13. Dezember 2009

Where the Wild Things Are

Will you keep out all the sadness?

Fast auf den Tag genau 13 Monate ist es her, seit das erste Bild von Where the Wild Things Are erschien. Meine Worte damals lauteten: „Weniger die Umsetzung (...) als vielmehr das Einfügen einer Handlung dürfte hier ein Problem darstellen.“ Und dies sollte sich bewahrheiten. Denn in gewisser Hinsicht war und ist Maurice Sendaks berühmtestes Kinderbuch perfekt. 18 Bilder, 10 Sätze und 338 Wörter brauchte Sendak, um seine Geschichte von Max und dem Land, wo die Wilden Kerle wohnen, zu erzählen. Max, ein Kind mit Anflügen von ADS, wird ohne Essen auf sein Zimmer geschickt und träumt sich dort in eine phantastische Welt. Mit fortschreitender Phantasie vergrößerte Sendak die jeweiligen Bildrahmen, bis schließlich das ganze Bild von seiner Zeichnung eingenommen wird und jeglicher Text fehlt. Über 19 Millionen Exemplare konnten seit 1963 von Where the Wild Things Are verkauft werden. Und dennoch war eine Verfilmung erst Anfang der achtziger Jahre im Gespräch.

Disney, rund um John Lasseter, hatte damals Versuche unternommen, Sendaks beliebte Kindergeschichte als Animationsfilm umzusetzen. Die Adaption der ersten beiden Szenen findet man auf YouTube. Doch das Projekt wurde ebenso wie eine Realverfilmung in den Neunzigern verworfen. Richtig Form nahm Where the Wild Things Are erst Anfang des aktuellen Jahrzehnts an, als Spike Jonze Interesse anmeldete. Vor vier Jahren begannen dann intensivere Planungen und sollten fast zum Scheitern verurteilt sein. Zuerst gab es Probleme mit den Kostümen der Wilden Kerle, dann war Warner Bros. verschreckt von der scheinbaren Familienuntauglichkeit des fertigen Produkts. Die Verantwortlichen wollten das 75-Millionen-Dollar-Projekt neu drehen lassen, entschieden sich dann aber dafür, Jonze es für weitere 25 Millionen Dollar stattdessen familienfreundlicher gestalten zu lassen. Nachdem der erste Trailer, auch dank „Wake Up“ von Arcade Fire, viel versprechend aussah, bewahrheitet sich mit Where the Wild Things Are meine Äußerung von vor 13 Monaten. Während der Look durchaus überzeugt, stellt die Integration einer Handlung ein leichtes Problem dar.

In der Adaption von Dave Eggers, bisher – oder chronologisch korrekt: seitdem – verantwortlich für das Drehbuch von Sam Mendes’ Away We Go, verkommt der achtjährige Max (Max Records) nun zum Scheidungskind. Sich seiner Phantasie hingebend, lebt seine ältere Schwester Claire inzwischen ihr eigenes Leben. Und auch seine Mutter (Catherine Keener) hat keine Zeit und Lust unentwegt mit ihrem Sohn zu spielen. Schließlich verlangt es den neuen Freund (Mark Ruffalo) auch ein wenig nach Aufmerksamkeit. Max wiederum fehlt jene Aufmerksamkeit, er überstrapaziert die Nerven seiner Mutter als er sie beißt („I’ll eat you up!“) und flieht letztlich in die nächtliche Nachbarschaft. Wo in der Vorlage eine mütterliche Strafe für ungebührliches Verhalten der Initiator für Max’ sprichwörtlich ausufernde Phantasie ist, verorten Eggers und Jonze ihre Geschichte als Flucht vor der Patchworkfamilie. Die im Folgenden zur Ankunft in einer weiteren Patchworkfamilie führt. Auf einer Insel strandend trifft Max schließlich die Wilden Kerle rund um ihren inoffiziellen Anführer Carol (James Gandolfini). Und wie sich herausstellt, ist auch da wo die Wilden Kerle wohnen, Einiges im Argen.

Mit dem Auftritt der Wilden Kerle löst sich Where the Wild Things Are dann von Sendaks Vorlage. Von seiner Mutter selbst als wild thing gebrandmarkt, trifft Max bei Sendak auf andere Wilde Kerle, die ihn schließlich anerkennend zu ihrem König wählen. Nach einer chaotischen Nacht („Let the wild rumpus start!“) ergreift Max jedoch das Heimweh. Der Film beschreitet andere Wege, will tiefschürfender sein und verliert sich etwas auf der Suche nach (s)einer Botschaft. Von Wilden Kerlen ist hier, Carol (meist) ausgenommen, keine Spur. Stattdessen erwarten Max teils apatische, teils depressive Spielgesellen, die sich vom neuen König erhoffen, von ihrer Melancholie befreit zu werden. Um sie auseinander zu halten, vergaben Jonze und Eggers ihnen nicht nur Namen, sondern auch Persönlichkeiten. Wobei es sich im Grunde nur um eine Persönlichkeit handelt, nämlich die von Max. Und mit einigen seiner Facetten sieht sich der Achtjährige lieber nicht konfrontiert.

Zur Identifikationsfigur wird der ungestüme Carol auserkoren, der über den Zustand seiner eigenen Familie so wütend ist, dass er wie ein Berserker durch ihr Zuhause stürmt. Seine Gefühlswelt beschreibt er später Max gegenüber als Gebiss, in dem im Alter die Zähne immer weiter auseinander stehen und letztlich ausfallen. Nichts ist mehr so wie früher, will doch keiner mehr wild herumtollen und auch KW (Lauren Ambrose) hat kaum noch Interesse an Carols Spieltrieb. Es sind diese Beiden, die an Max ihr Herz verlieren werden und vice versa. Mit dem meist abwesenden Daniel, der lieber für sich allein ist, und dem von der Gruppe vernachlässigten Alexander (Paul Dano) hat Max dagegen weniger zu tun. Als Spiegelbilder seiner selbst zählen sie, wie auch die mies gelaunte Judith (Catherine O’Hara), zu den Facetten, die er lieber verdrängen möchte. Aber der Zustand der Wilden Kerle offenbart, dass Max vor seinen Problemen mit seiner Familie nicht davon laufen kann. Insofern bemühen Eggers und Jonze hier sehr offensichtlich eine Katharsis ihres Helden.

Wo Sendak sich auf die Botschaft der mütterlichen Liebe beschränkt – Max kehrt nach Hause zurück und findet dort doch noch sein Abendessen vor -, versieht der Film Max mit einem Konflikt, den es zu lösen gilt. Wenn auch nur mit sich selbst. Erst die Position des quasi Außenstehenden bei den Wilden Kerlen sorgt dafür, dass er begreift wie unglücklich alle unter diesen Voraussetzungen sind. Insofern will er „no longer let his anger separate him from those whom he loves and who love him“, wie es Elizabeth Kennedy ausdrückte. Interpretiert man Sendaks Werk primär aus diesem Blickwinkel, wird der Film der Vorlage durchaus gerecht. Doch die Projizierung von Max auf alle sieben „Wild Things“ will nicht immer vollends überzeugen. Schon allein deshalb, da es wie erwähnt weniger Wilde Kerle als vielmehr manisch-depressive Kerle sind, die man aufgetischt bekommt. Auch die Katharsis von Max wirkt relativ halbgar, da er nicht ein Mal seine Phantasiewelt gebacken bekommt und diese immerhin eine vereinfachte Version seiner Realität darstellt. Ingesamt wirkt Jonzes Adaption vom sozialpsychologischen Standpunkt her somit leicht überfrachtet, weshalb auch die hinzugefügte Handlung nur bedingt überzeugen will.

Von der technischen Umsetzung her ist Where the Wild Things Are jedoch ausgesprochen gelungen. Die digitalisierten Gesichter auf den realen Kostümen synthetisieren gut und es schadet den Wilden Kerlen nur, wenn Jonze sie durch die Luft springen lässt. Hier wirken die Bewegungen nun wenig natürlich, was aber ob der geringen Präsenz an Sprüngen annehmbar ist. Ein besonderer Trumpf ist jedoch der Soundtrack von Karen O, der unentwegt jenes phantastische Gefühl zu transportieren weiß, das Sendaks Geschichte innewohnt. Und während sich Records erstaunlich gut schlägt, zwischen all den Riesenkostümen, sind es speziell Gandolfini und Dano, deren Stimmen besonders gut gewählt scheinen. Somit ist Where the Wild Things Are vielleicht kein Meisterwerk, aber trotzdem – und gerade in seinen letzten Minuten – ein teils wunderschöner und ergreifender Film geworden. „L.O.V.E., it’s a mystery“, singt Karen O schließlich im Abspann und es verabschiedet sich mit Spike Jonze nach vier Jahren Arbeit der wahre König der Wilden Kerle.

7/10

12. Dezember 2009

The Sandman Vol.2: The Doll's House

We are their toys. Their dolls, if you will.
(Lost Hearts, p. 23)

Den Wechsel von den achtziger Jahren hinüber in die Neunziger begleitete Neil Gaimans zweiter Band seiner The-Sandman-Reihe. Löblich für die Reihe, dass es nicht unbedingt des Vorgängerheftes bedarf, um jeden Band für sich genommen zu konsumieren. Zwar greift Gaiman Elemente auf, die er in Preludes & Nocturnes begonnen hat, aber diese sind eher Mittel zum Zweck, auf keinen Fall jedoch Verständnisbarrieren. Clive Barker lobt in seinem Vorwort die schiere Absurdität, die sich bisweilen nicht nur aber insbesondere in The Doll’s House breit macht. Und in der Tat ist es Gaiman erneut gelungen, hier und da Geschichten bzw. Handlungsverläufe einzubauen, die schlichtweg brillant und einzigartig sind. Oder zumindest extraordinär im Vergleich zum sonstigen Genrepool. Diese positiven Merkmale stechen umso mehr hervor, da The Doll’s House als Gesamtwerk nicht ganz so harmonisch daherkommt wie sein direkter Vorgänger.

In der Auftaktausgabe, Tales in the Sand, platziert Gaiman äußerst interessant eine Rückblende. Zwei afrikanische Stammesmitglieder fokussieren sich in einem Ritualabend in der Wüste auf die Geschichte ihres Dorfes. Erzählt wird die Geschichte Nadas, der Königin einer Stadt aus Glas. Eines Abends verliebte sich Nada in Morpheus, der getarnt unterwegs war. Sie suchte ihn in seinem Traumland auf, musste jedoch feststellen, dass beide gemeinsam keine Zukunft miteinander hatten. Er als Endless und sie als Sterbliche konnten nicht zusammen sein, selbst wenn Morpheus ihr anbot, sie zu seiner Königin zu machen. In einer Analogie zur biblischen Genesis versündigt sich schließlich die Frau, indem sie ihrem Begehren nachgibt. Die Schuld, die sie sich damit auflastet, treibt sie in den Suizid. Was Gaimans Auftaktausgabe auszeichnet, ist die Verbindung von Stammesgeschichte und Traumwelt, deren Grenzen hier mehrfach verwischen, da es sich um ein durch Generationen tradiertes Stück handelt. Pro- und Epilog der Ausgabe sind hierbei besonders bemerkenswert.

Eine Einordnung findet schließlich in The Doll’s House statt, wenn der Leser nach Dream und Death nun zwei weitere Endless kennenlernt. Wir treffen Desire, ein intrigantes Wesen, das sich nicht auf ein Geschlecht beschränkt und insofern sowohl männlich als auch weiblich wie neutral ist. „Desire is in the heart“, erklärt Gaiman und offenbart die dritte Endless als Initiator der vorangegangenen Geschichte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Despair treibt Desire ihr eigenes Spiel, welches nunmehr im kleinen wie großen The Doll’s House festgehalten wird. Die zweite Ausgabe führt Rose Walker ein, die sich als zentrale Figur dieses Bandes herausstellt. Zudem gibt es ein Wiedersehen und eine Verknüpfung mit Unity Kinkaid, einem der Traumopfer aus dem ersten Band, das durch Dreams Gefangennahme verursacht wurde. War Tales in the Sand noch eine Geschichte außerhalb der Geschichte, so stellt The Doll’s House nun die eigentlich Einführung dar, die den Leser mit der Rahmenhandlung (einige Albträume sind aus der Traumwelt entflohen, Rose ist ein Vortex, ein Phänomen, das Zugriff zur Traumwelt erhält) der kommenden Ausgaben vertraut macht.

In Moving In erfährt man nunmehr genaueres zu den vier entflohenen Albträumen, den Korinther, Brute und Glob, sowie Fiddler’s Green. Während sich Rose auf die Suche nach ihrem verschwundenen Bruder macht, der sich als Opfer von Brute und Glob herausstellt, beginnt Dream seine Vorbereitungen, die entflohenen Träume wieder einzufangen. Die Ausgabe zeichnet sich dadurch aus, dass Brute und Glob ihre eigene kleine Traumwelt erschaffen haben, an der sie quasi laben, wobei sie selbst wiederum nur Handlanger sind und die „Kontrolle“ einer Art Marionette anvertraut haben. Vorgreifend kann gesagt werden, dass Barbie, eine von Roses neuen Mitbewohnern, im kommenden fünften Band, A Game of You, selbst zur Hauptprotagonistin wird. Bezüglich Moving In kann festgehalten werden, dass hier lediglich die Nebenhandlung um den Korinther von besonderem Interesse ist, wohingegen Brute und Globs Pseudo-Traumwelt eher enttäuschend wirkt.

Daher will auch die Folgeausgabe Playing House nicht überzeugen. Sie widmet sich im Grunde ausschließlich der Auseinandersetzung von Dream mit seinen beiden widerwilligen Schöpfungen bzw. deren Schöpfung. Ein Traumkampf, der nie wirklich spannend wirkt und zwei Gegenspieler, die eigentlich den Kampf aufgegeben haben, bevor dieser begann. Was zwar ob der Tatsache gefällt, dass sie ihre Situation richtig einschätzen können, aber die Handlung dieser Ausgabe zu keinem Zeitpunkt zu halten vermag. Interessant ist lediglich der Aspekt, dass Brute und Globs Marionette, eine Manifestation eines Verstorbenen, im Stande war eine lebende Person, hier seine Frau Lyta, in seine bzw. die Traumwelt der beiden Albträume mit einzuschließen und sogar ein Kind zu zeugen. Dieses Kind von Lyta wird in späteren Bänden von Bedeutung sein. „That child is mine“, erklärt Dream lapidar und Gaiman ebnet somit einen zukünftigen Auftritt von Lyta und ihrem Sohn.

Nach der Hälfte von The Doll’s House holt Gaiman schließlich sein As im Ärmel hervor. Die fünfte Ausgabe Men of Good Fortune ist die mit Abstand gelungenste und doch – oder vielleicht gerade? – simpelste aller Geschichten dieses zweiten Bandes. Es ist eine losgelöste Geschichte, die keinen Zusammenhang mit den übrigen Abenteuern in diesem Band aufweist. Im Jahr 1389 verabreden sich Death und Dream in einer englischen Bar. Dort stellt Death ihrem Bruder Hob Gadling vor, einen Mann, der beschließt nicht zu sterben. „The only reason people die, is becauce everyone does it“, resümiert Hob. Dream verabredet sich mit ihm schließlich in selbiger Bar, aber einhundert Jahre später. Dieses Spiel geht so weiter, sechs Mal treffen sich Hob und Dream, wobei Morpheus Gadling stets fragt, ob er nun bereit sei zu sterben. Wie man sich denken kann, spiegeln all die Treffen auch das historische Umfeld wieder. Sei es die Renaissance oder London zur Zeit von Jack the Ripper. Selbst William Shakespeare hat einen Kurzauftritt und wird – wie so viele Figuren – in einer späteren Ausgabe nochmals auftreten. Was Men of Good Fortune auszeichnet, ist das Unausgesprochene, welches schließlich doch einen Namen erhält (Hob: „I think you’re lonely“).

Welche Rolle das Kennenlernen von Dream und Hob spielt, wird hier noch nicht klar. Denn wie angesprochen, hat die fünfhundert Jahre alte Freundschaft nichts mit dem zweiten Band als solchen zu tun. Etabliert aber sehr gut die emotionale Komponente die bei den Endless mit reinspielt oder eben auch nicht. Hatte man in Preludes & Nocturnes die Fürsorge von Death zu spüren bekommen, tritt sie auch hier wieder auf. Denn immerhin war es sie, die die beiden Männer einander vorgestellt hat. Der Zeichenstil von Men of Good Fortune ist dabei geprägt von den jeweiligen Epochen und weiß ebenso zu gefallen, wie die Einbindung von Figuren wie Shakespeare oder Marlowe. Das Szenario mutet an wie ein soziales Experiment und vermutlich ist es auch zum Teil als solches von Death und Dream angedacht, aber die Überbrückung von einem halben Jahrtausend ist auch deswegen so erfrischend, weil sie die beiden vorangegangenen und etwas langweiligen Ausgaben rund um Brute und Glob abgelöst hat. Gemeinsam mit der folgenden Ausgabe findet sich hier das Herz von The Doll’s House.

Denn an Collectors hätte ein David Fincher sicherlich seine wahre Freude. Gaiman setzt seiner Phantasie keine Grenzen und hebt in einem abseits gelegenen Motel eine Serienkiller-Convention aus den Angeln. Die Schlimmsten der Schlimmen treffen sich hier, um Vorträgen zu Lauschen und sich über Mordmethoden auszutauschen. Praktischerweise sind im selben Hotel auch Rose und der Korinther anwesend. Da lässt dann auch Dream nicht lange auf sich warten, der versucht den Korinther, der Gefallen an der Realität gefunden hat, wieder in seine Traumwelt zu lotsen. Das eingangs erwähnte Zitat von Clive Barker ob der Absurdität bei Gaiman findet hier nun seine Ursache. Auf die Idee und Umsetzung der Serienkiller-Convention muss man erst einmal kommen. Ähnlich wie 24 Hours im Vorgängerband sammelt sich an dieser Stelle in einer Ausgabe all die Morbidität, die die Handlung hervorzubringen weiß.

Mit Into the Night bewegt sich der zweite Band dann schließlich auf seine Zielgeraden zu. Die gesamte Ausgabe dreht sich um Roses Auswüchse als Vortex, sprich ihre Einflussnahme auf die Träume ihrer direkten Umgebung. Gaiman veranschaulicht dies dadurch, dass er dem Leser Einblick in die Träume von Roses Mitbewohnern wie Barbie gewährt, während ihre „Macht“ – eine solche ist es, wobei man nie den Eindruck erhält, sie wäre gefährlich, das Dream durchgehend gelassen wirkt – immer mehr zunimmt. Nach den beiden gelungenen Ausgaben baut Gaiman hier wieder stark ab, da die Träume, die das Gros der Panels stellen, weder etwas zur Handlung beitragen können, noch für sich gesehen von größerem Interesse sind. Letztlich ist Into the Night nicht mehr als eine überbordende Einleitung für das Finale und insofern reichlich enttäuschend, bedenkt man dass Gaiman zuvor bereits mit Tales in the Sand oder Men of Good Fortune Geschichten abseits der Geschichte erzählt hat, die selbst eigentlich unerheblich zugleich aber durchaus unterhaltsam waren.

Auch das „Finale“ mit Lost Hearts überzeugt nur bedingt. Es ist schön ruhig und unaufgeregt, dass muss man eingestehen. Zudem auch sehr gelungen bebildert. Aber die auflösende Wendung wirkt reichlich konstruiert, speziell da sie Dream mehr als nur ein bisschen bloßstellt. Fiddler’s Green offenbart sich endlich, wobei seine Identität schon einige Ausgaben zuvor im Grunde klar war. Will schon das Ende der Rose-Vortex-Geschichte nicht sonderlich beeindrucken, so kann Gaiman auf der Finalstrecke mit seinen letzten Panels noch Mal Punkte gutmachen, wenn er Dream und Desire konfrontieren lässt. Dahingehend weiß The Doll’s House als Gesamtwerk nur gelegentlich zu überzeugen (die Höhepunkte wurden angesprochen), doch unterm Strich ist die Geschichte von Dreams Wiederaufbau seines Reichs und Roses Schicksal als Vortex die meiste Zeit zu unspannend bzw. uninspiriert aufgebaut, als dass der zweite Band derart zu fesseln wüsste, wie es noch beim Vorgänger der Fall gewesen ist.

7/10

11. Dezember 2009

Zombieland

Twelve's the new twenty.

„This summer, when you think vacation, think National Lampoon’s Vacation. See the real America. It’s friendly. It’s educational. And most of all…it’s fun”, proklamierte 1983 der Trailer zu National Lampoon’s Vacation. Jetzt, 26 Jahre später, schickt sich eine Zombiekomödie an, zum Crossbreed aus Harold Ramis’ Klassiker des amerikanischen Road-Trips und Shaun of the Dead, der hier Pate stehenden britischen Zombiekomödie, zu werden. Man mische eine amerikanische „Familie“ aus vier Kaukasiern (2 Männer, 2 Frauen), eine Reise mit dem Auto zu einem Freizeitpark und jede Menge vergnügliches Zombiegekloppe – fertig ist ein Komödienhit. Zudem einer, der bereits seine Fortsetzung gegreenlighted bekommt, bevor der Vorgänger überhaupt weltweit vollständig gestartet ist. Dementsprechend kann man die erfolgreichsten Komödien des Jahres (The Hangover allen voran) daran erkennen, dass in den kommenden Jahren die 2 hintendran gehängt wird und die Chose startet neu.

Anti-Held und Erzähler der Geschichte von Regisseur Ruben Fleischer ist ein übervorsichtiger Nerd, der aufgrund seines Reiseziels den Spitznamen Columbus, Ohio (Jesse Eisenberg) erhält. Er hält sich an das Motto aus Stand By Me („Have Gun Will Travel reads the card of a man. A knight without armor in a savage land.“) und zieht mit Flinte und Trolley durch das post-apokalyptische Amerika. Um das Buddy-Gespann zu komplettieren wird dem Weichei Columbus der extracoole Tallahassee (wie immer herrlich: Woody Harrelson) an die Seite gestellt. Tallahassee macht sich ein Vergnügen an der kreativen Beseitigung der lebenden Toten, schließlich haben diese auch seinen kleinen Sohn auf dem Gewissen. Eine später vermeintlich emotionale Szene, die einen jedoch in all dem sonstigen Nonsens-Klamauk überraschend kalt lässt. Das Testosteron-Duo wird schließlich noch von dem Schwesterpärchen Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) unterstützt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den kalifornischen Freizeitpark Pacific Playground zu erreichen.

Ein Alibi-Subplot – Tallahassee sehnt sich nach Amerikas letztem Twinkie – führt dann dazu, dass während der Reise durch verweste Straßen gelegentlich angehalten wird, um den ein oder anderen Zombie auf möglichst amüsante Art und Weise umzunieten. Schließlich ist es ein groß angekündigter Cameo, der endlich die Überleitung bildet zur eigentlichen Station von Zombieland. Für eine Komödie die keine anderthalb Stunden geht, weist Fleischers Film gerade in seiner Mitte unwahrscheinliche Längen auf. Eine Zerstörungsorgie in einem Souvenirshop amerikanischer Ureinwohner wird hier exzessive ausgedehnt, ehe man ganze zehn Minuten mit dem nur leidlich lustigen Cameo-Gast verschwendet. Lediglich dessen Exposition und Verabschiedung wollen einige Lacher aus einem heraus kitzeln. Ein Manko, das Zombieland eigentlich durch die gesamte Laufzeit hindurch begleitet. Einige Szenen von Tallahassee sind zu überzogen auf cool getrimmt, andere Szenen aufgrund ihrer Redundanz bereits langweilig.

Wo manch andere Komödie ihre fehlgeleiteten Witze durch die enorme Gagdichte ausgleichen kann, fallen einem Zombieland’s gelungene Szenen wie Kakteen in der Wüste auf. Ideen wie der Zombie Kill of the Week oder Tallahassees Achterbahnfahrt sind in der Tat ganz lustig, können jedoch all die Leerstellen, die sich sonst auftun, nicht vollends überdecken. Da Humor jedoch eine subjektive Sache ist, kann man Fleischer und seinen Drehbuchautoren hier wohl keinen Vorwurf machen. Daher kann Zombieland ein gewisser Charme somit nicht abgesprochen werden. Dieser gründet zu einem Großteil auch auf der gefälligen Besetzung, von der Eisenberg als Michael Cera für Arme als schwächstes Glied der Kette herausragt. Hätte Fleischer sich auf ein tatsächliches Zombieland beschränkt – indem der Titel Abenteuer in einem Themenpark (Itchy & Scratchy Land lässt grüßen) und nicht in den USA referieren würde -, wäre seinem Film wohl mehr geholfen gewesen. So ist Zombieland eine nette Komödie geworden. Mehr aber auch nicht.

6/10

10. Dezember 2009

In the Shadow of the Moon

That’s science fiction.

„Fly me to the moon and let me play among the stars“, schrieb Bart Howard vor 55 Jahren in seinem Song In Other Words, der aufgrund dieser Textzeile jedoch bald darauf in Fly Me to the Moon umbenannt werden sollte. Damals wirkte die Entsendung eines Menschen in den Weltraum noch illusorisch, von einem Flug zum Mond ganz zu schweigen. Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war die Welt immer noch nicht zum Stillstand gekommen. Schon gar nicht die USA. Aus Japan und Deutschland abgezogen, verlagerte man die Truppen erst gen Korea, ehe man sich in den so genannten Kalten Krieg mit der Sowjetunion begeben sollte. Ein Krieg, der sich nicht durch Schützengräben und Feuergefechte auszeichnen sollte, sondern um Dominanz und Monopolstellungen. Ein gesellschafts-politischer Schwanzvergleich, wenn man so möchte. Exemplarisch zu sehen am Weltraumprogramm beider Nationen. Die erste Schockstarre setzte am 4. Oktober 1957 ein. Die Sowjets entließen mit Sputnik 1 den ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn, am 12. April 1961 sollte mit Juri Alexejewitsch Gagarin der erste Mensch folgen. Der Stolz der USA war nicht nur gekränkt, man fühlte sich gedemütigt.

Etwas, dass Antikommunist John Fitzgerald Kennedy, seines Zeichens 35. Präsident der USA, nicht auf sich sitzen lassen konnte. Keine fünfzig Tage später würde er eine Rede halten, die für die amerikanische Raumfahrtorganisation NASA zur Meßlatte verkommen sollte. „I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the Moon and returning him safely to the Earth”, erklärte Kennedy am 25. Mai 1961. Innerhalb von neun Jahren sollte man also einen Amerikaner zum Mond schicken, bzw. auf jeden Fall vor den Sowjets. Zwanzig Tage zuvor hatte man Alan Shepard in die Erdumlaufbahn geschickt, im Jahr darauf begann das Gemini-Programm, Zu den ausgewählten Astronauten zählten damals unter anderem Neil Armstrong und Jim Lovell. Die ersten Raketenstarts, die meist explosiv verliefen, wirkten dabei wenig beruhigend. „It looked like a quick way to have a short career“, erzählt Lovell im Zuge von David Singtons Dokumentation In the Shadow of the Moon. Die Planungen gingen voran, Gemini mündete im Apollo-Programm. Am 27. Januar 1967 brach während eines Tests auf der Startrampe dann ein Feuer in der Kapsel von Apollo 1 aus. Der Raumfahrtwettstreit mit den Sowjets hatte das Leben dreier Astronauten gekostet.

„We never gave it a second thought. What would happen if you got a spark in a 16 PSI, 100% oxygen environment?”, blickt Eugene Cernan auf das Unglück zurück. Menschliches Versagen, Zeitdruck, Konkurrenzdenken. Sington widmet der Apollo 1 nur ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Kritik an der Vorgehensweise findet quasi nicht statt. Vielleicht oder wahrscheinlich eine Bedingung der NASA, die das Gros der Archivaufnahmen zur Verfügung gestellt haben wird. Umso nachvollziehbarer, dass deshalb der große Erfolg von Apollo 11 den Fokus der Dokumentation darstellt. Wie die Einlösung eines Versprechens an Präsident Kennedy wirkt es da, wenn die Raumkapsel mit Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Mike Collins am 15. Juli 1969 startet und sich aufmacht, Geschichte zu schreiben. Etwas mehr als ein halbes Jahr zuvor, im Dezember 1968, gelang es Apollo 8 – mit Jim Lovell an Bord – zum Mond zu fliegen, allerdings ohne auf diesem zu landen. Auch die folgenden beiden Apollo-Missionen würden lediglich den Mond-Orbit erkunden, um den Weg zu bereiten für den „giant leap for mankind“. Am 21. Juli 1969, fünf Monate vor Ende der inoffiziellen Frist, die Kennedy acht Jahre zuvor gesetzt hatte, setzte Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. „And the next day you’re an American hero“, konstatiert Cernan im Folgenden richtig.

Von 1968 bis 1972 schickte die NASA neun Apollo-Missionen zum Mond. Insgesamt waren es 24 Männer, die zum Mond geschickt wurden, wobei 12 ihren Fuß auf den Erdtrabanten setzten. Zehn dieser 24 Astronauten lud Sington schließlich zu seiner Reflektion über das Apollo-Programm ein. Gut möglich, dass die Tatsache, als erste Menschen den Mond beschritten zu haben, Armstrong und Aldrin zu Kopf gestiegen ist. Während Armstrong darauf verzichtete, an In the Shadow of the Moon zu partizipieren (er lebt als strahlender Held in den Worten seiner Freund und Kollegen fort), verlangte Aldrin als Einziger der Ex-Astronauten für seinen Auftritt bezahlt zu werden. Auch wenn alle Interviewpartner sehr sympathisch rüberkommen, selbst wenn Cernan und Young einen leicht arroganten Einschlag haben, sind es primär Mike Collins und Alan Bean (Apollo 12), die am authentischsten wirken. Besonders ergreifend ist schließlich die Szene, in der Lovell über die verunglückte Apollo-13-Mission spricht. Zwei Mal flog Lovell, der seit 1964 im Apollo-Programm war, zum Mund, durfte seinen Fuß letztlich jedoch noch an die Stelle setzen, wo seine Freunde und Kollegen zuvor ihre Abdrücke hinterlassen hatten.

Nachdem Sington das Spektrum der elften Apollo-Mission abgehandelt hat, wird natürlich auch noch die nicht minder berühmt gewordene und passenderweise 13. Mission ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Mit dem Spielfilm von Ron Howard – der hier als Produzent fungiert – lässt sich dies jedoch nicht vergleichen, da nicht nur durch die Anwesenheit von Lovell wenig Spannung aufkommen will. Da Sington zudem Archivmaterial aller Missionen querbeet miteinander vermischt, verwischen bisweilen etwas die Grenzen von dem, was wirklich so passiert ist, und was dem Zuschauer nur einen Eindruck vermitteln soll. Dafür erhält man einen guten Einblick in jene Gruppe von Männern, denen die Möglichkeit gegeben wurde, unseren Planeten von der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers zu begutachten. „When you see Earth like that, it’s powerful“, bestätigt Edgar Mitchell (Apollo 16). Insofern dokumentiert Sington die Raumfahrtgeschichte - bzw. die der Apollo-Missionen – ganz gut, insbesondere auch dank des zahlreich vorhandenen Archivmaterials, das den Zuschauer mitnimmt in die Kapseln und auf den Erdtrabanten. Philip Sheppards an James Horner erinnernde musikalische Untermalung trägt ihren Teil dazu bei, In the Shadow of the Moon zu einem unterhaltsamen, magischen und vor allem informativen Ausflug jenseits unserer Atmosphäre werden zu lassen. Fly me to the moon wahrhaftig.

8/10

9. Dezember 2009

Uncharted 2: Among Thieves

Als Uncharted: Drakes Fortune nach Erscheinen Preis um Preis abräumte, war klar, dass der Kuchen damit noch nicht gegessen war. Im Gegenteil. Nicht nur eine Kinoverfilmung steht in den Startlöchern, sondern diesen Herbst erschien mit Uncharted 2: Among Thieves auch der Nachfolger. Der kann zwar vom Gameplay her nicht ganz so gut überzeugen wie sein Vorgänger, dafür vermag Nathan Drakes neuestes Abenteuer etwas ganz anderes zu sein. Zockbares Blockbusterkino. Ins Detail bin ich in meiner Besprechung bei evolver gegangen.

7.5/10

8. Dezember 2009

Fri os fra det onde

It so peaceful out here. Nothing much ever happens.

Das Leben der Menschen war so gut. Schön im Paradies gelebt, genug zu Essen gehabt, genug zu Trinken. Herr über alles was da kreuchte und fleuchte. Und dann frisst die Frau ‘nen Apfel. Gott ist erst Mal angepisst, schmeißt Adam und Eva aus dem Garten Eden und straft das Weib damit, dass es Kinder kriegen kann (durchaus eine harte Strafe). Schließlich wächst Gras über die Sache. Dem ersten Kind, Kain, folgt ein Zweites, Abel. Beide bringen dem Herrgott Opfer dar, doch bedanken tut er sich nur bei Abel. „WTF?“, denkt sich Kain da zugegeben zurecht, geht zu seinem kleinen Bruder und sagt: „Lass uns aufs Feld gehen.“ Dort angekommen schlägt er Abel tot. Da brauchte es nicht Rudi Cerne vom Aktenzeichen XY, damit Gott eins und eins zusammenzählt. Die Moral vom vierten Kapitel des ersten Buches Mose ist folglich, dass der Mensch ein blutrünstiges Tier ist, wenn selbst Brüder sich gegenseitig den Schädel einkloppen (und dies nicht einmal wegen einer Frau – was nicht bedeutet, dass dies die Angelegenheit besser gemacht hätte). Und weil Abel tot war, ist jeder Mensch ein Nachkomme Kains und damit auch des Brudermörders. Bzw. sind wir alle auch Kinder von Kains Frau, doch wo die herkam, weiß die Bibel leider nicht.

Dass sich die Menschen seit damals nicht großartig verändert haben, kann man heute noch sehen, wenn man die Nachrichten verfolgt. Und wer dies nicht tut, erhält vom dänischen Regisseur Ole Bornedal mit Hilfe seines neuesten Filmes Fri os fra det onde eine auffrischende Erinnerung. Ein- und ausgeleitet wie ein Theaterstück lässt der Däne eine Sängerin zuerst ein wenig über die Protagonisten und den Schauplatz des Geschehens schwadronieren. Da hätten wir zum einen Johannes (Lasse Rimmer), ein angesehener Bürger, gut situiert, ein Anwalt. Jemand, der Recht und Ordnung kennt. Und weil Johannes sein Heimatort im Jutland so gefällt, hat er seine Frau Pernille (Lene Nystrøm) gemeinsam mit den beiden Kindern dazu überredet, aufs Land raus zu ziehen. Dort lebt auch noch Johannes’ Bruder Lars (Jens Andersen), der sich als LKW-Fahrer verdingt, weil er – so die Erzählerin – bei der Vergabe der Schicksale durch Gott nicht da war. Manchmal verliert man eben und manchmal gewinnen die Anderen. Deshalb vögelt Lars’ Freundin, die schwanger von ihm ist, auch den dicken Tonse. Und da ist dann auch schon die biblische Analogie zu Kain und Abel, wenn dem einen Bruder – in diesem Fall dem Jüngeren – all das verwehrt geblieben ist, was Gott dem Anderen gewährte.

Hatte Lars geglaubt, sein Leben wäre schon so beschissen wie es nur sein kann, wird er eines Besseren belehrt als er unachtsamer Weise eines Tages die Kirchenaktivistin Anna überfährt. „Was tun?“, ist nun die Frage. Da trifft es sich gut, dass das Dorf mit Alain (Bojan Navojec) einen bosnischen Flüchtling aus dem Kosovo beherbergt. Alain, dessen Dänisch beachtlich, aber nicht besonders gut ist, wird von der white trash society rund um Lars und seine Hart-IV-Gesellen nur abfällig „Neger“ genannt. Lars überredet nun Alain den LKW ins Lager zu fahren und stopft ihm auch noch Beweismaterial ins Jackett. Bisher läuft alles ganz geschmeidig und spätestens nachdem Ingvar (Mogens Pedersen), der Ober-Motz des Dorfes, gemeinsam mit seinem Schläger Leif Christensen (Kim Kold) und Johannes Annas Leiche findet – die seine Lebensgefährtin war -, reibt sich Lars genüsslich die Hände. Während Johannes sich Alain schnappt und erst einmal zu sich bringt, bevor die Polizei kommt, organisiert Ingvar ein Lynchfest der allerersten Güte. Und was als intensives Drama über einen vertuschten Mord beginnt, wird vom Dänen-Ole schnurstracks zum Selbstjustizfilm umfunktioniert. Alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, wird umgepustet. Ganz nach dem Motto: erst schießen und gar keine Fragen stellen.

Bis zum Finale gelingt es Bornedal dabei in der Tat einen unwahrscheinlich intensiven Film zu inszenieren. Dessen erste zwei Akte werden ganz klar von Jens Andersens phantastischem Spiel getragen, der den ewigen Verlierer Lars mit Glanz und Gloria verkörpert. Die Anspannung schwappt schier gar aus der Leinwand in den Kinosaal, wenn sich die von Lars ausgelegte Schlinge immer mehr um den Hals des naiv-unschuldigen Alain zuzieht. Das ist gut gespielt, gut inszeniert und stets packend und mitreißend. Hier kann man Bornedal keine Vorwürfe machen. Im Finale dann jedoch schon. Die zwei einzigen Polizisten werden mal eben weggelockt, ein Haustelefon haben Johannes und Pernille sowieso nicht und das einzige Handy des Hauses hat Ingvar zuvor bei Annas Fund ins Wasser gepfeffert. Aus keinen bestimmten Grund außer dem, dass Johannes eben später niemanden mehr anrufen kann. Und der Arzt, der schließlich die Polente anruft, wird von Ingvar zum Jubel des Pöbels abgeknallt. Eine sporadische Erklärung für dieses Handeln liefert Bornedal auch noch geschwind, denn mit Anna starb die gute Seite in Ingvar, der sich als dänischer Dorf-Brick-Top entpuppt. Über die Konsequenzen seines Handelns scheint er genauso wenig nachzudenken, wie der Rest. Scheinbar glauben alle, mit einem Mehrfachmord einfach so davonzukommen.

Hier lässt sich der Film auch nicht mehr mit der bloßen Bibelanalogie in Einklang bringen, da Bornedal zu sehr eine Einordnung in die Wirklichkeit sucht. Dabei fällt Fri os fra det onde nicht wirklich groß ab, ehe der Däne dem Ganzen nochmals eine Krone aufsetzen muss. Der Epilog zum Finale gibt sich schließlich vollends der Lächerlichkeit preis, wenn ein Handlungsmoment peinlicher als das vorherige ausfällt. Dass dies dann in einem harmonischen Ende kulminiert, ist dann nur die Spitze des Eisberges. Letztlich ist das einzig Positive des Finales das Spiel von Rimmer, der hier gerade mit seinen Augen enorm viel Atmosphäre einzufangen und wiederzugeben versteht. Dennoch wäre dieser enorme Einbruch, dem Fri os fra det onde im dritten Akt zum Opfer fällt, vermeidbar gewesen, hätte sich Bornedal auf eine realistischere Darstellung beschränkt bzw. jene realistische Darstellung weitergeführt, die dem dritten Akt vorausgegangen war. Nichtsdestotrotz ist Bornedals Film ein intensives Drama mit zwei exzellenten Hauptdarstellern, welches zwar noch Luft nach oben gehabt hat, aber auch so relativ ansehnlich geworden ist.

7/10

6. Dezember 2009

Classic Scene: Southland Tales - "You're a fucking slut"

DIE SZENERIE: Eine Gruppe von Neo-Marxisten rund um Zora Carmichaels plant einen moralischen Angriff auf die republikanische Regierung. Zwei ihrer Mitglieder, Dream und Dion, inszenieren einen Ehestreit eines frisch getrauten Paares. Hinzu kommen sollen Ronald Taverner, der als sein Zwillingsbruder verkleidet einen rassistischen UPU-Polizisten mimt und die beiden Eheleute vermeintlich erschießt. Blutpäckchen sollen von Bing, einem Helfershelfer, gezündet werden, um die Authentizität zu wahren. Als Vermittler dient Schauspieler Boxer Santaros, der für seinen neuen Film recherchiert und mit der Tochter des Gouverneurs verheiratet ist. Doch als der Beamte Bart Bookman auftaucht, eskaliert die Situation.

INT. HOUSE – LIVING ROOM
- DAY

Dream and Dion breathe slowly in and out, eyes closed.

DREAM: Transform. Breath. Dream.
DION (screams and gestures): Did you fuck him?
DREAM: Yeah, I fucked him!

Dion groans.

DREAM: I fucked him real good.
DION: You liked it?
DREAM: I fucking loved it.
DION: You bitch!
DREAM: I fucked your brother last night, too!

Dion groans again.

DREAM: I’ll fuck him in front of you, too.
DION (points his finger at her): You’re a fucking slut.
DREAM: Don’t point your finger at me.
DION: Bitch, I’ll fucking kill you!
DREAM: You kill me I get the fucking cops down here so fast.
DION (gestures wildly): How? How? How? You’re going to be dead.
DREAM: I know people.

INT. SHACK
- DAY

BING: They’re so good at improv.
ZORA: Shh.

INT. HOUSE – LIVING ROOM

DION (jumps up and down): Oh, I fucking hate you!
DREAM: I fucking hate you!
DION: Don’t marry a ho.
DREAM: I wish we’d never got married.
DION: You can’t make one a housewife. You can’t! Fuck!
DREAM: I don’t want to be a fucking housewife! I like to suck dick!

Dion groans again.

DREAM (cont.): That’s what I like to do.

Dion groans and starts to punch the air.

EXT. STREET
-DAY

Boxer and Ronald arrive outside on the street in their police car. So does Bart Bookman.

BOXER: Oh, look. Fellow officer of the law.

BOOKMAN: Howdy.

Boxer smiles naively and raises his hand in greeting.

BOOKMAN (cont.): Hermosa Beach. Little bit out of your jurisdiction. Don’t you think?

RONALD: Well, there is no jurisdiction. We’re all UPU 2 now.

WOMAN ON RADIO (O.S.): We have a possible domestic disturbance at 14000 Nowita Place, do you copy?

BOOKMAN: Boxer Santaros?

BOXER (raises his hand in greeting again): Good evening, Officer. I’m researching my movie.

DION (O.S.): I call you what you are. I’ll call you what I see. You’re a fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck You!

BOOKMAN: Sounds like you could use a little back-up.

Boxer nods his head in agreement.

RONALD: I think I can handle this.

BOOKMAN: No. I think you could use a little back-up.

DION (O.S.): You fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck you. Don’t call me a fucking bitch.
DION (O.S.): That’s what I called you and I’ll fucking kill you.
DREAM (O.S.): His fucking dick was 200 inches long. You can’t get your dick hard.
DION (O.S.): What?
DREAM (O.S.): You can’t fucking lay me.
DION (O.S.): What?

Ronald, Boxer and Bookman walk down the path to 14000 Nowita Place.

RONALD: Right behind you, Officer.
DION (O.S.): I give you my dick hard.
RONALD: Never seen so much fog.
BOOKMAN: Tidal generator.
DREAM (O.S.): Fucking asshole.

They enter the backyard garden.

DION (O.S.): You fucking slut. That’s what you are. A fucking slut.
DREAM (O.S.): You can’t get your fucking dick hard. You want me to go fuck your brother on our wedding night.

INT. SHACK

Bing holds the detonator for the fake blood wounds.

DION (O.S.): I’ll fucking knock the shit out of you, bitch.

Zora holds him back, afraid he detonates too early.

DREAM (O.S.): You’ll have to tie me up…
DION (O.S.): I’ll fucking kill you!

EXT. BACKYARD
- DAY

To Moby’s 3 Steps Bookman, Ronald and Boxer with his camera approach the backdoor of Dion’s and Dream’s house while both are still heavily arguing.

DREAM: Fuck you! Don’t fucking say that to me! You’re a fucking dick. I can’t even believe I married you.
BOOKMAN (interrupts): What the fuck is wrong with you people?

Dion and Dream turn to the intruding trio.
INT. SHACK

BING: Is that Ronald?

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Dream and Dion look at each other, uncertain what to do.

DREAM (raps): Check this out, pig. Fascist dogma applied. Revolution by surprise. My vagina will not be denied a vote in your subjective election. That’s an original poem. By Dream.

Bookman pulls his gun out of his holster and points it at Dream. Boxer’s eyes widen in shock. Bookman shoots Dream in the chest.

DION (O.S.): Oh, shit.

INT. SHACK

Bing detonates the fake blood explosion. It explodes obviously too late.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

BOOKMAN: Dream over.

Dion looks at Dream’s body in shock. He turns to Bookman who points his gun at him and shoots him in the chest, too.

INT. SHACK

Again, Bing triggers the detonator too late which causes a delayed fake blood explosion.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Boxer gasps in disbelief of what he just witnessed.


BOOKMAN (cont.): Flow my tears.

ZORA: Now that was loud. And that was funny.

BOXER: They weren’t armed.

Bookman takes Boxer’s camera from him and films the actor who starts a nervous dance with his finger tips.

BOOKMAN: This is my deal now. Now get the fuck out of here. Santaros.

Boxer and Ronald look at each other. Boxer flees the scene.

BOOKMAN (to Ronald): You’re not really here.

RONALD: Who am I?

BOOKMAN: None of your business. Now get the fuck out of here.

PILOT ABILENE (V.O.): It was an inspired idea. A staged double-murder, committed by a racist cop, captured on tape by a movie star with political ties.

BOOKMAN (to Ronald): Go!

PILOT ABILENE (V.O.): But no one could have anticipated the untimely arrival of Officer Bart Bookman.

Ronald flees the scene while Wave of Mutilation from the Pixies starts to play.

5. Dezember 2009

Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson

Don’t judge a taco by its price.

Eine große Persönlichkeit zeichnet sich durch ihr Erbe aus, das sie der Nachwelt hinterlässt. Sei es wie im Falle von Gandhi ein freies und unabhängiges Land oder „nur“ ein neues literarisches Genre. Als Begründer des Gonzo-Journalismus gilt gemeinhin Dr. Hunter S. Thompson. Gonzo beschreibt eine Form des Journalismus, in der Fakten und Fiktion mit den Erlebnissen des Autors verschmelzen. Als Thompson 1970 als Sportsjournalist zum Kentucky Derby geschickt wurde, um mit einem Artikel in der Redaktion zu erscheinen, der über alles schrieb, außer über das eigentliche Derby, war Gonzo-Journalismus geboren. Thompson, der primär für das Rolling Stone Magazin Artikel lieferte, würde später dank seiner Bücher Fear and Loathing in Las Vegas sowie Fear and Loathing on the Campaign Trail, 1972 im Gedächtnis seiner Umwelt verhaftet bleiben. Mit Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson widmete Oscarpreisträger Alex Gibney, zuvor verantwortlich für Dokumentationen wie Enron und Taxi to the Dark Side, diesem enfant terrible der Journalistenszene ein stimmiges und unterhaltsames Portrait.

Dabei deckt Gibney jedoch nicht das ganze Leben von Thompson ab. Zwar wird kurz ein Einblick in dessen Familienleben und Schulzeit gegeben, aber dann springt die Dokumentation quasi direkt in die Mitte der sechziger Jahre, als Thompson ein Buch über die damals aufstrebende Rockergruppe der heute legendären Hell’s Angels verfasste. Von Thompsons Anfängen in New York erfährt man nur die Anekdote, dass er F. Scott Fitzgeralds The Great Gatsby an der Schreibmaschine nachtippte, um dieselben Geräusche zu hören, wie Fitzgerald einst beim Schreiben seines Meisterwerks vernahm. Die Jahre in Südamerika zu Beginn der sechziger Jahre (Puerto Rico, Brasilien) erspart Gibney dem Publikum. Man erfährt von Thompsons Problemen mit den Rockern, von vermeintlichen Gang Bangs, die auf Partys stattgefunden haben oder häuslichen Streitereien, die Thompson aufbrechen wollte und dafür schließlich selbst Schläge bezog. Was folgte war wohl die düsterste Phase Amerikas im zwanzigsten Jahrhundert und Stein des Anstoßes für Thompsons Veränderung. Die 68er-Bewegung setzte ein, der Kampf um die Bürgerrechte und natürlich allen voran der Krieg in Vietnam. Hunter S. Thompson begann den amerikanischen Traum zerbröseln zu sehen.

Als entscheidendes Jahr findet sich 1968. Nachdem Reverend Martin Luther King Jr. und Senator Robert F. Kennedy erschossen wurden, war Thompson Augenzeuge der Auseinandersetzungen der 68er Nationalkonvention der Demokraten zwischen Protestlern und der Polizei. Thompson, ein Mann der nach Aussagen seiner damaligen Frau Sandy nie weinte, kam anschließend mit Tränen in den Augen nach Hause. Zu dieser Zeit avancierte der Journalist zum Waffennarr und begann eine Wahlkampagne in Aspen, Colorado als Sheriff. Mit kahl rasiertem Schädel wollte er Leute verhaften, die Drogen verkauften. Weil er der Überzeugung war, Drogen müssten umsonst sein. Seine Kandidatur allein sorgte in Aspen für Kontroversen, am Ende musste er sich jedoch seinem Konkurrenten geschlagen geben. Wieder der Verlust in den Glauben an die Nation. Während sein Drogenkonsum von Marihuana über Kokain bis hin zu Meskalin reichte, kristallisierte sich allmählich der journalistische Stil bei ihm heraus, der als Gonzo-Journalismus in die Geschichte eingehen sollte. Es folgten verquere Artikel im Rolling Stone Magazin, das Buch Fear and Loathing in Las Vegas und schließlich die Idee seines Redakteurs Jann Wenner, Thompson als Korrespondent auf die 1972er Wahlkampagne der Demokratischen Partei zu schicken.

Es ist jene Phase, der Gibney wohl am meisten Zeit widmet. Der demokratische Senator George McGovern erweckte in Thompson wieder die Hoffnung auf eine Wende in seinem Land. Thompson selber wurde durch seine Korrespondenz immer bekannter und berühmter, sein Narzissmus nahm zu. Der Wahlkampf läuft jedoch nicht zufriedenstellend, Richard Nixon gewinnt die US-Präsidentschaft mit einem Erdrutschsieg und Thompsons Glaube ist erneut erschüttert. Als er nach Zaire fliegt, um über den Kampf seines Helden Muhammad Ali gegen George Foreman zu berichtet, will Thompson nicht schon wieder enttäuscht werden. Er verschenkt seine Karte zum Kampf und dröhnt sich stattdessen mit Drogen zu, um schließlich sein Marihuana im Hotelpool zu verstreuen. Die Zeit um den Rumble in the Jungle herum sorgte laut Gibney dafür, dass „fame caught up with him“ und sein Redakteur und Freund Wenner konstatiert, dass Thompson zum „prisoner of his own fame“ wurde. An dieser Stelle, Mitte der Siebziger, springt Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson schließlich in das 21. Jahrhundert und spart die drei Jahrzehnte dazwischen weitestgehend aus.

Man erlebt Thompson mit seiner zweiten Frau in seinen Sechzigern, wie er vergnügt zu Elton Johns Candle in the Wind in die Schreibmaschinentasten haut und in George W. Bush und dem Irakkrieg eine direkte Analogie zu Tricky Dick und dem Desaster Vietnam sieht. Sein Suizid im Jahr 2005 reflektiert Gibney nur minimal, wie ohnehin das Privatleben – Thompson und seine Frau verloren fünf Kinder, drei durch Fehlgeburten, zwei früh nach ihrer Geburt – trotz des „Life“ im Filmtitel eine untergeordnete Rolle spielt. Gibney zeichnet ein Bild von Thompson, dass ihn zwar durchaus als „man of great contradiction“ zeigt, aber insbesondere als Patriot, der den Glauben an sein Land und den amerikanischen Traum verloren hat. Exemplarisch eine Audioaufnahme, die Gibney mit Bildern nachstellen lässt, in der Thompson und sein Anwalt Oscar Acosta (Vorlage für Dr. Gonzo in Fear and Loathing in Las Vegas) in der Umgebung von Las Vegas Angestellte einer Taco-Bar fragen, wo der American Dream sei und diese entgegen, ob dies ein Club sei, jedenfalls wüssten sie es nicht. Wo Ereignisse wie Kent State und Vietnam Thompson an seinem Land zweifeln ließen, schürten Politiker wie George McGovern und Ex-Präsident Jimmy Carter, die beide als Interviewpartner in der Dokumentation auftauchen, gelegentlich die Hoffnung von Thompson.

Während der Beginn des Filmes sehr dilettantisch zusammengeschustert wirkt, findet Gibney relativ schnell eine crossmediale Harmonie. Als Erzähler fungiert im eigentlichen Sinne Thompson selbst, wenn dessen Freund Johnny Depp Exzerpte aus seinen Werken vorliest, die sich jeweils der Situation anpassen. Unterstützt wird dies von Interviews mit Thompsons Ex-Frau, seinem Freund und Kollaborateur Ralph Steadman, Rolling Stone Magazin Redakteur Jann Wenner, Kollege Tom Wolfe und einigen Politikern wie gerade angesprochen Jimmy Carter. Bilder von Thompson sowie Archivmaterial von seiner Kandidatur als Sheriff oder Gast in Talk-Shows komplettieren gemeinsam mit Audiomaterial, das durch nachgestellte Szenen ergänzt wurde, ein rundum visuell gelungenes Bild. Zwar wirkt Gibneys Film sehr harmonisch, aber letztlich baut er zu stark auf Buy the Ticket, Take the Ride von Tom Thurman auf. Oft interviewt Gibney einfach dieselben Leute, benutzt dasselbe Material und strukturiert seine Dokumentation zu sehr an Thurmans Arbeit von vor drei Jahren. Am Ende vermag Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson vielleicht nicht vollends das Leben oder die Arbeit von Thompson einzufangen, aber man erhält nichtsdestotrotz ein sehr gutes Bild von diesem fraglos begnadeten Literaten, der schließlich in der Tat zur großen Persönlichkeit verkommt.

8/10

4. Dezember 2009

Shotgun Stories

It’s not gambling. It’s a system.

Manchmal gewährt das Leben zweite Chancen. Und manchmal muss man diese zweiten Chancen forcieren. So wie Cleaman Hayes, ein Säufer und keineswegs ein Christ. Seine drei Söhne waren ihm stets egal, was man schon an ihrer simplen Namensgebung (Son, Boy, Kid) merkt. Den Rücken der Familie zugewendet findet Cleaman dann sein neues Glück. Erst den Weg zu Gott und weg vom Alkohol, dann in die Arme einer neuen Frau mit der er vier weitere Kinder hat. Diese kriegen dann richtige Namen. Der erstgeborene heißt Cleaman Jr., die weiteren Kinder erhalten biblische Namen. Klar, dass das gerade bei der verlassenen Frau und nun alleinerziehenden Mutter nicht besonders gut ankommt. “You made us hate those boys”, wirft Son (Michael Shannon) seiner Mutter vor, ist es doch ihr Hass auf den Ex-Mann und dessen neue Familie, den sie auf ihre drei Söhne projiziert. Aktiv wie passiv. Jeder lebt sein eigenes Leben, ironischerweise jedoch allesamt im verschlafenen England, Arkansas.

Dabei fällt der Apfel wohl nicht weit vom Stamm. Sons Spielsucht, die für diesen zwar keine ist (s. Zitat), führt zum Auszug seiner Freundin Annie (Glenda Pannell) und des gemeinsamen Sohnes aus seinem Haus. Sein kleiner Bruder Kid (Barlow Jacobs) schläft in einem Zelt im Garten, blickt einer Gehaltserhöhung von der Fischfarm entgegen, damit er seiner Freundin einen Verlobungsring kaufen kann. Boy (Douglas Ligon) wiederum lebt in seinem Van und trainiert gelegentlich drei Jugendliche auf einem verwahrlosten Basketballfeld. Kontakt pflegen die Brüder eigentlich nur zu sich selbst, gelten sie nach außen hin trotz des kleinen Städtchens als Mysterium. So trägt Son auf seinem Rücken Narben eines Schrottflintschusses, was seine Mitarbeiter zu Wetten anregt, wie er diesen Schuss abbekommen hat. Jeff Nichols setzt seine Shotgun Stories nun in Handlung, wenn Mutter Hayes eines Abends vor dem Haus von Son auftaucht, um den Söhnen mitzuteilen, dass ihr Vater gestorben sei. Wann die Beerdigung sei, fragt Son. Schau in die Zeitung, erwidert seine Mutter. “You going?”, will er wissen, offensichtlich unsicher, was die entsprechende Reaktion sein soll. Die Mutter verneint und entschwindet ins Dunkel.

Son, Boy und Kid entschließen sich zur Beerdigung zu gehen und es fallen harte, ehrliche Worte von Son. Bei ihren Halbbrüdern, allen voran Mark Hayes (Travis Smith), kommt das verständlicherweise nicht gut an. Die Situation schaukelt sich hoch, auch wenn Cleaman Jr. (Michael Abbott, Jr.) vorab versucht zu beschwichtigen. Son müsse aufpassen, erklärt er diesem durchaus freundschaftlich gesonnen, dass bei einem Zwist keinem seiner Brüder etwas passiere. Son kriegt dies jedoch in den falschen Hals und verkündet, sich Cleamans gesamter Familie anzunehmen, wenn einem seiner Brüder etwas geschehe. Mit zwei Sturköpfen auf beiden Seiten wie Son und Mark ist Ärger dann natürlich vorprogrammiert. Man spürt nun als Zuschauer, wie sich der Konflikt Stück für Stück erhitzt. Wenn die einen Hayes-Jungs agieren, folgt unabdingbar die Reaktion der anderen Hayes-Jungs. Dass das ganze jedoch nie gehetzt oder effekthascherisch wirkt – ähnlich wie zuletzt bei Revanche erwähnt -, zeichnet Shotgun Stories gegenüber anderen, gerade größeren Produktionen aus. Nichols präsentiert mit simpelsten Mitteln, wie man eine Spannungsschraube mehr und mehr andrehen kann. Dass man in diesem Konflikt ausschließlich an der Seite von Son, Boy und Kid wandelt, verdankt sich der Tatsache, dass Nichols dem Publikum einen größeren Blick auf Mark und Co. erspart.

Somit ist Nichols Film ein Werk der stillen Worte, in dem jedes Wort aber durchaus Gewicht besitzt. Das Ende wirkt gegenüber der restlichen Handlung jedoch etwas unerwartet und plötzlich, will dementsprechend nicht unbedingt gefallen, selbst wenn es irgendwie plausibel erscheint (im Kontext des Filmes). Getragen wird Shotgun Stories dabei eigentlich ausschließlich von Michael Shannon, dem Nichols die Rolle des Son auf den Leib geschrieben hat. Seine Figur führt zum Verständnis des Filmes und wahrscheinlich auch des Endes. Bezeichnend für Son beziehungsweise Shannons Spiel ist es, dass er nie die Stimme erheben muss, stets – wenn man so will – die Contenance behält und die meisten Emotionen durch seine Augen transferiert. Letztlich ist es bedauerlich, dass Nichols Film sowohl in den USA wie auch außerhalb relativ wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Ein intensiveres Drama hat man 2009 kaum gesehen.

8/10

3. Dezember 2009

Schön und mutig

Dann ist man Mitte Dreißig. Dann hat man wieder ein Problem.

Kinder sind etwas Schönes. Aber die meisten von uns haben trotzdem keine. Das stellte Stefanie Gartmann, 28 Jahre alt und inzwischen selbst Mutter, vor einiger Zeit fest. Aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus, war sie wie einige ihrer Freundinnen nun Mitte Zwanzig. Und damit in einem Alter, in dem sie sich alle vorgestellt hatten, allmählich an die Familiengründung zu denken. Doch viele von Gartmanns Freunden waren noch kinderlos, weshalb sich die Dortmunder Studentin für ihren Abschlussfilm Schön und mutig die „Angst“ vor der Schwangerschaft zum Thema auserkor. Ein Jahr begleitete sie fünf ihrer Freunde und befragte sie über ihre Kinderplanung, ihr Liebesleben und ihre Zukunftsaussichten. Die Antworten sind ehrlich, authentisch und auf gewisse Art und Weise repräsentativ. Zugleich offenbaren sie den schmalen Grad zwischen Wunsch und Realität, zwischen Freiheit und gefühlter Einengung.

Eine von Gartmanns Freundinnen ist die Flugbegleiterin Tanja. Sie kann sich zwar generell durchaus Kinder vorstellen, aber wüsste nicht, wie sie diese jetzt sofort unterkriegen soll. Schließlich will sie eine beschützende Mutter sein, die immer für ihre Kinder da ist. Was als Flugbegleiterin, die mitunter zwei Mal am Tag nach London fliegt, schwer sein dürfte. Zudem hat Thorsten, ihr momentaner Freund, bereits ein Kind und sich erst vor etwa einem Jahr von seiner Frau für sie getrennt. Dabei ist Tanja bereits über Dreißig und weiß sehr gut, dass im fortgeschrittenen Alter das Kinderkriegen schwer werden kann. Sagt man sich mit 28 Jahren, man wartet noch ein paar Jahre, ist man plötzlich Mitte Dreißig. „Dann hat man wieder ein Problem“, konstatiert sie. Ähnlich sieht es Gabi, die 27 Jahre alt ist. Sie ist beruflich eng eingebunden und ihr Freund Stefan mit 22 ganze fünf Jahre jünger als sie. Kinder passen also gerade nicht in ihre Karriereplanung, selbst wenn sie früher immer gedacht hat, mit 28 Jahren wäre man im richtigen Alter. Hätte schon einiges erlebt, wäre aber noch jung genug zum gebären.

Etwas, von dem Barbara ein Lied singen kann. Sie lernte ihren Ehemann Jörn auf einer Abschlussfahrt kennen. Und weil Barbara früher magersüchtig war, wollte sie so früh wie möglich, so viele Kinder wie möglich kriegen. Immerhin hat sie seit Jahren ihre Periode nicht mehr bekommen und es wohl auch einigen Hormonbehandlungen zu verdanken, dass sie jetzt überhaupt das eine Kind haben, das sie haben. So will es das Schicksal auch, dass an Jörns bestandener Diplomprüfung Barbara erfährt, dass die letzte Hormonbehandlung nicht angeschlagen hat. Was nicht halb so schlimm wäre, wie das Wissen, dass sie durch ihre Magersucht selbst dafür verantwortlich ist. Dem Leben als einzige Eltern in Gartmanns Dokumentation blicken sie eher gelassen entgegen. Oder besser gesagt: realistisch und erstaunlich erwachsen. Man büßt die Freiheit ein spontan zu sein. „Oh Gott, jetzt ist mein Leben vorbei“, meint Jörn scherzhaft und negiert zugleich diesen Gedankengang. Man kann eben nicht mehr flexibel tun und lassen was man möchte. Sondern muss sich Gedanken machen, was in der Zwischenzeit mit dem eigenen Kind geschieht.

Ein Merkmal, dass auch die anderen beschäftigt. „Möchte man das auch? Möchte man auf so viel verzichten?“, fragt Gabi, die zwar Kinder will, aber nicht jetzt. In ein paar Jahren vielleicht. Aber dann ist sie Mitte Dreißig. Dann hat sie wieder ein Problem, wie es Tanja auf den Punkt gebracht hat. Auch Sonja, die gerade ihr Diplom als Photographin gemacht hat, kann sich Kinder momentan gar nicht vorstellen. „Ich möchte irgendwie beweglich sein“, meint sie, während sie zugleich von Felix, ihrem neuen Freund schwärmt. Die Bereitschaft, ein Kind zu kriegen, verlangt heutzutage eben durchaus Mut. Wenn man keinen Festvertrag hat, der einem Mutterschutz gewährt, erinnert Barbara, kann es gleich ganz anders aussehen. Und wenn die Ausbildung beziehungsweise das Studium dauert, bis man Mitte Zwanzig ist, wer will dann gleich zwei, drei Jahre später schon sesshaft werden und Kinder bekommen? Verständlich die Sorgen von Sonja und Gabi, nachvollziehbar aber auch Barbaras Entscheidung, jetzt Kinder zu kriegen, wo ihr Körper dazu noch (mehr) Potential hat.

Gartmanns Auswahl ist hier sehr gelungen, sowohl von der Charakterwahl ihrer Freunde als auch deren Alter her. So ist Tanja „schon“ 35, Sonja wiederum 31, Gabi 27 und Barbara wohl nochmals ein paar Jahre jünger, um die 24 herum. Abgesehen von Barbara zeichnet sich hier ein Bild einer immer älter werdenden (deutschen) Mutter ab. Mitte/Ende Dreißig könnte sich das erste Kind einstellen. Ob man dann direkt das Zweite danach haben will, steht offen. Insofern ist Schön und mutig wohl eine Dokumentation, die der ehemaligen Familienministerin die Haare zu Berge hätte stehen lassen. Und auch bei Frau Köhler dürften derartige Einstellungen bei Geburtenrückgang keine Jubelstürme auslösen. Aber lassen sich Familien ernähren, wenn nur ein Elternteil arbeitet? Und kann man jungen Frauen vorschreiben, bereits kurz nach dem Studium ihre Freiheit aufzugeben, um ihr Leben der Erziehung eines neuen Lebens zu widmen? Kinder sind etwas Schönes, ja. Das streitet niemand ab, auch keine von Gartmanns Freundinnen. Ihr Film fängt sehr gekonnt die Ängste und Sorgen potentieller Mütter ein. Aber zugleich auch ihre Wünsche und Planungen.

8/10

2. Dezember 2009

Whatever Works

Seit 1982 beehrt uns Woody Allen jedes Jahr mit einem Film. Er ist einer der großen Auteure Hollywoods und jahrelanger Regisseur in seiner Heimatstadt New York, ehe er sich 2005 nach Europa verabschiedete. Vielleicht wäre er dort auch besser geblieben, denn Whatever Works, seine Rückkehr zu seiner Muse Big Apple, will nicht so wirklich funktionieren. Was zu einem Großteil auch am fehlbesetzten Hauptdarsteller Larry David liegt. Wieso der Film relativ enttäuschend ist, habe ich bei evolver versucht aufzuschlüsseln.

5.5/10

1. Dezember 2009

The English Surgeon

What are we if we don’t try to help others?

Ein älterer Mann werkelt in einem Raum. Schneidet Holz, sägt es aus, bohrt Nägel hinein. „I always loved using tools“, erzählt Henry Marsh. Oder besser gesagt: Dr. Henry Marsh. Das Bild von Marsh mit dem Akkubohrer sollte man im Gedächtnis behalten, wird es doch später noch von Bedeutung sein. Marsh ist ein englischer Neurochirurg, der bei der Arbeit seine Krankenschwestern gerne darauf hinweist, dass sie die OP-Materialien nicht wegschmeißen sollen nach Gebrauch. Diese benötige Marsh noch, für seinen Freund Igor. Seit 1992 sind Marsh und sein ukrainischer Kollege Dr. Igor Kurilets aus Kiew befreundet. Marsh sei wie ein älterer Bruder für ihn, erklärt der Ukrainer. Hin und wieder fliegt Marsh nach Kiew, um dort seinem Kollegen und „jüngeren Bruder“ bei Operationen zu unterstützen und scheinbar antiquiertes OP-Material zu übersenden. Beispielsweise Bohraufsätze, die in Großbritannien nach der ersten Benutzung entsorgt werden müssen, aber nach Meinung von Marsh problemlos noch zwölf Mal verwendet werden können.

Die Unterschiede zwischen westlichem Wohlstand und östlicher Armut verdeutlicht der Film sehr gut ohne jedoch neu oder überraschend zu wirken. Die Schuld wird abgewälzt auf die sowjetische Herrschaft von einst, die nun verhindert, dass man die nötige Ausstattung hat oder die Kapazitäten. Einmal fährt Kurilets mit Marsh raus, zu einem vereisten Fluss und erklärt, hier wolle er seine Neuroklinik aufbauen. Die erste ihrer Art in der Ukraine. Mit welchem Geld wird nicht klar, denn wer sich selbst Bohraufsätze, OP-Stühle und anderes aus zweiter Hand von einem Kollegen aus England schicken lassen muss, dürfte ein solches Unterfangen kaum finanziell stemmen können. Denn seine eigenen OP-Materialien kauft Kurilets auch nicht von medizinischen Herstellern, sondern auf Straßenbaumärkten, über die er Marsh führt. Später werden beide eine Operation mit einem Bosch PSR 960 Akkubohrer durchführen, den man im Handel für 40 Euro erstehen kann. Jetzt mag man sich sagen: was für Zustände da drüben! Oder man kann sagen: schau einer her, mit einem 40-Euro-Bohrer geht so etwas auch. Erinnerungen an Dr. Nick aus The Simpsons drängen sich auf.

In Geoffrey Smiths The English Surgeon geht es nun primär um eine Aktion: die Operation an Marian Dolishny. Dolishny hat einen Gehirntumor und gehört zu den Patienten, für die Marsh die letzte Option ist. „It’s a bit like Russian Roulette with two revolvers“, resümiert Marsh. Egal ob er den Patienten behandelt oder nicht behandelt, die Chancen, dass er stirbt, bleiben gleich. Problematisch sind wohl insbesondere die späten Diagnosen. Smith präsentiert gleich zwei Patientinnen, bei denen Marshs Urteil zu spät kommt. Bedröppelt schaut der Engländer auf den Boden, meidet den Blick zum Patienten, während Kurilets Marshs Diagnose, dass eine junge Patientin innerhalb von drei Jahren erblinden wird bevor sie stirbt oder ein kleines Mädchen weniger als zwölf Monate übrig hat, übersetzt. Immer wieder wird dann die Erinnerung an Tania beschworen, einem anderen kleinen Mädchen, das Marsh vor einigen Jahren behandelt und mit seinen Operationen schließlich umgebracht hat. Etwas, das ihn bis heute belastet, gesteht er mehrfach. Russisches Roulette mit zwei Revolvern eben. Wie man’s macht, ist’s falsch.

Als Gegenbeispiel muss/darf/soll nun Dolishny herhalten. Vom Lande kommt er, die Operation wird wohl von Smiths Fernsehteam bezahlt und der Patient ist durch seine Stilisierung zum Dokumentationsthema ohnehin schon „geheilt“. Da schluchzt Mutter Dolishny trotzdem beim Abschied in die Kamera und wenn Kurilets dann Marshs Pläne übersetzt, bleibt Dolishny ohnehin nicht viel übrig, als alles brav abzunicken. Ohne Anästhesie wird er am Gehirn operiert, damit überprüft werden kann, ob seine motorischen Fähigkeiten gefährdet werden. Да, да. Marsh beschwichtigt, die Operation an der Schädeldecke und dem Gehirn – beides schmerzunempfindlich – sei „not different from going to the dentist.“ Vielleicht eine problematische Analogie, betrachtet man Dolishnys Gebiss, in dem die Zähne, die nicht schon fehlen, schief gewachsen sind. Doch die Operation geht gut, auch wenn während des Vorgangs sich scheinbar ein epileptischer Anfall des Patienten einstellt, der dann aber doch keiner ist bzw. wieder verebbt.

„Life can be very cruel“, meint Marsh, als er eine der Todesnachrichten überbringt und den Blick abwendet. Immer wieder schneidet Smith dann „Archivmaterial“ von Tanias Behandlung rein, das schließlich zur finalen Begegnung zwischen Marsh, Kurilets und Tanias Mutter hinführt. Zwar weiß niemand der Beteiligten, was sie sagen sollen, aber wohl nur so kann das Ende dieser Doku aussehen, wenn Marsh dann noch zum Friedhof geht und Blumen für Tania niederlegt. Ein Zugang zu Marsh bzw. diesen Szenen wäre wohl leichter, wenn Smith expliziter in den Vordergrund gerückt hätte, dass Marshs eigenes Kind einst an einem Gehirntumor litt. Einiges wirkt daher in The Englisch Surgeon inszeniert oder um der Wirkung willen platziert. Kurilets, der auf Fortschritt drängt und die ukrainische Elite bittet, im Land zu bleiben, damit es sich entwickeln kann, erhält wegen seiner Bemühungen Morddrohungen. Das wird mal eben erwähnt und dann wieder fallen gelassen. Genauso wie die Pläne für die Neuroklinik angesprochen werden, ohne zu klären, wie sich diese überhaupt verwirklichen lassen soll.

Sieht man nun davon ab, dass Smiths Film gerade zum Schluss reichlich pathetisch ausgefallen ist, so weiß besonders die Operation an Dolishny wegen ihres medizinischen Elements zu gefallen. Smith begleitet die Operation am Gehirn sowohl am Mikroskop, wie auch am Patienten selbst. Da wird das Gehirn aufgeschnitten und der Tumor rausgesaugt, während Dolishny unentwegt seinen Arm hebt, um zu zeigen, dass er dazu noch im Stande ist. Zudem ist Marsh fraglos ein sympathischer Charakter, wenn er mit seiner Brille einer alten Eule gleich alles in seinem Krankenhaus einpackt, was sonst weggeschmissen würde und sich echauffiert, wenn er am Computer seinen Wochenplan nicht eintragen kann. Würde Smith seinen englischen Chirurgen nun nicht so sehr als Halbgott in Weiß inszenieren und das melodramatische Element etwas seriöser präsentieren, hätte The English Surgeon auch ansprechender sein können. Nun ist hier wenig „deeply moving/touching“ wie einige englischsprachige Medien berichten, wobei dies wohl auch nur deshalb so aufgenommen wird, weil vielen Westlern wohl die Zustände in Osteuropa nicht unbedingt klar sind. Gelungen ist Smiths Portrait dennoch allemal.

8/10