Will you keep out all the sadness?
Fast auf den Tag genau 13 Monate ist es her, seit das erste Bild von Where the Wild Things Are erschien. Meine Worte damals lauteten: „Weniger die Umsetzung (...) als vielmehr das Einfügen einer Handlung dürfte hier ein Problem darstellen.“ Und dies sollte sich bewahrheiten. Denn in gewisser Hinsicht war und ist Maurice Sendaks berühmtestes Kinderbuch perfekt. 18 Bilder, 10 Sätze und 338 Wörter brauchte Sendak, um seine Geschichte von Max und dem Land, wo die Wilden Kerle wohnen, zu erzählen. Max, ein Kind mit Anflügen von ADS, wird ohne Essen auf sein Zimmer geschickt und träumt sich dort in eine phantastische Welt. Mit fortschreitender Phantasie vergrößerte Sendak die jeweiligen Bildrahmen, bis schließlich das ganze Bild von seiner Zeichnung eingenommen wird und jeglicher Text fehlt. Über 19 Millionen Exemplare konnten seit 1963 von Where the Wild Things Are verkauft werden. Und dennoch war eine Verfilmung erst Anfang der achtziger Jahre im Gespräch.
Disney, rund um John Lasseter, hatte damals Versuche unternommen, Sendaks beliebte Kindergeschichte als Animationsfilm umzusetzen. Die Adaption der ersten beiden Szenen findet man auf YouTube. Doch das Projekt wurde ebenso wie eine Realverfilmung in den Neunzigern verworfen. Richtig Form nahm Where the Wild Things Are erst Anfang des aktuellen Jahrzehnts an, als Spike Jonze Interesse anmeldete. Vor vier Jahren begannen dann intensivere Planungen und sollten fast zum Scheitern verurteilt sein. Zuerst gab es Probleme mit den Kostümen der Wilden Kerle, dann war Warner Bros. verschreckt von der scheinbaren Familienuntauglichkeit des fertigen Produkts. Die Verantwortlichen wollten das 75-Millionen-Dollar-Projekt neu drehen lassen, entschieden sich dann aber dafür, Jonze es für weitere 25 Millionen Dollar stattdessen familienfreundlicher gestalten zu lassen. Nachdem der erste Trailer, auch dank „Wake Up“ von Arcade Fire, viel versprechend aussah, bewahrheitet sich mit Where the Wild Things Are meine Äußerung von vor 13 Monaten. Während der Look durchaus überzeugt, stellt die Integration einer Handlung ein leichtes Problem dar.
In der Adaption von Dave Eggers, bisher – oder chronologisch korrekt: seitdem – verantwortlich für das Drehbuch von Sam Mendes’ Away We Go, verkommt der achtjährige Max (Max Records) nun zum Scheidungskind. Sich seiner Phantasie hingebend, lebt seine ältere Schwester Claire inzwischen ihr eigenes Leben. Und auch seine Mutter (Catherine Keener) hat keine Zeit und Lust unentwegt mit ihrem Sohn zu spielen. Schließlich verlangt es den neuen Freund (Mark Ruffalo) auch ein wenig nach Aufmerksamkeit. Max wiederum fehlt jene Aufmerksamkeit, er überstrapaziert die Nerven seiner Mutter als er sie beißt („I’ll eat you up!“) und flieht letztlich in die nächtliche Nachbarschaft. Wo in der Vorlage eine mütterliche Strafe für ungebührliches Verhalten der Initiator für Max’ sprichwörtlich ausufernde Phantasie ist, verorten Eggers und Jonze ihre Geschichte als Flucht vor der Patchworkfamilie. Die im Folgenden zur Ankunft in einer weiteren Patchworkfamilie führt. Auf einer Insel strandend trifft Max schließlich die Wilden Kerle rund um ihren inoffiziellen Anführer Carol (James Gandolfini). Und wie sich herausstellt, ist auch da wo die Wilden Kerle wohnen, Einiges im Argen.
Fast auf den Tag genau 13 Monate ist es her, seit das erste Bild von Where the Wild Things Are erschien. Meine Worte damals lauteten: „Weniger die Umsetzung (...) als vielmehr das Einfügen einer Handlung dürfte hier ein Problem darstellen.“ Und dies sollte sich bewahrheiten. Denn in gewisser Hinsicht war und ist Maurice Sendaks berühmtestes Kinderbuch perfekt. 18 Bilder, 10 Sätze und 338 Wörter brauchte Sendak, um seine Geschichte von Max und dem Land, wo die Wilden Kerle wohnen, zu erzählen. Max, ein Kind mit Anflügen von ADS, wird ohne Essen auf sein Zimmer geschickt und träumt sich dort in eine phantastische Welt. Mit fortschreitender Phantasie vergrößerte Sendak die jeweiligen Bildrahmen, bis schließlich das ganze Bild von seiner Zeichnung eingenommen wird und jeglicher Text fehlt. Über 19 Millionen Exemplare konnten seit 1963 von Where the Wild Things Are verkauft werden. Und dennoch war eine Verfilmung erst Anfang der achtziger Jahre im Gespräch.
Disney, rund um John Lasseter, hatte damals Versuche unternommen, Sendaks beliebte Kindergeschichte als Animationsfilm umzusetzen. Die Adaption der ersten beiden Szenen findet man auf YouTube. Doch das Projekt wurde ebenso wie eine Realverfilmung in den Neunzigern verworfen. Richtig Form nahm Where the Wild Things Are erst Anfang des aktuellen Jahrzehnts an, als Spike Jonze Interesse anmeldete. Vor vier Jahren begannen dann intensivere Planungen und sollten fast zum Scheitern verurteilt sein. Zuerst gab es Probleme mit den Kostümen der Wilden Kerle, dann war Warner Bros. verschreckt von der scheinbaren Familienuntauglichkeit des fertigen Produkts. Die Verantwortlichen wollten das 75-Millionen-Dollar-Projekt neu drehen lassen, entschieden sich dann aber dafür, Jonze es für weitere 25 Millionen Dollar stattdessen familienfreundlicher gestalten zu lassen. Nachdem der erste Trailer, auch dank „Wake Up“ von Arcade Fire, viel versprechend aussah, bewahrheitet sich mit Where the Wild Things Are meine Äußerung von vor 13 Monaten. Während der Look durchaus überzeugt, stellt die Integration einer Handlung ein leichtes Problem dar.
In der Adaption von Dave Eggers, bisher – oder chronologisch korrekt: seitdem – verantwortlich für das Drehbuch von Sam Mendes’ Away We Go, verkommt der achtjährige Max (Max Records) nun zum Scheidungskind. Sich seiner Phantasie hingebend, lebt seine ältere Schwester Claire inzwischen ihr eigenes Leben. Und auch seine Mutter (Catherine Keener) hat keine Zeit und Lust unentwegt mit ihrem Sohn zu spielen. Schließlich verlangt es den neuen Freund (Mark Ruffalo) auch ein wenig nach Aufmerksamkeit. Max wiederum fehlt jene Aufmerksamkeit, er überstrapaziert die Nerven seiner Mutter als er sie beißt („I’ll eat you up!“) und flieht letztlich in die nächtliche Nachbarschaft. Wo in der Vorlage eine mütterliche Strafe für ungebührliches Verhalten der Initiator für Max’ sprichwörtlich ausufernde Phantasie ist, verorten Eggers und Jonze ihre Geschichte als Flucht vor der Patchworkfamilie. Die im Folgenden zur Ankunft in einer weiteren Patchworkfamilie führt. Auf einer Insel strandend trifft Max schließlich die Wilden Kerle rund um ihren inoffiziellen Anführer Carol (James Gandolfini). Und wie sich herausstellt, ist auch da wo die Wilden Kerle wohnen, Einiges im Argen.
Zur Identifikationsfigur wird der ungestüme Carol auserkoren, der über den Zustand seiner eigenen Familie so wütend ist, dass er wie ein Berserker durch ihr Zuhause stürmt. Seine Gefühlswelt beschreibt er später Max gegenüber als Gebiss, in dem im Alter die Zähne immer weiter auseinander stehen und letztlich ausfallen. Nichts ist mehr so wie früher, will doch keiner mehr wild herumtollen und auch KW (Lauren Ambrose) hat kaum noch Interesse an Carols Spieltrieb. Es sind diese Beiden, die an Max ihr Herz verlieren werden und vice versa. Mit dem meist abwesenden Daniel, der lieber für sich allein ist, und dem von der Gruppe vernachlässigten Alexander (Paul Dano) hat Max dagegen weniger zu tun. Als Spiegelbilder seiner selbst zählen sie, wie auch die mies gelaunte Judith (Catherine O’Hara), zu den Facetten, die er lieber verdrängen möchte. Aber der Zustand der Wilden Kerle offenbart, dass Max vor seinen Problemen mit seiner Familie nicht davon laufen kann. Insofern bemühen Eggers und Jonze hier sehr offensichtlich eine Katharsis ihres Helden.
Wo Sendak sich auf die Botschaft der mütterlichen Liebe beschränkt – Max kehrt nach Hause zurück und findet dort doch noch sein Abendessen vor -, versieht der Film Max mit einem Konflikt, den es zu lösen gilt. Wenn auch nur mit sich selbst. Erst die Position des quasi Außenstehenden bei den Wilden Kerlen sorgt dafür, dass er begreift wie unglücklich alle unter diesen Voraussetzungen sind. Insofern will er „no longer let his anger separate him from those whom he loves and who love him“, wie es Elizabeth Kennedy ausdrückte. Interpretiert man Sendaks Werk primär aus diesem Blickwinkel, wird der Film der Vorlage durchaus gerecht. Doch die Projizierung von Max auf alle sieben „Wild Things“ will nicht immer vollends überzeugen. Schon allein deshalb, da es wie erwähnt weniger Wilde Kerle als vielmehr manisch-depressive Kerle sind, die man aufgetischt bekommt. Auch die Katharsis von Max wirkt relativ halbgar, da er nicht ein Mal seine Phantasiewelt gebacken bekommt und diese immerhin eine vereinfachte Version seiner Realität darstellt. Ingesamt wirkt Jonzes Adaption vom sozialpsychologischen Standpunkt her somit leicht überfrachtet, weshalb auch die hinzugefügte Handlung nur bedingt überzeugen will.
Von der technischen Umsetzung her ist Where the Wild Things Are jedoch ausgesprochen gelungen. Die digitalisierten Gesichter auf den realen Kostümen synthetisieren gut und es schadet den Wilden Kerlen nur, wenn Jonze sie durch die Luft springen lässt. Hier wirken die Bewegungen nun wenig natürlich, was aber ob der geringen Präsenz an Sprüngen annehmbar ist. Ein besonderer Trumpf ist jedoch der Soundtrack von Karen O, der unentwegt jenes phantastische Gefühl zu transportieren weiß, das Sendaks Geschichte innewohnt. Und während sich Records erstaunlich gut schlägt, zwischen all den Riesenkostümen, sind es speziell Gandolfini und Dano, deren Stimmen besonders gut gewählt scheinen. Somit ist Where the Wild Things Are vielleicht kein Meisterwerk, aber trotzdem – und gerade in seinen letzten Minuten – ein teils wunderschöner und ergreifender Film geworden. „L.O.V.E., it’s a mystery“, singt Karen O schließlich im Abspann und es verabschiedet sich mit Spike Jonze nach vier Jahren Arbeit der wahre König der Wilden Kerle.7/10

Eine Einordnung findet schließlich in The Doll’s House statt, wenn der Leser nach Dream und Death nun zwei weitere Endless kennenlernt. Wir treffen Desire, ein intrigantes Wesen, das sich nicht auf ein Geschlecht beschränkt und insofern sowohl männlich als auch weiblich wie neutral ist. „Desire is in the heart“, erklärt Gaiman und offenbart die dritte Endless als Initiator der vorangegangenen Geschichte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Despair treibt Desire ihr eigenes Spiel, welches nunmehr im kleinen wie großen The Doll’s House festgehalten wird. Die zweite Ausgabe führt Rose Walker ein, die sich als zentrale Figur dieses Bandes herausstellt. Zudem gibt es ein Wiedersehen und eine Verknüpfung mit Unity Kinkaid, einem der Traumopfer aus dem ersten Band, das durch Dreams Gefangennahme verursacht wurde. War Tales in the Sand noch eine Geschichte außerhalb der Geschichte, so stellt The Doll’s House nun die eigentlich Einführung dar, die den Leser mit der Rahmenhandlung (einige Albträume sind aus der Traumwelt entflohen, Rose ist ein Vortex, ein Phänomen, das Zugriff zur Traumwelt erhält) der kommenden Ausgaben vertraut macht.
Daher will auch die Folgeausgabe Playing House nicht überzeugen. Sie widmet sich im Grunde ausschließlich der Auseinandersetzung von Dream mit seinen beiden widerwilligen Schöpfungen bzw. deren Schöpfung. Ein Traumkampf, der nie wirklich spannend wirkt und zwei Gegenspieler, die eigentlich den Kampf aufgegeben haben, bevor dieser begann. Was zwar ob der Tatsache gefällt, dass sie ihre Situation richtig einschätzen können, aber die Handlung dieser Ausgabe zu keinem Zeitpunkt zu halten vermag. Interessant ist lediglich der Aspekt, dass Brute und Globs Marionette, eine Manifestation eines Verstorbenen, im Stande war eine lebende Person, hier seine Frau Lyta, in seine bzw. die Traumwelt der beiden Albträume mit einzuschließen und sogar ein Kind zu zeugen. Dieses Kind von Lyta wird in späteren Bänden von Bedeutung sein. „That child is mine“, erklärt Dream lapidar und Gaiman ebnet somit einen zukünftigen Auftritt von Lyta und ihrem Sohn.
Welche Rolle das Kennenlernen von Dream und Hob spielt, wird hier noch nicht klar. Denn wie angesprochen, hat die fünfhundert Jahre alte Freundschaft nichts mit dem zweiten Band als solchen zu tun. Etabliert aber sehr gut die emotionale Komponente die bei den Endless mit reinspielt oder eben auch nicht. Hatte man in Preludes & Nocturnes die Fürsorge von Death zu spüren bekommen, tritt sie auch hier wieder auf. Denn immerhin war es sie, die die beiden Männer einander vorgestellt hat. Der Zeichenstil von Men of Good Fortune ist dabei geprägt von den jeweiligen Epochen und weiß ebenso zu gefallen, wie die Einbindung von Figuren wie Shakespeare oder Marlowe. Das Szenario mutet an wie ein soziales Experiment und vermutlich ist es auch zum Teil als solches von Death und Dream angedacht, aber die Überbrückung von einem halben Jahrtausend ist auch deswegen so erfrischend, weil sie die beiden vorangegangenen und etwas langweiligen Ausgaben rund um Brute und Glob abgelöst hat. Gemeinsam mit der folgenden Ausgabe findet sich hier das Herz von The Doll’s House.
Mit Into the Night bewegt sich der zweite Band dann schließlich auf seine Zielgeraden zu. Die gesamte Ausgabe dreht sich um Roses Auswüchse als Vortex, sprich ihre Einflussnahme auf die Träume ihrer direkten Umgebung. Gaiman veranschaulicht dies dadurch, dass er dem Leser Einblick in die Träume von Roses Mitbewohnern wie Barbie gewährt, während ihre „Macht“ – eine solche ist es, wobei man nie den Eindruck erhält, sie wäre gefährlich, das Dream durchgehend gelassen wirkt – immer mehr zunimmt. Nach den beiden gelungenen Ausgaben baut Gaiman hier wieder stark ab, da die Träume, die das Gros der Panels stellen, weder etwas zur Handlung beitragen können, noch für sich gesehen von größerem Interesse sind. Letztlich ist Into the Night nicht mehr als eine überbordende Einleitung für das Finale und insofern reichlich enttäuschend, bedenkt man dass Gaiman zuvor bereits mit Tales in the Sand oder Men of Good Fortune Geschichten abseits der Geschichte erzählt hat, die selbst eigentlich unerheblich zugleich aber durchaus unterhaltsam waren.

Von 1968 bis 1972 schickte die NASA neun Apollo-Missionen zum Mond. Insgesamt waren es 24 Männer, die zum Mond geschickt wurden, wobei 12 ihren Fuß auf den Erdtrabanten setzten. Zehn dieser 24 Astronauten lud Sington schließlich zu seiner Reflektion über das Apollo-Programm ein. Gut möglich, dass die Tatsache, als erste Menschen den Mond beschritten zu haben, Armstrong und Aldrin zu Kopf gestiegen ist. Während Armstrong darauf verzichtete, an In the Shadow of the Moon zu partizipieren (er lebt als strahlender Held in den Worten seiner Freund und Kollegen fort), verlangte Aldrin als Einziger der Ex-Astronauten für seinen Auftritt bezahlt zu werden. Auch wenn alle Interviewpartner sehr sympathisch rüberkommen, selbst wenn Cernan und Young einen leicht arroganten Einschlag haben, sind es primär Mike Collins und Alan Bean (Apollo 12), die am authentischsten wirken. Besonders ergreifend ist schließlich die Szene, in der Lovell über die verunglückte Apollo-13-Mission spricht. Zwei Mal flog Lovell, der seit 1964 im Apollo-Programm war, zum Mund, durfte seinen Fuß letztlich jedoch noch an die Stelle setzen, wo seine Freunde und Kollegen zuvor ihre Abdrücke hinterlassen hatten.


Als entscheidendes Jahr findet sich 1968. Nachdem Reverend Martin Luther King Jr. und Senator Robert F. Kennedy erschossen wurden, war Thompson Augenzeuge der Auseinandersetzungen der 68er Nationalkonvention der Demokraten zwischen Protestlern und der Polizei. Thompson, ein Mann der nach Aussagen seiner damaligen Frau Sandy nie weinte, kam anschließend mit Tränen in den Augen nach Hause. Zu dieser Zeit avancierte der Journalist zum Waffennarr und begann eine Wahlkampagne in Aspen, Colorado als Sheriff. Mit kahl rasiertem Schädel wollte er Leute verhaften, die Drogen verkauften. Weil er der Überzeugung war, Drogen müssten umsonst sein. Seine Kandidatur allein sorgte in Aspen für Kontroversen, am Ende musste er sich jedoch seinem Konkurrenten geschlagen geben. Wieder der Verlust in den Glauben an die Nation. Während sein Drogenkonsum von Marihuana über Kokain bis hin zu Meskalin reichte, kristallisierte sich allmählich der journalistische Stil bei ihm heraus, der als Gonzo-Journalismus in die Geschichte eingehen sollte. Es folgten verquere Artikel im Rolling Stone Magazin, das Buch Fear and Loathing in Las Vegas und schließlich die Idee seines Redakteurs Jann Wenner, Thompson als Korrespondent auf die 1972er Wahlkampagne der Demokratischen Partei zu schicken.
Man erlebt Thompson mit seiner zweiten Frau in seinen Sechzigern, wie er vergnügt zu Elton Johns Candle in the Wind in die Schreibmaschinentasten haut und in George W. Bush und dem Irakkrieg eine direkte Analogie zu Tricky Dick und dem Desaster Vietnam sieht. Sein Suizid im Jahr 2005 reflektiert Gibney nur minimal, wie ohnehin das Privatleben – Thompson und seine Frau verloren fünf Kinder, drei durch Fehlgeburten, zwei früh nach ihrer Geburt – trotz des „Life“ im Filmtitel eine untergeordnete Rolle spielt. Gibney zeichnet ein Bild von Thompson, dass ihn zwar durchaus als „man of great contradiction“ zeigt, aber insbesondere als Patriot, der den Glauben an sein Land und den amerikanischen Traum verloren hat. Exemplarisch eine Audioaufnahme, die Gibney mit Bildern nachstellen lässt, in der Thompson und sein Anwalt Oscar Acosta (Vorlage für Dr. Gonzo in 


Als Gegenbeispiel muss/darf/soll nun Dolishny herhalten. Vom Lande kommt er, die Operation wird wohl von Smiths Fernsehteam bezahlt und der Patient ist durch seine Stilisierung zum Dokumentationsthema ohnehin schon „geheilt“. Da schluchzt Mutter Dolishny trotzdem beim Abschied in die Kamera und wenn Kurilets dann Marshs Pläne übersetzt, bleibt Dolishny ohnehin nicht viel übrig, als alles brav abzunicken. Ohne Anästhesie wird er am Gehirn operiert, damit überprüft werden kann, ob seine motorischen Fähigkeiten gefährdet werden. Да, да. Marsh beschwichtigt, die Operation an der Schädeldecke und dem Gehirn – beides schmerzunempfindlich – sei „not different from going to the dentist.“ Vielleicht eine problematische Analogie, betrachtet man Dolishnys Gebiss, in dem die Zähne, die nicht schon fehlen, schief gewachsen sind. Doch die Operation geht gut, auch wenn während des Vorgangs sich scheinbar ein epileptischer Anfall des Patienten einstellt, der dann aber doch keiner ist bzw. wieder verebbt.