12. August 2008

As Time Goes By: Natalie Portman

To just be interested in doing films would limit my life.

Am 9. Juni 1981 erblickte Natalie Hershlag in Jerusalem, Israel, das Licht der Welt. Das einzige Kind des israelischen Arztes Avner Hershlag, auf Fruchtbarkeit und Reproduktion spezialisiert, und der amerikanischen Hausfrau Shelley Stevens lebte mit seinen Eltern drei Jahre in der heiligen Stadt. Kennen gelernt hatten sich die Eltern in einem jüdischen Zentrum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hershlags Großeltern väterlicherseits waren im Konzentrationslager von Auschwitz ums Leben gekommen. 1984 zog es die Familie dann zurück in die USA, wo sie sich nach einigen Aufenthalten letztlich 1990 in Long Island, New York, niederließ. Im Alter von zehn Jahren wurde Hershlag von einem Revlon Agenten angesprochen, der sie als Kindermodel gewinnen wollte. Doch sie lehnte ab und besuchte stattdessen in ihrem Schulferien Theater Camps. Ein Jahr später wurde sie in einem Pizzastand entdeckt und zum Vorsprechen für einen Film des französischen Regisseurs Luc Besson eingeladen. Ihre Rolle als junge femme fatale in Leon – The Professional sollte ihr 1994 den Weg in eine internationale Karriere ebnen. In ihrer neuen Funktion als Schauspielerin nahm sie nun den Mädchennamen ihrer Großmutter an, um sich etwas Privatsphäre zu sichern. Die aufstrebende Schauspielerin Natalie Portman war geboren und Leon – The Professional wurde zum Kultfilm. In den nächsten beiden Jahren würde Portman mit einigen namhaften Regisseuren zusammenarbeiten. Ihr nächstes Engagement trieb sie sie als suizidale Filmtochter von Al Pacino zu Michael Manns Meisterwerk Heat, anschließend spielte sie eine gewichtige Rolle in Beautiful Girls, dem Meisterwerk von Jonathan Demmes verstorbenem Bruder Ted. Im selben Jahr würde sie auch Nebenrollen in Everyone Says I Love You von Woody Allen und Mars Attacks! von Tim Burton übernehmen.

Ursprünglich geplant war auch, dass Portman als Julia in Baz Luhrmanns farbgewaltigem Romeo + Juliet an der Seite von Leonardo Di Caprio spielt. Doch letztlich war den Produzenten der Altersunterschied zwischen den beiden Darstellern zu groß und Claire Danes wurde an Portmans Stelle engagiert. Stattdessen spielte die Jungdarstellerin an der Seite von Susan Sarandon in Anywhere But Here. Nachdem Portman die Rolle wegen einer Sexszene ursprünglich abgelehnt hatte, setzte Sarandon beim Regisseur durch, dass sie besagte Szene gestrichen würde, damit Portman mitspielen konnte. Für ihre Darstellung der Ann August erhielt Portman 1999 ihre erste Golden Globe Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Während sie im nächsten Jahr in Where the Heart Is eine weitere Coming-of-Age-Geschichte drehen würde, bereitete das Jahr 1999 wahrscheinlich Portmans größten Karrieresprung. In George Lucas’ neuer Star Wars-Trilogie würde sie die Rolle der Padmé Amidala übernehmen, der Mutter von Luke und Frau von Anakin Skywalker. Die zweite Trilogie würde weltweit an den Kinokassen 2,5 Milliarden Dollar einspielen und Portmans Namen endgültig in der Filmindustrie etablieren. Abgesehen von den Star Wars-Filmen partizipierte Portman zwischen 1999 und 2002 an keinen anderen Filmprojekten.

Stattdessen studierte sie an der Universität von Harvard das Fach Psychologie, welches sie 2003 mit einem Bachelor-Titel abschloss. In ihrer Studentenphase veröffentlichte Portman auch zwei wissenschaftliche Aufsätze, den einen als 17-jährige High School Studentin über die Enzymproduktion von Wasserstoff im Intel Science Talent Search und den anderen über Frontallappenaktivität während Objektbeständigkeit. Während ihrer Studienzeit war sich Portman auch nicht zu schade, als Laborassistentin zu arbeiten und am Studentenleben teilzunehmen. Zudem wirkte sie im Jahr 2001 in New York City an dem Theaterstück The Seagull mit, welches von Mike Nichols inszeniert wurde und Schauspielgrößen wie Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman angelockt hatte. Nachdem sie 2003 eine Nebenrolle in Cold Mountain vom verstorbenen Oscarpreisträger Anthony Minghella übernommen hatte, zeigte sie, dass sie nicht nur auf große Projekte fixiert war. Sie komplettierte 2004 das ansehnliche Ensemble von Zach Braffs Regiedebüt Garden State und arbeitete im selben Jahr erneut mit Familienfreund Mike Nichols für dessen Closer zusammen. Für ihre Portraitierung der Alice in Closer würde Portman dieses Mal den Golden Globe als Beste Nebendarstellerin nach Hause nehmen können. Außerdem wurde sie in selbiger Kategorie auch für einen Academy Award nominiert.

Spätestens jetzt hatte sich die Israeli-Amerikanerin als ernstzunehmende Schauspielerin in Hollywood etabliert. Ein Jahr später würde sie mit Revenge of the Sith im erfolgreichsten Film 2005 zum letzten Mal ihre Rolle als Padmé spielen, ehe sie ein Jahr später mit Tom Tykwer ein Segment für den Episodenfilm Paris, je t’aime drehen sollte. Außerdem spielte Portman 2006 in dem kontrovers diskutierten V for Vendetta mit. Die Geschichte des Terroristen und Sympathieträgers V, nach der Comicvorlage von Alan Moore, sorgte fünf Jahre nach dem 11. September für Zündstoff. Diesbezüglich trat Portman im März 2006 an der Columbia Universität als Gastdozent auf und diskutierte in einem Kurs über Terrorismus und Terrorismusbekämpfung über V for Vendetta. Für den von den Wachowskis produzierten Sci-Fi-Actioner ließ sich Portman sogar eine Glatze schneiden. Ihr Aussehen hielt Regiegröße Milos Forman nicht davon ab ihr die weibliche Hauptrolle in seinem Goya’s Ghosts zu geben. Auch ihre nächsten beiden Kollaborationen würden sie mit namhaften Regisseuren zusammen bringen. Portman übernahm Nebenrollen in Wong Kar-Wais Amerikadebüt My Blueberry Nights und offerierte ihre erste Nacktrolle in Wes Andersons Kurzfilm Hotel Chevalier, der zu dessen The Darjeeling Limited hinführte.

Ebenfalls 2007 spielte sie dann noch die Hauptrolle in Zach Helms Regiedebüt Mr. Magorium’s Wonder Emporium. Dieses Jahr spielte Portman an der Seite von Scarlett Johansson in The Other Boleyn Girl die berühm-berüchtigte Anne Boleyn. Gegen Ende des Jahres wird sie gemeinsam mit Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal in Brothers zu sehen sein, dem Remake von Susanne Biers Brødre zu sehen sein. Ebenfalls abgeschlossen sind die Dreharbeiten zu New York, I Love You, dem amerikanischen Gegenpart zu Paris, je t’aime. In jenem wird Portman nicht nur eine Rolle in einem der Segmente übernehmen, sondern zugleich auch ihr Regiedebüt geben. Während ihrer 14-jährigen Karriere konnte die 27-Jährige mit Regisseuren wie Woody Allen, Tim Burton, Michael Mann, George Lucas, Wong Kar-Wai und Milos Forman arbeiten und hat sich als viel versprechende Schauspielerin einen Namen gemacht. Entertainment Weekly führt sie auf Platz Zwei der Top 30 unter 30 Schauspielerinnen. Denselben Platz schrieb ihr das Empire Magazin in der Rubrik Sexiest Movie Stars ein Jahr zuvor zu. Inzwischen hat sich Portman nicht nur als Schauspielerin, sondern auch Stilikone etabliert. Neben Stella McCartney zählt auch Designer Zac Posen zu ihren Freunden, letzterer beschreibt sie sogar als seine Muse. Außerdem ist Portman mit Musiker Moby und Schriftsteller Jonathan Safran Foer befreundet, ebenso wie mit zahlreichen Schauspielkollegen wie Scarlett Johannson und Bryce Dallas Howard.

Im Gegensatz zu anderen Jungstars wie Edward Furlong, Lindsay Lohan oder Brad Renfro konnte sich Natalie Portman im Filmgeschäft erfolgreich durchsetzen und blieb dabei skandalfrei. Ohnehin gehört Portman ähnlich wie Anna Paquin zu den Jungschauspielern, die ihre Beständigkeit im Kino wohl eben jener skandalfreien Freizeit zu verdanken haben. Keine Alkoholexzesse wie bei einer Kirsten Dunst oder Drogendelikte wie bei den Kollegen Haley Joel Osment und Konsorten sind bei ihr der Fall. Im Gegenteil. Portman, die seit ihrem achten Lebensjahr Vegetariern ist, setzt sich verstärkt für karikative und soziale Einrichtungen ein. Sie ist nicht nur ein Vertreter für Tierrechte, sondern ist auch eine Botschafterin der Hoffnung für FINCA. Hierbei handelt es sich um eine Mikrofinanz-Organisation, die sich gegen Armut einsetzt. Im Zuge dessen hat Portman unter anderem Guatemala, Uganda und Ekuador besucht. Ihr Engagement für ihre Umwelt reicht zurück in ihre Kindheit, wo sie Mitglied der Tanzgruppe World Patrol Kids war. Im Jahr 2004 zählte Portman zu den vielen Prominenten, welche die Präsidentschaftskandidatur des Demokraten John Kerry unterstützen.

Auch über ihr Privatleben ist in den Klatschspalten wenig zu finden. Vieles bewegt sich hier im Konjunktiv. Ihr werden Affären mit Jake Gyllenhaal und Adam Levine, Sänger der Band Maroon 5, nachgesagt, doch genaueres ist nicht bekannt. Im Gegensatz zu ihren Schauspielkollegen Luke Haas und Gael Garcia Bernal, mit denen sie beiden liiert war. Dennoch führt Portman kein exzessives Leben wie andere Schauspielerinnen der Klasse Kirsten Dunst oder Sienna Miller. Ihr Liebschaften mit Multimilliardär und Umweltschützer Nat Rothschild oder dem venezolanischen Folkssänger Devendra Banhart bleiben meist aus dem Feuilleton und somit Portmans Privatsache. Konflikte mit dem Gesetz, der Regierung oder Drogen hatte Portman noch nie. Durch ihr Bewusstsein und ihr schauspielerisches Talent dürfte Natalie Portman sich weiterhin einige Jahre in Hollywood halten, ein weitestgehend unbescholtenes und von der Öffentlichkeit abgeschiedenes Leben führen. Zwar spielt sie schauspielerisch noch nicht in einer Liga mit Kolleginnen wie Cate Blanchett oder Kate Winslet, jedoch dürfte auch Natalie Portman, bei weiterer überlegter Filmauswahl, eines Tages die Auszeichnung mit einem Academy Award nicht verwehrt bleiben. Mit ihrer Intelligenz, ihrem Talent und ihrem Aussehen steht Portman die Welt offen und noch größerer Ruhm sicherlich bevor.

11. August 2008

Scrubs - Season Five

That’s so funny!

Für viele Menschen markiert 30 das Alter, an dem die finale Wende von jugendlicher Sorglosigkeit zum pflichtbewussten Erwachsenen abschließt. Man betritt das zweite Drittel seines Lebens, beginnt an Kinder und Familie zu denken und ein Wunsch nach Absicherung tritt ein. Kein Wunder also, dass auch in Bill Lawrences fiktivem Krankenhaus Sacred Heart die Ärzte in ihrem fünften Jahr beginnen, ernstere Pläne zu treffen. Dies trifft, wie in den Vorjahren von Scrubs bereits oft geschehen, primär auf Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes) zu, die in dieser Staffel alles daran setzen, ein gemeinsames Kind zu zeugen. Auch Elliot (Sarah Chalke) macht weitere Schritte in ihre Zukunft, selbst wenn sie dafür in der ersten Hälfte der fünften Staffel erst einen Schritt zurück machen muss.

Auf der Strecke bleibt wieder J.D. (Zach Braff), der zwar die Zeichen der Zeit erkannt hat, dennoch in seiner Entwicklung stagniert. So muss er sich in My Day at the Races damit auseinandersetzen, dass er 30 wird, ohne das Meiste von dem erreicht zu haben, was er sich vorgenommen hatte. Es ist wie so oft sein Wunsch nach einer Familie, der sein emotionales Zentrum darstellt. Insofern erklärt sich auch seine überstürzte Beziehung in der Staffelmitte mit Julie (Mandy Moore), einer schusseligen Patientennichte. Voreilig kauft sich J.D. ein Grundstück, nur um kurz darauf festzustellen, dass seine 23-jährige Freundin vorerst noch keine Kinder in ihr Leben einplant. Zu wenig für den charmanten Jungarzt, der endlich auch das haben will, was sein Kumpel Turk bereits hat.

Dass er sich dabei zumeist selbst ein Bein stellt, wird speziell in der sechsten Staffel deutlich werden. Bis dahin bleibt er jedoch der einsam Suchende, bekommt doch auch Elliot mit Assistenzarzt Keith (Travis Schuldt) einen neuen Freund an die Seite gestellt. Gerade durch Keith – im Staffelauftakt My Intern’s Eyes in der Ego-Perspektive eingeführt – erhalten die neuen Assistenzärzte mehr Präsenz in Scrubs, aber auch Folgen wie My Cabbage widmen sich etwas ausführlicher der frischen Garde am Sacred Heart. Es sind jedoch nur kleine eingestreute Momente, die weiterhin um die (berufliche) Beziehung von J.D. und seinem Mentor – und nunmehr Kollegen – Dr. Cox (John C. McGinley) kreisen. Denn so nah wie in der fünften Staffel waren sich die beiden Ärzte wohl bisher noch nie.

Nähe finden die zwei Charaktere meistens in Form von Verlusten, die sie selbst oder durch Patienten erleiden. Darunter wenn sich J.D. wie Dr. Cox in einer Art Doppelfolge Selbstvorwürfe machen. Zeugte My Lunch von einer erneuten Rückkehr von Nicole Sullivans Kultpatientin Jill – die erneut konträr zur ihrem Seriendebüt nicht von Elliot behandelt wird – und ihrem überraschenden Tod sowie daraus folgenden Zweifeln seitens J.D., ist es der Staffelhöhepunkt My Fallen Idol, der sich daraufhin Dr. Cox’ Innenleben widmet. Obschon es sich hierbei um eine grundsätzlich trübsinnige Folge handelt, schafft es Scrubs auf gewohnte Weise dennoch viele humoristische Momente wie den Eselsjungen auf der Intensivstation oder den emotionalen Dr. Stone (Paul Adelstein) zu integrieren.

So überzeugend die fünfte Staffel ausfällt, schafft es aber nur My Bright Idea noch in ähnliche Sphären wie My Fallen Idol vorzudringen. Die restlichen Episoden präsentieren sich dennoch meist stark, mit unvergesslichen Szenen wie Turks Kung Fu Fighting um eine Chirurgenstelle, Diskriminierung ob seiner afroamerikanischen Herkunft (“What’s up, dawg?”) sowie einige Einfälle von Janitor, sei es seine Pappmache-Armee von J.D. oder die Airband, die er später gründet. Für einige Lacher ist auch Gastdarstellerin Elizabeth Banks als Dr. Kim Briggs gut, die in den letzten beiden Folgen auftaucht und J.D. mit der Länge eines durchschnittlichen Penis und ihrer Hingabe zum Zooming schockiert.

Die Gastrolle von Banks sollte zu Beginn der sechsten Staffel erweitert werden, in der fünften Staffel wird ihre Präsenz komplettiert von den bereits angesprochenen Mandy Moore und Nicole Sullivan, dem wiederkehrenden Tom Cavanagh sowie Jason Bateman, Billy Dee Williams und Gary Busey. Was Filmzitate betrifft, sind derlei Referenzen im fünften Jahr eher rar gesät, sieht man von einer wiederholten Hommage an Raiders of the Lost Ark (inzwischen die Dritte im fünften Jahr) und der Folge My Way Home ab. Letztere orientiert sich inhaltlich wie optisch an The Wizard of Oz, ohne jedoch allzu sehr in das phantastische Element des Originals abzugleiten. Dass 24 Folgen ein paar zuviel sind, merkt man der Serie dieses Jahr durch Lückenfüller wie My Déjà Vu, My Déjà Vu an.

Wie gut die fünfte Staffel funktioniert, zeigt sich außerdem in der Hingabe an die vielen Nebendarsteller wie Doug (Johnny Kastl), Todd (Robert Maschio), Ted (Sam Lloyd) und Laverne (Aloma Wright), die neben den Hauptfiguren ihre Momente erhalten. Selbst der weitestgehend nervige Keith vermag hier wenig kaputt zu machen, obschon die Staffel ohne seine Boy-Toy-Figur wahrscheinlich besser ausgefallen wäre. Trotzdem reift die Serie weiter gemeinsam mit ihren Figuren, nimmt sich Zeit für diese und sorgt immer noch dafür, dass man sich als Zuschauer als Teil des Ganzen fühlt. Alles Eigenschaften, die Scrubs auch weiterhin zu einer besonderen Sitcom machen, sodass sich mein Gefühl für die Serie nicht besser ausdrücken lässt als mit den Worten von Janitor: ¡Tienes mi corazón!

8/10

10. August 2008

The Lost Weekend

Let me have my little vicious circle.

Die meisten Menschen konsumieren Alkohol, viele von ihnen täglich. Sei es zum Abendessen ein Bier oder Gläschen Wein, einen Schnaps hinterher, Alkohol ist allgegenwärtig und in vielen Haushalten fester Bestandteil. Bei Jugendlichen ist Alkohol besonders beliebt und wird am Wochenende deshalb konsumiert, um sich in einen berauschten Zustand zu versetzen. Alkohol als Fluchtmittel aus der realen Welt, schon nach ein paar Gläsern kommen einem mögliche alltägliche Sorgen weniger problematisch vor. Nach ein paar Gläsern mehr erinnert man sich meist gar nicht mehr daran, dass man überhaupt Probleme hat. In Deutschland leiden 4,3 Millionen Menschen unter Alkoholsucht, das sind immerhin fünf Prozent der Bevölkerung. Eine Person unter zwanzig kommt mit ihrem Leben insofern nicht zurecht, dass sie ohne Alkohol nicht leben kann. Dies betrifft die Männer doppelt so stark wie die Frauen, 70 Prozent der Alkoholiker sind männlichen Geschlechts. Seinen Status als Droge schreibt man Alkohol dabei selten zu, ähnlich wie bei Nikotin oder Koffein. Die Grenzen verwischen schnell, dass man selbst oder jemand aus dem Freundeskreis zum Alkoholiker verkommen ist, merkt man oft nicht und wenn dann recht spät. Wo liegen die Grenzen zwischen gewöhnlichem Alkoholkonsum und Alkoholsucht? Muss man erst direkt nach dem Aufstehen anfangen zu trinken, um als Alkoholiker betitelt zu werden? Im Gegensatz zu harten Drogen wie Heroin oder Kokain wird der Alkoholsucht in Hollywood nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegenteil, Schauspieler wie Brad Pitt lassen sich meist von asiatischen Firmen kaufen und werben jenseits des Pazifik für Bier und Whiskey. Auch in Filmen wird die Sucht selten thematisiert, Ausnahmen sind unter anderem Leaving Las Vegas mit Nicolas Cage oder When a Man Loves a Woman mit Meg Ryan.

Während einer Zugfahrt stieß der aufstrebende Regisseur Billy Wilder, der sich gerade mit der Verfilmung zu Double Indemnity einen Namen gemacht hatte, im Jahr 1944 bei einem Zwischenstopp auf das Buch The Lost Weekend. Es war im selben Jahr erschienen und bildete das Debüt von Charles R. Jackson, der noch fünf weitere, jedoch weniger erfolgreiche Romane verfassen sollte, ehe er letztlich Selbstmord beging. Der gebürtige Österreicher Wilder wählte den Roman aus, um als Vorlage für seinen vierten Spielfilm zu dienen. Die Hauptrolle besetzte er mit Ray Milland, mit dem er zwei Jahre zuvor bereits The Major and the Minor zusammengearbeitet hatte. Nach Wilders eigener Aussage trat während der Dreharbeiten die amerikanische Alkohollobby an Paramount heran und bot fünf Millionen Dollar, wenn man es unterließ den Film herauszubringen. Spaßvogel Wilder meinte, hätte man ihm selbst das Geld angeboten, hätte er das Angebot angenommen. Aber auch so war The Lost Weekend ein heißes Eisen und Paramount extrem unsicher. Erst als die Kritiker nach einer Testvorführung in Lobeshymnen ausbrachen, gab es ein festes O.K. Im Nachhinein sollte der Film neben der Palme d’Or auch vier Auszeichnungen der Akademie gewinnen, darunter für den Besten Film, die Beste Regie, das Beste Drehbuch und den Besten Hauptdarsteller. Für Wilder würden es die ersten beiden Oscars in seiner Karriere sein, zu denen sich später noch vier weitere Preise hinzugesellen sollten. Bis 1997 führte er zudem die Rangliste der Oscarnominierten Drehbuchautoren mit zwölf Nominierungen an, inzwischen musste er diesen Platz an Woody Allen abgeben. Billy Wilder zählt zu den größten Regisseuren aller Zeiten, ich selbst habe ihn in einer eigenen Rangliste einst auf Platz 2 hinter Stanley Kubrick positioniert. Mit Filmen wie Sunset Blvd. und The Apartment begeisterte Wilder ganze Generationen von Filmliebhabern, The Lost Weekend zählt zu seinen großen Filmen und markiert mit Double Indemnity seinen Aufstieg.

Wilder beginnt seinen Film mit derselben Einstellung, mit der er ihn beenden wird. Die Kamera schwenkt zu einer Häuserfassade und fokussiert eine Flasche, die an einer Schnur hängt, die mit einem Fenster befestigt ist. Im Zimmer zum Fenster ist Don Birnam (Ray Milland) damit beschäftigt, einen Koffer zu packen. Sein Bruder Wick (Philip Terry) ist anwesend, doch Dons Blicke wandern immer wieder nervös zum Fenster. Direkt in seiner ersten Einstellung vermittelt Wilder seinem Publikum, was ihn erwartet. Don ist Alkoholiker. Und nicht nur das, er ist auch noch auf Entzug, seit wenigen Tagen erst. Sein Bruder Wick will mit ihm und Dons Lebensgefährtin Helen (Jane Wyman) ein langes Wochenende auf dem Land verbringen. Für Don ist das der Horror pur, mehrere Tage auf dem Land, ohne die Chance auf Alkohol? Er muss die Flasche außerhalb des Fensters – die letzte, die er verstecken konnte – irgendwie mitnehmen. Seine Versuche, seinen Bruder aus der Wohnung zu lotsen, sind dabei so offensichtlich, dass Wick dahinter kommt. Doch ein (un)glücklicher Zufall verschafft Don zehn Dollar und ehe er sich versieht, hat er zwei Flaschen Whiskey gekauft und sitzt in seiner Stammkneipe. Barmann Nat (Howard Da Silva) weigert sich zwar zuerst, doch schenkt er ihm letztlich einen Kurzen ein. Don starrt förmlich auf seinen Kurzen, die gesamte Arbeit der letzten Tage, er trinkt sie mit einem Schluck dahin. Den Wasserfleck, den der Kurze auf der Theke hinterlässt, soll von Nat nicht weggewischt werden.

„Let me have my little vicious circle”, sagt Don stattdessen und macht deutlich, dass er sich seiner aussichtlosen Situation vollkommen bewusst ist. Don wird dem langen Wochenende nicht entkommen können, aber es wird einen anderen Verlauf nehmen, als er glaubte. Wick fährt ohne ihn und Don muss irgendwie über die Runden kommen. Seine Versuche, an Alkohol zu kommen, werden immer wahnwitziger, bis er schließlich am Tiefpunkt anlangt. Die Ironie der Geschichte ist, dass obschon Don im angetrunkenen Zustand ein egomanisches Verhalten an den Tag legt, ihm dennoch von allen Seiten Sympathien zufliegen. Nicht nur Wick unterstützt ihn seit Jahren, er schützt Don sogar in einer Rückblende. Auch Nat erweist sich als Freund und allen voran erweist ihm Freundin Helen die Treue. Ihre Beweggründe versteht man zwar nicht und Wilder führt sie nicht näher aus. Der Zuschauer muss sich mit der Liebe als Antwort begnügen. Die Liebe ist es auch, welche die Prostituierte Gloria (Doris Dowling) zu Don treibt. Im angetrunken Zustand flirtet er gerne mit ihr und macht ihr Versprechungen, die – wie Nat anmerkt – er ohnehin nie einhalten wird. Letztlich wird aber auch Gloria ihren Teil zu Dons Katharsis beitragen. Eine grandiose Rückblende versucht zu erläutern, wie Don zum Alkoholiker wurde, so jedenfalls seine eigenen Worte. Wirklich erfahren tut man es allerdings nicht. Eine Schreibblockade sei verantwortlich, der hoffnungsvolle College-Autor brachte anschließend nichts Gescheites zu Stande. Dies trieb ihn zum Alkohol. Grandios ist in der Rückblende die Opernszene des „Drinking Song“ in La Traviata, in der Wilder hängende Mäntel auf der Bühne zelebriert, die Don an sein eigenes Geheimnis erinnern. Weshalb Don sich La Traviata ansah, wird nicht erläutert, dort trifft er jedenfalls Helen – eine Begegnung, die sein Leben verändern wird.

In Jacksons Roman gibt es einen anderen Auslöser für Dons Alkoholismus, einen Besseren, der aber für Hollywood 1945 wahrscheinlich nicht umsetzbar schien. Don sieht sich der Anschuldigung gegenüber, auf dem College eine homosexuelle Affäre gehabt zu haben. Diese Thematik wird im Film ausgespart. Wilder konzentriert sich ganz auf den Teufelskreis, in dem sich Don befindet. Die Tücken seiner Sucht erläutert er meist in Monologen gegenüber Nat. Wie ein Karussell sei Alkoholismus, wenn man einmal drauf ist, kommt man nicht mehr runter. Zudem sei es am Morgen am schlimmsten, denn da wäre Alkohol wie Medizin. Er redet sich seine Existenz schön, verstrickt sich immer tiefer und schließt sich von seiner Umwelt aus. Phantastisch die Szene, in der Don den Alkohol sucht, den er am Abend zuvor im Suff versteckt und nun nicht mehr finden kann. Ray Milland lebt diese Rolle und ihm ist es zu verdanken, dass die Figur fast zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche abdriftet. Lediglich in der Albtraumszene rutscht er etwas ins Overacting, ohnehin mag man sich an der Albtraumszene beißen, die den ersten Einsatz des Ätherophons in einem Spielfilm darstellt. Die Nutzung des Gerätes wirkt etwas unpassend und besser beheimatet in den Science-Fiction Filmen wie Plan 9 From Outer Space, in denen es in den Fünfzigern Verwendung finden sollte. Dennoch lebt der Film von Millands kompromissloser Darstellung und der authentischen Handlung. Lediglich zum Ende hin lässt Wilders Film ein wenig nach, die Katharsis von Don kommt ziemlich überhastet, die Beweggründe wirken nicht unbedingt plausibel. Es ist die Liebe, wie auch schon bei Helen der Fall, die ihn letztlich zum Sieg führt.

8/10

9. August 2008

You Don’t Mess with the Zohan

Soon the whole world will be silky-smooth!

Seitdem 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, besteht ein Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern, die sich ihres Landes beraubt fühlten. Bis zum heutigen Tag herrscht der Nahostkonflikt und kostet immer wieder unschuldige Leben auf beiden Seiten. Nunmehr macht sich ein amerikanischer Comedian auf, um den Konflikt zu beenden und beiden Völkern Frieden zu bescheren. Zugegeben, dies wäre zuviel des Lobes und vollkommen utopisch, aber man muss You Don’t Mess With The Zohan doch eingestehen, dass seine Moral der Geschichte weitaus griffiger und tragfähiger ist, als es bei I Now Pronounce You Chuck & Larry der Fall gewesen ist. Vielleicht bin ich selbst zu alt geworden oder Adam Sandler lässt nur sehr nach. Mit Anger Management lieferte der New Yorker Comedian zum letzten Mal eine wirklich gelungene Komödie ab, die an seine großen Erfolge Big Daddy, Billy Madison oder Happy Gilmore erinnern konnte. Weder The Longest Yard noch Click wussten vollends zu überzeugen, auch wenn nunmehr die Besetzung in Sandlers Filmen namhafter wurden. In gewissem Sinne war Chuck & Larry dann der Supergau, uninspiriert und ein einziges verklemmtes Schwulenklischee, dennoch oder vielleicht deswegen relativ erfolgreich. Man mochte es allerdings kaum glauben, dass damals wirklich Oscarpreisträger Alexander Payne für das Drehbuch verantwortlich war. Und wenn man in der Eröffnungssequenz von Zohan beim Drehbuch den Namen Judd Apatow liest, weckt dies fraglos gemischte Gefühle. Vor acht Jahren entstand der erste Entwurf zu Zohan, an welchem Apatow gemeinsam mit Sandler und Robert Smigel schrieb. Das Projekt wurde nach den Terroranschlägen des 11. September wegen seiner terroristischen Thematik erst einmal auf Eis gelegt und Apatow war in den folgenden Jahren nicht mehr an der Entwicklung beteiligt. Was jetzt wirklich Apatow im Film ist und was nicht, lässt sich nicht sagen.

Als Mann seines Vertrauens verpflichtete Sandler erneut Dennis Dugan, den Regisseur der für Big Daddy und Happy Gilmore verantwortlich war, aber auch für Chuck & Larry. Erzählt wird die Geschichte des erfolgreichsten Mossad-Agenten, Zohan Dvir (Adam Sandler), der des Tötens überdrüssig ist. Wo besteht der Sinn immer wieder den palästinischen Top-Terroristen, das Phantom (John Turturro), zu fangen, wenn die israelische Regierung hinterher einen Agententausch mit dem Fein eingeht? Dennoch lässt sich Zohan zu einer Mission breitschlagen, hat er doch inzwischen eine eigene Agenda. Er will nach New York auswandern und unter Hairstylist Paul Mitchell seine Liebe für Haare ausleben. Die Offenbarung seines Traumes führt bei seinen Eltern nur zu Lachkrämpfen, Zohan wird als „Schwuchtel“ verunglimpft. Da wird es Zohan zu viel und er stellt kurzerhand seinen eigenen Tod. Doch in New York wird er auch bei Paul Mitchell nur ausgelacht, mit seiner extravaganten Art eckt der Israeli, der sich nun nach zwei Hunden im Flugzeug Scrappy Coco nennt, überall an. Während einem Disco-Abend wird er von dem jugendlichen Israeli Oori (Ido Mosseri) erkannt und daraufhin im israelischen Viertel eingeführt. In einem kleinen Frisörladen könnte sich Zohan künstlerisch ausleben – das Dumme daran: er liegt auf der palästinischen Seite des Viertels. Dieses teilen sich beide feindlichen Völker nämlich – allerdings auf friedliche Art. Die Inhaberin des Frisörladens, Dalia (Emmanuelle Chriqui), reagiert verhalten auf Zohans Frisörwunsch, doch dieser wartet nur auf seine Chance. Als diese kommt, nimmt er sie wahr und wird in kurzer Zeit zum angesagtesten Hairstylisten in New York. Lediglich der Taxifahrer Salim (Rob Schneider) droht sein Geheimnis aufzudecken, kennen sich Salim und Zohan doch noch aus alten Zeiten.

Wie insbesondere durch Sacha Baron Cohen bekannt sein dürfte, ist es im Grunde nur politisch korrekt über Juden Witze zu machen, wenn man selbst einer ist. Und Sandler macht in Zohan vor keiner der beiden Kulturen Halt, seine Witze auf Kosten der Israelis sitzen ebenso wie die gegenüber den Palästinensern. Allen voran ist hier der – durchaus gelungene – running gag bezüglich Hummus zu nennen. Bei dem Dip, der im nahen Ost – sowohl bei Israelis, als auch Palästinensern – sehr beliebt ist, gibt es für Sandler kein Halten. Der Kichererbsenbrei wird unentwegt zweckentfremdet und dient Zohan für ziemlich alles, vom Zahnputzmittel bis hin zum Haarverfestiger. Ähnlich amüsant sind Salims Versuche über die Terroristen-Hotline der Hisbollah eine Bombe zu bestellen. Aufgrund von Friedensgesprächen mit Israel ist diese kurzfristig außer Betrieb. Es sind jedoch nicht nur die kindischen Ideen (eine Katze dient einem Hacky Sack-Spiel), die zum Lachen anregen, sondern auch der eine oder andere politische Seitenhieb. Zohan reagiert entrüstet, als er erfährt, dass das Phantom für zwei Mossad-Agenten eingetauscht wurde. „Warum hab ich ihn dann überhaupt festgenommen?“, fragt Zohan. Der Austausch von Agenten kommt im realen Nahostkonflikt durchaus vor. Die ernste Thematik einer Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien über ihren Konflikt wird dabei zu Beginn ähnlich abgehandelt, wie bei Steven Spielberg in Munich geschehen. Das Henne-und-Ei-Problem findet keine Lösung, es ist durchaus nicht alles Schwarz und Weiß, wie ein Terrorist Zohan erklären will, ehe dieser ihn verprügelt. Doch wie Spielberg umgeht der Film das Problem – zu diesem Zeitpunkt. Erst in New York beschäftigt sich Zohan dank der Palästinenserin Dalia eindringlicher mit dem Konflikt seines Landes. Sein Viertel beweist ihm dabei, dass beide Völker durchaus koexistieren können, nicht nur dank einem gemeinsamen sexuellen Interesse an Laura Bush oder dem Hacky Sack-Spiel. Die Loslösung von seiner Heimat initiiert neue Blickwinkel.

Jetzt ist es aber nicht so, als wollte You Don’t Mess With The Zohan zum politischen Statement verkommen, vielmehr erzählt Sandler die Geschichte eines Mannes, der versucht seinem Traum zu folgen, trotz aller Widrigkeiten. Als brachialer Kampfkoloss, der schwimmt wie ein Delphin, Kugeln mit seinem Nasenloch stoppen kann und ohnehin keinen Schmerz spürt, macht Sandler ebenso Spaß, wie als überkandidelter Scrappy Coco, der ein ums andere Mal zu viel die Hüfte schwingt und sein übergroßes Genital in Position bringt. Ob Sandler sich bei Zohan von den beiden Kult-Figuren Borat und Brüno seines britischen Kollegen Sacha Baron Cohen inspirieren ließ, ist ungewiss. Während Borat bereits 2000 in der Ali G Show auftrat, war Brüno erst 2003 Bestandteil des Programmes. Aber Sandlers Zohan ist auch so eine individuelle Figur, die sich mit den beiden Cohenschen Charakteren nicht unbedingt vergleichen lässt. Sex- und triebgesteuert ist für Zohan alles eine sexuelle Anspielung, seinen Avancen erliegen dabei meist ältere und beleibtere Frauen und damit gänzlich ein anderes Klientel wie zuvor seiner Figur Larry in Chuck & Larry. Lediglich Dalia widersteht seinen Flirtversuchen, doch das Genre setzt voraus, dass sie ihm am Ende doch erliegt. Wieso und weshalb wird durch den Film nicht klar, da beide relativ wenig gemeinsame Zeit allein verbringen (und Zohan die gesamte Kundschaft vögelt). Aber es spielt auch keine Rolle, denn Zohan ist der Star und auch in fast allen Szenen enthalten. Die Ausnahme bilden die Momente mit seinen Antagonisten, Salim und Grant Walbridge. Letzterer wird gespielt von Boxansager Michael Buffer und wer Buffer vom Boxen nicht kennt, wird wenig Spaß an seinen Auftritten haben. Im gewissen Sinne ist Zohan eine Rückbesinnung, da Sandler auf einen hauptsächlich unbekannten Cast setzt. Die weibliche Hauptrolle wird weder von Kate Beckinsale noch von Jessica Biel gespielt, sondern von Emmanuelle Chriqui (Entourage), die ihre Funktion als eye candy mehr als erfüllt.

Doch ein Adam Sandler-Film wäre kein Sandler-Film, wenn er nicht mit seinen Freunden aufwarten würde. Gastauftritte haben unter anderem George Takei, Mariah Carey, Kevin James, John McEnroe und Chris Rock. Bei letzterem ist der Humor in der Taxi-Szene jedoch mehr als derbe und fehl platziert. Des Weiteren darf natürlich Rob Schneider nicht fehlen, Allen Covert, Peter Dante und Jonathan Loughran sucht mag dagegen vergebens. Um es direkt zu sagen: You Don’t Mess With The Zohan ist keine grandiose Komödie, aber sie ist ein Weg zur Besserung in Adam Sandlers Karriere. Natürlich ist die Story schwachsinnig und im Grunde nicht vorhanden, der Humor recht infantil und die Dialoge dümmlich – aber es ist auch eine Adam Sandler Komödie. Es erschließt sich einem nach Filmen wie Punch-Drunk Love oder Reign Over Me nicht, warum Sandler so viele dümmliche Komödien dreht, aber mit ihnen bedient er wohl lediglich seine Fanbase. Da ich selbst zu dieser zähle, mag manch einem meine Bewertung zu positiv erscheinen, nach lahmeren Werken wie Chuck & Larry oder Longest Yard ist Zohan aber eine Verbesserung. Inspiriert wurde der Film dabei von wahren Begebenheiten, traten doch die drei israelischen Arbib-Brüder Nezi, Shaoul und Shalom aus der Armee aus, um in Kalifornien einen Frisörladen zu eröffnen. Der Bonus auf dem Ganzen ist dann der Soundtrack, der neben einigen hebräischen Stücken vor allem durch Pop-Musik der Neunziger besticht. Wer nicht zuviel erwartet, wird wenig enttäuscht. Dugans Film verfügt über einige lustige Momente und den Hauch einer politischen Botschaft.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

8. August 2008

Enchanted

The steel beast is dead, peasants! I've set you all free!

Seit gut über achtzig Jahren gibt es sie: die Werke von Walt Disney. Angefangen hatte alles mit der erfolgreichen Serie Alice Comedies in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dieser Serie folgte schließlich Oswald the Lucky Rabbit, ein nicht minderer Erfolg. Im Jahre 1927 erschuf die zwiespältige Persönlichkeit seine Charakterfigur Mickey Mouse, später folgten noch Donald Duck, Goofy und die anderen Gesellen aus Disneys Kindertruppe. Hier begründete sich sein Erfolg, der ihn zum einflussreichsten Kindererzähler der westlichen Welt machen sollte. Nicht weniger einträglich als seine Truppe um Mickey & Co. sollten Walt Disneys Kinofilme werden, die oftmals bekannte Märchen aufgriffen, aber auch neue Geschichten auf die Leinwand transferierten. Hierbei markierte Snow White and the Seven Dwarfs 1937 die erste dieser Disney Märchen. Diese Erfolgsgeschichte sollte in den fünfziger Jahren mit Filmen wie Cinderella (1950), Lady and the Tramp (1955) und Sleeping Beauty (1959) weitergehen. In den sechziger Jahren ging der Erfolg dank Mary Poppins (1964) und The Jungle Book (1967) nahtlos weiter.

In den Siebzigern und Achtziger konnte das Studio nach dem direkten Tod von Disney nicht ganz an die früheren Erfolge anknüpfen, Werke aus diesen zwei Jahrzehnten sind beispielsweise Robin Hood (1973) oder Oliver & Company (1988). Ein Jahr später sollte die neue Ära von Disney Filmen beginnen, The Little Mermaid (1989) läutete eine neue Erfolgswelle ein, die mit Beauty and the Beast (1991), Aladdin (1992) und The Lion King (1994) ihren Höhepunkt erreichen sollten. Disney war schließlich auch das erste Studio, welches – gemeinsam mit Tochterfirma Pixar – durch Toy Story auf reine, digitale Filme setzen sollten. Die Abkehr vom 2-D-Zeichenstil war begonnen und manifestiert sich in der heutigen Zeit, in der Pixar mit Werken wie Ratatouille den Markt beherrscht und die traditionellen Animationsfilme die Ausnahme bilden. Im nächsten Jahr wird Disney mit The Princess and the Frog zu seinem altruistischen Stil zurückkehren und das erste Mal in seiner Geschichte eine afroamerikanische Protagonistin in den Mittelpunkt seiner Handlung setzen.

Im letzten Jahr zur Weihnachtszeit erschien von Disney eine Hommage an diese klassischen Geschichten und zugleich eine Parodie auf diese. Ein riesiges, großes Familienprojekt quasi, denn Regisseur, Komponisten und viele Statisten zählen seit Jahren zur Disney Familie und haben an erfolgreichen Filmen des Studios ihren Anteil gehabt. Die Regie ging an Kevin Lima, der die 2-D-Abenteuer 102 Dalmatians sowie auch Tarzan inszenieren durfte. Die Texte für die verwendeten Lieder kamen vom dreifachen Oscargewinner Stephen Schwartz (The Hunchback of Notre Dame), während die Musik vom achtfachen Oscarpreisträger Alan Menken (Aladdin, Pocahontas) stammt, der auch in diesem Jahr dreifach in eben jener Kategorie nominiert war. Die Selbstparodie des Projektes zieht sich selbst in diese Lieder hinein, wenn der Prinz seinen Liedeinsatz abschließt mit den Worten „You were made …“ und die Prinzessin einstimmt mit „...to finish your duet“.

Aber auch die Tatsache, dass Julie Andrews (Mary Poppins) die Erzählstimme darstellt, bis hin zu Kurzauftritten von Jodi Benson (Ariels Stimme) und anderen, macht Enchanted zu einem wahrhaft zauberhaften Erlebnis für jeden Fan der klassischen Disney Werke. Dass die Handlung selbst durchgehend das hauseigene Œuvre referiert, trägt zum Charme des Filmes natürlich auch bei und wer versucht die Geschichte als zeitgenössische RomCom zu sehen, hat bereits verloren und wird wenig Gefallen an Limas Film finden. Alle anderen dürften auf ihre Kosten kommen, allen voran Kinder, die sich neben klassischen 2-D-Segmenten und Realfilm auch auf digitale Animation freuen dürfen. Enchanted bringt somit alle drei Generationen unter ein Dach und was sicherlich am beachtlichsten ist, dem Film gelingt dies auf ausgesprochen harmonische und glaubwürdige Art und Weise. Da ist es umso schöner, dass der Film bei einem Budget von 85 Millionen Dollar weltweit gut das Vierfache einspielen konnte. Denn Enchanted hat man bereits nach den ersten zehn Minuten in sein Herz geschlossen.

Disney-Veteran Lima beginnt seinen Film auf die klassischste aller Disney-Arten, nicht nur im 2-D-Zeichenstil, sondern auch mit einem Buch. Wurden so bereits die Liebesgeschichten von Cinderella oder Beauty and the Beast eingeleitet, dient auch hier ein Märchenbuch dazu, eine Geschichte zu erzählen, die vor langer, langer Zeit begann. Sie spielt in dem träumerischen Land Andalasia und führt in ein Haus im Walde, bewohnt von der hinreizenden Giselle (Amy Adams). Diese Szene beispielsweise wird sehr explizit von Cinderella übernommen, man sieht Giselle inmitten ihres Zimmers und von ihrem Traumprinzen schwelgen. Ihre Freunde werden von verschiedenen Waldbewohnern dargestellt, hier finden sich Verweise zu Bambi, aber allgemein auch zu anderen Disney Werken. Ihre optimistische Liebe packt Giselle kurzerhand in ein musikalisches Gewand, auf welches wiederum der edle Prinz Edward (James Marsden) bei seiner Trolljagd aufmerksam wird. Beide finden sich, der Prinz rettet die holde Magd vor dem blutrünstigen Troll und die Hochzeit ist beschlossene Sache. Schließlich ist dies hier ein Disney-Film, da wird geheiratet, was einem über den Weg läuft.

Zwei verlorene Seelen, füreinander bestimmt und letztlich glücklich vereint. Und wenn sie nicht gestorben sind…an diesem Punkt hört Limas Geschichte jedoch nicht auf, sondern hier setzt sie ein. Edwards Stiefmutter und Königin von Andalasia, Narissa (Susan Sarandon), sieht in Giselle eine Anwärterin auf ihren Thron. Narissa selbst ist vollkommen nach Sleeping Beauty’s Malefiz gestaltet, später wird sie noch die Form der bösen Königin aus Snow White annehmen. Kurzerhand schubst sie die zu ihrer Hochzeit eilende Giselle in einen magischen Brunnen, sodass diese sich plötzlich in der realen Welt wieder findet. Logischerweise völlig desorientiert stößt Giselle schließlich auf den Scheidungsanwalt Robert (Patrick Dempsey) und dessen liebenswürdige sechsjährige Tochter Morgan. Robert nimmt sich der verwirrten Giselle an und hat mit ihr bald mehr zu tun, als ihm eigentlich lieb ist. Währenddessen alarmiert Giselles befreundetes Eichhörnchen Pip den tapferen Prinzen, welcher sich mit diesem anschließend wagemutig in den Brunnen stürzt. Damit ist die Rahmenhandlung für viele verquere Momente gegeben.

Wer mit Disneys Themen vertraut ist, wird diese auch in Enchanted finden können. In doppelter Hinsicht zum Beispiel die Thematik der abwesenden Mutter. Giselle selbst hat ihre Mutter nie kennen gelernt, verbindet kaum Erinnerungen mit dieser. Als sie nach New York kommt, trifft sie auf Robert und Morgan. Auch hier ist die Mutter abwesend, ein Element welches bereits in The Little Mermaid oder Beauty and the Beast vorhanden war. Das zentrale Thema von Limas Film hingegen ist die Liebe beziehungsweise die einzig wahre Liebe. Robert glaubt nicht an diese Liebe, nicht nur weil seine Frau ihn verlassen hat, sondern auch weil er als New Yorker Scheidungsanwalt jeden Tag damit zu tun hat, die Scherbenhaufen aufzuräumen. Mehrmals hält er Giselle vor, dass ihr „Traumprinz“ Edward nicht eintreffen wird. Das eigentlich erstaunliche ist aber vielmehr, dass Robert davon überzeugt ist, dass Edward überhaupt existiert, hält er Giselle generell aufgrund ihres Verhaltens doch für gaga.

Die Macher von Disney haben die werte Giselle dabei am meisten nach der optimistischen Naivität von Schneewittchen ausgerichtet, was man an verschiedenen Referenzszenen sehen kann, unter anderem wenn Giselle am Zebrastreifen einen Kleinwüchsigen mit „Grumpy“ anspricht. Es ist dieser unbändige Optimismus und diese gänzliche freundliche Wesen von Giselle, welches bei Robert und Morgan zu unbeschreiblichen Sympathien führt. Da verwundert es kaum, dass Giselle ihnen bereits nach zwei Tagen ungemein ans Herz gewachsen ist. Dabei geht Enchanted diese Belehrende, was immer in ihren Geschichten mitschwingt, total ab. Vielmehr nimmt der Film seine Vorgänger liebevoll aufs Horn, wenn er plötzlich eine emanzipierte Giselle präsentiert, die sich nicht einfach dem Motto „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ beugen will, sondern von Edward – herrlich von Marsden als narzisstischen Einfaltspinsel gespielt – aus heiterem Himmel eine Verabredung verlangt.

Sicherlich referiert der Film hauptsächlich die drei Klassiker Snow White, Cinderella und Sleeping Beauty und ist insbesondere für Disney-Fanboys (hierzu darf man mich zählen) eine wahre Freude. Allerdings weiß Lima auch eine – zumindest halbwegs – eigenständige und funktionierende Geschichte zu erzählen. Sicher, eine Giselle würde man heute in die Klapse stecken und fertig hat sich das. Aber es ist ein Märchen, jedoch auch eines mit einem gewissen Anspruch auf Realität. Das zeigt allein die Tatsache, dass Giselle sich plötzlich nicht mehr total auf Edward festfahren will. Amy Adams, immerhin Oscarnominiert, spielt zwar manchmal an den Grenzen zum Overacting und auch Dempsey wirkt gelegentlich recht leidenschaftslos, wenn er mit seiner gegelten Matte zum Takt wippt (man merke den offensichtlichen Schnittfehler in der Lady and the Tramp-Referenz), dafür macht Marsden umso mehr Spaß. Dieser hätte sich beim Vorsprechen sogar noch den Part von Robert aussuchen dürfen, entschied sich allerdings dennoch für den sympathisch-dümmlichen Edward, der mit seinem infantilen Charme ebenso wie das digitale Eichhörnchen Pip für Lacher zu sorgen weiß.

Dieses (das Eichhörnchen, d. Red.) ist wesentlich besser gelungen, als das Alvin and the Chipmunk Pendant, weniger von der Animation, wie dem erzeugten Humor her. Auch Timothy Spall, der seit Prisoner of Azkaban die Rolle des bösen Handlangers gepachtet zu haben scheint, weiß zu gefallen. Von der Sarandon sieht man recht wenig, was aber auch nicht allzu stört. Insgesamt vereinen sich die drei Filmoptiken, gemeinsam mit sympathischen Schauspielern und toller musikalischer Unterstützung zu einem Anekdoten- und Hommagefest für Disney-Fans, denen der Film sicherlich weitaus besser gefallen dürfte, als dem 08/15-Kinogänger, der sich hauptsächlich nach Action und Peng Peng sehnt. Mich selbst hatte der Film bereits nach den ersten 40 Sekunden für sich gewonnen, die restliche Laufzeit (im Übrigen auch Referenzen zu Superman Returns oder King Kong) schafft es dabei den hier erzeugten Erwartungen gerecht zu werden.

8/10

6. August 2008

The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor

Ha ha ha! Why am I laughing?

Die Pfade des Indiana Jones sind unergründlich. Und zugegeben, man hat es auch nicht leicht. Denn sobald eine Filmfigur nach einem Gegenstand sucht, der älter als ein halbes Jahrhundert ist, drängen sich unweigerlich die Vergleiche zum übergroßen Dr. Jones auf. Was dann dabei herauskommt, ist so ein lächerlicher Verschnitt wie Ben Gates in Jon Turteltaubs National Treasure-Reihe. Es gelingen jedoch auch andere Beispiele, eines ist Stephen Sommers’ The Mummy aus dem Jahr 1999. Mit einer Portion Selbstironie schickte Sommers hier den Abenteurer Rick O’Connell auf die Suche nach Hamunaptra, der legendären Stadt der Toten. Hier erweckt O’Connell gemeinsam mit der Ägyptologin und Bibliothekarin Evey und ihrem geldgeilen Bruder Jonathan den dreitausend Jahre alten Hohepriester Imhotep. Für achtzig Millionen Dollar gelang Sommers damals ein durchaus unterhaltsamer Abenteuerspaß, der selbstverständlich Fortsetzungen nach sich zog. Zwei Jahre später brach The Mummy Returns dann die bisherigen Rekorde – die inzwischen mehrfach erneut gebrochen wurden – und spielte weltweit ebenso viel ein wie der Vorgänger. Doch der Wurm war bereits drin, der zweite Film enttäuschte. Sommers bot seinem Publikum einen kruden Aufguss des ersten Teiles an, gewürzt mit einer abstrusen Reinkarnationsgeschichte. Evey stellt sich als Tochter des ermordeten Pharaos und Rick als wiedergeborener Medjai heraus, eine Entwicklung, die im ersten Teil noch keine Rolle spielte, in welchem Imhotep Evey auch nicht als das erkannte, was sie war. Natürlich, Mr. Sommers. Auch die Effekte wirkten im zweiten Teil etwas unsauberer, als noch zuvor. Die Tatsache, dass der Film die Einstellungen des Vorgängers wiederholt, machen ihn nicht besser. Anschließend erhielt Nebendarsteller The Rock noch ein Spin-Off als The Scorpion King, welches floppte, aber dennoch ein Direct-to-DVD-Sequel erhält. Ein richtiger Abschluss der Trilogie war dies allerdings nicht, weshalb nun The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor in die Kinos kommt.

In jenem verzichtet Sommers auf die Regie, ebenso wie Oscarpreisträgerin und inzwischen stärkstes Zugpferd, Rachel Weisz, auf ihre Rolle als Evelyn O’Connell verzichtet. Dämmert’s? Als Ersatz wurde Rob Cohen für den Regieposten engagiert. Cohen, zuvor verantwortlich für Filme wie xXx und Stealth wollte dem Franchise mehr Action zusetzen und weniger von der komödienhaften Schiene weg. Außerdem empfand er Imhotep als Bösewicht für ausgelutscht und somit wurde auch das Setting in Ägypten gestrichen. Stattdessen geht es nach China, wo eine verfluchte Terrakotta-Armee zum Leben erweckt wird. Der aufmerksame Leser stellt fest: Terrakotta. Ironischerweise taucht im dritten Teil von The Mummy keine einzige Mumie auf, zumindest keine per se. Wenn man mit „Mumie“ jedoch alles tituliert, was einst tot und nun wiedererweckt ist, hat man natürlich einen großen Spielraum. Dann sind auch 28 Days Later oder Dawn of the Dead Mumienfilme. Natürlich, Mr. Cohen. Um es zusammenzufassen, im dritten Teil der Mummy-Reihe spielen Mumien keine Rolle, weshalb nicht nur der Titel, sondern im Grunde das ganze Projekt lächerlich wirkt. Vor tausenden von Jahren wurde der egomanische chinesische Kaiser Han (Jet Li), weil er die Hexe Zi Yuan (Michelle Yeoh) betrog, von dieser verflucht. Er verwandelte sich zu einer Terrakotta-Figur und mit ihm sein ganzes Heer. Die Krux mit Flüchen ist aber, dass sie immer umkehrbar sind. Ein sagenumwobener Diamant erweckt den Drachenkaiser – wieso Drachenkaiser wird nicht erläutert (vielleicht im Jahr des Drachen an die Macht gekommen?) – erneut zum Leben. Also „zum Leben“, egal. Involviert sind natürlich auch Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O’Connell (Maria Bello), fehlen dürfen auch nicht Jonathan (John Hannah) und Filmsohn Alex (Luke Ford). Während Han sich aufmacht, endlich Unsterblichkeit zu erlangen, sind ihm die O’Connells auf den Fersen.

Bedenkt man, dass die Drehbuchautoren Alfred Gough und Miles Millar Stammkräfte der Serie Smallville sind, kommt man nicht umhin, als verblüffte Enttäuschung zu empfinden. Das Drehbuch des Films ist unterirdisch schlecht, allen voran die Dialoge, dicht gefolgt von der eigentlichen Handlung. Die O’Connells werden von ihren Feinden dazu benutzt, das Auge von Shangri-La nach Shanghai zu transportieren. Wieso die O’Connells hierfür benutzt werden, wird nicht beantwortet. Sie erfüllen diesbezüglich keinen besonderen Zweck, man hätte das Auge im Grunde auch per Post schicken können. Eine flachere Involvierung der beiden Helden hätte man sich kaum ausdenken können. Um unsterblich zu werden, muss Han die Quellen von Shangri-La finden. Um Shangri-La zu finden, muss Han das Auge auf eine Turmspitze des Tores von Shangri-La setzen. Die O’Connells reisen also ab, um dies zu verhindern. Hier zelebriert Rob Cohen etwas Humor, denn Vater und Sohn O’Connell streiten sich um ihre Munition. Das Maschinengewehr ist besser als das Maschinengewehr. Haha, lustig, Mr. Cohen. Viel Feuerkraft bringen die O’Connells hier mit, sogar eine Bombe. Die wollen sie aber nicht zünden, denn sonst bricht eine Lawine los. Auf die Idee einen Schweißbrenner mitzunehmen, um die Turmspitze abzubrennen, auf die kommt natürlich keiner. Wäre ja auch zu einfach. Dass Shangri-La letztlich 500 Meter vom Tor entfernt ist, verständlich. In alle den tausenden von Jahren hat sich auch keiner die Mühe gemacht, mal die Umgebung durchzuforsten. Die Geschichte, die man dem Publikum hier offeriert, ist so voller Fehler und Inkonsequenzen, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Als ob Mumien – die keine sind – nicht schon genug wären, wartet Cohen auch noch mit Yetis auf. Drei Stück. Dass man in einem Fantasy-Film über chinesische „Mumien“ auch noch Yetis einbaut, ist nicht so tragisch, dass diese jedoch wie Hunde herbeigerufen werden und sich abklatschen, wenn sie einen ihrer Feinde besiegt haben, das ist tragisch. Doch bei den Yetis hört es nicht auf, später kriegen die Zuschauer auch noch Han als dreiköpfigen Drachen zu sehen. Wieso Han sich plötzlich verwandeln kann, wird einem dabei nicht klar. Er wurde zwar von seinen Gelehrten zum Herrn der fünf Elemente gemacht (zu denen in China Metall aber nicht Wind gehört), aber ein Formwandler war er vorher nicht. Erst als er unsterblich wird. Allerdings ist auch Michelle Yeoh im Film unsterblich, und die bleibt die ganze Zeit eine Chinesin Ende vierzig. Die Tatsache, dass sich Han zum Drachen verwandelt, dient scheinbar auch lediglich der Transportation von Shangri-La zu seinem Grabmal. Dort wartet dann die finale Schlacht auf, zwischen zwei untoten Armeen. Ein weiterer Drehbuchfehler, denn wenn interessiert eine Schlacht zwischen zwei untoten Armeen? Wer kann die denn verlieren? Niemand, das ist das Problem. Da kann man auch zwei Kindern beim Schaukeln zuschauen. Zudem offenbart sich hier wieder einmal Hans Schwäche, der im Film zwar jederzeit dank seiner übernatürlichen Kräfte die Oberhand behält, seine Feinde damit allerdings nie vernichtet. Einmal rennt er als Wolpertinger oder dergleichen über das Schlachtfeld, auf die Idee die Form eines atomaren Kerns oder einer kleinen Sonne anzunehmen, kommt der chinesische Kaiser jedoch nicht. Selten fühlte man sich im Kino mehr verschaukelt, wie hier der Fall. Den Schlag in die Magengrube versetzen einem dann die dümmlichen Dialoge in der Form: „Hey, Alex, scharfe Freundin“ – „Sie ist nicht meine Freundin“ – „Ach so, aber wenn sie es wäre, wäre sie scharf“ – „Ja, stimmt. Jetzt wo ich drüber nachdenke…“. Getoppt wird das nur noch von den quälenden Vater-Sohn-Gesprächen.

Dass Alex-Darsteller Luke Ford lediglich 13 bzw. 14 Jahre jünger ist als seine Filmeltern Fraser und Bello sieht man ihm jederzeit an. Film-Alex ist 22 Jahre alt, sodass Fraser und Bello im Film selbst weitaus älter dargestellt werden, wie sie im wahren Leben sind, Ende vierzig nämlich. Als Mann, der an der fünfziger Marke kratzt, hat sich Fraser gut gehalten. Im übrigen hält sich Brendan Fraser durchaus wacker im Film, ähnlich wie auch John Hannah. Beide sind die Lichtblicke, die jedoch nicht im Stande sind, über das grausame Drehbuch hinweg zu spielen. Problematisch ist dagegen Maria Bello, die hier wie ein Fremdkörper wirkt. Ihre Evelyn hat eigentlich überhaupt nichts mehr mit der Rachel-Weisz-Version aus The Mummy zu tun. Selbst im Vergleich zu The Mummy Returns ist das etwas abgehoben. Cohen zelebriert seine Evey als kampflüsterne Amazone, geil auf Abenteuer und Schießereien. Yeah, baby. Von der begeisterten Archäologin aus den beiden Vorgängern ist nichts mehr übrig geblieben. Ohnehin, das ruhige Leben bekommt den O’Connells nicht, die eine Spionagehistorie vorzuweisen haben. Zack! Glückwunsch, Sie wurden mit dem Indiana Jones-Hammer erwischt. Später wird noch von The Last Crusade, Lord of the Rings und anderswo geklaut. Die O'Connells langweilen sich in ihrem Haus, sie suchen das Abenteuer, wollen es sich jedoch nicht eingestehen. Außer Alex haben sie keine Kinder mehr gezeugt und von ihrer Liebe sieht man im Prinzip nichts. Schon gar nichts, von jenem Blick – den Alex später proklamiert – mit dem sie sich jeden Tag neu ineinander verlieben. Zwischen Bello und Fraser besteht keine Chemie. Ebenso wenig zwischen Luke Ford und jedem anderen Objekt in diesem Film.

Am meisten tut es einem jedoch um die chinesischen Darsteller leid. Die Chance in einem US-Film mitzuspielen scheint für Michelle Yeoh wieder einmal zu verlockend gewesen zu sein. Dass man von Jet Li keine großen Sprünge erwarten darf, zeigt er seit Jahren durch seine Filmauswahl. Ironischerweise hat Li weniger Leinwandzeit als der Abspann des Filmes erhalten (letzterer ist übrigens auch unterhaltsamer). Was Anthony Wong Chau-Sang (Infernal Affairs) hierher verschlagen hat, fragt sich das gefolterte Herz dann aber doch in jeder seiner Szenen. Abgesehen von Ford sind die Darsteller aber nicht Schuld am Versagen des Filmes. Vielmehr finden sich die Ursachen im Drehbuch von Gough und Millar sowie der Regie von Cohen. Bei dem beinah doppelten Budget von The Mummy wirken die Effekte in diesem Teil wie direkt für die DVD produziert. Allen voran der Drache aber allgemein der digitale Jet Li wirken so unglaubwürdig, wie es bereits der digitale The Rock in The Mummy Returns getan hat. Die Dialoge sind eine Tortur und schmerzen wie eine Behandlung bei Zahnarzt. Das „Positivste“, und ich sage es bewusst in Anführungszeichen, ist die Musik von Randy Edelman. Damit keine Missverständnisse aufkommen, Edelmans Musik ist nicht gut, sie hebt sich nur von dem katastrophalen Film auf der Leinwand etwas ab. Wie man ein Filmtrilogie verhunzen kann, lässt sich an der The Mummy-Reihe anschaulich begutachten. Einem gelungenen ersten Teil folgte ein enttäuschender zweiter und ein vollkommen misslungener dritter Teil. Wer glaubt, hier die Spitze des Eisberges zu sehen, hat sich getäuscht. Maria Bello hat in Interviews bereits angekündigt, dass ein vierter Teil in Planung steht, zumindest hat sie einen Vertrag für einen möglichen vierten Teil. Dieser dürfte sich wohl in Peru abspielen. An dieser Stelle ist es wohl unnötig zu erwähnen, dass auch in Südamerika keine Mumifizierung gepflegt wurde. Doch Mumien spielen in der Mummy-Reihe wohl schon lange keine Rolle mehr.

1/10 - erschienen bei Wicked-Vision

4. August 2008

Dawson’s Creek - Season One

Everything changes eventually.

Wer in den Achtzigern und zum Teil auch in den Neunzigern aufgewachsen ist und Regisseur werden wollte, der setzte sich oftmals Steven Spielberg zum Ziel. Ich selbst wollte in die Filmbranche, nachdem ich Jurassic Park gesehen hatte. Spielberg bewies mir mit dem Film, dass man Dinosaurier glaubhaft in eine Filmhandlung einbauen konnte und dass man somit im Grunde jede Phantasie in eine Filmhandlung glaubhaft einbinden konnte. Zwar wandelte sich mein Interessensfeld über die Jahre vom Regisseur zum Drehbuchschreiber (wie sich die meisten denken können, wurde aus einer möglichen Karriere nichts), aber Spielberg war die ursprüngliche Motivation. Und das zählt nicht nur für mich, sondern war auch bei Kevin Williamson der Fall. Der Drehbuchautor der Scream-Trilogie, The Faculty und I Know What You Did Last Summer wurde engagiert um eine Pilotfolge für eine Serie zu schreiben. Williamson entwickelte kurzerhand eine Serie basierend auf seinem eigenen Leben. Ein Teenager in einer abgelegenen Kleinstadt, der davon träumt Regisseur zu werden und ein riesiger Fan von Steven Spielberg ist. Was die Serie ausmachen sollte war jedoch nicht die Affinität des Teenagers zu Spielberg, sondern vielmehr seine Beziehung zu seiner besten Freundin, die er seit Kindestagen kennt und die am Ende seines Bachbetts wohnt. Dies war die Geburtstunde von Dawson Leery und seinem Freundeskreis. Über sechs Staffeln hinweg lief Dawson’s Creek von 1998 bis 2003 auf dem amerikanischen Fernsehsender von Warner Brothers Pictures (The WB) und zählte seinerzeit zu den Pionieren der Fernsehserien, die sich mit jugendlichen Ängsten auseinandersetzten. In der ersten und zweiten Staffel sollte Williamson der Serie als Produzent und Autor zur Verfügung stehen, ehe er am Ende der zweiten Staffel ausstieg, um sich einem neuen Projekt zu widmen, welches letztlich scheitern sollte. Für das Serienfinale kehrte er schließlich als Autor zurück, ein Kreis schloss sich.

Im Gegensatz zu den folgenden Staffeln bestand die erste Instanz der Serie aus lediglich 13 Episoden. Da die Serie nunmehr zehn Jahre alt ist, wird die Besprechung Spoiler (nicht nur für die erste, sondern alle Staffeln) einbeziehen. Wie der Titel schon sagt dreht sich in Dawson’s Creek alles um Dawson Leery (James Van Der Beek). Dawson ist wie seine besten Freunde Joey Potter (Katie Holmes) und Pacey Witter (Joshua Jackson) 15 Jahre alt und beginnt in dieser ersten Staffel seine Sexualität zu entdecken. Die Pilotfolge offenbart es schon: jahrelang waren es Dawson und Joey gewöhnt gemeinsam in einem Bett zu schlafen, am praktischsten natürlich am Samstagabend, dem Videoabend. Doch Joey hegt inzwischen Zweifel, schließlich sind die beiden keine Kinder mehr. Ihre genauen Beweggründe finden sich erst einige Folgen später. Über die Jahre hinweg hat Joey sich in Dawson verliebt, die Situation spitzt sich noch etwas zu, als im Haus nebenan die ebenfalls 15-jährige Jen Lindley (Michelle Williams) einzieht. Dawson ist hin und weg und setzt zum ersten Mal in seinem Leben alles daran, das Herz einer Frau zu erobern. Selbstverständlich sehr zum Missfallen von Joey. Doch Jen ist nicht ohne Grund in Capeside: sie ist ein Partygirl, dass von ihren Eltern aus New York praktisch nach Capeside verbannt wurde. Schuld daran sind ihre sexuellen Eskapaden gewesen, ein Punkt der Dawson in seiner kommenden Beziehung zu Jen ziemlich bedrücken wird. Auch Pacey sammelt seine ersten sexuellen Erfahrungen – ausgerechnet mit seiner Englischlehrerin. Und nicht nur das Liebesleben der Teenager ist gehörig auf Trab, wie sich herausstellt unterhält Dawsons Mutter (Mary-Margaret Humes) eine Affäre, von der weder ihr Sohn, noch ihr Ehemann (John Wesley Shipp) etwas ahnt.

Viele Folgen von Dawson’s Creek beginnen mit einem Videofilm, den sich Dawson und Joey auf seinem Bett ansehen. Es mag an Joeys Gefühlen für Dawson liegen oder daran dass beide in der Pubertät sind, aber sie streiten sich gerne anschließend. Hierbei geht es meist weniger um den Film, als viel mehr um eine Aussage oder Botschaft des Filmes, welche die beiden versuchen auf ihr eigenes Leben zu übertragen. Hier insbesondere, aber auch in den meisten anderen Momenten, wird man Zeuge des besonderen Charakters der Serie. Dawson, Joey und Pacey diskutieren weniger als dass sie philosophieren. Bisweilen schwadronieren sie sogar und es wird überdeutlich, dass dies kein authentisches Bild einer 15-jährigen amerikanischen Jugend darstellen soll. Der Witz an dem ganzen ist die Tatsache, dass Williamson ungemein selbstironisch mit seiner Serie umgeht. Meist ist es Joey, die praktisch zwischen den Zeilen die Serie mit den Konventionen Hollywoods vergleicht. Unter anderem ist dies im Staffelfinale Decisions der Fall, zu dessen Beginn sich Joey darüber auslässt, dass Cliffhanger in Serien nur deswegen gerne gewählt werden, weil damit das Endgültige noch etwas hinauszögern kann. Im Grunde sieht sie Cliffhanger als eine Verarsche fürs Publikum an. Die Szene ist jedoch nicht nur deswegen amüsant, da sich Joey selbst – unwissentlich – in einer Serie befindet, sondern Williamson auch am Ende der Folge selbst auf einen Cliffhanger verzichtet, wie ihn beispielsweise andere Drama-Serien wie Lost aufweisen. Seine Folge hat ein Happy End – zumindest vorerst.

Doch nicht nur hier bewies Williamson Selbstironie, die gesamte erste Staffel ist voller Referenzen zu Filmklassikern und Arbeiten von Williamson oder den Darstellern selbst. So finden sich in der elften Episode The Scare nicht nur eine Referenz zu I Know What You Did Last Summer, sonder auch eine Hommage an Scream. Beide Horrorfilme wurden von Williamson geschrieben. Fast noch gelungener ist hier die Folge Sieben (Detention), die nicht nur für sich genommen eine Hommage an den John Hughes Klassiker The Breakfast Club darstellt, sondern auch Querverweise in die Arbeiten der drei Hauptdarsteller aufzeigt. Die Lehrerin, die das Nachsitzen der Gruppe am Samstag beaufsichtigt, erhielt von Williamson den Namen Mrs. Tringle. Ein Jahr später würde Katie Holmes die weibliche Hauptrolle in dem von Kevin Williamson geschriebenen Teaching Mrs. Tingle spielen. Auch James Van Der Beek durfte einen vorausahnenden Spoof abgeben. Bereits in einer vorherigen Folge (Dance, #2) tat er das Football-Drama seines Konkurrenten um Jen, Cliff (Scott Foley), damit ab, dass es ein weiterer dummer Sportfilm wäre. Das passende Stichwort ist hier im Original „varsity“, welches generell für eine Schulmannschaft steht. Auch Van Der Beek würde ein Jahr später in einem Kinofilm auftauchen: einem Football-Drama namens…Varsity Blues. Joshua Jackson wiederum durfte in Detention auf seine vorherigen Kinofilme der Mighty Ducks-Reihe verweisen, auch dies geschieht natürlich mit einem Augenzwinkern. Des Weiteren finden sich offensichtliche Verweise zu The Graduate und anderen einflussreichen Filmen. Das Spiel einer Serie, die sich unwissentlich selbst seziert, wird in vielen Folgen vorgetragen und macht das Konzept neben seiner eigentlichen Thematik so speziell. Zudem wurde in vielen Folgen zeitgenössische, angesagte Musik für den Hintergrund verwendet, ein Stilmittel das auch heute noch (Gossip Girl) auftaucht.

Für Filmfans ist natürlich auch interessant, heutige Schauspieler in ihren Anfängen zu beobachten oder Gesichter zu entdecken, die man aus anderen Serien und Filmen kennt. So taucht in einer Gastrolle Eric Balfour (The O.C., Six Feet Under, 24) auf, dagegen ist Scott Foley (Scrubs, Felicity, The Unit) mit fünf Auftritten quasi sogar Nebendarsteller. Die zweite Hauptdarstellerin Michelle Williams hingegen war in den letzten Monaten eher aufgrund ihrer ehemaligen Liebschaft mit dem verstorbenen Heath Ledger in den Nachrichten. Joshua Jackson hingegen spielt nunmehr in J.J. Abrams neuer Serie Fringe und führt eine On/Off-Beziehung mit unserem deutschen Export Diane Kruger. Das letzte Mal das ich James Van Der Beek gesehen habe, war es bei einer Gastrolle der dritten Staffel von How I Met Your Mother. Den größten Sprung – oder die größte Bruchlandung, je nachdem – hat aber Katie Holmes gemacht. Wenn man die Gute in dieser ersten Staffel sieht, mit ihren zarten zwanzig Jahren, will man gar nicht an das Gräuel denken, dass sie nunmehr an die Seite von Tom Cruise gezwungen hat. Schauspielerisch konnte sich jedoch keiner der vier Schauspieler richtig im Kino durchsetzen, am ehesten überzeugte hier Holmes mit Nebenrollen in Thank You For Smoking und Batman Begins. Ihre Parts spielen sie aber alle äußerst glaubhaft, wobei man insbesondere Joshua Jackson loben sollte, der zum Ende der Staffel hin (Beauty Contest) richtig gut wird und Aufmerksamkeit gewinnt. Dabei ist nicht jede Folge der Staffel gelungen, doch ist das hier Jammern auf hohem Niveau.

Durchaus fehlt mancher Folge der typische Charakter der Serie, mir selbst missfielen Episoden wie Baby oder Roadtrip, wohingegen ich meinen Spaß am Staffelfinale (Decisions) oder der Breakfast Club-Folge Detention hatte. Natürlich verfügt Dawson’s Creek über keinen kulturellen Impakt wie The Prisoner, 24 oder Lost, von denen man sicherlich auch in zehn Jahren noch sprechen könnte, doch die Serie muss nicht ihren Platz in der Filmgeschichte finden, um beste Unterhaltung zu sein. Mit dem Inhalt der ersten Staffel können sich viele identifizieren, so zum Beispiel ich. Auch meine Wenigkeit hatte mal eine platonische Freundschaft die zu einer Beziehung wurde. Nur um kurze Zeit darauf wieder zu zerbrechen. Gepaart mit der Film- und Spielbergbegeisterung konnte ich mit Ende der Neunziger praktisch perfekt mit der Handlung und ihren Figuren identifizieren. Daher erhält die Serie, die für das was sie sein will bereits überragend ist, noch einen kleinen Nostalgiebonus, der ihr die Höchstwertung beschert. Obschon ich über den Verlauf der Serie im Klaren bin, sie nunmehr zum dritten oder gar vierten Mal sichte, führt sie immer noch zu emotionalen Nachwehen. Nachdem ich das Staffelfinale gesehen hatte, reflektierte ich über mein eigenes Leben, das, wie erwähnt, Parallelen zu Dawsons aufweist. Und dass mir persönliche eine Serie so nahe geht, wie es Dawson’s Creek getan hat bzw. tut, ist selten bis eigentlich gar nicht der Fall. Wie Williamson hier Selbstironie zelebriert und bereits früh Anklänge an Ereignisse der kommenden Staffeln einbringt (die Spannungen zwischen Dawson und Pacey - Detention - oder die Beziehung von Joey und Pacey - Kiss & Double Date) begeistert mich ebenso, wie die philosophierenden Teens, die alles zu analysieren vermögen, abgesehen von ihrem eigenen Liebesleben.

10/10

2. August 2008

Fireflies in the Garden

What’s your damage? 

Familien sind das Gut der Menschen, im Notfall halten sie zusammen, ein kleines behütetes Machtzentrum. Dieses kann sich jedoch auch nach außen kehren, die Familie zum eigenen Feindbild werden und sich dabei wie eine Supernova langsam zu Grunde richten, wie auch ihre Umgebung. Die Entscheidung Familien zu gründen, ist dem Menschen von der Natur mitgegeben, dabei ist meist die Mutter die Person, der die zentrale Rolle zukommt. Im klassischen Sinne einer Familie glänzt der Vater durch Abwesenheit, um seine Liebsten durchzubringen. Dies hat zur Folge, dass die Kinder oftmals keine richtige Bindung zu dem gestressten Familienoberhaupt aufbauen können und sich verstärkt an die Mutter wenden. Letzen Endes führen solche Momente oftmals zur allgemeinen Distanzierung der Familienmitglieder, die Kinder fühlen sich vom Vater nicht geliebt, die Frau von diesem vernachlässigt und jener selbst vom Rest unverstanden. Dieses Bild entspricht dem Klischeebild einer Familie und ist nicht unbedingt die Regel, sondern eher noch die Ausnahme. Gerade die Amerikaner haben zumindest was Medien anbelangt dieses Klischee scheinbar gefressen. Seien es Romane oder Filme, allzu gerne wird auf jenes Klischeebild zurückgegriffen.

Söhne scheitern an den Erwartungen ihrer Väter, trotz Blutbande ist kaum noch Nähe vorhanden. Wenn dann auch noch das entscheidende Bindeglied wegfällt, ist es oftmals um das Glück der ganzen Familie geschehen. Angerissen hat dies zum Beispiel der verstorbene Ted Demme in seinem Meisterwerk Beautiful Girls, doch auch in vielen, unzähligen anderen Werken taucht diese Thematik auf. „Für mich sind Mütter wie Bilderrahmen, die ein Bild zusammenhalten“, sagt Dennis Lee, Autor und Regisseur von Fireflies in the Garden. Jener Film, mit dem Lee sein Spielfilmdebüt gibt, wird gerne als semi-autobiographisch beschrieben. Dies findet sich in der Tatsache begründet, dass Lee seine eigene Mutter vor einigen Jahren bei einem Autounfall verlor und dies nun in seine Geschichte eingewoben hat. Abgesehen davon ist die restliche Handlung jedoch fiktiv.

Regen prasselt auf die Windschutzscheibe und eine kleine Hand presst sich ans Fenster. Dieses kurze, harmonische Bild wird zugleich unterbunden indem Vater Charlie (Willem Dafoe) seinen Sohn Michael (Cayden Boyd) anherrscht die Hand von der Scheibe zu nehmen. Wo er seine Brille gelassen habe, wird Michael vom Vater gefragt, zugleich mit Worten wie „Klugscheißer“ beschimpft und letztlich gar aus dem Wagen geworfen. Schon nach wenigen Minuten dürfte auch der hinterste Kinozuschauer begriffen haben, dass mit Charlie nicht gut Kirschen essen ist. Er ist ein rigoroser, strenger Vater und zählt zu der Kategorie, die ihre Aufopferung für die Familie von dieser nicht anerkannt sehen. Dagegen kann auch Ehefrau Lisa (Julia Roberts) nicht viel machen, sie ist das klassische Frauchen, welches schön dem Patriarchen folgt und nach dem zweiten Mal die Widerworte runterschluckt. Regisseur Lee hat die Bühne für seine Familie Waechter bereitet, die jedoch aus unerfindlichen Gründen in der deutschen Fassung Taylor heißt, eine Erklärung diesbezüglich findet sich jedoch nicht einmal im Presseheft.

Diese Szene bildet den Auftakt für einen Sommer, der den jungen Michael und alle anderen Protagonisten noch lange Zeit verfolgen wird und sich in der Haupthandlung widerspiegelt. Einige Jahre später kommt Michael (Ryan Reynolds), inzwischen erfolgreicher Autor von Liebesromanen, in seine Heimatstadt zurück. Seine Mutter hat ihren Hochschulabschluss nachgeholt und lädt zu ihrer Abschlussfeier. Doch diese wird sie nie erreichen. Die Autofahrt endet schließlich tödlich für sie, als ihr Neffe Christopher urplötzlich auf die Straße rennt. Was als Feier für die Familie geplant war, verkommt zur Beerdigung. Michael trifft nicht nur auf seinen herrischen Vater, sondern auch auf seine Tante Jane (Emily Watson) und seine Schwester Ryne (Shanhon Lucio). An alter Wirkungsstätte brechen dann auch wieder die Erinnerungen an jenen ereignisreichen Sommer wieder hoch – jene Ereignisse, über die Michael in seinem neuen Buch schreibt.

Lee, der 2003 mit dem Studenoscar für seinen Kurzfilm Jesus Henry Christ ausgezeichnet wurde, konnte für seinen Debütfilm eine halbe Million Dollar von Verwandten und Freunden leihen. In Hollywood hatte niemand Interesse gehabt, sein Drehbuch zu verfilmen. Kurz vor seinem Independent-Start erhielt Lee dann einen Anruf aus Deutschland. Marco Weber, Chef von Senator Entertainment, wollte sein Drehbuch produzieren – genauso wie es war. Sicherlich eine Seltenheit in der Traumfabrik Hollywood und eine, die obschon großflächig breitgetreten, auch hier Erwähnung finden soll. Senator Entertainment möchte das neue respektive alte Miramax werden, eine Produktionsfirma für hoffnungsvolle Filmemacher, die hier (finanzielle) Unterstützung erfahren sollen. Somit wurde Lees Budget von $ 500.000 auf $ 7.500.000 angehoben und ein internationales Ensemble rund um Stars wie Julia Roberts, Ryan Reynolds und Willem Dafoe verpflichtet. Äußerst löblich ist das ganze und von Danny Moder als Kameramann und Javier Navarette als Komponist auch mitunter elegisch verpackt worden.

Wirklich neu ist es jedoch auch nicht und so tiefgründig und emotional wie es gerne sein möchte schon gleich gar nicht. Der herrische Vater, der ungeliebte Sohn, die zum Zusehen verdammte Mutter – das kommt einem nicht nur bekannt vor, dass ist einem auch bekannt. Wenn Ryan Reynolds – der nebenbei bemerkt hier eine seiner eindrucksvollsten Leistungen abliefert – seinen Cousins erzählt, dass er seit jenem Sommer der beste Freund von ihrer Mutter ist, kann man das nicht wirklich glauben. In den Rückblenden zwischen Michael und Jane (Hayden Panettiere) ist davon, außer einer nächtlichen Hilfeleistung kaum was zu sehen. Dass Jane in besagtem Sommer mit einem Geheimnis zu den Waechters/Taylors kam, besagt zwar der Kurzinhalt, welches Geheimnis das aber war, erschließt sich im Film nur subtil, ich selbst musste im Presseheft nachschlagen, ehe es mir bewusst wurde. Dies steht nur für eine der vielen Ungereimheiten, die Lees Werk zu bieten hat, von denen die frivolste wohl aber die Tatsache ist, dass die junge Jane scheinbar Vegetarierin war, jedoch keine Probleme hatte Fische mit Silvesterkrachern in die Luft zu jagen. Auch den im Titel vorkommenden Glühwürmchen wird im Film übel mitgespielt.

„Alle Frauen haben etwas gemeinsam: Sie müssen ihre Stimme finden“, erläutert Lee und meint damit die Damenriege von Jane und Lisa, bis hin zu Ryne und Michaels Ex-Frau Kelly (Carrie-Anne Moss). Auch dies erschließt sich dem Zuschauer beim bloßen Sehen nicht wirklich, zu sehr wird die Geschichte vom Vater-Sohn-Konflikt getragen. Welchen Reifeprozess Jane in besagtem Sommer durchgemacht hat wird dabei nur etwas besser klar, wie der von Kelly, deren Figur ohnehin äußerst blass bleibt. Der Film möchte eine echte, eine reale Handlung erzählen, von Momenten, mit denen sich jeder Zuschauer identifizieren kann. Worum es jedoch am Ende ging, in Lees Geschichte, versteht man beim Abrollen des Abspanns allerdings nicht. Was jenen Sommer so dramatisch für die Beteiligten machte und ihre Katharsis auslöste, wird zu wenig beleuchtet und daher nicht nachvollziehbar. Das aufgesetzte Happy End verstört da nur noch mehr, da es nicht aus der gezeigten Handlung her resultiert und deshalb immer schon existiert haben müsste. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Lee einige Kürzungen vorgenommen hat, denn sonst müsste man ihm schlampiges Schreiben vorwerfen. Wenn er jedoch darauf setzt, dass das Publikum mit seinen Figuren mitfühlt, muss er diese besser beleuchten, als er es tut.

Wieso sind Jane und Michael so gute Freunde? Und warum hat er mit seiner Schwester keine so intensive Beziehung? Was ist die Dramatik in seiner Ehe? Wie verliefen die Jahre zwischen Vater und Sohn nach dem Sommer, denn scheinbar verliefen sie sehr viel anders (oder auch nicht), wie die finale Einstellung zeigt. Manchmal kann ein schöner Bilderrahmen ein Bild aufwerten, bei näherer Betrachtung verschwindet jedoch der Rahmen und was bleibt, ist das Bild. Wenn das Bild dann nicht überzeugt, rettet auch der schönste Rahmen nichts mehr. Lees Film krankt an seinen Klischees, derer er sich bedient, die Figuren und die Geschichte werden dabei nicht ausreichend beleuchtet. Inszenatorisch ist das ganze aber relativ ordentlich inszeniert, Reynolds, Defoe und Watson können neben den Jungdarstellern überzeugen. Dagegen bleiben Panettiere, Moss und Roberts relativ blass – von Ioan Gruffud, dessen Rolle so nichtssagend wie unnötig ist, ganz zu schweigen. Fireflies in the Garden scheitert letztlich nicht mal unbedingt an seinen Ambitionen, sondern daran, dass er nichts zu sagen hat. Am Ende sei noch erwähnt, dass man den Film nicht unbedingt im Kino sehen muss, da er in vier Wochen – auch hier sind die Gründe unerfindlich – bereits auf DVD erscheinen wird. 

5.5/10

1. August 2008

Wag the Dog

This is nothing. Piece of cake, walk in the park. This is nothing.

„I did not have sexual relations with that woman”, sprach US-Präsident Bill Clinton 1998 an sein Volk - und gab später reumütig seine Affäre mit der Sekretärin des Oval Office zu. Eine heikle Angelegenheit war dies zu der damaligen Zeit, es gab anschließend sogar zu einem Amtsenthebungsverfahren, nach welchem Clinton jedoch im Amt bleiben konnte. Um von der Lewinsky-Affäre abzulenken, soll Clinton einen Militärschlag gegen den Irak (Operation Desert Fox) initiiert haben. Das Ironische hierbei ist die Tatsache, dass diese Ereignisse ein Jahr zuvor in einem Hollywood-Film erschienen waren, fünf Jahre zuvor in einem Roman. In Wag the Dog wird dem Präsidenten - der während des gesamten Filmes hindurch gesichtslos bleibt - eine sexuelle Affäre mit einer minderjährigen Schülerin nachgewiesen. Dummerweise geschieht das alles elf Tage vor seiner Wiederwahl, weshalb der gegnerische Kandidat, Senator Neal (Craig T. Nelson), Hoffnung wittert.

Um von dem Sexskandal abzulenken, wird Imageberater Conrad Brean (Robert De Niro) engagiert, der gemeinsam mit Winifred Ames (Anne Heche), der Beraterin des Präsidenten, versuchen soll die Wahl zu retten. Kurzerhand erfindet Brean eine kriegerische Auseinandersetzung mit Albanien, für deren mediale Inszenierung er den erfolgreichen Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) engagiert. In den kommenden elf Tagen versucht die Truppe durch gefälschte Kriegsberichte, pathetische Musik und gestelzte Helden die Blicke des amerikanischen Volkes von einer minderjährigen Schülerin hin zu der Terrorzelle Albanien zu lenken. Doch können Brean und Co. damit neben dem Volk auch Senator Neal und CIA-Agent Young (William H. Macy) an der Nase herumführen? Und was findet der psychisch-labile Häftling Schumann (Woody Harrelson) eigentlich davon, zum Kriegshelden „Old Shoe“ abgestempelt zu werden? Die Antworten präsentiert Oscarpreisträger Barry Levinson.

Den Roman American Hero verfasste Autor Larry Beinhart 1993 und befasste sich in diesem mit George H. W. Bush und seiner Vermutung, dass dieser die Operation Desert Storm nur initiierte, um seine Wiederwahl zu sichern. Dass es sich beim 2. Golfkrieg nur leidlich um einen „echten“ Krieg gehandelt habe, argumentiert auch Jean Baudrillard in seinem Buch The Gulf War Did Not Take Place. Baudrillard führt darin an, dass im Golfkrieg weniger amerikanische Soldaten gestorben waren, als rein statistisch der Fall gewesen wäre, wenn sie alle zu Hause geblieben und bei Autounfällen umgekommen wären. Welche Farce dieser Krieg in der Tat war, dokumentierte Oscarpreisträger Sam Mendes 2005 mit seinem Film Jarhead, in welchem Scharfschütze Swoff ganze vier Tage im Kriegseinsatz war und dabei keine einzige Kugel abgefeuert hatte. Unabhängig davon, ob man den Zweiten Golfkrieg als echten Krieg sehen möchte oder nicht, ist unbestritten, dass Kriege und ihre Abläufe in heutiger Zeit von den Medien mitbestimmt werden. Offensichtlich wurde dies erst wieder im Dritten Golfkrieg, von welchem dem amerikanischen Volk nur die Bilder gezeigt wurden, die vorher vom Militär und der Regierung abgesegnet wurden. Dass ein Krieg jedoch gar nicht stattfindet, obschon angekündigt, ist in Zeiten von Google und YouTube äußerst unwahrscheinlich. Anfang der Neunziger waren Google und YouTube jedoch noch nicht präsent und das Geschehen, welches Levinson in Wag the Dog skizziert, ist in seiner Form so absurd, dass es schon wieder wahr sein könnte. Zumindest in der damaligen Zeit. Ein Krieg gegen ein kleines Volk, irgendwo im Niemandsland, von dem keiner weiß wie es heißt und wo es liegt. Glaubhaft möglich ist dies natürlich in den USA, wo man auch gerne mal Austria und Australia verwechselt. 

Winifred Ames: Why Albania?
Conrad Brean: Why not?
Winifred Ames: What have they done to us?
Conrad Brean: What have they done for us? What do you know about them?
Winifred Ames: Nothing.
Conrad Brean: See? They keep to themselves. Shifty. Untrustable. 

Innerhalb weniger Stunden entscheidet sich Brean für den fiktiven Krieg gegen Albanien. Ein Land, das dem Durchschnittsamerikaner nicht bekannt sein dürfte, scheinbar in Hollywood jedoch gerne als Antagonist herhalten muss (z.B. in der Simpsons-Folge The Crepes of Wrath). Albaner sind verschlagen und ihnen kann nicht getraut werden - ohnehin, was hat Albanien je für die USA getan? Ein vom Hass getriebenes Land, welches den Amerikanern ihre Freiheit neidet. Daher wird versucht eine nukleare Kofferbombe über die kanadische Grenze in die Vereinigten Staaten zu schleusen. Wird deswegen der B3-Bomber zum Einsatz kommen? Was für ein B3-Bomber überhaupt? Wenn Brean erst einmal mit seinem perfiden Plan in Fahrt kommt, ist die zynische Stärke des Filmes kaum noch zu stoppen. Es ist kein perfekter Plan, aber Brean hat lieber heute einen guten Plan, als morgen einen perfekten. Wie er schließlich seinen Krieg inszeniert, ist beeindruckend einfach. Ein paar „Journalisten“ stellen bei der Pressekonferenz die richtigen Fragen, ein Lied wird aufgenommen, künstlich gealtert und in die dreißiger Jahre Abteilung der Kongressbibliothek verfrachtet.

Bilder und Videos werden den Medien zugespielt, die genau das beinhalten, was Brean den Zuschauern zeigen möchte. Nicht von ungefähr halten sich seit jeher die Gerüchte, die Mondlandung von Neil Armstrong wäre tatsächlich im Studio nachgedreht worden. Ähnliche Kommentare gibt Brean auch in Bezug auf den Zweiten Golfkrieg von sich. Doch Brean ist kein medialer Fachmann, weshalb er den Filmproduzent Motss aufsucht. Motss weiß war er will, weiß wie er das Bewusstsein der Bevölkerung auf sich ziehen kann. Das Trauma muss offensichtlich, der Beschützerinstinkt der USA geweckt werden. Eine Schauspielerin (Kirsten Dunst) wird engagiert eine albanische Flüchtige zu spielen. Inklusive Kätzchen auf dem Arm. Dieses ist in Wirklichkeit eine Tüte Chips, der Hintergrund ein Bluescreen, die Effekte aus dem Computer. Genau wie beim letzten Schwarzenegger-Film, erklärt Motss stolz.

Entstanden ist Wag the Dog in der Drehpause der Michael Crichton-Adaption Sphere. Levinson versammelte sich mit dem dortigen Hauptdarsteller Dustin Hoffman, der gemeinsam mit Robert De Niro in dieser Satire nicht nur umsonst, sondern auch als Produzent auftrat. Beide Kinolegenden gemeinsam vor der Kamera zu sehen macht ungemein Spaß, ihre jeweiligen Figuren – der manische Motss und der grimmige Brean – werden von den Altstars mit entsprechend glaubhaftem Leben gefüllt. Levinsons Regie ist solide, jedoch weit entfernt von Vollkommenheit. Hier ein dilettantischer Zoom, dort eine unglückliche Einstellung – scheinbar war der Regisseur nicht so geistig anwesend wie seine Darsteller. Diese werden kongenial komplettiert von Anne Heche, Woody Harrelson, William H. Macy und Denis Leary. In einer Gastrolle ist zudem Folks-Star Willie Nelson zu sehen, die Musik zum Film stammt dagegen von Kultmusiker Mark Knopfler. Der Leim, der den Film zusammenhält, ist jedoch sein grandioses Drehbuch, welches vor intelligent-witzigen Dialogen respektive Monologen nur so platzt.

Beispielsweise wenn Brean CIA-Agent Young erklärt, dass ohne seinen fiktiven Krieg Young überhaupt keinen Job hätte („When there’s no threat...what good are you?“). Frei von Mängeln ist der Film, abgesehen von Levinsons Regie, aber nicht. Die Auslandspresse wird außen vor gelassen, die Glaubwürdigkeit des Krieges beim Volk selbst beziehungsweise einer anderen Partei als den Initiatoren wird nicht hinterfragt. Diese Einseitigkeit schadet dem Film etwas, vor allem da er sich als politische Satire durchaus ernst nimmt. Das lässt sich an seiner finalen Einstellung erkennen, die durch ihre Zweideutigkeit nicht klar zu interpretieren ist. Ein neuer Schachzug der Regierung oder hat man sich unbewusst ein Monster geschaffen? Levinson lässt diesen Moment so stehen und für das Publikum zur Interpretation. Wer wedelt am Ende mit wem? Der Hund mit dem Schwanz oder doch der Schwanz mit dem Hund? Mit Wag the Dog ist Levinson jedenfalls eine großartige Satire gelungen, vermutlich sein gelungenstes Werk.

9/10