13. Juni 2008

Vorlage vs. Film: Charlie and the Chocolate Factory

Charlie and the Chocolate Factory (1964) Kinderbücher gibt es zu Hauf, selbst Pop-Queen Madonna schreibt inzwischen welche. Aber es gibt auch die Klassiker der Klassiker unter den Kinderbüchern und neben den Werken von Dr. Seuss zählt auch Roald Dahl zu ihren Meistern. Der geborene Waliser verfasste in den sechziger Jahren eine Geschichte mit dem Namen Charlie Chocolate Boy. Diese stammt aus dem Jahr 1961 und dreht sich um die phantastische Schokoladenfabrik von Willy Wonka. Eben jener Wonka verteilte pro Woche zehn goldene Tickets, die jeden Samstag die Besucher in die Fabrik einluden, darunter auch den Held der Geschichte: Charlie Bucket. In dieser ersten Fassung der Geschichte traten noch keine Oompa Loompas oder Grandpa Joe auf. Doch dies blieb auch lediglich die erste Fassung. Drei Jahre später kam schließlich Charlie and the Chocolate Factory (dt. Charlie und die Schokoladenfabrik) heraus und wurde nicht nur zum Kinderbuchklassiker, sondern sorgte auch für Kontroversen. In seinem ersten Druck beschrieb Dahl die Oompa Loompas nämlich noch als farbige afrikanische Pygmäen, was ihm starke rassistische Vorwürfe einbrachte. Daher wurde der Text von Dahl 1973 nochmals geändert und platzierte die mysteriösen Arbeitskräfte nunmehr in das fiktive Loompaland. 

Völlig frei von Kritik blieb das Buch trotz allem nicht, doch verwundert dies kaum, werden doch selbst Werke wie Pullman’s His Dark Materials oder Rowling’s Harry Potter in unserer heutigen Zeit von verschiedenen Menschen und Institutionen kritisiert. Dahls Geschichte beginnt mit der Familie Bucket, die mit drei Generationen in einem Haus lebt. Es handelt sich hierbei um eine ausgesprochen arme Familie, die hauptsächlich Kohlsuppe isst. Die vier Großeltern der Titelfigur Charlie Bucket nisten sich seit zwanzig Jahren in einem großen Bett ein und als Vater Bucket seinen Job in der Zahnpasta-Fabrik verliert, muss die Familie den Gürtel noch mal enger schnallen. Da ist es ein noch viel größerer Luxus, dass der kleine Charlie an seinem Geburtstag dennoch seinen obligatorischen Schokoriegel der Firma Wonka erhält. Doch diesmal hat das ganze einen anderen Hintersinn. Denn seit mehreren Jahrzehnten hat sich Schokoladenfabrikant Willy Wonka in seine Fabrik zurückgezogen und seinen Arbeitern wegen Industriespionage gekündigt. Jetzt plötzlich kündigt er aber fünf Goldene Tickets an, die seinen Schokoriegeln beiliegen und den Gewinner auf eine Rundschau durch die Fabrik einladen. Dieses Goldene Ticket erhofft sich Charlie und wünschen ihm seine Angehörigen, schließlich muss der arme Junge doch auf so viel verzichten. Doch der Riegel enthält nicht das Ticket. Sein Großvater Joe wird Charlie schließlich seine Ersparnisse geben, damit sie noch einen Riegel kaufen können, doch auch dieser enthält nicht das Ticket. Charlie findet dann überraschenderweise Geld in der Straße und kauft sich erneut einen Riegel, wieder erfolglos. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, noch einen weiteren Riegel zu kaufen und diesmal wird er fündig. Charlie stößt auf das letzte verbliebene Goldene Ticket. Dahl spielt hier geschickt mit dem Spannungsbogen und lässt Charlie nicht sofort auf das Ticket stoßen. Doch auch Charlies Hartnäckigkeit in Anbetracht der Not seiner Familie entbehren nicht eines etwas missratenen Charakters.
 
There was a silence. Charlie stood there holding tightly onto Grandpa Joe’s hand. “You mean you’re the only one left?” Mr. Wonka said, pretending to be surprised. (p. 142) 

Denn was Charlie von den anderen vier Gewinnern unterscheiden soll, ist gerade sein reiner und unschuldiger Charakter. Jener Punkt ist in Dahls Buch an dieser Stelle nicht besonders gelungen, stellt Charlie doch sein eigenes Glück an erste Stelle und das seiner Familie hinten an. Auch wenn noch Geld übrig bleibt, so spricht die Gier des Jungen, innerhalb weniger Tage vier Riegel zu essen, nachdem er zuvor jedes Jahr nur einen erhielt, doch für sich. Jener Punkt wird in Burtons Verfilmung etwas gerader gerückt, doch dazu später mehr. In Dahls Geschichte geschieht fortan etwas ungewöhnliches, denn die Bösewichter seiner Handlung sind keine Erwachsenen, sondern Kinder. Genauer gesagt Gören. Angefangen bei Augustus Gloop, einem Vielfraß, der nichts anderes tut außer essen. Gesteigert wird dies nur noch von Veruca Salt, einer verzogenen Göre, die alles besitzen möchte, was sie erblickt, ungeachtet des Aufwands und der Kosten. Als nächstes hätte man dann Violet Beauregarde, die eine Affinität zu Kaugummis hat und einen Rekord im Dauerkauen aufgestellt hat. Letzter in der Gruppe ist Mike Teavee, ein Fernsehkonsumist, der eine Liebe zu Pistolen und Gewalt dank der medialen Unterhaltung aufgebaut hat. Schaut man genauer hin, verkörpern die vier Kinder vier der sieben Todsünden: Augustus gibt sich der Völlerei (gula) hin, Veruca hingegen gehört dank ihrer Habsucht in die Kategorie des Geizes (avaritia). Violet zählt man wegen ihrer Ruhmsucht zum Hochmut (superbia) und Mike Teavee dank seines ausschweifenden TV-Konsums zur Wollust (luxuria). Die fehlenden drei Sünden (Zorn, Neid, Trägheit) teilen sich die vier mehr oder weniger. Charlie hingegen ist eine reine, unschuldige Seele. 

An ihren Verfehlungen werden die Kinder auch in Willy Wonkas Schokoladenfabrik schließlich scheitern, eines nach dem anderen geht quasi flöten und erleidet dadurch letztlich einen mehr oder weniger enormen persönlichen Schaden. Allesamt scheitern die Kinder daran, dass sie nicht auf Willy Wonka und seine Warnungen hören, sich vielmehr eigene Gedanken machen und diesen folgen. Sie sind folglich ungehorsam. Außer unser Charlie, dieser stellt das, was Wonka sagt, nicht in Frage, mit seiner kindlichen Naivität begeistert er sich stattdessen für dessen wundersame Fabrik. Am Ende ist Charlie der einzige verbliebene Gewinner und erhält als Aufschlag noch Wonkas gesamte Schokoladenfabrik, die er als Besitzer nunmehr führen darf! Angeblich ist Wonka alt und wollte einen Erben auswählen, der sein Lebenswerk fortführt. Das Bild, welches Dahl hier zu platzieren versucht (Kinder, macht was man euch sagt) ist sicherlich kritisch zu betrachten, ebenso wie gegenteilige Botschaften eines Dr. Seuss (z.B. The Cat in the Hat). Nichtsdestotrotz ist ihm ein sehr harmonisches Kinderbuch gelungen, das durch seine verschrobene Figur von Willy Wonka und der phantastischen Umwelt seiner mysteriösen Schokoladenfabrik zu gefallen weiß. Insbesondere die Oompa Loompa Passagen respektive ihre Lieder wissen durch Inhalt und Textung zu beeindrucken. Fraglich bleibt jedoch, ob einem unbekannten Literaten aus einem Haufen von hundert wahllosen Kinderbüchern Dahls Chocolate Factory auch so hervorstechend auffallen würde, oder ob man das Buch heute lediglich als Klassiker ansieht, weil ihm dieser Status vor langer Zeit verliehen wurde (und man ganz im Sinne von Dahls Botschaft dies nicht hinterfragen sollte). Würde man den guten Mann darauf heutzutage ansprechen, dürfte er sicherlich geneigt sein Willy Wonka zu zitieren und lediglich zu entgegnen: „You really shouldn't mumble, because I can't understand a word you're saying“. 

Charlie and the Chocolate Factory (2005)

I'm sorry, I was having a flashback. 

Eine erste Verfilmung von Dahls Klassiker gab es bereits 1971, damals erschienen unter dem Titel Willy Wonka & the Chocolate Factory. Wieso der Film Willy Wonkas Namen im Titel trägt ist mir selbst nicht klar. Roald Dahl schrieb damals selbst das Drehbuch zum Film, durch wurde dieses noch nachträglich umgeschrieben. Dies führte dazu, dass Dahl einen Hass auf das Projekt entwickelte und sich Mel Stuarts Film niemals ganz angesehen hatte. Der Film mit Produktionskosten von drei Millionen Dollar floppte und spielte etwas mehr als seine Kosten ein. Heute wird er jedoch als Klassiker angesehen. Interessanterweise werden die Oompa Loompas in dieser Filmversion von 1971 bereits so portraitiert, wie sie anschließend erst 1973 in der neu gedruckten Buchversion erscheinen sollten. Wonka-Darsteller Eric Idle war dabei nicht die favorisierte Wahl von Dahl und verlangte einen Purzelbaum in den Film einbauen zu dürfen, wenn er darin mitspielen sollte. Angeblich gehörte Idle neben seinen Monty Python Kollegen John Cleese und Michael Palin zu den potentiellen Wonka-Kandidaten für das 2005er Remake. Außerdem waren auch Jim Carrey, Adam Sandler, Robert De Niro, Robin Williams und ein halbes Dutzend anderer Comedians im Gespräch für die Rolle gewesen (darunter auch Will Smith und Dwayne „The Rock“ Johnson). Am Ende wurde es jedoch Johnny Depp, der Lieblingsdarsteller von Regisseur Tim Burton, der 2003 zum Projekt stieß. Burton brachte auch einige andere Weggefährten mit an Bord, so schrieb John August (Big Fish) das Drehbuch und Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham Carter erhielt ebenso eine Rolle, wie Missi Pyle (Big Fish). Fehlen durfte natürlich auch nicht Danny Elfman als Komponist des Filmes, doch hierzu später mehr. 

Kam die ´71er Version mit Kosten von drei Millionen Dollar aus, so beanspruchte Burton für seine Verfilmung ein Budget, welches das Fünfzigfache dieser Summe beanspruchen sollte. Allein 18 Millionen davon gingen an Johnny Depp, der Rest wohl in die Studiokulisse und die Visuellen Effekte, die zu einem Großteil dennoch ziemlich unnatürlich wirken. Seine Wirkung scheint es zumindest nicht verfehlt zu haben, spielte der Film doch weltweit fast fünfhundert Millionen Dollar ein und markiert somit den erfolgreichsten Film, den Tim Burton je gedreht hat. Mit sehr viel Liebe zur Ausstattung beginnt Burton seinen Film im Haus der Familie Bucket. Die Rolle von Charlie Bucket ging an das aufstrebende Schauspieltalent Freddie Highmore, der Burton von Depp selbst ans Herz gelegt wurde, nachdem dieser mit Highmore in Finding Neverland gespielt hatte. Die Rolle von Grandpa Joe ging an David Kelly, der dies der Tatsache zu verdanken hat, dass Gregory Peck und Peter Ustinov beide verstarben, ehe sie am Projekt teilnehmen konnten. Ein großes Lob gebührt Susie Figgis für ihr großartiges Casting der vier Satansbraten. Egal ob AnnaSophia Robb (Violet), Julia Winter (Veruca), Philip Wiegratz (Augustus) oder Jordan Fry (Mike), sie allesamt sind brillant gecasted und transportieren ihre Figuren exzellent. Besonderes Lob gebührt hierbei Robb und Fry, die in ihren Szenen sogar einen Johnny Depp neben sich blass aussehen lassen (Wortwitz). Dagegen mag Highmore nicht immer zu überzeugen, obschon er offensichtlich engagiert bei der Sache ist. Ähnliches lässt sich auch über Depp sagen, der mit seiner Michael-Jackson-Imitation fraglos einen glaubhaften Wonka darstellt, mit hoher Stimme und blassem Gesicht, dennoch wäre ein Mike Myers in der Rolle weitaus besser aufgegangen. Allgemein scheinen so manche Besetzungen, von Burton über Depp bis hin zu Elfman vielleicht nicht immer glücklich gewesen zu sein. 

Herzstück der Geschichte ist selbstverständlich die besagte Schokoladenfabrik und den ersten Blick, den man auf sie erhält, ist der Schokoladenraum. Dieser wirkt mitunter äußerst lächerlich animiert, wenn die echte Ausstattung (aus wirklichen Süßigkeiten!) mit den digitalen Effekten verschmilzt. Gerade bei einer Summe von 150 Millionen Dollar hätte man sich hier doch ein etwas besseres Ergebnis gewünscht. Ansonsten ist die Transferierung von Dahls Geschichte, wie auch über den ganzen Film gesehen, äußerst detailgetreu geraten. Im Gegensatz zu anderen US-Produktionen wurde sogar die deutsche Sprache ausführlich recherchiert, wenn Mrs. Gloop ausruft „Augustus, pass auf!“. Da ist man ja von manchem Regisseur schlimmeres gewohnt. Hier tritt aber auch eines der Mankos des Filmes auf: die miserablen Kompositionen der Oompa Loompa Songs. Das Lied im Nuss-Sortierraum geht in Ordnung, mit schönen Anleihen an die Beatles, aber die anderen drei Lieder, die Elfman hier komponiert hat, sind eine grauenhafte Ausgeburt an Musik. Zudem geht bei seinem lautstarken Tamtam teilweise der Liedtext der Oompa Loompas unter. Ohnehin ist Elfman für diesen Kinderfilm gänzlich fehlbesetzt, den seine verstörenden, schrägen Töne passen nicht so recht in diesen Hort von Spaß und Spiel. Ein Randy Newman wäre vielleicht besser gewesen, das merkt man bereits zu Beginn, wenn Burton seinen Film mit der Schokoladenproduktion beginnen lässt. Dafür – um die Bewertung verständlich zu machen – erhält der Film einen halben Punkt Abzug. Elfmans Score ist nicht schlecht, das sollte man nicht falsch verstehen, er ist durch und durch Elfman. Nur passt die Musik nicht in die Landschaft der Schokoladenfabrik, sie sieht sich eher als Beipackzettel von Burtons Filmstil, der sich auch in anderen Punkten im Film niederschlägt. Der Einsatz der Oompa Loompas jedenfalls wirkt nicht immer gelungen, eigentlich fast gar nicht, abgesehen von eben jener Szene im Nuss-Sortierungsraum, die ohnehin die beste und gelungenste Sequenz des Filmes darstellt. 

Weitestgehend hat sich Burton aber wirklich an die Vorlage gehalten und sie zum Teil auch mit neuen und frischen Ideen eine Spur witziger gemacht. Insbesondere die zynische Beziehung zwischen Wonka und Mike Teavee wird sehr gut eingefangen. Was jedoch Burton eigenständig einarbeiten musste, war die tragische Vater-Sohn-Geschichte, die den Hintergrund von Willy Wonka beleuchten sollte. Scheinbar kommen amerikanische Filme überhaupt nicht mehr mit tragischen Vätern aus, siehe jeden Film von Steven Spielberg. Es ist natürlich eine besonders ironische Seite, dass Wilbur Wonka (Christopher Lee) ein gefürchteter Zahnarzt war und seinem Sohn, dem designierten Schokoladenfabrikanten, diese süße Speise verbietet. Was das ganze mit Dahls Geschichte zu tun hat fragt man sich vergeblich. Wenn Wonka immer bei dem Wörtchen „Eltern“ ins Stocken gerät und mit Rückblenden beginnt, stört dies ungemein den Erzählfluss, auch wenn es (siehe Zitat oben) seine humoristischen Aspekte hat. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Witz, dass Wonka gegen seinen gläsernen Fahrstuhl latscht, das ist beim ersten Mal schon nicht lustig, und schon gar nicht beim zweiten Mal. Für die missglückte Vater-Sohn-Geschichte erhält der Film einen Punkt Abzug, viel zu viel Tim Burton besitzt die Geschichte hier. Penetrant versucht dieser seine Wonka-Figur zum Außenseiter zu stempeln, wie jede Burtonsche Geschichte ihren Außenseiter braucht. Dabei übersieht Burton jedoch, dass Wonka bereits Außenseiter genug ist und nicht noch einer tragischen Vergangenheit bedarf. Da Burton auch Dahls Ende nicht gut sein lassen kann, und hier nochmals nachhakt, eine ganze zusätzliche Viertelstunde auf das wonkasche Familienglück fokussiert, kostet den Film den letzten halben Punkt. Zwar beweist Charlie am Ende schöne Familientreue, doch hängt diese lediglich mit Burtons Änderung an Wonkas Charakter zusammen. Alles in allem ist Charlie and the Chocolate Factory jedoch eine detailgetreue Adaption von Dahls Vorlage, welche die meiste Zeit zu unterhalten und mit ihrer Farbpracht zu begeistern weiß. Wenn Burton nicht versucht hätte den Film seinem persönlichen Stil unterzuordnen, wäre er perfekt geworden. 

8/10

11. Juni 2008

Forgetting Sarah Marshall

When life gives you lemons, just say ‘fuck the lemons’ and bail.

Das Rat Pack bestand seiner Zeit aus Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop die in den Sechzigern in Filmen wie Ocean’s Eleven zusammen gespielt haben. Als Anlehnung an dieses Rat Pack wurde Anfang des neuen Jahrtausends eine weitere Gruppierung benannt, das Frat Pack, bestehend aus Ben Stiller, Owen und Luke Wilson, Vince Vaughn, Will Ferrell und Jack Black, zudem mehr oder weniger auch Steve Carell und Paul Rudd. In seiner kompletten Besetzung lässt sich das Frat Pack in Anchorman: The Legend of Ron Burgundy begutachten. Involviert mit dieser Gruppe ist auch der Erfolgsproduzent Judd Apatow, der für Filme wie The Cable Guy oder Anchorman verantwortlich war. Apatow selbst hat wiederum ebenfalls eine kleine illustre Runde um sich herum aufgebaut, zu der neben seiner Mitproduzentin Shauna Robertson die Schauspieler Seth Rogen, Jonah Hill und Jason Segel gehören.

Ein besonderes Dream Team bildet er hierbei mit Seth Rogen, die beide nicht nur in den Serien Freaks and Geeks und Undeclared, sondern auch in The 40-Year Old Virgin, Knocked Up und Superbad zusammengearbeitet haben. Freaks and Geeks war auch die Serie, die Apatow mit Jason Segel zusammenführte und nun in Forgetting Sarah Marshall mündet, der Verfilmung von Segels Debütskript. Segel selbst ist inzwischen in der erfolgreichen Sitcom How I Met Your Mother tätig und Apatow begnügt sich vermehrt damit, die Karrieren seiner Freunde voran zu bringen. Nachdem er in Superbad bereits das Drehbuch von Seth Rogen verfilmt hat, folgt nun die Adaption von Jason Segels Skript, die Regie übertrug Apatow dem Neuling Nicholas Stoller, der einst mit ihm bei Undeclared gearbeitet hat. Nicht zu schade für kleine Gastrollen waren sich die Apatow-Spezis Jonah Hill, Paul Rudd und Bill Hader, der auch zur Apatow-Clique zählt.

Der Titel von Stollers Film ist alles andere als Programm, denn nachdem der TV-Star Sarah Marshall (Kristen Bell) mit dem Komponisten ihrer Serie, Paul Bretter (Jason Segel), Schluss macht, bricht diesem das Herz. Der Versuch, vor seiner Ex davon zu rennen, führt in nach Hawaii und dort sogleich wieder in die Arme von Sarah. Diese verbringt ihren Liebesurlaub mit dem britischen Rocker Aldous Snow (Russell Brand) in demselben Hotel wie Paul. Mitleid bekommt er von dessen Angestellten geschenkt, allen voran von Concierge Rachel (Mila Kunis). Wie die Geschichte nun verläuft, kann sich jeder denken. Der Film, der sich selbst als Mischung aus Liebes- und Desasterfilm propagiert, ist dabei jedoch sehr viel durchschnittlicher als er den Anschein erweckt. Den Zufall außen vor gelassen, dass Peter von allen Hawaii-Inseln auf derselben Urlaub macht wie Sarah (und noch dazu im selben Hotel), ist schon im Genre begründet.

Was folgt, ist ein Hin und Her, ein ständiges über den Weglaufen, Kummer, Gram, gelegentlich überschattet von arglosem Geflirte. Daher kann Forgetting Sarah Marshall lediglich durch seine Witze und Schauspieler überzeugen, ob er dies auch wirklich immer vermag, ist wieder eine andere Angelegenheit. Den meisten Menschen wird im Laufe ihres Lebens das Herz gebrochen, es ist ein Vorurteil, dass dies hauptsächlich bei den Damen zutrifft. Die Beziehung stagniert, einer der beiden Partner beginnt eine Affäre und irgendwann ist das Ultimative unausweichlich: eine Trennung muss her. In vielen Fällen kann eine solche Trennung auch wieder zu einer neuerlichen Beziehung führen, wie in Definitely, Maybe. Den Kummer, den Peter im Film darstellt, erscheint einem dann doch sehr überzogen, sicherlich auch speziell intensiviert. Dass das ganze jedoch nach dem zweiten Mal schon an Witz verliert, ergibt sich von selbst.

Segel hebt wie ein kleines Kind verschiedene Plot-Elemente auf, beginnt mit ihnen zu spielen und lässt sie achtlos fallen, als er ein anderes Objekt der Begierde findet. Zu den unnötigen Szenen gehört eigentlich alles, was sich nicht um Peter oder Sarah Marshall dreht. Sei es der stalkende Aldous Snow-Fan und Kellner Matthew (Jonah Hill) oder der geistig abwesende Surflehrer Chuck (Paul Rudd), auch bekannt unter seinem hawaiianischen Namen Kunu (was übersetzt so viel heißt wie „Chuck“). Am unnötigsten fällt jedoch ein frisch verheiratetes Ehepaar (Jack McBrayer aus 30 Rock und Maria Thayer) aus, welches sexuelle Startschwierigkeiten hat, da es über einen christlichen Hintergrund verfügt. Die Witze sind in Forgetting Sarah Marshall, wie sollte es bei einer Apatow-Produktion auch anders sein, zumeist sexuell motiviert und wirken speziell nach seinen vorherigen Film(produktion)en allmählich ausgelutscht – no pun intended.

Hinzu kommt noch, dass Segel schauspielerisch sehr begrenzt ist, zumindest jedoch mit seiner Figur überfordert. Rudd und Hill spielen ihre Figuren gewohnt gekonnt herunter, auch Kristen Bell weiß gemeinsam mit ihrer Kollegin Mila Kunis zu überzeugen. Kleine Perle ist der britische Stand-Up-Comedian Russell Brand, dessen reales Äußeres Vorlage für seine Filmfigur war. Amüsant und durchaus gelungen sind die Anspielungen auf die TV-Landschaft rund um den Hype der forensischen Serien wie Criminal Minds und CSI. Ein weiterer kleiner Pluspunkt ist die Musikauswahl des Soundtracks, gerade durch die beiden hawaiianischen Künstler Israel Kamakawiwo’ole und Daniel Ho, dessen Prince-Adaption von „Nothing Compare 2 U“ begeistert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Forgetting Sarah Marshall mit einer handvoll netter Ideen aufwartet, sich eigentlich aber nicht von einer durchschnittlichen Rom-Com unterscheidet.

6.5/10

10. Juni 2008

Hulk

You’re making me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.

In das goldene Jahrzehnt der Marvel Comics gehört auch Bruce Banner alias der Hulk. Er entstammte wie die meisten populären Marvel Charaktere aus der Feder des genialen Stan Lee in Zusammenarbeit mit Jack Kirby und erlebte seine ersten Abenteuer im selben Jahr wie Spider-Man, nämlich 1962. In seiner Grundstruktur verkörpert die Geschichte Lees dabei eine Mischung aus Elementen von Frankenstein bis hin zum offensichtlichen Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Dabei handelt es sich, wie so oft bei Lee, um eine Geschichte mit stark philosophischer Konnotation. Der Hulk erscheint dem unerfahrenen Leser zwar wie ein plumpes Wesen, welches sich nicht einmal richtig artikulieren kann, doch trügt der Schein. Man sollte den Hulk nicht als eigenständiges Wesen sehen, sondern immer im Zusammenhang mit seinem Alter Ego Bruce Banner. Banner ist ein genialer Wissenschaftler, innerhalb der Serie wird er sogar als einer der brillantesten Köpfe der Erde beschrieben. Da verwundert es auch nicht, dass Banner selbst für die Gammaexplosion sorgt, die ihn letztlich zu dem werden lässt, was den ziemlich eindeutigen Titel "Hulk" (dt. Koloss, Klotz) trägt.

Banner und Hulk sind ein und dieselbe Person, das grüne Monster – welches in seiner ersten Ausgabe noch grau war – verkörpert Banners dunkle, aggressive Seite. Jeder Mensch trägt einen grünen aggressiven Klotz in sich und immer wenn man eine Ungerechtigkeit hinunter schlucken muss, wird dieser Klotz genährt und gestärkt. Dieser Klotz aufgestauter Aggressionen ist der Hulk. In Stresssituationen oder wenn er wütend gemacht wird, mutiert Banner zum Hulk. Somit entsteht sein Alter Ego immer dann, wenn Banner selbst mit einer Situation überfordert scheint, dieses übernimmt man die jeweilige Konfliktlösung. Wie Spider-Man zählt auch der Hulk zu den populären Figuren des Comic-Universums und brachte es nicht nur auf 16 Comic-, sondern auch zu drei Animations- und zwei Fernsehfilmen. Diese wurden 1977 ausgestrahlt und mündeten in einer vierjährigen Serienauskopplung, die durch ihren Hulk-Darsteller Lou Ferrigno geprägt wurde. Gut vierzig Jahre nach seinem Entstehen schaffte es der Hulk 2003 nach 12 Jahren Entwicklung endlich die Kinoleinwand zu stürmen.

In den neunziger Jahren kam etwas Leben in die Bemühungen, 1994 wurde Joe Johnston als Regisseur verpflichtet und, wie bei Comicverfilmungen nicht ungewöhnlich, verschiedene Drehbuchentwürfe durchgearbeitet. Unter anderem verfassten Michael France (GoldenEye, The Punisher), Michael Tolkin (Deep Impact) und David Hayter (X-Men) verschiedene Entwürfe für Drehbücher. Hayters Version beinhaltete die Hulk-Bösewichter The Leader und The Absorbing Man und bildete die Grundlage für das finale Skript. Dieses wurde von James Schamus verfasst, dem Stammautoren von Ang Lee, der die Regie für das Projekt übernahm. Letztlich wurde auf die Verwendung der typischen Hulk-Gegner verzichtet und stattdessen erschuf man eine neue Variation, indem man Hayters Bösewichter gemeinsam mit Zzzax zu einem Bösewicht verschmelzen ließ, der im Finale als Hauptantagonist dient, indem er mit Bruce Banners Vater David Banner verschmilzt.

Für dessen Besetzung stand Nick Nolte fest, die beiden Hauptrollen von Bruce Banner und seiner großen Liebe und Arbeitskollegin Betty Ross hingegen brachten wieder einmal auf interessante Weise das Darstellerkarussell zum Drehen. Mitte der Neunziger war Johnny Depp als Banner vorgesehen, fraglos weil wie so oft der Burtonsche Name über dem Projekt schwebte. Aber auch Steve Buscemi, Tom Cruise, Jeff Goldblum und David Duchovny gehörten neben Edward Norton zu dem auserlesenen Kreis. Norton wiederum darf sich dieses Jahr in der Neuauflage unter Louis Letterier als Banner versuchen. Ang Lees Favorit auf die Rolle war Billy Crudup, der allerdings ablehnte, sodass schließlich der Australier Eric Bana engagiert wurde, der die Rolle seiner Darstellung in Chopper zu verdanken hatte. Lee selbst hatte für sein Herzensprojekt Hulk auf eine Involvierung im dritten Terminator-Abenteuer verzichtet und spickte seine Kinoadaption mit vielen Referenzen zur Fernsehserie The Incredible Hulk und dessen Darsteller Lou Ferrigno (der zu Beginn einen Cameo gemeinsam mit Schöpfer Stan Lee erhielt).

Im Jahre 1998 betrugen die Kosten für das Projekt, welches zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Drehtag hinter sich hatte, bereits zwanzig Millionen Dollar, allein aufgrund der Ausgaben für die Drehbuchentwürfe. Wenige Jahre später sollten die Arbeiten von ILM beginnen, um die Figur glaubwürdig auf die Leinwand zu zaubern. Für insgesamt 137 Millionen Dollar entstand der Film letztlich und spielte diese Summe in etwa auch wieder am amerikanischen Kinomarkt ein. Dabei verzeichnete Hulk eine traurige Bilanz, verlor er doch am zweiten Wochenende enorme 70% seines Debüteinspiels, sodass er am Ende die Hälfte seines US-Einspiels am ersten Wochenende eingespielt haben sollte. Mit weiteren 118 Millionen international ist der Erfolg von Hulk als äußerst bescheiden zu bezeichnen, allgemein wurde der Film als zu ernst aufgenommen, zu komplex. Doch dazu später mehr. Der kritischste Punkt im Projekt sollte die digitale Animation des Hulk werden, die von ILM in anderthalb Jahren betrieben wurde, über 2,5 Millionen Stunden und die Arbeit von 180 Technikern beanspruchen sollte.

Was anschließend auf Hulk einprasselte, waren Vergleich mit DreamWorks Shrek sowie Hohn und Spott. Dass es selbst fünf Jahre später nicht besser geht, beweist Leterrier mit seiner Neuauflage. Die digitale Umsetzung sollte die Techniker von ILM noch des Öfteren fordern, allen voran die umstrittene Kampfszene zwischen Hulk und den Hulk-Hunden. Jene Sequenz zählt zu den umfangreichsten Animationen, die ILM bis zu der damaligen Zeit vorgenommen hatte und wurde lediglich zu einem Drittel umgesetzt. Dabei ist die Animation des Hulk im Grunde nicht als schlechter anzusehen, wie die von Spider-Man im Jahr zuvor. Das knallige Grün ist dabei in der Serie ebenso verankert, wie die protzige Statur von Hulk, der in Lees Filmen dennoch praktisch nach dem Spitznamen „Stiernacken“ schreit. Hulk ist aber ein Fremdkörper in seiner Gesellschaft und trotz allem – bedenkt man die Umstände – gelungen animiert. Insbesondere die Momente der Metamorphose von Banner zu Hulk und vice versa lassen sich sehen und beeindrucken, wie allgemein die digitalen Effekte sich sehr gut in die von Lee angestrebte Inszenierung als wahrhaftige Comic-Adaption einfügen. Pate als Hulk beim Motion Capture stand Lee selbst.

Ein Novum und bisheriges Unikat im Genre der Comic-Adaptionen ist Lees Schnitttechnik. Diese orientiert sich fast durchweg an den gepinselten Vorlagen und strotzt nur so von Überblendungen sowie Zoom-ins und Zoom-outs. Besonders markant wird dies in Hulks Fluchszene eingesetzt, in welcher die Bilder fließend ineinander übergehen, aneinander vorbeifließen und sich praktisch die Hand reichen. Dieser explizit erzeugte Look eines bewegten Comics kam bedauerlicherweise bei den meisten Zuschauern nicht an, was mitunter dafür gesorgt haben dürfte, dass nachfolgende Kinoadaptionen wie Iron Man oder X-Men: The Last Stand auf diese Funktion verzichteten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das Publikum sich bei einer Kino-Comic-Version durch Comic-Stilmittel überfordert fühlte. Insgesamt zählt die Schnitttechnik von Tim Squyres allerdings zu den grandiosen Höhepunkten dieser Hulk-Verfilmung.

Lobend erwähnt werden muss auch der kongeniale Score von Danny Elfman, dessen fantastische Klänge bereits bei Spider-Man fokussiert wurden. Sein Hulk-Theme jedenfalls erzeugt die perfekte Stimmung und zugleich Tiefe. Elfman beweist auch hier, weshalb er zu den begnadensten Komponisten – vor allem im Fantasy-Genre – zählt. Sein Komposition wiederum ist selbst eine Referenz an seinen Kollegen Bernard Herrmann, der mit Altmeister Alfred Hitchcock zusammengearbeitet hatte. Nicht unterschätzen darf man auch das Casting des Filmes, für welches sinnbildlich die Besetzung von Todd Tesen steht, der als junger Verschnitt von Sam Elliotts Figur des General Ross in seinen Szenen die Leinwand für sich einnimmt, sodass sein ebenfalls gut gecastetes Pendant Paul Kersey absolut blass aussieht. Aber auch die Besetzungen von Sam Elliott (Gen. Ross), Josh Lucas (Major Talbot), Jennifer Connelly (Betty Ross) und Eric Bana (Bruce Banner) sind überaus gelungen und zählen zu den eindrucksvollsten im Bereich der Comic-Adaptionen.

Neben der Vermischung von Elementen aus Frankenstein sowie Dr. Jekyll und Mr. Hyde wurde Lees Film stark beeinflusst von der griechischen Tragödie an sich, genauer gesagt von Ödipus. In Hollywood gehört es eigentlich zum guten Ton, in seine Filme eine gescheiterte Vater-Sohn-Beziehung einzubauen. Steven Spielberg kommt seit zwanzig Jahren in seinen Filmen gar nicht mehr ohne aus, und auch in Lees Hulk dreht sich alles um die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. Im Gegensatz zum Comic ist Banners Mutation nicht eigenes Selbstverschulden, sondern genetisch bedingt. David Banner (Nick Nolte) experimentierte mit seinen eigenen Genomen und vererbte die Wirkung schließlich an seinen Sohn weiter, den er zum Testobjekt degradierte. Ein Unfall löst schließlich die Mutation aus, doch ehe das Publikum den Hulk zu sehen bekommt, vergehen beinahe 45 Minuten. Gerade in dieser Exposition ist Lees Film etwas zu lang geraten, die aufgesetzte Komplexität der Geschichte hätte man auch verkürzt darstellen können.

Zu den misslungen Szenen zählt sicherlich auch die Hulk-Hunde-Sequenz, die allgemein von den Fans missbilligend zur Kenntnis genommen wurde (selbst wenn sie auf einer Ausgabe der Serie basiert). Im Kampf zwischen Hulk und Pudel sei die Frage gestattet, weshalb die Tiere nicht über dieselben Fähigkeiten wie Hulk verfügen, doch vielleicht sollen sie dies auch gar nicht. Lächerlich wirken sie und die ganze Sequenz allemal, so gerne man sie auch versucht zu mögen, bedenkt man die Probleme, welche sie dem ILM Team bereitet hat. Die Actionsequenz in der Wüste mit Hulk und den Panzern ist jedoch weitaus gelungener und im Grunde auch das Highlight des Filmes, zumindest in der Action-Hinsicht. Das Finale wiederum zählt mit der Einleitung zu den etwas missratenen Punkten. Zu sehr legt Lee den Fokus auf David Banner und dessen Forschung, die im Grunde überhaupt nichts mit Banner/Hulk zu tun hat. Auch die Tatsache, dass man Banner zum Endgegner aufstachelte, indem man drei beliebte Hulk-Antagonisten in ihm vereinte, wirkt äußerst misslungen, ebenso wie das tatsächliche Ende.

Doch es ist nicht das Finale, an dem Lees Film für die Massen gescheitert scheint, sondern allgemein die Gewichtung der Familienbeziehung innerhalb des filmischen Kontextes. In einer ersten Hulk-Verfilmung hat eigentlich eine Familientragödie griechischen Ausmaßes nichts verloren, zumindest nicht in dieser Form und vor allem nicht in einem Piloten. Selbstverständlich, dass das den unbefleckten Kinozuschauer überforderte, nicht umsonst sind alle Piloten im Comic-Genre gleich gestrickt. Wer ist der Held, wie gewann er seine Kräfte und gegen wen muss er sich anschließend durchsetzen? All das hat Lee für seinen Hulk durchaus berücksichtigt, jedoch gelegentlich falsch ins Licht gerückt und zu sehr die Nebenfigur David Banner beleuchtet. Im Gegensatz dazu geht Talbot beispielsweise gänzlich unter, insbesondere seine Machtspielchen mit General Ross, die dem Zuschauer praktisch im Vorbeigehen serviert werden. Enttäuschend ist sicherlich auch die Tatsache, dass der Hulk hier tatsächlich zum bloßen Klotz verkommt und abgesehen von einer Traumsequenz überhaupt nicht sprechen darf (die finale Szene außen vor gelassen).

Wahrscheinlich befürchtete Lee, dass die Zuschauer den grünen Riesen aufgrund seiner fehlenden Artikulation in der von sich selbst oft in der dritten Person spricht („Hulk smash!“). Hier hätte die Gefahr bestanden, dass das Publikum Hulk für zurückgeblieben halten könnte, dabei gewinnen die Comics gerade durch Hulks oftmals unsinnigen Beschreibungen seiner eigenen Handlungen ihren humoristischen Charakter. Hauptdarsteller Bana zufolge vermied Lee jedoch konsequent eine amüsante Stimmung am Set, sah er sein Projekt doch verbissen als Superhelden-Drama. An dieser Ambition scheinen er und sein Film letztlich gescheitert zu sein, zumindest in den Augen des Massenpublikums, welches mit seinen Bewertungen und allem voran mit seinen damaligen Besucherzahlen Bände spricht (spielte der Film fast nur ein Viertel wie Spider-Man ein Jahr zuvor ein). Für den Fan ist Hulk hingegen weitaus gelungener und wer sich mit dem Genre respektive Produkt „Comic“ genauer beschäftigt, wird auch dem Drama-Schauwert dieser Verfilmung einiges abgewinnen können, auch wenn sie nicht frei von Fehlern ist.

8/10

8. Juni 2008

Spider-Man

With great power comes great responsibility.

In den 1960ern sollte Marvel zu seinem heutigen Ruhm aufsteigen, indem es in diesem Jahrzehnt seine berühmten und beliebten Charaktere wie den Hulk, die X-Men oder Spider-Man erschuf. Während Namor (1939) und Captain America (1941) zu den Pionieren der Marvel-Comichelden zählten, hatte Spider-Man seinen ersten Auftritt erst 1962. Seitdem hat es die von Stan Lee und Steven Ditko erschaffene Figur im Grunde zum Liebling des erfolgreichen Studios geschafft, was ihrem Charakter zu verdanken sein dürfte, der sicherlich näher an seiner Leserschaft ist als es bei anderen Superhelden der Fall. Inzwischen wird Spider-Man von Marvel selbst als Maskottchen verwendet und eine Identifikation der Firma mit der Figur ist eingetreten. Über zwei Dutzend verschiedene Serien um den Spinnenmann gibt es inzwischen, hunderte von Ausgaben beschäftigten sich in den vergangenen 46 Jahren mit den Abenteuern von Peter Parker.

Hierzu kommen noch fast zwei Dutzend TV-Animationsserien, am bekanntesten dürfte die Figur jedoch aufgrund ihrer Kino-Trilogie sein. Wurden die Neunziger praktisch von den Batman-Verfilmungen beherrscht, war es um die anderen Comichelden ruhig. Nachdem das Genre mit dem trashigen Batman & Robin gegen die Wand gefahren wurde und der Markt gesättigt schien, wagte man um das Millennium einen Neubeginn. Allen voran ist es Blade (1998) und insbesondere X-Men (2000) zu verdanken, dass die Kinoindustrie nun vom Superhelden-Genre dominiert wird. Kaum ein Jahr, in dem nicht irgendein maskierter Rächer durch die Städte streift. Dieses Jahr schaffte es Iron Man in die Kinos, folgen werden ihm noch The Incredible Hulk, Hellboy 2: The Golden Army und The Dark Knight. Für das kommende Jahr dürfen sich die Fans neben Alan Moores Watchmen auch auf Will Eisners The Spirit und X-Men Origins: Wolverine freuen.

25 Jahre lang hatte man sich an einem Spider-Man-Film versucht, ehe die Planungen in den Neunzigern ihr Endstadium erreichten. James Cameron schrieb ein Drehbuch, welches Doc Ock als Bösewicht vorsah und auf Mary Jane gänzlich verzichtete, stattdessen Flash und Gwen Stacy stärker in die Handlung einband. Cameron selbst war als Regisseur für die Verfilmung überhaupt nicht vorgesehen, stattdessen bemühte man sich im Tim Burton, Tony Scott, Roland Emmerich und David Fincher. Letzterem sagte das Drehbuch nicht zu, welches dann von David Koepp überarbeitet wurde, dessen Skript zum vierten Indiana Jones-Film für Gesprächsstoff sorgte. Koepp übernahm viele Elemente von Cameron, allerdings zur Unzufriedenheit der Macher. Zwar wird Koepp als alleiniger Autor von Spider-Man geführt, sein Skript überarbeiteten aber noch Scott Rosenberg (Con Air) und anschließend von Alvin Sargent (Ordinary People).

Sargent sollte die Dialoge etwas aufpolieren, was einem bei wie ein Witz vorkommen muss, da grade die Dialoge zu den großen Mängeln des Films zählen. Für die Hauptrollen von Peter Parker und Mary Jane Watson waren unter anderem Leonardo Di Caprio und Alicia Witt vorgesehen, doch sollte alles anders kommen. Der im Horror beheimtatete Sam Raimi, der bereits mit Darkman eine Comicverfilmung vorweisen konnte, wurde als Regisseur an Bord geholt und entschied sich nach Sichtung von The Cider House Rules für den aufstrebenden Tobey Maguire als Peter Parker. An seiner Seite wurde die recht unbekannte Kirsten Dunst gecastet und der Part von Norman Osborne, den Nicolas Cage und John Malkovich aus Zeitgründen ablehnten, wanderte zu Willem Dafoe. Für 130 Millionen Dollar entstand Spider-Man schließlich 40 Jahre nach seiner Geburt und avancierte zum ertragreichsten Film des Jahres in den USA.

Wie angesprochen liegen die Sympathien für Peter Parker wohl an seinem Charakter, ist er doch kein Milliardär (Bruce Wayne, Tony Stark) oder Erwachsener (Die Fantastischen Vier, X-Men), sondern ein Teenager und Schüler. Mit seiner Brille und seinem Interesse an  Naturwissenschaften ist er der Inbegriff eines Nerds und bedient damit ohne Frage seine Zielgruppe. Sportskanonen und Kiffer dürften kaum den Massenanteil der Comic-Leserschaft stellen, wer sich die Nerdhaftigkeit des Klientels vor Augen führen möchte, darf gerne zu der jährlichen Abhaltung von Comic Con fahren und die Fans des Franchise beobachten. Vollwaise Peter Parker (Tobey Maguire) verpasst jeden Morgen den Schulbus, in diesem will keiner neben ihm sitzen und er liebt logischerweise das Mädchen von nebenan: MJ (Kirsten Dunst). Diese geht jedoch, wie es der Zufall so will, mit dem größten Trottel der Schule aus: Football-Spieler Flash.

Paradoxerweise ist Peters einziger Freund der Milliardärssohn Harry Osborne (James Franco). Nachdem Raimi seinen Helden als Average Joe etabliert hat, kann er zu dessen Metamorphose schreiten. Ein Schulausflug wirkt sich fatal aus, nachdem Peter von einer mutierten Spinne gebissen wird. Hier bediente sich Koepp scheinbar von seinem Drehbuch zu Jurassic Park, wenn die verschiedenen Spinnengenome einen DNS-Strang komplettieren. Die Spinnengene verbinden sich also mit Parkers DNS und lassen ihn zur menschlichen Spinne verkommen oder anders gesagt (Bruce Campbells Cameo lässt grüßen): zum “amazing spider-man”. Entgegen der Comic-Reihe erzeugt Parker das Spinnennetzgewebe selbst, sprich organisch, anstatt es chemisch herzustellen. Raimi zufolge sollte dies die Glaubwürdigkeit des Charakters stärken, Fans dürfen davon halten was sie wollen. Parkers Metamorphose ist jedenfalls eingeleitet.

Raimi serviert dem Publikum seinen Helden mit einer gehörigen Portion Witz, die fast schon an die Gagdichte des dritten Teiles heranreicht. Amüsant sind vor allem Parkers erste Versuche das Spinnengewebe zu erzeugen, die zu Referenzen von Superman (“up, up and away!”) und Captain Marvel (“shazam!”) verkommen. Anschließend wird sich auch nicht lange mit der Entwicklung der Kräfte aufgehalten, der kathartische Moment von Onkel Bens Tod wirft Parker quasi ins kalte Wasser, in welchem er sich anschließend bewährt. Die Handlungsebene von Onkel Ben wird speziell im Trilogieabschluss erneut aufgegriffen, auch sein verklärtes Motto, dass mit großer Macht große Verantwortung einhergeht. Entgegen den Planungen von Maguire wird nun an einer neuen Spider-Man-Trilogie gearbeitet, mit frischen jungen Gesichtern, da Dunst und Raimi ihr Engagement von Maguires Entscheidung abhängig machten.

Während Peter Parker und im Grunde auch Harry Osborn näher durchleuchtet werden, gerät MJ etwas ins Hintertreffen. Alles was der Zuschauer erfährt, ist ihr zerrüttetes Elternhaus und ihre Leidenschaft fürs Theater. Wieso sie Gefühle für Flash und Harry entwickelt, erfährt man ebenso wenig, wie ihre endgültige Entscheidung zugunsten von Peter. Fraglich, weshalb man nicht – die Trilogie stand ja fest – im ersten Teil Gwen Stacy anstelle von MJ eingebaut hat, anstatt dies nachträglich im dritten Teil zu tun. Gerade da die Filmhandlung zu einem Großteil ohnehin auf der Ausgabe The Night Gwen Stacy Died basiert, was auch den Abschied des Charakters mit einbezogen hätte. Womöglich wollte Raimi seinen Film aber nicht mit gleich zwei traumatischen Erlebnissen für seinen Helden überfrachten. Problematisch bleibt dennoch, dass Dunst fehlbesetzt wirkt und in dem Triumvirat der Männer unterzugehen scheint.

Dass es sich bei den Superhelden um Außenseiter handelt, merkt man spätestens an den Namen Tim Burton und Danny Elfman, die jedesmal bei Projekten aufkommen (Batman, Superman, Spider-Man, X-Men). Gerade Elfman steuert gerne die Musik fürs Genre bei, stammen außer den Burton-Batman-Filmen doch auch der Soundtrack zu Spider-Man oder Hulk von ihm. Seine Töne, wenn Spider-Man sich durch die Straßen Manhattans schwingt, passen perfekt zur Figur und vermischen Sinnliches mit Übersinnlichem. Maguire geht dabei in seiner Rolle sehr gut auf, hadert jedoch mit den ernsten Momenten. Den Schultölper Peter Parker jedoch spielt er mit einer überzeugenden Leichtigkeit, die seine lange Verankerung im Filmgeschäft durch Rollen wie in The Wonder Boys oder Eerie, Indiana sicherlich zu fördern wusste. Als Peter aber einen Fehler macht, wird dies das Leben seines geliebten Onkel Ben kosten.

Die Konstellation Rache-Tod bildet in Spider-Man 3 den Startpunkt der Handlung. Zudem wird hier am Ende die Rahmenhandlung für einen neuen Antagonisten gebaut, obschon eine Internetparodie die Schwäche des Drehbuches offen zulegen scheint. Dieses hat ohnehin an vielen Punkten Probleme, die Handlung voran zu treiben, was X-Men sehr viel besser gelang (wobei dieser ebenfalls Schwächen besaß). Das gespiegelte Schizophrenie-Gespräch fand sich Ende 2002 auch in The Two Towers wieder, wobei es dort weit weniger lächerlich wirkte, als es hier bei Osborn der Fall ist. Ganz bitter ist jedoch, dass Koepp die Klimax des Finales aus Batman Forever klaut (Chase und Robin hier, MJ und Gondel mit Kindern da). Koepp scheint insgesamt kein Talent für gute Drehbücher zu haben, was seine bisherigen Arbeiten (Snake Eyes, Secret Window, War of the Worlds) bis auf wenige Ausnahmen bestätigen können.

Ein Superhelden-Film ist kein Superhelden-Film, wenn er nicht mit Actionszenen und den dazu nötigen Effekten aufwarten kann. Hier unterliegt Spider-Man derselben Schwäche wie The Matrix Reloaded, bieten beide einen Helden, der aus dem PC stammt und auch entsprechend aussieht. Wie es richtig geht, zeigte Bryan Singer zwei Jahre zuvor in X-Men, auch wenn dort mancher Effekt noch etwas unbeholfen wirkte. Wirklich negativ fällt der animierte Spider-Man zwar nicht auf, dennoch überzeugen die Effekte in Teil 2 mehr. Das Problem dürfte hier daran liegen, dass durch die Kostümierung von Maguire gänzlich nichts zu sehen ist und somit keinerlei Notwendigkeit für eine nähere Darstellung besteht (im Gegensatz zu X-Men, wo die Identitäten nicht durch Kostüme geschützt werden müssen). Die Mankos des ersten Spider-Man sind neben dem teils holprigen Drehbuch und den schwachen Dialogen somit die Action.

Die mehrfache Konfrontation des Green Goblin mit Spider-Man verliert mehr und mehr an Tempo, vor allem da eine direkte Konfrontation nicht wirklich auftritt. Gelungen ist natürlich die Tatsache, dass der Goblin Spider-Man von seinen Idealen überzeugen will, dennoch verliert die Geschichte mit jedem Aufeinandertreffen an Intensität. Die Actionszenen selbst sind dabei noch ziemlich spärlich und reichen in keinster Weise an den furiosen zweiten Teil heran. Als Origin-Story geht Spider-Man in Ordnung, da sie schwer zu inszenieren war, bedenkt man die aufwendigen Szenen durch Manhattan, die wenig bis gar keine Zentrierung von Kämpfen möglich machen. Raimi ist für seine Arbeit ein Lob auszusprechen, allgemein ist seine Trilogie durchaus gelungen. Spider-Man ist ein gutes Beispiel für einen Film mit einer gelungenen Helden-Exposition, an der sich ein Iron Man hätte orientieren können.

7.5/10

6. Juni 2008

X-Men

What do you say we give the geeks another chance?

In den 1970er Jahren entstanden die größten und erfolgreichsten Superhelden des Marvel-Verlags, darunter Spider-Man, Hulk oder die X-Men. Dabei sind die X-Men etwas jünger als die beiden genannten Kollegen, wenn auch nur ein Jahr. Im Jahr 1963 erschufen Stan Lee und Jack Kirby eine Gruppe Mutanten, die die Menschheit vor einer feindlich gesinnten Gruppe anderer Mutanten zu beschützen versucht. Zu Beginn lief die Serie jedoch etwas schleppend und vermisste noch ihr heute bekanntestes Mitglied: Wolverine. Der mysteriöse Einzelgänger stieß erst in Ausgabe 94 zu den X-Men, wobei er sein Debüt zuvor in einer Ausgabe des Hulk feierte. Inzwischen, und dies nicht erst durch die Kinotrilogie von 20th Century Fox, steht Wolverine jedoch stellvertretend für die X-Men.

In ihrer Ursprungsformation bestanden die X-Men aus Professor X, Cyclops, Jean Grey, Storm, Angel, Beast und Iceman. Interessanterweise markieren die X-Men die einzige Marvel-Serie, die seit ihrer Entstehung durchgehend veröffentlicht wird - im Gegensatz zu Spider-Man, den Fantastic Four oder Hulk. Was die X-Men dabei von den anderen Marvel-Superhelden unterscheidet, sind ihre Kräfte. Denn diese sind im Gegensatz zu Spider-Man oder Hulk kein Unfallrsultat, sondern Mutationen im Zuge der Evolution. Die X-Men sind eine Minderheit, die einen Sprung in der DNS-Kette erfahren hat, der ihnen ihre individuellen Fähigkeiten beschert. Daher können die Mutanten niemandem die Schuld für ihr Schicksal zuschieben, sondern ihr Dasein ist letztlich schlichtweg ihr Schicksal.

Angesichts der Popularität der X-Men, war eine Verfilmung seit jeher im Gespräch. In den späten Achtzigern begannen die Gespräche für eine Adaption und wie zur damaligen Zeit üblich, fiel hierbei auch der Name von Tim Burton, der mit seinen Batman-Filmen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen sollte. Damals sicherte sich Carolco Pictures die Rechte an den Marvel-Mutanten. Ebenjene Firma, die unter anderem hinter der Rambo-Trilogie stand und in James Cameron einen bekannten Schirmherren hatte, der hier als Produzent fungieren sollte (sich aber später Spider-Man zuwandte). Carolco spielte für seinen Film mit einigen bekannten Namen, darunter für Cyclops (Michael Biehn, Vince Vaughn, Edward Norton), Rogue (Natalie Portman) oder Storm (Angela Bassett).

Mit entscheidend schien schienen jedoch die Rollen von Jean Grey und Wolverine zu sein, rankten sich um Erstere Darstellerinnen wie Julianne Moore, Charlize Theron oder Ashley Judd. Für Wolverine waren neben Keanu Reeves auch Mel Gibson und Russell Crowe im Gespräch. Letztlich wurde es der Schotte Dougray Scott, der aufgrund seines Engagements in Mission: Impossible II jedoch absagte. Den Zuschlag erhielt dann der australische Mime Hugh Jackman, der mit seiner Darstellung des charmanten Grantlers den Durchbruch schaffen und zu seinem heutigen Starruhm aufsteigen sollte. Wie sein Comic-Pendant ist auch Jackman inzwischen das filmische Gesicht der X-Men geworden und erhält 2009 unter der Regie von Oscarpreisträger Gavin Hood sein eigenes Sequel.

Noch mehr Chaos als bei der Besetzung gab es lediglich beim Drehbuch zum Film. Im Laufe der Jahre wurden 25 Fassungen geschrieben, eine der ersten stammte vom Oscarprämierten Andrew Kevin Walker (Se7en) aus dem Jahr 1994. Sein Drehbuch wurde anschließend von John Logan (Gladiator) überarbeitet, das wiederum bei Michael Chabon (Wonder Boys) landete. Dieser konzentrierte sich ganz auf die innere Struktur der X-Men und ersparte sich die Anwesenheit von Antagonisten. Verständlich, dass dies das Studio wenig erfreute, weshalb das Skript zur Überarbeitung an Ed Solomon (Men in Black) weitergereicht wurde. Als man mit dessen Fassung ebenso unzufrieden war, kam Joss Whedon (Firefly) an Bord, der der Einfachheit halber ein vollkommen neues Drehbuch schrieb.

Inzwischen war nach einiger Überzeugungsarbeit Bryan Singer als Regisseur engagiert worden, der mit Whedons Skript zu seinen The Ususal Suspects-Partner Christopher McQuarrie ging, der die bisherigen Entwürfe überarbeitete. Am Ende vermerkte die Writers Guild of America lediglich David Hayter als Drehbuchautoren, da dieser als Letztes am Drehbuch gewerkelt hatte. Abgesehen von einigen charakterlichen Änderungen, die gleich angesprochen werden, muss man jedoch eingestehen, dass X-Men zu jenen Comic-Verfilmungen gehört, die ein funktionierendes und stringentes Drehbuch besitzen. Diesem gelingt es außerdem den sozialkritischen Subtext der Vorlage nicht nur geschickt, sondern auf die gesamte Trilogie übertragen sogar sehr bemerkenswert zu adaptieren.

Was die X-Men zusätzlich von den anderen Superhelden unterscheidet, ist ihr Team-Charakter. Die Folge ist eine Unmenge an Figuren, was eine Kinoauswertung nicht erleichtert. Singer verzichtet daher auf viele X-Men und beschränkt sich, mit unterschiedlicher Charaktertiefe, auf einige von ihnen. Dennoch kommen prominente X-Men wie Cyclops (James Marsden) und Storm (Halle Berry) unter die Aufmerksamkeitsdefiziträder der Hollywoodmachinerie, nehmen sie neben Wolverine (Hugh Jackman) doch lediglich eine Sidekick-Funktion ein. Noch härter trifft es die Partei der Antagonisten, bei denen nur Magneto (Ian McKellen) ausführlicher beleuchtet wird, während Mystique (Rebecca Romijn), Toad (Ray Park) und Sabretooth (Tyler Mane) austauschbare Handlanger repräsentieren.

Besonders die ambivalente Beziehung zwischen Wolverine und Sabretooth geht X-Men leider völlig ab. Neben Jackmans Charakter stellt Singer auch Jean Grey (Famke Janssen) ausführlicher vor und bildet im Laufe des Films eine perfekte Einleitung für den Trilogieverlauf (den Singer selbst dann nicht mehr vollendete). Ansonsten bekommt man ein gewisses Verständnis für von Professor X (Patrick Stewart) und Rogue (Anna Paquin). Letztere wird vor ihrem Aufeinandertreffen mit Ms. Marvel gezeigt, sodass sie nur über einen Teil ihrer späteren Kräfte verfügt. Sie hat natürlich ihre Funktion im Finale, doch zu Lasten ihrer eigenen (Comic-)Persönlichkeit. Zugleich presst Singer sie in die Rolle von Kitty Pride, wenn Paquin als Protege und emotionales Anhängsel von Wolverine dargestellt wird.

Der Subtext von X-Men ist dabei durchaus sozialkritisch motiviert, behandelt die Serie ganz zentral Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Genozid und Faschismus. Erfreulich, dass dies auch Einzug in Singers Film findet, der sich primär für den Diskriminierungsfaktor interessiert. Wenn Senator Kelly (Bruce Davison) im Parlament eine Liste mit denunzierten Mutanten zu Tage fördert und vehement deren Demaskierung verlangt, ist dies ein gelungenes Spiegelbild der McCarthy-Ära. Das Mutanten-Thema wird im Film folglich sozio-politisch behandelt, und Magneto scheint sich mit dem Urteil abgefunden zu haben, das nur den offenen Konflikt als Lösung bietet. Die gute Seele repräsentiert sein alter Freund und Weggefährte Professor X, der an den positiven Wandel der Menschheit glaubt.

Hier divergiert der Film wohl am meisten zu Spider-Man, werden die Mutanten doch nicht mit Paraden bejubelt, sondern müssen im Untergrund arbeiten und eine Gesellschaft beschützen, die sie nicht akzeptiert, sondern verachtet. Gerade weil die X-Men verhasst sind, imponiert ihr Edelmut mehr als bei den anderen Comicfiguren. Bedauerlicherweise versäumt es die Trilogie mit den Marauders auf einen weiteren Subtext einzugehen. Bei den Marauders handelt es sich nämlich um eine Gruppe von Mutanten, die aufgrund ihrer anatomischen Mutationen im Gegensatz zu Jean Grey oder Rogue noch verdeckter leben muss. Immerhin wurde es geschafft, manche der Marauders zum Treffen der Bruderschaft der Mutanten im Trilogie-Abschluss X-Men: The Last Stand zu integrieren.

Die X-Men stellen quasi stellvertretend für die Afroamerikaner während der Bürgerrechtsfrage der 1960er Jahre. Bezeichnenderweise sind unter den X-Men wiederum selbst kaum Farbige, nimmt Storm hier eine Ausnahmestellung ein. Doch Singer greift nicht nur soziopolitische Themen auf, sondern er spickt X-Men auch mit einigen Referenzen, natürlich zur Comic-Serie, aber auch zu The Phantom Menace oder Enter the Dragon. Zur Verfügung standen ihm dabei moderate 75 Millionen Dollar, während Sam Raimi für Spider-Man immerhin fast das Doppelte erhielt. Weltweit gelang es dem Film dann auch nur bescheidene 300 Millionen Dollar einzuspielen, die sich in keiner Weise mit dem Erfolg von Spider-Man (Einspiel: 821 Mio.) messen können, sondern lediglich mit Ang Lees Hulk.

Dabei ist X-Men ein starker Film, das Drehbuch trotz seiner Querelen, überzeugend und auch die spärlich eingesetzten Effekte durchaus glaubwürdig. Lediglich in der Mitte verzeichnet Singers Film eine leichte Schwächephase, namentlich die zweite Fluchtszene von Rogue. Trotz allem macht der Film über weite Strecken ungemein Spaß, besitzt Tempo und Tiefe. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass X-Men maßgebend verantwortlich für die neue Welle an Comic-Verfilmungen war. Selbst wenn Blade zwei Jahre zuvor und Spider-Man zwei Jahre danach auch ihren Teil beitrugen. Fans vermissen vielleicht die Vertiefung einiger Nebenfiguren (beziehungsweise Integration solcher Charaktere wie Gambit), dennoch zählt Bryan Singers X-Men zu den wenigen gelungenen Genrebeiträgen.

8.5/10

4. Juni 2008

Grey’s Anatomy - Season Four

We are each others keepers.

Ursprünglich als Ersatzserie für Desperate Housewives im März 2005 gestartet, entwickelte sich Shonda Rhimes’ Serie Grey’s Anatomy schnell zu einer eigenständigen Erfolgsgeschichte und nahm in ihrer zweiten Staffel bereits den fünftbesten Sendeplatz ein. Die Serie, deren Titel eine Anlehnung an das medizinische Fachbuch Gray’s Anatomy darstellt und die sich um das Leben der Assistenzärztin Meredith Grey (Ellen Pompeo) dreht, musste dieses Jahr in ihrer vierten Instanz erneut an Quoten einbüßen und erreichte einen Tiefstand von durchschnittlich 16 Millionen Zuschauern pro Folge. Habe ich mich nach der dritten Staffel noch gehörig über den eingeschlagenen Weg der Serie geärgert, so lässt sich nun sagen, dass dies wohl lediglich ein Affektärger war. Das heißt nicht, dass Grey’s nicht weiterhin eine Mischung aus Scrubs und Sex and the City ist oder zu einem Krankenhaus-Melrose Place verkommen ist, eher das Gegenteil. Der Grey’s-Kosmos dreht sich ausschließlich um das Seattle Grace Hospital, rund 16 Stunden des Tages halten sich die Charaktere dort auf, man sieht sie selten bis gar nicht in einem äußeren Setting.

Schon gar nicht sieht man sie mit Menschen, die nicht zum Krankenhaus gehören, interagieren. Selbst Barmann Joe taucht in der vierten Staffel fast gar nicht mehr auf und auch sonst bestehen die Kontakte der Figuren nur aus Ärzten, Kollegen und Krankenschwestern. Unglaubwürdiger geht es wohl kaum, doch war dies bereits die Krux anderer Serien wie ER, auch wenn jenes zumindest versuchte das Privatleben seiner Ärzte ausführlicher und differenzierter zu zeichnen. Während Serien wie Scrubs es spielend schaffen, viele Momente außerhalb des Krankenhauses zu präsentieren, wird dies bei Grey’s reduziert. Da verwundert es auch nicht, dass Dr. Mark „McSteamy“ Sloan (Eric Dane) seine gesamten (!) Sexualpartner aus dem Krankenhauspersonal aussucht. Auch die anderen Figuren schlafen im Grunde nur mit Angestellten des SGH, was in einer der letzteren Folgen zumindest humoristisch angesprochen wird. Die Macher sind sich ihres Bildes bewusst.

Der positivste Aspekt der vierten Staffel dürfte Meredith Grey sein, hierbei weniger die Figur, als vielmehr die Tatsache, dass die Figur einem weniger auf den Wecker geht, wie noch in der dritten Staffel kritisiert. Die Figur selbst ein Sopranoesker Charakter, sprich eine Figur die seit der ersten Staffel stagniert und sich keinen Deut weiter entwickelt hat. Dies mag sicherlich auch ein Grund sein, weshalb sie mir bitter aufstößt, doch nimmt Rhimes den Charakter glücklicherweise etwas zurück, besonders zu Beginn. Der setzt an die Ereignisse des dritten Staffelfinales an, nachdem George (T.R. Knight) und Callies (Sara Ramirez) Ehe gescheitert ist, versucht der schüchterne George in einer Beziehung mit Izzie (Katherine Heigl). Dass diese schon nach wenigen Folgen scheitert zeugt von der fehlenden Kreativität der Autoren. Da wird im letzten Drittel der vorangegangen Staffel groß auf der Liebe der beiden rumgehackt, nur um diese im ersten Viertel der neuen Staffel wieder zu den Akten zu legen. Ebenso inkonsequent - wie sich im Finale herausstellt – ist die Tatsache, dass George sein Abschlußexamen vermasselt hat und nun sein Assistenzjahr wiederholen darf.

Dass das alles wahrscheinlich nur heiße Luft war, stellt sich in der Doppelfolge Freedom zum Ende heraus. Immerhin räumt es eine nähere Charakterisierung der neuen Figur Lexie Grey (Chyler Leigh) ein, die gemeinsam mit George ausgebildet wird und hierbei der karrieregeilen Cristina (Sandra Oh) zugeteilt ist. Die Einführung von Lexie verdankt sich wohl den Gerüchten um einen Abschied der Pompeo, deren Figur vermehrt als suizidal dargestellt wird. Dank Leighs Engagement könnte man die Serie anschließend weiterhin guten Gewissens als Grey’s Anatomy weiterlaufen lassen. Bedauerlicherweise wird die Beziehung der beiden Halbgeschwister immer nur angedeutet, eine wirkliche Auseinandersetzung von Meredith mit ihrer Schwester vermisst man jedoch. Ebenfalls neues Gesicht ist der Gaststar der beiden vorherigen Staffeln: Dr. Erica Hahn, die den gekündigten Isaiah Washington ersetzt.

Wie immer haben die Figuren der Serie an ihrem Päckchen zu tragen, bei George und Izzie ist es das Scheitern ihrer Beziehung und zum Ende hin Georges Dasein als Assistenzarzt, während seine Freunde erfolgreichere Wege beschreiten. Cristina hat zuerst mit Burkes Abwesenheit zu kämpfen und schließlich mit der Intoleranz der Kardiologin Hahn ihr gegenüber. Callie versucht sich nach ihrer gescheiterten Ehe im Krankenhaus als Leiterin der Assistenzärzte durchzusetzen, muss diesen Posten jedoch wieder an Dr. Bailey (Chandra Wilson) abgeben, die wiederum für ihre Arbeit ihre Ehe opfern muss. Wie so oft gerät der von Justin Chambers wunderbar gespielte Alex Karev etwas ins Hintertreffen, darf erst in den letzten vier Folgen etwas mehr ins Zentrum rücken – über die Rolle des Arsches kommt er (glücklicherweise) nicht hinaus. Es dürfte niemanden verwundern, dass sich bei Grey’s Anatomy weiterhin alles hauptsächlich um die Beziehung von Meredith und Derek Shepard (Patrick Dempsey) dreht. Beide hatten (wieder einmal) im Staffelfinale Schluss gemacht, führen aber ihre sexuelle Beziehung zu Beginn der vierten Staffel fort. Dann wird auch diese beendet, nur um darin zu resultieren, dass sich beide hinterher trauern.

So berechenbar wie die Serie ist, dürfte es nicht überraschend sein, dass beide im Staffelfinale der aktuellen Staffel wieder zusammen kommen (auch wenn ein dramatisches Opening der fünften Staffel sich meiner Ansicht nach ankündigt). Die fünfte Staffel lässt sich bereits zu diesem Zeitpunkt erahnen: Meredith und Derek sind ein paar Folgen zusammen, dann kriegt Meredith wieder Bindungsangst, macht Schluss und am Ende der Staffel kommen beide wieder zusammen. George wird wohl sein Examen bei der Wiederholung bestehen, die Beziehung zwischen Izzie und Alex wieder aufflammen und Cristina irgendeinen neuen Chef vorgesetzt bekommen. Es ist sicherlich bedauerlich zu sehen, dass in Grey’s Anatomy seit Beginn der Serie wenig bis gar keine Entwicklung eingesetzt hat. Da sich die Serie immer noch auf demselben Niveau wie die dritte Staffel bewegt, verdient sie sich auf dieselbe Bewertung. Die beiden gelungensten (jedoch nicht herausragenden) Folgen waren Crash Into Me (1) und Where The Wild Things Are. Für die fünfte Staffel sehe ich sozusagen schwarz, leider.

7/10

2. Juni 2008

Cassandra’s Dream

Family is family. Blood is blood.

Bei der folgenden Person handelt es sich nicht um irgendeinen Künstler, sondern quasi um eine Legende des Filmgeschäftes. Woody Allen ist der einzige Autor, der es auf vierzehn Oscarnominierungen gebracht hat, zusätzlich dazu noch sechs für die beste Regie, bei einer Nominierung als bester Darsteller. Von diesen einundzwanzig Nominierungen gewann Allen nur lächerliche drei Mal, davon zwei Preise für Annie Hall und einen für Hannah and Her Sisters. Von 1977 bis 1990 drehte er jedes Jahr zumindest einen Film und verzeichnet in seiner Filmographie bisher über vierzig Kinofilme, darunter Klassiker wie eben jener Annie Hall, Manhattan, Mighty Aphrodite oder Deconstructing Harry. Der Mann, der niemals zu einer Oscarverleihung erschienen war, trat überraschenderweise 2002 doch auf, und hielt ein Plädoyer dafür, weiterhin in New York City Filme zu drehen, ungeachtet der Anschläge des 11. September.

New York City, das war und ist Woody Allens Stadt, und dennoch zog es ihn 2005 weg von dieser. Stattdessen widmete sich Allen einer anderen Metropole: London. Hier inszenierte er den Thriller Match Point, ein Genre, welches zu dem zynischen Autor nicht so recht passen wollte. Wider Erwarten überraschte er mit Match Point und wurde verdientermaßen mit seiner vierzehnten Oscarnominierung für sein Drehbuch bedacht. Match Point markiert den Anfang seiner inoffiziellen „London-Murder"-Trilogie, die ein Jahr später in Scoop ihre Fortsetzung und letztes Jahr in Cassandra’s Dream ihr Ende fand. Im Gegensatz zu den ersten Beiden, verzichtete Allen im Letzteren, der erst dieses Jahr in Deutschland erscheint, auf seine Hauptdarstellerin und aktuelle Muse Scarlett Johansson. Dies sollte sich im Sommer bei Allens Ausflug nach Spanien in Vicky Cristina Barcelona allerdings wieder ändern.

Tendenziell besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Allens Cassandra’s Dream und Sidney Lumets Before the Devil Knows You’re Dead. Beide Geschichten konzentrieren sich auf ein Brüderpaar, welches in kriminelle Machenschaften verwickelt wird und letztlich konträre Haltungen zum Geschehen und den eigenen Verwicklungen einnimmt. Waren es bei Lumet Philip Seymour Hoffman und Ethan Hawke, so bildet sich das Brüderpaar bei Allen aus dem Schotten Ewan McGregor und dem Iren Colin Farrell. Sie spielen die Gebrüder Blane, zwei Zöglinge aus einer Mittelsklassefamilie, deren Vater ein Restaurant führt, das rote Zahlen schreibt. Ihr Überleben verdankt die Familie einzig dem finanziellen Zubrot eines reichen Onkels (Tom Wilkinson), der seine familiäre Zugehörigkeit auch auf diese bloße geldliche Finanzspritze beschränkt.

Den älteren Bruder Ian mimt McGregor, einen scheinbar verantwortungsbewussten Sohn, der seinem Vater im Restaurant aushilft, obschon er im Grunde andere Vorstellungen von seinem Leben hat. Ian ist ein Träumer und möchte seinem erfolgreichen Onkel nachfolgen. Ihm wird die Mitwirkung bei einem aussichtsreichen Hotelprojekt in Kalifornien angeboten und hier sieht er seine Chance gekommen. Dabei bemerkt er nicht, dass das geplante Hotelprojekt zum Reinfall verkommen wird. Als er zusätzlich noch die verwöhnte und ambitionierte Schauspielerin Angela (Haley Atwell) kennen lernt, verstärkt sich seine Erfolgssucht nur noch. Sie wird sogar zu treibenden Kraft der Handlung, denn der eifersüchtige Ian kann nicht anders, als Angela der bestmögliche Fang zu sein und dies erfordert nun mal ein gewisses Vermögen, wie ihm auch Angelas Vater in einem Vieraugengespräch gegenüber erwähnen wird.

Colin Farrell übernimmt den Part des bodenständigen Bruders Terry, einem Mechaniker und in einer festen Bindung mit der Kellnerin Kate (Sally Hawkins). Seine große Leidenschaft ist jedoch die Spielerei und so zockt er regelmäßig beim Hunderennen oder Pokern. Überraschenderweise gewinnt er zu Beginn des Filmes, doch man weiß, wer hoch springt wird umso tiefer fallen. Terry verspielt eine riesige Menge Geld und steht nun vor einem enormen Problem, in welches auch aus familiären Banden Ian mit herein gezogen wird. Nach dem Motto „Zusammen gehangen, zusammen gefangen“. Ihre Rettung versprechen sich die beiden in ihrem reichen Onkel Howard (Wilkinson) und dieser sagt ihnen auch die nötige finanzielle Unterstützung zu, verlangt im Gegenzug jedoch selbst eine Gegenleistung.

Diese markiert den Handlungsrahmen des Filmes, zwingt sie die beiden ehrlichen Brüder doch in eine unehrliche Welt einzudringen. Ein Vorstoß, der diese nicht nur voneinander, sondern auch von sich selbst entfernt. Hierin findet sich auch der Titel des Filmes, der Bezug nimmt auf die antike Figur der Kassandra. Bei ihr handelt es sich um die Tochter des trojanischen Königs Priamos und Schwester des Hektor und Paris. Der griechische Gott Apollon verliebte sich der Sage nach in sie und schenkte ihr die Gabe der Vorhersehung. Zu seiner Überraschung wies ihn Kassandra jedoch von sich, weshalb er aus ihrer Gabe einen Fluch machte - niemand sollte ihre Warnungen ernst nehmen. Ebenjene Vorhersehungen (darunter Trojas Zerstörung) gewann Kassandra in ihren Träumen.

In Allens Film sind alle Charaktere Träumer, nicht nur Ian, sondern auch Terry, Howard, Angela und Kate. Sie alle machen sich etwas vor, erhoffen sich Dinge, von denen sie unterbewusst wissen, dass sie nicht eintreten werden. Sie nehmen ihre inneren Warnungen nicht ernst und schreiten damit ihrem Verderben entgegen. Allen will hier sehr bewusst eine Tragödie griechischen Ausmaßes erschaffen und unter dem Strich gelingt ihm dies auch. Das Zusammenspiel zwischen McGregor und Farrell funktioniert und wirkt glaubwürdig, auch wenn es vielleicht eine bessere Entscheidung gewesen wäre, Farrell durch Jude Law zu ersetzen und diesen den Ian spielen zu lassen. Denn gerade in der finalen halben Stunde wirken sowohl McGregor als auch Farrell mit ihrer emotionalen Bürde überfordert. Gerade der Ire, der eine ähnliche Rolle schon mit In Bruges schultern musste und dort bereits Probleme hatte, die volle Tragweite der Gefühle seiner Figur glaubhaft rüberzubringen.

Dies hätte Allen besonders deswegen vermeiden können, wenn er die zweite Hälfte des Filmes nicht so unwahrscheinlich redundant gestaltet hätte. Wie es in Terrys Innenleben aussieht, merkt der Zuschauer bereits in der ersten entscheidenden Szene, stattdessen serviert Allen diesen Konflikt noch weitere zwei bis drei Mal. Auch die finale Klimax wird wieder und wieder verzögert, dabei ist sie lange im Voraus absehbar. Hier hätte Allen einigem aus dem Weg gehen können, nichtsdestotrotz wirkt die Katharsis der Brüder etwas glaubwürdiger als im Lumetschen Pendant und auch die finale Einstellung fährt die vorangegangene Handlung nicht so gegen die Wand, wie bei Lumet geschehen. Dennoch ist Cassandra’s Dream gerade in der zweiten Hälfte ein unglaublich zähes Drama, welches sich mit gefühlten drei Stunden mehr an den Allenschen Klassikern von 80 Minuten Länge hätte orientieren sollen. So ist Cassandra’s Dream am Ende ein etwas enttäuschender Abschluss seiner London-Trilogie.

7/10

31. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Three

You did it. You did it, didn’t you? Did you? You didn’t do it. Yes, you did.

Mit den amerikanischen Serien und Sitcoms ist das immer so eine Sache, denn manchmal mag man manche Serien allein wegen des Piloten nicht besonders, dabei gewinnen sie erst in den kommenden Folgen so richtig an Charme. So wie bei Entourage. Bedauerlicherweise baute die dritte Staffel der in Australien zum Kult aufgestiegenen Serie How I Met Your Mother im Vergleich zum Vorjahr wieder ab, nur wenige Episoden wussten zu überzeugen. Am gelungensten fiel da noch Little Boys aus, während auch die Fortführung der Ohrfeigenwette in Slapsgiving, Everything Must Go oder Sandcastles in the Sand gefielen. Gerade letztgenannte Folge gibt zwei der Freunden eine entscheidende Richtung vor.

Im Gegensatz zu den Vorgängern wartete die dritte Staffel auch mit einigen Gaststars á la Will & Grace auf. Neben Enrique Iglesias, Heidi Klum, Britney Spears und James Van Der Beek gaben sich auch Mandy Moore, Lindsay Price und John Cho die Ehre. Dies erhöht zumindest kurzzeitig den Genuss, auch wenn gerade Britney Spears unter Beweis stellte, dass sie gänzlich frei von jeglichem Schauspieltalent ist. Ähnlich verhält es sich auch mit Iglesias oder Klum, die neben einigen Modelkolleginnen wie Alessandra Ambrosio in The Yips auftreten darf. Sarah Chalke wiederum ersetzte nachträglich Alicia Silverstone, die ursprünglich für die wiederkehrende Rolle einer Dermatologin vorgesehen war, durch die Beteiligung von Britney Spears jedoch absagte.

Im Finale der zweiten Staffel fand die Hochzeit zwischen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) statt, zudem trennten sich Hauptprotagonist Ted (Josh Radnor) und Robin (Cobie Smulders) voneinander. Sehr zur Freude von Barney (Neil Patrick Harris), der nun endlich seinen Wingman zurück hat. Die Handlung setzt nach ein paar Wochen wieder ein, als Robin kehrt Argentinien zurückkehrt - mit Gael (Enrique Iglesias), einem Windsurfenden Masseur im Gepäck. Bei Ted wiederum sorgt ein Vorfall zu Beginn dafür, dass er in der Mitte der Staffel die Dermatologin Stella (Sarah Chalke) kennen und lieben lernt. Unterdessen planen Marshall und Lily ihren Auszug aus der WG und den Kauf einer eigenen, gewöhnungsbedürftigen Wohnung.

Nach den ersten beiden Staffeln ist es etwas enttäuschend zu sehen, wie „abgekühlt“ Robin und Ted miteinander umgehen. Während Robin sich in verschiedenen Episoden sehr reif und erwachsen gibt, beispielsweise in der Beziehung zu Gael, verwundert Sandcastles in the Sand doch umso mehr ob ihres Verhaltens. Hier wollten die Serienschöpfer wohl auf Biegen und Brechen ein dramatisches Szenario für die nächsten Folgen - und viel wichtiger: für die nächste Staffel - erschaffen. Ein fader und etwas unglaubwürdiger Nachgeschmack bleibt dennoch. Ebenso störend gerät die ständige Thematisierung von Marshall und Lilys finanziellen Engpässen. Vor allem, da beide trotz alledem dauernd Geld ausgeben.

Ergänzt wird dies dann von Teds Verhalten, welches den Zuschauer besonders im Staffelfinale (Miracles) erstaunen mag. Mal hü mal hott, die Figur agiert je nachdem wie sie grad lustig ist, nicht aber nach einem festen Schema. Damit wären die negativen Punkte der dritten Staffel kurz umrissen, welche die positiven Momente ziemlich drücken. Einer dieser positiven Faktoren ist Jason Segel, der sich dieses Jahr sehr viel lustiger gibt als zuvor. An Neil Patrick Harris kommt er (und auch sonst niemand bei How I Met Your Mother) trotzdem nicht heran. Alles in allem baut die Serie wieder ab und wird in der vierten Staffel hoffentlich wieder besser werden. Dann aber bitte ohne eine Beteiligung von Britney Spears.

7/10

29. Mai 2008

Funny Games U.S.

You might get hurt.

Neu sind Remakes nun irgendwie gar nicht mehr, eher schon Alltag. Wenn sich die amerikanische Filmindustrie nicht an die Fortsetzungen ihrer eigenen Filme hält (Crank 2, The Punisher 2, Bad Boys 2, Transformers 2), kopiert sie ganz gerne andere, bereits vorhandene Ideen. Hierzu bietet sich das Ausland geradezu an, da der Durchschnittsamerikaner in seinem Kinojahr wohl nicht mehr ausländische Filme einstreuen wird, wie er Finger an der Hand hat. Man mag ihnen zu Gute halten, dass es nicht die Sache eines jeden ist, sich einen Film in fremder Sprache mit Untertiteln anzusehen. Eines der berühmtesten Remakes wurde zuletzt von Oscarpreisträger The Departed verkörpert, der ein Konglomerat aus der genialen Hongkong-Trilogie Infernal Affairs darstellt, sich dabei jedoch fast ausschließlich auf den meisterhaften ersten Teil beschränkt. Aber auch das Kinojahr 2008 kommt nicht ohne US-Remakes aus, wie Brothers, das Remake von Susanne Biers Brødre. Vermehrt werden diese Remakes im Horror-Genre verwendet, bevorzugt bei asiatischen Filmen. Dieses Jahr erscheinen unter anderen amerikanisierte Versionen von Chakushin ari (One Missed Call), Shutter und Gin gwai (The Eye). Zu diesem illustren Kreis reiht sich auch der österreichische Regisseur Michael Haneke ein, der in Funny Games U.S. ein Shot-to-Shot-Remake seines Funny Games aus dem Jahr 1997 liefert. Hierbei ist nicht nur das Drehbuch identisch, sondern jede Kameraeinstellung und jeder Schnitt – das einzige was beide Filme voneinander unterscheidet, ist das Schauspielerensemble, welches einem internationalen Standard angepasst wurde. Abgesehen von den neuen Gesichtern, sind Remake und Original identisch. 

Nach eigenen Angaben habe der Film seine Intention damals verfehlt, erläutert Haneke im Presseheft. Der Film entstand als Reaktion auf das gewaltverherrlichende britische Kino der Neunziger. Doch den Film wollte damals aufgrund der unbekannten Darsteller im Ausland niemand sehen. Inzwischen ist unsere Gesellschaft in Zeiten von Eli Roth und Rob Zombie nur noch gewaltlüsterner geworden, Zentrum des Terrors sind dabei die USA geworden. Daher entschloss Haneke sich dazu, ein Remake seines Filmes zu drehen, diesmal jedoch in englischer Sprache und mit bekannten Darstellern, damit Funny Games endlich das Publikum anspricht, an das es adressiert ist. Der inzwischen verstorbene Ulrich Mühe wurde durch Charakterschauspieler Tim Roth ersetzt, die Oscarnominierte Naomi Watts übernimmt den Part von Susanne Lothar. Die beiden charismatischen Eindringlinge Arno Frisch und Frank Giering wechseln zu Michael Pitt und Brady Corbet. In welche Richtung das ganze sich dann orientiert, lässt sich am Marketing erkennen, wenn die werte Naomi Watts das Hauptplakat mit ihrem Konterfei zieren darf und auch den bekanntesten Namen zum Ensemble beisteuert. Da beide Filme miteinander identisch sind, können Urteile über das Remake lediglich anhand der Darsteller geschlossen werden. Roth und Watts spielen überzeugend in den Rollen des Ehepaars Farber, auch Corbet geht in seinem Part von Frank Giering auf, lässt bei dem schüchternen und naiven Peter kaum Wünsche übrig. Vielleicht die schwerste Figur überhaupt ist Paul, ist er doch der zentrale Charakter des gesamten Geschehens. Gut möglich, dass die Figur im Original nur deswegen so bedrohlich erschien, weil Arno Frisch sie in kurzen Hosen und mit österreichischem Akzent präsentierte. Dabei sollten wir Deutschen eigentlich keine Angst vor Österreichern in kurzen Hosen haben, Cordoba hin oder her. 

Es gelingt Michael Pitt jedoch nicht Frischs Schatten auszufüllen, seine Improvisation von Paul wirkt sehr viel bedrohlicher im Sinne von aggressiver. Frisch dagegen transportierte einen gehörigen Teil seines Terrors durch das bloße Verändern seiner Stimmlage oder einen Blick mit den Augen. Allerdings ist auch die Übersetzung des Textes kein sonderlich dankbares Unterfangen, haben Worte wie „Unterhaltungswert“ im Englischen doch deutlich mehr Konnotationen als es im deutschen Sprachschatz der Fall ist. Wobei dies bereits in die Auslegung des Filmes übergeht. Eine Veränderung gibt es dann doch im Remake. Findet sich im Original eine zehnminütige und ungeschnittene Aufnahme, davon allein fünf ohne jeglichen Dialog, so setzte Haneke hier die Schere an. Kritisierte ich im Original noch, dass diese Szene „meine Geduld ein wenig überstrapaziert“ hätte, so wirkt sie jedoch im Vergleich mit dem Remake sehr viel tiefschürfender für das gezeigte Geschehen. Doch Amerikaner sind schwerlich fünf Minuten lang für eine Szene zu begeistern, in der nichts passiert, so dass auch hier eine Anpassung an den gewünschten Markt auftritt. Zu diesem Zeitpunkt kann man dann eigentlich auch ein Fazit schließend, da jedes weitere Wort sich höchstens noch auf den Filminhalt beziehen könnte. Dies soll in den folgenden drei Absätzen, die somit Spoiler enthalten, geschehen. Hanekes Remake ist zwar im Grunde eine direkte Kopie seines Vorgängers, die gekürzte Fluchtszene und Michael Pitt sorgen dann allerdings doch für einen Abfall, so dass jedem bei Option die österreichische Version von 1997 zu empfehlen ist.

Eine Fernsehzeitung kündigte den Film im Nachtprogramm einst mit den Worten an: Achtung, spielt mit den Sehgewohnheiten. Diese Worte beschreiben Funny Games eigentlich perfekt, im Grunde sogar ausreichend. Der Film ist an sich nichts anderes, als ein Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers. Besser gesagt spielen Paul und Peter kein Spiel mit der Familie Farber um deren Leben, auch wenn dies scheinbar den Rahmen des Filmes vorgibt, im Gegenteil spielen die beiden ein Spiel mit dem Publikum vor dem Fernseher. Mehrfach erläutert Paul dies gegenüber seiner Opfer. Als er ihnen ein Spiel offeriert, welches diese – wie er zynisch zugibt – überhaupt nicht gewinnen können, richtet er sich daraufhin direkt an den Zuschauer. „Sie sind doch auf ihrer Seite?“, fragt er rhetorisch und durchbricht dabei nicht zum ersten und letzten Mal die vierte Wand. Zwei junge Männer, höflich und gepflegt, dringen in das Haus einer unscheinbaren Familie ein und beginnen die Reinform des Terrors bei ihnen zu entfalten. Natürlich ist der Zuschauer auf der Seite der Farbers, es wirkt somit wie purer Hohn, wenn einem Paul diese Loyalitätsfrage stellt. Nach dem ersten Angriff fragt Georg seinen Peiniger, warum er seiner Familie dies alles antue und erhält lediglich ein „warum nicht?“ als Antwort. Am frühen Morgen wird er ihn bitten, doch endlich dem ganzen ein Ende zu bereiten und ihn zu töten. „Sie dürfen den Unterhaltungswert nicht vergessen“, erwidert Paul lapidar. Hierbei handelt es sich nicht um den Unterhaltungswert für Peter und Paul, sondern für den der Kinozuschauer. Diese wollen unterhalten werden und dabei nicht zu kurz kommen. Weswegen Paul das ganze Treiben auch zu einem Zeitpunkt bewusst hinauszögert, denn „wir haben noch nicht einmal die normale Laufzeit erreicht“. Im Gegensatz zu Paul ist sich Peter nicht bewusst, dass ihn ein Publikum beobachtet, er selbst verkommt auch das eine oder andere Mal zum Spielzeug von Pauls Intentionen. 

Auch beim zweiten Sehen, hat sich für mich selbst nichts an der Deutung des Filmes geändert, der fraglos auf verschiedenste Weisen gelesen werden kann. Pauls Verhalten und Äußerungen, in Verbindung mit dem Gespräch zwischen ihm und Peter auf dem Boot, stimmen mich zu meiner Ansicht aus dem Originalbeitrag. Paul und Peter sind echte Charaktere, wohingegen die Farbers Fiktion sind – das schrieb ich damals. „Wenn ich weiß, dass alles nur ein Film ist, kann ich als Protagonist die Mauer der Moral durchbrechen und tun und lassen was ich will“, waren meine exakten Worte. Sicherlich kann Paul auch einfach nur deswegen Peters Tod zurückspulen, um mit der Erwartung der Zuschauer zu spielen, doch dieses Handeln ist eine so derbe Durchbrechung der vierten Wand, dass ich ihr nicht wirklich folgen will. Man stelle sich vor, man könnte sich selbst in einen Film einklinken, in eine fiktive Geschichte mit nicht realen Figuren. Hier kann man praktisch alles machen, insbesondere Gewalt, gerade jene Gewalt, die keinerlei Sinn macht und an der sich die Kinogänger heute in den Filmen eines Eli Roth oder dem dieses Jahr erschienenen Á l’intérieur so erfreut haben. Eine Familie, die es nicht gibt und ein leeres Haus. Würde man jemanden töten, der nicht existent ist? Wie in einem Videospiel. Muss man sich Vorwürfe machen, wenn es doch eigentlich kein echtes Leid ist? Wenn man sich in eine Videospieladaption von Lord of the Rings einloggt und ein Orc in die Kamera fragt, warum willst du mich töten – würde da der Spieler nicht sagen: warum nicht? 

Die meisten Menschen quälen als Kinder kleinere Tiere und seien es nur Ameisen, die auf der Terrasse mit Wasser weggespült werden und mit ihren kleinen Beinen in dem Strom zappeln und einen amüsieren. Wenn man seine aggressiven Phantasien katalysieren könnte, würden das wahrscheinlich sehr viele Menschen nutzen. Haneke kritisiert diesen Zug unserer heutigen Gesellschaft, dieses Gieren nach Gewalt, dass selbst ein Sylvester Stallone seinem Rambo extra viel Gewalt zuführt, damit er bei der Jugend auch ankommt, wie dieser in einem Interview bereitwillig eingestanden hatte. Dabei zeigt Haneke seine Gewalt nicht, alle Misshandlungen der Familie geschehen im Off, die einzige wirklich zur Schau gestellte Szene ist die Erschießung von Peter. Doch diese wird mit der Fernbedienung von Paul ungeschehen gemacht. Diese Tatsache, gemeinsam mit Pauls mehrfachen Kommentaren auf Spielfilmlänge, Unterhaltungswert und weiteres, scheinen in meinen Augen meine These zu bestätigen. Hierzu zählt auch das ständige Essen, der beiden Männer, und wer isst nicht gerne, wenn er sich etwas anschaut? Der Boot-Dialog, in welchem beide über parallele Welten diskutieren, ließe sich auch so deuten, dass Peter ebenfalls eine fiktive Figur ist, weshalb er im Gegensatz zu Paul auch das Publikum nicht wahrnimmt. Hinzu kommt, dass Paul Peter nach der gemeinsamen Vorstellung im Wohnzimmer mehrfach erniedrigt, diesen sogar zum Weinen bringt. Es ist somit sehr deutlich, dass Peter und Paul nicht gleichgestellt sind, immer ist es Paul, der die Kontrolle inne hat, Paul der den kleinen Georg verfolgt, als dieser fliehen kann. Dass dieser am Ende wie seine Eltern stirbt, ist ein Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, ein unkonventionelles Ende und dabei doch nur der Anfang für ein neues Spiel. 

8/10