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21. April 2010

American Pie

This one time, at band camp…

Sex, Sex, Sex. Das Einzige, was für Jugendliche zählt, ist Sex. Oder sagen wir: das Einzige, was für männliche Jugendliche zählt, ist Sex. Da langt es nicht nur zu Küssen, da rutscht die Hand dann auch irgendwann unters T-Shirt. Wer will denn auch ewig auf der „second base“ verharren, wie es Kevin (Thomas Ian Nicholas) so treffend ausdrückt. Wenn die Hormone erstmal loskicken, fokussiert sich die ganze Pubertät nur auf die klimatische Mannwerdung des ersten Mals. Wer hat zuerst Haare am Sack, wer hat zuerst ein Mädchen geküsst, sie nackt gesehen und letztlich mit ihr Sex gehabt. Erster, Schnellster, Bester. Männer sind im Grunde so einfach gestrickt - machen wir uns nichts vor. Und wenn man nur nach dem Sex ein Mann ist und nur Männer aufs College gehen, dann folgt daraus im Umkehrschluss, dass man am Ende seiner High School Zeit … Sex gehabt haben sollte. Bedenkt man, dass der Durchschnittsjugendliche laut Studien sein erstes Mal mit 16 oder 17 Jahren erlebt, müsste das also drin sein. Auch, wenn man nur noch drei Wochen Zeit hat.

Mit American Pie begründeten die Gebrüder Weitz Ende der neunziger Jahre nicht nur eine sehr erfolgreiche Komödien-Serie, sondern auch - ob man will oder nicht - einen Klassiker des High-School-Genres. Die Regiekarriere der beiden Brüder wurde hiermit losgetreten, Schauspieler wie Seann William Scott, Shannon Elizabeth, Mena Suvari, Tara Reid oder Chris Klein starteten anschließend in Hollywood durch. Auch wenn abgesehen vom Stiffmeister niemand lange durchgehalten hat. Hauptdarsteller Jason Biggs ging, wie es Jay in Jay and Silent Bob Strike Back so treffend ausdrückte, als „Pie-fucker“ in die Annalen der Kinogeschichte ein. Fast noch besser als einen Apfelkuchen-fickenden Jim ist jedoch dessen Reaktion als er die Analogie der Penetration einer Vagina mit der heißen Backware hört: „McDonald’s or home-made?“ Ohnehin beherbergt American Pie ein Sammelsurium an knackigen Einzeilern und trug letztlich sogar dazu bei, dass die Abkürzung MILF heutzutage Gang und Gebe geworden ist. Auch wenn es eine übertrieben infantile Komödie ist, die sich im Vergleich zu früheren High-School-Komödien mehr als alles andere auf den sexuellen Aspekt konzentriert, hat American Pie dennoch seinen Platz im Genre gefunden.

Dass der Sherminator (Chris Owen) vor ihnen zum Schuss kam, passt Jim (Jason Biggs), Kevin, Oz (Chris Klein) und Finch (Eddie Kaye Thomas) gar nicht in den Kram. Schließlich sind sie alle noch Jungfrauen und ihr letztes Schuljahr keine drei Wochen mehr alt. Es wird also ein Pakt geschlossen. Ein Sex-Pakt, um genau zu sein. Während Finch in die Vollen geht und sich über Gerüchte als Hengst aufspielt, versuchen die anderen Drei bei ganz gezielten Frauen Punkte zu sammeln. Kevin hätte es eigentlich am Leichtesten, ist er doch immerhin schon eine Weile mit Vicky (Tara Reid) zusammen. Doch bevor die ihn ranlässt, will sie erst einmal das L-Wort hören. Jim hingegen versucht bei der Austauschschülerin Nadia (Shannon Elizabeth) zu landen, was weitaus erfolgloser verläuft, als Oz’ durchdachte Angehensweise bezüglich der Chorsängerin Heather (Mena Suvari). Dabei sollten alle Jungs immer im Hinterkopf behalten: „You don’t score until you score.” Wie es sich für eine High-School-Komödie gehört, fließt bei all dem Sex auch etwas coming of age ein. Bei manchen … ach, eigentlich allen weniger, bei Oz als Einzigem dafür mehr. Zwar „scoren“ zum Schluss auch Finch und Jim, doch von allen Figuren hat eigentlich nur der Lacrosse-Spieler wirklich eine Katharsis durchlebt.

So weit her auch das Ficken eines Apfelkuchens sein mag, viele andere Facetten des Filmes dürften Manche noch aus ihrer eigenen Jugend wiedererkennen. Beispielsweise das Anschauen eines zensierten Pornokanals, wie man es seiner Zeit bei Premiere miterleben konnte. Hier und da mal eine Brust auszumachen, da liegt das wahre Talent des notgeilen Teenagers. Dabei ist Jim im Grunde eine reichlich enttäuschende Figur, mit der man nicht wirklich Sympathie empfinden will. Dies trifft jedoch auf die meisten Jungs der Clique zu, insbesondere auch auf Finch, der reichlich überflüssig ist. Seine einzige Daseinsberechtigung hat er in seinem Clinch mit Steve Stifler (Seann William Scott), sodass sein Beischlaf mit dessen Mutter in den folgenden beiden Fortsetzungen zum Running Gag wurde. Auch Kevins und Vickys Beziehung wird reichlich pomadig präsentiert und vermag nicht mit der Romanze zwischen Oz und Heather mitzuhalten. Es ist die Geschichte der Beiden, derer sich die Gebrüder Weitz mit etwas Tiefgründigkeit widmen. Selbst wenn Klein hier schwächer auftritt als noch zuvor in Election ist es seine Figur, bzw. deren Entwicklung, die American Pie reifer erscheinen lässt als er allein durch seine Sperma-Jokes sonst wäre.

Neben dem Kuchenfick von Biggs ist am Eindringlichsten wohl Nadias Striptease im Gedächtnis der Popkultur haften geblieben. „God bless the Internet“ erscheint da in der Tat der richtige Ausspruch zu sein, wenn sich Kevin, Jim, Finch und schließlich die ganze Schule pornographisches Material über ihren Computer ansehen. Im Vergleich zu den übrigen Damen ist Elizabeth die Einzige, die sich freizügig gibt und für die obligatorische nackte Haut in der High-School-Komödie sorgt, wie man es aus einigen Genrekollegen der Achtziger bereits kannte. Summa summarum ist American Pie folglich durchaus ein Kultfilm, zumindest für die Generation, die ihn miterlebt hat. Die Erfolgsformel der High-School-Komödie greift auch hier, wenn sich viele bekannte Gesichter in ihren Zwanzigern bemühten, nochmals die Schulbank zu drücken. Die fehlende charakterliche Entwicklung bei den übrigen Figuren, sowie ein überbordender Fäkalhumor (Sperma im Bier, Dünnschiss in der Schule) verkommen dann zwar zu merklichen Störfaktoren, trüben jedoch das generell positive Bild dieser oftmals sehr charmanten, zeitgenössischen Teenie-Komödie wenig.

7/10

11. April 2010

Cop Out

Da ist er nun, das neue Werk und erste Studio-Film von Kevin Smith, der diesen somit zum sell out macht. Die Frage ist: Kann das gut gehen? Wenn der eigentliche Titel des Films, der ursprünglich A Couple of Dicks (hihi) hieß, wegen ebenjenem Titel und dem damaligen (US-)Tra-Ra zu Zack and Miri Make a Porno aber umbenannt wurde, nun Cop Out lautet? Mit einem Bruce Willis in der Hauptrolle, dessen beste Zeiten nun auch schon über ein Jahrzehnt zurück liegen? Und einem durchgeknallten Tracy Morgan als durchgeknallten Cop? Die Antwort lautet: Nein. Wer wissen will, wieso das so ist, muss wohl beim Manifest weiterlesen.

17. Dezember 2009

Role Models

The Get Out of Jail Free Card: Is that real?

Glaubt man Wikipedia, gibt es seit über einem Jahrhundert bereits in den Vereinigten Staaten von Amerika die soziale Hilfsorganisation Big Brothers Big Sisters. Hierbei kümmern sich Erwachsene um (oftmals) elternlose Kinder und dienen ihnen als Mentoren auf ihrem weiteren Lebensweg. Das System dürfte wohl auf unterschiedliche Art funktionieren, unter anderem sicherlich auch, wenn ein Problemkind von einem Erwachsenen betreut wird, der in seiner eigenen Jugend mit denselben Widrigkeiten zu kämpfen hatte. Somit bilden die großen Brüder und Schwestern eine Vorbildfunktion für die Jugendlichen, die zu einer Abkehr von Drogen und Schulabbruch führen kann oder soll. Die meisten Nicht-Amerikanern dürfte das Programm des „Big Brother“ durch die Simpsons-Folge Brother from the Same Planet bekannt sein, in der Bart aufgrund von Homers Vernachlässigung in die freizeitliche Obhut des perfekten Tom gebracht wird. Das filmische Schema, einen Slacker als chaotisches Vorbild zu präsentieren, war in Hollywood nun schon in Beiträgen wie Big Daddy abgehandelt worden. Nichtsdestotrotz versprach der Trailer und die Besetzung von Role Models, wenn schon nichts Neues, dann doch einige gelungene Momente aufwarten zu können.

Die beiden Hauptfiguren Danny (Paul Rudd) und Wheeler (Seann William Scott) könnten dabei eigentlich unterschiedlicher nicht sein. Danny hasst nicht nur seinen Job als Promoter der Energy-Drink-Kette Minotaur („Taste the beast!“), sondern auch zahlreiche andere Dinge. Zum Beispiel die Coffee-Shop-Verkäuferin die ihm einen Kaffee venti statt groß verkaufen will oder Menschen die Abkürzungen wie ASAP oder FYI verwenden. Seinen rettenden Anker scheint er dabei in seiner langjährigen Freundin Beth (Elizabeth Banks) gefunden zu haben, da sie dieselben Dinge hasst, wie Danny. Doch auch Beth geht seine negative Denkweise allmählich auf die Nerven. Umso überraschender, dass seinen Arbeitskollegen Wheeler dies relativ wenig stört. Als sprichwörtliches Party Animal liebt Wheeler nicht nur seinen Job im Minotaurus-Kostüm, sondern auch die Frauen lieben ihn…im Minotaurus-Kostüm. So wirkt es durch den ganzen Film hindurch eher so, als ob Danny mit Wheeler abhängt, weil er eben da ist und weniger, weil er es will. Als jedoch Beth einen unromantischen Heiratsantrag von Danny ablehnt und dieser bei einer der Promotion-Kurse an einer High School ausflippt, sieht er sich gemeinsam mit Wheeler plötzlich mehreren Gesetzesverstößen und potentiellen dreißig Jahren Gefängnis gegenüber. Der einzige Ausweg scheinen 150 Sozialstunden im Sturdy-Wings-Programm von Gayle (Jane Lynch) zu sein.

Im Folgenden teilt sich Role Models dann in die zwei notwendigen Hälften, die für die Katharsis aller beteiligten Figuren notwenig sind. Nachdem die Paarung erfolgt, Danny kriegt den Fantasy-Nerd Augie (Christopher Mintz-Plasse) und Wheeler den vulgären Ronnie (Bobb’e J. Thompson), müssen sich die Parteien erstmal beschnuppern und ablehnen können, bevor dann im dritten Akt des Filmes die große Akzeptanz und Versöhnung von Statten geht. Um das Schiff auf Kurs zu halten, gibt es dann gelegentlich zusammen geschmissene Szenen mit Rudd und Scott, damit das Publikum auch etwas von seinen Hauptdarstellern im Team hat. Generell ist hierbei den Aktivitäten von Wheeler und Ronnie der Vorzug zu geben, da beide etwas besser harmonieren, bedenkt man, dass sie ähnliche Interessen haben („I like your take on boobies“) und sich daher eher ein gemeinsamer Nenner findet. Zudem ist Ronnie einfach eine Figur mit sehr viel mehr freiwillig komischen Charakter („Fuck you, Miss Daisy“), während Mintz-Plasse die Michael-Cera-Schiene des liebenswerten Losers zu fahren scheint. Doch Augies Faszination fürs mittelalterliche Rollenspiel wirkt automatisch auch für den Zuschauer – oder den Teil der Zuschauer, die nicht selbst auch eine Affinität für Mittelalter-Rollenspiele haben – sehr befremdlich.

Ein Problem, an dem Role Models zu knabbern hat, ist die gegenwärtige „Vetternwirtschaft“ im Comedy-Genre. Kaum noch ein Film, in dem nicht ein oder zwei Frat-Packler auftauchen (zu denen inzwischen auch die neue Generation rund um Rogen und Co. zu zählen scheint) und in Nebenrollen Kumpels von früheren Arbeiten auftauchen. So auch hier, indem Regisseur David Wain gleich vier Schauspieler besetzt hat, die er bereits in seinem Kultfilm Wet Hot American Summer inszenierte. Hinzu kommen dann Schauspieler wie Jane Lynch oder Ken Jeong, die in allerlei Frat-Pack-Filmen in Nebenrollen auftauchen. Da fällt Jorma Taccones Cameo gar nicht weiter auf. Grundsätzlich wäre das nicht allzu kritisch zu sehen, doch wenn man im fertigen Film die Nebenrolle von Lynch derart ausbaut, ohne dass diese die Leinwandzeit durch entsprechenden Humor auszufüllen weiß, leidet der Film darunter. Was in The 40 Year Old Virgin in einer wahrhaftigen Nebenrolle noch funktionierte, misslingt nunmehr in ausgedehnter Form wegen Lynchs kaum vorhandenem Humor. Selbiges trifft auch auf die erweiterte Präsenz von Jeong zu, was besonders in einer der gekürzten Szenen nochmals überdeutlich wird. Umso bezeichnender, wenn dann hierfür die Rolle von Banks beschnitten wird, die hinter Lynch und auch Jeong zurückfällt.

Aus moralischer Sicht erfindet Wains Film natürlich das Rad nicht neu. Wheeler muss lernen, für etwas in seinem Leben – wenn schon nicht für dieses selbst – Verantwortung zu übernehmen. Bedenkt man jedoch, dass die Vorfälle zu Beginn im Grunde nicht seine, sondern Dannys Schuld sind, fokussiert sich auch der Gedanke der Katharsis eher auf Rudds Figur. Für Danny gilt es, nicht alles derart pessimistisch zu sehen und wieder Spaß am Leben zu entwickeln. Das wird dann nur bedingt wirklich transferiert, denn weder der eine Wandel, noch der andere wirken schon aufgrund der schwachen Prämisse besonders authentisch. Was alles nicht bedeuten soll, dass Role Models keinen Spaß bereiten würde, denn dafür sind sowohl Rudd als auch Scott zu erfahren, als dass nicht mehrere treffsichere Gags zu landen wüssten. Es ist daher eigentlich ausschließlich ihnen zu verdanken, dass der Film nicht in seinen überlangen Nebenfigurauswälzungen verloren geht. Mintz-Plasse gibt den nerdigen Loser wie schon in Superbad ziemlich gelungen, doch leidet die Figur unter ihrem eigenen Karma. Thompson hingegen merkt man an, dass der Junge Spaß gehabt haben muss, auf dem Set unentwegt zu fluchen und Scott zu ohrfeigen. Letztlich ist Wains Auftragsarbeit nichts Überragendes und nicht einmal etwas besonders gutes, weiß sich aber durch seine Hauptdarsteller weitestgehend über Wasser zu halten.

6/10

6. Dezember 2009

Classic Scene: Southland Tales - "You're a fucking slut"

DIE SZENERIE: Eine Gruppe von Neo-Marxisten rund um Zora Carmichaels plant einen moralischen Angriff auf die republikanische Regierung. Zwei ihrer Mitglieder, Dream und Dion, inszenieren einen Ehestreit eines frisch getrauten Paares. Hinzu kommen sollen Ronald Taverner, der als sein Zwillingsbruder verkleidet einen rassistischen UPU-Polizisten mimt und die beiden Eheleute vermeintlich erschießt. Blutpäckchen sollen von Bing, einem Helfershelfer, gezündet werden, um die Authentizität zu wahren. Als Vermittler dient Schauspieler Boxer Santaros, der für seinen neuen Film recherchiert und mit der Tochter des Gouverneurs verheiratet ist. Doch als der Beamte Bart Bookman auftaucht, eskaliert die Situation.

INT. HOUSE – LIVING ROOM
- DAY

Dream and Dion breathe slowly in and out, eyes closed.

DREAM: Transform. Breath. Dream.
DION (screams and gestures): Did you fuck him?
DREAM: Yeah, I fucked him!

Dion groans.

DREAM: I fucked him real good.
DION: You liked it?
DREAM: I fucking loved it.
DION: You bitch!
DREAM: I fucked your brother last night, too!

Dion groans again.

DREAM: I’ll fuck him in front of you, too.
DION (points his finger at her): You’re a fucking slut.
DREAM: Don’t point your finger at me.
DION: Bitch, I’ll fucking kill you!
DREAM: You kill me I get the fucking cops down here so fast.
DION (gestures wildly): How? How? How? You’re going to be dead.
DREAM: I know people.

INT. SHACK
- DAY

BING: They’re so good at improv.
ZORA: Shh.

INT. HOUSE – LIVING ROOM

DION (jumps up and down): Oh, I fucking hate you!
DREAM: I fucking hate you!
DION: Don’t marry a ho.
DREAM: I wish we’d never got married.
DION: You can’t make one a housewife. You can’t! Fuck!
DREAM: I don’t want to be a fucking housewife! I like to suck dick!

Dion groans again.

DREAM (cont.): That’s what I like to do.

Dion groans and starts to punch the air.

EXT. STREET
-DAY

Boxer and Ronald arrive outside on the street in their police car. So does Bart Bookman.

BOXER: Oh, look. Fellow officer of the law.

BOOKMAN: Howdy.

Boxer smiles naively and raises his hand in greeting.

BOOKMAN (cont.): Hermosa Beach. Little bit out of your jurisdiction. Don’t you think?

RONALD: Well, there is no jurisdiction. We’re all UPU 2 now.

WOMAN ON RADIO (O.S.): We have a possible domestic disturbance at 14000 Nowita Place, do you copy?

BOOKMAN: Boxer Santaros?

BOXER (raises his hand in greeting again): Good evening, Officer. I’m researching my movie.

DION (O.S.): I call you what you are. I’ll call you what I see. You’re a fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck You!

BOOKMAN: Sounds like you could use a little back-up.

Boxer nods his head in agreement.

RONALD: I think I can handle this.

BOOKMAN: No. I think you could use a little back-up.

DION (O.S.): You fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck you. Don’t call me a fucking bitch.
DION (O.S.): That’s what I called you and I’ll fucking kill you.
DREAM (O.S.): His fucking dick was 200 inches long. You can’t get your dick hard.
DION (O.S.): What?
DREAM (O.S.): You can’t fucking lay me.
DION (O.S.): What?

Ronald, Boxer and Bookman walk down the path to 14000 Nowita Place.

RONALD: Right behind you, Officer.
DION (O.S.): I give you my dick hard.
RONALD: Never seen so much fog.
BOOKMAN: Tidal generator.
DREAM (O.S.): Fucking asshole.

They enter the backyard garden.

DION (O.S.): You fucking slut. That’s what you are. A fucking slut.
DREAM (O.S.): You can’t get your fucking dick hard. You want me to go fuck your brother on our wedding night.

INT. SHACK

Bing holds the detonator for the fake blood wounds.

DION (O.S.): I’ll fucking knock the shit out of you, bitch.

Zora holds him back, afraid he detonates too early.

DREAM (O.S.): You’ll have to tie me up…
DION (O.S.): I’ll fucking kill you!

EXT. BACKYARD
- DAY

To Moby’s 3 Steps Bookman, Ronald and Boxer with his camera approach the backdoor of Dion’s and Dream’s house while both are still heavily arguing.

DREAM: Fuck you! Don’t fucking say that to me! You’re a fucking dick. I can’t even believe I married you.
BOOKMAN (interrupts): What the fuck is wrong with you people?

Dion and Dream turn to the intruding trio.
INT. SHACK

BING: Is that Ronald?

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Dream and Dion look at each other, uncertain what to do.

DREAM (raps): Check this out, pig. Fascist dogma applied. Revolution by surprise. My vagina will not be denied a vote in your subjective election. That’s an original poem. By Dream.

Bookman pulls his gun out of his holster and points it at Dream. Boxer’s eyes widen in shock. Bookman shoots Dream in the chest.

DION (O.S.): Oh, shit.

INT. SHACK

Bing detonates the fake blood explosion. It explodes obviously too late.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

BOOKMAN: Dream over.

Dion looks at Dream’s body in shock. He turns to Bookman who points his gun at him and shoots him in the chest, too.

INT. SHACK

Again, Bing triggers the detonator too late which causes a delayed fake blood explosion.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Boxer gasps in disbelief of what he just witnessed.


BOOKMAN (cont.): Flow my tears.

ZORA: Now that was loud. And that was funny.

BOXER: They weren’t armed.

Bookman takes Boxer’s camera from him and films the actor who starts a nervous dance with his finger tips.

BOOKMAN: This is my deal now. Now get the fuck out of here. Santaros.

Boxer and Ronald look at each other. Boxer flees the scene.

BOOKMAN (to Ronald): You’re not really here.

RONALD: Who am I?

BOOKMAN: None of your business. Now get the fuck out of here.

PILOT ABILENE (V.O.): It was an inspired idea. A staged double-murder, committed by a racist cop, captured on tape by a movie star with political ties.

BOOKMAN (to Ronald): Go!

PILOT ABILENE (V.O.): But no one could have anticipated the untimely arrival of Officer Bart Bookman.

Ronald flees the scene while Wave of Mutilation from the Pixies starts to play.

11. Oktober 2009

Jay and Silent Bob Strike Back

Ben Affleck was the bomb in Phantoms!

Für Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Kevin Smith ist es der teuerste Inside-Joke-Film aller Zeiten, für Produzent Scott Mosier etwas oberflächlicher gesehen „the most expensieve dick and fart joke movie ever made“. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwie dazwischen bzw. stimmt hinsichtlich beider Aussagen. Zwar muss man nicht die vier vorherigen Filme des New Jerseyer Regisseurs gesehen haben, um sich während Jay and Silent Bob Strike Back zu amüsieren, doch hebt die Kenntnis seines Œuvres sicherlich den Humor nochmals auf eine andere Ebene. Dass der Film dabei allein in den USA zehnmal so viel eingespielt hat wie im Rest der Welt, spricht dabei für sich und auch für den internationalen Konsum von Smiths Werken. Dabei ist sein fünfter Film ein Nonsense-Feuerwerk erster Güte mit hochrangiger Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle. Und wenn Smith dann auch noch, bis auf Jeremy London und Claire Forlani, alle seine View-Askewniverse-Figuren aufwartet, dann ist der Film zumindest für Smiths Fans ein einziges Vergnügen.

Im Grunde könnte man Jay and Silent Bob Strike Back ein Spin-Off nennen, rückt es doch zwei Nebenfiguren von Smiths vorherigen Werken (endlich) in den Mittelpunkt. Die beiden Slacker Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) haben sich in Clerks. als die Pestilenz des Quick-Stop-Supermarkts präsentiert, während sie wohl auch wegen ihrer Aktivitäten in Mallrats schließlich von Holden McNeill (Ben Affleck) und Banky Edwards (Jason Lee) in Chasing Amy als Grundlage der Comicfiguren Bluntman and Chronic dienten. In Dogma ging Smith sogar soweit, sie als Propheten an die Seite des letzten Nachkommen von Jesus Christus zu stellen, um zwei Engel davon abzuhalten die Welt zu zerstören. Spätestens jetzt hatten es sich die Berufskiffer also verdient, zu den Helden ihrer eigenen Geschichte zu verkommen. Ohnehin ist Mewes eine derart gelungene Figur – auch abseits der Filme (s. die Evening with Kevin Smith-Filme) – dass ein Film, der sich primär auf ihn fokussiert, eigentlich gar nicht schief gehen kann. Und bei näherer Betrachtung geht diese Rechnung natürlich auf. Denn woran Dogma zuvor noch scheiterte, weiß der Nachfolger zu überzeugen.

Mit einer wirklichen Handlung will Smiths Nonsense-Film nämlich gar nicht aufwarten. Zwar gibt er eine Rahmenhandlung vor, doch ist diese dabei nicht mehr als die Bühne, auf der er anschließend sein Starensemble auftreten lässt. Als Jay und Silent Bob über die Umwege von Brody (Jason Lee) und Holden erfahren, dass in Hollywood eine Verfilmung von Bluntman and Chronic stattfindet, machen sie sich auf gen Kalifornien, um jene Adaption und mit ihr all die Hasstiraden von Internetusern auf die Beiden zu stoppen. Es ist ein Zwischenstopp in der Fast-Food-Kette Moobys, der dem Film seine Wendung verleiht. Hier trifft Jay auf die hinreizende Justice (Shannon Elizabeth) und zieht sich selbst und Silent Bob fortan ins Schlamassel, wenn er sich von Justices Gang (u.a. Eliza Dushku und Ali Larter) als Sündenbock für einen Diamantraub und „master of the C.L.I.T.“ hinstellen lässt. Da die beiden Slacker einen Orang-Utan stehlen, ist ihnen fortan der Wildhüter Willenholly (Will Ferrell) auf den Fersen. Auf dem Studiogelände von Miramax findet schließlich die Klimax des Filmes stand, wenn sich Jay und Silent Bob neben Willenholly auch dem bedrohlichen Bösewicht Cock-Knucker (Mark Hamill) erwehren müssen.

Welchen Ton Smith in seinem fünften Werk angibt, macht er durch seine etwaigen Durchbrechungen der vierten Wand deutlich. Das ist ein Film, der nicht ernst genommen werden soll und auch nicht ernst genommen werden kann. Vielmehr stellt er eine Aneinanderreihung von Sketchen und Skits dar, die versuchen einem roten Faden zu folgen. Im Vergleich zu Dogma zünden diese jedoch weitaus besser, da der Kontext „nach Hollywood kommen“ weitaus verständlicher ist als „zwei Engel, Dämonen und Monster abhalten die Welt zu zerstören“. Sei es der „the book of the road“-Gag mit George Carlin und Carrie Fisher oder die herrliche C.L.I.T.-Sequenz („I am the C.L.I.T. commander!“), die ihre Fortsetzung durch Jon Stewart und Will Ferrell findet. Dass im Gegensatz zu Dogma weniger – tricktechnisch gesehen – manchmal mehr ist, zeigt auch die großartig von Mewes gespielte Planet of the Apes-Referenz. Grundsätzlich ist die Gag-Quote in Jay and Silent Bob Strike Back derart hoch, dass der Film die schwachen und die nicht so recht zünden wollenden Witze locker wett machen kann.

Speziell die Cameos zu Beginn mit Brody und Holden wollen nicht so richtig funktionieren. Lee übertreibt es etwas bei Brody (z.B. das Schokobretzel-Zitat), während Affleck nur bedingt Engagement zeigt (Smith erklärt, dies liege an der Tatsache, dass Affleck zuvor vier Filme hintereinander gedreht hätte und übermüdet gewesen sei). Auch die Furz-Witze, besonders der mit Larter, sind eigentlich derart platt, dass man geneigt ist den Film dafür abzustrafen, würde Smith nicht sogleich mit einer phänomenalen Opern-Persiflage („Justice is dead … or so thinks Jay“) wieder jenen Schandfleck ausmerzen. Eventuell ist der Film auch einfach etwas zu überfüllt, wollen manche Cameos (Seann William Scott, Judd Nelson) doch eher weniger zünden. Dafür ist der Film aber schon alleine wegen dem Gastauftritt von Gus van Sant Pflicht, der vielleicht von allen Gastspielern am überzeugendsten auftritt („Jesus Ben, I said I’m busy“). Grundsätzlich macht der Film aber schon allein wegen dem typisch view-askweniversen Affleck-Bashing Spaß. Dies zieht sich nicht nur durch dessen eigene Phantoms-Anspielung über den Film hinweg, sondern zeigt sich in weiteren, sehr amüsanten Einbindungen (Moonraper, 1007 vs. 1082). Ohnehin ist Bashing in jeglicher Form (Jason Biggs vs. James Van Der Beek) überaus gelungen und amüsant in das restliche Geschen eingebunden.

Insgesamt macht Jay and Silent Bob Strike Back also – zumindest für den Smith-Fan – jede Menge Spaß, wobei sich die direkten Anspielungen an die vier vorangegangen Filme (sieht man von den Cameos von O’Halloran, Anderson, Ewell und Lauren Adams, sowie natürlich Brody, Banky und Holden, einmal ab) in Grenzen halten. Der Film strotzt nur so vor Gastauftritten ehemaliger Smith-Kollaborateure wie Matt Damon oder Chris Rock und weiß zudem des Weiteren auch mit Wes Craven und Shannen Doherty aufzuwarten. Smith zitiert sich bisweilen selbst oder bevorzugt andere Filme, primär natürlich die, die es dem Regisseur besonders angetan haben. Darunter natürlich die obligatorische Star Wars-Referenz, aber auch Reservoir Dogs oder auch Daredevil. Wie angesprochen zündet nicht jeder Gag, aber Smith feuert so viele teils plumpe teils brillante Witze über die Leinwand, dass die Trefferquote trotz allem ausreichend ist. Im Nachhinein ist sein (bisher) vorletztes View-Askewniverse-Werk durchaus zuerst an die eigenen Fans gerichtet, denn an ein breites Publikum. Wobei grundsätzlich wohl kaum jemand einen Kevin-Smith-Film schaut, wenn er denn kein Fan des New Jerseyer wäre. Letztlich ist Jay and Silent Bob Strike Back jener Film, der Dogma aufgrund seiner Thematik nicht wirklich vermochte zu sein. Der teuerste Inside-Joke-Film aller Zeiten. Mit Furz- und Schwanzwitzen.

8/10

17. Juli 2008

Southland Tales

Ladies and gentlemen, the party is over. Have a nice apocalypse.

Die vergangenen Zeiten sind schon lange her und inzwischen wartet jede Woche in unserem Leben mit Filmstarts bis zu sieben und mehr Werken auf. Lediglich wenn ein Großkaliber wie Indiana Jones droht, werden die Starts gerne verschoben, aber Filme sind inzwischen vollkommen nach der Nachfrage ausgerichtet. Hin und wieder gibt es sie aber noch, die kleinen Geheimtipps, Filme, die im Auge der Öffentlichkeit untergehen, durch Mundpropaganda oder letztlich auf DVD zu Ruhm aufsteigen. Oft finden sich auch Filme darunter, die von Kritikern, Fans oder beiden schlecht geredet werden, mitunter werden sie auch deswegen erst wirklich interessant. Einen solchen Geheimtipp – zwar nicht schlecht geredet, aber kaum beachtet – lieferte Richard Kelly 2001 mit seinem apokalyptischen Mysterie-Thriller Donnie Darko ab. Inzwischen hat das Werk nicht nur Kultstatus erreicht, sondern auch die Hollywood-Karriere von Newcomer Jake Gyllenhaal begründet, der sich demnächst als Prince of Persia verdingen darf. Regisseur und Autor Kelly selbst wurde hochgelobt, gefeiert und sein nächstes Projekt mit Hochspannung erwartet. Vier Jahre arbeitete Kelly an seinem neuesten Film, der den Titel Southland Tales tragen und als multimediales Konglomerat funktionieren sollte.

Die Vorgeschichte des Filmes würde in ein sechsbändiges Comicheft verpackt, der Film selbst sollte die letzten drei Kapitel der Geschichte beinhalten. Vor zwei Jahren feierte Southland Tales schließlich auf dem Filmfestspielen in Cannes seine Weltpremiere mit einer Laufzeit von 160 Minuten. Anschließend wurde der Film von den Kritikern verrissen, niedergemacht und die Karriere von Kelly quasi ad acta gelegt. Niemand konnte etwas mit den Visionen des jungen Regisseurs anfangen, geschweige denn die erzählte Geschichte ansatzweise begreifen. Doch Kelly ließ sich nicht unterkriegen, schnitt den Film um und änderte seine gesamte Planung des Projektes. Es wurden nicht nur zwanzig Minuten des Filmes zugunsten der Fokussierung auf eine Hauptfigur (Boxer) geschnitten, auch die Vorgeschichte wurde statt in sechs Comicbände der Einfachheit halber in drei Comicausgaben verpackt. Während manche Rezensenten wie das EMPIRE Magazin ihre Meinung anschließend verbesserten, blieb dem deutschen Kinopublikum bis heute eine Sichtung des Filmes verwehrt, auf DVD ist der Film nur im Bundle mit Donnie Darko erhältlich.

This is the way the world ends
This is the way the world ends
This is the way the world ends
Not with a whimper but with a bang.


Die drei Bände erschienen von Mai 2006 bis Januar 2007 und sind inzwischen auch zusammengefasst im Handel erhältlich. Zwar lässt sich Southland Tales auch ohne die Kenntnis der Comics verfolgen, doch helfen diese einzelne Beziehungen wie die zwischen Roland Taverner und Pilot Abilene besser zu skizzieren und nachzuvollziehen. In Two Roads Diverge wird das Geschehen eingeläutet, so wie es Kelly zu Beginn von seinem Film nacherzählen wird. Der ehemalige Football- und jetzige Filmstar Boxer Santaros wacht in der Wüste von Nevada auf, orientierungs- und erinnerungslos. Zufällig stößt der Spieler und Kriminelle Fortunio Balducci auf Boxer und sammelt diesen auf. Da Fortunio aufgrund von Spielschulden Los Angeles verlassen muss, braucht er ein Visum, um die Grenzen passieren zu können. Hierfür sucht er die ambitionierte Pornodarstellerin Krysta Now auf, die Verbindungen zu Regierungsbeamten hat. Die gesamte Handlung findet hierbei in einer alternativen Zukunft der Vereinigten Staaten des Sommers von 2008 statt. Al Quaeda hat zwei Nuklearwaffen am amerikanischen Unabhängigkeitstag 2005 in Amerika gezündet, ein Ereignis, das als „American Hiroshima“ in Erinnerung blieb.

I’m a pimp and pimps don’t commit suicide.

Fortan befinden sich die USA im Dritten Weltkrieg mit der Achse des Bösen (Irak, Iran, Nordkorea, Afghanistan, Syrien, Saudi-Arabien) und sind zum Überwachungsstaat verkommen. Wer einen der Bundesstaaten überqueren will, bedarf eines Visums, unzählige Kameras der Firma USIDent verfolgen die Bürger auf Schritt und Tritt. USIDent ist ein geistiges Kind von Nana Mae Frost, Ehefrau des republikanischen Senators Bobby Frost, der 2008 für die Position des Vizepräsidenten kandidiert. Beide haben eine Tochter, Madeline Frost, zugleich Ehefrau von Boxer Santaros. Die drei Comicbänden von Kelly sind so komplex, dass es unmöglich ist, sie in Kürze abzureißen. In den weiteren Ausgaben Fingerprints und The Mechanicals wird der Leser noch die Bekanntschaft von Jimmy Hermosa, Zora Carmicheals sowie Dion und Dream machen. Insbesondere aber der Baron Von Westphalen, Mitbegründer der nach seinem Heimatort Trier benannten Firma Treer und Entdecker des alternativen Treibstoffs Fluid Karma wird sich als Hauptantagonist herausstellen. Was es genau mit Fluid Karma auf sich hat und welche Rolle Simon Theory und Teena MacArthur darin spielen, wird ebenso thematisiert wie das ominöse Drehbuch „The Power“, welches von Krysta Now verfasst wurde und die letzten drei Tage auf Erden beschreibt.

Wie angesprochen bedarf es nicht notwendigerweise der Comichefte, um dem Film folgen zu können. Worum es sich genau bei USIDent, Fluid Karma und den Neo-Marxisten handelt, erfährt man auch zur Genüge im Film. Um den Themenkomplex von Kellys Offenbarung jedoch vollends – oder ansatzweise – zu verstehen, kann eine Studie der Prequels nicht schaden. Manche Dinge lässt Kelly in Southland Tales auch nochmal wiederholen, beispielsweise die Pressekonferenz von Baron Von Westphalen und seiner Mutter Inga. Im Vorspann zeigt Kelly die Geschehnisse des „American Hiroshima“ und seine Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft. Soldaten werden willkürlich zum Kriegsdienst eingezogen, darunter auch Roland Taverner (Seann William Scott) und der Nachwuchsschauspieler Pilot Abilene (Justin Timberlake). Beide werden im irakischen Falludscha ein Erlebnis teilen, welches für die Handlung von Southland Tales mitentscheidend sein wird. Doch Southland Tales befasst sich mit verschiedenen Erzählsträngen, die immer wieder miteinander verwoben werden. Essentiell für die Geschichte ist die Präsidentschaftsvorwahl der Bürger von Kalifornien, besteht in Kalifornien doch seit zwei Jahrzehnten erstmals die Chance für die Republikaner die Oberhand behalten zu können. Um liberaler zu wirken, macht Senator Bobby Frost gemeinsame Sache mit dem egomanischen Baron Von Westphalen und Treer.

Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Allerdings verfolgt der Baron eigene Pläne und der gemeinsame Interessenspunkt scheint der verschollene Boxer Santaros (Dwayne Johnson) zu sein. Dieser kann sich weder erinnern wer er ist, noch was seine Bestimmung sein soll. Pornodarstellerin Krysta Now (Sarah Michelle Gellar) nutzt dies gekonnt aus und verkauft Boxer das von ihr verfasste Drehbuch „The Power“ als dessen eigenes Gedankengut. Für die Recherche seiner Filmrolle als apokalyptischer Cop Jericho Cane bedarf es jedoch eindringlichen Nachforschunugen, welche die Neo-Marxisten um Zora Carmichaels (Cheri Oteri) für sich zu nutzen versuchen. Roland wurde entführt und sein Zwillingsbruder Ronald soll seinen Platz einnehmen. Die Idee ist, dass Roland als rassistischer Cop einen Mord an den Untergrundikonen Dion und Dream inszeniert, damit durch Boxer Santaros die Ambitionen des Republikaners Bobby Frost gedämpft werden. Letztlich kommt aber alles ganz anders, wie jeder gedacht hat, denn die Lager verschieben sich bei allen Figuren ein ums andere Mal, ebenso wie Freund und Feind.

In mancher Hinsicht können die Prequels somit zum Verständnis der Figuren beitragen. Wer sich die filmische Version von Krysta Now ansieht, erblickt kaum mehr als ein blondes Dummchen, welches gegen den Krieg und die Negierung von Jugendgeilheit vorgeht. Dabei ist Krysta Now in den Prequels eine selbst bestimmte und äußerst starke Persönlichkeit. Sie hat ihren eigenen Kopf und weiß diesen auch oftmals durchzusetzen – dieser Charakter ihrer Persönlichkeit kommt bedauerlicherweise im Film nicht oft zum Tragen. Die etwas naive Krysta wird aber in dieser Hinsicht äußerst gelungen von Sarah Michelle Gellar dargestellt, der man nicht nur das blonde Dummchen, sondern auch die Pornoactrice sofort abnimmt. Ähnlich glaubhaft ist auch die übrige Besetzung gelungen, von Mandy Moore als Madeline Frost Santaros bis hin zu Seann William Scott als Roland und Ronald Taverner. Ein besonderes Lob gebührt jedoch Dwayne Johnson, ehemals als The Rock bekannt, der hier eine starke Leistung abliefert und Erinnerungen an seine überzeugende Darstellung des schwulen Bodyguards in Be Cool wachruft. In Nebenrollen sind zudem Kevin Smith und Janeane Garofalo zu sehen, auch wenn Garofalos Figur von Teena MacArthur in der neu geschnittenen Version lediglich kurz in einer Szene zu sehen ist. Wer seine Augen aufsperrt kann sogar einen Cameo von Skandal-Regisseur Eli Roth erhaschen.

Teen horniness is not a crime.

Was aber bei Southland Tales besonders herausragt, ist sein Soundtrack. Richard Kellys Entscheidung, Musiker Moby diesen komponieren zu lassen, ist ein wahres Geschenk. Dessen elegische Stücke tragen auch eine Vielzahl von Szenen, darunter die finale Doomsday-Sequenz, aber auch eine der gelungensten Einstellungen, der Inszenierung von Dion und Dreams Erschießung. Diese wird nicht nur großartig von Mobys „3 Steps“ eingeleitet, sondern auch ebenso genial mit „Wave of Mutilation“ von den Pixies beschlossen. In das Gesamtbild des Soundtracks fügen sich aber auch „All the Things I’ve Done“ von The Killers ebenso brillant ein, wie Rebekah del Rios Version des „Star Spangled Banner“. Genauso sollte man auch die vielen Referenzen zu den Prequels lobend erwähnen, wie Bart Bookmans einsilbiges „Flow my tears“, welches dem Nichtkenner ziemlich wenig sagen wird. Hierzu kann man sicher auch die etwaigen „Do you bleed?“-Anspielungen zählen, die sich ohne die Vorgeschichte nicht nachvollziehen lassen. Insgesamt ist Richard Kelly bei einem bescheidenen Budget von 15 Millionen Dollar eine sehr stimmige Anknüpfung mit seinen Kapiteln „Temptation Waits“, „Memory Gospel“ und „Wave of Mutilation“ gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass Kellys Intention die Cannes-Version noch auf DVD zu veröffentlichen Gehör finden wird, da der „Director’s Cut“ neue Einblicke gewähren dürfte.

Den ersten Drehbuchentwurf hatte Richard Kelly 2001 wenige Wochen vor dem 11. September verfasst. Damals war Southland Tales noch als Seitenhieb auf Hollywood konzipiert worden. Doch die Ereignisse und Auswirkungen von 9/11 änderten Kellys Perspektive. Jetzt ist sein Film eine Satire über den Weltuntergang geworden, die bewusst überzeichnet ist und gewollt idiotisch und lustig wirken soll. Beeinflusst wurde Kelly für seine Geschichte von vielen verschiedenen anderen Werken, darunter zuvorderst sicherlich die Offenbarung des Apostels Johannes. Aber auch Robert Aldrichs Kiss Me Deadly zählt zu den großen Einflüssen des Filmes. Hierzu kommen dann noch wiederkehrende Zitate der amerikanischen Dichter Robert Frost („The Road Not Taken“) und T. S. Eliot („The Hollow Men“), sowie von Philip K. Dick und dem auf den Soundtrack enthaltenen Lied „Three Days“ der Gruppe Jane’s Addiction. Nunmehr ist Southland Tales ein metaphysisches und psychologisches Werk, dessen wahre Deutung wohl nur Kelly selbst vorbehalten bleibt, wie zuvor auch bei seinem Mysterie-Film Donnie Darko der Fall gewesen.

We saw shadows of the morning light
the shadows of the evening sun
until the shadows and the light were one.

Entgegen mancher Interpretation ist Southland Tales jedoch keine Verfilmung der Offenbarung, sondern bedient sich nur einiger Teile von dieser, ohne direkt auf das geschilderte Geschehen von Jesus’ Lieblingsjünger näher einzugehen. Insbesondere die wiederkehrenden Zahlen (12, 7, 4) tauchen im Film selbst nicht auf, auch die vier Reiter der Apokalypse lassen sich schwerlich erkennen, wie auch keine sieben Posaunen geblasen oder Siegel gebrochen werden. Die Interpretation ist dabei nicht immer einfach, schreibt der Film schließlich mancher Figur eine Rolle zu, die man durch bloßes Sehen anders besetzen würde. Bestes Beispiel hierfür ist die Verklärung durch Pilot Abilene, der die Funktion des Erzählers und somit des Chronisten Johannes einnimmt, dass es sich bei den beiden Zeugen um Boxer und Roland handelt. Dabei hat man als Zuschauer vielmehr das Gefühl, dass diese Rolle Dion und Dream gebührt. Ebenso verhält es sich mit dem apokalyptischen Reiter des weißen Pferdes, der im Film zwar als Walter Mung (Christopher Lambert) identifiziert wird, aber letztlich durch Martin Kefauver (Lou Taylor Pucci) dargestellt wird. Ohnehin wird – auch mit den Prequels – die Rolle von Mung in der Geschichte nicht wirklich geklärt, scheinbar gehört er aber zu den Neo-Marxisten und somit zum Baron.

Nobody rocks the cock like Krysta Now!

Aber es lassen sich durchaus einige Dinge mehr oder weniger identifizieren, so zum Beispiel Utopia Three als das Wasserungeheuer Leviathan und sein Äquivalent Behemoth zu Land (der Megazeppelin). Mit diesem geht letztlich auch der falsche Prophet Boxer unter, gemeinsam mit der Hure Babylon (Krysta Now), dem Antichristen (Baron), sowie seinen Puppen und Marionetten. Was genau mit dem Messias (Roland/Ronald) passiert, bleibt am Ende des Filmes offen, wie auch einige andere Fragen noch ungeklärt sind. Eine von ihnen wäre, wie Roland aus dem Treer Fahrzeug gelangen konnte, während Boxer mit diesem in die Luft gesprengt wurde. Oder wie es den Taverners gelang, beide Exemplare von Roland einzusammeln, nicht aber Boxer, denn die Beteiligung von Fortunio war insofern nicht von Anfang an geplant (siehe Temptation Waits). Vielleicht wird hier jedoch der Director’s Cut, ein Audio-Kommentar oder Bonusmaterial zukünftig noch etwas Licht ins Dunkle bringen. Vielleicht war dies von Kelly aber auch nie beabsichtigt, denn das Tolle an Southland Tales ist, dass der mit jeder Sichtung wächst, man jedes Mal etwas mehr versteht. Mit seinem Donnie Darko–Nachfolger ist Kelly ein außergewöhnlicher Film gelungen, ein satirischer Seitenhieb auf die heutige Gesellschaft und ein äußerst amüsantes und verqueres Zerrbild einer apokalyptischen Vision. Die Reaktionen auf den Film zeigen, dass er beileibe keine einfache Geschichte erzählt, wer sich auf den Film einlässt wird allerdings belohnt.

9/10