29. Juni 2012

The Interrupters

You gotta drown yourself with these people.

Im Englischen gibt es das Sprichwort “sticks and stones may break my bones, but words will never hurt me”. Aber zumindest in vielen US-amerikanischen Großstädten scheint dies nicht der Fall zu sein. “Words could get you killed“, weiß Ameena Matthews. Sie ist seit mehr als drei Jahren ein sogenannter “violence interrupter” für die Organisation CeaseFire in Chicago. Ziel ist es, als Mediator Konflikte unter Gangs zu entschärfen. “They’re not trying to dismantle gangs“, erläutert CeaseFire-Leiter Tio Hardiman. “What they’re trying to do is save a life.” Und von solchen Leben gibt es viele, insbesondere auch in Chicago, wo allein im Jahr 2007 täglich im Schnitt fünf Personen angeschossen worden sind.

Obschon die drittgrößte Stadt der USA, gehört Chicago nicht zu den US-Metropolen mit einer extrem hohen Mord- oder Kriminalitätsrate. Dennoch rückte The Windy City gerade 2009 in den nationalen Fokus, als der Schüler Derrion Albert am 24. September auf offener Straße zu Tode geprügelt wurde. Es war jenes Jahr, in dem der Dokumentarfilmer Steve James zum ersten Mal seit Hoop Dreams wieder für eine Produktion in Chicago war. In The Interrupters folgt er der Arbeit dreier Mediatoren, darunter Ameena Matthews, die auch zur Tröstung von Derrion Alberts Mutter eilt. Nicht die einzige Trauerzeremonie in James’ Film, der aber neben Gewalt und Tod auch Hoffnung und Vergebung in sich birgt.

Neben Ameena Matthews arbeiten seit einigen Jahren auch Cobe Williams und Eddie Bocanegra für CeaseFire in Chicago. Sie eint nicht nur ihre Arbeit als violence interrupters, sondern auch ihre Vergangenheit als Kriminelle. Das Bestreben, ehemalige in der Szene verankerte Mitglieder für ihre Arbeit zu gewinnen, ist die andere Seite der Medaille von CeaseFire. “From gangster to peacemaker“, umschrieb es der Journalist Alex Kotlowitz in einem Artikel über die Organisation für die New York Times. Jener Artikel wiederum gab für James den Ausgangspunkt, The Interrupters zu inszenieren. Die kriminelle Vergangenheit der Mediatoren ist das beste Beispiel für zweite Chancen und einen Ausweg.

Zugleich verschafft ihr Strafregister den Mediatoren auch den Respekt ihres Gegenübers. So ist Ameena die Tochter von Jeff Fort, “one of the biggest gang leaders in the history of Chicago“, der seit 1987 eine Haftstrafe von 155 Jahren verbüßt. Eddie wiederum ist seit zwei Jahren aus dem Gefängnis, nachdem er 14 Jahre wegen Mordes einsaß. Schwer vorstellbar, dass die Mediatoren Zugang zu Gangmitgliedern erhalten würden, wären sie nicht einer von ihnen. “Cobe has big time credibility with the gang members“, weiß Hardiman. Auch Cobe saß im Gefängnis, insgesamt 12 Jahre für Drogenhandel und versuchten Mord. Mit ausgelöst hat dies sein krimineller Vater. “He was my role model“, sagt Cobe.

Eine Mitschuld in der Erziehung lässt sich auch ausmachen, als Cobe sich mit Kenneth, einem anderen Gangmitglied, trifft. “My life would be totally different if my father was here“, resümiert er hinsichtlich des inhaftierten Erzeugers. Kenneth wurde wie viele sich selbst überlassen, sodass sein Bruder und er den Lebensstil des Vaters adoptierten. “I know I could get shot tomorrow“, sagt er wie selbstverständlich. “These children don’t expect to live past 30“, verrät uns auch der Besitzer eines Beerdigungsinstituts. Noch immer ist Mord die häufigste Todesursache unter jungen afroamerikanischen Männern und wenn man sich einige Vorfälle in The Interrupters ansieht, wundert man sich nicht darüber.

So gibt es zu Beginn der Dokumentation ein Handgemenge, weil ein Mann Ärger mit jemandem hatte, der ihm daraufhin die Zähne ausschlug. Nun tauchen seine Schwestern mit Küchenmessern bewaffnet auf, um die Familienehre zu verteidigen. “It’s a war zone“, sagt einer in die Kamera, von jemand anderes heißt es, die Polizei traue sich schon gar nicht mehr nach Englewood, einem der berüchtigsten Viertel in Chicago. Und während die Polizei bei einer Trauerbekundung eines getöteten Jugendlichen Präsenz zeigt, wird sie auch schon wieder weggerufen, weil anderswo ein weiterer Mord verübt wurde. Die Opfer sind oftmals Kinder, allein 37 von ihnen starben zwischen 2008 und 2009 in den Straßen von Chicago.

Um die Kinder dreht es sich auch bei den anderen beiden Mediatoren. Eddie, der während seiner Haft das Malen begonnen hat, unterrichtet einige Latino-Kids darin, ihre Gefühle in Bildern zum Ausdruck zu bringen. Einige von ihnen wurden bereits Zeuge eines Todesfalls, in einem Fall sogar dem des eigenen Bruders. Auf den Zuschauer wirkt Eddie nicht wie jemand, der einen anderen Jungen eiskalt hingerichtet hat. Nicht einmal dann, als er mit dem Kamerateam an den Tatort zurückkehrt und die Geschehnisse erneut Revue passieren lässt. Auch Cobe wirkt so, als könne er niemandem ein Wässerchen trüben. Sie alle sind die besten Beispiele dafür, dass jeder eine zweite Chance verdient hat und diese nutzen kann.

Während Cobe und Eddie nach vielen Jahren im Gefängnis eine Läuterung erfahren haben, fand Ameena in der Konvertierung zum islamischen Glauben Halt. Sie gibt sich weitaus emotionaler als ihre zwei Kollegen, debattiert dabei oft hitzig, aber nie von oben herab. The Interrupters charakterisiert sie als “the Golden Girl“, stets auf der Suche nach dem “soft spot“ ihres Gegenübers. Wenn Ameena spricht, hört man ihr zu. Und das gilt nicht nur für den Zuschauer. Nicht selten sieht man sie umringt von Gangbangern, die zwar emotionslos dreinblicken, aber jedes ihrer Worte aufsaugen wie ein Schwamm. “You gotta drown yourself with the people“, erklärt Tio Hardiman das Schema seiner violence interrupters.

Mit über 500 Jahren Haftzeit, so einer der Mediatoren, verfüge CeaseFire über genügend Erfahrung und Respekt, um den Menschen zu helfen. Der Gründer von CeaseFire ist dabei jedoch alles andere als ein Krimineller. Ins Leben gerufen wurde die Organisation 1995 von dem Epidemiologe Gary Slutkin, als er nach zehn Jahren in Afrika zu der Erkenntnis kam, auch Gewalt sei eine infektiöse Krankheit. Als solche ließe sie sich auch behandeln, indem man sie am Punkt ihres Ausbruchs zu heilen versucht. “Slutkin wants to shift how we think about violence from a moral issue (good and bad people) to a public health one (healthful and unhealthful behaviour)”, schrieb Kotlowitz in seinem Feature in der New York Times.

Dementsprechend ist auch die junge Caprysha kein schlechter Mensch, bloß einer, mit einem ungesunden Verhalten. Vormerklich für sich selbst, weshalb Ameena viel unternimmt, um das Mädchen vor sich selbst zu retten. Hierbei fungiert sie halb als Freundin, halb als Mutter, wenn sie scherzend mit der Jugendlichen spricht, sie aber auch ermahnt oder belehrt. Es ist bewundernswert, wie viel Zeit sie für ihre Arbeit opfert, wo sie doch auch eine eigene Familie – die Tochter wird im Laufe des Films 9 Jahre alt – zu versorgen hat. Zwischen dem Verteilen von Flyern in der South Side, Gesprächen mit Caprysha, Teilnahmen an Trauerbekundungen und Beerdigungen, bleibt da überhaupt noch Zeit für einen selbst?

Scheinbar zu jeder Zeit ist auch Cobe unterwegs, wenn er abends mit Flamo einen alten Bekannten aus dem Gefängnis aufsucht. Seine Mutter und Bruder wurden aufgrund eines anonymen Waffen-Tipps in seinem Haus von der Polizei verhaftet, weswegen Cobe mit einem Kollegen versucht, Flamo soweit zu beruhigen, dass dieser nicht loszieht und die Verursacher erschießt. Ein anderes Mal begleitet er den jugendlichen Lil’ Mikey dabei, wie er nach drei Jahren Haft jene Opfer aufsucht, die er einst beraubte, um sich bei ihnen zu entschuldigen. Das Ergebnis ist eine hochemotionale Szene, die sinnbildlich für die gesamte Dokumentation steht. Für Wiedergutmachung, so lehrt uns der Film, ist es nie zu spät.

Der Untertitel von The Interrupters lautet: “Every City Needs Its Heroes”. Und was plakativ klingt, könnte in diesem Fall wahrer nicht sein. Die Mediatoren von CeaseFire sind beherzt bei der Sache und das oft auf eigene Kosten. Gegen Ende besucht Hardiman einen von ihnen, der bei einer violence interruption angeschossen wurde, im Krankenhaus. “You cannot mediate conflicts without confrontation“, erklärt Hardiman, kann aber die Tränen nicht zurückhalten. Es ist dieser Wandel den Cobe, Ameena und Eddie durchgemacht haben, den man auch den Capryshas, Kenneths und Lil’ Mikeys wünscht. Und wenn uns Steve James’ Film eines zeigt, dann, dass Worte einen nicht nur töten, sondern auch retten können.

10/10

22. Juni 2012

Hoop Dreams

My mother, God bless her, she’s always said
in America you can make something of your life.

-- Gene Pingatore

Die wunderbare Welt des Profi-Sports bietet vielen Menschen die scheinbar einzige Ausflucht aus ärmlichen Verhältnissen. Egal ob Fußballer in Brasilien oder Basketballspieler in den USA, die Geschichten der „Ghetto-Kids“, die es zu Ruhm und Reichtum gebracht haben, nähren die Träume und Hoffnungen der nachfolgenden Generationen. So auch die der beiden 14-jährigen Chicagoer Jungen William Gates und Arthur Agee, die gerne denselben Weg beschreiten würden wie Isiah Thomas. Aufgewachsen auf der Chicagoer West Side, spielte er Basketball für die St. Joseph High School und landete später in der NBA. In Steve James’ Dokumentation Hoop Dreams von 1994 scheint sich seine Geschichte zu wiederholen.

Ursprünglich 1987 als 30-minütiges Feature für PBS geplant, folgten James und sein Team anschließend ganze fünf Jahre und 250 Stunden Filmmaterial lang den beiden afroamerikanischen Jungen William und Arthur, wie sie als 14-Jährige im Chicagoer West Garfield Park gescoutet und an die St. Joseph High School in Westchester gelockt wurden. Hier erwartete sie das Versprechen auf ein besseres Leben. Eine bessere Bildung und eine bessere Perspektive, um wie Isiah Thomas den Sprung in die Profi-Liga zu schaffen. Stolze drei Stunden waren sie jeden Tag unterwegs (dabei ist ihr Viertel nur 16 Kilometer von St. Joseph entfernt), um die primär von weißen Schülern besuchte High School zu erreichen.

Kein einfacher Wechsel für die Jungen, die ein bis zwei Jahre im Unterrichtsstoff zurück sind und sich in der neuen Umgebung erst zurecht finden müssen. “I just never been around a lot of white people“, beschreibt Arthur gegenüber James seine Gefühle. Aber weder er noch William wollen sich unterkriegen lassen, die Herausforderung annehmen. “You can see your child mature“, sieht Sheila Agee die ersten Früchte des Schulwechsels. Für die Kids aus der Chicagoer West Side gilt es somit, sich in die römisch-katholische Welt von St. Joseph anzupassen. “The kids that are willing to do it are going to take something away that will help them for the rest of their lives“, verspricht Basketball Coach Gene Pingatore.

Zugleich ergänzt er, diejenigen, die sich nicht anpassen wollen, “are not going to be very successful as far as here“. Es herrscht ein Geben und Nehmen. Die Schule gibt eine Bildung auf die sich aufbauen lässt, die afroamerikanischen Jugendlichen geben ihr sportliches Talent der Schule. In einer späteren Szene wird Regisseur Spike Lee es einigen Kids in einem Nike Camp nochmals eintrichtern, sollten sie es vergessen haben. Ihr seid hier, um dem weißen Mann Spiele zu gewinnen. Schafft ihr das, verdient die Schule mehr Geld. An den Teenagern selbst ist man wenig interessiert, wie Arthur nach einem Jahr erfahren muss. Als im neuen Schuljahr die Gebühr erhöht wird, können sie seine Eltern nicht mehr bezahlen.

“You have to draw a line“, verteidigt Pingatore die Entscheidung. William hat diese Probleme nicht, denn die Hälfte seiner Schulgebühren (den Rest übernahm für beide St. Joseph) wird von einer reichen weißen Familie bezahlt. Für viele erscheint William als der neue Isiah Thomas, was dieser sichtlich als Belastung ansieht. “I’m trying to build my own identity“, sagt er verschmitzt. Während es William ins Varsity Team schafft, spielt Arthur bei den Freshmen. Am Ende hat sich sein Talent für St. Joseph wohl einfach nicht genug rentiert. Die Folge: Ein erneuter Schulwechsel, der ihn ein halbes akademisches Jahr kostet. Selbst seine Zeugnisse gibt man erst dann heraus, als die Eltern die fällige Restgebühr beglichen haben.

Fortan entwickeln sich die beiden Freunde unterschiedlich. William wird der Star seines Schulteams, im Sommer vermittelt ihm seine weiße Sponsorenfamilie ein Praktikum oder er besucht das Nike Camp für talentierte Spieler. Arthur dagegen muss zurück auf die West Side und besucht die John Marshall High School mit Wachpersonal am Eingang. Sein Vater verlässt die Familie, seine Mutter lebt von Sozialhilfe und Arthur verbringt die Sommer mit Blödeleien und jobbt später bei Pizza Hut. Mit den Marshall Commandos hat er nur bedingt Erfolg, während es William mit den St. Joseph Chargers zumindest in die Playoffs schafft. Wo Arthurs Leben von Leichtigkeit beherrscht wird, steht bei William der Druck.

Für ihn gilt es, dem Schatten von Isiah Thomas und den daraus folgernden Erwartungen an ihn gerecht zu werden. Was folgt, kennt man aus nahezu jedem High School Film: Der Star-Spieler fällt aus. Nach einer Verletzung steigt William zu früh ins Training ein, reißt sich dabei fast das Kreuzband und muss drei Monate pausieren. Er wird nach Operation und Reha in einem wichtigen Spiel wieder eingesetzt, die Ungewissheit der körperlichen Fitness dabei wie ein Damoklesschwert über ihm schwebend. Hält das Knie und damit seine Chance auf eine NBA-Karriere? “When this happens“, weiß Pingatore, “they may never be the player they were“. Oder in vielen Fällen zutreffender: Der Spieler, zu dem sie hätten werden können.

Williams Geschichte in Hoop Dreams ist eine von Rückschlägen. Neben seiner Verletzung und etwaigen Rückfällen muss er auch um das Bestehen seines Studierfähigkeitstest (SAT) bangen, während seine Freundin eine Tochter zur Welt bringt. Für William geht es um viel, hat er mit seinem großen Bruder Curtis doch bereits ein Familienmitglied, das einst ein Basketball-Stipendium verlor und sich später als Wachmann verdingte. Und trotz aller Ereignisse glaubt auch Arthur noch an seinen Traum von der großen Karriere. “This is what I wanna do for the rest of my life“, erklärt er. Basketball erscheint als eine der wenigen Perspektiven im Viertel, das für die Jugendlichen meist nichts Konstruktives bereithält.

“You can see why half of ‘em become gangbangers”, sieht auch Arthurs Mutter das Problem. Und mehr und mehr kristallisiert sich in James’ Film heraus, dass dies die Geschichte ihres Sohnes ist. Die Tragik wohnt sicher William bei, die Hoffnung personifiziert sich aber in Arthur. Wie es ein Hollywood-Regisseur nicht besser (oder anders) inszenieren könnte, nimmt die Entwicklung der Geschehnisse im Abschlussjahr der beiden Jugendlichen ihren ganz eigenen Lauf. Es ist verständlich, wieso Steve James so fasziniert von diesem Milieu gewesen ist und dass aus einem 30-Minuten-TV-Feature eine Kino-Dokumentation von fast schon epischen drei Stunden Lauflänge wurde, die das 17-fache ihrer Kosten einspielte.

Verdientermaßen gilt Hoop Dreams weithin als einer der besten Sportfilme aller Zeiten. Die Geschichte weist alle Stärken auf, die dem Genre verhaftet sind, ohne dass jedoch die Klischees wie Klischees wirken. Wer ein Fan des Sports ist, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten, selbst wenn das Spiel an sich eher im Hintergrund steht. Hoop Dreams ist vielmehr eine Milieustudie, die sich wie so viele Filme mit dem klassischen Thema des American Dream beschäftigt. Für William und Arthur ist Basketball der einfachste Ausweg aus einem Leben, das im Normalfall wenig für sie bereithält. Um von ihrer jetzigen zu der von ihnen ersehnten Welt zu gelangen, müssen sie Halt in der Welt der Weißen machen.

Hier von „Basketball-Sklaven“ zu sprechen, wäre sicher zuviel des Guten, da es auch ein altbekanntes Schema im US-Profi-Sport ist. Spieler werden gedraftet und getauscht wie eine Ware und oft ohne rechten Einfluss der Betroffenen. Es ist, wie gesagt, ein Geben und ein Nehmen, bei dem zumindest in der Schullandschaft die Spieler vermutlich das höhere Risiko tragen. Als Milieustudie gerät Hoop Dreams dabei nicht weniger fesselnd wie als Sportfilm. Im Vordergrund stehen nie die beiden jungen Spieler, sondern ihre Persönlichkeiten. Keiner von beiden hat es zum nächsten Isiah Thomas oder in die NBA geschafft. Aber dennoch haben beide etwas mitgenommen, das ihnen für ihr späteres Leben weitergeholfen hat.

8.5/10

15. Juni 2012

When the Levees Broke: A Requiem in Four Acts

Katrina. That bitch.

Eine Woche zuvor war er noch ein simpler Sturm, entstanden über den Bahamas, ehe er an Südflorida vorbeizog und sich dem Golf von Mexiko zuwandte. Dort wiederum sammelte Hurrikan Katrina über die Tage an Kraft und nahm an Stärke zu. Soweit, dass er in der letzten Augustwoche 2005 zur Kategorie 5, der höchsten Einordnungsstufe für Stürme, angehoben wurde und das in Louisiana gelegene New Orleans eine vollständige Evakuation anordnete. Was folgte, war nicht nur der sechststärkste Atlantiksturm aller Zeiten, sondern auch die teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der USA. Am Ende stand ein Schaden von über 100 Milliarden US-Dollar und mehr als 1.800 Todesopfern.

Dabei war Katrina letzlich nicht einmal in voller Stärke über New Orleans und Louisiana hereingebrochen, sondern hatte die Region lediglich als Sturm der Kategorie 3 heimgesucht. Wie kam es also dazu, dass dennoch 80 Prozent von New Orleans unter Wasser standen? Für die Naturkatastrophe war, wie sich herausstellte, weniger Katrina verantwortlich, denn menschliches Versagen bei der Konstruktion der Deiche. Als diese brachen, breitete sich das Wasser in New Orleans, das zum Großteil fast zwei Meter unter dem Meeresspiegel liegt, besonders in den Gemeinden The Ninth Ward und St. Bernard Parish aus. Was genau geschah und welche Folgen es hatte, arbeitete Spike Lee für HBO auf.

In seiner vierteiligen Dokumentation When the Levees Broke lässt Lee die Betroffenen zu Wort kommen, vom einfachen Flutopfer bis hin zur Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco. Während der erste Teil, „Act I“, den 29. August 2005 und die folgenden Tage Revue passieren lässt, beschäftigen sich die übrigen drei Akte mit der Frage, wer die Schuld für das Brechen der Deiche und die anschließende Inkompetenz bei der Katastrophenhilfe trägt. Klar, dass Emotionen hoch kochen, wenn Menschen Familienmitglieder verlieren oder vor den sprichwörtlichen Trümmern ihrer Existenz stehen. Denn über kein Unglück regt man sich mehr auf, als über eines, das hätte vermieden werden können.

Wie ernst Katrina ausfallen würde, hatte dabei wohl keiner erwartet. Seit Hurrikan Betsy (1965) war New Orleans von größeren Stürmen weitestgehend verschont geblieben. Weshalb nach einer ersten Ankündigung des Hurrikans nicht wenige Einwohner beschlossen, “that they could weather the storm“, wie der Jazz-Saxofonist Donald Harrison sagt. Seine Schwiegermutter war wie einige andere in der Stadt geblieben, angeordnete Evakuierung hin oder her. Sie hatte wie so viele den letzten Hurrikan, 40 Jahre zuvor, mit er- und überlebt. Und allzu dramatisch war Katrina selbst nicht einmal ausgefallen, wären da nicht die Deiche gewesen, die das Flutwasser eigentlich hätten zurückhalten sollen.

Bereits in der Vergangenheit waren die Dämme des vormerklich von Afroamerikanern bewohnten Stadtteils Ninth Ward gesprengt worden, damit das Wasser nicht ins renommierte French Quarter fließen würde. “This wasn’t about race, it was about money“, erinnert der Autor John Barry. Als aber 2005 viele Anwohner eine Explosion vernahmen, waren sie sich sicher, dass sich die Geschichte wiederholte. “These people have a long experience of being ripped off“, zeigt Historiker Doug Brinkley Verständnis. Wie sich herausstellte, waren dieses Mal die Deiche (engl. levees) aber nicht von der Regierung gesprengt worden. Was allerdings nicht heißt, dass diese nicht trotzdem die Schuld für das Desaster trägt.

Denn nach Betsy wurden die Deiche vom US Army Corps of Engineers neu installiert und für Hurrikans der höchsten Stufe gerüstet. Am Ende waren sie aber keineswegs tief genug in den Boden platziert worden. Robert Bea, Professor für Ingenieurswesen, nennt das Brechen der Deiche in New Orleans 2005 daher “the most tragic failure of a civil-engineered system in the history of the United States“. Scheinbar wurde an der Ausführung gespart, wie ohnehin New Orleans und Louisiana stark benachteiligt scheinen, was die föderale Gewinnung von Erdöl und -gas vor ihrer Küste angeht. “The money doesn’t stay in Louisiana“, bestätigt Brinkley. Wäre Louisiana eine Kolonie, so der Historiker, es wäre finanziell besser dran.

Ohnehin ist der Tenor aus When the Levees Broke, dass Louisiana im Allgemeinen und New Orleans im Speziellen reichlich stiefmütterlich von der Regierung in Washington D.C. behandelt werden. Das Army Corps konstruierte fehlerhafte Deiche, die Bush-Regierung zeigte wenig Handlungsgeschick in Folge der Katastrophe und die FEMA (Federal Emergency Management Agency) glänzte auch Monate nach Katrina mit Abwesenheit. Wenn die Einwohner mit T-Shirts wie “Katrina survivor, FEMA victim“ herumlaufen, ist das bezeichnend. “You have to worry about a country that can look at a vast number of mistakes (…) that has directly affected people’s lives“, kritisiert Jazz-Trompeter Terence Blanchard.

Besonders benachteiligt fühlte sich die primär afroamerikanische Bevölkerung in New Orleans, was Kanye West dann wenige Tage nach Katrina bei einer Spendensammlung des Senders NBC zu den Worten hinreißen ließ: “George Bush doesn’t care about black people“. Eine Unmutsbekundung, die viele von Lees Gesprächspartnern teilen. So machte sich Bush erst nach zwei Wochen, am 11. September, vor Ort ein Bild von der Katastrophe. “Initially he stayed on holiday when New Orleans was drowning“, berichtet ein britischer Reporter aus dem Off. Wenig besser gab sich die aus Alabama stammende Condoleezza Rice, die am Tag des Unglücks lieber Schuhe einkaufen ging, anstatt Stellung zu nehmen.

Dass die US-Regierung ein Jahr zuvor nach dem Tsunami in Sri Lanka schneller und besser reagierte als im September 2005 im eigenen Land, streute zusätzlich Salz in die Wunden. Hilfe von Soldaten war nicht möglich, da diese einen unsinnigen Krieg im Irak kämpften, die Bewohner von New Orleans wurden sich selbst überlassen. Die Folge waren zahlreiche Plünderungen, Schießereien und Gewalt, Todesopfer der Überschwemmung wurden tagelang nicht eingesammelt oder abgeholt. “We want help!“, schrien die Einwohner in die Fernsehkameras der Medienanstalten, die dann die evakuierte Bevölkerung aus New Orleans landesweit als „Flüchtlinge“ brandmarkte. Sehr zu deren Missfallen.

“Damn“, fährt es dem Einwohner Gralen Banks aus, “when the storm came in, it blew away our citizenship too?“. Wer in den umliegenden Staaten Unterkunft fand, blieb dort oft auch. Schließlich erwartete einen in New Orleans nichts, nicht einmal Aufräumarbeiten. Die setzten erst vier Monate nach Katrina ein, selbst nach einem halben Jahr fanden heimkehrende Anwohner noch Leichen in ihren Häusern. Auf deren Schaden blieben viele sitzen, waren die meisten doch gegen Hurrikans versichert, aber nicht gegen Hochwasser. Was den Versicherungen in die Karten spielte. Ungläubig reagierte daher auch der Vater von Schauspieler Wendell Pierce (The Wire, Treme): “I’ve been paying them people for 50 years“.

Die Geschichte von When the Levees Broke ist eine Geschichte des Scheiterns. Aus den Fehlern von Hurrikan Betsy hat die Regierung anschließend nichts gelernt, das US Army Corps of Engineers beim Neuaufbau der Deiche daher schlampig gearbeitet. Die Zeche musste New Orleans am 29. August 2005 bezahlen, als die Deiche dem Ansturm von Katrina nicht standhielten. Anschließend zeigten FEMA und die Bush-Regierung zu spät Präsenz vor Ort und leisteten weniger Hilfe als angesichte der Umstände, immerhin die schlimmste Naturkatastrophe aller Zeiten in den USA, notwendig gewesen wäre. “You know, somebody needs to go to jail for this“, macht Terence Blanchard seinem Ärger Luft.

Und Ärger verspürt jeder der Beteiligten, vom ehemaligen Bürgermeister Marc Morial über Radiomoderator Garland Robinette bis hin zu Betroffenen, die vor den Ruinen ihrer Häuser stehen. Einen Raum zur Rechtfertigung erhalten die Beschuldigten nur bedingt, was sicher auch damit zusammenhängt, dass sie zur Zeit von Lees Dokumentation noch in offiziellen Ämtern standen. Gleichzeitig steht außer Frage, dass die Regierung in Washington, die alte wie damals aktuelle, im Zuge von Katrina keine Freunde in New Orleans und Louisiana gewonnen hat. “These people have a long experience of being ripped off“, hatte Historiker Doug Brinkley in „Act I“ gesagt. Katrina gehört nun zu dieser Erfahrung dazu.

Was uns Spike Lee in seiner umfangreichen und vierstündigen Dokumentation auch zeigt, ist den Überlebenswillen der Einwohner von The Big Easy. Wenige Monate nach Katrina feiern sie wie gewohnt Mardi Gras, ein kulturelles Ereignis, das sie nicht missen wollen. Hier manifestiert sich ihr Leid in Galgenhumor, gerne mit T-Shirts zur Schau getragen (“Katrina, that bitch“). Mittels mannigfaltiger Interviews und Archivmaterial gelingt Spike Lee in When the Levees Broke eine gelungene Rekapitulation der damaligen Ereignisse. Was am 29. August und in den Folgetagen geschah, aber noch viel eindringlicher, wie es dazu kommen konnte und warum hinterher wenig bis nichts seitens der Regierung getan wurde.

Von den vier Akten aus Lees Requiem ist „Act II“ dabei sicherlich der Stärkste, wenn sich die Enttäuschung über die Inkompetenz der Bush-Regierung Bahn bricht und ihre Ausmaße aufgedeckt werden. Ähnliches trifft auch auf „Act IV“ zu, wenn der Film ein halbes Jahr verstreichen lässt, ohne dass sich New Orleans wirklich weiter entwickelt hat. Somit stellt When the Levees Broke einen essentiellen Rückblick auf Hurrikan Katrina dar, seine Ursachen und seine Folgen. Der Kummer, die Trauer und die Wut in Lees Dokumentation sind authentisch und nachvollziehbar. Denn über kein Unglück regt man sich mehr auf, als über eines, das hätte vermieden werden können. Und das war hier der Fall.

8/10

11. Juni 2012

Veep - Season One

Did the President call?

Spaßeshalber rutscht der Vizepräsidentin der USA das Wort “retard“ in einer Rede heraus, genauso wie der Kommentar, ein Governeur und potentieller Polit-Konkurrent könne gar nicht Präsident werden, weil er kein geborener Amerikaner sei, noch auf dem Mikro eines Interviews landet. Wahrlich, US-Vizepräsidentin Selina Meyer (Julia Louis-Dreyfus), meist in der umgangssprachlichen Berufsabkürzung “veep“ adressiert, tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Ihr schusseliger Stab rund um Leiterin Amy (Anna Chlumsky), sowie Kommunikationsdirektor Mike (Matt Walsh) und seinen Stellvertreter Dan (Reid Scott) ist ihr ebenfalls keine Hilfe. Ihr Büro, so Selina, sei daher “completely non-fucking-functioning“.

Und gerade deswegen ist Veep, die aktuelle Serie von Armando Iannucci, so vorzüglich vergnüglich. Nach Jahren des Pitchens und Produzierens hat es die US-Version von Iannuccis Paradestück The Thick of It nun endlich zu einem Sender geschafft. Und glücklicherweise ist dies HBO. Dass das Konzept von Iannuccis politischer Satire beim ursprünglichen ABC nicht aufgehen konnte, war eigentlich absehbar. Und dennoch versucht worden. Wer aber den Skripten des Briten ihre Flüche austreibt, beraubt sie zugleich ihrer Stärke. Und so wird nun auf HBO geflucht, geschimpft und beleidigt was das Zeug hält. Und das Zeug hält jede Menge. Wo Iannuccis Quasi-Kino-Spin-off In the Loop noch strauchelte, reüssiert Veep wieder.

In seiner halbstündigen Show legt er den Fokus nun wieder darauf, was The Thick of It vor sieben Jahren ausgezeichnet hat: Politische Shitstorms. Einst als Präsidentschaftskandidatin gestartet, stürzte Meyer ab und musste sich letztlich mit dem Posten als “veep“ begnügen. Fernab des Weißen Hauses bemüht sie sich nun um Senatorenunterstützung für eigene Anträge und den Hindernissen, die sich ihr dabei in den Weg stellen. Sei es die Öl-Lobby oder der Präsident. Er tritt ähnlich wie der Premierminister in The Thick of It nicht on screen auf, sondern fungiert über seinen von Meyer und ihrem Stab gehassten Liaison Jonah (Timothy Simons). Und der wiederum ist - leider - alles andere als ein zweiter Malcolm Tucker.

Gefilmt wird das wie zuvor schon Iannuccis britischer Vorgänger mit einer Single Camera im Cinéma-vérité-Stil in Büros und Bürogängen, stets mit einer zynischen Bemerkung auf den Lippen. Zwar mag man sich nicht wirklich vorstellen, dass das Büro eines US-Veeps so inkompetent ist, allerdings bedurfte es für das US-Publikum wohl eines spektakuläreren Settings als ein fiktives Nebenministerium wie in The Thick of It. Gut möglich, dass obschon die politische Ausrichtung der Regierung ungenannt bleibt, Meyer ein Abziehbild der Palins und Bachmanns darstellt. Ohnehin erinnert Louis-Dreyfus nicht nur ein Mal an Tiny Fey, während Themen wie der Geburtsort eines Polit-Konkurrenten ebenfalls bekannt vorkommen.

Die große Stärke von Veep sind dann die Dialoge von Iannucci. Im Stakkato-Stil bellt sie das Ensemble durch die Räume, dabei genüsslich den Wortwitz der Zeilen goutierend. Besonders schöne Phrasen drischt dabei der karrieregeile Dan, wenn er einem Journalisten “major scoops“ verspricht und hinzufügt: “I major in major“. Oder er erklärt “You got to network to get work“ und setzt dies in der Folge „Baseball“ sogleich mit einem 8-Jährigen in die Tat um. Zum amüsanten running gag verkommt Mikes fiktiver Hund Simon, der ihn bei Selina vor Überstunden bewahren soll und den der restliche Stab daher als “bullshitzu“ tituliert. Auch Selina erhält einige Spitznamen, darunter “creepy veepy“ von der First Lady.

Dient die Pilotfolge noch zur Orientierung und Gewöhnung an Julia Louis-Dreyfus als unbeholfene “veep”, steigert sich die Serie im Anschluss. Highlight und Sinnbild für ihre Qualitäten ist dabei die Folge „Catherine“, in der Meyer unter anderem die Namensgebung eines Hurrikans „Selina“ verhindern will, damit sie selbst später nicht durch Assoziationen darunter leidet (“I’ve met some people, okay? Real people, and I gotta tell you, a lot of them are fucking idiots”). Das Ensemble schlägt sich überzeugend, mit Tony Hale im Arrested Developtment-Modus als Meyers Personal Assistant als dem Aushängeschild. Und da Veep von HBO für eine zweite Staffel verlängert wurde, darf man sich auf weitere Fettnäpfchen freuen.

7.5/10

4. Juni 2012

Deutschland von oben

Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land,
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd’ ich es immer wiederfinden.

(Heinrich Heine, Nachtgedanken)

Wer sich einen Überblick verschaffen will, der steigt meist hoch. Dort, wo sich alles überschauen lässt, man einen Blick über das große Ganze gewinnt. Folglich dürfte kaum einer Deutschland schon mal so gesehen haben, wie es sich gibt, wenn man auf es von oben schaut. Das dachte sich vermutlich auch die ZDF-Programmmarke „Terra X“ mit ihrer Sendereihe Deutschland von oben, die 2010 von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus initiiert wurde. Mit einer Cineflex-Helikopter-Kamera wurde die Bundesrepublik überflogen und in einem Zeitraum von drei Jahren in gut 600 Flugstunden über 300 Stunden an Material gewonnen. Einiges davon findet sich nun in der Kinodoku Deutschland von oben wieder.

Fünf Millionen Fernsehzuschauer sorgten dafür, dass Höfer und Henri-Nannen-Preisträger Röckenhaus ihr visuell beeindruckendes Schauspiel im Kino fortsetzen durften. Orientiert an den vier Jahreszeiten und unterteilt in die zwölf Kalendermonate stellten sie ein Potpourri unterschiedlichster Eindrücke zusammen. Vom Wattenmeer zum Watzmann, von der Berliner Siegessäule in die Calwer Altstadt, von den Dülmener Wildpferden im Merfelder Bruch bis zu Taucherarchäologen im Bodensee und Fallschirmspringern aus Flugzeugen und Frankfurter Hochhäusern. Deutschland von oben ist facettenreich und vermittelt uns den Eindruck, dass wir Deutschland erst wirklich kennen, wenn wir es von oben kennen.

Denn inwieweit haben wir schon eine Vorstellung, wie grün unser Land in den Zeiten von Hochtechnologisierung und Industrie eigentlich noch ist? Wenn die Kamera uns also gleich zu Beginn eine Steinbockfamilie in den zugigen Höhen der Allgäuer Alpen präsentiert, hat dies einen ersten Aha-Effekt. Ohnehin versäumen es Höfer und Röckenhaus nicht, uns immer wieder vor Augen zu halten, dass auch Tierfamilien zu Deutschland gehören. Von den Helgoländer Robben, deren Fischzüge mittels GPS und Satellitenüberwachung nachvollzogen werden, über die Dülmener Wildpferde, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Herzog Alfred von Croÿ gerettet wurden, bis hin zu Zugvögeln wie Störchen und Gänsen.

Wir erhaschen die träumerischen Landschaften des Berchtesgadener Landes und der Elbtalaue, erklimmen die Spitzen von Watzmann und Zugspitze und streifen die Küsten von Helgoland und dem Wattenmeer. Unterlegt von der Musik Boris Salchows präsentiert Deutschland von oben jedoch nicht nur die natürliche Pracht dieses Landes, sondern auch den Platz, den sich die Menschen darin geschaffen haben. Die Bilder zeigen uns in die Heidelberger Innenstadt und die Fachwerkhäuser von Hermann Hesses Geburtstadt Calw, wir sehen den Fernsehturm in Berlin und den Münchener Marienplatz. Vergleichsweise besonders viel Zeit widmet sich die Dokumentation jedoch der Geschichte von Regensburg und Hamburg.

Per Grafik werden die Regensburger Strukturen eines alten römischen Militärlagers (castra regina) aufgedeckt, beziehungsweise das Hamburger Bombardement durch die Alliierten-Operation „Gomorrha“ vom 25. Juli bis 3. August 1943 veranschaulicht. Auch die meisten anderen deutschen Städte wie Nürnberg waren nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Großteil zerstört. Umso erstaunlicher ist es daher, wenn man bedenkt, wie Deutschland es geschafft hat, sich derart zu erholen und zu alter Blüte aufzurichten. Wirklich gewahr wird dies einem erst beim Anblick dieser Bilder, die einem angesichts des heutigen Status der Bundesrepublik merklich Respekt abgewinnen, für die Leistung, die hier erbracht wurde.

Wir sehen auch andere Errungenschaften wie den Kölner Dom und die Dresdener Frauenkirche, das Schloss Neuschwanstein oder aber die industrielle Kraft, die Deutschland beherbergt. Von den letzten Stahlwerken am Rhein bei Duisburg bis hin zum scheinbar endlosen Braunkohletageanbau in Welzow in der Lausitz. Der „Wahnsinn“ der Deutschen macht aber nicht vor dem Boden Halt. Höfer und Röckenhaus zeigen uns Segelflugzeugflieger und Fallschirmspringer, die sich über den Wolken für fünf Minuten in die Tiefe stürzen oder auch für weitaus kürzere Distanz auf Frankfurter Hochhäuser klettern. Deutschland von oben zu sehen, ist für viele wohl nicht genug – zumindest nicht nur im Fernsehen.

Kritisieren lässt sich am ehesten, dass der Dokumentation bisweilen ein roter Faden fehlt. Da schwebt die Cineflex-Kamera kurz über dem Dortmunder Signal Iduna Park, um für wenige Sekunden auch noch schnell die Münchener Allianz Arena ins Bild zu rücken. Auch die Störche tauchen immer mal wieder statt in einem Block auf, während man doch überrascht ist, wie wenig Regentage es in Deutschland zu geben scheint. Selbst in den Wintermonaten wirkt die Republik durchweg wie ein kleines europäisches Paradies. Ein absolut authentisches Bild muss Deutschland von oben allerdings auch nicht zeigen, kennen wir die hässlichen Seiten des Landes doch zur Genüge. Und die Schönen spätestens jetzt auch.

7.5/10

1. Juni 2012

Filmtagebuch: Mai 2012

THE BIG BANG THEORY - SEASON 5
(USA 2012, Mark Cendrowski u.a.)
7.5/10

TO CATCH A THIEF
(USA 1955, Alfred Hitchcock)
7.5/10

COMMUNITY - SEASON 3
(USA 2012, Tristram Shapeero u.a.)
7.5/10

DET SJUNDE INSEGLET [DAS SIEBENTE SIEGEL]
(D 1957, Ingrid Bergman)
8/10

DEUTSCHLAND VON OBEN
(D 2012, Petra Höfer/Freddie Röckenhaus)
8/10

THE DIVIDE
(USA/D/CDN 2011, Xavier Gens)
4/10

FAMILY GUY - SEASON 10
(USA 2012, Brian Iles/Greg Colton u.a.)
6.5/10

FERRIS BUELLER’S DAY OFF
(USA 1986, John Hughes)
8.5/10

FORCES SPÉCIALES
(F 2011, Stéphane Rybojad)
2.5/10

HANNA
(USA/UK/D 2011, Joe Wright)
6.5/10

HOW I MET YOUR MOTHER - SEASON 7
(USA 2012, Pamela Fryman u.a.)
7/10

IN TIME
(USA 2011, Andrew Niccol)
5/10

INTO THE ABYSS
(USA/UK/D 2011, Werner Herzog)
7/10

MOONRISE KINGDOM
(USA 2012, Wes Anderson)
7/10

NATURAL CITY
(ROK 2003, Min Byung-chun)
4/10

THE OFFICE - SEASON 8
(USA 2012, David Rogers/B.J. Novak/Matt Sohn u.a.)
7/10

PARKS AND RECREATION - SEASON 4
(USA 2012, Dean Holland u.a.)
7.5/10

PROJECT NIM
(USA/UK 2011, James Marsh)
8/10

ROME - SEASON 1
(USA 2005, Michael Apted u.a.)
7/10

ROME - SEASON 2
(USA 2007, John Maybury u.a.)
7/10

SONS OF ANARCHY - SEASON 1
(USA 2008, Stephen Kay u.a.)
7.5/10

SONS OF ANARCHY - SEASON 2
(USA 2009, Gwyneth Horder-Payton u.a.)
7.5/10

SONS OF ANARCHY - SEASON 3
(USA 2010, Gwyneth Horder-Payton/Stephen Kay u.a.)
7.5/10

LE TEMPS QUI RESTE [DIE ZEIT, DIE BLEIBT]
(F 2005, François Ozon)
5.5/10

THE VAMPIRE DIARIES - SEASON 3
(USA 2012, John Behring u.a.)
6.5/10

29. Mai 2012

Project Nim

This shit is bananas.
(Gwen Stefani, Hollaback Girl)

Fast schon affig ist die Diskussion, inwieweit der Mensch und der Schimpanse miteinander verwandt sind. Oder ob überhaupt, wenn es nach Kreationisten geht. Mal mehr, mal weniger hoch ist die Prozentzahl der übereinstimmenden DNS, im Schnitt heißt es, sie belaufe sich auf fast 99 Prozent. Naheliegend also für Anthropologen, sich eingehender mit unserem scheinbar nächsten Verwandten zu beschäftigen. Wie viel Mensch steckt im Affen beziehungsweise zu wie viel „Mensch“ ist ein Schimpanse fähig? Damit setzten sich Forscher Ende der 1960er und Anfang der 1970er ausgiebig auseinander, als zwei Schimpansen von Menschen aufgezogen und ihnen American Sign Language (ASL) beigebracht wurde.

Einer von ihnen war Nim, der im November 1973 zwei Wochen nach seiner Geburt den Armen seiner Mutter Carolyn entrissen und in die Obhut von Herbert Terrace (Columbia University) übergeben wurde. “She knew what was going to happen better than I did“, erinnert sich Stephanie LaFarge in James Marshs Dokumentation Project Nim. Zuvor hatte Carolyn bereits sechs andere Kinder verloren, Nim würde dabei eine besondere Rolle zufallen. Aufgabe von LaFarge war es, ihn aufzuziehen “as if he were a child“. Dementsprechend stillte die mehrfache Mutter einer wohlhabenden New Yorker Familie der Upper Westside den Primaten sogar. “It was the seventies“, lacht LaFarges Tochter Jenny Lee in die Kamera.

“It was sort of a hippie mentality“, resümiert auch Herbert Terrace rückblickend über die Obhut im Hause der LaFarges. Hier durfte Nim seine ödipalen Komplexe gegenüber der Ersatzmutter ausleben, Alkohol trinken und hin und wieder auch mal an einem Joint ziehen. “We didn’t have to treat him like a child“, sagt nun LaFarge plötzlich entgegen des zuvor verkündeten Versuchziels. Es verwundert also nicht, wenn eine neue Projektassistentin von Terrace, Laura-Ann Petitto, diesen Zustand als “chaos“ beschreibt. Auch Terrace selbst realisierte irgendwann, “I could not do what I called good science in Stephanie’s house“. Nim wurde ihr darauf genauso wie zuvor Carolyn entrissen und Petitto anvertraut.

In neuer Umgebung mit neuen ASL-Lehrern entwickelte sich Nim dann nur bedingt weiter. Auch, weil er mit dem Alter körperlich gefährlicher wurde. Besonders Petitto kritisiert, man könne einem Tier, das einen töten kann, keine menschliche Pflege bieten. Selbst leichte Angriffe und Bisse von Nim sorgten allerdings für keine größeren Probleme. “It didn’t seem to be a cause for alarm“, sagt Terrace. “At that point.” Der Punkt kam dann 1977, als Nim nach Meinung der Forscher zu unberechenbar geworden war. Das Projekt wurde abgebrochen, Nim in eine Primatenversuchsanstalt überwiesen. “And from there on it’s downhill“, nimmt ein späterer Interviewpartner von Marsh den weiteren Verlauf von Project Nim vorweg.

Was folgt, dürfte manchem Kinogänger aus dem letztjährigen Rise of the Planet of the Apes bekannt vorkommen. Der von Menschen aufgezogene Schimpanse wird in einen Käfig abgeschoben, unter Artgenossen, mit denen er zuvor noch nie konfrontiert wurde. Im Gegensatz zu Andy Serkis’ Caesar stiftete Nim dann keine Revolution an, die Parallelen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sind ansonsten dennoch verblüffend. Sporadisch suchen frühere Freunde und „Familie“ wie Terrace, LaFarge oder der Pfleger Bob Ingersoll den Schimpansen über die Jahre auf. Nach dem Motto: Hey, wie geht’s, auf Wiedersehen. Von Einrichtung zu Einrichtung weitergereicht, fand Nims Odyssee dann erst spät ein glückliches Ende.

Mittels Talking Heads (erfreulicherweise mit allen in das Projekt beteiligten Personen), einer Masse an Archivmaterial und hier und da gelegentlichen Reenactments berichtet Oscarpreisträger Marsh (Man on Wire) von der Chronologie der Ereignisse. Dabei verzichtet er im Gegensatz zu Kollegen wie Charles Ferguson darauf, seine Gesprächspartner zu kritisieren oder mit der Ethik ihres Handelns zu konfrontieren. Marsh gibt sich weniger als Journalist denn Chronist dieses gescheiterten Projekts von Terrace. Bedauerlich ist es jedoch schon, dass er vermeintliche Widersprüche wie in der Aufzucht von LaFarge oder im Vergleich zum ähnlich gearteten Projekt um die Schimpansin Washoe Ende der 1960er nicht thematisiert.

Das Konstatieren der inkonsequenten Herangehensweise von Project Nim fällt in Project Nim daher dem Publikum zu. Wenn die Protagonisten wie eine Bande Hippies wirken, die einem Schimpansen eine Handvoll Begriffe in ASL beigebracht haben und sonst mit ihm kifften, dann, weil dies tatsächlich der Fall war. Bemerkenswert auch, dass obschon hier oftmals von Tierquälerei die Rede ist, niemand einordnen will, wie es ist, einem Affen Drogen zu geben und ihn nach Jahren des ausschließlich menschlichen Kontakts letztlich sich selbst zu überlassen. Somit setzt sich das Scheitern von Terrace, LaFarge, Petitto, Ingersoll und Co. in gewisser Weise auch auf James Marsh und seine Dokumentation der Ereignisse fort.

Am Ende war Nim weniger ein Versuchsobjekt zur Frage, ob ein Schimpanse sich bei Menschenaufzucht wie ein solcher verhält, sondern was aus einem als Mensch aufgezogenen Schimpansen wird, wenn man ihn seiner Umgebung entreißt. Würde man ein menschliches Kind in jungen Jahren von einem Erzieher zum nächsten reichen, mit Alkohol und Joints konfrontieren und es mit fünf Jahren in einem Käfig voller Affen sich selbst überlassen – es wäre ein Skandal. Und dies letztlich nur wegen der knapp ein Prozent Unterschied in unserem DNS-Material. So gesehen verrät uns Project Nim weniger darüber, wie viel „Mensch“ in einem Schimpansen steckt, sondern eher, wie wenig „Mensch“ doch tatsächlich im Menschen.

8.5/10

22. Mai 2012

Moonrise Kingdom

Are your ears pierced?

Das Kino des Wes Anderson ist bevölkert von skurrilen Figuren, durch und durch eigenen Typen, die meisten von ihnen darüber hinaus mit einem Vater-Komplex ausgestattet. Egal ob sie Max Fischer oder Steve Zissou heißen beziehungsweise den Namen „Tenenbaum“ oder „Whitman“ tragen. Es sind verlorene Charaktere in ihrer eigenen kleinen Welt und insofern verwundert es nicht, dass sie auch in Andersons jüngsten Film Moonrise Kingdom wieder zahlreich vertreten sind. Hier muss ein einsamer Insel-Sheriff, trefflich Captain Sharp (Bruce Willis) benannt, die beiden entlaufenen Teenager Sam Shakusky (Jared Gilman) und Suzy Bishop (Kara Hayward) wieder einfangen, ehe ein epochaler Sturm aufzieht.

Über diesen hält uns ebenso wie über die Peripherie der Insel New Penzance ein namenloser Erzähler (Bob Balaban) über dem Laufenden, der mit Vollbart und Mütze aussieht, wie ein entlaufener Matrose von Steve Zissous Belafonte. Getrieben wird Andersons Film dabei von einer sporadisch erzählten Liebesgeschichte zwischen den beiden einsamen Jugendlichen, wie ohnehin jede Figur in Moonrise Kingdom einsam zu sein scheint. Weder Sam noch Suzy haben Freunde, die Ehe von Suzys Advokaten-Eltern (Bill Murray, Frances McDormand) wird mehr für die vier Kinder denn füreinander aufrecht erhalten und auch Captain Sharp und Sams Scout Master Ward (Edward Norton) leben zuvorderst für ihre Arbeit.

In seiner typischen visuellen Art erzählt Anderson nun mit 90-Grad-Schwenks und kräftigen Farben diese kathartische Geschichte, die von der Schrulligkeit ihrer sympathischen Figuren lebt. Mehr weil sie beide von ihrer Umgebung als absonderlich wahrgenommen werden denn weil sie wirklich romantische Gefühle füreinander hegen, finden Sam und Suzy hier zueinander und vollziehen den klassischen Kindertraum der Erzieherflucht. Ihre Motive sind dabei so schemenhaft wie die Figurenzeichnung von Anderson und Drehbuchpartner Roman Coppola. Dem Waisenkind Sam fehlt es an einer Familie oder zumindest an einer Vaterfigur, die er auch nicht in dem väterlichen Scout Master gefunden zu haben scheint.

Suzy wiederum lebt mehr eine kindliche Rebellion aus, ist sie doch als Problemkind gebrandmarkt und Zeugin, der außerehelichen Affäre ihrer Mutter. Wo Sam gar kein Familienleben hat, ist das der Bishops stark gestört, die mit ihren Kindern entweder gar nicht (Mr. Bishop) oder per Megaphon (Mrs. Bishop) kommunizieren. Wenn Sam in einer Szene das Leben mit seinen Pflegeeltern als fast so harmonisch beschreibt wie das von Suzys Familie, klingt dies zwar positiv, erhält jedoch durch den Filmkontext den passenden bitteren Wahrheitsgehalt. Wie in seinen übrigen Filmen, selbst dem Stop-Motion-Werk The Fantastic Mr. Fox, inszeniert (wenn nicht sogar zelebriert) Anderson die dysfunktionale Familie.

Nun ist das bei dem gebürtigen Texaner nichts Neues mehr, wenn die männliche Hauptfigur Sam wie die Kollegen in Rushmore oder The Darjeeling Limited über daddy issues verfügt, Außenstehende rund um Sharp und Ward sich wie in The Life Aquatic with Steve Zissou nach sozialer Aufnahme sehnen oder Suzy mit leeren und dunklen Lidschatten unterlegten Augen wie in The Royal Tenenbaums in die Kamera blickt. Wes Anderson erfindet sich nicht neu, sondern lediglich das Grundgerüst seiner Handlung. Das einzig Neue ist, dass Figuren wie Sharp und Ward mit Willis und Norton besetzt wurden, wo man eigentlich eher einen der üblichen Verdächtigen Andersons wie Dafoe oder einen der Wilsons erwartet hätte.

Für Fans von Anderson dürfte dies allerdings wenig problematisch ausfallen. Zu amüsant und süß sind die beiden jungen Hauptdarsteller, zu gelungen viele Szenen ihres Regisseurs. Allen voran der Auftritt von Jason Schwartzman als geldgieriger Fähnleinführer eines benachbarten Camps, aber auch Wes Andersons key player Bill Murray darf dank seiner herrlich zurückgenommenen Figur brillieren. Etwas müder, aber nicht zwingend wirklich störend, fallen da die Darstellungen von McDormand, Willis und Norton aus, zu denen sich auch Harvey Keitel und Tilda Swinton in zwei wenig erinnerungswürdigen Rollen gesellen. Dies ist primär die Show von Gilman und Hayward und beide Teenager reüssieren eindrucksvoll.

All die technische Raffinesse sowie der Charme von Handlung und Figuren kaschieren aber nicht, dass Moonrise Kingdom, obschon eine Steigerung zum trägen The Fantastic Mr. Fox, nicht die Klasse Andersons früherer Werke erreicht. Im Vergleich zu diesen wirkt das Ende hier so planlos zusammengeführt (wenn auch in sich schlüssig), wie der Film zu Beginn von der Leine gelassen wurde. Es zeichnet Anderson jedoch aus, dass selbst ein „lediglich“ solider Film bei ihm noch besser gerät als so manches starke Werk in der Vita eines anderen Regisseurs. Dennoch darf sich der Texaner im nächsten Projekt thematisch ruhig mal etwas öffnen. Sonst bleibt er selbst ein verlorener Charakter in seiner eigenen kleinen Welt.

8/10

17. Mai 2012

Into the Abyss

But you can be proud of this moment.

Das Zittern war groß, würde es auch dieses Jahr wieder reichen? Immerhin hatten es andere Nationen nicht versäumt, ordentlich aufzuholen, während die USA leicht gestrauchelt waren. Am Ende dann das Ergebnis: Der fünfte Platz in der weltweiten Rangliste konnte gesichert werden! Die USA blieben somit auch 2011 das Land, das in der Zahl seiner Exekutionen nur von vier anderen Nationen übertroffen wurde. Lediglich Saudi-Arabien, Irak, Iran und mit weitem Abstand China töteten im vergangenen Jahr mehr Menschen als die US-Bundesstaaten. Trauer herrscht dagegen bei Nordkorea, das gegenüber 2010 aus den Top 5 flog.

Angesichts der „Konkurrenz“ mag man durchaus den Kopf schütteln, wenn die USA als einziges G8-Land weiterhin die Todesstrafe verhängen (und ausüben) und damit in einem Zug mit der Achse des Terrors von Nordkorea bis Iran genannt werden dürfen. Besonders in Rick Perrys texanischem Bundesstaat nimmt man sich der Todesstrafe beherzt an, wurden dort doch seit 1976 vier Mal so viele Menschen hingerichtet wie im zweitplatzierten Virginia. Ohnehin tötete Texas in 36 Jahren (von 1976 bis 2012) rund 64 Prozent der Zahl an Menschen wie in den über 360 Jahren (von 1608 bis 1976) zuvor insgesamt. Im Schnitt sind es 13 pro Jahr.

Vor zwei Jahren exekutierte Texas sogar 17 Menschen (genauso viel wie offiziell Syrien) und einer von ihnen war der 28-jährige Michael Perry. Im Oktober 2001 soll er Sandra Stotler in ihrer Garage in Montgomery, Texas erschossen haben, um sich ihres roten Camaro zu bemächtigen. Später starben noch Stotlers jugendlicher Sohn Adam sowie sein Freund Jeremy Richardson durch die Hand von Perrys Komplizen Jason Burkett. Gut eine Woche nach der Tat wurden Perry und Burkett von der Polizei verhaftet und überführt. Während Burkett für die Morde an den Jugendlichen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, erhielt Perry wiederum die Todesstrafe.

Rund eine Woche vor ihrer Ausführung am 1. Juli 2010 unterhielt sich Perry mit Regisseur Werner Herzog für dessen Film Into the Abyss über die Tat. Sozusagen. “I don’t want to get into the details of what happened“, erklärt der Deutsche in seinem bajuwarischen Akzent durch die Trennscheibe hindurch dem immer noch jugendlich aussehenden Perry, der zu Beginn des Films mit seiner höflichen Art, seinem unschuldigen Lächeln und seiner Gewissheit, als Christ ins Paradies zu kommen, Begnadigung hin oder her (“I’m either going home or home“), gar nicht wie ein kaltblütiger Mörder wirken will. Aber wer tut dies schon?

Obschon sowohl Perry als auch Burkett jeweils dem anderen das ihnen zur Last gelegte Verbrechen in die Schuhe schieben, hat Herzog im Gegensatz zu seinem Freund und Kollegen Errol Morris und dessen The Thin Blue Line kein Interesse, den alten Fall aufzurollen. Für Herzog geht es um etwas anderes, um den menschlichen Abgrund, der sich im Allgemeinen wie in den ausgewählten texanischen Orten im Speziellen auftut. Der Abgrund, der Perry und Burkett einst ausgespuckt hat und anschließend wieder verschlang. Into the Abyss wurde von vielen Kritikern als Film gegen die Todesstrafe gesehen, was er natürlich auch ist, aber noch viel mehr.

Herzog beschäftigt sich natürlich mit dem Mordfall. Er besucht die verurteilten Täter, die Familien der Hinterbliebenen, den Tatort und die Stelle, an der die Leiche von Sandra Stotler in einen See geworfen wurde. “This lady had a car that they wanted“, kürzt Lieutenant Damon Hall von der Montgomery Polizei die Tat auf einen Satz herunter. Herzog bemerkt die vermeintliche Idylle des Ortes und ihren Kontrast zu dem verübten Verbrechen. “A gated community“, pflichtet ihm Hall bei. “You would associate that with security.“ Doch der menschliche Abgrund kennt keine geschlossenen Wohnanlagen, keine Sicherheit – und auch keine Freunde.

“I introduced him to the people who killed him“, presst ein den Tränen naher Charles Richardson hervor, als er mit Herzog über den Tod seines kleinen Bruders Jeremy spricht. Wie sich herausstellt, Herzog befasst sich nur marginal damit, waren Burkett und die Opfer miteinander bekannt. Ohnehin fängt Into the Abyss eine kleine, in sich geschlossene Welt ein. In der jeder jedem schon mal begegnet ist, vermutlich auch im Gefängnis. Egal ob Perry und Burkett, dessen Bruder Chris oder Charles Richardson – sie alle saßen bereits einmal ein. Der Film skizziert eine Welt, in der die Menschen sich selbst überlassen sind. Ohne Vorbilder oder Ziele.

Dabei hat Herzog wie Morris auch ein Händchen für die skurrilen Momente, zum Beispiel wenn er Jared Talbert, einen Einwohner von Conroe, Texas, davon schwadronieren lässt, wie er angeblich einmal 30 Minuten bevor er zur Arbeit musste, tätlich angegriffen worden sei. Aus heiterem Himmel hätte ihm jemand einen ellenlangen Schraubenzieher seitlich unter die Achsel in den Brustkorb gerammt. Weil Talbert jedoch nur ein bisschen blutete, war er statt ins Krankenhaus zur Arbeit gegangen. “I had a lucky day“, sagt der ehemalige Analphabet und Knacki einem amüsierten Herzog und rotzt wie so oft während des Interviews hinter sich auf den Boden.

Vom Absurden bietet Into the Abyss wahrlich genug, allen voran hinsichtlich der Familie der Burketts. Erst 2041 hat Jason Burkett eine Chance auf Bewährung, dann wäre er fast 60 Jahre alt. Nichts Neues in seiner Familie, sein Vater sei ebenfalls seit 40 Jahren im Gefängnis. Und zwar in der Vollzugsanstalt direkt gegenüber, wie er Herzog berichtet. Einen Schnitt später haben wir ihn vor uns, Delbert Burkett, der die Mehrheit seines Lebens hinter Gittern saß, die schlimmste Strafe jedoch im Schicksal seines Sohnes ausmacht. “I’m as much at fault as he is“, gesteht er Herzog. “I was never there.” Eine Ausnahme gab es dann aber doch.

Bei der Gerichtsverhandlung seines Sohnes flehte er die Jury um dessen Leben an, nahm die Schuld für dessen Taten auf sich und würde auch bereitwillig die Haftstrafe des Jüngsten absitzen. Und tatsächlich erhielt Jason Burkett nicht die Todesstrafe, sondern lebenslänglich. “But you can be proud of that“, konsolidiert Herzog den Familienvater. Für den allerdings ist dies nur ein schwacher Trost, berichtet er doch traurig von einem Thanksgiving, das er mit seinen ebenfalls inhaftierten Söhnen Jason und Chris verbringen musste. “It was just total failure. That’s what it felt like“, gibt er seinen Gefühlen Worte. “I don’t think it gets much lower than that.”

Into the Abyss jagt den Zuschauer wahrlich hinab in den Abgrund. Was lief schief bei den Burketts, Perrys und Talberts in Texas? Der seit dem Alter von 13 Jahren drogensüchtige Delbert hatte ein Football-Stipendium, schmiss jedoch im Abschlussjahr die Schule. Was wäre wohl aus seinen Söhnen und ihm geworden, wäre einiges anders verlaufen? Vielleicht genauso wenig, stammt doch auch Perry aus einem soliden Elternhaus und verfiel dennoch den Drogen. “I chose that which I shouldn’t have“, blickt dieser auf die Umstände, die zum Mord an Stotler führten, zurück. Der Abgrund ihres Lebens führte sie alle in den Abgrund des Todes.

Die Leidtragenden sind bei Herzog jedoch nicht nur die Gefängnisinsassen. Wie die Interviews mit den Hinterbliebenen zeigen, sind auch die Familien der Opfer Gefangene. Und zwar ihrer Trauer. Die Tochter von Stotler hat kein Telefon mehr im Haus, um schlechte Nachrichten zu vermeiden, der Bruder von Jeremy Richardson sieht sich mitschuldig an dessen Tod. Sie wurden genauso in den Abgrund gezerrt, wie die Angestellten des Todestraktes, die per Gesetz Menschen ihres Lebens berauben. 120 waren es bei Fred Allen, einem ehemaligen Captain eines Todeshauses, ehe er vor 12 Jahren seinen Job kündigte und damit auch seine Rente verlor.

“Nobody has the right to take another life“, so Allens Erkenntnis. Und im Grunde denkt Vater Ricardo Lopez, ein ebenfalls im Todestrakt Angestellter, ähnlich. Er bricht zu Beginn in Tränen aus, als er über seine Arbeit und all die Menschen sprechen muss, die er in den Tod begleitet hat. “Life is precious“, resümiert der Priester. Wieso Gott die Todesstrafe erlauben würde, fragt ihn Herzog. “I don’t know the answer“, sagt Lopez, während die Kamera von Peter Zeitlinger über den Gefängnisfriedhof schwenkt. Vorbei an all den namenlosen Kreuzen, auf denen lediglich die Lebensspanne und Häftlingsnummer der darunter Liegenden vermerkt ist.

Das passt ganz gut zu Into the Abyss, der quasi im Vorbeigehen seine Kritik zur Todesstrafe loswird. Da spricht Herzog kurz gegenüber Perry an, dass dieser erst eine medizinische Untersuchung bestehen müsse, die ihn als fit genug zum Sterben deklariert, ehe er seine Todesspritze erhält. Und er konfrontiert Stotlers Tochter, die Perrys Tod als Genugtuung empfindet, mit der Frage, ob Jesus das auch so sehen würde? Vermutlich nicht, gesteht die gläubige Frau. Aber im Gottesstaat der USA ist auch Gott scheinbar nur ein kleines Rädchen im System. “There’s always a reason why God allows things to happen“, redet sich Vater Ricardo Lopez ein.

Sicher hätte Herzog oft kritischer nachhaken können, auch wenn seine freundlich-offene Art wohl mehr Redebereitschaft beim Gegenüber erzeugt hat. Etwas skeptisch ist er dann aber doch, als er die schwangere Melyssa Burkett, die Jason erst im Gefängnis heiratete, nach dem Vater ihres Sohnes befragt. Jason wäre das natürlich, Herzog mutmaßt Samenschmuggel. “You live on through your children“, sagt Melyssa. “And the love that you put into them projects to the world.“ Doch Jason wird für seinen Sohn genauso abwesend sein, wie Delbert für ihn. Hoffentlich müssen sie nicht auch eines Tages Thanksgiving hinter Gittern feiern.

7/10

8. Mai 2012

Marley

Could you be loved and be loved?
(“Could You Be Loved?”, Uprising, 1980)

Je größer der Mann, desto umfangreicher seine Biografie. So beanspruchte Nelson Mandelas „Mein langer Weg zur Freiheit“ über 800 Seiten. Ganz so ausführlich würde eine Autobiografie von Bob Marley vermutlich nicht werden, nicht zuletzt, da die Reggae- und Rastafari-Legende bereits 1981 mit 36 Jahren an Krebs verstarb. Dennoch benötigte Oscarpreisträger Kevin Macdonald beinahe zweieinhalb Stunden, um auch nur oberflächlich das Leben und Schaffen Marleys anzureißen. Nachdem sowohl Martin Scorsese als auch Jonathan Demme abgewunken und eine Dokumentation über Robert Marley aufgegeben hatten, versuchte sich der Schotte Macdonald an einer Chronologie von dessen Leben. Das Ergebnis, Marley, reüssiert und scheitert dabei zugleich. Aber: Don’t worry about a thing.

Marleys Geschichte beginnt im Dörfchen Nine Mile des im Inneren von Jamaika gelegenen Saint Ann Parishs. Hier erinnert einer seiner dort noch ansässigen Cousins daran, dass Robert als Kind gehänselt wurde, da er aufgrund seines weißen Vaters Norval als „Mischling“ galt. In einer kleinen Hütte lebend half er der Mutter aus, freundete sich mit dem von der Küste zugezogenen Neville Livingston an, der später zu Bunny Wailer werden würde, und begann sich an Musik auszuprobieren. Später zog die Familie nach Kingston und lebte im Armenviertel Trench Town, während Marley als Jugendlicher die Schule schmiss und als 18-Jähriger mit Livingston, Peter Tosh und anderen eine Band gründete, die sich irgendwann The Wailers nannte. Es folgten erste Erfolge in der Heimat und später auch in Europa.

Der internationale Durchbruch mit „No Woman, No Cry“ (1975) führte zu Tourneen in Europa und den USA, die wiederum dazu, dass erst Livingston und dann Tosh die Gruppe wegen Meinungsverschiedenheiten verließen. Marley ließ sich davon nicht unterkriegen, engagierte sich Mitte der 1970er mit Benefiz-Konzerten für den Frieden in seiner gewaltgeladenen Heimat im Kampf zwischen Rechten und Linken genauso wie 1980 bei der Unabhängigkeit von Simbabwe. Nebenbei unterstützte er seine Landsleute von seinem jamaikanischen Anwesen in der 56 Hope Road, glaubte eine Hautkrebsdiagnose an seinem Zeh aus dem Jahr 1977 besiegt zu haben und zeugte von 1967 bis 1978 insgesamt neun Kinder mit sieben Frauen. Wie sagte es Marley selbst: Love the life you live and live the life you love.

Auf dem Weg durch dieses Leben greift Macdonald nur selten auf Videomaterial von Marley selbst zurück. Vielleicht war nicht genug vorhanden, aber die vielen Talking Heads machen dies meist wett. Von Familienmitgliedern wie Marleys Mutter, seiner Witwe Rita sowie den Kindern Cedella und Ziggy über Freunde und Weggefährten wie Neville Garrick, Allan Skill Cole oder Bunny Wailer bis hin zur deutschen Krankenschwester Waltraud Ullrich, die Marley während eines Aufenthalts in einer bayrischen Krebsklinik pflegte. Sie zeichnen je nach Sichtweise das Bild eines zugleich offenen und warmherzigen, aber auch strengen Menschen, der für seine Musik lebte und bis zuletzt glaubte, er könne den Krebs besiegen. Das Bild einer Legende, die wie Jeder Fehler besaß.

So zeichnen besonders die Kinder ein ambivalentes Bild ihres Vaters. Die Eltern ihrer Freunde verboten das gemeinsame Spielen, da Bob und Rita stets bekifft seien, Marley wiederum wies (vielleicht aufgrund der eigenen Erfahrungen) darauf hin, dass sie keine Freunde bräuchten, da sie Geschwister hätten. Auch die Abwesenheit und Promiskuität des Vaters dürfte ein Problem gewesen sein, wenn auch Rita und die Kinder nur teils darauf eingehen. Flexibel und stur zeigte sich Marley auch gegenüber Livingston und Tosh was die Vermarktung ihrer Band angeht, weshalb es etwas schade ist, dass Macdonald Bunny Wailer nach der abgehandelten Band-Trennung nicht mehr zu Wort kommen lässt. Ohnehin schrammt Marley oft nur mit Glück an der Hagiografie vorbei, so kritikarm gerät er.

Zugleich arbeitet Macdonald nahezu jedes Ereignis und Thema oberflächlich ab. Zum Beispiel die Bedeutung für Marley, dass er schwarz und weiß zugleich war, von der Familie seines Vaters verstoßen wurde, wie er über seinen Krebs wirklich dachte und wie er seinen Landsleuten insbesondere in den unruhigen Zeiten der 1970er gegenüberstand. Vieles kann man sich anhand der Informationen in Marley zusammenreimen, ausgiebig setzt sich der Film aber mit keinem Thema auseinander. Macdonald will nicht den Familienmenschen Marley dokumentieren, nicht seine Rolle für die Geburt des Reggae oder die Verbreitung der Rastafari-Bewegung, Marley will einen Überblick über das Leben der Musiklegende bieten, von der Geburt bis zum Tod. Allgemein statt speziell sein also.

Sichtlich schwerer fällt dem schottischen Regisseur die Nachzeichnung eines ganzen Lebens, wo er zuvor in seinen gerühmten One Day in September (1999) und Touching the Void (2003) lediglich die Ereignisse einiger Tage aufarbeiten musste. Fraglich, ob man einer Vita wie der von Bob Marley überhaupt in einem Film, selbst wenn dieser gut 150 Minuten dauert, vollends gerecht werden kann. Macdonald jedenfalls gelingt dies nur bedingt, dahingehend, dass Marley einen Überblick verschafft wie ein Lexikoneintrag. Wen es nach weiteren Details gelüstet, der muss zu einer literarischen Biografie greifen. Und als Überblick fällt die Dokumentation inhaltlich wie inszenatorisch durchaus gelungen aus. Was sie quasi zu einer Art filmbiografisches Buffet macht und von allem ein wenig bietet.

Geschickt wechseln sich Archivmaterial, Stills, Konzertausschnitte, Landschaftsaufnahmen von Jamaika und Talking Heads ab, gewürzt mit Auszügen aus der Discografie von Bob Marley und The Wailers. Die über zwei Stunden verstreichen dabei ohne wirklich Längen, was nicht zuletzt der überzeugenden Montage, aber auch der faszinierenden Person Marleys zu verdanken ist. Erfrischend zudem, dass Macdonald hier mal nicht auf Reenactment zurückgreifen muss. So ist Marley vielleicht nicht die beste Dokumentation, die man über die Ikone hätte drehen können, dennoch ist sie unterhaltsam und grundsätzlich informativ geworden. “Man is a universe within himself”, habe Bob Marley mal gesagt. Und nach Marley weiß man: Je größer der Mann, desto umfangreicher sein Universum.

7/10

1. Mai 2012

Filmtagebuch: April 2012

APOCALYPTO
(USA 2006, Mel Gibson)
5.5/10

THE ART OF FLIGHT
(USA 2011, Curt Morgan)
5.5/10

THE AVENGERS
(USA 2012, Joss Whedon)
4.5/10

DAYS OF HEAVEN
(USA 1978, Terrence Malick)
8/10

EVIL DEAD II
(USA 1987, Sam Raimi)
7/10

THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT
(USA/D 2006, Justin Lin)
5.5/10

FOOD FIGHT
(USA 2008, Christopher Taylor)
6.5/10

GOYA’S GHOSTS
(USA/E 2006, Miloš Forman)
8/10

GRBAVICA [ESMAS GEHEIMNIS]
(BIH/HR/A/D 2006, Jasmila Žbanić)
6/10

HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER
(USA 1986, John McNaughton)
5.5/10

HOBO WITH A SHOTGUN
(CDN 2011, Jason Eisener)
4.5/10

THE LAKE HOUSE
(USA/AUS 2006, Alejandro Agresti)
6/10

THE PIRATES! IN AN ADVENTURE WITH SCIENTISTS
(UK/USA 2012, Peter Lord/Jeff Newitt)
5.5/10

RAMBO
(USA/D 2008, Sylvester Stallone)
5/10

RAMBO: FIRST BLOOD PART II
(USA 1985, George P. Cosmatos)
5.5/10

RAMBO III
(USA 1988, Peter MacDonald)
5.5/10

SHERLOCK: THE BLIND BANKER
(UK 2010, Euros Lyn)
6/10

SHERLOCK: THE GREAT GAME
(UK 2010, Paul McGuigan)
7/10

SHERLOCK: THE HOUNDS OF BASKERVILLE
(UK 2011, Paul McGuigan)
6/10

SHERLOCK: THE REICHENBACH FALL
(UK 2011, Toby Haynes)
6/10

SHERLOCK: A SCANDAL IN BELGRAVIA
(UK 2011, Paul McGuigan)
6.5/10

SHERLOCK: A STUDY IN PINK
(UK 2010, Paul McGuigan)
7.5/10

TABU - ES IST DIE SEELE EIN FREMDES AUF ERDEN
(A/D/L/F 2012, Christoph Stark)
7/10

THE THING FROM ANOTHER WORLD
(USA 1951, Christian Nyby/Howard Hawks)
6/10

THE THING
(USA 1982, John Carpenter)
8/10

THE THING
(USA/CDN 2011, Matthijs van Heijningen Jr.)
5/10

TOMBOY
(F 2011, Céline Sciamma)
7.5/10

TOUCHING THE VOID
(UK/USA 2003, Kevin Macdonald)
8/10

DAS UNSICHTBARE MÄDCHEN
(D 2012, Dominik Graf)
4/10

UTOPIA LTD.
(D 2011, Sandra Trostel)
7/10

WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE
(USA 1994, Wes Craven)
6/10