31. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Three

You did it. You did it, didn’t you? Did you? You didn’t do it. Yes, you did.

Mit den amerikanischen Serien und Sitcoms ist das immer so eine Sache, denn manchmal mag man manche Serien allein wegen des Piloten nicht besonders, dabei gewinnen sie erst in den kommenden Folgen so richtig an Charme. So wie bei Entourage. Bedauerlicherweise baute die dritte Staffel der in Australien zum Kult aufgestiegenen Serie How I Met Your Mother im Vergleich zum Vorjahr wieder ab, nur wenige Episoden wussten zu überzeugen. Am gelungensten fiel da noch Little Boys aus, während auch die Fortführung der Ohrfeigenwette in Slapsgiving, Everything Must Go oder Sandcastles in the Sand gefielen. Gerade letztgenannte Folge gibt zwei der Freunden eine entscheidende Richtung vor.

Im Gegensatz zu den Vorgängern wartete die dritte Staffel auch mit einigen Gaststars á la Will & Grace auf. Neben Enrique Iglesias, Heidi Klum, Britney Spears und James Van Der Beek gaben sich auch Mandy Moore, Lindsay Price und John Cho die Ehre. Dies erhöht zumindest kurzzeitig den Genuss, auch wenn gerade Britney Spears unter Beweis stellte, dass sie gänzlich frei von jeglichem Schauspieltalent ist. Ähnlich verhält es sich auch mit Iglesias oder Klum, die neben einigen Modelkolleginnen wie Alessandra Ambrosio in The Yips auftreten darf. Sarah Chalke wiederum ersetzte nachträglich Alicia Silverstone, die ursprünglich für die wiederkehrende Rolle einer Dermatologin vorgesehen war, durch die Beteiligung von Britney Spears jedoch absagte.

Im Finale der zweiten Staffel fand die Hochzeit zwischen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) statt, zudem trennten sich Hauptprotagonist Ted (Josh Radnor) und Robin (Cobie Smulders) voneinander. Sehr zur Freude von Barney (Neil Patrick Harris), der nun endlich seinen Wingman zurück hat. Die Handlung setzt nach ein paar Wochen wieder ein, als Robin kehrt Argentinien zurückkehrt - mit Gael (Enrique Iglesias), einem Windsurfenden Masseur im Gepäck. Bei Ted wiederum sorgt ein Vorfall zu Beginn dafür, dass er in der Mitte der Staffel die Dermatologin Stella (Sarah Chalke) kennen und lieben lernt. Unterdessen planen Marshall und Lily ihren Auszug aus der WG und den Kauf einer eigenen, gewöhnungsbedürftigen Wohnung.

Nach den ersten beiden Staffeln ist es etwas enttäuschend zu sehen, wie „abgekühlt“ Robin und Ted miteinander umgehen. Während Robin sich in verschiedenen Episoden sehr reif und erwachsen gibt, beispielsweise in der Beziehung zu Gael, verwundert Sandcastles in the Sand doch umso mehr ob ihres Verhaltens. Hier wollten die Serienschöpfer wohl auf Biegen und Brechen ein dramatisches Szenario für die nächsten Folgen - und viel wichtiger: für die nächste Staffel - erschaffen. Ein fader und etwas unglaubwürdiger Nachgeschmack bleibt dennoch. Ebenso störend gerät die ständige Thematisierung von Marshall und Lilys finanziellen Engpässen. Vor allem, da beide trotz alledem dauernd Geld ausgeben.

Ergänzt wird dies dann von Teds Verhalten, welches den Zuschauer besonders im Staffelfinale (Miracles) erstaunen mag. Mal hü mal hott, die Figur agiert je nachdem wie sie grad lustig ist, nicht aber nach einem festen Schema. Damit wären die negativen Punkte der dritten Staffel kurz umrissen, welche die positiven Momente ziemlich drücken. Einer dieser positiven Faktoren ist Jason Segel, der sich dieses Jahr sehr viel lustiger gibt als zuvor. An Neil Patrick Harris kommt er (und auch sonst niemand bei How I Met Your Mother) trotzdem nicht heran. Alles in allem baut die Serie wieder ab und wird in der vierten Staffel hoffentlich wieder besser werden. Dann aber bitte ohne eine Beteiligung von Britney Spears.

7/10

29. Mai 2008

Funny Games U.S.

You might get hurt.

Neu sind Remakes nun irgendwie gar nicht mehr, eher schon Alltag. Wenn sich die amerikanische Filmindustrie nicht an die Fortsetzungen ihrer eigenen Filme hält (Crank 2, The Punisher 2, Bad Boys 2, Transformers 2), kopiert sie ganz gerne andere, bereits vorhandene Ideen. Hierzu bietet sich das Ausland geradezu an, da der Durchschnittsamerikaner in seinem Kinojahr wohl nicht mehr ausländische Filme einstreuen wird, wie er Finger an der Hand hat. Man mag ihnen zu Gute halten, dass es nicht die Sache eines jeden ist, sich einen Film in fremder Sprache mit Untertiteln anzusehen. Eines der berühmtesten Remakes wurde zuletzt von Oscarpreisträger The Departed verkörpert, der ein Konglomerat aus der genialen Hongkong-Trilogie Infernal Affairs darstellt, sich dabei jedoch fast ausschließlich auf den meisterhaften ersten Teil beschränkt. Aber auch das Kinojahr 2008 kommt nicht ohne US-Remakes aus, wie Brothers, das Remake von Susanne Biers Brødre. Vermehrt werden diese Remakes im Horror-Genre verwendet, bevorzugt bei asiatischen Filmen. Dieses Jahr erscheinen unter anderen amerikanisierte Versionen von Chakushin ari (One Missed Call), Shutter und Gin gwai (The Eye). Zu diesem illustren Kreis reiht sich auch der österreichische Regisseur Michael Haneke ein, der in Funny Games U.S. ein Shot-to-Shot-Remake seines Funny Games aus dem Jahr 1997 liefert. Hierbei ist nicht nur das Drehbuch identisch, sondern jede Kameraeinstellung und jeder Schnitt - das einzige was beide Filme voneinander unterscheidet, ist das Schauspielerensemble, welches einem internationalen Standard angepasst wurde. Abgesehen von den neuen Gesichtern, sind Remake und Original identisch.

Nach eigenen Angaben habe der Film seine Intention damals verfehlt, erläutert Haneke im Presseheft. Der Film entstand als Reaktion auf das gewaltverherrlichende britische Kino der Neunziger. Doch den Film wollte damals aufgrund der unbekannten Darsteller im Ausland niemand sehen. Inzwischen ist unsere Gesellschaft in Zeiten von Eli Roth und Rob Zombie nur noch gewaltlüsterner geworden, Zentrum des Terrors sind dabei die USA geworden. Daher entschloss Haneke sich dazu, ein Remake seines Filmes zu drehen, diesmal jedoch in englischer Sprache und mit bekannten Darstellern, damit Funny Games endlich das Publikum anspricht, an das es adressiert ist. Der inzwischen verstorbene Ulrich Mühe wurde durch Charakterschauspieler Tim Roth ersetzt, die Oscarnominierte Naomi Watts übernimmt den Part von Susanne Lothar. Die beiden charismatischen Eindringlinge Arno Frisch und Frank Giering wechseln zu Michael Pitt und Brady Corbet. In welche Richtung das ganze sich dann orientiert, lässt sich am Marketing erkennen, wenn die werte Naomi Watts das Hauptplakat mit ihrem Konterfei zieren darf und auch den bekanntesten Namen zum Ensemble beisteuert. Da beide Filme miteinander identisch sind, können Urteile über das Remake lediglich anhand der Darsteller geschlossen werden. Roth und Watts spielen überzeugend in den Rollen des Ehepaars Farber, auch Corbet geht in seinem Part von Frank Giering auf, lässt bei dem schüchternen und naiven Peter kaum Wünsche übrig. Vielleicht die schwerste Figur überhaupt ist Paul, ist er doch der zentrale Charakter des gesamten Geschehens. Gut möglich, dass die Figur im Original nur deswegen so bedrohlich erschien, weil Arno Frisch sie in kurzen Hosen und mit österreichischem Akzent präsentierte. Dabei sollten wir Deutschen eigentlich keine Angst vor Österreichern in kurzen Hosen haben, Cordoba hin oder her.

Es gelingt Michael Pitt jedoch nicht Frischs Schatten auszufüllen, seine Improvisation von Paul wirkt sehr viel bedrohlicher im Sinne von aggressiver. Frisch dagegen transportierte einen gehörigen Teil seines Terrors durch das bloße Verändern seiner Stimmlage oder einen Blick mit den Augen. Allerdings ist auch die Übersetzung des Textes kein sonderlich dankbares Unterfangen, haben Worte wie „Unterhaltungswert“ im Englischen doch deutlich mehr Konnotationen als es im deutschen Sprachschatz der Fall ist. Wobei dies bereits in die Auslegung des Filmes übergeht. Eine Veränderung gibt es dann doch im Remake. Findet sich im Original eine zehnminütige und ungeschnittene Aufnahme, davon allein fünf ohne jeglichen Dialog, so setzte Haneke hier die Schere an. Kritisierte ich im Original noch, dass diese Szene „meine Geduld ein wenig überstrapaziert“ hätte, so wirkt sie jedoch im Vergleich mit dem Remake sehr viel tiefschürfender für das gezeigte Geschehen. Doch Amerikaner sind schwerlich fünf Minuten lang für eine Szene zu begeistern, in der nichts passiert, so dass auch hier eine Anpassung an den gewünschten Markt auftritt. Zu diesem Zeitpunkt kann man dann eigentlich auch ein Fazit schließend, da jedes weitere Wort sich höchstens noch auf den Filminhalt beziehen könnte. Dies soll in den folgenden drei Absätzen, die somit Spoiler enthalten, geschehen. Hanekes Remake ist zwar im Grunde eine direkte Kopie seines Vorgängers, die gekürzte Fluchtszene und Michael Pitt sorgen dann allerdings doch für einen Abfall, so dass jedem bei Option die österreichische Version von 1997 zu empfehlen ist.

You shouldn't forget the importance of entertainment.

Eine Fernsehzeitung kündigte den Film im Nachtprogramm einst mit den Worten an: Achtung, spielt mit den Sehgewohnheiten. Diese Worte beschreiben Funny Games eigentlich perfekt, im Grunde sogar ausreichend. Der Film ist an sich nichts anderes, als ein Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers. Besser gesagt spielen Paul und Peter kein Spiel mit der Familie Farber um deren Leben, auch wenn dies scheinbar den Rahmen des Filmes vorgibt, im Gegenteil spielen die beiden ein Spiel mit dem Publikum vor dem Fernseher. Mehrfach erläutert Paul dies gegenüber seiner Opfer. Als er ihnen ein Spiel offeriert, welches diese – wie er zynisch zugibt – überhaupt nicht gewinnen können, richtet er sich daraufhin direkt an den Zuschauer. „Sie sind doch auf ihrer Seite?“, fragt er rhetorisch und durchbricht dabei nicht zum ersten und letzten Mal die vierte Wand. Zwei junge Männer, höflich und gepflegt, dringen in das Haus einer unscheinbaren Familie ein und beginnen die Reinform des Terrors bei ihnen zu entfalten. Natürlich ist der Zuschauer auf der Seite der Farbers, es wirkt somit wie purer Hohn, wenn einem Paul diese Loyalitätsfrage stellt. Nach dem ersten Angriff fragt Georg seinen Peiniger, warum er seiner Familie dies alles antue und erhält lediglich ein „warum nicht?“ als Antwort. Am frühen Morgen wird er ihn bitten, doch endlich dem ganzen ein Ende zu bereiten und ihn zu töten. „Sie dürfen den Unterhaltungswert nicht vergessen“, erwidert Paul lapidar. Hierbei handelt es sich nicht um den Unterhaltungswert für Peter und Paul, sondern für den der Kinozuschauer. Diese wollen unterhalten werden und dabei nicht zu kurz kommen. Weswegen Paul das ganze Treiben auch zu einem Zeitpunkt bewusst hinauszögert, denn „wir haben noch nicht einmal die normale Laufzeit erreicht“. Im Gegensatz zu Paul ist sich Peter nicht bewusst, dass ihn ein Publikum beobachtet, er selbst verkommt auch das eine oder andere Mal zum Spielzeug von Pauls Intentionen.

Auch beim zweiten Sehen, hat sich für mich selbst nichts an der Deutung des Filmes geändert, der fraglos auf verschiedenste Weisen gelesen werden kann. Pauls Verhalten und Äußerungen, in Verbindung mit dem Gespräch zwischen ihm und Peter auf dem Boot, stimmen mich zu meiner Ansicht aus dem Originalbeitrag. Paul und Peter sind echte Charaktere, wohingegen die Farbers Fiktion sind – das schrieb ich damals. „Wenn ich weiß, dass alles nur ein Film ist, kann ich als Protagonist die Mauer der Moral durchbrechen und tun und lassen was ich will“, waren meine exakten Worte. Sicherlich kann Paul auch einfach nur deswegen Peters Tod zurückspulen, um mit der Erwartung der Zuschauer zu spielen, doch dieses Handeln ist eine so derbe Durchbrechung der vierten Wand, dass ich ihr nicht wirklich folgen will. Man stelle sich vor, man könnte sich selbst in einen Film einklinken, in eine fiktive Geschichte mit nicht realen Figuren. Hier kann man praktisch alles machen, insbesondere Gewalt, gerade jene Gewalt, die keinerlei Sinn macht und an der sich die Kinogänger heute in den Filmen eines Eli Roth oder dem dieses Jahr erschienenen Á l’intérieur so erfreut haben. Eine Familie, die es nicht gibt und ein leeres Haus. Würde man jemanden töten, der nicht existent ist? Wie in einem Videospiel. Muss man sich Vorwürfe machen, wenn es doch eigentlich kein echtes Leid ist? Wenn man sich in eine Videospieladaption von Lord of the Rings einloggt und ein Orc in die Kamera fragt, warum willst du mich töten – würde da der Spieler nicht sagen: warum nicht?

Die meisten Menschen quälen als Kinder kleinere Tiere und seien es nur Ameisen, die auf der Terrasse mit Wasser weggespült werden und mit ihren kleinen Beinen in dem Strom zappeln und einen amüsieren. Wenn man seine aggressiven Phantasien katalysieren könnte, würden das wahrscheinlich sehr viele Menschen nutzen. Haneke kritisiert diesen Zug unserer heutigen Gesellschaft, dieses Gieren nach Gewalt, dass selbst ein Sylvester Stallone seinem Rambo extra viel Gewalt zuführt, damit er bei der Jugend auch ankommt, wie dieser in einem Interview bereitwillig eingestanden hatte. Dabei zeigt Haneke seine Gewalt nicht, alle Misshandlungen der Familie geschehen im Off, die einzige wirklich zur Schau gestellte Szene ist die Erschießung von Peter. Doch diese wird mit der Fernbedienung von Paul ungeschehen gemacht. Diese Tatsache, gemeinsam mit Pauls mehrfachen Kommentaren auf Spielfilmlänge, Unterhaltungswert und weiteres, scheinen in meinen Augen meine These zu bestätigen. Hierzu zählt auch das ständige Essen, der beiden Männer, und wer isst nicht gerne, wenn er sich etwas anschaut? Der Boot-Dialog, in welchem beide über parallele Welten diskutieren, ließe sich auch so deuten, dass Peter ebenfalls eine fiktive Figur ist, weshalb er im Gegensatz zu Paul auch das Publikum nicht wahrnimmt. Hinzu kommt, dass Paul Peter nach der gemeinsamen Vorstellung im Wohnzimmer mehrfach erniedrigt, diesen sogar zum Weinen bringt. Es ist somit sehr deutlich, dass Peter und Paul nicht gleichgestellt sind, immer ist es Paul, der die Kontrolle inne hat, Paul der den kleinen Georg verfolgt, als dieser fliehen kann. Dass dieser am Ende wie seine Eltern stirbt, ist ein Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, ein unkonventionelles Ende und dabei doch nur der Anfang für ein neues Spiel.

8/10

27. Mai 2008

Things We Lost in the Fire

It wasn't meant for you to have that moment.

Sie dreht bereits seit 1991, doch richtig bekannt wurde die Dänin Susanne Bier erst elf Jahre später mit Elsker dig for evigt (Open Hearts). Dabei orientierte sie sich an dem durch Lars von Trier installiertem Dogma 95 Filmstil, der sich unter anderem auf die ausschließliche Nutzung der Handkamera beschränkte und beeindruckte mit ihrem Film nicht nur auf verschiedenen Filmfestivals, sondern inspirierte auch US-Schauspieler Zach Braff sich des Werkes als Remake anzunehmen. Einen Schritt weiter ist da bereits Jim Sheridan, der dieses Jahr in Brothers mit Jake Gyllenhaal, Tobey Maguire und Natalie Portman das Remake zu Biers 2004 erschienenem Brødre in die Kinos bringt. Endgültig zog sie dann den Blick Hollywoods auf sich, als ihr Efter bryllupet (After the Wedding) letztes Jahr als bester fremdsprachiger Film nominiert war, allerdings gegen Das Leben der Anderen den Kürzeren zog. Nun wagt Frau Bier den großen Schritt über den Atlantik und zeichnet sich verantwortlich für ihren ersten englischsprachigen Film, der irgendwie doch genauso ist, wie ihre bisherigen. Die Handkamera hat sie immer noch dabei und ihren Darstellern ließ sie bei den Dreharbeiten auch sehr viel Spielraum, was am Ende überwiegt, sind viele, viele Nahaufnahmen der Augenpartien, besonders der von Hauptdarsteller Benicio Del Toro. Das Drehbuch vom bis dato nicht aktiven Autoren Allan Loeb, inzwischen hochaktiv, beeindruckte Oscarpreisträger Sam Mendes und inspirierte ihn dazu als Produzent des Projektes zu fungieren. Letztlich fanden sich mit den beiden Hauptdarstellern Benicio Del Toro und Halle Berry und Komponist Gustavo Santaolalla drei weitere Oscarpreisträger ein, ergänzt durch den Emmy-Gewinner David Duchovny und Lieder von Frank Zappa.

Erzählt wird, wie sollte es bei Bier anders sein, die Geschichte einer Familientragödie. Duchovny spielt den liebenden und geliebten Familienvater Brian Burke, einen gutherzigen und loyalen Menschen, der eines Nachts erschossen wird, als er bei einem ehelichen Streit auf öffentlicher Straße schlichten wollte. Mit seinem Tod klarkommen muss seine Frau Audrey, überzeugend gespielt von Berry. Diese fühlt sich hilflos und allein gestellt mit den beiden gemeinsamen Kindern. Aus diesem Grund lädt sie zuerst Brians besten Freund Jerry (Del Toro) zur Beerdigung ein und bietet ihm anschließend das Gästehaus an. Interessant wird die Konstellation deshalb, weil Jerry ein mit seiner Heroinsucht kämpfender Ex-Junkie ist, der alle seine Freunde verloren hat. Niemand außer eben Brian hatte noch an ihn geglaubt und Audrey selbst ihre einzigen Streitereien mit Brian wegen dessen Freundschaft zu Jerry gehabt. Doch nun muss sie feststellen, dass ihr außer Jerry nichts mehr von ihrem Mann geblieben ist und während sie ihn näher kennen lernt, beginnt sowohl für die beiden, als auch für Audreys Kinder ein reinigender Heilungsprozess einzutreten. Gut möglich, dass es ihre Erfahrung aus Monster’s Ball ist, die Berry hier ihre Rolle so überzeugend darbieten lässt. Ihre stärksten Szenen sind fraglos die mit ihren Kindern, deren Kummer sie versucht aufzufangen, während sie selbst ihren eigenen bei sich behalten muss. Ihre anfängliche Annäherung zu Jerry erwächst aus ihren Schuldgefühlen, die schließlich zunehmen und für die Konstellation des Filmes sorgen. Was zuerst so wirkt, als wollte sie lediglich die gute Tat ihres Mannes fortführen, entwickelt sich schließlich zu einer fruchtenden Symbiose zwischen beiden Charakteren, die glücklicherweise nicht dem Klischee anheim fällt, auch wenn es mitunter den Anschein macht, als würde Bier diesen Weg beschreiten wollen.

Obschon es sich bei der dargestellten Thematik um Erlösung durch Vergebung handelt, ist sie vollkommen frei von jeglicher religiösen Konnotation. Der Film kommt natürlich nicht ohne manch gängiges Klischee aus, allen voran die harmonisch-glückliche Familie der Burkes, angeführt vom barmherzigen Samariter Duchovny, der als so perfekt portraitiert wird, dass es ihn schließlich das Leben kostet. Natürlich muss nicht jede Ehe unglücklich sein und fraglos gibt es so gute Menschen, wie Brian einer ist. Daher will man es Bier zugestehen und abnehmen, wenn sie einem diese Harmonie in Rückblenden vor Augen führt. Alles entscheidend ist ohnehin Audreys Katharsis, den Weg den sie beschreitet, um Jerry zu vergeben, ohne dass er wirklich etwas angestellt hat. Sie wird sich schließlich selbst vergeben müssen, wie es auch Jerry tun muss, wie es im Grunde alle Figuren tun müssen, damit jede am Ende ihren Frieden finden kann. Man mag es sicherlich kritisieren, wieso eine Frau, die eben noch ihren Mann deswegen anfuhr einen Junkie zu besuchen, ebenjenen kurz darauf im eigenen Haus einquartiert. Aber es geht hierbei um zweite Chancen und um ebenjenes vergeben, sich selbst und anderen, um Erlösung zu erfahren.

Das Tüpfelchen auf dem I ist natürlich die ethnische Korrektheit des Filmes, gemischt-rassige Ehe mit Hispano-Amerikaner als besten Freund, eigentlich hat nur noch der asiatischstämmige Nachbar gefehlt. Viele dürften hier ebenso mit dem neuesten Werk von Bier ihre Probleme haben, wie es in den Staaten der Fall gewesen ist. Dort wurde dem Film vorgeworfen manipulativ und einzig für die Oscars gedacht zu sein. Außerdem wurde sehr stark Biers vielfach angewendete Nahaufnahme der Augen kritisiert, letzteres kann zugegeben nach einer Weile stören. Dies liegt daran, dass es im Grunde keinerlei Zweck erfüllt, im Gegensatz zu der Verwendung die ein Sergio Leone für seinen Spannungsaufbau wählte. Wirklich schaden tut sie der Erzählstruktur dadurch jedoch auch nicht und auch die Rückblenden ergänzen sehr schön das Geschehen im Präsens. Was den Film letztlich zusammen hält, ist wie im Falle von The Savages sein Hauptdarstellergespann Del Toro-Berry, gerade letztere kann zur Abwechslung mal wieder zeigen, was schauspielerisch in ihr steckt und Del Toro selbst hat nichts von seinem spitzbübischen Lächeln aus Licence to Kill verloren. Höhepunkte des Filmes sind die einzeln gestreuten anrührenden Momente, insbesondere die zwischen Jerry und den Kindern, untermalt von Santaolallas malerischen Gitarrenklängen. Entgegen den Vorwürfen der Kritiker wurde Things We Lost in the Fire für keinen einzigen Oscar nominiert, wobei sich Berry hinter Swintons Leistung aus Michael Clayton nicht zu verstecken braucht, während es Del Toro wiederum gegenüber seinen Konkurrenten schwer gehabt hat. Regietechnisch weiterentwickelt hat sich Bier allerdings nicht, was sie vielleicht mal sollte, wobei es an neuen Angeboten sicher nicht ausbleiben wird.

7.5/10

25. Mai 2008

Sex and the City

Tell me it’s just you and me.

Dass Frauen gerne tratschen, dass weiß man(n) ja und verwundert einen auch nicht. Sie tauschen sich über dies und das aus, eigentlich über alles und vor allem über ihr Privat- und Sexleben. Eine solche Frau war und ist Candace Bushnell, die im Jahre 1994 für den New York Observer begann Sexkolumnen zu verfassen, die auf ihrem eigenen Lebensstil und dem ihrer Freunde basierten. Die Figur in ihren Kolumnen, Carrie Bradshaw, stellt hierbei Bushnells alter ego dar. Eine Sammlung dieser Kolumnen erschien schließlich drei Jahre später gesammelt als Buchband unter dem Titel Sex and the City. Angetan von dem Buch war Darren Star, der Erfolgsproduzent von Melrose Place und Beverly Hills 90210. Star bezahlte Bushnell $ 50.000 für die Rechte an ihren Kolumnen und wollte eine Serie erschaffen, die eine glaubhafte Erwachsenenkomödie sein könnte, einschließlich der dazugehörigen Portion Sex. Um die Stimmung der Serie aufzulockern wurde der dunkle und zynische Ton von Bushnells Kolumnen ignoriert und eine wärmere Atmosphäre geschaffen. Aufgrund seiner vulgären Sprache und oftmaligen Freizügigkeit war der Serie keine Zukunft im öffentlichen Fernsehen beschert, stattdessen landete sie auf dem Privatsender HBO, der auch zur Heimat solcher Kultserien wie The Sopranos und Six Feet Under wurde. Sechs Staffeln wurden für HBO produziert, insgesamt 94 Folgen wurden von 1998 bis 2004 ausgestrahlt. Am Ende sprangen für alle Beteiligten dabei acht Golden Globes und sieben Emmy Awards heraus, wobei Kristin Davis die einzige aus dem Ensemble der vier Damen darstellt, die für ihre Fernsehrolle nicht mit einem Preis ausgezeichnet worden ist.

Die Serie wusste über die Jahre viele Merkmale aufzuweisen, eines der eindringlichsten war die Tatsache, dass die erste Hälfte der Staffeln immer im Herbst und Winter spielte, um dann im Frühjahr und Sommer zu enden. Somit umfasst jede Staffel ein ganzes Jahr im Leben der vier Freundinnen. Diese unterscheiden sich mehr oder weniger stark von ihren Vorbildern aus Bushnells Kolumnen und untereinander. Hauptprotagonistin ist Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), zu Beginn der Serie Anfang 30 und auf der Suche nach Mr. Right in der Großstadt New York City. Carrie schreibt hauptberuflich Kolumnen über ihre Erfahrungen in der Stadt, insbesondere in Hinsicht auf Männer. Während der sechs Serienjahre dreht sich die Handlung dabei oft um einen dieser Männer: Mr. Big (Chris Noth). Big ist ein wohlhabender Finanzier, der jedoch keine langfristige Bindung mit Carrie eingehen möchte. Beide werden im Verlauf der Serie immer wieder einmal zusammen kommen, nur um im Serienfinale endlich glücklich ein Paar zu werden. Ähnlich gepolt wie Carrie sind auch Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon). Charlotte ist eine puritanische und gut erzogene Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als Frauchen und Mutter zu werden. In der Serie wird diese Szenerie am deutlichsten in ihrer glücklosen Ehe mit Trey (Kyle MacLachlan), welche schließlich in Charlottes Ehe mit ihrem Scheidungsanwalt Harry (Evan Handler) mündete. Ihren Kinderwunsch konnte die scheinbar unfruchtbare Frau lediglich über eine Adoption befriedigen. Miranda hingegen ist emanzipiert und vormerklich an ihrer Karriere orientiert. Sie zählt mit Charlotte zu den gesitteten zwei der vier Freundinnen, die sich nicht durch die Betten Manhattans vögelt. Ihren Mr. Right scheint sie in Barbesitzer Steve (David Eigenberg) gefunden zu haben, auch wenn ihre Beziehung ein hin und her ist, ehe die beiden sich in der letzten Staffel verheiraten lassen.

Die letzte Person im Bunde ist die sexgeile Samantha Jones (Kim Cattrall), die fraglos die meisten Sexualpartner hatte und ihr Leben einfach lebt, wie sie es lebt. Dabei war auch Samantha nicht vor Schicksalsschlägen wie Krebs oder der Liebe gefeit. Letztlich eroberte der junge Schauspieler Smith (Jason Lewis) das Herz der Publizistin und brachte sie dazu, mit ihm nach Los Angeles zu ziehen. Damit ist quasi die gesamte Serie respektive ihr Finale in der sechsten Staffel charakterisiert. Es war ein glückliches Ende, ein solches, wie man es einer erfolgreichen Serie zu bescheren wünscht. Warum da ein Kinofilm nötig ist, werden sicherlich auch die Macher nicht erklären können, wahrscheinlich zu einem Großteil um nochmals Geld mit der Serie zu verdienen, aber auch um den Fans ein Wiedersehen mit ihren geliebten Figuren zu bescheren. Vielleicht dürfte der letztgenannte Punkt überwiegen, denn Sex and the City macht sich kaum Mühe, dem unerfahrenen Zuschauer Einblick in das Geschehen zu werfen. Wer sind Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha? Das wird vorausgesetzt, so wie ihre Vorgeschichte. Zwar versucht Michael Patrick King, Mitproduzent der Show, im Vorspann eine Zusammenfassung der Ereignisse der sechsten Staffel zu geben, doch diese dürften auch eher an die Fans gerichtet sein, welche die Serie seit vier Jahren nicht mehr gesehen haben. Das stimmungsvolle Theme, welches die Serie einzuleiten pflegte, wird dann bedauerlicherweise auch nach wenigen Klängen zu Gunsten einer grausigen HipHop-Version von Fergie abgewürgt. Doch es wird glücklicherweise später noch in den Film mehrfach eingebunden werden.

King setzt mit dem Film dann quasi auch dort an, wo die Serie vier Jahre zuvor aufgehört hat. Allerdings lief die Zeit in der Serie mit, sodass auch in Carries fiktiver Welt vier Jahre vergangen sind. Sie ist immer noch mit Big – dessen Name vollständig enthüllt wird – liiert und beide suchen sich eine gemeinsame Wohnung. Damit sie eine sichere Basis hat, bringt Carrie das Thema Hochzeit ins Spiel. Wer die Serie kennt, weiß, dass dies für beide Figuren ein heikles Thema ist, war Big schließlich mehrfach verheiratet und hat Carrie ihre Verlobung mit Aidan (John Corbett) abgebrochen. Nunmehr plant Carrie die Hochzeit im großen Stil, inklusive Kleider von Vivian Westwood und Co. Auch in dem Leben der anderen drei hat sich nicht viel geändert, Charlotte ist glücklich mit Harry und der gemeinsamen chinesischen Adoptivtochter Lily, Miranda ist dasselbe Glück scheinbar mit Steve und Sohn Brady beschert. Doch ihr Job nimmt Miranda immer noch zu sehr ein, ihre Ehe hat darunter zu leiden, insbesondere ihr Sexleben. Samantha hingegen hat ihr Leben ganz der Karriere von Smith verschrieben und muss erst damit zu Recht kommen, nicht zuerst an sich zu denken. Logischerweise ist dies keine Ausgangsbasis, um eine Sex and the City Geschichte zu erzählen. Hauptsächlich konzentrieren wird sich die nun einsetzende Handlung um Carrie und Miranda, die von allen Freundinnen wirklich zu straucheln haben. Am Tag der Hochzeit bekommt Big weiche Knie und Steve betrügt Miranda – das Chaos ist perfekt. Auch die Beziehung von Samantha und Smith läuft nicht mehr so, wie Samantha sich dies wünscht. Vor allem nicht, da nebenan Casanova selbst eingezogen zu sein scheint. Außen vor ist in der Filmhandlung die gute Charlotte, bei welcher man sich wohl einfach nicht getraut hat, großartige Veränderungen einzuführen. Somit besteht auch für Davis wieder einmal kaum die Gelegenheit, sich gegenüber ihren Kolleginnen auszuzeichnen.

Was folgt sind mehr als zwei Stunden der gewohnten Sex and the City-Atmosphäre, im Grunde ein großes, vier Folgen umfassendes Special, welches – soviel kann sich jeder denken – am Ende dort aufhört, wo es zu Beginn des Filmes angefangen hat. Ein neues Gesicht gibt es dabei auch, Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson darf sich einige Einstellungen lang als Carries Assistentin präsentieren, obschon ihre Figur total unwichtig ist und schneller aus den Augen verschwindet, als man schauen kann. Eindringlicher ist dagegen ihre Arbeit auf dem Soundtrack des Filmes (auch die sie sich auch hätte beschränken können). Der Film führt auch zu einem Wiedersehen mit Carries bestem Freund Stanford oder ihrer Redakteurin Enid (Candige Bergen), dagegen bleiben andere Figuren außen vor. Das Ende mit Big wäre jedenfalls eine exzellente Ausgangsbasis gewesen, um eventuell noch einmal den guten Berger (Ron Livingston) einzuführen, nachdem eine Zukunft mit Aidan bereits in der Serie zu den Akten gelegt wurde. Ansonsten liefert SatC genau das, was die Fans der Serie von dieser gewohnt waren. Carries voice overs tragen durch die Geschichte, beschäftigen sich mit der Frage, ob wir wirklich glücklich werden können, in dieser Stadt New York City. Sie zweifelt an sich und hier kommt Hudsons Charakter ins Spiel, wobei diese Funktion auch eine der Freundinnen hätte ausüben können. Vielleicht wollte King auch lediglich etwas ethnisch-korrekter werden, sind Afro-Amerikaner in der Serie schließlich oft Mangelware gewesen. Der Charme und Witz der Serie kann jedenfalls auf die große Leinwand transportiert werden, auch die Mode kommt selbstverständlich nicht zu kurz. Im Grunde ist der Film eine einzig lange Episode, sodass sich mit Bestimmtheit sagen lässt, dass wer seinen Gefallen an der Serie gefunden hat, ihn auch im Kinosaal finden wird.

8/10

23. Mai 2008

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Dasvidanja, Dr. Jones.

Wenn man sich etwas mit Raiders of the Lost Ark beschäftigt, dann erfährt man, dass laut Produzent George Lucas niemand in Hollywood das Drehbuch verfilmen wollte, dass es von allen Studios abgelehnt wurde. Gleichzeitig aber wurde scheinbar ein Fünf-Filme-Vertrag abgeschlossen für die Indiana-Jones-Reihe – es versteht sich von selbst, dass man bei Zweifeln an einem Filmprojekt immer gleich dafür sorgt, wenn schon dann richtig unterzugehen. Lucas behauptet auch allen ernstes, dass Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull aussieht, es wäre es drei und nicht zwanzig Jahre nach Indiana Jones and the Last Crusade gedreht worden. Frank Marshall erdreistet sich zu der Aussage, dass CGI im vierten Abenteuer des Archäologen nur dort angewendet wurde, wo sie nötig gewesen sei. Wer den Film gesehen hat, kann sich nur auf den Arm genommen fühlen, von solcherlei Aussagen. Regisseur Steven Spielberg selbst kam auf die Idee zu einem neuen Abenteuer, als ihn sein Sohn vor wenigen Jahren auf die verbleibenden beiden Teile ansprach.

Angeblich wurde – wie man jetzt behauptet – seit neunzehn Jahren versucht, an einem Drehbuch zu schreiben. Vor zwei Jahren soll Hauptdarsteller Harrison Ford gemeint haben, wenn der Film bis 2008 nicht zu Stande kommt, werde er ihn überhaupt nicht mehr drehen. Dies hat dann scheinbar dazu geführt, dass Spielberg händeringend nach einem Drehbuch gesucht haben soll. Dennoch soll bereits 2002 M. Night Shyamalan mit einem Drehbuchentwurf beauftragt worden sein, nach ihm auch Oscarpreisträger Stephen Gaghan und im selben Jahr schließlich auch Frank Darabont. Dessen Skript – welches Indys Vater und Bruder einbezog, die von Sean Connery und Kevin Costner hätten gespielt werden soll – wurde von Spielberg geliebt und von Lucas verabscheut. Letzten Endes schrieb Spielberg-Spezi David Koepp (War of the Worlds, The Lost World) das Drehbuch und nahm ein bisschen was aus all den vorherigen Entwürfen auf.

Man merkt schon, hier sagt jeder etwas anderes und wie es Mulder immer so schön formulierte: die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Von jemandem wie George Lucas kann man sie zumindest nicht erfahren, der Mann hat sich jeglichen Respekt mit der DVD-Veröffentlichung der Star-Wars-Trilogie verspielt. Seine Intention an einem vierten Indiana Jones-Abenteuer dürfte, wie immer bei ihm, die reine Geldmacherei gewesen sein. Was Spielberg zu diesem Projekt trieb, liegt auch auf der Hand: die Karriere von seinem Zieh-Sohn Shia LaBeouf muss weiter angekurbelt werden. Da reicht es nicht aus ihn in sämtlichen DreamWorks-Produktionen unterzubringen und vor Kingdom of the Crystal Skull noch eben den Teaser zu dessen neuem Film Eagle Eye zu schneiden. Zudem gab der Oscarpreisträger kund, dass der Film lediglich ein Zugeständnis an die Fans sei. Der einzige, dem das Projekt wirklich etwas zu bedeuten schien, scheint Ford gewesen zu sein und man merkt ihm seinen Spaß, seine Motivation und seinen Elan in jeder einzelnen Minute an. Indiana Jones geht auf die 60 zu, aber Ford sorgt dafür, dass man es der Figur in keiner Sekunde anmerkt.

Das ist der mit Abstand größte Verdienst, den man Kingdom zusprechen kann, denn er geht in jeder Einstellung ehrenvoll mit seiner Figur um und feiert diese. Kaum zwei Tage in den Kinos sorgte das neueste (und letzte?) Abenteuer des amerikanischen Archäologen für eine Spaltung der Fans. Die einen finden ihn gut, exzellent, genauso wie die Trilogie – die anderen sind enttäuscht. Vom Drehbuch, von Spielberg, vom Gesamtpaket. Bei Rotten Tomatoes hält Kingdom eine Wertung von 78% und nimmt damit den letzten Platz in der Tetralogie ein (hinter Temple of Doom mit 86%). Bei IMDb (7.5/10) und Metacritic (5.2/10) sieht das ganze noch schlechter aus – Tendenz nach unten. Vierhundert Millionen Dollar muss der Film einspielen, damit Paramount kein Verlustgeschäft macht – so wie die Schlangen an den Kinos aussahen, dürfte er diese Summe fast am ersten Wochenende einspielt haben. In den USA spielte er zumindest am verlängerten Memorial Day Wochenende 150 Millionen Dollar ein – beinahe seine Produktionskosten.

Hatte Raiders noch 20 Millionen Dollar gekostet, kam Spielberg bei Kingdom nicht unter 185 Millionen Dollar aus. Hauptgrund dürften die Actionszenen und allen voran die digitalen Effekte von ILM gewesen sein. Herhalten musste das Geld für animierte Tiere, die keinerlei Zweck erfüllen, Matte Paintings und Comichafte Elemente. Dabei hätte man gerade letztere sehr viel gelungener auf herkömmlich Weise erzeugen können. Der vierte Teil hat an demselben Problem wie Planet Terror zu knabbern, er ist besser als er sein sollte. Da die Indiana-Jones-Reihe eine verklärte B-Movie-Hommage ist, sind die digitalen Effekte (Stichwort: Indy schaut mit dem Rücken zum Publikum auf …) viel zu bombastisch und groß geraten. Sie hätten sich sehr leicht auch mit Miniaturmodellen erreichen lassen und damit wäre auch der Charme der Serie erhalten geblieben. Vielleicht befürchtete Lucas auch lediglich, dass das gegenwärtige Kinopublikum das Interesse an altmodischen Filmen verlieren würde, wo ja bereits Schwarzweiß-Filme inzwischen verpönt sind.

Über die Matte Paintings lässt sich streiten, sie stören nicht wirklich, verleihen dem Film jedoch im Vergleich zur Trilogie, die gewollt staubig und dreckig daherkam einen neuen, praktisch innovativen Ton (und grenzt sich damit von den ersten drei Teilen hab). Gerade deshalb wird auch die Lucas'sche Bemerkung zum Aussehen des Filmes (siehe oben) ad absurdum geführt. Eventuell ist dieser Look aber auch beabsichtigt, um explizit den vierten Teil von der Trilogie abzugrenzen, somit ein Zeichen, dass er als eigenständiger Film funktionieren möchte, losgelöst von seinem Setting in den dreißiger Jahren. Dahingehend würde sich dann auch der Einsatz von CGI-Tierchen inklusive Animatronics erklären, wenn ein digitales Erdmännchen zu Beginn des Filmes die Loslösung von der nationalsozialistischen Gefahr bedeutet. Die Affen später verstehen sich zum einen als Referenz zum Äffchen aus Raiders, als auch im Kontext ihrer Szene als Hommage an die Tarzan-Abenteuer der vierziger und fünfziger Jahre, die den Schauspielern Johnny Weissmüller, Lex Barker und Gordon Scott damals zu Ruhm verhalfen. Ein Punkt, der viel zur Akzeptanz des neuen Abenteuers beizutragen hat.

Um was geht es eigentlich im vierten Teil? Indy hat zu Beginn des Filmes Probleme mit den Sowjets, die ihn extra aus Mexiko geholt haben, weil sie Informationen bedürfen. Eingeführt wird die Szenerie wie es sich gehört mit dem Paramount-Hügel-Übergang und Spielberg führt Indy wieder zuerst mit dessen Schatten ein. Der Zeitsprung in die Fünfziger zuvor ist ebenfalls gelungen, jetzt wird die Antagonistin eingeführt: Colonel Dr. Irina Spalko (Cate Blanchett). Erahnte man in den Trailerbildern, dass Blanchett ihre Spalko mit dümmlicher Frisur zur Witzfigur abstempelt, wird sie das Publikum in den kommenden zwei Stunden vom Gegenteil überzeugen. Spalko ist ein ernst zu nehmender Gegner, neben Mola Ram wahrscheinlich der gefährlichste, mit dem es Indy bisher zu tun hatte. Blanchett spielt die Figur frei beschwingt, ihr russischer Akzent überzeugt ebenso wie sie selbst (und wird auch schön von Arianne Borbach, die synchronisierte Zweitsichtung lässt grüßen, transferiert). Wirkt Ford zu Beginn des Filmes so alt wie er im wahren Leben ist, wird er mit jeder fortschreitenden Einstellung jünger und mehr zu Indy. Man merkt, hier steckt sein Herzblut drin. Ford spielt nicht Indy, nein, er ist Indy. Im Gegensatz zur Trilogie ist das Artefakt zu Beginn kein MacGuffin, sondern hängt mit dem finalen Artefakt respektive der Filmhandlung zusammen.

Die Einleitung ist jedenfalls der stimmigste Teil des Filmes, ähnelt am meisten der Trilogie und macht perfekt Laune. Hieran knüpft sich eine Hommage an das Kino der fünfziger Jahre, welches die Gefahr des Kalten Krieges und die darauf resultierende Angst vor Nuklearwaffen (Godzilla, Them!) geschickt zu rezitieren weiß. Wer Fan der Sitcom Scrubs ist, darf sich auf einen Cameo der besonderen Art freuen: Fords The Fugitive-Genosse Neil Flynn taucht im Film auf. Entgegen von Thomas-Nero Wolff wird er aber von Michael Iwannek (u.a. Matthew Perry) gesprochen – was dem Spaß jedoch keinen Abbruch bereitet. Bevor weiter auf den Film eingegangen wird lässt sich noch sagen, dass obschon natürlich die Originalfassung vorzuziehen wäre, die Synchronisation eine gute Arbeit geleistet hat. Von Borbach bis zu Wolfgang Pampel (Ford) und David Turba (LaBeouf), sie alle leisten verhältnismäßig gute Arbeit, auch wenn man den Stimmen ihre durch die Aufnahmestudios verliehene Sterilität anmerkt.

Spielberg knüpft eiligst an die nächste Referenz an. Was als fragwürdige Einführung der Figur von Mutt Williams (Shia LaBeouf) erscheint, ist per se gesehen fast logisch. 1953 erschien The Wild One, Elvis beherrscht die Musikcharts, da ist es nur verständlich, dass ein Jungspund wie Mutt sich an diesen beiden Charakteren orientiert und modelliert. Dass es sich bei LaBeouf um keinen guten Schauspieler handelt, lässt sich allein an der Tatsache ablesen, dass er 90% seiner Rollen inzwischen Papa Spielberg zu verdanken hat. Dabei darf man ihn nicht mit seiner Figur Mutt Williams verwechseln, die durchaus besser gelungen ist, als es LaBeoufs Schauspiel erwarten lässt. Er weiß jedoch im Vergleich zu Transformers und Disturbia weitaus besser zu überzeugen, dennoch wäre ein Joseph Gordon-Levitt die bessere Wahl gewesen, von einem Kevin Costner als kleinem Bruder ganz zu schweigen. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass der Transfer in die fünfziger Jahre mehr als gelungen ist, die Stimmung, der Look, das Verhalten, alles fügt sich zu einem größeren Ganzen zusammen und funktioniert. Die heraufbeschworene Gefahr des Kommunismus scheint allgegenwärtig, macht selbst in Indys obligatorischer Ruhephase am Marshall College nicht halt.

Hier unterläuft Spielberg ein kleiner Fauxpas, wenn er Jim Broadbent in einer verschandelten Rolle als Marcus Brody Verschnitt für den bedauerlicherweise verstorbenen Denholm Elliott auflaufen lässt. Noch unverständlicher ist lediglich, weshalb beide Figuren sich in der synchronisierten Version Siezen, obschon sie selbst erklärte, jahrelange Freunde sind. Die nächste „Actionszene“ wartet auf, Spielberg schraubt das Tempo hoch in seinem neuesten Film, die Momente am Marshall College selbst verweisen wiederum mehrfach auf frühere Ereignisse der Trilogie. Wie immer wird Indy auf die Suche nach einem Artefakt geschickt, für das er sich selbst kaum interessiert. War es die eigene Regierung, ein Dorfoberhaupt oder ein ominöser Finanzier, von selbst war Indy nie der Auslöser. Am ehesten spiegelt Kingdom hier noch Crusade wieder, geht es doch weniger um das Artefakt, als vielmehr um eine Rettungsaktion, welche wiederum mit ebenjenem Artefakt verbunden ist.

Das Artefakt selbst jedoch, ist wie gesagt das Problem des Filmes, zumindest wird es die Durchschiffung von Skylla und Charybdis für das Publikum werden. Wer unbeschadet durchgelangt, wird an dem Film seinen Narren fressen können. Vielleicht hat man sich mit der gewählten Thematik keinen Gefallen getan, auch wenn diese nicht sonderlich unglaubwürdiger wie die vorangegangenen Teile scheinen mag. Kingdom selbst ist hier lediglich Kind seiner Zeit: der Fünfziger. Der Trailer offenbart es bereits teilweise, die Ereignisse von Roswell im Jahre 1947 spielen eine Rolle im Film, und zwar grundsätzlich. In den fünfziger Jahren kamen in Hollywood erstmals Filme über Fliegende Untertassen und Außerirdische in die Kinos. Dazu zählt neben der ersten Adaption von H.G. Wells The War of the Worlds auch The Day the Earth Stood Still oder Earth vs. the Flying Saucers. Im Jahrzehnt von Sputnik 1 befürchteten die Menschen eine Invasion aus dem All und würde Kingdom nicht 2008, sondern 1958 in die Kinos kommen, wäre seine Handlung nichts Besonderes gewesen. Dies ist der Schlüssel zur Erkenntnis des gesamten Filmes, eine Erkenntnis, welche sich mir offen gestanden bei der ersten Sichtung nicht erschließen wollte.

Doch man kann von einem Indiana Jones Ende der fünfziger Jahre nicht dasselbe erwarten wie von einem Indiana Jones am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine andere Zeit, eine andere Ära, andere Ängste, andere Umstände. Auch das Dr. Jones mehrfach und fast ausschließlich körperliche Unterstützung von Jungspund Mutt erhält, sollte man nicht verdammen. Der gute Professor geht auf die Sechzig zu, Spielberg huldigt den alten Indy oft, aber nicht ständig. Gerade diese Szenen sind im Grunde glaubwürdig und das Ende lässt zumindest hoffen, dass den Fans ein Indy-Franchise ohne Indy erspart bleibt. Der Film selbst hat ein etwas schwächeres Drehbuch, wie die Trilogie-Teile, unnötige Figuren wie Ray Winstone, Jim Broadbent und John Hurt, ist in der Mitte etwas zu rührselig, besitzt zu viel digitalen Schnick-Schnack und das Ende ist wie beschrieben grenzwertig, gewinnt jedoch vielleicht bei mehrmaligem Sehen dazu. Der Rest ist total Indy, die Ochiophobie, der Patriotismus, der Charme, der Zynismus, die Action, das Abenteuer. Mit dem vierten Film verhält es sich wie bei mancher Geburt: es ist zwar nicht unbedingt ein Wunschkind, doch „lieben“ tut man es dennoch. Ein durchaus würdiger Teil der Reihe. Nun ist aber auch gut.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

[Edit: Der Text wurde nach der Zweitsichtung zum größten Teil geändert, daher weichen die Kommentare vom Inhalt der Review stark ab]

21. Mai 2008

The Big Bang Theory - Season One

I didn’t say it was fascinating, I said it was noteworthy.

Streber, Computerfreaks, Tüftler, Fachidioten, Langweiler, Außenseiter, Sonderlinge - all diese Übersetzungen erhält man, wenn man den Begriff „nerd“ nachschlägt. Nerds sind meist die Verlierer, die über Sex reden, aber keinen haben. Ihre Sprache besteht meist aus Pop-Kultur-Referenzen, am auffälligsten zu Star Trek oder Star Wars. Nerds sind diejenigen, die in der Schule in ihren Schrank eingesperrt, im Sportunterricht als letztes ins Team gewählt oder denen von den beliebten Mädchen Streiche gespielt wurden. Die Autoren und Produzenten Chuck Lorre und Bill Prady widmeten sich im vergangenen Sommer nun exakt dieser Gruppe von Menschen und machten sie zu den Protagonisten ihrer eigenen Fernsehserie, die auf den Namen The Big Bang Theory hört.

Sowohl Lorre als auch Prady haben jahrelange Erfahrung im Fernsehbereich vorzuweisen, darunter Involvierungen in verschiedene Erfolgsserien. Lorre selbst arbeite für die Serien Roseanne, Dharma & Greg sowie Two and a Half Men. Lorres Arbeit an Roseanne dürfte dazu geführt haben, dass Johnny Galecki die Hauptrolle der Serie übernahm und auch Laurie Metcalf sowie Sara Gilbert Gastauftritte aufweisen können. In den USA konnte die Show durchschnittlich fast 8.5 Millionen Zuschauer begeistern, büßte jedoch gerade in den letzten Folgen etwas an Publikum ein. Am Montag lief das Finale der ersten Staffel und es stand bereits frühzeitig fest, dass die Sitcom für eine zweiundzwanzig Folgen umfassende zweite Staffel im Herbst auf CBS zurückkehren wird.

Der durchschnittliche Nerd ist zwar intelligent, aber sozial und physisch merkwürdig. Dies trifft ohne Frage auf die vier Protagonisten von The Big Bang Theory zu. Im Zentrum stehen die beiden Mitbewohner Leonard Hofstadter (Johnny Galecki) und Sheldon Cooper (Jim Parsons), die über einen Intelligenzquotienten von 173 und 187 verfügen. Benannt wurden sie nach dem US-Schauspieler Sheldon Leonard, wobei für Leonards Nachname noch Physik-Nobelpreisträger Robert Hofstadter Pate stand. Sowohl Leonard als auch Sheldon verfügen über einen Doktortitel und sind Physiker an ihrer Universität. Während Leonard oftmals versucht, „normal“ zu sein oder zumindest so zu wirken, lebt Sheldon in seiner eigenen Welt, in der ihm niemand intellektuell das Wasser reichen kann.

Dies sorgt auch dafür, dass Parsons’ Charakter zur Kultfigur und zum Höhepunkt der Show wurde. Sheldon nimmt sein Umfeld stets von der theoretischen Seite her wahr, was seinen Äußerungen und seinem Verhalten ihren typischen und enorm amüsanten Touch verleiht. Die anderen beiden Nerds der Gruppe sind der ewig geile Ingenieur Howard Wolowitz (Simon Helberg) und der schüchterne indische Astrophysiker Rajesh Koothrappali (Kunal Nayyar). Etwas negativ stößt zumindest zu Beginn auf, dass Rajesh bisweilen die Rolle von Wilmer Valderamas Fez aus That 70’s Show übernimmt. Die fünfte und letzte Figur im Bunde ist die neue Nachbarin Penny (Kaley Couco), ein attraktives Mädchen aus dem Mittleren Westen der USA, in die sich Leonard auf der Stelle verliebt.

So sympathisch Howard und Rajesh auch sind, handelt es sich bei beiden um weit weniger prominente Figuren als bei Leonard und Sheldon, was nicht bedeutet, dass Creepy Howard und der in Gegenwart von Penny stumme Rajesh nichts zum Humor beitragen. Dennoch vereinnahmt Parsons’ Sheldon stets den Bildschirm, wenn er Bestandteil einer Szene ist. Seine Analogien aus den Bereichen Physik oder Biologie sind meist urkomisch, wenn er Liebesprobleme der guten Penny mit soziologischen Tierexperimenten aus den 1930ern gleichzusetzen versucht. Von den 17 Folgen ist neben der Pilot-Folge - welche die Prämisse und die Charaktere einführt - vor allem die siebte Episode The Dumpling Paradox am meisten gelungen, während die übrigen Folgen konstant gute Unterhaltung bieten.

Man muss es Lorre und Prady lassen, dass selbst Leonard neben Sheldon zu einer in Ansätzen unnötigen Figur verblasst. Großes Lob verdient sich hierbei natürlich auch Jim Parsons, der 2009 für seine Porträtierung verdientermaßen mit einer Emmy-Nominierung bedacht wurde (und den Preis 2010 nebst der Auszeichnung mit dem Golden Globe 2011 mit nach Hause nehmen sollte). Einen nervigen und zugleich, wenn auch subtil, liebenswürdigen Nerd zu spielen, ist sicherlich nicht besonders leicht. Umso erstaunlicher, dass Parsons abgesehen von einer Nebenrolle in Zach Braffs Regiedebüt Garden State weitestgehend unbekannt in der US-Unterhaltungsbranche ist. Seine starke Verbundenheit mit dem Charakter von Sheldon dürfte auch kaum neue Kinorollen mit sich bringen.

Noch weniger Erfahrung hat Kunal Nayyir vorzuweisen. Im Gegensatz zu ihm und Parsons wissen die anderen drei Mitglieder mit sehr viel mehr Erfahrung aufzuwarten. Simon Helberg gehörte unter anderem zum Ensemble von Studio 60 on the Sunset Strip, Kaley Cuoco wiederum trat zuvorderst in 8 Simple Rules…For Dating My Teenage Daughter auf. Das bekannteste Gesicht dürfte aber sicherlich Johnny Galecki sein. Interessant wäre es zu erfahren, wie echte Nerds von The Big Bang Theory denken, denn obschon mancher einer mit vielen der Pop-Kultur-Referenzen etwas anfangen kann, würde man sich schwerlich als Nerd bezeichnen, wie  Leonard darstellt (der sogar eine Darth Vader Duschhaube und ein Luke Skywalker Shampoo hat - oder umgekehrt).

Die Serie lebt jedoch nicht nur von ihren schrulligen Charakteren, sondern auch von ihren aberwitzigen Einfällen, zu denen auch die vielen Verweise auf die heutige Medienlandschaft zählen. Zugegeben sind diese eher in den Sphären der Nerds beheimatet (inwiefern beißen sich The Sarah Connor Chronicles mit Terminator: Judgement Day?), dürften aber auch dem gewöhnlichen Zuschauer gefallen. Von all den neuen Serien, die jährlich den US-Fernsehmarkt überspülen, zählt The Big Bang Theory sicherlich zu den Gewinnern des letzten Jahres und wurde nicht zu Unrecht frühzeitig verlängert. Inwiefern sich die Entwicklungen des Staffelfinals (hier geht die Show in eine ähnliche Richtung wie How I Met Your Mother) auswirken dürften, wird das Publikum dann ab Herbst beobachten können.

7.5/10

18. Mai 2008

The Office - Season Four

You don’t know me. You’ve just seen my penis.

Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln wartet The Office in ihrer vierten Auflage mit vier Doppelfolgen auf. Letztlich vielleicht nicht die beste Entscheidung, geraten einige Szenen doch etwas zäh. Ohnehin ist die Qualität der ersten Hälfte dieser Staffel eher durchschnittlich und vermag erst in den letzten sechs Folgen nochmals zu alter Klasse zu gelangen. Hauptmanko dieses scheinbaren Qualitätsverlustes ist die Tatsache, dass Ryan (B.J. Novak) nun Jans Posten als Michaels (Steve Carell) Vorgesetzter einnimmt. Nun ist es so, dass Noval weit besser als Autor der Serie denn als ihr Schauspieler taugt. Gerade seine - nun arrogante - Version von Ryan nervt ob ihrer immensen Präsenz teilweise doch ungemein. Hinsichtlich Michaels Vorgesetzten eignen sich zurückhaltendere Charaktere wie Jan oder David Wallace weitaus besser. Zudem ist bis heute unverständlich, weshalb Dunder Mifflin eine Aushilfskraft (die noch nicht einmal einen einzigen Verkauf vorzuweisen hat) in einen Managerposten befördert. Mit dieser Entscheidung haben sich Greg Daniels, Mindy Kaling und B.J. Novak im Nachhinein selbst ins Bein geschossen.

Für die vierte Staffel gibt es kein wirkliches übergeordnetes Thema. Kaum zwei Folgen haben direkt etwas miteinander zu tun, sodass vordergründig Michaels Exzentrizitäten im Mittelpunkt stehen. Beispielhaft kann hier Survivor Man angeführt werden. Ansonsten ist das Schema dasselbe, es sind die Beziehungen, welche die Serie ausmachen. Während Dwight (Rainn Wilson) und Angela überraschend Schluss machen, läuft es zwischen Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fischer) außerordentlich gut. Ganz anders hingegen entwickelt sich die Beziehung zwischen Michael und Jan. Diese zeigt sich zwar mitunter als sehr liebevolle Freundin, doch meistens ist sie doch noch eine äußerst kalte Frau, die – wie man in Dinner Party sieht – Michael wie einen Hund vor dessen eigenem Bett schlafen lässt. Allgemein ergeben sich für Michael ohnehin sehr viele Momente, die ihm das Mitgefühl der Zuschauer bescheren und ihn mitunter auch sehr sympathisch machen. Hier sei insbesondere das Ende von Survivor Man angeführt, wo man einen Michael Scott kennenlernt, den man so noch nie gesehen hat. Gegenüber Jim gesteht er ein, dass das Meiste was er tut, einfach nur der Auflockerung dient, da es anders kaum möglich scheint.

Ähnlich verhält es sich mit der sehr ambivalenten Folge Did I Stutter?, in welcher Stanley unerwartet ausflippt und Michael vor versammelter Belegschaft seine Inkompetenz vorwirft. Obwohl man weiß, dass es sich hierbei um die Wahrheit handelt, kommt man nicht umhin, tiefes Mitleid mit einem den Tränen nahen Michael zu empfinden. Die Auflösung, dass Stanley quasi ungeschoren davon kommt, ist jedoch nicht sonderlich gut geraten. Ansonsten rücken einige der Nebenfiguren wieder in den Hintergrund, von Oscar über Phyllis zu Creed. Erfreuenswerterweise gibt es jedoch mit Branch Wars ein Wiedersehen mit Karen (Rashida Jones) und Todd Pecker bleibt dem Publikum erspart. Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln fällt eine Entwicklung jedoch negativ ins Gewicht. Die Streiche von Jim an Dwight haben extrem nachgelassen. Abgesehen von Launch Party und Goodbye Toby findet keine wirkliche Verarsche von Jim an seinen Tischnachbarn statt. Ein Trend, der sich auch in der fünften Staffel fortsetzt. Dagegen ist Michaels Abneigung gegenüber Toby (Paul Lieberstein) so aktuell wie nie und nimmt gerade gegen Ende (und speziell im Staffelfinale Goodbye Toby) enorm zu.

Bei der Zweitsichtung hat sich bemerkbar gemacht, dass die vierte Staffel ursprünglich nicht nur anders sondern auch besser von mir aufgenommen wurde. Keine Folge ragt wirklich aus den anderen heraus, sodass allenfalls Branch Wars als gelungenste Folge dienen könnte, während mit Dunder Mifflin Infinity ein bisheriger Tiefpunkt erreicht wird. Dies ist gerade dahingehend interessant, da auch die der vorherigen Staffeln im Vergleich zur Erstsichtung abgebaut haben - ironischerweise jedoch mit dem Gradmesser der vierten Staffel. Wie sich herausstellt, spielt diese jedoch auf demselben Niveau wie ihre Vorgänger. Somit ist The Office gerade deshalb außerordentlich, weil die Qualität und das Niveau der Show kontinuierlich gehalten werden. Da das Format der Serie jedoch etwas „ernster“ ist, als bei Kollegen wie Scrubs oder Family Guy (die besonders durch ihre kurzen Sketche funktionieren), vermag es der Serie nicht allzu leicht zu gelingen, in eine herausragende Sphäre vorzudringen. Dies gilt jedoch für die direkte Qualität der Serie, was aber keineswegs bedeutet, dass The Office nicht allein durch sein großartiges Konzept eine herausragende Serie ist. 

8/10

17. Mai 2008

Indiana Jones and the Last Crusade

You call *this* archaeology?

Fünf Jahre waren seit Indiana Jones and the Temple of Doom vergangen, ehe sich Produzent George Lucas und Regisseur Steven Spielberg an den Abschluss ihrer Indiana Jones-Trilogie machten, der bisher einzigen Trilogie in Spielbergs Sujet. Spielberg selbst, der Indiana Jones and the Last Crusade als seinen Lieblings-Teil der Reihe bezeichnet, erklärte er habe den Film nur aus einer Trilogie-Verpflichtung gegenüber Lucas gemacht und weil der Vorgängerfilm so schlecht aufgenommen wurde. Die Basishandlung stammte wiederum von Lucas selbst, der Indy dieses Mal in ein Spukhaus sperren wollte. Eine Idee, die bei Spielberg, der 1982 erst Tobe Hoopers Poltergeist herausgebracht hatte, aber auf Ablehnung stieß.

Stattdessen sollte sich der Plot um das heiligste christliche Artefakt, das bereits Ziel der Kreuzzüge gewesen war, drehen: den Heiligen Gral. Zur Aufwertung dieser Idee baute Spielberg dann noch die Vater-und-Sohn-Subhandlung ein, die im Endeffekt das Hauptaugenmerk auf sich zog. Das typische Spielbergsche Thema vom abwesenden Vater würde somit den Kern des Films ausmachen und letzten Endes eine ganz eigene Referenz zum Ursprung der Serie darstellen. Obschon Gregory Peck als Vater von Indiana Jones im Gespräch war, wurde er schließlich durch Sean Connery ersetzt, der als Original-Bond ironischerweise dadurch den Vater des als US-amerikanischen Bond-Verschnitt gedachten Indy spielen durfte.

Spielberg, der immer schon einen Bond-Film inszenieren wollte, hatte nun die Chance, mit James Bond persönlich zu drehen. Noch ironischer wird die ganze Szenerie, wenn man sich das Ensemble der Nebendarsteller ansieht, die ebenfalls in Bond-Abenteuern aufgetaucht sind: Alison Doody (A View to a Kill), John Rhys-Davies (The Living Daylights) und Julian Glover (For Your Eyes Only) die namhaftesten. Über weite Strecken bedient sich der Film an seinen beiden Vorgängern: das heilige Artefakt einer der großen Religionen (Judentum, Hinduismus, Christentum), das Thema des abwesenden Vaters (Marion, Short Round, Indy), massig Parasiten (Schlangen, Käfer, Ratten) und verschiedene Verfolgungsjagden.

Darunter die bondsche Verfolgung in den Kanälen von Venedig, die ihr Ende an einem (Schiffs-)Propeller finden wird oder die Verfolgungsjagd in motorisierten Gefährten, die in einem der legendärsten Stuntszenen endet, mit einem Sprung vom Pferd auf einen Panzer. Zudem beinhaltet Indiana Jones and the Last Crusade Hinweise zu Raiders of the Lost Ark (Indy und die Bundeslade in der Gruft in Venedig) oder zum Privatleben der Macher (Indy verweist in seiner Klasse auf Dr. Tyrees Philosophieunterricht, den Harrison Ford einst besucht hat). Sean Connery selbst wird am Ende des Films von Donovan (Julian Glover) mit einer Walther PKK angeschossen, der Waffe, die er selbst als Bond jahrelang im Halfter trug.

Auch der Ton des dritten Abenteuers von jedermanns liebsten Archäologen macht deutlich, dass das gesamte Projekt mehr Elemente einer Spaßveranstaltung hatte, schließlich dient Henry Jones Sr. (Sean Connery) doch in diesem Teil als der Inbegriff des comic relief. Das langgezogene „Indy“-Gekreische der Schauspielerinnen Karen Allen und Kate Capshaw aus den Vorgängern wird diesmal abgelöst von Indys eigenem genervten “Dad”, mit welchem er versucht, seinen Vater in die Gänge zu kriegen. Getrübt wurden die Dreharbeiten lediglich von dem gesundheitlichen Zustand Denholm Elliotts, der seiner Zeit mit AIDS diagnostiziert wurde und während der Dreharbeiten verstärkt an Schmerzen litt.

Auch seine Figur, Marcus Brody, dient der humoristischen Erleichterung und markiert neben Sallah (John Rhys-Davies) eine weitere Figur aus Raiders of the Lost Ark, die ihre Rückkehr im dritten Teil feiern darf. Dieser stellt zugleich den letzten Film dar, den Kameramann Douglas Slocombe gedreht hat – Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull wird von Spielberg-Spezi Janusz Kaminski fotografiert. Mit seinen ganzen Verfolgungsjagdszenen (die Bootsszene in Venedig, die Panzerszene in Hatay) ist der dritte Teil actionreicher als seine beiden Vorgänger, wegen der Einbeziehung von Henry Jones zudem humorvoller und dank Alison Doody ist er auch der erotischste Teil der Indy-Reihe.

Da verwundert es nicht, dass das Budget von Indiana Jones and the Last Crusade mehr als doppelt so hoch war – 48 Millionen Dollar – als es noch bei Raiders of the Lost Ark der Fall gewesen ist. Doch die Rechnung ging auf, denn mit rund 475 Millionen Dollar spielte der dritte Teil nicht nur am meisten von allen drei Abenteuern ein, sondern er avancierte auch zum ertragreichsten Film des Kinojahres 1989 und wurde wie die beiden Vorgänger mit dem Oscar für die besten Spezialeffekte ausgezeichnet (nebst zwei weiteren Nominierungen). Spielberg selbst hatte seiner Zeit Anfragen für Rain Man und Big verstreichen lassen und es letztlich wohl seinen Kritikern mit dem Indy-Abschluss noch einmal zeigen können.

So wird der Film auch im Internet als zweitstärkster der Reihe eingeschätzt. Mit dem neu geschaffenen PG-13-Rating ist er der einzige Film der Reihe, der kein PG-Rating bekommen hat und weist sogar eine technische Neuerung auf. Die Todesszene von Donovan beanspruchte eine ganze Woche Drehzeit und zählte zu den ersten ausschließlich digital gefilmten Szenen der Filmgeschichte. Inhaltlich gesehen macht die Szene zwar keinerlei Sinn, denn nur ein vollkommener Idiot würde einen mit Gold verkleideten Becher als den Heiligen Gral Jesu Christi ansehen, doch man muss zugeben, dass die Szene technisch sicherlich auf höchstem Niveau gemacht wurde und bis heute Pop-Kultur-Parodien findet.

Neben den Stuntszenen kann sich also auch die Ausstattung, sprichwörtlich, sehen lassen. Eigentlicher Höhepunkt des dritten Teils ist jedoch fast schon seine Einleitung, die dem Publikum einen jungen Indiana Jones (River Phoenix) beschert und ein Tribut von Spielberg an seine eigene Pfadfinderzeit darstellt. Hier wird bereits das gespaltene Verhältnis von Indy zu seinem Vater gezeigt, der sich in seine Gralstudien verliert und seinen Sohn quasi im Stich lässt, als er dem korrupten System begegnet. Stattdessen wird sich Indy als Vorbild ausgerechnet sein „feindliches“ Gegenüber wählen, von dem er den charakteristischen Fedora-Hut als Belohnung für seinen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit erhält.

Dies stellt eine Honorierung und Anerkennung von seiner Leistung dar, welcher der erwachsene Indy (Harrison Ford) im Verlaufe von Indiana Jones and the Last Crusade mehrfach hinterher rennen wird, ohne sie von seinem Vater zu erhalten (siehe die Befreiungsszene oder die Flucht im Zweisitzer). Ford selbst hatte die Idee als sein jüngeres Pendant den aufstrebenden Jungstar River Phoenix zu besetzen, da hier die äußerliche Ähnlichkeit – laut Ford – frappierend wäre. Beide arbeiteten bereits unter Peter Weir an The Mosquito Coast zusammen und daher verwundert es auch nicht, dass Phoenix sein Schauspiel weniger an der Figur von Indiana Jones anlegte, sondern vielmehr sein Idol Harrison Ford beobachtete.

In die spannende Eröffnungssequenz findet auch Indys Ophiophobie erneut Einzug, sowie seine Affinität zur Peitsche. Mit dieser erklärt man zugleich Indys Narbe am Kinn, welche sich Hauptdarsteller Ford bei einem Autounfall im Alter von 20 Jahren geholt hatte. Diese Eröffnungsszene, die allein von Phoenix’ Präsenz getragen wird, ist stimmungs- und schwungvoll, amüsant und detailverliebt, und gerade aus diesem Grund das frühe Highlight dieses Films. Spielberg inszeniert dann alllerdings einen absolut unnötigen Übergang mit einem Zeitsprung ins Jahr 1938, um das Schicksal des Coronado-Kreuzes zu erklären, welches dem Publikum in der Szene zuvor als MacGuffin fraglos egal gewesen sein dürfte.

Dies führt dann soweit, dass sich Indiana Jones als unsterblicher Held auf offenem Ozean in die Fluten stürzt und logischerweise irgendwie schließlich nach Hause gerät. Die gesamte Coronado-Auflösung könnte somit überflüssiger nicht sein und man hätte zweifelsohne einen einfacheren Übergang wählen können, um die Brücke von Damals zu Heute zu schlagen. Von allen Teilen ist Indiana Jones and the Last Crusade sicherlich der religiöseste, was besonders dadurch interessant ist, da sowohl Lucas als auch Spielberg Anhänger des jüdischen Glaubens sind und sich dennoch geradezu penetrant auf Jesus Christus als Erlöser stürzen, wenn für Indiana Jones das Finale schließlich zur Glaubensfrage verkommt.

Der Gral selbst spielt als Artefakt jedoch wie angesprochen nur eine untergeordnete Rolle, er steht vielmehr symbolisch für die Anerkennung, die Indy sich von seinem Vater wünscht, die er jedoch nie erhalten hat. Sean Connery, der seinerzeit erst 58 Jahre alt war (und damit nur 12 Jahre älter als Ford), aber einen etwa 75-Jährigen spielen musste, bringt diese Entfremdung zum eigenen Sohn sehr gut rüber. Bestes Beispiel dürfte die Szene mit der Ming-Vase sein, um die sich der Professor mehr sorgt, als um das Wohlbefinden seines Sohnes. Als Indy im Zeppelin schließlich die Chance erhält, mit seinem Vater ein persönliches Gespräch zu führen, weiß er selbst nicht, worüber die beiden Männer reden sollen.

Indys Begeisterung für die Archäologie kommt dabei nicht von ungefähr, sondern orientiert sich an seinem Vater, selbst wenn er sein äußeres Erscheinungsbild nach einem Grabräuber modelliert. Im Finale muss Indy wie immer lernen, das Artefakt loszulassen. Von der Stimmung her ist Indiana Jones and the Last Crusade ein typisches Jones-Abenteuer, doch die häufige Redundanz der Szenen stören letztlich den Handlungsfluss, sodass Teil 3 nicht en par mit dem ersten Film ist. Es bleibt zwar abzuwarten, wie viele Indy-Elemente im vierten Abenteuer nächste Woche auftauchen, die Thematik des abwesenden Vaters (Mutt) ist jedoch auf jeden Fall vorhanden und wird von Spielberg erneut übernommen werden.

8.5/10

14. Mai 2008

Scrubs - Season Seven

Why is it so many of your stories end with, “And then he hang himself“?

Es heißt immer, man solle aufhören, wenn es am Schönsten ist. In der Filmbranche ignoriert man dies jedoch geflissentlich und reitet Sachen dagegen gerne tot. So sind oftmals die letzten Staffeln einer Serie nicht mehr zu vergleichen mit ihren ersten. Zum Beispiel entwuchsen Prison Break oder The Office irgendwann ihrer Prämisse. Umso überraschender gerät es also, dass ausgerechnet eine Show wie Scrubs – zudem im Jahr des Autorenstreiks – nach einer eher enttäuschenden sechsten Staffel im siebten Jahr so stark zurückkam. Nach sechs Jahren ist der Internist John Dorian (Zach Braff) nun inzwischen 32 Jahre alt und mit einer Frau zusammen, die er zwar nicht liebt, die aber ein Kind von ihm erwartet.

“Do you think I need to grow up?”, fragt J.D. zudem Freunde und Kollegen, nachdem er in der zweiten Folge My Hard Labor tatsächlich Vater geworden ist. Zu Beginn der Staffel wird Tabula Rasa gemacht. Plötzlich erkennt Elliot (Sarah Chalke), dass das mit Keith (Travis Schuldt) doch nix ist und sagt die Hochzeit wie die Beziehung ab. J.D. folgt ihr kurz darauf mit seiner schwangeren Freundin Kim (Elizabeth Banks) mit derselben Entscheidung. Immerhin erhalten so beide Figuren mal eine Staffel lang keine neuen Partner an die Seite und landen auch nicht miteinander in der Kiste. Entsprechend kann sich Serienschöpfer Bill Lawrence ganz auf den vermeintlichen Reifeprozess seiner Show-Titelfigur konzentrieren.

Ganz der Unreife entsagt sich J.D. jedoch nicht. Mit My Growing Pains, zugleich die gelungenste Episode der Staffel, widmet sich eine ganze Folge jenem Verhalten und der Aufforderung, endlich erwachsen zu werden. Spätestens als mal wieder J.D.’s Bruder Dan (Tom Cavanagh) auftaucht und sich als reifer erweist als J.D., beginnt es in dessen Kopf zu arbeiten. Einen ähnlichen Prozess zur Neudefinierung macht auch Dr. Cox (John C. McGinley) durch als er feststellt, wie abhängig er von Jordan (Christa Miller) und den gemeinsamen Kindern geworden ist. Selbst der Janitor (Neil Flynn) erhält nun eine Freundin, welche als „Lady“ die Tradition der ulkigen Namen (Dudemeister, Beardfacé) in der Show fortsetzt.

Auch für Figuren wie Dr. Kelso (Ken Jenkins) stehen Veränderungen bereit, verliert er aufgrund seines Alters von 65 Jahren zum Ende der Staffel seinen Posten als Chefarzt. Etwas geerdeter geht es bei Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes) zu, die im siebten Jahr frei von größeren Sorgen sind. Die nur elf Episoden umfassende Staffel kommt im Vergleich zu ihren Vorgängern inhaltlich sehr viel kompakter und stringenter daher. Die Reife macht’s - so das Motto. Vielleicht lag in der Kürze aber auch die Würze, wirkt die Staffel doch weitaus freier in ihrer Darbietung. Fantasyvignetten sind zwar seltener und zugleich simpler, an humorvollen Momenten wie J.D.’s und Turk’s Babysitting mangelt es dennoch nicht.

Es wird jedoch klar, dass Scrubs der Ur-Prämisse der Newbies nicht mehr wirklich gerecht wird, wenn die nerdigste Figur nun Vater geworden ist. Auch der Zahn der Zeit nagt hier an so manchen Darstellern, speziell Chalke und Reyes. Ein Ende der Sitcom war bereits zuvor absehbar, wurde die siebte doch als ursprünglich letzte Staffel konzipiert, da gerade der dank Garden State zu Ruhm gekommene Zach Braff sich neuen Aufgaben stellen wollte. Als Appetizer für die tatsächlich letzte und achte Staffel funktioniert die Siebte ganz gut, werden J.D. und Elliot doch sorgsam auf dieselbe Bahn gelenkt. Der Reifeprozess wirkt passend tröstlich, entsprechend ließe sich mit J.D. sagen: Suck on that, Tony Shalhoub!

8/10

12. Mai 2008

In Bruges

They're filming midgets!

Brügge (engl./frz. Bruges) – eine Stadt voller Geschichte, im Grunde sogar eine Stadt der Geschichte. Seine wichtigste Bedeutung hatte die Stadt im Mittelalter um das 13. und 14. Jahrhundert herum, als eines der bedeutendsten Hansekontore darstellte. Hierbei gehörte sie zu den vier wichtigsten Niederlassungen des Hansegewerbes neben Bergen (Norwegen), London (England) und Novgorod (Russland). Zum Ausgang des 15. Jahrhunderts verlor der Markt von Brügge dann an Bedeutung, mitunter weil man wegen der eigenen Tuchproduktion die englische bekämpfte, die Vermarktung jedoch nach Antwerpen verlagert hatte, welches Brügge daraufhin ablöste und zum Wirtschaftszentrum aufstieg. Bewundernswerterweise hat sich Brügge durch die Jahrhunderte hindurch seinen mittelalterlichen Stadtbild erhalten, weswegen es im Jahr 2000 auch zu recht von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Besonders der Marktplatz mit seiner angrenzenden Sint-Salvatorkathedrale, aber auch das Groeningemuseum mit seinen Hieronymus Bosch Bildern, sowie die Kanäle Groenerei und Rozenhoedkaai heben sich hierbei hervor und dienen gemeinsam mit dem einen oder anderen Fleckchen als Vorlage, Schauplatz und in gewisser Hinsicht auch Nebendarsteller in dieser schwarzen Komödie vom Briten Martin McDonagh. Brügges Bürgermeister Patrick Moenaert sagte dem Filmteam nicht nur seine und die Unterstützung der Stadt zu, er erschien auch selbst am Set. Fraglich ob er gewusst hat, worum es genau in McDonaghs Film geht, schließlich ist sein Film subversiv nichts anderes als ein einziger großer Belgien- bzw. Brüggewitz.

Erzählt wird die Geschichte der beiden irischen Auftragsmörder Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson), die unterschiedlicher nicht sein könnten und dabei doch so viel gemeinsam haben. Das erste Drittel des Filmes lebt vom Zusammenspiel dieser beiden Männer und von ihrer unterschiedlichen Weltanschauung. Der reife Ken möchte sich alle touristischen Attraktionen ansehen und ist mit voller Begeisterung Fan von Brügges märchenhaftem Äußeren. Ray hingegen ist ein junger Taugenichts, dem diese ganze Geschichte und Kultur auf die Nerven geht und somit im Grunde die gesamte Stadt, von der fortweg nur als „fucking Bruges“ spricht. Er nölt herum, spielt in der Kirche mit den Altarbänken und lässt seine Füße schleifen – kurzum: er macht überdeutlich dass er überall auf der Welt lieber wäre als in Brügge. Grund für den Aufenthalt der beiden ist ein missglücktes Attentat in London, besser gesagt handelt es sich hierbei um Rays ersten Auftragsmord und gerade der Grund weshalb dieser schief gegangen ist, bildet die Thematik von McDonaghs Film. Ray ist emotional vorbelastet und auch wenn sich Farrell redlich bemüht, kauft man ihm seine innere Zerrissenheit nicht so recht ab, er ist einfach kein Charakterdarsteller, zumindest noch nicht. In Bruges ist aber auch kein Film der von seinen Schauspielern getragen werden muss, denn er lebt von seinem Witz. Gerade Ray und Ken als missglücktes Touristenpaar, aber auch der restliche Film lebt von der Beziehung der beiden.

Jungspund wie Ray einer ist wird für ihn die Stadt auch erst dann attraktiv, als er die charmante Chloё (Clémence Poésy) kennen lernt, doch auch sie wird noch ihren Beitrag zur Verschachtelung und Ausgang der Geschichte liefern, während McDonagh sein Publikum weiterhin auf eine Reise durch Brügge nimmt. Oberflächlich betrachtet ist der Film wie oben erwähnt ein einziger Witz auf die Stadt, ausgelöst durch Rays süffisante Kommentare, für ihn persönlich ist die Stadt die Hölle, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch der Witz geht nur oberflächlich auf Kosten der Stadt, bei genauerer Betrachtung ist es fast eine kleine Liebeserklärung, denn McDonagh, der 2004 selbst Gast in Brügge war und damals vor Ort anfing am Drehbuch zu schreiben, übermittelt mit seiner Figur des Ken, aber auch mit dessen und Rays Chef Harry (Ralph Fiennes) den Charme der belgischen Stadt. Die malerischen Gassen, die Kanäle und insbesondere die Schwäne erzeugen das träumerische und märchenhafte Flair der Stadt – ein Venedig des Nordens. Kein Wunder also, das sowohl Ray wie auch Ken sich hier verlieben, der eine in eine Einwohnerin, der andere in die Stadt selbst.

Schwarze Komödien, die eigentlich schon ins Schräge abdrifteten, lieferte in den letzten Jahren aus dem britischen Raum Guy Ritchie, der dann bekanntlich Madonna heiratete und seit Snatch kaum noch etwas Gescheites zustande gebracht hat (Finger kreuzen für RocknRolla). McDonaghs Film braucht sich hinter Ritchies beiden Meisterwerken nicht verstecken, doch seine Komödie ist über weite Strecken überaus ruhig und schlägt Ausflüge ins Drama ein, eine melancholische Gangsterballade, wenn man so will. Gerade Rays Auseinandersetzungen mit Amerikanern jedoch, welche regelmäßig stattfinden, rudern dann wieder zurück ins Komödienfach, ebenso wie die Momente mit Jimmy, einem kleinwüchsigen Schauspieler der mit Pferdeberuhigungsmitteln vollgedröhnt ist. An skurrilen Figuren fehlt es In Bruges ganz gewiss nicht und alle könnten problemlos hinüber in eine Erzählung von Guy Ritchie oder Quentin Tarantino wandern, ohne dort aufzufallen. Hier hat Regisseur und Autor Martin McDonagh ein großartiges Gespür gefunden und dass er ein überaus talentierter Mann ist, mit der schwarzen Komödie als Fachgebiet, verrät ein Blick in seine Vita, die nicht nur einen Oscar (Bester Kurzfilm), sondern auch einen Tony und Laurence Olivier Award aufweist. Seine Dialoge sind witzig, richtig pointiert und verdoppeln ihren Charme nochmals durch Farrells irischen Akzent, wie ohnehin der gesamte Film eigentlich nur in der Originalsprache zu funktionieren scheint, die deutsche Synchronisation wird es zumindest schwer haben diesen Charme zu transferieren und der Vorlage gerecht zu werden, ein „verdammt“ ist eben immer noch keine ausreichende Alternative zu „fuck“, und ebenjenes „fuck“ wird als Adjektiv dann doch unentwegt gebraucht.

Dem Film gelingt es in seinen nicht ganz zwei Stunden ein schöner Reiseführer durch Brügge zu sein, wobei sich jeder im Publikum als Ken oder Ray fühlen darf, dem das gefällt oder eher lästig ist. Brügge zeigt sich hier von seiner besten Seite und macht richtig Lust auf einen eigenen Besuch. Die zynische Geschichte, die McDonagh dazu erzählt, wird vor allem von ihren Dialogen getragen, von Rays Widerwillen in der flämischen Stadt, vom Clash der Kulturen gegenüber den Amerikanern und zum Ende hin vom Gespräch über Loyalität und Charakter durch Ken und Harry. Hinzu kommt dann noch ein stimmungsvoller Soundtrack der die sympathischen Bilder Brügges gelungen einfängt, Colin Farrell für die Damen (oder Herren) und Clémence Poésy für die Herren geben was fürs Auge, wenn auch begrenzt darf man zudem auch Goreszenen bewundern. In Bruges schafft es eine nette kleine schwarze Komödie zu sein, in dieser Hinsicht sogar ein kleines Juwel dieses Filmjahres, dabei natürlich kein Meisterwerk hat der Film fraglos seine Schwächen. Mancher Dialog wirkt etwas konstruiert, Farrells Schauspiel ist mitunter steif und die Handlung in der Mitte nicht immer auf der Höhe, auch wenn sie somit praktisch das Ende vorbereitet. Bei diesen Schwachpunkten handelt es sich allerdings um die Ausnahme und sie trüben auch nur geringfügig einen wunderbar unterhaltsamen Film, der mal wieder ein Hoch in Farrells Filmographie darstellt und richtiggehend Lust auf weitere Arbeiten von McDonagh macht, die nach diesem Film sicherlich kommen dürften und auf die man sich freuen kann.

9/10 - erschienen bei Wicked-Vision

11. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Two

I had the time of my life - true story.

Das Seriengelaber auf diesem Blog lässt sich als redundant beschreiben, denn zur zweiten Staffel von How I Met Your Mother lässt sich wieder mal nur mit Worten ausdrücken, was bereits auf viele andere Serien zutrafen. Hieß es neulich bei der vierten Staffel von Scrubs noch, dass manche Serien (siehe Entourage) mit der Zeit besser und andere (siehe Prison Break) schlechter werden, so trifft dies im weitesten Sinne auch auf das zweite Jahr von How I Met Your Mother zu. Obschon sich Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) am Ende der ersten Staffel relativ spontan trennen, sind es besonders die Folgen des ersten Drittels, die in der zweiten Staffel der Sitcom besonders überzeugen können.

Nach dem schwachen Cliffhanger des Vorjahres steigert sich die Serie glücklicher Weise sogleich und lässt im zweiten Jahr Hänger, wie sie im ersten Jahr noch auftraten, vermissen. Allerdings gelingt es auch dem Staffelfinale, das als Doppelfolge daherkommt, auf keiner sonderlich hohen Note zu enden. Im Gegenteil, findet auch hier wieder eine sehr spontane Aktion statt. Die Finalfolgen behandeln die langersehnte Hochzeit von Lily und Marshall, ohne dass diese an Konkurrenzprodukte wie die Hochzeitsfolge von Scrubs (My Best Friend’s Wedding) heranreichen kann. Am Gesamteindruck der zweiten Staffel ändert dies wenig, die eine Steigerung darstellt (auch wenn die Quoten überraschend zurück gingen).

Trotz der Trennung von Lily und Marshall dreht sich auch im zweiten Jahr alles um die Beziehung von Robin (Cobie Smulders) und Hauptfigur Ted (Josh Radnor), die im vorangegangenen Staffelfinale endlich zusammenkamen. Da bereits in der Pilot-Folge klargestellt wurde, dass Robin nicht die Titelgebende Mutter von Teds Kindern ist, wird somit frühzeitig hervorgehoben, dass die Suche nach die Mutter im zweiten Jahr hinten angestellt wird (dementsprechend selten, vier Mal, tauchen die Kinder im Vorspann auch auf). Eine Entwicklung der Show, die auch in den anschließenden Staffeln Einzug in den Serienverlauf finden und zugleich bei den Zuschauern jede Menge Geduld einfordern wird.

Nachdem sich Lily und Marshall schnell wieder versöhnen, wird ein business as usual zelebriert, als sei nie etwas vorgefallen. Auch die Beziehung zwischen Robin und Ted wird als äußerst konstant (im Vergleich zum Vorjahr) dargestellt, sodass man in vielen Episoden nicht einmal merkt, dass sie sich in einer Beziehung befinden. Ärger kommt dann gegen Ende der Staffel auf, wenn Robin Ted mit seiner Vergangenheit konfrontiert und vice versa. Ein wirklicher Unterschied zwischen dem „glücklichen“ und dem „elenden“ Ted der ersten Staffel ist jedoch kaum bemerkbar. Dass die Freundschaft zwischen ihm und Robin im Vordergrund steht, lässt erahnen, welchen Weg ihre Beziehung geht.

Weiterhin das Herzstück der Serie ist Neil Patrick Harris’ Barney Stinson, für dessen Darstellung er zu Recht im letzten Jahr mit einer Emmy-Nominierung bedacht wurde. Da Ted und Robin endlich zusammenkommen, wird sowohl sein “Suit up!“ als auch sein “Hi, have you met Ted?“ in dieser Staffel hinfällig. Dafür gewinnen “Legendary“, “Awesome“ und “True Story“ an Verwendung und sind durchaus passende Worte, um diese Figur von Craig Thomas und Carter Bays zu beschreiben. In der zweiten Staffel bekommt dann auch Barney mehr Herz, seine wahre Freundschaft zu den anderen wird unter Beweis gestellt und er ist letztlich der hauptsächliche Finanzier von Lily und Marshalls Hochzeit.

Der Höhepunkt, nicht nur der zweiten Staffel, sondern der bisherigen Serie, ist die neunte Folge Slap Bet, die einen der gelungensten running gags einbaut, den die neuere Fernsehgeschichte entwickelt hat. Die Serie lebt von solchen Einfällen und weiß durch diese zu gefallen, auch wenn sie in keiner Regelmäßigkeit aufzutreten pflegen, wie man es eben von Scrubs in der dritten und vierten Staffel gewohnt ist oder auch bei Friends - dem großen Vorbild - immer wieder antraf. Ähnlich gelungen wie Slap Bet fiel ansonsten nur noch World’s Greatest Couple aus, die übrigen Folgen bewegten sich auf einem durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Niveau. Insgesamt also eine leichte Verbesserung zum Vorjahr.

7.5/10

9. Mai 2008

Indiana Jones and the Temple of Doom

Hey, lady, you call him Dr. Jones!

Fortsetzungen sind gerade in unserer heutigen Zeit inzwischen zum Übel verkommen. Jeder Film, der einen respektablen Gewinn erwirtschaftet, wird inzwischen zum Franchise. Früher war das alles besser, auch im Falle von Steven Spielberg. Mit E.T. – The Extra-Terrestrial endgültig zur Legende aufgestiegen, markierte Indiana Jones and the Temple of Doom die erste Fortsetzung einer seiner Filmreihen, zu der sich im Folgejahrzehnt The Lost World: Jurassic Park gesellen würde. Drei Jahre nach seinem Erfolg mit Raiders of the Lost Ark, dem erfolgreichsten Film von 1981 und mit acht Oscarnominierungen bedacht, inszenierte er also diese Fortsetzung, die ursprünglich “Temple of Death” hieß.

Allgemein gilt Temple of Doom, der immerhin erneut den Oscar für die besten Spezialeffekte ergatterte, als der schlechteste Teil der Trilogie. In der IMDb hält er eine Bewertung von 7.6/10, bei Rotten Tomatoes sogar starke 85%. Mit einem weltweiten Einspiel von rund 333 Millionen Dollar landete das zweite Abenteuer von Indiana Jones hinter Ghostbusters und Beverly Hills Cop auf dem dritten Platz des Kinojahres 1984. Da Spielberg und Produzent George Lucas jeweils privat eine Scheidung durchgegangen waren, wollten sie die Stimmung für ihren Nachfolger düsterer gestalten. Ihr Ergebnis landete auf der schwarzen Liste des indischen Films und revolutionierte zugleich das US-amerikanische Kino-Rating.

Da Lawrence Kasdan unabkömmlich war, übernahmen Willard Huyck und Gloria Katz das Drehbuch, nachdem sie zuvor bereits für George Lucas American Graffti geschrieben hatten. Privat große Liebhaber des indischen Subkontinents, schienen sie die perfekte Wahl für die in Indien beheimatete Geschichte von Temple of Doom zu sein. In Indien selbst fand der Film weniger Anklang, wurde aus den Kinosälen verbannt und gilt auch heute noch als rassistisch. Der Auslöser war die Darstellung der Hindus im Film sowie die Verwendung des Titels Maharadscha. Und angesichts der Handlung von Huycks und Katz’ Drehbuch, kann man selbst als abendländischer Mensch den Ärger und Missmut der Inder nachvollziehen.

Weil der dem Kali-Kult angehörige Okkult-Priester Mola Ram (Amrish Puri) einem Bergdorf einen heiligen Stein entwendet und deren Kinder versklavt, wird Indiana Jones (Harrison Ford) von den Dorfbewohnern um Hilfe gebeten. Was folgt sind Kali-Okkultismen, Voodoo-Puppen und ein Maharadscha-Dinner der ekelerregenden Sorte, wenn neben lebenden Schlangen auch Käfer und Affenhirne verspeist werden. Ob dies nun eher Mittel zum Zweck, Xenophobie oder tatsächlich Rassismus war, muss der Zuschauer selbst entscheiden. In der Tat sind es Darstellungen, die eher dem Mystizismus der Geschichte zuträglich sind und dem Spannungsaufbau sowie dem hier verstärkt innewohnenden Humor dienen.

Letzterer ist es, der diesen zweiten Teil zumindest im ersten Akt von Raiders of the Lost Ark entrückt. Wo auch dieser bisweilen Humoristisches einstreute, heben die beiden Nebenfiguren von Short Round (Jonathan Ke Quan) und Willie (Kate Capshaw) in Temple of Doom den comic relief auf eine neue Ebene. Beide Figuren bringen etwas Naivität in die Handlung, wobei Short Round speziell in der zweiten Filmhälfte seinen Wert für Indiana Jones unter Beweis stellt. Spielbergs Ehefrau Capshaw wiederum – die er laut dem Making Of Harrison Ford als einzige Wahl vorstellte und dieser angeblich sofort zustimmte, obschon ursprünglich Sharon Stone für die Rolle vorgesehen war – ist wenig mehr als die damsel in distress.

Mit Beginn des zweiten Aktes nimmt Spielberg den Humor allerdings zurück und der Film wird düsterer. Spätestens mit der Minensequenz nimmt dann allerdings auch das komische Element wieder an Fahrt auf. Kritisch gerät jedoch der Aspekt, dass Spielberg dem Düsteren nur bedingt nachgeht. So sind die versklavten Kinder für Spielberg nur Mittel zum Zweck und im angesichts ihrer Rettung plötzlich stark genug, ihre Unterdrücker zu überwinden. Auch der Kali-Kult als Ursache für Indys und des Maharadschas Verklärtheit wirkt mehr wie ein Gimmick denn wie ein narrativ ausgearbeitetes Spannungselement. Dass in beiden Fällen der Vorwurf des Rassismus fällt, macht die Angelegenheit nicht besser.

Zudem knabbert der Film an ähnlichen Problemen wie bereits sein Vorgänger (und auch sein Nachfolger): Er verfügt schlicht über zu viele Set-Pieces. Vom Club Obi-Wan über die Verfolgungsjagd zum Flugplatz, die Schlauchbootrettung, der Tunnel in Willies Zimmer, Indys Involvierung in die Kali-Zeremonie, der Kampf mit dem Vormann, die Minenflucht und das Finale auf der Brücke lassen einander teils verpuffen. Viele Köche verderben den Brei und Spielberg verliert sich teils zu sehr in seiner Abenteuerlastigkeit (so stürzt das Schlauchboot gleich zwei Mal und trotzt dabei den Gesetzen der Physik). Würde der Film weniger Set-Pieces präsentieren und diese mehr zelebrieren hätte er vermutlich mehr davon.

Nichtsdestotrotz sind sie allesamt natürlich durchweg überzeugend inszeniert, den Logiklücken zum Trotz. Und zumindest ist die Trilogie dahingehend konsistent, dass alle drei Filme über dieselben Qualitäten und Makel verfügen. Im Übrigen ist Temple of Doom, der 1935 spielt, wenn man es ganz genau nimmt kein Sequel, sondern ein Prequel zu Raiders of the Lost Ark. Da der Film im Vergleich zum Vorgänger auch wie erwähnt düsterer geriet, sollte er zuerst ein R-Rating statt ein PG-Rating erhalten. Da Spielberg dies jedoch als zu hart empfand, schlug er der Zensurbehörde einen Kompromiss vor. Und so markierten Temple of Doom und Gremlins 1984 die ersten Filme, die ein PG-13-Rating erhielten.

In seiner Summe ist Spielbergs erste Fortsetzung eines seiner Filme – und die damit einhergehende Entstehung eines Franchises – zwar nicht ganz so überzeugend geraten wie das dazugehörige Original, allerdings bewegt sich der Film auch in eine etwas andere Richtung. Dass Indiana Jones and the Temple of Doom dabei zeitweise von der Abenteuerkomödie zum düsteren Okkult-Film avanciert, zeichnet ihn im Nachhinein ebenso aus wie seine gelungene Integration solcher comic relief-Charaktere wie Willie und Short Round. Gerade bei Letzterem ist es schade, dass ihn Spielberg für die späteren Teile nicht wiederverwertet hat. Ansonsten gilt für den zweiten Indy-Teil durchaus zurecht Willies Mantra: “Anything Goes!”

7.5/10