserie: Two and a Half Men. Zumindest bis Sheens Sex- und Drogeneskapaden zu seinem Rauswurf führten. Viel Lärm um Nichts, müssten sich da die Beteiligten von Lorres anderer Sitcom, The Big Bang Theory, denken. Deren Quote wuchs im Laufe ihrer drei Staffeln stetig und befindet sich nur wenige Millionen Zuschauer hinter Two and a Half Men. Umso erfreulicher für Lorre, dass von seinen Nerd-Darstellern rund um Emmy-Preisträger Jim Parsons kaum einer durch Sex- und Drogenexzesse auffallen dürfte.

Nach drei Jahren Nerdlore erhält die Show nunmehr verstärkt weiblichen Zuwachs. Sheldon (Jim Parsons) beginnt auf Initiative seiner Freunde eine primär wissenschaftlich und sekundär soziale Verbindung zur Neurobiologin Amy Farrah Fowler (Mayim Bialik), während Howard (Simon Helberg) wiederum eine nunmehr feste Liaison mit Mikrobiologin Bernadette (Melissa Rauch) eingeht. Unterdessen müssen Penny (Kaley Couco) und Leonard (Johnny Galecki) mit dem Ende ihrer Beziehung klarkommen, während Letzterer eine alte Affäre mit Priya (Aarti Mann) aufwärmt - der Schwester von Rajesh (Kunal Nayyar). Zusätzlich: Sex und Diebstahl in der World of Warcraft, sowie die Rückkehr von Wil Wheaton.

Obschon gerade die Figuren von Rauch und Bialik nicht minder nerdig sind als die Jungs, verlässt The Big Bang Theory im vierten Jahr nun etwas die Gefilde der Nerdlore. Mit mehr oder weniger drei der Wissenschaftler in Beziehungen verankert, erhält das Thema des Sex und seiner Komplikationen auch vermehrt Einzug in die Welt von Chuck Lorre und Bill Prady. Gerade im letzten Drittel manifestiert sich dies in Eifersuchtsszenen zwischen Penny und Priya, was glücklicherweise jedoch nicht bedeutet, dass die Serie ihren Humor zurückschraubt - sie wandelt ihn einfach ab. So wird durch Priyas Anwesenheit zum Beispiel dem WG-Abkommen von Leonard und Sheldon mehr vergnügliche Aufmerksamkeit zuteil.

Besonders erfreulich ist zudem, dass nach dem Einbruch der dritten Staffel nun wieder eine Steigerung zu verzeichnen ist. Höhepunkte des vierten Jahres sind die Folgen The Wildebeest Implementation und The Robotic Manipulation, mit gelungenen Gastauftritten von Wheaton, Eliza Dusku, Keith Carradine und LeVar Burton. Lediglich ein leicht abbauender Mittelteil trübt das positive Bild der gelungensten Comedy-Serie 2010/11, die sich etwas unrühmlich mit einem müden und für Serien vorhersehbaren Cliffhanger im Staffelfinale bis Herbst verabschiedet hat. Nichtsdestotrotz ist The Big Bang Theory weiterhin wohl das Highlight im Comedy-Fach und der lebende Beweis, dass Chuck Lorre alles, aber kein Verlierer ist.

8/10

Grey’s Anatomy - Season Seven

Things don’t go the way we want them to.

Es liegt wohl daran, dass Serien einen Mikrokosmos darstellen, dass über kurz oder lang die Figuren einander sexuelle herumgereicht werden wie Appetizer auf einem Galaabend. Etwas, das sich auch der Einfachheit halber als Melrose Place-Syndrom benennen lässt und das kaum eine Serie so exaltiert betreibt, wie Shonda Rhimes’ Ärztedrama Grey’s Anatomy. Ohnehin ist das Bild von Ärzten durch US-Serien wie Chicago Hope oder ER davon geprägt, dass Ärzte ihre sexuellen Kontakte einzig in der eigenen Abteilung ausfindig machen. Ein Sozialleben außerhalb des Krankenhauses scheint nicht existent. Dementsprechend schwer hat es eine Serie, die ein derartiges Bild seit sieben Jahren aufrecht erhält.

Nach dem Amoklauf des Vorjahresfinales liegen die Nerven blank im Seattle Grace. Während sich die meisten Ärzte um Meredith (Ellen Pompeo) verhältnismäßig schnell fangen, rutscht überraschend gerade Cristina (Sandra Oh) in ein emotionales Loch. Ansonsten ist es das Jahr der klinischen Versuchsreihen, intendiert Derek (Patrick Dempsey) doch Alzheimer zu heilen, während sich Webber (James Pickens, Jr.), im Laufe der Staffel wieder zum Chief befördert, an Diabetes versucht. Zentral sind jedoch weiter die Beziehungen der Ärzte zueinander, so wie Callie (Sara Ramirez), die sich, von Sloan (Eric Dane) schwanger, mit Arizona (Jessica Capshaw) versöhnt, während Sloan Lexie (Chyler Leigh) vergrätzt.

Um alle Affären und Romanzen aufzuzählen, bedürfte es eines eigenen Reviews, grundsätzlich bleibt es bei der Beschreibung des Vorjahres, dass Grey’s Anatomy ein „riesiger Swinger-Klub“ ist. Was in den ersten Staffeln noch vergnüglich war, wird nun allmählich merklich ermüdend da unrealistisch, wenn jede der Figuren mit einem Kollegen verheiratet oder liiert ist. Ähnlich scheint es auch den Zuschauern zu gehen, die nach dem in der vierten Staffel eingesetzten Quotenrückgang die Serie nach dem Tiefpunkt der sechsten Staffel nochmals abstraften. Auch Versuche wie die Musicalfolge Song Beneath the Song, anbei bemerkt der Tiefpunkt der gesamten Serie, dürften kaum eine Wende herbeiführen.

Die Staffel ist dabei solide, obschon sie im Vergleich zu den beiden Vorjahren erneut abbaut. Höhepunkt ist Disarm, wenn thematisch passend die Konsequenzen eines externen Amoklaufs im Seattle Grace Einzug erhalten. Bisweilen ist Grey’s Anatomy, dieses Jahr mit Gastdarstellern wie Scott Foley oder Jamie Chung, also immer noch emotional ergreifend, schafft es allerdings nicht, seine Figuren wie Karev (Justin Chambers) wirklich weiter zu entwickeln. Das große Ensemble mit 14 Sprechrollen schlägt sich gut (besonders Kevin McKidd, aber auch Sarah Drew), kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass Rhimes’ Dramaserie langsam das Drama ausgeht. Denn inzwischen hat jeder mit jedem geschlafen.

7/10

The Office - Season Seven

You know this isn’t real TV, right?

Für gewöhnlich gibt es in Fernsehserien immer eine/n Darsteller/in, der/die über kurz oder lang Angebote für Kinoproduktionen erhält und letztlich ihrer Durchbruchsserie Lebewohl sagt. Egal ob diese Personen nun George Clooney (ER), Jennifer Aniston (Friends), Katherine Heigl (Grey’s Anatomy), David Duchovny (The X Files) oder Steve Carell heißen. Letzterer sah es nach Filmerfolgen mit Get Smart oder Date Night nicht für nötig, seinen auslaufenden 7-Jahres-Vertrag für die Workplace-Comedy The Office zu verlängern. Weshalb es nach sieben Jahren und 137 Folgen in einer Doppelepisode hieß: “Goodbye Michael“. Ein Abschied, von dem sich ab Herbst zeigen wird, ob er verkraftet und überlebt werden kann.

Mit der Übernahme von Dunder Mifflin gilt es sich in Scranton an den neuen Arbeitgeber anzupassen. Oder auch nicht, treibt Michael Scott (Steve Carell) doch weiterhin seinen typischen Unsinn, der neue Nahrung erhält, als in der Mitte der Staffel vorübergehend seine alte Flamme Holly (Amy Ryan) zurückkehrt. Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fischer) sind derweil mit der Erziehung ihrer kleinen Tochter beschäftigt und mit dem Liebesdreieck zwischen Erin (Ellie Kemper), Andy (Ed Helms) und Gabe (Zach Woods) bahnt sich eine neue Romanze rund um die Sekretärin an. Dwight (Rainn Wilson) versucht unterdessen alles, um nach Michaels Abschied zum neuen Regional Manager seines Arbeitgebers aufzusteigen.

Die gute Nachricht vorab: The Office steigert sich, wenn auch minimal, nach dem extremen Einbruch der sechsten Staffel im Vorjahr. Von der früheren Klasse der dritten und vierten Staffel ist Greg Daniels’ Sitcom jedoch weiterhin weit entfernt. Es zeigt sich verstärkt, dass der Serie langsam die Ideen ausgehen, beispielhaft in der drastischen Abnahme von Scherzen, die Jim seiner Nemesis Dwight spielt. Ohnehin versprühen er und Pam als geerdete Eltern kaum noch Romantik, weshalb Erin und Andy ziemlich offensichtlich als Ersatz angeboten werden. Nur vereinzelt zeigen sich Momente früherer Stärke, wie in dem Staffelhöhepunkt Classy Christmas, in dem Dwight an Jim lang aufgestaute Rache nimmt.

Ansonsten überzeugen gelegentlich charmante Ideen wie WUPHF.com oder Threat Level Midnight, ein Qualitätsanstieg macht sich jedoch erst gegen Ende und mit dem Übergang von Michael zu seinem Interimsnachfolger Deangelo (Gaststar: Will Ferrell) bemerkbar. Ob dies auch in der achten Staffel der Fall sein wird, darf aber bezweifelt werden. Es scheint, als ginge The Office immer mehr die Puste aus und mit Rainn Wilson (Super) steht bereits der nächste Darsteller vor dem Sprung ins Kinogeschäft, was der inzwischen sehr schwachbrüstigen Sitcom (selbst das vor Gaststars wie James Spader, Ray Romano, Jim Carrey und Ricky Gervais überquellende Staffelfinale konnte nicht überzeugen) den Todesstoß versetzen würde.

7/10

Parks and Recreation - Season Three

Snitches get stitches.

Wie bereits in The Office erhält auch Greg Daniels’ zweite Workplace-Sitcom Parks and Recreation im dritten Jahr eine Frischzellenkur. Paul Schneider verabschiedete sich zu Gunsten seiner Filmkarriere, neu hinzu kamen stattdessen Rob Lowe und Adam Scott, die zugleich als neue love interests der beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen Amy Poehler und Rashida Jones fungieren dürfen. Der Abschied von Schneider und das gefragte Interesse der Filmbranche an Jones und Aziz Ansari wirken jedoch bereits als ein Damoklesschwert über der Serie, bei der sich auch angesichts des Staffelfinales die Frage stellt, ob sie nach der vierten Staffel noch das Zeug hat, für weitere Jahre zurück zu kehren.

Das Haushaltsbudget der kleinen Stadt Pawnee im US-Bundesstaat Indiana ist knapp, was Leslie Knope (Amy Poehler) jedoch nicht davon abhält, das einst beliebte Erntefestival zurück ins Leben zu rufen. Inzwischen weiß sie sich ganz gut mit ihren Vorgesetzten Chris (Rob Lowe) und insbesondere Ben (Adam Scott) zu arrangieren. Ron Swanson (Nick Offerman) hingegen will einfach nur seine Ruhe haben, während sich Tom (Aziz Ansari) verstärkt als Entrepeneur versucht und neben einem eigenen Nachtklub auch ein eigenes Parfüm zu entwickeln beginnt. Unterdessen betritt Ann (Rashida Jones) wieder das Singledasein, das wiederum April (Aubrey Plaza) und Andy (Chris Pratt) durch eine spontane Hochzeit verlassen.

Nachdem die Sitcom in ihrem zweiten Jahr durch die vervierfachte Episodenzahl einen Qualitätsverlust erlitt, kommt ihr eine diesjährige Reduktion auf lediglich 16 Episoden - was allerdings eher Poehlers Schwangerschaft geschuldet war - positiv zu Gute. Mit Leslies Bestreben, trotz Finanzeinbußen ihren Bürgern etwas bieten zu wollen, hat die Show neben den romantischen Verwicklungen einen glaubhaften und passend umgesetzten thematischen Anstrich erhalten. Die Folge sind jedoch einige Redundanzen, die speziell Lowes optimistischen Gesundheitsfanatiker Chris, sowie Leslies und Bens Gefühle zueinander betreffen. Aber auch die anstrengende Liaison von April und Andy kann auf Dauer nerven.

Der starken Auftaktepisode folgt ein Abfall, der erst gegen Ende der zweiten Hälfte wieder aufgefangen wird. Hier erlebt die Serie mit The Fight und einem alkoholgeschwängerten Abend der Angestellten in Toms Diskothek ihren diesjährigen Höhepunkt. Gastdarsteller machen sich im Vergleich zur zweiten Staffel rar, lediglich Parker Posey gibt sich hier in der ebenfalls sehenswerten Folge Eagleton die Ehre. Es ist also erfreulich, dass sich Parks and Recreation wieder etwas konsolidiert hat. Welcher Weg jedoch inhaltlich wie personell nach dem (enttäuschenden) Staffelfinale bevorsteht, bleibt allerdings abzuwarten. Vielleicht wäre einer finalen vierten Staffel vor einem planlosen Versiechen der Vorzug zu geben.

7.5/10

Happy Endings - Season One

Cos that’s how I Jane.

Die Formel, dass eine Gruppe Freunde die optimale Rezeptur für eine Sitcom ist, hat in den neunziger Jahren Friends zur Perfektion gebracht und zu etwaigen Ablegern wie How I Met Your Mother oder nun Happy Endings geführt. Letztere Serie gehörte zu den diesjährigen Midseason Replacements, im Gegensatz zu Breaking In wurde die Show von David Caspe jedoch - trotz niedrigerer Quoten - sofort für eine zweite Staffel ab September verlängert. Die Konzeption der Serie ähnelt dabei in gewisser Weise How I Met Your Mother, findet im Ensemble doch eine Symbiose zwischen bekannten TV-Darstellern wie Eliza Coupe oder Elisha Cuthbert und unverbrauchten Gesichtern wie Casey Wilson und Adam Pally statt.

Am Tag ihrer Hochzeit entscheidet sich Alex (Elisha Cuthbert) spontan, nicht ihren langjährigen Freund Dave (Zachary Knighton) zu heiraten und lässt ihn neben den gemeinsamen Freunden am Traualtar stehen. Ein paar Wochen später entscheiden sich die beiden zum Wohl der Clique ihre Differenzen zu begraben und Freunde zu bleiben. Während Dave zu ihrem homosexuellen Freund Max (Adam Pally) zieht, stürzt sich Alex mit Freundin Penny (Casey Wilson) ins Nachtleben und auf Männerjagd. Das Ehe-Aus der beiden Freunde sorgt unterdessen beim einzig verheirateten Pärchen der Gruppe, Alex’ Schwester Jane (Eliza Coupe) und Brad (Damon Wayans, Jr.), für Bestandszweifel an der eigenen Beziehung.

Ähnlich wie Breaking In zählte Happy Endings zu den positiven Überraschungen des Jahres, auch jenseits ihres Midseason Replacement Status’. Obschon das ganze Ensemble Erfahrungen mitbringt, von Coupe (Scrubs) über Cuthbert (24) bis zu Knighton (FlashForward) und Wilson (Saturday Night Live), sind die meisten von ihnen weitestgehend unverbraucht und damit eine willkommene Abwechslung. Hierbei steht Pallys in der Popkultur verhafteter moppeliger Schwule im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber auch Damon Wayans, Jr. beweist, dass mehr Komödientalent in ihm steckt, als im Wayans-Film Dance Flick zu sehen war, während Coupe ihren in Scrubs gezeigten Aufstieg untermauert.

Großer Pluspunkt der Sitcom ist neben der Chemie ihrer Darsteller die Vielfalt an Ideen, sowohl in narrativer wie dialogtechnischer Sicht. Am gelungensten fallen hier die Episoden The Quicksand Girlfriend und Mein Coming Out aus, während sich die Serie ein bisschen selbst im Weg steht, da man sich dazu entschloss, die Folgen nicht in produzierter Chronologie zu senden, weshalb bisweilen Anschlussfehler, speziell im Bezug auf die angespannte Beziehung zwischen Dave und Alex, entstehen. Dennoch präsentierte sich Happy Endings über weite Strecken sehr ordentlich, weshalb es mehr als verdient und so gesehen auch passend ist, dass die Serie ab Herbst mit einer zweiten Staffel ihr eigenes Happy End erhält.

7.5/10

25. Mai 2010

Grey’s Anatomy - Season Six

When things look like there’s no way…there’s a way.

In hohem Alter überlegt es sich der ein oder andere in Hollywood durchaus, ob er sich nicht einer Schönheitsoperation unterziehen sollte. Was in vielen Fällen (Mickey Rourke, Nicole Kidman) auch mal nach hinten losgehen kann. Aber ein derartiges Facelifting scheint nötig, um weiterhin ansprechend zu sein. Jung und frisch auszusehen. Was auch für Serien gilt und sicherlich auch ein Faktor ist, weshalb sich eine Serie wie ER mittels enormer Fluktuation über anderthalb Jahrzehnte gehalten hat. Auch Shonda Rhimes’ Ärzte-Serie Grey’s Anatomy begann nach drei guten Jahren in den Staffeln Vier und Fünf quotentechnisch einzubüßen. Im Vergleich zum dritten Jahr verlor die vierte Staffel nahezu ein Fünftel der Vorjahresquote. Dass hierzu nun zwei Jahre später nicht nur zwei der Nebendarsteller die Serie verließen, sondern mit Emmy-Preisträgerin Katherine Heigl dabei auch noch das neue Zugpferd absprang, hätte böse enden können.

Bezeichnenderweise war es dann der Versuch, Izzie (Katherine Heigl) zumindest zu Beginn noch in das Geschehen zu integrieren, auch wenn sie abwesend war, der mehr schadete als half. Ähnlich wie Isaiah Washington verließ Heigl dann die Serie auf bescheidenem Weg, während T. R. Knights George einen spektakulären Abschied im starken Vorjahresstaffelfinale beschert bekommen hatte. Ein positives Merkmal in diesem Jahr ist schließlich, dass Meredith Grey (Ellen Pompeo), auch bedingt durch die Schwangerschaft Pompeos, immer mehr in den Hintergrund trat. Endlich mal ein Jahr ohne Querelen mit Derek (Patrick Dempsey), der dafür den Chefposten übernimmt, nachdem Webber (James Pickens Jr.) aufgrund seines Alkoholkonsums beinahe einen Patienten umbringt. Derweil gerät die Kardiogeile Cristina (Sandra Oh) in eine Dreiecksbeziehung, als Owens (Kevin McKidd) alte Flamme aus Irakkriegszeiten und Herzchirurgin Teddy (Kim Raver) ans Seattle Grace kommt.

Es ist die Staffel der Beziehungen, befinden sich doch die meisten der bekannten Ärzte in - natürlich - innerstationären Beziehungen. Meredith und Derek, Cristina und Owen, Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw), sowie sowohl Lexie (Chyler Leigh) mit Sloan (Eric Dane) als auch im späteren Verlauf Alex (Justin Chambers). Da darf auch ein sexy Anästhesist für Dr. Bailey (Chandra Wilson) nicht fehlen, und weil Teddy später ebenfalls mit Sloan unter die Decke verschwindet, sind eigentlich alle außer Webber bestens versorgt was ihr Sexleben angeht. Auf der einen Seite ein verständlicher Zug, spart man sich so die Integration neuer, außen stehender Figuren. Andererseits jedoch konterkariert die Serie hier ihren von medizinischer Seite bemühten Realismus und verflacht ungemein, wenn ein Krankenhaus gleichzeitig ein riesiger Swinger-Klub ist. Ein negativer Aspekt, der jedoch vielen Krankenhausserien innewohnt (s. Scrubs).

Gefälliger ist da schon, dass die Finanzkrise auch nicht vor den Krankenhäusern in Seattle Halt macht. Zwei Einrichtungen werden im Seattle Grace nun zusammengelegt, was zu mehr Ärzten führt, als Jobs vorhanden sind. Den neuen Gesichtern wie Jackson (Jesse Williams) oder Reed (Nora Zehetner) wird allerdings nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, sodass sie eine bloße personifizierte Bedrohung bleiben. Die Finanzthematik wird dann allerdings fallengelassen, als mehr und mehr Fokus auf die neue Konstellation Derek-Webber gelegt wird. Hinzu kommen dann Nebenhandlungen wie die Dreiecksbeziehungen von Cristina-Owen-Teddy sowie Lexie-Sloan-Alex, ergänzt von den Beziehungsproblemen Callies und Arizonas, die durch den Kinderwunsch Callies ausgelöst werden. So dümpelt die sechste Staffel ein wenig vor sich hin, gelegentlich kleine Akzente setzend, meist jedoch in gewohnter Weise Beziehungsdramen an Not-Operationen schneidend.

Wie bereits im Vorjahr ist es das Staffelfinale, das Einiges rauszureißen vermag und gerade in der vorletzten Episode (des Doppelfolgen-Finals), Sanctuary, weiß Rhimes mittels ausgeklügeltem Handlungsgerüst den Zuschauer zu packen. Lediglich Perfect Little Accident wusste in der sechsten Staffel ähnlich zu unterhalten, gefolgt von einer Handvoll weiterer überzeugender Episoden. Die neuen Darstellerinnen Capshaw und Raver fügen sich gut ein, andere wie Leigh ergreifen die Chance, die von Heigl hinterlassene Lücke zu füllen. Ergänzt wird das Ganze dann von Gaststars (u.a. Mandy Moore, Martha Plimpton, Mitch Pileggi, Sara Gilbert, Richard T. Jones, Sarah Paulson), die sich gut in die Situation einfinden. Entsprechend wurden Rhimes’ Bemühungen auch von den Fans belohnt, legte Grey’s Anatomy im Vergleich zum Vorjahr gut an Quote zu. Wie lange es der Serie jedoch noch gelingen kann, Redundanzen in der Mitte durch ein überzeugendes Finish auszugleichen, bleibt abzuwarten.

7.5/10

22. Mai 2009

Grey’s Anatomy - Season Five

It’s time to make your own speeches.

Langlebige Serien sind in der heutigen Zeit eine Ausnahmeerscheinung. Denn in der Medienwelt sind Quoten die neue Währung und wer kein „Geld“ hat, der darf nicht mitspielen. Schließlich sind es die Unterhaltungssendungen, die den Sendern ihre Existenzberechtigung verleihen. So kommt es, dass Serien wie Joss Whedons Dollhouse wohl allein wegen ihrer geringen Zuschauerzahl keine Verlängerung erfahren, während andere Serien im Herbst zurückkehren werden. Unter ihnen wird sich auch Shonda Rhimes’ Grey’s Anatomy mit ihrer sechsten Staffel. Und das, obschon die Quoten für Grey’s erneut gefallen sind, nachdem die Serie mit ihrer vierten Staffel im Vorjahr ihren bisherigen Tiefpunkt erlitten hatte. Bedenkt man die Entwicklungen im diesjährigen Staffelfinale, lässt sich davon ausgehen, dass die Quoten auch nächstes Jahr nochmals einbrechen werden. Dies könnte das Ende für das Ärzte-Drama darstellen. Aber soweit soll an dieser Stelle noch nicht gedacht werden.

In der Auftaktepisode Dream a Little Dream of Me – Part I weiß Rhimes gekonnt mit den Zuschauererwartungen zu spielen. Die ersten Sekunden befriedigen nämlich das, was das Finale des letzten Jahres suggeriert hatte. Doch natürlich hatte Derek (Patrick Dempsey) keinen Unfall, der ihn dem Tode nahe ins Seattle Grace Hospital einlieferte. Die große Überraschung der fünften Staffel ist sicherlich die Tatsache, dass Rhimes das Drama aus der Beziehung zwischen dem Neurochirurgen und Meredith Grey (Ellen Pompeo) herausnimmt. Im Gegenteil, die Liaison der beiden Ärzte festigt sich paradoxerweise sogar – sieht man von einem kurzzeitigen Lapsus Dereks ab. Am Ende steht dann die Verlobung der Beiden – und damit etwas, von dem Meredith selbst, gerade in der vierten Staffel, nicht zu Denken gewagt hätte. Ähnlich wie bei der Jim-Pam-Verlobung in The Office lässt die erwartete Hochzeit jedoch noch auf sich warten und wird für größere Effekthascherei aufgeschoben. Denn andere Ereignisse wissen sich stets in den Vordergrund zu drängen.

Für Meredith ergibt sich die Gelegenheit, ihre Mutter besser kennen zu lernen. Als sie deren Tagebücher findet, scheint sie in ihrem Charakter zu festigen und insgesamt zu reifen. Dies merkt man vor allem daran, dass sie sich endlich ihrer kleinen Halbschwester Lexie (Chyler Leigh) öffnet und diese als Familienmitglied akzeptiert. Erfreulicherweise hält sich Pompeos Figur ansonsten – im Gegensatz zur dritten Staffel – etwas im Hintergrund bzw. lässt den anderen Charakteren Luft zum Atmen. Für Dempseys Figur hat sich Rhimes eine Katharsis bei dem großen Vorbild Scrubs abgeschaut. In I Will Follow You Into the Dark kopiert die Serie My Fallen Hero, als Derek sich isoliert und dem Alkohol zuwendet, nachdem er einen Patienten verloren hat. Wie in vielen Belangen (z.B. Pompeos Voice-over) vermag Rhimes jedoch nicht an die Klasse von Lawrence Sitcom heranzureichen. Dass Shepherd sich letztlich wieder zusammenreißt, versteht sich natürlich von selbst.

Aber immerhin habe ich, was die anderen Ärzte angeht, weitestgehend Recht behalten. Cristina (Sandra Oh) darf erneut mit einem Vorgesetzten anbandeln, der aber überraschenderweise nicht der Kardiologie entstammt. Doch Owen Hunt (Kevin McKidd) hat als Veteran des Irakkriegs mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen, die kurz darauf auch Cristina heimsuchen werden. Die Beziehung ist aber sehr nett und vorsichtig ausgearbeitet und findet im Staffelfinale eine nette Konklusion – auch wenn diese natürlich im Schatten des überwältigenden Dramas steht. Wo Meredith jedoch besonnener werden darf, erhält Cristina menschlichere Züge. Beides sehr löbliche Entwicklungen innerhalb der Serie. Weniger löblich ist da die Platzierung von Alex Karev (Justin Chambers), der wie jedes Jahr kaum Aufmerksamkeit erhält und ähnlich wie T.R. Knight als George O’Malley bis zu den finalen Folgen eher ins Hintertreffen gerät. Mit der Figur scheint Rhimes an ihre Grenzen geraten zu sein, wirklich neuartige Wendungen lassen sich kaum noch mit Karev vollziehen.

Dasselbe Schicksal offenbart sich Mark Sloan (Eric Dane), dem man zwar nach hinten raus eine viel versprechende Beziehung mit Lexie angedichtet hat (wobei nicht wirklich klar wird, wieso diese Beziehung viel versprechend ist), der allerdings ansonsten wie Dr. Bailey (Chandra Wilson) eher nur Mittel zum Zweck ist. Im Falle der Sloan-Lexie-Affäre ist der ganze Umstand für sich schon ungewöhnlich, da Rhimes Lexie sich erst wenige Folgen zuvor in George verlieben ließ. Diese Nebenhandlung wurde anschließend komischerweise ganz fallen gelassen. Etwas sauer stößt auch der plötzliche Abschied von Erika Hahn (Brooke Smith) auf, die im Stile eines Isaiah Washington das Seattle Grace verlassen hat. Scheinbar wollte Rhime die Show heterosexueller gestalten, nachdem mit Smith und Melissa Georges Gastfigur Sadie neben Callie Torres (Sara Ramirez) scheinbar zu viele „lesbische“ Figuren in Grey’s aufgetreten waren. Das hätte man besser lösen können, vor allem da mit Jessica Capshaw kurz darauf eine neue lesbische Ärztin die Bühne betritt.

Etwas schlecht gelöst hat Rhimes dann die Storyline um Izzie Stevens (Katherine Heigl). Nachdem Heigl bereits im Vorjahr mit einem Emmy ausgezeichnet wurde, ist sie zudem die einzige Person des Grey’s-Ensembles, die den Sprung ins Kino geschafft zu haben scheint. Da war die Gehirntumor-Geschichte in Verbindung mit den Halluzinationen um Denny (Jeffrey Dean Morgan) ein willkommenes Mittel, um Heigl aus der Serie zu schreiben. Problematisch ist hier lediglich der nicht vorhandene Spannungsbogen, der auch schon Dominic Monaghans Ausstieg aus Lost zu absehbar machte. Es ist somit keine Frage, ob die Person stirbt, sondern wie. Dass James Pickens, Jr. den Ausstiegt von Heigl und Knight bereits in der Mitte der Staffel ausplauderte, machte die Sache natürlich nicht besser. Dahingehend weiß das Staffelfinale Now or Never zumindest in einer Weise wirklich zu überraschen. Und zwar auf eine Art und Weise, wie ich selbst sie im Fernsehen schon lange nicht mehr gesehen habe. An dem Ausstiegt der beiden Schauspieler dürfte dies jedoch nichts ändern, auch wenn der Cliffhanger hier mehrdeutig ist.

Wie bereits in den Staffeln zuvor wartet Grey’s Anatomy auch dieses Jahr wieder mit einigen Gaststars auf. Kevin McKidd verkommt mit seiner Präsenz praktisch schon zum Hauptcast, während Mary McDonell, Eric Stoltz und Melissa George in mehreren und August Schellenberg, Faye Dunaway und Hector Elizondo in Einzelfolgen auftauchen. Die fünfte Staffel ist erstaunlich homogen und weiß dank der oben genannten Vorzüge im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor wieder zuzulegen. Die gelungenste Episode stellt Stairway to Heaven dar, in welcher Stevens’ Zustand offenbart wird und Stoltz seinen Auftritt hat. Des Weiteren wissen auch eine Handvoll anderer Folgen zu überzeugen, der Rest bewegt sich im durchschnittlichen Bereich. Gelegentlich schimmert der gute alte Grey’s-Humor durch und auch mit splatter-artigen Szenen auf dem OP-Tisch hält die Show nicht zurück. Zwar weiß die Krebs-Handlung um Izzie nicht so recht zu unterhalten, aber grundsätzlich stellte die fünfte Staffel eine Verbesserung dar. Inwieweit die sechste Staffel hieran anknüpfen kann, ohne Heigl und Knight, wird man im Herbst sehen.

7.5/10

4. Juni 2008

Grey’s Anatomy - Season Four

We are each others keepers.

Ursprünglich als Ersatzserie für Desperate Housewives im März 2005 gestartet, entwickelte sich Shonda Rhimes’ Serie Grey’s Anatomy schnell zu einer eigenständigen Erfolgsgeschichte und nahm in ihrer zweiten Staffel bereits den fünftbesten Sendeplatz ein. Die Serie, deren Titel eine Anlehnung an das medizinische Fachbuch Gray’s Anatomy darstellt und die sich um das Leben der Assistenzärztin Meredith Grey (Ellen Pompeo) dreht, musste dieses Jahr in ihrer vierten Instanz erneut an Quoten einbüßen und erreichte einen Tiefstand von durchschnittlich 16 Millionen Zuschauern pro Folge. Habe ich mich nach der dritten Staffel noch gehörig über den eingeschlagenen Weg der Serie geärgert, so lässt sich nun sagen, dass dies wohl lediglich ein Affektärger war. Das heißt nicht, dass Grey’s nicht weiterhin eine Mischung aus Scrubs und Sex and the City ist oder zu einem Krankenhaus-Melrose Place verkommen ist, eher das Gegenteil. Der Grey’s-Kosmos dreht sich ausschließlich um das Seattle Grace Hospital, rund 16 Stunden des Tages halten sich die Charaktere dort auf, man sieht sie selten bis gar nicht in einem äußeren Setting.

Schon gar nicht sieht man sie mit Menschen, die nicht zum Krankenhaus gehören, interagieren. Selbst Barmann Joe taucht in der vierten Staffel fast gar nicht mehr auf und auch sonst bestehen die Kontakte der Figuren nur aus Ärzten, Kollegen und Krankenschwestern. Unglaubwürdiger geht es wohl kaum, doch war dies bereits die Krux anderer Serien wie ER, auch wenn jenes zumindest versuchte das Privatleben seiner Ärzte ausführlicher und differenzierter zu zeichnen. Während Serien wie Scrubs es spielend schaffen, viele Momente außerhalb des Krankenhauses zu präsentieren, wird dies bei Grey’s reduziert. Da verwundert es auch nicht, dass Dr. Mark „McSteamy“ Sloan (Eric Dane) seine gesamten (!) Sexualpartner aus dem Krankenhauspersonal aussucht. Auch die anderen Figuren schlafen im Grunde nur mit Angestellten des SGH, was in einer der letzteren Folgen zumindest humoristisch angesprochen wird. Die Macher sind sich ihres Bildes bewusst.

Der positivste Aspekt der vierten Staffel dürfte Meredith Grey sein, hierbei weniger die Figur, als vielmehr die Tatsache, dass die Figur einem weniger auf den Wecker geht, wie noch in der dritten Staffel kritisiert. Die Figur selbst ein Sopranoesker Charakter, sprich eine Figur die seit der ersten Staffel stagniert und sich keinen Deut weiter entwickelt hat. Dies mag sicherlich auch ein Grund sein, weshalb sie mir bitter aufstößt, doch nimmt Rhimes den Charakter glücklicherweise etwas zurück, besonders zu Beginn. Der setzt an die Ereignisse des dritten Staffelfinales an, nachdem George (T.R. Knight) und Callies (Sara Ramirez) Ehe gescheitert ist, versucht der schüchterne George in einer Beziehung mit Izzie (Katherine Heigl). Dass diese schon nach wenigen Folgen scheitert zeugt von der fehlenden Kreativität der Autoren. Da wird im letzten Drittel der vorangegangen Staffel groß auf der Liebe der beiden rumgehackt, nur um diese im ersten Viertel der neuen Staffel wieder zu den Akten zu legen. Ebenso inkonsequent - wie sich im Finale herausstellt – ist die Tatsache, dass George sein Abschlußexamen vermasselt hat und nun sein Assistenzjahr wiederholen darf.

Dass das alles wahrscheinlich nur heiße Luft war, stellt sich in der Doppelfolge Freedom zum Ende heraus. Immerhin räumt es eine nähere Charakterisierung der neuen Figur Lexie Grey (Chyler Leigh) ein, die gemeinsam mit George ausgebildet wird und hierbei der karrieregeilen Cristina (Sandra Oh) zugeteilt ist. Die Einführung von Lexie verdankt sich wohl den Gerüchten um einen Abschied der Pompeo, deren Figur vermehrt als suizidal dargestellt wird. Dank Leighs Engagement könnte man die Serie anschließend weiterhin guten Gewissens als Grey’s Anatomy weiterlaufen lassen. Bedauerlicherweise wird die Beziehung der beiden Halbgeschwister immer nur angedeutet, eine wirkliche Auseinandersetzung von Meredith mit ihrer Schwester vermisst man jedoch. Ebenfalls neues Gesicht ist der Gaststar der beiden vorherigen Staffeln: Dr. Erica Hahn, die den gekündigten Isaiah Washington ersetzt.

Wie immer haben die Figuren der Serie an ihrem Päckchen zu tragen, bei George und Izzie ist es das Scheitern ihrer Beziehung und zum Ende hin Georges Dasein als Assistenzarzt, während seine Freunde erfolgreichere Wege beschreiten. Cristina hat zuerst mit Burkes Abwesenheit zu kämpfen und schließlich mit der Intoleranz der Kardiologin Hahn ihr gegenüber. Callie versucht sich nach ihrer gescheiterten Ehe im Krankenhaus als Leiterin der Assistenzärzte durchzusetzen, muss diesen Posten jedoch wieder an Dr. Bailey (Chandra Wilson) abgeben, die wiederum für ihre Arbeit ihre Ehe opfern muss. Wie so oft gerät der von Justin Chambers wunderbar gespielte Alex Karev etwas ins Hintertreffen, darf erst in den letzten vier Folgen etwas mehr ins Zentrum rücken – über die Rolle des Arsches kommt er (glücklicherweise) nicht hinaus. Es dürfte niemanden verwundern, dass sich bei Grey’s Anatomy weiterhin alles hauptsächlich um die Beziehung von Meredith und Derek Shepard (Patrick Dempsey) dreht. Beide hatten (wieder einmal) im Staffelfinale Schluss gemacht, führen aber ihre sexuelle Beziehung zu Beginn der vierten Staffel fort. Dann wird auch diese beendet, nur um darin zu resultieren, dass sich beide hinterher trauern.

So berechenbar wie die Serie ist, dürfte es nicht überraschend sein, dass beide im Staffelfinale der aktuellen Staffel wieder zusammen kommen (auch wenn ein dramatisches Opening der fünften Staffel sich meiner Ansicht nach ankündigt). Die fünfte Staffel lässt sich bereits zu diesem Zeitpunkt erahnen: Meredith und Derek sind ein paar Folgen zusammen, dann kriegt Meredith wieder Bindungsangst, macht Schluss und am Ende der Staffel kommen beide wieder zusammen. George wird wohl sein Examen bei der Wiederholung bestehen, die Beziehung zwischen Izzie und Alex wieder aufflammen und Cristina irgendeinen neuen Chef vorgesetzt bekommen. Es ist sicherlich bedauerlich zu sehen, dass in Grey’s Anatomy seit Beginn der Serie wenig bis gar keine Entwicklung eingesetzt hat. Da sich die Serie immer noch auf demselben Niveau wie die dritte Staffel bewegt, verdient sie sich auf dieselbe Bewertung. Die beiden gelungensten (jedoch nicht herausragenden) Folgen waren Crash Into Me (1) und Where The Wild Things Are. Für die fünfte Staffel sehe ich sozusagen schwarz, leider.

7/10

25. Juni 2007

Grey’s Anatomy - Season Three

Bereits seit der ersten Staffel wirkte Grey’s Anatomy (eine Abwandlung des medizinischen Einführungsbuches Gray's Anatomy) wie eine Mischung aus Scrubs und Sex and the City, aber in keiner Staffel war dies wohl so deutlich wie in der dritten, wo noch eine gehörige Portion Melrose Place hinzu kam. Besonders gegen Ende der dritten Staffel macht sich das laxe Schreiben von Produzentin Shonda Rhimes bemerkbar, der die Ernsthaftigkeit der Serie anscheinend so zu schaffen macht, dass sie mit der Doppelfolge The Other Side Of This Life kurz vor dem Staffelfinale den Piloten für eine Spin-Off-Serie (Private Practice) um Kate Walsh inszenierte, welche eher in Richtung Ally McBeal gehen wird.

Am Seattle Grace Hospital dreht sich weiterhin alles vormerklich um Sex und Operationen. Während Izzy (Katherine Heigl) noch den Tod ihres Verlobten Denny betrauert und hartnäckig versucht ihre Stelle zurück zu bekommen, werden die Beziehungen von George (T. R. Knight), Cristina (Sandra Oh) und Meredith (Ellen Pompeo) von mehr oder weniger wichtigen Erschütterungen durchzogen. Zwei der jungen Ärzte müssen auch noch mit dem Tod von Elternteilen klarkommen, während die leitenden Chirurgen in einen offenen Wettkampf um den Posten des Chef der Chirurgie getreten sind.

Die beste Neuerung der dritten Staffel ist das Auftauchen von Dr. Mark Sloan (Eric Dane), Derek's ehemaligen besten Freund, mit welchem Addison eine Affäre hatte. Sloan ist der typische schmierige Schönheitschirurg (abgekupfert von Christian Troy aus Nip/Tuck?), der vor allem die Frauenherzen in den USA als neuer "McSteamy" ins Wanken brachte. Doch er gehört leider zu den Figuren, die auch wie Justin Chambers in den Hintergrund rücken, was äußerst schade ist, da besondern Chambers und Dane sehr viel Potential besitzen.

Wie meistens drehen sich die Folgen jedoch um Meredith Grey, was ziemlich oft eine wahre Tortur ist. Ellen Pompeo, dieser magersüchtige Hungerhaken, hat eine grausam-nervige Stimme und die armselige Figur von Meredith wird dadurch nicht besser. In 25 Folgen muss man sich ihre ständige egozentrische Quengelei anhören, ihr ständiges Gefühlschaos, was so überspitzt wird in dieser Staffel, dass es mitunter eine Zumutung ist. Das die Serie gegen Ende zu einem Abklatsch von Melrose Place wird und das Staffelfinale ziemlich läppisch daherkommt (was wohl an den Problemen am Set Anfang des Jahres lag), macht die Serie zu keinem Highlight, sondern reiht sie ein in die Reihe schwacher dritter Staffeln.

7/10