30. März 2008

Dirty Sexy Money - Season One

Everybody in this family gets away with everything but me.

Das neue Serienphänomen dürfte im Grunde jedem bekannt sein, der sich etwas mit dem amerikanischen Serienmarkt auseinandersetzt. Hier gibt es im Grunde mehr Angebot, als es die eigene Nachfrage decken könnte und gestandene SchauspielerInnen und Regisseure sind sich nicht mehr zu schade, fürs Fernsehen zu arbeiten. Ganz im Gegenteil eigentlich. Hierbei sind dennoch wichtige Regeln einzuhalten, das ungeschriebene Gesetz des amerikanischen Fernsehens sieht zum einen vor, dass es der Mehrzahl der Serienstars nicht gelingt sich im Kino durchzusetzen (Ausnahme: George Clooney) und dass diese Serienstars meist wieder in anderen Serien landen. Prominente Beispiele sind Courtney Cox (Friends/Dirt), Matthew Fox (Party of Five/Lost) oder Calista Flockheart (Ally McBeal/Brothers & Sisters). Aber man sollte auch nicht einfach einen Kinostar in das Fernsehgeschäft werfen, da auch dies meist scheitert und deswegen durch die berühmten Cameos umgangen wird. Fernsehen und Kino sind somit zwei Medien, die sich gegenseitig bedienen, aber dennoch ein eigenes Leben, unabhängig voneinander führen. Daher agieren Regisseure meist auch nur als Paten, anstatt eine Serie ganz und vollständig zu begleiten, wie es früher bei Joe Dante (Eerie, Indiana) zum Beispiel, der Fall war. Ein Jack Bender (Lost, Alias) ist eine gestandene Seriengröße, der auf der Kinoleinwand bisher nicht in Erscheinung trat. Bryan Singer hingegen stand bereits Pate für den Ärzte-Hit House M.D. und fungiert auch bei Dirty Sexy Money als Produzent. Der Schöpfer der Serie ist jedoch Craig Wright, der sich zuvor bereits durch seine Mitarbeit an Six Feet Under, Lost oder Brothers & Sisters auszeichnen konnte. Wright erschuf eine spritzige, mitunter zynische Serie rund um die Serienetablierten Peter Krause und Samaire Armstrong, gewürzt mit ehemaligen Kinogrößen wie Donald Sutherland und William Baldwin.

Der New Yorker Anwalt Nick George (Peter Krause) lebt zufrieden mit seiner Frau und Tochter, ist sozial engagiert und im Grunde wunschlos glücklich. Da erreicht ihn die Mitteilung dass sein Vater Dutch, mit dem Nick vor einigen Jahren gebrochen hatte, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Bei der Beerdigung trifft Nick auf die Familie Darling, eine von New Yorks reichsten Familien. Dutch arbeitete für die Darlings als Familienanwalt, was seine gesamte Zeit beansprucht und zur Vernachlässigung von Nick geführt hatte. Nun ist Dutch tot und Familienoberhaupt Tripp (Donald Sutherland) bemüht sich darum, Nick als Anwalt zu gewinnen. Dieser lehnt aus einem ersten Impuls heraus ab, hat er doch an seinem eigenen Vater gesehen, wie sich die Arbeit für die Darlings auf das eigene Familienleben auswirkt. Schließlich folgt er aber der Verlockung des Geldes, denn Tripp sichert Nick zehn Millionen Dollar zu, die dieser karitativen Zwecken spenden kann – eine Chance, die dieser nicht ablehnen kann und will. Ehe er sich versieht, ist er mitten drin im Alltagswahnsinn einer Upper-Class-Familie und muss sich schneller als ihm lieb ist Tag aus Tag ein um die kleinen und großen Wünsche der fünf Darling-Sprößlinge kümmern. Neben den Partywünschen und finanziellen Super-GAUs der Society-Zwillinge Jeremy und Juliet (Samaire Armstrong) darf sich Nick noch um die Affäre des Ältesten und Senators Patrick (William Baldwin) mit einem Transvestiten und das uneheliche Kind von Pfarrer Brian kümmern. Und schließlich ist da noch Karen (Natalie Zea), ehemalige Liebe von Nick, die diesem immer noch hinterher trauert und für Spannungen zwischen diesem und seiner Frau führt. Für Nick primär wichtig ist jedoch herauszufinden, wie sein Vater gestorben ist und wer hinter seinem Tod steckt – ist es Tripp gewesen, ein anderes Familienmitglied oder der ominöse Milliardär Simon Elder (Blair Underwood)?

Es erschließt sich dem Zuschauer bereits in der Pilotfolge von selbst, dass die Darlings ein Abziehbild der US-Milliardärsfamilie Hilton sind, allen voran natürlich Juliet Darling, Party-Blondchen mit Hündchen im Schlepptau. Der Humor der Serie findet sich im Zusammenspiel des rationalen und bodenständigen Nick mit den oberflächlichen und naiven Darlings, running gag hierbei die Einspeicherung verschiedener Klingeltöne für die eigenen Darlings von Nicks Sekretärin (z.B. Hochzeitsmusik bei Karen). Durch die erste Staffel hindurch ziehen sich die kleinen Familiengeheimnisse, jeder der Darlings hat das eine oder andere zu verbergen und Nick wie sein Vater Dutch spielen hierbei eine größere Rolle, wie zu Beginn der Serie offenbart wird. Die Hauptprämisse der Serie war ursprünglich die Aufklärung von Dutchs Tod durch Nicks Arbeit bei den Darlings, doch bereits in der Mitte der ersten Staffel scheint dieses Thema vorerst abgehakt und sich dem Zwist von Tripp und Simon Elder zuzuwenden. Es wird natürlich impliziert, dass beide Themen zusammenhängen, auch wenn sich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau erschließt. Den hervorragenden Eindruck zu Beginn konnte die Serie dann nicht durchweg bestätigen, problematisch hier wahrscheinlich, dass die ursprünglichen zweiundzwanzig Episoden durch den Autorenstreik unterbrochen wurden, weshalb die erste Staffel nunmehr lediglich aus zehn Episoden ohne rechten Klimax besteht.

Als Dramaserie getarnt hält sich das Drama im Grunde in Grenzen, doch auch als Comedyserie lässt sich DSM schwerlich beschreiben, eher schon als Mischung aus beiden, doch vordergründig ein herzliches semi-sozialkritisches Bild einer superreichen Familie. Gerade die Zwillinge offenbaren immer wieder ihre Realitätsferne, wissen überhaupt nicht mit Geld umzugehen und sich unter normalen Menschen „normal“ zu verhalten. In den letzten fünf Episoden kochen die Emotionen zwischen allen Figuren allmählich hoch und die berüchtigte Figur des Simon Elder erhält mit Underwood ein erstaunlich charismatisches Gesicht. Wright beweist auch mit DSM sein Talent für unterschwelligen Humor, der sich nicht offen anbiedert, den er schon in Six Feet Under und Brothers & Sisters einbringen konnte. Krause spielt die Rolle des Familienvaters und Anwaltes überzeugend, ohne sich großartig auszuzeichnen. Die Figuren verlieren sich etwas in ihrer eigenen Oberflächlichkeit, absorbieren das Spiel ihrer Darsteller, sodass allein Armstrong und Sutherland durch ihr Schauspiel insofern herausragen. Nichtsdestotrotz überzeugen auch alle anderen Schauspieler in ihren Rollen, die einzelnen Episoden sind nicht unbedingt spannend, aber in den meisten Fällen durchaus unterhaltsam, auch wenn sie hin und wieder etwas redundant wirken. Der Charme der Serie liegt wohl wirklich in der liebevollen Anbiederung eines High Society Familie wie es die Hiltons sind, mit all ihren Fehlern und Makeln. Diese Welt sieht der Zuschauer aus den Augen der einzigen Figur, mit der er sich identifizieren kann: Nick. Dessen Verhalten erschließt sich einem nicht immer, besonders das Verhältnis zu seinem Vater Dutch wurde bisher unzureichend dargestellt, was die beiden Männer auseinander trieb bedarf noch etwas mehr Tiefgründigkeit – Raum für die 2. Staffel ist vorhanden.

7/10

27. März 2008

Rushmore

I saved Latin. What did you ever do?

Manche Karrieren beginnen früh, sowohl von der Begrifflichkeit einer Chronologie her, als auch einer Filmographie. Oftmals starten große Karrieren im Showbusiness bereits in Schulen, so brachte die Beverly Hills High School unter anderem Lenny Kravitz, Angelina Jolie, Nicolas Cage und viele andere berühmte Namen hervor. Der Texaner Wes Anderson besuchte einst die St. John’s Privatschule in Houston ehe er an selbiger Universität Philosophie studieren sollte. In ebenjenem Philosophieseminar traf Anderson schließlich auf einen Kommilitonen namens Owen Wilson. Beide freundeten sich an und schrieben zusammen das Drehbuch für einen Independent-Film mit dem Titel Bottle Rocket. Jener zählt nicht nur zu Martin Scorseses Lieblingsfilmen der 90er Jahre, sondern beeindruckte auch eine Regiegröße: James L. Brooks. Dieser unterstützte die beiden schließlich bei der Arbeit an ihrem nächsten Projekt: Rushmore. Erneut schrieben Anderson und Wilson zusammen das Drehbuch und als Hommage an ihre texanische Herkunft drehten sie das Geschehen schließlich quasi vor ihrer eigenen Haustür. Als Rushmore Privatschule darf keine andere Schule fungieren, als Andersons eigene High School – die St. John’s Privatschule. Es gelang zudem einen großartigen Cast zusammen zu treiben, zu dem sich wie zuvor auch Wilsons eigener Bruder, Luke Wilson, gesellte und schließlich zu einer Kollaboration führen würde, die das Leben zweier Menschen entscheidend beeinflussen sollte. Nach eigenen Angaben musste Bill Murray die Rolle des verschrobenen Herman J. Blume spielen, notfalls auch ohne Bezahlung. Für Murray sollte seine Mitwirkung in Rushmore einen späten Karriereschub darstellen, der ihn weg von den Klamauk-Komödien hin zur Tragikkomik führen sollte und ihm die von den Kritikern beachteten Rollen wie Lost in Translation, Broken Flowers und insbesondere die folgenden zwei Anderson Filme bescheren sollte.

In seinem zweiten Spielfilm machte Anderson im Grunde nichts anderes, wie er in all seinen Filmen tat: er versammelte verschrobene, seltsame Figuren – allesamt scheinbar unfähig zwischenmenschliche Beziehungen zu führen, Gefangene ihrer eigenen Schrulligkeit. Hauptprotagonist von Rushmore ist Max Fisher, laut Dekan der schlechteste Schüler der Privatschule. Ursache hierfür dürfte Max’ Zeitorganisation sein, denn statt für seine Fächer zu lernen, verliert sich der bebrillte und gescheitelte Nerd in seinen außerschulischen Aktivitäten. Neben einem guten halben Dutzend Klubs, die er selbst gegründet hat, ist er zudem noch Vorsitzender von nochmals über einem halben Dutzend Klubs. Er engagiert sich für die Schulzeiten, wie den Backgammon Klub und selbst im Ringerteam ist er aktiv, auch wenn er überhaupt kein Talent für diesen Sport besitzt. Für Max ist Rushmore mehr als nur eine Schule, im Grunde stellt die Bildungsinstitution ein Zuhause für den 15-Jährigen dar, der seinen als Friseur arbeitenden Vater verleugnet und stattdessen ein perfektes Bild eines Chirurgen erstellt. Max gehört nicht in die Welt der Privatschule, ist kein reiches Kind. Gerade dieser Aspekt treibt ihn zu Beginn von Andersons Film zu der von Bill Murray dargestellten Figur des Großindustriellen Herman J. Blume. In einer Ansprache an die Schule hebt er den Kampf des Proletariats gegenüber der Oberschicht hervor, alles könne man sich als reiche Person erkaufen, nur kein Rückgrat. Ebenjenes versucht Max aufzubauen und kommt mit diesem Erscheinungsbild auch bei Blume an. Zwischen den ungleichen Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die später zur Rivalität werden soll. Unterschwellig mag Blume für Max als der Vater fungieren, den sich dieser immer gewünscht hat – besonderen familiären Charakter erwecken die später gezeigten Ausflüge mit der Grundschullehrerin Rosemary (Olivia Williams), selbst wenn diese zu diesem Zeitpunkt von Max’ Ödipuss-Komplex überschattet sein mögen.

Gegenüber seinen Mitschülern fühlt sich Max sichtlich überlegen, der jüngere Dirk (Mason Gamble) agiert praktisch als sein Assistent und Max selbst ist an sich unangefochtener King of the Nerds. Gerade diese kann er auch in einer Szene dazu bewegen durch eine Petition die Abschaffung des Faches Latein zu verhindern – jenes Fach, dass er selbst nie gemocht hatte und immer loswerden wollte, welches er nun aber aus Zuneigung zu Rosemary rettet. Eines von vielen Beispielen, die für Max’ übersteigerte Gefühle herhalten kann. Durch sein erwachsenes Verhalten, gerade die Umgarnung von Rosemary, möchte Max seinen niederen Status überspielen. Ein bizarres Ausmaß erreicht sein Drang an Egalität bei einem Abendessen mit Blume und Rosemary nach der erfolgreichen Aufführung seiner Schuladaption von Serpico. Rosemary hat zu diesem Essen einen ehemaligen Studienfreund (Luke Wilson) eingeladen, den Max sofort als Gefahr wahrnimmt, sich in Alkohol flüchtet und anschließend versucht ihm, dem Harvard-Absolventen, gegenüber als ebenbürtig wahrgenommen zu werden. Durch sein gesamtes Verhalten entfremdet sich Max lediglich von sich selbst, doch diese Erkenntnis wird er – wie es die Reise des Helden vorsieht – erst am Ende des Filmes machen. Seine Avancen schmettern natürlich an der reifen Rosemary ab, die sich noch immer in der Trauerphase des Todes ihres Mannes befindet. In diese Lücke vermag nur der in seiner Ehe unglückliche Herman vorzudringen. Sehr schön ist die Szene geraten, als Herman Rosemary aufsucht, unter dem Vorwand Max hätte einen Ausflug geplant, damit seine eigene Unsicherheit überspielend. Logischerweise stellt sich Hermans Affäre mit Rosemary zwischen die Freundschaft der beiden Männer und somit als Problem für das gesamte Trio heraus. Beide ereifern sich schließlich in den lächerlichsten Rachefeldzügen gegeneinander, was schließlich zum Verlust der Frau führt – für beide.

In der Hauptrolle weiß Francis Ford Coppolas Neffe Jason Schwartzman zu überzeugen, für den die Rolle des Max Fisher sein Schauspieldebüt darstellte und Startpunkt für eine akzeptable Karriere bildete, die schließlich in Andersons letztem Werk – The Darjeeling Limited – ihren Höhepunkt fand. Anderson erzählt auf seine unnachahmliche Weise wie in seinen anderen Filmen die Geschichte des Erwachsenwerdens, der Überwindung seiner Komplexe, der Lösung von problematischen Vater-Sohn-Beziehungen. Man kann bereits in Rushmore seine brillante Anwendung von Zeitlupenszenen erkennen, untermalt von einem träumerischen Soundtrack, welcher das Gesamtbild abzurunden vermag. Getragen wird die Handlung dabei, auch typisch für Anderson, allein von seinen Figuren und deren Zusammenspiel, dem Aufeinanderprallen dieser skurrilen Psychen, wobei natürlich Max und Herman alle anderen überragen. Der alles durchziehende Witz ist dabei nie profan oberflächlich, sondern ergibt sich subtil aus dem Zusammenspiel der Charaktere. Man lacht weniger darüber was gesagt wird, als vielmehr wie es gesagt wird, in welchem Zusammenhang und Kontext zur Gesamtsituation und den daliegenden Details. Dabei fordert Anderson keineswegs den Geist seines Publikums heraus, unterfordert es jedoch auch nicht wie es in Amerika so gerne bei Persiflagen eines Meet the Spartans geschieht. Die Handlung entfaltet sich selbst, der Humor funktioniert wie ein Zahnrad im Kopf, welches Anderson anschmeißt und das daraufhin von selber durchläuft. Zusätzlich baut er viele liebenswerte Referenzen ein, beispielsweise an seine Dramaturgielehrerin an der Universität, aber auch filmische Hommagen an Heat, On the Waterfront oder Charlie Brown baut er ein. Insgesamt begannen mit dieser kleinen smarten Komödie die Karrieren von Anderson und Schwartzman, sowie die Etablierung von Murray unter den ernstzunehmenden Charakterdarstellern.

8/10

25. März 2008

Scrubs - Season Three

What’s ‘up doc’?

Wer kennt das nicht, dass man sich von etwas verabschiedet, weil es momentan nicht in sein Leben zu passen scheint, es aber anschließend vermisst? Besonders prominent vielleicht in Beziehungshinsicht, wenn man jemand Verflossenes hinterher trauert. Wie im Falle von Elliot Reid (Sarah Chalke), der Assistenzärztin aus Bill Lawrences Sitcom Scrubs. Diese hatte in der ersten Staffel Sean (Scott Foley) kennen gelernt, durch ihre Beziehung zu ihm jedoch beruflich den Anschluss verloren. Karriere vor Liebe hieß damals ihr Motto, mit entsprechenden Auswirkungen. In der Auftaktfolge zur dritten Staffel (My Own American Girl) trifft sie nun erneut auf Sean und merkt, was sie einst aufgegeben hat. Ihre wiederentdeckten Gefühle führen auch bei ihrem Ex zur emotionalen Überdenkung: Für J.D. (Zach Braff) wird Elliot infolgedessen zum über-Thema der Staffel.

Ging es im ersten Jahr von Scrubs gezielt darum, dass die jungen Assistenzärzte sich in ihrem neuen Umfeld, einer Ellbogengesellschaft, zurecht finden, begann mit der zweiten Staffel gezielt die Hinarbeitung zum Thema Beziehungen. Einerseits hatten J.D. und Elliot ihr jährliches Techtelmechtel, andererseits versuchten sich beide in Beziehungen zu anderen Partnern. Interessant ist, dass Lawrence zwar J.D. in eine vermeintlich glückliche Beziehung zu tasty coma wife Jamie (Amy Smart) entließ, von dieser Beziehung jedoch zu Beginn der dritten Staffel keine Rede mehr ist. Stattdessen hängt J.D. nahezu ständig Elliot hinterher und reagiert sehr eifersüchtig auf ihr Verhältnis zu Sean (“Kick him in the crotch, dammit. In the crotch!”). Dies ändert sich auch nicht, als mit Jordans (Christa Miller) Schwester Danni (Tara Reid) eine neue Frau in sein Leben tritt. Stattdessen sorgt J.D. für allerlei Gefühlschaos.

Im dritten Jahr zelebriert Lawrence eine Rückkehr zum Altbekannten, nicht nur durch weitere Auftritte von Scott Foley und später auch Brendan Fraser. Ähnlich verhält es sich mit Nicole Sullivan, deren Rolle der nervigen Jill Tracy erneut auftritt, überraschenderweise jedoch nicht nur nicht von Elliot behandelt, sondern von dieser nicht einmal besucht wird (obschon sich die beiden Frauen in der ersten Staffel so gut verstanden). Indem neben Michael J. Fox auch noch Barry Bostwick, Richard Kind und Alexander Chapman auftreten, konnte Lawrence nach Alan Ruck und Heather Locklear im Vorjahr erneut ehemalige Darsteller seiner vorherigen Hit-Serie Spin City zu einem Gastauftritt bewegen (Michael Boatman würde in der vierten Staffel diese Rubrik um einen weiteren Namen ergänzen).

Und mit Michael J. Fox fiel bereits ein die dritte Staffel charakterisierendes Stichwort. Nach drei Jahren Abwesenheit durch seine Parkinson-Erkrankung feierte Fox hier in zwei Folgen seine Rückkehr ins Fernsehen. Wie sehr ihm die Krankheit zusetzt, merkte man ihm in den Folgen My Catalyst und My Porcelain God in manchen Szenen an. Dementsprechend konnte Fox in seiner Rolle des Dr. Kevin Casey auch nur bedingt zur alten Höchstform auflaufen, fügte sich dennoch gelungen in die Szenerie ein. Das Integrationslob verdienen sich auch dieses Jahr wieder die übrigen Gäste – zu denen noch Freddy Rodriguez und Christopher Meloni zählen –, denen man nicht anmerkt, dass sie lediglich „vorbeischauen“. Eine besondere Eigenschaft von Scrubs, an die auch in dieser Staffel die Referenzleistung an etwaige Filmklassiker nicht heranzureichen vermag.

Außer einer When Harry Met Sally-Hommage in My Self-Examination finden sich kaum direkte Filmreferenzen. Auch die Kreativität der Vignetten lässt etwas nach, was jedoch der Vielseitigkeit der Gags-Szenen als solcher keinen Abbruch tut. Amüsante Einfälle sind beispielsweise Turks eigenes, an Shaft angelegtes, Jingle, Dougs irritierte Frage, um was es sich bei “up Doc” handelt oder Teds verzweifelter Versuch, Dr. Kelsos Hund Baxter im direkten Wettbewerb zu schlagen (“Hellooo”). Des Weiteren erfolgt die Rückkehr von Randall und seinen „powerful tiny fists“. Die größten Lacher finden sich jedoch in den drei gelungensten Episoden dieser Staffel. Sei es in My Best Friend’s Wedding die Tatsache, dass Kelso (Ken Jenkins) denkt, Turk (Donald Faison) hieße “Turk Turkleton” oder das wahnwitzige Unterfangen von Janitor (Neil Flynn), in My Moment of Un-Truth J.D. und Turk davon zu überzeugen, er verfüge über einen Zwillingsbruder.

Letztere zwei Folgen zählen neben My Clean Break und My Fifteen Seconds zu den besten Folgen im dritten Jahr. Gerade My Clean Break ist ein Highlight, nicht nur aufgrund des gelungenen Auftakts durch die außerkörperliche Erfahrung von J.D. und Turks Hexenfinger aus Bugles, sondern speziell durch den Schlussmach-Tanz von Braffs Figur zum Abschluss der Episode. Ganz so glorreich haben jedoch nicht alle Folgen den Zahn der Zeit überstanden. So fielen ein paar Folgen etwas ab, auch wenn sie immer noch überdurchschnittlich waren. Namentlich besonders My Fault und My Porcelain God, wie betont handelt es sich hierbei jedoch um einen Tropfen auf den heißen Stein. Gegenüber dem Vorjahr gelang es Lawrence besser, die zurückgedrängte Ernsthaftigkeit durch verstärkten Einsatz von Humor auszugleichen. Was nicht bedeutet, dass diese fehlt.

Gerade in den back-to-back-Folgen My Screw Up und My Tormented Mentor fällt sie umso deutlicher auf. Auch wenn der „Twist“ um Ben reichlich vorhersehbar ist (weil Lawrence ihn in ähnlicher Form bereits in der ersten Staffel zelebrierte), gibt sein Tod erneut John C. McGinleys die Chance, die Fassade seines grantigen Einzelgängers zum Bröckeln zu bringen. Auch die Finalfolgen rund um das Zusammenkommen und Trennen von J.D. und Elliot bringen neben der Hochzeit von Turk und Carla (Judy Reyes) einen gewissen seriösen Ton mit sich. Insgesamt kann konstatiert werden, dass sich Scrubs wie in Erinnerung behalten nochmals zu steigern vermag. Sie sind einem noch immer lieb: J.D., Elliot, Turk, Dr. Cox und der Janitor. Und mit den Worten von Tammany Hall NYC aus „Cindy“, dem besten Song der dritten Staffel: You show me to my smile.

8/10

24. März 2008

Jumper

I’m gonna need a bigger bag.

Superhelden. Sie sind dafür da, die Unterdrückten zu beschützen und den armen Seelen in Not zu helfen. Ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten unterscheiden sie sich von dem Durchschnittsbürger – aus demselben Grund stammt meist auch ihre Motivation. „With great power comes great responsibility“, sagte schon Tante Mae zu Peter Parker in Spider-Man 2. Wie könnte ein unsterblicher Superman auch durch Metropolis laufen, im Wissen dass er flüge ist, Laseraugen und einen eiskalten Atem hat? Wie könnte Peter Parker durch New York City schwingen, mit seinen warnenden Spinnensinnen, wie ein telepathischer Professor X seine Kräfte nicht zum Wohl seiner Umgebung einsetzen. Doch Menschen mit einer besonderen Begabung setzen diese auch gerne für das Gegenteilige ein, um anderen zu schaden und sich selbst zu bereichern. Ein Magneto aus X-Men beispielsweise oder in anderer Hinsicht Mr. Glass in M. Night Shyamalans Unbreakable. Es gibt Helden, es gibt Superhelden und es gibt Hancock – zelebrierte Peter Berg mit seinem etwas anderen Superheldenfilm dieses Jahr die Extravaganz, die im Nachhinein keine wahr. Schließlich war Hancock immer noch ein (Super)Held, der für das Wohl der Menschen eintrat. Wie man es richtig machen könnte, hatte dagegen ebenfalls dieses Jahr Regisseur Doug Liman angedeutet. Der Spezialist für actionreiches Kino (The Bourne Identity, Mr. & Mrs. Smith) verfilmte den Roman von Stephen Gould und erweiterte ihn um die eine oder andere Facette. Viel wichtiger jedoch, er schenkte dem Kino den einen, etwas anderen Helden – der keiner war.

Dabei beginnt Jumper wie jede konventionelle Superhelden-Geschichte. Der Schüler David Rice ist im Grunde ein Verlierer und dabei ein Opfer seines Elternhauses. Die Mutter (Diane Lane) verließ die Familie früh, was unmittelbare Auswirkungen auf den emotionalen Zustand ihres Mannes (Michael Rooker) hatte. David ist verschüchtert, ihm fehlt die Basis der Liebe, das Gefühl der Akzeptanz. Ein Vorfall nach der Schule konfrontiert den Jungen zum ersten Mal mit seiner neuen Kraft. Statt zu sterben beginnt David jetzt erst richtig zu leben. Der Unfall gibt ihm die Chance dazu. Um sein Lebensstatus zu finanzieren muss der Junge allerdings eine Bank überfallen – seine naive Intention das Geld eines Tages zurück zu zahlen wird er dabei über die Jahre hinweg beibehalten. Nach diesem knapp zehnminütigem Prolog präsentiert Liman ihn dem Publikum, seinen Helden, der kein solcher ist. Vielmehr ist David (Hayden Christensen) ein Narzisst, egozentrisch und in seine Kraft verliebt. Seine Bequemlichkeit wird ihm kurz darauf zum Verhängnis werden, zu faul ist David selbst wenige Schritte in seinem Loft zu tätigen. Vom Wohnzimmer teleportiert er sich an den Kühlschrank, von dort auf die Couch. Als die Fernbedienung einen halben Meter zu weit weg liegt…teleportiert er sich diesen halben Meter zur Seite. Der Blick in den Fernseher gewährt eine Notsituationen einiger Menschen durch eine Flut. Der Moderator spricht die hoffnungslosen Worte, wer denn in diesem Moment helfen könnte und Liman zeigt ihn uns. Doch David verdreht nur innerlich die Augen. Helfen, ja klar, aber wozu, schließlich würde es ihn seine Bequemlichkeit kosten. Einfach ignorieren, einfach abschalten. Stattdessen geklautes Geld einstecken und sich zum Flirten nach London teleportieren. Das ist er nun, Doug Limans Anti-Held, der wir in Innern unseres Herzens doch alle gerne wären.

Seine Bequemlichkeit reicht sogar so weit, dass David sich nicht einmal die Mühe macht, seine Kräfte vollends auszulotsen, er bedient sich ihrer auf minimalistische Weise. Nach dem klassischen Prolog springt Liman dann sofort in die Handlung und setzt mit seiner Konfrontation an. Der Antagonist der Geschichte ist Roland (Samuel L. Jackson), ein Paladin. Was oder wer ein Paladin ist, erfährt der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht und auch später wird er von Griffin (Jamie Bell) nur über das Nötigste eingeweiht. Es zeichnet sich zu Beginn jedoch auch ein anderer Konflikt ab, den Roland sogleich anspricht als er David trifft. Jemand beschützt David, das ist der Grund, weshalb er sein sorgenloses Leben führen konnte. Da kommt es durchaus überraschend, dass ihm Roland nach all den Jahren doch relativ überraschend auf die Schliche gekommen ist. An jenem Konflikt, an dem sich Jumper aufhängt, mag er für viele jedoch auch Scheitern. Die Story des Filmes scheint auf eine Trilogie angelegt zu sein, dass merkt man der Handlung über die meiste Zeit an. Nichts wird wirklich erklärt und wenn dann lediglich angerissen. Weshalb die Paladine Jumper jagen, wie man zum Paladin wird und weshalb scheinbar alle Jumper irgendwann böse werden – all dies sind Punkte, die hier als narrative Elemente vorhanden sind, sich jedoch nicht in ein respektive das Gesamtkonzept einfügen wollen.

Antworten wird Liman wohl erst in der Fortsetzung 2011 geben, für die Jumper dann nicht mehr als eine Vorepisode sein dürfte. Wer sich ungeachtet der inhaltlichen Lücken – die man gerne auch selbst ausfüllen kann – auf die, zugegeben, einfache Geschichte einlässt, kann jedoch seinen Spaß haben. Dies ist der originellen Idee geschuldet oder besser gesagt ihrer Umsetzung. Obschon man an Originalschauplätzen wie dem Kolosseum drehte, wurden andere Einstellungen – wie beispielsweise die Ankunft von David und Millie (Rachel Bilson) am Kolosseum – digital erzeugt. Dies beißt sich hier ebenso, wie es in anderen Filmen (10.000 B.C.) der Fall ist, wird jedoch kurz darauf bereits durch die Actionszenen kaschiert. Diese funktionieren im Grunde einzig dank Jamie Bell, da seine Figur des Griffin die ausgebildete und geformte ist. Christensens David dagegen ist zumeist perplex, in einer fremden Umgebung und weiß sich nicht aktiv einzubinden. Ähnlich gelungen wie Bryan Singer seinen Nightcrawler in X2 einsetzte, präsentiert Liman dem Publikum hier Griffin. Seine Angriffe auf die Paladine im Kolosseum oder auf Roland in der Wüste sind technisch gut choreographiert und digital animiert. Ohnehin ist das „jumpen“ der eigentliche Star des Filmes und insbesondere diese Szenen sind es, die zu gefallen wissen. Die grundsätzliche Handlung des Filmes orientiert sich dabei im Prinzip nach dem Schema F. Der Antagonist (Roland) raubt die Liebe (Millie) unseren Helden (David) um diesen in einem finalen Kampf zu stellen und zu vernichten. Selbiges Schema legte Sam Raimi für seine gesamten Spider-Man-Filme zu Grunde. Aufgepeppt wird das von Liman noch durch den erfahrenen Kollegen (Griffin), der den neuen Helden in das Geheimnis und die Anwendung seiner Kräfte einführt, wie unter anderem auch in Highlander und dergleichen der Fall.

In Jumper geht es Liman nicht darum einen neuen Helden zu erschaffen, seine Katharsis zu bewirken, sondern vielmehr ist der Film in gewisser Hinsicht eine coming-of-age-Geschichte oder wenn man es will, eine Liebesgeschichte. Nachdem David jahrelang der Welt den Rücken gekehrt hat, geht es für ihn nunmehr darum, sich wieder den Menschen aus seiner Vergangenheit zu öffnen. Dass er diese dabei in Lebensgefahr bringt, sorgt für eine Reifung in seinem Charakter. Dabei eröffnet sich zum Ende hin, dass es mit Davids Schicksal weitaus mehr auf sich hat, als er selbst vermutet hat und was unweigerlich der Aufhänger für den zweiten Teil bilden dürfte. In jenem sollten auch alle offenen Fragen in Bezug auf die Paladine geklärt werden und auch mehr über ihren Konflikt mit den Jumpern Erläuterung erfahren. Die Regie von Liman ist im Grunde ziemlich schnörkellos, gewohnt gekonnt, dabei die Effekte schön herausarbeitend. Dem Film selbst ordnen sich dann auch die Schauspieler unter, es sei denn sie besitzen das Potenzial – wie Jamie Bell – ihren Szenen einen Stempel aufzudrücken. Christensen jedenfalls zeigt hier erneut, dass es ihm an schauspielerischem Talent fehlt, was sich vorbehaltlos auch auf Bilson übertragen lässt. Jackson und Lane können sich in ihren eindimensionalen Figuren nicht wirklich hervortun, doch Raum steht ihnen ohne Zweifel im zweiten Teil offen, sollten sie bei einem solchen überhaupt mit von der Partie sein. Was Jumper nun etwas aus dem Pool der Superhelden-Filme heraushebt, ist ebenjene Kreation eines Helden, der keiner ist. Davids Fokus wird auf sein Privatleben gerichtet, seine Affektion für Millie und sein plötzliche Positionierung in einen Jahrhunderte alten Konflikt. Somit ist Jumper kein wahrhaft schlechter Film, selbst wenn er einige Schwächen besitzt. Diese könnten jedoch durch einen überzeugenden zweiten Teil ausgemerzt werden.

7/10 – in anderer Form erschienen bei Wicked-Vision

21. März 2008

Kurz & Knackig: Welcome to Bayhem

Bad Boys – mit diesem Film begann damals alles, der große Auftakt für Michael Bay in Hollywood. Auch Will Smith verdankt dem Film seinen filmischen Durchbruch, der in nach Independence Day in die Superliga katapultieren würde. Dabei hätte es den Film in der Form fast nie gegeben, da das Produzenten-Duo Bruckheimer/Simpson ursprünglich Dana Carvey und Jon Lovitz in den Hauptrollen vorgesehen hatte. Zum Brüllen. Überraschend auch dass der Film bei Rotten Tomatoes nur 44% inne hat. Natürlich ist die Story – wie immer bei Bay – extrem schwach, was mitunter daran gelegen haben mag, dass sich der Regisseur wenig ans Drehbuch hielt und seine Darsteller improvisieren ließ. In Miami müssen die beiden Cops Mike Lowry (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) innerhalb von vier Tagen versuchen das konfiszierte und wieder gestohlene Dope der Polizei zu besorgen. Immer im Schlepptau die einzige Zeugin des Täters (Teá Leoni). Ironischerweise besteht das 2003er Sequel fast zur Hälfte aus demselben Inhalt nur um sehr viel schlechter zu sein. Man sollte sich jedoch nichts vormachen, Bad Boys steht exemplarisch für das Actionkino der 90er Jahre, das von Simpson/Bruckheimer geprägt wurde. In der Hinsicht ist der Film nicht schlechter als ein Beverly Hills Cop oder Lethal Weapon, daher, wenn auch mit gehörig Nostalgiebonus, bekommen die Bad Boys von mir 6.5/10.

The Rock – Der zweite Spielfilm vom Master of Desaster ist bis dato sein bester, zumindest laut Rotten Tomatoes. Dort hält der Film starke 62%, was fast der dreifachen Bewertung von Bad Boys II entspricht. Wer weiß, vielleicht liegt dies ja an Quentin Tarantino, der am Drehbuch mitgeschrieben hat, auch wenn ihm kein Kredit zufiel. Die Handlung lässt sich dabei wie immer bei Bay auf ein Staubkorn pressen. Der durchgeknallte Ed Harris ist stinkig weil tote Soldaten nicht gewürdigt wurden und droht damit San Francisco mit Nervengas zu beschissen. Dabei wird schon zu Beginn erwähnt, dass seine Figur ein Mann der Ehre ist und jetzt dürfte auch dem letzten klar sein, dass er die Teile nicht auf die Bevölkerung loslassen wird. Aber weil das keinen Spaß macht, dürfen Nicky Cage und Sir Sean Connery durch Alcatraz kraxeln und Stück für Stück die Bomben entschärfen. Die Logik hinterlässt man an der Abendkasse, auch Bay-typisch. Die aufdringlichste Frage, weshalb Hummel nicht alle seine Männer einfach zu den Bomben abzieht, wird nicht mal diskutiert. Holla die Waldfee, eine Videospielverfilmung zu einem Videospiel das es nie gab. Besonders hinten raus ist das Teil eine absolute Schlaftablette die in den letzten fünfzehn Minuten niemanden mehr zu fesseln weiß. Weshalb die Subplots mit Claire Forlani und dem Photofilm eingeführt wurden, frag ich mich bis heute, insbesondere wie es Cage möglich ist auf einem einzelnen Photo zu erkennen wer Kennedy erschossen hat (entweder Nixon himself oder die Täter trugen CIA T-Shirts). Die Action ist so lala, damals (1996) vielleicht noch akzeptabel wirkt sie heute wie aus der Konserve. Für die erste Hälfte des Filmes bekommt der Streifen dann doch ein paar Pluspunkte, die er jedoch einzig und allein John C. McGinley und Michael Biehn zu verdanken hat, für den Rest gibt es 5.5/10.

Armageddon – Roger Ebert (mit dem ich zuletzt bei Totoro und Gattaca fast 1:1 übereinstimmte) beschrieb den dritten Bay unter anderem als einen „Angriff auf Augen, Ohren und Gehirn“. Endlich mal wieder ein Film, bei dem ich nicht mit Ebert übereinstimme – und im übrigen scheinbar nicht mal mit überhaupt jemanden (nicht mal mit dem Kleriker, von ich die DVD, wie alle anderen Bays [als ob ich welche auf DVD hätte] entliehen habe). Ein Asteroid fliegt auf die Erde zu und die NASA schickt Bruce Willis und Konsorten aus um unseren Planeten zu retten. Im Grund ist der Film eine Version des Dreckigen Dutzends im All, macht aber gerade jetzt noch mehr Spaß wie früher – hier sieht man eigentlich jeden, den es zu sehen gibt. Nebst Willis tummeln sich Billy Bob Thornton, Will Patton, Steve Buscemi, Peter Stormare, Michael Clarke Duncan, Liv Tyler, Ben Affleck, Owen Wilson und William „The Boss“ Fichtner. Scheiße, was will man eigentlich mehr als Billy Fichtner in einem Film zu haben, selbst Mr. Bay gibt sich in einem Cameo die Ehre. Die Story könnte natürlich dümmer nicht sein, nicht einmal ein Heroinjunkie würde solche zehn Versager ins Weltall schicken, aber gerade das ist der Charme des Filmes. Zu verdanken hat er dies fraglos seinen sechs (!) Drehbuchautoren, darunter die damals relativ unbekannten J.J. Abrams und Tony Gilroy. Bei Armageddon darf man sich einfach nichts vormachen, der Film ist so herzhaft selbstironisch und eine Trashkomödie vom allerfeinsten, dass er exakt das darstellt, was ich mir unter Popcorn-Kino vorstelle. Allein Steve Buscemi und seine One-Liner sind jedes Mal den Blick in den Film wert und mit einem vom Herzen kommenden „Your mama is“ in Richtung Mr. Ebert vergebe ich meinem Lieblings-Bay unterhaltsame 8/10.

Pearl Harbor – bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten….NOT! Wäre er wohl gerne geworden, das merkt man ihm schon allein an seinem Titanic-Touch an. Jahrelang hab ich dieses Vehikel gegenüber einem Kumpel als Titanic überlegen verteidigt – eigentlich nur um diesen zu ärgern, da er so ein Cameron-Fan ist. Aber Hand auf die Brust: das ist wohl eine Katastrophe sondergleichen und ich zitiere nichts lieber als T.E.A.M. America: "I miss you more like Michael Bay missed the point when he made Pearl Harbor". Amerikanische Tragödie und Liebesgeschichte gleich eine Milliarde Dollar, so lautete wohl die Prämisse von Bruckheimer. Dumm nur beides hier nicht funktionieren will, Bay tut sich sichtlich schwer mit den emotionalen Momenten der Romantik. Besser wäre es gewesen entweder die Dreiecksgeschichte rund um Rafe (Ben Affleck), Danny (Josh Hartnett) und Kate Beckinsale zu erzählen oder eben den Angriff auf Pearl Harbor – beides zusammen ist dann jedoch zuviel des guten. Dazu kommt dann noch die wahrhaft unnütze Nebenhandlung um Cuba Gooding Jr., sowie die Szenen mit Jon Voight und Dan Aykroyd – die führen zu absolut gar nichts und sind so interessant wie die Frühpension des Osterhasen. Problematisch auch die Charaktereinstellungen, während die Amis (zumindest Aykroyd) wussten, dass ein Angriff auf Pearl Harbor folgt, schwant dem japanischen Admiral kurz nach dem Angriff bereits übles – ja heide bimm bamm, hätt halt einer was gesagt. Dazu übertreffen sich Affleck, Hartnett du Beckinsale an Steifheit, sodass Gooding Jr. praktisch im Schlaf aus der Riege herausragt wie Goliath aus einer Kindergartenklasse. Zudem ist die Geschichte fast eine Stunde zu lang, gerade das Ende mit der Vergeltung ruft praktisch zum Einschlafen auf, ohne Frage ist dies ein Desaster für sich und gemeinsam mit Bad Boys II Michael Bays schlechtester Film (abgesehen von Transformers), daher katastrophale 3.5/10.

Con Air – ein gefühlter Michael Bay, seit Jahren mach ich immer wieder den Fehler und attributiere dieses Action-Vehikel dem werten Mr. Bay zu. Aber wer kann es mir übel nehmen? Der Film bietet Steve Buscemi, Nicolas Cage, Hubschrauber und eine total abstruse Geschichte – eigentlich schreit Con Air „Michael Bay!“. Gewisse nostalgische Elemente trägt auch dieser Film, da ich mich damals mit einem Kumpel als 14-jähriger in diesen Film ab 16 „geschlichen“ habe (auch wenn die DVD inzwischen seltsamerweise ab 18 ist) – was ein Abenteuer! Die Handlung passt wieder auf einen Bierdeckel: Cameron Poe (Nic Cage) wird nach acht Jahren Knast in die Heimat geschickt. Dumm nur dass Massenmörder und Vergewaltiger (u.a. John Malkovich) die Kontrolle über das Flugzeug an sich reißen. Und ich gebe ehrlich zu, dass mir der Film gefällt, was eigentlich hauptsächlich an Cyrus the Virus liegt und dessen markigen Sprüchen. Aber das Intro schon, wenn Cage drei Besoffene aufmischt und einen von ihnen in Selbstverteidigung tötet, dann aber doch acht Jahre absitzen muss (schreiende Ungerechtigkeit!) ist ansehnlich. Dazu kommt dann das Ende, wenn die aufgesplittete Familie zu LeAnn Rimes „How Do I Live“ sich erstmals begegnet – wie geil ist das denn, bitte schön? Ich beantrage Freilassung auf dem Beweisgrund der Unzurechnungsfähigkeit, meine Damen und Herren, der Film ist herrlich doof und nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst. John Cusacks Figur ist dabei erstaunlicherweise so nutzlos wie eine Badehose an Weihnachten, den hätte man auch getrost draußen lassen können. Ach ja, Regie führte Simon West, dessen Namen man sich nicht merken muss, seine Karriere geht auch wieder bergab, zuletzt brachte er When a Stranger Calls in die Kinos (gähn). Con Air, der inoffizielle „Michael Bay“ (ich will ihn mal so nennen) bekommt von mir unterhaltsame 7/10.

19. März 2008

Definitely, Maybe

What's a threesome?

Man schrieb das Jahr 1998 und eine kleine Serie wurde aus dem Boden gestampft, die da hieß: Two Guys, a Girl and a Pizza Place. Diese hatte neben sympathischem Humor und netten Geschichten (zumindest in den ersten beiden Staffeln) auch zwei Schauspieler aufzubieten, von denen damals wohl kaum einer dachte, dass sie ihr heutiges Standing erreichen würden. Als schräger Medizinstudent Berg stolzierte Ryan Reynolds über den Bildschirm, sich für keinen Ekel zu schade, was Reynolds dann auch in so Filme wie National Lampoon’s Van Wilder oder dem Remake von The In-Laws weiterführte. Von diesem eher ärmlichen Humor schien er sich dann mit Blade: Trinity entfernen zu wollen und untermauerte seinen Action-Held-Status anschließend mit Joe Carnahans Smokin’ Aces.

Inzwischen gab er in Gavin Hoods Wolverine den Deadpool, demnächst für Martin Campbell den Green Lantern und dazwischen war er mit Scarlett Johansson verheiratet. Wer hätte das 1998 von Berg gedacht? Und auch der etwas naive Johnny, gespielt von Nathan Fillion, entwickelte sich zu einer Art Kultschauspieler, nicht zuletzt dank seiner Rolle als Malcolm Reynolds in Firefly/Serenity. Selbst die kleinste Nischen-Sitcom kann somit Stars oder zumindest Sternchen produzieren, in diesem Fall den guten Mr. Reynolds der in Definitely, Maybe genreuntypisch als männlicher Protagonist Zentrum einer Jahrzehnte umspannenden Liebesgeschichte ist. Die Story: Aus welcher seiner drei ernsthaften Beziehungen resultierte schließlich seine neugierige 10-jährige Tochter Maya (Abigail Breslin)?

Weshalb Sexualkundeunterricht die Frage nach sich zieht, wieso sich Dad von Mum hat scheiden lassen, erschließt sich einem nicht, bildet jedoch den Aufhänger für eine Liebesgeschichte, die einst mit Bill Clinton begann (wie viele Liebesgeschichten können das schon von sich behaupten?). Der in die Großstadt flüchtende Will verliert schließlich durch die Distanz seine College Freundin Emily (Elizabeth Banks). Die zweite Beziehung zu der Journalistin Summer (Rachel Weisz) scheitert an beruflichen Differenzen und die dritte Beziehung zu April (Isla Fisher) ist ohnehin über Jahre von freundschaftlicher When Harry Met Sally Natur. Für die kecke Maya stellt sich also die Frage, wie sich ihr Vater und ihre Mutter ursprünglich ineinander verliebt haben und weshalb sie sich folglich scheiden lassen.

Da eine einfache Antwort des Vaters an die Tochter keinen ganzen Film ausfüllen würde, wird das ganze investigativ verpackt und Maya darf es selbst rausfinden. Hierbei wird sie feststellen, dass Beziehungen und die Liebe nicht immer so einfach sind, wie man sich das vielleicht denkt. Die hier aufgezeigten Probleme sind natürlich nicht sonderlich einfallsreich, ebenjene Distanz, das Auseinanderleben beendet die eine Beziehung, die Kollision von Beruf und Privatleben dann später die zweite und die dritte wiederum wird von wechselnden Gefühlswandlungen zu verschiedenen Zeiten blockiert. Insgesamt werden hier typische Beziehungsformen abgespult, die jeder im Laufe seines Lebens einmal kennen gelernt haben wird und dem Film somit einiges nachempfinden zu können.

Die vorherrschende Frage des Publikums ist dieselbe wie die von Maya: Welche der drei Damen wird sich als ihre Mutter herausstellen? Dabei lockt einen der Film auf eine ziemlich falsche Fährte, der zumindest ich bis zum Ende auf den Leim gegangen bin. Wie das Ganze verpackt ist, kann man dabei sehr kritisch betrachten. Definitely, Maybe ist gefühlte zweieinhalb Stunden lang, was er besonders seiner Mitte zu verdanken hat, in welcher alle Charaktere eine zweite Runde drehen dürfen. Letzten Endes führt dies irgendwie nirgendwo hin, wiederholt sich zu sehr und zögert das Unweigerliche hinaus. Insofern hätte die gesamte Geschichte sich auch gut wenn nicht gar besser in einem anderthalb Stunden dauernden Film erklären lassen und hätte auf dieselbe Art und Weise gepunktet.

Selbstverständlich befriedigt der Film dabei die Erwartungen der Zuschauer, indem er sie mit den typischen RomCom-Zutaten füttert. Roter Faden für die Damen dürfte der sympathische Ryan Reynolds sein, hübsch anzuschauen und überhaupt, so fürsorglich. Die Männer hingegen erwartet ein Aufmarsch attraktiver Frauen, welche sich nicht nur auf die drei in die Prämisse  integrierten Elizabeth Banks, Rachel Weisz und Isla Fisher beschränken, sondern bis in die Nebenrollen weiterreichen. Besonders zwischen Reynolds und Fisher stimmt die Chemie, was deshalb günstig ist, da die beiden von allen drei Paarungen am meisten Screentime abbekommen haben und ebenjene Chemie ausspielen können.

Verantwortlich für den Film ist primär Regisseur Adam Brooks, sekundär dann dieselben Leute, die hinter britischen RomComs wie Love Actually, Wimbledon und Notting Hill standen. In dieselbe Schublade lässt sich auch problemlos Definitely, Maybe einordnen. Kameramann-Erbe Florian Ballhaus orientiert sich in seiner Arbeit an Videoclip-Ästhetik und Clint Mansells Score geht überraschend irgendwie unter. Der Cast weiß, bedenkt man die Charaktere, zu überzeugen. Highlight des Filmes ist hierbei Isla Fisher, welche die charmanteste Figur abbekommen hat. Weshalb ich am Ende dann auch durchaus neidisch auf Sacha Baron Cohen war, der nicht nur mit Isla Fisher liiert ist, sondern sogar eine Tochter mit ihr hat. Außer er erzählt ihr in zehn Jahren etwas anderes.

7/10

17. März 2008

Dan in Real Life

There's rightness in our wrongness.

Als Witwer hat man es nicht leicht, aber Dan (Steve Carell) meistert die Erziehung seiner drei Töchter relativ gut. Er steht morgens pünktlich auf, schreibt seine Kolumne in der örtlichen Zeitung und schmiert den dreien ihre Pausenbrote, wäscht ihre Wäsche und agiert mit einer gewissen Lockerheit. Für das Wochenende steht dabei ein Besuch bei den Großeltern in Rhode Island an, zudem auch der Rest der Familie erscheinen wird. Hier beginnen erste Querelen, denn seine älteste Tochter will Dan nicht den Wagen fahren lassen und seine mittlere Tochter reißt aus den Armen ihrer großen Liebe. Die Stimmung im Wagen ist fortan gedämpft und um etwas abzuschalten schickt Dans Mutter (Dianne Wiest) ihn in die Stadt um die Zeitung zu kaufen. Dort lernt Dan im Buchladen die extrovertierte Marie (Juliette Binoche) kennen und nach einem langen Gespräch stellt er fest, dass er sich in sie verliebt hat. Während er dies zu Hause seine Familie eröffnet stellt ihm sein Bruder Mitch (Dane Cook) seine neue Freundin vor: Marie! Dan ist sichtlich geschockt, ebenso wie Marie und im Laufe der nächsten Tage wollen beide zwar was im Buchladen war vergessen, die Eifersucht nimmt bei Dan allerdings überhand, als seine gesamte Familie herzlich mit ihr auskommt. Nicht nur durch sein eifersüchtiges Verhalten grenzt er sich allmählich von den anderen ab, sondern auch in seiner Beziehung zu seinen Töchtern verschlechtert sich mehr und mehr die Stimmung – und wo immer er hinsieht findet er nur Marie.

Ein Mann verliebt sich in die Freundin seines Bruders bzw. verliebt sich eine Frau in den Bruder ihres Freundes. Das ganze geschieht unter der Prämisse, dass die drei sich gemeinsam ein gesamtes Wochenende mit der Großfamilie der Brüder unter einem Dach befinden. Besagte Großfamilie ist auch ein Bündel an Harmonie und Liebe, trotz der Schrulligkeit der einzelnen Charaktere. Das hat ein bisschen was von Woody Allen und seinen Filmen Hannah and Her Sisters sowie September, noch sehr viel mehr gemeinsam mit Thomas Bezuchas The Family Stone aus dem Jahr 2005. Damals brachte Dermot Mulroney Sarah Jessica Parker nach Hause, damit sich sein Bruder Luke Wilson in sie und sie sich in ihn verlieben konnte. Obendrein verliebte sich Mulroney dann in Claire Danes, die Schwester von der Parker. Eine typische Hollywood-Dramödie eben. Wegen seiner Vorhersehbarkeit ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn am Ende des Filmes Carell und Binoche doch zueinander finden, Cook vertröstet wird und die beiden Töchter das bekommen, was sie wollten (Autofahren und Freund). Selbstverständlich muss der Hauptcharakter dabei eine Katharsis durchmachen, Läuterung erfahren, Bereuen und für seine Schuld gerade stehen, damit ihm am Ende alles Glück der Welt zufallen kann. Bei Filmen wie Dan in Real Life kommt es also nicht darauf an was für eine Geschichte man erzählt – denn ihr Ausgang ist einem bereits bekannt -, sondern wie man sie erzählt. Und im großen und ganzen unterscheidet er sich hier nicht sehr viel von seinem politisch unkorrekterem Pendant Family Stone oder anderen Filmen desselben Themas.

Drehbuchautor Pierce Gardner entwarf die Geschichte basierend auf eigenen Erlebnissen, da auch seine Frau ein Kind einer Großfamilie ist und bei Familientreffen schnell mal dreißig Menschen anwesend waren. Die andere Komponente entwickelte Regisseur und Autor Peter Hedges, bekannt geworden durch seine Drehbücher zu What Eats Gilbert Grape? und About a Boy. Zudem holte sich Hedges für die musikalische Untermalung des Filmes einen seiner Lieblingskünstler, den norwegischen Musiker Sondre Lerche. Bedauerlicherweise wissen weder Gardner noch Hedges über Klischees hinaus zu geraten, von dem Elternteil, dass seinem Kind eine Szene vor dessen Freunden bereitet, wie die aufreizend angezogene Tochter, bis hin zum elterlichen Sexgespräch und einem Sturz vom Dach. Diese Szenen funktionieren trotz ihrer Ausgewaschenheit noch relativ gut im Film, zeugen aber von der fehlenden Frische des gesamten Themas. Selbst manche Dialogzeilen dürften sich in so manchem Filmlexikon finden, so abgenutzt sind diese. Daher kann man dem Film nicht einmal vorwerfen aus seinem Potenzial nichts zu machen, da er eigentlich kein solches besitzt. Die vorhersehbaren Spannungsbögen verpuffen, da man gedanklich Carells Figur fast zuzurufen scheint, was er denn jetzt laut Klischee machen müsste, nur um dies mit einiger Verzögerung auch beobachten zu können.

Das größte Problem hat man mit der amerikanischen harmonischen Familie, wie sie hier wie so oft propagiert wird. Fröhliches gemeinsames Kreuzworträtsellösen als Geschlechterkampf oder privat initiierte Talentshows, jeder ist mit Spaß und Freude bei der Sache, alle haben sich eigentlich lieb, auch die Brüder, welche dieselbe Frau begehren. Dans Töchter hegen zwar ihre pubertären Aggressionen gegen ihn, ganz tief innerlich lieben sie ihn aber doch auch. Und wenn Carell seiner mittleren Tochter hohnvoll vorwirft, dass man nicht nach drei Tagen mit jemand das Wort „Liebe“ gebrauchen kann, nur um selbst die ganze Zeit entgegen seiner Äußerung zu agieren, ist das schon nicht mehr komisch, sondern bedauernswert. Es gibt jedoch auch seine schönen Momente im Film, wenn Dianne Wiest ihren Sohn in die Waschküche ins Bett schickt und vorher noch die Waschmaschine anschmeißt, die zum Ausschalten des Lichtes rattert. Die zehnjährige Marlene Lawston als Dans jüngste Tochter ist ein Höhepunkt für sich und der Film wartet bis in die Nebenrollen mit vielen bekannten und talentierten Gesichtern auf. Da sind in Nebenrollen John Mahoney (Frasier), Jessica Hecht (Friends), Amy Ryan (Gone Baby Gone) und Emily Blunt (Charlie Wilson’s War) zu sehen, auch wenn gerade Ryan und Blunt wegen ihrer geringen Präsenz relativ verschenkt wirken. Carell selbst kann im Film ebenso wenig beeindrucken wie Binoche, da beide nicht sonderlich gefordert werden und mit einem Minimum an Gesichtsausdrücken schaffen ihre Szenen zu überstehen. Letzten Endes ist Dan in Real Life ganz nett, scheitert jedoch an seiner Einfallslosigkeit und dem fehlenden eigenständigen Humor.

4.5/10

16. März 2008

Gattaca

Did I ever tell you about my son, Jerome?

Mit dem Gedanken an Eugenik beschäftigte sich vor rund 2.400 Jahren bereits Platon in seinem Dialog Πολιτεια: „Also werden gewisse Feste gesetzlich eingeführt werden, an welchen wir die neuen Ehegenossen beiderlei Geschlechts zusammen führen werden“ (459e4f.) und „die (…) gebornen Kinder nehmen die dazu bestellten Obrigkeiten an sich (…) die der guten (…) tragen sie in das Säugehaus (…), die der schlechten aber (…) werden sie (…) in einem unzugänglichen und unbekannten Ort verbergen“ (460c). Die Folge: Der perfekte Staat, frei von Makel, die einzig wahre friedliche Staatsform. Eine Dreiklassengesellschaft ohne Familiensystem in der jeder seinen Teil für das Gemeinwohl leistet.

Vom eugenischen Gedanken waren auch die Nationalsozialisten beseelt als die jüdische Bevölkerung sterilisiert und Behinderte oder rassentechnisch Unhygienische euthanasiert wurden. Die menschlichen Genome sind voller Makel: Krebs, ein Herzfehler, Alzheimer, Parkinson – was wäre, wenn man all diese Krankheiten bei seinem Kind vermeiden, es davor schützen könnte? Das Zauberwort heißt Präimplantationsdiagnostik, man trennt sprichwörtlich die Spreu vom Weizen, sondiert die befruchteten Eizellen aus, die entsprechend gesund sind oder die Risiken bergen. Jede Mutter wünsch sich vor der Geburt ihres Kindes, dass es einfach nur gesund sein soll – was wäre aber, wenn sich dies von vorneherein festsetzen ließe?

Ein solches Szenario einer eugenischen Gesellschaft inszenierte Andrew Niccol gegen Ende der Neunziger in seinem Film Gattaca. Paare suchen den Arzt ihres Vertrauens auf und dürfen dann aus den befruchteten Eizellen ihre(n) Favoriten aussuchen. Nur die besten ihrer Eigenschaften werde der Sohn haben, versichert der Genetiker (Blair Underwood) dem Ehepaar Freeman. Ausschließen lässt sich so ziemlich alles, auch jegliche Veranlagung zum Alkoholismus. Doch Marie Freeman (Jayne Brook) ist unsicher. “We were just wondering if it is good to just leave a few things to chance?”, wendet ihr Gatte Antonio (Elias Koteas) ein. Der Genetiker schmunzelt nur. Denn die Entscheidung ist schon längst gefallen.

Denn zwei Jahre zuvor kam ihr erster Sohn Vincent zur Welt, ein natürlich gezeugtes Kind von Gottes Gnaden. In Niccols Zukunft wird ihm kurz nach der Geburt Blut entnommen und seine ganze Zukunft vor ihm ausgebreitet. Vincent hat zu 99% eine angeborene Herzschwäche, seine Lebensprognose beträgt 30,2 Jahre. Vater Antonio erkennt, dass dem Jungen kein einfaches Leben bevorsteht und interveniert, als seine Frau diesem den Namen seines Vaters geben möchte. Er solle nicht „Anton“ heißen – dieses Privileg wird er erst zwei Jahre später vergeben, an seinen eugenisch perfekten Sohn. Im Alter von acht Jahren wird Anton seinen älteren Bruder nicht nur was die Größe betrifft übertrumpft haben.

In dieser Gesellschaft, die nur auf die Gene schaut und in der Urinproben Bewerbungsgespräche ausmachen, haben Gotteskinder keine Chance. Entsprechend strebt Vincent nach höheren Dingen, einer anderen Welt, da draußen im Weltall, wo es keine Rolle spielt, welche Gene du hast. Doch als „Invalide“ ist er nicht gut genug, um die Akademie zu besuchen, seine Gene machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Näher außer als Putzkraft wird er der Raumfahrtorganisation Gattaca nie kommen. Vincent (Ethan Hawke) bleibt somit nur die Rolle als Rebell gegen das System. Er geht eine Zweckgemeinschaft mit Jerome Morrow (Jude Law) ein, einem jener makellos-eugenischen Menschen dieser selbst geschaffenen Elite.

Der suizidale Jerome ist seit einem Unfall gelähmt, eine oberflächliche Ähnlichkeit zu Vincent ermöglicht es Letzterem sich mit Jeromes Genen bei Gattaca zu bewerben, wo er es schafft, einer Raumfahrtmission zum Saturn zugeteilt zu werden. Für die Erfüllung von Vincents Traum erhält Jerome im Ausgleich die Aufrechterhaltung seines Lebensstiles. Jene Symbiose dieser genetisch ungleichen Männer droht jedoch aufzufliegen als Vincents Vorgesetzter ihm auf die Schliche gekommen zu sein scheint und tot in seinem Büro aufgefunden wird. Die Ermittlungen obliegen dem hartnäckigen Polizisten Hugo (Alan Arkin), der hierbei von Anton (Loren Dean) unterstützt wird, der es bis in die obersten Ränge geschafft hat.

Um anonym zu bleiben und hinter Jeromes Maske zu verschwinden muss Vincent tagtäglich eine hygienische Prozedur über sich ergehen lassen. Er befreit er seinen Körper von jeglichen Hautschuppen, trägt künstliche Fingerkuppen und einen Urinbeutel an seinem Oberschenkel. Er setzt sich Kontaktlinsen ein und zieht sich Socken über die Beine, welche er operativ verlängern lassen musste, um Jeromes Größe zu entsprechen. Da man bei Gattaca und auch sonst nur noch auf die DNS achtet, ist die wenig glaubhafte Ähnlichkeit von Vincent und Jerome irrelevant. Es ist nicht wichtig, was man tatsächlich kann, sondern wozu man gemäß dem Genpool in der Lage ist. Die richtigen Genome sind das beste Zeugnis.

So wird Vincent lediglich als Jerome wahrgenommen und entsprechend akzeptiert - die zwar illegale, aber auftretende Genomdiskriminierung ist überwunden. Dennoch weckt Vincent die Zweifel seiner Arbeitskollegin Irene (Uma Thurman). Mittels einer Haarprobe sucht sie einen öffentlichen Schalter auf, an welchem Frauen Speichelproben ihrer Verabredungen abgeben, um wenige Sekunden später die genetische Identität – und damit das Potential – ihres möglichen Partners in Form einer Nukleotidfolge ausgehändigt zu bekommen. An jenem Abend besuchen Vincent und Irene ein Konzert eines Pianisten mit zwölf Fingern. “That piece can only be played with twelve”, informiert Irene hinsichtlich des Stückaufbaus.

“There’s no gene for fate”, sagt Vincent an einer Stelle. Der Pianist scheint ihn jedoch zu widerlegen. Sein Karrierepfad wirkt vorherbestimmt, mit schönem Dank an die Präimplantationsdiagnostik. Was am Ende dann entsteht ist ein Mensch, der es im Leben zu allem schaffen kann, zu allem wozu er vorher ausgewählt wurde. Dem Zufall wird hier nichts mehr überlassen, denn der Zufall birgt Risiken. Ob das „Produkt“ am Ende noch als Mensch mit freiem Willen durchgehen kann, wenn man ihm Entscheidungsmöglichkeiten genetisch negiert, ist fraglich. Friedrich Nietzsche sagte, es gäbe keinen Gott, sondern der Mensch erschuf diesen, um sich seine Existenz zu erklären. In Gattaca wird der Mensch zu Gott.

Gegenwärtig werden Themen wie Klonen oder Stammzellenforschung heiß diskutiert, das Spielen mit menschlichem Leben – wie immer alles nur zu einem höheren Ziel. Als Gattaca im Jahr 1997 erschien, schrieb der Molekularbiologe Lee M. Silver, dass Niccols Film Pflichtprogramm für alle Genetiker sein sollte, schon allein, damit sich diese der Tragweite ihres Handelns bewusst würden. Denn wenn man Menschen genetisch konzipieren kann, provoziert man eine selektive Gesellschaft die andere ausgrenzt. So wie Vincent ausgegrenzt wird, als ihn eine Kindertagesstätte wegen des genetischen Risikos einer Verletzungsgefahr nicht aufnehmen will. “Wherever I went, my genetic prophecy preceded me”, sagt er.

Die Genetik ist allgegenwärtig in Gattaca. So hat die Treppe in Jeromes Haus die Form einer Doppelhelix und der Name des Films wie auch von Vincents und Irenes Raumfahrtorganisation setzt sich aus den Nukleotiden des DNS- und RNS-Stranges zusammen. Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin bilden am häufigsten in der menschlichen DNS die Kombination GATTACA. Jene Einrichtung selbst ist wie Niccols gesamter Film sehr steril geraten und wirkt trotz der oft in das bräunlich gehenden Farben weitestgehend kalt. Besonders leblos – natürlich auch als Spiegelung von diesem selbst – wirkt Jeromes Haus, in dem sich der einst perfekte Jerome und der vormals fehlerhafte Vincent schließlich anfreunden.

Sympathien schlagen Vincent immer dann entgegen, wenn Menschen selbst Fehler kennen. So wie bei Hausmeister Caesar (Ernest Borgnine), Firmenarzt Lamar (Xander Berkeley) und allen voran Irene, die aufgrund eines Herzfehler-Risikos selbst nie ins All reisen wird. Das stark besetzte Ensemble überzeugt durch die Bank, ebenso wie die wieder einmal ausgezeichnete musikalische Untermalung durch Michael Nyman, von Andrew Niccol in Gattaca verpackt zu einem Appell gegen Diskriminierung und den Glauben an die Möglichkeit, auch Dinge zu schaffen, die unser Schicksal nicht für uns vorgesehen hat. Denn letztlich, so die Botschaft des Films, ist ein Genom auch nur so gut, wie der Mensch, der es in sich trägt.

10/10

14. März 2008

Kurz & Knackig: Shinema Ajia

Koroshi no rakuin

Wenn man einem Regisseur zu attributiert, er mache „Filme die keinen Sinn machen und kein Geld einspielen“, dann denkt man vielleicht zuerst an Edward D. Wood Jr., gesagt wurde dies jedoch über Suzuki Seijun und seine eigenmächtigen Veränderungen an dem japanischen Kultfilm Koroshi no rakuin (Branded to Kill). Für heutzutage lächerliche $200.000 inszenierte Suzuki seine anarchische Yakuza-Farce mit einem seiner Lieblingsschauspieler in der Hauptrolle, Joe Shishido, einen der wenigen männlichen Schauspieler auf diesem Planeten, die sich für ihre Karriere ihre Wangenknochen plastisch vergrößern lassen. Suzukis Geschichte eines Auftragskillers der schließlich von seinem eigenen Syndikat gejagt wird ist in seiner Grundlage nicht sonderlich spannend, gewinnt seinen Charme jedoch durch die Inszenierung. Hanada (Shishido) ist ein sehr seltsamer Auftragskiller, der sich im wahrsten Sinne des Wortes am Geruch von kochendem Reis aufgeilt (muss man mehr zur Figur sagen?). Der Film, der große Genreregisseure inspirierte (Jim Jarmusch verweist auf ihn in einer Szene in Ghost Dog), wirkt bisweilen als eine Mischung aus John Woo und Jean-Luc Godard, ist gewöhnungsbedürftig und sicher ohne Frage ein Arthouse-Mafia-Film (großer Anteil daran geht allein an Annu Maris Charakter). Da ich beim ersten Sehen eher etwas in Richtung Woo denn Godard und ähnliches erwartet habe, war meine Reaktion etwas platt und daher dürfte der Film bei einer zweiten Rezeption sicherlich nochmals an Wirkung gewinnen.

8/10

Kaze no tani no Naushika

Als Atheist kann man höchstens zu einem Gott finden und der heißt Miyazaki Hayao. Kaze no tani no Naushika (Nausicaä of the Valley of the Wind) war zwar nicht mein erster Ghibli (auch wenn er streng genommen kein Ghibli ist, aber für die Gründung des Studios verantwortlich war), aber er hat mir mal wieder gezeigt, welche Magie und Kraft doch in den Werken des japanischen Studios steckt, dass sich nicht hinter Disney oder Pixar zu verstecken braucht, im Gegenteil. Miyazaki brachte 1984 (!) diese Adaption seines eigenen zwei Jahre zuvor entstandenen Mangas in die Kinos und erzählte die Geschichte der Prinzessin Naushika, die zu verhindern versucht, dass die Königreiche Tolmekia und Pejite einen Gotteskrieger wiedererwecken, der den Kampf gegen die Ohmu (japanisch für König der Insekten) und die Natur aufnehmen soll, nachdem diese die Welt beherbergen und in ihrem giftigen Griff hat. Zweifellos gehört Miyazaki zu den größten Geschichtenerzählern unserer Zeit und es gelingt ihm spielend eine packende, bedeutsame und tiefsinnige Geschichte zu entwickeln, die zugleich actionreich sein kann. Hier könnten Bay und Emmerich eine Menge lernen, gerade letzterem ist es mit seinem The Day After Tomorrow weitaus weniger gelungen Aspekte der Umwelt und Action unter einen Hut zu bekommen wie es bei Naushika der Fall ist. Einfach eine unglaubliche Ausgeburt an Liebe, Einfallsreichtum und sozialer Kritik.

10/10

Saibogujiman kwenchana

Sehr bizarre, dass scheinbar fast jeder asiatische Schauspieler oder Schauspielerin nebenher als Pop-Star arbeitet, wie bei Eastwoods Letters from Iwo Jima wird auch hier die Rolle des jungen Protagonisten von einem solchen übernommen, der gute Mann nennt sich Rain, auch wenn er eigentlich Jeong Ji Hoon heißt. Spielen tut er den notorischen Dieb Park Il-sun, der in der Nervenheilanstalt auf Young-goon (Im Su-jeong) trifft, die sich selbst für einen Cyborg hält. Ihre Mission ist ihrer Großmutter (die sich für eine Maus hält) ihre dritten Zähne zurückzugeben – Young-goon ist dafür allerdings total geschwächt, da sie jegliche Nahrung verweigert, schließlich ist sie ein Cyborg. Nachdem mir Park Chan-wooks letzter, Sympathy for Lady Vengeance, ziemlich wenig gefallen hat, macht er mit dieser verqueren Komödie wieder alles gut. Man wird zwar den Eindruck nicht los, dass Michel Gondry One Flew over the Cuckoo’s Nest mit Koreanern gedreht hat, aber eine gewisse Schrägheit bringt ja auch Park mit sich. Neben den knalligen und farbenfrohen Szenen sind es besonders die phantastischen Elemente die zu unterhalten wissen, gerade wenn Young-goon auf Terminator-Art durch die Flure spaziert und alles niedermäht was einen weißen Kittel trägt, bis hin zur Szene wenn ihr Park Il-sun etwas vorjodelt. Das ist alles, einschließlich dem Ende, so herzhaft schräg, das den Anderson-, Jonze- und Gondry-Fan das Herz aufgeht, und man Saibogujiman kwenchana allein wegen des englischen Verleihtitels (I’m a Cyborg, but that’s OK) in sein Herz schließen muss.

8.5/10

Bôkoku no îgisu

Wie hat es Janusz Gora am 18.3.2000 bei Ulms 1:9 Debakel gegen Leverkusen so schön gesagt: Skandal! Ich klage Sie an, Herr Kleriker, der mir hier Pathos und ich weiß nicht was versprochen hatte, als ich mir die DVD auslieh (dennoch an dieser Stelle Dank für die anderen DVDs). Skandal trifft mich jedoch auch selber, hab ich in der Hauptrolle des Sengoku schließlich nicht einmal Sanada Hiroyuki erkannt! So kann das gehen, lag vielleicht auch daran, dass die Geschichte von Bôkoku no îgisu (Aegis) irgendwie eine totale Schlaftablette ist. Die japanische Version von The Rock trifft Under Siege. Ein Ausländer namens Yuong Fan will ein Nervengas in Tokio hochgehen lassen und kapert einen japanischen Zerstörer, auf diesem befindet sich neben Petty Officer Sengoku auch der Geheimagent Kisaragi. Beide Männer versuchen fortan im Untergrund des Schiffes die Terroristen zu stoppen und den desillusionierten Kapitän Miyazu von seinem Handeln umzustimmen, bla bla, schnarch. Das wäre ja recht nett, wenn man sich eben nicht die Handlung von Michael Bay und Andrew Davis erklaut hätte. Am Ende des Films, der genrebedingt vorhersehbar ist wie der Sekundenzeiger, folgt dann die Erkenntnis, dass Japaner wohl kein gescheites Kunstblut erschaffen können und dass sie zudem zu doof sind zum Schießen. Abschließend verrät ein Blick in das Ex-Blog des Klerikers, dass ich scheinbar Bôkoku no îgisu mit The Sinking of Japan verwechselt habe (was den Film aber auch nicht besser macht).

5.5/10

Tonari no Totoro

Wie bereits Naushika ist man auch bei Tonari no Totoro (My Neighbour Totoro) restlos begeistert und hat nur noch ein Grinsen auf den Lippen, welches dem von Totoro in nichts nachsteht. Miyazaki-sans zweiter Film fürs Ghibli-Studio erzählt von den beiden Schwestern Satsuki und Mei, die im Japan der fünfziger Jahre mit ihrem Vater in ein scheinbar spukendes Haus ziehen. Da ihre Mutter im Krankenhaus liegt, vertreiben sich die Schwestern ihre Zeit im Garten wo sie auf den Waldgeist Totoro und dessen Freunde treffen. Aber plötzlich verschlechtert sich der Zustand der Mutter. Die Handlung basiert auf eigenen Erfahrungen von Miyazaki, dessen Mutter als er klein war an Tuberkulose erkrankt war. Umgesetzt wird diese liebevolle Geschichte mit vielen Referenzen zu Lewis Carrolls Alice in Wonderland und wie alle Ghiblis lebt sie von ihrer Wärme und Phantasie. Allein der Katzenbus reicht schon aus um auf jedes Gesicht ein Lächeln zu zaubern und fortan sollte jede Person suspekt sein, die einem Ghibli nichts abgewinnen kann. Miyazaki gelingt es mühelos nicht nur einen Film für Kinderherzen zu erschaffen, sondern auch etwas an dem sich Erwachsene erfreuen können. Im Übrigen ist davon abzuraten, einen Ghibli in der englischen Synchronfassung zu sichten (hier empfiehlt sich Original mit Untertiteln), und wer dies nicht glaubt, soll versuchen, mehr als ein paar Minuten Mononoke-hime mit den Stimmen von Billy Crudup und Claire Danes zu ertragen.

10/10

Mou gaan dou III: Jung gik mou gaan

Neulich wurde bereits angesprochen, dass Mou gaan dou einer der beste Hongkong-Filme aller Zeiten ist und jeder, der das das müde US-Remake höher einstuft, nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Was die Sequels angeht, hatte der zweite Teil durchaus noch zu funktionieren gewusst und etwas Licht in die Vergangenheit von Yan und Ming gebracht, zudem auch Sam und Wong gebührend Respekt gezollt. In China kam der dritte Teil bereits einen Monat nach dem zweiten in die Kinos und lief äußerst erfolgreich. Mal außen vorgelassen, dass bei diesem Asia-Import die Tonspur nicht 1:1 zu den Lippenbewegungen passt (sowohl im Kantonesischen wie Mandarin), bietet Mou gaan dou III: Jung gik mou gaan (Infernal Affairs 3) ein Pre- wie Sequel in einem. Verfolgt werden die letzten Monate vor Yans (Tony Leung Chiu-Wai) Tod und zugleich die Monate nach diesem, während Ming (Andy Lau) versucht, Sams übrig gebliebene Spitzel ausfindig zu machen. Sein Verdacht fällt dabei auf den zwielichtigen Yeung (Leon Lai), der in der Tat mit Sam in Kontakt stand, wie man aus Yans Rückblenden erfährt. Wirklich viel zu tun mit dem ersten Teil hat die erzählte Geschichte dann aber nicht, die Figur von Yeung wird erst hier eingeführt und offene Fragen gab es im Grunde auch nicht. Der Film funktioniert also als Ausfüller, konzentriert sich mehr auf Yans Beziehung zu Dr. Lee (Kelly Chen) und Mings Bestreben, endlich ein guter Polizist zu werden. Die Auflösung passt wiederum sehr gut in das Gesamtbild und auch die Friedhofszenen sind wie in den vorherigen Teilen äußerst schön geworden.

7/10

13. März 2008

The Prisoner

Be seeing you.

Wenn man sich an Kult-Serien ranwagt, ist dass immer eine Durchschiffung von Skylla und Charybdis, vor allem wenn sie so alt ist wie bei The Prisoner der Fall. Zweimal haben die Simpsons auf die Serie verwiesen, am deutlichsten in der Folge The Computer Wore Menace Shoes in welcher es Homer selbst auf eine mysteriöse Insel verschlägt und er zur bloßen Nummer verkommt. Worauf die Simpons damals anspielten, wusste ich nicht und kann man sicherlich auch nicht immer bei all den Referenzen die sie einbauen. Geht man der ganzen Sache jedoch etwas nach, so springt einem das Wort „Kult“ förmlich entgegen, wenn man auf The Prisoner stößt. Betrachten man die Umstände – die Serie entstand 1967 – dann dürfte die Idee der Serie bzw. ihre Umsetzung die Titulation „bahnbrechend“ erhalten, wurden spätere Filme (auch wenn es mehr schlechte sind) wie Tsui Harks Double Team oder Michael Bays The Island von ihr beeinflusst. Hauptdarsteller, Produzent, Autor und Regisseur in einem, Patrick McGoohan, erlangte durch sie TV-Legendenstatus, wenn er diesen nicht ohnehin bereits durch seine Vorgängerserie Danger Man verdiente. In dieser Serie spielte er von 1960 bis ´62 und anschließend nochmals von ´64 bis ´66 den britischen Geheimagenten John Drake. Durch ebenjene Serie wurde McGoohan schließlich zu The Prisoner inspiriert, zum einen durch den walisischen Drehort Portmeirion, an dem drei Episoden Danger Man produziert wurden, sowie der Danger Man Folge Colony Three, die eine ähnliche Thematik besitzt. Nachdem McGoohan seiner Agentenserie müde geworden war, gab er sie schließlich 1967 auf und initiierte stattdessen die Entstehung von The Prisoner.

Ein namenloser Geheimagent (Patrick McGoohan) reicht bei seinem Vorgesetzten seine Kündigung ein, fährt nach Hause und packt, wird aber durch einen Gasangriff von Unbekannten betäubt. Dies ist die Vorgeschichte zu The Prisoner, zu sehen in jeder Episodeneinleitung. In einem optisch seltsamen Dorf wacht der namenlose Geheimagent auf, in seinem eigenen Haus und wird mit „Nummer 6“ angesprochen. Bald schon macht er die Bekanntschaft vom Leiter des Dorfes, Nummer 2. Diese will wissen, aus welchen Gründen Nummer 6 gekündigt hat, wenn sie es verrät, darf sie wieder gehen – doch Nummer 6 weigert sich, sowohl den Grund preiszugeben, als auch sich anzupassen in diesem Dorf voller namenloser Gefangener, die alle aufgesetzt fröhlich sind und Nummern tragen. Nummer 6 plant seine Flucht, doch hat kein Glück, immer wieder büxt er aus, konspiriert mit anderen Bewohnern und muss sich den manipulativen Eingriffen von Nummer 2 aussetzen lassen. Mit jedem scheiternden Versuch an das Geheimnis von Nummer 6 heranzukommen wird Nummer 2 abgelöst und durch eine neue Nummer 2 ersetzt und während Nummer 6 allmählich seine Fluchtpläne bei Seite schiebt, konzentriert er sich vielmehr darauf die Strukturen des Dorfes und den hierarchischen Aufbau des Ganzen, sowie seine politische Zuordnung zu verstehen, katalogisieren und Stück für Stück gegen seine Bewacher zu benutzen.

Der Kopf hinter der gesamten Serie ist zweifelsohne Patrick McGoohan, der nicht nur die Idee entwickelte und das Serienfinale schrieb, sondern auch immer gerne dann den Regiestuhl übernahm, wenn er mit der Arbeit des Regisseurs unzufrieden war. Zudem sorgte der erzkatholische Schauspieler dafür, dass Waffen und Frauenliebschaften aus der Serie verbannt wurden – eine Haltung die vordergründig dafür zuständig war dass McGoohan nicht die ihm angebotene Rolle des James Bond übernahm. Nichtsdestotrotz baute er dafür fast in jeder Episode Schlägereien ein, die ohnehin zu seinem grimmigen und aggressiven Charakter der Nummer 6 passen. Ursprünglich war die Serie nur auf sieben Folgen aufgebaut, doch Fernsehchef Lew Grade – der auch Danger Man auf den Bildschirm gebracht hatte – orderte zweimal dreizehn Folgen, insgesamt also sechsundzwanzig. Am Ende wurden es doch nur siebzehn und von diesen betrachtet McGoohan lediglich seine geplanten sieben als Kanon während der Rest bloß ein Lückenfüller sei. Dies trifft in der Tat zu, weitet sich sogar an sich auf fast alle Episoden aus, denn ein wirkliches Konzept scheint McGoohan der Serie nicht zu Grunde gelegt zu haben. Während die ersten beiden Folgen aufgrund der Einleitung ins Geschehen ziemlich stark sind, baut die Serie anschließend konstant ab, kann inhaltlich gar nicht mehr überzeugen und lediglich durch ihre Kreativität glänzen.

Die beiden Motive der Serie, das Ergründen von Nummer 6’s Kündigung und dessen Versuch einer Flucht, spielen im Mittelteil, aber auch zu Beginn und zum Ende hin eigentlich kein Thema mehr und selbst wenn ihm die Flucht gelingt (Many Happy Endings) ist er zu doof um nicht doch wieder im Dorf zu landen. Das Finale, welches sich McGoohan kurz vor Ende der Serie erst in seiner Garderobe hatte einfallen lassen müssen, regte viele Menschen damals zu Protesten an und zwang den Hauptdarsteller und seine Familie sicherheitshalber in die Schweiz umzusiedeln. Während manche Folgen gar keinen Sinn machen (Western-Szenario, James-Bond-Persiflage und eine auch mal ohne McGoohan) beeindrucken die anderen durch ihre Umsetzung, die Einbindung von psychologischen Elementen, halluzinogenen Drogen, Hypnose, Gedankenkontrolle usw. Das eigentlich interessante Konzept eine Art Crossover aus Bond-Figur und kafkaesken Elementen zu erschaffen wird jedoch nicht genutzt, The Prisoner weist keinen roten Faden auf, keine Basis, keine wahre Geschichte. So verkommen die meisten Folgen zu Schlaftabletten und das Ende hätte wohl von David Lynch nicht besser inszeniert werden können. Vielleicht handelt es sich hierbei um eine Serie, die man im Kontext ihrer Zeit erleben musste, aber ohne eine stringente Geschichte zu erzählen nützen auch audio-visuelle Reize nichts. Die Auflösung ist nicht unbedingt schlecht, nur wird die anfängliche Prämisse der Serie nach wenigen Folgen außer Acht gelassen und belanglose Intermezzos skizziert.

6/10

11. März 2008

Juno

You're being really immature.

„Mein Name ist Diablo Cody – naja, nicht wirklich. Aber was soll’s?“. Quizfrage: Wo würde man diese Person am ehesten antreffen? Oder anders, würde es Hollywood nicht geben, hätte es für diese Frau erfunden werden müssen. Eine Frau namens Brook Busey, die ihren Job aufgibt um ganztägig als Stripperin zu arbeiten, nur um auch das aufzugeben und sich stattdessen Telefonsex zuzuwenden, die sich selbst nach der spanischen Bezeichnung für „Teufel“ und einem Ort in Wyoming benennt, ihren Mann im Internet kennen lernt und nicht mal zwei Jahre später von ihm scheiden lässt. Während sie neben dem Strippen Artikel für Zeitungen schrieb, veröffentlichte sie mit 24 Jahren ihre Memoiren (heutzutage immer früher, bald wird man welche von 10-Jährigen lesen können).

Sie eröffnete bei Blogspot ihr eigenes Blog, Pussy Ranch, das anschließend sechs Monate von einem Hollywoodproduzenten gelesen wurde und ihr schließlich den Auftrag ein Filmdrehbuch zu schreiben bescherte. Von der Stripperin zur Oscargewinnerin – das ist der viel gerühmte American Way of Life. Nachdem sie sich bei den diesjährigen Academy Awards wohl dank des Sympathiefaktors gegenüber den besser geschriebenen Büchern von Nancy Oliver und Tamara Jenkins durchgesetzt hat, wird sie im Herbst dieses Jahres für eine Fernsehserie schreiben, mit Toni Colette in der Hauptrolle nach einer Idee des großen Steven Spielberg. Die gute Frau wird sich fortan also wohl nicht mehr auszuziehen haben, um ihr täglich Brot zu verdienen und wer schon immer mal einen Blick in den Kopf einer ehemaligen Stripperin werfen wollte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Wie so viele Autoren verarbeitet auch Miss Cody eigene Erlebnisse in ihrem Skript, als sie selbst zur Schule ging war sie Tochter einer Mittelstandsfamilie und ihre 16jährige Freundin wurde schwanger. Ein kleiner Crossover und fertig ist Juno MacGuff, hier gespielt von der talentierten Ellen Page, deren Oscarnominierung jedoch – das sei vorweg genommen – ebenso lächerlich ist, wie die der Autorin, des Regisseurs, des ganzen Filmes eigentlich. Juno ist Tochter des Mittelständlers mit dem netten Namen Mac MacGuff (J.K. Simmons) und im Besitz eines Hamburgertelefons (welches eigentlich ein Cheeseburgertelefon ist), das aus dem Besitz der Autorin selbst stammt. Der Film leitet sich selbst ein mit dem Stuhl, auf dem Juno ihre Jungfräulichkeit verlor, als sie mit ihrem besten Freund Paulie Bleeker (Michael Cera) schlief. Wie das bei ungeschütztem Sex vorkommen kann, wird Juno prompt schwanger und vertraut sich erstmal ihrer besten Freundin Leah an, ehe sie zur nächsten Abtreibungsklinik geht, um das Kind loszuwerden.

Tut sie dann aber doch nicht, wieso wird nicht klar, spielt ja auch keine Rolle, denn die restliche Spielzeit verbringt Cody damit dem Publikum einen ausgewählten Soundtrack ans Herz zu legen und nebenher irgendwas zu erzählen, was komisch sein soll. Die Komik des ganzen liegt darin, dass sie der 16jährigen Juno Worte in den Mund legt, die sie selbst wohl sagen würde, die lustig und cool sein sollen, aber es irgendwie nie sind. Was die Autorin hier betreibt ist äußerst paradox, denn einerseits erschafft sie eine Figur, die ihrem Intellekt nach und ihrer (zumindest teilweisen) Ausdrucksweise aus dem Universum von Kevin Williamson (Dawson’s Creek) stammen könnt, die jedem der es hören will – oder nicht schnell genug wegkommt – einen Vortrag darüber hält warum die Hochzeit des Rocks 1977 war und The Stooges einer der besten Bands sind.

Sie ist weder dumm, noch auf den Kopf gefallen, diese Figur Juno, scharfsinnig, ehrlich und direkt. Zugleich jedoch von einer unbeschreiblichen und für amerikanische Verhältnisse typischen Naivität, die nichts von Verhütung weiß und ihr Kind den ganzen Film hindurch als „Ding“ bezeichnet, welches sie am liebsten „wie in den guten alten Zeiten“ in einem Korb loswerden würde. Die potentielle Adoptiveltern nach dem Coolheitsschema auswählt, Graphikdesigner wären zum Beispiel angesagt (Codys Ex-Mann und Pages Vater sind Graphikdesigner). Mit ihrem Mundwerk und ihrer Art kommt sie dabei genauso gut bei dem designierten Adoptivvater (Bateman) an, wie es umgekehrt der Fall ist – Grund hierfür ist das beide Figuren praktisch identisch sind. Mark wie Juno teilen denselben Humor, hören dieselbe Musik, machen sich gegenseitig Mixtapes, haben ein Faible für Gore-Filme und wollen an sich nichts mit Kindern zu tun haben. Dies führt wiederum zu dem Paradox von Marks Ehe mit Vanessa (Jennifer Garner), die nicht verschiedener sein könnte als er. Die Frage wieso sich ein so freiheitsvernarrter Mensch wie Mark mit dem Kontrollfreak Vanessa einlässt, in dem versnobten Vorstadthaus und dem Wunsch nach Kindern, beantwortet die Autorin nicht. Ebenso wenig wie alle anderen Fragen, die das von ihr skizzierte Thema stellt. (Wem das jetzt schon zu bunt wird, dem empfehle ich die positive Kritik zum Film von Marcus).

Gerade die Szene in der Abtreibungsklinik ist eine der entscheidenden des Filmes, warum Juno aber schließlich so handelt wie sie handelt wird nicht erläutert. Man könnte wohl behaupten, dass der Film nicht wirklich ernst genommen werden will – alleine der Name von Junos Vater spricht dafür -, sondern der lediglich etwas Spaß machen will, eine kleine Indie-Komödie sein möchte die eine schwangere sechzehnjährige zeigt, die sagt was sie denkt und denkt was sie sagt. Im Cinefacts-Thread hab ich mich zu der Aussage hinreißen lassen, dem Film eine bedenkliche, gefährliche Tendenz zuzusprechen, durch seine Aussage „Schwanger! Na und?“ (O-Ton Filmverleih) ein falsches Bild von Schwangerschaft bei Minderjährigen zu vermitteln. Die Worte „bedenklich“ und „gefährlich“ sind hierbei etwas hart gewählt, wie ich im Nachhinein feststellte, nichtsdestoweniger ist es kritisch zu betrachten, wie der Film mit dem Thema Schwangerschaft umgeht.

Das hängt nicht unbedingt mit Konservativismus zusammen, denn niemand erwartet dass der Film eine Katharsis wie Knocked Up durchmacht, aber ein etwas rationalerer Umgang wäre sicher nicht zuviel verlangt gewesen. Vor allem wenn man seine Figur so frühreif zeichnet wie es Cody tut und ihr dann dümmliches Cheerleader-Geschwätz in den Mund legt. Gut möglich, dass es sich hierbei aber auch um ein reales Bild des heutigen Amerikas handelt, ein Cinefacts-User meinte zumindest man könnte nicht einmal in einem Wal-Mart Kondome kaufen, Sexualaufklärung findet anscheinend (entgegen der Darstellung in Definitely, Maybe) weder in der Schule noch zu Hause statt. Immerhin befinden sich die USA bei den Zahlen für minderjährige Mutterschaften auf einem Niveau mit Indonesien und Südafrika (55 Schwangerschaften kommen auf 1.000 Teenager).

Wird es in Juno mal ernst, dann weiß Regisseur Jason Reitman, der mit Thank You For Smoking nicht ein äußerst passables Regiedebüt hingelegt hatte – stets penetrant den Soundtrack drüber zu legen und Lieder von Kimya Dawson sowie andere Indie-Hits neben Veteranen wie Buddy Holly und The Kinks abzuspielen. Bei diesem schlecht geschriebenen Skript versucht Reitman dennoch zu retten, was noch zu retten ist und was am meisten überzeugen kann ist dann doch das Casting. Bedenkt man die Charaktere für sich genommen, sind alle sehr gut besetzt, von Bateman über Garner zu Cera, gerade bei letzterem sind speziell die Szenen mit Page sehr gelungen und wirken von allen im Film dargestellten am authentischsten.

Juno
ist so ein Film, bei dem vorausgesetzt wird, das man das Gesehen nicht hinterfragt, sich einfach von dem Charme verzaubern lässt und ohnehin alles richtig cool und dufte findet. Das dabei alle Figuren überzeichnet sind, die Dialoge konstruiert und die eigentliche Geschichte gar keine ist, eher ein Napoleon Dynamite mit einer Schwangeren, politisch unkorrekt, frisch, witzig – in einem Wort: Hollywood. Da verwundert es nicht, dass der Film alleine in den USA das zwanzigfache seiner Kosten eingespielt hat, mit vier Oscarnominierungen bedacht wurde, gerade in den Kategorien Bester Film und Beste Regie Konkurrenten wie Zodiac, David Fincher, Joe Wright und andere hinter sich gelassen hat. Juno ist dann doch nur das, was die Allgemeinheit als Feel-Good-Movie bezeichnet, auch wenn er bei näherer Betrachtung in fast allen Bereichen versagt.

4/10

9. März 2008

Prison Break - Season Three

You're exactly where you belong.

Über den amerikanischen Autorenstreik wurde an dieser Stelle immer dann geschrieben, wenn es um Serien ging. Diese sind ohne Frage die großen Opfer des Streikes, alles auf Kosten der Zuschauer. Die meisten Serien gehen mit weniger Folgen in ihre Staffeln, als von den Sendern geordert. Die ursprüngliche Staffel sowohl von Prison Break wie auch von Heroes sollte vierundzwanzig Episoden betragen, wurde jetzt jedoch nach der Hälfte eingestellt und kehrt erst im Herbst zurück. Andere Serien wie Lost oder The Office gehen ebenfalls mit verminderten Folgen im April weiter, wieder andere Serien wie 24 oder auch Entourage werden nach hinten verschoben. Leidtragende sind die Zuschauer, denn durch die Komprimierung der Handlungsstränge leidet das Gesamtbild der Serie, ziemlich gut zu sehen bei Heroes, dessen Exposition zu einem größeren Ganzen schließlich das Ganze bildete und inhaltliche Schwächen aufzeigte. Natürlich sollten die amerikanischen Autoren besser an und durch ihre Arbeit verdienen, die Schuld an der Geschichte soll nicht ihnen angelastet werden, viel eher die Studios sind verantwortlich für die Misere. Schließlich kam der Autorenstreik nicht aus dem Blauen, man wusste wann und man ahnte dass es kein Kinderspiel werden würde. Warum man dann über zwanzig Episoden ordert, grenzt an Idiotie, schließlich kann man sich nur mit gewissen Fähigkeiten in Hollywood behaupten.

Eine Serie die wie erwähnt darunter zu leiden hatte, ist Prison Break. Das Gefängnisdrama, welches besonders durch seine erste Staffel überzeugen konnte, war ursprünglich nie als Langzeit-Serie gedacht, bereits in der zweiten Staffel wurde schließlich ein „The Fugitive“-Szenario kreiert, das man der anfänglichen Prämisse nicht mehr viel zu tun hatte. Da ist es nur logisch, dass Prison Break in der dritten Staffel back to the roots ging, nach der Flucht in Panama landete Hälfte der Protagonisten erneut im Gefängnis. Sona heißt die Einrichtung, die von allen Wärtern verlassen wurde, welche das Gefängnis umzäunt haben und die Verwaltung dessen an den inhaftierten Drogenbaron Lechero (Robert Wisdom) abgegeben. Nach Sona transferiert wurden neben Michael (Wentworth Miller), Mahone (William Fichtner) und T-Bag (Robert Knepper) auch Bellick. Alle versuchen sich im Gefängnis, wo eigene Gesetze gelten, zu etablieren, während in den Straßen Panamas Lincoln (Dominic Purcell) nach Sara sucht und Sucre (Amaury Nolasco) zurück zu seiner Freundin will. Plötzlich tritt die von der Firma geschickte mysteriöse Susan (Jodi Lyn O’Keefe) auf, entführt Sara und L.J. und erpresst die Brüder einen Häftling aus Sona auszubrechen. Hierbei handelt es sich um Whistler (Chris Vance), der im Untergrund lebt und dessen Freundin Sofia (Danay Garcia) Lincoln bei der Planung des Ausbruchs von draußen hilft. Doch das Vertrauen zwischen allen Beteiligten ist äußerst gering, Opfer lassen sich nicht vermeiden und die Zeit für Michael den Ausbruch zu vollziehen läuft ihm allmählich davon.

Man merkte Schöpfer Paul Scheuring und seinen Schreibern um Nick Santora an, dass sie nicht mehr so genau wussten, was sie da nun eigentlich erzählen wollen. Die nähere Betrachtung der ominösen Firma war in der Form wohl nie geplant, sollte lediglich als das hintergründige Böse in der ersten Staffel fungieren. Die erste Hälfte der dritten Staffel funktioniert deswegen, weil sie redundant ist, weil sie sich auf die ursprüngliche Prämisse der ersten Staffel beruft. Der tolle Blick auf Sona im zweiten Staffelfinale wird dabei bereits im Staffelpilot wieder entkräftet, es ist kein Höllenhaus, hier gibt es Regeln und Ordnungen an die sich jeder zu halten hat. In der siebten Folge – Photo Finish – darf man dann sogar ganz schlampiges Schreiben begutachten, wie hier mit einem Serientod umgegangen wird, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Das hätte man ebenso besser klären können, wie die Wende in der zweiten Hälfte der dritten Staffel. Hier wird nicht nur die erste Staffel wiederholt, sondern sogar die erste Hälfte der dritten Staffel selbst. Die Handlung dreht sich im Kreis, kommt keinen Meter vorwärts und bedient sich wieder und wieder desselben Schemas. Figuren wie Bellick, T-Bag und Sucre sind für die Erzählung der Geschichte nutzlos und überflüssig, erfüllen nicht den Zweck eines C-Note in der vorherigen Staffel.

In einem Interview bestätigte Dominic Purcell dass die Serie für eine vierte Staffel zurückkehren wird, der Cliffhanger der dritten Staffel deutete so etwas natürlich an. Wenn sich Scheuring und die Produzenten einen Gefallen tun wollen, dann beenden sie die Geschichte rund um Michael Scofield und Lincoln Burrows mit dieser kommenden Staffel und empfehlenswert wäre im Stil eines Dexter oder The Sopranos auch eine Begrenzung und Konzentration auf zwölf bzw. dreizehn Folgen. Ansonsten sieht man wieder die Gefahr der Redundanz, auch wenn die Tonart sich nun wieder eher in die „Fugitive“-Richtung bewegt, mit Abstrichen, denn Sona bleibt auch am Ende nicht leer. An die Frische und die Brillanz der Pilotstaffel konnte bereits der Nachfolger nicht mehr anknüpfen, und selbst mit diesem kann diese Staffel nicht mehr mithalten, zu redundant und nichts sagend ist das alles. Schauspielerisch liefert William Fichtner eine One-Man-Show ab, der Wentworth Miller und Chris Vance versuchen bestmöglich zu folgen. Hier hat Purcell – ohnehin kein sonderlich talentierter Schauspieler – das nachsehen, seine Szenen sind ohne Belang und ohne Esprit. Da ist es als positivste Nachricht zu werten, dass Fichtner auch in der vierten Staffel seine Rolle wieder aufnehmen wird – auch wenn seine Motivation hierfür bisher nicht ausreichend dargestellt wurde. Vielleicht weiß Scheuring dann noch mit besserem Casting als dieses Mal aufzuwarten, denn neue Figuren sind nunmehr unabdingbar.

7/10 - erschienen bei Wicked-Vision