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27. April 2009

Panel to Frame: X-Men Origins: Wolverine

I'm the best there is at what I do, but what I do isn't very nice.

Für die meisten Menschen steht Wolverine wohl sinnbildlich für die X-Men. Und wahrscheinlich ist er tatsächlich ihr zuverlässigstes Zugpferd. Im eigentlichen Sinne ist Wolverine jedoch kein X-Man, zählt er schließlich nicht zu den kreativen Kindern von Stan Lee und Jack Kirby, sondern ist eine Schöpfung von Len Wein und John Romita, Sr. Seine Geburt feierte er in der 181. Ausgabe von The Incredible Hulk im Herbst 1974, als er für die kanadische Regierung den grünen Riesen bekämpfen sollte. Erst ein halbes Jahr später sollte Wolverine, erneut unter Federführung von Wein, zu dem Superheldenteam von Charles E. Xavier stoßen. Über die vergangenen drei Jahrzehnte hinweg hat der mysteriöse Kanadier seine ganz eigene Fanbase entwickelt und unzählige Abenteuer auch abseits der X-Men erlebt. Mit X-Men Origins: Wolverine beschreitet Marvel nun neue Wege, indem sie einem ihrer X-Men Charaktere ein eigenes Spin-Off verleihen. Und wem würde diese Ehre eher gebühren, als dem ambivalenten Logan mit seiner vielschichtigen Vergangenheit.

Es verwundert nicht, dass bereits Regisseur Bryan Singer in seinen beiden X-Men-Ausflügen in einer Nebenhandlung auf Logans Vergangenheit einging. Wobei dies primär hinsichtlich des Weapon-X-Programms der Fall war. Für den Australier Hugh Jackman sollte seine Portraitierung der Kultfigur den Durchbruch im Filmgeschäft bedeuten. Ähnlich wie seine Kollegen (namentlich Tobey Maguire oder Daniel Radcliffe) ist Jackman inzwischen unzertrennlich mit seiner populären Figur verwoben. Dankenswerterweise weiß der Australier jene Figur aber nicht als eine Bürde zu empfinden, sondern als Geschenk. Dementsprechend stand es für Jackman nie in Frage, ein weiteres Mal in die Rolle von Wolverine zu schlüpfen. Das Ende der X-Men-Trilogie sollte noch lange nicht das Ende von Wolverines Geschichte darstellen. Gerade seine Vorgeschichte offenbarte ungeahnte Möglichkeiten. Seien es seine Ursprünge, die Paul Jenkins, Joe Quesada und Bill Jemas von 2001 bis 2002 in der Origin-Reihe aufdeckten oder jenes traumatische Erlebnis des Weapon-X-Programmes, welches brillant von Barry Windsor-Smith 1991 in Weapon X umgesetzt wurde.

In X-Men Origins: Wolverine versuchen Skip Woods und David Benioff nun aus vielen dieser Wolverine-Geschichten ein großes Potpourri zu kreieren. Mit Oscarpreisträger Gavin Hood hinter der Kamera und aufstrebenden Hollywood-Stars wie Ryan Reynolds in kleinen Nebenrollen, versucht der Film in die Phalanx der aktuellen Comic-Verfilmungen vorzustoßen. Da kann das Budget für den Ableger der X-Men schon mal höher ausfallen, als damals für die X-Men selbst. Neben über einem Dutzend Marvel-Figuren finden dann auch Fan-Lieblinge wie Remy LeBeau und Wade Wilson Einzug in den Film, der scheinbar – sollte das Einspiel stimmen – Auftakt einer eigenständigen Trilogie sein könnte. Doch zuvor muss sich Wolverine erst zwei Vergleichen stellen. Kann er mithalten, mit der aktuellen Kino-Superhelden-Riege rund um Iron Man, The Dark Knight und Co.? Und wird er dem Bild gerecht, welches Singer in seinen beiden formidablen Filmen von ihm gezeichnet hat? Schließlich ist von dem Erfolg des Filmes abhängig, ob demnächst auch eigene Spin-Offs für Nebenfiguren wie Gambit oder Deadpool ins Haus stehen. Eines dürfte sicher sein, der Film wird die Comic-Gemeinde sehr zwiespältig zurücklassen.

Der Film folgt zu Beginn dem Werk von Jenkins, Quesada und Jemas. Im britischen Nordamerika, jenem Gebiet, das zwei Jahrzehnte später Kanada sein würde, liegt ein von Krankheit gebeutelter James Howlett in seinem Bett. An seiner Seite sein Freund, der etwas ältere Victor Creed. Als ein Schrei durch die Villa fährt, sieht James’ Vater nach dem Rechten. Ein Gewehrschuss kurz darauf reißt den Jungen jedoch aus seinem Krankenlager. Im Foyer findet er seinen Vater sterbend auf dem Boden. Der Mörder ist Victors Vater. Es ist jenes Erlebnis, welches dafür sorgt, dass James’ X-Gen ausgelöst wird. Aus seinen Handgelenken wachsen Knochenkrallen und die Wut über den Verlust des Vaters bildet den Beginn für James’ eigene Tragödie. Benioff und Woods weichen hier bereits entscheidend von den Ursprüngen Wolverines ab. Kurzerhand wird aus Dog Logan Victor Creed und sein Vater ersetzt John Logan. Was in der Origins-Reihe wahrscheinlich impliziert wurde, wird im Film zur Realität: James und Victor sind Brüder. Doch durch den Mord muss James fliehen, gemeinsam mit seinem Bruder an seiner Seite.

Das generelle Problem ist nicht unbedingt die Abänderung der Origins-Storyline, sondern vielmehr, dass Benioff und Woods explizit James und Victor als Brüder herausstellen wollten. Dummerweise versäumt es der Film in seinen folgenden neunzig Minuten durchgehend auch nur annähernd auf diese Bruderbeziehung der beiden einzugehen. Woher resultiert Victors Abneigung gegen seinen Vater, woher seine Sympathie für James? Wie entwickelte sich die Beziehung der Brüder, nachdem sie von ihrer Verwandtschaft erfuhren? Es ist eine erzwungene Beziehung, welche die Grundlage für jenen Protagonist-Antagonist-Aufbau bilden soll, die X-Men Origins: Wolverine inne wohnt. Betrachtet man den Konflikt der Beiden miteinander, so wird jedoch überdeutlich, dass es die ganz „normale“ Beziehung aus der Comic-Serie genauso getan hätte. De facto ist es auch jene Beziehung, da der Film in der Tat jener Bruderschaft keine sonderliche Tiefe verleiht. Das Intro in den Film ist ohnehin mit Makeln behaftet, die letztlich signifikant für das hauptsächliche Problem der Adaption allgemein stehen. Wo sich Origins jenem Trauma über fünfzig Seiten widmet, opfert Hood kaum mehr als zwei Minuten. Der Nichtkenner des Comics wird die aufgeworfenen Fragen somit schwerlich von selbst beantworten können.

Ähnlich verhält es sich mit dem Vorspann, der wie Watchmen versucht in wenigen Einstellungen die der Geschichte vorangegangenen Epochen zusammenzufassen. Im Gegensatz zu Snyder vermag dies bei Hood jedoch weniger zu gelingen, was nicht nur an der Redundanz der Kriegseinstellungen liegt, sondern auch an dem sehr gewöhnungsbedürftigen Schnitt. Anschließend geht das Dilemma gleich weiter. Es schadet dem Film ungemein, dass er versucht viele Handlungsstränge um Wolverine in seine Geschichte einzugliedern. Dies hat zur Folge, dass jenen Handlungssträngen nur wenige Minuten Leinwandzeit geschenkt werden, die in keiner Weise offenzulegen vermögen, welche Bedeutung sie für die Figur haben. So wird so knapp wie möglich in der ersten Viertelstunde eine Spanne von 130 Jahren überwunden, wobei der Team-X-Episode nur wenig mehr Zeit geschenkt wird, als Wolverines Jugend. Erneut dient die Sequenz einzig der Etablierung eines Handlungselements, indem neben Major William Stryker (Danny Huston) auch die übrigen Mitglieder des Teams wie Wade Wilson (Ryan Reynolds), Fred Dukes (Kevin Durand), Agent Zero (Daniel Henney), Bolt (Dominic Monaghan) und Wraith (Will.i.am) eingeführt werden. Für einige der Mitglieder hat sich die Anwesendheit im Film mit jener kurzen Sequenz im Grunde auch fast schon wieder erledigt.

Auch im Verlaufe des Filmes wird immer wieder ein neues Kapitel im Leben von Wolverine (Hugh Jackman) aufgeschlagen, ohne dass jene Kapitel eine nähere Betrachtung erfahren. Beispielsweise beginnt Stryker in der Mitte des Filmes plötzlich James „Logan“ zu nennen, ohne das im Film – da ja die Namensgebung durch die Origins-Serie entfällt – darauf eingegangen wird, wieso Logan nun „Logan“ heißt. Solche inhaltlichen Fragen wirft der Film öfters auf, auch hinsichtlich der Kampfführungen von Gambit und Deadpool. Ohne Frage hapert es in X-Men Origins: Wolverine an der Quantität des Inhalts und dem geringfügigen zeitlichen Rahmen für diesen Inhalt. Die Aufnahme von Logans Ursprung, den Erfahrungen mit Team X, Weapon X und die Beziehung zu Silver Fox (Lynn Collins) führen dazu, dass all diesen Episoden kaum mehr Raum als wenige Minuten eingeräumt wird. Die Hektik mit der Wood und Benioff hier durch Logans Leben schreiten, stört dabei das Eintauchen in sein Universum ungemein. Wo der Fan leicht verschmerzt das Gesicht verzieht, wird der Comic-fremde Zuschauer sicher gelegentlich verwirrt die Stirn runzeln.

Dies betrifft nicht minder die Vielzahl an Charakteren, die im Film meist nicht über den Status des Stichwortgebers hinauskommen. Sei es Fred Dukes alias Blob, Wraith, Bolt oder Emma Frost. Sie alle sind im Grunde reine Staffage, denen es obliegt in einem Moment der Handlung diese durch eine kurze Handlung oder einen Satz etwas in die richtige Richtung zu stoßen. Das ist in manchen Fällen mal mehr (Emma Frost) und mal weniger (Bolt) ärgerlich. Mit Charaktertreue nehmen es Benioff und Woods ohnehin nicht so genau. Da werden Mutantenfähigkeiten mal eben ausgetauscht (was anschließend zu unnötigen Wendungen führt) und etwaige Figuren auf einmal zu Brüdern und andere zu Schwestern. Die Spitze des Eisberges bildet dann die Pervertierung von Deadpool, der kaum noch etwas mit seinem Comic-Pendant gemein hat. Zwar gestattet der Film Reynolds zu Beginn noch einige Charakteristika des „merc with a mouth“, doch wie sich die Figur anschließend entwickelt, ist enorm enttäuschend. Wenn schließlich Agent Zero mehr Präsenz zeigen darf, als die – extra eingefügten – Fanlieblinge Gambit und Deadpool, spricht das nur für die Probleme, die X-Men Origins: Wolverine aufwirft. Allerdings ist diese etwas respektlose Einbindung von Figuren bereits in den Vorgängern (Sabretooth/X-Men, Lady Deathstrike/X2, Angel/X-Men: The Last Stand) zutage getreten.

Am erwähnenswertesten wäre noch der Auftritt von Gambit anzuführen, dessen Darstellung durch Taylor Kitsch durchaus zu gefallen weiß. Nach fulminantem Auftritt wird ihm (auf wie oben angesprochen schwer nachvollziehbare Weise) die Luft aus den Segeln genommen, um ihm später in einer etwas unpassenden Han-Solo-Referenz ausklingen zu lassen. Aber auch Gambit kommt nicht umhin, das Schicksal der anderen Figuren, unter ihnen auch Scott Summers, zu teilen. Er ist letztlich nur Mittel zum Zweck für die eigentliche ménage à trois des Filmes. Dieser steht ganz unter dem Zeichen von Logans Rivalität mit Victor Creed (Liev Schreiber) und Stryker. Es ist der einzige Nebenplot, dem sich Hood wirklich ausgiebig widmet, selbst wenn er inhaltlich vormerklich Singers X2 folgt, denn den Motiven, die Windsor-Smith in Weapon X eingeführt hat. Zwar wird nicht unbedingt klar, welche Motivation Creed und Stryker antreibt (z.B. weshalb Team X sich aufgelöst hat), doch ist es zuvorderst die Rivalität zwischen Logan und Creed, die den Film zusammenhält. Bedauerlicherweise enttäuschen jedoch gerade (aber nicht nur) die Kampfszenen der beiden, die stets primär von einer Partei dominiert werden. Hier ist die Auseinandersetzung auf der Freiheitsstatue in X-Men sehr viel ausgeglichener und ansehnlicher choreographiert. Wobei Hoods Film nicht explizit deutlich macht, dass es sich bei Creed um dieselbe Person handelt, wie in Singers Sabretooth. Schließlich nimmt man es auch sonst bei den Charakterdarstellungen nicht immer sonderlich genau.

Doch X-Men Origins: Wolverine hat auch seine guten Momente, selbst wenn diese im Vergleich zu den Fehlern ehern geringfügiger auftreten. So ist die Besetzung generell als gelungen zu betrachten. Speziell Liev Schreiber geht in seiner Rolle des sadistischen Victor Creed vollends auf und auch Reynolds verleiht in seiner kurzen Zeit dem Charakter von Wade Wilson Leben. Ähnlich verhält es sich mit Durand, Will.i.am und Kitsch. Dagegen bleiben Jackman und Huston etwas blass und wissen wenig vom Innenleben ihrer Figuren preiszugeben. Besonders schade ist dies bei Logan, um dessen traumatische Erlebnisse sich schließlich der gesamte Film dreht. Collins hingegen agiert in ihrer Rolle als Silver Fox nicht mehr als nötig. Es ist zudem nicht unbedingt naheliegend, dass sie eine kanadische Blackfoot spielt, weshalb man auch hätte in Erwägung ziehen können, Q’Orianka Kilcher an ihrer Stelle zu besetzen. Das Ensemble selbst kann man jedoch kaum für das Versagen des Filmes verantwortlich machen, dafür ist vormerklich das schwach ausgearbeitete Drehbuch von Wood und Benioff verantwortlich.

Überraschenderweise sind es nicht die Actionszenen von Wolverine, die im Film beeindrucken. Vielmehr trumpfen hier die Sequenzen um Agent Zero, Wade Wilson und Gambit auf, während Logans Intermezzi eher eine Enttäuschung darstellen. Hierzu ist auch der Finalkampf zu zählen, dessen ganze Ausgangsbasis ohne sehr kritisch zu betrachten ist und nur das i-Tüpfelchen auf den Fehlern des Filmes darstellt. Viele der Choreographien wirken etwas einfallslos und ihre Inszenierung nicht immer ganz sauber. Die Effekte sind solide, schwanken jedoch in vereinzelten Fällen. Ist Durands Transformation zu Dukes bzw. dem Blob sehr nett geraten, so wirkt Emma Frosts Diamantüberzug doch etwas billig (selbst hinsichtlich Colossus’ schon nicht ganz sauberer Transformation in den beiden indirekten Vorgängern). Gavin Hood zeigt zudem, dass er nicht Bryan Singer ist, selbst wenn er dessen gelungene, liebevolle Gimmicks bisweilen versucht zu imitieren und in den Film einzubauen. Da darf natürlich auch Logans Adamantium-Mittelfinger nicht fehlen. Sehr schön – wobei wohl nur für Fans zu identifizieren – sind die Anspielungen an die Comics geraten. Da trägt Stryker einmal ein Kreuz an seinem Jacket und Logan darf seine Gegenüber „bub“ nennen. Für die Selbstironie der singerschen Filme reicht es dann aber doch nicht.

Was von X-Men Origins: Wolverine bleibt, ist ein Film, der sich trotz seines Prequel-Status’ konsequent an Brett Ratners misslungenen Abschluss der Trilogie anschließt. Es schadet dem Film eine mehr als ein Jahrhundert umspannende Geschichte erzählen zu wollen, da hier weder die Origins-Storyline, noch die Episoden um das Team X oder Weapon X entsprechend gewürdigt werden. Zudem verstört der Umgang mit den einzelnen Figuren, bei denen manche Abänderungen gar eklatant sind. Die Rahmenhandlung des Filmes wirkt ob ihrer Fülle oft ziemlich gehetzt, sodass man nicht wirklich in das Geschehen einzutauchen vermag. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen. Denn so ist der Wolverine-Ableger bedauerlicherweise nicht mehr als ein durchschnittlicher Abklatsch, der aus fantechnischen Gesichtspunkten sogar zu enttäuschen weiß. Damit gliedert sich Hoods Film in die aktuelle Welle misslungener Comicverfilmungen von The Spirit über Watchmen bis hin zu The Dark Knight ein. Es ist offensichtlich, dass für die Studios die Anpassung des Geschehens an die Sehgewohnheiten des angestrebten Mainstreampublikums Priorität besitzen. Dass dies den zu erzählenden Geschichten oft zuwider läuft, merkt man den Filmen wie in diesem Fall allerdings an. Wünschenswerter wäre eine getreuere Adaption mit stärkerem Fokus auf einen einzelnen Aspekt. Aber da Comic-Verfilmungen inzwischen das Genre finanziell zu dominieren scheinen, bleibt dies wohl auf nicht absehbare Zeit vorerst zumindest noch Wunschdenken.

4.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

2. August 2008

Fireflies in the Garden

What’s your damage? 

Familien sind das Gut der Menschen, im Notfall halten sie zusammen, ein kleines behütetes Machtzentrum. Dieses kann sich jedoch auch nach außen kehren, die Familie zum eigenen Feindbild werden und sich dabei wie eine Supernova langsam zu Grunde richten, wie auch ihre Umgebung. Die Entscheidung Familien zu gründen, ist dem Menschen von der Natur mitgegeben, dabei ist meist die Mutter die Person, der die zentrale Rolle zukommt. Im klassischen Sinne einer Familie glänzt der Vater durch Abwesenheit, um seine Liebsten durchzubringen. Dies hat zur Folge, dass die Kinder oftmals keine richtige Bindung zu dem gestressten Familienoberhaupt aufbauen können und sich verstärkt an die Mutter wenden. Letzen Endes führen solche Momente oftmals zur allgemeinen Distanzierung der Familienmitglieder, die Kinder fühlen sich vom Vater nicht geliebt, die Frau von diesem vernachlässigt und jener selbst vom Rest unverstanden. Dieses Bild entspricht dem Klischeebild einer Familie und ist nicht unbedingt die Regel, sondern eher noch die Ausnahme. Gerade die Amerikaner haben zumindest was Medien anbelangt dieses Klischee scheinbar gefressen. Seien es Romane oder Filme, allzu gerne wird auf jenes Klischeebild zurückgegriffen.

Söhne scheitern an den Erwartungen ihrer Väter, trotz Blutbande ist kaum noch Nähe vorhanden. Wenn dann auch noch das entscheidende Bindeglied wegfällt, ist es oftmals um das Glück der ganzen Familie geschehen. Angerissen hat dies zum Beispiel der verstorbene Ted Demme in seinem Meisterwerk Beautiful Girls, doch auch in vielen, unzähligen anderen Werken taucht diese Thematik auf. „Für mich sind Mütter wie Bilderrahmen, die ein Bild zusammenhalten“, sagt Dennis Lee, Autor und Regisseur von Fireflies in the Garden. Jener Film, mit dem Lee sein Spielfilmdebüt gibt, wird gerne als semi-autobiographisch beschrieben. Dies findet sich in der Tatsache begründet, dass Lee seine eigene Mutter vor einigen Jahren bei einem Autounfall verlor und dies nun in seine Geschichte eingewoben hat. Abgesehen davon ist die restliche Handlung jedoch fiktiv.

Regen prasselt auf die Windschutzscheibe und eine kleine Hand presst sich ans Fenster. Dieses kurze, harmonische Bild wird zugleich unterbunden indem Vater Charlie (Willem Dafoe) seinen Sohn Michael (Cayden Boyd) anherrscht die Hand von der Scheibe zu nehmen. Wo er seine Brille gelassen habe, wird Michael vom Vater gefragt, zugleich mit Worten wie „Klugscheißer“ beschimpft und letztlich gar aus dem Wagen geworfen. Schon nach wenigen Minuten dürfte auch der hinterste Kinozuschauer begriffen haben, dass mit Charlie nicht gut Kirschen essen ist. Er ist ein rigoroser, strenger Vater und zählt zu der Kategorie, die ihre Aufopferung für die Familie von dieser nicht anerkannt sehen. Dagegen kann auch Ehefrau Lisa (Julia Roberts) nicht viel machen, sie ist das klassische Frauchen, welches schön dem Patriarchen folgt und nach dem zweiten Mal die Widerworte runterschluckt. Regisseur Lee hat die Bühne für seine Familie Waechter bereitet, die jedoch aus unerfindlichen Gründen in der deutschen Fassung Taylor heißt, eine Erklärung diesbezüglich findet sich jedoch nicht einmal im Presseheft.

Diese Szene bildet den Auftakt für einen Sommer, der den jungen Michael und alle anderen Protagonisten noch lange Zeit verfolgen wird und sich in der Haupthandlung widerspiegelt. Einige Jahre später kommt Michael (Ryan Reynolds), inzwischen erfolgreicher Autor von Liebesromanen, in seine Heimatstadt zurück. Seine Mutter hat ihren Hochschulabschluss nachgeholt und lädt zu ihrer Abschlussfeier. Doch diese wird sie nie erreichen. Die Autofahrt endet schließlich tödlich für sie, als ihr Neffe Christopher urplötzlich auf die Straße rennt. Was als Feier für die Familie geplant war, verkommt zur Beerdigung. Michael trifft nicht nur auf seinen herrischen Vater, sondern auch auf seine Tante Jane (Emily Watson) und seine Schwester Ryne (Shanhon Lucio). An alter Wirkungsstätte brechen dann auch wieder die Erinnerungen an jenen ereignisreichen Sommer wieder hoch – jene Ereignisse, über die Michael in seinem neuen Buch schreibt.

Lee, der 2003 mit dem Studenoscar für seinen Kurzfilm Jesus Henry Christ ausgezeichnet wurde, konnte für seinen Debütfilm eine halbe Million Dollar von Verwandten und Freunden leihen. In Hollywood hatte niemand Interesse gehabt, sein Drehbuch zu verfilmen. Kurz vor seinem Independent-Start erhielt Lee dann einen Anruf aus Deutschland. Marco Weber, Chef von Senator Entertainment, wollte sein Drehbuch produzieren – genauso wie es war. Sicherlich eine Seltenheit in der Traumfabrik Hollywood und eine, die obschon großflächig breitgetreten, auch hier Erwähnung finden soll. Senator Entertainment möchte das neue respektive alte Miramax werden, eine Produktionsfirma für hoffnungsvolle Filmemacher, die hier (finanzielle) Unterstützung erfahren sollen. Somit wurde Lees Budget von $ 500.000 auf $ 7.500.000 angehoben und ein internationales Ensemble rund um Stars wie Julia Roberts, Ryan Reynolds und Willem Dafoe verpflichtet. Äußerst löblich ist das ganze und von Danny Moder als Kameramann und Javier Navarette als Komponist auch mitunter elegisch verpackt worden.

Wirklich neu ist es jedoch auch nicht und so tiefgründig und emotional wie es gerne sein möchte schon gleich gar nicht. Der herrische Vater, der ungeliebte Sohn, die zum Zusehen verdammte Mutter – das kommt einem nicht nur bekannt vor, dass ist einem auch bekannt. Wenn Ryan Reynolds – der nebenbei bemerkt hier eine seiner eindrucksvollsten Leistungen abliefert – seinen Cousins erzählt, dass er seit jenem Sommer der beste Freund von ihrer Mutter ist, kann man das nicht wirklich glauben. In den Rückblenden zwischen Michael und Jane (Hayden Panettiere) ist davon, außer einer nächtlichen Hilfeleistung kaum was zu sehen. Dass Jane in besagtem Sommer mit einem Geheimnis zu den Waechters/Taylors kam, besagt zwar der Kurzinhalt, welches Geheimnis das aber war, erschließt sich im Film nur subtil, ich selbst musste im Presseheft nachschlagen, ehe es mir bewusst wurde. Dies steht nur für eine der vielen Ungereimheiten, die Lees Werk zu bieten hat, von denen die frivolste wohl aber die Tatsache ist, dass die junge Jane scheinbar Vegetarierin war, jedoch keine Probleme hatte Fische mit Silvesterkrachern in die Luft zu jagen. Auch den im Titel vorkommenden Glühwürmchen wird im Film übel mitgespielt.

„Alle Frauen haben etwas gemeinsam: Sie müssen ihre Stimme finden“, erläutert Lee und meint damit die Damenriege von Jane und Lisa, bis hin zu Ryne und Michaels Ex-Frau Kelly (Carrie-Anne Moss). Auch dies erschließt sich dem Zuschauer beim bloßen Sehen nicht wirklich, zu sehr wird die Geschichte vom Vater-Sohn-Konflikt getragen. Welchen Reifeprozess Jane in besagtem Sommer durchgemacht hat wird dabei nur etwas besser klar, wie der von Kelly, deren Figur ohnehin äußerst blass bleibt. Der Film möchte eine echte, eine reale Handlung erzählen, von Momenten, mit denen sich jeder Zuschauer identifizieren kann. Worum es jedoch am Ende ging, in Lees Geschichte, versteht man beim Abrollen des Abspanns allerdings nicht. Was jenen Sommer so dramatisch für die Beteiligten machte und ihre Katharsis auslöste, wird zu wenig beleuchtet und daher nicht nachvollziehbar. Das aufgesetzte Happy End verstört da nur noch mehr, da es nicht aus der gezeigten Handlung her resultiert und deshalb immer schon existiert haben müsste. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Lee einige Kürzungen vorgenommen hat, denn sonst müsste man ihm schlampiges Schreiben vorwerfen. Wenn er jedoch darauf setzt, dass das Publikum mit seinen Figuren mitfühlt, muss er diese besser beleuchten, als er es tut.

Wieso sind Jane und Michael so gute Freunde? Und warum hat er mit seiner Schwester keine so intensive Beziehung? Was ist die Dramatik in seiner Ehe? Wie verliefen die Jahre zwischen Vater und Sohn nach dem Sommer, denn scheinbar verliefen sie sehr viel anders (oder auch nicht), wie die finale Einstellung zeigt. Manchmal kann ein schöner Bilderrahmen ein Bild aufwerten, bei näherer Betrachtung verschwindet jedoch der Rahmen und was bleibt, ist das Bild. Wenn das Bild dann nicht überzeugt, rettet auch der schönste Rahmen nichts mehr. Lees Film krankt an seinen Klischees, derer er sich bedient, die Figuren und die Geschichte werden dabei nicht ausreichend beleuchtet. Inszenatorisch ist das ganze aber relativ ordentlich inszeniert, Reynolds, Defoe und Watson können neben den Jungdarstellern überzeugen. Dagegen bleiben Panettiere, Moss und Roberts relativ blass – von Ioan Gruffud, dessen Rolle so nichtssagend wie unnötig ist, ganz zu schweigen. Fireflies in the Garden scheitert letztlich nicht mal unbedingt an seinen Ambitionen, sondern daran, dass er nichts zu sagen hat. Am Ende sei noch erwähnt, dass man den Film nicht unbedingt im Kino sehen muss, da er in vier Wochen – auch hier sind die Gründe unerfindlich – bereits auf DVD erscheinen wird. 

5.5/10

19. April 2008

Kurz & Knackig: Friend or Foe

Rendition

Seltsamerweise wurde der Film als er erschien sehr schlecht aufgenommen, zumindest recht verhalten. In der Bloggersphäre finden sich auch nicht viele Reviews zu ihm. Daher waren meine eigenen Erwartungen relativ gering, da ich zudem Reese Witherspoon nicht wirklich ertragen kann. Erzählt wird die Geschichte des in Amerika lebenden Ägypters Anwar El-Ibrahimi (Omar Metwally), der nach einem Selbstmordanschlag in Marokko von der CIA verdächtigt wird, mit dem Initiator der Attacke - bei der sie einen Mann verlor - namens Rashid in Kontakt gewesen zu sein. Anwar wird nach einem Flug aus Südafrika einfach abgeführt und von der Passagierliste gestrichen, seine Frau (Witherspoone) erfährt nichts über seinen Verbleib. Während sie mit ihrem ehemaligen Collegefreund (Gyllenhaal-Schwager Peter Sarsgaard), der für einen Senator arbeitet, versucht Informationen über seinen Aufenthaltsort herauszufinden, wird der bei der Attacke anwesende CIA-Analysist Freeman (Jake Gyllenhaal).

In einem Nebenstrang wird auch noch Abasis zerrüttetes Familienverhältnis erzählt. Basieren tut die ganze Geschichte auf dem wahren Fall von Khalid El-Masri, der für den Terroristen Khalid Al-Masri gehalten wurde. Sehr gelungen zeigt Oscarpreisträger Gavin Hood, der hier nebenbei bemerkt mit weiteren Preisträgern (Witherspoone, Meryl Streep, Alan Arkin) arbeitet, die amerikanische Überstellung von Terrorverdächtigen (extraordinary rendition), kulminierend in der schönen Aussage von Streeps Charakter, dass die Vereinigten Staaten keine Folter betreiben würden. Gyllenhaals Figur steht hierbei symbolisch für die freie, nicht-amerikanische Welt, die sich angewidert von deren Methoden abwendet. In der Mitte schwächelt der Film etwas und Witherspoones Figur hätte im Grunde von jeder x-beliebigen Actrice dargestellt werden können, dennoch weiß er sehr viel besser zu gefallen, als Redfords langweilige und sich im Kreis drehende Parabel. Am Ende überrascht Hood schließlich noch mit einem sehr gelungenen Plot Twist, der positiv überrascht.

7/10

Lions for Lambs

Robert Redford entführt zu einer Lehrstunde über Eigeninitiative und Kriegstreiberei. Zwei Drittel seines Filmes bestehen aus Dialogen, meist zwischen zwei Dialogpartnern, das letzte Drittel beschäftigt sich mit zwei Soldaten in feindlichem Gebiet. Um was geht es? Bobby Redford lädt seinen Elitestudenten zu einem Gespräch ein, weil der nicht mehr in dessen Seminar erscheint. Da geht Bobby gleich die Hutschnur hoch, hat er doch einst zwei andere Elitestudenten an die US Army verloren und nun kämpfen die beiden in Afghanistan für falsche Ideale. Ebenjene beiden Soldaten widmet er sich dann in der zweiten, parallel erzählten Episode. Ein genialer Schachzug zur Einnahme eines Hügels läuft wider Erwarten schief und beide G.I.’s stürzen in Taliban-Gebiet ab. Kann Peter Berg als leitender Offizier rechtzeitig einschreiten? Bei besagtem Einsatz handelt es sich um einen Plan des republikanischen Senators Irving (wie immer mit Zahnpastagrinsen: Tom Cruise). Dieser eröffnet einer Journalistin (Meryl Streep) in einem Exklusivinterview von Amerikas Plan den Kampf gegen den Terror zu gewinnen.

Die ganze Schose dauert dann etwa 80 Minuten, irgendwie frag ich mich jedoch, was das ganze da eigentlich soll, erzählt einem Redford in seinem Film null Komma nichts, was man nicht bereits im Vorfeld wusste. Was ist falsch mit meinem Land, warum zeigt der einzelne nicht mehr Bereitschaft etwas zu verändern? Larifari, Pustekuchen. Redford als idealisierter Uniprofessor versucht seine Schäfchen zu selbstdenkenden Individuen zu erziehen und wenn diese dann eine Entscheidung fällen (siehe die G.I.’s) passt es ihm doch wieder nicht. Cruise wiederum darf in seiner von ihm gewohnten Art die Streep zusammenstauchen, Kampf gegen den Terror, koste es was es wolle. Lions for Lambs führt eigentlich nirgendwo hin, vor allem deswegen, weil die Menschen, die Redford erreichen will mit seinem Film, diesen ohnehin nicht (freiwillig) ansehen. Und diejenigen, die es tun, waren bereits vorab informiert. Zum Glück hat das alles dann nur 80 Minuten gedauert, alles darüber hinaus wäre Zeitverschwendung gewesen.

5/10

The Brave One

In München kann man kaum noch in die U-Bahn steigen, ohne von Jugendlichen halb tot geprügelt zu werden und selbst Fahrten auf der Autobahn sind inzwischen lebensgefährlich. Da wundert es nicht, wenn auch die Radiomoderatorin Erica (Jodie Foster) nach einem Überfall auf Leib und Leben mit einer Wumme durch die Gegend spaziert und alles niedermäht, was ihr an den Kragen will. Doch der gewitzte Polizeiermittler (Terrence Howard) ist ihr, der Rächerin der Strassen, bereits auf der Spur. Neil Jordan würzt das ganze dann noch damit, dass er Jäger und Gejagten eine leichte Romanze aufbauen lässt, kulminierend in einem unsäglichen Finale, das irgendwie perfekt zur ganzen Rahmenhandlung passt. Das treffende Wort ist bizarr, wenn man sich damit auseinandersetzt, dass die gute Erica vierzig Jahre in New York gelebt hat, ohne je - zumindest hat es sehr stark den Anschein - mit Gewalt konfrontiert worden zu sein.

Doch als man sie Komareif prügelt und ihren indisch-stämmigen Freund (Naveen Andrews) umbringt, ist sie so gebrandmarkt, dass sie sich eine Waffe besorgt. Und holla die Waldfee, auf einmal kann sie nicht mal mehr in die Drogerie gehen, ohne dass sie sich Gewalttätern gegenüber sieht. Erica in Drogerie: Gewalt. Erica in U-Bahn: Gewalt. Eine vierzigjährige gewaltfreie Frau trifft aus heiterem Himmel überall auf Gewalt? Man man man, was hat sich Jordan dabei nur gedacht, dazu die Figur von Howard, der Polizist der sein Vertrauen in das Rechtssystem verliert und daher frustriert seiner Arbeit nachgeht. Irgendwie wieder so ein Film, den eigentlich keiner braucht - am wenigsten die Foster. Immerhin nicht so überzogen wie der unerträgliche Death Sentence.

3.5/10

Smokin’ Aces

Der Trailer machte lange Lust auf mehr, hauptsächlich da er geschickt zusammen geschnitten war, außerdem vereinte der Film erneut Regisseur Joe Carnahan und Ray Liotta, die bereits bei Carnahans Geheimtipp Narc zusammen gearbeitet hatten. Die Story um den Mafiazeugen Buddy Israel (Jeremy Piven), der von einer Horde Kopfgeldjäger umgelegt werden soll, biedert sich auch recht interessant an. Mit dem Film feierte Ryan Reynolds schließlich seinen Durchbruch als Action“star“, zudem gab es die Leinwanddebüts der beiden R’n’B-Künstler Alicia Keyes und Common zu bewundern. Carnahans Film ist im Grunde nichts, als ein großer Zirkus mit offenen Toren. Die Tremor-Brüder, Georgia Sykes und ihre schräge Freundin Loretta, Buddy Israel und der total bekloppte kleine einäugige Karatejunge, fügen sich selbstverständlich zu keiner Handlung zusammen.

Vielmehr feiert Carnahan kleine Momente, die für sich genommen durchaus reizvoll sein könnten, zusammengefügt aber eine Anhäufung von sinnlosen Szenen ergeben, die keinem höheren Zweck dienen. Wieso, weshalb, warum - alles Fragen, auf die dieser Film keine Antwort bietet. Carnahan zelebriert vielmehr style over substance, doch auch seine furiose Schnitttechnik, die vielleicht der XBox-Generation eine Erektion beschert, kann hier kaum etwas retten. Der Film ist anstrengend und unglaublich ermüdend, selbst wenn er damals in der Sneak doch besser zu gefallen wusste. Damals fand ich das ernste Ende sehr unpassend, bei der zweiten Sichtung muss ich aber sagen, dass die finale Auflösung eigentlich das einzig Gute an dem ganzen Vehikel ist und das alternative Ende gescheiterweise außen vor gelassen wurde.

3/10

19. März 2008

Definitely, Maybe

What's a threesome?

Man schrieb das Jahr 1998 und eine kleine Serie wurde aus dem Boden gestampft, die da hieß: Two Guys, a Girl and a Pizza Place. Diese hatte neben sympathischem Humor und netten Geschichten (zumindest in den ersten beiden Staffeln) auch zwei Schauspieler aufzubieten, von denen damals wohl kaum einer dachte, dass sie ihr heutiges Standing erreichen würden. Als schräger Medizinstudent Berg stolzierte Ryan Reynolds über den Bildschirm, sich für keinen Ekel zu schade, was Reynolds dann auch in so Filme wie National Lampoon’s Van Wilder oder dem Remake von The In-Laws weiterführte. Von diesem eher ärmlichen Humor schien er sich dann mit Blade: Trinity entfernen zu wollen und untermauerte seinen Action-Held-Status anschließend mit Joe Carnahans Smokin’ Aces.

Inzwischen gab er in Gavin Hoods Wolverine den Deadpool, demnächst für Martin Campbell den Green Lantern und dazwischen war er mit Scarlett Johansson verheiratet. Wer hätte das 1998 von Berg gedacht? Und auch der etwas naive Johnny, gespielt von Nathan Fillion, entwickelte sich zu einer Art Kultschauspieler, nicht zuletzt dank seiner Rolle als Malcolm Reynolds in Firefly/Serenity. Selbst die kleinste Nischen-Sitcom kann somit Stars oder zumindest Sternchen produzieren, in diesem Fall den guten Mr. Reynolds der in Definitely, Maybe genreuntypisch als männlicher Protagonist Zentrum einer Jahrzehnte umspannenden Liebesgeschichte ist. Die Story: Aus welcher seiner drei ernsthaften Beziehungen resultierte schließlich seine neugierige 10-jährige Tochter Maya (Abigail Breslin)?

Weshalb Sexualkundeunterricht die Frage nach sich zieht, wieso sich Dad von Mum hat scheiden lassen, erschließt sich einem nicht, bildet jedoch den Aufhänger für eine Liebesgeschichte, die einst mit Bill Clinton begann (wie viele Liebesgeschichten können das schon von sich behaupten?). Der in die Großstadt flüchtende Will verliert schließlich durch die Distanz seine College Freundin Emily (Elizabeth Banks). Die zweite Beziehung zu der Journalistin Summer (Rachel Weisz) scheitert an beruflichen Differenzen und die dritte Beziehung zu April (Isla Fisher) ist ohnehin über Jahre von freundschaftlicher When Harry Met Sally Natur. Für die kecke Maya stellt sich also die Frage, wie sich ihr Vater und ihre Mutter ursprünglich ineinander verliebt haben und weshalb sie sich folglich scheiden lassen.

Da eine einfache Antwort des Vaters an die Tochter keinen ganzen Film ausfüllen würde, wird das ganze investigativ verpackt und Maya darf es selbst rausfinden. Hierbei wird sie feststellen, dass Beziehungen und die Liebe nicht immer so einfach sind, wie man sich das vielleicht denkt. Die hier aufgezeigten Probleme sind natürlich nicht sonderlich einfallsreich, ebenjene Distanz, das Auseinanderleben beendet die eine Beziehung, die Kollision von Beruf und Privatleben dann später die zweite und die dritte wiederum wird von wechselnden Gefühlswandlungen zu verschiedenen Zeiten blockiert. Insgesamt werden hier typische Beziehungsformen abgespult, die jeder im Laufe seines Lebens einmal kennen gelernt haben wird und dem Film somit einiges nachempfinden zu können.

Die vorherrschende Frage des Publikums ist dieselbe wie die von Maya: Welche der drei Damen wird sich als ihre Mutter herausstellen? Dabei lockt einen der Film auf eine ziemlich falsche Fährte, der zumindest ich bis zum Ende auf den Leim gegangen bin. Wie das Ganze verpackt ist, kann man dabei sehr kritisch betrachten. Definitely, Maybe ist gefühlte zweieinhalb Stunden lang, was er besonders seiner Mitte zu verdanken hat, in welcher alle Charaktere eine zweite Runde drehen dürfen. Letzten Endes führt dies irgendwie nirgendwo hin, wiederholt sich zu sehr und zögert das Unweigerliche hinaus. Insofern hätte die gesamte Geschichte sich auch gut wenn nicht gar besser in einem anderthalb Stunden dauernden Film erklären lassen und hätte auf dieselbe Art und Weise gepunktet.

Selbstverständlich befriedigt der Film dabei die Erwartungen der Zuschauer, indem er sie mit den typischen RomCom-Zutaten füttert. Roter Faden für die Damen dürfte der sympathische Ryan Reynolds sein, hübsch anzuschauen und überhaupt, so fürsorglich. Die Männer hingegen erwartet ein Aufmarsch attraktiver Frauen, welche sich nicht nur auf die drei in die Prämisse  integrierten Elizabeth Banks, Rachel Weisz und Isla Fisher beschränken, sondern bis in die Nebenrollen weiterreichen. Besonders zwischen Reynolds und Fisher stimmt die Chemie, was deshalb günstig ist, da die beiden von allen drei Paarungen am meisten Screentime abbekommen haben und ebenjene Chemie ausspielen können.

Verantwortlich für den Film ist primär Regisseur Adam Brooks, sekundär dann dieselben Leute, die hinter britischen RomComs wie Love Actually, Wimbledon und Notting Hill standen. In dieselbe Schublade lässt sich auch problemlos Definitely, Maybe einordnen. Kameramann-Erbe Florian Ballhaus orientiert sich in seiner Arbeit an Videoclip-Ästhetik und Clint Mansells Score geht überraschend irgendwie unter. Der Cast weiß, bedenkt man die Charaktere, zu überzeugen. Highlight des Filmes ist hierbei Isla Fisher, welche die charmanteste Figur abbekommen hat. Weshalb ich am Ende dann auch durchaus neidisch auf Sacha Baron Cohen war, der nicht nur mit Isla Fisher liiert ist, sondern sogar eine Tochter mit ihr hat. Außer er erzählt ihr in zehn Jahren etwas anderes.

7/10

2. Februar 2008

Scrubs - Season Two

Here’s the inside scoop.

Im Fußball heißt es, das zweite Jahr ist immer das Schwerere. Aufsteigern verzeiht man Misserfolge zu Beginn, Überraschungsmannschaften hatte ohnehin keiner auf der Rechnung. Aber in der Saison darauf ist alles oftmals anders. Auch Serien hadern oft mit ihrer starken Debütstaffel, namentlich Prison Break oder Heroes. Die Ursache findet sich im roten Faden, der Drama-Serien durchzieht und somit zum Drahtseilakt werden kann. Sitcoms, so sollte man meinen, haben es da leichter, da sie von ihrem Figurenzusammenspiel und dem Humor leben. Insofern tritt mitunter das Gegenteil zu ihren großen Schwestern ein: Sie steigern sich im zweiten Jahr. Bill Lawrences Erfolgsserie Scrubs wiederum fällt hier etwas aus der Rolle. Zwar ist die Serie allenfalls minimal  schlechter als in ihrem Debütjahr, aber eben auch nicht besser. Wo Lawrence das Drama etwas herunterfährt, vergisst er leider, den Humor dafür hochzuschrauben.

Vielleicht spielte eine Rolle, dass Lawrence und Co. nicht damit gerechnet hatten, in ein zweites Jahr zu gehen. Zumindest wirkt die zweite Staffel in ihrer Summe sehr viel unausgegorener. Das erste und das letzte Viertel präsentiert sich durchaus stark und warten mit einigen guten Folgen auf, während die Mitte ein wirklich ganz und gar durchschnittliches Niveau durchzieht (aber dies immerhin konstant). Wo im ersten Jahr noch Panik und Ernsthaftigkeit zumindest unterschwellig an der Tagesordnung standen, sind die jungen Assistenzärzte nun Alteingesessene. Und damit dank ihrer Erfahrung unerschrockener. Selbst Momente wie in der zweiten Episode My Nightingale, in der sie auf sich allein gestellt eine Nachtschicht übernehmen, werden weitaus gelassener hingenommen als noch im Vorjahr. Bis zu einem gewissen Grad ist dies sicher auch ein reiner Reifeprozess, jedoch gelingt es Scrubs noch nicht wie in den kommenden beiden Jahren, Ernsthaftigkeit meist durch reinen Humor zu ersetzen.

Es ändert sich nicht viel am Sacred Heart. Zwar sorgt Jordans (Christa Miller) Bloßstellung zu Beginn für Missstimmung, die ist jedoch bald aus der Welt geschafft. So hadert J.D. (Zach Braff) primär mit seinem Privatleben in Form misslicher Affären mit Lisa aus dem Souvenirladen und erneut Elliot (Sarah Chalke). Die wiederum verliert die finanzielle Unterstützung ihres Vaters und sieht sich damit konfrontiert, emanzipierter zu werden (im Job wie privat). Ohnehin wird das Liebesleben nun immer größer geschrieben, auch bei den übrigen Figuren. Dr. Cox sieht sich zwar in einer Beziehung zur Pharmavertreterin Julie (Heather Locklear), wird jedoch mit der Rückkehr einer schwangeren Jordan konfrontiert. Währenddessen haben Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes) einige Probleme zu überwinden, spätestens dann, als Turk in My Philosophy um deren Hand anhält. Alles beim Alten heißt es dagegen für den Todd (Robert Maschio), Dr. Kelso (Ken Jenkins) und den Hausmeister (Neil Flynn).

Thematisch dreht sich also alles um Gemeinsamkeit statt Einsamkeit. Dass dies nicht nur die jungen Ärzte betrifft, zeigt die Folge His Story, die sich dem Innenleben von Dr. Cox (John C. McGinley) widmet. Bereits zuvor wurden einsame Tendenzen in My First Step angesprochen, etwas verstörend allerdings, dass Dr. Cox gerade in His Story zu einem Sportabend einlädt, ohne das jemand kommt. Dabei konnte er sich im Vorjahr in der Folge My Mentor noch vor eintrudelnden Freunden kaum retten. Dennoch wird klar: Die Figuren wollen nicht alleine enden. Ein Zustand, der die meisten von ihnen auch nicht betrifft, da auch J.D. und Elliot in Beziehungen rutschen (allerdings nicht zum selben Zeitpunkt). Dass es sich mit dem Rutschen in eine Beziehung aber nicht getan hat, sondern diese auch auf Kurs gehalten werden muss, wird dabei ebenso angesprochen. Sowohl bei Carla und Turk als auch bei Elliot und J.D.

Insgesamt öffnen sich also die Charaktere ein wenig, was auch daran sichtbar wird, dass Lawrence die Zeit findet, die Brüder von J.D. und Turk in das Geschehen zu verweben. Dabei könnten Dan Dorian (Tom Cavanagh) und Kevin Turk (D.L. Hughley) unterschiedlicher nicht sein. Der eine ein Slacker wie er im Buche steht, der andere finanzierte seinem kleinen Bruder das Medizinstudium. Die weiblichen Figuren um Elliot und Carla haben dagegen Probleme mit ihren Eltern. Die Beziehung von Elliot zu diesen war ohnehin vorbelastet, auch ohne dass sie ihr die finanzielle Unterstützung versagten. Und Carla sieht sich nicht nur mit dem Tod einer Tante, sondern auch ihrer Mutter konfrontiert. Die zuverlässigste und beste Familie sind sich also die vier Freunde selbst, wohingegen die „erwachsenen“ Charaktere wie Cox, Jordan und Kelso meist eher im Abseits stehen. Besonders das Privatleben von Figuren wie Kelso und Todd wird wenig beleuchtet, sodass sie reine Krankenhaus-Staffage bleiben.

Wie angedeutet ist der Ernst etwas raus (die Todesfälle in Carlas Familie zählen nur bedingt). Somit entsteht ein leichtes Ungleichgewicht, da die Humorschraube nicht stärker angezogen wird. Keine Folge will sich so richtig von den anderen absetzen, am ehesten qualifizieren sich hier My Kingdom und My Interpretation. Die mittleren Episoden versinken in Durchschnittlichkeit und ziehen die guten Folgen zu Beginn und zum Schluss in der Gesamtnote runter. Auffällig ist daher auch, dass sich die Filmreferenzen und Fantasiesequenzen dieses Jahr in Grenzen halten. Zwar gibt es speziell in der ersten Hälfte Anspielungen auf The Goonies, Raiders of the Lost Ark und Planet of the Apes, diese machen sich jedoch anschließend (es folgt später noch eine Referenz zu Midnight Cowboy) ziemlich rar. Ähnlich die Fantasiesequenzen, die spektakulär unspektakulär sind (J.D. und Turks Pimp-Entry ist noch einer der prominenteren Fälle).

Lustige Momente gibt es allerdings weiterhin, auch wenn sie seltener auftreten. Beispielsweise wenn Dr. Cox sich in einer Fantasiesequenz einnässt oder J.D. versucht, David Copperfield mit einem Zaubertrick zu beeindrucken. Auch die Deutsch sprechende Elliot oder J.D., der sich hinreißen lässt, Turk als seinen „Bruder“ zu bezeichnen, fallen amüsant aus. Die Gastdarsteller, von Heather Locklear über Dick van Dyke bis hin zu Jay Mohr und Amy Smart fügen sich wie ihre Vorgänger nahtlos in das Ensemble ein. Da überrascht es nicht, dass auch musikalisch wieder aufgetrumpft wird, mit Songs wie „Dreaming of You“ von The Corals oder „Tell Her This“ von Del Amitri. Insgesamt steigert sich also Scrubs zwar nicht in seiner zweiten Staffel, aber immerhin hält die Sitcom ihr Niveau. Weshalb J.D. wohl an dieser Stelle zu Recht sagen könnte: In your face!

7.5/10