Posts mit dem Label Noah Baumbach werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Noah Baumbach werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

27. Oktober 2017

The Meyerowitz Stories (New and Selected)

Was that a spot?

Künstler sind oft exzentrisch – von Vincent van Gogh bis hin zu Salvador Dali. Hierin liegt wohl auch mit ein Faktor für die Faszination mit jenen Künstlern. Der Bildhauer Harold Meyerowitz (Dustin Hoffman) ist ebenfalls leicht exzentrisch, wenn er im Trenchcoat Sohn Danny (Adam Sandler) und Enkelin Eliza (Grace Van Patten) daheim empfängt. Die Faszination der Kunstwelt mit ihm hält sich inzwischen jedoch in Grenzen. Auch deswegen organisieren Danny und seine Schwester Jean (Elizabeth Marvel) eine Retrospektive für den Vater, der aktuell plant, sein Haus sowie Kunstbestand aufzulösen. Noah Baumbach erzählt in seinem neuen Film The Meyerowitz Stories (New and Selected) in Auszügen aus dem Leben dieser Familie.

Zu ihr gehört auch Matthew (Ben Stiller), der jüngste Sohn Harolds, der aus der Ehe mit seiner zweiten Frau stammt. Er ist der Gegenentwurf zu seinem Halbbruder: Beruflich erfolgreich als Finanzberater genießt er die Zuneigung seines Vaters, auch wenn er diesen in seiner Heimat New York als Angelito eher selten besucht. Danny hingegen hat nur eine gescheiterte Karriere als Pianist vorzuweisen, seit Elizas Geburt hat er gar nicht gearbeitet, sondern war Hausmann. Da die Tochter nun selbst ein Filmstudium beginnt, können auch die Eltern endlich ihre gescheiterte Ehe offiziell machen. Was Danny wiederum obdachlos macht, weshalb er vorerst bei Harold und dessen vierter Ehefrau und Alt-Hippie Maureen (Emma Thompson) unterkommt.

Weitestgehend erinnert The Meyerowitz Stories dabei an eine Mischung aus Woody Allen und Wes Anderson, der Humor ist subtil und nuanciert. Baumbachs Film dreht sich im Kern um die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern. So hat Danny zwar weder eine Arbeit noch eine Bleibe, dafür aber ein sehr inniges Verhältnis zu seiner jugendlichen Tochter, die er bereitwillig bei ihren pornografischen Avantgarde-Kurzfilmen unterstützt. Die Beziehung von Danny und Eliza kontrastiert dabei die von Danny zum eigenen Vater. Von Harold wurde Danny meist außen vor gelassen, was mit dadurch begünstigt war, dass Letzterer zumeist bei seiner Mutter und getrennt vom Vater lebte. Der wiederum konzentriert sein Interesse auf Matthew.

Zwar ist Matthew selbst kein Künstler, kommt aber ganz nach dem Vater. Der Kontakt zu Harold ist ähnlich eingeschränkt wie der zum eigenen Sohn, der bei der Ex-Frau lebt. Per Facetime kommuniziert Matthew zwischendurch, ist aber mehr unterwegs als im Leben des Sohnes präsent. Missgunst von Danny und Jean ist dennoch kaum vorhanden, auch wenn Matthew später vom großen (Halb-)Bruder vorgeworfen wird: “You make me feel real bad about myself.” Noch weniger leicht hatte es Jean, die den Brüdern bei einem offenen Austausch gesteht, sie würden nie nachvollziehen können “what it means to be me in the family”. Obschon weniger geliebt als Matthew sind es trotzdem gerade Danny und Jean, die sich mehr um Harold kümmern.

Der weiß dies wenig zu schätzen, selbst als er im Verlauf stürzt und Zeit im Krankenhaus verbringt. Baumbach nutzt diesen Umstand, um die drei Geschwister, speziell die Brüder, wieder einander näher zu bringen. Dabei steht Adam Sandler im Zentrum, der eine seiner seltenen ernsthaften Rollen spielt und dabei wie jeher überzeugt. Das gefällige Ensemble, zu dem auch Judd Hirsch als Harolds erfolgreicherer Kunstkollege L.J. Shapiro gehört, trägt den Film die meiste Zeit insgesamt sehr gut. Garniert mit kurzweiligen Gast-Auftritten von Sigourney Weaver, Candice Bergen und Adam Driver. Nur wenn The Meyerowitz Stories gegen Ende zeitweilig eine emotionale Richtung einschlägt, fällt speziell Ben Stiller leicht aus dem Rahmen.

Ob es für die Beziehung von Harold zu seinen Kindern zu spät ist, bleibt dabei offen. Zumindest die der Geschwister untereinander wirkt jedoch zum Schluss der Geschichte(n) gestärkt. “It’s always been the same, same old story”, sang Cat Stevens in seinem Evergreen “Father and Son” über das schwierige Verhältnis eines Vaters zu seinem Sohn. Noah Baumbach inszeniert seine Version dieser Beziehung mit seiner gewohnten unernsten Ernsthaftigkeit, der im Vergleich zu seinen letzten Filmen Frances Ha und Mistress America – mit Muse und Freundin Greta Gerwig – etwas die Leichtigkeit fehlt. Exzentrisch genug ist The Meyerowitz Stories aber allemal. Womit ihm eine gewisse Faszination nicht abgesprochen werden kann.

6.5/10

6. Dezember 2015

Mistress America

Five feet to the left and unhappy.

Wenn etwas die Figuren von Noah Baumbachs Filmografie eint, dann ihr Status als Außenstehende am Rande der Gesellschaft. Beobachter des Lebens, Zuschauer des Alltags. Ob in Kicking and Screaming, Greenberg, Frances Ha oder While We’re Young – überall finden sich Charaktere, die ihren Platz in der Welt suchen. Und damit in gewisser Weise auch sich selbst. Figuren, die etwas verloren wirken. Überwältigt von den Möglichkeiten und den daraus resultierenden Erwartungen an sich selbst. Da macht Baumbachs jüngster Film, Mistress America, den er mit seiner Hauptdarstellerin und Freundin Greta Gerwig geschrieben hat, keine Ausnahme. Denn auch er wird bestimmt von solchen Themen wie Unsicherheit und Selbstfindung.

Frisch an die Universität nach New York gewechselt, misslingt der Literaturstudentin Tracy (Lola Kirke) der Anschluss. Ihre Mutter ermutigt sie, sich bei ihrer designierten Stiefschwester Brooke (Greta Gerwig) zu melden. Die lebensfrohe Fitnesstrainerin, die derzeit plant, ein innovatives Restaurant zu eröffnen, hat es Tracy sofort angetan. Als Brooke jedoch ihr Lebensstil in die Parade fährt und ihr die Finanzierung ihres Lebensprojekts abhanden kommt, muss sie sich auf einen Road Trip in die Vergangenheit begeben. Begleitet wird sie dabei von Tracy, die die Situation als Vorlage einer Kurzgeschichte nutzt, sowie von Tracys Kommilitonen Tony (Matthew Shear) und seiner eifersüchtigen Freundin Nicolette (Jasmine Cephas Jones).

Der Einstieg in Mistress America gerät dabei etwas holpriger als der zu Frances Ha. Ein Zugang zu Tracy fällt schwer, ihr Außenseiterstatus wird mehr durch Bilder als Szenen kommuniziert. So isst sie beispielsweise in der Unimensa zu Pizza noch Cheerios. Auch Gerwigs Brooke ist anfangs eine zwiespältige Figur. Enorm von sich selbst vereinnahmt muss der Zuschauer sich ihrem Charakter gegenüber erst erwärmen. Zugleich ist nachvollziehbar, wieso die verloren wirkende Tracy sogleich von Brookes Lebensstil beeindruckt ist. “I could only agree with her”, läutet sie den Film ein. “It was too much fun to agree with her.” Hat man sich jedoch erstmal in die Geschichte eingefunden, läuft diese rund wie ein Schweizer Uhrwerk.

Schnell zeigt sich, dass der Film weniger Tracy als Brookes Geschichte erzählt. Wie bereits Frances in Frances Ha will Brooke etwas Eigenes für sich auf die Beine stellen. “I’ve spent my whole life chasing after things and knocking at doors”, erklärt sie. “I’m tired of running towards people. I want to be the place that people come to.” Dumm nur, dass ihr Lebensgefährte ihr die finanzielle Unterstützung entzieht, nachdem er sieht, dass sie fremdgegangen ist. Nun bleibt Brooke nur ihre Nemesis Mamie-Claire (Heather Lind) um Hilfe zu bitten, nachdem diese ihr einst nicht nur eine Geschäftsidee, sondern auch Freund Dylan (Michael Chernus) ausgespannt hat. “She was the last cowboy”, schwärmt Tracy. “All romance and failure.”

Gerade im zweiten Akt läuft Mistress America zur Höchstform auf, wenn die verschiedenen Lebensentwürfe von Tracy, Tony und Nicolette mit denen von Brooke, Mamie-Claire und Dylan kontrastiert werden. Mit unbekümmertem Unverständnis begegnet die 30-jährige Brooke da den Eifersüchteleien von Nicolette. “There’s no cheating when you’re 18”, klärt sie die Jugendliche auf. “You should all be touching each other all the time.” Für die jungen Leute sind die Älteren zugleich abschreckendes Beispiel und potentielles Spiegelbild einer zehn Jahre entfernten Zukunft. Die hat sich selbst in besonders guter Erinnerung. “I saw Nirvana live”, erklärt Dylan an einer Stelle stolz. Und ergänzt später: “I was the people, people make television shows about.”

Baumbach skizziert eine Welt, in der jeder den Fokus zuerst auf sich selbst richtet. So pflegt Brooke ihre sozialen Netzwerke, um sich selbst anzupreisen und zu bewerben. Welche Ironie, dass ihr Freund gerade dadurch im Ausland mitbekommt, dass sie mit einem anderen rumgemacht hat. Und als ihr eine ehemalige Schulkameradin in einem Bistro vorhält, Brooke hätte sie früher gemobbt, tut diese das als Nichtigkeit ab. “Everyone’s an asshole in high school.” Auch Tracy hat weniger Altruismus als vielmehr Material für ihre Geschichte im Kopf. Schließlich will sie in einen elitären Kreis eines Literaturclubs ihrer Universität aufgenommen werden. In Mistress America gilt über weite Strecken das Motto: Jeder ist sich selbst der Nächste.

“You can’t really know what it is to want things until you’re at least 30. And then with each passing year it gets bigger because the want is more and the possibility is less. Like how each passing year of your life seems faster because it’s a smaller portion of your total life. Like that. But in reverse.”

Am meisten zeigt sich diese Haltung bei Tracy, die ihre Umwelt mehr und mehr ihren Plänen unterwirft. “You used to be so nice”, hält ihr Tony in einer Szene vor. “I’m just the same in another direction now”, entgegnet die ihm. Womöglich färbte auf sie nur das Verhalten ihrer baldigen angeheirateten Schwester ab, und der Wunsch, von der Zuschauerin zur Teilnehmerin zu avancieren. Immerhin bemüht sich Tracy durchaus, den wahnwitzigen Projektwunsch von Brooke, ein Restaurant mit einem Friseursalon und einem Stadtteilzentrum zu kreuzen, am Leben zu erhalten. Nichts so sehr als Basis für ihre Geschichte als aus Zuneigung zu Brooke. Denn selbst wenn sie diese in gewisser Weise als Versagerin sieht, blickt sie aber auch zu ihr auf.

Etwas unrund gerät wiederum der Schluss, der sich zurück auf das Level der ersten 20 Minuten einpendelt. Gut möglich, dass sich diese Kritikpunkte bei Wiederholungssichtungen jedoch auflösen. Ungeachtet dessen vermag Mistress America aber trotz seines Screwball-Charakters mit seinem spritzigen Humor und zahlreichen genüsslichen Dialog- und Monologzeilen nicht ganz so gelungen den Zeitgeist einzufangen wie Frances Ha vor ihm. Dessen Charaktere wirkten zugleich etwas dreidimensionaler als hier der Fall, wo sie bisweilen prosaisch daher kommen. Als Schwesternfilm zu Frances Ha und While We’re Young funktioniert Mistress America aber durchaus vorzüglich, genauso wie als einer der besten Einträge des Filmjahres 2015.

7.5/10

1. August 2015

Filmtagebuch: Juli 2015

ALIVE [ÜBERLEBEN!]
(USA/CDN 1993, Frank Marshall)

7.5/10

AN HONEST LIAR
(USA/CDN/E/I 2014, Tyler Measom/Justin Weinstein)
5/10

ANT-MAN
(USA 2015, Peyton Reed)
6.5/10

BOUNCE
(USA 2000, Don Roos)
6/10

COMMUNITY – SEASON 4
(USA 2013, Tristram Shapeero u.a.)
7/10

COMMUNITY – SEASON 5
(USA 2014, Tristram Shapeero u.a.)
7.5/10

COMMUNITY – SEASON 6
(USA 2015, Rob Schrab u.a.)
7/10

DAWN OF THE DEAD
(USA/CDN/J/F 2004, Zack Synder)
4/10

FAULTS
(USA 2014, Riley Stearns)
3/10

FRANCES HA
(USA 2012, Noah Baumbach)
8.5/10

GREY’S ANATOMY – SEASON 1
(USA 2005, Peter Horton u.a.)
7/10

GREENBERG
(USA 2010, Noah Baumbach)
6.5/10

HIGH FIDELITY
(USA/UK 2000, Stephen Frears)
5.5/10

INDECENT PROPOSAL [EIN UNMORALISCHES ANGEBOT]
(USA 1993, Adrian Lyne)

5.5/10

THE INTERVIEW
(USA 2014, Evan Goldberg/Seth Rogen)
6/10

JUMPER
(USA/CDN 2008, Doug Liman)
5.5/10

KICKING AND SCREAMING
(USA 1995, Noah Baumbach)
6/10

KNIGHT OF CUPS
(USA 2015, Terrence Malick)
7/10

PINEAPPLE EXPRESS [ANANAS EXPRESS]
(USA 2008, David Gordon Green)

5.5/10

PROMETHEUS
(USA/UK 2012, Ridley Scott)
4/10

QUEEN OF THE DESERT
(USA/MA 2015, Werner Herzog)
6.5/10

SLOW WEST
(UK/NZ 2015, John Maclean)
3.5/10

SOURCE CODE
(USA/CDN 2011, Duncan Jones)
6/10

THE TERMINATOR
(USA/UK 1984, James Cameron)
8/10

TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY [DIRECTOR’S CUT]
(USA/F 1991, James Cameron)

6.5/10

TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES
(USA/D/UK 2003, Jonathan Mostow)
1/10

TERMINATOR SALVATION [TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG]
(USA/D/UK/I 2009, McG)

2.5/10

THIS IS THE END
(USA 2013, Evan Goldberg/Seth Rogen)
5/10

TOKYO TRIBE
(J 2014, Sono Sion)
6/10

WAYWARD PINES
(USA 2015, Zal Batmanglij/Tim Hunter u.a.)
7/10

WHILE WE’RE YOUNG [GEFÜHLT MITTE ZWANZIG]
(USA 2014, Noah Baumbach)

7/10

Hannibal Lecter-Series


MANHUNTER [BLUTMOND]
(USA 1986, Michael Mann)

6/10

THE SILENCE OF THE LAMBS [DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER]
(USA 1991, Jonathan Demme)

6.5/10

HANNIBAL
(USA/UK 2001, Ridley Scott)
3/10

RED DRAGON [ROTER DRACHE]
(USA/D 2002, Brett Ratner)

3.5/10

HANNIBAL RISING
(UK/F/I/CZ, Peter Webber)
5.5/10

HANNIBAL – SEASON 1
(USA 2013, David Slade/Guillermo Navarro u.a.)
6/10

HANNIBAL – SEASON 2
(USA 2014, Michael Rymer u.a.)
5.5/10

24. Juli 2015

While We’re Young [Gefühlt Mitte Zwanzig]

Are you filming this?!

Man muss nicht zwingend in seinen Vierzigern sein, um sich mit Noah Baumbachs jüngstem Werk While We’re Young – bei uns als Gefühlt Mitte Zwanzig vertrieben – identifizieren zu können. Ich selbst bin zwar gefühlt Mitte 30 und auch nicht mit Naomi Watts verheiratet, dennoch kann ich gut nachempfinden, was Baumbach hier seinen Figuren – wie bereits in Frances Ha – auf den Leib geschrieben hat. Ben Stiller und Naomi Watts spielen in While We’re Young die Eheleute Josh und Cornelia, sie Anfang, er quasi Mitte Vierzig. Alle ihre Freunde schieben inzwischen Kinderwägen durch New York und besuchen verquere Kita-Musik-Sessions. Nicht so Josh und Cornelia, die in der Vergangenheit bereits zwei Fehlgeburten zu bewältigen hatten.

Beide versuchen das Beste draus zu machen. “I like our life”, meint Josh. Wenn sie wollten, könnten sie morgen spontan nach Europa, hebt Cornelia hervor. Gut, man müsste wohl doch eher einen Monat vorplanen, räumt Josh ein. “A month is still in the realm of spontaneity”, resümiert die Gattin. Eine neue Dynamik gewinnt ihr Leben, als Dokumentarfilmer Josh in einer seiner Hochschulklassen das junge hippe Twen-Ehepaar Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennenlernt. Die nehmen Josh und Cornelia bald mit auf Spaziergänge durch U-Bahn-Tunnel, zu Hip-Hop-Tanzkursen oder Partys mit Halluzinogenen, Kotzkübeln und dem Blade Runner-Soundtrack. In Gesellschaft des jungen Paars fühlen sie sich nun selbst wieder jung.

Zugegebenermaßen betreibt Baumbach diesen Kontrast der Paare etwas mit der Holzhammer-Methode. Wo Cornelia ein eBook liest, blättert Darby durch ein echtes, Jamie schaut VHS-Kassetten, Josh die “Daily Show” auf seinem Smartphone, das alte Ehepaar spielt auf dem iPad, die Jungen derweil mit Brettspielen. Als den Vier ein Wort nicht einfällt, will es Josh per Handy googeln. “No, that’s too easy”, meint Darby. “Let’s try and remember it.” Vielleicht nicht zwingend ein Hipster, besticht Jamie doch neben VHS-Tapes mit einer riesigen Vinyl-Sammlung und schreibt auf einer Schreibmaschine. “It’s like their apartment is full of everything we once threw out, but it looks so good the way they have it”, bemerkt Cornelia später an einer Stelle.

Josh bewundert, wie das junge Paar im Moment lebt, weniger an Erfolg orientiert wie er selbst. Seit acht Jahren arbeitet er an seinem zweiten Dokumentarfilm, der viel zu komplex und kompliziert gerät. Entsprechend harsch fällt die Kritik seines Schwiegervaters (Charles Grodin) aus, selbst ein renommierter Dokumentarfilmer. Joshs bisherige Schnittfassung sei “a 6½ hour film that feels 7 hours too long”. Hinzu kommt, dass jene Doku-Idee, die Jamie entwickelt, sich wider Erwarten Erfolg versprechend entwickelt. Josh kämpft derweil mit Weitsichtigkeit und Arthritis. “It’s weird, you know? I’m at the age where the things you think were only going to happen when you’re older are actually happening.” Der Kinderwunsch erwacht von neuem.

Insofern ist While We’re Young gewissermaßen ein Coming-to-Age-Film, ein Abfinden mit dem eigenen Alter und dem Leben, dass dieses mit sich bringt. “You’re an old man with a hat”, wirft Josh einer seiner Freunde dessen Jugendwahn vor. Und wie sich zeigt, ist die Freundschaft der beiden Paare unterschiedlicher Generation für keines der zwei wirklich gesund, entwickelt sich doch speziell im dritten Akt des Films eine neue Dynamik zwischen den Figuren, die von Diskussionen rund um Waiting for Superman und anderen Dokumentationen inspiriert scheint. Dies wirkt jedoch etwas gezwungen und bringt nicht vollends harmonisch das zu einem Abschluss, was Baumbach in der Stunde zuvor mit viel Charme überzeugend auf die Leinwand bannte.

Etwas zwiespältig gerät da auch der Schluss, so nachvollziehbar er wohl die Katharsis der Figuren begleiten soll. Generell ist While We’re Young aber eine gelungene Komödie über das Älter sein geworden und die Zweifel, die damit einhergehen. Eine konsequente Fortführung von Baumbachs bisherigen Arbeiten wie Kicking and Screaming, Greenberg oder Frances Ha. Vermutlich dürften Zuschauer wie ich, deren Altersgenossen gerade Familien gründen und/oder Häuser bauen sich am meisten in While We’re Young und seinen Hauptfiguren wiederfinden. Aber auch „Erwachsene“ dürften an diesem jovial-juvenilen Selbstfindungstrip ihren Spaß haben, wenn sie sich noch mal wie Mitte Zwanzig fühlen wollen, selbst wenn sie bereits etwas älter sind.

7/10

25. November 2013

Frances Ha

Free chair. Totally normal, really.

Als junger Mensch hat man es heutzutage nicht immer leicht. Bereits vor fast einem Jahrzehnt war von einer „Generation Ratlos“ die Rede, aktuell spricht man von einer Generation ohne Zukunft. Manche hangeln sich von Praktikum zu Praktikum, auf der Suche nach einer festen Anstellung, in einigen Ländern wie Spanien ist es mit der Jugendarbeitslosigkeit sogar noch schlimmer. Die Folge ist eine Orientierungslosigkeit, ein Verlorensein. Dabei will jeder nur partizipieren an der joie de vivre – nur kann dies nicht jeder. Mit sich und ihren Lebensumständen hadert auch die 27-jährige Tänzerin Frances Halliday, gespielt von Greta Gerwig, in Noah Baumbachs Frances Ha, einem erquicklichen Beitrag zum Coming-of-Age-Genre.

Darin beginnt Frances zum Jahresende hin allmählich ihr bisheriges Leben zu entgleiten als sie zuerst aus Loyalität zur besten Freundin und Mitbewohnerin Sophie (Mickey Sumner) ihren Freund verliert, dann Sophie als Mitbewohnerin, schließlich ihren Job in einem Tanzensemble und aus Geldmangel daraufhin ihr aktuelles WG-Zimmer. Vieles hiervon ist sicherlich auch selbstverschuldet, immerhin ist Frances zwar relativ süß in ihrer unbekümmerten Art, aber eben auch chaotisch, tollpatschig und – im positiven Sinne – deppert. Für sie kommt ihre Freundschaft zu Sophie an erster Stelle und die Unzertrennlichkeit der beiden Frauen, für deren Fortbestand Frances ihre Beziehung opfert, bildet den Einstieg in den Film.

“We are like a lesbian couple that doesn’t have sex anymore”, scherzt Frances anfangs noch. Später, als Sophie in New York die Stadtteile von Brooklyn nach Tribeca tauscht, wird sie über das Verhältnis zur Freundin dann in der Tat so sprechen, als wären sie ein Paar gewesen. An der 27-Jährigen ist das Leben scheinbar vorbeigezogen und dennoch steht ihr zumindest laut den anderen Figuren eine, wenn auch ungewollte, Reife ins Gesicht geschrieben. Sie sähe älter aus als die in etwa gleichaltrige Sophie, hört Frances von einer losen Bekanntschaft. “Like…a lot older. But less, like, grown up”. Als sie später darüber mit ihrem Mitbewohner Benji (Michael Zegen) spricht, bestätigt auch dieser: “27 is old though”.

In der neuen WG mit Benji und dessen Kumpel Lev (Adam Driver) blüht Frances kurzzeitig auf – nicht zuletzt, da sie in Benji einen ähnlichen Rumtreiber findet. Dieser arbeitet aktuell an einem Drehbuchentwurf für einen dritten Gremlins-Film, sein Leben finanziert er sich wie einige andere Figuren in Frances Ha – darunter auch Sophie – mittels Darlehen von den Eltern. Frances wiederum hat akut Probleme, die $1,200 Miete für ihr WG-Zimmer zusammenzubekommen – speziell als ihr Engagement in der Weihnachtsaufführung ihres Tanzensembles platzt. Für dieses vermochte sie sich nicht recht zu empfehlen, jüngere Tänzerinnen wie Rachel (Grace Gummer) haben der 27-Jährigen seit langem den Rang abgelaufen.

Seinen Höhepunkt erreicht Frances Niedergang in einem Wochenend-Trip nach Paris, den sie quasi zwischen Tür und Angel beschloss und der – chaotisch wie sie ist – letztlich völlig in die Hose geht. Wenn Baumbach dieses Segment dann mit Every 1’s a Winner von Hot Chocolate unterlegt, ist das natürlich kongenial-ironisch. Dennoch wird die schusselige Figur nie zur Lachnummer degradiert, trotz allerlei amüsanter Wortphrasen, die sie von sich gibt. So plant sie, speziell in Paris endlich mal Proust zu lesen. Wo, wenn nicht da? Wann, wenn nicht jetzt? “Sometimes it’s good to do what you’re supposed to do when you’re supposed to do it”, sinniert Frances entsprechend und macht sich auf in Richtung Frankreich.

Die Figur durchlebt hierbei das Gefühl, vom Leben abgehängt worden zu sein. Ihre Suche nach einer abgesicherten Existenz und zugleich einem gewissen Lebensstandard sowie einer Verwirklichung ihrer Persönlichkeit gerät hierbei zum Spiegelbild einer ganzen Generation. Insofern werden insbesondere diejenigen an Frances Ha Gefallen finden, die sich mit dieser Situation identifizieren können. Es können eben nicht alle Sieger sein, manche müssen auch an der Seite stehen und ihnen applaudieren. Diese Selbsterkenntnis, die Noah Baumbach hier abgeschwächt in Form eines Pilgerschritts als „zwei Schritte vor, einen Schritt zurück“ implementiert, schließt letztlich den Reifeprozess von Gerwigs chaotischem Twen ab.

Diesbezüglich eint den Film zumindest thematisch viel mit Lena Dunhams HBO-Serie Girls, allerdings ohne dessen Sex and the City-Einschlag zu nehmen. Die Ähnlichkeiten zwischen Greta Gerwigs Figur und der von Lena Dunham sind jedoch relativ offensichtlich. Dank der Dialoge aus der Feder von Gerwig und Baumbach gewinnt Frances Ha zudem etwas von dem Charme der frühen Werke von Woody Allen, nicht zuletzt aufgrund der Entscheidung, in Schwarzweiß zu drehen. Dies wiederum, ähnlich wie so manche Szenenatmosphäre, weckt natürlich auch Erinnerungen an die Nouvelle Vague. Am ehesten erweckt der Film aber dennoch den Eindruck, Woody Allen hätte eben eine Doppelfolge von Girls inszenieren dürfen.

Mit Leichtigkeit getragen wird das Endergebnis dann von der wie immer exzellenten Gerwig, die Anfang des Jahres bereits in Damsels in Distress (hierzulande als Algebra in Love veröffentlicht) zu gefallen wusste. Nach Greenberg ist es ihre zweite Zusammenarbeit mit Noah Baumbach und weiß dieses thematisch ebenfalls nicht unähnliche Werk sogar noch zu übertreffen. Trotz seines Inhalts kann Frances Ha ob seiner Stimmigkeit und seines Laissez-faire womöglich als Feel Good Movie 2013 angesehen werden, dies könnte aber auch am Soundtrack rund um David Bowies Modern Love liegen. So oder so zählt Frances Ha zu den Filmen des Jahres und zeigt uns Orientierungslosen dabei, dass wir nicht alleine sein.

8/10