16. Oktober 2008

Dawson’s Creek - Season Three

This ruins everything.

Der Schnitt ist ziemlich offensichtlich, man merkt ihn bereits nach wenigen Minuten. Anstatt „I Don’t Want To Wait“ von Paula Cole läuft in den Anfangscredits nunmehr „Run Like Mad“ von Jann Arden. Ein schlechterer Song, der eine schlechtere Qualität der Serie von Kevin Williamson einläutet. Doch die Schuld von Williamson ist das, wenn, nur bedingt. Am Ende der zweiten Staffel, die bereits durch das eine oder andere „schlampige“ Drehbuch hervorstechen konnte, verließ der Schöpfer von Dawson’s Creek die Serie. Die dritte Staffel fällt im Vergleich zu den beiden mehr als gelungenen Vorgänger deutlich ab, aus verschiedenen Gründen. Nicht nur das – in meinen Augen – schlechtere Titellied markiert den Wandel, sondern auch die Dezentralisierung der Serie. Der Fokus rückt von Dawson Leery immer mehr auf Joey Potter, einhergehend mit dem aufkommenden Liebesdreieck. Die Serie büßt viel von ihrer Selbstironie ein, auch etwaige Referenzen, wie sie in Like a Virgin noch auftreten (Risky Business) werden zur Mangelware. Später dreht sich Escape from Witch Island noch in den Sphären eines Blair Witch Project aber damit hat es sich auch schon. Spektakuläre Gaststars warten in dieser Staffel nicht auf, weiß Brittany Daniels (Eve) lediglich seither die Wayans-Brüder Komödien White Chicks und Little Man aufzuweisen. Bekannter dürften Julie Bowen (Lost, Happy Gilmore) und natürlich Michael Pitt sein. Problematisch an der Staffel ist vielleicht auch, dass sie sich ein wenig in ihren Charakteren verläuft. Das ist nicht unbedingt schlecht, auch die anderen Figuren haben es verdient mehr Leben eingehaucht zu bekommen. Jedoch schadet es etwas dem Fluss, da sich auch verschiedene Handlungselemente innerhalb der Staffel wiederholen beziehungsweise sich im Kreis drehen.

Nach dem „Cliffhanger“ der zweiten Staffel (Joey will nie wieder etwas mit Dawson zu tun haben) folgt natürlich in der ersten Episode (Like a Virgin) der sofortige Rückzieher. Dawson (James Van Der Beek) verbrachte den Sommer in Atlanta bei seiner Mutter Gail und als er zurück nach Capeside kommt will ihn Joey (Katie Holmes) wieder haben. Doch Dawson lehnt ab, vielleicht weil er im Bus die mysteriöse Eve (Brittany Daniels) getroffen hat? Diese hat auch einen eher schlechteren und von Joey missbilligten Einfluss auf den Nachwuchsregisseur. Dawson hingegen bittet Pacey (Joshua Jackson) darum, ein Auge auf Joey zu haben – ein Ereignis wird losgetreten. Oder doch nicht? Retrospektiv gesehen etablierte Williamson bereits in den beiden früheren Staffeln unterschwellige Emotionen zwischen Pacey und Joey, zumindest jedoch von Seiten Paceys (Double Date, #110). Die „Affäre“ der beiden dreht sich dann auch etwas im Kreis, bis beide merken, dass sie Gefühle füreinander hegen. Wobei dies bei Pacey bereits frühzeitig der Fall ist, zumindest in der Mitte der Staffel. Geschehen konnte das Ganze deshalb, weil Andie (Meredith Monroe) in ihrer Reha mit einem Mitpatienten geschlafen hat, was ihre Beziehung mit Pacey zum Scheitern brachte. Ihre Beziehung lebt kurzzeitig wieder auf, als Andie versucht Pacey zu manipulieren, doch führt sie letztlich nirgends hin. Für Jen (Michelle Williams) und Jack (Kerr Smith) stehen zwei Liebesabenteuer bevor, die sich jedoch auch eher zaghaft und langsam entwickeln. Besonders im Falle von Jen sehr widersprüchlich, mal hat sie Interesse an Schulanfänger Henry (Michael Pitt), dann aber wieder nicht, wenn es ernster wird. Ähnlich verhält es sich bei Mitch (John Wesley Shipp) und Gail (Mary-Margaret Humes), die mal hü und mal hott machen, ehe sie schließlich wieder zusammen landen und in der finalen Episode True Love erneut heiraten. Das große Motto der dritten Staffel ist somit: Liebeschaos.

Von ihrem Inhalt her weiß die dritte Staffel weniger zu überzeugen. Die große Einführung von Eve und ihrer Vergangenheit als Jens Halbschwester findet keine dramatische Auflösung und wird im Kanon der Serie auch nie mehr erwähnt werden. Auch die Lösung der beiden Beziehungen von Dawson und Joey sowie Andie und Pacey wirkt ziemlich schlampig. Die Entscheidung des vorigen Staffelfinales spielt kaum eine Rolle, warum Joey sich so schnell besonnen hat und weshalb Dawson sich verwehrt, bleibt unklar. Selbiges gilt für das andere Paar. Andie ist ziemlich schnell gesund, ist aber fremdgegangen. Pacey kann dies nicht verzeihen, der Figur fehlt jegliches Verständnis, dass sie in der zweiten Staffel ausgezeichnet hatte. Ironischerweise wird ihr dieses selbst am Ende der dritten Staffel nicht zuteil. Ebenso unverständlich wie die Einführung von Eve ist eine Ablenkung zwischen Pacey und Jen. Beide versuchen eine Sexbeziehung, die nicht in die Gänge kommen will. Wohin dies führen soll(te) und was man damit bezweckte, scheinen auch die Autoren nicht gewusst zu haben. Vielmehr propagieren sie das amerikanische Fernsehserienklischee a la Melrose Place, in welchem jeder mal etwas mit jedem gehabt haben muss. Ganz vorne in der „Schlampen“-Rangliste befindet sich nun Joey, die mit jedem Typen aus ihrem Freundeskreis sexuelle Erlebnisse gehabt hat. Von der unschuldigen Joey Potter aus Staffel Eins ist hier nicht mehr viel zu sehen. Ihre „sexuellen Eskapaden“ werden in den letzten beiden Staffeln zunehmen.

Ohne Kevin Williamson fehlt Dawson’s Creek in der dritten Staffel irgendwie die Richtung, in welche sich die Serie entwickeln soll. Die Beziehungsdramen, insbesondere zwischen Jen und Henry, nerven mit der Zeit, da sie stagnieren. Auch die Charakterentwicklungen drehen sich im Kreis, viel propagiertes Erwachsenensein scheitert an jugendlichem Gedöns. Dabei sind die Figuren weitaus reifer, das haben sie in den vorigen Staffeln gezeigt. Vor allem das ewige Heckmeck zwischen Dawson und Joey überbeansprucht nicht nur die Nerven von Pacey, sondern auch vom Zuschauer. Weitaus gelungener ist in dieser Staffel Jack, der sich quasi emanzipiert. Es verwundert zwar, dass dieselben Teenager, die ihn in der Staffel zuvor wegen seiner Homosexualität gehänselt haben ihn nun als Football-Star feiern, aber das kann man unter den Tisch fallen lassen. Er findet sich als akzeptierter Mensch, nicht nur von seinen Mitschülern, sondern auch seinem Vater. Zudem hat er mit Ethan seine erste schwule Liebe, wenn auch am Ende eher unglücklich. Diese Storyentwicklung weiß im Gegensatz zu den anderen (Dawson & Eve/Nikki, Joey & A.J., Jen & Henry) zumindest zu unterhalten ohne zugleich zu nerven. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Serie sprichwörtlich etwas mehr Farbe bekommt. Traurig, dass es ethnische Minderheiten nicht wirklich ins amerikanische Fernsehen schaffen, so wartet Capeside im Grunde fast völlig frei von solchen auf. Keine Afroamerikaner, keine Latinos, keine Asiaten und nicht einmal Juden – bloß Jack, als einziger Homosexueller. Etwas Abwechslung bringen hier Nikki Green (Bianca Lawson) und ihr Vater, der neue Schulrektor (Obba Babatundé). Dennoch bleibt Dawson’s Creek meist frei von allem was nicht kaukasisch ist und reiht sich somit ein in andere Serien, wo dies der Fall ist („Friends“, How I Met Your Mother, etc.). Viele Folgen dümpeln vor sich hin, wirklich gute Episoden gibt es eigentlich nur drei Bezeichnenderweise sind zwei davon aufeinander folgend und mit dem Outing von Joey und Pacey thematisiert (Stolen Kisses & The Longest Day). Neben diesen beiden weiß auch A Weekend in the Country zu überzeugen, der Rest ist meist durchschnittlich. Man fragt sich, was gewesen wäre, hätte Williamson die Serie nicht verlassen.

8/10

14. Oktober 2008

Mein Freund aus Faro

Bin ich jetzt lesbisch?

Manchmal sitzt man im Kino und neben einem sitzt ein Pärchen und knutscht rum. Und manchmal sitzt ein lesbisches Pärchen neben einem im Kino und knutscht rum. Insbesondere dann, wenn man zu Gast beim 15. Queer Film Festival in Bremen ist. Da kommt man sich als Hetero in einem Kinosaal voller Homosexueller respektive Lesben doch etwas deplatziert vor. Zudem ist es auch etwas schade, dass ein Film wie Mein Freund aus Faro sowohl beim Queer Film Festival als auch regulär hier in Bremen im Cinemaxx in einer Lesben-Nacht gezeigt wird. Das gibt dem Werk ein derartiges Etikett, dass manch einer sich vielleicht vergrault fühlt. Gerade diejenigen, die etwas homophob sind. Als besonderes Schmankerl wussten die Bremer dann auch noch mit einer Interviewrunde mit Regisseurin und Autorin Nana Neul aufzuwarten, die zuvor beim Max-Ophüls-Preis in der Kategorie SR/ZDF-Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde. Dass gerade die Authentizität des Drehbuches beim, selbstverständlich nicht nur, homosexuellen Publikum gut ankam, bekräftigt die Auszeichnung nochmals. Und in der Tat weiß Neul durchaus gelungen die gegenwärtige Jugend in ihrem Portrait in eine zeitlose Geschichte zu verpacken und dennoch ungemein authentisch zu wirken. Vorab sei jedoch gesagt, dass obschon die Geschichte laut Regisseurin auf einer wahren Geschichte basiert, sie nicht sonderlich innovativ ist. Dabei muss sie dies nicht zwingend sein, wirkt allerdings letztlich doch nur wie ein deutscher Abklatsch von Kimberly Peirces Boys Don’t Cry. Nichtsdestotrotz ist es für einen deutschen Film eine beachtliche Leistung und innerhalb des nationalen Wettbewerbs mit Schrott aus der Eichinger Schmiede und Co. ein kleines Juwel. Dafür dass es sich um das Spielfilmdebüt von Neul handelt, wirkt die Bewertung eventuell schlechter als der Film wirklich ist.

Neul wirft den Zuschauer direkt hinein in ihre Geschichte und hält sich auch nicht mit Erklärungen auf. Die 22-jährige Mel (Anjorka Strechel) trägt ihre Haare gerne kurz und kleidet sich recht maskulin. So hat sie auch schon längst ihren Gang den männlichen Bewegungen angepasst. Es wird also gleich klar, Mel ist eher der Kategorie der Butches zuzuordnen. Ihr Leben ist recht trostlos, der Job in ihrer Fabrik erfüllt sie genauso wenig wie ihr Privatleben. Und als sie zu Hause erfährt, dass ihr Bruder Knut (Florian Panzner) mit seiner Freundin zusammen ziehen will, verliert sie endgültig den Boden unter den Füßen. Scheinbar sind Mel und Knut richtig dicke Geschwister, zumindest lässt ein gemeinsames Tattoo und die Ungeniertheit vor dem Körper des Anderen dies vermuten. Die ersten Minuten lassen daher nicht erahnen, dass Knut nichts von Mels Homosexualität weiß. Auch ihr Vater (Tilo Prückner) hält seine Tochter für „normal“. Dabei würde man meinen, dass zumindest Knut bei Mels Kleidungs- und Bewegungsstil in unserer heutigen Zeit auf den Trichter gekommen wäre. Doch das Outing von Mel hat noch nicht stattgefunden. Die Beziehung zu Knut und was die Geschwister einst auseinander trieb, lässt Neul außen vor. Dass Mel keine Freunde zu haben scheint, hängt wohl mit ihrer eigenen Unsicherheit zusammen. „[Mel] weiß nicht wirklich wer sie ist“, erklärte Neul nach der Vorführung. Das Hin und Her gerissen sein kauft man der Figur aber nicht unbedingt ab, zumindest nicht als Hetero. Zu keinem Zeitpunkt wird deutlich, dass Mel zwischen den beiden sexuellen Gesinnungen schwankt. Vielmehr macht sie später sogar deutlich, dass Männer für sie keinerlei Reize bergen. Das Fehlen ihrer Mutter könnte böse Zungen dazu bringen zu behaupten, dass jenes Fehlen der femininen Seite im Haushalt der Tochter hier zuwider gelaufen scheint. Hier hätte Neul vielleicht eindeutiger Stellung zur Abwesenheit der Mutter ziehen sollen beziehungsweise zur Bedeutung, was dies für Mel zur Folge gehabt hatte in ihrer emotionalen Entwicklung gerade in Bezug auf das eher zerrüttete Familienbild zwischen Vater, Sohn und Tochter,

Es ist dann eine folgenreiche Nacht, welche die Ereignisse ins Rollen bringt. Die 14-jährige Jenny (Lucie Hollmann) will gemeinsam mit ihrer Freundin in eine Diskothek, findet jedoch keine Mitfahrgelegenheit. Der inszenierte Unfall führt schließlich Mel und Jenny zusammen. Durch ein Missverständnis nimmt Jenny an, dass es sich bei Mel um einen Portugiesen handelt, schließlich hat Mel das Handy von ihrem neuen Arbeitskollegen Nuno (Manuel Cortez) mitgenommen. Ohne sich wirklich Hoffnung zu machen spielt Mel das Spiel mit. Geistesblitzartig adoptiert sie den Namen Miguel und findet ihren Ursprung in Nunos Heimatstadt Faro in Portugal. Mit der Hilfe von Mel kommen die beiden Minderjährigen schließlich in die Disco und verleben einen gemeinsamen Abend. Es mag das dämmrige Licht sein, aber vor allem dürfte Mels Verhalten dazu führen, ihre Umwelt zu täuschen. Statt es bei dem einen Abend zu belassen, will Mel jedoch mehr und ehe sie sich versieht, muss sie die Fassade „Miguel“ auf beiden Seiten aufrecht erhalten. Einmal selbst als männlicher Interessent gegenüber Jenny und zum anderen als eigenen männlichen Interessenten in Form von Nuno. Laut Neul versucht Mel sich sowohl als Junge als auch als Mädchen, doch zeigt der Grillabend mit Nuno ein anderes Bild. Nur widerwillig zieht sie ein Kleid an und schminkt sich – bis der Abend am Ende noch eskaliert. Zu keinem Zeitpunkt erweckt Neuls Film daher die Option für Mel einen heterosexuellen Weg einzuschlagen. Somit kann auch nur schwerlich Neuls Aussage zugestimmt werden, dass die Figur am Ende „schließlich ihre Mitte findet“. Viel zu konträr sind die vorherigen Ereignisse, gerade jene im Finale. Die Wahlmöglichkeiten wirft Mein Freund aus Faro nie auf, alles wirkt vorherbestimmt und gezwungen, als gäbe es keinen Ausweg und nur die Entscheidungen, die letztlich gefällt werden. Dem Ganzen dann ein verzerrtes Happy End aufzusetzen schadet der ohnehin schlecht dargestellten Prämisse des Filmes.

Gerade bei der Charakterzeichnung seiner Hauptfigur scheitert Neuls Film dann, denn über Mel erfährt man weit weniger als beispielsweise Jenny. Ihre Ängste werden nicht kanalisiert, ihre Probleme nicht ausgeleuchtet. Wie sehr hadert sie mit ihrer Homosexualität oder hadert sie überhaupt? Bewirkte ihre Erkenntnis ein Einmauern und somit ein Freundloses Dasein und selbst wenn, wie haben ihre alten Freunde reagiert? Der Hintergrund von Mel bleibt unklar und blass. Gut möglich dass Neul so gegebenenfalls die Identifikation des Zuschauers mit der Figur leichter machen wollte. Abstrahiert von alle persönlichen Problemen könnte Mel eine Jugendliche sein wie jede andere – nur eben lesbisch. Hier hat es Lucia Puenzo mit ihrem diesjährigen Beitrag XXY sehr viel besser gemacht. Wo Puenzo ihre problembelastete Hauptfigur zur Genüge ausleuchtet, selbst durch kleine Details, wirkt Neuls Protagonistin eindimensional. Strechels Spiel ist zwar ordentlich, weiß aber dem Charakter auch nicht wirklich den Stempel aufzudrücken. Man merkt Strechel hier durchaus an, dass sie noch eine gewisse Unerfahrenheit mit sich bringt, sodass es der 14-jährigen Hollmann gelingt dank ihrer Die Wilden Hühner-Erfahrung mitunter die Aufmerksamkeit auf sich zu fokussieren. Allerdings hat Hollmann auch die dankbarere, da dreidimensionale Figur abbekommen. Das rebellische Verhalten als Ausdruck der mütterlichen Vernachlässigung. Man beachte auch hier wieder das Spiegelbild zwischen den beiden „Liebenden“. Wo Mel eine maskuline Richtung mit Vorliebe für Autos einschlägt und eine Mutter vermisst, ziert Jennys Zimmer ein Einhorn und Gestaltung in Pink bei Abwesenheit eines Vaters. Wie bereits angesprochen könnten sich hier falsche Rückschlüsse zulassen, die dem konservativen Lager in die Karten spielen würden. Die desaströse Konsequenz: Sexualität ist erziehbar. Hier hätte Neul ein besseres Händchen zeigen müssen, um hervorzuheben, dass jene Konsequenz zu keinem Zeitpunkt lang auch nur in Erwägung zu ziehen ist.

Die Ähnlichkeit zu Boys Don’t Cry ist zudem selten zu übersehen, da ändert auch Neuls Aussage nichts, dass der Film auf einer wahren Geschichte aus dem Bekanntenkreis basiert. Es gibt sicherlich jede Menge homosexueller Frauen, die aufgrund ihres selbst auferlegten Aussehens bisweilen die Identität eines Mannes annahmen, um Kontakt zu anderen Frauen zu knüpfen. Somit geht Mein Freund aus Faro etwas die Universalität ab. Trotzdem ist es lobenswert, dass auch von deutscher Seite hierzu ein Beitrag kommt – wobei es nicht der erste oder einzige ist. In ihrem Spielfilmdebüt macht Neul vieles richtig was manchen Fauxpas verzeihen lässt. Gerade die Komik als gelegentlicher comic relief ist überaus gelungen, subtil und vor allem simpel eingebaut. Hier können sich Amerikaner und Vertreter der deutschen Kabarettistenbranche (Schröder, Herbig, Pocher) mal eine Scheibe von abschneiden. Außerdem gelingt es dem Film sogar einen magic moment zu zaubern, wenn Mel und Jenny während eines Regengusses Unterschlupf in einer Einkaufswagenunterdachung finden. Auf so eine Location ist wohl noch niemand zuvor gekommen, dabei ist jene Szene eine der besonders gelungenen im Film. Aber all die guten Eigenschaften des Filmes wissen dann doch nicht die inhaltlichen und sozialkritischen Fehler auszumerzen. Als Debüt geht Neuls erster Kinofilm, der Ende des Monats regulär im startet, dennoch in Ordnung und lässt von der Kölner Absolventin noch einiges erhoffen. Für einen deutschen Film ist das jedenfalls mehr als ordentlich und kann sich ohne Frage sehen lassen.

6/10

12. Oktober 2008

Hellboy - Director’s Cut

Red, white, whatever. Guys are all the same.

Was Comics angeht, beherrschen Marvel und DC den Markt, es verwundert daher nicht, dass es neben den Marvel-Hits Spider-Man und X-Men gerade die DC-Serien sind, die sich im Kino gehalten haben. Nachdem Christopher Nolan mit Batman Begins den dunklen Ritter zurückbrachte, stieß er mit seiner Fortsetzung The Dark Knight in neue Sphären für Comicverfilmungen vor. Doch es gibt es auch kleinere Verlage, darunter das vor 25 Jahren entstandene Dark Horse Comics, dessen medial präsentestes Zugpferd der 1993 erschaffene Hellboy ist. Für diesen waren Zeichner Mike Mignola und Texter John Byrne verantwortlich, dessen erste Abenteuer in dem Band Seed of Destruction kulminieren sollten. Dabei war Mignolas erste Idee eines teuflischen Dämons, der sich der guten Seite zuwendet, zu Beginn relativ prätentiös geraten.

Doch schon nach wenigen Versuchen konnte er der Hellboy-Reihe seinen eigenen Stempel aufdrücken. Die paranormalen Fälle, in die Hellboy verwickelt ist, weisen einen starken Einfluss der Werke H.P. Lovecrafts auf. Zudem arbeitet Mignola in seiner Comicserie viel mit Schatten und einer düsteren Atmosphäre. Einige optische Ansätze erinnern an Frank Millers Sin City und auch seine narrative Erzählstruktur weckt durchaus Erinnerungen an Millers Kultcomic. Generell zeichnet sich Hellboy jedoch durch seine investigative Note aus, welche den Fällen Hellboys einen gewissen Noir-Charakter verleiht und gerade dadurch so simpel wirkt, dass sie unspektakulär Spektakuläres zu präsentieren versucht. Elf Jahre nach seiner Erstehung schaffte es Hellboy auf die große Leinwand und findet dieses Jahr in Hellboy II: The Golden Army seine Fortsetzung.

Nachdem er sich 1993 mit Cronos einen Namen macht, ging der Mexikaner Guillermo del Toro vier Jahre später für Mimic nach Hollywood. Der Monsterhorror in New Yorks U-Bahn war jedoch nicht der erhoffte Hit und so kehrte del Toro erst einmal wieder nach Mexiko zurück, wo er 2001 seinen ruhmreichen El espinazo del diablo inszenierte. Auf den erneuten Erfolg in der Heimat folgte die erneute Rückkehr nach Kalifornien. Hier vertraute man del Toro schließlich Blade II an – das Sequel zu jener Comicverfilmung, die dem Genre neues Leben eingehaucht hatte. Die Kritiken und der Erfolg war verhalten, del Toro blieb sich selbst in seiner düsteren Zeichnung eines phantastischen Stoffes treu, wusste aber nicht an den cool durchgestylten ersten Teil heranzureichen. Dennoch war das Resultat akzeptabler als seine Rieseninsekten fünf Jahre zuvor.

Neben dem Abschluss der Blade-Trilogie offerierte man del Toro zudem die Regie zum dritten Harry Potter-Abenteuer. Letztere würde schließlich an Landsmann Alfonso Cúaron gehen, während sich del Toro einen Wunsch erfüllte. Als er die Chance erhielt, Hellboy zu inszenieren, ließ er sich dies nicht nehmen. Entgegen der Einstellung des Filmstudios – unter anderem wünschte man sich Vin Diesel als Hauptdarsteller und Hellboy als eine Art Hulk-Verschnitt – konnte del Toro seine kreativen Ideen durchsetzen. Als Hauptdarsteller holte er mit Ron Perlman seinen Lieblingsschauspieler mit an Bord und adaptierte für seinen Hellboy das Grundgerüst von Seed of Destruction neben einigen Kurzgeschichten zu einer über zweistündigen Abenteuerfahrt durch die phantastischen Gefilde mit einem mehr als sympathischen Dämon voller Eifersucht und Liebeskummer.

Die Einleitung zu Hellboy ist dabei direkt dem Prolog von Mignolas Seed of Destruction entnommen, auch wenn einige Differenzen zwischen Comic und Film zu erkennen sind. So verzichtet del Toro beispielsweise auf den Torch of Liberty und lässt außerdem die Nazis und Alliierte nicht direkt aufeinander treffen. Interessanterweise wird Rasputin (Karel Roden) im Film dann bei seiner Beschwörung nicht mit zwei elektrifizierten Glashandschuhen dargestellt, sondern lediglich mit einem einzigen solchen an seiner rechten Hand. Ob del Toro hier eine spezifische Analogie zu Rasputins „Schöpfung“ Hellboy selbst porträtieren wollte, wäre nun zu diskutieren. Nach der Eröffnungssequenz zeigt der Mexikaner dann sogleich, dass er sehr selbstironisch mit seinem Stoff umzugehen versteht.

Hellboy ist durchaus Teil der pop-kulturellen Medien und es existiert sogar ein scheinbares Video von ihm, eine Parodie des berühmten Films von Patterson-Gimlin über Bigfoot. Der Leiter des FBI weiß solcherlei Beweise schmierig abzuschmettern, denn stets sind Bilder von Hellboy lediglich unscharf zu betrachten. Seinen Höhepunkt nimmt das Ganze dann an, wenn Hellboy in seiner Freizeit seine eigenen Comics ließt, natürlich nicht ohne gebührend Kritik anzubringen (“I hate those comic books. They never get the eyes right.”). Außerdem wurde der Name von Schöpfer Mike Mignola in der Friedhofszene auf Russisch an eines der Gräber angebracht und del Toro ließ es sich nicht nehmen Charakteren wie Ivan seine eigene Stimme zu leihen und dem Projekt einen persönlichen Touch zu geben.

Wo Hellboy im Comic den Titel “World’s Greatest Paranormal Investigator” trägt und seine Abenteuer einen solchen Charakter haben (“What a mess! You’ll have to let me read your report on this one, Hellboy.”), fügt sich del Toros Hellboy (Ron Perlman) nur widerwillig seinem Schicksal. Er hadert mit seinem Äußeren, will sich nicht unter der Oberfläche verstecken. Und weil sein Ziehvater Prof. Bruttenholm (John Hurt) an Krebs erkrankt ist, sucht er seinen Nachfolger im Bureau for Paranormal Research and Defense (BPRD). Agent John Myers (Rupert Evans) erscheint ihm viel versprechend und in einer seiner vielen Referenzen schickt del Toro Myers mit einem Baby Ruth Schokoriegel im Goonies-Stil zum großen Roten.

Doch Hellboy ist stur und uneinsichtig – Schuld sind seine Hormone. Er ist verliebt und wenn seine Auserkorene, Liz Sherman (Selma Blair), auch beim BPRD wäre, würden die ganzen Konflikte nur halb so schlimm sein. Doch Liz hadert im Gegensatz zum Comic selbst mit ihrem Schicksal, schlummert in ihr doch ein unkontrollierbares Feuer. Am Ende kommt sie dank Myers doch zum Bureau und bezeichnenderweise nimmt sich del Toro hier eine außergewöhnliche Auszeit. Er lässt Liz und Myers auf ein Date gehen und schickt seinen gehörnten Hünen als Stalker hinterher. Klimax der Szene wird schließlich eine Referenz zu On the Waterfront, wenn Hellboy darüber siniert, warum er sich von einem Jungen Ratschläge in Liebesdingen gibt, während er dessen Milch und Kekse verputzt.

Gerade durch seinen Sarkasmus hebt sich Hellboy nicht nur von seiner Umgebung, sondern auch Kollegen wie Wolverine und Co. ab. Gefördert wird dies insbesondere von einer laxen Arbeitseinstellung, die durch jenen Sarkasmus zusammengehalten wird. Beispielhaft in einer an The Matrix erinnernden U-Bahn-Schlacht mit dem unsterblichen Dämon Sammael, dessen Hiebversuch Hellboy offenbar nicht getroffen hat. Der rote Hüne staubt sich den Ärmel ab und erklärt süffisant: “You missed” – nur um durch ein Knirschen im Fundament eines Besseren belehrt zu werden. “Oh, crap!”, äußert er seinen Lieblingsspruch. Der Unterhaltungsfaktor in Hellboy wird gerade dadurch gefördert, dass es Hellboys phlegmatische Arbeitsauffassung ist, die ihn stets noch etwas tiefer reinreitet.

Der Humor des Films ist dabei eine seiner großen Stärke und prägendes Bindeglied in del Toros US-Filmen. In Ron Perlman haben del Toro und Mignola – die beide den über 60-Jährigen im Kopf hatten – die perfekte Inkarnation für Hellboy gefunden. Von seinem plumpen Wesen erinnert er mitunter an Marv aus Sin City und man kann sich auch darüber streiten, ob der Rot-Ton im Film nicht eine Spur zu hell ist, nichtsdestotrotz ist Hellboy wohl die einprägsamste Figur in Perlmans Filmographie, die immerhin einige Arbeiten mit Woody Allen vorzuweisen hat. Nicht minder wissen die anderen Darsteller rund um Selma Blair, Doug Jones und John Hurt zu gefallen. Sie alle gehen in ihren Rollen auf und verleihen ihnen das nötige Leben. Allerdings hadert Hellboy ganz klar mit seiner Redundanz.

Es ist durchaus bemerkenswert, wie man durch einige Anderungen den inhaltlich recht einfach strukturierten und sparsamen Seed of Destruction aufgebläht hat. Daher kommt del Toro nicht umhin, sich vermehrt zu wiederholen, sodass gerade die Auseinandersetzungen zwischen Hellboy und Sammael mit der Zeit ihren Reiz verlieren. Auch der (Re)Etablierung von Liz hätten einige Minuten weniger durchaus gut getan. Del Toro verwendet zu viel Zeit darauf, seine Hellboy-Welt zu gestalten, die zu diesem Zeitpunkt bereits problemlos etabliert ist. Das merkt man dem Film speziell im zehn Minuten längeren Director’s Cut an, der weniger wegen der neuen Szenen störend wirkt – die ergänzen sinnvoll –, sondern jene Szenen verschlimmert, die schon im Kino-Cut redundant waren.

Dass die Spezialeffekte etwas künstlich ausgefallen sind, tut dem Spaß in Hellboy keinen Abbruch. Für eine 60 Millionen Dollar teure Produktion sind sie ohnehin mehr als beachtlich. Und dafür, dass der kleine Hellboy etwas stark animiert wirkt, macht die Gestaltung von Sammael einiges wieder wett. Insgesamt ist Hellboy eine gelungene Adaption von Mignolas Werk, auch wenn gerade die Noir-Aspekte zu Gunsten des selbstironischen Zuges gestrichen wurden. Del Toro steigert sich nach seinen vorherigen Filmen erneut, wobei seine mexikanischen Filme – man sieht es an El laberinto del fauno – ohnehin eine Spur besser sind, da del Toro hier einen anderen Schwerpunkt legen kann, der dem US-amerikanischen respektive internationalen Publikum kaum zuzutrauen ist. Ingesamt gesehen ist Hellboy ein vergnüglicher Spaß über einen sympathischen Superhelden.

7.5/10

10. Oktober 2008

Just One of the Guys

All balls itch! It’s a fact!

Die Probleme der Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt ist bekannt und findet selbst in aufgeklärten Zeiten wie heute noch immer statt, diese unterschwellige Diskriminierung gegen die klassischen Minderheiten. Können Frauen die Arbeiten der Männer erledigen und wenn ja, gleichwertig? Sollte man der Frau in diesem Fall genauso viel bezahlen oder doch mehr, ist sie von Natur aus doch schwächer konditioniert und ihr gleichwertiger Erfolg somit höher. Lohnt es sich eine Frau in hohe Positionen einzustellen, wenn sie in ein paar Jahren ohnehin wegen ihres Mutterschaftsurlaubs ausfällt? Frauen haben es nicht leicht, schon gar nicht in konservativen Ländern zu konservativen Zeiten, Backlash genannt.

Ein solcher fand Anfang der Achtziger in den USA statt und dient gemeinsam mit William Shakespeares Twelfth Night, Or What You Will als Vorlage für die High-School-Komödie Just One of the Guys aus der Feder von Dennis Feldman und Jeff Franklin. Der Film reiht sich ein in die Reihe der coming-of-age-Komödien, die der Institution High School angeheftet sind und thematisiert dabei selbstverständlich auch die symbiotische teen angst. Dabei ist es ähnlich wie bei Fast Times at Ridgemont High weniger die Thematik des Filmes, die zu dessen Kultstatus geführt hat, sondern die Nacktszene der Hauptdarstellerin. Aber auch jenseits dieser Szene bietet Lisa Gottliebs Film meist beste achtziger Jahre High School Unterhaltung.

Als die Eltern in den Urlaub fahren, kann Buddy (Billy Jayne) endlich kann er seine Unschuld verlieren! Höchste Zeit, ist seine Pubertät schließlich schon fast zu Ende und damit sein sexueller Höhepunkt erreicht. Seine ältere Schwester Terry (Joyce Hyser) plagen dagegen andere Sorgen. Sie zählt zwar zu den begehrtesten Mädchen ihrer High School und hat sich mit Kevin einen Freund vom College, aber Terry hat auch Grips. Ihr großer Traum ist es, Reporterin zu werden, weshalb ihr ein Sommerpraktikum bei der Chicago Sun-Times besonders wichtig ist. Doch im Schulwettbewerb werden von ihrem Lehrer andere Schüler vorgezogen, Terry könne ja noch Model werden. Die Schülerin wittert sexuelle Diskriminierung.

Als Junge wäre ihr das nicht passiert und ihr Artikel dementsprechend gewürdigt worden, da ist sich Terry sicher. Und um dies zu beweisen und doch noch das Praktikum zu kriegen, tarnt sie sich einfach als Junge auf einer anderen High School. Mit einem Kleidungsstil von Elvis Costello und dem Haarschnitt von Ralph Macchio beginn sie sich zu integrieren, freundet sich mit dem Außenseiter Rick (Clayton Rohner) an und gerät mit Schulrowdy Greg (William Zabka) aneinander. Während ihre Abwesenheit unangenehm bei ihrem Freund Kevin auffällt und sich Terry langsam in Rick verguckt, hat es die hemmungslose Sandy (Sherilyn Fenn) auf Terry abgesehen. Ihre Tarnung geht scheinbar voll auf: als Junge ist sie spitze.

Womit die Brücke zum deutschen Titel (Als Junge ist sie spitze) geschlagen wäre, der früher gerne an Sonntagnachmittagen auf Pro Sieben oder Kabel Eins versendet wurde. Dabei weiß Just One of the Guys neben Joyce Hysers Nacktszene (zur Szene klicke man das unten stehende Bild) vor allem durch seinen Humor zu gefallen. Dieser manifestiert sich fast ausschließlich in der Figur von Terrys Bruder Buddy, kongenial dargestellt durch Billy Jayne, der einige Jahre später an der Seite von Corin Nemec in Parker Lewis Can’t Lose spielen sollte, einer Quasi-Adaption von John Hughes’ Ferris Bueller’s Day Off. Auch sonst treiben sich, wie in Komödien der Achtziger üblich, das eine oder andere bekannte Gesicht herum.

So zum Beispiel Sherilyn Fenn, die später durch Twin Peaks ins Rampenlicht rücken sollte oder William Zabka, der den Antagonisten im Kultfilm Karate Kid spielte und damit die Brücke schlägt zu Sandys Äußerung im Film, die auf ebenjenen Streifen verweist. Ohnehin ist der Film ungemein selbstironisch und zelebriert auch Referenzen zu den eigenen Schauspielern, wenn Joyce Hyser als Terry die Jungentoilette aufsucht und ihren eigenen Namen (Joyce) an der Wand wiederfindet. Seine Geschlechterklischees nimmt Just One of the Guys ebenso gekonnt auf die Schippe, wenn Hyser fluchend gegen Seifenspender schlägt und dies ein herzliches Bild auf Männer in den Augen der Frauen wirft.

Man mag sich natürlich fragen, wie es möglich ist, dass Terry sich zwei Wochen vor Schuljahresende an einer anderen Schule einschreiben und am Unterricht teilnehmen kann. Ihre Abwesenheit an ihrer Heimatschule scheint zudem dort niemanden aufzufallen und bleibt somit ohne Folgen. Auch die Distanz zu Kevin wirkt zu Beginn überraschend, da hübsche Mädchen ihre Freunde in High School Filmen lediglich nach deren Ruf und Aussehen wählen, lässt dies jedoch weniger auffällig erscheinen. Für Terry stellt sich an der neuen Schule jedoch heraus, dass es beim Schreiben nicht nur auf die männlichen Aspekte ankommt. Als Junge erfährt ihr Artikel zwar Anerkennung, dennoch fehlt ihm, so der Lehrer, ein bisschen weibliche Seele, die sich der harte Kerl doch noch aneignen soll.

Als Thema soll Terry sich ein Thema beschaffen, das ihn tatsächlich beschäftigt. Bereits hier wird ihre eigene Situation zum Inhalt und die Freundschaft mit Rick begonnen. Ihr Artikel ist daher bereits klar definiert, unabhängig vom Filmausgang. Grundsätzlich ist es also die Symbiose zwischen ihrer „Männlichkeit“ und Weiblichkeit, die sich am Ende positiv für Terry ausschlagen wird. Die Kritik am Backlash hält sich in Gottliebs Film in Grenzen, vormerklich handelt es sich um eine High School Komödie über die Hübschen, die Rowdys und die Nerds, über die Liebe und das erste Mal. Die Tatsache, dass Terry aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wird, bildet nur den Aufhänger, der zum Schluss wieder aufgenommen wird.

Die sexuelle teen angst wird fast ausschließlich durch Buddy zum Tragen gebracht. Der Teenager, dessen Wände übersät sind mit nackten Frauen setzt sich selbst viel zu sehr unter Druck. Zu einem Großteil merkt man dies durch seine Äußerungen, die oft eine sexuelle Anspielung enthalten, jedoch lediglich seine Unerfahrenheit und Ängste kaschieren sollen. Auch unabhängig von Buddy finden sich viele amüsante Szenen die von der eigentlichen Handlung durchaus gelungen und insbesondere stringent eingebunden werden. Wo viele Filme sich abseits der lustigen Momente oft verlieren weiß Just One of the Guys einen roten Faden zu behalten, dessen Bonbon nach anderthalb Stunden dann Joyce Hysers Brüste sind.

Der große Verdienst des Filmes ist, dass man ebenjene neunzig Minuten gelungen mit einer, wenn auch simplen, Handlung überbrücken kann und sich nicht durchweg nach jener Szene sehnt, für die der Film fraglos am meisten bekannt ist. Gottliebs Film reiht sich ein in die lange Liste der exzellenten Komödien aus den achtziger Jahren, dem sein Kultfaktor in gewisser Hinsicht durchaus zusteht, da es ihm gelingt, über einige „typische“ Schwächen des Genres dieser Epoche hinweg zu springen. Joyce Hyser und das ganze Ensemble sind ein weiterer positiver Grund, zudem kann eine High School Komödie, die Brüste präsentiert, per se nicht schlecht sein. Lang leben die Brüste, lang leben die High School Komödien!

8.5/10

8. Oktober 2008

The House Bunny

My heart is pounding like a nail!

Sie sind meist blond, jung und mit zwei schlagenden Argumenten versehen: die Playboy Bunnies von Hugh Hefner. Gelegentlich wird ein Bunny auch zum Playmate und generell liebt es der gute Hugh ein paar von seinen blonden Girlies bei sich zu Hause unterzubringen. Bei sich zu Hause meint The Playboy Mansion und jene Mädchen aus dem Playboy Mansion haben es inzwischen sogar auf eine eigene Fernsehshow gebracht. In eben jener Show stellen sie bereitwillig ihren beschränkten Geist zur Schau, so wie sie wohl auch ihren Körper dem guten Hugh zur Schau stellen. Es ist ein einfaches, luxuriöses Leben, ohne Sorgen und ohne großes eigenständiges Denken. Finanziert von all den Männern, die sich am Aussehen jener Mädchen in Hefners Heftreihe ergötzen. Wirklich beschweren kann man sich also nicht über deren Lebensstandard. Doch was würde wohl einem solchen Playboy Bunny widerfahren, wenn es urplötzlich aus seiner gewohnten Umgebung gerissen würde?

Kann ein eingepferchtes Bunny in freier Wildbahn überhaupt überleben? Kann es eigenständig denken und für sich selbst sorgen? Dieser Frage sind Kirsten Smith und Karen McCullah Lutz, die beiden Autorinnen von Legally Blonde, nachgegangen. Während sie in Legally Blonde versuchten mit dem Vorurteil des blöden Blondchens aufzuräumen, folgt nun die Kehrtwendung. Denn in The House Bunny zelebrieren sie gerade zu die Dummheit ihrer Hauptfigur. Das Erstaunliche dabei ist noch die Tatsache, dass sich Hefner und seine Bunnies selbst nicht zu Schade sind, an ihrem eigenen Denkmal zu rütteln und dem Klischee Nahrung zu geben. Denn entgegen jeglicher möglichen Prämisse ist The House Bunny frei von Moral oder Schutz seiner Protagonistin. Aber vielleicht ist ja auch dieses Fehlen einer Prämisse die eigentliche Prämisse des Filmes.

Mit 27 Jahren wünscht sich Playboy Bunny Shelley (Anna Faris) eigentlich nichts als sich für den Playboy ausziehen zu dürfen. Doch da ihr eine Kollegin dies missgönnt, inszeniert diese eine Intrige, welche sowohl Shelley als auch Hugh Hefner im Glauben lässt, die andere Person hat kein Interesse mehr an einem Zusammenwohnen. Diese Konstellation ist dabei nicht mehr als bloße Ausgangsbasis für Fred Wolfs zweiten Spielfilm. Von den anderen Bunnies erfährt man nicht viel und auch die Motivation von Shelleys Nebenbuhlerin wird eher sporadisch begründet. Hier hätte man sich durchaus noch ein wenig zelebrierende Aufdeckung jener Scheinwelt gewünscht, ein bisschen tiefer-schürfendes Kratzen an jener dumm-debilen Oberfläche der zeitgenössischen Pop-Medienwelt. Vielleicht war dies auch die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt mit Hefner und seinem Playboy-Franchise arbeiten durfte, wer weiß dass schon. Stattdessen konzentriert The House Bunny vielmehr allzu lange darauf, hässlichen Mädchen ihr eigenes Aussehen vorzuhalten.

Das Traurige daran ist, dass hier nicht einmal eine wirkliche Botschaft transferiert wird – denn am Ende läuft es darauf hinaus, dass in der Tat nur eine Veränderung am eigenen Aussehen zu dauerhafter Popularität führt. Eine ätzende Botschaft an das jugendliche weibliche Publikum des Filmes, denn auch wenn später eine Einsicht bei den Damen stattfindet, führt dies dennoch zu einer hybriden Mischung aus individuellem, aufgebretzelten Stil. Dass die Popularität dabei nicht wirklich der Rückkehr zur eigenen Persönlichkeit zu verdanken, sondern eher Relikt aus der zuvor propagierten Oberflächlichkeit ist, unterschlägt Wolf in seinem Film. Denn das Selbstbewusstsein zum eigenen Charakter entwickelten die Filmfiguren erst, als sie ihr Aussehen den Wünschen ihres Umfeldes anpassten. Popularität auf Kosten von Individualität ist hier das Motto.

Auch beißt sich die hier gezeigte Darstellung von arroganten, dummen, oberflächlichen Studenten in einer Szene, mit ebenjenen studienaktiven Studenten in anderen. Die Ernsthaftigkeit jener Einstellungen, die bei den „Arschloch“-Studenten ein gewisses Maß an Intelligenz durchaus erkennbar macht, sorgt nur für größeres Unverständnis in jenen Momenten, in welchen sie sich wie die letzten Idioten verhalten. Getoppt wird das Ganze nur noch davon, dass Natalie (Emma Stone) am Ende mit ihrem Schwarm zusammenkommt, der sie erst wahrnahm als sie praktisch ihre Persönlichkeit verkauft hat. Von jenem Standpunkt aus ist The House Bunny ein wenig gelungener Film, der durchaus eine fragwürdige soziale Komponente mit sich bringt. Glücklicherweise versucht der Film dies über weite Strecken auch gar nicht zu tun, sondern ergötzt sich vielmehr daran seine Protagonistin Shelley ob ihrer Dummheit bloßzustellen.

Dass dies nur auf eine liebenswürdige Art und Weise möglich ist, erschließt sich von selbst. Wenn Shelley durch Los Angeles stolziert, bei der Alkoholkontrolle das Wort „blasen“ sprichwörtlich nimmt und sich letztlich einer Studentenvereinigung aufdrängt, da sie das Haus an The Playboy Mansion erinnert, kann man dem blonden Püppchen kaum etwas wirklich übel nehmen. Es ist hierbei auch Anna Faris, welche die Rolle meisterlich trägt und ihr das nötige Maß an Seele verleiht. Wie es scheint ist Faris auf die Rolle der Dumpfbacke inzwischen festgelegt, was Rollen in der Scary Movie-Reihe, sowie in Lost in Translation oder Just Friends bestätigen.

Neben Faris’ Shelley sind es jedoch auch die Nebenfiguren, die herausragen aus dieser durchschnittlichen Komödienzote. Wobei es durchaus amüsant ist, dass man glaubt Emma Stone „hässlicher“ zu machen, indem man ihr die Haare zusammenbindet und eine Brille verpasst. Zudem sagt dies auch – wie so oft in Hollywood – ein eindeutiges Bild über uns Brillenträger aus. Verklemmte Bibliothekarinnen, prüde Tussis – sie alle kriegen eine Brille verpasst. Hollywoods Botschaft: Brillen sind nicht sexy. Aber nun gut, zu viel sollte man nicht aus Wolfs Film lesen, sondern geht einem das Vergnügen flöten. Und dieses kann man durchaus haben, selbst wenn die Witze nicht wirklich neu und auch Anna Faris ungewöhnlich unsexy ist. Dafür machen Kat Dennings und Katherine McPhee einiges wett und wissen durch ihr Aussehen ebenso zu unterhalten wie die diesmal erstaunlich ansehnliche Rumer Willis (Tochter von Bruce).

Die Handlung des Filmes ist ebenso wie ihr Ende so vorhersehbar, wie die Figur von Colin Hanks (Sohn von Tom) überflüssig. Dennoch hat The House Bunny seinen Charme, dem man sich dann schlecht entziehen kann, wenn man sich erstmal auf diese seichte Komödie eingelassen hat. Die zeitgenössische Musik weiß dabei geschickt die einzelnen Einstellungen zu untermalen und ohnehin ist hier alles ungemein kurzlebig. So kurzlebig, dass man sich nicht wirklich an diesem nichts sagenden Film stören kann. Dabei ist das ganze fraglos eher etwas an die feminine Welt ausgerichtet respektive nichts für die harten Macho-Kerle, denen das Mundwasser bei Wanted und Co. flöten geht. Eine wahrhaftige Kinoempfehlung muss man jedoch ebenso wenig aussprechen, denn auf DVD oder irgendwann mal auf RTL oder ProSieben tut es das Ganze dann auch.

6.5/10

5. Oktober 2008

The Little Mermaid

Have I ever been wrong? I mean when it’s important.

Gelegentlich begegnet man Menschen, die einen einzigen Film an die 15 Mal im Kino gesehen haben. Mit solchen Zahlen kann ich selbst nicht mithalten, im Höchstfall schaue ich einen Film zweimal im Kino an. Beispielsweise The Prestige, Sin City, Finding Neverland aber auch Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull. Wenn ich einen Film tatsächlich drei Mal im Kino sehe, dann ist dies nicht nur ein guter Film, sondern auch einer der mir persönlich etwas bedeutet. Bei Revenge of the Sith war dies der Fall. Damit markiert die dritte Episode von George Lucas’ Weltraumsaga Star Wars eigentlich den Spitzenreiter, wäre da nicht noch Disneys The Little Mermaid. Im zarten Alter von sieben Jahren machte ich mich ganze vier Mal in unser regionales Kino auf und tauchte im wahrsten Sinne des Wortes in den Anbeginn von Disneys Renaissance ein.

Nach der „stillen“ Periode der siebziger und achtziger Jahre kehrte Disney als Test in Oliver & Company zu seinen Musicaleinlagen zurück und führte diese nach dem Erfolg von The Little Mermaid wieder vollends ein. Es verwundert daher nicht, dass die Disney Renaissance auch andere Meisterwerke wie Beauty and the Beast, Aladdin oder The Lion King hervorbrachte. Neben den Musicaleinlagen wandte sich Disney auch anderen ehemaligen Werten zu. Mit The Little Mermaid verarbeitete man zum ersten Mal seit Sleeping Beauty wieder ein klassisches Märchen. Jenes Märchen stammte von Hans Christian Andersen, unterscheidet sich jedoch an vielen Stellen vom Disney-Film. Seine kleine Meerjungfrau strebt nicht nach der Liebe eines Prinzen, sondern sie wünscht sich vielmehr die unsterbliche Seele der Menschen, die nach dem Tod gen Himmel wandert.

Letztlich vermisst Andersens Märchen ein typisches Happy End, auch wenn die Hoffnung bei ihm zuletzt stirbt. Verantwortlich für die Liebesgeschichte von Ariel und Eric war das kongeniale Duo Ron Clements und John Musker, die zuvor bei The Great Mouse Detective als Regisseure tätig waren und für Disney auch Aladdin inszenieren sollten. Momentan arbeiten sie an Disneys Rückkehr zur klassischen 2-D-Animation mit The Princess and the Frog, welche sich zum ersten Mal in der Geschichte des Studios einer afroamerikanischen Heldin annimmt. Für jüngere Zuschauer stellen die klassischen Disney-Filme einen Schritt in die Vergangenheit dar. Statt auf Effekte konzentrierte man sich auf die Geschichte, die Charaktere und die Musicalnummern. Das Wasser, in dem Ariel schwimmt, besticht nicht durch Details, den Zeichnern genügte hier eine Welle und dort eine Welle.

Life’s full of tough choices, innit?
Ähnlich verhält es sich mit ihrem Haar, dieser wabernden roten Mähne, die kaum einzelne Strähnen zulässt. Zeichnete Disney früher einen Hügel als Hügel, so warten Pixarfilme wie Ratatouille heutzutage mit hunderten digitaler Sandkörner auf, die letztlich einen Hügel bilden. Monatelang wird an dem Fell einer Ratte gearbeitet, um hunderttausende kleine digitale Härchen zu erzeugen. Früher tat es einfach eine einzige gefärbte Masse. Wer inzwischen nicht mehr mit der Zeit geht, der muss mit der Zeit gehen – die Frage ist: wer braucht diese ganzen Details? Durch seine Effekte allein wird ein Film nicht besser, zumindest kein animierter Kinderfilm. Filme wie The Little Mermaid werden bedauerlicherweise gar nicht mehr gemacht – bisher. Viel Hoffnung liegt auf Clements & Muskers The Princess and the Frog, einem klassischen Animationsfilm ohne Schnörkel.

Zu Beginn des Filmes werden die vier Parteien nacheinander vorgestellt, angefangen beim 18-jährigen Prinzen und love interest Eric. Von ihm geht es in einem gelungen Schnitt hinab, unter das Meer. Ein Festakt im Königspalast erwartet die Meeresbewohner. Unter der Leitung des Dirigenten, Krabbe Sebastian, präsentiert König Triton, Sohn des Poseidon, seinem Volk seine Töchter. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Jüngsten, Ariel, wegen ihrer bezaubernden Stimme. Doch diese verpasst den Festakt, befindet sich auf einer Abenteuerjagd mit ihrem Freund Flunder. Ihr rebellisches Verhalten lockt die Seehexe Ursula an, die einen perfiden Plan zu spinnen beginnt. Die xenophile Ariel verliebt sich in Eric, sehr zum Leidwesen ihres Vaters, welcher der Tochter strikt untersagt hat zur Oberfläche zu schwimmen und Kontakt mit Menschen zu suchen.

Der Konflikt zwischen Vater und Tochter nimmt letztlich überhand, einen Ausweg für die 16-jährige Ariel scheint lediglich Ursula zu bieten. Im Austausch für ihre Stimme will sie Ariel in einen Menschen verwandeln. Ihre Bedingung: Sollte es Ariel innerhalb von drei Tagen nicht gelingen, das Herz von Eric zu gewinnen, verkommt sie zur Staffage der Seehexe. Die desillusionierte Ariel gibt sich Ursula hin und büßt dies fast sogleich mit ihrem Leben, lediglich Sebastian und Flunder bewahren sie vor dem Ertrinken. An der Oberfläche trifft sie sogleich auf Eric, doch erkennt dieser sie nicht, da sein einziges Identifikationsmittel Ariels Stimme gewesen war. Schließlich wird sich Eric aber in Ariels Persönlichkeit verlieben und nicht in irgendein hervorstechendes Merkmal. Ursula droht ihr Plan aufzufliegen, sie schreitet ein und verändert das Leben von allen.

I don’t know when
I don’t know how
But I know something’s starting right now
Watch and you’ll see
Some day I’ll be
Part of your world.


Vormerklich geht es in The Little Mermaid um unterschiedliche Kulturen, die sich scheinbar nicht vertragen, sich jedoch auch nicht um Kontakt bemühen. Für die Meermenschen und die Unterwasserwelt sind die Menschen der Oberfläche Barbaren, kaltblütige Mörder ohne jedes Herz. Ursache für diese Meinung ist natürlich die Fischerei, welche das Geschehen einleitet. Aufgrund der Gefahren ist es jedem Meermensch von Triton untersagt, die Oberfläche aufzusuchen. Kontakte mit Menschen oder allem menschlichem werden strikt untersagt. Durch den Film hindurch erhält man keinen Einblick für Tritons Beweggründe, Vermutungen lassen sich jedoch erschließen. Typisch für die Disney-Renaissance ist die Thematik der abwesenden Mutter. Sowohl Ariel als auch Belle (Beauty and the Beast) und Jasmin (Aladdin) sind mutterlose Halbwaisen.

Tritons Zorn auf die Menschenwelt ließe sich daher so erklären, dass Ariels Mutter einst durch Kontakt mit Menschen ihr Leben verlor. Wie und was genau passiert ist, bleibt jedoch reine Spekulation, wie auch bei den anderen Renaissance-Damen. In ihrer Geschichte erheben Clements & Musker Ariel nun zum Bindeglied zwischen beiden Kulturen. Ariel ist weit über den Status eines neugierigen Teenagers hinaus, auf sie trifft durchaus die Bezeichnung „xenophil“ zu. Insbesondere ist sie besessen von der Welt der Menschen, die so nah und doch so fern ist. Ihre Fragen befriedigt sie durch etwaige Schatzsuchen, in welchen sie Gabeln oder Pfeifen findet. Die Antworten für diese Gegenstände sucht sie bei der verschrobenen und naiven Seemöwe Scuttle, der fiktive Gebrauchsgründe für die Gegenstände erfindet. Doch auch dies reicht Ariel nicht, sie will mehr.

Der Wendepunkt ist die Begegnung mit Eric, auch wenn es etwas flach wirkt, dass sich Ariel in ihren ersten Menschen verliebt. Auch Eric ist anders als es seine Kultur vorsieht. Das Dasein als Prinz sagt ih wenig zu und auch eine Heirat mit irgendeiner Prinzessin steht ihm nicht im Sinn. Ein Sturm und die folgende Rettungsaktion sorgen schließlich für den direkten Kontakt der beiden Teenager, welche sich spätestens hier vollends verlieben. Einziger Anhaltspunkt ist für Eric dabei Ariels Stimme – ein Merkmal, dass später dem Spannungsaufbau dient. Im Gegensatz zu ihrem Vater, ihren Schwestern und allen anderen Meeresbewohner hat Ariel keine Angst vor der fremden Kultur. Im Gegenteil, sie ist von ihrem sympathischen Charakter überzeugt. Durch ehrliches Interesse und Begeisterung gewinnt sie die Herzen der Menschen und letztlich auch Erics.

Children have got to be free to lead their own lives.
Zu diesem Zeitpunkt ist sie natürlich keine Meerjungfrau, der sich in ihr verbergende Konflikt ist nur für den Zuschauer ersichtlich. Doch spätestens bei Eric und Vanessas Hochzeit wird ihre Identität aufgedeckt – und dennoch wird sie vom Volk später akzeptiert. Vielmehr noch, Eric zögert keine Sekunde seiner Geliebten zu Hilfe zu eilen – unabhängig von ihrer äußerlichen Erscheinung respektive dem thematischen Konflikt beider Kulturen. Ihre Liebe wird zur Brücke zwischen den Völkern, hat im Grunde Analogien zu Romeo und Julia, nur dass die Liebenden hier ein Happy End finden. Beide Parteien erkennen sich zum Schluss des Filmes an, Triton nimmt ein großes Opfer auf sich, um seine Tochter glücklich zu sehen. Wie genau der Kontakt zwischen Menschen und Meeresbewohnern aussehen wird (auch in Bezug auf die Fischerei), wird allerdings nicht geklärt.

Als Vater hat Triton nur das Beste für seine Tochter im Sinn, allen voran ihren Schutz. In seiner Liebe lassen sich Elternteile oftmals zu überdrastischen Maßnahmen hinreißen, wie zum Beispiel Tritons Zerstörung von Ariels Höhle. Diese Aktion bewirkt Ariels ultimative Reaktion. Ein typisch jugendliches Aufbegehren ist die Folge. Der Konsequenzen ist sich Ariel nicht bewusst, ohnehin ist sie durch ihre erste Liebe so verblendet, dass sie die Gefahr nicht wahrnimmt. Am Ende muss sie erfahren, dass sich Seehexen nicht übers Ohr hauen lassen. Speziell nicht solche, die eine Agenda haben. Aus der Handlung entfernt wurde die Information, dass Ursula die Schwester von Triton und somit Ariels Tante ist. Sie wurde von Triton verstoßen, verbannt und sinnt nun auf Rache. Dies erklärt auch ihr „endlich“, als sie sich im Finale Tritons Krone aufsetzt.

Somit ist The Little Mermaid ein einziger großer Familienkonflikt, bewirkt durch Entfremdung und Verstoßung. Hauptsächlich rückt jedoch Ariels unbändiger Glaube an das Gute in den Vordergrund. Sie öffnet sich einer fremden und scheinbar feindlichen Welt und wird nicht verletzt. Für Eltern ist das Leben voller schwieriger Entscheidungen, wie Ursula bemerkt, und auch Sebastian hat Recht, wenn er meint, dass Kinder ihre eigenen Entscheidungen und Lebenswege überlassen werden müssen. Triton lernt am Ende, dass das Beste für Ariel das ist, was sie selbst für das Beste hält. Er lässt los und bewirkt somit mehr Nähe zu seiner Tochter, wie er vorher je für möglich gehalten hätte. Seit den vier Kinobesuchen habe ich The Little Mermaid sicherlich noch zwei Dutzend Mal gesehen – und ich werden den Film auch bestimmt noch mehrere Dutzend Male sehen.

10/10

4. Oktober 2008

Burn After Reading

Appearances can be... deceptive.

Jetzt sind sie wer, jetzt kennt man ihren Namen. Hatte sich das Massenpublikum zuvor noch nie groß von den Filmen der Coen Brüder Joel und Ethan beeindrucken lassen, wird jetzt fett Reibach gemacht. Denn jetzt sind sie ja Oscarpreisträger und außerdem spielen auch noch Brad Pitt und George Clooney mit, die beiden sozial engagierten, super sexy Hollywood-Stars und private best buddies. Dabei hat Clooney mit den Brüdern bereits O Brother, Where Art Thou? und Intolerable Cruelty gedreht – aber interessiert hatte sich damals kaum einer für die beiden Streifen. Und auch das mit Tom Hanks besetzte The Ladykillers-Remake war nicht gerade ein Hit an den Kinokassen. Dafür markierte in Amerika jetzt Burn After Reading den besten Start eines Coen-Films an den Kinokassen aller Zeiten – mit phänomenalen 19 Millionen Dollar Einspiel. Aber immerhin, besser als gar nichts. Sind die Coens nun en vogue? Massenkompatibel? No Country For Old Men sei Dank? Präsentierten die Brüder früher kleine und sehr feine Meisterwerke wie Fargo oder The Hudsucker Proxy, gingen diese am Bewusstsein der Bevölkerung dennoch vorbei. Da sich der Stil der Brüder nicht großartig verändert hat, zumindest in seiner Substanz, lässt sich die neugewonnene Popularität im Grunde nur durch die drei respektive vier Oscars vom Frühjahr erklären. Ironischerweise ist es mit den Coens in den letzten Jahren stets bergab gegangen, Filme wie Intolerable Cruelty oder The Ladykillers floppten nicht nur an den Kassen, sondern zu einem Großteil auch bei den Kritikern und hatten wenig von dem großartigen Humor aus ihren früheren Filmen wie The Big Lebowski vorzuweisen. Nach dem im wahrsten Sinne des Wortes staubtrockenen und endlos überschätzten No Country For Old Men bewegen sich die Brüder nunmehr wieder im humoristischen Fach der schwarzen Komödie.

Ein Spionage-Film soll Burn After Reading sein, vielleicht auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ein CIA-Analyst namens Ozzy Cox (John Malkovich) wird wegen seines Alkoholproblems gefeuert – stattdessen will der gute Mann nun seine Memoiren schreiben, weiß jedoch nicht wie anfangen. Seine Frau Katie (Tilda Swinton) ist ohnehin genervt, vögelt lieber lieblos mit Harry Pfarrer (George Clooney), einem Vertreter des Schatzamtes. Da Katie die Scheidung von Ozzy will, zieht sie einige seiner Daten – darunter auch die Memoiren – auf CD und bringt sie ihrem Scheidungsanwalt. Dessen Sekretärin vergisst die CD in ihrem Fitness-Studio bei „Hardbodies“, wo sie in die Hände des Fitnesstrainers Chad Feldheimer (Brad Pitt) gerät. Dieser erkennt sofort, dass es sich hierbei um „highly classified shit“ handelt, und schafft es sogar die CD zu Cox zurück zu verfolgen. Ganz klar, hier dürfte eine Belohnung drin sein, denn Cox will sicher seinen „highly classified shit“ zurück haben. Hier kommt nun Chads Kollegin Linda Litzke (Frances McDormand) ins Spiel. Linda geht auf die fünfzig zu und ist mit ihrem Körper unzufrieden. Ihre Versicherung lehnt die finanzielle Übernahme ihrer gewünschten kosmetischen Operationen ab, weshalb sie in Cox’ „highly classified shit“ ihre Chance gekommen sieht. Was für die eine Seite eine Belohnung ist, stellt für die andere Erpressung dar. Der Austausch der Daten verläuft nicht nach Wunsch, denn irgendwo gerät auch noch Pfarrer in die ganze Situation hinein und ehe sich die Protagonisten versehen, haben sie ein Spiel begonnen, von dem eigentlich keiner genau weiß, worum es eigentlich geht. Wie bei den Coens nicht ungewöhnlich strikt sich die relativ simple Geschichte auf relativ komplizierten Bahnen. Die Protagonisten machen nicht viel, aber es gibt viele Protagonisten. Und wenn jeder seinen kleinen Teil beiträgt und immer wieder miteinander kollidiert, kann man schon mal den Überblick verlieren.

Ohne Frage lassen sich zwischen Burn After Reading und dem Coenschen Meisterwerk Fargo einige Parallelen herauslesen. Mehrere Parteien versuchen sich gegenseitig auszuspielen, während der red herring respektive McGuffin der Geschichte ziemlich simpel ist. Und was ein Coen-Film ist, darf auch seine typischen Muster nicht außen vor lassen. Besonders die jüdischen Namen haben es den Brüdern wieder einmal angetan und spiegeln zugleich die klassische Idiotie der Coenschen Figuren wieder. Harry Pfarrer, Linda Litzke, Chad Feldheimer – allein die Namen regen bereits zum Schmunzeln an. Doch lustige Namen und dumme Figuren ergeben noch lange kein neues Fargo. Im Gegenteil, bei ihrem Versuch Burn After Reading in dieselben Bahnen gleiten zu lassen scheitern die Brüder grandios. Zu trivial die Geschichte, zu uninspiriert der gesamte Vortrag. Was sich als „Komödie“ ankündigt ist zu einem Großteil der Laufzeit leidlich komisch, wenn überhaupt. Bezeichnenderweise manifestiert sich das gesamte Dilemma des Filmes in John Malkovichs Figur, die außer Flüchen nicht viel beizutragen hat und sich in jener Redundanz schon ziemlich schnell verliert. Ohnehin krankt das neueste Werk der Coens an den unausgearbeiteten Charakteren, deren Motivationen kaum erklärt werden. Wieso ist Pfarrer dermaßen paranoid? Hat er überhaupt einen Grund und wenn ja, welchen? Was bringt Chad dazu Linda zu helfen? Die Coens machen sich nicht viel Mühe für Erklärungen.

Stattdessen mutet der gesamte Film wie ein einziges Spaßprojekt an, von Freunden gedreht. Die Rollen für Malkovich, McDormand, Clooney und Pitt wurden den Darstellern auf den Leib geschrieben und man merkt den Stars durchaus an, dass sie Spaß an ihren Figuren hatten. Die Schrulligkeit ihrer Persönlichkeiten reicht jedoch nicht aus, um das wackelnde Gerüst der inhaltsschwachen Handlung alleine zu tragen. Dabei können die Coens durchaus in knappen Worten viel erzählen. Allein die Figur von Walter in The Big Lebowski ließ durch einen einzigen Blick von John Goodman tiefer blicken, als hier ein John Malkovich zu transferieren vermag. Das Dilemma der Coens setzt sich also fort, seit The Big Lebowski ist ein Film schlechter als der andere. Bewegten sich O Brother, Where Art Thou? und The Man Who Wasn’t There noch auf einem hohen kreativen Niveau, stellen die folgenden drei Filme der Brüder eine Degeneration dar. Und Burn After Reading ist sogar noch schlechter als No Country For Old Men, allein aufgrund der Tatsache, dass er viel zu selten lustig ist. Wenn Brad Pitt nicht wäre, hätte man im Grund gar keinen Anlass zum Lachen und in der Debilität seiner Figur geht gealterte Schönling richtig auf. Seine Hydrierungsgeiler Fitnesstrainer stiehlt allen anderen die Schau und hätte sogar eine Oscarnominierung verdient, die der Konkurrenz eines Heath-Jokers würdig ist. Auch einige andere Szenen, gerade der – extrem überhastete – Schluss sind hier zweifelsohne gelungen, können das Gesamtbild des Filmes jedoch nicht retten. Auch die inner-Coensche Referenz zu No Country For Old Men ist hier nervig, wenn auch nicht so nervig wie im einschläfernden Western der Brüder. Der Weg, den die beiden eingeschlagen haben, scheint ins Nichts zu führen, doch zumindest verspricht A Serious Man hier eine Verbesserung darzustellen. Mal keine großen Namen, vielmehr die Rückkehr zu alten Werten. Vielleicht gelingt es den Coens hier endlich mal wieder einen überzeugenden Film zu drehen – wünschenswert wäre es allemal.

6/10

3. Oktober 2008

Die Top 5: Queen-Songs in Filmen

Anyway the wind blows.
(„Bohemian Rhapsody“)

Long live the queen – heißt es in Großbritannien so schön. Dabei sollte es man viel eher sagen: long live Queen! Durch zahlreiche Hits ist die Rock-Formation aus England zur Legende geworden. Angefangen hatte alles im Jahr 1968 – doch die Geburt von Queen reicht in ihren Wurzeln noch fünf Jahre weiter zurück. 1963 begann Gitarrist Brian May mit seinem Vater seine erste E-Gitarre (Red Special) zu bauen, die später den Sound von Queen prägte. Drei Jahre später lernten sich am College Bassist Tim Staffell und Farrokh Bulsara kennen. Während Staffell 1968 mit May und Schlagzeuger Roger Taylor die Gruppe Smile gründete, trat Bulsara – der sich nun Freddie Mercury nannte – mit der Liverpooler Band Ibex auf. Ein Jahr später trat Smile unter anderem mit Joe Cocker auf und nahm auch einige ihrer Lieder im Studio auf. Jedoch verließ Staffell die Band 1970 und wechselte als Sänger zu Humpy Bong. Zu diesem Zeitpunkt kam Mercury als Ersatz für Staffell an Bord und mit May und Taylor gründete er die Band neu unter dem Namen „Queen“.

Innerhalb des nächsten Jahres musste Queen mehrfach den Bassisten wechseln, ehe man John Deacon fand. Zwei Jahre später veröffentlichten Queen 1973 ihr erstes Album „Queen“. Während ihre erste Single „Keep Yourself Alive“ es nicht in die britischen Charts schaffte, markierte die zweite Single „Seven Seas of Rhye“ 1974 mit einem Einstieg auf Platz Zehn den ersten Hit. Im selben Jahr erschien das zweite Album „Queen II“. Für dieses erhielt die Gruppe ihre erste Silberne Schallplatte. Kontinuierlich stieg der Erfolg der Band, die dritte Single „Killer Queen“ war auch international ein Hit und schaffte es in die US-Billboard-Charts. Nun hatten sich die Briten einen Namen gemacht mit Stilrichtungen von Heavy Metal bis hin zu Balladen. Im Oktober 1975 wurde vor Release des vierten Albums „A Night at the Opera“ bereits die Single „Bohemian Rhapsody“ ausgekoppelt. Jenes Lied würde nicht nur über die nächsten zwei Monate hinweg auf Platz Eins der Single-Charts landen, sondern auch Jahrzehnte später als eines der besten Rocklieder aller Zeiten gelten.

Brittany Murphy stimmte im Animationsmuscial Happy Feet „Somebody to Love“ an.
Das Lied, welches sich durch seine A-cappella Einleitung und die Verbindung von Oper und Hard-Rock auszeichnet, wurde vom Rolling Stone Magazine zu den vierzig Songs gezählt, welche die Welt verändert haben. Es verwundert daher auch nicht, dass „A Night at the Opera“ der Band den kommerziellen Durchbruch bescherte und dreimal mit Platin ausgezeichnet wurde. Auch das Schwesternalbum „A Day at the Races“ erreichte Platz Eins und hob sich durch seine beiden Hits „Somebody to Love“ und „Tie Your Mother Down“. Die Vielseitigkeit der Band manifestierte sich auch in diesen beiden Songs, war ersteres von Gospel und das letztere von Hard-Rock durchzogen. Es waren jene beiden Jahre, 1975/1976, in der die Band begann zu den Großen der Großen zu zählen. Dementsprechend überraschen auch die beiden Songs des 1977 folgenden Albums „News of the World“ nicht wirklich. Mit „We Are the Champions“ und „We Will Rock You“ erschufen Queen zwei Songs, die auch drei Jahrzehnte später noch Pflicht in allen Fußballstadien Europas sein würden.

Der Arbeitswahn der Band nahm kein Ende und so folgte sieben Jahre nach der festen Etablierung aller Gruppenmitglieder bereits das siebte Album mit „Jazz“. Hierzu verließen die Engländer zum ersten Mal ihre Heimat und siedelten in Frankreich an. In der dortigen Tour de France fanden sie so auch die Inspiration für ihren Hit „Bicycle Race“. Jener Song zählte neben „Fat Bottomed Girls“, „Let Me Entertain You“ und „Don’t Stop Me Now“ zu den einprägsamsten Liedern des Albums. Inzwischen hatten Queen genug Hits angesammelt, um mit „Live Killers“ quasi ihr erstes Best-Of Album 1979 herauszubringen. Zuvorderst ist das achte Album jedoch auch das erste Live- und Doppelalbum der Gruppe, welches aus verschiedenen Mitschnitten der Europatournee der Band besteht. Außerdem gelang es Queen im selben Jahr noch ihre letzte Hürde zu nehmen.

In Grosse Pointe Blank findet John Cusack während „Under Pressure“ eine Erleuchtung.
Mit einer gehörigen Spur Elvis Presley schafften es Mercury und die anderen mit „Crazy Little Thing Called Love“ zum ersten Mal auf Platz Eins der amerikanischen Single-Charts. Den Rest des Jahrs 1979 verbrachten die Briten in München, wo sie an ihrem neunten Studioalbum „The Game“ arbeiteten, welches nebem „Crazy Little Thing Called Love“ auch den Hit „Another One Bites the Dust“ enthalten würde. Mit „The Game“ erreichte die Band ihren kommerziellen Höhepunkt in den USA und begann ihre Kollaboration mit dem deutschen Produzenten Reinhold Mack. Während „Another One Bites the Dust“ die meistverkaufte Singe der Band in den USA war, bat Filmproduzent Dino De Laurentiis die Gruppe im Jahr 1980 den Soundtrack für seinen Film Flash Gordon zu komponieren. Der Soundtrack besteht neben dem gleichnamigen Song „Flash Gordon“ zu einem Großteil aus instrumentalen Stücken. Ein Jahr später trat Queen im brasilianischen São Paulo vor 131.000 Zuschauern auf und stellte somit zugleich einen neuen Publikumsrekord auf.

Ebenfalls 1981 landete die Band mit „Under Pressure“ einen weiteren weltweiten Hit und setzte ihre Erfolgsgeschichte fort, die auch das im selben Jahr erschienene offizielle erste „Greatest Hits“-Album einschloss. Ganze zehn Jahre lang hielt sich dieses in den Charts und versinnbildlicht die Stellung, welche die Band in den Achtzigern inne hatte. Bis heute ist „Greatest Hits“ von Queen das meistverkaufte Album in Großbritannien, weit vor Michael Jacksons „Thriller“ oder Abbas „Greatest Hits“. Nachdem „Another One Bites the Dust“ durch seinen Funk-Style gerade in den USA einen derartigen Erfolg hatte, entschloss sich Queen ihr neues Album „Hot Space“, welches im Mai 1982 erschien, dem Disco- und Dance-Stil zu verschreiben. Obwohl die Kritiker durchaus positiv über das Album urteilten, waren viele Fans durch den neuen Weg, den die Band beschritt, verärgert. Es folgte eine neunmonatige Pause der Band, die erst 1984 mit neuen Songs beendet werden sollte.

Tony Stark (Robert Downey Jr.) balgt sich in Iron Man 2 zu „Another One Bites the Dust“.
Obschon Lead-Sänger Freddie Mercury mehrfach mit Frauen zusammengelebt hatte, begann er bereits 1980 sich mit Männern zu treffen. Von 1985 an lebte Mercury gemeinsam mit Jim Hutton, der wie Mercury selbst an AIDS erkrankte. Gegensätzlich zu einigen Vorwürfen hatte sich Mercury bereits 1974 als homosexuell geoutet, konträr zu seiner AIDS-Erkrankung, welche er der Welt erst einen Tag vor seinem Tod am 24. November 1991 mitteilte. Mit Mercury sollte ein großer Sänger die Welt verlassen. Auch das elfte Studioalbum „The Works“ wurde wieder in München produziert und erschien 1984 nach der neunmonatigen Pause der Band. Besonders durch die Musikvideos zu den beiden Hits und Auskopplungen „Radio Ga Ga“ und „I Want to Break Free“ sorgte Queen für Aufsehen. Im Laufe der nächsten sieben Jahre veröffentlichten die Briten noch drei weitere Studioalben mit „A Kind of Magic“ – mit den Highlander-Liedern „Who Wants to Live Forever“ und „A Kind of Magic“ –, „The Miracle“ (darunter „I Want It All“) und „Innuendo“. Letzteres erschien 1991 und markierte das letzte Album der Band in ihrer Besetzung mit Mercury.

Anschließend veröffentlichten Queen noch weitere Compilations-Alben, darunter „Greatest Hits II“, das ebenfalls zu den zehn meistverkauften Alben in der Musik-Geschichte Großbritanniens zählt. Über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten haben Queen die Musiklandschaft geprägt und beherrscht und dabei über 300 Millionen Alben verkauft. Außerdem dienten die Briten als Inspiration für zeitgenössische Künstler wie Green Day oder die Kaiser Chiefs. Auch in Hollywood und Kinofilmen wurde gerne auf die Lieder der Kultband zurückgegriffen. So finden Interpretationen ihrer Songs Einzug in verkitschte Liebeskomödien wie 40 Days, 40 Nights oder The Break-Up – allerdings auch in Pseudo-Ritterfilme wie A Knight’s Tale. Die folgende Auflistung dient nicht nur als Legitimierung zur Vorstellung einer der besten Bands aller Zeiten, sondern zeigt bisweilen auch die Harmonie zwischen Musik und Film auf. Und so seien sie verkündet, die Top 5 Queen-Songs in Filmen (bei Klicken der Bilder werdet ihr zu den Filmausschnitten inklusive Musikuntermalung weitergeleitet):


5. Highlander („Who Wants to Live Forever“): Neben Flash Gordon Queens einzige direkte Komposition für einen Kinofilm. Die Pop-Melodien rund um Mercurys Stimme symbiotisieren natürlich nicht vollends mit dem frühneuzeitlichen Touch des achtziger Jahre Kultfilms, doch war dies durchaus gewollt und verleiht dem Film bzw. der Szene jene Mystik.

4. Moulin Rouge! („The Show Must Go On“): Einer der wenigen Filme, die Queen selbst interpretieren. Die Konnotation des Liedes im Kontext von Luhrmanns Meisterwerk ist dabei nicht unähnlich seiner Bedeutung per se, markiert es doch eines der letzten Band-Lieder auf „Innuendo“. Äußerst gelungen mit Satines Krankheit und dem Fortgang der Handlung eingebaut.

3. Wayne’s World („Bohemian Rhapsody“): Die Muttter aller Queen-Songs dient hier der Eröffnungssequenz von Mike Myers Kultkomödie und zugleich als Vorlage für die nicht minder gelungene Persiflage in Loaded Weapon 1. Was „Kashmir“ in Fast Times at Ridgemont High war, ist nunmehr „Bohemian Rhapsody“ – ganz groß das Headbanging beim Einsatz des Hard-Rock-Parts.

2. Shaun of the Dead („Don’t Stop Me Now“): Kongenial von Edgar Wright ins „zombie slapping“ eingebunden, sodass nach der Sichtung des Filmes jene Szene beim Hören des Liedes ins Hirn eingebrannt bleibt. Die Choreographie ist dabei nicht weniger genial, als die gesamte Einarbeitung des Stückes in den Handlungsablauf.

1. Late Last Night („Somebody to Love“): Late Last Night ist nicht nur ein kleines TV-Juwel (lang lebe Emilio Estevez), sondern das Herz des Films ist auch seine großartige Musical-Szene, in welcher Außenseitertum mit Queens populärem Stück abgeholfen wird – ehe man Seite an Seite mit Hell’s Angels vor der Polente fliehen muss.

1. Oktober 2008

The X Files: I Want to Believe

Don’t give up.

Ein Kulturphänomen. Damit ließe sich die Mysterie-Serie The X Files aus den 1990er Jahren beschreiben, die es auf neun Staffeln und einen Kinofilm brachte. Jene X-Akten machten David Duchovny und Gillian Anderson bekannt, sodass die Serie 2002 schließlich eingestellt wurde, nachdem Duchovny nur noch sporadisch mit an Bord war. Schon 2001 hatte Serienerfinder Chris Carter die Idee gehabt, nach 1998 einen weiteren Kinofilm um die beiden Agenten Mulder und Scully zu initiieren. Aus einem Filmstart in 2002 nach Ende der neunten Staffel wurde 2003 und dann 2004. Immer wieder verschoben sich die Planungen für den nächsten X Files-Film, bis 2005 das Projekt dann ins Stocken geriet, da Carter sich vor Gericht mit dem Fox-Studio auseinandersetzen musste.

Doch was lange währt, wurde dieses Jahr endlich gut. Mit The X Files: I Want to Believe präsentierte Carter den Fans einen Kinofilm, der im Gegensatz zu The X Files: Fight the Future außerhalb des Serienmythos spielt. Stattdessen wird dem Publikum eine Geschichte präsentiert, die sich in Richtung der „monster of the week“-Episoden der Serie orientierte. Wie ein Ausblick in etwaige Filmforen zeigt ein unglücklicher Schachzug. Das Gejammer war groß, kaum einer, der nicht darüber quengelte, Carter hätte den Film in den Sand gesetzt. Dabei waren die Fans letztlich nur an ihrer eigenen Erwartungshaltung gescheitert. Denn der Großteil von ihnen assoziiert mit X Files eben Außerirdische und wenn im fertigen Film dann keine über die Leinwand huschen, ist der Zuschauer plötzlich enttäuscht.

I Want to Believe hält keine Alien bereit, nichtmal richtige Monster wie die Wurmmenschen, Mutanten und Poltergeister aus der Serie. Die Inhaltsangabe des Films hätte darüber jedoch aufgeklärt. Als eine ihrer Agentinnen entführt wird, ermitteln die beiden FBI-Agenten ASAC Whitney (Amanda Peet) und Agent Drummy (Xzibit) unter Zuhilfenahme des pädophilen Priesters Father Joe (Billy Connolly) den Fall. Denn der Priester hat Visionen vom Opfer und den Tätern. Da Whitney mit paranormalen Fällen jedoch nicht vertraut ist, sucht sie die Hilfe von Ex-Spezialagent Fox Mulder (David Duchovny). Der ist nach seiner Anklage im Serienfinale nicht gerade der beste Freund des FBI und lebt mit seiner ehemaligen Partnerin Dana Scully (Gillian Anderson) zurückgezogen in einer Hütte.

Scully selbst arbeitet inzwischen ausschließlich als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus und sieht sich mit einem hoffnungslosen Sandhoff-Krankheitsfall konfrontiert. Nun verspricht diese Inhaltsangabe keine hochdramatischen Entwicklungen. Scully überredet Mulder dazu, dem FBI zu helfen und beide werden anschließend in die Ermittlungen hineingezogen, bei denen ein psychisch begabter, sexuell vorbestrafter Priester auf der Suche nach einem verschwundenen Agent hilft. Doch hinter dem Fall verbirgt sich weit mehr als eine bloße Entführung, vielmehr ein dunkles Geheimnis. Keine Aliens. Keine Wurm- oder Bienenmänner. I Want to Believe ist ziemlich ruhig in seiner Erzählstruktur und geht damit eher in Richtung solcher Episoden wie The Jersey Devil oder Our Town.

Wer also keine Version von Independence Day mit Mulder und Scully an Stelle von Will Smith und Jeff Goldblum erwartet, kann durchaus Gefallen am neuen X Files-Film finden. Zwar dürfte der Film von Nichtkennern der Serie nicht uneingeschränkt verstanden werden, doch halten sich die Referenzen zu dieser in Grenzen. Ein bärtiger Mulder im Exil spricht zu Beginn kurz den Schauprozess gegen ihn an, motiviert wird er während seiner Involvierung zu einem Großteil vom Verlust seiner Schwester Samantha. Auch Mulder und Scullys Sohn William wird in einem Nebensatz erwähnt und dient der Erklärung für Scullys medizinische Skeptik. Die wiederum ist weitaus weniger störend, wie von manchem Rezensenten vorgeworfen, vielmehr ist sie eine logische Fortführung der Serienfigur.

Eine gläubige Frau, die im Feld der Medizin arbeitet, sieht sich mit einem kranken Kind konfrontiert, welches theoretisch vom Alter her auch ihr eigenes sein könnte. Irgendwo da draußen, da lauert nicht (nur) die Wahrheit, sondern da befindet sich auch William. In der Obhut fremder Menschen. Was wäre nun, wenn William im Krankenhaus wäre und sein Leben gerettet werden könnte? Sprengt das die Grenzen von Scullys Glauben und offenbart neue Methoden wie die Stammzellenforschung? Carter gelingt es, die Sandhoff-Thematik nicht zur bloßen Nebenhandlung verkommen zu lassen, sondern die Fäden am Ende geschickt zusammen zu führen. Dass Scully zweifelt, ist im Kontext ihres Charakters nur nachvollziehbar und ihr Verhalten im Film somit authentisch.

Auch die Beziehung zwischen Scully und Mulder wird in dieser Form sehr schön dargestellt, inklusive Kuss und allem drumherum. Besonders schön arbeitete Carter zudem heraus, wie Scully Mulder erst überzeugen muss, Whitney zu helfen, nur um mit anzusehen, wie dieser sich schon kurz darauf in deren Ermittlungen zu verlieren droht. “This isn’t my life anymore, Mulder. I’m done chasing monsters in the dark“, wirft sie ihm (und zugleich den Alien-fixierten Fans) in einem Moment an den Kopf und stellt ihn vor die Wahl. Entweder die X-Akte oder ich. Und Mulder bleibt sich treu, so wie er es immer getan hat. Er könne nicht ändern wer er sei, meint er, es liege in seinem Naturell. Agenten wie Drummy fehlt für solche Situationen die Geduld, die Toleranz und der Glaube an die Sache.

An den pädophilen Vater Joe geht Mulder im Gegensatz zu Scully mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor heran. Als sie dessen Wohnheim besuchen, rät Mulder grinsend davon ab, den Aktivitätenraum zu betreten. Es ist der alte Mulder, wie man ihn aus der ersten und zweiten Staffel kennt. Dass Father Joe ein Schwindler ist, glaubt Mulder zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr ist er kurz darauf der einzige, der weiterhin am kastrierten Straftäter festhält. Bezüglich dessen Persönlichkeit muss sich Carter dann allerdings doch den Vorwurf gefallen lassen, etwas schwach gearbeitet zu haben. Man erfährt wenig bis gar nichts über Father Joe, seine Motivation und seinen Kummer. Lediglich gegenüber Scully öffnet er sich in ein, zwei Szenen, während er Mulder wenig offen begegnet.

Ähnlich eindimensional geraten die Agenten Whitney und Drummy, Letzterer mit Rapper Xzibit zudem absolut fehlbesetzt. Nur weil man eine Show auf MTV moderiert, hat man noch lange nicht das Talent zum Schauspieler. Hier hätte man durchaus auf andere Darsteller (z.B. Richard T. Jones oder Malcolm Jamall-Warner) zurückgreifen können. Zudem ist Drummy eine überflüssige Figur, nur am Nörgeln und Meckern, kulminierend in einer Szene, die seine ganze Inkompetenz offenbart. Vermutlich fungiert er lediglich als Yang zu Whitneys Yin. Doch auch die bleibt blass, setzt sich oftmals obschon Leiterin des Teams nicht wirklich gegen Drummy durch und konterkariert im Film selbst die Emanzipation der Frau, die Scully in den vorangegangen neun Jahren repräsentierte.

Immerhin ist Whitney keine so undankbare Figur wie Monica Reyes und Peet vermag sie problemlos mit etwas Leben zu füllen. Nur spielen die eigentlichen FBI-Agenten gar keine Rolle, verkommen lediglich zum Anstoß des Steines. Es ermittelt Mulder, gerne auch mal mit Scullys Unterstützung. Die interessante Konstellation dabei ist, dass sie nun keine Agenten mehr sind. So gewinnt auch das Filmfinale allein dadurch viel Spannung, dass Mulder ohne Dienstwaffe agieren muss. Und auch sonst lebt I Want to Believe von seinem Spiel gegen die Zeit. Dass hier einige Logiklöcher auftreten, nimmt man Carter nicht wirklich übel, da sie für das große Ganze des Films eine untergeordnete Rolle spielen. Vordergründig geht es in dieser X-Akte um eine Entführung mit übernatürlicher Note.

Mit I Want to Believe ist Carter ein kleiner, stiller Thriller gelungen, der in seinem Finale in Sachen X Files richtig aufdreht, zuvor aber nicht minder funktioniert. Zwar sind sechs Jahre vergangen und die Figuren etwas reifer und eingerostet, wenn Mulders Appetit jedoch erstmal geweckt ist, beginnt der Film ab dem zweiten Akt enorm Spaß zu machen. Wie eine überzeugende Serien-Doppelfolge eben. Mark Snows Musikuntermalung ist dabei erstaunlich zurückhaltend und auch die Selbstironie steht diesmal nicht im Vordergrund. Was verwundert und zugleich erfreut: Der Film erzählt eine Geschichte über Scully, obschon die meiste Zeit Mulder zu sehen ist. Dessen Wandlungen waren jedoch stets minimal, immer war es die Skeptikerin Scully, die im Konflikt – meist mit sich selbst – war.

Nicht nur Mulders Beteiligung an der X-Akte, sondern auch der Sandhoff-Fall belastet sie. Die Verbindung beider Punkte gibt dann den Ausschlag. “Don’t give up“, erklärt er Father Joe zu einem Zeitpunkt im Film, dessen Beititel auch primär Scullys Konflikt anspricht. Sicherlich begeht Carter mit I Want to Believe keinen Quantensprung, aber das Schneesetting erzeugt eine passende wie gelungene Atmosphäre und die Rückkehr von Scully und Mulder weckt Nostalgie. Letztlich ist der neue X Files-Film zwar nicht außerordentlich spannend, aber bemerkenswert konsequent inszeniert. Wo X Files draufsteht ist unterm Strich auch X Files drin. Außer man erwartet kleine grüne Männchen. In dem Fall scheitert nicht der Film, sondern der Zuschauer an seinen Erwartungen.

7/10 - in anderer Form erschienen bei Wicked-Vision